Schreibkicks

Schreibkicks – Im Spiegel lauert die Gefahr

Wieder haben wir den 1. und es Schreibkickzeit. Wir besuchen die besondere WG, die ich dank euch gerne beschreiben.

Das Thema für den 1 war dieses Mal – Im Spiegel

Mit dabei waren diesen Monat:

Letztes Mal hat Lissi von ihren Freunden ein besonderes Geschenk bekommen. Sie haben eine Tür geöffnet, durch die Lissi die Welt und die Zeiten bei Nacht durchreisen kann. Dabei geholfen bekommt sie von Littlerock. Ihr Einhorn-Kuschel-Hausschuh. Sie besucht das Jahr 1969 um den Anfang ihres Hauses zu sehen.

Da Lissi dieses Mal von ihren Freunden getrennt ist, wird es etwas dramatischer und auch ein bisschen gruselig.


Oh wow…ich flog mit Littlerock durch die dunkle Welt und er brachte mich zu meinem Haus in 1969. Das musste ungefähr die Zeit gewesen sein, in der Ernestine dieses Haus erstanden hatte und auch nach und nach einrichtete. „So Lissi. Hier kannst du jetzt bleiben solange du willst. Denke dran – das ist die Vergangenheit. Die Dinge sind schon geschehen. Du kannst nicht eingreifen und irgendwas ändern. Du brauchst dir also keine Gedanken um einen Schmetterlingseffekt zu machen. Du kannst nur beobachten. Alles klar?“ Mir war noch bisschen schwindelig, da dieser Zeitsprung schon etwas ungewohnt war. Vergleichbar mit einer Achterbahn im Dunkeln. Abgefahren. „Ah, ja. Da bin ich schon etwas erleichtert. Wer weiß was mich sonst zu Hause erwarten würde. Das Chaos, das jetzt herrscht, reicht mir schon, wer weiß was sonst passieren würde. Beobachten reicht mir schon und vielleicht bisschen lernen.“ „Gut, dann ziehe ich mich mal an deinen Fuß zurück. Wenn du zurück willst, oder wo anders hin musst du nur dran denken.“ Ich nickte und etwas kitzelte mich. Als ich auf meine Füße schaute, waren beide Einhorn-Plüsch-Hausschuhe wieder an ihrem rechtmäßigen Platz. Ich betrachtete das Haus. Es war dunkel, aber ich konnte ganz gut sehen. Ein Rumpeln erklang und ich konnte erkennen, wie ein alter LKW sich die Straße, oder was aussah wie eine zukünftige Straße, zum Haus hochquälte. Im Führerhaus saß eine Frau. Sie war so in den Dreißigern-Vierzigern. Schwer zu schätzen. Ich wusste ja auch gar nicht wie alt Ernestine geworden war.

Ich schaute mich um. Das Haus war in einem schlimmen Zustand, da sah es ja heute noch richtig gut aus. Das Dach war teilweise eingestürzt, die Fenster entweder eingeschmissen, oder stumpf. Die Fassade, da hatte sich nichts geändert, die war immer noch so trist-grau. Der Baumbestand, den würde ich identisch schätzen. Natürlich ohne unseren tollen hauseigenen Weihnachtsbaum, der kam ja erst dieses Weihnachten dazu. Ein alter Reifen, der als Schaukel diente hing an dem Baum direkt vor dem Haus. Also musste es mal Kinder gegeben haben. Der Reifen war heute nicht mehr da. Er bewegte sich. Wild schaukelte er hin und her. Aber es ging kein Wind. Ein Geist! Noch ein Geist? Ich konnte ein Schemen erkennen, aber er zeigte sich nicht deutlich.

Der LKW hielt vor dem Haus, die Frau sprang heraus und ging nach hinten. Sie ließ die Laderampe herunter und aus dem dunklen inneren sprang ein großes Etwas. Frank – oh Frank. Ich wollte zu ihm und ihn begrüßen, als mir einfiel, dass ich ja nur stiller Beobachter war. Leicht enttäuscht beobachtete ich, wie es weiter ging.

„Frank mein lieber, du wirst wohl die meiste Arbeit haben. Die Dinge aus dem LKW müssen erst mal ins Haus, kümmerst du dich drum? Aber bitte, sei vorsichtig. Da sind wirklich wichtige Dinge drin und die dürfen nicht kaputt gehen. Okay?“ „Okay!“ nickte er.

Ernestine ging die Treppe zum Eingang hoch und steckte den Schlüssel, den ich auch heute noch benutzte ins Schloss. Die Tür klemmte. Sie stemmte sich dagegen. Aber nichts tat sich. Frank kam zu ihr und drückte vorsichtig gegen die Tür. Mit einem tiefen Seufzer öffnete sie sich und ein Schwall kalter, muffiger Luft entwich dem Eingang. In diesem Moment hatte der Reifen aufgehört zu schaukeln. Aber es achtete keiner drauf.

Ich hatte mich neben Ernestine gestellt und wir gingen nebeneinander her. Die Eingangshalle war ein wahres Chaos. Durch die kaputten Scheiben war allerlei Blattwerk und Äste hineingeweht worden. Ebenso lagen einige Tierskelette herum. Die Bodenfliessen waren fast schwarz vom Jahre alten Staub und sonstigen Verwitterungen. Ich schlug die Hände vor den Mund. Ach du gute Güte. Wie hatte Ernestine das alles erledigt?

Ernestine trat mit mir wieder an die Luft. „Oh Frank, das wird eine Heidenarbeit werden. Aber ich weiß schon, dass hier bald Unterstützung eintreffen wird. Das wird wunderbar werden. Ich freu mich schon so.“ „Mpf.“ Kam es aus dem LKW. Danach rumpelte eine Kiste heraus. „Frank, pass doch auf. Da sind zerbrechliche Dinge drin.“ „Tschuldige.“ Ernestine zuckte mit den Schultern und lachte. „Schon gut.“

Ich schaute nach oben, da ich eine Bewegung wahrgenommen hatte. Da flog etwas verdammt schnell und akrobatisch über uns weg. „Ah – unsere Unterstützung kommt.“  Ich blickte immer noch nach oben und nahm eine Bewegung am oberen Fenster wahr. Da wo heute mein Zimmer lag. Irgendwas war in dem Haus. Dann wurde ich aber auch schon abgelenkt. Ein starker Windhauch erwischte mich. Oder sagen wir, ich fühlte es in der Erinnerung. Eigentlich spürte ich gar nichts. Trotzdem erschrak ich. Ein kleiner Wirbel landete auf der Eingangsstufe. „Minerva. Meine liebste Freundin. Schön, dass du uns unterstützen willst bei unserem Unterschlupf.“ „Aber nur weil du meine Freundin bist und wir schon so viel erlebt haben. Und, na ja ich brauche auch ein neues Zuhause. Also nicht so uneigennützig.“ Ein tiefes Lachen erklang. Eines das ich schon so gut kannte. Aber nur selten in dessen Genuss kam.

Wieder gingen wir drei hinein. Minerva blickte sich um. „Ist noch jemand bei uns?“ „Nein, nur Frank, bis jetzt.“ „Hm.“ Meinte sie misstrauisch.  Sie schüttelte sich und ging weiter. „Oh wei. Da hast du dir ja eine Bruchbude ans Bein gebunden.“ „Ich hoffte, du wirst das ändern.“ „Das dachte ich mir schon. Nun gut, ich werde aber schon ein bisschen Zeit brauchen. Das ist ganz schön herunter gekommen.“ „Du hast alle Zeit der Welt.“  Die beiden Frauen gingen weiter. Hinter Minerva bemerkte ich schon, dass sich die Bodenfliessen veränderten. Sie erlangten nach und nach ihren heutigen Zustand. Auch die Fenster setzten sich wieder zusammen. Die Sonne schien gerade herein und hinterließ das schöne Muster, das ich so liebte. Das Fenster über der Eingangstür war in einem Mosaik gestaltet. Wenn man es genauer betrachtete konnte es ein Schwanz von einem Pfau sein. Es warf einfach tolle Farben ins Innere.

Ich drehte mich schnell um, da ich schon wieder einen Schatten wahrgenommen hatte. Kaum hatte ich ihn gesehen, zerbarst das Fenster. Ich duckte mich um nicht geschnitten zu werden. Ein Reflex – ich war ja hier unverletzlich. Die Tür schlug zu. Was war das nur? Und dann sah ich es. Nein sie. Amelia. Sie war schon vor allen anderen da? War das ihr Haus? Und warum war sie so wütend?

Ich hatte wohl ein Gespräch mit ihr zu suchen. Da kam Frank in die Aula. Er hatte eine flache, mannshohe Kiste bei sich. Minerva und Ernestine kamen zurück und blickten sich um. „Was ist denn hier passiert? Frank?“ „Nicht ich. Ich draußen.“ Minerva blickte sich um. „Ich glaube wir sind nicht alleine. Ein kleines Problem, darum kümmern wir uns später. Was ist das? Ist es das, was ich befürchte? Wieso hast du es mitgenommen. Wir hätten es zerstören sollen.“ „Ich weiß, aber sie ist doch auch nur eine gequälte Seele. Vielleicht kann irgendwann ihr jemand helfen. Wenn sie drinnen bleibt, kann man sich ganz gut mit ihr unterhalten. Nur wenn irgendein doofer Teenie mal wieder meint sie rufen zu müssen, dann wird sie bisschen, na sagen wir gefährlich?“ „Ein bisschen. Na ich weiß ja nicht. Das ist etwas untertrieben.“

Wovon redeten die beiden nur? Ich folgte Frank auf den Dachboden. Er stellte die Kiste in die hinterste Ecke, in der ich noch nicht war. Es war sehr voll gestellt und schmutzig und dunkel dort. „Frank, stell bitte noch was davor. Man soll es nicht gleich sehen. Ich  muss mir überlegen was wir mit ihr machen. Solange sollte sie erst mal hier bleiben. Ich hoffe, die Schutzmechanismen halten sie dort fest.“ „Sie wird gefunden werden. Du weißt von wem?“ „Ja, wie soll ich sie nur darauf vorbereiten? Minerva?“ „Guck mich nicht an. Das ist deine Aufgabe.“ „Ich werde dann nicht mehr da sein. Ich kann sie nicht schützen. Das müsst ihr dann übernehmen.“ „Ach verdammt. Ich wusste, dass da ein Haken sein würde, wenn ich hier einziehen würde. Du bist hinterlistig.“ „So kannst du das nicht sagen. Nennen wir es, vorbereitet.“ Lachte meine Tante. Ich hätte sie gemocht. Sie war locker und sympathisch. Von wem sprachen sie? Von mir? Was war nur in der Kiste?

Ich hatte genug gesehen. Ich glaube ich sollte langsam wieder nach Hause. Ich könnte ja jederzeit wieder kommen.

Ich dachte an meinen Hausschuh und schon erschien Littlerock vor mir. „Na schon fertig?“ „Ja, ich werde langsam müde und will wieder nach Hause. Es war ein toller Tag, äh tolle Nacht. Aber ich habe noch was zu überprüfen.“ „Gut halte dich fest.“

Minerva und Ernestine standen in der Halle. „Was meinst du, wird sie nach der Kiste suchen?“ „Glaub mir Ernestine, sie wird. Vielleicht ist sie die Richtige der Kleinen zu helfen. Ich werde auf jeden Fall da sein und mein Bestes geben.“ Ernestine klopfte Minerva zuversichtlich auf die Schulter. „Ich weiß meine Liebe, ich weiß.“

**

„Wo bleibt sie denn so lange? „Maulte Amelia. „Will sie denn gar nicht mehr zu uns zurückkommen.“ „Ich würde nicht mehr kommen.“ Brummte Dracula. „Ihr seid so anstrengend, da würde ich lieber unterwegs bleiben.“ Amelia fuhr durch ihn durch. „Hei, lass das. Du bist ja noch kälter als ich.“ „Dann ärgere mich nicht. Sie soll gefälligst wieder kommen. Das sollte doch nur ein kleines Geschenk sein, das sie ab und zu mal entspannen kann. Aber sie muss wieder kommen. Sie muss.“ Amelia stampfte mit ihrem Fuß auf und verschwand im Boden. Kurz darauf tauchte sie dort wieder auf. „Mist, noch nicht mal stampfen kann ich ohne im Boden zu verschwinden. Ihr habt es so gut mit echten Körpern.“

„Du nervst.“ Meinte Richard. „Sie kommt bestimmt wieder. Wir sollten einfach mal nach unten gehen. Ich bekomme Hunger. Frank. Haben wir noch einen kleinen Snack?“ „Ja. „Brummte er. Da hatte sich nichts geändert. Er war heute genauso sprachgewandt und gesprächig wie vor fünfzig Jahren. „Gut, ich hab auch langsam Hunger.“ Meinte Dracula. „Vielleicht gibt es noch ein bisschen Blutpudding für mich.“ „Igitt. Du bist eklig.“ „Was, wieso denn. Ich bin ein Vampir, das ist unsere Nahrung. Sei froh, dass ich Renfield nicht mitgebracht habe. Dann hätten wir wenigstens keine Spinnen und Käfer mehr hier, der hätte sie alle gegessen.“  Amüsiert betrachtete Dracula wie Amelia würgte. „Es reicht – da vergeht einem ja der Appetit.“ Minerva blickte zweifelnd zu Richard. „Das würde dir ganz gut tun. Da zeichnet sich ein kleines Bäuchlein unter deinem Shirt ab. So bisschen Appetitlosigkeit wäre da nicht schlecht.“ „Das sind nur Blähungen.“ „Ja klar.“ Frank stimmte brummend in Minervas Gelächter ein. „Und die kleinen Leckereinen, die Frank backt verschwinden von alleine Nachts. Haben wir vielleicht ja noch einen Bewohner, der sich darüber hermacht. Bestimmt das Orakel.“ Alle lachten und Richard schnaufte empört. „Ihr werdet schon sehen. Das ist kein Bauchansatz.“ Langsam begab sich die Truppe nach unten. Frank setzte einen Topf mit Milch auf und holte die Snacks aus dem Schrank. Dracula verfeinerte seine heiße Schokolade mit einem gehörigen Schuss Blut und löffelte genüsslich seinen roten Pudding. Amelia umkreiste alle und schnüffelte an den leckeren Sachen. Manchmal fuhr sie ihre Zunge aus und leckte dran. „Ahhh.“ „Lass das, das ist eklig.“ „Was denn, ich kann es doch gar nicht berühren, aber es schmeckt so lecker.“ „Wie kannst du was schmecken?“ „Ich kann nichts schmecken, aber ich erinnere mich…hmmmm.“

Ein Plumpsen vom Dachboden ließ die Gruppe verstummen. So schnell, dass man es nicht wahrnahm, verschwand Amelia durch die Decke. „Sie ist wieder da.“ Rief sie immer leiser werdend. Schnell standen die anderen auf und folgten ihr über die Treppe.

Ich stand auf dem Dachboden und Amelia wirbelte um mich herum. „Da bist du ja, da bist du ja wieder. Ich dachte du kommst nicht wieder. Wo warst du?“ „Langsam. Mir wird ja ganz schwindelig.“ Sagte ich und blickte in die Ecke, in der die flache Kiste stand. Hinter den anderen Kisten konnte ich die Ecke erkennen. Die anderen erschienen und ich antwortete. „1969 hier.“ „Uh.“ „Du bleibst schön hier. Ich weiß, dass du hier schon gelebt hast. Ich hab dich gesehen.“ Ich glaube, sie wurde rot. „Darüber will ich bei Gelegenheit mehr erfahren. „Ist nicht so aufregend.“ „Das kann ich ja dann noch entscheiden.“ Aber jetzt will ich erst mal ein kleines Geheimnis meiner Tante lüften. Frank!“ „Hm?“ „Sei doch so lieb und schaff die Kisten, die du damals vor die Flache, dahinten gepackt hast, bei Seite. Ich will doch mal sehen was dahinten drin ist.“ Er schüttelte verneinend den Kopf. „Nö. Soll gefährlich sein.“ „Quatsch.“ „Nö.“ Richard blickt mich fragend an. „Was soll denn da sein?“ „Das weiß ich ja noch nicht. Aber sie haben ein riesiges Geheimnis gemacht. Minerva?“ Minerva drückte sich an den anderen vorbei. „Schätzchen. Willst du das wirklich?“ „Ja, auf jeden Fall.“ „Gut, ich wusste es. Aber höre die Warnung. Sobald der Schutz der Kiste weg ist, wird sie gefährlich, wenn sie jemand anruft. Die letzten fünfzig Jahre war sie nur eine Legende, da sie nicht mehr auftauchte, aber wenn du den Schutz entfernst und kannst ihr nicht helfen, ist sie gefährlich.“ „Wer denn? Wer ist so gefährlich, dass ihr sie hier mitgebracht habt?“ „Mary“. „Mary? Welche Mary?“ „Bloody Mary.“ Mir fiel die Kinnlade herunter. „Die Bloody Mary im Spiegel?“ „Genau die.“ „Verdammt.“ Ein Raunen ging durch die Gruppe. Alle flüsterten vorsichtig ihren Namen. „Bloody Mary.“  Richard meinte dann: „Lass bloß den Schutz dran. Spinnst du, die Kiste öffnen zu wollen?“ Minerva hob ihre Hand. „Es wird nicht anders gehen. Es scheint Lissis Aufgabe zu sein Mary zu helfen.“ Dracula meldete sich. „Bei was helfen?“ „Eine Legende zu bleiben.“

Morphi hatte sich von der Gruppe gelöst und schlurfte langsam in die Richtung der Kiste. Er zog Frank mit sich. „Räum es weg.“ Meinte er und es hörte sich an wie „Räu ee weeg“ Diese Mullbinden. Ich hielt mich zurück – Morphi redete so selten, da musste man ihn einfach mal aufbauen. „Ja, Frank räum es weg. Morphi hat recht.“ Frank blickte zu Minerva. Sie nickte und er verschob die Kisten. Dann standen wir alle vor der unheimlichen Kiste. Richard hatte ein Stemmeisen aufgetrieben und fing schon an die Nägel zu lösen.

Amelia stand vor mir und zitterte leicht. „Bist du dir sicher, dass wir sie im Haus haben wollen. Können wir den Spiegel nicht einfach zerschlagen?“ Minerva antwortete. „Oh nein. Das geht nicht. Im Spiegel ist sie gefangen. Sie kann ihn nur verlassen wenn sie angerufen wird. Also achtet drauf nicht fünf Mal hinter einander ihren Namen zu nennen. Das könnte nicht gut ausgehen für euch.“ „Na toll. Ich bin ja schon tot. Mir kann es ja egal sein, oder?“ „Hm, wer weiß.“ Meinte Minerva, geheimnisvoll. Das war ihre kleine Rache, da Amelia und sie immer mal wieder aneinander gerieten.

Der letzte Nagel fiel. Wir hielten alle die Luft an. Frank hob den Deckel ab. Ein wunder schöner Rahmen erschien. Wunderschöne Verzierungen umgaben das Innere.  Ich trat näher. Richard hielt mich zurück. „Vorsicht.“ Ich nickte. Oben war der Spiegel mit einer Obstschale verziert, die von zwei Löwen gehalten wurden. Die Seiten waren schmucklos und unten waren Efeupflanzen verrankt. Aber der eigentliche Blickfang befand sich im Spiegel.

Eine junge Frau blickte mir entgegen. Sie war farblos. Wirklich farblos. Also Schwarz-Weiß. Und sie blickte mich mit dunklen hasserfüllten Augen an. Ihr Mund war zu einem Schrei verzogen. Ich wollte mir die Hände auf die Ohren drücken. Aber es war nichts zu hören. Ich schaute sie mir an. „Hallo. Mary? Ich bin Lissi.“ Ihre Gesichtszüge entspannten sich. Sie legte ihren Kopf schräg und blickte mich neugierig an. „Und, warum sagst du  mir das? Lass mich raus, dann können wir uns kennen lernen. Sag meinen Namen. Ich war so lange alleine hier drinnen.“ Minerva beobachtete die Szene. Bereit jeder Zeit einzugreifen. „Ach komm. Glaubst du wir kennen die Legenden die um dich Ranken nicht. Ich weiß, dass du heraus kommst um mich zu töten. Aber so spielen wir das nicht. Ich soll dir wohl helfen können. Viellicht lösen wir das Rätsel gemeinsam. Solange solltest du im Spiegel bleiben.“

„Du weißt, dass ich heraus komme wenn mich jemand ruft?“ „Das weiß ich. Aber die Legende hat sich geändert. So leicht bist du nicht mehr heraus zu holen.“ „Sei dir nicht zu sicher, Lissi.“ „Sicher, was ist schon sicher? Du wirst nichts dagegen haben, wenn wir den Deckel darauf machen, dann hast du deine Ruhe. Während wir uns beratschlagen. „Neeein bitte nicht.“ „Das ist zu deinem Besten, glaub mir.“ Frank legte den Deckel wieder auf und Richard befestige ihn mit einem Zugband.

„Was hat sich denn in der Legende geändert?“ Fragte Dracula. „Das erzähle ich euch bei einem leckeren Kakao.“ Schnell verließen wir den Dachboden. Ich war bisschen zittrig. Mary hat mir ganz schön Angst eingeflößt. Aber die anderen sollten das nicht wissen. Ich wollte sie nicht beunruhigen.

„So jetzt erzähle.“ Forderte mich Richard auf. „Ihr wisst ja bestimmt, dass ich ein Horror-Film-Fan bin. Also hab ich auch schon einige Filme über Bloody Mary gesehen. In der wahren Legende heißt es, ihr Name soll fünf Mal gerufen werden. Aber die Filme und Bücher haben mittlerweile verbreitet, dass man sie drei Mal anrufen soll. Also ist das falsch. Deswegen wird sie wohl kaum ausbrechen und Unheil verursachen. Wenn nicht jemand über die Wahrheit stolpert.“ „Das ist aber sehr wackelig.“ „Ich weiß, aber das ist das einzige, das wir haben. Wir sollten also schnellstens herausfinden, wie wir ihr helfen können.“

So saßen wir alle in Gedanken versunken da und nippten an unserem Kakao, während über uns die Gefahr schwebte.

ENDE

Bisher erschienen:

  1. Schreibkicks – die vererbte Zeitkapsel
  2. Schreibkicks – Weihnachstspezial – Die Sache mit dem Rentier
  3. Mach was…mit einer Festtags-Leckerei
  4. Schreibkicks – Märchen der guten Vorsätze
  5. Schreibkicks – Rückkehr der Freunde
  6. Schreibkicks – Die Welt bei Nacht mit einem Hausschuh.
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17 Gedanken zu „Schreibkicks – Im Spiegel lauert die Gefahr“

  1. Die Legende von Bloody Mary finde ich tatsächlich super gruselig, überhaupt alles mit Spiegeln und Horror. Aber die Hausbewohner machen die Stimmung durchaus wieder weg mit ihrer sympathisch chaotischen Art. Dann bin ich mal gespannt, wie sie Mary helfen wollen bzw. ob das überhaupt geht.
    Grüße, Katharina.

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  2. Oh weia – da kann einem wirklich angst und bange werden! Gut, dass ich nicht zu Albträumen neige …
    Eine super spannende Geschichte – nur die Essgewohnheiten der Protgonisten sind ziemlich gewöhnungsbedürftig! Aber vielleicht ja auch nur für mich … **lach**

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  3. Suuuper!!! Hach, ich LIEBE diese Geschichten von Dir!! Und die Idee zum Anfang des Hauses und Ernestines Einzug zu springen finde ich grandios. Und ein Schauder lief mir jedenfalls auch über den Rücken…
    liebe Grüße
    Nicole, die gespannt ist, wie es weitergeht!!

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