Action, Dystopie, Projekt TXT*

Projekt TXT – Das zwölfte Wort – Weihnachten 1 von 8

Das Projekt*txt wird gegenwärtig von Dominik Leitner und Katharina Peham betreut.

 

Was ist das Projekt *.txt?

Schnell erklärt soll das Projekt *.txt der Inspiration dienen. Einmal pro Monat wird ein Wort verkündet, zu dem die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre Texte schreiben. Es gibt keinen Druck, etwas zu schreiben, kein Datum, bis wann die Texte da sein müssen … es soll also in erster Linie Spaß machen!

Folgende Geschichte enthält Gewaltszenen. Die Geschichte ist in acht Kapitel unterteilt.

Hoffen auf ein Weihnachtswunder

Eine unbekannte Katastrophe führt zu Stromausfällen. Die kleine Familie, Mina, Matthew und Nadja versuchen zu überleben. Dabei wird Matthew von Mina und Nadja getrennt. Mina versucht mit Nadja, ihrer kleinen Tochter zu fliehen und zu überleben. Dabei landen sie in einem Camp, in dem Frauen nur zur Zucht verwendet werden. Auch Matthew trifft auf üble Gestalten, bis die kleine Familie endlich wieder zusammen kommen, haben sie einige Jahre zu überstehen. Aber Nadja, das kleine tapfere Mädchen, hat einen unzerstörbaren Glauben an Weihnachten und den Weihnachtsmann. Sie hofft ganz fest auf ein Weihnachtswunder, das sie wieder zusammenführt.


Kapitel 1

Es war dunkel. Es war schon so lange dunkel. Strom gab es schon ewig nicht mehr.

Mina saß in einem Wohnzimmer. Nicht ihr Wohnzimmer. Das hatte sie schon ganz lange nicht mehr betreten. Es lag weit entfernt. Ein zu Hause gab es nicht mehr. Die Couch in der sie saß war gemütlich. Sie lud ein zum Verweilen. Sich mit einem guten Buch und paar Kerzen in eine Decke kuscheln in eine fremde Welt fliehen. Eine fremde Welt – sie würde sofort dorthin entfliehen. Hauptsache weg hier.

Tief in ihren Gedanken versunken, hielt sie die Fernbedienung in der Hand. Sie streichelte die Tasten. Wann hatte sie das letzte Mal eine ihrer Lieblingsserien gesehen? Sie wusste es nicht. Die Zeit war unwichtig geworden. Sie schaute hoch – ein riesiger Flachbildschirm zierte die Wand. Es war ein schönes Wohnzimmer. In der Ecke vor dem Fenster stand das Skelett eines Weihnachtsbaums. Die Beleuchtung lieferte schon lange kein heimeliges Licht mehr. Die Kugeln waren matt vom Staub und der Zeit. Unter dem Baum lagen noch immer unausgepackte Geschenke. Eine Erinnerung an alte, schönere Zeiten. Sie konnte in ihrer Erinnerung Kinderlachen hören und die gesungenen Weihnachtslieder. Und schon wieder war Weihnachten. Die Erinnerungen an vergangene Tage, drängten sich vehement auf. Gedankenverloren drehte sie an ihrem Ehering.

***

Nadja war ein Christkind. Sie wurde am Heiligen Abend geboren. Matthew und sie waren überglücklich. Dieses kleine perfekte Wesen.

Nadja war bei dem Vorfall drei Jahre alt. Matthew und Mina wollten ein kleines gemütliches Weihnachtsfest mit ihrem Geburtstag kombinieren. Am Heiligen Abend saßen sie gemütlich und beobachteten ihre Tochter mit ihren Geschenken. Dann kam der Stromausfall. Das Chaos auf den Straßen, war schon nach drei Stunden ohne Strom ausgebrochen. Die Leute plünderten die Geschäfte.

Die weihnachtliche Dekoration wirkte nun bedrohlich im Dunkeln. Zeugte von heuchlerischer Sicherheit. Das Fest der Liebe. Aber keiner liebte den Nächsten. Zum Glück war Matthew vorbereitet. Sie hatten Vorräte für mehrere Monate. Das Haus musste erst mal nicht verlassen werden. Sie konnten sich etwas Normalität vorheucheln und genossen die ruhige Zeit mit ihrer Tochter.

Dann waren die Vorräte aufgebraucht. „Schatz, ich werde mal sehen ob ich bei den Nachbarn was finde. Die Häuser stehen schon seit Wochen leer.“ „Oh Mat. Ich hab so Angst. Was, wenn dir etwas zustößt? Was sollen wir dann machen.“ „Es wird schon nichts passieren, hier war schon seit Monaten keiner mehr hier in der Straße. Ich bin gleich wieder da. Außerdem haben wir den Ernstfall doch geprobt. Wenn mir etwas geschieht, weiß ich dass ihr beide das schaffen werdet.“ Er umfasste Minas Gesicht mit seinen Händen und blickte ihr tief in die Augen. Sie nickte. Sie war vorbereitet. Matthew hortete schon einige Zeit Lebensmittel und andere überlebenswichtige Dinge. Sie hat es damals belächelt, aber jetzt war sie ihm dankbar.

Bei einem seiner Streifzüge kam er nicht mehr zurück. Sie wartete einige Tage. Nachts kletterte sie aufs Dach um zu sehen, wie die Umgebung sich verändert hatte. Überall konnte sie schwelende Brände sehen, aber selten sah sie  Menschen von Schatten zu Schatten zu huschen.

Sie hatte wahnsinnige Angst. Was sollte sie mit dem Kleinkind machen. Wie sollte sie überleben. Sie saß vor dem Bett ihrer Tochter. Die Kleine war einfach so hübsch.

Tränen liefen ihr über die Wange. Tränen der Trauer über den Verlust ihrer großen Liebe und vor Angst, wie sie ihre süße unschuldige Tochter schützen sollte.

******

Matthew verließ ihr sicheres Zuhause so ungern. Aber die Vorräte neigten sich dem Ende zu. Er musste gehen. Er küsste Mina und Nadja. „Ich bin bald wieder da. Macht hinter mir zu und kein Licht.“ Sie nickten. Er winkte zum Abschied. Das war das letzte Mal, dass er seine Familie gesehen hatte. Seine Ausflüge mussten immer weiter ausgedehnt werden. Alleine war das sehr mühsam. Er hatte angefangen sich der nächsten größeren Stadt zu nähern. Mehr Vorräte, aber auch gefährlicher.

Heute war er auch noch abgelenkt. Nadja hatte bald Geburtstag und er wollte etwas für sie besorgen. Deswegen achtete er auch nicht auf seine Umgebung. Ein großer Fehler derjenigen, die sich zu sicher fühlten. Als er die Geräusche hinter sich hörte, war es zu spät. Ein Schlag gegen den Kopf und er fiel bewusstlos hintenüber.

Als er seine Augen aufschlug schmerzte das grelle Licht in seinen Augen. Sein Kopf brummte und er hatte wahnsinnigen Durst. Seine Zunge fühlte sich an wie Watte. „Ah, die Prinzessin ist aufgewacht. Sag dem Boss Bescheid. Ich komme gleich mit unserem Fang nach.“ Matthew war verwirrt. Was war geschehen. Sein Blick wurde schärfer und er nahm seine Umgebung jetzt genauer wahr. Ein karger Raum. Nur ein Tisch und der Stuhl auf dem er gefesselt saß. „Wo…“ krächzte er. „Wo bin ich, was ist geschehen?“ „Du bist bei uns. Du bist in unser Revier eingedrungen und hast ungenehmigt gewildert. Das wird normaler weise mit dem Tode bestraft. Mit sofortiger Hinrichtung. Aber irgendwie hatte ich meinen Sozialen. Nathan soll über dich entscheiden.“ „Nathan?“ „Ja der Boss hier. Du wirst ihn mögen.“ Er lachte bösartig. Verdammt. Er war sich zu sicher gewesen. Hätte er doch die Stadt nur gemieden. „So, auf Prinzessin. Bewege deinen Hintern. Der Boss will dich sehen.“

„Wie heißt du?“ „Stimmt, wir haben uns ja noch gar nicht vorgestellt. Ich bin Norman. Die rechte Hand des Bosses. Also stell dich besser gut mit mir, wir werden viel, viel netten Kontakt haben.“ Er unterstrich seine letzten Worte mit einem Tritt gegen Matthews Knie. Er stöhnte auf und biss sich auf die Lippen. „Wie ist dein Name, Prinzessin?“ „Matthew.“ Quetschte er gepresst hervor. „Mattie. Schön, dann beweg dich. Nathan wartet nicht gerne.“

**********

Matthew hatte versprochen nie länger als eine Woche weg zu bleiben. Sie hatten abgemacht, dass sie dann ihre Sachen nehmen und aufbrechen sollte. Auf einer Karte hatten sie einige Punkte markiert, die Matthew im Laufe der Zeit besichtigt hatte. Sie holte die Karte und plante ihren Weg. Morgen wollte sie aufbrechen. Eine Notiz würde Matthew zeigen, dass sie noch lebten und weiter gezogen waren. Das war ihr Plan. Jetzt war es soweit. Sie musste aufbrechen. Seufzend ging sie schnell ihre Rucksäcke durch.

*******

Matthew stolperte mehr, als er lief. Norman lief hinter ihm und stieß ihn ständig mit dem Gewehr in den Rücken und gaggerte. Dann endlich standen sie vor einer Tür. Norman klopfte und sie öffnete sich. „Norman, ist unser Gast endlich erwacht. Bring ihn her.“ Eine tiefe, raue Stimme war zu hören. Matthew bekam eine Gänsehaut. Die Stimme klang kalt und berechnend.

„Komm her Neuer. Lass dich anschauen, ob du gute Ware bist.“ Norman schubste Matthew und er stolperte nach vorne. „Ja, das sieht gut aus. Für dich werden wir einen guten Preis bekommen.“ „Bitte, lasst mich gehen. Ich hab eine Frau und eine kleine Tochter, die mich brauchen.“ „So, so. Norman, wie wäre es mit einer Familienzusammenführung? Wo ist deine Familie?“ Zu spät bemerkte Matthew seinen Fehler. Wie konnte er nur seine Familie erwähnen? „Antworte.“ Fauchte Norman. „Nein, auf keinen Fall.“ „Ach, rebellisch? Das werden wir ändern. Der Kunde will keinen Rebellen. Also Norman, du weißt was zu tun ist. Mach ihn gefügig.“ „Aber gerne doch. Es gibt so einige, die mal wieder bisschen Spaß gebrauchen können. Die Moral muss wieder bisschen angehoben werden. Wenig Frischfleisch die letzte Zeit gehabt. Komm Prinzessin.“

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Fortsetzung folgt

Action, Projekt TXT*, Tiere

Das elfte Wort | 2018 – Nein – Tödliches Campen

Das elfte Wort von Projekt TXT lautet dieses mal NEIN

Diese Geschichte entstieg einem Traum. Und zwar hatte ich einen seltsamen Traum mit einer Schneisse zu einem Bunker in dem Tierspuren zu sehen waren in einem Grauen Sand. So wie ich es beschrieben hatte. Nur die Nebenszenen hatten was mit meiner Arbeit zu tun…Seltsamer Mix. Aber das Bild hat mich verfolgt und so ist diese Story entstanden….Achtung – mal wieder blutig. 


Eine Gruppe Studenten will sich vom Unistress erholen und planen einen Campingausflug. Es verschlägt sie auf ein ehemaliges Miltärübungsgebiet mit vielen Bunkern und seltsamen Spuren. In der Nacht merken sie, dass sie nicht alleine auf diesem Gelände sind. Etwas will nicht, dass sie sich dort aufhalten. Der einzige Weg zum Überleben ist der Kampf.


Irgendwie war das eine komische Idee gewesen. Mark wollte unbedingt mal was anderes. Den Uni-Stress mal ablegen und offline gehen. Wir hatten die letzten Monat nur gelernt und Praktika  absolviert. Hausarbeiten und Referate. Wir standen alle kurz vor einem Burn Out.

„Campen. Äch. Neee – warum nicht in irgendeinen tollen Spa? Sich verwöhnen lassen. Massieren, Hot Stone, Klangmuschel?“ Fragte Camille. „Ich brauch was Bodenfestes. Etwas was mich wieder erdet und mir zeigt, dass ich den richtigen Weg eingeschlagen habe. Diese ganze Lernerei und für was? Dass ich noch Jahrelang einem Prof den Kaffee vortragen kann und seine Sekretärin spielen darf?“ Antwortete Mark. „Nein – ich brauche frische Luft, Sonne und Freiheit. Wenn du nicht mitwillst- Wir Männer können auch gut einen Männertrip machen, hä Jungs?“ Im Hintergrund hörte man die Jungs Beifallklatschen. „Siehst du, wir brauchen keine Frauen, geht ihr nur schön ins Spa.“ Meinte er höhnisch.

„Nein – ich will nicht in ein Spa.“ Meinte ich. „Ich brauch auch was Waschechtes. Dreck, Grillen, Bier, Gespenstergeschichten am Lagerfeuer. Für mich kein Spa. Tut mir leid Camille.“ „Pah – na gut, dann wälze ich mich halt in einer Wildschweinkuhle, dann hab ich auch mein Schlammbad.“ Schmollte sie. „Super. Wer kommt noch mit?“ „Ich, Jan, Patrick und Wolle. Bei euch Mädels?“ „Camille, ich, vielleicht bekomme ich noch Maritta und Anita an den Start, die könnten auch mal Abstand gebrauchen. Dann wären wir zu acht. Haben wir so viel Platz?“ „Platz? Wir sind in der freien Natur – wenn die nicht genug Platz für uns hat…..Morgen um acht Uhr geht es los. Seid pünktlich Andrea – und ungeschminkt. Hahaha“. Ich zeigte ihm den Stinkefinger und streckte ihm die Zunge raus.

Bis ich euch die Geschichte weiter berichte, stelle ich uns kurz vor. Wir sind Studenten. Alle aus verschiedenen Bereichen, die sich in einem Kurs – Statistik – treffen. Das ist ein Fach, das nun wirklich keiner braucht. Wie sagte der Prof? Trau keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast. Toll, oder. Das ist auch nicht unbedingt mein stärkstes Fach. Aber wir sind uns alle einig – in der Situation in der wir uns bei unserem Trip befanden, hätte kein Studienzweig etwas gebracht – keiner studierte etwas Brauchbares. Es war BWL, Literatur, Kunst, Rechtswissenschaft dabei. Also nichts was uns hätte retten können. Ich will schnell weiter machen, damit ich zur eigentlichen Story kommen kann.

Also wir waren zu acht. Ich, Andrea, Camille, meine beste Freundin, die leider etwas zu verwöhnt ist. Maritta und Anita kenne ich eigentlich eher aus der Mensa. Wir haben sonst keinen großen Kontakt. Sie gehören eher zu den Jungs. Die Jungs – das sind Mark, den ich echt mag, Jan – kenne ich kaum. Patrick ist einer der netten und Wolle ist ein Schwätzer. Das könnte schon bisschen anstrengend werden. Aber wie Mark schon sagte – die Natur hat genug Platz um sich auch aus dem Weg gehen zu können. Wir trafen uns also am nächsten Tag um acht Uhr. Mehr oder weniger Fit. Steigt mit ein und beobachtet.

Wir fuhren mit zwei Bullis. Mark und Jan hatten sie aufgetrieben. Keine Ahnung wo her. Aber wir hätten alle darin schlafen können. Im Notfall. Aber das hätte ja keiner wissen können, dass tatsächlich einer eintreffen würde.

Wir waren krass drauf, für Studenten des digitalen Zeitalters. Für die Anzahl der Tage, die wir nicht festgelegt hatten, ließen wir unsere Handys zu Hause. Großer Fehler. Dieser Offlinewahn, den Mark predigte kostete einige Leben. Vielleicht hätte es anders ausgehen können, wenn wir ein SOS hätten los schicken können.

„Hei – mach mal passende Musik – Beach Boys oder so, etwas für die Stimmung.“ Blökte Maritta von hinten. Mark fuhr den ersten Bus. Der zweite Bus wurde von Jan gefahren. „Wo wollen wir eigentlich hin?“ Fragte ich Mark. „Noch haben wir kein Ziel. Es sind Ferien und wir sind ungebunden. Wir fahren bis es dunkel wird. Dann werden wir uns ein Plätzchen suchen.“ Ich ließ mich hinten auf die Bank nieder und schnappte mir ein Buch. Endlich mal wieder einen Roman lesen – das vergisst man während der Uni-Zeit total. Ich war ziemlich vertieft als der Bus zum Stehen kam. „Pinkelpause, Leute und vielleicht eine Kleinigkeit essen.“ Ich streckte mich – meine Muskeln waren etwas eingeschlafen, ich genoss es endlich mal auszusteigen. Wir waren auf einem Rastplatz. Es war überhaupt nichts los. Wo waren wir? „Ich weiß nicht. Jan hat mich vorhin überholt und ich bin ihm einfach nachgefahren. Kein Plan, wo wir hier sind. Aber es ist ziemlich abgelegen.“ Das sah ich. Aber das war ok. Einsamkeit war ja das was wir suchten.

Nach paar Minuten Pause fuhren wir weiter. Bis es dämmerte. Mark fuhr auf einer Schotterpiste hinter Jan her. Bestimmt eine halbe Stunde später kamen wir dann zum Halten. „Wir sind da – hier wird heute geschlafen.“ Ich stieg aus. Es war noch hell genug um sich etwas umzuschauen. Es war ein seltsamer Ort. „Wo sind wir hier, Jan?“ „Ich weiß nicht, ich glaub hier hatten die Amis früher ihren Truppenübungsplatz.“ „Na ja, schön ist anders. Sind das da hinten Bunker?“ Wolle drehte sich zu dem von mir gezeigten Platz um. „Ja – das sind Bunker – da können wir uns nachher noch einquartieren. Das wird doch cool. Ein Pfeifchen und dann in einem gruseligen Bunker die Nacht verbringen – ultimativer Kick.“ „Nein Danke.“ Meinte Camille – da hab ich ja mal gar kein Bock drauf.“ „Komm sei kein Frosch.“ Sagte Mark. Und ich kleines verliebtes Huhn nickte wie eins. „Ja Camille, komm, das wird bestimmt lustig.“ Sie blickte mich bittend an. Ich wusste, dass sie eigentlich ungerne in dunkle geschlossene Räume geht. Und es war wohl kaum davon auszugehen, dass es dort Fenster gab. Aber da sie mir vertraute, stimmte sie zu.

Am nächsten Tag starteten wir gemütlich. Wir erkundeten das Gebiet. Es war schon aufregend. Wir fanden alte Schiessstände an denen noch die Ziele hingen – sie waren schon teilweise zerrissen und verrottet, aber die Einschüsse waren gut erkennbar. Dann kamen wir zum Drillplatz. Die Wand – die berühmte, die man immer in den Filmen sah. Ich konnte nicht widerstehen. Ich rannte und klatschte scheiternd an diese besagte Wand. Also ich blamierte mich fürchterlich. Mark nahm Anlauf und überflog sie fast. So kam es mir jeden Falls vor. Ich glaube ich idealisierte ihn ein kleines bisschen. Aber wenigstens scheiterten die anderen Mädels auch. Sogar Wolle scheiterte. Zum Glück.

Wir landeten alle lachend vor der Wand und zogen uns gegenseitig auf. Am späten Nachmittag gingen wir zum Bunker. Eigentlich war mir das auch schon zu spät. Er wirkte schon gruselig. Verfallen, obwohl er aus massiven Platten errichtet war. Irgendwie haftete ihm etwas Unheimliches an. In den Ritzen wuchs Unkraut – aber am Boden war alles frei von Grün. Es führte eine Einfuhrschneise vor ein riesiges Tor. Ich denke, dass dies für Panzer gedacht war. Diese Schneise war mit einer Art grauen Sand ausgestreut. Und in diesem Sand konnte man Tierspuren erkennen. Ich bückte mich und hielt meine Hand dagegen. Sie wirkte klein dagegen. Was für ein Tier war das? „Ich glaube das sind Hundespuren?“ „Nein – das sieht anders aus. Ich glaube das sind Löwenspuren.“ „Löwen, vielleicht hat mal ein Zirkus hier campiert?“ „Vielleicht.“ Murmelte ich. Aber irgendwie sahen mir die Spuren viel zu frisch aus. Jan ging zur Tür runter, ich folgte ihm. Auf dem Absatz befand sich ebenfalls dieser graue Sand und in diesem Sand war ein perfekter Abdruck. Aus dem Bunker heraus. Man konnte es genau erkennen. Wir blickten uns an. „Meinst du hier wurden mal Löwen gehalten?“ „Nein, das macht kein Sinn. Das war bestimmt ein Zirkus.“ Meinte er. Mich schauderte es. „Lass uns zu den anderen zurückgehen Den Bunker können wir auch morgen erkunden. Ich hab keine Lust mehr heute.“ „Ja – geht mir auch so. Lasst uns ein Lagerfeuer machen und was grillen. Ich bekomme Hunger.“ Jan rannte zu den anderen. Ich folgte ihm langsam. Dann blieb ich ruckartig stehen. War da gerade ein Geräusch? Kam aus dem Bunker ein Geräusch. Konnte man da überhaupt etwas hören? Ach, du bildest dir was ein, Andrea. Zuviel Fantasie. Und ich ging etwas schneller zu den anderen, als ich es ursprünglich vorhatte.

Wir hatten einen schönen Abend. Jeder erzählte eine Anekdote aus der Uni. Irgendwelche Fehler, die einem während der Praktika oder Referate passierten – und auch Professoren wurden auseinander genommen. In jedem Fachbereich gab es immer einen, der irgendwie seltsam war. Überheblich oder Schräg.  Es war wirklich sehr amüsant. Wir tranken alle etwas zu viel und als es Zeit wurde sich in die Zelte zurückzuziehen, gab es einige Zusammenschlüsse.  Camille ließ sich von Jan entführen. Maritta  ging mit Patrick. Nur ich, Mark, Wolle und Anita blieben zurück. Ich blickte schüchtern zu Mark. Ich hätte nichts dagegen – aber so richtig wollte ich auch nicht. Nein – das wäre mir doch zu schnell – also sprang ich auf und wollte schnell in mein Zelt. Aber ich hatte doch bisschen zu viel getrunken und schwankte stark. Mark sprang schnell auf um mich zu halten. „Geht es?“ „Mhm – ja danke.“ Murmelte ich. Er ließ mich trotzdem nicht los und brachte mich zu meinem Zelt. „Gute Nacht, Andrea.“ Meinte er und drückte mir einen Kuss auf die Wange. Ich fühlte mich wie ein Teenager – meine Hand wanderte auf die geküsste Stelle und ich wurde rot und glücklich. Er mochte mich.

Ich zuckte zusammen – da war wieder das seltsame Geräusch, das ich am Bunker gehört hatte. Ich drehte mich einmal schnell um mich herum und versuchte den Schwindel zu ignorieren. Schnell schlüpfte ich in mein Zelt. Schloss den Reisverschluss und schlüpfte in meinem Schlafsack. Jetzt wäre ich froh, Mark wäre mit in mein Zelt geschlüpft. Ich hatte bisschen Angst alleine. Ich rollte mich zusammen und versuchte mit zusammengekniffenen Augen einzuschlafen.

Es gelang – ich schlief ein – aber ein Geräusch weckte mich – oder war es meine Blase – ich konnte es nicht nachvollziehen. Aber definitiv – meine Blase war voll. Bier. Ja Bier trieb – das hätte ich wohl doch vorher bedenken sollen. Ich überlegte wie lange ich es wohl aushalten würde. Ich kam zu dem Schluss – nicht lange. Vorsichtig befreite ich mich aus dem Schlafsack und zog leise den Reisverschluss des Zeltes auf. Ich lauschte. Ich hörte meine Ohren rauschen. War das mein Blut?

Ich griff nach der Taschenlampe, die ich am Eingang deponiert hatte. Ich schaltete sie an und leuchtete durch die Gegend – im Dunkeln wirkte das hier so unheimlich, das ich wirklich noch mal überlegte, ob ich wirklich herausmusste. Aber es half nichts – ich musste. Leise schlich ich an den Rand der Zelte – ich wollte einfach nicht zu weit weg gehen – mir egal, dass ich fast in unser Camp pinkelte. Scham war in meinen Augen nicht wichtig.

Da – schon wieder – ein Geräusch. Während ich immer noch in gebückter Haltung verharrte, hörte ich was. Ein Reisverschluss. Ich atmete aus. Ich stand auf und blickte mich um. Patrick kam aus seinem Zelt. Er kratzte sich und blickte sich um. Dann sah er mich. Er winkte und torkelte in die andere Richtung. Da musste wohl noch jemand sein Bier loswerden.

Ich schmunzelte. Und stutze. Ich hörte ein plumpsen. Patrick war wohl umgefallen. Aber ich hörte auch ein wimmern. Dann kam der Schrei. Ich stolperte rückwärts. In den anderen Zelten gingen die Lichter an. Wolle und Mark waren die ersten, die ihre Zelte verliesen. Um das Camp sah ich Schatten. Irgendwas umkreiste unser Camp. Ich rannte wieder zurück. Stellte mich zu Mark und Wolle. Aus den anderen Zelten kamen Jan, Camille, Anita und Maritta. „Was ist hier los.“ Fragte Camille verschlafen. „Geh zurück und zieh dir eine Hose an – hier stimmt was nicht und du wirst gescheite Kleidung brauchen. „Fauchte ich ihr zu.  Sie stand in einem Shirt und Höschen vor mir und blickte mich verständnislos an. Mein Blick musste sie so verunsichern, dass sie schnell ihre Hose und Schuhe aus dem Zelt holten und sich anzog. Dann nahm ich sie bei der Hand. Ich wollte sie nicht loslassen. Sie war in diesem Moment mein Anker. Die Männer hatten sich zusammengestellt und blickten noch leicht betrunken aus dem Kreis heraus und versuchten etwas zu erkennen. Ich war die einzige mit einer Taschenlampe. Ich versuchte zu leuchten – aber  der Lichtkegel war nicht stark genug. Er ging nicht bis hinter die Zelte. Immer noch konnten wir nur Schatten erkennen.

Wieder hörten wir den Schrei – dann wurde aus dem Schrei ein gurgeln und dann Stille.

Maritta und Anita fingen an zu wimmern. Ich merkte, dass auch Camille anfangen wollte. „Reis dich zusammen – wir brauchen unsere Konzentration. Lass das die anderen beiden erledigen. Das hier ist nicht nur ein Fake – hier ist irgendwas Tödliches. Und ich glaube ich weiß auch was, oder denke es.“ Ich ging zu Jan. „Jan – kannst du dich an die Spuren am Bunker erinnern? Ich glaube da lebt noch was drinnen, das hier um uns herum läuft.“ „Was? Meinst du Löwen?“ „Ja.“ „Du spinnst doch. Wo sollen die denn herkommen?“ „Aus dem Bunker, du Idiot. Wir sind auf Militärgelände der Amis. Wir wissen doch, dass die immer Experimente durchgeführt haben.“ „Oder irgendein Zirkus hat seine Tiere hier entsorgt, dann sind das altersschwache Viecher.“ „Ich weiß nicht.“ „Doch bestimmt. Nur alte Tiere greifen Menschen an.“ Ich zweifelte immer noch, als Mark zu uns kam. „Was ist los?“ Ich unterrichtete ihn über unseren Fund und unsere Theorien.

„Löwen? Ich weiß nicht. Das klingt bisschen zu sehr nach Hollywood.“ „Na klar, die Amis waren ja auch hier.“ Erwähnte ich bisschen angesäuert, weil er mir nicht glauben wollte. Was sonst hatte wohl Patrick erledigt? „Wie kommst du drauf, dass Patrick tot ist? Vielleicht ist er nur unglücklich gestürzt und hat sich den Schädel in seinem Suffkopf angehauen?“ Das war natürlich auch eine Option. Aber ich glaubte nicht dran. „Und was schleicht um das Camp?“ „Füchse? Wildschweine? Was weiß ich?“

„Ach.“ Meinte ich mit einer wegwerfenden Handbewegung. Ich stand auf und ging zu Camille. „Hör zu. Hier stimmt was nicht. Wir müssen zusammen bleiben. „ Sie blickte mich verunsichert an und schaute zu den Männern. „Sollten wir nicht zu ihnen gehen? Sie können vielleicht helfen – sie sind immerhin stärker als wir.“ Ich blickte mich ärgerlich zu den beiden Männern um. „Nein, die glauben mir nicht. Aber wir werden angegriffen.“ „Andrea – ich weiß, dass du immer gleich das Schlimmste annimmst – aber vielleicht ist es auch nur der Alkohol, der aus dir spricht?“ Mein Kopf ruckte zu ihr um. Meine beste Freundin hielt mich für überzogen? Ich war  vorsichtig. Vielleicht zu misstrauisch – aber nicht hysterisch. Im Gegenteil. Ich war die Ruhe selbst. Ich krabbelte in mein Zelt und wühlte in meinem Rucksack. Ein Messer – wo war mein Messer. Ich ging nie ohne Messer aus dem Haus. Ok – das klang jetzt doch bisschen hysterisch – aber Leute – die Situation in unserem Land ist nicht ohne – da kann Frau auch mal ein Messer zum Selbstschutz haben, oder? Ah hier – und das Pfefferspray war auch da. Wie gut – es war ja zur Tierabwehr. Sonst durften sie es ja nicht verkaufen. Passt doch.

Während ich im Zelt wühlte, hörte ich erneut Schreie. Eine Frau – schnell schälte ich mich wieder raus. „Camille?“ „Ich bin hier – ich weiß nicht wer das war. Maritta oder Anita – ich kenn ihre Stimmen noch nicht. Ich spurtete in die Richtung aus der der Schrei kam. Da stand Maritta. Sie hatte die Arme um sich geschlungen und war in die Hocke gegangen. Sie wippte aufgewühlt vor und zurück. „Maritta, Maritta? Was ist los?“ schrie ich sie an. Sie reagierte nicht. Ich knipste die Lampe an und leuchtete nach vorne. Da – eine Spur – der Boden war aufgewühlt. Und eine Schleifspur verlies den Platz. Ich rannte hin – in der einen Hand das Messer, in der anderen die Lampe und verfluchte mich, dass ich nicht an die Stirnlampe gedacht hatte. Blut – die Schleifspur war voll Blut. Und dort? Ich musste würgen. Im Staub lag ein Arm. Ein Frauenarm. Die Männer kamen angerannt. Jan, Wolle und Mark. Ich deutete aufgeregt auf die Stelle mit dem Arm. „Ein Fuchs? Ein Wildschwein? Machen die so was? Ich glaube kaum. Das hier war ein Raubtier. Und kein kleines?“ „Vielleicht ein Wolf?“ Meinte Mark. „Nein, das glaube ich nicht – schau dir die Spuren an – das sind keine Wolfsspuren. Die sehen anders aus. Da kann man keine Krallen im Abdruck sehen. Das hier sind nur Fußballen. Ich sage euch, das sind Löwen. Hört mir doch zu.“ Alle blickten mich entgeistert an. Ich nahm einen Schatten von rechts wahr. Bevor ich eine Warnung ausrufen konnte, sprang der Schatten. Im Sprung schnappte er sich Wolle. Dieser Löwe war riesig. Das war doch kein normaler Löwe. Die anderen drehten sich schnell um und schnappten nach Luft. Sofort gerieten sie in Panik. „Wartet, wartet. „ Schrie ich. Bleibt doch zusammen. Sonst…“ und schon hörte ich den nächsten Schrei. Wieder eine Frau. „Camille? Camille?“ „Andrea.“ Hörte ich sie schluchzend schreien. „Ich bin hier – zwischen den Zelten. Was war das. Ich….Ahhhh“ Mir gefror das Blut. Irgendwas hatte Camille angegriffen. Ich rannte zu der Stelle, die sie mir genannt hatte. Dort lag sie. Sie hatten sie nicht mitgenommen. Warum? Aber da sah ich ihn – ein majestätisches Tier. Den Namen König der Tiere hatte er wahrlich verdient. Ich rannte auf ihn zu. Fuchtelte mit den Armen und schrie. Ich schrie, bis ich fast heiser wurde. Der Löwe blickte mich irritiert an und ließ von Camille ab. Er drehte sich weg und verließ den Platz. Schnell rannte ich zu Camille. „Camille? Camille?“ Ich schüttelte sie sanft. Im Schein der Taschenlampe konnte ich sehen, dass sie eine tiefe Wunde am Oberschenkel hatte. Was ich erkennen konnte,  zum Glück war nicht die Hauptschlagader betroffen, da es zwar heftig, aber nicht sprudeln blutete. Ich zog mein Shirt aus und schnitt es mit dem Messer in Streifen. Schnell machte ich einen unbeholfenen Verband. Dann schnappte ich mir ihren Gürtel und legte noch einen Druckverband an. Ich hoffte das würde die Blutung erst mal stillen. Dann nahm ich sie von hinten unter den Armen und zog sie weiter in den Schatten. Ich wusste nicht, wie ich sie verbergen sollte – aber erst mal weg vom Tatort. Währenddessen schaute ich ob ich Mark oder Jan irgendwo sah. Nichts. Sie hatten uns alleine gelassen. Was Helden. Gut – jeder also für sich. Kein Problem. Das würde ich schaffen, hoffte ich.

Ich startete einen Versuch die verbleibenden Männer zu finden. „Mark? Jan? Wo seid ihr? Camille ist verletzt. Ich könnte eure Hilfe gebrauchen.“ Nichts. Waren sie schon gefressen worden? Hatte ich ihre Schreie überhört, da ich mit Camille beschäftigt war? Ich wusste es nicht. Camille war ohnmächtig. Das war nicht gut. Besser wäre es, sie könnte laut schreien um die Löwen zu verunsichern. Ich musste sie ins Auto bringen. Da wäre sie sicher. Wieder schnappte ich sie unter den Armen. Ich zog sie rückwärts Richtung Auto. Sie stöhnte, ich stöhnte. Ich blieb stehen und lauschte. Nichts. Sie machten keine Geräusche beim Jagen. Da, da war eins der Autos. „Bitte, bitte sein nicht abgeschlossen.“ Betete ich. Ich kam an die Tür, zog am Türgriff – zu. „Warum? Warum habt ihr hier draußen denn abgeschlossen? Wer soll denn das Auto klauen, ihr Idioten.“ Schrie ich verzweifelt. Ich ließ Camille liegen und rannte ums Auto herum. Vielleicht war eine der anderen Türen offen? Nein. Wo war das andere Auto? Ah, da. Schnell rannte ich hinüber. Auf halben Weg spürte ich ihn. Einer der Löwen stürmte auf mich zu. Ich blieb stehen. Ich drehte mich zu ihm. Auf einmal wurde ich ganz ruhig. Alles kam mir wie in Zeitlupe vor. Ich erkannte wie der Löwe zum Sprung ansetzte. Ich hob meinen Arm, machte eine Faust und schlug zu. Ich traf. Ich traf! Ich war überraschter als der Löwe. Ich hatte ihn mitten auf die Stirn getroffen. Zwischen den Augen. Er schüttelte den Kopf und entfernte sich von mir. Fragt nicht, ich konnte meine Hand nicht mehr spüren. Sie war taub – war sie noch da, oder hatte er sie abgebissen? Ich konnte es nicht sagen. Kurz danach setzte der Schmerz ein. Ich glaube, ich hatte mir was gebrochen, aber egal. Erst mal konnte ich zum anderen Auto weiter sprinten. Auch hier versuchte ich alle Türen. Auch alle abgeschlossen. Das konnte doch nicht wahr sein. Ich drehte mich zu Camille um. Was sollte ich nur machen? Ich stand zwischen den beiden Autos und wusste nicht weiter.  Wenn ich die Scheiben einschlug, wäre es kein Schutz mehr –Kurzschließen konnte ich nicht – ich brauchte also sowieso einen Schlüssel. Ich musste einen der Männer finden. Mark oder Jan, das war mir gerade egal. Tod oder Lebendig, war mir auch egal. Sie hatten uns schließlich im Stich gelassen. Ich ging zurück zu Camille. Ich zog sie unter das Auto. Es war ein Versuch. Die Löwen konnten sie erreichen, aber nicht ohne Schwierigkeit. Das war erst mal das wichtigste.

Ich schlich mich in die Richtung der Zelte. Am liebsten hätte ich den Atem angehalten. Ich konnte mich laut atmen hören und mein Herz schlug wie ein Schlagzeug. Für die Löwen musste ich aussehen wie ein phosphoreszierendes Fresschen. Ich war mir sicher, dass ich auch hätte normal laufen können. Denn die Löwen sahen und hörten mich. Da hatten sie mir einiges voraus. Ich konnte nämlich keinen von ihnen entdecken. Dann hörte ich Schritte. Mark. Ich konnte ihn sehen, er kauerte sich hinter das Zelt von Maritta. Und daneben kniete Jan. Ich atmete auf. Sie waren doch noch da. Ich winkte ihnen. Sie winkten zurück. Ich rannte geduckt zu ihnen, und kam mir total lächerlich vor. Die Löwen spielten Katz und Maus mit uns. „Hei, warum habt ihr Idioten die Autos abgeschlossen?“ „Gewohnheit.“ Meinte Mark. „Camille ist schwer verletzt. Ich will sie im Auto in Sicherheit bringen. Gebt mir einen Schlüssel.“ Die beiden schauten sich an. Ich konnte gerade erkennen, wie der Groschen fiel. Die Autos. Nicht zu fassen, dass sie nicht selbst drauf gekommen waren. „Gebt mir einen Schlüssel.“ Forderte ich. Ich hatte etwas beängstigendes im Auge der beiden aufblitzen sehen. Sie würden uns hier lassen. Ich konnte es erkennen. Fast riechen. „Jan! Gib mir den Schlüssel.“ Ich stand vor ihm und hatte das Messer in der Hand. Er blickte mich nicht mal an. Und dann sprangen die beiden auf und rannten los. Ich fluchte und hängte mich an ihre Fersen. Aber ich war viel zu langsam. Nein, nein, nein. Sie durften nicht an die Autos kommen. „Jan! Mark! Bitte. Lasst uns nicht im Stich. Gebt uns eine Chance, lass den Schlüssel da.“ Rief ich verzweifelt.

Ich hörte ein Schnaufen hinter mir. Ich blieb sofort stehen. Drehte mich um und blickte in die Augen des nächsten Angreifers.  Ein wunderschönes Tier mit prächtiger Mähne stand mir genau gegenüber. Ich tastete in meiner Hosentasche nach meinem Pfefferspray. Langsam zog ich es hervor. Langsam hob ich meinen Arm und drückte das Spray. Ich erinnerte mich an die Infos und schloss sofort meine Augen, um nicht selbst was davon abzubekommen. Ich hörte das schmerzvolle und wütende Gebrüll des Löwen. Noch immer mit geschlossenen Augen, warf ich mich zu Boden und rollte mich weg. Im Hintergrund hörte ich wie die Männer sich anbrüllten. „Schnell, Mark schließe die scheiss Tür auf. Mach schon, komm gib her.“ Dann hörte ich ein Gerangel und ein klimpern. Der Schlüssel war auf den Boden gefallen. Ich konnte eine gewisse Genugtuung nicht verhindern. Hektisch fielen die beiden über den Schlüssel her und behinderten sich gegenseitig. Sie bemerkten nicht, wie sie dabei umzingelt wurden. Erst Mark hörte auf sich um den Schlüssel zu bemühen. Während Jan ihn beiseite schubste um den Schlüssel aufzuheben, hatte Mark schon registriert, dass sie keine Chance mehr hatten. In dem Moment, als Jan versuchte den Schlüssel aus dem Bund zu entwirren, stürzten die Löwen auf sie zu. Mark sprang auf und versuchte zu flüchten. Aber er hatte keine Chance. Auf seinem Rücken landete ein mächtiger Löwe. Er begrub Mark unter sich, und ich konnte nur noch die Angst und Hilflosigkeit in seinen Augen erkennen. Jan kämpfte noch und schlug sich tapfer – aber er hatte keine Chance. Er wurde regelrecht zerfetzt. Ich wendete meinen Blick ab. Jetzt lag es an mir. Ich brauchte immer noch den Schlüssel.

Camille lag noch unter dem Fahrzeug. Direkt neben ihr wurden die beiden Männer gefressen. Ich war froh, dass sie ohnmächtig war. Es war ein grausames Bild und die Geräusche waren eklig. Wenn ich nicht gerade unter Adrenalin stehen würde, wäre ich zusammengebrochen. Aber das konnte ich mir nicht erlauben. Ich wollte überleben. Ich musste also abwarten, bis die Löwen fertig waren. Ich drehte mich um. Langsam entfernte ich mich von diesem grausamen Szenario. Sollte ich zu dem Bunker gehen. War ich da sicher, gab es da irgendwas zur Abwehr? Ich könnte mir vorstellen, dass dort Waffen wären. Aber ich konnte eh nicht schießen. Und wer weiß, wie viel Löwen dort noch drin waren. Nein. Jetzt wünschte ich, wir hätten die Handys nicht zu Hause gelassen. Ich zog mich in den Schatten der Bäume zurück und wartete. Ich beobachtete. Am Rande der fressenden Gruppe konnte ich einen weiteren Löwen erkennen. Er war grösser als die anderen, und die waren schon wirklich groß. Er beobachtete. Er überblickte die Gegend. Und dann sah er mich. Ein Brüllen entwich ihm und sein Rudel hörte auf zu fressen. Ich beobachtete ebenfalls. Ich konnte Signale erkennen, die die Löwen untereinander gaben. Das waren doch keine normalen Löwen. Einer der Kleineren löste sich von der Gruppe. Erst ging er langsam in meine Richtung. Ich konnte sehen, wie der Große die Situation beobachtete. Der Kleine blieb langsam. Er trotte auf mich zu. Es wirkte fast spielerisch. Bis kurz vor mir, dann sprintete er auf mich zu. Ich sprang auf, zog mein Messer und trat mit meinem Fuß erst mal in seine Richtung. Ich traf ihn an der Brust. Ein Röcheln entwich ihm. Ich zögerte nicht und stürzte mich mit dem Messer auf ihn. Ich stach auf ihn ein, wie benommen. Ich stach, stach und stach. Das Tier brach zusammen und war tot. Schon kam der nächste auf mich zu. Ich rannte auf ihn zu. Schrie und fuchtelte mit meinen Armen. Er blickte mich verunsichert an. Aber im Hintergrund ging ein leichtes brüllen von dem Großen aus. Und der Löwe stürzte sich mir entgegen. Ich ließ mich fallen. Ich schlitterte unter ihn, mit gezogenem Messer. Seine Gedärme landeten warm dampfend auf mir. Wenn ich Zeit gehabt hätte zu denken, hätte ich mich übergeben. Aber Zeit war Luxus. Denn schon stand der nächste Löwe mir gegenüber. Ich war noch immer aufgepumpt mit Adrenalin und zögerte nicht lange. Mit einem lauten Schrei stürzte ich mich ihm entgegen. Er sprang auf mich zu und landete schwer auf mir. Meine Luft entwich. Ich hatte das Gefühl zu ersticken. Sein Gewicht auf mir war kaum zu ertragen. Er bräuchte mich gar nicht zu zerfleischen. Wenn er auf mir liegen bleiben würde, wäre ich in wenigen Minuten erstickt. Zum Glück war meine Messerhand frei. Ich versuchte sie anzuheben. Was nicht leicht war – aber ich schaffte es und stach zu. Nicht tödlich, aber es war ausreichend um ihn von mir herunter zu treiben. Schnell setzte ich mich und robbte rückwärts von ihm weg. Er brüllte wütend und stürmte wieder auf mich zu. Ich war noch nicht in der Lage aufzustehen. Ich rollte mich weg und er rannte an mir vorbei. Dann versucht ich mich aufzurichten. Es gelang. Meine Kräfte schwanden. Aber ich gab noch mal alles und stürmte hinter ihm her. Ich warf mich auf seinen Rücken und stach ihm in den Nacken. Das Tier brach sofort zusammen. Ich zog zur Sicherheit noch das Messer über seine Kehle. Er sollte nicht gelähmt leiden.

Ich wunderte mich über diesen Gedanken, konnte aber nicht verweilen. Der nächste Löwe stürzte sich auf mich und biss mir in die Wade. Ich schrie laut auf und trat nach ihm. Zum Glück hatte ich Treckingschuhe an. Sieleisteten mir jetzt gute Dienste. Ich traf ihn an der Schnauze. Die Nase platze auf und blutete. Er jammerte und ich trat weiter zu. Meine Wade schmerzte fürchterlich. Ich spürte mein warmes Blut an meinem Bein entlanglaufen. Der Schmerz entzündete meine Wut. Ich richtete mich auf und umklammerte seinen mächtigen Hals Ich konnte ihn nicht ganz umfassen, deswegen krallte ich mich in seiner Mähne fest. Er versuchte mich abzuschütteln. Aber ich blieb hartnäckig. Ich zog mich an ihm hoch und erwischte sein Ohr. Ich biss zu. Dann spuckte ich ein Teil seines Ohrs aus. Er stieg hoch und erwischte mich mit seinen Tatzen. Er riss mir die Haut am Bauch auf. Ich schrie und lies los. Ich hielt meine Hand auf meine Wunde – drei tiefe Kratzer zogen sich über meinen Körper. Schmerzhaft, aber nicht tödlich. Stark blutend, wurde meine Wut noch mehr angespornte. Ich sammelte meine restliche Kraft und stürmte auf ihn zu. Mein Messer landete seitlich in seinem Hals. Eine Fontäne Blut ergoss sich über meine Hand. Das Tier brach zusammen und riss mein Messer mit sich. Oh nein, mein Messer. Hektisch versuchte ich es aus ihm herauszuziehen. Der Griff war vom Blut ganz glitschig. Ich rutschte ständig ab. Verdammt. Ich zog mein Top aus und umwickelte den Griff. Kräftig zog ich und mit einem eklig schmatzenden Geräusch konnte ich es herausziehen. Ich landete auf meinem Hintern und legte mich hin. Mein Atem ging stoßweise. Ich wollte nicht mehr. Aber Camille brauchte mich, und ich wollte leben.

Ich zog mich langsam zum Auto. Meine Beine waren Wackelpudding. Ich würde nie wieder aufstehen können. Quatsch, Andrea. Reis dich zusammen. Du hast es soweit geschafft. Jetzt wirst du nicht sterben. Steh auf. Ich kniete mich hin. Camille war wach. Sie stöhnte und versuchte unter dem Auto hervor zu kommen. „Camille, bleib unter dem Auto, bitte.“ Schrie ich, dachte ich. Aber mehr als ein Flüstern kam nicht mehr hervor. Ich blickte hoch. Der Große bewegte sich in Richtung meiner Freundin. „NEIN!“ Schrie ich. „NEIN – das kommt nicht in Frage. Lass sie in Ruhe. Komm zu mir, lass sie in Frieden.“ Er blickte zu mir. Ich könnte schwören, dass er lächelte. Er zeigte seine Zähne. Es war einfach beeindruckend. Wenn ich nicht so viel Angst hätte, hätte ich den Anblick bewundern können. Ich stand auf. Wankend versuchte ich mich so schnell wie mir möglich war, zu ihnen zu gelangen. Vor dem Auto brach ich zusammen.

Mit dem Messer in der Hand drohte ich ihm. Seine Schnauze war mit dem Blut meiner Freunde rot verschmiert. Zwischen seinen Zähnen konnte ich Fleischfetzen erkennen. Sein stinkender Atem in meinem Gesicht. Mein Gesicht, verschmiert mit dem Blut seines Rudels. Wir blickten uns fest in die Augen. Mein Messer war stichbereit. Seine Zähne waren bereit zuzubeißen. Auge in Auge, blutverschmiert sahen wir uns an. Ich konnte so was wie Respekt in seinen Augen erkennen. Er brüllte mich an. Meine Haare, wenn sie nicht vom Blut nass gewesen wären, hätten sich wie in einem Sturm nach hinten gelegt. Ich öffnete meinen Mund und brüllte zurück. Er legte den Kopf schräg. Schnupperte, schaute mir tief in die Augen, trat drei Schritte zurück und drehte sich um. Er ging hoheitsvoll weg. Ohne sich umzublicken, bewegte er sich in Richtung des Bunkers. Er verschonte mich und Camille. Hatte er Respekt vor mir als Kämpferin? Oder hatte er einfach kein Interesse mehr, weil er satt war? Ich wusste es nicht.

Ich robbte schnell zu dem blutigen Haufen von Jan und Mark. Es war widerlich, aber ich brauchte den Schlüssel. Ich wühlte mich durch Gedärme und Haut und fühlte dann das kühle Metall. Der Schlüssel.

Ich schluchzte. Schnell versuchte ich zum Auto zu gelangen. Ich steckte den Schüssel ins Schloss und er passte. Ein kleines Stoßgebet gen Himmel schickend, lief ich zu Camille. „Camille, wir haben es geschafft. Wir haben überlebt. Komm, Steh auf – versuch es. Du musst schnell ins Auto.“ Sie stöhnte. „Andrea, ich kann nicht…“ „Doch, streng dich an. Hilf mir. Bitte.“ Ich würde bald zusammenbrechen. Sie musste mir einfach helfen. Ich merkte wie ein Ruck durch sie ging. Sie versuchte aufzustehen. Ich stütze sie. Dann half ich ihr ins Auto. Schlug die Tür zu und atmete durch. Ich hatte es geschafft. Ich hangelte mich an der Motorhaube entlang auf die Fahrerseite. Das Schloss klickte, und ich öffnete die Tür. Bevor ich einstieg, blickte ich zum Bunker. Die Sonne ging auf und auf einem Hügel konnte ich den König der Tiere sehen. Er saß dort. Um seine Füße wuselten kleine Löwen herum. Die nächste Generation Killermaschinen. Seine Kulisse vor dem Sonnenaufgang war imposant. Ein Brüllen entwich seiner Kehle. Ich stieg ein, zündete den Motor und fuhr los.

Ich konnte es kaum glauben. Ein Blick in den Spiegel zeigte mir eine andere Andrea. Blutverschmiert mit einer unbekannten härte in den Augen. Ein Blick, den nur Überlebende hatten. Wir hatten überlebt. Aber nicht gewonnen.

ENDE.

 

 

Action, Horror, Tiere, writing friday

[#WritingFriday] Week 43 – Blutiger Wechsel

[#WritingFriday]

ist eine wöchentliche Schreibaktion von Elizzy.

Die Oktoberthemen:

Ich bin etwas spät – aber ich habe heute einen Kasten an einem Baum gesehen, der mich animierte diese böse Geschichte zu schreiben.

WARNUNG – es wird blutig. 


Er sah nach hinten und ihm lief ein kalter Schauer über den Rücken, denn ein beängstigendes Geräusch schälte sich aus dem dunklen Wald hervor. Wieso hatte er sich überhaupt überreden lassen dieses Mal die Wildtierkameras auszutauschen. „Die Speicherkarte ist voll. Und Lars hat es vergessen auszutauschen. Benny, bist du so lieb und kannst das für mich übernehmen. Mir sitzt die Erkältung noch so im Nacken. Das wäre soooo lieb von dir. Biiiiitte.“ Benny rollte mit den Augen, das war nicht das erste Mal, dass Lars den Wechsel angeblich, vergessen hatte. Und jedes Mal ließ er sich von Roxanne überreden sie auszutauschen. Sie blickte ihn dann immer mit ihren rehbraunen Augen an und da schmolz er einfach wie Eis in der Sonne.

Jetzt verfluchte er seine Schwärmerei. Es war wirklich gruselig. Eigentlich machte es ihm, als Wildhüter nichts aus, im Dunkeln durch den Wald zu streifen. Heute allerdings war er sehr empfindlich. Schon den Weg vom Auto zur Kamera hatte er ständig das Gefühl beobachtet und verfolgt zu werden. Er betrachtete sich die Spuren am Baum. Die Taschenlampe fing einen seltsamen Abrieb ein. Benny bückte sich und strich über die Rinde. Sie war nicht einfach nur abgerieben, wie es die Wildschweine sonst so machten. Sie war, wahrscheinlich von den Hauern, abgehauen. Wie wenn man mit einem stumpfen Beil auf den Baum eingeschlagen hätte. War das Blut? Er leuchtete genauer. Ja, das war eine rote Flüssigkeit und sie sammelte sich an der Wurzel.

Benny drehte sich um und betrachtete die Schleifspur. Unsicher folgte er ihr. Er wusste, dass dies ein Fehler sein würde, aber es war wie ein innerer Drang. Er musste dieser rot verschmierten Spur einfach folgen. Etwa zwei bis drei Meter entfernt stieß er auf den Verursacher dieser Spur. Ein Hirsch. Ein prächtiger, großer Hirsch. Sein Bauch war aufgerissen. Er ging in die Hocke und betrachtete die Wunde. Sie war nicht nur aufgerissen, sie wirkte wie aufgeschlitzt. Er dachte an Wilderer. Immer wieder trafen sie auf illegal getötetes Wild. Es gab immer so kranke Kerle, die meinten sie müssten hier einen auf Jäger machen. Oder diese kranken Tierquäler.

So ein prachtvolles Tier, sinnlos dahingeschlachtet. Er notierte sich den Fundort und schaute ob er einen Sender, oder eine Markierung finden konnte. Als er fertig mit seinen Notizen war, ging er zurück zum Baum. Er öffnete den Kasten in dem die Wildkamera sicher verstaut war, und wechselte die volle Speicherkarte aus.

Der Nebel kroch langsam aus dem Boden heraus auf ihn zu. Er fluchte. Jetzt würde es auch noch gleich eklig kalt werden. Er sollte Roxanne mal nach einem Date fragen, dass er sich nicht immer so bequatschen lassen würde. Jedenfalls nicht ohne dann dafür wenigstens mal eine kleine Belohnung zu bekommen. Er hielt inne. Da war wieder das Geräusch.  Wildschweine. Das war nichts Ungewöhnliches. Aber dieses Geräusch klang anders, als er es kannte. Eine Gänsehaut breitete sich aus. „Ich sollte mich wohl mal beeilen. Irgendwie ist mir das nicht so geheuer.“ Er schloss wieder alle Kabel an der Kamera an, verschloss den Kasten und verstaute alle seine Dinge.

Als er sich umdrehte stand eine Horde Wildschweine vor ihm. Der Eber, der am Anfang stand, hatte eine rot verschmierte Schnauze und seine Hauer waren ebenfalls rot. Benny leuchtete mit seiner Taschenlampe auf die Horde. Sie blinzelten nicht mal. Er machte einen Schritt auf sie zu um die zum Aufbruch zu animieren. Der Eber trat ihm entgegen. Benny stockte der Atem. In dem Strahl seiner Taschenlampe konnte er sehen, dass die Augen des Ebers hasserfüllt blickten. Konnte ein Tier überhaupt solche Gefühle entwickeln, dass sie ihm aus den Augen heraus schienen? Anscheinend schon. Langsam versuchte er sich zurück zu ziehen. Jeden Schritt, den Benny rückwärts machte, machte der Eber vorwärts. Im Hintergrund konnte er das Klicken der Kamera hören. Bei jeder Bewegung schoss sie ein Bild. Das würde eine Dokumentation werden, dachte er bei sich.

In diesem Moment schoss der Eber auf ihn zu. Benny versuchte zurück zu weichen, stolperte über ein Stück Totholz und fiel schmerzhaft. Er robbte auf dem Hintern von dem Eber weg, aber dieser stand ihm schon Gesicht an Gesicht gegenüber. Speichel tropfte aus seinen Lefzen. Der Speichel war rot eingefärbt. Benny konnte noch blutige Fleischreste in den Hauern hängen sehen. Jetzt wusste er, wer den Hirsch getötet hatte. Sein letzter Gedanke war: „Das wird mir doch nie jemand glauben.“ In diesem Moment spürte er einen unbeschreiblichen Schmerz, der ihn durch die Eingeweide fuhr. Er blickte an sich hinunter und sah wie der Eber seine Hauer in seinen Unterleib bohrte. Seine Schnauze drang direkt dahinter ein und wühlte sich durch seine Organe.

Und im Hintergrund dieser grausamen Szene konnte man immer wieder die Klickgeräusche der Kamera hören.

Ende

 

Action, Humor, Schreibkicks

Schreibkick #56 – Kalter Kaffee – Willkommen zur Monstersafari

Dieses Mal habe ich es nicht so pünktlich geschafft zum 1. Das Thema der Schreibkicks war:

„Kalter Kaffee“. 

 

Mit dabei waren diesmal

Nicole
Veronika

Das Thema für den 01.09.2018 ist: warme Limonade

Quelle

Ich war noch nie der gejagte, immer der Jäger. Mein Job – Monsterjäger. Sie glauben nicht an Monster? Wie ist das unter ihrem Bett, oder in ihrem Wandschrank, oder gar im Keller? Glauben sie wirklich, das sind Hirngespinste aus ihrer Kindheit? Neihhn. Als Kind ist man nur empfänglicher für ihre Schwingungen. Als Erwachsener winkt man das einfach ab. Haben sie sich noch nie über die vielen sonderbaren Todes- oder Vermistenfälle gewundert? Monsterfutter!

Aber jeder Monsterjäger braucht einen Insider. Ich habe also mein eigenes Monster. Es ist mir als, ich nenne es mal Monsterwelpe, über den Weg gerollt. Es sieht so fluffig aus, könnte sie aber mit einem Biss töten. Meistens sieht es aus wie ein flauschiger Kugelfisch mit Stummelbeinen. Ich nenne ihn Barney. Wenn ich ihn nicht füttere, oder ihm zum Jagen rauslasse, muss ich Angst um meine Körperteile haben. Als er ein kleines Monster war, bin ich irgendwann mal wach geworden, da ich Schmerzen an der Wade hatte. Ja, da hing Barney an ihr und fing an sich durch die Haut zu nagen.

Er liebt kalten Kaffee. Den trinkt er literweise. Kalter Kaffee – na ja. Jedem das seine. Man sollte meinen, dass ein eigenes Monster zu haben unheimlich nützlich sei. Ja normal ist das auch so, aber nicht bei Barney. Barney ist…ein Eigenbrötler. Er hält sich für einen Musiker. Äh. Was er spielt, geht nicht mal als Jazz durch. Aber es beruhigt ihn, und mich entspannt ein ruhiger Barney. Er kann auch anders.

Wo war ich? Ach ja. Ich bin also ein Monsterjäger. Trotzdem viele ihre Existenz noch immer nicht wahr haben wollen, wurden sie von der Regierung anerkannt. Wir sind also jetzt staatlich anerkannte Monsterjäger, und werden noch schlechter bezahlt, als wenn man Privat unterwegs ist. Deswegen gibt es jetzt Monstersafaris. Finde ich persönlich abartig, aber es ist legal. Ich mache nur mit, um zu verhindern, dass unschuldige Monster von diesen Möchtegern Monsterjägern erschossen werden. Wir Profis haben dafür schon einige Zerstörer gefangen und halten sie in einem ausbruchsicherem, nicht erkennbaren Gehege. Heute war wieder so ein Safaritag. Ich quälte mich aus dem Bett, ging in die Küche, schenkte mir Kaffee ein – Bäh! Kalt – „Barney. Warum ist mein Kaffee kalt? „Ist heiß draußen, hab Eiswürfel rein – sehr lecker.“ Ich stöhnte und trank einfach die kalte Plörre.

Es war zehn Uhr. Keine Uhrzeit für mich. Ich bin eher der Nachtmensch. Aber diese Safaris wollten immer früh starten. Also machte ich mich frisch und verließ mit Barney das Haus. Mein alter Honda Accord hatte schon so einige schleimige Attacken miterlebt. Aber er schnurrte immer noch. Manchmal ruckelte er zwar verdächtig, aber wir beide waren noch nicht bereit für den Ruhestand. Oder, sagen wir es mal so – der Ruhestand konnte noch nicht finanziert werden. Am Ziel angekommen scharrten sich die Schönen und Reichen schon wie eine Horde Lämmer zusammen. Sie bekamen von Rob, dem Chef, schon ihre Sicherheitsunterweisung. Sehr gut, ich hasse es, wenn diese Aufgabe mir zufällt.

Ich betrachte die Gruppe, und vorverurteile die Leute schon. Es gibt immer einen Maulhelden, einen Nerd und mindestens ein zickiges Weibchen. Ich blickte in Robs genervte Augen und grinste. Barney setzt sich mit seiner Thermoskanne in den Schatten und trinkt genüsslich seinen Kaffee, während er das Schmierentheater mit den Safaritouristen beobachtet. Ich konnte erkennen, dass er was ausheckte. Barney liebte es, die Menschen zu erschrecken. Besonders die Frauen hatten es ihm angetan. Sie schmeckten so gut. Ihre Cremes, Seifen Parfums kreierten ein besonderes Aroma – außerdem quiekten sie so herrlich. Es konnte also immer mal vorkommen, dass er eine umrannte und ableckte. Das anknabbern hatte ich ihm strengstens verboten. Das kam nicht immer so gut, bei den Gästen an. Hahaha.

Die Leute meiner Gruppe stiegen in den Safaribus. Wir würden etwa fünfundvierzig Minuten zum Jagdgebiet fahren. Heute waren alles Anfänger, die würden wir in ein leichtes Gehege fahren. Ein munteres Gequatsche, das meine Nerven noch mehr zum Zerreißen anspannten, erhob sich während der Fahrt. Ich hatte mir abgewöhnt zuzuhören, da es meist eh nur die Prahler waren, die irgendwelche haarsträubenden Geschichten erzählten.

„Verehrte Jäger, „ ich hörte ein leises Glucksen aus Barneys Ecke. „Wir sind an unserem heutigen Ziel angekommen. Erinnern sie sich bitte an die Sicherheitsvorschriften. Und gehen sie keine unnötigen Risiken ein. Bleiben sie bitte immer in meiner Sichtweite und stellen sie das Reden ein. Vielen Dank und eine erfolgreiche Jagd.“

Quälend langweilige Stunden verrannen wie Sirup, der von einem Löffel tropfte. Ab und zu zeigte sich immer wieder eines der kleinen Monster, die hier keinerlei Gefahr liefen erschossen zu werden. Diese Truppe war unterirdisch schlecht im Schießen.

Ich sah gerade zu Barney, der sich an eine der top gekleideten Zicken heranschlich. Er sah fluffig aus, wenn er wollte. So bisschen lebensmüde war er ja schon. Ein richtig platzierter Schuss und es wäre aus. So manchen Streifschuss hatte er schon kassiert. Aber heute wäre das wohl ungefährlich. Er verwandelte sich gerade in ein Gremlin, dass nach Mitternacht gefüttert wurde, als er plötzlich innehielt. Auch ich vernahm ein sonderbares Geräusch. Mein Walkie-Talkie knackte: „Mark? Code Red. Wir haben einen Ausbruch aus Sektor eins.“ Sektor eins. Da waren die wirklich bösen Monster verwahrt. Nicht für Safarianfänger geeignet. Da kamen nur Vollprofis und wir hin. Wir trainierten dort den Ernstfall.

„Verdammt!“ Ich schoss in die Luft, um meine Gruppe aufmerksam zu machen. „Leute, schnell ins Auto. Es gab einen Zwischenfall. Gefährliche Monster haben sich auf den Weg hier her gemacht. Denken sie an die Sicherheitsunterweisung und begeben sie sich zum Fahrzeug.“ Ich hätte auch zu blökenden Schafen reden können, die hätten mir eher zugehört. Es kam wie es kommen musste, die Gruppe erwachte, fing an zu grölen und begab sich auf Monsterjagd. Sie ließen mich einfach stehen. Ich glaube, ich brauche nicht zu erwähnen, dass das nicht gut ausgehen konnte. Schon brach aus dem Gebüsch, das erste bösartige Monster aus. Es sah schon recht furchterregend aus. Die Frauen schrien, die Männer grölten. Und das Monster richtete sich nach dem Lärm aus. Ich glaube ich hatte schon erwähnt, dass Barney fluffig, aber tödlich ist? Heute bewies er mir dies, seit langer Zeit, mal wieder. Er stürzte sich auf das heranbrechende Monster, schlug seine Zähne in dessen Kehle, riss und zerrte bis das Monster umfiel. Es war tot. Jetzt sollte man seine Augen abwenden und ich unterlasse auch die genaue Schilderung der weiteren Ereignisse. Nur so viel – Barney war sehr hungrig.

Währenddessen verlor ich meine Gruppe. „Mark an Rob. Ich brauche Unterstützung. Meine Gruppe ist Out of Control.“ „Ich habe schon ein Team geschickt. Schau nur, dass diese Idioten nicht gefressen werden.“ „Das ist leicht gesagt. Die sind schlimmer als ein Sack Flöhe.“

Schon brach das nächste Monster aus dem Dickicht. Oh einer Meiner. Den hatte ich vor etwa zwei Jahren gefangen. Eine tiefe Narbe hatte ich davon behalten und miese Alpträume. „Hallo, alter Kumpel – so sehen wir uns früher als erwartet. Ich dachte ich könnte noch bisschen mit dir üben, bevor ich dich erlöse.“ „Marrrrk.“ Raunte das Monster und seine Augen glühten orange, wie glühende Kohle. „Endlich komme ich zu meiner Rache.“ „Dann lass uns tanzen.“ Kaum hatte ich das ausgesprochen, stürzte das haarige Ungetüm auf mich zu. Ich stürmte ihm mit meiner Machete entgegen und er mir, mit seinen messerscharfen Krallen. Es war ein recht ausgeglichener Kampf. Ich war recht gut in Form und wich aus, parierte, schlitzte. Aber auch mein Gegner war Fit. Bösartige Monster waren immer Fit. Das musste das Böse in ihnen sein.

Im Augenwinkel sah ich Barney, uns zusehend und genüsslich etwas blutiges knabbern. Er hatte ja schon seinen Einsatz, das reichte ihm. Das Monster und ich kugelten durch die Gegend, dann erwischte mich ein Krallenhieb und riss mir meine Schulter auf. Ich glaube ich konnte den abgenutzten Knorpel erkennen. Mir wurde schwarz vor Augen und kurz bevor ich Ohnmächtig wurde, erhob sich Barney, stürzte sich auf meinen Gegner und tötete ihn mit einem Hieb. Warum hatte er mich kämpfen lassen? „Na du musst doch deinen Ruf wahren, aber nicht sterben. Ich habe keine Lust mir ein neues Zuhause zu suchen. Also reiß dich zusammen. Steh auf, schüttle den Staub ab und weiter geht es. Komm ich spucke dir mal auf die Wunde.“ Gesagt, getan und schon hatte er mich angespuckt. Es war echt eklig, aber ihr Speichel hatte einen schmerzstillenden und desinfizierenden Effekt. Es schmerzte höllisch, aber nur kurz, dann war ich wieder einsatzfähig.

Ich rappelte mich noch etwas wackelig auf um nach meiner Gruppe zu schauen. Mensch, hatte ich jetzt noch eine Lust die zu retten. Ich war nicht so gut im Retten. Jagen, ja, Retten, nein. Ich blickte mich also um und sah auch schon das Chaos. Viele Monster, die auf dieser Lichtung Katzenspiele mit meinen Leuten trieben. Die Gruppe sah schon sehr mitgenommen aus. Blutig, zerschrammt und ich glaube auch schon einige tiefe Wunden erkennen zu können. Es wurde Zeit, dass meine Verstärkung eintraf, sonst könnten sie nur noch Leichen bergen. Kaum ausgedacht, viel auch schon der Erste, einem ganz üblen Genossen zu Opfer. Ich zog meine abgesägte Schrotflinte und schoss. Das merkte dieses Monster gar nicht, während er seinen massigen Kiefer über den Kopf des Touristen stülpte und zubiss. „Nein! Verdammt!! Barney, hilf mir.“ „Nö, die interessieren mich nicht. Von denen gibt es doch genug. Das wird noch mehr von ihnen herlocken.“ „Aber…“ „Kein Aber, ich rette nur wenn ich will, und ich will nicht. Also verärgere mich nicht, sonst rette ich dich auch nicht mehr.“ Drehte er sich um und ging auf einen umgestürzten Baum zu. Dort setzte er sich hin und zog, woher auch immer, seine Thermoskanne hervor. Er goss sich gemütlich einen Kaffee ein und schmollte. Man muss sich das überlegen, ER schmollte. So waren Monster halt. Sie empfanden nicht wie wir Menschen. Sie konnten jemanden mögen, vielleicht auch lieben, aber der Rest war ihnen echt egal. Ohne schlechten Gewissen.

Gut – mir blieb also nichts anderes über, als zu retten was, oder wer noch ging. Aber es sah übel aus. Im hinteren rechten Quadranten sah ich einige Frauen zusammen getrieben. Nicht nur Barney mochte sie besonders gerne, auch die anderen Monster mochten das zarte Fleisch mit dem leckeren Aroma. Ich stürzte zu ihnen hin und lud die Flinte nach. Ich schoss und traf. Einige kleinere Monster fielen, die anderen merkten noch nicht mal, dass sie getroffen waren. Es gab Monster, die Feuer entfachen konnten. In dieser Gruppe, waren gleich drei davon und sie feuerten, auf die Frauen. Die Männer hatten sich in trügerische Sicherheit gebracht. Ich sah wie sie sich in der entgegengesetzten Richtung unter einem Felsvorsprung zusammenkauerten. Leider sahen sie nicht, was dieser Felsvorsprung wirklich war. Während ich noch versuchte die Frauen zu retten, bewegte sich dieser Felsen. Erhob sein Bein und setzte es gerade auf die Männergruppe ab. Ich überlasse eurer Fantasie, was mit den Körpern passierte. Die Frauen grillten, die Männer flachten ab. Tja und mein Team kam gerade um die Ecke.

Sie sprangen aus dem Auto, angeführt von Rob. „Mark, wo ist deine Gruppe?“ „Hm – ich glaube du solltest schon mal anfangen eine Erklärung für die Presse zu verfassen und hoffen, dass auch alle ihre Schuldbefreiungserklärung unterschrieben haben. Denn von ihnen ist nichts mehr außer paar Gedärme und Extremitäten übrig.“ „Ach verdammt. Verdammt, verdammt. Das gibt wieder Papierkram. Scheiße. Lasst uns aufräumen. Erstmal müssen wir die verbleibenden Monster erledigen, dann die Leichenteile zusammensammeln und – naja verpacken. Ach dieser Papierkram.“ „Was ist denn passiert, warum konnten sie denn überhaupt ausbrechen?“ „Azubis. Unnützes Pack. Wir sollten keine Azubis mehr annehmen. Sie sollten eigentlich nur Futter verteilen und wieder raus und so ein selten dämlicher Trottel, hat das Tor nicht richtig gesichert. Ja – da muss ich auch noch viel schreiben. Azubis haben wir dieses Jahr nicht mehr. Das wird nicht leicht zu erklären sein. Aber es wird das Publikum anlocken.“ Ich zuckte mit den Schultern. Autsch – wo war Barney – er könnte mich noch mal anspucken. Er saß in der Sonne und genoss seinen eiskalten Kaffee. Blickte zu mir und winkte.

So war das als Monsterjäger und Guide. Unfälle passierten, da aber die Regierung Monster anerkannt hatten, wurden auch Unfälle geduldet. Die Überbevölkerung machte alles möglich. By the Way. Durch den Unfall wurden noch paar Touren geöffnet. Hätten sie nicht Interesse daran an einer Monstersafari teil zu nehmen? Melden sie sich doch kurz auf unserer Homepage Monsterjaeger:at:Lebensmuede.com an. Es gibt noch freie Plätze.

 

Action, Schreib mit mir, Tiere

Schreib mit mir Teil 6 – Der Stamm

Endlich – ich habe endlich eine der tollen Vorgaben von Jette beendet. Ich hatte sie letztes Jahr schon mit Hand geschrieben und gestern endlich am PC beendet. Bis dahin lag der Block ewig herum und ich habe mich um das Abtippen gedrückt. So gut das Handschreiben für das Gedächtnis ist – so schlimm ist es für den inneren tippfaulen Schweinehund. Aber es ist geschafft. Ich habe eine Geschichte zu DIESER Vorlage geschrieben.

Schreib-mit-mir Teil 6

Setting:

Dein/e Protagonist/in ist Teil eines Kriegerstammes mit eigener Kultur. Sie sind abgeschnitten von anderen Stämmen. Ihre Welt ist weitläufig und einsam. Ein Ereignis verändert alles in seinem/ihrem Stamm. Was für eine Kultur hat der Stamm? Welches Ereignis beeinflusst ihre Kultur?

Gegenstände:

Waffen, Wohnstätten, Kleidung

Personen:

Krieger, Nahrungssucher/hersteller

 

Mohigan stand auf dem Felsen und betrachtete die weiträumige Wildnis. Er erinnerte sich noch, als er ein junger einsamer Wolf war. Er und seine Geschwister rannten und balgten sich. Sie waren so unbedarft – alles konnten sie erreichen – alle könnten sie besiegen. Dann kam die Finsternis über sie. Die Tiere auf zwei Beinen fielen in ihr Territorium ein. Sie kamen mit stinkenden Waffen. Und seine Brüder, Schwestern, Freunde und auch seine Eltern starben.

Mohigan folgte der stinkenden Fährte der Zweibeiner. Er konnte sehen, wie das wunderschöne Fell seiner Mutter zu Kleidung wurde.

Sie waren schon sehr lange abgeschnitten von anderen Rudeln. Sie waren immer schon Krieger. Aber sie liebten den Frieden und hatten sich so weit wie möglich zurück gezogen.  Er blickte hinunter auf ihre Wohnstätte. Die jungen Welpen rangelten und balgten sich. Die Weibchen kümmerten sich um die Aufzucht. Aber es war nun soweit. Sie mussten sich von den Lefzen der Wölfinnen lösen. Sie sollten zu Kriegern und Jägern ausgebildet werden. Sie waren keine Nahrungshersteller – sie suchten nach Nahrung. Der Winter näherte sich und sie müssten sich beeilen. Sie legten ja keine Vorräte an. Sie waren wilde Tier und keine süßen Eichhörnchen – die sehr lecker waren.

Er beobachtete seine Gefährtin Naima. Seine große Liebe und eine Künstlerin im Kampf. Es gab Gerüchte – Die Vögel pfiffen es von den Ästen- der verfeindete Rudel rückte näher – der Mensch breitete sich immer weiter aus – und als Tötungsmaschinen vertrieb er einfach alle Lebewesen. Mohigan wusste nicht ob er kämpfen oder verhandeln sollte.

Kuru stand vor ihm. „Mohigan, es wird Zeit für den Rat. Sie warten schon.“ Mohigan schüttelte sich und folgte Kuru. Da waren sie. Der Kriegsrat. Akuya, Larentia, Kuru, Varg. Die ältesten Mitglieder des Rudels. „Freunde, ihr habt es vernommen, das Rudel von Gumrolf nähert sich unserem Revier. Gumrolf gehört nicht gerade zu den Rednern. Er ist ein Kämpfer und wollte schon früher das Rudel übernehmen. Wir müssen vorbereitet sein.“ Ein Raunen ging durch die Runde. Varg erhob sich. „Mohigan, wir wollen auch nicht verhandeln. Gumrolf wird uns angreifen und sollte er siegen tötet er die Welpen, dich und vielleicht Naima, wenn sie sich sträubt seine Alpha zu werden. Er wird uns alle zu Omegas machen und wir werden verhungern.“ „Ja das geht nicht, wir gehören nicht zu denen, die sich unterdrücken lassen.“ Die Wölfe redeten aufgeregt durcheinander. Auf einmal trat Taya in die Mitte. Sie war eine junge Wölfin, die Alphaelemente zeigte. Aber sie war noch neu im Rudel.

„Mohigan, glaub mir. Deine Wölfe haben Recht. Ich habe bei Gumrolfs Rudel gelebt und gelitten. Den Wölfinnen geht es dort schlecht. Es sind Barbaren. Es gibt dort keine Alpha. Wir werden ihm ungeschützt ausgeliefert sein. Was meinst du was sie mit Naima machen werden. Wir können das nicht friedlich lösen.“ Mohigan war müde. Zuviel Revierkämpfe hatte er schon ausgefochten. Aber sein Rudel hatte Recht. Er konnte Gumrolf nicht friedlich begegnen. Er würde nie die Grenze respektieren und immer wieder versuchen das Rudel zu übernehmen. Er war hinterlistig. Nein – sie würden kämpfen müssen. „Gut wir kämpfen. Nehmt die jungen Wölfe und trainiert sie. Wir suchen Schutz für die Welpen.“ Der Rat löste sich auf. Mohigan ging zu Naima. Seine hübsche Geliebte schlummerte und die neuen Welpen saugten an ihren Zitzen. So ein friedliches Bild. Das musste er sich einprägen, das war es wofür er kämpfen würde.

„Mohigan ist schon alt. Meint ihr er wird es schaffen gegen Gumrolf zu kämpfen?“ fragte Varg in die Runde. Kura antwortete: „Es könnte sein letzter Krieg werde. „Wer wird dann Nachfolger?“ „Tja, das wird wohl ein nächster Kampf zeigen. Aber noch ist Mohigan nicht geschlagen. Also halt deine Klappe Varg und trainiere die Jungtiere.“ Schnauzte Kura.

Der Frühling kam und mit ihm Gumrolf.

„Hallo Gumrolf. Ich sehe, du hast dein gesamtes Rudel dabei. Willst du uns gleich angreifen?“ Hallo Mohigan – mein Bruder. So lange ist es her und jetzt treffen wir uns so unerfreulich wieder. Ich kenne dich – du willst reden.“ „Nein. Die Zeit zum Reden können wir uns sparen. Da wird nichts dabei rumkommen. Meine Wölfe sind unruhig. Zu langen Frieden bekommt den jungen Tieren nicht – also sollen sie sich ihre Sporen verdienen. Es wird Krieg geben. Einen letzten für uns beide. Auf Leben und Tod. Denn wir sind beide alt und es wird endlich Zeit abzuschließen, was damals seinen Anfang nahm.“ „Also gut Bruder, der nächste Vollmond – da soll es geschehen.“ Die beiden verneigten sich voreinander und verliessen den zukünftigen Austragungsplatz hoch erhobenen Hauptes.

Zurück in der Höhle legte sich Mohigan zu Naima. Sie leckte ihm beruhigend über den Kopf. „Mein Liebster. Ich will mit euch kämpfen. Dass soll unser Krieg und unser Triumph werden. Endlich Vergeltung für uns. Unser Sieg über Gumrolf. „Nein meine Liebste. Das kann ich nicht zulassen. Du musst bei den Neugeborenen bleiben. Sie brauchen ihre Mutter.“ „Wir haben genügend Mütter für sie. Die alten Wölfinnen werden sich bestimmt gut um sie kümmern und sie verstecken. Sollten wir versagen wird ein anderes Alphapärchen sie aufziehen. Sie sind sicher und es war keine Bitte von mir, sondern eine Ansage. „Du bist und bleibst ein Dickkopf meine süße Alpha. Wir waren ein gutes Team.“ „Wir sind ein gutes Team.“ „Ja.“

Die Vollmondnacht näherte sich. Mohigan schlief unruhig und träumte. Er träumte von seiner Jugend. Wie er auf seiner Pirsch einen jungen Wolf traf. Sofort war es um ihn geschehen Er wusste irgendwann hatte er sein eigenes Rudel und dort vorne stand seine Alpha. Seine Seelenverwandte. Als hätte sie seine Gedanken gehört, drehte sie sich zu ihm. Ihre Augen leuchteten und sie neigte den Kopf. Von hinten kamen seine Geschwister angerannt. Gumrolf schupste ihn. „Wow Bruder, was hast du denn für ein Prachtweibchen entdeckt? Da wird mir schon ganz anders um die Lenden.“ „Lass deine Pfoten von ihr. Sie gehört mir.“ „Sie gehört dir? Weiß sie das auch?“

Mohigan drehte sich unruhig im Schlaf. Eine weiter Erinnerung  schlich sich in seinen Traum. Er hatte sich von seinem alten Rudel getrennt. Es war Zeit ein eigenes zu bilden. Seine Geschwister folgten ihm – auch Gumrolf. Aber nur unwillig. Eigentlich wollte er ein Rudel mit den Geschwistern bilden. Aber sie wollten ihm nicht folgen. Mohigan bat Naima seine Alpha zu werden und sie war sofort bereit dazu. Allerdings war ihr die Anwesenheit von Gumrolf  unangenehm. Er betrachtete sie immer lüstern und lauernd.

Es war so weit. Der erste Wurf kam. Sie war so stolz. Mohigan war auf der Jagd und nur die Wölfinnen befanden sich im Lager. Gumrolf nutzte die Abwesenheit der Rüden um das Rudel zu übernehmen. Er hatte in der Zwischenzeit ein Rudel ausgestoßener Wölfe um sich gesammelt. Sie überfielen das Lager. Naima war noch zu schwach von der Geburt. Die Wölfinnen konnten sich nicht gegen die Starken und wilden Rüden wehren.  Die einfallenden Wölfe waren gnadenlos. Die Wölfinnen, die sich wehrten oder Naima beschützen wollten, fanden alle den Tod. Die anderen wurden gewaltsam gebändigt. Naima stellte sich vor ihre Welpen und bettelte um ihr Leben. Gumrolf war eiskalt. Er wäre jetzt neuer Alpha und sie sein Weibchen. Er wollte Mohigan´s Welpen nicht haben. Als sie sich auf ihn stürzen wollte, schlug er sie nieder und tötete ihren ersten Wurf.

Mohigan stand plötzlich im Eingang der Höhle und sah seine Geliebte bewusstlos  und seine Welpen in ihrem Blut liegen. Er stürzte sich auf seinen Bruder. Der Kampf war gnadenlos, aber die beiden Brüder sich ebenbürtig. Der Rest von Mohigan´s Rüden kam an und verjagte die Outlaws. Gumrolf blieb nichts übrig sich zurück zu ziehen. Bis zum morgigen Tag – an dem endlich die Abrechnung kommen würde.

Naima beobachtete den Kampf den ihr Geliebter im Traum ausfocht und schmiegte sich enger an ihn. Augenblicklich beruhigte er sich. Jetzt konnte er traumlos weiter schlafen.

Der Tag des Kampfes – der Abrechnung kam – unerbittlich zwitscherten die Vögel. Sie begrüßten diesen dunkeln Tag freudig. Was sollte an diesem Tag schon fröhlich sein? Naima war besorgt. Mohigan weigerte sich, sie mitzunehmen. Aber sie beharrte darauf. Sie war fit genug und die älteren Weibchen kümmerten sich um ihren Wurf. Sie hatten sich und die kleinen schon in Sicherheit gebracht. Sollte das schlimmste eintreffen und sie versagten – wären wenigstens ihre Welpen in Sicherheit. Sie erinnerte sich mehr als schmerzlich an die letzte Begegnung mit Gumrolf.  Ein Schmerz, an den ein körperlicher Schmerz niemals heran kommen würde. Sie würde auf jeden Fall kämpfen. Denn lieber starb sie auf dem Schlachtfeld, als Gumrolfs Alpha zu werden.

Sie wusste wie grausam dieses Leben sein würde. Gumrolf war kein netter Wolf. Er übertraf jede bekannte Grausamkeit.

Es war Zeit. Sie trafen auf dem Austragungsort ein. Gumrolfs Rudel wartete schon ungeduldig. Mohigan stand auf einem Hügel – Majestätisch. Er blickte auf das gegnerische Rudel – atmete tief ein – befahl sein Rudel dort zu bleiben und auf sein Befehl zu warten.

Er ging hinunter – Gumrolf kam ihm entgegen. Sie umrundeten sich, beschnüffelten sich. Ein grollen drang aus Mohigans Kehle hervor. „Bruder.“ „Bruder“. „So ist es also, der Krieg, der vor Jahren begonnen hat, soll heute sein Ende finden. Soll der Stärkere gewinnen.“ Mohigan antwortete: „Der Stärkere, so sei es. Der Stärkere, das wird sich zeigen. Wir sind beide älter geworden. Älter sollte auch Weißer bedeuten, aber unser Treffen hier, zeigt mir, dass dies nicht der Fall ist. Auf Leben und Tod, mein Bruder.“ „Auf Leben und Tod.“ „Möge der Kampf beginnen.“ „ So sei es.“

Gumrolf und Mohigan bedeuteten beide ihrem Rudel den Start zum Kampf. Lautlos rannten beide Rudel aufeinander zu. Jeder Wolf hatte einen Gegner – sie standen sich gegenüber, umrundeten sich, wägten die Stärke des Gegenüber ab und dann ging es los. Wolf gegen Wolf. Bruder gegen Bruder. Ein Kampf auf Leben und Tod.

Es dauerte nicht lange und die ersten schwer verletzten zogen sich aus beiden Rudeln zurück. Naima kämpfte um ihr Leben, um das ihrer Welpen und um das ihrer Liebe. Sie war nicht bereit eines davon aufzugeben. Ab und zu gelang es ihr einen Blick auf Gumrolf und Mohigan zu werfen. Die beiden kämpften wie besessen. Ebenbürtig. Sie waren etwa gleich stark. Es würde hier nur um die Ausdauer gehen. Sie wusste, dass Mohigan in letzter Zeit schwächer wurde. Er hätte es nie zugegeben. Aber sie wusste, dass er sich darauf vorbereitete, von einem jüngeren Wolf als Alpha abgelöst zu werden. Sie würde ihn nie verlassen. Sie würden einfach ein kleines Rudel mit alten und schwachen Wölfen um sich sammeln und ihrem Ruhestand entgegen gehen. Dafür würde sie kämpfen. Es kam nicht in Frage, dass sie hier ihren Seelenverwandten verlieren würde. Ein letzter Hieb, ein Biss in die Kehle und ihr Gegner war geschlagen. Sie tötete nicht – sie unterwarf. Sie war sehr gut darin. Nie wieder würde sie unterliegen. Das war ein innerer Zwang.

Aber auch an ihr ging dieser Krieg nicht spurlos vorüber. Ihr Fell wies schon einige Blutspuren auf. Sie hatte einige tiefe Kratzer und Bisse kassiert. Aber sie spürte nichts. Sie war wie im Wahn. Ein weiter Blick auf die Brüder zeigte ihr, dass Mohigan schwächer wurde.

Mohigan merkte, dass er an Stärke verlor. Gumrolf war so besessen den Platz des Alpha einzunehmen. Eine starke Motivation, dass sich in seiner Kraft zeigte. Gumrolf kämpfte, kämpfte, kämpfte. Er drängte Mohigan immer weiter zurück. Mohigan wehrte sich. Etwas Platz konnte er sich zurück erkämpfen. Aber er würde es nicht mehr lange durchstehen. Dieses Tempo zehrte stark an seinen Kräften.

Gumrolf stürzte sich auf Mohigan. Ein Angriff, den Mohigan nicht voraus gesehen hatte. Ein kräftiger Biss in seine Seite warf ihn um. Schon stand Gumrolf über ihn. „Bruder. Du bist schwach geworden. Müde. Vollgefressen. Dein Leben als Alpha hat dich verweichlicht. Sehr schade. Das hätte vielleicht anders ausgehen können. Aber so – Vielleicht in einem neuen Leben. Weißt du ich habe dich immer geliebt. Aber leider war mein Neid doch grösser als meine Liebe. Keine Angst. Ich kümmere mich um Naima“ Diese Worte fackelten Mohigans Kampfgeist erneut an. Er trat mit seinen Hinterpfoten in  Gumrolfs Magen. Dieser lies ab und war kurze Zeit ungeschützt. Das nutzte Mohigan. Er stürzte sich dieses Mal auf seinen Bruder. Er hing ihm im Nacken und biss kräftig hinein. Gumrolf versuchte ihn abzuschütteln. Aber Mohigan hatte sich festgebissen. Gumrolf strauchelte, sah einen Baum und versuchte Mohigan gegen den Baum zu schleudern. Er war nicht kräftig genug um ihn ernsthaft zu verletzen. Aber der Schlag nahm Mohigan den Atem und er musste los lassen. Sein Blick fokussierte seinen Bruder. Dabei bemerkte er nicht, dass von der Seite ein übereifriger Wolf zum Angriff ansetzte. Gumrolf konnte nicht schnell genug eingreifen. Sein Bruder wurde von diesem übereifrigen Wolf, aus seinem Rudel hinterlistig angegriffen. Eine schwere Bisswunde, setzte Mohigan außer Gefecht. Gumrolf fackelte nicht lange. „Duuu. Du wusstest, dass Mohigan mein Gegner war. Es war euch verboten einzugreifen.“ Gumrolf stürzte sich auf den jungen Wolf und zerfetzte ohne lange Erklärungen abzuwarten, dessen Kehle.

Naima hatte sich dem Geschehen genähert. Sie sah ihren Liebsten auf dem Boden und Gumrolf, wie er sich ihm näherte. Ihr Herz zerbrach. Es übertönte jedes Wort ihres Verstandes. Ihr Mann lag blutend am Boden. Gumrolf würde ihm jeden Moment seine Zähne in die Kehle rammen – ihm den Gnadenbiss geben. Bei ihr setze alle Vernunft aus. Sie schlich sich langsam an die beiden Wölfe an und in dem Moment als Gumrolf sich über Mohigan beugte um ihm ein Ende zu machen, stürzte sie sich auf ihn.

Überrumpelt von dem unerwarteten Angriff fiel Gumrolf auf die Seite. Naima hatte sich in seine Flanke  verbissen. Er schnappte nach ihr. Aber sie befand sich außer Reichweite. Sie biss ein Stück aus ihm heraus. Gumrolf jaulte und zog sich zurück. „Naima, meine Liebe. Das hätte ich dir gar nicht zugetraut. Das letzte Mal als wir uns trafen, warst du ja doch eher passiv. Ich würde ja gerne mein Bedauern ausdrücken über den Verlust deines Wurfs – aber das wäre unehrlich. Nun – bald wirst du einen standesgemäßen Wurf haben. Meine Nachkommen.“ Er lachte gehässig. Naima sah rot. So schnell wie sie konnte stürzte sie sich hasserfüllt auf ihren Gegner. Sie sah nur Blut und kleine Körper, die sich um sie herum verteilten. Nichts anderes konnte sie wahrnehmen.

Mohigan sah durch schmerzverzehrten Blick seine Gefährtin, wie sie sich auf Gumrolf stürzte. Er sah eine Kämpferin. Eine Kämpferin für die Gerechtigkeit. All ihr Hass und ihre Trauer lagen in ihrem Tun. Ein Biss und Gumrolf lag vor ihr. Noch nicht Tod, aber das Genick war gebrochen.

„Naima wer hätte gedacht, dass so viel in dir steckt. Wir wären ein wundervolles Team geworden. Die Wölfe hätten sich bei unserem Namen zu Tode gefürchtet.“ Er schnalzte mit seiner Zunge, es klang fast bedauernd. „Nun, ich bin wohl geschlagen. Das hatte ich anders geplant. Aber so ist das. Man rechnet nie mit dem unerwarteten. Mach schon, bring es zu Ende. Lass mir den Stolz und töte mich.“ Sie trat auf ihn zu. Legte ihre Schnauze um seine Kehle und biss zu. Ein letztes Gurgeln und Gumrolf erschlaffte.

Sie drehte sich um und rannte so schnell ihre Verletzungen es zuließen zu Mohigan. „Mohigan, Liebster. Wie geht es dir?“ „Naima. Ich bin so stolz auf dich. Es war ein Fehler von mir dich zu unterstützen.“ Sie leckte ihm die Schnauze und rieb ihre an seiner. „Aber, hör mir zu. Ich bin zu stark verletzt. Ich werde das hier nicht überleben. Es ist ok. Schau nicht so entsetzt. Ich bin bereit. Ich hatte eine traumhafte Zeit mit dir und dem Rudel. Schöner kann sich ein Alpha sein Leben nicht wünschen. Lass mich gehen. Ich werde auf  dich warten. Deine Zeit hier auf dieser Seite ist noch nicht vorbei. Du wirst die erste deiner Art sein. Du wirst als Alpha ein Rudel führen.“ Sie wollte ihn unterbrechen – „Nein, lass mich ausreden. Es soll so sein. Mein letzter Akt als Alpha – ich übergebe dir das Rudel. Führe sie, bis deine Zeit des Abdankens kommt. Dann werde ich da sein und dich wieder an meiner Seite wissen. Solange werde ich über dich wachen. Ich liebe dich.“ Sie legte sich neben ihn. Sie wartete bis das Leben aus ihm wich. Dann stand sie auf, schüttelte sich. Trauern konnte sich später noch. Ein Rudel war zu führen. Sie war bereit. Aus diesem Krieg war eine Alpha hervorgegangen. Sie würde das Rudel führen. Sie würde weitere Welpen bekommen – aber nie wieder einen Alpha an ihrer Seite haben, bis sie in die ewigen Jagdgründe eindringen würde und ihren einzigen Alpha wieder finden würde.

ENDE

Action, writing friday

[#WritingFriday] Week 14 – eine tödliche Lüge Part 5 Finale

Diese Fortsetzung gehört zu einer Geschichte, die ihren Anfang beim #Writing Friday hatte.

Komplett habe ich es noch mal auf Wattpad veröffentlicht – aber ich habe null Plan wie diese Hompage funktioniert. Vielleicht kommt ihr ja zurecht?

 

HIER kommt ihr zum Anfang der Geschichte

HIER zum Teil davor

Was bisher geschah.

 Eva und Vanessa wurden gefangen genommen. So trafen sie das erste Mal direkt auf Jens. Ihre Flucht aus dem Schuppen in dem sie gefangen gehalten wurden, scheiterte. Kevin – der Begleiter von Annette vereitelte sie. Sein Lohn war ein Kampf mit zwei Frauen, den er verlor.

 Nach einem weniger erholsamen Schlaf wachten wir wie gerädert auf.  Ich konnte keinen Muskel bewegen.  „Bin ich tot?“ fragte ich Eva. „Ich weiß nicht vielleicht sind wir beide tot.“  Wir ächzten wie zwei achtzig jährige.

Ich würde keinen mehr überwältigen können.  Doch ich musste.  Ich rollte mich auf den Bauch um mich hochzudrücken.  Heute war weder Megafon noch Tröte angegangen.  Sie mussten wohl ihre eigenen Wunden lecken und ihre Strategie neu ordnen.  Sie hatten jetzt nur noch einen Bauern.  Maja. Evas Mann gehörte zu den Inneren.  Der wurde dann als Turm geschickt, bevor der König dran kam.  Sie würden also Maja schicken.

Wir zogen uns irgendwie aneinander hoch. „was jetzt.  Meinst du Maja kommt uns nach oder ist sie Türsteher?“ ich überlegte was ich machen würde. „Ich denke sie ist Türsteher und Lockvogel. Wir werden zurück müssen. Aber erst wenn es dämmert.  Im dunklen werden wir zuschlagen.  Kannst du eine Schleuder bauen?“ ich nickte so schwer war das nicht. Der BH war eh ruiniert da konnte ich einen Träger verwenden. „Wir müssen unsere Wunden reinigen. Komm“. Sie hielt mir ihre Hand hin. Wir schleppten uns zum Fluss. Immer in Deckung – wir waren uns ja nicht sicher was sie planten. Nur keine Überraschungen mehr. Als wir am Fluss waren legte ich mich hinein und ließ mich von dem kalten Wasser umfließen – den Schmutz, das Blut und etwas vom Schmerz riss der Fluss mit sich. Es war eisig – aber auch belebend. Mein Kopf wurde klarer. „Heute müssen wir es beenden. Ich will die Geschichte abschließen.

Wir leckten noch bisschen die Wunden. Bis zur Dämmerung übten wir bisschen mit der Schleuder. Ich war gar nicht schlecht. Von zehn Versuchen traf ich sieben. Ein guter Schnitt dafür, dass ich es noch nie gemacht hatte. Dann war es so weit. Wie schlichen im Schatten zurück. Aufkommender Nebel unterstützte uns, da wir durch unsere Verletzungen nicht ganz so geschmeidig waren.

Wir kamen am Startpunkt an.  Es war ruhig.  Unsere Sicht war durch den Nebel in der Dämmerung eingeschränkt.  Allerdings rechnete ich mir keinen Vorteil aus.  Da wir bestimmt erwartet wurden, hatte ich keine große Hoffnung mehr auf den Überraschungseffekt.  Wir legten uns ins feuchte Dickicht und blickten uns erstmal um. „Kannst du irgendeinen Hinterhalt entdecken?“ fragte mich Eva. Als wenn ich wüsste wie ein Hinterhalt aussieht.  „Nein ich würde wohl eher direkt reinlaufen.  Da!  Maja – sie ist alleine wie erwartet.“

Es war Maja. Eva hatte ich total ausgeblendet. Ich war nur noch auf Maja fokussiert. Sie wollte mich töten. Meinen Mann zu einem Witwer und meinen Sohn zu einer Halbwaise machen. Bereuen würde ich  meine Taten vielleicht später. Jetzt musste Auge um Auge und Zahn um Zahn gelten. Sie stand an einer Holzwand, einer Hütte, die wohl das Hauptquartier darstellte. Ich legte an und hoffte zu treffen. Ich spannte die Schleuder und ließ den eingelegten Stein schnippen. Und er traf. Ich hatte getroffen, denn ich hörte Maja fluchen. „Vanessa? Bist du das? Schön, dass du den Weg zu uns zurück gefunden hast. Komm zu mir. Ich kann vielleicht mit Jens reden und du  könntest mit deiner Familie bei uns mitmachen, oder auch alleine, wenn dir das lieber ist. Mittlerweile müsstest du ja das berauschende Gefühl kennen zu töten.“ Ich war sprachlos. Berauschendes Gefühl? Ein kleines böses ich in mir zuckte. Es war tatsächlich ein machtvolles Gefühl jemanden das Leben zu nehmen. Es wäre nur nie was für mich um es auszuleben. Die Liebe meiner Familie berauschte mehr. „Na komm schon. Wir könnten wieder Freundinnen sein. Wie früher. Es würde sich nichts ändern außer, dass unsere Freizeitgestaltung etwas kreativer wäre.“ Ich wollte gerade antworten, als ich Eva hinter mir spürte, die mir den Mund zuhielt. „Das ist wieder ein Trick. Sie will nur rausfinden wo du bist um zu schießen. Sie hat bestimmt ein Nachtzielfernrohr.“ Eva hat Recht. Eine Falle – ich war immer noch zu naiv und wäre fast wieder drauf reingefallen. Wir zogen uns zurück. Wir mussten uns von der Seite nähern.

Maja war sehr angespannt und aufmerksam. Wie sollte ich sie überwältigen? Ich musste sie erstmal etwas weglocken. Eva hatte sich zwischenzeitlich abgesetzt um ihren eigenen Dämon zu finden. Ich legte erneut die Schleuder an zielte und traf wieder. „Verdammt – Vanessa – was sollen diese Kindereien?“ Ich versteckte mich hinter einem dicken Baum und schleuderte einen Stein etwas entfernt von mir. Maja reagierte wie erwartet – zu arrogant – einen direkten Angriff würde sie nie erwarten. Sie lief langsam in die Richtung des Steines als ich direkt vor ihr aus meinem Versteck kam. Sie stutzte. Bevor sie die Waffe anlegen konnte hatte ich sie mit einem Ast k. O. geschlagen. Ich schnappte mir ihre Beine und zog sie wie eine Schubkarre hinter mir her.

Eva schaute sich unterdessen in der Gegend um. Kein Widerstand, keine zusätzlichen Wachen. Wir hatten wohl alle erwischt. Aber mit Fallen rechnete sie und fast wäre sie in eine Bärenfalle getreten. Vorsichtig schaute sie sich um und sah noch mehr dieser großen Fallen. Ein dunkles Lächeln umspielte ihre Lippen.

Ich hatte Maja bis auf die Unterwäsche ausgezogen. Es musste ja schon gerecht zu gehen, oder? Sie erwachte langsam. Ich hatte sie mit ihren Klamotten gefesselt – aber nicht wirklich fest – es würde ausreichen. Während sie langsam erwachte spielte ich mit meiner Schleuder. Ich schoss kleine Steinchen auf sie. „Au – Hör doch auf mit diesem Scheiß.“ „Kannst du dich  noch an die Kindheit erinnern, als wir durch Strohhalme diese Spuke getränkten Papierkügelchen verschossen? Das mit der Schleuder macht noch viel mehr Spaß.“ Lachte ich und schoss weiter. „Verdammt – hör auf damit.“ „Sonst was? Willst du mich töten? Ach, das wolltest du doch sowieso – also warum soll nicht ich mal meinen Spaß haben?“ „Was hast du mit mir vor?“ Gute Frage. Ich war keine eiskalte Killerin. In Notwehr, klar – aber einfach so – das konnte ich nicht – also überlegte ich – Ein Zweikampf. Das wäre doch genau das richtige. Mit Messern – um es spannend zu  machen. „Ein Zweikampf auf Leben und Tod.“ Antwortete ich ihr und sah wie sie blas wurde. Sie würde doch nicht zweifeln? Fragte ich mich gehässig.

Eva hatte ein Auto entdeckt – schnell hatte sie die Verteilerkappe abmontiert und versteckt – vielleicht brauchten sie es zur Flucht – da wäre Reifen platt stechen unpraktisch. Ihren Mann hatte sie auch gefunden. Aber er hatte sie schon vorher gesehen. Er verschwand aus ihrem Blickfeld und erschien schneller als sie es erwartet hatte, neben ihr. Ein Schlag in die Nieren setzte sie erstmal außer Gefecht. „Hallo Schatz. Schön dass du da bist. Ich hatte gar nicht mit deinem Überleben gerechnet.“ „Hallo Mark.“ ächzte sie. „welch eine Überraschung du mir doch bereitet hast. So sehr hast du dich die Jahre davor nicht angestrengt. Ich fühle mich ja richtig geehrt.“ Er verzog sein Gesicht und trat ihr noch mal in die Nieren. „Schatz – schlagfertig wie immer – aber jetzt teile ich mal Schläge aus. Du kleine Schlampe – endlich kann ich dich loswerden.“ „Dumm – gell – eine Scheidung wäre für dich echt teuer geworden. Bei deiner nächsten Ehe, solltest du auf einen Ehevertrag pochen. Ach warte – du wirst ja keine neue Ehe eingehen, da du das hier nicht überleben wirst.“ Er lachte. „Du bist dir ja sehr sicher.“ Eva grinste ihn breit an. So schnell konnte er gar nicht reagieren, wie sie ihn von den Beinen holte. Jahrelang hatte sie sämtliche Sport und Folterkurse besucht um für ihn attraktiv zu bleiben – für etwas musste das doch gut sein. Sie rollte sich auf den Bauch und stand auf und stürzte sich auf ihn – aber er war stärker und überwältigte sie. Er hatte nur nicht mit ihren starken Schenkeln gerechnet. Sie nahm ihn in Schwitzkasten und presste ihre Schenkel so fest sie konnte zusammen. Sie presste seine Mitte zusammen, dass ihm schwindlig wurde. Er glaubte seine Rippen brechen zu hören. Dann ließ sie von ihm ab. Sprang wieder auf und flüchtete. Er musste erstmal tief einatmen und setzte ihr dann nach. Weit kam er nicht. Sie stoppte, drehte sich um und winkte ihn zu sich. Er war blind vor Wut und trat in sein Verderben. Ein unermesslicher Schmerz fraß sich vom Knöchel sein Bein hoch. Ein schriller Schrei, der aus seinem Mund kam erfolgte. Er schaute nach unten und sah eine Bärenfalle. Sie hatte die Fallen also entdeckt und strategisch gut ausgelegt. Jeder Schritt würde ihn in die nächste Falle treten lassen. „Du Miststück.“ Stöhnte er. Sie lachte und kam langsam auf ihn zu. Geschmeidig um ging sie die Fallen. „Tja mein Schatz. Jetzt kann ich tatsächlich neu anfangen. Ist das nicht eine tolle Nachricht für mich?  Hahahaha.“ „Damit wirst du nicht durchkommen.“ Er wurde hektisch. Schweiß trat auf seine Stirn. Er beobachtete wie Eva hinter ihn trat. Ein Stock in der Hand. „Ach – glaub nur – mir wird schon was einfallen. Keine Angst – ich bin schon immer sehr kreativ in Geschichten erfinden gewesen. Vielleicht treffen wir uns im nächsten Leben nochmal. Was meinst du?“ Er wurde bleich als er sah, dass sie mit dem Stock ausholte und in seine Kniekehle schlug. Er knickte ein und das letzte was er sah, waren die Zähne der Bärenfalle, die auf ihn zukam. Eva ging in die Hocke. Legte den Kopf schräg und meinte: „Na ja – du sahst wirklich schon besser aus. Aber so ist das Leben halt.“ Sie hielt sich zurück – am liebsten hätte sie ihn angespuckt – aber sie wollte keine zusätzlich verräterische DNA auf ihm hinterlassen – es war schon genug, das sich irgendwie erklären ließ – aber Speichel – nein, nein – das wäre zu offensichtlich.

Jetzt war nur noch Jens da. Vanessa würde sich um Maja kümmern. Nur eine kleine Pause bevor ich Vanessa suche – oder Jens.

 Ich löste die Fesseln und drückte Maja ein Messer in die Hand. „Jetzt mal Frau gegen Frau – ohne diese Feigheit, die du hier schon die ganze Zeit vorlegst. Wir werden hier und jetzt einen Schlussstrich unter unsere Freundschaft ziehen. Nur eine von uns wird das hier überleben.“ Maja schluckte. Sie hatte Angst – das war deutlich an ihren Augen zu erkennen – aber auch Entschlossenheit konnte ich sehen. Das würde ein harter Kampf werden.

Maja startete den Kampf in dem sie sich auf mich stürzte. So schnell hatte ich nicht mit dem Angriff gerechnet und ging zu Boden. Einen Stich spürte ich an der Schulter. Sie hatte mich schon erwischt – ich glaube ich hatte mich etwas überschätzt. Ich schüttelte sie ab und flüchtete – ich musste einen besseren Platz finden – Zuviel Büsche und Äste als Stolperfalle – der  Fluss war nicht so weit – da war es recht aufgeräumt. Maja hechtete hinter mir her und fast hätte sie sich auf meinen Rücken gestürzt. Ich wich aus und wunderte mich, dass ich trotz den vielen Verletzungen überhaupt noch was bewegen konnte. Das musste das Adrenalin sein. Am Fluss angekommen drehte ich  mich  und lief voll auf Maja zu, die noch rannte – wir prallten voller Wucht aufeinander. Da war mein Gewicht tatsächlich ein Segen – da ich schwerer als Maja war, konnte ich sie umstoßen. Ich lag auf ihr und versuchte meine Hände um ihren Hals zu legen. Das war nicht leicht, da sie so zappelte – aber ich schaffte es und drückte zu. Es war gar nicht so leicht jemanden zu erdrosseln. Maja spannte die Halsmuskeln an und ich kam nicht wirklich dazu sie zu erdrosseln. Sie hatte die Beine um mich geschlungen und trat mir ständig in den Rücken mit der Hacke. Ich ließ von ihr ab und rollte mich runter – das nutzte sie um sich auf mich zu stürzen. Ein Fausthieb traf mein Auge – ich sah Sternchen und es wurde leicht schummerig um mich herum. Maja saß auf  mir und ich sah wie sie mit dem Messer ausholte um auf mich einzustechen. Ich schmiss sie von mir und trat nach ihr. Schnell krabbelte ich von ihr fort. Aber sie war schnell und stand schon wieder. Sie stach zu und traf meine Wade. Ich schrie auf und trat reflexartig zu. Dabei traf ich ihr Knie. Es knackte laut und sie schrie ebenfalls. Ich ließ sie liegen und rutschte rückwärts von ihr weg. Ich sah mein Blut aus meiner Wade quellen. Das wirkte so unwirklich. Das war nicht ich hier – Es kam mir vor, als hätte ich meinen Körper verlassen und beobachtete das Ganze von außerhalb. Ich schlug mich gar nicht so schlecht. Aber meine Kraft lies nach. „Vanessa – wer hätte gedacht dass eine Kämpferin in diesem Hausmütterchen steckt. Ich dachte du wärst eine der ersten, die erwischt wird. Aber ich muss mich bedanken. Durch den Kampf mit dir, werde ich schneller aufsteigen. Denn wenn ich dich so erschossen hätte, wäre das nur mein Eintritt gewesen – aber dieser direkte Kampf zählt viel mehr. Da werde ich schon ein paar Stufen schneller aufsteigen. Wie soll ich dir da nur danken?“ Ich spukte Blut und stand auf. „Komm, ich zeig dir wie du dich bedanken kannst – komm nur näher. Dein Tod wird Dank genug sein.“ Ich winkte sie zu mir. Sie nahm die Herausforderung an und stürzte sich auf mich. Ein schritt beiseite und sie viel in den Fluss. Der Fluss war nicht tief hier – und die Strömung schwach. Ich nutze die Situation und stürzte mich hinter ihr her auf ihren Rücken und drückte ihren Kopf unter Wasser. Ich war erstaunt über die Kraft die ich aufbrachte. Wut und Hass quoll aus mir heraus wie ein Lavastrom. Sie griff nach hinten und versuchte meine Hände abzuwehren. Aber sie kam nicht richtig dran. Dann erschlaffte sie. Ich hatte es geschafft. Dachte ich. Aber kaum hatte ich sie los gelassen, drehte sie sich leicht und holte dabei  mit dem Ellenbogen aus und traf meine Wange. Wieder sah ich Sterne – ich fing an Sterne zu hassen. Das Knockte mich erstmal für paar Sekunden aus. Maja zog sich derweil aus dem Fluss und musste paar kräftige Atemzüge machen. Als ich wieder klar sehen konnte saßen wir uns gegenüber. Keine wollte den nächsten Schritt machen – aber es musste geschehen. Jede wollte siegen. Ich musste siegen. Ich rappelte mich langsam auf. Stark schwankend ging ich auf sie zu. Sie erhob sich ebenfalls wackelig. In ihrer Hand hatte sie einen Stein. Sie strauchelte auf mich zu und versuchte den Stein auf meinen Kopf zu schlagen. Aber so weit kam sie nicht – mein Messer steckte schon in ihrem Bauch. Wir blickten beide hinab. Beide ungläubig. Ich hatte wieder einmal  nicht gemerkt, dass ich das Messer in der Hand hatte und noch weniger bemerkte ich dass ich zum Stich angesetzt hatte. Automatismus, dachte ich  mir. Maja sank auf die Knie und umfasste den Messergriff. Sie versuchte ihn heraus zu ziehen – aber er saß – so leicht bekam sie ihn nicht heraus. Sie schaute mich an – ich glaubte bedauern zu sehen. „Verdammt – das war irgendwie anders geplant.“ Sagte sie und brach zusammen. Ich fiel neben sie und wurde bewusstlos.

Eva war tief befriedigt. Endlich – erst wenn man einen Ballast los war merkte man überhaupt wie sehr er einen runter gezogen hatte – sie fühlte sich jetzt schon viel beflügelter. Jetzt war Jens dran. Sie hatte kaum fertig gedacht, da schlug ein Schuss neben ihr ein. Erde wurde aufgeschleudert – sie blieb stehen und blickte nach oben. Auf dem Dach stand Jens und zielte auf sie. Sie lächelte, hob ihre Hand und zeigte mit dem Finger auf ihn – dann führte sie den Finger zum Hals und machte die Schnittbewegung zum Kehle aufschlitzen. Jens nahm kurz die Waffe runter und schaute sie irritiert an. Dann legte er für einen tödlichen Schuss an. Als er den Abzug zog, war Eva schon weg – sie war fast unmenschlich schnell. Eine leichte Welle von Furcht durchfuhr ihn. Immerhin hatte diese Gruppe alle seine Leute eliminiert. Er machte eine Runde auf dem Dach um zu sehen wo Eva war – aber sie war nicht zu sehen. Zu spät bemerkte er, dass sie hinter ihm stand, wie war sie herauf gekommen? „Hallo Jens, ich sehe du wunderst dich, ich kann fast verstehen, warum ihr diese Jagden veranstaltet. Adrenalin ist eine wunderbare Droge –sie schafft es, dass man übermenschliche Fähigkeiten bekommt. Schau nur ich – ich stehe vor dir und du fragst dich wie ich denn hier hoch kam. Geklettert. Ist das nicht wunderbar. Danach kann man echt süchtig werden.“ Er hob seine Waffe, aber Eva kam ihm zuvor. Sie holte mit ihrem Bein aus und trat dagegen und er ließ die Waffe fallen. Schnell rannte sie vor und kickte sie vom Dach. „So – jetzt sind wir fast ebenbürtig. Fast. Was hast du zu verlieren? Ach ja, dein Leben.“  Dann sprintete sie auf ihn zu.

Ich wurde langsam wieder wach. Es dauerte etwas durch den Nebel der Schmerzen durch zu kommen. Am liebsten wäre ich einfach liegen geblieben. Irgendwer würde mich schon finden, oder? Jetzt viel mir wieder alles ein. Schnell blickte ich zu Maja. Sie lag immer noch da, in ihrem Blut. Die Erde hatte sich den wertvollen Saft schon einverleibt. Sie war tot. Ich horchte in  mich um ein Gefühl zu erkennen. Aber da war nichts. Diese Frau war niemand mehr. Mühsam richtete ich  mich auf. Leicht schwankend bewegte ich mich in Richtung der Hütte wo ich Eva verloren hatte. Ich wollte sehen ob sie es geschafft hatte. Weit war es nicht und als ich ankam sah ich erstaunliches. Eva und Jens standen auf dem Dach. Eva sah furchtbar aus. Matsch und Blut trug sie wie eine zweite Haut. Sie redete mit Jens, ich konnte aber nichts verstehen. Ich sah nur wie sie ihn zu verhöhnen schien und Jens schwankte zwischen Wut und Verzweiflung. Ich sah einen Kick, der seine Waffe aus seiner Hand katapultiere und wie sie die Waffe vom Dach stieß. Schnell rannte ich zu der Stelle wo ich die Waffe vermutete. Ich fand sie. Wie war sie nur da rauf gekommen? Ich konnte nichts finden. Aber Blutspuren zeigten mir wo sie sich hochgekämpft hatte. Sie musste sich die Fingernägel fast abgerissen haben um das zu schaffen. Stolz und Ehrfurcht erfasste mich. Schnell ging ich wieder zurück um sehen zu können was sich auf dem Dach abspielte. Eva hatte den direkten Angriff gestartet und  war ihn angesprungen. Sie saß auf ihm und verpasste ihm einige Fausthiebe. Er hielt seine Hände schützend über seinem Kopf verschränkt, bis er endlich mal eine Lücke fand und zurück schlug. Der Schlag saß. Eva rollte von ihm herunter – aber sie wartete nicht, dass er wieder angriff. Sie sprang auf und rannte wieder auf ihn zu. Sie prallte voller Wucht mit ihm zusammen, dass sie vom Dach stürzten. Jens hatte dummerweise die schlechtere Position. Eva landete ungebremst auf ihm. Sie stöhnte laut – aber nicht so laut wie Jens. Das war mein Einsatz. Schnell rannte ich auf die beiden zu und hielt die Waffe auf Jens gerichtet. Eva lag neben Jens und atmete schwer. „Wo warst du so lange?“ „Entschuldige, Maja war nicht so leicht außer Gefecht zu setzen.“ „Ist sie tot?“ ich nickte. Eva nickte anerkennend und hob den Daumen. „Was meinst du, sollen wir das jetzt endlich beenden.“ Fragte sie mich. „Auf jeden Fall. Ich habe keinen Spaß mehr daran. Wie sieht es bei dir aus, Jens. Noch Spaß an der Jagd? Komm steh auf.“ Er stöhnte. „Ich kann nicht – ich glaube ich habe mir irgendwas gebrochen.“ Eva rappelte sich mühevoll auf und trat ihn in die Seite. Er schrie.“ Na da fühlst du noch was – also ist auch nichts Wichtiges gebrochen. Höchstens dein Ego. Auf Wichser. Steh auf. Es wird Zeit die Jagd zu beenden. Meine Freundin und ich haben keine Lust mehr und wollen ein warmes Bad.“ Ich blickte sie an. Ja wir waren Freundinnen. Was schweißte einen mehr zusammen als einen Kampf um sein Leben. Auf sie konnte ich mich verlassen.

Jens stand auf. Er hatte sich wohl den Knöchel gebrochen. Nicht schlimm. Weit würde er eh nicht mehr gehen. Ich war keine kaltblütige Killerin. Nur aus Notwehr. Und Jens konnte froh sein, dass er es so einfach gemacht bekam. Sein restliches Team hatte es schwerer gehabt. Ich richtete die Waffe auf ihn. Er straffte sich in Erwartung des Schusses. Und ich ließ ihn nicht warten. Verurteilt mich nicht. Aber ich   musste es tun. Soviel Leid und Tod hatte er verursacht. Das konnte nicht ungestraft bleiben.

„Was jetzt?“ Fragte ich Eva. „Wir lassen einfach alles so wie es ist. Vielleicht findet sie jemand – vielleicht tun uns die Tiere den Gefallen sie so abzunagen, dass nichts mehr übrig bleibt. Unsere DNA ist nirgends gespeichert. Es gibt kein Hinweis auf uns. Die Waffe zerlegen wir und verteilen sie überall auf unserem Weg. Ein Teil ich ein Teil du. Hinter der Hütte ist ein Wagen. Die Verteilerkappe habe ich versteckt. Es gibt keine Verbindung zwischen uns. Also selbst wenn sie die hier alle entdecken und identifizieren, werden sie wohl nie wissen, was genau geschehen ist. Ich weiß nicht was du deinem Mann erzählen willst. Das überlasse ich dir. Aber wir sollten auf keinen Fall Kontakt aufnehmen. Du bist die beste Freundin die ich je hatte. Vielleicht irgendwann mal können wir uns treffen. Nimm du das Auto und fahr heim zu deiner Familie. Denk dran – unauffällig. Das Auto musst du entsorgen – Fingerabdrücke abwischen – kein Zusammenhang zu diesem Ort schaffen. Aber du wirst das schon machen. Ich vertraue dir da.“ „Warum kommst du nicht mit? Ich kann dich auf der Straße rauslassen. Oder wir entsorgen das Auto gemeinsam und trennen uns dann.“ „Das geht nicht. Ich habe noch was zu erledigen, dass wir auch wirklich unbehelligt bleiben. Eine Aufgabe steht noch an, das erledige ich. Geh nach Hause und versuche, das hier zu vergessen. Umarme deinen Mann und küsse deinen Sohn. Das Leben geht weiter, die Erde dreht sich weiter.“

Wir umarmten uns. Tränen fanden ihren staubigen Weg auf unseren Wangen und ich ging zum Auto. Ich drehte mich nicht um. Ich wusste welche Aufgabe sie meinte. Wenn, dann würde sie es erledigen können. Ich würde mich  nicht mehr umdrehen und nicht mehr zurück denken.

Damit hatte Lukas nicht gerechnet, als er sah wie

Eva auf ihn zukam. „Hallo Lukas. Hast du mich vermisst? Sag, hast du Yvonne geliebt? Nein. Du wirst nicht lieben können. Aber fürchten, das kannst du dich, oder?“ Lukas riss die Augen auf als er sah was Eva in der Hand hatte, das war das letzte was seine Augen jemals sehen würden.

ENDE

 

Vielen Dank an euch alle, die bis zum Ende durchgehalten haben und mit Eva und Vanessa den Sieg errungen haben. Vielen Dank für die Geduld. Ich weiss, so lange Geschichten können manchmal nerven.

 

 

 

 

 

 

 

 

Action, writing friday

[#WritingFriday] Week 14 – eine tödliche Lüge Part 4

Diese Fortsetzung gehört zu einer Geschichte, die ihren Anfang beim #Writing Friday hatte.

HIER kommt ihr zum Anfang der Geschichte

Hier den Teil davor

Was bisher geschah

 Eva, Annette und Vanessa hatten jetzt Waffen. Während sie ihre Strategie planten taucht ein Rekrut auf. Lukas. Sie überwältigen ihn aber töten ihn nicht. Annette kann schiessen  und erledigt von einem Hochsitz aus vier der Gegner, bevor sie selbst erschossen wird. Vanessa ist total aufgelöst. Aber sie müssen weiter kämpfen. Die nächsten zwei Gegnerinnen tauchen auf. Eine davon ist Evas Freundin, die sie zu diesem Tripp mit gebracht hatte. Ein Kampf auf Leben und Tod für Eva und Vanessa.

Es wurde dunkel. Wir waren schon einige Zeit schweigend nebeneinander gelaufen. „Ähm. Willst du darüber reden?“ sprach ich sie an. „Was gibt es da zu reden. Du kennst das doch, wenn man immer alles in sich hinein frisst, platzt man irgendwann und das kommt immer zum falschen Zeitpunkt. Nur dieses Mal war der Zeitpunkt wirklich perfekt. Meinst du ich habe etwas überreagiert als ich ihr die Kehle auf schlitzte? Vielleicht hätte ich…ach nein – ich glaube, das war unter den gegebenen Umständen doch das humanste. Schnell und fast schmerzlos. Wie lief es bei dir. Du bist verletzt.“ Ich berichtete kurz von meinem Kampf. Sie nickte und wirkte etwas abwesend. „Wir sollten uns für die Nacht einen Unterschlupf suchen.  Hier – das habe ich bei Lukas gefunden.“ Sie hielt mir einen Riegel hin. Ich riss ihn an mich und riss die Verpackung auf. „Iss nur – er hatte zwei. Wie für uns bestimmt.“ Sie lächelte. Jetzt erst merkte ich, dass ich wirklich hungrig war.

Ich zeigte auf eine Stelle. „Schau – da ist vielleicht ein guter Platz – ich sehe einen kleinen Bach und ein Laubwald. Das bedeutet er ist im Moment dicht und es gibt viele Blätter.“ „Ja klingt gut. Hier – das habe ich auch von Lukas.“ Sie hielt mir ein T-Shirt hin. Sich selbst hatte sie ein Hemd angezogen. Wie toll sich das anfühlte – warm und kuschelig – fühlte ich  mich sicher und nicht mehr so nackig wie vorher. Das gab mir noch mehr Mut um das hier zu überstehen.

Wir fanden einen tollen Platz. Am Wasser stillten wir unseren Durst. Ich hoffte, dass es nicht zu verunreinigt war und wir Durchfall bekämen – aber das war mir im Moment egal. Etwas abseits lag ein umgestürzter Baum unter dem sich eine perfekte Kuhle für uns befand. Schnell sammelten wir etwas Blätter um und ein gemütliches Lagern zu machen – soweit man von gemütlich sprechen konnte. Wir krabbelten hinein und verhielten uns erst mal still um zu lauschen. Aber es war still. „Was meinst du, wie viele es noch sind.“ Fragte ich Eva. „Das ist schwer zu sagen. Deine Maja – mein Mark und der Boss. Wieviel haben wir erledigt. Den Kerl am Anfang – der gehörte bestimmt zu Jens. Lukas zu der Kleinen. Du hattest die von der Älteren. Ich meine Freundin. Annette – sie muss auch noch eine Begleitung haben. Also wenigstens vier sind es noch.“ Noch vier. Ich war schon jetzt total am Ende. Und meist konnte man davon ausgehen, dass die verbleibenden, die besten sind. Ich erzählte Eva von meiner Befürchtung. „Maja, kann ich  mir nicht vorstellen. Sie wird einfach sein. Mark – eigentlich ist er ein Weichei. Aber ich  kenne ihn ja nicht wirklich. Zu Hause hat er nichts gemacht. Zwei linke Hände. Ich weiß aber nicht wie gut er im Schießen ist. Wir sollten versuchen – wie Annette – sie von fern zu erwischen. Obwohl ich Mark selbst erledigen will. Ich habe bisher noch nicht geschossen. Aber ich habe oft darüber gelesen und Videos gesehen. Ich kann die Waffe bedienen, aber ob ich auch treffe, dass bezweifle ich.“ „Einen Versuch ist es wert. Ich kann so eine Waffe noch  nicht mal bedienen. Wir müssen auf jeden Fall noch zwei von weiten ausschalten. Gegen vier kommen wir nicht an.“ „Ja – das stimmt wohl. Wir versuchen es einfach. Learning by doing. Wenn ich sie verfehle – müssen wir uns was anderes überlegen – wenn wir da noch leben.“ Ich nickte und legte mich hin. Ich war so müde und erschöpft. Sollte ich das überleben, würde ich mindestens eine Woche nicht mehr aus der Wanne herauskommen. Jeder Muskel schmerzte und die Wunde pochte. Ich hoffte sie würde sich nicht entzünden. Ich hatte kaum fertig gedacht, schlief ich ein.

Es dämmerte und ich war tatsächlich vor Eva wach. Es beruhigte mich etwas, dass sie geschlafen hatte und nicht wieder herum gewandert war. Sie rieb sich etwas desorientiert die Augen. Sofort war sie hellwach. Ihr war wohl eingefallen wo sie sich befand und was vorgefallen war. Schnell wollte sie aus unserem Versteck. Ich hielt sie zurück. „Warte – lass uns erstmal richtig wach werden und überlegen wie wir weiter vorgehen.“ „Ok. Wir sollten beim ursprünglichen Plan bleiben. Wir sollten uns auf sie zu bewegen. Sie werden zwar dieses Mal vorbereitet sein – aber alles andere macht keinen Sinn. Ich muss nur näher dran. Ich kann nicht aus der Entfernung wie Annette schießen. Das ist mir zu weit.“ „Gut, lass uns die Dämmerung nutzen. Vielleicht schlafen sie noch, oder haben nur eine Wache.“ Sie sammelten sich. „Warte – das T-Shirt ist zu auffällig.“ Ich blickte mich um. Am Bach war genug aufgewühlter Schlamm. Schnell huschte ich hin und wälzte das T-Shirt darin. Gut, dass ich es nicht waschen musste. Schmunzelte ich.

Wir bewegten uns so schnell wie in dem Licht möglich, in die Richtung der Basis. Dort angekommen, kauerten wir uns in die umliegenden Büsche und versuchten unsere Blicke scharf zu stellen. Das war nicht so einfach. „Ich sehe nur einen. Das ist bestimmt Annettes „Anwärter““, meinte ich. „Wenn ich mich von rechts anschleiche, kann ich ihn vielleicht außer Gefecht setzen.“ Überlegte ich. Eva runzelte die Stirn. Meinst du, du schaffst den alleine?“ „Muss ich – du musst mir Rückendeckung geben mit dem Gewehr. Ich versuche ihn etwas weg zu locken. Er wirkt nicht gerade helle – außerdem ist er müde. Ich versuche es. Halte dich in der Nähe um eventuell zu schießen, oder mir mit dem Messer zu helfen. Du wirst das schon richtig einschätzen.“ Sie nickte einmal zur Bestätigung und ich ging nach rechts. Ich hielt nach einem Stein oder Ast Ausschau, den ich werfen wollte um ihn weg zu locken. Aber als ich an meinem Ziel ankam, überlegte ich es mir anders. Ich gab ein Geräusch von mir, als wäre ich gestolpert und warf dann schnell einen Stein  hinter her. Meine Taktik funktionierte. Ich hatte ihn richtig eingeschätzt. Ohne Unterstützung zu holen lief er in die von  mir gewünschte Richtung. Ich duckte mich in einem Busch – wie ein Kastenteufel, bereit aufzuspringen wenn der Deckel aufging. Mein Deckel würde dieser Misthaufen sein, der gleich an mir vorbei ging. Vorsichtig ging er an mir vorbei. Ich hatte einen längeren Ast in der Hand. Der Mann war etwa so groß wie ich. Als er an mir vorbei ging sprang ich auf und schlug zu. Ich traf ihn nicht genau, aber es reichte aus um ihn zum Stolpern zu bringen. Dabei fiel er auf die Knie. Ich holte noch mal aus, aber das sah er kommen und fing den Schlag mit dem Gewehrlauf ab. Dabei ließ er es zwar fallen, aber stürzte sich schnell auf mich. Ich lag unter ihm und musste  mir sein dreckiges Lachen anhören.

„Hallo, Vanessa, nicht wahr? Schön dass du vorbei gekommen bist. Mir wurde schon langweilig. So kann ich mich etwas mit dir vergnügen bevor ich dich dann absteche wie ein Schweinchen. Kannst du quieken wie ein Schwein?“ Fragte er mich, als er sich an meiner Unterhose zu schaffen machte. Ich versuchte aus seinem Griff zu entkommen – aber er war zu stark. Was jetzt – ich hoffte Eva würde kommen und mich befreien. Warum kam sie nicht? Hinter dem Klotz, der grob an mir rumfummelte erschien plötzlich ein Schatten – ich atmete auf. Eva – aber es war nicht Eva – es war Maja. „Kevin – du Idiot – du sollst doch deine dreckigen Finger von ihnen lassen. Du perverser Sack. Lass meine Freundin los. Fessle sie. Jens wartet schon.“ „Mensch – du gönnst mir aber auch gar nichts – sie ist schon lecker.“ „Hör auf, du machst ihr Angst. Mach deine Arbeit und bring sie zu Jens – die andere ist schon da.“ Oh nein – sie hatten Eva.

„Hallo Vanessa, so kommen wir doch noch mal zusammen. Es tut mir leid. Vor allem für deinen Mann und deinen kleinen Sohn. Ich werde ihnen schon eine traurige Geschichte von einem Autounfall mit Brand erzählen. Traurig, traurig. Aber du verstehst das bestimmt. Ich muss ja dein Ableben irgendwie erklären. Aber jetzt lernst du Jens kennen und wirst mich verstehen. Er ist ein Gott.“ „Ein Gott? Ich glaube nur an einen Gott und der wird mir hier auch raushelfen. Gott hilft denen, die sich selbst helfen. Du kennst mich – ich habe schon einiges erlebt. Ich werde auch das hier überleben.“ „Das habe ich schon immer an dir geschätzt. Dein Optimismus. So groß und unbeirrbar, dass ich manchmal kotzen wollte.“ „Ich verstehe nicht, wenn ich dich so ankotzte, warum warst du meine Freundin?“ „Ich war neidisch auf dich. Ich wollte dein Leben oder wenigstens so nah daran teilhaben wie es ging. Dein Mann ist übrigens toll. So treu und er liebt dich. Er war total immun gegen Annäherungen meinerseits. Hat er dir je davon erzählt? Ach wie blöd, dann wärst du ja nicht hier. Wie schusselig von mir. Aber du kennst mich ja.“

„Anscheinend nicht gut genug.“ Murmelte ich.

Sie stießen mich vor sich her in einen Schuppen. Da stand schon Eva und schrie einen Mann an – wohl ihren Mann. Daneben stand ein weiterer Mann. Etwa 1,80 Meter, schlank durchtrainiert. Graumelierte volle Haare. Recht ansehnlich. „Vanessa, schön, dass du zu uns gestoßen bist. Jetzt werden wir auch eine Lösung finden. Aber erstmal heiße ich euch willkommen in eurem Unterschlupf.“ Er öffnete eine Tür zu einem Schuppen und wir wurden hinein gestoßen. „Wir haben noch was zu erledigen. Aber sobald wir geklärt haben wie wir weiter machen, wird euch Kevin dann holen. Solange macht es euch einfach gemütlich hier.“ Damit schloss er die Tür hinter uns.

„Was ist passiert?“ Fragte ich Eva. „Sie haben uns wohl doch erwartet. Ich hatte mich gerade platziert um einen guten Blick auf dich zu haben, als ich nieder geschlagen wurde. Es tut mir leid, ich habe es versaut.“ „Ach quatsch – ich war ja auch nicht wirklich erfolgreich. Dieser Kevin hätte mich fast vergewaltigt. Dieser Widerling.“ Mich schüttelte es an den Gedanken, wo seine widerlichen Hände überall waren. „Was machen wir jetzt?“ Von der starken Frau, die aus dem Schlamm entstieg, war im Moment nicht viel übrig. Aber ich fühlte mich auch nicht gerade stark und mutig. Wenn wir keine Lösung fanden, würden wir sterben. Ich dachte an meinen Sohn und Mann. Würde ich sie wiedersehen? Im Moment kam mein Optimismus etwas ins Wanken. Mühsam stand ich auf. Ich blickte mich in dem Schuppen um. Er war alt und klapprig. Ein kräftiger Windstoß oder ein pustender Wolf, würde ihn umwehen. Ich ging die Wände entlang und tastete sie mit meinen am Rücken zusammen gebundenen Händen ab. Vielleicht fand ich einen Nagel oder scharfe Kante, die die Fesseln durchscheuern könnten. Stark in der Bewegung eingeschränkt, viel es mir schwer mich hoch und runter zu bewegen, aber man sollte nicht glauben, wie beweglich man in einer tödlichen Situation wurde. Hier war er – der Notnagel. Ich setzte mich davor und versuchte die Fessel damit auszufransen. Ich stach, rubbelte und schabte. Es war anstrengend und schmerzhaft. Ich traf mehr die Haut neben den Fesseln als die Fesseln selbst. Ich wollte gerade aufgeben, als ich einen kleinen Ruck in den Fesseln spürte. Ich hatte es geschafft. Sie waren fast durch. Ich konnte es kaum glauben. Dann rissen sie. Oh – wie gut, dass sie keine besseren Materialien für Fesseln hatten. Schnell entledigte ich mich meiner und rutschte zu Eva. Sie wirkte im Moment eher als hätte sie aufgegeben. Schnell löste ich ihre Fesseln und drehte sie zu mir. „Hör zu, wir schaffen das und die werden bezahlen. Wir müssen erstmal hier raus. Hilf mir aus diesem maroden Schuppen eine Waffe zu machen. Schau nach losen Brettern oder sonst was, mit dem wir schlagen können, wenn dieser eklige Kevin kommt, wird er Platt gemacht. Der fingert keine  mehr an. Igitt.“ Gemeinsam klopften wir jedes Brett und jede Diele ab. Ich fand eine lose Bodendiele. Meine Finger passten gerade so in den Spalt. Aber dieses Brett heraus zu ziehen, erwies sich als äußerst schwer. Meine Fingernägel rissen bis zum Fleisch ein. Eva kam neben mich – gemeinsam versuchten wir dieses verdammte Brett herauszureißen. Endlich krachte es. Ich fiel auf meinen Hosenboden und Eva konnte sich gerade noch so auffangen. Wir lachten. Ein Hoffnungsschimmer. Der war wichtig – sonst hätte ich Eva noch verloren. „Schnell – hier ist es hohl drunter. Wenn wir noch paar Bretter raus bekommen, können wir vielleicht untern drunter durch.“ Meinte ich. Ich sag euch – ich werde nie wieder einem Film glauben. Das sieht immer so leicht aus. Selbst jetzt wo schon ein Brett draußen war, gestaltete sich das Ganze als unfassbar schwierig. Aber wir schafften noch vier weitere Bretter. Für mehr hatten wir keine Kraft mehr. Jetzt wünschte ich mir Annette her. Sie war wesentlich schmaler als wir. „Ich passe da bestimmt nicht durch.“ Meinte Eva. Ich blickte sie an. Sie hatte wirklich breitere Schultern und Becken als ich. Ich dafür Bauch – aber der gab ja nach. „Okay – ich versuche wie weit ich komme. Behalte die Tür im Auge.“  Ich krabbelte in dieses flache Loch und schob mich Millimeter für Millimeter voran. Das war eng – im Sarg hatte man mehr Platz. Bloß nicht in Panik verfallen, du hast keine Angst vor engen Räumen und du bleibst nicht stecken. Sagte ich mir. Ich kam tatsächlich ganz gut voran, bis ich an einen Widerstand gelangte. Hier war der Schuppen wohl zu ende. Jetzt musste ich versuchen mich frei zu graben. Mit meinen eingerissenen Fingernägeln fing ich an zu buddeln. Ich musste drauf achten leicht nach oben zu graben. Langsam wurde es wirklich warm hier – mir ging die Luft aus. Daran hatte ich ja gar nicht gedacht. Klar – hier kam ja kein frischer Sauerstoff hin. Langsam wurde mir schummrig. Oh weh, wenn ich  nicht gleich durchbrach würde ich hier ohnmächtig werden. Eva würde denken ich hätte sie alleine gelassen und ich würde hier elend ersticken. Die Panik kam und sie kam heftig. Und ich nutzte sie um noch schneller zu graben. Und endlich – ich stiess mit der Hand ins Freie. Sauerstoff – ich schnappte nach Luft, wie eine ertrinkende. Oh süßer Sauerstoff. Ich wollte mich gerade weiter voran graben als ein Ruck durch meinen Körper ging. Jemand zog an meinen Beinen. Ich wurde grob zurück in den Schuppen gezogen. Kevin. Krampfhaft versuchte ich mich festzuhalten. Aber ich konnte nur Erde zu fassen bekommen. Als ich wieder im Schuppen war, sah ich, dass Kevin noch  mehr Dielen herausgerissen hatte. Anscheinend hatte ich durch den Sauerstoffmangel dies nicht gehört. Ich lag auf dem Schuppenboden und blickte nach oben an die Decke. Was jetzt. In dem Moment durchfuhr mich ein stumpfer Schmerz an der Seite. Kevin trat auf mich ein. „Du kleine Schlampe. Was hast du gedacht, dass du dich da rausgraben kannst. Bist du dämlich. Das hätte ewig gedauert. Hahahaha. Ihr Weiber seid doch echt dumm. Nur gut um gefickt zu werden.“ Ich krümmte mich am Boden und versuchte durch meinen Schmerz Eva zu finden. Sie lag ebenfalls gekrümmt in der Ecke. Unsere Flucht war erstmal vorüber. Erstmal.

Während Kevin auf mich einschlug und trat versuchte ich mich von ihm weg zu bewegen, was sich immer schwerer gestaltete. Während ich auf dem Boden voran robbte, stieß ich mit den Fingern an einen Gegenstand. Automatisch griff ich danach. Es war ein Nagel. Er musste herausgesprungen sein, als die Dielen herausgerissen wurden. Er war lang. Durch Schmerzen war mein Denken eingeschränkt, aber mein Instinkt funktionierte. Ich wurde schlaff und ließ ihn denken, ich sei bewusstlos. Ich konnte mir denken, dass er diese Situation in ekligster Weise ausnutzen würde. Er drehte mich auf den Rücken und fing an mir rumzufingern. Ich ekelte mich wahnsinnig. Wie furchtbar so unfreiwillig begrabscht zu werden. Der Nagel lag in meiner Hand. Ich legte ihn mir zwischen Zeige und Ringfinger. Wie bei dem Bügel des BHs, hatte ich vor ihn irgendwo rein zu rammen. Was auch immer ich treffen würde. Langsam schob er sich über mich drüber. Er fummelte an seiner Hose um sie zu öffnen. Es war unerträglich. Als sein Gesicht etwa in der Höhe meines Gesichtes war, holte ich aus und stieß zu. Der Nagel drang tief in sein Ohr ein. Er schrie fürchterlich. Ich stieß ihn von mir runter. Zu schwach um ihn wirklich noch stärker zu verletzen. Der Nagel ragte aus seinem Ohr und ich haute immer weiter drauf – er schrie und schrie. Meinen Slip, den er mir ausgezogen hatte lag in greifbarer Nähe. Ich schnappte ihn mir und stopfte ihn in seinen offenen Mund um den Schrei zu ersticken. „Hier du stehst doch auf meinen Geruch und Geschmack. Friss das. In dem Moment erfasste Eva die Situation und stand unter Schmerzen auf. Während ich weiter auf den Nagel und seine Nase einschlug, kam sie gekrümmt auf uns zu. Ich sah eines der herausgerissenen Bretter in der Hand. Sie holte aus und ich rollte mich von Kevin herunter. Dann krachte das Brett auf sein Gesicht. Der Slip dämpfte den Schrei. Er fing an zu gurgeln. Sein Gürtel. Ich schnappte mir seinen Gürtel und legte ihn um seinen Hals. Ich zog dran, war aber nicht stark genug. „Eva, hilf mir. Ich schaffe es nicht alleine.“ Gemeinsam zogen wir an dem Gürtel. Wir saßen hinter ihm und stemmten unsere Füße gegen seine Schultern – wir zogen, zogen, zogen bis es leicht knackte. Seine Gegenwehr hörte auf. Er war tot. „Schnell, wir müssen weg. Ich zog meinen Slip aus seinem Mund – er war feucht. Ich ekelte mich – aber besser so, also ohne was. Ich schlüpfte in den feuchten Slip und schnappte mir sein Messer, das an seinem Gürtel hing. Sonst hatte er keine Waffen bei sich. Eva stütze mich und wir humpelten aus diesem Schuppen. Es war dunkel – ein Glück für uns, dass keiner mit einer Flucht von uns rechnete. Wir humpelten in Richtung Wald und ließen uns in das Dickicht fallen. „Nur ganz kurz.“ Meinte Eva. „Wir können nicht lange hier bleiben. Sie werden bestimmt bald nach Kevin schauen. Bis dahin müssen wir so weit wie möglich weg sein. Einen Unterschlupf finden.“ Ich dachte ich würde sterben. Mein gesamter Körper war nur noch ein Schmerz. Am liebsten hätte ich mich wirklich zum Sterben hier hingelegt. Egal. Ich war am Ende. Bilder blitzen vor meinen geschlossenen Augen auf. Mein kleiner Engel mit seinem Vater, der mir immer treu war und mich bedingungslos liebte. Für sie musste ich überleben. Ich richtete mich auf. „Gut, lass uns gehen. Es wird Zeit das Ganze zu beenden. Ich will endlich heim.“ „Sehr gut. Dann lass uns den Finalen Schlag einleiten.“ Große Worte – aber wir wussten  noch gar nicht was wir machen sollten. Übrig waren jetzt nur noch Jens, Maja und Evas Mann, aber wir waren angeschlagen. Also mussten wir eine Taktik entwickeln.

 

Finale  HIER

 

Action, writing friday

[#WritingFriday] Week 14 – eine tödliche Lüge Part 3

Es ist schon wieder Freitag – und somit #Writing Friday. Wo habe ich  mich da nur hinein geschrieben. Meine Geschichte ist zu Ende und ich weiss noch nicht genau wie ich sie hier veröffentliche Ich habe die gesamte Geschichte noch mal bei Wattpad hochgeladen.. Es tut mir ja echt leid, dass sie so lange geworden ist – das hat sich echt verselbständigt – ich gelobe Besserung mit den nächsten Themen – die auch wirklich wieder toll sind.

HIER kommt ihr zum Anfang der Geschichte

HIER zum Teil davor.

Ich konnte dieses Mal ganz hervorragend eines der Aprilthemen mit einarbeiten.

  • Du hast gerade deinen ersten Arbeitstag als Assistenzarzt im Krankenhaus. Beschreibe einer Freundin ein besonders verstörendes Erlebnis.
  • Bei einem grossen Familienfest erfährst du, dass deine Grosseltern bereits seit vielen Jahren in einer offenen Beziehung leben. Schreib die Szene auf, die sich nach diesem Geständnis ergibt.
  • Verfasse einen Dankesbrief an den Erfinder von Zahnpasta.
  • Eine Frau verwählt sich und landet bei einem fremden Mann. Unerwartet beenden sie das Gespräch aber mit einer Verabredung. Schreibe das Telefonat dazu auf.
  • Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz; „Damit hatte Lukas nicht gerechnet, als er sah wie…“ beginnt.

Was bisher geschah

 

Zwei von uns sind schon erschossen worden. Aber wir drei verbleibenden geben nicht auf. Wir haben uns jetzt vereint und greifen an. Getarnt in Matsch und Blättern haben wir den ersten der Jäger schon getötet. Jetzt haben wir richtige Waffen. Jetzt kämpfen wir fast ebenbürtig.

 Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz; „Damit hatte Lukas nicht gerechnet, als er sah wie…“ beginnt.

 Damit hatte Lukas nicht gerechnet, als er sah wie…

die drei überlebenden Frauen sich auf seinen Kumpel stürzten und ihn niederstachen. Er wusste nicht was er zu machen hatte. Ohne die Anweisungen vom Oberhaupt der Sekte, der er sich anschließen wollte, war er einfach nur Hilflos. Aber er war ja hier um zu Jagen. Dafür hatte er seine Freundin, die er selbst erlegt hatte, hier her gelockt. Ein Lächeln umspielte seine Lippen bei dem Gedanken wie sie vor ihm kniete und um ihr Leben bettelte. Das war besser als jeder Sex jemals mit ihr. Er beobachtete die Frauen und legte sein Gewehr an. Er zielte auf die Anführerin. Es war leicht zu erkennen wer hier das Kommando übernommen hatte. Diese leicht pummelige brünette strahlte eine Sicherheit und Gewissheit aus. Sie schien gar keine Angst zu haben, das würde er sofort ändern. Er krümmte den Finger am Abzug, schoss und traf.  Leise zog er sich zurück. Er würde Jens – dem Chef – sagen was er gesehen hatte. Er würde ihm dann sagen, was Lukas zu tun hatte. Er wollte auf keinen Fall wie der Kerl da am Boden enden. So wie die drei Frauen gerade drauf waren könnte das schnell passieren – vor allem weil sie jetzt Waffen hatten.

*

 Wir huschten wie Schatten durch die jungen Schösslinge. Jedenfalls dachte ich das. Da wir aber rannten machten wir in Wirklichkeit richtig Lärm. Auf einmal spürte ich ein Brennen am Arm und ich blickte verwundert auf die Stelle. Blut? Ich blutete. Da hörte ich einen Schuss und spürte wieder einen Schmerz am Oberschenkel. Ich fiel und die beiden anderen ließen sich schnell neben mich fallen. Wir waren zu übermütig gewesen. Der Erfolg, der Rausch hatte uns getäuscht. Wir waren immer noch die Beute.

Ich biss die Zähne zusammen und Tränen lösten sich. Was für ein Schmerz. Verdammt. Zum Glück war das kein guter Schütze. Oder war das Absicht um uns zu schwächen. So machte die Jagd noch mehr Spaß? „Vanessa? Alles in Ordnung, bist du schwer verletzt?“ Ich schüttelte den Kopf, da ich nicht anfangen wollte zu heulen wie ein kleines Mädchen, das auf die Knie gefallen war. Ich atmete mehrere Male tief ein und aus und konnte dann antworten. „Verdammt. Wir waren unvorsichtig. Wie dumm von uns. Nur weil wir einen ausgelöscht haben. Wir müssen sehen ob wir den Schützen finden. Aber erstmal: Kann eine von euch schießen? Eva schüttelte den Kopf. Ich auch nicht. Dann blickte ich auf Annette, sie hatte sich die Waffe schon geschnappt und gecheckt. „Ja. Ich kann schießen.“ Tja – so ist das mit Vorurteilen. Von ihr hätte ich es am wenigsten erwartet. „Super. Dann wirst du jetzt den Hauptteil übernehmen. Ich habe geschätzt, dass es etwa zehn Leute sein müssen. Unsere fünf und dann noch den Chef und der hat bestimmt noch paar seiner Profilakaien. Wir haben nur einen erledigt. Das schaffen wir nicht, wenn wir so weiter machen. Also musst du schießen.“ „Kein Problem. Das Teil hier hat ein Zielfernrohr. Ich brauche nur einen guten Platz.“ „Ich denke wir sollten zurückgehen. Erstmal rechnen sie damit nicht und ich hoffe, dass nur noch die Rekruten im Wald sind um uns zu jagen. Die müssen sich bewähren. Also können wir die anderen vielleicht mit dem Gewehr ausschalten?“ „Ja.“ Meinte Eva. “Das ist eine gute Idee. Die rechnen doch nie damit, dass wir umkehren. Super.“ „Aber wir brauchen noch paar Äste. Jetzt haben wir die Messer, damit können wir sie richtig anspitzen.“

Gesagt getan. Wir verzogen uns noch etwas hinter dichte Büsche. Unsere Tarnung hatte sich schon etwas aufgelöst, also stopften wir noch bisschen Blattwerk in die Schnüre. Moos. War das nicht irgendwie heilend? Ich schnappte mir also Moos und wickelte es um meine Verletzungen. Die schmerzenden und blutenden Füße ignorierte ich. So gut das eben ging. Die nächste Pediküre würde teuer werden. Wir schlichen also zurück. Ich hoffte, wir hätten die richtige Richtung erwischt. Wir hatten tatsächlich mehr Glück als Verstand. Wir hatten die richtige Richtung.

Ich stoppte die zwei und flüsterte: „Schaut – da ist einer von ihnen.

Annette legte die Waffe an. Ziel und Schuss. Der Kerl fiel. Schnell rasten Eva und ich zu ihm. Eva war voll im Kampfmodus. Sie sprang auf den Rücken des Liegenden. Sie zog ihm den Kopf an den Haaren nach hinten – er stöhnte, konnte sich aber nicht wehren, da Eva sich auf seine Wirbelsäule kniete und Druck ausübte. „Wer bist du?“ Fragte sie ihn. Er versuchte den Kopf zu schütteln. Eva legte ihm das neu gewonnene Messer an die Kehle. „Wer bist du und wen hast du mitgebracht?“ „Lukas – ich bin Lukas.“ „Und wer ist deine „Begleitung“ gewesen?“ „Yvonne.“ „Welche war Yvonne? Die Kleine?“ „JA!“ Annette kam zu ihnen. Sie holte mit dem Gewehrgriff aus und schlug ihn nieder. „Was machen wir mit ihm?“ fragte sie mich. „Ich weiß nicht. Wir können ihn nicht einfach kaltblütig töten. Ich denke wir sollten ihn ausziehen und fesseln. Dann lassen wir ihn einfach hier. Vielleicht verreckt das Arschloch ja so.“ „Wir müssen ihn durchsuchen. Er wird noch Waffen haben und mal sehen was noch.“ Sagte Eva. Sie stand von ihm auf. Konnte sich aber nicht verkneifen ihm noch mal in den Magen zu treten. Schnell durchsuchten sie seine Taschen. Noch mal fanden wir Messer und wir fanden Munition. Ich durchwühlte die Seitentaschen seiner Hose. „Ha – hier Paracord. Super! Damit können wir ihn fesseln und das schneidet schön ein. In den Mund stopfen wir ihm seine Unterhose. Vielleicht hat er sich ja eingemacht.“ Schnell zogen wir Lukas aus und zogen ihn tiefer in den Wald. Dort fesselten wir ihn und stopften ihn den Mund. Dann zogen wir ihn in eine Pfütze – sie würde ihn auskühlen. Vielleicht schaffte er es ja. Wenn nicht – Karma.

Eva zückte ihr Messer und schnitt ihn noch bisschen um ihn zu schwächen. Ihr gefiel das ganze mittlerweile etwas zu sehr, fand ich. Sie wurde mir etwas unheimlich. „Auf, lasst uns weiter gehen, bevor es zu dunkel wird. Ich will wenigstens schon mal sehen von wo aus ich schießen kann.“ Sagte Annette.

Wir bewegten uns in die Richtung aus der wir die Geräusche vernommen hatten. Lachen und Geplapper leitete uns. Wieder legte Annette die Waffe an. „Nein – so kann ich sie nicht anvisieren. Ich muss höher.“ Wir schauten uns um – auf einen Baum zu klettern war zu auffällig. Ich schupste Annette. „Schau dort – ein Hochsitz. Meinst du von dort ginge es?“ „Das werden wir gleich wissen.“ Grinste sie. Wir huschten leise zu dem Hochsitz. Annette kletterte nach oben und legte das Gewehr wieder an. Sie zeigte uns mit dem erhobenen Daumen, dass es von hier aus gehen würde. Jetzt musste sie nur noch standhaft einfach schießen. Ich zitterte vor Anspannung. Und ich hörte den ersten Schuss. Das war laut. Annette wartete nicht lange und schoss noch vier Mal in Folge. Triumphierend blickte sie zu uns nach unten. „Getroffen. Aber der Boss hat sich verdrückt. Ich komme runter.“ In dem Moment fiel ein Schuss. Annette stutze. Und dann sah ich es. Aus einer kleinen Wunde im Kopf lief Blut und tropfte auf uns hinunter. Sie hatten auch getroffen. Ich sah gebannt den Blutstropfen hinterher bevor ich überhaupt verstand was geschehen war zog Eva mich schon mit sich.

Wir flüchteten im Zick Zack tiefer in den Wald. Endlich fanden wir einen dichten Unterschlupf unter dem wir uns verstecken konnten. Mir liefen die Tränen herunter. Annette – das wollte ich nicht. Eva nahm mich in den Arm. „Das war nicht unsere Schuld. Vergiss nicht, wer hier der Schuldige ist. Unsere Freunde und dieses kranke Schwein.“ Ich schluchzte. Sie hatte recht – aber ich fühlte mich dadurch überhaupt nicht besser. Die Dämmerung setzte ein. „Wir müssen uns was zum Warmhalten suchen.“ Ich erzählte ihr von der Kuhle mit den Blättern. Natürlich würde ich diese nie wieder finden – aber hier unter dem Baum waren wir ganz gut aufgehoben. Wir versuchten die Blätter um uns herum zu uns zu ziehen. Dann kuschelten wir uns aneinander um uns zu wärmen und zu trösten. Wir brauchten diese Ruhe – noch hatten wir einen schweren Kampf vor uns. Es dauerte nicht lange und ich schlief ein.

Nicht lange und die Tröte ging los. Ich schrak auf und stieß mir prompt den Kopf an dem Baumstamm über uns. Eva saß schon – ich denke sie war schon einige Zeit wach – irgendwie sah ich den Wahnsinn in ihren Augen. Oder bildete ich mir das ein. Ich war wahrscheinlich einfach nur übersensibel. „Ich glaube die Jagd geht weiter. Die Frage ist nur, wer wird heute Jäger sein und wer die Beute.“ Sagte sie mehr zu sich, als zu mir. Ich sah die Waffe in ihrer Hand. Es war die von Lukas. Und neben ihr lag die von Annette. Sie war also zurückgegangen als ich schlief. Wenn das mal nicht unheimlich war.

Das Megafon krächzte. „Meine Damen. Ich zolle euch wirklich Respekt. Wer hätte gedacht, dass meine neuen Rekruten solch taffe Freundinnen hätten. Vanessa? Ich habe hier jemanden für dich. Maja.“ „Vanessa – Schatz. Ich hoffe du  nimmst mir das nicht übel. Aber Jens ist einfach mein Seelenverwandter. Es ist als würden wir uns schon ewig kennen – aus einem anderen Leben. Du weißt doch am besten wie das ist. Familie geht immer vor. Und das hier ist meine Familie. Jetzt. Du wirst das verstehen. Jeder muss seinen Beitrag leisten und du bist nun mal meine beste und einzige Freundin, wen hätte ich denn sonst mitnehmen sollen. Kannst du das verstehen, meine Süße?“

Ich dachte mich tritt ein Pferd. Dieses Miststück. Ich wollte aufspringen und ihr antworten. Als sich Eva auf mich stürzte und mir den Mund zuhielt. Jetzt war es soweit. Sie war durchgedreht. Jetzt würde sie mich töten, dachte ich. Ich wollte mich wehren, aber diese Frau hatte unmenschliche Kräfte, oder ich war einfach untrainiert. Sie hielt den Finger der anderen Hand an ihre Lippe und zeigte hinter uns – da bewegte sich leise die Büsche. Sie flüsterte mir ins Ohr: „ Das ist ein Trick. Sie wissen nicht wo wir sind und versuchen uns so heraus zu locken. Bleib ruhig. Du wirst schon die Gelegenheit bekommen dich zu rächen. Pst. Warten wir, wer und wie viele hier auf der Suche sind.“ Ich nickte um ihr zu bestätigen, dass ich verstanden hatte. Wir drehten uns in eine bessere Lage und warteten. Es waren zwei. Zwei Frauen. Eva wurde richtig sauer. Ich glaube ich konnte kleine Dampfwolken erkennen, die aus ihren Nasenlöchern kamen. Ich ging davon aus, dass eine der Frauen ihre Begleitung war. Jetzt  musste ich sie bremsen. Mit der Hand machte ich die Bewegung, dass sie wieder runter kam und sich beruhigte.

Sie atmete tief ein und langsam aus. Schloss kurz die Augen und nickte. Wir zogen uns etwas in den Schatten zurück. Die beiden Frauen sahen sich an und machten sich Zeichen, dass sie sich trennen würden. Perfekt. Sie wussten ja nicht, dass die Männer, die sie uns auf den Hals geschickt hatten schon tot waren. Also wussten sie nicht wie weit wir gehen würden. Evas Freundin tat mir jetzt schon leid. Sie würde bestimmt nicht schnell sterben. Ich ließ Eva den Vortritt. Leise schlich sie hinter ihrer Freundin her. Wie ein Panther kam sie mir vor. Dass ein Mensch sich so anpirschen konnte, hatte ich bisher nur in Filmen gesehen. Sie war absolut lautlos und verschmolz mit der Natur. Ich war sprachlos. Fast hätte ich dabei mein Opfer verpasst. Sie war ziemlich plump. Auf keinen Fall ein Profi. Ich wartete bis sie an  mir vorbei war und löste mich aus meinem Versteck. Geduckt lief ich leicht schräg neben ihr. Ich hoffte im toten Winkel zu sein. Schnell rannte ich auf sie zu und tacklete sie. Mit einem dumpfen Plumps und einem keuchenden Ausatmen stürzte sie zu Boden und ich schlug ihr meine Faust ins Gesicht. Dadurch war sie leicht benommen und ich setzte mich Rittlings auf sie. „Wen hast du mitgebracht. Die Ältere, die gleich am Anfang starb?“ Sie nickte. „Wer war das?“ „Meine Tante.“ „Deine Tante – Familie? Was bist du? Ein Monster – hast du überhaupt ein Gewissen. Ich fasse es nicht. Du hast deine Tante abknallen lassen?“ Kurze Zeit war ich durch die Fassungslosigkeit abgelenkt. Das nutzte diese Kreatur unter mir aus und überwältige mich. Ich kullerte von ihr herunter und sie stürzte sich jetzt auf mich. Ich zog meine Beine an und trat ihr in den Bauch. Sie viel rückwärts und ich versuchte aufzustehen. Der Boden war glitschig und ich rutschte weg. Sie stürzte sich auf  meine Beine und ich versuchte von ihr weg zu robben. Meine Beine wollten sie treten, aber sie hielt sich daran fest und ich konnte sie nicht bewegen. Ich strampelte wie wenn ich aus meiner Strumpfhose schlüpfen wollte. Endlich konnte ich ein Bein lösen und trat sofort zu. Und ich traf – ich traf sie an der Schulter. Sie schrie auf und lies mich los. Ich sprang auf und sprintete vorwärts. Ich blickte mich um und sah, dass ich etwas Abstand zwischen und gebracht hatte. Ich umfasste mit einer Hand einen schmalen Baum und nutzte den Schwung um zu wenden. Mit dieser Wende hatte sie nicht gerechnet. Der Schwung, den ich noch drauf hatte, warf sie um und wieder sprang ich auf sie. Im Fallen hatte sie irgendwie ihr Messer ziehen können. Wie machen die Bösen das immer? Ich würde das Messer nicht mal so schnell ziehen können, wenn ich  nicht angegriffen werden würde.

Als ich  mich auf sie warf, sah ich zu spät die Klinge des Messers aufblitzen. Sie hielt das Messer einfach  nach oben und durchstach meinen Oberarm. Vor Schmerz sah ich nur noch Sterne. Was Schmerzen ich hier erlebte – Erst jetzt wusste ich was Schmerzen sind. Ich schrie auf und mit der Hand des unverletzten Arms versetzte ich ihr einen schweren Schlag. Sie fiel und schlug schwer auf. Sie blickte mich erstaunt an als ihr Blick brach. Sie war tot. Ihr Glück – ich hatte nämlich tatsächlich mein Messer in der Hand. Verwundert blickte ich auf das Messer und fragte mich wann ich es denn gezogen hatte. Ich nutze es um das T-Shirt des Miststücks vor mir auf zu schneiden und mir einen Verband für den Oberarm zu machen. Ich blutete stark. Aber es war nicht gefährlich. Sie hatte zum Glück nur den Muskel getroffen. Schmerzhaft, aber ich würde es überleben. Dachte ich mir wenigstens – hoffte ich.

Ich blickte mich um und versuchte Eva ausfindig zu machen. Da – ich hörte Kampfgeräusche. Schnell rannte ich dorthin. Vor mir sah ich ein Schlamm-Catch-Fight. Die beiden Frauen waren recht ebenbürtig in ihrer Kraft. Aber ich konnte erkennen, dass Eva es wesentlich ernster meinte als ihre Gegnerin. Ich wusste nicht, ob sie dachte sie würde auf jeden Fall gewinnen, weil sie besser wäre, oder dass Eva nicht bis zum Äußersten gehen würde. Ich stellte mich an den Rand und kam mir vor wie in einem Ring. In Gedanken schloss ich Wetten  mit mir selbst ab. Und es sah schlecht für die Gegnerin aus. Eva hatte ihre Freundin umfasst und schmiss sie sich gerade über den Rücken um sofort mit ausgefahrenen Ellenbogen mit voller Wucht auf sie zu fallen. Dabei traf sie ihre Freundin am Schlüsselbein. Dieses knackte verdächtig und die Gegnerin schrie gellend auf. Dann war sie ruhig – Bewusstlos? Nein – sie bewegte sich. Sie hielt den unverletzten Arm nach oben. „Eva – bitte – wir sind doch Freundinnen. Was ist denn los mit dir?“ „Freundinnen? Das ich nicht lache. Wir waren doch nie Freundinnen. Denkst du ich weiß nicht, dass du meinen Mann fickst. Habt ihr wirklich gedacht, dass ich das nicht merken würde? War das hier die Möglichkeit mich möglichst qualvoll um die Ecke zu bringen?“ „Du wusstest es also. Warum bist du dann mit  mir mitgefahren?“ „Ich weiß nicht. Ich glaube, ich dachte wirklich du bist eine Freundin. Eine Freundin war mir wichtiger als ein betrügerischer Ehemann. Aber jetzt sehe ich, dass ich instinktiv immer wusste, dass du keine Freundin bist. Du hast Mark schon immer angeschmachtet. Tja. Jetzt wird er sich umgucken. Gehört er auch zu dieser Sekte –hat er dich dazu angestiftet?“ Sie blieb ruhig. Eva griff an ihr gebrochenes Schlüsselbein. „Sag schon. Hat Mark dich angestiftet?“ „Ahhhh – jaaaaahhh. Er ist dabei. Er gehört schon zum inneren Kreis.“ Eva stutze. „Sie blickte zu mir – siehst du, da kann man fünfzehn Jahre mit einem verheiratet sein und ihn doch nicht kennen. Ich nehme mal an, ich weiß jetzt wie er seine Geschäftsreisen verbrachte. Mit dieser Schlampe und Menschenjagd. Tse. Wer hätte das gedacht.“ Ich sah etwas und wollte los stürzen – ich wollte sie stoppen. Aber ich war zu langsam. Sie hatte sich so schnell gedreht und mit einer fließenden Bewegung ihrer Gegenüber die Kehle durchgeschnitten. Das Blut spritzte sie an – sie zuckte nicht mal. Ich schnappte nach Luft – Eva drehte sich um und warf nicht einen Blick zurück. „Komm, wir haben noch was zu erledigen. Oder eher jemanden.“

Ich habe lange überlegt, wie ich das hier abschliesse. Wattpad? Vielleicht. Aber ich denke ich werde die zwei fehlenden Teile direkt in zwei weiteren Posts veröffentlichen, so dass ihr heute abschliessen könnt – oder wann ihr Zeit habt. Es ist nämlich noch bisschen zu lesen.

Fortsetzung folgt HIER

Action, writing friday

[#WritingFriday] Week 13 – eine tödliche Lüge Part 2

Wahnsinn – die Woche ist nur so verflogen – es ist schon wieder Freitag – #Writing Friday. Eigentlich keine Geschichte für den Karfreitag. Also entschuldigt das bitte. Die neuen Themen für den April sind auch draussen. Wieder tolles Material für unsere Fantasie.

  • Du hast gerade deinen ersten Arbeitstag als Assistenzarzt im Krankenhaus. Beschreibe einer Freundin ein besonders verstörendes Erlebnis.
  • Bei einem grossen Familienfest erfährst du, dass deine Grosseltern bereits seit vielen Jahren in einer offenen Beziehung leben. Schreib die Szene auf, die sich nach diesem Geständnis ergibt.
  • Verfasse einen Dankesbrief an den Erfinder von Zahnpasta.
  • Eine Frau verwählt sich und landet bei einem fremden Mann. Unerwartet beenden sie das Gespräch aber mit einer Verabredung. Schreibe das Telefonat dazu auf.
  • Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz; „Damit hatte Lukas nicht gerechnet, als er sah wie…“ beginnt.

 


Wer noch den ersten Teil verpasst hat, kann HIER noch mal nachlesen.

Was bisher geschah

 Eigentlich wollte ich mit meiner Ex-Besten-Freundin Maja in ein Luxusspa. Damit hatte sie mich gelockt. Also packte ich meine Sachen winkte Mann und Sohn und war weg. Aber statt Massage und Hot Stone, bekam ich ein Real-Life Schlammbad und Kugeln. Maja hatte mich verraten für eine Initiation in einer Gruppe, die Jagd auf Menschen macht. Jetzt heisst es ich oder sie. Und ich auf keinen Fall. – hoffe ich.

 

Als ich wach wurde, war es stock dunkel. Jetzt musste ich überlegen was ich machen würde. Wenn ich weiter ginge, bestand die Gefahr, dass ich mich verletze. Aber im Dunkeln konnten  mich die Jäger nicht sehen. Ich dachte mir, dass ich die Frauen eh aus den Augen verloren hatte. Darauf würde ich also jetzt schon keine Rücksicht mehr nehmen. Ich war jetzt schon auf mich gestellt. Egal. Ich würde das überleben. Ich würde meine Familie wieder sehen. Schnell stand ich auf, schüttelte die Blätter von mir runter und lief weiter. Da fiel ein Schuss und traf den Baum neben mir. Wa-as? Die hatten Nachtsichtgeräte? Ich fiel auf die Knie und schlug mich ins Dickicht. Verdammt. Verdammt. Ich musste  versuchen mich zu tarnen. Toll. Was sollte ich machen? Bisschen Geäst in meinen BH und Slip stecken. So ein Mist. Schon wieder fiel ein Schuss und ich hörte einen Schrei. Wieder eine erwischt. NEIN, NEIN, NEIN. So dürfte das nicht enden. Ich dachte an meinen Mann und meinen kleinen Sohn. NEIN. Für sie würde ich überleben. Ich legte mich flach und versuchte wieder zurück in mein Blätterversteck zu kommen. Ich musste bis zum Morgen warten – bis zu Dämmerung. Dann würde ich mir was neues Überlegen. Vielleicht finde ich die anderen noch – mittlerweile waren wir ja wohl nur noch zu dritt.

So lag ich  nun in meinem Versteck und die Zeit verstrich quälend langsam. Der Wald im Dunkeln hatte in meiner Vorstellung schon ausgereicht mir Gänsehaut zu verursachen. Jetzt, wo ich so in meinem Blätterversteck lag und alle Sinne bis zum Bersten angespannt waren, hörte ich die seltsamsten Geräusche. Tiere, die im Dunkeln nach Essen suchten. Ich überlegte, was so im heimischen Wald unterwegs war. Wildschweine, Füchse, Hirsche. Dann die kleinen Tiere. Mäuse, Ratten. Ich hatte wirklich Angst. Nie hätte ich gedacht, dass man in solch einer Situation voll aufnahmefähig wäre. Ich hätte erwartet, dass man sich zu einer Kugel zusammen rollt und einfach abwartet. Aber nein – je mehr Angst ich hatte umso entschlossener wurde ich. Meine Aufmerksamkeit lag bei 150%. Ich nahm alles wahr und mein Gehirn war in ständigen Überlegemodus. Wie konnte ich das überleben. Ich musste auf jeden Fall eine bessere Position finden um mich verteidigen zu können. Ob ich die anderen beiden Frauen finden würde? Wann würde es denn endlich dämmern?

Ich  musste doch eingeschlafen sein. Ein lautes Tröten, das ich von den Fuchsjagden kannte, lies mich auffahren. Schnell kauerte ich wieder in meinem Blätterhaufen. Hoffentlich hatte mich keiner gesehen. Da keine Schusssalve auf mich niederging, hatte ich wohl Glück gehabt. Man war ja schon mit Kleinigkeiten zufrieden. Dann kam eine Durchsage. „Ladys – einen wunderschönen guten Morgen. Ich hoffe ihr habt einigermaßen gut genächtigt?“ Im Hintergrund hörte ich die anderen lachen und ich meinte Majas grelles Gekicher zu erkennen. Eine Welle des Hasses durchlief mich. Mit dir – beste Freundin – werde ich besonders abrechnen. Erneut wurde meine Aufmerksamkeit durch das Megaphon abgelenkt. „Drei von euch leben noch – das ist gar kein schlechter Schnitt. Wir hatten schon kürzer Spaß. Ich muss euch bestimmt nicht erklären, dass es heute weiter geht. Meine Rekruten sind ganz heiß sich ihre Sporen zu verdienen. Deswegen. Auf auf ihr hübschen. Ich lasse euch wieder eine Stunde um richtig wach zu werden und euch zu sammeln. Waidmanns Heil.“

Gut – ich vertraute ihm. War das eine gute Entscheidung. Was sollte ich machen. Ich erhob mich und sprintete schnell tiefer in das Dickicht. Ich blickte an mir herunter – ich war zu auffällig. Jetzt war es hell und keine Nachtsichtgeräte würden mich sehen. Hoffentlich hatten sie keine Wärmebilderkennung, dann bin ich aufgeschmissen. Ein bisschen Hoffnung brauche ich, sonst kann ich liegen bleiben.

 Ich musste mich tarnen. Ich war zu auffällig. Meine weiße Unterwäsche und meine weiße Haut, die stachen sofort überall heraus. Ich blickte mich um und fand eine Sule. Perfekt. Die Wildschweine, der Nacht hatten mir ein schönes Bad eingelassen. Schnell ließ ich mich hineinplumpsen und wälzte mich. Da hatte ich doch meinen Spa – ein schönes Schlammbad. Meine Haut würde es mir danken, wenn ich das überleben würde.

Am liebsten wäre ich einfach liegen geblieben – aber natürlich ging das nicht. Wieviel Zeit war vergangen seit dem Weckruf? Ich ärgerte mich, dass ich die Dämmerung verschlafen hatte – ich war mir ziemlich sicher, dass sie uns beobachteten. Ich musste schnell unterschlüpfen. Rechts von mir wackelte ein Farn. Ich hielt den Atem an, als ich eine Frau heraus stolpern sah. Schnell sprang ich auf und hechtete hinter ihr her. Ich schnappte sie von hinten und hielt ihr den Mund zu. Dann zog ich sie runter. Sie wehrte sich noch nicht mal. Puh – wie soll man denn da gewinnen? Egal. Ich schaff das.

Nachdem ich  mir sicher sein konnte, dass sie mich erkannt hatte und nicht schreien würde, ließ ich ihren Mund los. Ich flüsterte ihr zu: „Weißt du wen es erwischt hat?“ „Die kleine, die von ihrem Freund hergebracht wurde.“ Oh, das war traurig. Also müssten noch die kleine Blonde dabei sein. „Wie ist dein Name?“ „Eva.“ „Gut Eva. Wälz dich schnell hier in dem Schlamm, dann sind wir nicht so auffällig.“ Sie blickte misstrauisch auf die Pfütze, dann auf mich und schon war sie hinein geschlittert. Sie wälzte sich wie ein Fisch auf dem Trockenen. Ich hatte schon Angst, dass das klatschen, dass sie dabei verursachte, unsere Position verraten würde. Als sie fertig war, stand sie auf und eine seltsame Veränderung ging durch sie. Wirkte sie am Anfang ängstlich und unscheinbar, war eine Kämpferin aus dem Schlamm entstiegen. Ihr Blick war fest und sicher und ihre Statur wirkte angriffslustig. Was Tarnung doch ausmachte. Wie ein Kostüm in das man sich warf und dann jemand anderes wurde. Äste knackten hinter mir und wir duckten uns. Es kam mir vor als würde ein Elefant durch das Dickicht brechen. Als die kleine blonde heraus stolperte und mir fast vor die Füße. Sie weinte und hatte keine Kraft mehr. Im Gesicht hatte sie einen hässlichen Kratzer. Da müsste sie wohl zu einem Schönheitschirurgen gehen um ihr hübsches Gesicht wieder herzustellen.

Ich fasste sie an den Schultern und ein kleiner spitzer Schrei entschlüpfte ihr. Sofort hielt ich ihr den Mund zu und rollte sie einfach in die Pfütze. Bevor sie was sagen konnte, war Eva auch da und wir übernahmen das Tarnen für sie. Eine kleine Genugtuung dafür, dass sie am Anfang so hochnäsig war. Ich stand da auch nicht drüber – also verurteilt mich nicht für diese niederen Gedanken.

Als wir dann alle schön ein gematscht waren, winkte ich ihnen zu tiefer ins Dickicht zu rutschen. „Ok. Es gibt nur zwei Optionen. Überleben oder Sterben. Ich hätte nie gedacht, dass die wirklich ernst machen, aber wie die beiden Todesopfer beweisen habe ich mich da wohl gründlich getäuscht. Wir müssen das überleben. Dafür brauchen wir Waffen und Mut.“ Ich blickte zu der kleinen Blonden. „Wie heißt du?“ „Annette“. „Annette, das ist Eva und ich bin Vanessa. Wir sitzen in einem untergehenden Boot und ich will die Löcher stopfen.“ Die beiden sahen mich verwirrt an – gut  mit Metaphern hatte ich es nicht so. „Wir müssen uns wehren. Ich hatte viel Zeit in einem Blätterhaufen um mir bisschen was zu überlegen. Waffen. Wir brauchen Waffen.“ „Wo sollen wir denn Waffen herbekommen?“ Ich drehte mich mit ausgestreckten Armen einmal um mich selbst. „Hier. Der Wald ist voller Waffen. Stöcke, Steine, Müll. Wir werden Kämpferinnen. Denen werden wir es zeigen. Also – schaut euch nach flachen Steinen um und holt euch die Rinde der Bäume in Streifen herunter.“ Keine der beiden zögerten, sie akzeptierten mich als die Anführerin und das lies mich noch ein kleines bisschen über mich herauswachsen.

Ich stutzte – etwas zwickte mich und ich blickte auf meinen BH. Der Bügel. Er musste gebrochen sein und drückte sich jetzt durch den Stoff. Super. Schnell fummelte ich ihn heraus und blickte mir das Folterinstrument an. Perfekt. Würde ich ihn anwenden können? Das wird sich zeigen, dachte ich mir.

Ich musste ihn noch mal brechen um ihn besser halten zu können. Ich hielt ihn wie früher die Autoschlüssel, wenn ich auf dunklen Parkplätzen unterwegs war. In der Faust und die abgebrochene Stelle ragte zwischen Zeige- und Mittelfinger heraus. Konnte man damit jemanden töten? Ich wusste es nicht – aber ich würde es ausprobieren. Schnell zog ich  mir auch noch paar Rindenstreifen vom Baum und warf alles auf den Haufen der anderen. „So – jetzt schnappt euch paar Blätter, Farnwedel und sonstiges. Helft euch gegenseitig. Wir müssen uns beeilen. Die Stunde wird bald rum sein. Habt ihr Bügel-BHs?“ Die kleine Blonde ja – Eva hatte keinen. Ihr gab ich  meinen zweiten und Annette fummelte ihren eigenen heraus. Dann zeigte ich ihnen was ich mit den Streifen vorhatte. Ich wickelte sie mir um die Arme und Beine. Durch viel wickeln und stopfen schafften wir es. Dann schnappte ich mir Blätter und Farnwedel und stopfte sie unter die Streifen. Wir schafften uns eine Tarnung. Als wir fertig waren, nickte ich zufrieden. „Das wird gehen. Aber wir brauchen noch Waffen. Schaut euch nach abgebrochenen Ästen um, die werden wir dann auf einem Stein anspitzen.“ Schnell huschten wir durch den Wald und sammelten die Äste, die uns brauchbar erscheinten. So schnell wie es uns möglich war spitzten wir die Äste an. Das war müßig und sah nicht besonders professionell aus – aber es würde reichen um jemanden zu verletzen.

Da war sie – die Tröte. Die Jagd war eröffnet. Kurz wurden wir hektisch und fast wären wir Kopflos gestartet und in den Wald gerannt. Ich hatte ein Stück hinter uns eine Schneise gesehen, die wohl ein Sturm hinterlassen hatte. Dort waren schon wieder viele Schösslinge in Frauengrösse gewachsen. Ich atmete auf, dass wir drei nicht zu den Größten gehörten. Da konnten wir gut in Deckung gehen. Schnell leitete ich uns dorthin und wir warfen uns erstmal zu Boden und horchten.

Da – schwere Schritte kamen auf uns zu. Ein Mann. Eine Frau wäre mir lieber gewesen. So als Übungsobjekt. Aber wir waren zu dritt. Da würden wir doch einen Mann überwältigen? Ich flüsterte den anderen beiden meinen Plan zu und legte los. Leise fing Annette an zu schluchzen. Ich hörte wie die Schritte verstummten. Er drehte sich und lauschte. Dann drehte er sich in unsere Richtung. Annette saß hinter dem Baum und ließ ihre Schulter herausblitzen. Ich hielt den Atem an und hoffte er würde nicht schießen, sondern sich anschleichen um sie direkt zu töten. Ich lag bereit, neben dem Weg, den er nehmen  musst. Er schlich sich leise an und als er an mir vorbei kam stand ich leise auf und schlug ihm einen Ast in die Kniekehle. Er war zu groß für mich um den Kopf zu treffen. Sofort knickte er ein und ich stürzte mich auf seinen Hals. Umfing ihn von hinten und traute mich nicht weiter. Ich hoffte auf Eva. Auf ihren Kampfgeist, der nach dem Schlammbad aufkam. Aber auch die anderen beiden sahen wie verängstigte Mäuse aus.

Verdammt. Ich werde das Überleben. Er griff nach meinen Händen um sie aufzubiegen. Ich krallte mich mit der einen Hand in seine Haare und mit der anderen stach ich zu. Direkt in den seitlichen Hals. Der BH-Bügel tat sein Werk. So wie er  mich immer pikste, pikste er auch ihn. Ok. Er erstach ihn. Ich hatte tatsächlich die Hauptschlagader getroffen. Er fiel um wie ein Baum und hielt sich die Wunde. Das Blut sprudelte heraus wie aus einer geschüttelten Colaflasche. Wir standen ungläubig daneben und das Adrenalin pumpte durch meine Adern. Dieses Gefühl, war berauschen. Primitiv und ekstatisch. Eva schüttelte mich, und ich kam wieder zu mir. Er war tot. Ich zog den Bügel aus der Wunde. Ein leises glitschiges Geräusch und er lag wieder in meiner Hand. Blutig und mächtig. Die Waffen einer Frau.

Schnell durchsuchte ich ihn. Die Schusswaffe gab ich Eva. Annette und ich fanden noch Messer und Wurfsterne. Ein toller Wühltisch dieser Kerl. Das würde und immens weiter helfen. Richtige Waffen.

Wir drehten uns um und rannten. Dieser Kerl war nicht lautlos gestorben. Es würde bestimmt nicht lange dauern, bis jemand von seinem Team kommen würde.

FORTSETZUNG FOLGT

Action, writing friday

[#WritingFriday] Week 12 – eine tödliche Lüge

Hallo ihr Lieben – es ist schon wieder Freitag – #writing friday – und wir haben wieder etwas aus Elizzy´s Liste ausgewählt.

Dieses mal wird es eine Fortsetzung geben, da ich mich bisschen ausgelassen habe – aber ich liebe solche Storys – man kann immer bisschen was lernen. Also lasst euch entführen….hihihi-harharhar.


 

Natürlich hätte man längst wissen können, dass Maja nicht die Wahrheit sagte:

Mit der Wahrheit hatte sie es schon immer etwas lax genommen. Aber sie war meine beste Freundin – wir waren  immer schon ein Team – Außenseiter, die sich gefunden hatten – ich weil ich immer etwas pummelig war und sie, weil sie einfach schräg war. Dieses Mal hatte sie allerdings den Bock abgeschossen. „Ach komm doch mit – das wird toll. Wir werden super viel Spaß haben – endlich mal wieder wir zwei. Und du hast es wohl mal total verdient dich bisschen zu erholen. Und diese Gruppe, die ich kennen gelernt habe, das sind ganz tolle Leute.“

Luxushotel mit Spa – da brauchte sie mich nicht lange zu überreden. Mein Koffer war schon gepackt, kaum dass ich fertig gedacht hatte. Meine Einkaufsliste im Kopf schon geschrieben. Ach – das würde mal toll werden. Ein paar Tage nur für mich und Maja. Die anderen werden schon ok sein. Ich küsste Mann und Kind und winkte nur noch aus dem Autofenster, während Maja mit quietschenden Reifen los fuhr. Unterwegs sammelte Maja noch paar ihrer seltsamen Gruppengenossen ein. Sie wirkten wirklich sehr gewöhnungsbedürftig. Aber ich war tiefenentspannt, auf das was mich erwarten sollte. Tja – und was mich da erwartete.

Nach einigen Stunden Fahrt, in denen ich mehr geschlafen hatte, als darauf zu achten wohin wir fuhren, kamen wir an. Es war schon düster und ich konnte auch jetzt keinen Orientierungspunkt fest machen – aber warum auch – ich war ja zur Entspannung da. Nicht wahr?

Wir gingen in das wundervolle Hotel und checkten ein. Es sollte noch ein Essen geben. Ach ich war so müde – ich konnte mich kaum noch auf den Beinen halten – aber mein Magen knurrte. Ein kleiner Snack müsste schon passen. Schnell machte ich mich etwas frisch und eilte in die Lobby. Dort ließ ich  mir den Weg in den Speisesaal zeigen. Die anderen waren alle schon da. Sie bemerkten mich erst nicht und ich wurde etwas misstrauisch. Irgendwie wirkte die Situation etwas unrealistisch – aber schließlich war ja Maja da – was sollte da schon schief laufen? Hatte ich das jetzt wirklich gedacht – ja – jetzt weiß ich mehr – es kann tatsächlich vieles schief gehen, wenn man eine verlogene Freundin mit einem neuen Lover hat.

*

Ängstlich blickte ich mich um – wie bin ich nur in diese Situation geraten? Ach ja – Maja – meine ehemalig beste Freundin. Jetzt standen wir auf unterschiedlichen Seiten. Was ein Mann doch mit einer schwachen Frau machen konnte. Aber es war ja nicht nur der neue Mann – die ganze Truppe hatte sie beeinflusst mich anzulügen. Aber ich war nicht alleine – wir waren insgesamt fünf gewesen. Aber ich glaube nur noch ich und eine andere Frau waren noch dabei.

Aber ich will euch  kurz erzählen wo ich überhaupt bin. Ich bin im Wald. Ich wachte heute Morgen im Wald auf. Total orientierungslos mit wahnsinnigen Kopfschmerzen. Meine Zunge fühlte sich an, als hätte ich einen Schwamm im Mund. Das Licht schmerzte in meinen Augen. Ich hatte eigentlich keinen Alkohol getrunken. Also wo kam der Kater her? Ich erinnerte mich, dass mein Wasser eklig geschmeckt hatte. Mir wurde was hineingemischt. Maja? Wer sonst? Ich konnte es nicht glauben. Was ging hier vor?

Ich hörte Schüsse und duckte mich. Dann sah ich hinter anderen Bäumen noch andere Frauen geduckt. Wir waren alle nur in unserer Unterwäsche. Ohne Schuhe. Die anderen waren wohl auch gerade erwacht. Sie blickten genauso orientierungslos, wie ich mich fühlte. Ich winkte ihnen, dass sie zu mir kommen sollten. Wir duckten uns und ich fragte sie, ob sie mehr wüssten als ich. Aber keine wusste wirklich was hier los war.

Dann kam die Durchsage. „Hallo Ladys – willkommen im Camp. Ihr könnt euch geehrt fühlen. Ihr wurdet auserwählt von euren besten Freunden. Es ist so einen Art Initiationsritus für Anwerber. Damit testen wir die Loyalität der Anwerber. Wenn sie ihre besten Freunde opfern, sind sie dabei. Wo dabei fragt ihr euch bestimmt. Wir sind Jäger. Aber das Jagen nach Tieren machte uns irgendwann keinen Spaß mehr. Tiere sind berechenbar. Menschen nicht. Warum Frauen? Frauen sind cleverer. Sie kompensieren fehlende Ausdauer und Kraft mit Tricks und Kniffen. Das ist ein besonderer Kick.

Ja ihr habt richtig geraten. Wir sind auf der Jagd – nach euch. Ihr solltet euch also jetzt bald auf den Weg machen. Und traut keinem. Nur weil ihr jetzt im selben Boot sitzt, wird jede von euch, im äußersten Fall, für sich selbst kämpfen. Ihr seid also auf euch gestellt. Wir geben euch eine Stunde Vorsprung. Eine Sirene wird den Start der Jagd ankündigen. Also Ladys – viel Erfolg. Es gibt wenige, die es geschafft haben. Aber vielleicht ist ja eine von euch dieses Mal die Glückliche. Waidmanns Heil.“

Die Durchsage endete und wir blickten uns verständnislos an. Wir sollten gejagt werden. Wo war ich hier? In einem Hillbilly Film? Ich konnte das nicht ernst nehmen. „Also ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass sie uns töten werden. Ich hab Familie – die wird nach mir suchen. Ich denke, die erlauben sich einen Spaß. Wir müssen nur irgendwie aus diesem Wald heraus kommen und dann wird sich das schon aufklären. Hat eine irgendwelche Erfahrungen darin aus einem Wald heraus zu finden?“ Die Frauen blickten mich an als würde ich eine fremde Sprache sprechen. „Äh – ich glaube nicht, dass eine von uns irgendeinen Kurs in Überlebenstraining gemacht hat. Du?“ Fragte mich eine kleine blonde. Ich war etwas verunsichert. Ich hatte auch keine Ahnung – aber mein Mann hatte unzählige Prepper Videos geschaut – da hatte ich immer was aufgeschnappt. Aber ob mir das helfen würde hier zu überleben? Ich konnte Feuer machen und Wasserfilter basteln. Würde uns das weiterbringen?

Ein Mädchen neben mir fing an zu weinen. „Ich versteh das nicht – mein Freund hat mich hier her gebracht – ich dachte er liebt mich.“ Ich drückte sie – mehr konnte ich nicht für sie tun – wir saßen alle in diesem Boot. Und ich wollte nicht damit untergehen. Sollten wir uns trennen? Ich fragte die Gruppe. „Was meint ihr – sollen wir uns trennen oder als Gruppe zusammen bleiben? Wahrscheinlich finden wir schneller was, wenn wir uns trennen. Was meint ihr? Vielleicht sollten wir uns gerade so weit voneinander entfernen, dass man immer einen von uns sehen kann – diejenige kann dann die Infos an die anderen weiter geben? Wollen wir das so versuchen?“ Unsichere Blicke und dann ein Kopfnicken. „Gut – dann sollten wir uns aufmachen. Ich glaube immer noch nicht, dass sie uns töten – aber sie werden uns ängstigen – vielleicht verletzen – also passt auf. Haltet euch geduckt – und lauft zick-zack. Wir werden hier schon raus kommen – und dann werden wir ihnen zeigen was passiert, wenn sie uns unterschätzen. Auf geht’s meine Damen.“

So sicher wie meine Ansprache war, fühlte ich mich auf keinen Fall. Da ertönte die Sirene. Mein Herz setzte einen Schlag aus – ich war nicht wirklich sicher, dass sie uns nicht töten würden. Ich hoffte auf Maja – ein übler Scherz – aber sie konnte doch nicht so abhängig von einem Typen sein um mich zu opfern?

Wir liefen geduckt los. Ich hörte das Lachen der Jäger. Sie klopften mit Stöcken auf die Bäume. Ich fühlte mich an eine Treibjagd erinnert – ja und wir waren das Vieh.

Wieder hörte ich Schüsse. Ich schaute nach rechts und links zu den Frauen. Sie waren vorsichtig. Ich hatte bisschen Angst um die Kleine, die von ihrem Freund hier her geführt wurde. Sie war ein unsicherer Kandidat. Es fielen Schüsse. Ein Schrei. Ich erstarrte. Ich hatte unrecht – sie würden und töten. Kurz verfiel ich in Panik und musste mich setzen um durchzuatmen und nach zu denken. Wieder schaute ich zu meinen Nachbarinnen – aber ich konnte sie nicht sehen. Da – da wackelte ein Farn. Sie schienen sich gelegt zu haben. Es wird so werden, wie der Mann gesagt hatte – jede würde für sich kämpfen. Wir kannten uns nicht. Ich warf einen Stein nach den beiden und versuchte sie anzutreiben – ich konnte einen großen Busch sehen hinter dem ich mich mit ihnen treffen wollte – sie sollten die anderen informieren – ich wollte sehen wer nicht mehr dabei war.

Wir trafen uns hinter dem Busch – es fehlte eine ältere Frau, die ich nicht wirklich wahrgenommen hatte. Die Frau, die neben ihr ging flüsterte: „Die Ältere ist aufgestanden und da hörte ich den Schuss. Danach hörte ich nur den Schrei und sah sie stürzen. Ich konnte das Lachen der Jäger hören. Es war furchtbar.“ Sie fing an zu weinen. Ich versuchte sie zur Ruhe anzuhalten. „Pst – sie dürfen uns nicht hören. Gut – jetzt wissen wir, sie machen ernst. Das hatte ich wirklich nicht erwartet. Was können wir machen? Eine Idee?“ „Vielleicht sollten wir uns stellen?“ meinte die Kleine von vorhin. „Ne – sie wollen uns töten. Wenn wir uns stellen, werden sie uns entweder gleich töten oder uns zur Jagd treiben. Die wollen ihren Spaß. Nein wir müssen weiter. Auf – wir behalten erstmal unsere Strategie bei.“

Wir teilten uns wieder auf und schlichen weiter durch den Wald. Ich fing an zu frieren – es war kalt und nass und meine Unterwäsche war nicht geeignet für eine Wanderung durch den Wald. Meine Füße fingen an zu bluten. Wieder fiel ein Schuss, aber ich hörte keinen Schrei. Ich schmiss mich auf den Boden und robbte unter einen umgefallenen Baum. Ich wusste nicht weiter. Wie sollten wir hier nur heraus kommen? Die Jäger mussten wenigstens fünf Leute sein. Mit dem Anführer sechs. Vielleicht noch Lakaien? Ich schätzte die Gruppe auf etwa zehn Leute. Wie sollten wir zehn Leute ausschalten? Ich musste weiter. Während ich aus meinem Versteck krabbelte schaute ich mich um, ob ich meine Nachbarinnen noch sehen konnte – aber ich sah keine mehr von ihnen. Langsam wurde es düster – ich musste ein Versteck finden. Ich erinnerte mich an die Videos der Prepper – Blätter würden mich warm halten – ich blickte mich um – da hinten war eine kleine Senke, da lagen viele Blätter – ich konnte mir keinen Unterschlupf bauen – also legte ich mich einfach so hinein und deckte mich mit den Blättern zu. Und ihr könnt mir glauben – ich verschwendete keinen Gedanken an das Krabbelzeug in dem Blätterhaufe. Ich war fix und alle und schlief sofort ein. Da waren Käfer und Asseln mein kleinstes Problem.

 

FORTSETZUNG FOLGT