Drama, Erlebnis

Mach was…mit Drachen, die man steigen lassen kann

Denkt dran – bis zum 29.10 gibt es ein Anthologiebüchlein bei Amazon, bei dem einige Blogger aus WordPress mitgeschrieben haben – ich auch ;-) – Hier könnt ihr es runterladen.

 

So – jetzt aber zur Mitmachaktion – eine kleine süsse Herbstgeschichte.

Die Blätter fallen, der Herbst ist da. Und wenn es windig ist, sieht man immer mal wieder Leute, die einen Drachen steigen lassen. Ich selbst kann mich nicht mehr erinnern, wie das so war – ich glaub ich war nicht wirklich geschickt darin.

Es ist wieder Zeit für das kreative Blogprojekt von Herba und die Pö

Diesen Monat ist das Thema

Mach was…mit Drachen, die man steigen lassen kann

Ich hab eine kleine Geschichte geschrieben.


Es war einmal ein kleiner Drache. Er war schon etwas älter. Da er nicht so schön bunt wie seine Kameraden war, wurde er auch gerne übersehen. Keiner wollte mehr als einen Blick auf ihn verschwenden. Er wurde lächelnd erschaffen. Und obwohl ihm sein kleines Drachenherz so schwer war, lächelte er immer. War er denn wirklich so hässlich, dass ihn nicht ein einziges Kind wollte?

Im Laufe der Jahre staubte er furchtbar ein. Der Staub legte sich auf seine Schnüre, die im Wind eigentlich lustig flattern sollten. Sie hingen schlaff herab. Sein Schwanz war schon verschlissen. So würde er eh nicht abheben können.

Dann, eines Tages, kam ein Mann in den Laden. Er sah sehr traurig aus. Wühlte in seiner Tasche und zählte sein Geld. Langsam ging er durch den Laden und blickte die hübschen Drachen an. Er griff nach jedem einzelnen und schüttelte immer wieder den Kopf.

„Kann ich ihnen helfen?“ Fragte ihn der Ladenbesitzer.

Der Mann blickte ihn schüchtern an.

„Ja, gerne. Ich suche ein Geschenk für meinen Sohn. Wir hatten eine schwere Zeit und ich würde ihn gerne mal wieder lachen sehen. Aber ich habe nicht viel Geld und ihre Drachen sind zwar wunderhübsch – aber leider zu teuer für mich.“

Der Ladenbesitzer nickte verständnisvoll mit dem Kopf. „Warten sie mal. Vielleicht habe ich da was für sie.“ Er verschwand hinter dem Vorhang, den der Laden von dem vorderen Bereich abtrennte.

Der Mann hörte wie Kisten hin und her geschoben wurden. Ein leises ächzen drang an sein Ohr. Er wurde etwas unruhig. Es war ihm unangenehm, dem Ladenbesitzer so viel Mühe zu machen.

Etwas verstaubt trat dieser wieder in den Laden. In der Hand hielt er den traurigen kleinen Drachen, der so verstaubt und mitgenommen aussah. Der Mann sah den kleinen Drachen an. Erst war er skeptisch. Dieser Drachen war wirklich schon sehr mitgenommen. Aber dieses lächelnde Gesicht wirkte so sympathisch. „Ja, den nehme ich. Ich werde ihn bisschen herrichten, dann sieht er aus wie neu. Was bekommen sie dafür?“

„Nichts – wenn ich einen traurigen Jungen damit glücklich machen kann, ist mir das Lohn genug.“ „Ich kann ihnen gar nicht genug danken.“ „Warten sie.“ Sagte der Ladenbesitzer. „Sie können mir doch etwas geben. Kommen sie mit ihrem Sohn am ersten Tag, an dem sie den Drachen steigen lassen wollen vorbei, und nehmen sie mich mit. Es gibt nichts Schöneres für die Ohren eines alten Mannes, als ein Kind Lachen zu hören.“

Sie gaben sich die Hand und der Mann ging glücklich hinaus. Es dauerte noch einige Tage, bis er Zeit hatte, den Drachen zu richten. An einem Abend, als sein Sohn schon schlief, schlich er in die Garage und nahm den Drachen zur Hand. Erst mal wusch er ihn ganz sanft. Der Drachen genoss die Berührung. Er erwachte aus seiner Lethargie und nahm war, dass er nicht mehr in dem staubigen Lager lag. Jemand hatte ihn mitgenommen. Jemand wollte ihn steigen lassen. Er richtete sich auf und schüttelte sich. Der Mann blickte etwas erstaunt und ließ ihn los. Der Drache blieb stehen. Er blinzelte, und wackelte mit seinen Seitenbuscheln. „Was bist du?“ Fragte der Mann. „Ich bin einfach nur glücklich. Weißt du, glücklich sein ist ein bisschen wie Magie. Ich freue mich, dass ich bald die Luft auf meinem Körper spüren werde. Also mach schnell. Mach mich hübsch, dass wir hinaus können.“ Der Mann lachte erstaunt und tat wie gewünscht.

Am nächsten Morgen frühstückte er gemütlich mit seinem Sohn. Zog ihm seine dicke Jacke an, da der Herbstwind stark blies. Dann ging er mit ihm in die Garage und zeigte ihm den Drachen. Er hatte die Schnüre erneuert und ihm ein bisschen Farbe gegönnt. Die Bänder wurden ersetzt. Ein strahlen ging von dem Drachen aus, dem sich der Junge nicht entziehen konnte. Er hüpfte aufgeregt um seinen Vater rum und drückte ihn. Dann setzten sie sich ins Auto und fuhren zu dem Laden. In dieser Zeit hatte der Junge den Drachen auf seinen Schoss. Er streichelte ihn und drückte ihn ganz vorsichtig. Der Drache schmiegte sich an den Jungen und wusste – hier war er richtig. Dafür hatte es sich gelohnt solange missachtet zu werden.

Als er endlich, das erste Mal in seinem Leben, den Wind spürte, war der Drachen glücklich. Das war ein Leben, das eines Drachen würdig war. Er zog an der Schnur und wäre gerne weiter geflogen – aber er wusste, dass er damit einen Jungen traurig machen würde – und das war nicht sein Ziel. Er wollte glücklich sein und Glück verbreiten.

Jedes Mal wenn es windig war ging der Junge mit dem Drachen auf das Feld, um ihn steigen zu lassen. Und dies behielt er auch mit seinen eigenen Kindern aufrecht. Der Drache, von der Magie des Glückes beschenkt, brachte den Kindern so viel Freude. Niemals wieder würde er einstauben.

ENDE

Drama, writing friday

#Writing Friday – der gefallene Alpha

Spannende Themen erwarten uns wieder am #Writing Friday.

Ich finde Wölfe total spannend. Deswegen habe ich mir auch einen kurzen Text dazu einfallen lassen.

Ich hatte schon mal über ein Wolfsrudel geschrieben. Wer mag kann HIER mal reinlesen. Sie ist etwas länger und es wird gekämpft.


Erzähle von einem Wolfsrudel, welcher Wolf wärst du? Was wäre deine Aufgabe im Rudel?

Ich lebe in einem freien Wolfsrudel. Wir haben schon von eingesperrten Wölfen gehört, die in Regionen leben, in denen wir komplett ausgelöscht wurden. Deren Lebensstruktur ist nicht vergleichbar mit der unseren. Wir sind frei. Wir können überall hin. Aber auch bei uns gibt es eine Struktur. Es muss sein, damit wir in einer Einheit leben können.

Ich war ein Alpha. Ein starker Alpha und hatte eine wunderhübsches Alphaweibchen an meiner Seite. Der Rudel bei dem ich jetzt lebe, das meiste sind meine Kinder. Vor etwa zwei Jahren starb meine Seelenverwandte. Das brach mir das Herz. Schließlich bleiben wir ein Lebenlang zusammen. Und diese Situation nutzte einer der Betas aus. Mit ihm war ich schön öfter aneinander geraten. Wir haben oft zur Paarungszeit miteinander gekämpft. Aber er hatte keine Chance. Niemals hätte er mich besiegen können. Er ist nicht der richtige. Er ist nur aus auf seinen Vorteil. Solche Alphas schaffen es nicht.

Aber als Betas sind sie immer gefährlich. Er hat meine Schwäche, meine Trauerphase ausgenutzt und mich gestürzt. Normaler weise landet ein alter Alpha ja bei den Untergeordneten. Aber mich hat es noch schlimmer erwischt. Ich wurde zu einem Omega. Ich wurde der Prügelknabe des Rudels.

Von dem Kampf war ich noch verletzt. Nicht gefährlich. Wir kämpfen nicht bis zum Tod. Wobei ich mir bei meinem Rivalen nicht unbedingt sicher gewesen wäre. Er hasst mich wirklich innig. Ich war geschlagen, deswegen hat mir mein Sturz ans Ende der Reihenfolge auch nichts ausgemacht. Aber ich genese. Und jeder Schlag den ich abbekomme. Jedes Futter, das mir verwehrt wird, lässt mich stärker werden. Noch bin ich ein Omega. Noch bin ich schwach. Aber ich werde wieder stark werden. Solange werde ich meine Rolle hier akzeptieren und die Schmach wegstecken. Sobald ich meine alte Stärke erlangt habe, werde ich dieses Rudel verlassen und ein eigenes gründen.

Es wird ein tolles Rudel werden und ich werde wieder ein tolles Weibchen an meiner Seite wissen. Wir werden friedlich leben. Solange mein altes Rudel mit ihrem neuen Anführer nicht in meine Quere kommt.

ENDE

 

Meine Infos habe ich hier gezogen

https://woelfe.info/rangordnung.html

http://www.wolf-workshop.de/der-wolf/rangordnung-im-rudel.html

Drama, writing friday

Writing Friday – Die Ruhe in dir

Fast hätte ich das vergessen – es ist ja Freitag. Freitag =#Writing Friday.


 

Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter ein: Malkasten, Sonnenblumen, hungrig, Orange, Unglück


Irina saß am Tisch. Die Schulstunde wollte und wollte nicht enden. Dabei war heute Freitag. Freitag war doch immer alles so viel besser. Die Lehrer waren gut gelaunt, die Mitschülerinnen nicht so zickig. Das Wetter war traumhaft. Die Sonne schien und der Himmel war Babyblau. Sie würde heute zu ihrer Großmutter fahren. Das durfte sie einmal im Monat. Ihre Eltern waren ganz froh, etwas Zeit für sich zu haben und Irina auch. Es war so anstrengend den Vorstellungen der Eltern zu entsprechen. Aber heute konnte sie wie sie wollte.

Es klingelte. Schnell schnappte sich Irina ihre Tasche und versuchte ihre Jacke von der Stuhllehne zu befreien. Dabei fiel ihr der Stuhl um. Sie zog und rüttelte an der Jacke, sie löste sich einfach nicht. Dann endlich. Schnell weg.

„Irina.“ Rief der Lehrer. Sie stoppte. „Was soll das denn? Heb gefälligst den Stuhl auf.“ Irina rollte mit den Augen, blickte genervt auf das Hindernis. Warum passierte immer etwas, wenn sie schnell weg wollte? „Na, wird’s bald. Je schneller du das erledigst, desto schneller kannst du gehen.“ Sie stampfte auf ihrem Platz, hob den Stuhl hoch und stampfte Richtung Ausgang. „Herzlichen Dank und ein schönes Wochenende.“ „Ja, ja.“ Maulte sie.

Als sie an der Haltestelle ankam, war der Bus schon weg. „Verflixt, heute geht doch aber auch alles schief.“ Schniefte sie. Was ein Unglück. Der nächste Bus würde erst in dreißig Minuten kommen. In ihrem Kopf hörte sie ihre Großmutter. „Wenn du irgendwo unerwartet warten musst, nutze die Zeit, Dinge zu erledigen, die du nicht magst – wie Hausaufgaben.“

Irina überlegte. Sie kramte in ihrer Schultasche und hangelte die Matheaufgaben heraus. Das war nicht viel und sie hasste sie. Das könnte sie in dreißig Minuten schaffen. In die Aufgaben vertieft bemerkte sie kaum, dass sich ihr Malkasten aus der Tasche befreit hatte. Fast wäre er auf den Boden gefallen, wenn eine ältere Dame sie nicht darauf aufmerksam gemacht hätte. Der Bus kam nicht. Irina verzweifelte. Der vorwitzige Malkasten ließ sich nicht zurück stopfen. Also öffnete sie ihn. Neben ihr hatte sich eine kleine Pfütze gebildet. Sie tunkte den Pinsel ein und fing an zu malen.

Sie liebte es zu malen und war sogar recht gut darin. Tief versank sie in das Gelb der Sonnenblumen, die vor ihren geistigen Augen zu leben erwachten. Sie konnte den Wind hören, der raschelnd durch die Felder wehte. Sie roch die Orange, die sie sich heute Morgen in die Tasche gesteckt hatte. Es roch herrlich. Dabei bemerkte sie, dass sie hungrig war. Der Pinsel bewegte sich weiter und ein Haus erschien. Daneben stand eine alte Frau mit weißen Haaren und winkte ihr. Sie wollte gerade zurück winken, als endlich der Bus erschien. Die ältere Dame blickte das Bild an und meinte: „Das ist ja wunderschön geworden.“ „Ja – das ist meine Großmutter. Dort lebt sie und ich freue mich so sehr heute dort hin zu fahren.“ Die alte Dame nickte. „Ja mein Kind. Wenn es mal nicht so läuft wie man gerne hätte, hilft es immer sich etwas hinzu setzen und in sich zu gehen. Einen Pinsel oder Stift in die Hand nehmen und los malen, oder schreiben. Das hellt die Seele auf. Und du kannst, ohne dich weiter über den Tag zu ärgern, dich auf den Rest freuen.“

Irina dachte nach  und auch heute noch, wenn der Tag ganz so bescheiden ist, und sie nicht weiter weiß, setzt sie sich hin, nimmt ein Blatt, malt oder schreibt. Sie versinkt so tief in ihre Gedanken, dass sie die schlechten dann einfach abstreichen kann, wie unerwünschten Staub.

ENDE

Drama, writing friday

Writing Friday – Schreibe einen Brief an dein 80-jähriges Ich

Writing Friday – ich hab noch Urlaub und trotzdem nicht viel zu Stande gebracht – deswegen mal was Kurzes.

Was würde ich mir schreiben. Was sollte mein 80 jähriges Ich erfahren? Es weiss doch schon alles, oder?

Ich habe einfach nur mal Hallo gesagt.

Schreibe einen Brief an dein 80-jähriges Ich

Hi, es müsste jetzt 2051 sein? Das ist für mich im Moment unvorstellbar. 2038 klingt für mich schon utopisch fern. Da können wir in Rente gehen. Also wir können aufhören zu arbeiten und eine Einheitsrente, oder gar Essensmarken? Erhalten. Du weisst es ja schon.

Im dem Moment in dem ich dir diesen Brief schreibe, sieht es nicht so rosig aus. Du wirst dich vielleicht noch erinnern? Das Land steuert seinem Untergang entgegen.

Die Mainstream Medien berichten nichts mehr aufrichtiges – die alternativen Medien hauen eine Katastrophe nach der anderen raus. Die Mainstream Medien pumpen die Leute mit Müll voll. Brot und Spiele. Wenn die Menschen abgelenkt sind, dann rebellieren sie nicht. Ach, was soll ich dir sagen? Du weißt es ja.

Warum schreibe ich dir eigentlich? Ich hoffe, ich habe alles überlebt. Mein Schatz ist bei mir und wir können endlich glücklich und friedlich leben.

Es stehen einige Krisen und Herausforderungen vor uns. Rina, wenn du das alles überlebt hast, dann hattest du ein gutes Leben, danach. Und das wünsche ich uns. Ein gutes und friedliches Leben. Und wenn du diesen Brief gerade liest, erwarte ich ein Lächeln und einen versonnenen Blick auf deine Vergangenheit.

Es gab harte Zeiten – aber wenn du dies liest, hat es sich gelohnt, die Zähne zusammen zu beißen.

Ich wünsche, dass wir an noch paar gemütliche Abenden mit unserem Schatz, auf unserer Terrasse den Sonnenuntergang genießen können.

Alles Liebe, deine Rina aus 2019

Drama, [abc.etüden]

Etüden 19/20.2019 – Das Rädchen im Getriebe

Ach – endlich mal wieder Etüden. Ich freue mich über jeden Satz, den ich zustande bekomme. Ist zwar bisschen deprimierend geworden – darüber kann ich mich vielleicht beim trüben Himmel heute beschweren.

Die Wörter für die Textwochen 19/20 des Schreibjahres 2019 kommen von Katharina und ihrem Blog Katha kritzelt.

Die Worte bis zum 19.05.19

Katzenauge
kurios
balancieren.


Das Rädchen im Getriebe

Ben fuhr mit seinem Fahrrad die Strasse entlang. Er versuchte auf der weissen Fahrbahnmarkierung zu balancieren. Das war sein neuestes Steckenpferd. Er nahm die Hände vom Lenker, streckte die Arme senkrecht aus, dann bog er seinen Kopf nach hinten. Der volle Fahrtwind traf ihn und er genoss diese unendliche Freiheit. Die Katzenaugen seines Rads blinkten bei jedem auftreffenden Lichtstrahl munter vor sich hin. Sicherheit geht vor, sagte sein Vater immer.

Sicherheit. Das interessierte Ben wenig. Er war jung und das Leben lag vor ihm. Ihn interessierte nur seinen Spass. Fahrrad, Skateboard, Fussball, Fangen. Es war einfach toll. So könnte er ewig weiter machen. Aber sein Vater und seine Mutter drängten ihn immer wieder zurück in seine unbequemen Grenzen. „Du musst einen guten Schulabschluss bekommen um vielleicht studieren zu können und ein besseres Leben zu haben.“ Gab es denn ein besseres Leben als diese Freiheit? Niemals. Ben fand die Einstellung der Erwachsenen einfach nur kurios. Er konnte sich niemals vorstellen wie seine Eltern zu leben. Aber auch er wurde älter und der Druck von außen erhöhte sich. Die Erwartungen der Gesellschaft sich ein Sicherheitsnetz aufzubauen, lähmten ihn. Er verlor immer mehr von sich und seiner Freude.

Er tat was erwartet wurde. Schule, Ausbildung, Heirat und Kinder. Der Kreislauf des Lebens. Nur selten noch blickte der kleine Ben mal hervor. Er piesackte den grossen Ben und zeigte ihm in seinen Erinnerungen was er verloren hatte. Aufgegeben, um so zu sein wie er sein musste. Um ein Rädchen im Getriebe zu sein.

Eine kleine Träne verliess seine Augen, als er seinen Sohn beim Spielen beobachtete. Ganz stolz fuhr er mit seinem kleinen Rad die Auffahrt hoch und runter, ohne zu wissen dass es irgendwann vorbei sein würde. Ohne zu bemerken, dass er auch nur  irgendwann in das Getriebe eingeführt werden würde.

299/300

Drama, writing friday

[#WritingFriday] – Post aus der Vergangenheit

 

Der Alltag hat mich wieder und bremst auch meine Kreativität. Aber ich habe doch noch eine kleine Geschichte für den #writing friday schreiben können.

Heute bekommen wir eine Karte aus der Vergangenheit.

  • Du bist eine zu spät ankommende Weihnachtskarte – berichte über deine Empörung!

„Ach was haben wir denn hier? Schau mal Maria – eine Karte.“ „Na, das wundert mich jetzt nicht – wir haben schliesslich ein altes Posthaus gekauft. Und ich liebe es. Es ist so urig. Da werden wir noch so einige Karten finden können.“

Eine raue Hand griff nach mir. Autsch – ich war schon sehr steif. Wie lange lag ich denn hier schon? Welches Jahr schrieben wir? Ich wusste es nicht. Ich konnte nur sagen – es war eine sehr lange Zeit sehr dunkel und muffig hier um mich herum. Ich erinnerte mich: eine junge Frau an ihrem Sekretär, sie hatte einen ganzen Stapel Karten neben sich liegen. Sie drehte uns hin und her und legte die eine oder andere wieder weg. Dann griff sie nach mir. Sie schaute mich lange an. Strich über meine Oberfläche und nickte. „Ja, du bist genau die richtige Karte für meinen Liebsten. Er ist so weit weg von mir. Soviel Monate sind wir schon getrennt. Ich hoffe, dass er im neuen Jahr endlich zurück kommt. Er wird sich über dich freuen. Du bist wirklich eine hübsche Karte.“ Ich war wirklich eine hübsche Karte.  Mich zierte eine Szene einer Familie. Sie sassen vor einem wunderschön geschmückten Weihnachtsbaum. Die Kinder waren in hübschen Kleidchen gekleidet und hatten Instrumente in der Hand. Die Mutter sass am Klavier und alle sahen so glücklich aus. Im Hintergrund war alles schön weihnachtlich geschmückt. Eine wahre Idylle.

„Zeig mal.“ Maria nahm Josef die Karte aus der Hand. „Oh, die ist wirklich schön. So richtig nostalgisch.“ Sie drehte mich hin und her. „Schau mal, der Stempel 1958.“ „Ach – das ist ja siebzig Jahre her. Lies mal vor.“ „Mein Liebster, so lange sind wir schon voneinander getrennt. Du fehlst mir und ich freue mich so sehr dich im nächsten Jahr wieder in meine Arme schliessen zu können. Unsere Verlobungszeit ist nun lange genug. Komm nach Hause. Ich möchte endlich deine Frau werden und wie in der Front dieser Karte eine tolle Familie mit dir Gründen. Ich liebe und vermisse dich. Deine Valerie“  Maria blickte Josef an. „Oh – meinst du er ist nach Hause gekommen und sie haben geheiratet?“ „Bestimmt. Weißt du was – ich packe die Karte in einen Umschlag und wir schicken sie einfach an die angegebene Adresse. Vielleicht meldet sich ja jemand.“ „Das ist eine schöne Idee. Eine stark verspätete Weihnachtskarte.“

Siebzig Jahre. Wie konnte das denn passieren, wie konnte denn siebzig Jahre an mir vorüber gehen? Was ist denn mit den Postmenschen los. Ist das nicht einfach unerhört. Was, wenn das Paar nicht geheiratet hat, weil ich nie ankam? Oh weh, welch Desaster. Also ich würde mich gerne mal beim Postminister beschweren. Verdammt. Oh entschuldigt, man flucht nicht als Weihnachtskarte. Ach, das ist so eine Tragödie.

Drei Tage später werde ich erneut aufgenommen. Eine sanfte aber schon sehr alte Hand greift nach mir. Ich höre ein Aufstöhnen und ein Schluchzen. „Ach Valerie. Meine liebste Valerie, wie sehr du mir doch fehlst. Diese Erinnerung aus vergangenen Tagen – mein Herz lacht und weint. Du liebe Weihnachtskarte. Du bist mir das liebste, das mir seit langem geschehen ist. Ich habe sie geheiratet und wir hatten soviel schöne Jahre zusammen. Komm mit hinein. Du bekommst einen ganz besonderen Platz“

Uff – das ist ja fast noch mal gut gegangen. Wenigstens werde ich noch freudig angenommen.

Drama, writing friday

Writing Friday 41 – Das letzte Blatt

[#WritingFriday]

ist eine wöchentliche Schreibaktion von Elizzy.

Die Oktoberthemen:

  • Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz „Er sah nach hinten und ihm lief ein kalter Schauer über den Rücken, denn…“ beginnt.
  • Casper der Geist kriegt unerwarteten Besuch, berichte davon.
  • Erzähle ein Märchen über einen Kürbis.
  • Erzähle aus der Sicht eines Vampirs an Halloween.
  • Du bist ein Baum, der gerade all seine Blätter verliert, wie fühlst du dich? 

Ich hab jetzt eine zeitlang ausgesetzt, da ich einfach ein Schreibtief hatte – ich denke da knabbere ich noch bisschen dran – aber heute hatte ich Muse und das hab ich gleich ausgenutzt. Hier mein Baum, der sich beschwert.

  • Du bist ein Baum, der gerade all seine Blätter verliert, wie fühlst du dich? 

 

Oh nein, was ist das denn? Ach verdammt es ist schon wieder so weit. „Hei Birki – wie ist das bei dir, geht es bei dir auch schon wieder los?“ „Was meinst du, Ahorni?“ „Na die Blätter. Verdammt. Da hab ich mir das ganze Jahr so viel Mühe gegeben, dass die Dinger schön grün und glänzend sind – trotz der extremen Hitze habe ich das halten können. Es hat mich so viel Mühe gekostet, das Wasser aus der tiefen Erde zu ziehen um mein Gewandt hübsch zu halten und dann kommt der vermaledeite Herbst und sie verabschieden sich. Fehlt nur noch dass sie sich lustig über mein Bemühen machen. Ach Baum“. „Komm, stell dich nicht so an – das ist doch nicht das erste Jahr in dem du das mitmachst. Wie alt bist du. Fünfzig?“ „Man fragt nicht nach dem Alter – vor allem keinen Baum.“ „Oh, ne – jetzt fängt er schon wieder an?“ Fragte die Trauerweide, etwas weiter. „Schau mich doch an – das ganze Jahr hängen mir die Äste voll Blätter – sie sind so schwer, dass ich die gar nicht anheben kann. Immer schleifen sie am Boden. Das ist echt eklig, sag ich dir. Ich bin froh, wenn ich paar Blätter weniger habe, das entlastet mich.“ „Ach du – deine Blätter sind ja auch so klein und unscheinbar. Aber schau dir doch meine an – sie sind so schön gezackt und einzigartig. Ich will nicht jedes Jahr dasselbe durchmachen. Warum können wir unsere Blätter nicht behalten? Ich vermisse sie jetzt schon. Das Geräusch, das sie machen, wenn der Wind durchfährt. Das Rauschen. Und die Nester der Vögel, die sich in meinen Blättern verstecken können. Sie können hier ihre Jungen aufziehen, ohne dass sie gesehen werden. Das bunte Treiben beim Füttern. Die vielen Insekten, die um mich herumschwirren. Jetzt wird es nur wieder trostlos und kalt. Der eisige Wind zerrt mir die Blätter von den Ästen. Das ist schmerzhaft. Aber er ist unerbittlich und zerrt und zerrt.  Das ist nicht nett.“ „Dafür wurde er auch nicht erschaffen, um nett zu sein. Das ist die Frühlingsbrise, die ist nett – sie weckt uns sanft aus dem Schlaf – aber der Herbststurm – der ist unerbittlich und hart.“ „Genau – er tut mir weh. Und meinen Blättern auch. Ich will sie behalten. Ich will nicht den Rest des Jahres so nackig herumstehen. Alle schauen durch mich durch. Und die Blicke sind so mitleiderregend, weil wir so armselig aussehen. Die nackten Äste erinnern die Menschen nur an die Kälte und sie packen den Schal gleich noch fester um ihr Gesicht. Wenn wir unsere Blätter behalten würden, würden wir sie noch bisschen mit unserem hübschen Anblick erfreuen können.“ „Ach Ahorni, du weißt schon, dass du die Blätter zum Überleben brauchst. Wenn uns der Wind die nicht von den Ästen reißen würde, damit sie an unseren Wurzeln landen, würden wir jämmerlich erfrieren. Da hättest du auch nichts vom hübsch aussehen, wenn du tot wärst, oder? „ Ahorni überlegte. Ja – die Natur hatte sich ja schon was dabei gedacht. Er seufzte tief. „Ja, aber wäre es nicht schön…“ „Halt jetzt die Klappe.“ Schnauzte die Tanne – „wenn du das ganze Jahr grün wärst, wärst du nichts Besonderes. Du würdest, wie ich gefällt werden um dann als Weihnachtsbaum in den stickig warmen Häusern zu landen. Dein Leben wäre dann sofort vorbei. Also sei froh, dass du in jedem Frühjahr, die Chance bekommst dein Kleid wieder hübsch aufzupolieren.“ „Ach Baum.“ Seufzte Ahorni „Ihr habt ja Recht, ich will ruhig sein und den Winter über mich ergehen lassen. Da kann ich mich wenigstens auf den Frühling freuen. Solange male ich mir aus, wie wundervoll ich in meiner vollen Pracht aussehen werde.“ Ein vereintes Stöhnen ging durch den Wald als das letzte Blatt den Ast verlies.

ENDE

 

Drama, Projekt TXT*

Das fünfte Wort – Grenzenlos – Grenzenlose Freiheit.

Was ist das Projekt *.txt?

Schnell erklärt soll das Projekt *.txt der Inspiration dienen. Einmal pro Monat wird ein Wort verkündet, zu dem die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre Texte schreiben. Es gibt keinen Druck, etwas zu schreiben, kein Datum, bis wann die Texte da sein müssen … es soll also in erster Linie Spaß machen!


Meine Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit. Diese kleine Amsel hatte sich in einer Ecke vor unserem Tor gekauert. Ich habe ihn bemerkt, als wir auf den Weg zur Arbeit waren. Es war noch dunkel – erst liess ich ihn draussen – aber ich hatte schon einen Mader auf dem Weg gesehen und wir sind dann noch mal zurück gefahren um ihn in den Hof zu lassen.

Die Geschichte aus der Sicht der kleinen Amsel.


Es ist dunkel, ich bin so alleine und die Angst begleitet mich bei jedem Geräusch. Zu früh war ich.  Zu neugierig, aber noch nicht stark genug, alleine los zu ziehen. Die Angst umgibt mich wie ein Mantel und drückt mich in die Ecke. Würden meine Eltern mich finden? Warum bin ich im Dunkeln los gezogen? Mein erster Ausflug hätte in der Dämmerung sein sollen, aber ich war zu ungeduldig. Hilflos rufend sitze ich in der Ecke – ich bin immer noch alleine. Viele Gefahren lauern hier unten auf mich. Ein kläglicher Ruf nach meinen Eltern. Aber sie kommen nicht. Ruhe. Ich muss ruhig sein, da kommt was. Hier in der Ecke wird mich keiner sehen. Ein Tor öffnet sich. Gerade das Tor in dessen Ecke ich mich kauere. Ein lautes Geräusch. Der Boden vibriert. Ich zittere vor Angst. Ein Monster schiebt sich an mir vorbei. Meine Mutter hat es Auto genannt. Es sieht mich nicht. Ich bin sicher. Nein, da trampelt noch was. Ein Mensch, so nannte mein Vater es immer, mit einer Warnung behafteten Stimme. Menschen sind gefährlich. Ich bleibe ruhig. Es ist ein Weibchen. Sie sieht mich. Bleibt stehen, bückt sich. Schließt die Tür, öffnet die Tür. Sie stellt mir eine mit Wasser gefüllte Schüssel hin. Sie geht zum Auto und die Maschine bewegt sich. Ich atme auf. Ich konnte nicht ruhig bleiben als die Menschenfrau kam. Ich flatterte – aber war zu schwach. Das Auto kommt zurück. Sie steigt aus, öffnet die Tür und schiebt mich weiter. Stellt das Wasser neben mich. Sie gibt Laute von sich, die ich nicht verstehe. „Hier im Hof bist du sicher vor Mader und Katze. Hier können deine Eltern dich finden und dir helfen. Erhol dich ein bisschen.“ Dann ist sie wieder weg. Ich sitze in einem kleinen Beet und rufe meine Eltern. Hoffentlich kommen sie und helfen mir. Wenn ich doch nur gewartet hätte mit dem Fliegen. Eins, zwei Tage noch.

Mein Vater hat mich tatsächlich gefunden. Es wird hell, aber ich habe noch immer nicht genug Kraft hoch genug zu fliegen. Der Boden vibriert wieder. Dieses Auto kommt zurück und zwei Menschen sind dabei. Auch dieses Weibchen, das mir geholfen hat, glaube ich. Sie schaut, aber sieht mich nicht. Dann kann ich wieder nicht ruhig bleiben. Ich will fort. Ich flattere hilflos an ihnen vorbei und bin in ihrem Nest. Sie sind aufgeregt, weil ich da drin bin. Ich will ja nichts Böses, dann weiß ich warum sie so aufgeregt sind. Katzen. Oh je. Aber die beiden Menschen reagieren schnell und ich bin wieder draußen. Ich flüchte unter dieses Auto. Wenige Minuten schaut sie nach mir – sieht mich aber wieder nicht. Aber mein Vater sieht sie – er bläht sich auf und will sie angreifen. Sie zieht sich zurück. Aber dann kommen Hunde. Sie sind zu aufgeregt um mich zu bemerken. Ständig rennen sie um die Menschen herum. Einer findet mich – ich flüchte, und die Frau ruft nach dem Hund. Er lässt mich in Ruhe. Die beiden werden weg geschickt und sie treibt mich wieder in das Beet. Da ist es besser. Ich finde eine Lücke, wo meine Eltern mich sehen, aber keiner an mich heran kommt. Es wird dunkel. Diese Frau kommt schon wieder – ich höre Wasser laufen – die Hunde finden mich – so auch die Frau. Aber ich bin sicher – keiner kommt an mich heran. Dann werde ich nass – es regnet? Igitt. Aber ich habe schon Durst. Weg ist der Regen – ich höre immer noch Wasser – die Frau lässt es regnen. Sie wirft mit Körnern nach mir. Wie unverschämt. Dann ist Ruhe. Die Nacht legt sich auf mich und ich bin so müde. Nur noch wenige Tage, vielleicht morgen schon, dann bin ich stark genug um zu Fliegen. Dann erhebe ich mich stolz in die Lüfte und fliege mit meinen Eltern und Geschwistern in den Himmel. Fern und Frei, dann habe ich das hier alles schnell vergessen. Und am Horizont öffnet sich eine kleine Regenbogenbrücke um den kleinen Vogel zu rufen. Er kann fliegen und fliegt der grenzenlosen Freiheit entgegen.

Abenteuer, Drama, Was wäre wenn...

Was wäre wenn…..du fliegen könntest?

Jeden Freitag möchte uns Sarah eine kreative Schreibaufgabe stellen. Heute bin ich auch endlich mal dazu gekommen was zu schreiben.

Quelle

Was wäre, wenn du Fliegen könntest?

Hier mein Versuch.

Elvira saß am Strand – es war ein bisschen frisch, da es den ganzen Tag geregnet hatte. Aber der Sonnenuntergang entschädigte sie dafür, dass sie leichte Gänsehaut hatte. Die roten Strahlen verwandelten das Wasser vor ihn einen feurigen Lavasee.

Ihr Herz wurde schwer. Wie schön wäre es, wenn sie das mit jemand teilen könnte. Ihre letzte Beziehung war eine Katastrophe gewesen. Er war so besitzergreifend. Sie hatte richtig Angst vor ihm gehabt. Als er dann einmal so wütend war, dass er die Kaffeekanne durch die Küche warf, packte sie ihre Sachen und verließ ihn. Sie brauchte keinen weiteren Warnschuss.

Ihr Blick wanderte über das rot schimmernde Wasser. Was war das? Eine Flasche. Die Menschen waren furchtbar. Immer wieder fand sie mal Abfall am Wasserrand. Sie fluchte und stand mühsam auf. Der nasse Sand hatte ihre Glieder etwas steif werden lassen. Sie fischte die Flasche heraus – eine schöne verschnörkelte Flasche. Das Etikett war von dem Wasser gelöst worden. In der Flasche sah sie eine Papierrolle. Eine Flaschenpost. Sie freute sich. Das war etwas, das man als Kind machte. Sie selbst hatte es auch gemacht, aber ihre Flasche wollte nie so wirklich weg. Enttäuscht hatte sie es damals aufgegeben.

Elvira drehte sich um und blickte zu der Hütte, in der sie zur Zeit wohnte. Auf der Terrasse leuchtete eine einladende Lampe und in ihrem Schaukelstuhl lag eine wärmende Decke. Die Thermoskanne mit heißem Kakao hatte sie auch schon zu Recht gestellt. Schnell huschte sie mit ihrem Schatz in die Wärme des einladenden Lichtes. Mit einem Plumps versank sie in ihrem gemütlichen Schaukelstuhl, schenkte sich einen Kakao ein und stellte die Flasche auf den Tisch vor sich. Mit beiden Händen umfasste sie die warme Tasse. Der Geruch von starker Schokolade umschmeichelte ihre Nase und sie schloss genüsslich die Augen. Ein Schluck und sie spürte wie sich der intensive Geschmack auf ihrer Zunge bis zu ihrem Herzen ausbreitete. Es gab wenig, das eine heiße Tasse Schokolade nicht gerade biegen konnte.

Neugierig betrachtete sie die Flasche auf dem Tisch. Was würde sie finden? Was würde auf dem Zettel stehen? Etwas von einem Kind? Oder eine so alte Nachricht von einem Seemann? Die Flasche sah schon alt aus. Sie konnte nicht  mehr warten. Mit einem Plopp löste sich der Korken aus der Flasche und sie schüttelte das Papierröllchen heraus. Das Papier war schon alt, irgendwo heraus gerissen.

Mit Spannung entrollte sie das Papier und strich es glatt. Die Schrift war etwas ungelenk.

„Hallo.

Hallo, ich freue mich, dass sie meine Flasche heraus gezogen haben. Wir schreiben das Jahr 1901. Mein Name ist Emilia. Ich bin gefangen. Warum? Weil ich eine Frau bin. Mein Vater hat mich in den Turm gesperrt. Ich soll heiraten. Einen alten Mann. Ich bin gerade mal vierzehn. Das ist so, sagt er. Ich bringe ihm nichts und koste nur. Schon die Aussteuer. Und der alte Mann nimmt mich auch ohne Aussteuer. Meine Brüder haben es gut – Männer haben es gut. Ich sitze hier schon – lass mich schauen –zwei Monate. Die Hochzeit soll in einem Monat sein. Ich kann nichts dagegen machen. Ich sitze hier in dem Turm und beobachte die Vögel. Was wäre, wenn ICH fliegen könnte? Ich wäre frei. Frei überall hinzufliegen. Mich meinen Fesseln zu entledigen. Ein neues Leben könnte ich beginnen. Ich könnte fremde Länder bereisen. Ich bräuchte nichts, außer dem Wind unter meinen Flügeln. Frei, frei, frei. Kein Käfig könnte mich halten. Kein Mann könnte mich binden. Keine Pflichten hemmen. Was wäre wenn ich fliegen könnte? Lieber Leser, oder Leserin. Was wäre wenn du fliegen könntest?

Ich danke dir, dass du dir die Zeit zum Lesen meiner Worte genommen hast. Mein Schicksal ist besiegelt. Aber vielleicht kannst du für mich fliegen?“

Emilia.

Elvira zog ihre Brille ab. Sie wischte sich über die Augen. Der Brief war so innig und gefühlvoll. Sie Überlegte – was wäre wenn sie fliegen könnte. Kann sie für Emilia fliegen – kann sie Für sich fliegen?

Sie sollte.

Ende

Drama, Horror, Schreibkicks

Schreibkicks – Monster

Jeden ersten des Monats gibt zuckt es in den Gehirnwendungen und eine Geschichte für Schreibkicks wird ausgespuckt. Jedes Mal wieder erstaunt mich was ich dabei schreibe.

Das Thema für den 1.7.18 ist Monster

Veronika
Eva
Sabi

Das Thema für den 1.8.18 lautet:


Monster

Peggy lag in ihrem Bett.  In ihrem Zimmer war es dunkel. Sie hasste es, wenn es dunkel war. Sie wohnten an einer stark befahrenen Straße. Das war auch der Grund, warum ihre Mutter ihr nie erlaubte draußen zu spielen. „Es ist zu gefährlich. Du brauchst nur zu stolpern und fällst auf die Straße. Dann kommt ein Auto und überfährt dich. Und auf den Ärger habe ich keine Lust.“ Peggy zog sich dann immer mit ihrem Lieblingshasen in ihr Zimmer zurück. Sie hatte keine Freunde. Sie war immer das Bastardkind und keiner wollte mit ihr spielen. Aber es war egal. Sie hatte ihren Hasen.

Vor etwa einer Stunde hatte ihre Mutter die Wohnung verlassen. Und sie hatte vergessen, das Nachtlicht anzumachen. Aber Peggy hatte Angst. Sie wollte nicht aufstehen, um es in die Steckdose zu stecken. Ihre Mutter war oft unaufmerksam. Ihr Vater hatte sie verlassen, als sie noch ein Baby war. Ein Loser sei er, sagte ihre Mutter. Peggy wusste nicht was es bedeutet. Aber ihre Mutter war immer sehr aufgeregt, wenn sie nach ihm fragte. Peggy hatte deswegen aufgehört zu fragen.

Da Peggy keinen Vater hatte, war sie oft alleine zu Hause. Ihre Mutter hatte zwei – manchmal drei Arbeitsstellen. Also sah sie sie nicht so oft. Und wenn, war sie immer müde und genervt. Peggy wusste, dass sie sich dann besser in ihr Zimmer zurückzog. Manchmal, wenn ihre Mutter sehr müde und etwas betrunken war, wurde sie böse. Dann schimpfte sie und schubste Peggy. „Du bist schuld an meiner Situation. Wegen dir konnte ich nie die Uni besuchen und dein verdammter Vater hat sich schön verdrückt und mir dich zurück gelassen. Hätte ich dich doch besser abgetrieben.“ Dabei trank sie immer direkt aus der Weinflasche. Peggy wusste nicht was Abtreibung bedeutete –sie war erst fünf. Aber sie merkte, dass es nichts Gutes bedeutete.

Manchmal kam ihre Mutter mit Freunden nach Hause. Die waren immer laut und sie hatte wirklich Angst vor diesen Männern. Sie wirkten immer bedrohlich. Ihre Mutter schubste sie dann immer unsanft in ihr Zimmer und schloss die Tür ab. Da vergaß sie immer das Nachtlicht. Peggy stürzte sich immer schnell auf ihr Bett, denn sie wusste –unter ihrem Bett lebte ein Monster. Sie hatte es noch nie gesehen, aber oft gespürt. Denn immer wenn es absolut dunkel war, kam es hervor und schnüffelte. Peggy hatte sich immer die Decke über den Kopf gezogen und versuchte nicht zu atmen. Sie konnte natürlich nicht lange die Luft anhalten – dann versuchte sie immer ganz leise zu atmen. Die Lichtkegel der Autos, die an ihrem Haus vorbei fuhren, tauchten das Zimmer immer in eine gruselige Atmosphäre. Alle Gegenstände scheinen sich zu bewegen und zu atmen. Die Puppen hatten glühend rote Augen und teuflisches Grinsen auf den Lippen.

Heute war wieder so eine Nacht. Ihre Mutter war wütend und betrunken aus dem Haus gestürmt und hatte Peggy sich selbst überlassen. Da sie das gewohnt war, war das auch kein Problem. Sie wusste was wichtig war. Sie konnte die Notrufnummer wählen. Den Herd bedienen und den Toaster nutzen. Sie machte richtig gute Käsesandwiches. Wenn sie nachts alleine war, machte sie immer zwei Sandwiches. Sie hoffte mit dem Zweiten, das Monster unter ihrem Bett zu besänftigen.

Heute – zehn Jahre später hatte sich ihre Situation nicht verändert. Sie lebte immer noch bei ihrer Mutter, nur war die Stimmung ihrer Mutter von Jahr zu Jahr, von Falte zu Falte schlimmer geworden. Waren damals die Männer noch gruselig, aber nicht gefährlich, wirkten sie jetzt immer heruntergekommener und lüsterner. Nicht selten musste sie sich schlüpfrige Kommentare von den ekligen Männern anhören. Sie rannte immer schnell in ihr Zimmer und verschloss selbst die Tür. Das Nachtlicht brauchte sie nicht mehr. In den zehn Jahren hatte sie vertrauen in ihr Monster entwickelt. Es war wie ein unsichtbarer Freund. Sie erzählte ihm oft, ohne dass sie es je gesehen hätte, von ihrem Leben, oder was sie erlebt hatte. Von ihren Träumen und Zielen. Ganz besonders schlimme Tage erzählte sie ihm auch – und manchmal meinte sie ein Schluchzen zu hören. Aber nie hatte sie sich getraut im Dunkeln unter ihr Bett zu schauen. Das war fast wie ein geheimer Pakt.

Dann kam der erste Kontakt. Peggy lag in ihrem  Bett. Die Scheinwerfer der Autos zauberten verschiedene Lichter an die Decke. Sie hörte ihre Mutter lachend die Wohnungstür öffnen und Larry im Schlepptau. Larry war schon oft hier gewesen. Er war besonders eklig. Immer meinte er, dass er irgendwann mal Peggy beglücken wollte. Irgendwann. Eine Gänsehaut lief ihren Rücken entlang. Sie drückte ihre Augen zu und flüsterte leise ihrem Freund unter dem Bett zu.

Ihre Tür öffnete sich. Sie hielt die Luft an. Die Tür, sie hatte vergessen sie zu verschließen. Sie zog die Decke über ihren Kopf. So wie sie es als kleines Mädchen schon getan hatte um sich vor dem Monster zu verstecken. Wieder war ein Monster in ihrem Zimmer. Aber dieses Mal nicht unter ihrem Bett. Dieses Monster stank furchtbar nach Schweiß, Zigaretten und Alkohol. Er atmete schwer und sein Atem röchelte. „Peeeeggy! Meine Süße kleiner Kirsche. Es wird Zeit dich zu pflücken. Larry will dir was Schönes zeigen. Komm schon Kleine, zier dich nicht. Du weißt doch um was es geht. Ich will nur bisschen Spaß mit dir haben. Es wird auch nicht wehtun. Naja. Mir jeden Falls nicht. Ich kann natürlich nicht versprechen, dass es dir nicht weh tut.“ Raunte er in den Raum.

Peggy zitterte. Sie hatte es geahnt, irgendwann würde so was passieren. Aber sie hatte gehofft, dass ihre Mutter sie schützen würde. Sie hätte es besser wissen müssen. Die Frau, die sie geboren hatte, die sie immer für ihr verkorkstes Leben verantwortlich gemacht hatte, würde sie nicht schützen. Sie merkte wie Larry seine Hand unter die Decke schob. Er erreichte ihre nackten Beine und schob seine Hand langsam weiter hoch, Richtung Schoss. Peggy versteifte sich und kniff die Augen zu. Seine Hand wanderte weiter. Als er am Ziel ankam, sprang sie aus dem Bett und schrie. Sie schrie so laut, dass ihre Mutter erschien. Sie erfasste die Situation und sagte: „Peggy. Halt die Klappe, die Nachbarn werden sich noch beschweren. Jetzt stell dich nicht so an. Larry ist nicht der schlechteste, den du für dein erstes Mal haben könntest. Außerdem wird er gut dafür bezahlen. Also leg dich hin und lass ihn einfach dran. Es wird Zeit, dass du deine Schulden bei  mir endlich bezahlst. Schließlich bist du selbst schuld an diesem  Zustand. Wärst du nicht, hätte ich ein besseres Leben und du müsstest jetzt nicht dafür zahlen.

Ungläubig schaute sie ihre Mutter an. Natürlich. Für Geld machte ihre Mutter alles. Sogar die Jungfräulichkeit ihrer Tochter verkaufen. „Larry, komm mach schon. Schnapp sie und leg sie aufs Bett. Sie wird schon mitmachen. Sonst hole ich bisschen Wein um sie gefügig zu machen. Dann wird sie auch entspannter sein.“ Larry lachte und Peggy schrie. In dem Moment bebte ihr Zimmer. Sie dachte es wäre ihre Angst, die das Zimmer beben lies. Larry blieb stehen und blickte sich verunsichert zu ihrer Mutter um. „Ein Erdbeben?“  „Was? Hier gibt es kein Erdbeben, das sind der Alkohol und deine Geilheit. Kannst es kaum abwarten eine Jungfrau zu nehmen.“ Schmutzig lachte ihre Mutter. Fast sah es aus, als würden ihre Augen rot leuchten. Jetzt sah Peggy, die wahren Monster in ihrem Leben.

Plötzlich flog ihr Bett auf die Seite. Das erste Mal in ihrem Leben sah sie ihr Monster unter dem Bett. Es war groß und sein Fell war dunkelbraun, fast schwarz. Seine Augen leuchteten und seine Zähne waren spitz und groß. Peggy war gebannt. Sie hatte keine Angst. Sie wusste, dass das Monster nicht ihr was tun würde. Larry robbte zurück und eine Pfütze bildete sich um ihn. Ihre Mutter schrie. Nicht lange.  Das Monster sprang auf sie zu. Es wuchs und  mit einem Happs hatte es ihre Mutter verschluckt. Schlagartig war es ruhig. Langsam drehte es sich um und blickte auf Larry. Dieser wollte gerade anfangen zu schreien, als ihm dasselbe Schicksal ereilte. Schneller als Peggy es erfassen konnte hatte das Monster Larry verschluckt. Es leckte mit der Zunge über die dicken fleischigen Lippen und rülpste herzhaft. Dann stellte er ihr Bett wieder auf seinen Platz und wollte sich gerade wieder drunter verstecken, als Peggy auf ihn zulief um ihn zu umarmen. Das Monster stutze. War er doch nur ein Monster und alle hatten Angst vor ihm. Aber Peggy nicht. Er setzte sich aufs Bett und nahm Peggy auf seinen Schoss. Dann wiegte er sie wie ein kleines Kind bis ihre Tränen versiegten und sie einschlief.

Das Monster unter ihrem Bett hatte sie vor den wahren Monstern gerettet. Seit diesem Tag schlief es nie wieder unter ihrem Bett und Peggy hatte nie wieder  Angst.

Ende