Mach was mit..., Weihnachten

Mach was….mit Adventskalender

Ein Gemeinschaftsprojekt bei Herba und . Ein Wort weckt die Kreativität in uns. Ein Wort, das uns zum Schreiben, Basteln, Kochen, Backen, Fotografieren animiert. Diesemal: Adventskalender

Quelle

Der erste Adventskalender

Emilia war aufgeregt. Es war der 30.11 und am nächsten Tag konnte sie endlich das erste Schächtelchen öffnen. Ein Adventskalender. Es war das erste mal, dass sie einen hatte. Sie erinnerte sich noch an die vergangenen düsteren Weihnachtszeiten. Sie war alleine auf der Strasse unterwegs. Ihr Kittel war zerschlissen, die Handschuhe bestanden mehr aus Löchern als aus Stoff. Sie hatte immer Hunger und fror. Es gab kein zu Hause in das sie gehen konnte. Das Waisenhaus war furchtbar. Niemals wieder würde sie dorthin gehen. Die Leiterin war ein Teufel. Sie zwang die Kinder zu betteln und zu stehlen. Aber behalten durften sie nie etwas. Zu essen gab es Brei und eine Kohle pro Kind für den Ofen. Nein, dort würde sie nie mehr hingehen. Lieber würde sie unter Brücken schlafen. Vielleicht schaffte sie es ja in den Süden zu kommen. Dort war es immer warm. Sie würde nie wieder frieren oder Hunger leiden müssen. Die Früchte wuchsen auf den Bäumen und sie konnte immer welche pflücken. Ja das sollte ihr Ziel werden. Spanien oder Italien. Der Gedanke an die Sonnenstrahlen dort, wärmte das arme Mädchen.

Emilia hatte sich einen Platz hinter einer Bäckerei sichern können. Der Bäckergeselle gab ihr oft eine Semmel vom Vortag. Aber er war jetzt einige Zeit nicht da gewesen. Ob ihm etwas zugestoßen war? Emilia hoffte es ging ihm gut. Guten Menschen durfte nichts Schlimmes zustoßen. Das durfte nicht geschehen.

Emilia stand vor dem Adventskalender und erinnerte sich an den letzten 30.11. Die Bäckerei war wieder in Betrieb. Sie konnte durch das Fenster in die Backstube schauen. Eine Frau stand dort. Eine ihr unbekannte Frau. Sie hatte vor sich kleine Schachteln, die sie mit allerlei Süßen und Nüssen füllte. Sogar kleine Spielfiguren aus Holz konnte Emilia erkennen. Was das wohl  werden würde?

Am nächsten Tag sah Emilia einige Leute vor dem Schaufenster der Bäckerei stehen. Dort war ein Häuschen aufgebaut in denen kleine Schachteln eingelassen waren. Es standen ungeordnet die Zahlen 1-24 darauf und war wunderschön mit weihnachtlichen Motiven bemalt. Drei der Schachteln waren heraus gezogen und standen offen. Sie konnte die Sachen erkennen, die die unbekannte Frau Tags zuvor eingepackt hatte. Ein Schildchen stand davor und darauf stand:

Adventskalender – versüßen sie sich und ihren Kindern die Zeit bis zum Weihnachtsfest. Jeden Tag eine kleine Überraschung steigert die Vorfreude.

Emilia war entzückt von der Idee und traurig, weil sie wohl nie einen eigenen Adventskalender haben würde. Traurig ging sie weiter.

Die nächsten Tage mied sie die Bäckerei, da sie so traurig war keine Familie zu haben mit der sie diese schöne Zeit verbringen konnte. Aber sie hatte Hunger. So ging sie zur Bäckerei, in der Hoffnung auf eine Semmel.

Der Geselle  sah sie ankommen und rief sie zu sich; „Da bist du ja endlich. Komm schon her, Kind. Wir haben ein Angebot für dich. Wir brauchen noch ein Mädchen für alles. Hättest du Interesse für uns zu arbeiten? Du bekommst essen und eine Unterkunft und auch etwas Geld.“ Emilia konnte ihr Glück kaum fassen. Arbeit? Oh und ob sie wollte.

Die fremde Frau, war die Ehefrau des Gesellen und hatte schnell einen Narren an Emilia gefressen. Eines Abends lagen sie im Bett: „Carl? Was hälst du von Emilia?“ „Sie ist ein Sonnenschein und so fleißig und wissbegierig. Sie kann schon so gut helfen und lernt so schnell. Wieso fragst du?“ „Wollen wir ihr nicht ein zu Hause geben? Eine Familie?“ „Puh – ich weiß nicht. Was ist wenn wir eigene Kinder bekommen?“ „Was soll da schon sein? Sie wird eine tolle große Schwester werden.“ Sagte sie und strich sich leicht über den Bauch. „Nun gut- Es soll so sein. Ich überlasse sie deiner Obhut. Bei mir wird sie das Bäckerhandwerk lernen und von die die Hausfrauentätigkeiten. Kein leichtes Unterfangen, aber wenn es einer schafft, dann du mein Herz.“

Die Bäckerin war so glücklich – sie konnte kaum schlafen, weil sie die Neuigkeit unbedingt Emilia sagen wollte. Am nächsten Tag erzählten sie Emilia was sie planten und warteten auf ihre Reaktion. Emilia traute ihren Ohren nicht. Familie? Sie sollte eine Familie bekommen? Mit Tränen in den Augen, stürmte sie auf das Ehepaar zu und drückte die beiden so fest sie konnte.

Emilie blickte auf die Uhr. Es war Mitternacht. Jetzt konnte sie ihr erstes Schächtelchen öffnen. Sie stand vor dem Adventskalender. Hinter ihr erschien die Bäckerin mit dem Säugling auf dem Arm. „Ich dachte mir, dass du nicht schläfst. Komm, mach die erste Schachtel auf.“ Emilia hielt die Luft an, zog sie hinaus und öffnete sie.

Ein kleiner hölzerner Engel lag darin. Sie nahm ihm heraus und betrachtete ihn lange. Ihr Schutzengel. Mit Tränen in den Augen ließ sie sich von der Bäckerin in die Arme nehmen. Sie war endlich zu Hause und ein Teil einer Familie.

ENDE

5 Gedanken zu „Mach was….mit Adventskalender“

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