Drama, writing friday

Writing Friday 41 – Das letzte Blatt

[#WritingFriday]

ist eine wöchentliche Schreibaktion von Elizzy.

Die Oktoberthemen:

  • Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz „Er sah nach hinten und ihm lief ein kalter Schauer über den Rücken, denn…“ beginnt.
  • Casper der Geist kriegt unerwarteten Besuch, berichte davon.
  • Erzähle ein Märchen über einen Kürbis.
  • Erzähle aus der Sicht eines Vampirs an Halloween.
  • Du bist ein Baum, der gerade all seine Blätter verliert, wie fühlst du dich? 

Ich hab jetzt eine zeitlang ausgesetzt, da ich einfach ein Schreibtief hatte – ich denke da knabbere ich noch bisschen dran – aber heute hatte ich Muse und das hab ich gleich ausgenutzt. Hier mein Baum, der sich beschwert.

  • Du bist ein Baum, der gerade all seine Blätter verliert, wie fühlst du dich? 

 

Oh nein, was ist das denn? Ach verdammt es ist schon wieder so weit. „Hei Birki – wie ist das bei dir, geht es bei dir auch schon wieder los?“ „Was meinst du, Ahorni?“ „Na die Blätter. Verdammt. Da hab ich mir das ganze Jahr so viel Mühe gegeben, dass die Dinger schön grün und glänzend sind – trotz der extremen Hitze habe ich das halten können. Es hat mich so viel Mühe gekostet, das Wasser aus der tiefen Erde zu ziehen um mein Gewandt hübsch zu halten und dann kommt der vermaledeite Herbst und sie verabschieden sich. Fehlt nur noch dass sie sich lustig über mein Bemühen machen. Ach Baum“. „Komm, stell dich nicht so an – das ist doch nicht das erste Jahr in dem du das mitmachst. Wie alt bist du. Fünfzig?“ „Man fragt nicht nach dem Alter – vor allem keinen Baum.“ „Oh, ne – jetzt fängt er schon wieder an?“ Fragte die Trauerweide, etwas weiter. „Schau mich doch an – das ganze Jahr hängen mir die Äste voll Blätter – sie sind so schwer, dass ich die gar nicht anheben kann. Immer schleifen sie am Boden. Das ist echt eklig, sag ich dir. Ich bin froh, wenn ich paar Blätter weniger habe, das entlastet mich.“ „Ach du – deine Blätter sind ja auch so klein und unscheinbar. Aber schau dir doch meine an – sie sind so schön gezackt und einzigartig. Ich will nicht jedes Jahr dasselbe durchmachen. Warum können wir unsere Blätter nicht behalten? Ich vermisse sie jetzt schon. Das Geräusch, das sie machen, wenn der Wind durchfährt. Das Rauschen. Und die Nester der Vögel, die sich in meinen Blättern verstecken können. Sie können hier ihre Jungen aufziehen, ohne dass sie gesehen werden. Das bunte Treiben beim Füttern. Die vielen Insekten, die um mich herumschwirren. Jetzt wird es nur wieder trostlos und kalt. Der eisige Wind zerrt mir die Blätter von den Ästen. Das ist schmerzhaft. Aber er ist unerbittlich und zerrt und zerrt.  Das ist nicht nett.“ „Dafür wurde er auch nicht erschaffen, um nett zu sein. Das ist die Frühlingsbrise, die ist nett – sie weckt uns sanft aus dem Schlaf – aber der Herbststurm – der ist unerbittlich und hart.“ „Genau – er tut mir weh. Und meinen Blättern auch. Ich will sie behalten. Ich will nicht den Rest des Jahres so nackig herumstehen. Alle schauen durch mich durch. Und die Blicke sind so mitleiderregend, weil wir so armselig aussehen. Die nackten Äste erinnern die Menschen nur an die Kälte und sie packen den Schal gleich noch fester um ihr Gesicht. Wenn wir unsere Blätter behalten würden, würden wir sie noch bisschen mit unserem hübschen Anblick erfreuen können.“ „Ach Ahorni, du weißt schon, dass du die Blätter zum Überleben brauchst. Wenn uns der Wind die nicht von den Ästen reißen würde, damit sie an unseren Wurzeln landen, würden wir jämmerlich erfrieren. Da hättest du auch nichts vom hübsch aussehen, wenn du tot wärst, oder? „ Ahorni überlegte. Ja – die Natur hatte sich ja schon was dabei gedacht. Er seufzte tief. „Ja, aber wäre es nicht schön…“ „Halt jetzt die Klappe.“ Schnauzte die Tanne – „wenn du das ganze Jahr grün wärst, wärst du nichts Besonderes. Du würdest, wie ich gefällt werden um dann als Weihnachtsbaum in den stickig warmen Häusern zu landen. Dein Leben wäre dann sofort vorbei. Also sei froh, dass du in jedem Frühjahr, die Chance bekommst dein Kleid wieder hübsch aufzupolieren.“ „Ach Baum.“ Seufzte Ahorni „Ihr habt ja Recht, ich will ruhig sein und den Winter über mich ergehen lassen. Da kann ich mich wenigstens auf den Frühling freuen. Solange male ich mir aus, wie wundervoll ich in meiner vollen Pracht aussehen werde.“ Ein vereintes Stöhnen ging durch den Wald als das letzte Blatt den Ast verlies.

ENDE

 

9 Gedanken zu „Writing Friday 41 – Das letzte Blatt“

  1. Hallo Rina!
    Du hast das wirklich sehr schön geschrieben. Mir haben die beiden Bäume schon ein bisschen leid getan!
    Liebste Grüße, Annie

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    1. Danke schön – ich musste heute an meine Geschichte denken, da ich beobachtet habe, wie viele Blätter wieder abgefallen sind,…sieht zwar auch schön aus, aber sehr schade schon.

      Liebe Grüsse

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  2. Pingback: Geschichtszauberei

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