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Etüden 19/20.2019 – Das Rädchen im Getriebe

Ach – endlich mal wieder Etüden. Ich freue mich über jeden Satz, den ich zustande bekomme. Ist zwar bisschen deprimierend geworden – darüber kann ich mich vielleicht beim trüben Himmel heute beschweren.

Die Wörter für die Textwochen 19/20 des Schreibjahres 2019 kommen von Katharina und ihrem Blog Katha kritzelt.

Die Worte bis zum 19.05.19

Katzenauge
kurios
balancieren.


Das Rädchen im Getriebe

Ben fuhr mit seinem Fahrrad die Strasse entlang. Er versuchte auf der weissen Fahrbahnmarkierung zu balancieren. Das war sein neuestes Steckenpferd. Er nahm die Hände vom Lenker, streckte die Arme senkrecht aus, dann bog er seinen Kopf nach hinten. Der volle Fahrtwind traf ihn und er genoss diese unendliche Freiheit. Die Katzenaugen seines Rads blinkten bei jedem auftreffenden Lichtstrahl munter vor sich hin. Sicherheit geht vor, sagte sein Vater immer.

Sicherheit. Das interessierte Ben wenig. Er war jung und das Leben lag vor ihm. Ihn interessierte nur seinen Spass. Fahrrad, Skateboard, Fussball, Fangen. Es war einfach toll. So könnte er ewig weiter machen. Aber sein Vater und seine Mutter drängten ihn immer wieder zurück in seine unbequemen Grenzen. „Du musst einen guten Schulabschluss bekommen um vielleicht studieren zu können und ein besseres Leben zu haben.“ Gab es denn ein besseres Leben als diese Freiheit? Niemals. Ben fand die Einstellung der Erwachsenen einfach nur kurios. Er konnte sich niemals vorstellen wie seine Eltern zu leben. Aber auch er wurde älter und der Druck von außen erhöhte sich. Die Erwartungen der Gesellschaft sich ein Sicherheitsnetz aufzubauen, lähmten ihn. Er verlor immer mehr von sich und seiner Freude.

Er tat was erwartet wurde. Schule, Ausbildung, Heirat und Kinder. Der Kreislauf des Lebens. Nur selten noch blickte der kleine Ben mal hervor. Er piesackte den grossen Ben und zeigte ihm in seinen Erinnerungen was er verloren hatte. Aufgegeben, um so zu sein wie er sein musste. Um ein Rädchen im Getriebe zu sein.

Eine kleine Träne verliess seine Augen, als er seinen Sohn beim Spielen beobachtete. Ganz stolz fuhr er mit seinem kleinen Rad die Auffahrt hoch und runter, ohne zu wissen dass es irgendwann vorbei sein würde. Ohne zu bemerken, dass er auch nur  irgendwann in das Getriebe eingeführt werden würde.

299/300

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Schreibeinladung für die Textwochen 12.13.19 – Hätte sie nur…

Noch ein Text habe ich für Christianes Etüden hervorgebracht.

Eigentlich würde ich bei dem Wort Café auf etwas freundliches hoffen. Aber verdorben und beißen – die reisen es in den Abgrund. Also hier ein weiterer Text aus den Tiefen.


Er hatte es einfach verdorben, dachte Daisy. Hätte er nicht so einen netten Eindruck im Café gemacht, wäre sie nie mit ihm mitgegangen. Sie hörte ihre Mutter in ihren Gedanken. Daisy, gehe nie mit einem Mann beim ersten Treffen zu ihm nach Hause. Er wird dich beschmutzen, oder wenigstens deinen Ruf. Wie oft hatte sie das und ähnliches gehört?

Jetzt stand sie in seiner Küche. Sie hätte niemals eine Chance zu entkommen. Seit vielen Jahren wurde es schon getan. Sie hatten es lange angekündigt. Um Verbrecher besser Dingfest zu machen, wurde seit ihrem Geburtenjahr die DNA gespeichert. Jetzt war sie eine Verbrecherin. Sie blickte an sich herunter. Das Blut tropfte von dem Messer auf den Boden. Wie konnte das passieren? Er wollte sie doch nur sanft in den Hals beißen. Aber dieser Biss hatte sie so erschreckt.

Sie hatte nicht mal bemerkt, dass sie nach dem Messer gegriffen hatte. Ein reiner Reflex. Ein Biss – Ein Stich. Und überall würde ihre DNA verteilt sein. In ihren Gedanken ging sie zurück. Café, Auto, Wohnungstür, Bad, Wohnzimmer, Couch, Küche. Sie musste alles reinigen. Warum auch musste er beißen? Beißen war anstößig.

Daisy erwachte aus ihrer Trance. Wie ferngesteuert ging sie auf den Wandschrank zu. Dort fand sie Bleichmittel und Handschuhe. Ein Eimer und eine Sprühflasche fand sich auch noch. Woher kam die Kraft? Sie zog ihn in die Wanne, kippte Bleiche über ihn und in seinen Mund. Systematisch ging sie rückwärts. Ein Überwachungssystem hatte er nicht. Als sie beim Auto ankam hängte sie ihr T-Shirt in den Tank und zündete es an. Einige Meter am Straßenrand stand ein Auto. Die Tür öffnete sich und ihre Mutter stieg aus. Mit den Armen in den Hüften: „Ich hab dich gewarnt. Steig ein.“ Daisy stieg ein. Sie hätte auf ihre Mutter hören sollen.

297 Worte

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Schreibeinladung für die Textwochen 12.13.19 | – Vielleicht

Nach dem Dauerregen von gestern und heute, scheint gerade die Sonne durch unser Fenster. Da wurde es doch mal Zeit einen kleinen Text für die Etüden zu schreiben. Vor allem weil es dieses mal meine eigenen Worte sind, die ich gespendet habe. Ich bin sehr gespannt auf die Texte sie eingehen und freue mich, sie dann durchzuklicken, sobald Christiane ihre tolle Zusammenfassung bereit hat.

Allerdings passt mein Text gar nicht so zu dem schönen Sonnenschein.

Hier also meine Worte für die kommenden zwei Wochen bis zum 7. April 2019. Zum 31.3 wird es noch mal Extraetüden geben.

Café (Duden)
verdorben
beißen.


Ich lag in einem versifften Bett in einem versifften Motel. Die Welt hatte sich verändert. Meine Welt hatte sich verändert. Gegenüber blinkte ein schiefhängendes Neonreklameschild eines Café. Ich setzte mich auf. Das Licht verursachte mir Kopfschmerzen. Vielleicht sollte ich rüber gehen und sehen, was es für Spezialitäten auf der Karte gab.

Ich blickte aus dem Fenster. Die Straßen waren wie leergefegt. Keine Menschenseele unterwegs. Nur hin und wieder war eine Ratte zu sehen. Sie waren riesig. Die Auswahl ihres Speiseplans hatte sich stark verändert. Sie hatten keine Angst mehr vor uns. Warum auch? Die meisten von uns waren jetzt ihre Nahrung. Ich ging zur Tür. Sollte ich dieses versiffte, aber sichere Zimmer verlassen? Noch war es nicht zu dunkel. Das bedeutete, es war noch nicht gefährlich. Gefährlich wurde es nur im Dunkeln. Dann kamen sie aus ihren Verstecken.

Ihre Seelen waren verdorben, wie das Essen in dem Café gegenüber. Ich konnte den Gestank durch die Ritzen des undichten Fensters riechen. Es war ekelerregend. Etwas huschte an dem Schaufenster, des kleinen Modelädchens vorbei. Es war schon zu spät. Ich musste bleiben. Wie lange würde ich bleiben müssen? Solange wie ich es ertrug? Oder länger? Wenn ich jetzt hinausgehen würde, würde ich sterben?

Würden sie mich beißen und ich würde wie sie werden? Ja, so war es immer. Die Welt hatte sich verändert – meine Welt. Aber sie drehte sich weiter. Egal was geschah, sie drehte sich weiter. Ich ging zurück zum Bett. Morgen wäre auch noch ein Tag. Morgen könnte ich zum Café gehen. Morgen könnte ich auch schauen, ob noch jemand außer mir lebte. Ich würde die Stadt verlassen. Vielleicht war nur diese hier durch den Fallout betroffen. Vielleicht töteten sich nur hier die Menschen gegenseitig und infizierten sich mit einem unbekannten Virus. Vielleicht. Vielleicht könnte sie leben.

297 Worte

 

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Etüden 10/11.19 – Alles hat seinen Preis Part 2

Ich habe es ja schon angekündigt….es wird eine Fortsetzung geben. Ich dachte es dauert länger, aber es hat mich einfach gekribbelt….hier ist schon das Ergebnis…

Bei Christiane  werden 3 Begriffe in einen Text mit maximal 300 Worten verpackt – bis zum 17. März 2019 können wir mit folgenden Worten spielen:

Nieselregen
weich
irren.

Die Wortspende kommt dieses mal von Natalie und ihrem Blog, dem Fundevogelnest.

HIER ist der Einstieg.


Anton hinkte leicht. Das Leben als Zombiekatze hatte ihre Spuren hinterlassen. Aber er war rehabilitiert. Leider hatte seine Herrin ihn gefunden und er blieb. Wo hätte er auch hingehen können. Einmal auf der dunklen Seite, war es schier unmöglich einen Weg heraus zu finden. Und warum auch? Es ging ihm jetzt gut. Der Nieselregen hatte kleine Tropfen auf seinem Fell hinterlassen, die wie Diamanten glitzerten. Eddie, der neueste Gast war eingetroffen. Eddie war ein hohes Tier. Es waren immer hohe Tier, die ihre Seele verkauften und dann jammerten, dass sie den Preis zahlen sollten. Aber Eddie war noch nützlich, deswegen würde er nur eine Einweisung bekommen. Anton schlüpfte durch die Tür und wartete, dass Eddie folgte. Er sprang auf das weiche Bett und kringelte sich zusammen. Die Neuen waren immer froh, wenn Anton bei ihnen blieb und er kassierte einige Streicheleinheiten. Schließlich hatte er einige Zeit darauf verzichten müssen. Warum diese Männer und Frauen in hohen Positionen? Es war Zeit, die Menschheit war reif. Sein Eintreffen würde nicht mehr allzu lange dauern. Er hatte viel Geduld gezeigt. Jahrtausende musste er warten bis die Menschen sich von Gott abwandten. Die moderne Kommunikation erleichterte die ganze Sache. Der Sittenverfall wurde immer weiter getrieben. Sodom und Gomorra auf höchstem Stand. Und das vor aller Nasen. Jetzt wurden immer mehr rekrutiert und in die Regierung gesetzt. Die Politiker als Satans Schergen. Es war die richtige Zeit die Weltherrschaft zu übernehmen. Aber Satan würde sich irren – denn das Jüngste Gericht stand bevor und Anton hoffte, dass wenigstens er es überleben würde. Er war doch nur ein kleiner unschuldiger Kater.

264/300

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Etüden 10/11.19 – Alles hat seinen Preis Part 1

Ach ich hab Urlaub und schon habe ich auch wieder Lust was zu schreiben. Allerdings bin ich etwas ins Strudeln gekommen. Das wird eine Fortsetzung geben. Mal sehen, ob ich es noch mit den gleichen Worten mache – aber das passt irgendwie nicht…Mal sehen. Aber wir treffen auf einen alten Freund. Er ist Rehabilitiert – aber wenn ein Gehilfe frei ist, braucht man einen anderen, oder?

Bei Christiane  werden 3 Begriffe in einen Text mit maximal 300 Worten verpackt – bis zum 17. März 2019 können wir mit folgenden Worten spielen:

Nieselregen
weich
irren.

Die Wortspende kommt dieses mal von Natalie und ihrem Blog, dem Fundevogelnest.

 

Leichter Nieselregen versperrte ihm die Sicht. Wie hatte er sich so irren können? Verzweifelt versuchte er auf seinem Handy das Navi zu aktivieren. Seine Finger waren durch die Kälte gefühllos. Die Nässe verhinderte, dass er das Handy entsperren konnte. Verzweifelt versuchte er die Oberfläche trocken zu reiben. „Ich brauche einen Unterstand, so wird das nichts, du Idiot. Wie konntest du aber auch dieser Verführung nicht widerstehen. Es ist immer dasselbe mit dir. Da läuft eine hübsche Frau mit weich wiegenden Hüften an dir vorbei und dein Gehirn schaltet sich einfach ab. Und jetzt stecke ich im Schlamassel. Irgendwo im Nirgendwo. Und ein Netz habe ich natürlich auch nicht. Wie soll es anders sein. Ich muss mal zu einer Therapie. Oder einer Selbsthilfegruppe. Das mit dem Leben auf der Überholspur muss aufhören, vor allem weil mich das Leben überholt und ich kann es nicht mehr einfangen.“ Hektisch versuchte er erneut das Handy zu entsperren. Es gelang. Aber er konnte kein Funksignal finden. Hinter ihm zogen sich die Schatten zusammen. Ein eisiger Wind streifte seine Wange. Eine Gänsehaut überzog seinen Arm mit dem er das Handy nach oben hielt. Kein Lichtstrahl durchbrach das Dunkel um ihn herum. Ein flüstern ließ ihn den Atem anhalten. Hatte jemand seinen Namen gerufen? „H-hallo?“ Stotterte er ängstlich. „Eddie.“ Hauchte es in sein Ohr. Er drehte sich erschrocken um. Eine Frau stand vor ihm. Ganz in schwarz gekleidet mit einem schwarzen Kater auf dem Arm. „Hallo Eddie, willkommen in meiner Welt. Du hast viel Erfolg in deinem Leben gehabt. Aber du weißt, man bekommt nichts geschenkt. Es wird Zeit deine Schuld zu begleichen. Anton, mein Liebster. Führe unseren Gast doch in sein Zimmer. Wir werden uns später mit ihm beschäftigen.“ Schnurrend wickelte der Kater sich um seine Beine und er folgte ihm verängstigt.

296/300

to be continued …

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Etüden 04/05 19 – Eine Entstehungsgeschichte.

Bei Christiane  werden 3 Begriffe in einen Text mit maximal 300 Worten verpackt – bis zum 03. Februar 2019 können wir mit folgenden Worten spielen:

Salatschüssel
seidig
übernehmen

So – heute gleich am Anfang dabei. Ich mag diese Aktion so gerne – und wenn die zwei Wochen rum sind, ärgere ich mich, dass ich es wieder nicht einrichten konnte – deswegen – gleich heute – bloss nicht auf die Bank schieben….Die Gedanken müssen raus.

Hier eine kleine Entstehungsgeschichte….vielleicht war es so??


Wie kam ich nur darauf, die Zubereitung eines Salates zu übernehmen. ? Wie war das noch? „Wir bräuchten dann für den Wohltätigkeitsbasar noch jemanden, der Salate macht.“ Angelika – sie war die Vorsitzende des Elternbeirats. Und natürlich immer top of the pop. Seidig gekleidet, perfekt manikürt, gezupft und getupft. „Ach, Marion, wie wäre es denn mit dir? So ein Salat ist doch schnell zusammengestellt. Das dürfte sogar dir gelingen. Bei deiner begrenzten Zeit, oder? Es ist doch für die Kinder – sie wollen so gerne eine neue Rutschbahn. Das wirst du doch für deine Tochter machen, nicht wahr?“ „Aber natürlich Angelika. Ein Salat ist doch kein Problem…“ für eine alleinerziehende Mutter mit zwei Jobs. Dachte ich zu ende.

So stand ich jetzt mit meinem Handy vor mir auf dem Tisch – das schon mehr mit Salatdressing und Fingerabdrücken überseht war und wischte ständig die Chefkoch-App hoch und runter.

„Mami?“ „WAS!“ drehte ich mich hektisch um. „Was denn Schätzchen.“ Milderte ich ab, nach dem ich das verschreckte Gesicht meiner Tochter sah. „Ich will dir helfen.“ „Das ist aber lieb von dir, aber Mami muss das alleine machen. Zuviel Messer. Mein Schatz. Geh doch ins Wohnzimmer und schau dir deine Lieblingsserie an.“ Und schon tapste sie wieder weg. Ich atmete tief durch und betrachtete das Chaos in der Salatschüssel. Ach ich mach einfach einen Salat, der mehrere Schichten hat, da achtet keiner auf die genauen Zutaten. Genug Mayonnaise und Salatblätter habe ich noch, das wir jetzt einfach oben auf das gepanschte gelegt und gut dick mit Mayo bestrichen – da sieht das gut aus. Wir erlebten gerade die Erfindung des genialen Schichtsalates.

266 Worte

 

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Schreibeinladung für die Textwoche 01.19 | Extraetüden – unerklärliche Phänomene

Eine ganz besondere Schreibaktion für mich sind die Etüden. Hier kann ich mich so richtig austoben und auch bisschen wirr werden. So wie heute.

Aber erstmal zu den Regeln. Die Etüden werden von Christiane moderiert. Jeden ersten und dritten Sonntag bekommen wir neue Begriffe. In den Monaten mit einem fünften Sonntag wird es wild. Da wird improvisiert.

So wie dieses Mal. Wir haben einen fünften Sonntag, und wir nehmen die Worte von

Elke H. Speidel und dergl:

Winterbaum, nasskalt, nachtrauern
Regenbogen, 
transparent, bluten.

Davon suchen wir uns fünf aus und verpacken sie in maximal 500 Wörter.


Wie ich schon angekündigt habe – ich hab mich total sinnlos ausgelassen und es hat total Spass gemacht – also eine Geschichte ohne Hand und Fuss – aber einer Blutspur.

397 Worte


Angelika lief durch die Straßen. Es war wieder mal eklig, nasskalt. Sie hasste dieses Wetter. Klar sagten immer alle – Kalt ist ok, wenn es trocken kalt ist. Sie schüttelte sich. Ihr blieb nichts, sie konnte dem schönen warmen Sommer nur nachtrauern. Ja, sie wusste, dass es bald Frühling werden würde.

Plötzlich wurde sie gestoppt. Sie war mitten in einen Berg hinein gelaufen. Also in einen Kleiderberg. Vor ihr stand ein Riese. Sie blickte nach oben. Sein Kopf war so weit weg, dass er fast transparent wirkte. Es war einfach nicht zu erkennen wo sein Ende war.

Dann bewegte sich dieser Riese. Er blickte nach unten und betrachtete sie wie ein lästiges Insekt. In diesem Moment hatte sie Angst, er würde sie wie eins zertreten. Und schwor sich, das selbst nie wieder zu tun. Aber er bückte sich. „Angelika?“ Sie meinte ein Donnergrollen zu hören, bevor sie ihren Namen erkannte. „Äh, Ja?“ „Was ein Glück, ich suche dich schon ewig.“ „Warum?“ „Ich komme über den Regenbogen?“ Ich drehte mich um. „Welchen Regenbogen? Hier ist keiner.“ „Na ich bin ja auch schon einige Zeit hier, um dich zu suchen. Der Letzte Regenbogen hat mich hier hergeführt.“ „Tja, das ist schön, aber was hat das mit mir zu tun. Und warum ist denn ein Riese hier. Es gibt keine Riesen.“ „Nun, da scheinst du dich ja wohl zu täuschen, wie du siehst. Sonst würde ich ja wohl nicht hier stehen. Immer diese Skeptiker. Da hab ich irgendwie keine Lust mehr drauf. Gut, ich hab keine Wahl. Du musst mitkommen.“ „Äh, Nö.“ „Äh, doch.“ „Wieso sollte ich.“ „Weil du gleich bluten wirst.“ Ich blickte mehr wie ein Fragezeichen. „Was werde ich?“ „Du bist bisschen langsam, oder? Bluten.“ „Und warum, und was hat das mit Regenbögen und Riesen zu tun?“ „Tja meine Gute, das weiß ich auch nicht. Ich bin nur hier, weil du gleich bluten wirst – einfach so und wir suchen Menschen, die spontan bluten.“ „Du willst mich schon bisschen veralbern, oder?“ „Vielleicht. Aber das ändert nichts an der Tatsache, dass ich dich jetzt mitnehme.“ „Ne, ich will aber nicht. Du kannst mich nicht…“ Schon war es passiert. Der Riese schnappte Angelika und verschwand mit ihr hinter den Wolken – dort wartete ein Regenbogen. Das einzige, das von ihr übrig blieb war eine Blutspur – keiner hatte sie je wieder gesehen und es gab absolut keine Erklärung zu diesem Fall. Ein unerklärliches Phänomen.

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Schreibeinladung für die Textwoche 49.50.18 Winterbaum

Ach – ist die Zeit gerast. Es gibt schon die neue Wortspende – aber ich mogle mich noch schnell unter die Spende von Elke H. Speidel von Transworte auf Litera-Tour. Sie lauten:

Winterbaum
nasskalt
nachtrauern.

3 Begriffe in maximal 300 Worten: Mehr findet ihr bei Christiane.

Etwas romantisches. Romantik passt einfach zu Weihnachten.

299 Worte


Jenna hatte ihre Schultern bis zu den Ohren hochgezogen. Es war noch dunkel, aber nichts konnte sie mehr in ihrer schönen, kuschelig, warmen Wohnung halten. Es regnete, nein schneeregnete und war eklig nasskalt. Immer hatte sie die Worte ihrer Oma in den Ohren: „Kindchen, dieses nasskalte Wetter geht deiner Oma an die Knochen. Komm setz dich neben mich und bring eine Decke mit. Wir kuscheln uns darunter, trinken heisse Schokolade und ich les dir ein Weihnachtsmärchen vor.“ Jenna vermisste sie. Sie wusste, dass sie ihr eigentlich nicht nachtrauern sollte. Wie gebannt hatte sie immer neben ihr gesessen oder zu ihren Füssen und hatte ihren schönen Märchen gelauscht. Heute wusste sie, dass es immer Geschichten aus ihrem Leben waren. Aus dem Krieg, oder auch danach.

Jenna hatte den alten Weihnachtsschmuck ihrer Oma geerbt und ihren Geist, in jedem einzigen Stück. Heute aber trieb sie die Unruhe aus dem Haus. Im Traum war ihr ihre Oma erschienen. Sie hatte sie bei der Hand genommen, und sie fühlte sich so vertraut und warm an. Ohne zu zögern war sie ihr gefolgt. Sie musste dem Gefühl einfach folgen. Sie betrat eine Lichtung. Ein wunderschön warmes Licht erfüllte den Platz. Überall lag Schnee. Jenna blickte zurück. Dort waren nur nasse Strassen zu sehen. Der Schnee lag nur auf diesem Platz. Sie trat näher. In der Mitte stand ein wunderschöner Winterbaum. Seine Äste waren gefroren. Auf ihnen hatte sich Schnee gesammelt. Und davor stand ein Mann. Er schaute sie an und sie wusste – Oma hatte ihren Seelenverwandten gefunden. Das Gefühl war einfach echt. Die Einsamkeit die sich in ihrem Herzen bereit gemacht hatte, verschwand und ein warmes wohliges Gefühl machte sich dort breit. Ein kleiner Kuss auf ihrer Wange, der sich so bekannt anfühlte. Sie lächelte und schaute nach oben. War das ein Schatten?

 

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Schreibeinladung für die Textwochen 45.46.18 – Das dunkle Universum einer Handtasche

Ach endlich komme ich wieder mal dazu hier mit zu schreiben. Die Tage sind so kurz. Jetzt haben wir schon zwei Wochen Zeit und ..naja….aber heute bin ich wieder dabei, bei Christianes Etüden.

Die neuen Wörter für die Textwochen 45 und 46 des Schreibjahres 2018 stiftete Bettina vom Wortgerinnsel. Sie lauten:

Knirps
grotesk
notieren.

Und hier ist mein Text dazu mit 275 Worten.


Das ist schon irgendwie grotesk, dachte ich mir. Ich suchte in meiner Handtasche nach einem Zettel um mir meine nächsten Gedanken zu notieren. Warum haben Frauen immer so große Handtaschen. Ich schwöre euch, ich könnte jetzt sofort auswandern. Mit dieser Tasche umgehängt, wäre ich mindestens eine Woche lebensfähig. Frauen auf der ganzen Welt nicken doch jetzt mit ihrem Kopf. Letzt habe ich einen Spruch gelesen, wie ging der? „Wie schwer deine Handtasche wirklich ist, merkst du erst wenn das Auto dir sagt, dass dein Beifahrer nicht angeschnallt ist.“ Hahaha. Ja wie wahr. Ist euch eigentlich klar, dass ich jetzt seit einer geschlagenen halben Stunde einen Zettel suche. Und was wollte ich mir eigentlich notieren? Vielleicht sollte ich einfach mal hineinklettern und direkt nach suchen. Wartet. Ich stelle sie gerade auf den Boden. Wie mache ich das? Kopf voran – ja am besten. Ach Mist – hier ist mein Knirps – den habe ich beim letzten Regenguss gesucht. Hätte ich gewusst, dass er linkt neben der Handcreme ist, wäre ich nicht nass geworden. So ist das. Wisst ihr was? Eigentlich ist es sogar ganz bequem hier. Es ist warm, ein Buch ist auch hier, mein Thermobecher mit meinem Kaffee und eine Verpackung Kekse. So wichtig kann es nicht sein, was ich notieren wollte. Ich bleibe einfach hier drin und lese endlich mal mein Buch weiter, und wenn ich müde werde, mache ich mir aus den Halstücher, Handschuhen und Taschentüchern ein gemütliches Lager. Eine Taschenlampe gibt es auch noch. Fast wie zu Hause. Solltet ihr eine Blaue Handtasche einsam stehen sehen, lasst sie stehen – es ist kein Terroranschlag, ich schlafe wahrscheinlich nur gerade eine Runde und erhole mich vom Alltagsstress.

 

Und hier noch was zum Lachen

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Schreibeinladung für die Textwochen 39.40.18 – Eine Kreuzfahrt…

Eine ganz tolle Aktion, die von Christiane moderiert wird – die ABC-Etüden. Dieses Mal mein erstes Mal mit 3 Worte in 300 Worten unterbringen. Es war knapp, aber ich habe es punktgenau hinbekommen.

Die Wörter für die Textwochen 39 und 40 des Jahres 2018 stammen aus der Feder von Anna-Lena von Meine literarische Visitenkarte und lauten:

Kreuzfahrt
gemeingefährlich 
stelzen.

„Eine Kreuzfahrt die ist lustig, eine Kreuzfahrt die ist schön….“ Martin tanzte singend durch seine Wohnung. Endlich würde er, mit der hochgepriesenen Aida, auf Kreuzfahrt gehen. Er hat lange gezögert sich den Wunsch zu erfüllen. Heute noch würde er einchecken und dann über das Deck schlendern. Stelzen, hat seine Mutter immer über seine Gangart gehetzt. Aber sie lag bei den Fischen. Na ja noch nicht, aber bald. Bald würde er ihre Asche in das Meer schütten. So weit wie möglich von ihm weg. Sie war wirklich gemeingefährlich. Aber er hatte sich gekümmert. Langsam, langsam hatte er ihr immer mehr von ihrem Herzmedikament untergemischt. Nie würde jemand drauf kommen, da sie noch in der Lage war sich selbst zu medikamentieren.

Als er die Gangway nach oben an Deck ging bemerkte er eine flüchtige Brise. Die Meeresluft liess ihn frösteln. Aber das war ok. Er war für alle Wetterlagen ausgerüstet. Womit er nicht rechnete – aber lasst mich nicht vorgreifen.

Er genoss das Buffet, die Animation und als es dann spät war, ging er in seine Kabine und holte seine Mutter. Er hatte sie aus der Urne in ein Beutelchen geschüttet. Sie würde es ja nicht mehr mitbekommen. Er ging noch für ein paar Drinks an die Bar, und als es dann kurz vor Mitternacht war und die meisten Gäste schon in ihren Kabinen verschwunden waren, ging er an Deck. Er stand an der Reling und genoss die Freiheit. Martin blickte sich noch einmal heimlich um. Keiner war hier. Er öffnete die Tüte und wollte sie gerade ausleeren, als er stolperte. Beim Fallen wunderte er sich, wie konnte er stolpern? Es war nichts an Deck gewesen. Ein Blick nach oben an Deck zeigte ihm über was er gestolpert war. Eine schemenhafte Gestalt stand dort und winkte ihm zum Abschied. „Bis gleich mein Sohn.“