Schreibkicks

Schreibkicks – Januar – Jahresuhr – Erinnerungen

Schreibkicks. Hier wird von Sabine immer zum 1. des Monats ein neues Thema bekannt gegeben, dass dann am folgenden 1. des kommenden Monats auf seinem Blog gepostet wird

Ich hoffe ihr habt alle das Jahr gut gestartet. Gut dass es bei WordPress die Möglichkeit gibt, Beiträge zu planen. Es könnte  noch bisschen Nachwehen vom Feiern geben.

Hier habe ich eine kleine Geschichte einer Jahresuhr. Meine Eltern hatten auch so eine und ich fand die immer toll.

Mit dabei waren dieses mal:

Das neue Thema für den 1.2.18 lautet:

Jahresuhr

Die Jahresuhr stand wie immer – seit nun mehr so vielen Jahren, dass sie nicht mehr wusste wie lange überhaupt, im Schrank. Sie konnte sich noch erinnern, wie sie geboren wurde. Damals wurde alles noch persönlich von einem Uhrmacher zusammengebaut. Sie hatte schon gehört, dass die jüngeren Generationen in Fabriken hergestellt wurden. Das waren doch keine echten Jahresuhren. Das waren nur noch äußerlich welche – aber innen waren sie tot.

Einmal war sie zur Reparatur gewesen, mit der Zeit waren ihre Federn etwas ausgeleiert und ihre Besitzerin hatte sie in die Werkstatt gebracht. Dort standen auch diejenigen, die in Fabriken hergestellt wurden. Da kam kein Lebensfunken herüber. Man merkte, dass  sie nach Schablonen und von verschiedenen Menschen zusammengebaut wurden. Jedes Teil  von einer andere Hand. Es gab sogar die Uhren, die aus Asien kamen. Die erzählten schlimme Dinge. Sie wurden oft von kleinen Kindern zusammengebaut.  Diese Uhren waren oft melancholisch. Die Kinder hatten ihren Schmerz und ihre Trauer in die Uhren fließen lassen. Ach, das war furchtbar.

Sie war damals froh, dass sie wieder abgeholt wurde. Es gab Uhren, die wurden einfach vergessen. Niemand holte sie mehr ab und niemand wollte sie mehr haben. Wie traurig sie waren. Die Zeit der Jahresuhren war vorüber. Zu ihrer Zeit waren sie beliebte Hochzeitsgeschenke. So kam auch sie zu ihrer Familie. Sie wurde ihren Besitzern zur Hochzeit geschenkt.

Lange stand sie auf dem Fernsehen. Das war ein schöner Platz. Da konnte sie immer ihre Familie beobachten. Sie sah wie sich das frisch getraute Paar foppte und wie sie zärtlich miteinander umgingen. Dann kamen die Kinder und sie sah die ersten Schritte, die von ihnen gemacht wurden. Aber heute – jetzt stand sie im Schrank. In der  dunklen Ecke. Der Fernsehen war jetzt so schmal – da konnte sie nicht mehr stehen. Also hat sie die Besitzerin in den Schrank geräumt.

Sie konnte immer noch viel sehen. Aber der perfekte Blick auf die Familie, der war ihr oft verbaut. Sie bekam mit, wie die Kinder Kinder bekamen, aber sie konnte nicht mehr alles sehen. Oft standen andere Dinge vor ihr. Blumen,  Osterhasen, Sterne zu Weihnachten. Ach, sie fühlte sich oft verlassen. Ungeliebt. Sie erinnerte sich noch an die Kinder. Manchmal standen sie gebannt vor ihr und beobachteten ihr Spiel mit dem Drehpendel. Vor allem die Mädchen waren fasziniert von ihrem hübschen Aussehen.

Einmal wäre sie fast dem Jungen zum Opfer gefallen. Er wollte unbedingt wissen wie sie funktionierte. Er war schon mit dem Schraubenzieher bewaffnet und wollte sie öffnen. Da kam zum Glück ihre Besitzerin herein und rettete sie. Puh – das war wirklich knapp.

Sie liebte ihr Leben bei dieser Familie aber sie merkte, dass ihre Zeit abgelaufen war. Sie war schon sehr alt. Ihre Besitzerin war schon alt. Ihr Mann war schon lange gegangen. Und ihre Besitzerin wollte jetzt zu den Kindern ziehen. Es würde wohl  Zeit sich von der Familie zu verabschieden. Sie würde keinen Platz mehr bekommen. Das Zimmer wäre zu klein für sie. Ihr Drehpendel wurde langsamer, die Zeiger neigten sich traurig. Sie spürte den Lauf der Zeit.

Die Kisten standen gepackt im Zimmer – sie selbst war unbeachtet in die Ecke gestellt worden. Ach – solange lebte sie mit ihnen. Ihr Ticken wurde immer leiser und leiser. Schon wollte sie die Pendel stehen lassen, als ein kleines Mädchen in das Zimmer kam. „Omi, Omi“ rief sie. „Hier, du darfst doch die Uhr nicht vergessen. Du hast mir schon so viel erzählt von dieser Uhr – die musst du doch mitnehmen.“ Schluchzte sie. Die besagte Omi kam zurück.“ Ach Lieschen. Wie hätte ich diese Uhr, die  mich mein Leben lang begleitet hat, vergessen können. Schön, dass du sie gesehen hast. Das hätte mir das Herz gebrochen, wenn sie weg gewesen wäre. Sie hat so viel zu erzählen.“

Und die Uhr lauschte, sie freute sich und ihr Pendel drehte und drehte. Noch lange nach dem die Besitzerin sie verlassen hatte, drehte sich das Pendel noch. „Sag mal Schatz. Willst du diese Uhr nicht endlich mal entsorgen? Sie passt so gar nicht in unsere Wohnung.“  „Wag dich sie weg zu werfen. Sie ist von meiner Oma. Ich kenne sie seit ich laufen kann. Sie wird immer einen Platz in meinem Leben haben. Solange ihr Pendel sich noch dreht.“

Damit stellte sie die Uhr in ein hübsches Regal am Fenster. Sie konnte nach draußen schauen. Sie sah die Sonne auf und unter gehen. Die Blumen blühen und verwelken. Schnee und Regen. Die Blätter wie sie mit dem Wind fangen spielten. Und sie war glücklich. Sie war wohl die glücklichste Jahresuhr, die es gab. Ihr war es vergönnt, Jahr für Jahr die richtige Zeit anzuzeigen und die Familie zu beobachten. Es gab nichts Schöneres für sie.

ENDE

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16 Gedanken zu „Schreibkicks – Januar – Jahresuhr – Erinnerungen“

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