Schreibkicks

Blutrote Schwestern und die warme Limonade

Wieder ist ein Monat vergangen – die warmen Tage neigen sich dem Ende zu – der Herbst klopft zögerlich an die Tür. Ich will ihn noch nicht rein lassen – aber irgendwann wird er Einlass fordern.

Kommen wir zu den Schreibkicks – das heutige Thema hat mich ganz schön gefordert – ich hatte mehrere Anläufe – aber nichts hat mir gefallen. Dann bin ich über den Titel Blutrote Schwestern gestolpert – ein Buch, dass ich vor einiger Zeit gelesen habe und mir gut gefiel – hat aber nichts mit meinem Thema zu tun. Aber ihr kennt ja diesen Schlüsselreiz. Inspiriert hat mich die Serie Dietland. Die hat mich ziemlich berührt.

Hier also meine heutige Geschichte zum Thema

Warme Limonade

Weitere Teilnehmer sind:

Nicole

Veronika

Sabi

 

Das Thema für den 01.10.2018 ist: Freundschaft


Blutrote Schwestern und die warme Limonade

„Schwester? Willst du auch etwas von der warmen Limonade?“ „Ich weiß nicht, was du an dieser ekligen, abgestandenen Plörre so magst.“ „Es ist wie ein flüssiger Bonbon – die sind ja auch nicht kühl. Ich weiß nicht – irgendwie schmeichelt dieses warme Getränk meiner Zunge. Sie verwöhnt sie mit intensiven, süßen, manchmal leicht herben Geschmack. Es ist nicht zu erklären. Entweder man mag es oder nicht.“ „Ja, ich nicht – ich ziehe die kalte Variante vor. Aber jetzt komm, wir haben noch einen Auftrag.“

Marissa seufzte und kippte ihre geliebte Limonade hinunter. Sie stand auf und schaute sich nach ihrer Tasche um. Ein wichtiger Auftrag. Ihre Klientin hatte einen neuen Fall. Einen neuen Mann, den sie testen und gegeben Falls  eliminieren sollten. Ihr Ruf als blutrote Schwestern eilte ihnen mittlerweile voraus. Der Sturz des  Patriacharts war ihr Ziel. Jahrelang hatten Frauen unter dem Joch der Männer gelitten.

Für den gleichen Job wesentlich härter und erniedrigender arbeiten müssen. Ständig auf ihr Äußerliches reduziert. Das war seit einigen Jahren vorbei. Irgendwann hatten die Frauen einfach die Nase voll. Sie wurden vergewaltigt, gedemütigt, geschlagen. Schleichend und langsam haben sie den Männern die Vormacht entrissen. Aber noch immer gab es Gewalt gegen Frauen. Deswegen hatten sich die blutroten Schwestern zusammengefunden. Erst waren es nur Marissa und Miriam. Sie waren Schwestern und wurden schon in frühster Kindheit von ihrem Vater misshandelt und die Mutter hatte einfach weggeschaut.

Als Miriam dann schwanger wurde, ihr Vater sie krankenhausreif schlug und sie dadurch ihr Kind verlor, zerbrach was in ihr. Sie wurde radikal. Erst äußerlich, dann innerlich. Kam ihr ein Mann irgendwie dumm, schlug sie zu. Bald musste sie in den Untergrund – aber ihre Taten blieben nicht unbemerkt und die Frauen auf der ganzen Welt standen hinter ihr. Als Marissa endlich den Absprung schaffte, schloss sie sich ihrer Schwester an.

Sie recherchierten und beobachteten. Erst auf eigene Faust. Sie wussten Männer zu deuten. Männer mit deutlich jüngeren albernen Frauen waren als erstes dran. Schließlich mussten sie erst mal üben. Sie überlegten sich verschiedene Bestrafungsstufen. Miriam war die grausamere von beiden. Sie wollte die Betrüger mit einem Scharlachroten Buchstaben auf der Stirn bestrafen. Marissa besänftigte sie und handelte sie auf ein A-Brandzeichen am Handgelenk herunter. Betrug war schlimm – aber nicht so schlimm wie andere Taten, die sie in ihrer Laufbahn kennen lernen mussten.

Dementsprechend starteten die Bestrafungsstufen, bei Brandzeichen, über Folter, Kastration und Tod. Je nach Tat. Mittlerweile war die „Agentur“ gewachsen. Immer mehr misshandelte Frauen hatten sich angeschlossen. Die Polizei verschloss die Augen – keiner mochte die Besuche, wegen häuslicher Gewalt oder Vergewaltigung. Das Matriarchat erhob sich langsam und genüsslich. Aber nicht nur Männer waren ihr Ziel – auch Frauen, die Männer gewähren ließen. Wie Mütter, die die Väter nicht aufhielten. Sie bekamen auch ihre Strafe – nur nicht so extrem.

Heute war wieder ein Fall an sie herangetragen worden. Ein Mann stand in Verdacht seine kleine Tochter zu misshandeln und zu verkaufen. Die Schwesternschaft konnte nicht verstehen, dass es immer noch passierte, obwohl mittlerweile bekannt war, dass dieses Verhalten bestraft wurde.

Miriam und Marissa waren bereit. Mit dem Finger fuhr Marissa über den Boden ihres Glases und leckte sich ihn genüsslich ab. Die Welt würde heute wieder ein bisschen besser werden.

Ende.

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11 Gedanken zu „Blutrote Schwestern und die warme Limonade“

    1. Danke schön – ich hab aber ganz schön viele Entwürfe gehabt – wenn ich alle mit der Hand geschrieben hätte, hätten sie einen schönen passenden Berg um den Papierkorb gegeben.
      :-):-)

      Gefällt 1 Person

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