Action, Dystopie, Projekt TXT*

Projekt TXT – Das zwölfte Wort – Weihnachten 5 von 8

Weiter geht es mit meiner Geschichte

Hoffen auf ein Weihnachtswunder

Hier findet ihr den Anfang

und HIER die einzelnen Beiträge

  1. Kapitel

Matthew hatte es gut getroffen. Will, der ihn befreit hatte, führte ihn in das Camp von Carl. Dieser war ein guter Führer, der sofort auf Matthew einging. Er sicherte ihm seine Unterstützung bei der Suche nach Mina und Nadja. Mina und Nadja kamen bei dem Hausputz gut voran. Dann hatte Mina einen Alptraum, der sie zwei Jahre zurückführte. Als sie und Nadja gefangen genommen wurden. Sie kamen in ein Camp, das für Frauen die Hölle war.

Matthew hatte sich bei Carl gut eingelebt. Er war gut angenommen worden und brachte sich immer helfend ein. Das war eine gute Gruppe. Jeder half jedem. Aber er konnte nicht entspannen. Er musste immerzu an seine Familie denken, ob sie noch lebten? Mina war alleine mit Nadja. Er hatte sie gut unterrichtet und alle Fluchtpunkte gut bestückt. Aber er musste langsam los sie suchen. Es war schon über ein Jahr her, dass sie getrennt wurden. Bis er alle Punkte abgegangen war, würde nochmal so viel Zeit vergehen. Er musste los.

„Matthew?“ Er blickte sich um. Carl hatte ihn gerufen. „Ja, was gibt es?“ „Komm doch kurz in mein Büro, ich muss was mit dir besprechen.“ Matthew runzelte die Stirn. War irgendwas vorgefallen, hatte sich jemand beschwert? Er schlenderte lässig zu Carl. Klopfte und trat ein. „Ah, schön. Setz dich. Ich hab ein Anliegen.“ „Okay, ist was vorgefallen?“ „Nein, nein. Keine Angst. Aber ich bemerke eine tiefe Unruhe und Unkonzentriertheit. Was ist los?“ Matthew zögerte. „Komm, mittlerweile müsstest du wissen, dass du mir vertrauen kannst, also was ist los, mein Freund“ Die intime Anrede lockerte Matthew etwas auf. „Meine Familie. Ich würde gerne wissen ob meine Frau und Tochter noch leben.“ „Hmm. Wie willst du das rausfinden?“ „Wir haben für die Notsituation verschiedene Fluchtpunkte ausgemacht. Die müsste ich abklappern.“ „Hm. Was hast du vor? Willst du uns verlassen um deine Familie zu suchen? Willst du sie her bringen? Du weißt sie wären willkommen.“ „Ich weiß nicht, vielleicht. Ich will sie auf jeden Fall finden. Ich bin dir so dankbar, dass du mich gerettet hast, aber ich muss wissen ob sie noch leben.“ „Ja, das musst du wohl. Okay. Lass mich etwas überlegen. Ich melde mich bald bei dir, okay?“ Matthew nickte und verließ das Zimmer. Er wanderte unruhig durch die Umgebung. Würde er Mina hier herbringen können? Wie es ihr wohl ergangen war? Er hoffte, sie wäre unbeschadet durch gekommen.

***

Mina ging zu Nadja. Sie schloss sie in die Arme und drehte sie erst mal hin und her. Sie sah gut aus. Die Kleine hängte sich an Minas Hals und weinte. „Mami, können wir hier weg? Ich will hier nicht bleiben. Die Menschen sind böse.“ „Haben sie dir wehgetan?“ Sie schüttelte schluchzend den Kopf. „Aber ich fühle, dass hier böse Menschen sind. Ich fühle mich fremd. Ich bin nicht ich. Du bist nicht du. Wir sind falsch.“ Einzelne Tränen liefen ihre pausbackigen Wangen hinunter. Ihre Augen waren trüb. Das kleine Mädchen war total verängstigt. Mina drückte sie ganz fest und flüsterte ihr ins Ohr. „Hör zu, mein Schatz. Wir werden hier schon weg kommen. Mami wird dafür sorgen. Aber es wird bisschen dauern. Es ist zu gefährlich und ich brauche einen Plan. Wirst du das durchhalten? Für mich?“ Sie nickte schnäuzend. „Das ist mein großes Mädchen. Wir schaffen alles gemeinsam. Wir sind starke Frauen.“ „Hei, Neue. Deine Zeit ist rum. Dein Date wartet auf dich.“ Mina versteifte sich. Vorsichtig drückte sie Mina von sich und streichelte ihr beruhigend über den Kopf. „Wir sehen uns bald wieder. Sei brav und halte dich ruhig. Okay?“ „Ja Mami.“ Mina blinzelte die Tränen weg um Nadja nicht noch mehr zu verängstigen. Sie drehte sich weg und straffte ihre Schultern. Viele Frauen vor ihr hatten dieses Schicksal überstanden. Sie würde es auch schaffen. Für Nadja, für ein Leben, für Matthew.

***

Einen Tag später wurde Matthew wieder zu Carl gerufen. „Matthew, mein Guter. Ich hab mir Gedanken gemacht. Ich merke, dass ich dich nicht halten kann. Das will ich auch nicht. Wir sind alle freiwillig hier. Ich hab mich mit den anderen beraten und wir lassen dich ziehen. Nicht nur das. Wir heißen deine Familie hier willkommen, wenn ihr zurückkommen wollt. Hier werdet ihr immer ein Heim haben.“ Matthew hörte zu und nickte. „Dort in der Ecke haben wir dir einen kleinen Rucksack gepackt. Viel ist es nicht, aber es wird dir am Anfang auf jeden Fall den Weg erleichtern. Ein bisschen Vorräte und paar Waffen.“ „Carl, ich bin gerührt. Das Angebot nehme ich sehr gerne an. Ich werde nie vergelten können, was du mir gegeben hast. Deine Rettung und jetzt das. Ich werde dir ewig dankbar sein und in deiner Schuld stehen.“ Carl winkte ab. „Ach komm, lass nur. Wichtig ist, ihr könnt immer her kommen.“ Matthew nahm Carl in die Arme und sie drückten sich fest. Sie wussten, dass dies wohl ein Abschied für immer sein wird.

Matthew nahm den Rucksack und ging Richtung Ausgang. Seine Kumpels standen Spalier und er verabschiedete sich von jedem. Sie würden ihm fehlen. Aber der Gedanke an seine Familie war ihm wichtiger.

***

Mina betrat den Raum, der ihr zugeordnet wurde. Ein Bett, ein Tisch mit einer Lampe ohne Schirm und ein Stuhl standen darin. Romantisch war anders. Aber das war ja auch kein romantisches Treffen. Sie war sich nicht sicher, wie sie das überstehen sollte. Aber sie würde. Die Tür ging auf und Andreas betrat den Raum. Mina blickte ihn direkt an. Ein unsympathischer Kerl stand vor ihr. Er wirkte schmuddelig und sehr, sehr ungepflegt. Die Haare waren zu lang und strähnig. Ein säuerlicher Geruch ging von ihm aus. Eine Gänsehaut überzog ihre Arme. Seine Zähne waren ungepflegt – ekliger Belag hatte sich darauf abgesetzt. Dementsprechend war auch sein Geruch. Sie erinnerte sich an ihren ersten Hund, als er alt wurde fing er an aus dem Mund zu stinken. Wie eine Kloake. So war es auch bei Andreas. Mina schloss die Augen, schluckte ihren Ekel herunter und atmete tief durch. Sie öffnete die Augen und konnte gerade noch sehen, wie er mit seiner Hand ausholte und sie ins Gesicht schlug. „Nur um schon mal zu klären, wer hier das sagen hat, Schlampe. Wenn du meinst dich irgendwie wehren zu müssen, weißt du was dich erwartet. Klar?“ Sie nickte, während sie sich das Blut von den Lippen wischte. Schon folgte der nächste Schlag. Dann zerrte er sie auf die Beine und zerrte ihr die Klamotten vom Leib. Er schlug ihr in den Magen. Sie stöhnte. Er quetschte ihre Brüste und griff ihr brutal zwischen die Beine. Am Anfang hielt sie sich noch die Hände vor ihre Blöße. Er zerrte weiter an ihr herum. Dann drehte er sie um, und hielt sie an sich zu bücken. Das war der Moment, als Mina ihren Geist abschottete. Nur so würde sie das überstehen. Sie blendete den Schmerz und die Schmach aus.

Fünf Minuten später stieß er sie von sich zog die Hose hoch und verließ sie ohne ein weiteres Wort. Mina erwachte aus ihrem Trancezustand. Ihr Körper schmerzte. Sie versuchte sich aufrecht zu halten. Ihr Magen rebellierte und sie musste sich übergeben. Kurz darauf öffnete sich die Tür und Angela betrat den Raum. Sie hüllte sie in einem Morgenmantel und nahm sie mit sich zu den Duschräumen. Dort stand ein Eimer mit heißem Wasser. Mit einem Schwamm schrubbte sie Mina, bis ihre Haut rot war und ihr Schmach erträglich. „Das wird schon. Sobald du schwanger bist, werden sie dich in Ruhe lassen. Du wirst es irgendwann besser ertragen. Man gewöhnt sich an diese ekelhaften Kerle.“ Mina nickte nur, während ihr die Tränen über die Wange liefen. Angela brachte sie in den Gemeinschaftsraum. Manche der Frauen blickten sie mitleidig an, aber die meisten schienen eher, als gönnten sie ihr dieses Treffen. Vorsichtig ließ sie sich auf einen Stuhl nieder. Ein Tablett mit Essen wurde vor sie gestellt. Jemand flüsterte: „Iss, du brauchst die Kraft. Dein Körper muss stark bleiben, wenn du nicht untergehen willst.“ Widerwillig führte sie den Löffel zum Mund. Es war ein undefinierbarer Brei ohne wirklichen Geschmack. Das Einzige, das sie aufrecht hielt, war das Wissen, dass sie Nadja heute noch mal sehen würde.

***

Matthew hatte schon einige der Punkte der Karte abgearbeitet. Er konnte überall sehen, dass Mina und Nadja dort gewesen waren. Sie hatten immer irgendwelche Nachrichten oder Hinweise hinterlassen. Jedes Mal atmete er auf, wenn er ihre Spuren entdeckte. Er war jetzt etwa drei Monate unterwegs. Seine Vorräte waren schon längst aufgebraucht. Das war kein Problem. Er fand immer etwas zu essen, oder jagte sich was. Er war guter Dinge, bis zu dem Tag an dem er den ersten Fluchtpunkt ohne ein Überlebenszeichen antraf. Er betrat die Gruft und sah sein angelegtes Versteck für die Vorräte. In ihm wuchs die Angst. Sie waren nicht hier angekommen. Mittlerweile war er schon sechs Monate unterwegs. Hier verlor sich ihre Spur. Waren sie noch am Leben? Wurden sie erwischt und wie er in ein Camp entführt. Ihm blieb nichts anderes übrig sich in der Umgebung umzuschauen. Wenn sie gekidnappt wurden, dann war das Lager bestimmt nicht weit weg. Nach einigen Wochen des Suchens, stieß er tatsächlich auf ein Lager. Einige Zeit beobachtete er es, konnte aber nie Mina sehen. Ob sie wohl dort gefangen gehalten wurde?

***

Mina wurde nicht schwanger. Sie war einerseits froh darüber, da sie ihr Kind niemals hergegeben hätte. Anderseits wurde sie regelmäßig weiter missbraucht. Nachdem Andreas sein Interesse an ihr verlor, schickten sie immer wieder andere Männer rein. Sie merkte sich noch nicht mal mehr die Gesichter. Sie ließ alles über sich ergehen, und da sie regungslos war, wurde sie auch kaum noch geschlagen. Nun kam aber die Zeit – sie war jetzt etwa achtzehn Monate in dem Camp – dass sie einfach nicht mehr konnte. Außerdem hatte sie die Männer beobachtet. Nadja war jetzt fünf Jahre. Noch weit entfernt eine junge Frau zu werden, aber trotzdem lechzten die Männer schon nach ihrem jungen Körper. Sie musste weg. Ihr war auch zu Ohren gekommen, dass sie Nadja in das andere Camp schaffen wollten, damit sie endlich die Erziehung genoss, die allen Kindern gegeben wurde. In der Zeit, in der sie hier lebte, hatte sie sich die Umgebung und die Gewohnheiten angeschaut und gemerkt. Einmal die Woche gab es Transporte. Soweit sie das sehen konnte, wurde einfach alles rein, oder raus gefahren. Es kamen entweder Lebensmittel, neue Frauen, die irgendwo entdeckt wurden, oder auch Gegenstände. Ebenso gab es Exporte. Lebensmittel, die von den Frauen geerntet und verarbeite wurden. Kinder. Auch Frauen hatte sie schon gesehen. Sie wusste, dass die Frauen, die untauglich waren verstoßen wurden. Sie konnte das spielen, aber was würde aus Nadja werden?

Sie saß, tief in Gedanken versunken in einer Ecke. In ihrer Hand hatte sie ein aufgeschlagenes Buch als Angela auf sie zukam. Hinter ihr lief Susanne, die schon wieder schwanger war. „Was beschäftigt dich?“ Fragte Susanne. „Das Buch hast du schon locker dreißig Minuten nicht mehr umgeblättert. Bist du endlich schwanger?“ „Hm? Nein, ich bin nicht schwanger. Es ist nichts.“ „Na dann. Wann ist dein nächstes Date?“ „Ich weiß nicht. Ich bin nicht mehr so gefragt. Zum Glück.“ Angela beobachtete sie still. „Na, vielleicht wenn du jetzt mehr Ruhe hast, dann klappt es mit der Schwangerschaft. Wir wissen ja, dass du es kannst.“ Sie deutete auf Nadja, die in der Ecke mit einem Malbuch saß. Minas Blick wurde weich, als sie auf ihre Tochter schaute. Angela beobachtete sie. „Susanne – musst du nicht zum Doc, zum Checkup?“ „Ach, verdammt. Gut dass du es sagst, das hätte ich fast vergessen. Tüdelü.“ Sie winkte zum Abschied. „Was geht dir wirklich durch den Kopf?“ Angela war eine gute Freundin geworden. Sie vertraute ihr zu hundert Prozent. „Ich muss weg hier.“ Sie erzählte Angela von ihrem Verdacht der Männer gegenüber Nadja. Angela schaute ernst und runzelte die Stirn. „Ist da noch was anderes?“ „Was meinst du?“ „Ach nichts. Hör zu. Ich überleg mir was. Wir treffen uns morgen zur selben Zeit wieder hier.“

Am nächsten Tag trafen sich Angela und Mina wie besprochen. „Mina, wie geht es dir?“ „Ich weiß nicht, sehr schlapp und müde. Ich brauch mal eine Auszeit vom „Arbeiten“.“ Sagte sie sarkastisch. „Hm.“ Machte Angela und blickte Mina skeptisch an. „Gut, hör zu. Ich hab vielleicht eine Möglichkeit wie du  verschwinden kannst. Es wird nicht leicht. Es kann gefährlich werden. Und wir könnten unser Leben verlieren.“ „Ist das hier ein lebenswertes Dasein? Dann sterbe ich lieber bei dem Versuch hier zu entkommen, als weiterhin als Matratze zu dienen. Ich werde eh nicht schwanger. Mein Körper weigert sich.“ „Ja – und das wird auch unser Ansatzpunkt. Ich werde versuchen Walt zu beeinflussen, dass du nutzlos bist. Nur ein weiteres Maul zu stopfen. Du weißt, dass die Frauen dann ausgesetzt werden. Aber diese Frauen sind meist schon zu schwach und gebrochen. Die schaffen es wohl kaum. Aber du bist noch stark. Du kannst es schaffen.“ Mina nickte nachdenklich. „Was ist mit Nadja?“ Angela senkte betroffen den Kopf. „Ich weiß nicht. Das wird wohl nichts werden. Sie ist noch nützlich.“

Mina schüttelte ihren Kopf. „Du weißt, dass ich sie nicht hier lassen werde. Eher werde ich uns beide töten. Sie wird das hier nie erleben. Ich schwöre es dir.“ Sie lief aufgeregt hin und her. Der Wahnsinn blitzte aus ihren Augen. Angela sah, den Ernst dahinter. Sie wusste, dass Mina nicht zögern würde. Sie würde eher ihre Tochter töten, als sie diesen Tieren von Männern zu überlassen. „Gut, hör zu. Wir machen es so.“ Sie zog Mina in den Schatten. „Es wird bisschen dauern. Aber ich kann Walt vielleicht überzeugen, dass Nadja endlich in die Erziehung gehört. Sie würde trotzig werden. Es wird einiges kosten, aber wir können einen Wärter dort bestechen. Denen sind die Kinder egal – eins mehr oder weniger. Eine der nutzlos gewordenen Frauen, der ich geholfen habe ist dort. Bei ihr habe ich dadurch noch was gut. Sie wird uns helfen. Ich habe einen geheimen Weg sie zu kontakten. Sie soll Nadja ein Beruhigungsmittel einflössen, so dass sie wie tot schläft. Die dummen Wärter kümmert es nicht. Wenn sie einen Gegenwert für ihre Verschwiegenheit bekommen. Sie sind eh vom Alkohol und den Drogen, die Walt ausgibt, degeneriert. Da funktioniert da oben nichts mehr so richtig.“ Sie tippte sich an die Stirn, zur Untermalung ihrer Erklärung. „Okay, und weiter, wie bekomme ich Nadja?“ Angela eröffnete ihren Plan und Mina atmete erleichtert auf. Bald würden sie frei sein. Endlich.

Fortsetzung folgt

Werbeanzeigen

Mit Absenden eines Kommentars erklärst Du Dich einverstanden, dass evtl. personenbezogene Daten (z.B. die IP-Adresse etc.) abgespeichert und für Statistiken von Wordpress weiterverarbeitet werden.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.