Fantasy, Schreib mit mir

Schreib mit mir Teil 1 – Die lächelnde Hundestatue

Ich bin beim Stöbern durch WordPress auf einen tollen Blog mit interessanten Schreibtipps und einer Aktion für gemeinsames Schreiben gestolpert. Hier lädt Jette auf ihrem Blog Offen Schreiben regelmässig ein, eine Geschichte zu schreiben. Dafür legt sie einige Eckpunkte fest, die wir frei einarbeiten können

Die Angaben sind recht umfangreich, eine neue Herausforderung danach eine Geschichte zu konstruieren. Sehr spannend.

Setting:

Die Augenfarbe der Menschen wechselt, wie bei einem Stimmungsring. Jede Farbe repräsentiert eine bestimmte Stimmung, die bei jedem Menschen gleich ist. (Das bedeutet sind die Augen zum Beispiel gelb, wenn jemand wütend ist, sind sie bei jedem Menschen in Zorn gelb.) Die Augen deines/r Protagonisten/in wechseln nicht ihre Farbe und das von Geburt an. Welche Farbe ist es und was bedeutet sie eigentlich? Wie reagieren die anderen Menschen auf ihn/sie? Wie beeinflusst dieser Umstand sein/ihr Leben?

Gegenstände:

Diese Gegenstände sollten in der Geschichte auftauchen.

ein besonderer Brief, ein Stuhl, eine Jacke

Charaktere:

Er muss dieses Mal nur irgendwo auftauchen. Ganz egal ob ganz klein am Rand oder im Rampenlicht.

Name: Ari Smith

Haarfarbe: hellblond    Seine Haare erscheinen beinahe weiß und sind nur am Ansatz etwas dunkler. Durch seine helle Naturhaarfarbe erscheinen anderen Körperhaare beinahe unsichtbar. Dadurch wirken seine Augenbrauen kaum vorhanden.

Körperbau: Insgesamt ist er eher schmal und sportlich gebaut. Nur seine Schultern sind breit im Vergleich zu seinem restlichen Körper.

Größe: Er ist etwas kleiner als der Durchschnitt. Allerdings nicht auffallend klein.

Persönlichkeit: Er ist witzig und tendiert dazu über alles einen Scherz zu machen. Wenn er in brenzlige Situationen kommt, entwickelt er einen seltsamen Galgenhumor.

Stärken: Er ist nicht leicht beleidigt. Er ist schnell und wendig.

Schwächen: Er kann nichts ernst nehmen und hält nicht viel von Loyalität.

Zwischenmenschliches: Er ist nicht besonders beliebt. Irgendwann erträgt kaum einer mehr seine Unfähigkeit Dinge ernst zu nehmen.

Die lächelnde Hundestatue

Es war nicht immer so. Ich wurde ganz normal geboren. Meine Augenfarbe hat sich bei jedem Stimmungswandel mit verändert. Ich bin nie was Besonderes gewesen. Meine Eltern waren total stolz auf mich. Mein Vater. So süss. Ich war seine kleine Prinzessin. Es passt auch. Meine Haare haben einen typischen Prinzessinnen-Blond-Ton mit neckischen Naturlocken. Ich bin also wirklich ein glückliches Kind gewesen. Bis zu dem Tag.

Mein Vater war arbeiten und meine Mutter stand in der Küche. Ich sass auf einem Stuhl am Tisch und malte einige Bilder. Ich war gar nicht so schlecht für eine acht Jährige. Meine Augen hatten eine grüne Farbe – ich war ganz entspannt. Ich liebte es zu malen und war fest entschlossen Künstlerin zu werden.

Es klingelte an der Tür und meine Mutter ging zum Öffnen hin.  Ich hörte sie aufgeregt flüstern. Sie wurde lauter. Kann man laut flüstern? fragte ich mich. Ich wurde neugierig. Also schlich ich mich in den  Flur. Dort stand eine Kommode, hinter der konnte ich mich immer gut verstecken. Nur den Weihnachtsmann habe ich nie gesehen.

„Ari – du sollst verschwinden. Ich will dich hier nicht mehr sehen.“

Der Mann der da stand war unheimlich. Er war weiss wie die Wand und seine Haare hatten keine Farbe. Er hatte gar keine Augenbrauen. Doch – sie schimmerten, als er seinen Kopf bewegte. Sie waren so weiss wie seine Haut. Ich hatte Angst vor ihm. Er war so gross wie meine Mutter. Er sah aus wie die Männer im Fernsehen die viel laufen. Die  man bei Olympia immer über die Hürden springen sah. Meine Mutter wurde sauer. Und schubste ihn. In dem Moment schlug er sie. Er schlug sie so hart, dass sie fiel. Und sie fiel hart. Ich konnte das ganze Blut erkennen, das aus ihrem Kopf kam. Soviel Blut. Konnte so viel Blut in Mami sein?

„Mami!“ rief ich und kam aus meinem Versteck. Da sah mich der Mann an.

„Hey Kleine – Komm mal her. Wie heisst Du?“

„Du hast Mami wehgetan Du hast Mami wehgetan. Sie blutet. Tu was.“ Schrie ich.

Da schnappte er mich und zog mich mit sich mit. Ich strampelte und schrie. Ich weinte und rief nach  meiner Mutter. Da schlug er mich und alles wurde Schwarz um mich herum.

Das war jetzt zehn Jahre her. Und das war auch der Moment an dem meine Augen ihre Farbe nicht mehr änderten. Sie waren hellblau – fast weiss-farblos. Sie zeigten keine Gefühle mehr an. Diese Farbe gab es nicht in unserer Welt.

„Mira? Was machst du? Baust du deine Welt mal wieder neu?“

Ari sass auf dem Sofa und zappte gelangweilt durch das Programm.

„Irgendjemand muss es ja machen. Du hast meine ja eingerissen. Also lass mich besser in Ruhe.“

„Oh-ho. Noch immer sauer. Mein weiss äugiges Wunderkind?“

„Du weisst, dass dich keiner leiden kann. Nicht. Sonst sag ich es dir gerne noch mal. Deine blöden Witze öden die Leute an. Hast du das noch nicht gemerkt?“

„Ach Schätzchen. Als wenn mich das irgendwie belasten würde. Ich hab doch dich. Du findest mich doch witzig, oder“

„Siehst du mich lachen?“

„Ich kann dich gar nicht anschauen. Deine Augen sind einfach zu gruselig. Zieh die Sonnenbrille an, dass man dieses weiss nicht so sieht. Das ist eklig.“

„Eklig? Du sagst zu mir eklig. Hast du schon in den Spiegel geschaut? Du bist weiss wie eine Wand. Alles an dir. Haare, Haut, Augenbrauen, ja sogar deine Haare auf den Armen. Du bist ein Albino. Zeig mir deine Augen. Sie müssten eigentlich bei Rot stehen bleiben. Rot für Lügen und Verrat. Also verpiss dich und lass mich in Ruhe.“

„Wohow. Bist du mit dem falschen Fuss aufgestanden? Ich glaube du solltest mal wieder runter kommen.“

Er nervt mich. Ich muss die Wohnung verlassen. Wo gehe ich hin. Ich will meine Eltern sehen. Aber ich darf nicht. Lebt meine Mutter noch. Ich weiss es nicht. Ari sagt es mir nicht. Ich kann nicht mehr hin gehen. Es ist mir verboten.

Ich wandere durch die dunklen Strassen – ich liebe die Dunkelheit. Da kann keiner meine Augen richtig sehen. Die Leute schauen mich immer so neugierig an. Gaffer! Na und – meine Augen verändern ihre Farbe nicht – und ja – meine Farbe gibt es in eurer beschissenen Welt nicht! Ich fühle mich einsam. Ich vermisste jeden Tag mein perfektes Leben von damals. Als ich die kleine Prinzessin meines Vaters war.

Der Weg führt mich – wie immer – zum Friedhof. Ich liebe den Friedhof. Ich habe keine Angst davor durch die verfallenen Grabreihen zu laufen. Im Gegenteil. Mich beruhigt das. Gerne sitze ich bei den Soldatengräbern, mit einem Skizzenblock und lass meiner Fantasie freien Lauf. Ich kann hier Stunden sitzen. Das ist mein geheimer Rückzugsort.  Keiner weiss davon. Den hüte ich wie einen Schatz. Ich sitze immer auf einer Bank neben der Statue eines Hundes. Die Legende sagt, das Herrchen dieses Hundes wäre verstorben und der Hund hätte die Grabstätte nie verlassen. Ich liebe diese Legende. Ich bin schon als junges Mädchen immer hier her gekommen. Am Anfang habe ich den Hund immer gestreichelt.

Ari geht mir gehörig auf die Nerven. Er sagte mir, er hätte mich damals gerettet. Meine Eltern wären nicht meine Eltern. Ich wäre was besonders. An meinem achtzehnten Geburtstag würde sich mein Schicksal erfüllen. Das wäre in drei Tagen. Wer waren dann meine Eltern? Er sagte – sie wären meine Pflegeeltern gewesen und meine echten Eltern wären schon lange tot. Es ist mir egal. Meine Eltern waren die besten. Ich fühlte mich geliebt. Jetzt fühle ich  mich einsam und freakig. Der Mond ging auf. Ich mache mich auf den Weg nach Hause.

Heute ist mein Geburtstag. Ich werde auf keinen Fall mit Ari feiern. Der kann mich mal. Ich flüchte auf meinen Friedhof. Meine Sonnenbrille habe ich immer an. Ich hasse diese Blicke wegen meiner komischen Augen. Ah – ich sitze in der Sonne, der Block liegt neben mir. Ich fange an zu Zeichnen. Als ich so in Gedanken bin und meine Skizzen neben mir liegen, verdunkelt sich die Sonne. Was? Ist heute Sonnenfinsternis. Ich ziehe die Sonnenbrille an und schaue nach oben. Aber ich kann nichts erkennen. Es ist dunkel. Alles um mich herum – dunkel. Vor mir erscheint eine rechteckige Öffnung. Eine Tür. Durch die Tür tritt eine Frau. Sie scheint älter zu sein. Aber ein helles Leuchten umgibt sie. Ich habe keine Angst. Ich fühle mich irgendwie sicher. Es fühlt sich gut an. Das Licht wärmt mich.

„Mira – es ist so weit. Dein achtzehnter Geburtstag. Ach meine Liebe. Ich sehe deine Augen. Du kannst die Brille abnehmen. Meine Tochter. Mein Engel. Solange musste ich auf dich warten. Mein Herz war wie Tod. Aber jetzt fängt es wieder an zu schlagen. Mein Schatz. Ich weiss, du wirst verwirrt sein. Ich werde dir alles erklären. Aber du musst mit mir kommen. Endlich können wir dich schützen. Deine Kraft wird heute um Mitternacht ihre volle Stärke und Schutz erlangen, dann kannst du deinen Platz einnehmen.“

„W-was? W-wer bist du?“

„Ich weiss, das ist nicht leicht zu verstehen. Du bist meine Tochter. Ich musste dich damals hier bei Freunden lassen. Dein Leben war in Gefahr. Wir waren im Krieg und du bist die rechtmässige Nachfolgerin deines Vaters. Du wirst Herrscherin von Maratenon. Wir wurden geschlagen damals. Dein Vater wurde schwer verletzt und war nicht mehr in der Lage zu kämpfen. Es gab eine Prophezeiung, die dich als Friedensbringerin bezeichnete. Deine Augen sind der Beweis. Du bist die Kriegerin die unsere Welt retten und befreien wird. Komm mit mir nach Hause.“

„Ganz bestimmt nicht. Was erzählen sie mir denn da für einen Nonsens. Meine Eltern sind hier. Ich bin als glückliches Kind aufgewachsen, bis Ari mich entführte. Ich komme ganz bestimmt nicht mit“

Plötzlich trat Ari aus dem Dunklen in den hellen Schein. „Mira – ich weiss, du  magst mich nicht, aber deine Mutter erzählt die Wahrheit. Ich  musste dich damals mitnehmen, dein Versteck wurde aufgedeckt. Du warst nur bei mir sicher. Und jetzt kannst du nach Hause. Du weißt – ich habe dich nie belogen. Witze gemacht – ja – aber nie belogen. Nimm dein Schicksal an und rette dein Volk. Wir wollen endlich wieder Frieden und Freiheit. „

„Ähm – aber – ich – nein. Nein. Vielleicht?“

„Komm her – lass mich dir zeigen wie unsere Welt aussieht. Ich werde nur kurz deine Schläfen berühren, dann bekommst du einen Einblick. In deine Geburt und in deine Geschichte. Die Geschichte deines Volkes.“

Ich zuckte zurück. Aber ich fühlte, dass ich ihr trauen kann. Und ich liess es zu. Und ein warmer, sanfter Wind bliess durch meinen  Geist und zeigte mir Bilder. Schöne wie verstörende. Meine Geburt. Die glücklichen Gesichter der Frau, die meine Mutter sein will. Ein mir unbekannter Mann – mein Vater. Und dann andere Szenen. Kämpfe, Blut, Tot. Ari der mich im Arm hält und mit sich nimmt. Meine Pflegeeltern. Meine Kindheit. Mein Volk.

„Ok. Gut. Ich spüre, dass ihr die Wahrheit sagt. Und ich spüre etwas in mir, dass endlich komplett sein will. Ich komme mit. Ich werde versuchen, was verlangt und erwartet wir. Ihr werdet mir doch helfen?“

„Natürlich mein Kind. Wir warten seit achtzehn Jahren auf dich. Wir sind vorbereitet dir zu folgen und für dich zu kämpfen.“

Ich stehe auf. Ich gehe auf diese rechteckige Öffnung zu und drehe mich um. Ich sehe die Statue mit dem Hund. Ich habe das Gefühl er lächelt. Können Hundestatuen lächeln?. Ich mache mich auf den Weg um meine Bestimmung anzutreten. Ob ich siege – wer weiss, aber ich werde endlich wieder glücklich sein. Das spüre ich.

ENDE

 

Fazit

Das war gar nicht so einfach. Auch meine Wahl in der ersten Person zu schreiben. Es wirkt irgendwie bisschen abgehakt und unpersönlich. Ich habe das Gefühl, dass man in der dritten Person oder mehr spielen kann. Eine interessante Erfahrung.

 

12 Gedanken zu „Schreib mit mir Teil 1 – Die lächelnde Hundestatue“

  1. Ganz lieben Dank fürs Mitmachen und deine netten Worte.
    Ich mochte deine Geschichte. Erst war ich besorgt um Mira. Man wusste ja nicht was der gute Ari so mit ihr vorhatte.
    Das Ende war eine nette Wendung. Jedenfalls etwas mit dem ich nicht gerechnet habe. Aber ich denke Mira packt das schon.
    Ich habe dich verlinkt. :)
    Liebe Grüße

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  2. Huhu,

    ich glaube, das wären mir schon wieder zu viele Vorgaben. Da fühlte ich mich zu eingeschrenkt. Aber ich find die Geschichte wirklich toll. Besonders die Achtjährige fand ich süß. Die Idee gefällt mir aber auch.

    LG Corly

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  3. Ich bin beeindruckt und jetzt am Überlegen, ob ich es nicht auch einmal wagen sollte… Aber normalerweise schreibe ich nur sehr kurze Themen zu Dingen, die mir gerade im Kopf herumgehen…

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      1. Ich werde es auf jeden Fall morgen versuchen! Heute habe ich schon zu viel Zeit auf WordPress verbracht… Ich sollte echt mal meine Prioritäten anders setzen und etwas für die Schule machen :D
        Danke für die Inspiration!

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      2. PS. Du kannst auch mit den Etüden von Christiane anfangen. Das wäre genau das richtige. 3 Worte in 10 Sätze. Das mag ich sehr gerne, und ist perfekt für zwischendurch. Schau mal in meinen Wochen Rückblick da hab ich eine Verlinkung zu ihr. LG 😊

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