writing friday

[#WritingFriday] Week 20 – Die Bestimmung lässt sich nicht immer täuschen

Hallo – es ist bisschen her – ich hatte eine kleine Schreibflaute. Mein letzter Beitrag war der mit den Grosseltern und eher uninteressant und unbesucht.

Also hab ich erstmal bisschen Pause gemacht – aber jetzt hab ich wieder mal Lust gehabt und hab mir eine der Mai-Themen geschnappt.

  • Fasse drei berühmte Bücher in je einem Satz zusammen.
  • Schreibe einen Aufsatz über die Erfindung des Telefons, lüg dabei und lass deine Fantasie spielen!
  • Schreibe das Ende einer Geschichte, ohne zu erzählen wie das ganze begonnen hat.
  • Dein Kühlschrank wird über dein Essverhalten interviewt. Schreibe das Interview auf.
  • Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz „Es begann damit, dass wir alles vertuschen mussten, denn niemand darf erfahren dass…“ beginnt

Hier meine Geschichte des diesigen #writing friday.


Es begann damit, dass wir alles vertuschen mussten, denn niemand darf erfahren, dass…ich die Büchse der Pandora geöffnet hatte und gar nicht war was alle dachten.

Nun gut – vielleicht merkt ihr ja, dass ich zu Übertreibungen neige. Oder doch nicht? Es war nicht die berühmte Büchse – es war nur eine sehr, sehr hübsche Schatulle, die ich auf dem Flohmarkt gekauft hatte. Ich liebe Flohmärkte. Und unser Flohmarkt ist so urig und geheimnisvoll. Er findet einmal im Monat auf einem antiken Marktplatz statt. Da gibt es diese festen Stände. Das wirkt, als wäre die Zeit hier stehen geblieben. Manche Standbetreiber kleiden sich sogar passend. Ein Mix aus Mittelaltermarkt und Hippie-Markt. Was man nicht findet sind diese billigen Stände. Da bin ich auch ganz froh, die hätten das ganze Flair zerstört. Der Markt wird von einer uralten Mauerruine eingegrenzt. Hinter der einen Seite liegt der gruselig alte Friedhof. Dort wird keiner mehr beerdigt. Er steht unter Denkmalschutz. Man gelangt durch ein Tor vom Marktplatz aus direkt hin. Bewacht, oder vielleicht auch willkommen geheißen, wird man am Tor von einer Figur – ich weiß nicht ob es eine Frau ist – sie ist in einen Umhang gewickelt, der auch ihr Gesicht verdeckt. Wie so ein übergroßer Mantel mit Kapuze. Richtig gruselig. Das Tor hängt leicht schief in den Angeln und irgendwie ist es immer neblig dort.

Als Kinder war es immer eine Mutprobe, sich auf den Friedhof zu trauen. Ich habe es nie geschafft. Aber ich mag ihn – aus der Ferne – das Ambiente könnte aus einem Gruselfilm stammen. Nachts sollen seltsame Geräusche von dort herüber schallen. Ich habe es nie ausprobiert. Aber meine beste Freundin Cassie, war mal so mutig und bestätigte die Gerüchte.

Normaler Weise gehen wir immer zusammen zu den Flohmärkten. Aber dieses Mal hat sie ein Date. Tja – sie hat mich versetzt. So wo war ich – ach ja die Schatulle. Also dieser Flohmarkt hat durch diesen mittelalterlichen Touch etwas super mystisches, ich liebe es einfach über ihn zu schlendern. Ich schlenderte und schaute und quatschte. Auf einmal meinte ich meinen Namen zu hören. „Anke, Anke, Ankou“. Hauchte es mir ans Ohr. Ich drehte mich einmal um mich herum, aber da war niemand den ich kannte. Eine kleine Gänsehaut wanderte über meine Arme. In dem Moment schaute ich auf den kommenden Tisch und mir war, als würde diese Schatulle leuchten und hüpfen? Das musste eine Sinnestäuschung durch den leichten Nebel sein. Egal – ich war schon gefangen von der Schönheit in ihrer Schlichtheit. Eine ganz einfach gearbeitete Schatulle mit einigen Schrammen, die ihr den besonderen Charme verlieh. Ich war sofort verliebt in das gute Stück. Ich zückte mein Portemonnaie und wollte bezahlen. An dem Stand war ein Mann – er betrachtete mich eindringlich. „Wie sehr wollen sie diese Schatulle?“ Was für eine Frage – ich würde töten dafür. Was war das denn für ein sonderbarer Gedanke? „Ich habe mich sofort verliebt.“ „Was würdest du dafür geben?“ „Ich weiß nicht, fünfzig Euro.“ War ich verrückt – so viel Geld – aber ich musste sie einfach haben. „Nein –kein Geld, was ist das mindeste das sie dir Wert ist. Was von dir würdest du geben um sie zu besitzen?“ Oh Mann diese Hippies, waren schon schräg, obwohl dieser hier sogar noch sehr interessant aussah. Vielleicht würde er mir seine Nummer geben. „Äh, ich weiß nicht, was gibt man denn so im Durchschnitt? Ich kenn mich mit dieser Methode der Bezahlung nicht aus.“ Er betrachtete mich wieder so seltsam, dass ich leicht erzitterte – aber nicht im positiven Sinn. Ein gruseliger Ausdruck huschte über sein Gesicht.

Verunsichert wühlte ich in meiner Handtasche um etwas Persönliches zu finden. Was hatte ich, das mir viel Wert war? Meine Finger huschten über eine kleine Jadefigur, die ich mal von meiner Großmutter bekam. Ich hatte sie immer bei mir, nein – das würde ich nicht abgeben. „Genau das ist es, das will ich für die Schatulle.“ Ich stutzte – die Figur hatte ich nicht mal herausgeholt, woher wusste er…? Ich zögerte und zog sie heraus. „Nein – ich weiß nicht, das habe ich von meiner Großmutter.“ „Genau, da weiß ich, dass dir diese Schatulle viel bedeutet, und dass du ihr würdig bist.“ „Ist das nicht bisschen überzogen, jetzt? Du machst ja gerade so, als wäre das hier kein Trödel.“ „TRÖDEL!“ Ich hatte das Gefühl er wollte über den Tisch springen und mich so zusammen falten, dass ich in die Schatulle gepasst hätte. Ich zuckte zurück. In dem Moment fing die Schatulle an zu summen. „Was ist denn da drin? Sie summt.“ Er hielt sich zurück. „Sie summt? Das macht sie nur für ausgewählte. Sie hat dich ausgewählt. Sie will dich“ „Wie, sie will mich?“ „Du sollst ihre neue Besitzerin werden. Überlege es dir. Ich gebe sie dir, für die Jadefigur.“ Ich seufzte. War das eine gute Wahl? „Ich werde mich gut um die Figur kümmern, sie wird nie verkauft werden. Das verspreche ich dir.“ Zögerlich streckte ich die Hand aus. Er nahm die Figur und drückte mir die Schatulle in die Hand.

Er drehte sich von mir weg und ich fühlte mich irgendwie verlassen. Irgendwie hatte ich das Gefühl, nicht die richtige Wahl getroffen zu haben. Eher melancholisch über den Verlust, als euphorisch über den neu erworbenen Gegenstand ging ich am Friedhof vorbei. Ich blickte durch das schiefe Tor. Schemenhaft konnte ich Bewegungen erkennen. Ein Mann – in einem Mantel? Was war das nur mit diesen unförmigen Mänteln? Oder war das nur der Nebel?

Ich schlich mich nach Hause um meine Schatulle zu begutachten. Schließlich hatte sie mich einiges gekostet.

Kaum zu Hause angekommen schnappte ich mir ein Glas Rotwein und ein paar Kräcker. Mensch war ich hungrig. Die Schatulle stand vor mir auf dem Tisch. Sollte ich sie öffnen? Ich erschrak ganz fürchterlich, als das Telefon klingelte. Wie lang saß ich schon vor dieser Schatulle? Stunden. Ja –es waren tatsächlich schon Stunden vergangen. Das Display des Telefons zeigte mir Cassies Nummer. „Hey Sweetie, wie war dein Date?“ „Ach frag nicht. Ich glaube ich bleib einfach bei dir. Da hab ich definitiv mehr Spaß.“ „Ach das sagst du doch nur um dich einzuschleimen, weil du mich heute alleine gelassen hast.“ „Stimmt, du kennst mich einfach zu gut. Und was hast du gekauft?“ Ich schwieg. Sie war meine allerbeste Freundin, aber konnte ich ihr das alles erzählen, was ich erlebte? Wenn nicht ihr, wem sonst. Also erzählte ich ihr die Geschichte. “Wow – was für ein Freak. Ist die Schatulle wirklich so spektakulär, dass du diese Figur opfertest?“ „Ach wenn ich das wüsste.“ „Weißt du was, ich bin eh noch angezogen, ich komm vorbei und wir schauen und das Teil gemeinsam an.“ „Oh ja, bitte.“ Keine zehn Minuten später war sie da, und wir kuschelten uns mit dem Wein auf die Couch. Die Schatulle auf dem Tisch. „Also öffne sie.“ Meinte sie. „Ich weiß nicht – ich hab ein bisschen Angst.“ „Warum? Es ist eine einfache Schatulle. Wahrscheinlich ist sie leer – vielleicht paar Spinnenhäute oder paar Milchzähne.“ „Brrr – grausiger Gedanke. Ich hätte sie wohl doch nicht holen sollen – irgendwie finde ich sie jetzt bedrohlich.“ „Ach quatsch – ich öffne sie.“ Bevor ich sie abhalten konnte griff Cassie nach der Schatulle und versuchte sie zu öffnen. Aber sie war verschlossen. „Autsch – ich hab mich irgendwie verletzt an dem Scheissding. Verflixt. Sie geht nicht auf.“ Ich ahnte etwas. Also nahm ich sie und sie sprang sofort auf. Cassie sah mich verwirrt an. „Was, zum Teufel.“ „Sag das nicht so – vielleicht ist sie verhext.“ „Spinnst du jetzt, ich glaub dieser gruselige Kerl hat dich irgendwie kirre gemacht. Verhext.“ „Ja – warum denn nicht? Schließlich hat sie mich gerufen, geleuchtet, gehüpft und gesummt.“ „Hattest du schon vorher Wein getrunken?“ „Ha, ha!“

„Na gut Süße, ich mach mich mal ab. Ich bin müde und so bisschen hab ich mich auch gegruselt. Kann ich dich alleine lassen?“ „Pft, natürlich.“ Ich begleitete sie zur Tür und wir umarmten uns. „Schlaf gut und lass dich nicht von den Bettwanzen beißen.“ Ich lachte und schloss die Tür. Die Schatulle stand offen auf dem Tisch. Ich hatte noch gar nicht hineingeschaut, so sehr hat mich der Umstand abgelenkt, dass sie sich geöffnet hatte.

Ich schlich also wieder zum Tisch, setzte mich und nahm mir die Schatulle. Sie war leer. Ich war erleichtert, oder doch eher enttäuscht. Aber was war das? Etwas war eingeritzt in den Boden. Ich fuhr mit dem Zeigefinger über die Gravur. Ankou? Was ist Ankou? Ein Schleier schien sich zu lichten.

In diesem Moment hörte ich ein seltsames Geräusch. Ein Quietschen. Ich stand auf und blickte aus dem Fenster. Erkennen konnte ich nichts. Es war dunkel und neblig. Ein innerer Drang trieb mich nach draußen. Es war stock dunkel. Das Quietschen wurde immer lauter, fast unerträglich laut. Ein Karren hielt vor mir. Auf dem Bock saß eine vermummte Gestalt. Eine altmodische Lampe hing am Kutschbock. Die Gestalt saß regungslos und wartete. Worauf wartete sie? „Ich warte auf dich Ankou.“ Schon wieder dieses Wort. Was bedeutete das? „Es bedeutet, dass deine Zeit gekommen ist. Es ist Zeit deinen Posten anzutreten, Ankou.“ „Was denn für einen Posten? Ich verstehe gar nichts.“ „Wir haben dir ein Menschenleben gestattet, wie du es gewünscht hast. Aber dieses Leben geht jetzt zu Ende und ich hole dich ab.“ „Was, was geht zu Ende? Ich sterbe?“ „Du hast nie wirklich gelebt. Wir haben dir einen Wunsch erfüllt. Du durftest eine gewisse Zeit unter deinen geliebten Menschen wandeln, aber da dich die Schatulle endlich gefunden hat, ist deine Zeit gekommen. Es hilft nichts, du kannst dich nicht wehren.“

„Verdammt. Ich hätte es wissen sollen, dass ihr mich mit einem Trick aufspüren werdet. Ich will nicht wieder auf diesen öden Friedhof. Ich will hier bleiben mit den Menschen leben und nicht sie um ihr Leben bringen.“ „Nein – das ist nicht deine Bestimmung – also komm die anderen warten schon. Du musst deinen Posten als Wächterin einnehmen. So langsam wird es nämlich brenzlig. Die Geister des Friedhofs werden immer mutiger und versuchen immer öfter auszubüxen und in Körper zu fahren. Das gab schon so einige Missgeschicke. Also komm herauf zu mir und löse die Frau am Eingang endlich ab.“ Erinnert ihr euch an den Anfang? Ja – das war es, was vertuscht werden sollte – also von mir, ich wollte es vertuschen – ich bin ein Ankou – ein Friedhofswächter auf Urlaub – so kann man das ausdrücken. Ich hatte eine Art Burn-Out. Also wurde mir eine Art Urlaub gestattet. Aber ich hatte mich versteckt. Sie konnten mich nicht finden, da ich eine Art Verhüllungszauber hatte – Ja – ihr ahnt es schon – ich bin echt dämlich – die Jadefigur – sie war von einer Großmutter – nicht meiner – aber einer Hexe, die sie mir teuer verkaufte. Sie sollte mich verhüllen – aber das Schattenreich kann das auch – die Schatulle war eine Falle in die ich blind hineintapste. Ich seufzte und stieg auf.

Jetzt würde mein Leben in dieser kleinen Stadt vertuscht werden. Keiner würde sich mehr an mich erinnern – vielleicht in den Träumen.

Hütet euch, wenn ihr einen Karren quietschen hört, könnte ich es sein, die euch zur letzten Reise abholt. Wir sehen uns.

ENDE

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13 Gedanken zu „[#WritingFriday] Week 20 – Die Bestimmung lässt sich nicht immer täuschen“

    1. Vielen Dank. Ich bin manchmal auch überrascht wie sich meine Geschichten entwickeln. Manchmal hab ich so gar keine Ahnung in welche Richtung sie gehen.
      Wir haben leider auch keinen so schönen Flohmarkt, wie ich ihn beschrieben habe. Die mag ich nämlich auch sehr.

      Liebe Grüsse

      Gefällt 1 Person

    1. Vielen Dank – ja Kurz habe ich leider oft nicht so drauf. Das kann für den Leser schon bisschen anstrengend sein.
      Ich komme gleich mal vorbei.
      Liebe Grüsse

      Gefällt mir

  1. Hallo Rina,
    deine Geschichte ist wie immer genial. Der Friedhofswärter auf Urlaub. Es ist wirklich genial, total kreativ. Das ist eine Sagengestalt? Ich hab noch gar nichts darüber gelesen. Mir gefällt, wie du es schaffst, solch einer Gestalt individuelle Züge einzuhauchen.
    Du hast gegen Ende ein RSF – sie statt ich, und am Anfangssatz scheint ein Wort zu fehlen.
    Mein Beitrag
    LG, Daniela

    Gefällt 1 Person

    1. Danke schön. <3
      Ganz ehrlich – bevor ich nach dieser Gestalt gesucht habe wusste ich nicht mal, dass sie einen Namen hat. Aber das hat einfach gepasst.
      Danke für die Info über den Fehler.

      Ich komme gleich mal bei dir vorbei.
      LG Rina

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    2. PS – ich weiss nicht ob du noch mal vorbei schaust – ich hab irgendwie heute Probleme bei dir zu kommentieren.
      Deswegen hier mein Kommentar, den ich bei dir lassen wollte:
      Ich hoffe wirklich, dass ich hier dein Kommentarbereich nicht abgeschossen habe ;-) das wollte nicht so richtig klappen.

      Ich finde es eine tolle Idee, die Bücher in ein Rätsel zu packen.
      Das erste war leicht – bei den anderen beiden musste ich bisschen überlegen, hab aber auch auf geheime Garten und Mittelpunkt getippt.

      Schönes langes Wochenende
      Liebe Grüsse
      Rina.P

      Ich versuche es später noch mal

      LG

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