Fantasy, Wochenrückblick

Schreib mit mir Teil 4 – Das Königreich im Spiegel #2

Hier kommt ihr zum Start der Geschichte.


Kapitel 3

Was bisher geschah.

Mary wurde aus ihrem Zimmer entführt. Schatten sind eingedrungen und haben sie durch die Decke gezogen. Wo ist sie hin? Janis und Annet suchen vergeblich im Haus – was passiert jetzt?


Am nächsten Morgen traf der Vater ein.

„Wo ist sie? Annet, Janis? Wo ist mein kleiner Schatz? Wer hat sie geholt, waren sie es?“

„Abraham – sie ist noch nicht wieder da. Die Polizei wird heute eine Suchstaffel losschicken. Es gab auch kein Anruf.“

„Es wird kein Anruf kommen.“ Er setzte sich auf die Couch. Er wirkte plötzlich um Jahre gealtert.

„Wie meinst du das?“ fragte Janis.

„Lass uns in ihr Zimmer gehen. Ich will es sehen.“

Janis und Annet folgten ihm nach oben. Langsam öffnete er die Tür und trat ein.

Er stellte sich in die Mitte des Zimmers und schloss die Augen. Janis und Annet standen an der Tür und schauten sich verwundert an. Was war hier los?

Auf einmal spürte Janis etwas. Es war wie ein Ziehen. Etwas zog an seinem Inneren. Er versteifte sich und bekam Angst. Mit aufgerissenen Augen sah er zu seinem Vater.  Was war das, was da so flimmerte? Er rieb sich die Augen – es war immer noch da. Sein Vater flimmerte. Es war wie wenn man eine Seifenblase im Sonnenlicht sah. Dieses Farbspektrum erinnerte Janis daran.

„Vater – was…“ „Pscht“

Janis stutzte – Pscht? Nun gut – er schluckte seinen Ärger herunter – er hatte ziemlichen Respekt vor seinem Vater. Er war nie brutal gewesen, aber streng. Eine liebevolle Strenge – aber er hatte sich niemals getraut dagegen zu rebellieren.

Zehn Minuten später öffnete sein Vater die Augen. Drehte sich zu ihnen um und sagte: “Es gibt schlechte Neuigkeiten. Sie waren hier und habe sie geholt.“

Janis hob die Augenbrauen und schaute seinen Vater fragend an. „Wer war hier und wer hat sie geholt? Was erzählst du da? Was war das eben für ein – ja was – ein Ritual?“

„Etwa so in der Art, mein Sohn. Lasst uns ins Wohnzimmer gehen. Ich brauche einen Drink. Dann erkläre ich euch alles.“

Sie fanden sich im Wohnzimmer ein und setzten sich.  Abraham  goss sich ein Drink ein. Ebenso füllte er Annet ein Glas und auch Janis. In dem Moment war es egal, dass Janis noch Minderjährig – erst sechzehn – war. Das waren besondere Umstände und er wusste, nach den Erzählungen würden alle einen kräftigen Schluck brauchen.

Es seufzte tief, liess sich in die Kissen sinken und fing an zu erzählen.

„Es war einmal – „

„Stopp – was wird das – eine Märchenstunde, willst du uns verarschen?“

Janis zuckte zusammen, er hatte sich im Ton vergriffen. Das wusste er sofort und die Reaktion seines Vaters folgte postwendend.

Es war als würde der Raum sich verdunkeln, der Schatten, den sein Vater warf, verdoppelte sich und die Stimme wurde tiefer. „Janis – ich verbiete mir diesen Ton. Du weisst genau, dass ich solch ein Verhalten nicht dulde. Wir sind alle in Sorge, aber bedenke dein Verhalten.“

Und schon war die Ausstrahlung wieder normal, als hätte Janis sich das eingebildet. Aber er wusste, dass dem nicht so war. Er hatte das schön öfter gesehen, aber noch nie so bewusst.

„Jetzt ist es also soweit. Ich muss doch unsere Familiengeschichte erzählen. Annet – Schatz. Du darfst mir nicht böse sein. Oder eigentlich kannst du dich fast entspannen. Du bist eine Auswärtige – dich betrifft das Ganze nicht.“

„Spinnst du? Natürlich betrifft mich das. Ich bin deine Frau und ihre Stiefmutter. Ich liebe sie beide wie meine eigenen Kinder. Also hör auf mit dem Mist und erzähl endlich was du zu erzählen hast.“

Janis zog die Augenbrauen hoch – so hatte er Annet noch nie erlebt. Sie war immer so nett und ausgeglichen. Er musste schmunzeln.

„Gut – Es war einmal in einer fernen Zeit in einem fernen Land. Dort gab es ein Königreich und wie in jedem gutem Märchen einen König und eine Königin. Aber die Königin war schwer krank. Sie lag dar nieder und ward schwanger mit ihrem ersten Kind. Aber die Geburt gestaltete sich schwierig. Sie sollte sie nicht überleben. Aber, und das wusste der König nicht, sie war eine gute Hexe. Bevor sie starb sprach sie noch einen Segen über ihren Sohn. Er sollte glücklich und behütet aufwachsen, dann die grosse Liebe treffen und gemeinsam sollten sie glücklich leben bis ans Ende ihrer Tage. Aber was sie übersah, war ein dunkler Schatten der sich bei dem Segen auf den neugeborenen Prinz legte. Er war zwar nur am Scheitel zu erkennen, aber es reichte aus um den Segen der Mutter ab zu schwächen. Dieser Schatten war die böse Schwester der Königin, die damals von dem König verschmäht wurde. Sie legte in den Segen einen Fluch mit hinein. Der junge Prinz sollte seine wahre Liebe niemals alleine finden. Er würde einen Freund brauchen.

Aber dieser Freund lebte nicht in der Märchenwelt. Denn seine Familie hatte sich schon lange abgewandt von dieser Welt. Dieser Freund – dessen Vater, war Krieger in der königlichen Armee gewesen. Er unterstand dem damaligen König direkt und verliebte sich in die Schwester des gegnerischen Königs. Aber diese war schon versprochen. Sie sollte zum Frieden der verfeindeten Königreiche beitragen, indem sie den Bruder des Königs heiratete.  Das konnte der Verliebte aber nicht ertragen. Also raubte er seine Geliebte. Er wusste von einem Portal durch das Zwergenreich, das direkt in die Welt der Menschen führte.

Dort verbarg er sich mit seiner Frau, die ihm einen Sohn und eine kleine Tochter gebar. Allerdings starb sie im Kindbett des Mädchens.“

„Wa – Was? Was erzählst du denn da?“

„Unterbrich mich nicht. Der Fluch und der Segen bewirkten also einen ganz besonderen Bann. Der junge Prinz sollte seine wahre Liebe nur dann finden, wenn sein bester Freund ihm dabei helfen würde. Und eine Legende besagt, dass die wahre Liebe des Prinzen, die Schwester des besten Freundes sein soll.“

„Hä? Also Mary?“

„Ja mein Sohn. Mary. Du hast es also verstanden, es ist auch unsere Geschichte. Mary wurde von der bösen Königin entführt. Nachdem ihre Schwester verstarb, hat sie ihre Stelle bei dem König eingenommen und unterdrückt seit dem das Volk. Irgendwie muss sie von uns erfahren haben.“

Annet räusperte sich. „Kann es sein, dass Mary es selbst war, die die Verbindung herstellte? Sie hat so oft von diesen Schatten erzählt, die sie in ihren Träumen gesehen hat. Vielleicht haben sie uns so gefunden?“

„Ja, das ist nicht von der Hand zu weisen. Das könnte schon so sein. Unsere Aufgabe wird jetzt sein, den jungen Prinz zu finden, euch zu Freunden zu machen und dann Mary zu finden.“

„Ja klar – das ist total Easy. Ich mach mich einfach mal auf den Weg zum Zwergenreich um den Eingang zu finden, dann freunde ich mich mit dem Prinzensöhnchen an, versuche der bösen Königin aus dem Weg zu gehen und gemeinsam retten wir Mary, damit die beiden dann glücklich bis an ihr Lebensende werden können. Blablabla.“

„Ja so in etwa wird das laufen. Ich muss einige Freunde kontakten. Wir werden uns beratschlagen und dann weiter sehen. Erst mal muss die Polizei aus der Gleichung heraus genommen werden. Annet – ruf sie bitte an und sag, dass Mary wieder da ist.“

„Ok.“

Kapitel 4

Janis ging in sein Zimmer zurück. An Schlaf war natürlich nicht mehr zu denken. Oder schlief er vielleicht noch und träumte so was Verrücktes? Das  könnte natürlich die Erklärung sein. Während er, vermeintlich schlafend, in seinem Zimmer umher wanderte, und sich die Geschichte noch einmal zu Gemüte führte, stiess er sich sehr schmerzhaft den kleinen Zeh am Bett.

„Verdammte Scheisse – das ist wohl dann der Beweis, dass ich nicht schlafe.“ Fluchte er hüpfend durch sein Zimmer.

„So ein verdammter Mist. Was soll ich denn jetzt machen? Mary – mein kleiner Stern, wo bist du nur. Ich kann dich nicht mal mehr spüren.“ Er setzte sich auf sein Bett und lies den Tränen freien Lauf. Er war zu  jung um so stark sein zu müssen. Was würde jetzt auf ihn zukommen. Wie sollte er denn diesen Fluch/Segen/Legenden-Kram hinbekommen? Er verzweifelte immer mehr.

Es klopfte sanft an seine Tür. Annet trat ein und sah ihn so hilflos sitzen. Sie setzte sich neben ihn und nahm ihn in den Arm. Dann wiegte sie ihn etwas um ihn zu beruhigen. „Du  musst dir keine Gedanken machen. Wir sind da und wir werden dir helfen. Wir werden Mary zurückholen. Verlass dich auf deinen Vater. Der kennt sich da aus und weiss was zu tun ist. Wir sind eine Familie. Wir werden das durchstehen.“

Janis drückte sich an Annet und fing an heftig zu schluchzen. Die Tränen durchnässten ihren Pullover, aber sie hielt ihn fest, bis keine Tränen mehr kamen. Er legte sich hin und schlief sofort ein. Er war so müde.

Annet betrachtete ihren Stiefsohn und sah seine Stärke, die schon immer in ihm steckte. Sie wusste natürlich schon lange von der Bestimmung der Familie. Die sterbende Königin, hatte sie hinter Abraham und Aria geschickt um die Familie zu beschützen. Damit ihr Sohn und Mary irgendwann glücklich werden konnten. Lange konnte sie den Schutzzauber aufrechterhalten, aber Marys Aura war einfach zu stark gewesen. Sie würde an der Seite ihres geliebten Ehemannes und ihres Stiefsohnes kämpfen. Aber sie wusste auch, dass die böse Königin genug dagegen aufwarten würde.  Es würde eine schwierige und dunkle Zeit über ihre Familie kommen. Aber sie würden gewinnen. Da war sie sich sicher.

Fortsetzung folgt

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9 Gedanken zu „Schreib mit mir Teil 4 – Das Königreich im Spiegel #2“

  1. Pingback: Geschichtszauberei
      1. uff, da hab ich noch was vor mir. Na ja, drei Teile habe ich schon mal. Mal sehen, wann ich es schaffe weiter zu lesen. Jedenfalls find ich die Geschichte interessant und genau mein Ding. Bisher.

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