Drama, Projekt TXT*

Das fünfte Wort – Grenzenlos – Grenzenlose Freiheit.

Was ist das Projekt *.txt?

Schnell erklärt soll das Projekt *.txt der Inspiration dienen. Einmal pro Monat wird ein Wort verkündet, zu dem die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre Texte schreiben. Es gibt keinen Druck, etwas zu schreiben, kein Datum, bis wann die Texte da sein müssen … es soll also in erster Linie Spaß machen!


Meine Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit. Diese kleine Amsel hatte sich in einer Ecke vor unserem Tor gekauert. Ich habe ihn bemerkt, als wir auf den Weg zur Arbeit waren. Es war noch dunkel – erst liess ich ihn draussen – aber ich hatte schon einen Mader auf dem Weg gesehen und wir sind dann noch mal zurück gefahren um ihn in den Hof zu lassen.

Die Geschichte aus der Sicht der kleinen Amsel.


Es ist dunkel, ich bin so alleine und die Angst begleitet mich bei jedem Geräusch. Zu früh war ich.  Zu neugierig, aber noch nicht stark genug, alleine los zu ziehen. Die Angst umgibt mich wie ein Mantel und drückt mich in die Ecke. Würden meine Eltern mich finden? Warum bin ich im Dunkeln los gezogen? Mein erster Ausflug hätte in der Dämmerung sein sollen, aber ich war zu ungeduldig. Hilflos rufend sitze ich in der Ecke – ich bin immer noch alleine. Viele Gefahren lauern hier unten auf mich. Ein kläglicher Ruf nach meinen Eltern. Aber sie kommen nicht. Ruhe. Ich muss ruhig sein, da kommt was. Hier in der Ecke wird mich keiner sehen. Ein Tor öffnet sich. Gerade das Tor in dessen Ecke ich mich kauere. Ein lautes Geräusch. Der Boden vibriert. Ich zittere vor Angst. Ein Monster schiebt sich an mir vorbei. Meine Mutter hat es Auto genannt. Es sieht mich nicht. Ich bin sicher. Nein, da trampelt noch was. Ein Mensch, so nannte mein Vater es immer, mit einer Warnung behafteten Stimme. Menschen sind gefährlich. Ich bleibe ruhig. Es ist ein Weibchen. Sie sieht mich. Bleibt stehen, bückt sich. Schließt die Tür, öffnet die Tür. Sie stellt mir eine mit Wasser gefüllte Schüssel hin. Sie geht zum Auto und die Maschine bewegt sich. Ich atme auf. Ich konnte nicht ruhig bleiben als die Menschenfrau kam. Ich flatterte – aber war zu schwach. Das Auto kommt zurück. Sie steigt aus, öffnet die Tür und schiebt mich weiter. Stellt das Wasser neben mich. Sie gibt Laute von sich, die ich nicht verstehe. „Hier im Hof bist du sicher vor Mader und Katze. Hier können deine Eltern dich finden und dir helfen. Erhol dich ein bisschen.“ Dann ist sie wieder weg. Ich sitze in einem kleinen Beet und rufe meine Eltern. Hoffentlich kommen sie und helfen mir. Wenn ich doch nur gewartet hätte mit dem Fliegen. Eins, zwei Tage noch.

Mein Vater hat mich tatsächlich gefunden. Es wird hell, aber ich habe noch immer nicht genug Kraft hoch genug zu fliegen. Der Boden vibriert wieder. Dieses Auto kommt zurück und zwei Menschen sind dabei. Auch dieses Weibchen, das mir geholfen hat, glaube ich. Sie schaut, aber sieht mich nicht. Dann kann ich wieder nicht ruhig bleiben. Ich will fort. Ich flattere hilflos an ihnen vorbei und bin in ihrem Nest. Sie sind aufgeregt, weil ich da drin bin. Ich will ja nichts Böses, dann weiß ich warum sie so aufgeregt sind. Katzen. Oh je. Aber die beiden Menschen reagieren schnell und ich bin wieder draußen. Ich flüchte unter dieses Auto. Wenige Minuten schaut sie nach mir – sieht mich aber wieder nicht. Aber mein Vater sieht sie – er bläht sich auf und will sie angreifen. Sie zieht sich zurück. Aber dann kommen Hunde. Sie sind zu aufgeregt um mich zu bemerken. Ständig rennen sie um die Menschen herum. Einer findet mich – ich flüchte, und die Frau ruft nach dem Hund. Er lässt mich in Ruhe. Die beiden werden weg geschickt und sie treibt mich wieder in das Beet. Da ist es besser. Ich finde eine Lücke, wo meine Eltern mich sehen, aber keiner an mich heran kommt. Es wird dunkel. Diese Frau kommt schon wieder – ich höre Wasser laufen – die Hunde finden mich – so auch die Frau. Aber ich bin sicher – keiner kommt an mich heran. Dann werde ich nass – es regnet? Igitt. Aber ich habe schon Durst. Weg ist der Regen – ich höre immer noch Wasser – die Frau lässt es regnen. Sie wirft mit Körnern nach mir. Wie unverschämt. Dann ist Ruhe. Die Nacht legt sich auf mich und ich bin so müde. Nur noch wenige Tage, vielleicht morgen schon, dann bin ich stark genug um zu Fliegen. Dann erhebe ich mich stolz in die Lüfte und fliege mit meinen Eltern und Geschwistern in den Himmel. Fern und Frei, dann habe ich das hier alles schnell vergessen. Und am Horizont öffnet sich eine kleine Regenbogenbrücke um den kleinen Vogel zu rufen. Er kann fliegen und fliegt der grenzenlosen Freiheit entgegen.

10 Gedanken zu „Das fünfte Wort – Grenzenlos – Grenzenlose Freiheit.“

  1. Huhu,

    auch diese Geschichte habe ich durch. Wie süß sie ist. DIe arme kleine Amsel. Kann ich mir vorstellen, dass das schwer für sie ist. Besonders, wenn sie noch so klein ist. Süße Geschichte.

    LG Corly

    Gefällt 1 Person

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