writing friday

Writing Friday – Heldin wider Willen am freien Tag

Heute ist schon der letzte Tag für die Juni Aufgaben für den Writing Friday.

  • “Julia wollte das alles nicht, doch nun steckte sie zu tief mit drin.” Wie geht die Geschichte weiter?

Ich hab mich mal bisschen ausgetobt – wehe wenn Julia nicht ihren freien Tag bekommt.


Julia wollte das alles nicht, doch nun steckte sie zu tief mit drin.

Sie saß hinter einem Tisch und überlegte, wie sie überhaupt in diese Situation gelangen konnte. Sie war sich sicher – Schuld war ihr Wecker. Er hatte einfach geklingelt. Julia war fest überzeugt, dass sie ihn den Abend davor ausgestellt hatte.  Es war ihr freier Tag. Aber da sie schon mal wach war, dachte sie, könnte sie diesen Tag auch sinnvoll nutzen. Erst würde sie die nötigen Einkäufe erledigen. Sich ein schönes Frühstück gönnen und dann die liegen gebliebene Hausarbeit machen. Sie hatte nicht vor, mehr als die Hälfte des Tages zu vergeuden. Es war acht Uhr, als die das Haus verließ. Der Einkaufszettel steckte in ihrer Tasche und Geld würde sie jetzt gleich in der Filiale ihres Vertrauens holen. Trotz des unsäglichen Weckers war sie recht gut gelaunt. Die Sonne schien. Es würde ein schöner warmer Tag werden. Sie träumte schon davon sich später auf ihrem Balkon gemütlich zu machen. Einen Eiskaffee in der einen Hand und in der anderen ein gutes Buch. Ach, der freie Tag würde noch schön werden.

Sie ging durch die Tür in die Bank. Es war ungewöhnlich voll. Anscheinend waren um diese Zeit tatsächlich viele Leute unterwegs. Geduldig stellte sie sich an den EC-Automaten um Geld zu ziehen. Die Tür öffnete sich zum unzähligen Male, Julia achtete nicht drauf wer denn überhaupt rein und raus ging. Es interessierte sie nicht das Geringste. Eine ungewöhnliche Bewegung in ihrem Augenwinkel, ließ sie doch aufmerksam werden. Sie drehte den Kopf und blickte in ein Schweinsgesicht. Sie hatte noch keinen Kaffee, fiel ihr in diesem Moment ein. Das wird der Grund sein, warum ich mit einem Schwein in der Bank nichts anfangen kann.

Dann sah Julia sich um. Nicht nur ein Schwein war in der Filiale, nein auch ein überdimensionaler Hamster und ein ganz niedliches Eichhörnchen. Immer noch konnte sie mit diesen Tieren nichts anfangen. Bis die Frau hinter ihr in der Schlange, ihr ins Ohr schrie, und zwar so laut, dass sie befürchtete einen Tinnitus zu bekommen.

„Geht´s noch?“ Blaffte Julia die unbekannte Frau an.

„Ich bekomme ja einen Hörsturz. Was soll denn das?“ Um diese Zeit war Julia für solch ein Getue nicht zu gebrauchen.

„Ein Banküberfall.“ Schluchzte die Frau hinter ihr. Julia blickte sich noch mal um und da konnte sie die Waffen erkennen. Zum Teufel, musste das gerade heute an ihrem freien Tag geschehen? Wie oft kam sie an einem Arbeitstag her. Da hätte sie wenigstens eine gute Ausrede gehabt nicht auf der Arbeit zu erscheinen. So ein Mist. Sollte sie einfach mal nett fragen, ob sie gehen durfte?

„Entschuldigen sie bitte.“ Sie hatte kaum ausgedacht, da meldete sich ihr Mund schon zu Wort. Sie konnte selbst nicht fassen, dass sie tatsächlich das Schweinsgesicht ansprach.

„Entschuldigen sie bitte. Hören sie. Ich hab heute meinen freien Tag und bin nicht so scharf drauf, den mit ihnen und den anderen Kunden zu verbringen. Das verstehen sie doch sicher. Ich gehe mal davon aus, dass sie wissen, wie es als schlecht verdienender Arbeitnehmer ist? Sonst wären sie ja nicht hier, in dieser Situation. Wie wäre es, wenn sie mich nur schnell rausschlüpfen lassen und ich gehe meine Wege. Ich hab noch viel vor, bevor ich mich dann auf den Balkon setzen kann.“

Das Schweinsgesicht kam auf sie zu. Blickte sie ungläubig an und antwortete.

„Na klar Schwester. Wir wissen alle, wie beschissen es doch ist an seinem freien Tag in einem Banküberfall gefangen zu sein. Da werden wir doch mal ein Auge zudrücken und dich rauslassen. Damit du der Polizei dann sagen kannst, wie viel wir sind, wie wir bewaffnet sind und wo wir stehen. Das ist doch kein Problem.“

Julia antwortete: „Ich erkenne Sarkasmus, wirklich –aber meint ihr, die Polizei braucht mich für diese Infos.“ Dabei deutete sie auf die Kameras, die immer noch aktiv waren.

„Da hättet ihr schon früher dran denken sollen.“ Meinte sie und schüttelte ungläubig den Kopf.

Das Schweinsgesicht hob die Waffe – zielte auf die Kamera und schoss. Es war so laut, dass Julia nur noch ein Klingeln im Ohr vernahm. Verdammt – was die Frau mit ihrem Schrei nicht geschafft hatte, hatte dieses Schwein mit dem Schuss geschafft. Ihr Ohr. Erschrocken hatte sie dabei ihre Hände auf die Ohren gedrückt und war in die Hocke gegangen.

„Okay, ich sehe schon, das wird wohl nichts mehr mit meinem freien Tag, nicht wahr?“

„Du bist echt eine Schnellmerkerin, nicht war Blondie?“

„Eigentlich nicht, vor allem wenn ich keinen Kaffee hatte.“

„HALT DIE SCHNAUZE.“

Julia zuckte zusammen. Okay – er hatte wohl auch noch keinen Kaffee. Sie war richtig angesäuert. Das war ihr erster freier Tag seit drei Monaten. Nein, das konnte so nicht enden. Nein, nein, nein.

Das Schweinsgesicht drehte sich um. Julia überlegte angestrengt. Ach was soll´s, dachte sie. Sie erhob sich aus der Hocke und näherte sich ganz langsam von hinten dem bewaffneten Schwein. Die anderen hatten sich schon wieder abgewendet und gaben der Kassiererin die Tasche mit den üblichen Floskeln. Es roch nach Urin. Irgendjemand hatte wohl die Kontrolle über seine Blase verloren. Kein Wunder bei dem rum geballere.

Sie hatte genügend Shooter gespielt um zu wissen was sie zu tun hatte. Leise, leise – sie hatte die Schuhe abgestreift um keine verräterischen Geräusche zu machen. Sie stand hinter dem Kerl. Dann schlug sie mit der Handkante in die Kniekehle. Er knickte stöhnend ein. Fiel aber nicht. Das machte nichts. Er war jetzt in der Höhe, dass Julia ihn von hinten anspringen konnte. Der Griff ihrer Handtasche sollte ihr als Würgeband dienen.  Erst blieb sie mit dem Griff an den Schweinsohren und der vorstehenden Nase hängen – aber der Überraschungsmoment war auf ihrer Seite. Zum Glück waren die anderen mit dem Überfall mehr als beschäftigt, als mitzubekommen, was im Hintergrund lief. Sie saß auf seinen Rücken und der Griff der Handtasche diente als Würgeband. Sie nutzte ihr Gewicht als Hebel um ihn zu würgen. Er zappelte und versuchte sie abzuwerfen. Dabei stieß er den Tisch vor ihnen um. Jetzt bemerkte das Hamstergesicht, dass etwas vorgefallen war.

„Hei, HEI Schlampe, lass ihn los, sonst schieße ich.“

Außer Atem antwortet Julia: „Mach doch, schiess nur, du wirst nur deinen schweinischen Kumpel treffen.“ Der Hamster schwenkte seine Waffe hinter her, aber es gab kein freies Schussfeld. Endlich ging das Schwein in die Knie und fiel auf die Seite. Hinter dem Tisch fühlte Julia sich einigermaßen sicher. Sie wusste, dass er die Kugeln nicht abwehren würde, aber sie hoffte, dass die anderen Angst hatten ihren Kumpel zu treffen, der ja nicht mehr zu sehen war.

„Ich wollte nur meinen freien Tag genießen. Mehr wollte ich nicht. Ich wollte von Schweinsgesicht nur bisschen entgegenkommen. Aber nein – er war ja so überheblich. Nicht mit mir, nicht an meinem freien Tag. Ist das Klar? Lasst also die Waffen fallen, verlasst die Bank und verschwindet in der Menge, dann wird alles gut. Und beim nächsten Versuch, fragt erst mal ob jemand einen freien Tag hat – dann lasst ihn oder sie einfach gehen. Habt ihr das verstanden?“

„Hei, Lady. Sag mal spinnst du? Glaubst du, du kommst hier noch raus?“

„Oh ja – denn die Polizei wird bestimmt bald eintreffen. Es gibt bestimmt ein fixen Bankmitarbeiter, der schon längst auf den Alarmknopf gedrückt hat. Das ist in Filmen immer so. Also, ihr solltet langsam den Rückzug antreten, sonst werde ich echt sauer. Ich hatte noch keinen Kaffee. Ich wollte ein gemütliches Frühstück einnehmen – AN MEINEM FREIEN TAG!“

Die Bankräuber blickten sich fragend an.

„Na? Was gibt es denn da solange zu überlegen? Also wirklich, die hellsten scheint ihr nicht zu sein. Husch, husch. Verpisst euch. Ich hab die Waffe von eurem Kumpel und ich weiß wie sie funktioniert.“ So bisschen wird von den Shootern ja hängen geblieben sein, dachte sie.

Dann tat sich was, sie saß mit dem Rücken an den Tisch gelehnt. Sie hob leicht den Kopf über den Tisch um zu überblicken was geschah. Sie konnte es nicht glauben. Die Bankräuber zogen sich zurück.

„Hei, was ist mit eurem Kumpel. Was seid ihr denn für Kameraden, wollt ihr ihn hier zurücklassen? Also so was. Nicht zu fassen. Ich gehe jetzt um den Tisch rum, keine Mätzchen, klar. Dann nehmt ihr in mit und denkt an meine Worte. Der nächste Überfall besser planen. Auf auf jetzt, ich will endlich weg.“

Die anderen zogen ihren Kumpel hinter dem Tisch hervor und zogen sich tatsächlich zurück. Julia konnte es nicht glauben. Es funktionierte. Niemals hätte sie gedacht, dass es klappen würde. Die Tür schloss sich hinter den Männern und Julia atmete tief aus. Die Waffe steckte sie in ihre Handtasche, die neben ihr lag.

Ein Kontrollblick in den Spiegel zeigte ihr, dass sie etwas derangiert war. Sie zog ihren Zopf zurecht, strich die Hose glatt und streckte die Brust heraus.

Dann ging sie zur Tür, die sich automatisch öffnete und verließ die Bank ihres Vertrauens, die es wohl nicht mehr war. Kein Blick zurück. Sie hatte eh schon zu viel Zeit verloren. In Gedanken überarbeitete sie ihren Plan. Ein Gang zum Bäcker und dann gleich auf den Balkon, das hatte sie sich nach der Aufregung verdient. Einkaufen und Hausarbeiten waren so was von nebensächlich geworden. Nein, nein. Das war ihr freier Tag und da würde ihr nichts dazwischen funken. Nicht an ihrem freien Tag, dachte sie lächelnd.

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9 Gedanken zu „Writing Friday – Heldin wider Willen am freien Tag“

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