Was wäre wenn...

Was wäre wenn…..du fliegen könntest?

Jeden Freitag möchte uns Sarah eine kreative Schreibaufgabe stellen. Heute bin ich auch endlich mal dazu gekommen was zu schreiben.

Quelle

Was wäre, wenn du Fliegen könntest?

Hier mein Versuch.

Elvira saß am Strand – es war ein bisschen frisch, da es den ganzen Tag geregnet hatte. Aber der Sonnenuntergang entschädigte sie dafür, dass sie leichte Gänsehaut hatte. Die roten Strahlen verwandelten das Wasser vor ihn einen feurigen Lavasee.

Ihr Herz wurde schwer. Wie schön wäre es, wenn sie das mit jemand teilen könnte. Ihre letzte Beziehung war eine Katastrophe gewesen. Er war so besitzergreifend. Sie hatte richtig Angst vor ihm gehabt. Als er dann einmal so wütend war, dass er die Kaffeekanne durch die Küche warf, packte sie ihre Sachen und verließ ihn. Sie brauchte keinen weiteren Warnschuss.

Ihr Blick wanderte über das rot schimmernde Wasser. Was war das? Eine Flasche. Die Menschen waren furchtbar. Immer wieder fand sie mal Abfall am Wasserrand. Sie fluchte und stand mühsam auf. Der nasse Sand hatte ihre Glieder etwas steif werden lassen. Sie fischte die Flasche heraus – eine schöne verschnörkelte Flasche. Das Etikett war von dem Wasser gelöst worden. In der Flasche sah sie eine Papierrolle. Eine Flaschenpost. Sie freute sich. Das war etwas, das man als Kind machte. Sie selbst hatte es auch gemacht, aber ihre Flasche wollte nie so wirklich weg. Enttäuscht hatte sie es damals aufgegeben.

Elvira drehte sich um und blickte zu der Hütte, in der sie zur Zeit wohnte. Auf der Terrasse leuchtete eine einladende Lampe und in ihrem Schaukelstuhl lag eine wärmende Decke. Die Thermoskanne mit heißem Kakao hatte sie auch schon zu Recht gestellt. Schnell huschte sie mit ihrem Schatz in die Wärme des einladenden Lichtes. Mit einem Plumps versank sie in ihrem gemütlichen Schaukelstuhl, schenkte sich einen Kakao ein und stellte die Flasche auf den Tisch vor sich. Mit beiden Händen umfasste sie die warme Tasse. Der Geruch von starker Schokolade umschmeichelte ihre Nase und sie schloss genüsslich die Augen. Ein Schluck und sie spürte wie sich der intensive Geschmack auf ihrer Zunge bis zu ihrem Herzen ausbreitete. Es gab wenig, das eine heiße Tasse Schokolade nicht gerade biegen konnte.

Neugierig betrachtete sie die Flasche auf dem Tisch. Was würde sie finden? Was würde auf dem Zettel stehen? Etwas von einem Kind? Oder eine so alte Nachricht von einem Seemann? Die Flasche sah schon alt aus. Sie konnte nicht  mehr warten. Mit einem Plopp löste sich der Korken aus der Flasche und sie schüttelte das Papierröllchen heraus. Das Papier war schon alt, irgendwo heraus gerissen.

Mit Spannung entrollte sie das Papier und strich es glatt. Die Schrift war etwas ungelenk.

„Hallo.

Hallo, ich freue mich, dass sie meine Flasche heraus gezogen haben. Wir schreiben das Jahr 1901. Mein Name ist Emilia. Ich bin gefangen. Warum? Weil ich eine Frau bin. Mein Vater hat mich in den Turm gesperrt. Ich soll heiraten. Einen alten Mann. Ich bin gerade mal vierzehn. Das ist so, sagt er. Ich bringe ihm nichts und koste nur. Schon die Aussteuer. Und der alte Mann nimmt mich auch ohne Aussteuer. Meine Brüder haben es gut – Männer haben es gut. Ich sitze hier schon – lass mich schauen –zwei Monate. Die Hochzeit soll in einem Monat sein. Ich kann nichts dagegen machen. Ich sitze hier in dem Turm und beobachte die Vögel. Was wäre, wenn ICH fliegen könnte? Ich wäre frei. Frei überall hinzufliegen. Mich meinen Fesseln zu entledigen. Ein neues Leben könnte ich beginnen. Ich könnte fremde Länder bereisen. Ich bräuchte nichts, außer dem Wind unter meinen Flügeln. Frei, frei, frei. Kein Käfig könnte mich halten. Kein Mann könnte mich binden. Keine Pflichten hemmen. Was wäre wenn ich fliegen könnte? Lieber Leser, oder Leserin. Was wäre wenn du fliegen könntest?

Ich danke dir, dass du dir die Zeit zum Lesen meiner Worte genommen hast. Mein Schicksal ist besiegelt. Aber vielleicht kannst du für mich fliegen?“

Emilia.

Elvira zog ihre Brille ab. Sie wischte sich über die Augen. Der Brief war so innig und gefühlvoll. Sie Überlegte – was wäre wenn sie fliegen könnte. Kann sie für Emilia fliegen – kann sie Für sich fliegen?

Sie sollte.

Ende

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6 Gedanken zu „Was wäre wenn…..du fliegen könntest?“

  1. Hach, richtig romantisch! :-)
    Ich finde, gerade Flaschenposten können einen das Fliegen lehren. – Jedenfalls den Gedanken!
    Und sie können verzaubern!
    Verschick doch mal „in echt“ eine Geschichte in einer Flasche! Was dann wohl passiert?

    Gefällt 1 Person

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