Fantasy, Projekt TXT*, Tiere

Das sechste Wort | 2017 – Splitter – Ein Splitter zur Seeligkeit

Das Projekt*txt wird gegenwärtig von Dominik Leitner und Katharina Peham betreut.

Was ist das Projekt *.txt?

Schnell erklärt soll das Projekt *.txt der Inspiration dienen. Einmal pro Monat wird ein Wort verkündet, zu dem die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre Texte schreiben. Es gibt keinen Druck, etwas zu schreiben, kein Datum, bis wann die Texte da sein müssen … es soll also in erster Linie Spaß machen!


Ja – eigentlich sind meine Lieblingstiere Wölfe oder auch Löwen. Aber ich habe in letzter Zeit viele Dokus über Bären gesehen und bin so beeindruckt von diesem süssen Aussehen und der Gefährlichkeit, die sich dahinter versteckt. Aber meine Geschichte ist harmlos.

Es war einer der Tage, an denen man wirklich liegen bleiben sollte.

Es fing mit dem Wecker des Handys an. Diesen Ton wollte ich schon immer ändern, denn er schreit mir ins Ohr „Wake up, wake up, wake up“ Ich vermisse die Zeit, als man diese nervigen kreischenden Wecker hatte auf die man drauf haute oder einfach an die Wand warf. Aber bei einem Handy hat man doch etwas Hemmungen. Also quälte ich  mich aus dem Bett. Das Zimmer war Arschkalt. Schnell kuschelte ich mich wieder in die Decke. Vielleicht sollte ich mir doch mal Holz besorgen.

Ich war gerade wieder dabei einzuschlummern, als das Handy mich schon wieder anschrie. Einen kleinen Herztod später stieg ich aus dem Bett aus. Schlotternd rannte ich ins Bad, na ja was man so rennen nennen konnte bei gefühlten -10°C und frisch aus dem Bett heraus geschrien.

Ich stand vor dem Spiegel und schaute mir meine violetten Augenringe an. Ich sah furchtbar aus. Wie eine gerupfte Krähe. Ich drehte die Dusche auf, damit sie schon warm war, wenn ich versuchte mich wach zu duschen. Ach ich hasste es aufzustehen. Ich könnte den ganzen Tag in dem warmen Bett liegen. Den Winter einfach verschlafen. Das wäre doch was. Ich wäre ein Bär und  könnte mich das ganze Jahr über vollstopfen und dann den ganzen kalten Winter verschlafen.

Dieser Gedanke liess mich schmunzeln. Vor allem hätte ich einen schönen wärmenden Pelz. Ich träumte noch etwas vom Winterschlaf, während ich  mich von oben bis unten einseifte. Dann liess ich das heisse Wasser über mich laufen. Ach, was war das angenehm. Allerdings – wegen mangelnden Holzes – musste ich jetzt bald raus in das kalte Bad. Ich seufzte und drehte das Wasser ab. Ich griff nach meinem Bademantel. Der war so schön kuschelig.

Ich trat an den Spiegel,  der von dem Wasserdampf angelaufen war. Ich nutzte den Ärmel, des Bademantels um mir die Sicht frei zu wischen. Da knarzte es. Der Spiegel hatte einen Sprung. Oh – nein. Da war wohl der Temperaturunterschied zu gross für das Spiegelglas. Na toll. Und dann passierte es. Ein riesiger Splitter löste sich aus dem Spiegel und viel in das Waschbecken.

Wie ich mein Glück kenne, nehme ich jetzt diese Scherbe um sie wieder an zu kleben und schneide mich. Ja. Das würde passen. Allerdings kann ich ja gar nicht verbluten, denn es ist so kalt, dass mein Blut sofort gefriert. Ich schaute verzweifelt zu dieser Lücke, die der Splitter hinterlassen hat.

Was war das denn? Da bewegte sich etwas in der Lücke. Ich schaute genauer hin und ich sah tatsächlich Bewegungen. War ich besoffen. Hatte ich gestern was getrunken um es mir warm zu machen? Ich konnte mich nicht erinnern. Meine Neugier war geweckt. Ich öffnete den Spiegelschrank und fand nur die Nagelfeile. Na – mit einer Nagelfeile, kann man schon einiges bewirken.

Ich schob die Spitze, der Feile in die Lücke unter die gesprungenen, noch haftenden Splitter. Diese fielen jetzt nach und nach in das Waschbecken. Verdammt! Was war das? Hinter dem Spiegel war eine bewegte Landschaft. Eine schöne hügelige Panorama Aufnahme mit bewegten Figuren.

Bären? Und kaum hatte ich das fertig gedacht wurde ich eingesogen. Ich wurde in den kaputten Spiegel gesogen. Und ich landete im grünen Feld voll Klee. Jetzt war es zu viel. Ich hatte bestimmt einen Schlaganfall und Halluzinationen. Ich schaute an mir runter und ich setzte mich. Ich hätte mich vielleicht mal rasieren sollen. Aber bei dem Fell, das ich an den Beinen hatte, würde weder  Wachs, Rasierer oder Creme helfen. Und mein Brazilian Waxing war ja wohl sinnlos gewesen. Ich drehte mich um mich selbst und versuchte einen Blick auf meinen Hintern zu erhaschen. Es gestaltete sich etwas schwierig, aber ich schaffte es. Und was ich sah liess ich vom Glauben abfallen. Ich hatte einen Schwanz – einen süssen Puschelschwanz, den ich sogar bewegen konnte. Hä?

Ich schaute mich um und sah eine Pfütze vor mir. Ich trat heran und sah meinen Verdacht bestätigt. Auch im Gesicht hatte ich mittlerweile eine starke Behaarung. Und süsse kleine runde Öhrchen.

ICH BIN EIN BÄR!? ICH BIN EIN BÄR????

Ich viel gerade um. Ich glaube ich wurde Ohnmächtig. Was ist denn hier passiert? Ich musste gestorben sein. Ich verstand gar nichts. Ich erinnerte mich an meinen simplen Wunsch ein Bär mit Winterschlafmöglichkeiten zu sein. Und wieder viel ich in Ohnmacht.

Ich weiss nicht wie lange ich da so lag. Aber als ich wach wurde hing mir irgendwer am Hintern. Ich sprang auf – nun – ich versuchte es. Aber es war gar nicht so einfach als Bär wieder aufzustehen. Ich zappelte etwas herum und schaffte es dann tatsächlich auf meinen Beinen zu stehen. Und da stand ein Bär. Ich wollte schnell flüchten. Ich suchte in meinem Gehirn, was ich über Bären gelernt hatte. Man sollte sie entweder erschrecken – also sich gross machen, oder Tot stellen. Hm. Also Tot stellen, viel ja wohl aus. Denn ich hatte ja schon verraten dass ich lebte. Also Gross machen. Also drehte ich mich um und brüllte. Nun – ich dachte ich brülle. Aber ich hörte mich an wie eine Katze der auf den Schwanz getreten wurde. Ich räusperte mich oder so was ähnliches.

Der andere Bär stand da und beobachtete mich. Dann schien es, als würde er lachen. Können Bären lachen? Ja – also hier stand einer, der lachte über mich.

Ich grunzte. Oh – reden konnte ich nicht – da hatte der aufgeblasene Bär aber Glück. Aber wie verständigen sich Bären? War mir egal. Ich drehte mich um und schupste ihn einfach  mit meinem sehr imposanten Hinterteil. Oh Mann – die ganzen Diäten waren umsonst. Ich hatte vielleicht jetzt einen Hintern anhängen. Ich seufzte. Und da merkte ich was. Ich hatte Hunger. Und nun? Sollte ich jetzt einen Bienenkorb suchen? Oder einen Fisch fangen?

Der andere Bär setzte sich und beobachtete mich. Ich drehte mich zu ihm und deutete auf meinen Bauch und machte mit meiner Pfote – ach herrjeh  Pfote? – ich liess kurz mal den Kopf hängen. Dann zeigte ich mit meiner Pfote auf meinen Mund. Der Bär legte den Kopf schief und starrte mich an. Ja – klar – was soll auch ein Bär mit dieser Geste anfangen. Wieder seufzte ich. Dann schupste er mich. Er zeigte in eine Richtung und ich machte mich lang. Da war ein Fluss.

Ich stinke doch nicht – vor meinem – nennen wir es Transfer – hatte ich ja geduscht. Also was soll ich am Fluss? Ach du dämliche Kuh – nein Bär. Im Fluss – die Fische. Fische fangen. Ich zuckte mit den Schultern und folgte ihm. Blieb mir was anderes übrig? Nein – Ich ging mal davon aus, dass ich mir keine Gedanken machen musste, dass ich an einen Bösewicht gekommen bin. Ich war schliesslich  keine schwache Frau  mehr, sondern eine starke Bärin.

Der Gedanke gefiel mir.  Also trotteten wir gemütlich nebeneinander her zum Wasser. Ich warf immer mal einen heimlichen Blick in seine Richtung. Denn mittlerweile hatte ich mich überzeugen können, dass es ein männlicher Bär war. Er sah gut aus. Aber wie entscheide ich das. Er sieht aus wie jeder andere Bär, den ich in den Dokus schon gesehen hatte. Aber irgendwie fand ich ihn total attraktiv. Sehr seltsames Gefühl.

Da standen wir nun. Er war schon im Fluss und ich – in diesen kalten Fluss. Ich weiss nicht. Ich bin so verfroren. Ich hielt meine Pfote rein und zuckte zurück. Aber eigentlich war es gar nicht kalt. Das war nur eine Erinnerung. Das Wasser sollte kalt sein. Aber ich war kein Mensch mehr. Also traute ich mich mit den Vorderpfoten ins Wasser – Das war ein tolles Gefühl. Ich zog den Rest meines riesigen Körpers hinter her. Ich balancierte zu dem grossen Bär. Die Steine waren glitschig und ich rutschte aus. Ich tauchte unter und wieder auf. Was ein Gefühl. Das Wasser kitzelte mich. Ich fing an zu rennen. Im Wasser rennen. Mach das mal als Mensch – mir unmöglich – aber als Bär – es war so toll. Ich flitzte durch das Wasser – schlitterte auf den Steinplatten und pustete das Wasser aus meinem Mund.

Der grosse Bär beobachtete mich. Dann kam er und ich schuppste ihn. Er fiel und verschwand im Wasser. Aber es dauerte nicht lange und er tauchte wieder auf. Dann kam er auf mich zu. Er sah sehr böse und einschüchternd aus. Ich blickte ihm mit grossen Augen an und sah mich schon mit aufgerissener Kehle den Fluss hinabtreiben. Ich schloss die Augen und spürte einen Schupser. Da fiel ich und prustete ich. Ich sah in an und stürmte auf ihn zu. Er floh und wir jagten uns durch das Wasser. Was für ein Spass.

Aber ich hatte immer noch Hunger. Also machte ich wieder die Geste des Essens. Warum verstand er mich? Das war mir ein Rätsel. Steckte da auch ein Mensch drin? Warum sollte nur mir so etwas passieren?  Er stellte sich auf einen kleinen Vorsprung im Wasser und beobachtete. Da sprang er. Ein Fisch. Und mein neuer Freund fing ihn. Ganz stolz zeigte er mir seinen Fang und warf ihn ans Ufer.

Das musste ich auch probieren. Das sah ganz leicht aus. Also stellte ich mich auch zurecht und wartete. Ja – so viel dazu, es sah ganz leicht aus.  Ich landete mehr im Wasser, als ein Fisch in meinen Krallen. So würde ich definitiv verhungern.

Der Bär kam zu  mir und ich beobachtete ihn genau. Er konzentrierte sich und ich auch. Dann kam der Fisch und ich konnte genau sehen wie er zuschlug. Ich war beeindruckt. Das Balzverhalten hatte gewirkt. Ich war hin und weg. Das hätte mal ein menschlicher Mann machen sollen – da hätte ich wohl eher laut gelacht.

Aber dieser Bär – er war prächtig und mächtig und ich fühlte mich sicher. Er kniff mich mit den Zähnen in die Schulter und zeigte mir, dass ich ihm folgen sollte. Er lud mich zum Essen ein. Ich hatte ein Date mit einem Bären. Na so was. Hier wurde keine Zeit verschwendet. Aber rohen Fisch. Ich war nie der Sushi Fan gewesen. Aber wie sollte ich als Bär ein Feuer entfachen. Habt ihr mal die Krallen bewährte Pfote eines Bären gesehen. Da ist nichts mit Stock auf Stock reiben. Ausserdem haben wir ja schon Angst vor Feuer.

Vorsichtig schnappte ich mir einen Fisch und biss rein. Waaaa. Eine Geschmacksexplosion.  Oh mein Gott – schmeckte das. Ich hatte noch nie so guten Fisch gegessen. Ich versenkte meine Schnauze in den Fisch und frass. Dann  nahm ich mir den nächsten und schlang ihn mit einem Happ hinunter.

Nach dem Fressen war ich etwas verlegen. Was sollte jetzt geschehen. Was machen Bären so den ganzen Tag? Ich folgte meinem Bären und sah, wie er ständig Grass frass. Ich machte es ihm nach und es war gar nicht so seltsam. Wir kamen an eine Höhle und er blieb davor sitzen. Ich setzte mich ebenfalls. Das war wohl seine Höhle? Und nun? Er deutete an, dass ich hinein gehen sollte. Ich war doch etwas unsicher. Aber er blickte mich so treu an. Ich vertraute ihm. Also ging ich mit ihm in seine Höhle.

Es roch etwas ungewohnt streng. Aber es fühlte sich nicht schlecht an für mich. Er klopfte auf eine kleine Erhebung und ich kam zu ihm. Dann legte er sich hin und ich war etwas verunsichert, sollte ich mich zu ihm legen? Aber er beantwortete meine Frage. Er deutete neben sich und ich kuschelte mich an ihn. Niemals in meinem Leben hatte ich  mich so wohl gefühlt. Ich schloss die Augen und vergass mein altes Leben. Das hier war mein Leben. Niemals wieder wollte ich was anderes als ein Bär sein.

ENDE

5 Gedanken zu „Das sechste Wort | 2017 – Splitter – Ein Splitter zur Seeligkeit“

    1. Danke – Sie sind wirklich toll. Ich habe in letzter Zeit viele Videos bei Youtube mit Bären gesehen. Da hatte ich einfach Lust mal ein Bär zu sein…hihihi

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