Einzelaktionen

Schreibmission – Halbwesen

Eine neue Schreibaktion ist an den Start gegangen. Malina hat auf ihrem Blog Bücherträumerei  eine Schreibmission gestartet. Dafür zitiere ich einfach mal die Bedingungen

Kurz erklärt

  • Es gibt jeden Sonntag ein paar kleine Aufgaben, zu denen du dann einen Text schreiben kannst – egal, ob Geschichte, Gedicht etc.

  • Danach kannst du deinen Beitrag über Social-Media (#schreibmission) teilen, bei den anderen Teilnehmern vorbeischauen und eine Aufgabe fürs nächstes Mal vorschlagen.

  • Du hast bis zum nächsten Samstag Zeit, deinen Text zu schreiben.


Die Mission

  • Schreibthema: Halbwesen
  • Vorgegebene Wörter: Turmspitzen, Marionette, Blütenblatt
  • Herausforderung: Beschreibe Emotionen nur anhand Gestik und Mimik!

Es ist natürlich etwas zu lang geworden – obwohl ich es so kurz wie möglich versucht habe – und ob ich das mit der Herausforderung so richtig eingesetzt habe – weiss ich nicht – das war schon eine Herausforderung. Ich wünsche euch viel Spass beim lesen und vielleicht hat ja der ein oder andere auch mal Lust zu schreiben.


Hallo Leute – ich bin Ariana – und heute ist mein sechzehnter Geburtstag. Ist das nicht normalerweise ein Freudentag? Ja sollte er sein. Auch bei mir – ich plane meinen sechzehnten Geburtstag schon seit ich vierzehn geworden bin. Ich habe einen kleinen Ordner angelegt, was ich so mit sechzehn von mir erwarte. Ein schönes Mädchen mit einem Blütenblatt im Haar ziert den Einband – das hatte ich mal in einem Esoterikshop gefunden und war sofort verliebt in dieses Bild. Aber kommen wir doch zum Inhalt – der ist ja eigentlich schon interessant – also ich wollte mit sechzehn hübsch, langhaarig, schlank, schlagfertig, verliebt sein. Jetzt bin ich sechzehn und bin nicht hässlich – wenigstens, spaghettihaarig, schlaksig, schüchtern und nicht verliebt – nun – ist ja gar nicht so schlecht – ach – wenigstens bin ich eine Optimistin. Bis heute – denn als ich heute Morgen wach wurde und mich so richtig auf meinen Geburtstag freute – juckten mir ganz furchtbar die Beine – Ich zog meine Schlafanzughose aus und war total behaart – WAS?? Ich rasiere mir natürlich schon lange die Beine –  was war das denn? Ich stürzte also ins Bad und musste tatsächlich zwei Klingen verwenden – also ist das ein Hormonschub mit sechzehn? Ein heftiger Schub. Aber ich will weiter erzählen:  Ich gehe also hinunter in die Küche um meine Familie zu begrüßen. Wie erwartet sind alle versammelt – Mein Vater, meine Mutter, die Großmutter, und meine Tante – Mein Bruder konnte nicht, der ist in der Uni  und muss irgendwelche Arbeiten abgeben. Aber was  musste ich sehen – „Hei Schwesterchen – alles Gute zum Geburtstag. Dank moderner Kommunikation kann ich wenigstens dein Gesicht sehen fühl dich gedrückt und geknutscht. Hab einen schönen Tag – ich  muss weg.“ „Ahhh. Frankie – danke dir – ich freu mich dich zu sehen. Danke, danke, danke für deinen Anruf – ich wünsche dir viel Glück bei deinen Tests. Knutschi.“ Ich verabschiedete mich winkend und klappte den Laptop zu. Die anderen schauten mich erwartungsvoll an. Meine Tante sprach mich als erstes an. „Na Süße – sweet sixteen. Wie fühlst du dich?“ „Hm ich denke genauso wie gestern mit fünfzehn. Aber ich habe irgendwie einen Hormonschub bekommen – meine Beine waren total behaart – willkommen in der Pubertät.“ Lachte ich und bemerkte die verstohlenen Blicke meiner Familie – misstrauisch beäugte ich sie. „Alles klar – warum scharrt ihr so nervös mit den Füssen?“ Erschrocken blickten sie mich an. „Was? Da täuschst du dich mein Schatz.“ Meinte mein Vater und nestelte nervös an seiner Krawatte. Ich zuckte mit den Schultern und schaute mich um. Geschenke gab es bei uns traditionell immer abends, wenn die Familie wieder zusammen kam. Aber es gab immer ein kleines Törtchen mit einer Kerze zum auspusten um den Geburtstag stimmungsvoll zu begrüßen. Und da stand auch schon mein Schokotörtchen mit kleinen Spitzen. Darauf freute ich mich immer am meisten. Sie stellten sich um mich und stimmten den Happy Birthday Song an, während ich die Kerze auf den Turmspitzen des Törtchens auspustete.  Jeder konnte sich dann eine Ecke abbrechen und wir verabredeten uns dann am Abend.

In der Schule traf ich meine beste Freundin – sie blickte mich seltsam an – in ihrem Gesicht spiegelte sich Verwunderung, erstaunen, entsetzen, Freude und irgendwie angst ab. Angst? Ich musste mich täuschen. „Hallo Geburtstagskind – hat dich der Geburtstagsgeist besucht?“ „Hä – was soll mich besucht haben?“ „Ein Scherz –aber du siehst so anders aus. Deine Haare wirken so voll und glänzend und länger – warst du beim Friseur und hast Extensions?“ „Was – quatsch – als könnte ich mir das leisten. Du bist ja witzig – vielleicht habe ich sie nur anders gekämmt – keine Ahnung – oder es liegt an dem Hormonschub.“ Und ich erzählte ihr von meiner Beinbehaarung. Sie schaute verwirrt und wieder etwas ängstlich – seltsam. Sie drückte mich und steckte mir schnell ein kleines Geschenk in die Tasche. „Ich muss los – ich muss ein Referat halten – wollen wir nach der Schule ein Eis essen? Ich lad dich ein.“ „Ja – ok – aber ich lad dich ein. Treffen wir uns bei den Fahrrädern am Ende.“ Wir hatten wenig Kurse zusammen unsere Freundschaft hatte ihren Anfang im Kindergarten. Aber wir hatten so unterschiedliche Interessen, dass wir kaum was zusammen belegt hatten – warum wir Freundinnen waren – keine Ahnung – die Chemie stimmte einfach. Nach der Schule trafen wir uns in unserem Stamm-Eiscafé – gut es war das einzige hier im Dorf – aber es klingt doch einfach gut, oder? Ich packte mein Geschenk aus und freute mich wahnsinnig – Es war ein Bild von uns beiden als wir mal einen schrägen Kurs hatten – Da hatten wir so viel Spaß und der Kursleiter hat uns dabei fotografiert wie wir eine Marionette entwirrten. Wir wollten mal ein Marionettentheater machen – aber wir waren wirklich total unfähig, diese Fäden nicht ständig zu verwurschteln.  „Das war ein toller Tag, oder?“ Fragte mich Betsy. „Oh  ja, das Geschenk ist klasse. Da erinnere ich mich so gerne zurück – wir sollten den Kursleiter noch mal besuchen und ihn noch mal zum Verzweifeln bringen.“ Wir lachten herzlich, quatschten noch bisschen über das Wochenende, an dem meine Party stattfinden sollte. Dann verabschiedeten wir uns und ich fuhr mit dem Rad nach Hause. Ich freute mich auf meine Familie – das waren immer die schönsten Momente am Geburtstag.

Das Fahrradfahren war heute wirklich sehr anstrengend. Mir schmerzten die Beine und ich konnte kaum den kleinen Hügel zu unserem Haus bewältigen. Ich biss die Zähne zusammen, schaltete runter und fuhr fast im Leerlauf hoch. Endlich, schnaufend angekommen schob ich das Fahrrad in die Garage und betrat von dort das Haus. Als erstes musste ich in mein Zimmer mich bequem anziehen. Die Schmerzen waren fast unerträglich. Im Bad nahm ich mir erst noch schnell eine Schmerztablette und legte mich dann ins Bett. Bevor ich  mich umziehen konnte war ich schon eingeschlafen.

Ich träumte – ich war im Wald um  mich herum flirrte und zirpte es. Musik spielte und es wurde getanzt – ich glaub ich sah Feen und Nymphen. Sie lagen im weichen Gras und ich saß mit einer Flöte neben ihnen auf der ich spielte – ich blickte an mir herunter – und erschrak – ich sah krumme Beine mit Hufen. Erschrocken sprang ich auf und blickte an mir herunter – ja – ich hatte Ziegenbeine mit Hufen. Schweißgebadet wachte ich auf und meine Beine schmerzten furchtbar. Wahrscheinlich hatte ich mich im Schlaf so verkrampft. Es war schon düster in meinem Zimmer, als ich mich aus dem Bett quälte. Ich stolperte, konnte mich aber auffangen. Meine Tante stand in der Tür und beobachtete mich. „Hallo Sweetie – wir haben mit dir zu reden – komm, zieh dir was Bequemes an und trink das hier gegen die Schmerzen.“ Ich schaute sie ängstlich an und misstrauisch auf das Glas. „Was ist das?“ „Es wird dir helfen, vertrau mir und komm nach unten.“

Ich trank das Glas schnell aus, bevor ich merkte wie widerlich das schmeckte und musste würgen – so viel zu vertrauen. Bäh – Igitt. Schnell ging ich ins Bad um Wasser nachzutrinken. Wie war das widerlich. Was hat sie mir da gegeben. Aber sie hatte Recht, die Schmerzen verschwanden augenblicklich. Ich entspannte mich. Dann zog ich mich um. Aber vorher stellte ich  mich vor den Spiegel. Der Traum wirkte noch nach und ich hatte das Bedürfnis meine Beine zu betrachten. Oh nein – da waren ja schon wieder die Haare – was war das nur? Ein Gendefekt – deswegen wollte meine Tante mit mir reden? Waren die Beine etwas krumm? Ach quatsch – ich ließ mich zu sehr von meinem Traum beeinflussen. Ich zog die Hose an und rannte schnell runter.

Meine Großmutter stand in der Tür. „Hallo mein Schatz.“ Sie umarmte mich – ich liebte ihren Geruch nach Orangeplätzchen und Kaffee.  Es war ihr Geruch, den ich schon von klein auf kannte und liebte. Ich fühlte mich so geborgen in ihren Armen – ich wollte gar nicht mehr los gelassen werden. Als sie mich dann doch losließ fröstelte ich – so sehr fehlte es mir schon.

Meine Mutter und meine Tante saßen auf der Couch und hatten eine Tasse Kaffee vor sich. „Hier mein Schatz.“ Meine Mutter reichte mir eine Tasse warmen Kakao. Mein Lieblingsgetränk. Mit Schokostreusel. „Okay – jetzt will ich aber wissen was los ist. Bin ich irgendwie krank?“ Und zog dabei meine Hosenbeine hoch. „Warum wachsen meine Haare an den Beinen so schnell? Und was waren das für furchtbare schmerzen?“ Mein Vater seufzte tief. „Ach meine arme Kleine – ich hatte gehofft, dass es wenigstens dich überspringt. Wie soll ich das erklären?“ „Nun –am besten wohl am Anfang, oder?“ „Das dauert zu lange.“ Meinte meine Tante und zog so das Gespräch zu sich. „Also ich versuche dir das schnell und klar zu erklären – wie bei dem berühmten Pflaster.“ Ich blickte sie neugierig und offen an. Ich wollte einfach wissen was los ist.

„Wir sind keine Menschen!“ Ich runzelte die Stirn – und blickte verwirrt durch das Zimmer – vielleicht sprang gleich mein Bruder hinter dem Sessel vor und schrie „Überraschung“ Aber es geschah nichts. Also hörte ich mit immer noch gerunzelter Stirn weiter zu. „Äh – wir gehören einem Geschlecht von Göttern an – wir sind Halbwesen, oder auch Mischwesen.“  Ich sprang auf – lief das Zimmer hoch und runter – blickte meine Familie an und wollte eigentlich lachen – wäre da nicht der Erinnerungsfetzen meines Traumes, in dem ich Ziegenbeine hatte. Ich blickte meine Beine an – doch sie waren krummer, als ich sie  kannte – was sollte das – würde ich eine Ziege werden? Schlief ich  noch?

„Das ist schwer zu verstehen – wir haben das alle durch gemacht – mit sechzehn – Frag mich nicht, warum alle Veränderungen mit sechzehn starten, das ist so ein mystisches Gesetz. Auf jeden Fall  Verwandeln wir uns dann.“ „Verwandeln?“ Ich klang etwas hysterisch, mein Atem ging stoßweise und ich glaubte gleich ohnmächtig zu werden. Mein Vater sprang auf und stützte mich. Sanft führte er mich zur Couch. „Setz dich und atme tief durch.“ „Atmen? Ich glaube ich habe irgendwie ein anderes Problem. Zu was verwandle ich mich – ich bin sechzehn. Mein Leben fängt gerade an und ich verwandle mich in irgendwas schräges – als wäre die Pubertät nicht schwer genug – muss ich jetzt mit krummen Beinen und Hufen durch die Gegend laufen – wie soll ich das im Sport machen – ich werde das Gespött werden – ich werde ausgestoßen. Ich werde ein Freak.“ Schrie ich mittlerweile.

„Beruhig dich und trink deine Schokolade.“ Sagte meine Mutter herrisch. Ich schrumpfte im Sitzkissen des Sofas zusammen und schlürfte meine Schokolade – sofort wurde ich ruhiger – natürlich – da war bestimmt was reingemischt. Natürlich – wahrscheinlich mischte mir meine Familie schon immer was in meinen Kakao – und ein Gehirnschaden war jetzt die Folge. Tse.

„Also – wir gehören also einem alten Geschlecht der Götter an?“ Wiederholte ich fragend? „Und welchem – Ziegengötter?“ Wieder erntete ich seltsame Blicke. „Wie kommst du denn darauf?“ Fragte meine Mutter – „Ich habe so was in der Art geträumt.“ „Hm.“ Machte die Großmutter. „Ich glaube – und das soll eine Ehre sein – selbst wenn du das jetzt nicht so sehen wirst – du bist ein besonderes Exemplar unserer Spezies.“ „Oh Mann – ich glaube ich spinne – was soll denn das heißen Spezies? Was bin ich denn, was sind wir denn?“ „Wir gehören dem Geschlecht der Pan an.“ Sagte ihr Vater. „Pan? Der Schlaftyp mit den schlechten Träumen?“ „Nein – das ist ein Faun – aber die ähneln sich. Es gibt so viel verschiedene Mythen über uns. Das wichtigste wirst du schon lernen – wenn du in die Schule gehst.“ „Schule??? Was den für eine Schule???“ Ich blickte meine Familie ängstlich an – ich sollte doch nicht etwa die Schule wechseln. Oh nein. „Na in deiner Schule gibt es speziellen Unterricht für Wesen wie uns – deswegen wohnen wir hier. Deine Freundin ist auch schon in diesem Unterricht, da sie etwas älter ist.“ „Betsy?“ „Ja genau – sie kommt nach her auch noch und weißt dich ein – sie wird sowas wie dein Sponsor.“ „Sponsor – ich bin doch keine Alkoholikerin – ich bin ein – was? Pan? Was ist das überhaupt?“ „ Es ist ein Gott – Gott des Waldes und der Natur. Er liebt Fröhlichkeit, Tanz und Musik. Gut wir haben noch paar unangenehme Eigenschaften – aber das hat ja eh jeder.“ Meinte meine Tante.

Es klingelte an der Tür. „Ah – das wird wohl Betsy sein. Sie wird dir mehr erzählen können – so unter Freundinnen.“ Meine Tante huschte schnell zur Tür und meine – angeblich – beste Freundin schlich leicht geduckt, als hätte sie Angst vor meiner Reaktion, ins Zimmer hinein. „Betsy – meine beste Freundin. Was muss ich hören?“ „Äh – ja – Pan, ne – Surprise – du bist eine Göttin.“ Göttin? Klingt eigentlich gar nicht so schlecht – gut die Beine nun da werde ich wohl eine Lösung finden – es gibt ja luftige Hosen und lange Röcke. Aber mit dem Begriff Göttin kann ich mich tatsächlich anfreunden.

ENDE

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5 Gedanken zu „Schreibmission – Halbwesen“

  1. Wunderbar, eine sehr schöne Geschichte! Die Göttin ist auf jeden Fall eine gute Idee! Das mit der Gestik und Mimik ist in der Ich-Perspektive tatsächlich ein bisschen überflüssig. Vielen Dank für deine Teilnahme!
    Malina

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