Schreibkicks

Schreibkicks 2 in 1 – Auf dem Dach vom Glück gegrüsst. Part 2 v 2

Hallo ihr Lieben. Da ich zum 01.06 Aufs Dach gestiegen nicht geschafft habe, habe ich das Thema für den 01.07 Grüsse vom Glück kombiniert. HIER findet ihr den 1. Teil.

Mehr zu den Schreibkicks findet ihr HIER.

Teilgenommen am 01.07 haben:

Corly

 

Das Thema für den 01.08. lautet: Hitzefrei

 

Bisher erschienen:

  1. Schreibkicks – die vererbte Zeitkapsel
  2. Schreibkicks – Weihnachstspezial – Die Sache mit dem Rentier
  3. Mach was…mit einer Festtags-Leckerei
  4. Schreibkicks – Märchen der guten Vorsätze
  5. Schreibkicks – Rückkehr der Freunde
  6. Schreibkicks – Die Welt bei Nacht mit einem Hausschuh.
  7. Schreibkicks – Im Spiegel lauert die Gefahr
  8. Schreibkicks – Mai – Lachen heilt alle Wunden

Ich es auf zwei Tage verteilt, da es sonst zuviel zu lesen wäre.


Aufs Dach gestiegen und Grüsse vom Glück.

Amelia hatte sich verdächtig ruhig benommen. Das war so gar nicht ihre Art. Als wir endlich wieder in der Halle waren blühte sie auf.

„Wie lange wird denn der August bei uns bleiben?“

„Ich weiß nicht. Der Deal war solange er will.“

„Das kann ganz schön lange sein, oder?“

„Ja – das ist möglich. Was willst du mir denn sagen?“ So langsam nervte mich nämlich ihr gestammel.

„Ach nichts.“ Winkte sie ab.

„Amelia, sag schon, ich habe keine Nerven, das jetzt alles aus dir heraus zu kitzeln.“

„Haha. Kitzeln. Ein Gefühl, das ich schon lange nicht mehr gespürt habe.“ Ich rollte mit den Augen.

„Schon gut, schon gut. Ich hasse Clowns. Ich fand sie als Kind schon gruselig und heute nicht weniger. Dieses seltsame grinsen und die riesen Füße und das komisch rote Gekräusel auf dem Kopf mit dem viel zu kleinen Hut. Was soll denn diese viele Farbe im Gesicht. Nein, ich hasse Clowns.“

„Tja, meine Liebe, es tut mir wirklich leid, aber da müssen wir alle durch. Clowns sind auch nicht gerade meine Favoriten. Aber wenn er Mary erlöst, soll das gut sein. Wir werden das überstehen. Vielleicht sehen wir ihn ja nicht so oft. Hm.“

„Ja, ja, vielleicht.“ Maulte sie und verblasste.

Als wenn ich es mir aussuchen könnte, mit wem ich lebte. So einfach waren sie auch nicht. Aber das interessierte ja keinen. Tse.

Da an diesem Tag sonst nichts Besonderes war, zog ich mich in mein Zimmer zurück. Endlich konnte ich mal das neu gelegte Internet ausprobieren. Und mal wieder Serien streamen. Das hatte ich schon fast aus meinem Leben gestrichen. Aber heute nicht. Der Tag sollte mir gehören, oder wenigstens der Nachmittag. Aus meinem Versteck hinter der Wandvertäfelung neben dem Kamin, schnappte ich mir eine Tüte Chips und ein kühles Radler – Alte Häuser waren bald besser als ein Kühlschrank. Ich klappte den Laptop auf und startete mein Programm. Ich war so fern von aktuellen Serien, dass ich ewig brauchte um eine auszuwählen. Ich drückte Play und lehnte mich in dem bequemen Sessel zurück. Als es draußen rumpelte. Ich schloss die Augen, seufzte, stellte auf Pause und mein Bier auf den Tisch. Dann erhob ich mich. Widerwillig öffnete ich die Tür, zögernd. Ich war kurz davor sie einfach wieder zu schließen. Ich wollte echt nicht wissen was los war.

Ich zog die Tür auf, wie man ein Pflaster abriss. Schnell und ohne weiteres Zögern. Dann schob ich vorsichtig den Kopf raus um einen Knäul riesiger Schuhe und roter krauseliger Haare zu erblicken. Innerlich zögerte ich und dachte mir, irgendjemand wird kommen. Ja. Wer denn Lissi? Der „Irgendjemand“ bist immer du – schalt ich mich selbst.

Ich rannte los und kniete mich neben das Knäul Arme und Beine.

„August? August? Alles in Ordnung?“

„Ich entschuldige mich für die Unannehmlichkeiten, Fräulein. Aber sieht es so aus, als wäre alles in Ordnung?“ Immer höflich, der gute Kerl.

„Was ist passiert? War das Mary?“

„Oh, Himmel nein. Die Gnädigste würde so was niemals tun. Die Gütigste.“ Gütigste? Er wusste schon, wer sie war?

„Nein, ich bin über diese riesigen Schuhe gestolpert. Diese Dachbodentreppe ist nicht geeignet für solch ein Schuhformat.“

Ich nickte verständnisvoll. Mit meinen Einhornplüschschuhen hatte ich da auch schon diverse Probleme zu bewältigen. Ich sollte sie irgendwie absichern. Irgendwann mal.

„Komm, wir entknäulen dich erst mal und dann schauen wir was es leckeres zu Essen in der Küche gibt.“ Ich warf einen  sehnsüchtigen Blick in mein Zimmer in der die Flasche Bier und die offene Chipstüte neben meinem Laptop auf mich warteten. Ich seufzte und half August wieder auf die Beine.

Unten angekommen trafen wir auf die restlichen Bewohner. Amelia verkroch sich gleich ans andere Ende und beäugte August misstrauisch. Entweder ignorierte er es, oder nahm es gar nicht wahr.

Wir setzten uns an den Tisch. In der Mitte standen schon lauter kleine Häppchen und mir lief sofort das Wasser im Mund zusammen. Ich schaute mich nach der Glocke um. Keine – also kam der Pawlowsche Effekt direkt aus meinem Inneren.

Wir aßen und quatschten. August unterhielt uns mit Anekdoten aus dem Zirkus und zeigte uns auch einige seiner Nummern. Trotzdem sie schon echt alt und abgedroschen waren mussten wir alle herzlich lachen. Und mit allen, meinte ich alle. Sowohl Amelia hatte sich entspannt in die Ecke gesetzt und lachte, als auch ein bekanntes Gesicht aus dem Spiegel neben ihr. Sie lachte und lachte. Ich glaubte sogar etwas Farbe in dem Grauen Bild zu erkennen. Vielleicht hatte die Wahrsagerin Recht. Lachen heilte alle Wunden.

Wir lösten uns langsam auf. Ich begab mich wieder in mein Zimmer. Aber ich konnte nicht schlafen. Im Bad schnappte ich mir einen Handspiegel und begab mich aufs Dach. Wie so oft in alten Villen gab es eine Art Dachterrasse. Ich hatte den Aufstieg beim Besichtigen der oberen Stockwerke entdeckt. Aber den anderen nicht gesagt. Er lag hinter einem Wandteppich versteckt. Noch sollte er mir alleine gehören. Ich stieg also aufs Dach mit dem Spiegel in der Hand. Was ich erwartete wusste ich nicht. Aber ich wollte Mary irgendwie mal kennen lernen. Ich hatte keine Zeit mich mit ihr zu beschäftigen. Und wenn sie vielleicht erlöst werden würde, wäre sie weg.

Eine kleine steinerne Bank war vor Ort. Ich hatte mir schon eine Kissen zurechtgelegt, das ich jetzt aus der dazugehörigen Box holte. Es war ein herrlicher Abend. Schon bisschen warm und die Lichter der Stadt blinkten beruhigend wie Sterne am Boden.

Ich zog den Spiegel aus der Bademanteltasche und blickte hinein.

„Mary? Kannst du mich hören?“

So schnell wie sie erschien, blieb mir fast das Herz stehen.

„Ah Lissi. Wie schön, dass du dir Zeit für mich nimmst. Soll ich mich neben dich setzen und wir genießen den Ausblick gemeinsam. Für eine gewisse Zeit?“

„Netter Versuch. Nein, du kannst ruhig im Spiegel bleiben. Ich dachte wir unterhalten uns etwas.“

„Echt. Das ist doch irgendwie öde, oder?“

„Nein finde ich nicht. Erzähl mir doch ein bisschen von dir. Wie ist das alles geschehen?“

„Was meinst du? Dass ich im Spiegel gelandet bin? Dass ich töten will? Ich weiß es nicht. Es ist schon so lange her. Ich kann mich nicht erinnern. Weißt du. Es betrifft nicht mich direkt. Ich bin schon lange hier drinnen. Aber ich war nicht immer hier. Aber die Legende um Bloody Mary gibt es schon länger als mich.“

„Oh, okay. Das bedeutet, selbst wenn du frei sein könntest. Es wird immer eine Bloody Mary geben?“ „Ich weiß es nicht. Wenn dieser Fluch gebrochen wird, vielleicht nicht. Dann nur die Legende.“

„Hm.“ Ich grübelte. Würde es dann überhaupt Sinn machen sie zu befreien? Ich blickte in ihr trauriges Gesicht. Doch. Ja. Diese Bloody Mary hatte genug gelitten und anderen Leid zu gefügt. Für sie sollte es zu Ende gehen. Und wer weiß. Vielleicht würde mit ihr tatsächlich eine Legende ohne Begleiterscheinungen bestehen bleiben.

Wir unterhielten uns noch etwas und es machte richtig Spaß. Manchmal wurde sie mir zu eklig und brutal. Aber oft erzählte sie von Familien, die sie durch die Spiegel beobachtet hatte und wie sehr ihr das fehlte.

Es war sehr spät, oder fast schon wieder früh, als ich endlich ins Bett sank. Aus meiner Bademanteltasche vermeinte ich ein leichtes Schnarchen zu entnehmen. Mary schlief also auch.

Einige Wochen später hatte sich August sehr gut eingelebt und auch eingebracht. Wenn er nicht gerade Mary bespasste half er hier im Haus fleißig beim Renovieren und Restaurieren. Seine Aufenthalte in maroden Zirkussen hatten ihn einige Tricks lernen lassen.

Wir strichen gerade den oberen Flur, als ich ihn fragte:

„Wie geht es mit Mary voran? Mag sie dich?“

„Ja, ich glaube sie mag mich und meine Witze. Du solltest mal wieder vorbei kommen. Sie hat mir von eurem nächtlichen Aufenthalt erzählt. Sie war sehr einsam, bevor sie hier her kam. Ich glaube es dauert nicht mehr lange. Komm doch vorbei und guck mal zu.“

„Ja, das mache ich.“

Wir strichen schweigend weiter. Jeder in seine Gedanken versunken.

Am Abend ging ich mit nach oben. Richard hatte die Treppe etwas abgesichert mit Teppich und einem Geländer. Sehr viel besser.

Mary erwartete uns schon.

„Lissi. Wie schön, dich wieder zu sehen. Gut siehst du aus.“

„Danke.“ Erwiderte ich und war erstaunt über die Veränderung, die bei Mary vorging. Sie wirkte nicht mehr so grau. Nein, fast fleischfarben. Die Haare wirkten nicht mehr so strähnig und auch ihre Augen glänzten nicht mehr vor Wahnsinn. Sie glänzten freudig. Es war toll zu sehen wie sehr sie sich erholte. Ich glaubte August. Es war bald soweit.

Ich genoss August auftritt und kam jetzt öfter.

Dann war es soweit. Ich konnte es sehen. Mary flackerte. Sie lachte über einen von August Witzen dermaßen, dass sie anfing zu flackern. Ich stand auf und ging zum Spiegel.

Mary schaute mich an. Sie schaute mir tief in die Augen und ich bekam keine Gänsehaut. Es war soweit. Mary würde herauskommen. Der Fluch schien tatsächlich gebrochen. Ihr Fluch.  Ich hoffte, diesen Fluch würde es nie wieder geben.

Mary stieg aus dem Spiegel. Sie sah wunderhübsch aus. Wir waren alle noch etwas zurückhaltend. Als erstes ging August auf sie zu.

„Ach Mary – es ist so schön, dass du endlich frei bist. Du kannst jetzt endlich leben. Was wirst du machen?“

„Ich weiß nicht. Es ist alles so neu für mich. Ich werde wohl erst mal mein Leben genießen, oder? Zum Glück weiß ich durch die vielen verschiedenen Spiegelbesuche wie es jetzt so ist. Ich will, ich will. Ich weiß nicht…ich will frei sein.“

Sie streckte ihre Arme aus und drehte sich im Kreis. Dabei versprühte sie eine Lebensenergie und einen Lebenswillen, das es nur anstecken konnte. Wir alle lachten und tanzten bis in den späten Abend.

Ich ging zu Mary.

„Meine Liebe. Wenn du willst kannst du noch etwas bei uns bleiben, bis du weißt wo du hinwillst.“

„Ach Lissi, das ist so lieb von dir. Aber sei mir nicht böse. Ich war echt lange genug bei euch. Ich werde mit August reisen. Er hat noch bisschen gespart und damit tingeln wir um die Welt. Bis uns das Geld ausgeht und dann werden wir sehen.“ An der Tür klingelte es. Wir hatten chinesisches Essen bestellt.

Schnell trampelten wir hinunter. Frank deckte den Tisch. Richard ging mit dem Portemonnaie an die Tür und wir anderen setzten uns schon. Ein leckeres Essen und jeder hatte einen Glückskeks erhalten.

Wir lachten und knackten sie.

Als Mary dran war, hielten wir den Atem an. Sie knackte ihn und zog den kleinen Zettel heraus.

„Was steht drauf?“ Fragte ich ungeduldig.

„Komm sag schon.“

Mary hielt den Zettel hoch. Minerva schnippte mit den Fingern und er verwandelte sich in ein fliegendes Transparent. Mit glitzernder Schrift stand drauf:

Grüße vom Glück.

 

ENDE

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3 Gedanken zu „Schreibkicks 2 in 1 – Auf dem Dach vom Glück gegrüsst. Part 2 v 2“

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