Wochenrückblick

Wochenrückblick Geschichtszauberei 20.05.19-26.05.19

Ei, ei, ei, der Mai neigt sich schon wieder dem Ende zu. Wer hilft mir die Zeit anzuhalten?

Aber ich habe es doch noch geschafft etwas zu schreiben. Das kommt nämlich im Moment auch echt zu kurz. Mal wieder. :-(


Schreibe eine Geschichte die mit dem Satz “Jasmin hatte schon immer an Magie geglaubt, doch als sie dann tatsächlich sah wie…” beginnt.[#WritingFriday] – Kleine Helferlein.


Dann schauen wir uns die Ideen für die kommende Woche an:


Die Themen für Writing Friday  für den Mai:

  • Du findest auf dem Dachboden eine alte Schreibmaschine, darin stecken noch beschriebene Blätter des Besitzers. Welche Geschichte verbirgt sich darauf? Berichte davon.
  • Schreibe eine Geschichte die mit dem Satz “Jasmin hatte schon immer an Magie geglaubt, doch als sie dann tatsächlich sah wie…” beginnt. 
  • Dein Handy berichtet über deine Macken.
  • Anna betritt eine alte Villa am Ende der Stadt, sie wird sie jedoch nie wieder verlassen. Erzähle was passiert ist.
  • Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter mit ein: Marmelade, Fingerhut, Rosenranken, Himmelblau und Oma.

Bei Christiane  werden 3 Begriffe in einen Text mit maximal 300 Worten verpackt bis zum 2. Juni 2019

Malkasten
gleitend
torpedieren.


Das Thema für die Schreibkicks zum 01.06.19 lautet: Aufs Dach gestiegen


Ansonsten findet ihr HIER noch paar Anregungen, die noch aktuell laufen.


Ich wünsche euch was.

 

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Geschichtenzauber, writing friday

[#WritingFriday] – Kleine Helferlein

#Writing Friday wieder etwas verspätet, aber immerhin.

Mir ist lange nichts eingefallen – aber dann….die Tage fuhr ein LKW mit einem bekannten Wort an mir vorbei. Und schon war es da – die Idee. Es war für eine Wäschereinigungsfirma.


Diese Woche also:

Schreibe eine Geschichte die mit dem Satz “Jasmin hatte schon immer an Magie geglaubt, doch als sie dann tatsächlich sah wie…” beginnt.


Jasmin hatte schon immer an Magie geglaubt, doch als sie dann tatsächlich sah wie ein kleines Männchen vor ihrem Bett stand war sie selbst erstaunt. Endlich gab es einen Beweis für Magie und sie stand direkt vor ihr.

Bert blieb mitten in seiner Bewegung stehen. Wie eingefroren. Er war ertappt. In seinen Armen hielt er einen Stapel Kleidungsstücke, die er gerade wegbringen wollte.  Ein Bein in der Luft, wankte er gefährlich.

Jasmin schwang ihre Beine aus dem Bett. Sie waren noch zu kurz um mit den Füssen den Boden zu berühren. Eine Taschenlampe in der Hand, strahlte sie direkt den eingefrorenen Bert an. Dieser wankte immer mehr und hielt den Atem an.

„Wer bist du?“ fragte Jasmin ihn.

Seine Augen blickten wild hin und her. Beim Zucken seiner Pupillen wurde ihm dann richtig schwindelig und er fiel rücklings hin. Immer noch in seiner eingefrorenen Position, hielt er das Bein angewinkelt und die Kleidung fest in den Armen.

„Hallo, du da. Was bist du?“ Jasmin sprang vom Bett und ging auf den liegenden Bert zu. Sein Blick wurde hektisch und sein Atem immer schneller, je näher Jasmin an ihn trat. Und dann lockerte sich sein Griff um die Kleidungsstücke. Er wurde Ohnmächtig. Erschrocken trat Jasmin zurück.

„Bist du tot?“ In dem Moment nahm Jasmin noch weitere  Bewegungen wahr. Schatten die sich in sämtliche Ecken ihres unordentlichen Zimmers bewegten. Ihre Taschenlampe fand ein nächstes Ziel. Ein ähnliches Geschöpf wie der Ohnmächtige vor ihr verharrte in seiner Bewegung.

„Hallo du, ich tue dir nichts. Ich bin Jasmin. Wer bist du?“

Ebenfalls hektisch hin und her blickend ließ er gerade einen Stoffbären fallen und drehte sich unsicher zu ihr. Dann blickte er nach rechts und sprach:

„Connie? Hast du genügend Schlafpulver genommen? Du weißt doch, wenn die Zimmer so unordentlich sind, musst du die Portion erhöhen, damit die Menschen nicht wach werden.“

Unruhig wackelte der Angesprochene hin und her.

„Jaaaa? Ich hab eine große Portion verteilt. Aber es könnte sein, dass es abgelaufen war. Ich fand es in der hinteren Ecke.“

„Abgelaufen? Wo gibt es denn so was? Schau was du damit angerichtet hast. Der Mensch ist wach.“ Fuchtelte das Männlein aufgeregt mit seinen Armen vor Connie hin und her.

„Hei, mein Zimmer ist nicht unordentlich. Hier ist System drin.“

Derjenige, der gerade gesprochen hatte, stemmte seine Hände in die Hüften und blickte sich mit hochgezogener Braue um.

„Nicht unordentlich? Deine Schränke sind leer. Wofür hast du sie?“

„Für meine Mami. Ich brauche sie nicht. Ich weiß auch so wo meine Sachen sind.“

„So so. Dann können wir ja wieder gehen. Anton, bring das Vergessenspulver.“

Jasmin riss die Augen auf.

„Nein, bitte ich will nicht vergessen. Endlich hab ich einen Beweis für Magie. Was seid ihr?

„Wir? Niemand. Niemand, den du kennen müsstest, du wirst es eh gleich vergessen. Anton!“

„Nein, nein, nein. Hier, hier hab ich Kekse. Wenn ich nicht vergesse, dann dürft ihr sie haben.“

Bert erwachte aus seiner Ohnmacht. „Kekse?“

„Ja, hier.“ Sie hielt sie dem liegenden vor die Nase. Diese wackelte wie von einem Hasen hoch und runter, bei dem Geruch nach Keksen. Schnell setzte er sich auf und griff danach. Aber Jasmin war schneller und zog sie fort.

„Nur wenn ich nicht vergesse!“ War ihre Bedingung.

„Edi, biiiittte. Kekse“

Schnell kamen aus allen Ecken noch mehr dieser  kleinen Männchen. Alle standen um Edi und blickten ihn bittend an. „Biiitttte.“ Kam es vereint.

„Ach man. So ein Keks ist schon was Leckeres. Also gut. Kein Vergessen für einen Keks.“

Jasmin klatschte begeistert in die Hände und stellte die Dose auf den Boden.

„Also, wer seid ihr und was macht ihr hier?“

Mit Krümeln im Mund Antwortete Edi: „Wir sind Heinzelmännchen. Die guten Geister des Hauses. Eigentlich haben wir früher Handwerkern geholfen. Aber irgendwie brauchen die immer weniger unsere Hilfe – deswegen haben wir uns um Kinderzimmer gekümmert. Die haben es echt immer nötig.“

Jasmin blickte zweifelnd durch ihr Zimmer. Sie fand es nicht so schlimm. Wusste aber, dass ihre Mutter das anders sieht.

„Okay. Ihr räumt also auf und was noch.“

„Na hör mal, das ist eine große Aufgabe.“

„Zaubert ihr nicht bisschen?“

„Nein, niemals.“ Antworte Edi

„Edi, du lügst. Natürlich zaubern wir, sonst würden wir ja nie fertig werden. Ein kleiner Zauber hier und da, erleichtert uns die Aufgabe.“ bemerkte Anton.

„Das ist ja toll. Ich habe meine eigenen magischen Freunde. Wollt ihr meine Freunde sein? Bitte.“

„Ich weiß nicht, wir hatten noch nie Menschen als Freunde. Was ist wenn andere uns entdecken?“

„Das wird schon nicht passieren. Ich bringe auch immer Kekse mit. Ach biiitttteee.“

Anton blickte sich fragend um.

„Was meint ihr? Ein menschlicher Freund?“

Alle anderen nickten. Kekse in Aussicht gestellt zu bekommen, ließ sie alle Bedenken vergessen. Und Jasmin war nett.

„Nun gut, Jasmin? Wir werden es versuchen. Aber nur, wenn du auch aufräumst. Denn Freunde räumen nicht für andere auf.“

„Verstanden. Oh, ich freu mich so.“ Jasmin war aufgesprungen und tanzte durch das Zimmer. Die Heinzelmännchen mussten ihren Füssen ausweichen. Dadurch fingen sie ebenfalls an zu tanzen und es machte ihnen Spaß. Es gab also noch anderes, außer Aufräumen und Arbeiten, dass Spaß machen konnte.

Die Heinzelmännchen kamen so oft es ihnen möglich war zu Jasmin. Sie erzählten ihr von ihren Abenteuern und mampften dabei fleißig die leckeren Kekse, die Jasmin für sie bereithielt.

Ende.

 

Wochenrückblick

Wochenrückblick Geschichtszauberei – 13.05.19-19.05.19

Es ist Sonntag und da kommt ein kleiner Wochenrückblick meiner Veröffentlichungen und was es neues an kreativen Aufgaben gibt.


Die Themen für Writing Friday  für den Mai:

  • Du findest auf dem Dachboden eine alte Schreibmaschine, darin stecken noch beschriebene Blätter des Besitzers. Welche Geschichte verbirgt sich darauf? Berichte davon.
  • Schreibe eine Geschichte die mit dem Satz “Jasmin hatte schon immer an Magie geglaubt, doch als sie dann tatsächlich sah wie…” beginnt. 
  • Dein Handy berichtet über deine Macken.
  • Anna betritt eine alte Villa am Ende der Stadt, sie wird sie jedoch nie wieder verlassen. Erzähle was passiert ist.
  • Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter mit ein: Marmelade, Fingerhut, Rosenranken, Himmelblau und Oma.

Bei Christiane  werden 3 Begriffe in einen Text mit maximal 300 Worten verpackt bis zum 2. Juni 2019

Malkasten
gleitend
torpedieren.


Beim Gemeinschaftsprojekt von  Die Pö und Herba gibt es auch ein neues Thema Mach was mit…Maskierung bis zum 16.06


Und die  Aktion von Alice – Kreativ sein wie ihr wollt mit dem Wort Utopie – bis zum 15.06.19 könnt ihr euch hier austoben.


Und bei Caymon gibt es wieder neue Bilder für die Aktion Telling Pictures. Start ist 01.06.19 – Veröffentlichung spätestens 30.06.19 – schauf vorbei – es sind tolle Bilder dabei.


So, ich glaube ich habe alle Aktionen, die ich so im Auge halte, gepostet. Haut in die Tasten und seid kreativ.

Eure Rina

writing friday

[#WritingFriday] Urban Exploring – Unendlich

#WritingFriday an einem Samstag. Ich habe es diese Woche nicht vorher geschafft. Aber ich wollte unbedingt noch was veröffentlichen. Also hab ich gestern schon anfangen können und es jetzt noch fertig gestellt.

Kennt ihr Lost Places? Heute werdet ihr einen kennen lernen – eine verlassene Villa am Stadtrand.


Quelle

Anna betritt eine alte Villa am Ende der Stadt, sie wird sie jedoch nie wieder verlassen. Erzähle was passiert ist.

 Anna stand vor der alten Villa am Ende der Stadt. Ihrer Stadt. Hier war sie aufgewachsen und ging zur Schule. Ist es nicht manchmal seltsam, dass man immer in die Ferne schweift und das war vor der Tür ist ignoriert? Seit Jahren schon zählte Anna zu einer der bekannten Urban Explorer. Ihre Twitter, Instagram, YouTube Auftritte hatten ihr einen gewissen Ruhm eingebracht. Nun stand sie also vor ihrer ersten Herausforderung. Als Mädchen stand sie manchmal lange Zeit vor dieser Villa und traute sich einfach nicht hinein.

Sie hatte schon öfter die Schwelle zum Vorgarten übertreten, aber es fühlte sich immer an, als wollte irgendwas sie daran hindern weiter zu gehen. Sie traute sich nicht einen Schritt nach dem andern zu setzen. Jetzt aber. Sie war erfahren genug und hatte keine Angst mehr. Soviel verschiedene Lost Places hatte sie schon besucht, da dürfte doch diese alte Villa kein Problem mehr darstellen.

Mark hatte sie allerdings gewarnt. „Geh nicht alleine hinein. Du weißt nicht wie marode das Gebäude ist. Hinterlasse wenigstens eine Nachricht und schalte dein GPS an.“ Anna lachte ihn aus. „Mark, Mark, Mark. Natürlich bin ich online. Meine Fans erwarten einen Livestream von meinem Spuk Haus. Ich hab es groß angekündigt. Das wird die Klicks nach oben schnellen lassen.“ „Du und deine Klicks. Viel wichtiger sollte dir deine Sicherheit sein. Warte noch paar Tage, bis ich aus Kroatien wieder da bin. Das Geisterdorf werde ich schnell abarbeiten und dann gehen wir gemeinsam.“ Mark und sie hatten schon so einige Lost Places gemeinsam besucht.

Manchmal glaubte Anna, Mark hätte mehr als nur ein Freundschaftliches Verhältnis mit ihr haben wollen. Aber sie war nur auf Abenteuer aus. Sie brauchte diesen Kick. Diesen Adrenalinstoss. Deswegen konnte sie auch nicht warten. Sie packte ihre Tasche. Taschenlampe, Stirnlampe, Ersatzbatterien, Wasser, Energieriegel, Taschenmesser, Seil. Actioncam mit Nachtsicht. Handy um den Livestream hoch zu laden. Check, check, check. Alles war bereit. Morgen wollte sie einsteigen.

Jetzt stand sie vor der Villa. Eine leichte Gänsehaut machte sich auf ihren Armen breit. Die Angst des kleinen Mädchens machte sich bemerkbar. Anna schüttelte sich um sie los zu werden. Sie hatte schon viel gruseligere Orte besucht. Sie straffte ihre Schultern und trat durch das schiefe Eingangstor in den Vorgarten. Wieder spürte sie einen Widerstand. Von ihr aus, oder von dem Ort aus. „Blödsinn, Anna. Das ist deine bescheidene Angst. Stell dich nicht so an. Was soll denn hier schon sein?“ Versuchte sie sich selbst zu beruhigen. Sie ging durch den Garten und stieg die große einladende Treppe hinauf. Sie drehte sich um. Es war neblig geworden. Wo kam auf einmal dieser dichte Nebel her? Sie konnte das schiefe Tor nicht mehr erkennen. Selbst die Straße mit ihrer Laterne war nicht mehr zu sehen. Sie zögerte. Vielleicht sollte sie doch auf Mark warten? Quatsch. Nein, das war ihrs. Sie musste diese kindliche Urangst bewältigen.

Sie drückte gegen die Eingangstür. Sie klemmte. Im Laufe der vielen feuchten Jahre hatte sie sich stark verzogen. Anna drückte mit ihrem gesamten Gewicht dagegen. Sie öffnete sich leicht. Noch ein Stück, noch ein kleines Stückchen. Das musste reichen. Sie drückte sich durch den schmalen Spalt und stand in der Vorhalle. Sie knipste ihre Stirnlampe an und schaute sich um. Die Natur hatte sich schon viel zurück erobert. Durch die Fenster waren die Äste der Bäume gedrungen. In den Bodenritzen hatten einige Samen fruchten können und den Boden in eine Art Moosteppich verwandelt. Es sah bezaubernd aus. Die Treppe nach oben erinnerte sie an den Film Vom Winde verweht. Der Teppich könnte auch mal rot gewesen sein und das Fenster im Zwischenstockwerk war leider schon Blind vor Schmutz.

Anna betrat die erste Stufe als sie ein Wispern vernahm. „Anna. “ Hauchte es durch die Halle. Sie drehte sich erschrocken um. Nichts. Kein Schatten, oder eine Person. Sie war alleine. Vermeintlich alleine. Sie wusste, dass solch leer stehende Häuser gerne von Besetzern oder Obdachlosen genutzt wurden. Probleme hatte sie aber nie mit einem von ihnen. Sie posierten eigentlich ganz gerne vor der Kamera und gaben auch mal ihre Geschichten zum Besten. Hier schien sich niemand eingenistet zu haben. Keine Matratzen, Zelte oder dazu passender Unrat. Das Haus war unbeschmutzt. Nur die Natur hatte sich getraut einzudringen.

Ein Schauer lief Anna über den Rücken. Schnell holte sie ihre Kamera aus dem Rucksack und setzte sie auf die Stirn. Das Handy war bereit für den Livestream. Sie wollte schnell wieder raus hier. Ein ungutes Gefühl verfolgte sie. „Hallo Leute. Wie versprochen heute aus meinem Heimatdorf. Diese Villa hat mich als Kind schon fasziniert und geängstigt. Heute sage ich dieser Angst den Kampf an. Es wird Zeit die Dämonen der Kindheit zu vertreiben.“ „Anna.“ Hauchte es wieder. Sie drehte sich schnell um. Wieder nichts. „Habt ihr das auch gehört? Ist das unheimlich, oder was? Ich will euch nichts vormachen. Ich bin froh, wenn ich hier wieder draußen bin. Ich hätte vielleicht auf Mark hören und auf ihn warten sollen. Aber ihr wisst ja wie ungeduldig ich sein kann. Wollen wir mal sehen wie es hier so aussieht. Kommt mit und erkundet diese hübsche Villa mit mir. Sieht sie nicht toll aus. Die Natur hat sich das meiste schon wieder zurückgeholt. Überall Moos, Lianen, Baumschösslinge und wunderhübsche Pflanzen. Schaut, da scheint die Sonne herein. Was für ein Bild.“ Anna drehte sich und streckte die Arme in Richtung eines Oberlichts aus. Dort konnte man sehen wie die Sonne sich durch die Blätter, die auf der Scheibe lagen, kämpfte und geradlinig ihren Weg nach innen fand. Sie verwandelte die Vorhalle in ein Märchenhaftes Bild. Es fehlten nur noch die kleinen tanzenden Feen und kleine Gnome, die mit ihnen versuchten mitzuhalten.

Ein Schatten legte sich über das Bild. Es wurde kalt und Anna begann zu zittern. „Wow, Leute. Jetzt wird es hier aber empfindlich kalt. Könnt ihr meinen Atem sehen?“ Anna pustete hörbar aus und ein weißer Nebel verließ ihre Lippen. Sie fing an zu zittern. „Verdammt. Warum wird das so kalt hier? Also seit mir nicht böse – ich habe meine Angst überwunden und fühle mich hier irgendwie nicht wohl. Ich gehe mal besser. Vielleicht komme ich mit Mark noch mal her – aber mir war eh nur wichtig, einfach mal hier zu sein und das abhaken zu können. Erledigt. Es wird Zeit zu gehen. Ich lasse die Kamera noch bisschen mitlaufen. Denkt dran. Abonniert meinen Kanal und denkt dran auf das Glöckchen zu klicken, dann werdet ihr immer benachrichtigt, wenn es was Neues von mir gibt. Es gibt kein Abenteuer im Leben, das es nicht lohnt zu leben. Bussi.“ Anna stellte den Ton aus. Sie würde später Musik unter die Bilder legen. Eigentlich wollte sie so schnell wie möglich raus, aber etwas zog sie nach oben. Ach was soll´s, ein Blick in die obere Etage wird schon nichts ausmachen.

 Sie rannte nach oben. Im ersten Stock gingen mehrere Türen vom Flur ab. Sie wollte wenigstens in ein paar hineinschauen. Gleich die erste öffnete sie und trat ein. Es war fantastisch. Die Möbel waren alle noch vorhanden und sogar noch recht gut erhalten. Sie ging in den Raum hinein. Die Tür fiel hinter ihr zu. Erschrocken drehte sie sich um. „Puh. Verdammt bin ich erschrocken.“ Sie drehte sich zur Tür um sie zu öffnen. Sie klemmte. Eine leichte Unruhe überfiel sie. Leicht hektisch zog sie an der Tür. Sie öffnete sich so plötzlich, dass sie fast hingefallen wäre. Schnell verließ sie das Zimmer und atmete tief aus. Aber wo war sie? Das war nicht der Flur aus dem sie kam. Es war ein anderes Zimmer. Sie ging zurück und befand sich schon wieder in einem anderen Zimmer. Die Tür schloss sich leise und vor ihr öffnete sich eine andere. Schnell ging sie darauf zu und befand sich wieder in einem anderen Zimmer. Dieser Vorgang wiederholte sich unzählige Male. Sie stellte den Ton des Livestreams wieder an. „Leute. Hier geschieht etwas Seltsames. Ich komme nicht mehr aus dem Haus heraus. Von einem Zimmer komme ich in das nächste und das nächste. Ich finde keinen Ausgang. So langsam bekomme ich doch Panik. Außerdem habe ich das Gefühl, dass mich Schatten verfolgen. Was soll ich nur machen. Wie soll ich hier denn den Ausgang finden? Wo bin ich denn hier gelandet?“ Tränen drückten sich hervor. Aber sie schluckte sie hinunter. Sie wollte nicht vor ihren Followern anfangen zu weinen. Sie war eine taffe Urban Explorerin. So leicht ängstigte sie nichts, oder?

„Ich weiß gar nicht, ob ihr mich überhaupt seht? Seht ihr mich? Schreibt es in den Live Chat. Vielleicht hat jemand einen Tipp für mich, wie ich hier wieder raus komme. Habt ihr so was schon mal erlebt?“ Sie verfolgte den Live Chat. Es kamen, wie schon erwartet, keine hilfreichen Tipps herein. Fake und ähnliches wurde ihr vorgeworfen. Aber es war kein Fake. Sie versuchte Stundenlang eine Tür nach der anderen. Aber keine führte zurück in das Treppenhaus. Verzweifelt setzte sie sich in eine Ecke. Sie blickte an den Wänden entlang. Dort stand was. Schnell stand sie auf. Die Kamera zeichnete weiter auf und die Klicks schnellten in die Höhe. Es war ihr Rekord. Sie blickte an die Wand. Mit ihrer Hand schob sie die einzelnen Blätter davor weg. „Wenn es dunkel wird, kommen sie. Dann verstecke dich. Verstecke dich!“

Entsetzt blickte sie die Schrift an. Es wurde dunkel. Was würde kommen? Wo sollte sie sich verstecken? „Habt ihr das gelesen? Oh Gott. Ich bekomme doch so langsam Angst. Ich schalte ab. Mein Akku wird sonst nicht durchalten. Ich melde mich bei euch, sobald ich wieder draußen bin. Bleibt aufmerksam. Bussi.“

Anna war panisch. Ihr Atem ging schneller und sie drohte ohnmächtig zu werden. Sie setzte sich und steckte ihren Kopf zwischen die Knie – tief ein-, tief ausatmen. Da hörte sie es. Flüstern und raunen. „Anna?“ Panisch blickte sie sich um. Es gab nicht viel sich zu verstecken. Dort. Dort stand ein alter Schrank. Schnell versteckte sie sich darin. Spinnweben strichen über ihre Stirn und sie hoffte, dass die Bewohnerin nicht auf sie fallen würde. Sie atmete ganz flach um bloß keine Geräusche zu machen. Schritte und Schlurfen konnte sie vor dem Schrank hören. Sie hielt die Luft an. Bitte, bitte, öffne nicht diese Tür. Betete sie in Gedanken.

Es schien zu helfen. Die Geräusche entfernten sich. Ausatmen – Einatmen. Sie wusste nicht wie lange sie in diesem Schrank ausharrte. Gefühlte Ewigkeit später öffnete sie vorsichtig die Tür. Es dämmerte, der Morgen brach an. Schnell ging sie hinaus und öffnete die Tür. Wieder ein anderes Zimmer. Tränen rollten ihre Wange hinunter. Es gab keinen Weg mehr hier raus. Sie war gefangen. Sie startete die Kamera und machte eine letzte Aufnahme.

„Hallo Leute. Schön, dass ihr heute wieder einschaltet. Das wird wohl meine letzte Aufnahme werden. Der Akku gibt bald seinen Geist auf und ich glaube nicht, dass ich hier eine Möglichkeit zum Laden bekommen werde. Aber wer weiß, vielleicht hat auch die Hölle Strom. Hahaha. Ähm. Die Nacht war gruselig. Ich hab seltsame Geräusche gehört und einige Gestalten sind um meinen Schrank geschlichen. Ich weiß nicht was mich erwartet, wenn sie mich finden. Ich hoffe es nie zu erfahren. Wenn ich hier nicht herauskomme, wird es wohl doch mal vorkommen. Tja, was soll ich sagen? Urban Explorer leben gefährlich. Das hier ist wohl mein Aus. Mark, wenn du dass siehst. Es tut mir leid. Ich hätte auf dich hören sollen. Ich liebe dich. Vergiss mich nicht. Vergesst mich alle nicht. Und kommt bloß nicht her – das Haus lässt einen nicht mehr raus. Vielleicht findet irgendwann mal ein anderer Explorer meine Gebeine. Lebt euer Leben, aber passt auch auf euch auf. Ich liebe euch alle und danke für eure Treue und die vielen tollen Kommentare. Ich werde euch alle vermissen. Pft.“ Der Akku war leer. Die letzte Aufnahme von Anna wurde hochgeladen.

Niemand hat sie je wieder gesehen. Es gingen viele Gerüchte umher. Es sei Fake und sie hätte sich einfach nur abgesetzt. Oder sie sei gestorben. Manche aber glaubten ihr.

Ende.

 

 

 

 

 

Wochenrückblick

Wochenrückblick Geschichtszauberei 06.05.19-12.05.19

Ohne viel Blabla – der Wochenrückblick.

Etüden 19/20.2019 – Das Rädchen im Getriebe

Writing Friday – die Geschichte

 

Die Themen für Writing Friday  für den Mai:

  • Du findest auf dem Dachboden eine alte Schreibmaschine, darin stecken noch beschriebene Blätter des Besitzers. Welche Geschichte verbirgt sich darauf? Berichte davon.
  • Schreibe eine Geschichte die mit dem Satz “Jasmin hatte schon immer an Magie geglaubt, doch als sie dann tatsächlich sah wie…” beginnt. 
  • Dein Handy berichtet über deine Macken.
  • Anna betritt eine alte Villa am Ende der Stadt, sie wird sie jedoch nie wieder verlassen. Erzähle was passiert ist.
  • Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter mit ein: Marmelade, Fingerhut, Rosenranken, Himmelblau und Oma.

Bei Christiane  werden 3 Begriffe in einen Text mit maximal 300 Worten verpackt bis zum 19. Mai 2019

Katzenauge
kurios
balancieren.


Beim Gemeinschaftsprojekt von  Die Pö und Herba gibt es auch ein neues Thema Mach was…mit Glück – bis zum 19.05.19


Und die neue Aktion von Alice Kreativ wie ihr wollt mit dem Wort Erinnerungen – bis zum 15.05.19 könnt ihr euch hier austoben.


Wollen wir hoffen, dass die heutige Sonne auch den Rest der Woche bescheint und uns kreative Inputs liefert.

 

[abc.etüden]

Etüden 19/20.2019 – Das Rädchen im Getriebe

Ach – endlich mal wieder Etüden. Ich freue mich über jeden Satz, den ich zustande bekomme. Ist zwar bisschen deprimierend geworden – darüber kann ich mich vielleicht beim trüben Himmel heute beschweren.

Die Wörter für die Textwochen 19/20 des Schreibjahres 2019 kommen von Katharina und ihrem Blog Katha kritzelt.

Die Worte bis zum 19.05.19

Katzenauge
kurios
balancieren.


Das Rädchen im Getriebe

Ben fuhr mit seinem Fahrrad die Strasse entlang. Er versuchte auf der weissen Fahrbahnmarkierung zu balancieren. Das war sein neuestes Steckenpferd. Er nahm die Hände vom Lenker, streckte die Arme senkrecht aus, dann bog er seinen Kopf nach hinten. Der volle Fahrtwind traf ihn und er genoss diese unendliche Freiheit. Die Katzenaugen seines Rads blinkten bei jedem auftreffenden Lichtstrahl munter vor sich hin. Sicherheit geht vor, sagte sein Vater immer.

Sicherheit. Das interessierte Ben wenig. Er war jung und das Leben lag vor ihm. Ihn interessierte nur seinen Spass. Fahrrad, Skateboard, Fussball, Fangen. Es war einfach toll. So könnte er ewig weiter machen. Aber sein Vater und seine Mutter drängten ihn immer wieder zurück in seine unbequemen Grenzen. „Du musst einen guten Schulabschluss bekommen um vielleicht studieren zu können und ein besseres Leben zu haben.“ Gab es denn ein besseres Leben als diese Freiheit? Niemals. Ben fand die Einstellung der Erwachsenen einfach nur kurios. Er konnte sich niemals vorstellen wie seine Eltern zu leben. Aber auch er wurde älter und der Druck von außen erhöhte sich. Die Erwartungen der Gesellschaft sich ein Sicherheitsnetz aufzubauen, lähmten ihn. Er verlor immer mehr von sich und seiner Freude.

Er tat was erwartet wurde. Schule, Ausbildung, Heirat und Kinder. Der Kreislauf des Lebens. Nur selten noch blickte der kleine Ben mal hervor. Er piesackte den grossen Ben und zeigte ihm in seinen Erinnerungen was er verloren hatte. Aufgegeben, um so zu sein wie er sein musste. Um ein Rädchen im Getriebe zu sein.

Eine kleine Träne verliess seine Augen, als er seinen Sohn beim Spielen beobachtete. Ganz stolz fuhr er mit seinem kleinen Rad die Auffahrt hoch und runter, ohne zu wissen dass es irgendwann vorbei sein würde. Ohne zu bemerken, dass er auch nur  irgendwann in das Getriebe eingeführt werden würde.

299/300

Allgemein, Geschichtenzauber, writing friday

Writing Friday – die Geschichte

Es ist endlich Freitag und Zeit zum Schreiben. Der Writing Friday – dieses mal habe ich mir folgendes Thema ausgewählt:

Du findest auf dem Dachboden eine alte Schreibmaschine, darin stecken noch beschriebene Blätter des Besitzers. Welche Geschichte verbirgt sich darauf? Berichte davon.

Ich hoffe, das Ende ist verständlich. Ich hatte soviel verschiedene Szenarien überlegt – und dann ist es doch bisschen anders geworden – deswegen hoffe ich, es ist verständlich.

Viel Spass mit der Geschichte in der Geschichte.


Du findest auf dem Dachboden eine alte Schreibmaschine, darin stecken noch beschriebene Blätter des Besitzers. Welche Geschichte verbirgt sich darauf? Berichte davon.

Ich stand vor meinem neuen, oder eher uralten Haus. Aber es war meins. Ich bin irgendwann mal beim Spazieren gehen vom meiner gewohnten Route abgewichen und auf einer verlassenen Seitenstraße auf dieses uralte Haus gestoßen. Es war Liebe auf den ersten Blick. Die blinden Scheiben und schiefen Rollläden – sie wirkten so traurig. Ich musste es einfach wieder herrichten. Es war wirklich klein. Aber ich war alleine und wie viel Platz braucht ein Mensch denn? In wieviel Räumen halte ich mich denn auf? Genau.

Ich rief also den Makler an, und keine zwei Wochen später gehörte dieses kleine, verkannte Schmuckstück mir. Als ich den alten Schlüssel in das Schloss steckte und die Tür mit der Schulter aufstieß kam mir ein Stöhnen entgegen. Ein gequältes, oder ein aufatmendes? Das konnte ich nicht unterscheiden. Ich hatte eigentlich schon immer eine Lebhafte Fantasie. Deswegen konnte ich in diesem alten Gemäuer, das frühere Leben direkt vor mir sehen. Eine kleine, arme Familie, die sich um den Tisch versammelte um gemeinsam über ihren Tag zu sprechen und zu essen.

Das war aber schon lange Zeit her. Drinnen sah es schon ziemlich herunter gekommen aus. Aber die Bausubstanz war in Ordnung. Es waren wirklich nur Schönheitsreparaturen. Und ich würde gleich mal anfangen. Ich schnappte mir aus dem Auto den Besen und fegte erst einmal. Es gab hier nur einen Dachboden und das Erdgeschoss. Im Erdgeschoss befand sich die Küche. Eine sehr schön große Küche, die ein tolles Fenster zum Garten hatte. Die restlichen Räume waren ein gemütliches Wohnzimmer mit Kamin, ein kleines ausreichendes Bad und ein Schlafzimmer. Perfekt. Ich war fleißig dabei zu kehren, als sich seltsame Kratzgeräusche aus der Wand bemerkbar machten.

Urg – das würden wohl Mäuse oder Ratten sein. Die Natur holte sich natürlich so ein lang leerstehendes Haus zurück. Darum würde ich mich später kümmern. Heute war ich voll und ganz mit dem Kehren und schon entrümpeln des Erdgeschosses beschäftigt. Für morgen hatte ich mir die Sichtung des Dachbodens vorgenommen. Da wäre bestimmt auch noch so einiges an Gerümpel, der entsorgt werden könnte. Und bestimmt wimmelte es dort von Spinnweben. Eine leichte Gänsehaut überzog meine Arme. Ja – die Natur halt. Ich würde es überstehen.

Als ich fertig war, sah es schon wesentlich besser aus. Bisschen Farbe an die Wand und meine Möbel, dann wäre es ein kleines Paradies. Ich schloss die Eingangstür hinter mir und verließ das Haus.

Am nächsten Morgen war ich schon früh dort um weiter zu machen. Ich wollte ja so schnell wie möglich einziehen. Ich stand vor der Treppe zum Dachboden. Dachböden hatten irgendwie immer was Unheimliches – genau wie Keller. Das kommt von den vielen Horrorfilmen, dachte ich mir. Ich straffte die Schultern und ging nach oben. Die Tür knarrte beim Öffnen und ich hielt den Atem an um zu horchen. Was wollte ich denn hören? Ob sich ein Serienmörder dort versteckt hielt. Ich schüttelte lachend den Kopf. Konnte aber nicht anders, als laut redend einzutreten. „Dann werden wir mal sehen, ob vielleicht die Männer vom Trödeltrupp hier auftauchen können und ich hier paar Schätze besitze.“ Ein unsicheres Lachen entschlüpfte mir. Ich knipste die Lampe an – Strom und Licht. Das war doch schon mal was.

Wie erwartet, sah es hier schon sehr gruselig aus. Eine alte Schneiderpuppe stand in der einen Ecke. Ein altes Schaukelpferd und ein alter Vogelkäfig befanden sich ebenfalls dort. Haufen alte Koffer und sonstiges Gerümpel. Ich seufzte. Das wäre noch ein bisschen Arbeit. Ich ging weiter und hinter einem Kofferschrank stand ein kleines Tischchen mit einem Stuhl und einer ganz alten manuellen Schreibmaschine. Neben der Maschine lag ein Stapel beschriebener Blätter und einige waren noch eingespannt. „Uh – ein unentdecktes Werk – vielleicht eines bekannten Autors? Das wäre doch mal was. Oder es ist einfach nur eine Aufstellung der Ein – und Ausgaben. Das schau ich mir an.“

Ich ging zur Maschine und fröstelte. Irgendwo war es wohl undicht. Es zog gehörig. Deswegen schnappte ich mir die Blätter und ging schnell wieder hinunter. Dieser Dachboden war unheimlich. Zuviel Schatten und definitiv zu viel Spinnweben.

Ich hatte mir von zu Hause einen bequemen Campingstuhl, einen kleinen Tisch und eine große Kanne Kaffee mitgebracht. Nach dem Grusel, war wirklich Zeit für eine kleine Pause. Ich ignorierte die kleine Stimme im Kopf, die mich darauf hinwies, dass ich noch gar nichts gearbeitet hatte.

Gemütlich in dem breiten Campingstuhl, nahm ich mir die Blätter vor. Es gab keinen Titel. Nun gut. Ich fing an zu lesen.

07.Mai

Ich muss unbedingt aufschreiben was hier passiert. Seit ich hier wohne geschehen seltsame Dinge um mich herum. Gegenstände wurden bewegt. Türen knallen und die Bodendielen knarzen. Irgendjemand ist im Haus. Ich hab der Polizei schon bescheid gesagt. Sie haben so einen Jüngling hergeschickt. Der hat alle Räume durchsucht. Nichts. Keiner hier. Aber was sind das für Geräusche und wieso stehen die Dinge immer an anderen Stellen. Ich glaube ich werde langsam verrückt. Das ist das Haus. Ich hätte nie hier einziehen sollen.

Ich bekam eine Gänsehaut. Diese Person wirkte so verängstigt, dass ich selbst Angst bekam. Ich schaute mich um. Im Hintergrund konnte ich das Kratzen in den Wänden hören. Das war unheimlich. Gleich morgen würde ich den Kammerjäger anrufen. Ich liebe ja Tiere – aber sie müssen nicht in meinen Wänden leben. Für heute hatte ich genug. Ich brauchte eine Pause. Schnell packte ich meine Sachen und verließ mein zukünftiges Zu Hause, das gerade ein bisschen finsterer geworden war.

Ich traute mich kaum weiter zu lesen. Aber innerlich zog mich etwas an die Seiten. Ich musste wissen, was da noch stand.

  1. Mai

Mir geht es gut. Wahrscheinlich waren es nur die Nerven. Zuviel strömt auf mich ein. Das Haus, mein Ex und die Renovierungen. Das ist bisschen viel. Arbeiten muss ich ja auch noch. Aber ich liebe das Haus. Obwohl es mir schon ziemlich Angst macht hier alleine. Aber der Arzt hat mir Angstlöser verschrieben und gemeint, das wären die Nerven. Also – soll mal einer sagen, es gibt kein Kraut, oder eine Pille für jede Krankheit, oder Narretei. Was war das? Die Tür, ich hab sie doch abgeschlossen, oder? Wenn ich sie abgeschlossen habe, wie konnte jemand……

Oh Gott. Ich traute mich kaum noch in mein Haus. Verdammt. Hätte ich doch diese Seiten niemals gefunden. Aber mir blieb nichts übrig. Die Renovierungen schritten voran und mein Umzugstermin stand fest. Die letzten Dinge wollte ich machen, wenn ich eingezogen war. War das eine gute Idee. Ja, natürlich. Ich hatte schließlich das Haus wegen seines leicht gruseligen Charmes gekauft. Also dann musste ich auch damit leben, oder?

Ein paar Tage mied ich das Haus, und schob das Einpacken als Ausrede voran. Ich musste schließlich alles verpackt haben, wenn der LKW kam.

Dann war es soweit. Der fünfte Mai. Ich war aufgeregt. Die Männer packten alles in den Wagen und ich legte den Schlüssel unter die Fußmatte. Ein letzter Blick in meine alte Behausung, ein kleiner Abschied und ich zog die Tür ins Schloss. Einer neuen Zukunft entgegen.

Am Haus angekommen, hatten die Männer der Umzugsfirma, das meiste schon in die Zimmer verteilt. Viel hatte ich ja nicht – aber das reichte aus. Als alle weg waren, schloss ich die Tür, ging ins Bad und ließ Wasser in die Wanne laufen. Ein warmes Bad, danach lechzte ich. Und einen leckeren Entspannungstee. Heute würde ich nicht alt werden. Ich freute mich schon darauf, die erste Nacht in meinem Heim zu verbringen.

In der Wanne schlief ich schon fast ein, als mich ein knarzen schlagartig hellwach werden ließ. Ich setzte mich auf. „Hallo?“ Schnell stand ich auf und griff nach meinem Bademantel. Ich schaute mich im Bad um, ob ich etwas als Waffe verwenden konnte. Eine Schere. Besser als nichts. Im Bademantel, nasse Fußspuren hinterlassend ging ich vorsichtig aus dem Raum. Ich hielt den Atem an um zu lauschen. Da war nichts mehr zu hören. „Ein altes Haus, das arbeitet. Mensch Mädchen, stell dich nicht so an.“ Ich atmete aus, ging zurück um mich schnell anzuziehen. Danach ging ich schneller als normal in mein Schlafzimmer. Ich schloss die Tür und drehte den Schlüssel. Nur für den Fall.

  1. Mai

Alles ist gut. Alles wird gut. Ich bin sicher, das Haus ist sicher. Keiner ist hier. Nur ich. Nur ich. Vielleicht. Vielleicht noch, ach nein. Ich schwebe. Die Tabletten sind toll. Ich kann wieder schlafen. Nur meine Träume sind verstörend. Aber es sind ja nur Träume. Träume sind Schäume. Diese seltsamen Gestalten sind nur Produkte meiner Fantasie, sagt mein Arzt. Vielleicht, meint er, sollte ich mal eine Kur machen. Aber ich hab doch so ein hübsches Haus. Das ist doch wie eine Kur. Und die vielen Besucher nachts. Mit ihnen kann ich reden. Sie hören mir zu. Keiner hört mir zu – aber sie tun das. Ja. Sie sind wie meine Familie.

  1. Mai. 2019

Ich habe Angst. Meine neue Familie, hier im Haus – sie wollen, dass ich bleibe. Das ich mit ihnen komme. Sie zerren an mir. Sie reißen an mir. Sie ziehen mich an die Wand – in die Wand. Ich kann ihnen nicht entkommen.

Und für dich…..ist es auch zu spät. Du bleibst bei uns und wirst Teil unserer Familie. Wir lieben dich. Für immer. Ahahahahahahahahahar.

Draußen vor der Tür war ein seltsames Hämmern zu hören. Ich kratze an der Wand um einen Blick nach draußen zu haben. Der Makler. Er hämmerte ein Schild in den Rasen: „Zu Verkaufen.“

ENDE

 

Wochenrückblick

Wochenrückblick Geschichtszauberei 29.04.19-05.05.19

Ein kaltes Wochenende – da kuschelt man sich am besten wieder mit einem heissen Getränk und einer Packung Kekse ins Bett und liest, oder schreibt…

Ein kleiner Rückblick.

Von meiner kleinen WG gab es wieder einen Schreibkick.

Schreibkicks – Mai – Lachen heilt alle Wunden

Und der Monatsrückblick zeigt mir – ich war nicht sehr kreativ. :-(

Monatsrückblick Geschichtszauberei – April 2019


 

Die Themen für Writing Friday  für den Mai:

  • Du findest auf dem Dachboden eine alte Schreibmaschine, darin stecken noch beschriebene Blätter des Besitzers. Welche Geschichte verbirgt sich darauf? Berichte davon.
  • Schreibe eine Geschichte die mit dem Satz “Jasmin hatte schon immer an Magie geglaubt, doch als sie dann tatsächlich sah wie…” beginnt. 
  • Dein Handy berichtet über deine Macken.
  • Anna betritt eine alte Villa am Ende der Stadt, sie wird sie jedoch nie wieder verlassen. Erzähle was passiert ist.
  • Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter mit ein: Marmelade, Fingerhut, Rosenranken, Himmelblau und Oma.

Das Thema für die Schreibkicks zum 01.06.19 lautet: Aufs Dach gestiegen


Bei Christiane  werden 3 Begriffe in einen Text mit maximal 300 Worten verpackt bis zum 19. Mai 2019

Katzenauge
kurios
balancieren.


Beim Gemeinschaftsprojekt von  Die Pö und Herba gibt es auch ein neues Thema Mach was…mit Glück – bis zum 19.05.19


Und die neue Aktion von Alice Kreativ wie ihr wollt mit dem Wort Erinnerungen – bis zum 15.05.19 könnt ihr euch hier austoben.

 

Und wieder war es das von mir – ich wünsche euch eine erfolgreiche Woche.

Monatsrückblick

Monatsrückblick Geschichtszauberei – April 2019

So – da ist er schon wieder rum, der April.

Ich bin gespannt, was ich veröffentlicht habe. Ich hatte über Ostern Urlaub und eine Schreibflaute – damit hätte ich nicht gerechnet, da ich mich eigentlich aufs Schreiben gefreut habe.

Writing Friday – Die Gefahr aus der Luft – Endzeitszenario

#Telling Pictures – Und wenn sie nicht gestorben sind, gibt es Hoffnung. Eine kleine Dystopie

Schreibkicks – Im Spiegel lauert die Gefahr Und die Lieblings WG hat einen neuen Gast

 

Ja – und das spiegelt sich hier tatsächlich wider. 3. Geschichten nur…..

 

Schreibkicks

Schreibkicks – Mai – Lachen heilt alle Wunden

Es ist der 1. Mai und ein sonniger Feiertag. Ach, so könnte ich leben. Ausschlafen, gemütlich Kaffee trinken und meine neuen Geschichten rund um unsere Schreibkicks-WG präsentieren.

Mit dabei waren dieses mal:

Das heutige Thema ist Der Clown 

Das Thema für den 1.6. lautet: Aufs Dach gestiegen

Ein Clown ist das, was unserer Gemeinschaft noch fehlt. Mal sehen wie er sich integriert. Aber erstmal muss er ja auftauchen, das erleben wir heute.

Kommt mit und begrüsst alte Bekannte.

Diesen Ohrwurm am Anfang, hatte ich letzt wirklich gehabt…er passte einfach perfekt in den Anfang.


Schreibkicks – Clown

“Smelly Cat, Smelly Cat,

What are they feeding you?

Smelly Cat, Smelly Cat,

It’s not your fault. Hmmmhhmhmmmmhmmmhmmmm AHHHHH. Amelia – verdammt noch mal, ich hab dir doch gesagt, du sollst das lassen. DU SOLLST NICHT IN MEIN BADEZIMMER GLITSCHEN, vor allem wenn ich gerade dusche.“ „Und komische Lieder singst?“ „Ich hab einen üblen Ohrwurm aus einer der letzten Friends-Serie – das  Lied verfolgt mich jetzt schon paar Tage. So ein Mist. Aber jetzt verschwinde.“ „Ich weiß gar nicht was du hast – wir sind doch Mädchen – ich kenn doch alles, was du so hast – und ich kann dir sagen – das sieht alles sehr gut aus bei dir.“ Ihr anerkennender Blick ließ mich erröten. Ich griff nach meinem Handtuch. „Ähm – ja danke – aber ich mag doch irgendwie meine Privatsphäre.“ Amelia seufzte: „Na gut.“

Ich rollte die Augen. Wusste ich doch, dass sie das immer wieder machen wird. Ich brauch einen Geisterabwehrzauber, oder so was. Da sollte ich mal Minerva fragen. Ich trocknete mich also ab. Der Spiegel war angelaufen. Ich wischte darüber und…“AHHH – ja verdammt – wollt ihr mich hier wirklich alle umbringen?“ „Mir ist langweilig. Komm und besuch mich. Am besten um Mitternacht, mit einer Kerze. Was meinst du? Dann können wir uns wie Freundinnen unterhalten.“ „Mary. Wie schön dich zu sehen. Und so überhaupt nicht gruselig.“ Seit neuestem wusste ich, dass Bloody Mary hier in einem Spiegel hauste. Auf dem Dachboden. Sie kann sich nun in den Spiegeln bewegen. Was wirklich sehr gruselig ist, da sie auch noch gruselig aussieht. Mit diesen langen dunklen Haaren, die immer irgendwie über ihr Gesicht hängen und den dunklen stechenden Augen. Brrrr. „Komm schon, mir ist echt langweilig.“ „Du warst so lange eingesperrt, wie kann dir jetzt langweilig sein?“ „Mir war da auch schon langweilig. Aber ich hatte niemanden dem ich es erzählen konnte. Früher, das waren noch Zeiten, da wurde ich immer mal gerufen. Mutprobe und so. Aber irgendwie – ich scheine wohl nicht mehr in Mode zu sein?“ „Ach naja – Klassiker sterben nie wirklich aus.“

Ich drehte mich um und verlies einfach mal das Badezimmer – vielleicht hatte ich in meinem Zimmer mehr Ruhe und konnte mich auch mal anziehen. So langsam fühlte ich mich bisschen schamhaft. Ich betrat mein Zimmer und war nicht so wirklich überrascht: „Minerva – na warum überrascht mich das nicht?“ „Hm? Ach du meinst diesen Überfall?“ „Du bist nicht die erste heute.“ „Soso. Nun gut. Eigentlich wollte ich dir sagen, dass ich diese Nacht nicht da sein werde. Als musst du bisschen vorsichtig sein.“ „Okay – Aber eigentlich musst du dich nicht bei mir abmelden.“ „Das weiß ich doch. Aber es ist Walpurgisnacht – und – nun, da werde ich bisschen – abgelenkt sein.“

„Walpurgisnacht. Echt. Du machst da mit? Küsst du dem Teufel dann auch den Hintern und heiratest ihn?“ „Ach, das war früher so, heute sind auch wir in der Zukunft angekommen. Natürlich nicht. Der Teufel ist ein Ar….sehr unangenehmer Zeitgenosse – und stinken tut er auch – also seinen Hintern küsse ich bestimmt nicht. Allerdings sind seit paar Jahren auch Hexer zugelassen – und – ja. Ähm ich wollte dir nur sagen. Auf dem Brocken ist so was wie ein Funkloch – ich kann also nichts wahrnehmen – was hier so geschieht.“ „Komm, erzähl schon. Ist da ein bestimmter Hexer, auf den du es abgesehen hast? Ich hab ja gehört die Walpurgisnacht ist eine große Orgie.“ „Lissi! Schäm dich. Ich wusste gar nicht, dass du so ungehörig bist.“ „Waas? Man darf doch bisschen neugierig sein?“

„Das finde ich aber auch.“ Wir blickten beide ertappt hoch. Der Spiegel. „Mary. Schon wieder?“ „Genau das meinte ich. Ich werde nicht da sein um SIE“ dabei zeigte sie ihre Hand im Kreis drehend, auf Mary – „im Zaum zu halten.“ „Du musst mich nicht im Zaum halten – ich weiß mich zu benehmen. Ich will auch bisschen Spaß. Nimm mich mit auf dem Brocken.“ „Nur Hexen, keine Dämonen. Verschwinde.“ Mary tat wie ihr befohlen.

„Also sei Lieb und spiel nicht mit Mary. Sie ist hinterlistig.“  „Okay – vielleicht finde ich ja eine Lösung für ihr Problem.“ „Das glaube ich kaum. Da suchen schon lange andere nach. Also ich mach mich mal auf den Weg. Ich will nicht zu spät kommen.“ „Pass auf und verflieg dich nicht.“ Sie winkte mir koket zu und ich war ein bisschen neidisch. Ich könnte auch mal wieder einen ausgelassenen Abend gebrauchen.

Ich ging hinunter. Eigentlich hatte ich, nach diesem Start nicht so wirklich Lust. Obwohl ich Minerva ja mal einen ausgelassenen Abend gönnte, machte es mich bisschen traurig, dass ich keinen haben würde. In der Küche hörte ich Tumult. „Hei, was ist denn hier los?“ „Ein Zirkus, ein Zirkus ist in der Stadt.“ „Was, heute?“ „Jaaaa. Ein Zirkus.“ Amelia tanzte durch die Küche, was wirklich seltsam aussah, da sie teilweise immer wieder in den Küchenschränken verschwand. „Und was ist so besonderes an diesem Zirkus?“ Fragte ich erstaunt. Richard drehte sich auf dem Stuhl in meine Richtung. „Ein Zirkus.“ „Jaaaa? Das hab ich verstanden. Aber ein Zirkus ist doch nichts Außergewöhnliches.“ „Ach, jetzt sag es ihr schon, Richard.“ Er seufzte und funkelte Dracula an, der mit einem Glas Blut lässig an der Spüle lehnte und in die Dunkelheit hinaus sah. „Nun gut – es ist ein Underground Zirkus.“ „Underground?“ „herrjeh, sie versteht wieder mal gar nichts. Wen hat Ernestine nur hierher geschickt? Komm Kind, setz dich.“ Dracula klopfte auf den Stuhl neben sich, auf dem er mittlerweile Platz genommen hatte. Augenrollend und ein klein bisschen Schmollend, setzte ich mich und schaute ihn wie ein genervter Teenager an. „Also was ist das jetzt?“ Maulte ich. „Ein Underground Zirkus ist das was man als Freak Show kennt.“ Ich riss die Augen auf. „Freak Show. So aus Anfang 1900? Mit Missgeburten und geknechteten Menschen? So was?“ Betreten schaute mich Richard an und Dracula seufzte genervt. „Natürlich ist das, das was vermittelt wurde. Aber ein Underground Zirkus, der ist für uns da. Für die Geschöpfe der Nacht.“ Wie machte er das nur mit diesem dramatischen Echo, das sich manchmal unter seine Stimme mischte. Das verschaffte mir eine Gänsehaut.

„Hm – okay – das bedeutet?“ „Ach jeh. Frank, bitte schenk mir doch noch ein Glas dieses hervorragenden Tropfens ein. Diese Frau bringt mich zum Verzweifeln.“ Frank, ganz galant mit einem weißen Tuch über dem Unterarm geschlungen und einer Flasche roten Inhalts, trat an den Tisch, stolperte und schüttete den Halben Inhalt auf Dracula. Zum Glück nicht auf mich, Igitt….“Grrrr. Frank!“ „Tschuldigung.“ Murmelte dieser betroffen. „Wir gehen in den Zirkus, wir gehen in den Zirkus.“ Trällerte unterdessen Amelia weiter. „Hör zu, Lissi.“ Sprach Richard mich an. „Unsere Freunde haben nicht wirklich viel Auswahl am Ausgehen. Da gibt es Fasching und Halloween. Das war es. Aber so ab und zu kommt solch ein Kuriositäten Laden zu uns. Und da müssen sie einfach hingehen. Glaube mir. Du wirst es mir danken, wenn sie einen guten Abend haben, von dem sie noch ein paar Wochen zehren können. Wirklich, du musst mir glauben.“ Dabei sah er mir flehend, schon fast verzweifelt tief in die Augen. Als wolle er mich hypnotisieren. „Ja, ist okay. Ich hab ja nichts dagegen. Ihr seid ja vor mir auch dahin. Habt ihr geglaubt ich verbiete es?“ Die Gruppe blickte sich fragend an. „Ja.“ „Warum?“ „Weiß nicht, du wirkst so steif.“ „Waaaasss? Ich bin total locker.“ Ein Lachen erhob sich. Und verstummte sofort. „Ja, natürlich, total locker.“ Ich verzog das Gesicht und streckte ihnen die Zunge hinaus. Also bitte. Ich war wirklich locker. Meistens.

„Gut, wann gehen wir?“ Fragte ich. Amelia war aufgeregter als noch die ganze Zeit davor. Sie kam neben mich und drückte mir einen kalten Kuss auf die Wange. Oder sagen wir – sie versank in meiner Wange und dieses Gefühl war wirklich eklig. Sehr kalt und ich konnte ihre Gedanken fühlen. Sehr, sehr schräg. Natürlich war ich jetzt sehr neugierig, was wir denn in dieser Freak Show antreffen würden. „Hei, ich will mit. Ich bin auch ein Freak. Holt mich doch mal einer aus diesem verdammten Spiegel. Dracula? Ach ne – du siehst ja nix im Spiegel. Frank?“ Dieser blickte entsetzt zu mir. Ich beruhigte ihn mit einem sanften streicheln über den Arm. „Nicht, dann Amelia? Süße Amelia? Wir könnten viel Spaß haben. Tanzen, Haare flechten.“ „Oh, das klingt toll. Darf ich?“ „NEIN!“ Riefen Richard und ich. „Ach kommt, ihr seid Spielverderber. Richard – komm lass mich raus. Wir können auch miteinander spielen.“ Wie süß, Richard errötete und zog schnell die Stirn in kraus. „Auf keinen Fall. Bis wir dich entschärft haben, bleibst du im Spiegel. Und das sage ich hier jedem. Lasst sie bloß nicht raus. Verstanden?“ Alle nickten. Richard war selten so bestimmt. Sehr sexy.

„In einer halben Stunde geht es los. Treffen in der Halle.“ Richard ging hinaus und wir  anderen blickten uns an. Dann fuhren wir alle aus den Stühlen hoch und rannten in unsere Zimmer. Ich war mittlerweile so angesteckt von der Euphorie, ich würde doch noch was erleben heute.

Etwa dreißig Minuten später trafen wir uns in der Halle. Es waren alle da. Ich, Richard, Dracula, Morphi – ich glaube er hatte seine Binden entstaubt? Frank und seine angebetete Keya – unsere liebe Baumnymphe. Und unsere imaginären Freunde Leon der Chamäleonkrake und Waldemar der Hund.  „Wo ist Minerva? Ach, ja ich erinnere mich, Walpurgisnacht.“ Wir quetschten uns in den Transporter und Richard fuhr los. Viel rum gekommen war ich in diesem Städtchen noch nicht. Die Arbeiten am Haus hatten mich immer davon abgehalten. Sehr schade, denn es sah wirklich sehr gemütlich aus. Ich muss unbedingt mehr ausgehen, dachte ich.

Wir fuhren etwa eine Stunde und ich würde nie wieder heim finden. „Wann sind wir denn endlich da?“, fing ich an zu nörgeln. „Wenn wir da sind.“ Blaffte Richard zurück. Keine zehn Minuten später stellte er das Auto ab und stieg aus. Wir waren in einem Moor. „Ein Moor? Sehr zuverlässig. Beinhaltet die Freak Show auch paar Moorleichen, oder brauchen sie vielleicht noch welche, weswegen wir hier eingeladen wurden?“ „Haha. Sie kann ja witzig sein.“ Sagte Dracula und schupste mich beim Vorbeigehen an. Ich folgte ihm und die anderen mir. Nicht weit und wir standen vor einem Tor. „Parole?“ Echt eine Parole – waren wir in den Zwanzigern und wir gingen jetzt in einen verbotenen Club. Ich war so aufgeregt, das war so spannend. Dracula flüsterte dem Wächter etwas ins Ohr, dieser blickte uns an und öffnete die Tür. Wir gingen hinein und ich war sprachlos. Hinter dieser Tür befand sich ein Jahrmarkt. Ich befand mich in der Vergangenheit und fühlte mich wie ein Kind. Da war der starke Mann, die dicke Frau mit Bart, die Schlangenfrau, der Feuerschlucker, das Wolfsmädchen, alles was man jemals mit dieser Attraktion in Verbindung gebracht hatte. Und ihr werdet es nicht glauben: Es liefen Vampire, Mumien, Wertiere und viel andere Fabelwesen hier herum.

Dracula eröffnete das Wort: „ich würde sagen, jeder geht einfach mal los. Wir haben ja unterschiedliche Interessen. Treffen wir uns einfach irgendwann am Ausgang. Okay?“ und schon war er weg. Er hatte sich aufgelöst – eine kleine Säule aus Qualm war noch übrig. Ich blickte Richard an: „Das kann er auch….ach was ein Klischee dieser Vampir doch ist.“ „Willst du bei mir bleiben, ähm, oder machst du dich alleine auf den Weg?“ Fragte Richard mich. Ich hatte das Gefühl, er wollte lieber alleine sein. Ein Tête-à-Tête? „Nein, nein, gehe nur. Ich werde schon zurechtkommen.“ Ich winkte ihm und drehte mich schon um. Alles war schön in einem Kreis angeordnet – das war sooo gut. Ich fing einfach mal beim starken Mann an. Er hatte, wie man es aus alten Filmen kennt, sogar ein geringeltes Trikot und einen langen Schnauzbart. So ging ich weiter zur dicken, bärtigen Frau, zur Schlangenfrau und der Feuerschlucker, der sogar ganz niedlich aussah. Es gab sogar diese Frau-Mann Person, die eine Hälfte war eine Frau, wunderhübsch und die andere ein ansehnlicher Mann. Herrlich. Meine Runde endete an dem Zelt der Wahrsagerin.  Ich dachte mir: Ach komm Lissi, eine Wahrsagerin, hast du nicht schon genug an der Backe – eine Wahrsagerin? „Komm rein, hübsches Kind. Hab keine Angst. Es geschieht dir nichts.“ Ich blickte mich erstaunt um und trat ein.

Ein tolles Ambiente erwartete mich. In dunklen Rottönen hingen viele Tücher herunter. Es funkelten überall Sterne und an einem runden Tisch saß eine hübsche Frau mit einer Glaskugel. Sie war etwa in meinem Alter und wirklich rassig. Eine Sinti. Ihre dunklen Augen nahmen mich sofort gefangen. Bis sie den ersten Satz sagte: „Ich sehe, du hast Probleme?“ Okay – schon war der Zauber dahin. „Ja, wer nicht?“ „Stimmt – jeder hat Probleme. Entschuldige bitte Lissi, für diesen blöden Einstand.“ Ich riss die Augen auf und den Mund. „Woher ich deinen Namen weiß? Ich spreche mit Geistern.“ In diesem Moment tauchte Amelia im Hintergrund auf. „Hehe.“ „Na toll. Ihr wollt mich also veralbern. Toll.“ Aber lachen musste ich trotzdem. Die Frau war einfach zu sympathisch. „Aber jetzt mal ernsthaft. Du hast ein Problem. Und zwar mit Bloody Mary.“ „Amelia?“ „Nein, das weiß ich nicht von Amelia.“ Ich hob meine Augenbrauen und legte meinen Kopf gespannt in meine gefalteten Hände. „Weiter.“ Bat ich sie. „Bloody Mary ist gefährlich. Das weißt du. Sie ist eine geschundene Seele und will jeden für ihren Tod büßen lassen. Sie brauch…“ Eine theatralische Pause .“…August.“ „August?“ „Ja August.“ „Was ist ein August?“ „Na sie meint den Sommer, du Dummerchen.“ Zwitscherte Amelia  „Was den Monat? Was hat den der August mit Bloody Mary zu tun? Das versteh ich nicht.“ „Ach Amelia, nicht den Monat – den Dummen August.“ „Einen Clown?“ „Ja – einen Clown.“ „Das versteh ich immer noch nicht. Was soll denn ein Clown mit Bloody Mary zu tun haben?“ „Er wird sie zum Lachen bringen und es gibt nichts besseres, eine geschundene Seele zu heilen, als Lachen.“

„Natürlich – einen dummen August – und wo kann ich einen bestellen? Ich mein, man läuft ja nicht mehr so vielen Clowns über den Weg, seit Pennywise und Twisty haben die Kinder ja eher Angst vor Clowns.“ „Ja – ein seltsames Phänomen“ meinte die Wahrsagerin nachdenklich. „– aber wie der Zufall es will. Wir haben einen dummen August, der ein neues zu Hause sucht. Er hat sich mit dem weißen Clown verstritten und hat keine Lust mehr. Oder sagen wir so – er muss wohl hier weg, ist wohl wirklich hässlich geworden, zwischen den beiden. Also er bräuchte eine neue Unterkunft.“ „Na wie praktisch.“ Meinte ich. „Ja – das ist doch echt Schicksal, oder?“ Lachte die Sinti, deren Name Makayla war. „Ach bitte, Lissi. Ein Clown, das fehlt uns doch noch in unsere Mitte.“ „Meinst du? Als wenn ich nicht schon genug Spaß mit euch hätte.“ Antwortete ich sarkastisch.  „Das kann ich nicht alleine entscheiden, das muss die Gemeinschaft entscheiden. Ich frage sie und sag dir dann bescheid.“

Vor dem Zelt von Makayla nahm ich mir erst mal Amelia zur Brust. „Was soll das? Musst du jedem von uns erzählen?“ sie blickte mich etwas betrübt an. „Ich habe nichts erzählt – wir sind doch bekannt. Jeder weiß von uns und auch von dir. So was spricht sich in unserer Gemeinde einfach schnell rum. Jeder würde gerne bei uns wohnen. Wir sind so nett.“ Ich legte meinen Kopf schief. „So, nett also. Nun, schauen wir mal was das mit dem dummen August werden soll.“ Ich ging zum Treffpunkt. Einige waren schon versammelt. Nur Dracula und Richard fehlten noch. Beide ließen aber nicht lange auf sich warten. Und sie sahen etwas derangiert aus. Ich hob eine Augenbraue, worauf Richard wieder errötete und Dracula geheimnisvoll lächelte. Kurz erläuterte ich die Situation. „Ach ich weiß nicht. Ein Clown. Dann liegt überall Konfetti herum und wir bekommen ständig Wasser ins Gesicht gesprüht.“ Dracula schüttelte sich. Richard antwortete: „Aber anscheinend brauch er unsere Hilfe. Und erinnert euch, warum ihr bei uns seid.“ Betroffene Blicke. Ich schaute jedem ins Gesicht. Mein Kopf drehte sich hin und her – irgendwas passte nicht. Ein Gesicht war mir unbekannt. Ich schrak zurück. Ein rotgeschminktes Gesicht mit dicker Nase grinste mich an. „Hallo, ich bin August.“

ENDE

 

Bisher erschienen:

  1. Schreibkicks – die vererbte Zeitkapsel
  2. Schreibkicks – Weihnachstspezial – Die Sache mit dem Rentier
  3. Mach was…mit einer Festtags-Leckerei
  4. Schreibkicks – Märchen der guten Vorsätze
  5. Schreibkicks – Rückkehr der Freunde
  6. Schreibkicks – Die Welt bei Nacht mit einem Hausschuh.
  7. Schreibkicks – Im Spiegel lauert die Gefahr