Geschichtenzauber

Das vierte Wort | 2017 – Alkohol – Wall of Shame

Ein neues Wort ist überlegt und will euch präsentiert werden: Mehr dazu findet ihr bei Projekt.TXT

Am Strand, am See, am Fluss, in der Bar, beim Fest, beim Booty-Call, beim Grillen, in der Kneipe, nach der Arbeit, oder auch manchmal auf Arbeit, im Urlaub – er ist überall dabei.

Wenn man glücklich ist, traurig ist, entsetzt, müde, verliebt, flirtend, resigniert, gelangweilt, jammernd, todernst oder regenbogenhappy: #Alkohol ist ein treuer Begleiter.

 

„Wie betrunken warst du letzte Nacht?“

„Nun – Ich habe immer noch meine Hose an, also nicht zu betrunken.“

„Das sind nicht deine Hosen.“

Ich schaute an mir herunter und tatsächlich. Das war nicht meine Hose. Ich schaute zu Stacy und sie guckte mich an, wie ein verschrecktes Huhn. Wessen Hose hatte ich denn da an?

„Ari – was hast du denn gestern gesoffen?“

„Tja – wenn ich das so wüsste. Ich weiss, ich bin in die Bar gekommen. Da war schon die ganze Clique. Du warst doch auch da. Was habe ich denn alles gemacht. Habe ich mich blamiert.“

Stacy fing an zu lachen. „Oh und ob meine Liebe. Du hast dich gehörig blamiert. Oder was meinst du wie du an die fremde Hose gekommen bist.“ An die Erinnerung denkend musste Tracy sich setzen. Sie schlug mit der Hand auf ihren Schenkel und lachte. Es fehlte nur noch, dass sie anfing sich zu kringeln. Kaum hatte ich das fertig gedacht, ging es los. Stacy kringelte sich.

„Okay – Meine beste Freundin – dann lass mal vom Stapel. Was habe ich denn so peinliches gemacht.“

„Ahahahahaha….ich kann es dir nicht erzählen. Noch  nicht. Ich brauch erst mal eine Pause. Weisst du was, lass und zu Barny´s gehen. Lass und deinen Walk of Shame gehen.“

Na toll. Der Walk of Shame. Dieses Mal war ich dann wohl dran.

Letzten Sommer hatte es Brian erwischt. Er hatte sich auch gehörig blamiert. Immer im Sommer schenkte man bei Barnys einen Selbstgebrannten aus. Ein Geheimrezept. Das würde Barny wohl mit ins Grab nehmen.

„Na gut, gehen wir los, ich will es hinter mich bringen. Oh Mann.“

Stacy gaggerte immer noch und ich verdrehte die Augen. Irgendwann, wäre sie dran und dann würde ich mich fürchterlich revanchieren.

Wir kamen bei Barnys an und traten durch die Tür. Die Bar war schon wieder voll. Hatten die Leute nichts anderes zu tun? Anscheinend nicht. Es war ein kleines Kaff und es gab nicht viel Ablenkung. Die Blicke folgten mir und ich sah, auch die Lacher folgten mir. Was hatte ich denn gestern alles gemacht. Ich sollte wohl mal die Wall of Shame aufsuchen. Es hatte bestimmt jemand Fotos gemacht.

Seit einigen Jahren gab es eine virtuelle Wall of Shame. Die alte Wand befand sich direkt darunter, da waren tolle Aufnahmen aus vergangenen Tagen. Aber Barny  meinte, er müsse mit der  Zeit gehen. Also wurden die Schandtaten an die Leinwand projiziert. Schön als Karussell damit auch jedes Bild möglichst oft zu sehen war.

Ich setzte mich auf den Barhocker und drehte mich zur Leinwand. Da erschien auch schon das erste Foto. Da war noch alles in Ordnung. Ich hatte noch meine Hose an und prostete dem Fotographen zu. Da war ich wohl noch nüchtern. Mein Filmriss, war ziemlich heftig. Daran konnte ich  mich schon nicht mehr erinnern.  Weiter ging es. Man konnte fast nach jeder Stunde erkennen, dass ich immer weiter abrutschte. Aber nicht nur ich. Auch meine Sitznachbarn wurden immer lustiger. Dann kamen – die Bilder der Schande. Stacy tanzte mit irgendeinem Typen, der mir unbekannt war. Aber die Hose kannte ich. Das war die, mit der ich heute wach geworden war. Oweh.

Es folgten noch so einige peinliche Bilder. Ich auf dem mechanischen Bullen. Allerdings mit sehr schrägem Blick und sitz. Wo hatte ich denn diesen Cowboy Hut her. Ich sass auf dem Bullen, mit dem Hut in der einen Hand und einem Glas Bier in der andern. Ich wusste gar nicht, dass ich solch starke Beinmuskulatur hatte. Kamen die nur in Folge von Alkohol zu Tage? War ich Hulk. Bei dem Gedanken musste ich selbst mal lachen.

Es folgten weitere, sehr amüsante Bilder. Ich war witzig, wenn ich betrunken war. Ich stand auf der Bar und machte einen auf Coyote Ugly. Gut – ich hätte wohl nie viel Trinkgeld bekommen, denn die Bilder sprachen eine eindeutige Sprache – tanzen konnte ich nicht. Aber die Leute hatten viel Spass gehabt.

Weiter ging es in der Bildergalerie. Da war Stacy – so so. Nicht nur ich hatte zu viel von Barny´s Selbstgebrannten.

Die Tür öffnete sich und der nächste Schwall Gäste kam rein. Und schon ging das grosse Hallo los.

„Ari – na geht es wieder? Warst gut drauf gestern. Willste da weiter machen wo du aufgehört hast? Hahahahah“

„Haha. Danke Marty. Du bist echt ein Scherzkeks. Aber es wird euch alle auch noch treffen. Dafür ist Barny´s Selbstgebrannter bekannt. Jedes Jahr ein anderer auf der Wall of Shame. Ich dieses und du nächstes Jahr. Wer weiss das schon.“

Stacy kam zu ihr und setzte sich neben sie. Sie hatte ein neues Glas Bier dabei und nahm  mich in den Arm. „Ach Süsse. Nimm es nicht so schwer. Der Typ, dessen Hose du an hattest – der war noch besser drauf. Er hatte schliesslich keine Hose mehr an. Er lief nackig über die Hauptstrasse. Der Sheriff hat ihn zum Ausnüchtern in die Zelle gesperrt. Vielleicht willst du ihm die Hose zurück geben? Hahaha.“

„Wirklich Stacy – bei solchen Freunden brauche ich keine Feinde. Aber ja – lass uns zum Sheriff gehen und ihm seine Hose zurück geben. Vielleicht brauch er sie ja noch für die nächste Feucht-Fröhliche Party. Aber eins sage ich dir. Das war das letzte Mal, dass ich Barny´s Selbstgebrannten getrunken habe. Es wird Zeit, dass die nächste Generation sich lächerlich macht. Ich bin jetzt zu alt dazu. Hahaha.“

Wir verliessen Barny´s Kneipe und liefen Richtung Sheriffsbüro. Mal sehen was das für ein Typ war, dessen Hose es wert war meine Beine zu kleiden.

Niemals wieder kam ich in diese Situation. Aber jedes Jahr traf es jemand anderen. Die Wall of Shame hatte immer genügend Bilder zur Auswahl. Es war immer lustig. Eine Tradition, die nie ein Ende finden würde.


Passend zum vierten Wort von Projekt TXT bin ich über diesen Writing Prompt gestolpert.

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6 thoughts on “Das vierte Wort | 2017 – Alkohol – Wall of Shame”

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