Geschichtenzauber

Schreibkicks – Nebelschwaden – Die Wächterin

Schreibkicks. Hier wird von Sabine immer zum 1. des Monats ein neues Thema bekannt gegeben, dass dann am folgenden 1. des kommenden Monats auf seinem Blog gepostet wird.

Diesen Monat waren dabei:
Veronika

Eva

Sabine

Corly

 

Halloween und Allerheiligen – was bietet sich da mehr an als eine kleine Gruselgeschichte.

Folgt mir auf den Friedhof.


„Nebelschwaden“, flüsterte Mark in die Runde, während er seine Lichtquelle von unten in sein Gesicht scheinen ließ. Er liebte den Ausdruck der Kinder in ihren Gesichtern, wenn er Gruselgeschichten erzählte. Die Kinder in seinem Alter konnte er damit nicht mehr beeindrucken, aber die ganz Kleinen, da klappte es immer. Diese großen Kulleraugen und offen stehenden Münder und die Kuscheltiere, die an die Brust gedrückt wurden – unbezahlbar.

Jedes Jahr zu Halloween versammelten sie sich am Übergangspunkt der Welt der Lebenden und der der Toten. Die Nacht von Halloween zu Allerheiligen – nie war der Übergang leichter, als zu dieser besonderen Zeit.

Dazu trafen sich die Gruppen am alten Friedhof. Niemand wurde hier mehr beerdigt, niemand kam um die Gräber zu pflegen – er war der Vergessenheit übergeben worden. Nur eine Nacht im Jahr, da versammelten sich alle dort. Menschen wie Geister.

Schon mehrere Male hatten die Menschen von seltsamen Begegnungen berichtet. Oder auch  nur von Empfindungen: Angst, Kälte, komische Geräusche und die passende Dekoration der Natur. Nebelschwaden, knorrige Bäume und knarrende Äste, durch die der Wind mit schaurigem Heulen durchfuhr. Schatten und die obligatorischen Rufe der Käuze.

Dieses Jahr sollte es was Besonderes werden. Mark hatte vor die Schwelle zu übertreten und nicht wieder zurück zu gehen. Er wollte einfach mal was anderes. Ihm war langweilig. Das sollte sich dieses Mal ändern. Er wollte einfach sehen, was es auf der anderen Seite so gab. Erwar natürlich schon öfter drüben gewesen – jedes Halloween – aber die Wächterin hatte ihn immer wieder zurückgetrieben.

Dieses Mal nicht! Dieses Mal wollte er sich tarnen. Er hatte Geschichten gehört – wie man sich vor der Wächterin versteckte. Es gab Stätten, die einen besonderen Zauber innehatten. Dort wurden Besucher nicht aufgespürt. Das wollte er testen. Ein sonderbarer Zufall spielte ihm in die Hände – genau hier gab es so eine Stätte. Ein Mausoleum einer angeblichen Voodoo-Priesterin. Da würde die Verschleierung sehr stark sein.

Mark scheuchte die Kinder weg zum Spielen zwischen den Grabsteinen. Die Bewohner hatten sich viel Mühe gegeben, diesen Ort schaurig zu dekorieren – das gefiel Mark.

„Hei, Mark?“ Sein bester Freund, Alvin, kam vorbei geschlendert. „Und? Schon heiß auf den Ausflug nach drüben? Ich kann es kaum abwarten. Ich hab mir ein geniales Outfit einfallen lassen. Die anderen auch – ich hoffe, du auch?“ „Ja, ja.“ Meinte Mark abwesend. „Ich freue mich total. Ich muss mal nach den Kleinen schauen. Wir sehen uns um Mitternacht, okay?“ „Klar – bis später.“

Mark begab sich mit seiner Mini-Gruppe zum Portal – gleich wäre Mitternacht und sie konnten übertreten. Mark war aufs Äußerste gespannt. Da – da passierte es. Das Portal schimmerte und sie konnten hindurch treten. Sofort wurden sie von einer lauten Geräuschkulisse in Empfang genommen. Überall rannten kleine Kinder in Kostümen mit gefüllten Säcken und Körben durch die Gegend. Es roch nach Popcorn und eine Geisterbahn lud zum Gruseln ein.

Nach menschlicher Zeit, hätten sie eine Stunde Zeit bevor die Wächterin sie rufen würde. Die Gruppe mischte sich unter die Bewohner. Sofort hörte man an vielen Ecken kleine spitze und schrille Schreie des Entsetzens.

Mark nahm an, dass seine Freunde ihre besonders gruseligen Outfits präsentierten. Er musste zugeben – sie waren sehr gelungen. Alvin war kopflos und seinen Kopf trug er am Gürtel. Aus seinen Augenhöhlen schlüpften Spinnen und Tausendfüßer. Auch seine anderen Freunde hatten ähnlich gruselige Outfits gewählt.

Die Zeit verrann und die Uhr der Wächterin kündigte das Ende an, in dem sie fünf Mal schlug. Schnell schlüpfte Mark in das auserkorene Mausoleum und wartete. Aus dem Fenster sah er wie siech alle zur Rückkehr ins Geisterreich sammelten. Alle außer ihm. Die Wächterin war abgelenkt und schien nicht zu bemerkten, dass Mark sich nicht der Gruppe angeschlossen hatte. Er atmete tief aus. „Jetzt muss ich nur kurz warten.“

Etwas später schielte Mark aus seinem Versteck – aus seiner Gruppe war keiner mehr zu sehen. Schnell schlüpfte er aus seinem Versteck. Er war frei.

Die Nebelschwaden gaben den Weg frei und er bewegte sich zum Ausgang des Friedhofs. Er wollte gerade seinen Fuß über die Schwelle setzen, als die gerade noch demütig schwindeten Nebelschwaden sich um seinen Fuß wandten. Schnell bewegten sie sich nach oben und umwickelten ihn. Er war gefesselt.

Hinter einem Grabstein in seinem Rücken hörte er es krachen und stöhnen. Langsam drehte er sich in Tippelschritten in diese Richtung. Hinter dem Grabstein verdichteten sich die Schatten und er konnte erkennen wie sich die Wächterin manifestierte. Sie war grösser als sonst und wirkte sehr bedrohlich. Marks Beine fingen an zu zittern. Ihre Augen glühten rot und er meinte auch, Rauch aus ihren Nasenhöhlen treten zu sehen.

„MARK!“ Ihre Stimme dröhnte tief in seinen Eingeweiden. „Du weißt, dass du das Totenreich nicht verlassen darfst! Du bringst damit das Gleichgewicht durcheinander. Das wäre verheerend für uns –„ ihre knochige Hand zeigte in Richtung der Menschen „- und für sie.“ „Aber, aber…“ „Kein Aber! Es gibt keine Ausnahmen. Ich werde diesen Ausflug niemals zulassen. Ich habe es schon einige Male erlebt und das ging nie gut aus – für uns. Die Menschen bekämpfen alles was sie fürchten. Sieh – „ sie ließ ein Bild erscheinen. „- so wirst du in ihren Augen aussehen.“ Er sah sich – verwest und stinkend durch die Straßen schlurfen. „Aber…“ „KEIN ABER! „polterte sie. Die Nebelschwaden wandten sich nervös um Mark. „NIEMALS! Du gehörst in mein Reich. Sehe das als eine Verwarnung an. Aber glaube mir – solltest du das nochmal versuchen, wird die Strafe fürchterlich sein. Da würdest du dir fast die Auslöschung durch die Menschen wünschen. Also komm.“

„Ich kann mich nicht bewegen.“ Die Wächterin drehte sich irritiert um. „Ach ja, stimmt. Auf meine lieben Helferlein. Zeigen wir Mark den Weg nach Hause.“

Die Schwaden wickelten sich fester um Mark und ein gleißendes Licht erschien. Sie zogen ihn  in das Licht. Einen letzten, sehnsuchtsvollen Blick zurück blieb Mark noch, dann verschwand er im Licht.

ENDE

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13 thoughts on “Schreibkicks – Nebelschwaden – Die Wächterin”

  1. Hihi, sehr hübsche Wendung, als wir merken, dass wir uns als Leser zunächst im Totenreich befunden haben. Der arme Mark … naja, eigentlich kann er froh sein, dass die Wächterin ihn zurückgehalten hat. Das wäre bestimmt nicht gut ausgegangen 🙂

    Gefällt 1 Person

    1. Hihi – Ja diese Wendung ist mir tatsächlich auch erst während des Schreibens eingefallen. Ich denke auch, dass er froh sein kann – das wäre bestimmt nicht gut ausgegangen. 😀

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