Romantik, writing friday

Writing Friday – Der Traum vom Pinguin

Der letzte Tag im Januar, da wollte ich noch eine Geschichte für den #writing friday veröffentlichen. Ein ungewohntes Genre für mich – Romantik.

  • Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter mit ein: Geschenk, Pinguin, Tintenfass, ruhig, zart

Der Traum vom Pinguin

 

Tapeesa (Arktische Blume) saß auf ihrem Schlitten. Ihr Blick wanderte über die Eisfläche. Ruhig wirkte diese weiße Landschaft. Keine Erhebung störte dieses Bild. Ihre Hunde lagen friedlich im Schnee und warteten auf ihre Befehle.

Sie genoss diese Freiheit. Keiner, der ihr sagte was sie zu tun und zu lassen hatte.

Der Wind zog an und sie fröstelte. Sie musste weiter. Hier konnte sie nicht bleiben. Sie hatte ein Geschenk für ihre Schwester dabei. Diese war gerade Mutter geworden. Und wie es die Tradition verlangte, kamen die Familienmitglieder und beschenkten das Kind. Tapeesa seufzte schwer. Sie wusste, dass ihre Eltern von ihr verlangten, ebenfalls zu heiraten und eine Familie zu gründen. Aber sie hatte keinen Sinn für dieses Leben. Haus, Herd, Kinder. Das war es nicht, was sie wollte.

Sie wollte mit den Hunden in der Wildnis fahren. Vielleicht ein Transportgeschäft aufziehen. Außerdem hatte sie noch keinen passenden Mann gefunden, der sie reizen würde.

Sie kannte die Männer in ihrem Dorf alle schon seit Kindertagen. Es wäre, als würde sie einen ihrer Brüder ehelichen. Niemals. Lieber würde sie eine Einsiedlerin werden. Tief in sich spürte sie zart ein ziehen. Ein Gefühl des Verlustes.

Sie schüttelte sich und schob dieses Gefühl beiseite. Dafür war kein Platz. Ihre Hunde waren ihre Familie.

Wieder seufzte sie schwer. Sie erhob sich. Die Hunde reagierten sofort auf ihre Bewegung und standen ebenfalls auf. Sie hatten sich genug ausgeruht und wurden unruhig. Sie stellte sich auf ihren Schlitten und gab den Befehl an Iluq, der Leithund. Sofort zog er an und sein Rudel folgte ihm.

Der Wind blies ihr in das vermummte Gesicht. Die Geschwindigkeit versetzte sie in einen Rausch. Wie sollte sie das aufgeben können für einen Mann und Kinder?

Die Landschaft veränderte sich langsam. An den Seiten erschienen einzelne tiefgefrorene Büsche, die den Weg in das Dorf säumten. Sie zügelte die Geschwindigkeit. Eilig hatte sie es nicht.

Als sie einfuhr in ihr Dorf, konnte sie schon die Hunde der anderen hören. Immer dazwischen das Lachen der Kinder, die zusammen spielten.

Tapeesa fuhr zum Zwinger. Dort spannte sie die Hunde ab und versorgte sie. Heute hätten sie nichts mehr zu tun. Sie konnten sich mit den anderen Hunden vergnügen.

Schweren Schrittes ging sie zu dem beleuchteten Eingang des Hauses ihrer Schwester.

Sie schlüpfte aus ihren schweren, warmen Fellschuhen und trat ein. Im inneren klangen das Lachen der Frauen und die Stimmen der Männer, die über Politik redeten. Sie schindete Zeit, indem sie sich langsam ihres Fellmantels entledigte.

Sehnsüchtig blickte sie zurück. Am liebsten würde sie umkehren und fliehen. Aber die Tradition galt es zu wahren. Sie straffte die Schultern, biss sich auf die Lippe und trat ins Wohnzimmer.

Rechts war der Eingang zur Küche, da standen die Männer, tranken Bier und rauchten Zigarren auf den stolzen Vater.

Als sie in den Raum trat, bemerkte ihre Schwester sie sofort.

„Tapeesa, Schwester. Da bist du ja. Du bist spät. Aber immerhin hast du es noch rechtzeitig geschafft. Ich befürchtete schon du würdest nicht kommen. Die Zeit in der Wildnis vergessen zu haben, wäre nicht das erste Mal bei dir.“ Kam es sarkastisch von ihrer älteren Schwester. Tapeesa schluckte einen bissigen Kommentar herunter und kam näher.

„Hallo Schwester. Ich sehe, dir geht es gut nach der Geburt. Wo ist mein Neffe?“

„Komm hier. Dort in der Wiege ist er und schläft wie ein Engel. Er ist einfach perfekt.“

Tapeesa ging zur Wiege. Darin befand sich ein kleiner Junge. Er war so zerbrechlich und klein. Aber auch so perfekt. Am liebsten hätte sie ihn hochgenommen. Vielleicht würde das die Leere in ihr füllen.

Eine stattliche Frau betrat den Raum.

„Ach, die verlorene Tochter. Tapeesa, du warst schon so lange nicht mehr bei uns. Wie willst du so denn einen Mann kennenlernen? Vielleicht triffst du auf einen Yeti?“

Die Frauen lachten und Tapeesa verzog ihre Lippen zu einem verkrampften Lächeln.

„Hallo Mutter, ich sehe, dir geht es gut. Dann ist mein Besuch ja doppelt von Erfolg gekrönt. Ich sehe meinen hübschen Neffen und meiner Familie geht es bestens. Da kann ich beruhigt wieder abtauchen.“ Erwiderte sie süffisant und drehte sich wieder zu dem schlafenden Jungen.

„So kennen wir dich. Nicht um eine Antwort verlegen. Geh in die Küche und begrüße deinen Vater.“

Tapeesa befolgte den Befehl ihrer Mutter und begab sich in die Küche. Sie hatte sowieso Hunger und gegen ein Bier hätte sie auch nichts einzuwenden.

In der Küche grölten die Männer, als sie eintrat.

„Ah, die verschollene Tochter gibt sich die Ehre. Schaut Freunde. Sie war Monate verschwunden. Kein Lebenszeichen. Irgendwann wird sie im Eis versinken und wir werden einfach denken, sie hat uns vergessen. Hallo Tochter. Was macht dein Ehemann?“ Donnerndes Gelächter erscholl von den Männern. Tapeesa biss sich auf die Zunge. Nein, sie würde es schlucken. Nur wenige Stunden und sie konnten wieder in die ruhige Landschaft verschwinden und ihre Hunde würden sie weit wegbringen.

Sie ging zum Herd und nahm sich einen Teller der Fischsuppe und eine Scheibe von dem Brot. Suchend blickte sie sich nach dem Bier um und ihr Blick wurde gefangen genommen von einem unbekannten Gesicht. Sie stutze. Wer war der Mann?

Er hielt ihrem Blick stand und nickte ihr zu. Sie nickte zurück. Ihr Vater, der sehr aufmerksam war, wenn es um die Männer um seine Töchter herum ging, bemerkte den Blickwechseln und mischte sich ein.

„Tapeesa, du hast unseren Gast schon erblickt. Gibt es vielleicht Hoffnung, dass du nicht so kalt bist, wie das Eis, das du so liebst? Das ist unser neuester Gast, Silla. Er ist vor einigen Monaten mit seinem Hundeschlitten hier gestrandet. Ein Eisbär hatte ihn angegriffen und wir pflegten ihn. Aber ich befürchte, dass auch er zu unruhig ist. Er wird uns bestimmt bald verlassen. Also fang ihn jetzt, sonst ist er weg.“ Lachte er und drehte sich zu seinen Freunden um

Tapeesas Wangen waren tief rot. Silla kam auf sie zu.

„Hallo. Eltern sind peinlich, oder?“ Sie nickte schüchtern.

„Du hast auch einen Hundeschlitten? Was machst du damit?“

„Lenken, was denkst du denn?“

„Entschuldige, es ist so ungewöhnlich eine Frau als Musher zu sehen. Das ist noch sehr selten.“

„Ja, wir können das auch. Es ist keine Männerdomäne, nicht mehr.“ Antwortete sie schnippisch.

„Wohw. Ich wollte dich nicht beleidigen. Darf ich dein Rudel sehen?“

Sie beruhigte sich. Ihre Hunde waren ihr ganzer Stolz. Sie betrachtete das alte Tintenfass, das ihre Eltern manchmal immer noch nutzten und nickte.

Sie gingen zum Ausgang und zogen sich ihre dicken Sachen an. Der Wind zerrte an ihnen, als würde er sie davon tragen wollen.

Sie gingen zum Hundezwinger. Tapeesa spürte die Wärme die von Silla ausging. Sie wurde unruhig, spürte aber auch eine ungewohnte Ruhe in sich. Sie fühlte sich wohl in seiner Gegenwart.

Als sie am Zwinger angekommen waren, schnalzte sie mit der Zunge. Iluq und sein Rudel erhoben die Köpfe und kamen zu ihr.

„Das ist Iluq. Mein Held. Er hat alles bestens im Griff. Wo ist dein Rudel?“

Er zeigte auf eine Gruppe Hunde, die sich zusammen gerollt hatten.

„Sie sind faul geworden. Ich bin schon seit Monaten hier und konnte sie nicht anschirren. Aber nur noch wenige Tage dann werde ich aufbrechen. Ich spüre diese Unruhe in mir. Ich muss wieder los.“

Sie betrachtete ihn genau. Er sah nicht schlecht aus. Ihr Herz schlug etwas schneller. Er drehte sich zu ihr. Sie blickten sich in die Augen. Die Zeit blieb stehen, die Umgebung verschwamm und löste sich auf. Es war, als wären die beiden in einer Blase, die sie von allen äußeren Einflüssen abschottete. Er beugte sich nach unten. Tapeesa befeuchtete nervös ihre Lippen und hob leicht ihren Kopf. Dann küsste er sie. Sie hatten sich gefunden. Es war als hätten sich ihre Seelen erkannt.

Sie lösten sich voneinander. Tapeesa ließ ihren Blick in die Ferne schweifen. Silla nahm ihre Hand. Und sie beobachteten einen einsamen Pinguin, der stehen blieb und sie anblickte. Es schien, als würde er ein bestätigendes Nicken in ihre Richtung schickten.

„Weißt du, dass man sagt, träumt man von Pinguinen wird es familiären Zuwachs geben.“ Fragte Silla Tapeesa.

Sie blickte ihn an und lachte. Ja, das wäre es, was sie sich wünschte.

ENDE

11 Gedanken zu „Writing Friday – Der Traum vom Pinguin“

  1. Eine schöne Geschichte mit einer tollen Atmosphäre, die mich von Beginn an „aufgesogen“ hat. <3
    Den Verwandten hätte ich aber echt eine klatschen können!!! ;-)
    Liebe Montagsgrüße
    Nicole

    Gefällt 1 Person

  2. Huhu,

    das hab ich nun auch mal gelesen. Eine interessante Geschichte, aber die Männer fand ich nicht gut. Aber Silla hat was. Und da kommen doch echte Wintergefühle auf. Das letzte mit dem Pinguin fand ich gut. Es ging etwas schnell, aber es hatte was.

    LG Corly

    Gefällt 1 Person

    1. Ja, die Männer waren ätzend – aber ihre weibliche Verwandtschaft war auch nicht so nett. So stell ich mir das vor, wenn man als Frau in diesen Familien unabhängig sein will.

      Danke schön…

      Gefällt 1 Person

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