Dystopie, Schreib mit mir

Schreib mit mir Teil 33 – EmoEx – Wofür lebst Du?

Jette hat ein neues Setting heraus gegeben. Ich bin noch nicht durch alle gestöbert – aber das werde ich noch. Bei dem neuen Thema habe ich gleich mal los gelegt. Viel Spass beim Lesen.

Setting:

Dein/e Protagonist/in lebt in einer Welt in der der Mensch keine Emotionen mehr hat. Emotionen machen als Drogen die Runde besonders unter Leuten in dem Alter deines/r Protagonisten/in. Dein/e Protagonist/in kommt an eine solche Drogen und erfährt sie zum ersten Mal. Welche Emotion ist es? Will er/sie den nächsten „Schuss“? Wird er/sie vielleicht sogar abhängig?

Gegenstände:

Flasche, Papier, Mantel

Leute:

Ein zwielichtiger Dealer mit einem verschmitzten Grinsen

Ein Freund, der es nur gut mein.

 

Wieder ein Tag – Wieder soll Alan aufstehen.  Wofür soll ich eigentlich aufstehen? Jeder Tag wie der davor. Vor ihm steht eine Flasche. Alan greift danach. Setzt sie an die Lippen und will trinken – Mist – Leer. Alan stand von der Couch auf, ging ans Fenster, zog den Vorhang weg und schaute hinaus. Regen. Würg – Regen – ich brauche meinen Mantel um nicht nass zu werden. Was muss ich eigentlich heute machen. Und wofür überhaupt?`

Alan ging in die Küche – er hatte doch irgendwo das Papier gelegt. Darauf hatte er die Adresse notiert. Er musste unbedingt zu dieser Adresse. Er würde den Tag sonst nicht überstehen. Wofür auch? Vor zwei oder drei Generationen, haben sie den Menschen vor geschwärmt wie toll ein Leben ohne Emotionen wäre. Man könnte sein Leben endlich geniessen, ohne ständig von lästigen Gefühlen gestoppt zu werden. Gefühle. Emotionen. Alles blockiert die Entwicklung.

„Stellen sie sich vor. Sie stehen kurz vor einer Beförderung und jemand aus ihrer Familie stirbt. Was machen sie? Sie werden ausfallen. Sie werden emotional gehandicapt. Sie werden ausfallen – für mehrere Wochen vielleicht. Sie können ihre Beförderung vergessen. Ihr verhasster Konkurrent bekommt die Stelle. Wieder eine Emotion, die sie blockiert. Hass. Ihre Leistung wird nachlassen, da ihre Gedanken von Emotionen vergiftet werden. Wir haben die Lösung. Ein neues Wundermittel der Firma Paratur – EmoEx. Eine kleine Therapie von zwei Wochen und sie können ein neues Leben beginnen. Sie werden es zu schätzen wissen. Ein Leben ohne lästige Emotionen. Holen sie sich EmoEx. Zum Einführungspreis. Und die nächste Beförderung wird ihre sein.“

Dieser Werbeslogan lief hoch und runter. Und jeder hat sich eingedeckt. Es waren gerade schwere Zeiten. Die Arbeitslosigkeit war hoch, die Kriminalität hatte ihre Spitze erreicht. Die Leute waren verzweifelt. Keiner wollte mehr ein Sklave seiner Gefühle sein. Das Mittel schlug ein wie eine Bombe. Aber keiner hatte je erwähnt, dass dieses Mittel die DNA verändern würde. Die Emotionen wurden praktisch weg gezüchtet. Schon die darauffolgende Generation hatte keine mehr. Babys weinten nicht mehr, lachten nicht mehr. Eltern hatten einen festen Zeitplan zur Fütterung, Reinigung, Spielzeit. Sie konnten den Nachwuchs neben bei versorgen. Keine schlaflosen Nächte. Somit hatten auch die Frauen keinen beruflichen Nachteil mehr. Keine Emotionen bedeutete auch keine physischen Schäden bei den kleinen Kindern, wenn die Eltern keine Zeit hatten.

Die Wirtschaft boomte. Anfangs. Aber die emotionslosen Babys wurden zu emotionslosen Erwachsenen. Da sie nie Emotionen kennen lernten hatten sie auch keine Motivation was zu erreichen. Wofür. Freude? Das Gefühl kannten sie nicht. Stolz? Worauf. Also nahm die Arbeitsleistung rapide wieder ab.

Alan hatte bei einer Party jemanden kennen gelernt. Jemand besonderes. Ein schmieriger Dealer. Aber was hatte er zu verkaufen? Alan wollte keine Drogen. Für was denn Drogen. Drogen machten doch nur Sinn, wenn man was empfand. Also mit was dealte dieser zwielichtige Kerl?

„Alan – mein Freund. Schön, dass du wieder mal vorbei kommst. Ich habe dich lange nicht gesehen.“ Sagte der Dealer. Er hatte ein verschmitztes Lächeln auf den Lippen. Er hatte Alan schon oft gesehen und angesprochen. Aber immer hat er sich ihm entzogen. Allerdings sah er auf dem ersten Blick – etwas hatte sich geändert. Alan sah aufmerksamer hin. Er bewegte sich lauernd. Er war bereit.

„Komm mit mir. Hinten in meinem Büro habe ich was für dich. Danach wirst du dich besser fühlen.“

Alan zögerte. Dann raffte er sich auf und ging mit dem Dealer. Er hatte von einer besonderen Droge gehört. Und auch schon die anderen aus seiner Clique beobachtet. Sie nahmen etwas aus einer kleinen Ampulle. Es hatte eine violette Farbe. Man war schon von dem Farbspiel gefesselt. Er beobachtete die Freunde. Ein verzückter Blick erschien auf ihrem Gesicht. Nicht lange nach Einnahme stieg die Stimmung. Sie lachten, sie weinten, sie fingen an zu tanzen. Sie küssten sich und berührten sich. Sie genossen die Berührungen. Sie lebten.

Alan wollte das auch haben. Sein Leben hatte im Moment eine Wendung eingeschlagen, mit dem er nichts anfangen konnte. Er stand kurz davor, sich zu entscheiden Richtung er einschlagen wollte. Aber er hatte keine Ahnung. Nichts begeisterte ihn. Begeisterung. Was war das überhaupt. Er hatte einen alten Duden gefunden. Da standen diese Worte und ihre Beschreibung. Aber nur Worte konnten ihm nicht erklären wie es sich anfühlen sollte. Wie kann man Freude beschreiben, wenn man nie welche empfunden hat. Er wollte es endlich wissen.

„Hallo Marv. Ich bin so weit. Ich will es testen. Gib mir was.“

„Ah – mein Freund. Da warte ich schon lange drauf. Die erste geht auf´s Haus. Ein Willkommensgeschenk. Wenn du willst, kannst du hier im Büro bleiben. Aber ich empfehle dir zu deinen Freunden zu gehen. Da kannst du die Gefühle gleich testen.“

Alan nahm die Ampulle – er war unschlüssig. Steckte sie in die Tasche und nickte Marv zu. Heute musste er es versuchen. Er wollte endlich was fühlen. Er wollte leben. Er beobachtete seine Freunde. Welches Gefühl hatte Marv ihm gegeben. Die Ampulle hatte eine grüne Farbe. Die seiner Freunde violett. Noch zögerte er. Er spielte mit ihr.

„Alan – was ist los mit dir. Was stehst du so verloren in der Ecke?“ Amanda war zu ihm getreten und schaute in seine Hand. „Was hast du da? Oh nein. Das kann ich nicht glauben. Du hast dich doch ständig dagegen gewehrt. Tut das nicht. Du wirst deines Lebens nicht glücklich.“

„Woher willst du das wissen. Was ist denn Glück überhaupt. Wie kannst du  mir davon abraten? Was ist das für ein Leben. Keine Perspektive. Nichts was einen anspornt. Ich könnte genauso gut jetzt in diesem Moment tot umfallen. Es würde weder mich noch dich stören.“

„Alan. Überlege es dir. Mit Emotionen kann nicht jeder umgehen. Es ist bei manchen wie ein Dampfhammer. Oder es vernebelt dich so, dass du ohne diese Droge nie wieder leben kannst.“

„Ich kann ohne diese Droge nicht leben. Das ist kein Leben für mich. Entweder ich nehme das jetzt oder ich werde nie wieder aufstehen.“

Sofort drehte er den Verschluss der Ampulle und schluckte  die Flüssigkeit. Sie schmeckte leicht bitter. Und die Wirkung setzte sofort ein. Er spürte etwas in der Magengegend. Was war das für ein Gefühl? Er kannte es nicht. Wie sollte er es beschreiben. Ein flattern im Magen. Er bewegte sich. Drehte sich und blickte sich um. Da stand Marv.

Marv stand an der Säule und beobachtete Alan. Sein verschmitztes Lächeln wirkte verzerrt. Alan hatte das Gefühl platzen zu müssen. Er fing an zu lachen. Er lachte und lachte und lachte. Er drehte Amanda. Nahm sie in die Arme und drehte sich mit ihr.

„Amanda – oh Amanda. Was für ein Gefühl. Was ist das? Freude? Ich freue mich. Ich freue mich, dich zu sehen. Ich freue mich, dass ich aufgestanden bin. Ich freue mich. Was für ein Gefühl. Ich platze gleich. Ich – ich.“

Alan drehte und drehte und drehte sich. Jetzt wusste er was gemeint war mit Freude: „Fre̱u̱de

das intensive, positive Gefühl, dass man über etwas Gutes empfindet.“

Amanda würde traurig blicken, wenn sie das Gefühl ausdrücken könnte. Sie wusste was Alan erwarten würde. Sie befand sich auch schon in dieser Gefühlsfalle. Aber sie wäre fast daran zerbrochen. Sie hatte das Gefühl Liebe getestet. Und dieses Gefühl, das nie erwidert wurde – hatte sie fast zerstört. Aber jetzt. Vielleicht jetzt? Vielleicht sollte sie mit Marv noch mal ein Geschäft eingehen. Denn wenn Alan endlich Emotionen hätte. Vielleicht würde er auch die Liebe ausprobieren. Und sie konnten gemeinsam süchtig nach diesem Gefühl werden. Wenn sie könnte würde sie hoffen. Sie wollte hoffen. Sie wollte es fühlen. Sie löste sich von Alan und bewegte sich auf Marv zu.

Marv stand immer noch da und lächelte heimtückisch. Er wusste sofort, dass er hier der Sieger war.

Er war der König der Gefühle. Er hätte sie alle in der Hand. Sie gehörten alle ihm.

12 Gedanken zu „Schreib mit mir Teil 33 – EmoEx – Wofür lebst Du?“

  1. Danke für das erneute Mitmachen.
    Deine Geschichte zu lesen hat mir Spaß gemacht. Ich konnte mir die Situation und vor allem Marv wirklich gut vorstellen. Das alles bei einer Party spielen zu lassen hat für mich super gepasst. :)
    Ich habe dich verlinkt.
    Liebe Grüße

    Gefällt 1 Person

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