writing friday

#Writing Friday Week 6 – Strickende Engel

Und wieder ist ein #Writing Friday bei Elizzy. Es gibt noch genug Themen, die die nächsten Freitage füllen. Und irgendwie – unabhängig von dem Schneefall die Tage – schnappte ich mir die Tropen/Schneestory. Die kleine hab ich direkt vor der Nase hüpfen sehen und sie wollte geschrieben werden. Also hier mein Versuch meiner imaginären Enkelin Schnee zu erklären.

Du erklärst einem Kind aus den Tropen, was Schnee ist

Ich sass auf der Veranda und blickte über das Wasser. Mein Haus stand so nah am Meer, dass ich es riechen konnte. Das Salzwasser kitzelte in meiner Nase und der Geruch – ganz leicht – nach Fisch und Algen beruhigte mich. Ich schloss die Augen und liess die sanfte Meeresbriese über mich hinweg gleiten.

Ich musste wohl eingeschlafen sein. Mein Traum wurde unruhig. Mein Boot, das so sanft auf dem Meer lag wurde von kleinen Wellen durchgeschüttelt. Ich erwachte und bemerkte woher der Sturm kam. Von meiner kleinen Enkelin.

„Amanda – ich hab geschlafen. Du weisst, das man alte Menschen nicht einfach aus dem Schlaf wecken soll.“ „Das ist falsch OmaTrudy. Eigentlich soll  man alte Menschen ständig wecken, damit sie nicht im Schlaf sterben.“ Da stand die kleine vier Jährige vor  mir und blickte mich so keck an, dass ich nicht anders konnte als sie zu schnappen und zu kitzeln. Sie lachte und strampelte bis sie nur noch japste, da liess ich sie los. „Warum hast du mich geweckt? Was hast du da in der Hand?“ Ich sah ein mittlerweile zerknittertes Bild in ihrer Hand. „Oma Trudy, das habe ich unter deinem Bett gefunden.“ „Was machst du unter meinem Bett? Ich hoffe sauber?“ „Hihihi, da würde ich ja nie fertig werden.“ War die frech. Ich freute mich schon auf ihr heranwachsen. „Also was hast du da?“ Sie hielt mir das verknitterte Bild hin. „Was ist das weisse da auf dem Bild? Das ist doch kein Sand. Hier bei uns ist alles sandig und der ist gelb.“

Ich blickte das Bild an und ein bisschen wurde ich traurig. Das Bild gehörte einer lang entfernten Vergangenheit an. Es war ein Bild, das mich im Schnee zeigte. Schnee. Das gab es hier in den Tropen nicht. Es gab Strände, da war der Sand so weiss wie Schnee, aber halt Sand. Der blieb und man fand ihn Tage später noch in sämtlichen Körperöffnungen.

„Das ist Schnee, mein Schatz.“ „Schnee?“ sie legte den Kopf schief, wie ein kleiner Welpe, dem man sein Spielzeug zeigte und darauf wartete, dass man es warf. „Was ist Schnee?“ „Das ist gefrorener Regen.“ „Gefrorener Regen? Wie kann den Regen frieren?“ „Er friert nicht, er gefriert.“ „Sag ich doch.“ Schüttelte die Kleine ihren Kopf, als wäre ich etwas schwer von kapee. Ich schmunzelte. „Er Gefriert, wenn es sehr kalt ist. Dann werden sie schimmernde Kristalle. Sie verändern aber ihre Form – sie werden wie die kleinen Spitzendeckchen, die ich von Uroma Paula liegen habe. Diese feine Form – Engel habe diese Flocken für uns gestrickt.“ „Engel stricken?“  „Ja, das machen sie, wenn sie uns beobachten, dann stricken sie Schneeflocken.“ „Hä?“ „Du liebst doch Eis.“ „Oh ja – darf ich eins haben? Biiiitte.“ „Aber nur wenn du  mir eins mitbringst.“ Schnell sprang Amanda auf und rannte mit ihren kleinen nackten Füsschen in die Küche. So schnell sie konnte war sie wieder zurück und setzte sich zu meinen Füssen auf den Boden. „Hier – erzähl weiter.“ „Dieses Eis. Das ist kalt.“ Sie nickte, während ihre kleine rosa Zunge am Eis leckte. „Eis ist gefroren.“ „Eis friert? – das ist kein Wunder. Im Kühlschrank ist es kalt.“ Ich musste lachen. „Genau – da ist es kalt. Und es gibt Orte auf der Welt, da wird es auch so kalt, das Wasser friert. Die Flüsse frieren zu und Seen und der Regen wird zu Schneeflocken?“ „Schneeflocken.“ Flüsterte Amanda. „Aber wie fühlt sich das denn an?“ „Kalt, sehr kalt und nass. Denn Schnee ist ganz leicht und kaum ist er auf deiner Hand gelandet schmilzt er und wird zu Wasser. So fein ist er.“ „Aber warum haben die Engel denn dann nicht dickere Tropfen genommen um den Schnee zu stricken?“ „Sie mögen das feine und leichte Gefühl der Flocken. Sie sind so leicht, dass sie im Wind tanzen können, bevor sie auf den Boden fallen.“ „Aber auf dem Boden schmelzen sie nicht?“ „Wenn der Boden so kalt ist, wie der Kühlschrank, dann nicht. Die vielen Flocken sammeln sich auf dem Boden und bedecken ihn dann ganz schnell, wie eine Decke. Deswegen ist alles so weiss auf dem Bild.“ „Und wie fühlt sich das an?“ „Hm – also erstmal ist alles immer ganz friedlich, wenn es geschneit hat. Es ist so ruhig als wäre die Welt eingeschlafen. Wie bei Dornröschen.“ „Oh – Dornröschen mag ich.“ „Ja, alle mögen sie.“ „Aber wie fühlt es sich an?“ „Es knirscht wenn man drauf läuft. Es fühlt sich manchmal an wie wenn du in einen nassen Sandhaufen greifst oder manchmal wie wenn du deinen Finger in geschlagene Sahne steckst.“ „Hm. Das klingt irgendwie schön.“ „Das ist es – aber es kann auch sehr unangenehm sein. Da der Schnee so kalt ist frieren einem die Füsse und die Finger und die Nase ein. Das ist nicht so schön.“ „Ach – so schlimm klingt es nicht – man kann ja was warmes anziehen und auch einen schönen warmen Kakao trinken. Ich will in den Schnee.“ „Vielleicht fahren wir mal in den Schnee. Vielleicht. Aber solange – komm ich zeig dir Schnee.“ Grosse Augen blicken mich an. Sie steht auf und folgt mir in die Küche. Ich öffne das Gefrierfach und kratze die Eisschicht ab – gut, dass ich nicht so oft abtaue. Ich kratze soviel ab, dass man einen kleinen Schneeball formen könnte. Dann nehme ich ihn im Eisportionierer auf und lasse ihn in ihre Hand rieseln. „So ähnlich fühlt sich Schnee an.“ „Ah hihihi. Das kitzelt und ist nass. Kann ich Schnee essen?“ „Ja – du kannst deine Zunge herausstrecken und die Flocken darauf fangen. Das macht viel Spass.“ „Gut – ich gehe schnell und packe meine Tasche – dann fahren wir in den Schnee.“

Schnell wie der Wind rauschte sie aus der Küche in ihr Zimmer und ich hörte nur noch: „Nein, das ist zu kalt, was  meinst du  Mister Schnuffel? Ja – das ist nicht dick genug. Ja natürlich nehme ich dich mit. Du musst doch Schnee auch kennen lernen.“ Seufzend ging ich an den Computer und öffnete eine der vielen Reiseportale und gab die Suche nach Schneegebieten ein.

ENDE

 

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15 Gedanken zu „#Writing Friday Week 6 – Strickende Engel“

      1. Hallo Rina,
        ich hab vergessen zu sagen, dass ich dieses Bild ganz witzig fand: Engel, die die Schneeflocken stricken.
        Die Schwester meiner Oma hat so Platzdecken gehäkelt, die sehen manchmal tatsächlich ein wenig wie große Schneeflocken aus, von daher ist das ein wahrer Vergleich!

        Gefällt 1 Person

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