Geschichtenzauber

[Story-Samstag] Der erste Satz – Die Rache aus der Wüste

 

Da der erste Satz meist am schwierigsten ist, gibt uns Tante Tex dieses mal einen vor. Und seht was daraus geworden ist.

Vom Geld war nichts mehr übrig

Was ist der Story-Samstag? 

Der Story-Samstag hat nur zwei einfache Regeln: Tante Tex gibt ein kleines Thema vor. Und wir haben die Möglichkeit ganz kreativ darauf mit einem geschriebenen Beitrag – egal ob als Gedicht, Abhandlung, Erzählung, Witz oder sonstiger literarischer Art – zu reagieren. Man hat immer zwei Wochen Zeit um seiner Kreativität freien Lauf zu lassen…


Vom Geld war nichts mehr übrig. Marge torkelte durch die Wüste und fragte sich, was da denn passiert sei. Wie konnte sie vom Olymp abstürzen. Sie ist noch immer hübsch und begehrenswert. Aber diese Zicke – die Neue an Big C.´s Seite – die hat sie verdrängt. Mit ihren kleinen Apfeltittchen und dem Honigmelonen Arsch. So war das bei ihr auch mal. Dann kamen die ersten Fältchen und Big C. hat sie in den Ruhestand geschickt. Sie musste jetzt nur noch für ihn da sein. Das hatte sie genossen. Sie war seine First Lady. Alle hatten sie bewundert. Keiner hat gesehen, was für ein Kampf der Aufstieg für sie gewesen war. Welche Demütigungen sie ertragen hatte um endlich auf dem Olymp zu steigen. Und jetzt. Sie war abgestürzt. Diese kleine Hexe, sie hatte sie entführen lassen und irgendwo in einer Wüste ausgesetzt. Aber nicht mit ihr. Marge hatte sich nicht umsonst aus dem Dreck hervor gearbeitet. Diese kleine Schlampe – der würde sie es zeigen. Jetzt musste sie erst mal sehen wie sie aus dieser vermaledeiten Wüste entkam. Dann würde sie einen Plan erarbeiten um dies billige Hure, die jetzt ihren Platz neben Big C. eingenommen hat und auch Big C. zu bestrafen. Rache wird am besten kalt serviert. Apropos kalt – gegen ein kaltes Bier hätte sie jetzt bei dieser Hitze nichts einzuwenden. Sie fing an zu laufen und war froh, dass sie von ihrem Daddy damals einige Überlebenstricks gelernt hatte. Dann wühlte sie in ihrer Hose,  sie wusste sie hatte noch eine kleine Tüte. Sie müsste noch etwas laufen und hoffen eine kleine Pflanze zu finden. Dann könnte sie graben und das Grundwasser auffangen. Die Tüte würde sie über die Pflanze stülpen um das Tauwasser zu sammeln. Sie schätzte, dass sie noch ungefähr eine Stunde hätte bevor sie sich einen Schlafplatz suchen müsste.  Ihr blieb nichts übrig – sie  musste weiter. Als es dämmerte  suchte sie sich einige trockene Büsche und paar knorrige Bäume. Es würde verdammt kalt werden heute Nacht. Das Feuer würde sie nur im äußersten Notfall anmachen. Jetzt hätte sie gerne etwas Geld – das könnte sie schön anzünden. Das würde brennen. Vor allem wenn es aus Big C.s  Tresor wäre. Sie malte sich ein schönes prasselndes Feuer aus. Und mitten drin war ein Marterpfahl mit Big C. und seiner Schlampe. Ich halluziniere. Ich muss mir dringend Wasser suchen. Vielleicht kann ich eine Eidechse fangen. Sie fand  kleine Pflanzen die schöne dickwandige Blatt besaßen. Über eine stülpte sie ihre kleine Tüte und bei der anderen brach sie ein Blatt ab. Vorsichtig liess sie paar der Tropfen auf ihre Zunge treffen. Es war gut. Sie presste das Blatt aus und hätte am liebsten die anderen gleich mit abgebrochen. Aber sie musste haushalten. Viel Wasser würde sie so nicht finden. Sie fing an zu graben. Aus ihrer Erinnerung wusste sie, dass sie etwa 30 cm graben musste um an das Wasser zu kommen, von dem die Pflanze zehrte. Sie grub das Loch und wartete bis sich etwas von dem Wasser da sammelte. Schnell zog sie ihr T-Shirt aus um das Wasser damit aufzusaugen. Dann steckte sie es in den Mund und nuckelte daran, wie ein Baby an der Brust. Sie würde das schaffen und wehe diesem Flittchen. Es war dunkel geworden. Sie hatte sich entschieden, das Feuer vor dem dunkel werden anzumachen. Das war keine Schwierigkeit. Sie war als Kind so oft Zelten, ein Feuer konnte sie fast im Schlaf anzünden.

In der Nacht wurde sie wach. Sie zitterte und das Klappern ihrer Zähne hatte sie aufgeweckt. Es war verdammt kalt geworden. Ihr ausgehobenes Feuerloch glühte nur noch und sie hatte nur noch wenig dünne Äste. Diese warf sie entmutigt in die Glut. Das Feuer erwachte noch mal kurz um dann wieder vor sich hin zu glimmen. Einige Stunden musste sie das noch aushalten. Diese Nacht würde sie nie vergessen, aber vielleicht würde ihre Wut sie wärmen. Sie schlief wieder ein, aber es war ein unruhiger Schlaf.

Als die Sonne endlich aufging, packte Marge schnell alles ein. Sie müsste los laufen, bevor es zu heiss wurde, sonst würde sie es nicht schaffen. In der Tüte hatte sich etwas Wasser gesammelt. Sie tunkte ihr T-Shirt noch mal in das ausgehobene Loch und presste es in der Tüte aus. Dann brach sie noch die letzten Blätter der Pflanzen um sie herum ab und lief los. Das T-Shirt hatte sie sich um den Kopf gewickelt. Durch die Feuchtigkeit war es noch schön kühlend. Aber sie wusste, das würde nicht lange anhalten. Sie hoffte, dass sie bald an eine Strasse kommen würde, dann musste nur noch ein Auto vorbeikommen.

Bei jedem Schritt, den sie tat, kam sie sich vor als würde sie näher an das Tor der Hölle kommen. Ihr Blick flackerte schon, aber sie wusste, das war nur eine Fata Morgana. Sie schlich weiter. Nicht mehr lange und sie würde sich auf den Brustwarzen weiter bewegen. Ein Peeling für die Haut inklusive. Sie konnte dankbar sein. Sie würde dem neuen Traumpaar schon zeigen wie dankbar sie sein konnte.

Endlich erreichte Marge eine Strasse. Sie legte sich drauf und drückte ihre aufgerissenen, trockenen Lippen auf den heissen Asphalt. Sie hatte die Strasse erreicht. Jetzt musste sie nur noch ohnmächtig werden und auf ein Auto hoffen. Beides geschah.

Als sie wach wurde sah sie das Gesicht einer alten Frau über sich. „Hallo, zum Glück, sie leben noch. Ich wäre fast über sie drüber gefahren. Das war sehr leichtsinnig direkt auf der Fahrbahn liegen zu bleiben. Aber effektiv. Können sie sich aufsetzen? Ich habe Wasser für sie.“ Marge hatte kaum noch Gefühl in ihren Gliedern. Dafür fühlte sich ihre Zunge an, als wäre sie auf das dreifache angeschwollen und irgendwie schien Pelz darauf gewachsen zu sein. Sie öffnete erneut die Augen und betrachtete das zerfurchte, freundliche Gesicht. Sie schickte tausend Stoßgebete gen Himmel. Sie war gerettet.

Es stellte sich raus, dass die Frau – Clara – auf einem Road Trip war. Sie wollte unbedingt das ganze Land mit ihrem Wohnmobil befahren. Sie half Marge in das Auto und legte sie in das Bett. Marge verschlief die gesamte Fahrt. Als sie einigermassen erholt erwachte setzte sie sich neben Clara und die beiden Frauen unterhielten sich. Marge vertraute Clara an, was ihr geschah und Clara war dermassen erbost, dass sie Marge ihre Hilfe anbot. Die beiden Frauen verstanden sich auf Anhieb. Marge war happy in der Frau eine Verbündete gefunden zu haben. Sie planten den Angriff und als sie im Hotel ankamen, ging Marge schnell in ihr Zimmer. Diese kleine Schlampe hatte sich noch nicht getraut alles aufzulösen. War ihr wohl zu auffällig, dass sie überhaupt soweit gedacht hatte.

Big C. hatte Marge alles anvertraut. Auch die Kombination des Safes. Und da Marge auch genau wusste wo Big C. mit seiner neuen First Lady zu welchem Zeitpunkt sein würde, war das Plündern kein Problem. Und sie plünderte alles. Nicht nur den Safe – auch die Konten machte sie leer. Sie hatte schon längst ein Konto für „Notfälle“ eingerichtet. Und da die beiden sie ohne Geld in der Wüste verrecken lassen wollten, kannte Marge ihrerseits auch keinerlei erbarmen.

Schnell ging sie zu Clara und sie fuhren zu der Villa. Dort würde der nächste Schritt starten. Wenn das Traumpaar schlief, würden sie sie betäuben und entführen. Das würde ein Spass werden. Auge um Auge….Scheiss auf die andere Wange.

Marge und Clara vergnügten sich in der Hauseigenen Bar. Sie hatten noch ein paar Stunden bis die beiden heim kommen würden.

Als es dann endlich so weit war, mussten sie erst noch dem jämmerlichen Liebesspiel der beiden folgen und als das endlich erledigt war und die sanften schnarch Geräusche an ihre Ohren drang, kamen sie aus ihrem Versteck. Sie zogen sich Gasmasken an und nebelten den Raum mit einem Betäubungsgas ein. Dann packten sie die beiden auf eine Schubkarre und dann ins Wohnmobil. Die beiden waren gerade mal in ihrer Unterwäsche. Das würde ein Spass werden.

Sie fuhren in die Wüste und packten die beiden aus. Marge wollte den Marterpfahl aufstellen, den sie in ihrer Feuervision gesehen hatte, aber Clara hielt sie ab. Wäre zu verräterisch. Dann würden vielleicht irgendwelche Spuren bleiben. Big C. und Madame Flittchen würden schon wissen, wer ihnen das antat. Aber sie würden, wenn sie es denn überleben würden, nie herausfinden wo Marge sein würde.

Marge war ja auch kein Unmensch. Sie hinterließ die beiden in derselben Situation, die sie ihr zugestanden hatten. Dann kehrte sie zurück zum Wohnmobil und verliess diesen Platz. Sie verliess das alte Leben und streifte ihre alte Haut und ihren alten Namen ab.

Mit Clara, dem vielen Geld und den alten Wohnmobil fuhren die beiden dem Sonnenuntergang und einem neuen Leben entgegen.

Einige Tage später, kaufte sie sich eine Tageszeitung und lass den Bericht. In der Wüste wäre ein Pärchen gefunden worden. Es war kurz vor Schluss. Beide waren dermaßen dehydriert und geschwächt, dass sie kaum noch lebensfähig wären. Außerdem hatten sie anscheinend angefangen an einander zu knabbern. Sie wurden nach Stabilisierung in die Psychiatrische Klinik eingewiesen.

Marge – jetzt Angelika und Clara saßen auf ihrer Veranda und beobachteten die kleinen Küken wie sei im Boden nach Würmern scharrten. Angelika legte die Zeitung bei Seite und Clara fragte; „gibt es was interessantes?“ „Nein meine Liebe – der übliche Wahnsinn in der Welt.“ Beide lachten und tranken gemütlich ihren Kaffee und aßen ihre Croissants.

 

ENDE

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16 thoughts on “[Story-Samstag] Der erste Satz – Die Rache aus der Wüste”

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