Schreibkicks

Schreibkicks – Die besondere Freundschaft

Und wieder ist ein Monat vergangen. Die Schreibkicks laden zum kreativen Tippen ein.

Und ich leite hiermit den Horromonat ein.

Mit dabei waren:

 

Das Thema für den 01. November lautet: Herbstmomente

Quelle

Freundschaft

Still war es im Zimmer – Vera tapste mit nackten Füssen durch das Haus. Heimlich hatte sie sich eine kleine Taschenlampe aus der Schublade in der Küche genommen. Sie brauchte sie um nachts im Bett lesen zu können. Sie braucht nicht viel Schlaf. Wenn ihre Eltern endlich zur Ruhe gekommen waren, schnappte sie sich ihr Buch und knipste die kleine Lampe an. Aber heute, heute war etwas anders. Sie hörte es. Oder besser,  hörte nichts. Es war tiefe, dunkle Nacht. Da war es zwar immer ruhig – aber nicht so ruhig wie heute. Sie kannte die Geräusche, die das alte Haus nachts von sich gab. Immerhin lebte sie schon sechs Jahre hier.

Leise schlich sie durch den oberen Flur und wartete am Treppenabsatz. War da etwas? Sie konnte es nicht erkennen und traute sich auch noch nicht, das Licht anzuknipsen. Sie wollte sich nicht verraten, sollte jemand im Haus sein. Da knarrte es. Sie erschrak und drückte die Lampe an ihre Brust. Diese hob und senkte sich schnell. Ihr Herz klopfte so laut, dass sie es selbst hörte. Sie hoffte, dass es die Eindringlinge nicht hören würden.

Vera drehte sich um – die Tür ihrer Eltern war verschlossen. Sollte sie sie wecken? Nein. Sie würden nicht helfen können. Eher würden sie bei dem Versuch sterben. Das war Veras Kampf. Mit ihren kleinen, nackten Füssen und der kleinen Taschenlampe schlich sie zurück in ihr Zimmer. Sie brauchte noch etwas um den Kampf aufzunehmen. Es saß in ihrem Schrank.

Leise öffnete sie die Tür ihres Schranks und hoffte, die Türangel würde nicht quietschen. Ihr Vater hatte sie eigentlich geölt, aber manchmal ächzte sie trotzdem noch. Sie knipste die Lampe an und wühlte in ihrem Chaos. Sie war nicht unbedingt die ordentlichste. Lächelnd holte sie sie heraus. Ihre gute Freundin. „Hallo, du. Entschuldige, dass ich dich hier so reingeworfen habe, aber Mami war wirklich sauer gestern auf mich, da ich wieder nicht aufgeräumt hatte. Wir haben Arbeit. Jemand ist im Haus.“ Sie blickte bittend zu ihrem Gegenüber. Da bewegte sie ihren Kopf in ihre Richtung. Ihre Augen fingen an zu leuchten. „Das war wirklich nicht nett. Unter Freundschaft verstehe ich doch was anderes.“ Schmollt sie leicht. Sie stand auf und drückte sie. „Komm, ich hab mich entschuldigt und es wartet Arbeit auf uns. Vor allem auf dich. Jemand ist in unser Haus eingedrungen und ich will nicht, dass meine Eltern irgendwie verletzt werden. Also professionell und ruhig.“ „Na gut.“ Hand in Hand gingen die beiden hinunter. Vera atmete leise durch den Mund, weil sie dadurch besser hören konnte. Sie blickte sich zu ihrer Begleitung um. Ihre Lieblingspuppe – Annabell.

Sie hatte Annabell auf dem Dachboden gefunden, als sie mal kurz von ihren Eltern alleine gelassen wurde. „Stell nichts an und gehe weder auf den Dachboden noch in den Keller. Hast du verstanden, Vera. Das ist gefährlich.“ „Ja, ja – ihr seid doch gleich wieder da. Keine halbe Stunde, habt ihr gesagt.“ Sie blickten sich unsicher an und zuckten mit den Schultern. Ja – nur kurz um die Ecke. Ein Nachbar war gestorben und sie wollten Kondolieren.

Der Nachbar war ganz plötzlich verstorben. Keiner konnte es fassen. Es gab keine Vorzeichen und er war noch keine fünfzig. Plötzlicher Herztod. Aber, Gerüchte gingen durch die Nachbarschaft. Sein Gesicht soll zu einer angstverzerrten Maske erstarrt sein, im Augenblick seines Todes. Solche seltsamen Todesfälle gab es die Jahre über immer wieder – das war auch der Grund, warum Veras Eltern das Haus so günstig bekommen hatten. Keiner wollte in dieser verfluchten Gegend ein Haus kaufen. Aber ihre Eltern glaubten an so was nicht.

Vera fand die Puppe in einer dunklen Ecke. Oder die Puppe fand sie. Denn sie rief nach ihr. Ja. Die Puppe rief nach ihr. „Hallo, Vera. Komm nach oben spielen. Ich will deine Freundin sein. Für immer.“ Vera war schon immer furchtlos und tappte schnurstracks nach oben, mit einem Schürhaken bewaffnet. Sie fand Annabell und es war als wären sie für einander gemacht.

Seit einiger Zeit hatten sich die Todesfälle in der Nachbarschaft gehäuft. Die Häuser wurden verlassen und standen leer. Keiner konnte verkaufen, da keiner dorthin ziehen wollte. Annabell hatte Vera gewarnt. Sie sagte, dass sich was zusammen brauen würde. Und jetzt waren sie da.

Vera huschte schnell in die Küche und zog das große Messer aus dem Blog. Wenn ihre Mutter sie so sehen könnte. Sie würde ausflippen. Da waren sie. Schatten. Zwei Männer bewegten sich vorsichtig durch das Zimmer. Vera schlich ebenso leise, und Annabell kam von der anderen Seite. Sie beobachtete die Bewegung der Männer und in einem, ihr günstig erscheinenden Moment, schlugen sie zu. Annabell von vorne, Vera von hinten.

Vera schnitt dem hinteren Mann mit dem Messer in die Achillessehne und beobachtete zufrieden wie er zusammen brach. Schnell hüpfte sie auf seinen Rücken und stach ihm das Messer in den Hals. Das ware eine Sauerei und sie stöhnte schon, weil sie das noch alles weg machen musste, bevor ihre Eltern erwachten.

In der Zwischenzeit hatte sich Annabell auf den zweiten Mann gestürzt. Sie hing ihm am Rücken und versuchte ihn zu erwürgen. Er rammte sie an die Wand und sie löste sich. Vera stürmte auf ihn zu und stach ihm mit dem Messer in den Oberschenkel. Bevor er schreien konnte, hatte Annabell ihm schon einen Lappen in den Mund gestopft und blickte zu Vera. „Los, jetzt, er ist stark. Stich zu.“ Das ließ sich Vera nicht noch mal sagen und flog förmlich auf den Mann zu und stach ihm mitten ins Herz. Ein leichtes Röcheln war das letzte was er von sich gab.

Ein High-Five konnten die beiden nicht unterdrücken. Es war geschafft. Die Bedrohung ihrer so wertvollen und aufregenden Freundschaft war gebannt. „So, jetzt müssen wir schnell aufräumen und dann können wir noch bisschen schlafen.“ Meinte Vera. „Ich bin so aufgedreht, das ist noch viel besser als durch die Nachbarschaft zu schleichen um die Menschen zu töten. Wir sollten öfter auf Jäger warten. Wie aufregend.“ Antwortete Annabell. Die beiden kicherten leise vor sich hin.

 

Ende

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15 Gedanken zu „Schreibkicks – Die besondere Freundschaft“

  1. Oh! *keuch*
    Diese kleinen Biester! Und wird ihnen wohl jemand das Handwerk legen?
    Wenn ich heute Nacht nicht schlafen kann, bist du schuld! 😆
    Liebe Grüße,
    Veronika

    Meine Puppen hier im Haus sind ganz brav.
    Meine Puppen hier im Haus sind ganz brav.
    Meine Puppen hier im Haus sind ganz brav.
    Meine Puppen hier im Haus sind ganz brav.
    Meine Puppen hier im Haus sind ganz brav.

    Gefällt 2 Personen

    1. Hahaha. Entschuldige.
      Das mit den kleinen Biestern wird wohl so wie mit Anton von Wortgeflumsel…So richtig werden sie wohl nie aufgeben.

      Oooohmmmm
      Deine Puppen sind ganz brav
      Deine Puppen sind ganz brav…
      ;-);-)

      Gefällt 1 Person

  2. Oh Mann… hab ich eine Gänsehaut… und ja, ich werde heute bei Dunkelheit auch ein wenig genauer auf alles schauen. Bei mir auf dem Nachtschrank sitzt ein kleiner Frosch. Ob der auch irgendwelche bösen Gedanken hegt?? *Haarestehenzuberge*

    Gefällt 1 Person

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