Fantasy, Schreib mit mir

Schreib mit mir Teil 4 – Das Königreich im Spiegel #11

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Kapitel 8

Was bisher geschah:

Beinahe wären Arlo und Janis erfroren. Die Böse Königin hatte einen Eiszauber ausgesprochen, die die beiden Reisenden im Schlaf erwischten. Das hätte böse ausgehen können.


Nachdem sie zwei Tage ausgeruht hatten, reisten sie weiter. Ihre Stimmung war gedrückt. Die Reise wurde immer beschwerlicher und das Ziel noch nicht in Sicht. „Janis, ich bin wirklich total fertig. Ich hoffe, dass das hier bald zum Ende kommt. Ich weiss nicht ob ich das alles aushalte.“  „Ach Arlo. Denk doch an das hübsche Mädchen aus deinem Traum. Sie ist der Preis für diese Mühen.“

Arlo seufzte. „Du hast Recht. Dafür lohnt es sich zu sterben.“ „Was – du Trottel, wenn du stirbst hast du ja wohl nichts davon. Idiot. Natürlich musst du überleben um sie zu retten. Ich glaube wirklich du hast Recht. Du bist total am Ende. Sonst würdest du nicht so ein Blödsinn reden.“ Janis knuffte Arlo in die Seite und lachte. Endlich wieder lachen, das hatte ihm gefehlt. Die Unbeschwertheit, die ihn immer verfolgt hatte, war verschwunden. Seine Sterblichkeit wurde ihm vor Augen geführt.  Er war sich immer noch sicher nicht Lebend aus diesem Abenteuer heraus zu kommen, aber es viel ihm nicht mehr so leicht sich damit abzufinden. Er hatte gemerkt, dass er am Leben hing.

Sie ritten schweigend weiter.  Stunden später, es wurde langsam dunkel, trafen sie auf eine verlassene, leicht verfallene Hütte. „Lass uns hier übernachten Janis, ich kann nicht mehr.“ „Ja, gut – das ist mir Recht. Ich bin auch ziemlich alle und mein Hintern schmerzt auch. Ich könnte gerade vom Pferd direkt ins Heu fallen und mal vierundzwanzig Stunden schlafen.“

Sie gingen um die Hütte herum und fanden etwas wo sie die Pferde versorgen konnten. Sie zweifelten daran, dass sie im Inneren schlafen konnten. Die Hütte wirkte sehr unstabil. Aber da es sehr trüb war, und sie keine Lust hatten nass zu werden, wollten sie wenigstens einen Blick riskieren.

Als sie in den Raum traten, konnten sie nichts erkennen. Das Gegenlicht von Aussen liess den Raum schwarz wirken. Nach einiger Zeit hatten sich die Augen an das düstere gewöhnt und sie konnten einige Schemen erkennen. Rechts neben der Tür hing eine Fackel. Arlo wühlte in seiner Tasche nach einem Feuerstein und erzündete die Fackel. Das Licht erfüllte den Rest des Raumes. Links ging noch eine Tür ab. Dort wollten sie nachschauen. Janis betrat den kleinen, fensterlosen Raum. Er wollte gerade wieder hinausgehen, als er eine Bewegung in der Ecke wahrnahm.

Vorsichtig näherte er sich dieser Ecke. Dort lag anscheinend ein Haufen mit Decken. Er zog sein Schwert und fing an in dem Haufen zu stochern. Er traf auf Wiederstand und dieser Wiederstand quiekte. „Autsch“. „Zeig dich. Komm aus diesem Haufen raus, bevor ich dich absteche.“ Der Haufen bewegte sich und nach und nach rutschten die Decken hinunter. Ein Jüngling schälte sich aus den Decken heraus. Dürr, blass und verängstig schaute er mit riesigen Augen Janis an.

„Komm und zeig dich im Licht. Hast du Waffen?“ Der Junge schüttelte den Kopf, den er gesenkt hielt. Janis schnappte sich das dünne Ärmchen und zog ihn in den grossen Raum zu Arlo. „Schau, hier haben wir ein dürres Bürschen gefunden. Lag unter dem Deckenhaufen und wimmerte vor sich hin. Der stirbt jetzt schon fast vor Angst.“ „Ich habe nicht gewimmert.“ Kam die leise Antwort. „Aber diese stinkenden Decken haben mich in der Nase gekribbelt. Sonst hättet ihr mich gar nicht bemerkt.“ Janis schmunzelte und schaute zu Arlo. „Was meinst du? Ein kleiner Bauernbursche? An ihm ist nichts dran. Nur Haut und Knochen.  Wie ist dein Name, Knabe?“

„Lass ihn doch los Janis. Du brichst ihm ja fast das Ärmchen. Komm lasst uns raus gehen. Ich denke das Wetter wird halten und ich fühle mich gefangen in dieser Hütte. Wir machen ein Feuer und dann werden wir uns kennen lernen. Auf. Kommt“ Widerspenstig kam der Kleine mit. Nicht ohne zu versuchen sich aus dem festen Griff Janis´ zu befreien. Zwecklos. Der Griff war zu fest.

Arlo kümmerte sich um das Feuer und holte aus den Taschen noch etwas zu essen. In der Zwischenzeit betrachtete Janis den Jungen. Irgendwas stimmte mit ihm nicht. Er traute ihm nicht. Das würden sie jetzt klären. „Komm setz dich und iss was. Du bist so dürr, dass man Angst haben muss, dass deine Beine deinen Körper nicht tragen können. Wann hast du das letzte Mal was gegessen?“ Fragte Arlo. „Ich weiss nicht. Vor vier Tagen vielleicht.“ „Wo kommst du her?“ Keine Antwort. „Na, du bist sehr misstrauisch. Das ist gut. Eine böse Welt hier. Aber wir gehören zu den Guten. Lasst uns erst mal essen, dann sehen wir weiter.“

Sie aßen schweigend. Janis beobachtete den Jungen weiterhin. Er hatte ein schmutziges Gesicht, aber sehr feine und junge Züge und einen Hut auf dem Kopf, der das Gesicht auch verdeckte. Er war bestimmt kein Bauernjunge. Die harte Arbeit würde er gar nicht bewältigen. Dann wohl eher ein Knappe oder Hausangestellte einer wohlhabenden Familie. Aber was machte er hier draussen im Nirgendwo? Eindeutig war er auf der Flucht. Wahrscheinlich hatte er gestohlen. Er würde ganz besonders auf ihre Satteltaschen achten. Aber er hatte kein Pferd gesehen. War er zu Fuss hier her gekommen? Das war ein weiter Weg.

„So – jetzt sind wir gesättigt. Jetzt wird geredet. Ich bin Arlo und das ist Janis. Wie ist dein Name?“ „Ich heisse Kato.“ „Kato – ein seltsamer Name. Gut. Was machst du hier? Wo kommst du her?“ Janis meldete sich zu Wort. „Und wie kommst du hier her? Ich habe kein Pferd gesehen.“ „Eigentlich möchte ich nicht über mich reden. Ich bin dankbar, dass ihr euer Essen mit mir geteilt habt. Aber lasst mich morgen einfach hier und reitet weiter.“ Janis strich sich über sein Kinn. Er müsste sich mal wieder rasieren. „Äh – nein. Tut mir leid. Ich traue dir nicht. Irgendwas stimmt nicht mit dir. Hast du gestohlen? Oder bist du ein entflohener Sklave? Ein Mörder? Warum hast du dich hier versteckt? Es gibt einfach zuviel Fragen, die durch dich entstehen. Also klär uns auf.“

Kato erhob sich und wollte sich von den beiden Männern entfernen. Arlo und Janis schauten sich sprachlos an. Stand er wirklich einfach auf und liess sie so einfach stehen? Unfassbar. Janis erhob sich ebenfalls und folgte Kato. „Sag mal. Wir reden mit dir. Du bist ziemlich unhöflich. Beantworte unsere Fragen.“ „Guter Mann. Ich sagte schon, ich bin dankbar für euer Essen, aber ich bin euch keinerlei Rechenschaft schuldig. Ich gehe jetzt zurück in diese Hütte. Morgen früh werdet ihr weiter geritten sein und ich werde meines Weges gehen.“

Janis war perplex. Dieser kleine ungehobelte Bursche. Für was hält er sich. Er folgte Kato in die Hütte und griff nach dem Arm. Zog ihn zu sich her und wollte ihm den Hut vom Kopf ziehen um das Gesicht genauer zu betrachten. Kato zuckte zurück um zu verhindern, das Janis seinen Hut abzog und wandte sich in dem Griff. Janis hatte wirklich Angst Kato den Arm zu brechen. Er war so dünn und wirkte so zerbrechlich. Dann erwischte er den Hut. Zog an ihm und blickte ziemlich dämlich in die Dunkelheit, als sich ein Schwall langer Haare über seine Hand ergoss.

„Du bist ein Mädchen?“

„JA – so nennt man uns meistens.“

„Warum hast du dich wie ein Mann gekleidet. Nein – warum ist mir schon klar. Als Frau wärst du zu gefährdet alleine zu reisen. Aber warum ist diese Verkleidung überhaupt notwendig. Du bist deinem Mann abgehauen.“ „Das geht dich gerade mal gar nichts an. Ich bin einfach eine Frau in Männerkleidung, die eine Reise tätigt.“ Janis zog sie aus der Hütte zum Lagerfeuer. „Arlo – vergiss alles was du dir gedacht hast über unseren lieben Kato. Du wirst gleich deinen Mund nicht mehr zubekommen.“ Dann zerrte er Kato nach vorne und Arlo blickte nach oben. Wenn er nicht schon gesessen hätte, hätte es ihn gerade umgehauen. Ein Mädchen. Das erklärte die zarte Erscheinung.

Arlo stand auf und ging um Kato herum. Sie hatte lange braune Haare. Sie war etwas kleiner als die beiden Männer. Ihr Kinn hatte sie aufmüpfig nach oben gereckt. In ihren Augen blitze die Wut. Sie war keine Schönheit. Aber sie war bezaubernd. Ihre Nase war ganz leicht schief und die Augen standen etwas zu nah bei einander. Aber sie hatten die Größe von Reh Augen. Faszinierend war ihr Mund. Ein Mund der zum Küssen einlud. Arlo blickte zu Janis und er konnte sehen, dass auch Janis an diesem sinnlichen Mund hängen geblieben war.

Arlo nahm Janis beiseite. „Was sollen wir mit ihr machen?“  „Ich weiss es nicht. Wir sollten sie einfach hier lassen.“ „Das können wir nicht machen. Wenn jemand anderes kommt und mitbekommt, dass sie eine Frau ist, dann ist es um sie geschehen.“ Janis nickte. Er war immer noch leicht betäubt. Wie sie so wütend vor ihnen stand und sie beobachtete merkte er, dass sich etwas in seinem Herzen regte. Nicht in seiner Hose – das war er nicht gewohnt. Irgendwas ging von ihr aus, dass er sich verunsichert fühlte. Das war ihm auch noch nie geschehen. Selbst bei seiner ersten Liebeserfahrung war er mutiger, als jetzt. Was war es, was sie so faszinierend machte? Der Mund – er würde sie am liebsten schnappen und seine Lippen auf ihre Drücken und sie schmecken. Er hörte Annet in seinem Kopf. „Das ist Liebe auf den ersten Blick.“  „Schnick Schnack. So was gibt es nicht.“ „Hä? Was meinst du?“ Fragte Arlo verwirrt. „Ach nichts. Lasst uns setzen und erneut reden. Aber dieses mal ehrlich.“

Kato überlegte. Sie sah ein, dass sie hier wohl keine Chance hatte zu entkommen. Sie hatte wahnsinnige Angst. Eine Frau alleine in der Wildnis war verloren, wenn sie auf Männer traf. Es schien, dass Arlo und Janis tatsächlich ehrlich waren. Vielleicht brauchte sie bei ihnen keine Angst zu haben. Heimlich griff sie in den Hosenbund um nach dem Messer zu tasten. Sie würde nicht wehrlos sein.

„Ok. Kato. Ist das wirklich dein Name?“

„Ja – das ist tatsächlich mein Name. Eigentlich Katora.“

„Gut,“ meinte Janis. „Dann weiter. Meine Fragen von vorhin gelten noch. Ich denke du solltest reden. Du weisst, dass du grossen Glück hattest, dass wir dich getroffen haben. Es gibt sehr unangenehmere Begegnungen.“ „Ja – ich denke, das kann ich einschätzen. Ok. Ich will ehrlich sein. Denn ich werde wohl eure Hilfe brauchen. Mein Name ist Katora. Ich komme aus Ontaro. Mein Vater ist der Geistliche. Ich habe noch zwei Brüder und zwei Schwestern. Ihr wisst, dass Mädchen ja nicht viel wert sind. Deswegen sollte ich endlich verheiratet werden, dass ich meinen Eltern nicht mehr auf der Tasche liege. Allerdings ist mein zukünftiger Gatte ein übler Genosse. Er war schon einmal verheiratet. Seine Frau ist durch seltsame Umstände ums Leben gekommen. Man hat sie oft mit blauen Flecken gesehen. Angeblich ist sie gestolpert und sei tolpatschig.“ Kato hatte die beiden Behauptungen in Gänsefüsse gesetzt. Jeder wusste, was es zu bedeuten hatte, wenn Frauen solche Dinge über ihre Verletzungen behaupteten. Ihr Mann hatte sie geschlagen.

„Ich bin geflohen, da mein Vater absolut uneinsichtig ist. Er hätte mich aus dem Haus geworfen. Was hätte ich dann für eine Wahl gehabt? Ihn heiraten? Niemals. Kloster? Auf keinen Fall. Oder Prostitution. Nein, nein. Das kommt überhaupt nicht in Frage. Also dachte ich, ich fliehe und versuche mein Glück in einem anderen Dorf.“

Je länger Janis ihr zuhörte umso ruhiger wurde er. Sie hatte eine so angenehme Stimme. Es fühlte sich an, als würde er nach Hause kommen. Es war ein Gefühl der Geborgenheit und Freiheit. Annet hatte Recht. Er hatte sich verliebt. Wie konnte das passieren. Er. Der Herzensbrecher und Frauenschwarm sollte sich verliebt haben. Nach so kurzer Zeit. Niemals. Ausserdem war sich Janis sicher – er würde nicht überleben. Also bitte, warum trat jetzt dieses himmlische Geschöpf in sein Leben. Und warum dachte er jetzt so geschwollen. Aarg.

Arlo dachte nach. „Also gut. Was sollen wir machen? Was hast du dir gedacht?“ „Ich weiss nicht. Das ist eine Situation mit der ich nicht gerechnet habe. Ich wäre euch dankbar, wenn ihr mich mitnehmen würdet. Egal wohin. Hauptsache weit weg.“ Janis schüttelte den Kopf. „Das wird nicht möglich sein. Wir sind auf einer Mission unterwegs.“ „Was für eine Mission?“ Arlo meldete sich zu Wort. „Eine Rettungsmission. Eine junge Frau ist in Gefahr und auch das Schicksal dieses Landes hängt von ihrer Rettung ab.“ „Das klingt doch gut. Ich bin dabei. Wenn ihr mich mitnehmt?“

Arlo und Janis zogen sich zur Beratung zurück. „Was meinst du, Arlo?“ „Ich weiss nicht. Es ist gefährlich. Wir müssen ihr vertrauen. Können wir ihr vertrauen?“ „Ich denke schon. Sie wirkt ehrlich. Und wir könnten noch jemand zur Unterstützung brauchen.“ „Ja, aber kann sie kämpfen? Oder müsse wir sie ständig beschützen?“ „Ich kann kämpfen.“ Kato hatte sich leise genähert. Wenn sie schon über sie redeten, wollte sie auch mithören um sich zu verteidigen.

Die beiden drehten sich erschrocken um.

Janis wollte eigentlich nicht, dass sie mitkam. Aber er konnte sie nicht alleine zurück lassen. Damit würde er nicht ruhig leben können. „Also gut. Komm mit uns. Aber es wird kein Picknick. Es wird gefährlich werden.“ „Umso besser. Dann wird die Reise wenigstens nicht langweilig.“ Sie drehte sich um und ging zum Feuer zurück. Dort richtete sie sich ihr Lager, und legte sich hin. Nicht lange und sie war eingeschlafen. „Nun – einen guten Schlaf hat sie schon mal.“ Meinte Arlo und lachte. Janis war sich sehr unsicher. Er hoffte, dass er nicht zu sehr von ihr abgelenkt werden würde. Sein Ziel sollte Marys Rettung sein. Das durfte er nicht aus den Augen verlieren.

Fortseztung folgt

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