Projekt TXT*

Das elfte Wort | 2018 – Nein – Tödliches Campen

Das elfte Wort von Projekt TXT lautet dieses mal NEIN

Diese Geschichte entstieg einem Traum. Und zwar hatte ich einen seltsamen Traum mit einer Schneisse zu einem Bunker in dem Tierspuren zu sehen waren in einem Grauen Sand. So wie ich es beschrieben hatte. Nur die Nebenszenen hatten was mit meiner Arbeit zu tun…Seltsamer Mix. Aber das Bild hat mich verfolgt und so ist diese Story entstanden….Achtung – mal wieder blutig. 


Irgendwie war das eine komische Idee gewesen. Mark wollte unbedingt mal was anderes. Den Uni-Stress mal ablegen und offline gehen. Wir hatten die letzten Monat nur gelernt und Praktika  absolviert. Hausarbeiten und Referate. Wir standen alle kurz vor einem Burn Out.

„Campen. Äch. Neee – warum nicht in irgendeinen tollen Spa? Sich verwöhnen lassen. Massieren, Hot Stone, Klangmuschel?“ Fragte Camille. „Ich brauch was Bodenfestes. Etwas was mich wieder erdet und mir zeigt, dass ich den richtigen Weg eingeschlagen habe. Diese ganze Lernerei und für was? Dass ich noch Jahrelang einem Prof den Kaffee vortragen kann und seine Sekretärin spielen darf?“ Antwortete Mark. „Nein – ich brauche frische Luft, Sonne und Freiheit. Wenn du nicht mitwillst- Wir Männer können auch gut einen Männertrip machen, hä Jungs?“ Im Hintergrund hörte man die Jungs Beifallklatschen. „Siehst du, wir brauchen keine Frauen, geht ihr nur schön ins Spa.“ Meinte er höhnisch.

„Nein – ich will nicht in ein Spa.“ Meinte ich. „Ich brauch auch was Waschechtes. Dreck, Grillen, Bier, Gespenstergeschichten am Lagerfeuer. Für mich kein Spa. Tut mir leid Camille.“ „Pah – na gut, dann wälze ich mich halt in einer Wildschweinkuhle, dann hab ich auch mein Schlammbad.“ Schmollte sie. „Super. Wer kommt noch mit?“ „Ich, Jan, Patrick und Wolle. Bei euch Mädels?“ „Camille, ich, vielleicht bekomme ich noch Maritta und Anita an den Start, die könnten auch mal Abstand gebrauchen. Dann wären wir zu acht. Haben wir so viel Platz?“ „Platz? Wir sind in der freien Natur – wenn die nicht genug Platz für uns hat…..Morgen um acht Uhr geht es los. Seid pünktlich Andrea – und ungeschminkt. Hahaha“. Ich zeigte ihm den Stinkefinger und streckte ihm die Zunge raus.

Bis ich euch die Geschichte weiter berichte, stelle ich uns kurz vor. Wir sind Studenten. Alle aus verschiedenen Bereichen, die sich in einem Kurs – Statistik – treffen. Das ist ein Fach, das nun wirklich keiner braucht. Wie sagte der Prof? Trau keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast. Toll, oder. Das ist auch nicht unbedingt mein stärkstes Fach. Aber wir sind uns alle einig – in der Situation in der wir uns bei unserem Trip befanden, hätte kein Studienzweig etwas gebracht – keiner studierte etwas Brauchbares. Es war BWL, Literatur, Kunst, Rechtswissenschaft dabei. Also nichts was uns hätte retten können. Ich will schnell weiter machen, damit ich zur eigentlichen Story kommen kann.

Also wir waren zu acht. Ich, Andrea, Camille, meine beste Freundin, die leider etwas zu verwöhnt ist. Maritta und Anita kenne ich eigentlich eher aus der Mensa. Wir haben sonst keinen großen Kontakt. Sie gehören eher zu den Jungs. Die Jungs – das sind Mark, den ich echt mag, Jan – kenne ich kaum. Patrick ist einer der netten und Wolle ist ein Schwätzer. Das könnte schon bisschen anstrengend werden. Aber wie Mark schon sagte – die Natur hat genug Platz um sich auch aus dem Weg gehen zu können. Wir trafen uns also am nächsten Tag um acht Uhr. Mehr oder weniger Fit. Steigt mit ein und beobachtet.

Wir fuhren mit zwei Bullis. Mark und Jan hatten sie aufgetrieben. Keine Ahnung wo her. Aber wir hätten alle darin schlafen können. Im Notfall. Aber das hätte ja keiner wissen können, dass tatsächlich einer eintreffen würde.

Wir waren krass drauf, für Studenten des digitalen Zeitalters. Für die Anzahl der Tage, die wir nicht festgelegt hatten, ließen wir unsere Handys zu Hause. Großer Fehler. Dieser Offlinewahn, den Mark predigte kostete einige Leben. Vielleicht hätte es anders ausgehen können, wenn wir ein SOS hätten los schicken können.

„Hei – mach mal passende Musik – Beach Boys oder so, etwas für die Stimmung.“ Blökte Maritta von hinten. Mark fuhr den ersten Bus. Der zweite Bus wurde von Jan gefahren. „Wo wollen wir eigentlich hin?“ Fragte ich Mark. „Noch haben wir kein Ziel. Es sind Ferien und wir sind ungebunden. Wir fahren bis es dunkel wird. Dann werden wir uns ein Plätzchen suchen.“ Ich ließ mich hinten auf die Bank nieder und schnappte mir ein Buch. Endlich mal wieder einen Roman lesen – das vergisst man während der Uni-Zeit total. Ich war ziemlich vertieft als der Bus zum Stehen kam. „Pinkelpause, Leute und vielleicht eine Kleinigkeit essen.“ Ich streckte mich – meine Muskeln waren etwas eingeschlafen, ich genoss es endlich mal auszusteigen. Wir waren auf einem Rastplatz. Es war überhaupt nichts los. Wo waren wir? „Ich weiß nicht. Jan hat mich vorhin überholt und ich bin ihm einfach nachgefahren. Kein Plan, wo wir hier sind. Aber es ist ziemlich abgelegen.“ Das sah ich. Aber das war ok. Einsamkeit war ja das was wir suchten.

Nach paar Minuten Pause fuhren wir weiter. Bis es dämmerte. Mark fuhr auf einer Schotterpiste hinter Jan her. Bestimmt eine halbe Stunde später kamen wir dann zum Halten. „Wir sind da – hier wird heute geschlafen.“ Ich stieg aus. Es war noch hell genug um sich etwas umzuschauen. Es war ein seltsamer Ort. „Wo sind wir hier, Jan?“ „Ich weiß nicht, ich glaub hier hatten die Amis früher ihren Truppenübungsplatz.“ „Na ja, schön ist anders. Sind das da hinten Bunker?“ Wolle drehte sich zu dem von mir gezeigten Platz um. „Ja – das sind Bunker – da können wir uns nachher noch einquartieren. Das wird doch cool. Ein Pfeifchen und dann in einem gruseligen Bunker die Nacht verbringen – ultimativer Kick.“ „Nein Danke.“ Meinte Camille – da hab ich ja mal gar kein Bock drauf.“ „Komm sei kein Frosch.“ Sagte Mark. Und ich kleines verliebtes Huhn nickte wie eins. „Ja Camille, komm, das wird bestimmt lustig.“ Sie blickte mich bittend an. Ich wusste, dass sie eigentlich ungerne in dunkle geschlossene Räume geht. Und es war wohl kaum davon auszugehen, dass es dort Fenster gab. Aber da sie mir vertraute, stimmte sie zu.

Am nächsten Tag starteten wir gemütlich. Wir erkundeten das Gebiet. Es war schon aufregend. Wir fanden alte Schiessstände an denen noch die Ziele hingen – sie waren schon teilweise zerrissen und verrottet, aber die Einschüsse waren gut erkennbar. Dann kamen wir zum Drillplatz. Die Wand – die berühmte, die man immer in den Filmen sah. Ich konnte nicht widerstehen. Ich rannte und klatschte scheiternd an diese besagte Wand. Also ich blamierte mich fürchterlich. Mark nahm Anlauf und überflog sie fast. So kam es mir jeden Falls vor. Ich glaube ich idealisierte ihn ein kleines bisschen. Aber wenigstens scheiterten die anderen Mädels auch. Sogar Wolle scheiterte. Zum Glück.

Wir landeten alle lachend vor der Wand und zogen uns gegenseitig auf. Am späten Nachmittag gingen wir zum Bunker. Eigentlich war mir das auch schon zu spät. Er wirkte schon gruselig. Verfallen, obwohl er aus massiven Platten errichtet war. Irgendwie haftete ihm etwas Unheimliches an. In den Ritzen wuchs Unkraut – aber am Boden war alles frei von Grün. Es führte eine Einfuhrschneise vor ein riesiges Tor. Ich denke, dass dies für Panzer gedacht war. Diese Schneise war mit einer Art grauen Sand ausgestreut. Und in diesem Sand konnte man Tierspuren erkennen. Ich bückte mich und hielt meine Hand dagegen. Sie wirkte klein dagegen. Was für ein Tier war das? „Ich glaube das sind Hundespuren?“ „Nein – das sieht anders aus. Ich glaube das sind Löwenspuren.“ „Löwen, vielleicht hat mal ein Zirkus hier campiert?“ „Vielleicht.“ Murmelte ich. Aber irgendwie sahen mir die Spuren viel zu frisch aus. Jan ging zur Tür runter, ich folgte ihm. Auf dem Absatz befand sich ebenfalls dieser graue Sand und in diesem Sand war ein perfekter Abdruck. Aus dem Bunker heraus. Man konnte es genau erkennen. Wir blickten uns an. „Meinst du hier wurden mal Löwen gehalten?“ „Nein, das macht kein Sinn. Das war bestimmt ein Zirkus.“ Meinte er. Mich schauderte es. „Lass uns zu den anderen zurückgehen Den Bunker können wir auch morgen erkunden. Ich hab keine Lust mehr heute.“ „Ja – geht mir auch so. Lasst uns ein Lagerfeuer machen und was grillen. Ich bekomme Hunger.“ Jan rannte zu den anderen. Ich folgte ihm langsam. Dann blieb ich ruckartig stehen. War da gerade ein Geräusch? Kam aus dem Bunker ein Geräusch. Konnte man da überhaupt etwas hören? Ach, du bildest dir was ein, Andrea. Zuviel Fantasie. Und ich ging etwas schneller zu den anderen, als ich es ursprünglich vorhatte.

Wir hatten einen schönen Abend. Jeder erzählte eine Anekdote aus der Uni. Irgendwelche Fehler, die einem während der Praktika oder Referate passierten – und auch Professoren wurden auseinander genommen. In jedem Fachbereich gab es immer einen, der irgendwie seltsam war. Überheblich oder Schräg.  Es war wirklich sehr amüsant. Wir tranken alle etwas zu viel und als es Zeit wurde sich in die Zelte zurückzuziehen, gab es einige Zusammenschlüsse.  Camille ließ sich von Jan entführen. Maritta  ging mit Patrick. Nur ich, Mark, Wolle und Anita blieben zurück. Ich blickte schüchtern zu Mark. Ich hätte nichts dagegen – aber so richtig wollte ich auch nicht. Nein – das wäre mir doch zu schnell – also sprang ich auf und wollte schnell in mein Zelt. Aber ich hatte doch bisschen zu viel getrunken und schwankte stark. Mark sprang schnell auf um mich zu halten. „Geht es?“ „Mhm – ja danke.“ Murmelte ich. Er ließ mich trotzdem nicht los und brachte mich zu meinem Zelt. „Gute Nacht, Andrea.“ Meinte er und drückte mir einen Kuss auf die Wange. Ich fühlte mich wie ein Teenager – meine Hand wanderte auf die geküsste Stelle und ich wurde rot und glücklich. Er mochte mich.

Ich zuckte zusammen – da war wieder das seltsame Geräusch, das ich am Bunker gehört hatte. Ich drehte mich einmal schnell um mich herum und versuchte den Schwindel zu ignorieren. Schnell schlüpfte ich in mein Zelt. Schloss den Reisverschluss und schlüpfte in meinem Schlafsack. Jetzt wäre ich froh, Mark wäre mit in mein Zelt geschlüpft. Ich hatte bisschen Angst alleine. Ich rollte mich zusammen und versuchte mit zusammengekniffenen Augen einzuschlafen.

Es gelang – ich schlief ein – aber ein Geräusch weckte mich – oder war es meine Blase – ich konnte es nicht nachvollziehen. Aber definitiv – meine Blase war voll. Bier. Ja Bier trieb – das hätte ich wohl doch vorher bedenken sollen. Ich überlegte wie lange ich es wohl aushalten würde. Ich kam zu dem Schluss – nicht lange. Vorsichtig befreite ich mich aus dem Schlafsack und zog leise den Reisverschluss des Zeltes auf. Ich lauschte. Ich hörte meine Ohren rauschen. War das mein Blut?

Ich griff nach der Taschenlampe, die ich am Eingang deponiert hatte. Ich schaltete sie an und leuchtete durch die Gegend – im Dunkeln wirkte das hier so unheimlich, das ich wirklich noch mal überlegte, ob ich wirklich herausmusste. Aber es half nichts – ich musste. Leise schlich ich an den Rand der Zelte – ich wollte einfach nicht zu weit weg gehen – mir egal, dass ich fast in unser Camp pinkelte. Scham war in meinen Augen nicht wichtig.

Da – schon wieder – ein Geräusch. Während ich immer noch in gebückter Haltung verharrte, hörte ich was. Ein Reisverschluss. Ich atmete aus. Ich stand auf und blickte mich um. Patrick kam aus seinem Zelt. Er kratzte sich und blickte sich um. Dann sah er mich. Er winkte und torkelte in die andere Richtung. Da musste wohl noch jemand sein Bier loswerden.

Ich schmunzelte. Und stutze. Ich hörte ein plumpsen. Patrick war wohl umgefallen. Aber ich hörte auch ein wimmern. Dann kam der Schrei. Ich stolperte rückwärts. In den anderen Zelten gingen die Lichter an. Wolle und Mark waren die ersten, die ihre Zelte verliesen. Um das Camp sah ich Schatten. Irgendwas umkreiste unser Camp. Ich rannte wieder zurück. Stellte mich zu Mark und Wolle. Aus den anderen Zelten kamen Jan, Camille, Anita und Maritta. „Was ist hier los.“ Fragte Camille verschlafen. „Geh zurück und zieh dir eine Hose an – hier stimmt was nicht und du wirst gescheite Kleidung brauchen. „Fauchte ich ihr zu.  Sie stand in einem Shirt und Höschen vor mir und blickte mich verständnislos an. Mein Blick musste sie so verunsichern, dass sie schnell ihre Hose und Schuhe aus dem Zelt holten und sich anzog. Dann nahm ich sie bei der Hand. Ich wollte sie nicht loslassen. Sie war in diesem Moment mein Anker. Die Männer hatten sich zusammengestellt und blickten noch leicht betrunken aus dem Kreis heraus und versuchten etwas zu erkennen. Ich war die einzige mit einer Taschenlampe. Ich versuchte zu leuchten – aber  der Lichtkegel war nicht stark genug. Er ging nicht bis hinter die Zelte. Immer noch konnten wir nur Schatten erkennen.

Wieder hörten wir den Schrei – dann wurde aus dem Schrei ein gurgeln und dann Stille.

Maritta und Anita fingen an zu wimmern. Ich merkte, dass auch Camille anfangen wollte. „Reis dich zusammen – wir brauchen unsere Konzentration. Lass das die anderen beiden erledigen. Das hier ist nicht nur ein Fake – hier ist irgendwas Tödliches. Und ich glaube ich weiß auch was, oder denke es.“ Ich ging zu Jan. „Jan – kannst du dich an die Spuren am Bunker erinnern? Ich glaube da lebt noch was drinnen, das hier um uns herum läuft.“ „Was? Meinst du Löwen?“ „Ja.“ „Du spinnst doch. Wo sollen die denn herkommen?“ „Aus dem Bunker, du Idiot. Wir sind auf Militärgelände der Amis. Wir wissen doch, dass die immer Experimente durchgeführt haben.“ „Oder irgendein Zirkus hat seine Tiere hier entsorgt, dann sind das altersschwache Viecher.“ „Ich weiß nicht.“ „Doch bestimmt. Nur alte Tiere greifen Menschen an.“ Ich zweifelte immer noch, als Mark zu uns kam. „Was ist los?“ Ich unterrichtete ihn über unseren Fund und unsere Theorien.

„Löwen? Ich weiß nicht. Das klingt bisschen zu sehr nach Hollywood.“ „Na klar, die Amis waren ja auch hier.“ Erwähnte ich bisschen angesäuert, weil er mir nicht glauben wollte. Was sonst hatte wohl Patrick erledigt? „Wie kommst du drauf, dass Patrick tot ist? Vielleicht ist er nur unglücklich gestürzt und hat sich den Schädel in seinem Suffkopf angehauen?“ Das war natürlich auch eine Option. Aber ich glaubte nicht dran. „Und was schleicht um das Camp?“ „Füchse? Wildschweine? Was weiß ich?“

„Ach.“ Meinte ich mit einer wegwerfenden Handbewegung. Ich stand auf und ging zu Camille. „Hör zu. Hier stimmt was nicht. Wir müssen zusammen bleiben. „ Sie blickte mich verunsichert an und schaute zu den Männern. „Sollten wir nicht zu ihnen gehen? Sie können vielleicht helfen – sie sind immerhin stärker als wir.“ Ich blickte mich ärgerlich zu den beiden Männern um. „Nein, die glauben mir nicht. Aber wir werden angegriffen.“ „Andrea – ich weiß, dass du immer gleich das Schlimmste annimmst – aber vielleicht ist es auch nur der Alkohol, der aus dir spricht?“ Mein Kopf ruckte zu ihr um. Meine beste Freundin hielt mich für überzogen? Ich war  vorsichtig. Vielleicht zu misstrauisch – aber nicht hysterisch. Im Gegenteil. Ich war die Ruhe selbst. Ich krabbelte in mein Zelt und wühlte in meinem Rucksack. Ein Messer – wo war mein Messer. Ich ging nie ohne Messer aus dem Haus. Ok – das klang jetzt doch bisschen hysterisch – aber Leute – die Situation in unserem Land ist nicht ohne – da kann Frau auch mal ein Messer zum Selbstschutz haben, oder? Ah hier – und das Pfefferspray war auch da. Wie gut – es war ja zur Tierabwehr. Sonst durften sie es ja nicht verkaufen. Passt doch.

Während ich im Zelt wühlte, hörte ich erneut Schreie. Eine Frau – schnell schälte ich mich wieder raus. „Camille?“ „Ich bin hier – ich weiß nicht wer das war. Maritta oder Anita – ich kenn ihre Stimmen noch nicht. Ich spurtete in die Richtung aus der der Schrei kam. Da stand Maritta. Sie hatte die Arme um sich geschlungen und war in die Hocke gegangen. Sie wippte aufgewühlt vor und zurück. „Maritta, Maritta? Was ist los?“ schrie ich sie an. Sie reagierte nicht. Ich knipste die Lampe an und leuchtete nach vorne. Da – eine Spur – der Boden war aufgewühlt. Und eine Schleifspur verlies den Platz. Ich rannte hin – in der einen Hand das Messer, in der anderen die Lampe und verfluchte mich, dass ich nicht an die Stirnlampe gedacht hatte. Blut – die Schleifspur war voll Blut. Und dort? Ich musste würgen. Im Staub lag ein Arm. Ein Frauenarm. Die Männer kamen angerannt. Jan, Wolle und Mark. Ich deutete aufgeregt auf die Stelle mit dem Arm. „Ein Fuchs? Ein Wildschwein? Machen die so was? Ich glaube kaum. Das hier war ein Raubtier. Und kein kleines?“ „Vielleicht ein Wolf?“ Meinte Mark. „Nein, das glaube ich nicht – schau dir die Spuren an – das sind keine Wolfsspuren. Die sehen anders aus. Da kann man keine Krallen im Abdruck sehen. Das hier sind nur Fußballen. Ich sage euch, das sind Löwen. Hört mir doch zu.“ Alle blickten mich entgeistert an. Ich nahm einen Schatten von rechts wahr. Bevor ich eine Warnung ausrufen konnte, sprang der Schatten. Im Sprung schnappte er sich Wolle. Dieser Löwe war riesig. Das war doch kein normaler Löwe. Die anderen drehten sich schnell um und schnappten nach Luft. Sofort gerieten sie in Panik. „Wartet, wartet. „ Schrie ich. Bleibt doch zusammen. Sonst…“ und schon hörte ich den nächsten Schrei. Wieder eine Frau. „Camille? Camille?“ „Andrea.“ Hörte ich sie schluchzend schreien. „Ich bin hier – zwischen den Zelten. Was war das. Ich….Ahhhh“ Mir gefror das Blut. Irgendwas hatte Camille angegriffen. Ich rannte zu der Stelle, die sie mir genannt hatte. Dort lag sie. Sie hatten sie nicht mitgenommen. Warum? Aber da sah ich ihn – ein majestätisches Tier. Den Namen König der Tiere hatte er wahrlich verdient. Ich rannte auf ihn zu. Fuchtelte mit den Armen und schrie. Ich schrie, bis ich fast heiser wurde. Der Löwe blickte mich irritiert an und ließ von Camille ab. Er drehte sich weg und verließ den Platz. Schnell rannte ich zu Camille. „Camille? Camille?“ Ich schüttelte sie sanft. Im Schein der Taschenlampe konnte ich sehen, dass sie eine tiefe Wunde am Oberschenkel hatte. Was ich erkennen konnte,  zum Glück war nicht die Hauptschlagader betroffen, da es zwar heftig, aber nicht sprudeln blutete. Ich zog mein Shirt aus und schnitt es mit dem Messer in Streifen. Schnell machte ich einen unbeholfenen Verband. Dann schnappte ich mir ihren Gürtel und legte noch einen Druckverband an. Ich hoffte das würde die Blutung erst mal stillen. Dann nahm ich sie von hinten unter den Armen und zog sie weiter in den Schatten. Ich wusste nicht, wie ich sie verbergen sollte – aber erst mal weg vom Tatort. Währenddessen schaute ich ob ich Mark oder Jan irgendwo sah. Nichts. Sie hatten uns alleine gelassen. Was Helden. Gut – jeder also für sich. Kein Problem. Das würde ich schaffen, hoffte ich.

Ich startete einen Versuch die verbleibenden Männer zu finden. „Mark? Jan? Wo seid ihr? Camille ist verletzt. Ich könnte eure Hilfe gebrauchen.“ Nichts. Waren sie schon gefressen worden? Hatte ich ihre Schreie überhört, da ich mit Camille beschäftigt war? Ich wusste es nicht. Camille war ohnmächtig. Das war nicht gut. Besser wäre es, sie könnte laut schreien um die Löwen zu verunsichern. Ich musste sie ins Auto bringen. Da wäre sie sicher. Wieder schnappte ich sie unter den Armen. Ich zog sie rückwärts Richtung Auto. Sie stöhnte, ich stöhnte. Ich blieb stehen und lauschte. Nichts. Sie machten keine Geräusche beim Jagen. Da, da war eins der Autos. „Bitte, bitte sein nicht abgeschlossen.“ Betete ich. Ich kam an die Tür, zog am Türgriff – zu. „Warum? Warum habt ihr hier draußen denn abgeschlossen? Wer soll denn das Auto klauen, ihr Idioten.“ Schrie ich verzweifelt. Ich ließ Camille liegen und rannte ums Auto herum. Vielleicht war eine der anderen Türen offen? Nein. Wo war das andere Auto? Ah, da. Schnell rannte ich hinüber. Auf halben Weg spürte ich ihn. Einer der Löwen stürmte auf mich zu. Ich blieb stehen. Ich drehte mich zu ihm. Auf einmal wurde ich ganz ruhig. Alles kam mir wie in Zeitlupe vor. Ich erkannte wie der Löwe zum Sprung ansetzte. Ich hob meinen Arm, machte eine Faust und schlug zu. Ich traf. Ich traf! Ich war überraschter als der Löwe. Ich hatte ihn mitten auf die Stirn getroffen. Zwischen den Augen. Er schüttelte den Kopf und entfernte sich von mir. Fragt nicht, ich konnte meine Hand nicht mehr spüren. Sie war taub – war sie noch da, oder hatte er sie abgebissen? Ich konnte es nicht sagen. Kurz danach setzte der Schmerz ein. Ich glaube, ich hatte mir was gebrochen, aber egal. Erst mal konnte ich zum anderen Auto weiter sprinten. Auch hier versuchte ich alle Türen. Auch alle abgeschlossen. Das konnte doch nicht wahr sein. Ich drehte mich zu Camille um. Was sollte ich nur machen? Ich stand zwischen den beiden Autos und wusste nicht weiter.  Wenn ich die Scheiben einschlug, wäre es kein Schutz mehr –Kurzschließen konnte ich nicht – ich brauchte also sowieso einen Schlüssel. Ich musste einen der Männer finden. Mark oder Jan, das war mir gerade egal. Tod oder Lebendig, war mir auch egal. Sie hatten uns schließlich im Stich gelassen. Ich ging zurück zu Camille. Ich zog sie unter das Auto. Es war ein Versuch. Die Löwen konnten sie erreichen, aber nicht ohne Schwierigkeit. Das war erst mal das wichtigste.

Ich schlich mich in die Richtung der Zelte. Am liebsten hätte ich den Atem angehalten. Ich konnte mich laut atmen hören und mein Herz schlug wie ein Schlagzeug. Für die Löwen musste ich aussehen wie ein phosphoreszierendes Fresschen. Ich war mir sicher, dass ich auch hätte normal laufen können. Denn die Löwen sahen und hörten mich. Da hatten sie mir einiges voraus. Ich konnte nämlich keinen von ihnen entdecken. Dann hörte ich Schritte. Mark. Ich konnte ihn sehen, er kauerte sich hinter das Zelt von Maritta. Und daneben kniete Jan. Ich atmete auf. Sie waren doch noch da. Ich winkte ihnen. Sie winkten zurück. Ich rannte geduckt zu ihnen, und kam mir total lächerlich vor. Die Löwen spielten Katz und Maus mit uns. „Hei, warum habt ihr Idioten die Autos abgeschlossen?“ „Gewohnheit.“ Meinte Mark. „Camille ist schwer verletzt. Ich will sie im Auto in Sicherheit bringen. Gebt mir einen Schlüssel.“ Die beiden schauten sich an. Ich konnte gerade erkennen, wie der Groschen fiel. Die Autos. Nicht zu fassen, dass sie nicht selbst drauf gekommen waren. „Gebt mir einen Schlüssel.“ Forderte ich. Ich hatte etwas beängstigendes im Auge der beiden aufblitzen sehen. Sie würden uns hier lassen. Ich konnte es erkennen. Fast riechen. „Jan! Gib mir den Schlüssel.“ Ich stand vor ihm und hatte das Messer in der Hand. Er blickte mich nicht mal an. Und dann sprangen die beiden auf und rannten los. Ich fluchte und hängte mich an ihre Fersen. Aber ich war viel zu langsam. Nein, nein, nein. Sie durften nicht an die Autos kommen. „Jan! Mark! Bitte. Lasst uns nicht im Stich. Gebt uns eine Chance, lass den Schlüssel da.“ Rief ich verzweifelt.

Ich hörte ein Schnaufen hinter mir. Ich blieb sofort stehen. Drehte mich um und blickte in die Augen des nächsten Angreifers.  Ein wunderschönes Tier mit prächtiger Mähne stand mir genau gegenüber. Ich tastete in meiner Hosentasche nach meinem Pfefferspray. Langsam zog ich es hervor. Langsam hob ich meinen Arm und drückte das Spray. Ich erinnerte mich an die Infos und schloss sofort meine Augen, um nicht selbst was davon abzubekommen. Ich hörte das schmerzvolle und wütende Gebrüll des Löwen. Noch immer mit geschlossenen Augen, warf ich mich zu Boden und rollte mich weg. Im Hintergrund hörte ich wie die Männer sich anbrüllten. „Schnell, Mark schließe die scheiss Tür auf. Mach schon, komm gib her.“ Dann hörte ich ein Gerangel und ein klimpern. Der Schlüssel war auf den Boden gefallen. Ich konnte eine gewisse Genugtuung nicht verhindern. Hektisch fielen die beiden über den Schlüssel her und behinderten sich gegenseitig. Sie bemerkten nicht, wie sie dabei umzingelt wurden. Erst Mark hörte auf sich um den Schlüssel zu bemühen. Während Jan ihn beiseite schubste um den Schlüssel aufzuheben, hatte Mark schon registriert, dass sie keine Chance mehr hatten. In dem Moment, als Jan versuchte den Schlüssel aus dem Bund zu entwirren, stürzten die Löwen auf sie zu. Mark sprang auf und versuchte zu flüchten. Aber er hatte keine Chance. Auf seinem Rücken landete ein mächtiger Löwe. Er begrub Mark unter sich, und ich konnte nur noch die Angst und Hilflosigkeit in seinen Augen erkennen. Jan kämpfte noch und schlug sich tapfer – aber er hatte keine Chance. Er wurde regelrecht zerfetzt. Ich wendete meinen Blick ab. Jetzt lag es an mir. Ich brauchte immer noch den Schlüssel.

Camille lag noch unter dem Fahrzeug. Direkt neben ihr wurden die beiden Männer gefressen. Ich war froh, dass sie ohnmächtig war. Es war ein grausames Bild und die Geräusche waren eklig. Wenn ich nicht gerade unter Adrenalin stehen würde, wäre ich zusammengebrochen. Aber das konnte ich mir nicht erlauben. Ich wollte überleben. Ich musste also abwarten, bis die Löwen fertig waren. Ich drehte mich um. Langsam entfernte ich mich von diesem grausamen Szenario. Sollte ich zu dem Bunker gehen. War ich da sicher, gab es da irgendwas zur Abwehr? Ich könnte mir vorstellen, dass dort Waffen wären. Aber ich konnte eh nicht schießen. Und wer weiß, wie viel Löwen dort noch drin waren. Nein. Jetzt wünschte ich, wir hätten die Handys nicht zu Hause gelassen. Ich zog mich in den Schatten der Bäume zurück und wartete. Ich beobachtete. Am Rande der fressenden Gruppe konnte ich einen weiteren Löwen erkennen. Er war grösser als die anderen, und die waren schon wirklich groß. Er beobachtete. Er überblickte die Gegend. Und dann sah er mich. Ein Brüllen entwich ihm und sein Rudel hörte auf zu fressen. Ich beobachtete ebenfalls. Ich konnte Signale erkennen, die die Löwen untereinander gaben. Das waren doch keine normalen Löwen. Einer der Kleineren löste sich von der Gruppe. Erst ging er langsam in meine Richtung. Ich konnte sehen, wie der Große die Situation beobachtete. Der Kleine blieb langsam. Er trotte auf mich zu. Es wirkte fast spielerisch. Bis kurz vor mir, dann sprintete er auf mich zu. Ich sprang auf, zog mein Messer und trat mit meinem Fuß erst mal in seine Richtung. Ich traf ihn an der Brust. Ein Röcheln entwich ihm. Ich zögerte nicht und stürzte mich mit dem Messer auf ihn. Ich stach auf ihn ein, wie benommen. Ich stach, stach und stach. Das Tier brach zusammen und war tot. Schon kam der nächste auf mich zu. Ich rannte auf ihn zu. Schrie und fuchtelte mit meinen Armen. Er blickte mich verunsichert an. Aber im Hintergrund ging ein leichtes brüllen von dem Großen aus. Und der Löwe stürzte sich mir entgegen. Ich ließ mich fallen. Ich schlitterte unter ihn, mit gezogenem Messer. Seine Gedärme landeten warm dampfend auf mir. Wenn ich Zeit gehabt hätte zu denken, hätte ich mich übergeben. Aber Zeit war Luxus. Denn schon stand der nächste Löwe mir gegenüber. Ich war noch immer aufgepumpt mit Adrenalin und zögerte nicht lange. Mit einem lauten Schrei stürzte ich mich ihm entgegen. Er sprang auf mich zu und landete schwer auf mir. Meine Luft entwich. Ich hatte das Gefühl zu ersticken. Sein Gewicht auf mir war kaum zu ertragen. Er bräuchte mich gar nicht zu zerfleischen. Wenn er auf mir liegen bleiben würde, wäre ich in wenigen Minuten erstickt. Zum Glück war meine Messerhand frei. Ich versuchte sie anzuheben. Was nicht leicht war – aber ich schaffte es und stach zu. Nicht tödlich, aber es war ausreichend um ihn von mir herunter zu treiben. Schnell setzte ich mich und robbte rückwärts von ihm weg. Er brüllte wütend und stürmte wieder auf mich zu. Ich war noch nicht in der Lage aufzustehen. Ich rollte mich weg und er rannte an mir vorbei. Dann versucht ich mich aufzurichten. Es gelang. Meine Kräfte schwanden. Aber ich gab noch mal alles und stürmte hinter ihm her. Ich warf mich auf seinen Rücken und stach ihm in den Nacken. Das Tier brach sofort zusammen. Ich zog zur Sicherheit noch das Messer über seine Kehle. Er sollte nicht gelähmt leiden.

Ich wunderte mich über diesen Gedanken, konnte aber nicht verweilen. Der nächste Löwe stürzte sich auf mich und biss mir in die Wade. Ich schrie laut auf und trat nach ihm. Zum Glück hatte ich Treckingschuhe an. Sieleisteten mir jetzt gute Dienste. Ich traf ihn an der Schnauze. Die Nase platze auf und blutete. Er jammerte und ich trat weiter zu. Meine Wade schmerzte fürchterlich. Ich spürte mein warmes Blut an meinem Bein entlanglaufen. Der Schmerz entzündete meine Wut. Ich richtete mich auf und umklammerte seinen mächtigen Hals Ich konnte ihn nicht ganz umfassen, deswegen krallte ich mich in seiner Mähne fest. Er versuchte mich abzuschütteln. Aber ich blieb hartnäckig. Ich zog mich an ihm hoch und erwischte sein Ohr. Ich biss zu. Dann spuckte ich ein Teil seines Ohrs aus. Er stieg hoch und erwischte mich mit seinen Tatzen. Er riss mir die Haut am Bauch auf. Ich schrie und lies los. Ich hielt meine Hand auf meine Wunde – drei tiefe Kratzer zogen sich über meinen Körper. Schmerzhaft, aber nicht tödlich. Stark blutend, wurde meine Wut noch mehr angespornte. Ich sammelte meine restliche Kraft und stürmte auf ihn zu. Mein Messer landete seitlich in seinem Hals. Eine Fontäne Blut ergoss sich über meine Hand. Das Tier brach zusammen und riss mein Messer mit sich. Oh nein, mein Messer. Hektisch versuchte ich es aus ihm herauszuziehen. Der Griff war vom Blut ganz glitschig. Ich rutschte ständig ab. Verdammt. Ich zog mein Top aus und umwickelte den Griff. Kräftig zog ich und mit einem eklig schmatzenden Geräusch konnte ich es herausziehen. Ich landete auf meinem Hintern und legte mich hin. Mein Atem ging stoßweise. Ich wollte nicht mehr. Aber Camille brauchte mich, und ich wollte leben.

Ich zog mich langsam zum Auto. Meine Beine waren Wackelpudding. Ich würde nie wieder aufstehen können. Quatsch, Andrea. Reis dich zusammen. Du hast es soweit geschafft. Jetzt wirst du nicht sterben. Steh auf. Ich kniete mich hin. Camille war wach. Sie stöhnte und versuchte unter dem Auto hervor zu kommen. „Camille, bleib unter dem Auto, bitte.“ Schrie ich, dachte ich. Aber mehr als ein Flüstern kam nicht mehr hervor. Ich blickte hoch. Der Große bewegte sich in Richtung meiner Freundin. „NEIN!“ Schrie ich. „NEIN – das kommt nicht in Frage. Lass sie in Ruhe. Komm zu mir, lass sie in Frieden.“ Er blickte zu mir. Ich könnte schwören, dass er lächelte. Er zeigte seine Zähne. Es war einfach beeindruckend. Wenn ich nicht so viel Angst hätte, hätte ich den Anblick bewundern können. Ich stand auf. Wankend versuchte ich mich so schnell wie mir möglich war, zu ihnen zu gelangen. Vor dem Auto brach ich zusammen.

Mit dem Messer in der Hand drohte ich ihm. Seine Schnauze war mit dem Blut meiner Freunde rot verschmiert. Zwischen seinen Zähnen konnte ich Fleischfetzen erkennen. Sein stinkender Atem in meinem Gesicht. Mein Gesicht, verschmiert mit dem Blut seines Rudels. Wir blickten uns fest in die Augen. Mein Messer war stichbereit. Seine Zähne waren bereit zuzubeißen. Auge in Auge, blutverschmiert sahen wir uns an. Ich konnte so was wie Respekt in seinen Augen erkennen. Er brüllte mich an. Meine Haare, wenn sie nicht vom Blut nass gewesen wären, hätten sich wie in einem Sturm nach hinten gelegt. Ich öffnete meinen Mund und brüllte zurück. Er legte den Kopf schräg. Schnupperte, schaute mir tief in die Augen, trat drei Schritte zurück und drehte sich um. Er ging hoheitsvoll weg. Ohne sich umzublicken, bewegte er sich in Richtung des Bunkers. Er verschonte mich und Camille. Hatte er Respekt vor mir als Kämpferin? Oder hatte er einfach kein Interesse mehr, weil er satt war? Ich wusste es nicht.

Ich robbte schnell zu dem blutigen Haufen von Jan und Mark. Es war widerlich, aber ich brauchte den Schlüssel. Ich wühlte mich durch Gedärme und Haut und fühlte dann das kühle Metall. Der Schlüssel.

Ich schluchzte. Schnell versuchte ich zum Auto zu gelangen. Ich steckte den Schüssel ins Schloss und er passte. Ein kleines Stoßgebet gen Himmel schickend, lief ich zu Camille. „Camille, wir haben es geschafft. Wir haben überlebt. Komm, Steh auf – versuch es. Du musst schnell ins Auto.“ Sie stöhnte. „Andrea, ich kann nicht…“ „Doch, streng dich an. Hilf mir. Bitte.“ Ich würde bald zusammenbrechen. Sie musste mir einfach helfen. Ich merkte wie ein Ruck durch sie ging. Sie versuchte aufzustehen. Ich stütze sie. Dann half ich ihr ins Auto. Schlug die Tür zu und atmete durch. Ich hatte es geschafft. Ich hangelte mich an der Motorhaube entlang auf die Fahrerseite. Das Schloss klickte, und ich öffnete die Tür. Bevor ich einstieg, blickte ich zum Bunker. Die Sonne ging auf und auf einem Hügel konnte ich den König der Tiere sehen. Er saß dort. Um seine Füße wuselten kleine Löwen herum. Die nächste Generation Killermaschinen. Seine Kulisse vor dem Sonnenaufgang war imposant. Ein Brüllen entwich seiner Kehle. Ich stieg ein, zündete den Motor und fuhr los.

Ich konnte es kaum glauben. Ein Blick in den Spiegel zeigte mir eine andere Andrea. Blutverschmiert mit einer unbekannten härte in den Augen. Ein Blick, den nur Überlebende hatten. Wir hatten überlebt. Aber nicht gewonnen.

ENDE.

 

 

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11 Gedanken zu „Das elfte Wort | 2018 – Nein – Tödliches Campen“

    1. Vielen Dank. Auch zur Heldin. Dieser feine Grad ist manchmal etwas schwierig. Und wenn man dann so im Abenteuer versinkt, gehen die Pferde gerne mal durch.😊😊😋

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  1. Liebe Rina,
    das hast du super spannend geschrieben! Großes Kompliment!
    „Ich robbte schnell zu dem blutigen Haufen von Jan und Mark.“ – Mein Kopfkino ging direkt an!!

    Ich hab die Sache mit diesem Projekt txt. noch nicht ganz gerafft :D

    Viele Grüße, Annie

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    1. Danke schön – ich hoffe, es gibt kein Alptraum.

      Bei Projekt TXT wird monatlich ein Wort bekannt gegeben. Man kann aber jederzeit einsteigen. Du schreibst deine Geschichte und dann gibt es da ein Formular, in dem gibst du deinen Namen, Link und Titel an.
      Der Link zum Formular steht immer unten drunter unter dem Dudenausdruck – unter Punkt 2.

      Liebe Grüsse

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      1. Ich denke nicht :D Ich kann mich nie an meine Träume erinnern ^^

        Ah okay… ja ich schau mir das mal an, es sieht schon sehr interessant aus, mal sehen ob ich dafür Zeit finde. Ich hab schon ein paar Projekte für das nächste Jahr geplant :)

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