Horror, Mystery, Schreib mit mir

Schreib mit mir Teil 3 – Die Jungfrau

Jette hat auf ihrem Blog Offen Schreiben eine tolle Schreibaktion. Mit Hilfe einiger Eckpunkte können wir Geschichten schreiben.

Heute nehme ich Euch mit auf einen Dachboden – aber ich warne – ist nicht geeignet für zarte Gemüter. Es gibt eine etwas brutale Szene in dieser Geschichte.


Setting:

Dein/e Protagonist/in hat das Haus von seinen/ihren Eltern geerbt und räumt nun erst einmal auf. Er/sie durchsucht den staubigen Dachboden. Einige Dinge wurden von seinen/ihren Eltern zurückgelassen. In einer Kiste in der letzten Ecke findet er/sie ein komisches Gerät und eine Liste mit Namen.

Was ist das für ein Gerät? Was hat es mit den Namen auf sich?

Gegenstände:

Die Liste, das komische Gerät, eine Tasse Kaffee

Wortumfang:

Höchstens 10.000 Worte

 

Vor etwa genau zwei Jahren waren meine Eltern verstorben. Bei einem Autounfall sind sie ums Leben gekommen. Ich dachte damals immer, das ist ein so häufiger Todesfall in den Filmen und Romanen und die Helden sind immer einsam und bleiben verstört zurück. Es ist immer hoch dramatisch und ich fand diese Beschreibungen immer total überzogen. Bis es mir passierte. Zwei Jahre. Ich konnte es nicht glauben. Am Anfang fehlten sie mir schrecklich. Allerdings holte mich der Alltag sehr schnell ein. Ich musste an einen Ausdruck aus Stephen Kings Romanreihe der dunkle Turm denken „Die Welt hat sich weitergedreht“. Schon damals wurde dieser Satz fast ein Mantra. Jedes Mal wenn ich etwas überstanden hatte, das mir unüberwindbar vorkam, dachte ich an diesen Satz. Zwei Jahre Später sass ich auf dem Dachboden meiner Eltern. Nach dem ich endlich ihre Papiere gesichtet hatte, fand ich ihr Testament, in dem sie mir ihr Haus vererbten. Es war eh kein anderer Verwandter mehr übrig – was wohl auch der Grund war, warum nie jemand nach dem Haus fragte. Ich war lange nicht hier gewesen. Schon lange vor ihrem Tod. Ich wuchs zwar hier auf, aber es war mir immer unheimlich. Ich glaube, ich war nie auf dem Dachboden gewesen. Er schien mir immer wie ein dunkles tiefes Loch in eine andere Welt. Mein Zimmer lag direkt darunter und ich hörte es nachts immer knarren. Ich hasste es – diese Angst die das Geräusch auslöste. Jetzt saß ich in meinem Alptraum. Auf dem gefräßigen Dachboden. Fast fühlte ich  mich wie paralysiert. Aber es half nichts – ich musste mich irgendwann ja mal damit beschäftigen.

Ich stand also auf und fing einfach in einer Ecke an. Dort stand schon mal eine Kiste. Gut. Ich ging auf sie zu – sie war groß und schwer. Fast wie ein Überseekoffer. Was sollte ich lange überlegen? Ich öffnete die Schnappverschlüsse und den Deckel.

Im Inneren der Kiste befand sich ein komisches Gerät. Es sah sehr altmodisch aus. Es erinnerte mich an die eiserne Jungfrau aus dem Film das Pendel des Todes. Sofort überkam mich eine Gänsehaut.

Sie war tatsächlich Mannshoch und sah schon irgendwie gefährlich aus. Sollte ich mich hineintrauen. Ich wollte nicht – aber es zog mich einfach magisch an. Ich steckte erst mal nur meinen Kopf in die Kiste und untersuchte sie. Da fand ich eine Liste. Auf dieser Liste standen fünf Namen. Sie waren durchgestrichen. Sehr seltsam.

Meine Gänsehaut wollte nicht mehr verschwinden. Also verschwand ich vom Dachboden. Ich machte noch schnell einige Fotos von dem Gerät und verließ fluchtartig den Dachboden. Als ich die Tür hinter mir schloss, merkte ich erst wie kühl es dort oben gewesen war. Hier war es regelrecht warm. Ich ging erst mal in die Küche um mir einen Kaffee aufzusetzen. Ich war nicht unvorbereitet gekommen. Ich dachte mir schon, dass es eventuell länger dauern könnte und ich zählte mich zu den Kaffeejunkies.

Fast entspannt, setzte ich mich mit der Liste an den Tisch. Die Namen sagten mir gar nichts. Ich zückte mein Smartphone und versuchte genaueres zu finden. Das einzige was ich fand waren Vermisstenanzeigen. Aber schon aus den Dreißiger und Vierziger Jahren. Diese Personen auf der Liste wurden vermisst. Hatten meine Eltern ein dunkles Geheimnis? Aber als die Menschen vermisst wurden, waren sie selbst noch Kleinkinder. Es musste noch mehr dahinter stecken. Auf dem Handy war die Suche ein Desaster, also holte ich aus dem Auto mein Laptop um damit genauer suchen zu können.

Eine weitere Tasse Kaffee wurde aufgesetzt. Ich durchforstete das Internet und fand heraus, dass diese fünf Namen im Zusammenhang mit einem Zirkel vielen, der angeblich satanische Rituale durchführte. Ich holte mir die geschossenen Bilder auf den PC und schaute sie mir genauer an. Es wurde dunkel und keine zehn Pferde hätten mich jetzt auf den Dachboden gebracht. Im Leben nicht. Also studierte ich die Bilder.

Ich hatte nicht Unrecht mit meinem Gedanken. Es schien eine eiserne Jungfrau zu sein. Aber sie hatte nicht nur die Dorne innen sondern auch Rädchen und Federn. Wie wurde dieses Gerät bedient? Im Netz fand ich, dass es eigentlich üblich war, den Deckel einfach zuzuklappen. Die Dornen traten in den Menschen ein und meistens verblutete er grausam.

In dem Moment hatte ich das dringende Bedürfnis das Haus zu verlassen und es abzubrennen. Irgendwas stimmte hier ganz und gar nicht.

Ich beschloss erst mal schlafen zu gehen. Aber bestimmt nicht in mein altes Zimmer. Da graute es mir. Zu nah an den seltsamen Geräuschen vom Dachboden. Ich begab mich in das Schlafzimmer  meiner Eltern. Ein seltsames Gefühl. Aber ich war einfach nur müde.

Ich fiel in einen unruhigen Schlaf. Düstere Träume verfolgten mich. Ich stand in einer Art Keller – Nein es war mehr ein Altarraum. Es gab einen Tisch in der Mitte. An den Seiten waren Riemen angebracht und seltsame Zeichnungen bedeckten sowohl den Tisch, den Boden als auch die Wände. Alles war in Blutrot gehalten. Sehr gruselig. In einer Ecke standen mehrere verhüllte Personen und unterhielten sich. Und da – da stand die eiserne Jungfrau vom Dachboden. Sie sah bedrohlich aus in dieser Kulisse.  Auf einmal drehte sich eine Person zu mir um.

„Hey, da bist du ja endlich. Komm her – wir reden gerade über die Zeremonie von heute. Hast du unsere neue Errungenschaft gesehen.“ Dabei zeigte er auf die Jungfrau. Ich stutze, blickte an mir runter und sah mich in einer gleichen Kutte, wie die anderen gekleidet. Was geschah hier. Ich erkannte die Leute – und ich erinnerte mich ihre Namen gelesen zu haben – auf dem Zettel. Ich verstand gar nichts.

Es wurde unruhig im Raum, bevor es ganz ruhig wurde. Ich stellte mich zu den anderen und beobachtete. Es war eine aufgeladene Stimmung – ich merkte wie ich mit gerissen wurde von dieser Atmosphäre, ich war aufgeregt – freudig aufgeregt. Gleich würde etwas passieren. Ich konnte es noch nicht erfassen, obwohl es ja mehr als offensichtlich war. Ich war bei einem satanischen Ritual dabei. Und ich wusste aus diversen Horrorfilmen was mich zu erwarten hatte.

Womit ich allerdings nicht rechnete war, dass mich auf einmal mehrere Hände packten, in Richtung eiserne Jungfrau zerrten, mir die Kutte vom Leib rissen und mich nackig in diese Jungfrau schubsten. Ich spürte die spitzen Dornen auf meinem Rücken und Hintern. Meine Arme waren schon gefesselt und ich konnte mich nicht befreien. Wenn nicht jetzt, wann sollte Panik aufsteigen. Ich hörte mich flehen.

„Was soll das Freunde. Was habt ihr vor. Das ist kein Scherz. Macht mich los, wir haben uns alle amüsiert. Ich kann da nicht mitlachen.“

„Meine Liebe – das ist kein Scherz und es ist auch nicht zum Lachen. Denkst du wir wissen nicht alles über unsere Mitglieder? Denkst du nicht, wir beobachten euch. Und wir wissen von deinem Verrat. Wir wissen, dass das FBI auf dich zukam und dass du einen Deal mit ihnen hast. Also was bietet sich eher an, als unser neuestes Spielzeug gleich an dir zu testen? Was meinst du was wir machen sollten? Uns stellen? Ach du bist ja so naiv. Der Zirkel besteht seit Jahrhunderten und wird uns alle überdauern. Es gibt keine Möglichkeit uns zu zerschlagen.“

Ich fing an zu zittern und nicht weil mir wegen der fehlenden Bekleidung kalt war. Ich wusste, ich würde diesen Raum, diesen Tag nicht lebend verlassen. Und kaum hatte ich den Gedanken beendet, schloss sich die eiserne Jungfrau. Bevor ich den Schmerz bemerkte wachte ich schweiß gebadet auf. Mein Herz schlug stark, es wollte gerade aus meiner Brust hüpfen. Mir blieb nichts anderes als auf zustehen. Es war noch dunkel. Die Uhr zeigte vier Uhr am Morgen an. Ich betrat das Bad und lies die Dusche an – warmes Wasser würde die Schatten des Traumes hoffentlich den Abfluss hinunter spülen.

Frisch und motiviert ging ich in die Küche und goss mir einen Kaffee auf. Mein Lap Top fuhr hoch, während ich mir schnell einen Müsliriegel aus meiner Tasche zog. Das würde mir hoffentlich den nötigen Kick für das Kommende geben. Nach dem Alptraum war mir klar – ich musste noch etwas weiter forschen. Also tippte ich die Namen ein und schaute auf die Jahreszahl des Verschwindens. Die meisten der fünf verschwanden 1935.

Ich suchte auch nach satanischen Zirkeln in diesem Zeitraum. Da gab es so viel, es war unmöglich heraus zu finden, welche in meinem Traum erschien. Gerade zu dieser Zeit waren Seancen und Okkultismus in der gehobenen Gesellschaft sehr angesehen.

Ich hatte also die Lösung. Die Namen auf meiner gefundenen Liste waren Mitglieder dieses Zirkels und verschwanden auf mysteriöse Weise.

Ich schätzte mal, dass sie sich einfach mit neuer Identität abgesetzt hatten, als der Zirkel aufflog. Das war einfach das plausibelste. Dass es etwas unnatürliches beinhaltete blockte ich ab, bevor sich ein unliebsamer Gedanke festsetzten konnte.

Es wurde Zeit. Mit einer zweiten Tasse Kaffee schaute ich einfach mal nach, ob es Sammler solcher Folterinstrumenten gab. Ich war erstaunt. Es gab einige. Also wollte ich dieses Monster auf dem Dachboden endlich einen neuen Besitzer zuführen. Es musste raus aus diesem Haus. Am besten ich würde dann noch einen Exorzisten holen, der dieses Haus reinigte. Ich erinnerte mich an meine vielen schlaflosen Nächte in meinem Zimmer und den gruseligen Geräuschen auf dem Dachboden. Ob meine Eltern da informiert waren? Wie kamen sie eigentlich an dieses Gerät? Vielleicht haben sie es vom Vorbesitzer des Hauses übernommen. So was kam ja vor. Egal. Das war ein Rätsel, das sich  nie lösen lassen würde. Ich wollte dieses Ding und am besten auch das Haus loswerden. Dafür würde ich dann einen Makler einsetzen. Ich würde noch die Dokumente sichten und dann diesem Haus für immer den Rücken kehren.

Mit Widerwillen betrat ich erneut den Dachboden. Ich wollte einige Fotos von der eisernen Jungfrau schießen und sie dann zum Verkauf anbieten. Mal sehen, was so ein Gerät einbringen würde.

Ich versuchte es etwas besser auszuleuchten. Natürlich wollte ich auch von innen gute Bilder machen, also stellte ich mich mit dem Rücken erst einmal an die innere Wand der Jungfrau. Ich spürte die Dornen an meinem Rücken und meinem Hintern und erinnerte mich an das Gefühl aus meinem Traum. Mich schauderte und bevor ich die Chance hatte zu reagieren und die Jungfrau zu verlassen, ging ein Mechanismus los. Meine Hände waren gefesselt. Jetzt wusste ich um die Bedeutung der Räder und Federn. Mit Entsetzen sah ich wie sich der Deckel schloss. Jetzt spürte ich wie sich die Dornen in meinen Körper bohrten. Ich versuchte mich irgendwie zu befreien. Aber es war zu spät. Ich wusste – ich würde diesen Dachboden und diesen Tag nicht lebend verlassen. Das letzte was ich sah, bevor sich die Dornen in meine Augen bohrten, war eine Gruppe  vermummter Personen, die im Kreis standen und seltsame Worte murmelten. Eigenartig war nur, dass ich durch sie durch sehen konnte. Es waren Schatten. Es waren Geister der Vergangenheit. Und sie erledigten das, was sie schon einmal erledigt hatten. Sie erledigten mich. Das letzte was ich spürte war Angst und undenkbare Schmerzen.

ENDE

 

8 Gedanken zu „Schreib mit mir Teil 3 – Die Jungfrau“

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