writing friday

[#WritingFriday] Week 22 – Das sprechende Buch

Es ist Freitag – viele haben vielleicht heute einen Brückentag, oder wie ich diese Woche Urlaub? Aber egal – für uns alle ist Freitag – #Writing Friday.

Die neuen Themen sind draussen

  • Ein freier Tag ohne Smartphone, Internet und Co, schreibe auf wie dieser bei dir aussehen würde.
  • Erzähle uns von einem Wunsch, denn du aus Angst noch nie angegangen bist.
  • Der Sommer beginnt, erzähle aus der Sicht eines Bikinis.
  • Du findest auf der Strasse ein Buch, welches sehr mitgenommen aussieht, plötzlich fängt es an mit dir zu sprechen. Schreibe das Gespräch auf.
  • Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz „Gwenny hatte nun endlich begriffen, dass sie weg gehen musste.“ beginnt.

Ich nehme heute das sprechende Buch. Wobei ich nicht so richtig sicher bin, das es so ist wie es erwartet wird. Zu lange sowieso. Sorry


Simone war tief in Gedanken versunken – der Tag war nicht so gut gelaufen. Es fing mit dem Wecker an. Er klingelte – das war schon ein großes Problem. Sie hasste es mit Wecker aufzustehen. Aber so war es – sie musste arbeiten um ihre Rechnungen zu bezahlen und dafür benötigte sie einen Wecker. Aber sie vermutete manchmal ihr Wecker hätte ein Eigenleben. Er bewegte sich, da war sie sich sehr, sehr sicher. Jedes Mal wenn sie auf den Snoozeknopf hauen wollte, traf sie daneben. Könnte Zufall sein – aber sie glaube nicht wirklich an Zufall und irgendwann würde sie ihn erwischen, wie er sich bewegte und sein Uhrwerk als Zunge herausstreckte. Aber damit nicht genug – sie musste mit dem Bus fahren – ihre Mitfahrgelegenheit hatte Urlaub. Natürlich hatte sie es vergessen und stand vor dem leeren Parkplatz um sich an die Stirn zu hauen. Schnell zur Bushaltestelle, bei der sie feststellen musste, dass sie natürlich den Bus verpasst hatte. Zehn Minuten warten – zu spät war sie eh schon. Nur dass sie auch noch nass werden würde, das war nicht nett. Sie hatte nie einen Schirm dabei. Das rächte sich jetzt. Begossen wie ein Pudel und bestimmt auch nicht besser riechend traf sie endlich in der Firma ein. Der Aufzug war defekt und sie durfte in den vierten Stock laufen um dann eine leere Kaffeekanne vorzufinden.  Seufzend begab sie sich auf ihren Platz in dem Großraumbüro achtete eh keiner auf den anderen – wenigstens hatte sie da ihre Ruhe. Von Wegen – sie saß kaum, da klingelte das Telefon – ihre Chefin. Waaarummm? Gerade heute.  Sie rappelte sich auf. Versuchte sich einigermaßen herzurichten – was halt möglich war. Simone schlich in das Büro ihrer Chefin, die wirklich keine nette Frau war – halt eine die über Leichen und Sklaven kletterte um nach oben zu kommen und sie war so eine Sklavin auf deren Rücken die Chefin des Öfteren Tanzte. „Simone, schön, dass du auch noch gekommen bist. Ist ja ein übles Wetter, da kann man schon mal das Bedürfnis haben zu Hause zu bleiben. Aber du hast dich ja aufraffen können, wie schön.“ Schon malte sich Simone fürchterliche Mordmethoden aus um Anja – ihre Chefin – zu töten, eine grausamer als die andere.  Sie hatte natürlich den arroganten Ergüssen von Anja nicht zugehört und nur genickt. „Na da sind wir uns ja einig. Du weißt ja wie sehr ich beschäftigt bin und du kannst doch gut formulieren – also schreibst du diese Abhandlung für mich und ich verschicke sie dann – da hast du einen freien Nachmittag gut – Deal.“ Von wegen Deal – Simone sah sich schon den Brieföffner erheben und zuzustechen. „Ja – das klingt fair, ich danke dir Anja.“ Einen sehnsüchtigen Blick auf den Brieföffner werfen verliest Anja das Büro mit der Akte um sich an diese Abhandlung zu machen.

Fassen wir die Fakten zusammen. Es war ein Arschlochtag – definitiv.

Es war spät. Alle anderen hatten das Büro schon verlassen. Nur an Simones Tisch brannte noch die Lampe. Sie blickte auf, schloss den Aktendeckel und legte ihn in Anjas Büro. Morgen würde sie sich krank melden. Sie fühlte nämlich schon wie sich der Hals anraute und die Nase den Weg nach Hause laufen wollte.  Sie zog ihren, immer noch leicht feuchten  Mantel an und ging zum Ausgang. In der Halle verabschiedete sie sich von Jerome, dem Wachmann und schlurfte mit rot geräderten Augen langsam Richtung Bushaltestelle um festzustellen, dass sie den letzten Bus verpasst hatte. Taxi oder Laufen? Taxi ist zu teuer, dachte sie sich, also laufen. Klar, was sonst. So wie sie heute aussah würde sie niemand überfallen. Sollen sie doch – sie würde ihnen eine dicke Erkältung anhängen. Pah.

Also sie so über den Bürgersteig schwankte sah sie vor sich etwas liegen. Sie konnte es nicht gleich erkennen. Ein Buch? Wer warf denn ein Buch einfach so auf die Straße? Es sah ziemlich mitgenommen aus. Er hatte wohl schon so einige Leser gehabt und der Umstand auf der Straße zu liegen bekam ihm auch nicht gut. So stand sie und betrachtete es. Im Fieberwahn meinte sie zu sehen, wie das Buch den Deckel hob. „Willst du mich nur so dumm angaffen, oder nimmst du  mich hoch und zu dir mit nach Hause.“ Simone hüpfte zurück, glaubte sie wenigstens, in Wirklichkeit war sie erstarrt, bückte sich und stopfte das Buch in ihre Tasche. Halluzinationen, dachte sie – aber ein Buch würde sie eh nie so einfach liegen lassen. „Hei, Mann – quetsch mich doch  nicht so unsanft in deine überfüllte Tasche.  Herrjeh, als hätte ich nicht schon genug mitgemacht. Wie unsanft. Pft.“ Hörte Simone die Blätter erbost rascheln? Können Blätter das?

Vor der Wohnungstür musste natürlich noch der Schlüssel in die Matschpfütze fallen. War klar. Mühsam bückte sie sich und schloss dann auf. Schleuderte die Schuhe von den Füssen, knallte die Tasche auf die Kommode. „Autsch.“ missachtete sie. Sie ließ den Mantel einfach von den Schultern gleiten, den Rock von den Hüften und der Pullover folgte. Sie schnappte sich ihren kuscheligen Bademantel, setzte die Milch für heißen Kakao auf und ging zurück zur Tasche um das sonderbare Buch zu holen.

Mit ihrer heißen Schokolade und in weichen Pantoffeln kuschelte sie sich auf die Couch. Sie schlug das Buch auf: „Oh Mann – du bist vielleicht ein Grobian. Geh doch bisschen behutsamer mit mir um. Ich bin echt alt.“ „Okay. Ich bin also jetzt zu Hause und halluziniere immer noch. Die Erkältung setzt mir jetzt schon zu. Na klasse. Oder redest du wirklich mit mir?“ „Ja natürlich rede ich mit dir. Wir Bücher reden immer mit euch. Aber die wenigsten verstehen es. Beziehungsweise, wir reden nicht immer laut – meist in euren Köpfen – wir zaubern diese tollen Bilder in euren Kopf. Dazu wärt ihr gar nicht in der Lage, wenn wir euch das nicht heimlich einflüstern würden. Nur Lesen reicht da nicht aus. Oder habt ihr schöne Bilder bei amtlichen Briefen? Also – siehst du?“ „Okay – ich glaube das jetzt alles Mal so. Warum lagst du auf der Straße?“ „Wie erkläre ich das für einen Menschen? Ich bin eine Art Tage/Ratgeberbuch. Ich werde von Menschen angezogen, die – wie hast du das betitelt – einen Arschlochtag haben. Natürlich ziehen wir Lose – es gibt zu viele davon für zu viel Menschen und du hast dieses Mal gewonnen. Also kannst du anfangen zu lesen. Egal was – die Geschichte die du in mir findest wird dir sowohl die Laune heben als auch eine Lösung für dein Problem liefern.“ „Warum erzählst du  mir das nicht einfach?“  „Was? Nein, nein – so funktioniert da s nicht. Die Geschichte in mir entwickelt sich quasi mit deinen Gedanken. Du lenkst die Geschichte und die Lösung. Da habe ich keinen Einfluss drauf.“ „Hm. Das klingt seltsam. Aber auch spannend.“ „Du wirst dich auf jeden Fall besser fühlen, wenn du mich beendet hast. Und dann kannst du mich wieder frei lassen, dass ich dem nächsten helfen kann.“

Simone war skeptisch. War sie wirklich schon bereit eine Änderung in ihrem Leben zu finden. Es war doch so viel einfacher in diesem tristen Dasein. „Einfach ist es natürlich – aber macht es dich glücklich? Glücklich sein ist doch das wichtigste im Leben. Nimm es an und lese mich. Dein Leben wird sich so viel besser gestalten.“ „Gut.“ Sie schlug die erste Seite auf und versank in eine wundervolle Geschichte, die ihr ein Leben präsentierte mit Abenteuer, Liebe, Familie, Intrigen und einem traumhaften Happy End.

Wer weiß, vielleicht, wenn du mal so einen richtigen Arschlochtag hast – schau auf den Boden, vielleicht wurde dein Name aus der Lostrommel gezogen und ein sprechendes Buch bietet dir eine wundervolle Geschichte mit Happy End.

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13 Gedanken zu „[#WritingFriday] Week 22 – Das sprechende Buch“

  1. Hallo Rina! Wow! Da hast du wirklich eine tolle Geschichte rund ums Buch geschrieben :D solche Tage kennen wir wohl alle und umso schöner ist es, wenn wir uns danach einfach in ein Buch verkriechen können! Hab ein wunderbares Wochenende <3

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  2. Hallo Rina,
    du brauchst dich doch nicht zu entschuldigen, dass der Text zu lang ist! Auf keinen Falll – ich finde immer, umso länger, desto besser. Vor allem bei Texten, die andere Leute schreiben bei dieser Challenge. Zudem finde ich diese Einleitung echt gelungen, man bekommt einen Einblick in den Alltag der Protagonistin. :)
    Das Gespräch mit dem Buch zeigt uns dann, dass Menschen viel glücklicher sein könnten, wenn sie ihrer Fantasie freien Lauf lassen, zum Beispiel eben wie hier, mit einem Buch.
    Viele Grüße & ein schönes Wochenende
    Lisa ♥

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    1. Vielen Dank – Ich neige gerne mal dazu etwas auszuholen;-).
      Leider drückt uns der Alltag immer bisschen von unserer Fantasy weg. Sehr schade. Deswegen mag ich Bücher so – da kann man echt einfach mal abtauchen.

      Hab gerade deine Geschichte gelesen. Aber leider gehen keine Kommentare. Sehr gut und emotional geschrieben. Zum Glück kenne ich das nicht im meinem Umfeld. Es werden immer mal paar Witzchen gemacht – aber richtige Anfeindungen gibt es zum Glück nicht. Eine Freundin von mir tat sich sehr schwer mit ihrem Coming out. Auch bei mir – dabei wusste ich es schon vor ihr. Aber es hat jeder ganz toll reagiert – auch ihre Eltern.
      Es ist schon schwer genug – da sollte man von der Familie auf jeden Fall Unterstützung bekommen.

      Dir auch ein schönes Wochenende. ♥

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  3. Hallo Rina,
    zu lang ist der Text auf keinen Fall! Mir gefällt, wie wir der Protagonistin erst durch ihren Arschlochtag folgen, diese Hektik greift über – und dennoch ist da dieser ironische Witz im Erzählen.
    Dann die Idee mit dem sprechenden Buch, das geht wirklich ans Herz. Eine sooo tolle Idee.
    Lachen und Nachdenken musste ich auch bei der Frage des Buches, ob man innere Bilder sieht, wenn man Formulare liest. Großartig!
    Fast erwarte ich schon meine Bücher sprechen zu hören!

    Mein Beitrag ist über Gwenny. Sehr kurz diesmal, leider, aber ich hab erst Freitag mittag eine Idee für diese Aufgabe bekommen und da war meine lädierte Hand schon etwas überanstrengt, deshalb hab ich es so kurz gelassen.
    LG, Daniela

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  4. Liebe Rina,
    deine Idee finde ich genial! Du hast viel Fantasy, die richtig Spaß macht. Dass lesen nicht gleich lesen ist, ob Buch oder Rechnung, finde ich super. Das kennt jeder und kann sich auch jeder gut vorstellen.
    Auch mir ist der Text nicht zu lang. Er zeigt sehr gut den mistigen und absolut misslungenen Tag und bringt einem die Protagonistin näher. Man fängt an, sie zu bemitleiden und ihr was besseres zu wünschen.
    So ein Buch, durch das man sich einen Rat für einen neuen Weg erlesen kann, möchte ich auch! Ab jetzt werde ich bei Regen immer auf den Boden schauen. Danke dafür! :-)
    Auch danke für deinen Kommentar bei mir.
    GlG und ein schönes Wochenende,
    monerl

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