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Schreibmission #2 – Zirkus – Die Entscheidung

Malina bietet wöchentlich Ideen  mit Herausforderungen an um eine kleine Gesichte zu schreiben. Schreibmission. Die aktuelle Mission für diese Woche:

Die heutige Mission:

Thema: Zirkus

Vorkommen soll: Eine besondere Uhr

Beschreibe in deinem Text: Ein Kostüm der Akrobaten

 

Eigentlich hatte ich einen gruseligen und düsteren Zirkus im Kopf, bei dem Thema – aber wie es so ist – sobald man anfängt zu schreiben, verselbständigt sich die Geschichte manchmal.

Tretet ein in den Zirkus.


 

Der Zirkus war in der Stadt – immer das Highlight des Jahres. Die Kinder rannten durch die Straßen, kaum dass die Plakate angebracht waren und spielten Löwen, Elefanten, Clowns, Seiltänzer. Auch Anton war aufgeregt. Er war jetzt vierzehn und wusste, wenn man vierzehn war, gab es etwas ganz besonders in diesem Zirkus. Aber keiner sprach je davon. Ein Geheimnis. Das gab es in diesem Dorf eigentlich gar nicht – Geheimnisse. Die alte Krähe von gegenüber, war immer ein Garant, dass jeder alles erfuhr. Aber auch sie hielt dieses Geheimnis unter Verschluss.

Morgen würde er endlich  mehr wissen. Er legte sich ins Bett – aber der Schlaf wollte nicht kommen. Unruhig wälzte er sich hin und her. Er war einfach zu aufgeregt. Seufzend stieg er aus dem Bett und ging zum Fenster – er hoffte die frische Luft würde ihn bisschen schläfrig machen. Die Gaslampen waren schon erloschen, der zunehmende Mond erleuchtete die Straße schwach. Anton blickte aus dem Fenster und sah hinter der nächsten Ecke seltsame Schatten hervor kommen. Große schlaksige Gestalten, die ihre Arme seltsam hin und her baumeln ließen. Eigenartige Kreaturen die auf vier Beinen liefen. Ängstlich schüttelte er den Kopf. Das sind doch nur Schatten. Die gehören bestimmt zum Zirkus.

Er rannte zurück ins Bett und zog sich die Decke über den Kopf. Die Freude auf Morgen war dem leichten Schrecken gewichen. Dann schlief er ein.

Am nächsten Morgen schien die Sonne durch sein Fenster. Er sprang aus seinem Bett. Die hellen Strahlen verscheuchten den Schrecken des Abends. Schnell zog er sich an und rannte die Treppe herunter. Seine Eltern waren schon beim Frühstücken. „Endlich, der Zirkus. Und endlich werde ich in das Geheimnis eingeweiht.“ Er tanzte um den Tisch und seine Eltern schauten sich sorgenvoll an. Nach dem Frühstück liefen sie zu dem Marktplatz, auf dem sich der Zirkus niedergelassen hatte. Anton rannte voraus. Er hatte seine Karte in der Hand und suchte schon die besten Plätze für sie heraus.

Am Anfang waren die üblichen Attraktionen zu sehen. Löwenbändiger, Clowns die aus einem zu kleinen Auto krabbeln und Plastikblumen mit Wasser auf ihre Kameraden richteten. Pferde, Elefanten, Akrobaten. Das erste Mal, dass Anton auf die Akrobaten achtete. Ein Mädchen – etwa in seinem Alter – stand vor ihm und streckte die Arme aus. Ihr Kostüm war atemberaubend schön. In blau und grüntönen gehalten schimmerte es wie er sich eine Meerjungfrau vorstellen würde. Es war mit wunderschönen Steinen und Pailletten bestickt und ihr kleines Rüschenröckchen wirkte wie aus Spinnweben gesponnen.

Anton verlor sein Herz. Das erste Mal, dass er sich verliebte. Sie war eine Seiltänzerin und er konnte den Blick nicht von ihr wenden, wie sie oben in den Lüften des Zirkuszeltes sprang, sich drehte, vor und zurück lief. Er klatschte mit am lautesten Beifall.

Die Vorstellung war vorüber.

Es folgte die Ansage, die er schon so viele Jahre vorher gehört hatte.

„Liebes Publikum. Vielen Dank für ihre Aufmerksamkeit und die vollen Reihen. Wir bedanken uns herzlich bei ihnen auch für ihre Gastfreundlichkeit. Die Show ist für heute beendet. Ich würde alle bitten, das Zelt zu verlassen. Die einzigen, die heute bleiben dürfen, sind die Kinder, die in diesem Jahr das vierzehnte Lebensjahr erreicht haben. Vielen Dank für ihr Verständnis.“

Antons Eltern standen auf. Sein Vater strich ihm über den Kopf und seine Mutter drückte ihm noch einen Kuss auf die Wange. „Du weißt wir lieben dich. Egal wie du dich entscheidest. Wir werden dich immer lieben und du wirst hier immer ein Zuhause haben.“ Seine Mutter drückte ihn ganz fest und Tränen rannen über ihre Wange. Er verstand gar nichts. Was sollte denn diese Ansage. Er drückte sie zurück und streichelte ihren Rücken beruhigend.

Dann war er mit noch drei weiteren Kindern, die er aus der Schule kannte, alleine in dem Zelt. Der Direktor trat in die Mitte der Manege. Er hielt eine Uhr in der Hand. Sie war sehr alt und hatte schöne Verschnörkelungen auf ihrem Deckel.

„Liebe Gäste – liebe vierzehnjährige. Heute kommt der Tag auf den ihr so lange warten musstet. Heute wird meine besondere Uhr hier in meiner Hand euch die Wahrheit offenbaren. Danach wird sie euch eine Entscheidung abringen. Also seid aufmerksam und überlegt gut.“

Anton war fasziniert und sprachlos – etwas ängstlich. Aber dasselbe sah er auch bei den anderen.

Die Uhr drehte sich und die Zeiger drehten sich einmal rund ums Ziffernblatt. Dann öffnete sich der Vorhang und die Show begann.

Er sah seltsame Kreaturen, die vor ihm hin und her liefen. Elefantenartig aber doch keine Elefanten. Sie hatten mehrere Augen und gespaltene Rüssel. Die Akrobaten, flogen – ja sie flogen herein. Auf ihrem Rücken befanden sich Flügel. Die Pferde hatten Hörner auf der Stirn und die Löwen die eintraten wirkten nicht nur Majestätisch – sie waren Majestäten. Ihre Mähnen blitzten und blinkten und sie konnten sprechen. Als letztes kam seine neue Liebe. Die kleine Seiltänzerin. Auch sie hatte schöne schimmernde Flügel. Sie kam direkt auf ihn zu geflogen. „Hallo Anton. Ich in Araja – eine Fee. Wie gefällt dir die zweite Show?“ „Woher kennst du meinen Namen?“ „Wir kennen alle Namen der vierzehnjährigen. Es ist die Zeit der Entscheidung für euch. Entscheidet ihr euch für euer geheimes Wesen oder bleibt ihr bei den Menschen.“ „Welches geheime Wesen? Ich bin doch kein Wesen, ich bin ein Mensch.“ „Hm, ja schon – aber in jedem Menschen schlummert ein anderes Wesen. Und wenn wir vierzehn werden erwacht es durch uns. Dann können wir uns entscheiden. Mensch oder Fabelwesen?“ „Und was für ein Wesen bin ich?“ „Komm zum Spiegel.“ Sie zog Anton  mit sich. Vor dem Spiegel sah er es dann. Er drehte sich, dass er seinen Rücken sehen konnte. Er hatte Flügel. Ganz fein und leicht. Er war eine Fee. Wie Araja.

„Und was kommt jetzt?“ „Der Direktor wird euch gleich aufklären, setz dich einfach wieder und warte bisschen.“ Das tat er. Aber ständig schaute er auf seinen Rücken und sah seine Flügel flattern. Es fühlte sich gut an. Frei – Richtig. Er beobachtete die Figuren in der Manege. Sie waren glücklich. Dann kam der Direktor in die Mitte. „So ihr vierzehnjährigen. Ihr wurdet jeder in sein Wesen eingeführt. Jetzt liegt die Entscheidung bei euch. Ihr könnt entscheiden. Bleibt ihr bei uns in eurem wahren Wesen oder geht ihr zurück zum Menschendasein. Bedenkt – als Mensch werdet ihr nie wieder in euer mystisches Wesen zurückkehren können. Als Fabelwesen könnt ihr die Form der Menschen annehmen und eure Familien besuchen. Diejenigen, die sich zum Menschenleben entscheiden werden allerdings einen Vertrag unterschreiben, niemals die wahre Identität dieses Zirkus bekannt zu geben. Sollte dieser Vertrag gebrochen werden, wird es euch schlecht ergehen. Ihr werdet furchtbare Qualen erleiden. Also bedenkt dies.“

Anton grübelte. Mensch oder Fee. Er liebte seine Eltern, hatte aber keine Freunde. Sein Leben war langweilig und er war eingeengt. Fee. Hier stand ihm alles offen. Freiheit, Freunde, Freude. Etwa eine Stunde später kam der Direktor wieder. „Wie habt ihr euch entschieden?“ Die drei anderen neben Anton hatten sich gegen das Leben im Zirkus entschieden. Anton dagegen wusste, das hier war seine Bestimmung. Hier würde er glücklich werden.

„Gut – ihr drei dürft gehen und denkt an den Vertrag. Niemals dürft ihr ihn brechen. Anton. Gehe bitte zu deinen Eltern und sage ihnen wie du dich entschieden hast. Sie standen selbst vor der Entscheidung damals und wissen wie es ist. Also hab keine Angst. Danach komm wieder und beginne dein neues Leben bei uns.“

Anton verließ das Zelt um sich zu verabschieden. Seine Eltern lachten und weinten. „Ich wusste es – ich habe es schon bei deiner Geburt gewusst. Mein Sohn. Wir lieben dich. Und einmal im Jahr werden wir uns sehen. Pass auf dich auf.“ Sein Vater umarmte ihn und seine Mutter weinte bitterlich. Aber sie lächelte.

Schnell packte er seine Sachen und fast wäre er geflogen um wieder bei seiner neuen Familie zu sein. Ein aufregendes Leben würde  ihn erwarten.

 

ENDE

 

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Einzelaktionen

Schreibmission – Halbwesen

Eine neue Schreibaktion ist an den Start gegangen. Malina hat auf ihrem Blog Bücherträumerei  eine Schreibmission gestartet. Dafür zitiere ich einfach mal die Bedingungen

Kurz erklärt

  • Es gibt jeden Sonntag ein paar kleine Aufgaben, zu denen du dann einen Text schreiben kannst – egal, ob Geschichte, Gedicht etc.

  • Danach kannst du deinen Beitrag über Social-Media (#schreibmission) teilen, bei den anderen Teilnehmern vorbeischauen und eine Aufgabe fürs nächstes Mal vorschlagen.

  • Du hast bis zum nächsten Samstag Zeit, deinen Text zu schreiben.


Die Mission

  • Schreibthema: Halbwesen
  • Vorgegebene Wörter: Turmspitzen, Marionette, Blütenblatt
  • Herausforderung: Beschreibe Emotionen nur anhand Gestik und Mimik!

Es ist natürlich etwas zu lang geworden – obwohl ich es so kurz wie möglich versucht habe – und ob ich das mit der Herausforderung so richtig eingesetzt habe – weiss ich nicht – das war schon eine Herausforderung. Ich wünsche euch viel Spass beim lesen und vielleicht hat ja der ein oder andere auch mal Lust zu schreiben.


Hallo Leute – ich bin Ariana – und heute ist mein sechzehnter Geburtstag. Ist das nicht normalerweise ein Freudentag? Ja sollte er sein. Auch bei mir – ich plane meinen sechzehnten Geburtstag schon seit ich vierzehn geworden bin. Ich habe einen kleinen Ordner angelegt, was ich so mit sechzehn von mir erwarte. Ein schönes Mädchen mit einem Blütenblatt im Haar ziert den Einband – das hatte ich mal in einem Esoterikshop gefunden und war sofort verliebt in dieses Bild. Aber kommen wir doch zum Inhalt – der ist ja eigentlich schon interessant – also ich wollte mit sechzehn hübsch, langhaarig, schlank, schlagfertig, verliebt sein. Jetzt bin ich sechzehn und bin nicht hässlich – wenigstens, spaghettihaarig, schlaksig, schüchtern und nicht verliebt – nun – ist ja gar nicht so schlecht – ach – wenigstens bin ich eine Optimistin. Bis heute – denn als ich heute Morgen wach wurde und mich so richtig auf meinen Geburtstag freute – juckten mir ganz furchtbar die Beine – Ich zog meine Schlafanzughose aus und war total behaart – WAS?? Ich rasiere mir natürlich schon lange die Beine –  was war das denn? Ich stürzte also ins Bad und musste tatsächlich zwei Klingen verwenden – also ist das ein Hormonschub mit sechzehn? Ein heftiger Schub. Aber ich will weiter erzählen:  Ich gehe also hinunter in die Küche um meine Familie zu begrüßen. Wie erwartet sind alle versammelt – Mein Vater, meine Mutter, die Großmutter, und meine Tante – Mein Bruder konnte nicht, der ist in der Uni  und muss irgendwelche Arbeiten abgeben. Aber was  musste ich sehen – „Hei Schwesterchen – alles Gute zum Geburtstag. Dank moderner Kommunikation kann ich wenigstens dein Gesicht sehen fühl dich gedrückt und geknutscht. Hab einen schönen Tag – ich  muss weg.“ „Ahhh. Frankie – danke dir – ich freu mich dich zu sehen. Danke, danke, danke für deinen Anruf – ich wünsche dir viel Glück bei deinen Tests. Knutschi.“ Ich verabschiedete mich winkend und klappte den Laptop zu. Die anderen schauten mich erwartungsvoll an. Meine Tante sprach mich als erstes an. „Na Süße – sweet sixteen. Wie fühlst du dich?“ „Hm ich denke genauso wie gestern mit fünfzehn. Aber ich habe irgendwie einen Hormonschub bekommen – meine Beine waren total behaart – willkommen in der Pubertät.“ Lachte ich und bemerkte die verstohlenen Blicke meiner Familie – misstrauisch beäugte ich sie. „Alles klar – warum scharrt ihr so nervös mit den Füssen?“ Erschrocken blickten sie mich an. „Was? Da täuschst du dich mein Schatz.“ Meinte mein Vater und nestelte nervös an seiner Krawatte. Ich zuckte mit den Schultern und schaute mich um. Geschenke gab es bei uns traditionell immer abends, wenn die Familie wieder zusammen kam. Aber es gab immer ein kleines Törtchen mit einer Kerze zum auspusten um den Geburtstag stimmungsvoll zu begrüßen. Und da stand auch schon mein Schokotörtchen mit kleinen Spitzen. Darauf freute ich mich immer am meisten. Sie stellten sich um mich und stimmten den Happy Birthday Song an, während ich die Kerze auf den Turmspitzen des Törtchens auspustete.  Jeder konnte sich dann eine Ecke abbrechen und wir verabredeten uns dann am Abend.

In der Schule traf ich meine beste Freundin – sie blickte mich seltsam an – in ihrem Gesicht spiegelte sich Verwunderung, erstaunen, entsetzen, Freude und irgendwie angst ab. Angst? Ich musste mich täuschen. „Hallo Geburtstagskind – hat dich der Geburtstagsgeist besucht?“ „Hä – was soll mich besucht haben?“ „Ein Scherz –aber du siehst so anders aus. Deine Haare wirken so voll und glänzend und länger – warst du beim Friseur und hast Extensions?“ „Was – quatsch – als könnte ich mir das leisten. Du bist ja witzig – vielleicht habe ich sie nur anders gekämmt – keine Ahnung – oder es liegt an dem Hormonschub.“ Und ich erzählte ihr von meiner Beinbehaarung. Sie schaute verwirrt und wieder etwas ängstlich – seltsam. Sie drückte mich und steckte mir schnell ein kleines Geschenk in die Tasche. „Ich muss los – ich muss ein Referat halten – wollen wir nach der Schule ein Eis essen? Ich lad dich ein.“ „Ja – ok – aber ich lad dich ein. Treffen wir uns bei den Fahrrädern am Ende.“ Wir hatten wenig Kurse zusammen unsere Freundschaft hatte ihren Anfang im Kindergarten. Aber wir hatten so unterschiedliche Interessen, dass wir kaum was zusammen belegt hatten – warum wir Freundinnen waren – keine Ahnung – die Chemie stimmte einfach. Nach der Schule trafen wir uns in unserem Stamm-Eiscafé – gut es war das einzige hier im Dorf – aber es klingt doch einfach gut, oder? Ich packte mein Geschenk aus und freute mich wahnsinnig – Es war ein Bild von uns beiden als wir mal einen schrägen Kurs hatten – Da hatten wir so viel Spaß und der Kursleiter hat uns dabei fotografiert wie wir eine Marionette entwirrten. Wir wollten mal ein Marionettentheater machen – aber wir waren wirklich total unfähig, diese Fäden nicht ständig zu verwurschteln.  „Das war ein toller Tag, oder?“ Fragte mich Betsy. „Oh  ja, das Geschenk ist klasse. Da erinnere ich mich so gerne zurück – wir sollten den Kursleiter noch mal besuchen und ihn noch mal zum Verzweifeln bringen.“ Wir lachten herzlich, quatschten noch bisschen über das Wochenende, an dem meine Party stattfinden sollte. Dann verabschiedeten wir uns und ich fuhr mit dem Rad nach Hause. Ich freute mich auf meine Familie – das waren immer die schönsten Momente am Geburtstag.

Das Fahrradfahren war heute wirklich sehr anstrengend. Mir schmerzten die Beine und ich konnte kaum den kleinen Hügel zu unserem Haus bewältigen. Ich biss die Zähne zusammen, schaltete runter und fuhr fast im Leerlauf hoch. Endlich, schnaufend angekommen schob ich das Fahrrad in die Garage und betrat von dort das Haus. Als erstes musste ich in mein Zimmer mich bequem anziehen. Die Schmerzen waren fast unerträglich. Im Bad nahm ich mir erst noch schnell eine Schmerztablette und legte mich dann ins Bett. Bevor ich  mich umziehen konnte war ich schon eingeschlafen.

Ich träumte – ich war im Wald um  mich herum flirrte und zirpte es. Musik spielte und es wurde getanzt – ich glaub ich sah Feen und Nymphen. Sie lagen im weichen Gras und ich saß mit einer Flöte neben ihnen auf der ich spielte – ich blickte an mir herunter – und erschrak – ich sah krumme Beine mit Hufen. Erschrocken sprang ich auf und blickte an mir herunter – ja – ich hatte Ziegenbeine mit Hufen. Schweißgebadet wachte ich auf und meine Beine schmerzten furchtbar. Wahrscheinlich hatte ich mich im Schlaf so verkrampft. Es war schon düster in meinem Zimmer, als ich mich aus dem Bett quälte. Ich stolperte, konnte mich aber auffangen. Meine Tante stand in der Tür und beobachtete mich. „Hallo Sweetie – wir haben mit dir zu reden – komm, zieh dir was Bequemes an und trink das hier gegen die Schmerzen.“ Ich schaute sie ängstlich an und misstrauisch auf das Glas. „Was ist das?“ „Es wird dir helfen, vertrau mir und komm nach unten.“

Ich trank das Glas schnell aus, bevor ich merkte wie widerlich das schmeckte und musste würgen – so viel zu vertrauen. Bäh – Igitt. Schnell ging ich ins Bad um Wasser nachzutrinken. Wie war das widerlich. Was hat sie mir da gegeben. Aber sie hatte Recht, die Schmerzen verschwanden augenblicklich. Ich entspannte mich. Dann zog ich mich um. Aber vorher stellte ich  mich vor den Spiegel. Der Traum wirkte noch nach und ich hatte das Bedürfnis meine Beine zu betrachten. Oh nein – da waren ja schon wieder die Haare – was war das nur? Ein Gendefekt – deswegen wollte meine Tante mit mir reden? Waren die Beine etwas krumm? Ach quatsch – ich ließ mich zu sehr von meinem Traum beeinflussen. Ich zog die Hose an und rannte schnell runter.

Meine Großmutter stand in der Tür. „Hallo mein Schatz.“ Sie umarmte mich – ich liebte ihren Geruch nach Orangeplätzchen und Kaffee.  Es war ihr Geruch, den ich schon von klein auf kannte und liebte. Ich fühlte mich so geborgen in ihren Armen – ich wollte gar nicht mehr los gelassen werden. Als sie mich dann doch losließ fröstelte ich – so sehr fehlte es mir schon.

Meine Mutter und meine Tante saßen auf der Couch und hatten eine Tasse Kaffee vor sich. „Hier mein Schatz.“ Meine Mutter reichte mir eine Tasse warmen Kakao. Mein Lieblingsgetränk. Mit Schokostreusel. „Okay – jetzt will ich aber wissen was los ist. Bin ich irgendwie krank?“ Und zog dabei meine Hosenbeine hoch. „Warum wachsen meine Haare an den Beinen so schnell? Und was waren das für furchtbare schmerzen?“ Mein Vater seufzte tief. „Ach meine arme Kleine – ich hatte gehofft, dass es wenigstens dich überspringt. Wie soll ich das erklären?“ „Nun –am besten wohl am Anfang, oder?“ „Das dauert zu lange.“ Meinte meine Tante und zog so das Gespräch zu sich. „Also ich versuche dir das schnell und klar zu erklären – wie bei dem berühmten Pflaster.“ Ich blickte sie neugierig und offen an. Ich wollte einfach wissen was los ist.

„Wir sind keine Menschen!“ Ich runzelte die Stirn – und blickte verwirrt durch das Zimmer – vielleicht sprang gleich mein Bruder hinter dem Sessel vor und schrie „Überraschung“ Aber es geschah nichts. Also hörte ich mit immer noch gerunzelter Stirn weiter zu. „Äh – wir gehören einem Geschlecht von Göttern an – wir sind Halbwesen, oder auch Mischwesen.“  Ich sprang auf – lief das Zimmer hoch und runter – blickte meine Familie an und wollte eigentlich lachen – wäre da nicht der Erinnerungsfetzen meines Traumes, in dem ich Ziegenbeine hatte. Ich blickte meine Beine an – doch sie waren krummer, als ich sie  kannte – was sollte das – würde ich eine Ziege werden? Schlief ich  noch?

„Das ist schwer zu verstehen – wir haben das alle durch gemacht – mit sechzehn – Frag mich nicht, warum alle Veränderungen mit sechzehn starten, das ist so ein mystisches Gesetz. Auf jeden Fall  Verwandeln wir uns dann.“ „Verwandeln?“ Ich klang etwas hysterisch, mein Atem ging stoßweise und ich glaubte gleich ohnmächtig zu werden. Mein Vater sprang auf und stützte mich. Sanft führte er mich zur Couch. „Setz dich und atme tief durch.“ „Atmen? Ich glaube ich habe irgendwie ein anderes Problem. Zu was verwandle ich mich – ich bin sechzehn. Mein Leben fängt gerade an und ich verwandle mich in irgendwas schräges – als wäre die Pubertät nicht schwer genug – muss ich jetzt mit krummen Beinen und Hufen durch die Gegend laufen – wie soll ich das im Sport machen – ich werde das Gespött werden – ich werde ausgestoßen. Ich werde ein Freak.“ Schrie ich mittlerweile.

„Beruhig dich und trink deine Schokolade.“ Sagte meine Mutter herrisch. Ich schrumpfte im Sitzkissen des Sofas zusammen und schlürfte meine Schokolade – sofort wurde ich ruhiger – natürlich – da war bestimmt was reingemischt. Natürlich – wahrscheinlich mischte mir meine Familie schon immer was in meinen Kakao – und ein Gehirnschaden war jetzt die Folge. Tse.

„Also – wir gehören also einem alten Geschlecht der Götter an?“ Wiederholte ich fragend? „Und welchem – Ziegengötter?“ Wieder erntete ich seltsame Blicke. „Wie kommst du denn darauf?“ Fragte meine Mutter – „Ich habe so was in der Art geträumt.“ „Hm.“ Machte die Großmutter. „Ich glaube – und das soll eine Ehre sein – selbst wenn du das jetzt nicht so sehen wirst – du bist ein besonderes Exemplar unserer Spezies.“ „Oh Mann – ich glaube ich spinne – was soll denn das heißen Spezies? Was bin ich denn, was sind wir denn?“ „Wir gehören dem Geschlecht der Pan an.“ Sagte ihr Vater. „Pan? Der Schlaftyp mit den schlechten Träumen?“ „Nein – das ist ein Faun – aber die ähneln sich. Es gibt so viel verschiedene Mythen über uns. Das wichtigste wirst du schon lernen – wenn du in die Schule gehst.“ „Schule??? Was den für eine Schule???“ Ich blickte meine Familie ängstlich an – ich sollte doch nicht etwa die Schule wechseln. Oh nein. „Na in deiner Schule gibt es speziellen Unterricht für Wesen wie uns – deswegen wohnen wir hier. Deine Freundin ist auch schon in diesem Unterricht, da sie etwas älter ist.“ „Betsy?“ „Ja genau – sie kommt nach her auch noch und weißt dich ein – sie wird sowas wie dein Sponsor.“ „Sponsor – ich bin doch keine Alkoholikerin – ich bin ein – was? Pan? Was ist das überhaupt?“ „ Es ist ein Gott – Gott des Waldes und der Natur. Er liebt Fröhlichkeit, Tanz und Musik. Gut wir haben noch paar unangenehme Eigenschaften – aber das hat ja eh jeder.“ Meinte meine Tante.

Es klingelte an der Tür. „Ah – das wird wohl Betsy sein. Sie wird dir mehr erzählen können – so unter Freundinnen.“ Meine Tante huschte schnell zur Tür und meine – angeblich – beste Freundin schlich leicht geduckt, als hätte sie Angst vor meiner Reaktion, ins Zimmer hinein. „Betsy – meine beste Freundin. Was muss ich hören?“ „Äh – ja – Pan, ne – Surprise – du bist eine Göttin.“ Göttin? Klingt eigentlich gar nicht so schlecht – gut die Beine nun da werde ich wohl eine Lösung finden – es gibt ja luftige Hosen und lange Röcke. Aber mit dem Begriff Göttin kann ich mich tatsächlich anfreunden.

ENDE

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Ich erinnere mich … Eine Schreibübung

Frau Vro´s Muse inspiriert uns dieses Mal ebenfalls.

Das erste Mal auf diese Idee aufmerksam wurde sie bei Anita von der Textweberei. Die Idee selbst stammt von Michael Staravic, bei dem sie einen Schreibworkshop gemacht hat. Und so geht’s:

Ihr beginnt mit „Ich erinnere mich, …“ und schreibt die erste Erinnerung auf, die euch einfällt. Die nächste Erinnerung betrifft ein Ereignis, das niemals stattgefunden hat und nur eurer Fantasie entspringt. Danach kommt wieder eine tatsächliche Erinnerung und danach eine erfundene. So geht das zehn Sätze lang


Das war eine interessante Übung, die doch bisschen  mehr über sein Inneres verrät, als man selbst so denkt. Manches klingt so verbittert, wie ich tatsächlich noch bin. Sehr spannende Sache.

1 – Ich erinnere mich an mein Vorstellungsgespräch bei  meiner jetzigen Firma. Ich war sehr nervös und nicht sicher, dass ich länger als ½ Jahr dort bleiben wollte. Die Uhrzeit war unmenschlich. 19 Jahre später ist die Uhrzeit immer noch unmenschlich und ich habe den Absprung versäumt.

1 – Ich erinnere mich dass ich auf den Himalaya stieg und als Erste die Fahne in den Gipfel stiess. Es war ein berauschendes Gefühl, von dem ich meinen Enkeln heute noch erzähle.

2 – Ich erinnere mich als wir unseren Rüden geholt haben. Mein Mann hat ihn im Auto geholt und ich hatte ihn eingeholt. Ich sass auf dem Roller und konnte den kleinen süssen Fratz bewundern, ich konnte es kaum abwarten ihn zu knuddlen. 13 Jahre später liebe ich es immer noch ihn zu knuddeln.

2 – Ich erinnere mich an meine Insel, die ich für uns gekauft habe. Sie ist  mittlerweile erschlossen und auch dem Internet angeschlossen. Von dort aus blogge ich das relaxte Inselleben. Ich liege in der Hängematte unter meiner Lieblingspalme und schlürfe leckere Cocktails.

3 – Ich erinnere mich an die Suche nach einem passenden Haus für uns und die Hunde. Haus für Haus haben wir uns angeschaut. Dann endlich das perfekte für uns gefunden. Wichtig war uns, dass die Hunde sicher im Hof bleiben können. Wir waren unwichtig.

3 – Ich erinnere mich an den Flug ins Weltall um festzustellen, dass alles Lüge ist, was uns die Medien und Schulen beigebracht haben. Die Erde sieht ganz anders aus, als wir es gezeigt bekommen.

4 – Ich erinnere mich wie Glücklich ich war, als ich die Zulassung für die Uni bekam. Es war im Nachbarort und ich musste weder umziehen noch einen neuen Job suchen. Ich war so happy. Ein anderes Leben sollte starten.

4 – Ich erinnere mich an meine erfolgreiche Doktorarbeit, die bahnbrechende Erkenntnisse hervorbrachten. Ich werde in mehreren Fachzeitschriften erwähnt und mein Fachbuch ist in den Lehrstoff aufgenommen worden.

5 – Ich erinnere  mich an unseren ersten Neuwagen. Den haben wir gekauft, damit wir nicht irgendwo unterwegs auf den Weg zu Arbeit liegen bleiben. Da war es uns noch wichtig.

5 – Ich erinnere mich, dass es eine Entschuldigung des Arbeitgebers für seine Handlung gab. Eine öffentliche Entschuldigung vor der gesamten Belegschaft um und zu rehabilitieren.

6 – Ich erinnere mich an meine Reise nach Ägypten. Ich war so beeindruckt von den Bauwerken und der Geschichte. Noch Jahrelang danach habe ich alles darüber gelesen und ständig die Bilder betrachtet.

6 – Ich erinnere mich,  dass meinem Schwiegervater einen neue Lunge eingesetzt wurde, genauso gerecht wie bei Roland Kaiser.

7 – Ich erinnere mich daran, wie mein Mann mich nach  meinem Namen gefragt hatte und ich wusste, dass er mich bald nach einem Date fragen würde. Eigentlich wollte ich damals keinen Freund haben, aber ich konnte dem netten Kerl einfach keinen Korb geben. 17 Jahre später freue ich mich über diese Entscheidung

7 – Ich erinnere mich, dass ich den Weltrekord im Schwimmen gebrochen habe. Ich wurde ins Guinnessbuch der Rekorde eingetragen und kann kleinen Kindern das Schwimmen beibringen.

8 – Ich erinnere mich an eine Exkursion von der Uni aus und ich war immer das Schlusslicht, da      bekam ich, nicht das erste mal, das Gefühl, dass Studieren doch nicht so das richtige für mich war.

8 – Ich erinnere mich, dass ich im Dunkeln durch die Strassen laufe und sich ein Portal öffnet um   mir zu zeigen wie mein Leben verlaufen wäre, wenn ich bei manchen Abzweigungen den anderen Weg gewählt hätte.

9 – Ich erinnere mich an die Weihnachtstage bei denen ich mit meiner Mutter Plätzchen backte. Sie hat das wirklich nur für mich gemacht, denn sie hasst es zu backen.

9 – Ich erinnere mich an meine Reise um die Welt. Ich habe alles wichtigen Sehenswürdigkeiten betrachtet und vor allem die gesamte Chinesische Mauer abgelaufen.

10 – Ich erinnere mich an unsere Fahrt nach München mit unserem Dackel, der leider schon 12 Jahre tot ist. Es war so toll. Die Bayern lieben einfach Dackel. Ständig wurden wir angesprochen wegen des Prachtexemplars von einem Dackel. Er hat das gespürt, irgendwie ist er noch stolzer als sonst vor uns her gelaufen.

10 – Ich erinnere mich an mein Leben in der Vergangenheit. Die breiten Hüften, auf denen ich die Kinder und die Körbe transportierte, habe ich in mein heutiges Leben mitgenommen.