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Schreib‘ mir eine Detektivgeschichte! Part 4 von 4

Und kommen wir zum Abschluss. Damit es noch in den Oktober passt habe ich heute zwei Parts veröffentlicht.

Ich bedanke mich bei allen Lesern, die diese lange Geschichte verfolgt haben.

Mehr findet ihr bei Annie. 

Part 1 findet ihr HIER

Part 2 findet ihr HIER

Part 3 findet ihr HIER

 

HIER findet ihr die gesamte Geschichte in einem Teil

 


Am Freitag nahm ich mir vor, so wenig wie möglich auf den Fall einzugehen. Ich wollte einfach nur Martas Gegenwart genießen. Wir gingen gemütlich Essen. Dann noch auf einen Kaffee in ein kleines gemütliches Lokal und unterhielten uns vorzüglich. Wir kamen uns näher, je später es wurde. Ich lud sie zu einem Absacker in meine Wohnung ein und dort verbrachten wir noch weiter genüssliche Stunden. Wir lagen im Bett, sie hatte es sich auf meiner Brust gemütlich gemacht. Sie fing an: „Was meinst du wer Marcello getötet hat?“ „Marta, ich darf dir leider zu den Ermittlungen nichts sagen, aber ich höre mir gerne deine Theorien an. Vielleicht finde ich noch einen Schlüssel zu meinen.“ Sie blickte mich an und mein Herz klopfte. Sie war perfekt.

„Lass mich überlegen.“ Sagte sie leicht verschlafen. „Vega – sie könnte es getan haben, weil sie unbedingt erben wollte. Ihr Bruder war eine Gefahr.“ Ich nickte. „Jan, er will unbedingt das Gut erben, er würde bei mir an erster Stelle stehen.“ Wieder nickte ich. „Dann Sarah. Sarah war es bestimmt nicht. Warum sollte sie? Ich weiß, dass sie Vega das Gut geben wollte und Marcello Geld. Wenn dann hätte man eher sie umgebracht, bevor sie das Testament schrieb.“ Wieder nickte ich. Sie war so weit wie ich in meinen Ermittlungen. Nur hatte ich noch einige Geheimnisse herausgeholt, die sie wohl nicht wusste, oder mir verschwieg. Aber genug davon. Ich zog sie hoch und küsste sie um den Abend perfekt enden zu lassen.

+++

Es wurde Zeit den Fall zu lösen. Dafür nahm ich Kontakt mit dem Butler auf und teilte ihm mit, dass ich am nächsten Tag vorbei kommen wollte um eine letzte Befragung durchzuführen.

+++

Ich fuhr die beeindruckende Auffahrt zum Haus hoch. Gefolgt von zwei weiteren Polizeiautos, die ich aber anwies sich bedeckt zu halten. Sie sollten die Ausgänge sichern, da ich von einem Fluchtversuch des Mörder ausgehen musste.

Im Salon traf ich tatsächlich alle Familienmitglieder an. „Guten Tag. Schön, dass sie sich alle Zeit nehmen konnten, und wir das hier klären können. Wo ist Vincenco und Marta? Die beiden sollten doch bitte auch teilnehmen an dieser illustren Runde.“ Sarah klingelte nach den beiden.

„Wo wir jetzt so zahlreich versammelt sind, werde ich ihnen die Fakten meiner Ermittlungen darlegen. Ich werde ihnen erst mal die Motive aufzeigen und dann am Ende mein Ergebnis.“ „Sie machen es aber spannend, Herr Inspektor.“ Sagte Jan. Ich blickte ihn tief an und genoss seine Unruhe.

„Ja, das ist doch der schönste Teil meiner Arbeit. Den Mörder entlarven. Vega, “ Fing ich an. Sie rutschte nervös in dem Sesseln hin und her. „Sie sind die Haupterbin des Weingutes. Ihre Mutter wird ihnen alles vermachen und hatte vor Marcello mit Geld abzuspeisen, obwohl er geeigneter gewesen wäre, von seinem Wissen und Kontakten. Ich denke er hat sie unter Druck gesetzt um ihre Mutter zu beeinflussen. Er wollte, dass sie in ihren geliebten Lehrerberuf nachgehen und mit dem Geld, das er eigentlich bekommen sollte hätten sie ausgesorgt. Aber so ganz verzichten wollten sie doch nicht. Denn Finelli ist ein guter Name und man hätte ihn zu Finelli und Scherke ausbauen können. So einen berühmten Namen kann man sehr gut einsetzen. Ihr Bruder ist ihnen zu dicht aufgerückt. Da sind sie beim Gassi gehen im Weinberg aneinander geraten und sie haben ihn geschupst. Dabei gerat er ins Stolpern und fiel unglücklich. Ein Missgeschick. Ein Unfall.“ Sie blickte mich an wie ein Reh vor einem Autolichtkegel. „Aber ich war es nicht. Ich liebte Marcello und er hätte das Gut haben können. Ich muss nicht die Leitung hier haben. Das ist mir viel zu viel Verantwortung, Mutter.“ Sagte sie und drehte sich zu Sarah um. „Aber Kind, ich will, dass das Gut in weiblicher Hand bleibt. Dein Bruder war zu unbesonnen. Vielleicht hätte er es gut leiten können, aber ohne Familie. Er wollte nicht heiraten und sesshaft werden. Das war mir einfach zu unsicher.“

„Wo wir doch gleich zu ihrem Motiv kommen, verehrte Frau Finelli. Marcello war einfach uneinsichtig. Er wollte immer mehr und mehr, er wollte das Gut noch grösser heraus bringen. Aber dafür hat er sich mit den falschen Leuten eingelassen. Er hat die Mafia mit ins Spiel gebracht und so ihr Allerliebstes in Gefahr gebracht. Sie wollten auf keinen Fall die Mafia in ihrem Unternehmen rumfuschen haben. Waren sie ihr doch in Italien davon gekommen. Ihr Sohn war eine Bedrohung. Als sie ihn auf dem Weinberg zu rede stellten, gerieten sie in einen heftigen Streit. Er stolperte und fiel auf die Rebenverankerung.“ „Was für ein Blödsinn. Ja, er hatte tatsächlich Kontakte zur Mafia geknüpft um deren Lokale mit günstigen Schwarzgebrannten zu versorgen. Ein Zweig, den er ohne mein Wissen eröffnet hatte. Weder wollte ich harten Alkohol noch den Kontakt zur Unterwelt. Das ist ein ehrliches Unternehmen. Aber ich würde doch meinen einzigen Sohn nicht töten. Ich hätte ihn vielleicht nach Italien geschickt, Mehr nicht.“ Ich nickte

„Jan, mein Favorit. Sie haben das stärkste Motiv Marcello los zu werden. Sie sind hier nicht sehr beliebt. Nicht unbedingt der Traumschwiegersohn. Sie haben sich hier in die Familie gedrängt, indem sie Vega überstürzt heirateten nur um hier das Erbe abzusahnen. Sie waren Mittellos und die Gläubiger saßen ihnen im Nacken. Das Arbeitshaus hatte schon angeklopft. Da trafen sie zufällig auf die liebevolle, leicht zu beeindruckende Vega. Nichts für ungut.“ Meinte ich zu Vega, da ich sie nicht beleidigen wollte. Sie nickte nur ermattet. „Marcello wollte sie nicht in der Familie haben und nicht bei seiner Schwester. Außerdem wusste er, dass sie Vega betrogen. Schon kurz nach der Hochzeit sind sie regelmäßig Fremd gegangen.“ Ich beobachtete Vega. Sie zuckte zusammen, wie nach einem Schlag. Mehr nicht. Sie wusste es. Sie duldete es. Sarah schnaufte. „Was? Jan? Du Hurenbock. Du betrügst meine Tochter und bringst Schande über diese Familie. Wie konntest du nur. Hast du Marcello getötet?“

„Nein. Er hat mich angezählt. Er meinte ich solle das lassen mit der Betrügerei, oder er würde dafür sorgen, dass Vega mich verlassen würde. Ich wollte auch aufhören, aber …bei Vega und mir läuft es nicht so gut – ich bin auch nur ein Mann. Ich hab Bedürfnisse.“ Vega schluchzte. „Musst du unser Schlafzimmer hier ausbreiten? Warum meinst du wohl, warum ich mich zurückgezogen habe? Denkst du ich kann dich noch ansehen, wenn ich weiß, dass du mit jeder hergelaufenen Hure ins Bett gehst?“ Das waren starke Wort, die ich von ihr nicht erwartet hätte. „Ja, das wäre mein Motiv, für sie. Sie wollten Marcello still legen. Also trafen sie sich im Weinberg. Hier haben wir Motiv, Gelegenheit und Kraft. Jan? Sie sind einer meiner Favoriten.“ „Ich war es nicht. Ich war nicht mal in der Nähe. Ich war bei Mime Violetta.“ „Das weiß ich, aber nur bis einundzwanzig Uhr. Der Mord wurde gegen Mitternacht verübt.“ Jan schwieg. „Wo waren sie danach?“ „Im Gästezimmer.“ „Ein schwaches Alibi, das müssen sie schon zugeben.“

„Vincenzo. Sie wissen ja was man im Volksmund so sagt: Der Butler war es, oder der Gärtner. Aber wieso immer der Butler? Ich denke sie haben das Motiv, da sie Marcellos Verhalten nicht guthießen. Sie wussten von der Mafia, ein Butler weiß immer alles. Sie wollten ihn Stoppen, aber das ging tödlich aus.“ „Aber nein, ich wusste, dass Marcello nicht immer legal operierte. Aber ich hätte eher der gnädigen Frau Bescheid gesagt. Nur wollte ich sie nicht belasten, also habe ich geschwiegen.“

„Marta?“ „Christian?“ „Du bist die perfekte Frau. Ich würde alles geben eine solche Frau an meiner Seite zu wissen. Du hast eine schwere Zeit hinter dir.“ Marta blickte mich misstrauisch an. Ich beobachtete jeder ihrer grazilen Bewegungen. „Du kamst mit Nichts aus Italien hier an. Irgendwo musstest du unterkommen. Aber mit der Sprachbarriere ist das nicht so einfach hier Fuß zu fassen. Gegen Ausländer ist man hier immer etwas zurückhaltend.“ Sie wurde etwas nervös. „Was willst du andeuten? Ich bin immer loyal der Familie gegenüber.“ „Das stimmt. Der Familie gegenüber, das hast du richtig ausgedrückt. Marcello war mit dabei bei der „Familie“ Aber er wollte aussteigen, da er wusste, dass seine Mutter nie zustimmen wollte. Aber die „Familie hatte schon investiert. Und den Patron betrügt man nicht. Oder sollte ich eher Patronin sagen?“ Ihr blick wurde hart. „Ich verstehe nicht was du sagen willst.“ „Marcello ist auf dich zugekommen um dich um Geld anzupumpen. Er wusste, dass du zur hiesigen Mafia gehörst, dass du sie leitest. Aber er wollte sich zurückziehen. Das konntest du nicht zulassen. Du hättest als Köchin nie die Chance gehabt hier was zu erben. Selbst wenn sie sagen, du gehörst zur Familie – es ist nie so. Du bist eine Angestellte. Vielleicht hättest du bisschen Geld bekommen, aber mehr nicht. Dafür hast du hier zu viel investiert. Marcello sollte deine Eintrittskarte sein. Irgendwann hätte dir die Hälfte gehört – aber er hat Angst bekommen. Er wollte alles seiner Mutter beichten. Das wäre nicht drin gewesen. Du wusstest dass Sarah nichts mit der Mafia zu tun haben wollte. Sie hätte dich mit Schimpf und Schande vom Gut vertrieben und deine Arbeit wäre zunichte gewesen. Also hast du den Auftrag erteilt Marcello zu entledigen. Einer deiner Schergen hat die Schmutzarbeit für dich getätigt, während du in der Küche alles für den nächsten Tag vorbereitet – dein Alibi ausgebaut hast.“ „Was für ein Blödsinn. Wie willst du das beweisen?“  „Man muss nur bisschen zuhören und die Augen öffnen. Ich hab mich bei den Arbeitern umgehört und es gab Gerüchte einer weiblichen Mafiachefin. Ich hab dann Polizeiarbeiten getätigt und dein Leben zurückrecherchiert. Er brach mir das Herz. Dass du tatsächlich eine Mafiosa bist und wie du überhaupt in den Kreis gelangt bist. Alte Polizeiberichte mit deinem Namen sind aufgetaucht. Dass du deinen Namen behalten hast, war sehr überheblich. Du warst dir einfach zu sicher. Ich hab deinen Werdegang verfolgen können. Von kleinen Diebstählen zur Prostitution und zum Betrug. Ich konnte deinen Lebenslauf anhand deiner Fall Akte verfolgen. Wirklich überheblich.“ „Es war nie geplant, dass es soweit kommen würde. Mein Name hätte eigentlich schon aus den Akten verschwunden sein sollen. Ich hatte meine Leute, die das erledigen sollten. Das war wohl nichts. Da werden wohl einige Köpfe rollen. Da hat bestimmt einer meiner Konkurrenten die Finger im Spiel. Das kannst du dir vorstellen, Ein weiblicher Pate. Meine männlichen Gefährten fanden das nicht so toll. Aber ich habe mir den Platz schwer erkämpft und so leicht gebe ich nicht auf.“ Kaum hatte sie ausgesprochen fing sie an zu laufen. Sie drehte sich Richtung Fenster und sprang. Sie sprang durch das geschlossene Fenster. Ich war im ersten Moment bewegungslos. Dann spurtete ich ihr hinter her. Die Frau war schnell. Meine Kollegen standen alle an den Türen – keiner rechnete damit, dass eine Person aus dem Fenster springen würde. Ich verfolgte sie, wurde aber  langsamer. Ich sollte an meiner Ausdauer arbeiten.  Sie war weg. Meine Kollegen waren mittlerweile aufgeschlossen und wir drehten das gesamte Weingut um. Sie war weg. Verdammt. Sie hatte mich überrumpelt. Sie war weg. Ich ließ sie zur Fahndung ausschreiben, wusste aber, dass ich sie nie fangen würde. Sie war schon zu lange an der Spitze um sich erwischen zu lassen. Sie würde untertauchen, endlich ihren Namen ändern und ihr Erscheinungsbild. Sie würde aus meinem Leben verschwinden. Ein Stich ging mir durchs Herz, die Frau hatte mich tief berührt.

Zurück im Haus, traf ich auf eine aufgelöste Gruppe der Finelli-Familie. „Herr Inspektor, haben sie sie erwischt?“ „Nein, meine Männer sind noch auf der Suche, aber sie hatte wohl schon einen Fluchtweg geplant. Jemand der so hoch in der Mafia angesiedelt ist, legt sich immer einen Fluchtweg zurecht.“ „Sie war so lange bei uns gewesen, hat meine Kinder mit aufgezogen. Ich habe in ihr eine Freundin gesehen. Jetzt so was. Es erschüttert mich bis ins Mark. Wie soll ich je wieder jemanden trauen?“ „Das weiß ich nicht verehrteste. Das wird nicht leicht, aber sie haben ihre Tochter an ihrer Seite. Mit ihr werden sie das schon schaffen.“ Sie drehte sich zu Vega um und winkte sie zu sich. Die beiden Frauen lagen sich weinend in den Armen. Das hier war zu Ende.

+++

Vega saß auf der Terrasse. Sie hatte einen Brief in der Hand. „Liebste Freundin, schade, dass wir uns so plötzlich voneinander trennen mussten. Aber ich hoffe alles ist zu deiner Zufriedenheit ausgegangen. Ein neues Leben erwartet dich. Und wenn die Umstände sich ändern, werden wir uns vielleicht mal wieder sehen. Achte gut auf dich und deine kleine wachsende Familie. Für immer in Liebe deine Tante M.

Sarah strich sich behutsam über den leicht gewölbten Bauch. Irgendwann würde sie ihre Freundin wieder treffen. Solange würde sie sich gut um ihr Erbe kümmern um es für ihre Tochter zu sichern.

+++

Ich beendete meinen Bericht über den Fall Finelli. Es ärgerte mich, dass ich zu lange gebraucht habe um Marta zu entlarven. Oder ärgerte es mich, dass ich sie entlarvte? Sicher war ich mir nicht. Ein Brief landete auf meinem Tisch. „Danke Oskar“, rief ich dem Postjungen hinter her. Er winkte nur ab. Ich öffnete ihn. Ein Flyer fiel mir entgegen. Es war ein Weingut in Italien. In der Nähe von Palermo. Eine Einladung zur Besichtigung und Verköstigung. Ein kleiner Zettel war im Inneren befestigt. „Wenn du jemals nach Italien kommst. Vergiss mich nicht.“

ENDE

 

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4 Gedanken zu „Schreib‘ mir eine Detektivgeschichte! Part 4 von 4“

  1. Huhu,

    ich bin durch. Also Jan wäre auch einfach zu offensichtlich gewesen. Das mit Vega fand ich interessant. Martha? Gut sie war die logischste. Am Ende ist es doch immer die Liebe, oder? Aber das du ein offenes Ende mit diesem Brief gelegt hast fand ich gut. Das hat mir gefallen.

    LG Corly

    Gefällt 1 Person

      1. bitte. Ja, Jan wäre zu offensichtlich. Sarah hätte ich vielleicht noch interessant gefunden. Die kam mir teilweise auch sehr gerissen vor.

        Gefällt 1 Person

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