Drama, Schreibkicks

Schreibkicks – Vorfreude auf Sommergenüsse

Schreibkicks. Hier wird von Sabrina immer zum 1. des Monats ein neues Thema bekannt gegeben, dass dann am folgenden 1. des kommenden Monats auf seinem Blog gepostet wird

Das heutige Thema lautet: Vorfreude auf Sommergenüsse

Es ist etwas melancholisch geworden und ich muss zugeben – eine kleine Träne hat sich beim Schreiben in die Augen geschmuggelt.

Teilgenommen haben:

Das neue Thema für den 1.6.18 lautet: Dumme Fee bei Licht


Das Sonnenlicht kitzelte Fee in der Nase. Sie musste herzhaft niesen und lachen. Vorfreude auf Sommergenüsse nannte ihr Großvater es immer, wenn sie eine Eiswaffel in der Hand hielt und sich ein Wettschlecken mit dem schmelzenden Eis lieferte. Sie saß oft schon im Morgengrauen mit ihm am See. Er mit seinem Anglerhut an dem die Köder hingen, sie mit der Box voll Würmer. Dann saßen sie einfach still nebeneinander und genossen den wunderbaren Sonnenaufgang und ihre Nähe. Manchmal tauchte sie ihre Füße ins Wasser und spielte mit den großen Fußzehen an den Steinen. Kleine Fische kamen Neugierig angeschwommen um das von ihr aufgewühlte Wasser nach Nahrung abzusuchen. Dabei passierte es oft, dass sie an ihren Füssen knabberten. Sie jauchzte vor Freude, dass die Fische keine Angst vor ihr hatten. Dieses Glücksgefühl. Die frühen Stunden und Stille, neben ihrem Großvater, dass war es was sie tief und innig vermisste. Je tiefer sie in die Schule eintauchte umso weniger Interesse hatte sie und umso seltener besuchte sie ihren Großvater. Irgendwann nur noch in den Ferien, dann nur noch zu Geburtstagen und Weihnachten. Der Alltag, das Lernen und studieren fraß ihre Zeit und sie selbst. Dass sie unglücklich in diesem Konstrukt war, merkte sie nicht. Es wurde einfach erwartet – sie musste lernen, was aus sich machen, viel Geld verdienen. All das schaffte sie und dabei wurde sie immer unsichtbarer. Keiner sah mehr die Frau, nur noch ihre Leistungen, ihren Namen in der Fachpresse. Sie war eine der besten Neurochirurginnen.

Ein Mal kam ihr Großvater zu Besuch. Seine kleine Anglerin wollte er mal an ihrem Arbeitsplatz besuchen. Sie wirkte so gehetzt – es schmerzte ihn, sie so zu sehen. Sie hatte keine Zeit für ihn und sah nicht die verletzten Blicke, die er ihr zuwarf. Er drückte sie ganz fest. Dann gab er ihr ein Paket, drehte sich um und verließ die Klinik, mit traurigen Schritten ohne sich um zu blicken. Er weinte, er weinte um das kleine Mädchen, das glockenhell lachte wenn Fische an ihren Zehen knabberten.

Er weinte um den Verlust seiner Kleinen und deren Freiheit. Seine kleine Fee. Sie wurde gebrochen und in die passende Schublade gequetscht. Dieser süße, freie Geist war eingesperrt und ging zu Grunde. Er wusste um seine Gesundheit und hoffte, dass sein Tod ihre Wiedergeburt sein würde. Ein Hühnerei Großer Tumor in seinem Gehirn. Ihr Fachgebiet. Aber er war kein Fallbeispiel, er war der Mann, der sie schon immer liebte und immer lieben würde.

Keine drei Monate später bekam sie einen Anruf. Ihre Mutter. Der Kontakt zwischen den beiden Frauen war fast gänzlich eingeschlafen. Ihre Eltern brachte sie immer nur mit Druck, Lernen und weinen in Verbindung. Und wieder brachte sie Fee zum Weinen. Ihr Großvater war gestorben. Sie solle zur Testamentseröffnung kommen. Ihr harter Panzer – schwer angelegt – bekam massive Risse. Sie saß in ihrem Büro. Im Regal lag noch ungeöffnet das Paket, das er mitgebracht hatte. Sie stand auf, holte es, öffnete es und brach weinend zusammen. In dem Paket lag sein Anglerhut. Ihre mühsam aufgebaute und gestylte Fassade konnte nicht mehr aufrecht gehalten werden.

Sie nahm sich unbegrenzt frei. Packte ihre Sachen. Dann fuhr sie mit dem Auto nach Hause. Das Haus ihres Großvaters war immer ihr zu Hause. Das ihrer Eltern nur eine Unterkunft mit Essen. Ihre Familie wieder zu sehen ließ sie kalt. Mit dem Anglerhut in der Hand, den sie nervös knetete und der dabei immer eine leichte Duftnote von ihm entließ, saß sie da. Ihre Familie schnatterte im Hintergrund. Jeder wollte etwas. Als wenn er ein reicher Mann gewesen wäre. Reich im Geiste, aber nicht an Gütern. Er hatte nie viel Reichtum angesammelt. Das war ihm nie wichtig gewesen. Die Natur –das war sein Reichtum. Fee merkte wie etwas in ihr erwachte. Sie hielt sich still und wartete. Sie wusste es: „Meiner Enkelin Fee vermache ich meine kleine Hütte am See. Für ihre Wiedergeburt.“ Ein Raunen ging durch die Anwesenden. Alle atmeten auf – das verfallene muffige Teil wollte keiner haben. Auch Fee atmete auf. Denn sie wollte es unbedingt. Jetzt saß sie im Boot, auf ihrem See mit der Urne vor ihr und dem Hut auf dem Kopf. Neben ihr die Anglerbox. Sie lächelte und war wieder ein Kind. Dann öffnete sie die Urne und entließ ihren Großvater in die Freiheit. Sie lachte. Hier war ihr zu Hause. Hier hatte sie ihre Seele deponiert – in Sicherheit. Jetzt war sie wieder vollkommen. Vollkommen und Frei. Sie trällerte ein Lied, das sie von ihrem Großvater gelernt hatte und erinnerte sich an die Vorfreude auf Sommergenüsse – aus der Vergangenheit und freute sich auf die in der Zukunft.

ENDE

Drama, writing friday

[#WritingFriday] Week 10 – Obdachlose Sicht

Es ist Freitag und das bedeutet #writing friday. Diese Woche geht es mir wieder besser und da nutze ich gleich mal zum Schreiben. Mehr findet ihr bei elizzy91


 

Du lebst als Obdachloser auf der Straße. Beschreibe deinen Blick auf die Menschen, die vorbeigehen


Ich kann es irgendwie nicht glauben. Ich bin schon seit zwanzig Jahren auf der Straße – es ist kein schlechtes Leben – nur die Winter sind echt mies. Früher war das gar nicht so schlimm – aber heut zu tage ist es schwer. Manche U-Bahnstationen sind verschlossen. Und es gibt kaum noch diese Wärmegitter der Kaufhäuser. Das war irgendwie besser in jungen Jahren. Auch ist mir das Laufen leichter gefallen. Jetzt zwickt es überall. Aber am schlimmsten sind die Menschen. Es gibt diejenigen, die mich einfach ignorieren und geekelt ausweichen, dann gibt es diese Weltverbesserer, die unbedingt wollen, dass ich irgendwie aus dem Trott heraus komme – will ich ja nicht – ich habe meinen treuen Hund und wir kommen wirklich gut rum. Man darf sich natürlich nicht zu fein sein im Müll zu wühlen – da solltet ihr mal die Gesichter der gestriegelten Weibchen sehen. IIIIIgitt….Am süßesten sind ja die Kinder – Walter ist ein wahrer Kindermagnet. Während die Eltern versuchen das Richtige zu tun und nicht gleich auszuflippen wenn die Kids zu mir kommen – sind die Kinder total offen. Manche sagen schon sie wollen mal Obdachloser werden. Hahaha. Ich sag dann erstmal musst du was Gescheites lernen, bevor du das hier machen kannst. Wenn du einen guten Job gelernt hast, komm zu mir, dann bringe ich dir den Rest bei. Dabei zwinkere ich immer den Eltern zu, die nicht immer wissen ob sie schmunzeln sollen, oder entsetzt sein sollen. Zu schön. Schlimm sind die Jugendlichen. Sie hängen nur noch an ihren Handys – nicht nur die Jugendlichen – auch die Erwachsenen – junggebliebenen Erwachsenen, die eigentlich nicht ihrem Alter entsprechend sind. Irgendwie breitet sich die Kälte der Winter immer mehr in die Herzen der Menschen aus. Es gibt wenige, die einem noch was geben. Früher ist immer mal einer mit einer Wurst gekommen oder einem Kaffee – jetzt kaum noch. Schade – eine Entwicklung die das kalte Deutschland echt unattraktiv gemacht haben. Aber kein Problem. Ich und paar meiner Kumpels haben schon einen Plan – wir wandern aus. Es gibt doch jetzt so viel Platz im Ausland – sind ja alle hier….haha haha…Leute ich muss weiter – es wird wieder kalt heute und ich brauche einen Schlafplatz – wir sehen uns – vielleicht.

ENDE

Drama, Fantasy, writing friday

#Writing Friday Week 7 – Interview mit dem Cello

#Writing Friday bei Elizzy. Immer noch gibt es viele interessante Schreibaufgaben für diesen Monat.

Hier sind alle Themen

Ich habe mich diesesmal mit einem vernachlässigten Cello unterhalten. Lest das Interview.


Ein vernachlässigtes Cello erzählt.

 

R: Willkommen Freunde der Musik. Viele kennen es noch. Es war mal sehr berühmt und hat in vielen Opernhäusern gespielt. Heute ist es zu Gast bei uns und gibt uns ein Exklusiv –Interview.

Das vernachlässigte Cello – einen großen Applaus bitte.

Hallo Cello, schön dass du da bist. Ich bin schon sehr aufgeregt. Schließlich hast du schon so viel berühmte Bühnen besucht und bist dort aufgetreten. Erzähl uns bisschen was aus deinem Leben.

C:Hallo Rina. Ich freu mich endlich mal wieder an die Luft und auf eine Bühne zu kommen. Selbst im Fernsehen ist es noch besser als in meinem öden Kämmerchen. Nichts für ungut.

R: Schon in Ordnung. Du bist eine Berühmtheit – da ist Fernsehen schon ein kleiner Abstieg. Umso mehr freue ich mich, dass du dich zu uns bemüht hast.

C: Am besten legen wir los. Frag mich was du wissen willst.

R: Gut – erzähl uns doch bisschen was – fangen wir an wie du erbaut wurdest.

C: Wirklich? Das ist eigentlich schon bisschen langweilig. Ich halte es kurz. Ich wurde aus Fichtenholz erbaut. Mein Erbauer war ein Künstler seiner Zunft. Er baute uns nicht nur zusammen – in jede Leimung und in jede Schnitzung legte er etwas von seinem Herz. Man kann es etwas mit einem Quillt nähen vergleichen. Jedes Stück hat eine kleine Geschichte beigesteuert bekommen.

R: Das klingt ja richtig traumhaft. Du bestehst also aus Fichte und viel Liebe.

C: Ja – so kann man das sagen.

R: Erzähl. Wann wurdest du überhaupt erbaut. Darf man das Fragen? Oder seid ihr wie wir Menschen zu eitel was euer Alter angeht?

C: Nein – wie sind nicht eitel. Im Gegenteil. Je älter umso Stolzer sind wir. Ich bin nicht so alt wie das Amati-Cello – aber auch schon Alt. 1865 wurde ich geschaffen. In Italien

R: Nein! So alt schon. Oder wie sagt man es – So reif?

C: Man kann es gezeichnet nennen. Gezeichnet von jeder Hand, die uns geführt hat, von jedem Knie in das wir eingeklemmt waren, von jeder Temperatur, die wir ausgesetzt waren. Wir sind Kunstwerke des Lebens.

R: Wow. Ich bin fast sprachlos. Aber nicht ganz – ich will ja noch mehr wissen.

C: Frag mich

R: 1865 da hast du ganz schön was erlebt. Wer hat dich als erstes gekauft?

C: Das war ein italienischer Adliger. Er hatte eine zu junge Frau geehelicht und wollte ihr die Langeweile etwas vertreiben. Also hat er mich meinem Erbauer abgekauft und ich wurde sehr nobel untergebracht. Diese Frau war sehr hübsch und sehr traurig. Sie war unglücklich verliebt. So viele Stunden hat sie mir ihr Leid geklagt. Sie war in einen Mann verliebt, der ein Weingut hatte – aber das war ihrem Vater nicht höfisch genug. Er wollte Adel in der Familie. So viele Stunden haben ihre Tränen mein Holz berührt und kleine feine Linien hinterlassen. Sie starb sehr jung im Kindbett.

R: Oh wie tragisch.

C: Ja – wir Cellos haben oft so tragische Erlebnisse. Wir sind Musikinstrumente, die die Traurigkeit durch unsere tiefe Stimme so gut zum Ausdruck bringen. Nun – nach einigen Jahren, in denen  mich niemand spielte wurde ich in der Familie weiter gegeben. Die Nichte der Verstorbenen fand Gefallen an mir und ich wurde ihr geschenkt. Ich war übrigens nur in weiblichen Händen.

R: Hört, hört. Nun und wie erging es dir bei der Nichte?

C:Was soll ich sagen. Es war eine andere Zeit. Es gehörte zum guten Ton als junge Dame mindestens ein Instrument zu spielen. Es gab so viel Liederabende – ach das waren noch herrliche Zeiten. Ich hatte also viel Spaß – nach dem sie es denn endlich konnte – davor war es manchmal schon zum Saiten-Reißen.

R: Haha. Ja das kann ich mir vorstellen. Ich hatte mal eine Flöte und war mehr als unbegabt. Erzähl weiter.

C: Ach ich werde das bisschen abkürzen. Das Publikum will bestimmt nicht jede Station in meinen über 200 Jahren hören. Die kleine Nichte wurde grösser, heiratete und das ist dann bei den meisten jungen Damen das Aus für die Musik. Sie lernen es ja hauptsächlich um einen Mann zu finden. Zum Glück gab es damals noch Musizierzimmer. Da konnte ich am Fenster stehen und herausschauen. Manchmal hat eine vorwitzige Bedienstete beim Abstauben sanft meine Saiten zum Klingen gebracht. Ja auch dort gibt es viele Talente. Nur schade, dass sie immer unentdeckt bleiben. Ich verblieb lange in der Familie. Aber die modernen Zeiten machten mich unattraktiv.

R: Was passierte?

C: So etwa 100 Jahre später war die Familie verarmt und keine Nachkommen waren mehr da, die mich spielen wollten. Flower Power und so – wisst ihr ja bestimmt. Da wurde ich verkauft. Oder eingetauscht – das war damals nicht so eindeutig.

R: Okay. Und wo bist du gelandet?

C: In einem schnuckeligen kleinen Theater. Das war okay für mich. Ich war ja jetzt schon sehr betagt und auch nicht mehr so hübsch anzusehen. Da konnte ich das verkraften. Gut meinem Ego hat es erstmal nicht so gefallen. Schließlich war ich mal ein Star in den guten Häusern und auch auf so manch großer Bühne. Aber dieses kleine Theater war so liebenswert. Ich habe mich eigentlich das erste Mal wirklich geschätzt gefühlt. Die Dame, die mich spielte war so sanft – es war wie streicheln. Fast erotisch, wenn ich das mal so keck erwähnen darf ohne rot zu werden.

R: Haha. Das klingt ja schon romantisch.

C: Ja – es war schon ein bisschen romantisch. Ich glaube so gut wie mit ihr habe ich noch nie geklungen. Wir hatten viele schöne Auftritte zusammen und auch privat hat sie mich jeden Tag herausgenommen, gepflegt und gespielt. Ohne dramatisch zu klingen – das war die schönste Zeit in meinem Leben.

R: Das klingt nach einem traurigen ABER:

C: Ja leider. Die gute Dame war schon alt und irgendwann kam sie nicht  mehr. Ich hörte die anderen davon sprechen, dass sie in ein Altersheim gekommen sei. Sie wäre zu schwach um sich selbst zu versorgen. Mir brach fast mein Herz. Ich war im Inventarraum eingesperrt. Keiner erinnerte sich an mich. Ich gerat in Vergessenheit. Das Theater wurde irgendwann geschlossen und verfiel immer mehr.

R: Oh – das ist sehr traurig.

C: Allerdings. Das lastet immer noch auf meinen Saiten und der Bogen erst. Der Arme – ich weiß nicht ob der sich von der Vernachlässigung jemals erholen wird.

R: Was passierte dann. Schließlich bist du heute mein Gast.

C: Es gab einen Verkauf. Das Theater wurde an eine Theatergemeinde verkauft. Sie restaurierten und renovierten alles. Bauten alles zu altem Glanz wieder auf. Ach ich kann dir nicht sagen wie  mein Herz schlug, als ich endlich wieder menschliche Geräusche hörte. Und dann ging die Tür auf. Licht und frische Luft drang ein. Ich war so aufgeregt, dass meine Saiten erklangen. Sie waren stark verstimmt. Es hat sich ja keiner gekümmert und ich – tja ich war sehr deprimiert und konnte nichts dagegen unternehmen. Und dann ging das Licht an. Ach ich konnte es nicht fassen. Freiheit.

R: Du träumst.

C: Was?

R: Cello, du träumst. Leider muss ich dir sagen, dass niemand dieses Theater gekauft  hat und niemand hat dich herausgeholt. Du stehst immer noch vergessen in dieser Kammer mit dem andern Inventar.

C: Was soll das? Ist das ein Scherz. Was ist das für eine Show hier? Was für ein Interview?

R: Das sind deine Träume. Du halluzinierst. Es ist keiner gekommen um dich zu befreien. Das ist alles in deiner Fantasie.

C: WAAAAASSSS? Oh nein. Bitte warum kommt denn niemand und befreit uns?

R: Es tut mir wirklich leid.

C: *trauriges Spiel der Saiten*

Nun gut – ich bin schon alt. Ich habe viel erlebt und hatte schöne Zeiten. Vielleicht findet uns ja doch jemand und vielleicht spielt mich irgendwann auch mal wieder jemand. So lange werde ich einfach hier warten. Mit den anderen Instrumenten. Vielleicht können wir und gegenseitig bisschen aufmuntern? Was meint ihr, Kumpels? Lasst uns bisschen diese traurige Stimmung vertreiben.

Und ganz leise konnte man es hören. Aufmerksame Menschen, die an dem unscheinbaren, verbarrikadierten Theater vorbei liefen meinten leise, traurige Musik zu hören. So manch einer blieb stehen und lauschte – versuchte zu erkunden woher diese herzzerreißende Melodie wohl käme. Aber keiner kam jemals auf die Idee genauer zu hören. Und die Quelle zu suchen.

Ende

 

Drama, Sci.Fi, writing friday

[#WritingFriday] Januar 2018

Wie schon angekündigt – bei elizzi91 startet eine neue Schreiaktion.  #WritingFriday. Ich zitiere hier einfach  mal die Regeln.

  • Jeden Freitag wird veröffentlicht
  • Wählt aus einem der vorgegeben Schreibthemen
  • Schreibt eine Geschichte / ein Gedicht / ein paar Zeilen – egal Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben
  • Vergesst nicht den Hashtag #WritingFriday und den Header zu verwenden
  • Schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch!
  • Habt Spass und versucht voneinander zu lernen

Schreibthemen Januar

  • Erzähle von einem Moment, der den weiteren Verlauf deines Lebens fundamental hätte verändern können.
  • Beschreibe den letzten Traum, an den du dich erinnerst, so detailliert wie möglich.
  • Schreibe einen Brief an dich als 15-jährige/r
  • Überrede einen Veganer, eine Currywurst mit dir zu essen.
  • Dein Begriff von Freiheit.

Der Erste #WritingFriday findet am 5. Januar 2018 statt, bis dahin habt ihr Zeit euch für eines der Themen zu entscheiden und eure Worte dafür zu finden. Egal ob frei erfunden oder die pure Wahrheit, schreibt einfach drauf los!

 

Ich konnte mich lange nicht entscheiden und wählte dann die Freiheit. Während dem Schreiben ist mir dann eingefallen, dass sich dieses Thema hervorragend mit dem Brief an mich als 15-jährige kombinieren lässt – also habe ich mir die schriftstellerische Freiheit genommen ;-)

Hier ist mein erster Beitrag.

 

Mein Begriff von Freiheit und den Brief an  mein 15 jähriges ICH.

Freiheit – ein schönes Wort. Was verbinde ich mit Freiheit? Wahrscheinlich, das was jeder erst mal verbindet, wenn er/sie das Wort hört. Machen was man will. Aber können wir das wirklich – können wir wirklich machen was wir wollen? Wir werden von klein auf in ein Schema gepresst, das uns den Weg leitet. Wenige schaffen es wirklich auszubrechen und sich den Konsum und dem Druck der Gesellschaft und der Erwartungen zu entziehen. Die Glücklichen . Glück ist Freiheit. Bedingungsloses Grundeinkommen ist Freiheit. Die Freiheit selbst entscheiden zu können – ich will arbeiten und nicht ich muss arbeiten.  Arbeiten in einem Beruf, den man sich wünscht und nicht einer, der viel Geld bringt – das ist Freiheit. Kreativität ist Freiheit – aus eigenen Erfahrungen weiss ich, dass Studium, Beruf, Druck einem die Kreativität klaut – sie wird eingesperrt. Es hat zwei Jahre gedauert, bis mein Geist sie wieder frei gelassen hat. Das Gefühl war fast körperlich spürbar – als wäre eine Kette gesprengt worden.

Freiheit – fliegen wie ein Vogel wäre Freiheit. Eine schönes Zu Hause in einer tollen Gemeinschaft wäre Freiheit.  Kinder sich entwickeln lassen wie sie wollen – klar Erziehung muss schon sein – aber nicht brechen. Das wäre Freiheit. Was würde ich meinem 15 jährigem Ich dazu schreiben?

Hallo Marina.

Nun – dreissig Jahre später und ein Blick zurück auf unser Leben kann ich dir berichten, oder raten? Du bist gerade 15. Für dich sind andere Dinge im Moment wichtig. Du bist aus dem  Schatten deiner Freundin hervorgetreten, da ihr verschieden Schulen besucht – du hast deinen ersten Freund und was sonst noch so dazugehört. Du bist immer noch schüchtern, das wirst du immer sein,  aber du wirst irgendwann damit umgehen können. Du bist schon geprägt von den Eltern, Schule, Medien – da kannst du nicht heraus – im Moment. Die Schule ist bald vorüber und du musst einen Job wählen – ich weiss nicht, ob ich dir raten soll was du am besten wählst?. Schwer zu sagen – dein gewählter Weg hat dich zu dem gemacht, was ich jetzt bin. Ich bin mit mir schon zufrieden – Eigentlich möchte ich mich nicht ändern. Meine Umstände – ja – aber nicht mich – wenn Du also einen anderen Weg wählst, wie werde ich dann? Aber vielleicht erfüllt dich dieser Weg?  Darf ich dir überhaupt so viel sagen ohne ein Paradoxon zu verursachen? Details verrate ich dir nicht – ich will dich nicht verunsichern und auf den falschen Weg schicken. Keinen meiner eingeschlagenen Wege bereue ich. Nur einen – Binde dich nicht an einen Ort – binde dich an den Mann. Der Mann macht dich glücklich und akzeptiert absolut.  Der Ort macht euch beide unglücklich.  Öffne deinen Geist, dann wirst Du den richtigen Weg wählen.

Deine zukünftige Marina

 

Mit dabei sind:

 

Drama, Schreibkicks

Schreibkicks – Dezember – Stille Strasse der Einsamkeit

Schreibkicks. Hier wird von Sabine immer zum 1. des Monats ein neues Thema bekannt gegeben, dass dann am folgenden 1. des kommenden Monats auf seinem Blog gepostet wird.

Für den Monat Dezember  war die Vorgabe: Stille Strasse

Mit dabei sind:

Denkt daran: Es wird ein Weihnachtsspezial geben. Das Thema für den 24.12.2017 lautet: Unter dem Weihnachtsbaum 

Für den 1.1.18 lautet das Thema: Neues Jahr, Jahreslauf ….

Einsamkeit. Wann ist man einsam und wann nur alleine? Wie sagt man doch: „Alleine ist nicht unbedingt einsam.“ Martha lief die stille Straße entlang. Sie genoss diese Ruhe. Es war bereits dunkel. Kein Mensch war mehr unterwegs. Vereinzelt sah sie Hundemenschen auf ihrer letzten Runde. Es achtete keiner auf sie. Sie war unsichtbar. Mit der Dunkelheit verschmolzen.

Diese Einsamkeit und Ruhe vermittelte ihr, dass ihr die ganze Welt gehöre. Als wäre sie der letzte Mensch auf Erden.

Wie es wohl wäre ohne Menschen? Würde diese Einsamkeit sie beunruhigen, beruhigen, in Sicherheit wiegen? Würde sie es genießen, immer noch? Sie hasste diesen Lärm, der von Menschen ausging. Reden, Musik, Fernsehen, Verkehr. Wie wäre es wohl ohne diese Beschallung? Würde man sich denken hören? Würde man langsam verrückt werden? Kann der Mensch ohne andere Menschen existieren?

Langsam wanderte Martha weiter, tief in ihren Gedanken versunken. Es würde ein Morgen geben, mit Menschen, Lärm und Ablenkung – Pflichten und Erwartungen.

Aber die Ruhe und Einsamkeit der Dunkelheit auf den stillen Straßen, die würde sie ersehnen und jedes Mal wieder in sich aufnehmen und genießen.

Abenteuer, Drama, Projekt TXT*

Das achte Wort | 2017 – Glücksschmied


Was ist das Projekt *.txt?

Schnell erklärt soll das Projekt *.txt der Inspiration dienen. Einmal pro Monat wird ein Wort verkündet, zu dem die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre Texte schreiben. Es gibt keinen Druck, etwas zu schreiben, kein Datum, bis wann die Texte da sein müssen … es soll also in erster Linie Spaß machen!


 

Mir ist einfach nichts zu Glück eingefallen. Als ich auf dem Weg zur Arbeit war kam mir dann  auf einmal die Eingebung. So mitten auf der Autobahn ist mir was eingefallen. So – wie soll man das notieren? Ich habe also versucht an nichts anderes zu denken um diesen zerbrechlichen Gedanken nicht zu verlieren. Sobald ich konnte bin ich rechts ran gefahren und habe es im Handy notiert. Weiter gefahren und die Gedanken sprudelten. Ach herrjeh – wenn das so weiter gehen würde, käme ich zu spät auf die Arbeit. Auf dem Firmenparkplatz noch schnell den rest eingetippt. Puh – geschafft. Einfacher wäre es gewesen, wenn ich den Rekorder auf dem Handy gefunden hätte. Jetzt weiss ich wo der abgelegt ist – für den nächsten kreativen Schub in unmöglichen Situationen. ;-)


Glücksschmied

Die Tränen liefen die Wange hinab und tropften auf die Oberlippe.  Ich zog die Nase hoch und konnte mich gerade noch zurück halten um sie nicht am Ärmel abzuwischen. Lieber nahm ich das angebotene Taschentuch.  Gekündigt.  „Sehen sie es doch als Glück an, Frau Wanderer. Diese Arbeit war doch sowie so nicht ihr Ding. Büroangestellte – man hat ihnen das schon von weitem angesehen, dass sie diese Tätigkeit verabscheuen. Jetzt werden sie quasi gezwungen sich umzuorientieren und finden vielleicht was Besseres für sich. Ihr Glück vielleicht.“ Ich sah ihn durch den Tränenschleier an und er konnte wirklich froh sein, dass ich die Kiste mit meinen persönlichen Sachen schon in der Hand hatte. Sonst hätte er, statt der Hand meine Faust bekommen.

Er sah mich unbehaglich an. Es musste in meinen verquollenen Augen erkennbar sein, was ich dachte. Ich gehörte wahrlich nicht zu den Frauen, die niedlich aussehen, wenn sie weinen. Nein – keiner kommt dann und wischt mir die Tränen von der Wange und nimmt mich tröstend in den Arm. Ich bekomme hässliche rote Flecken im Gesicht, meine Augen schwellen zu roten Ringen an und meine Nase wird zu den Niagarafällen. Ich bin wirklich nicht süß, wenn ich weine.

Das förderte meist keinen Mitleid meines Gegenüber sondern eher das Bedürfnis sich schnell umzudrehen um das Elend nicht länger betrachten zu müssen. Aber Herr Paulus war ein Profi – er war der Personaler und hatte schon einige Leute heulen sehen, nach dem er ihnen die Kiste für ihre Habseligkeiten überreichte.

Mit verachtenden Blick und der verrotzten Nase schnaubte ich wie ein Stier und verließ das Büro. Ich konnte den Kollegen ansehen, dass sie aufatmeten. Alle waren froh, dass es nicht sie getroffen hatte. Ja – ich war die Letzte die kam und die Erste die gehen musste. So war das halt. Klar hat mir der Job keinen Spaß gemacht – aber das interessiert weder meinen Vermieter noch die Kreditkartenvermittler. Alle wollten sie Geld und das bekam man halt nur wenn man arbeitet.

Ich ging zum Auto.  Natürlich regnete es.  Das Universum verhöhnte mich.  Soll ich euch noch erzählen, dass ganz klassisch der Schlüssel aus der Tasche auf den Boden fiel? Und die Kiste in der meine Sachen waren so durchweicht war, dass der Inhalt gerade auf dem Boden verteilt wurde? Als ich endlich – Tratsch nass im Auto saß – leuchtete noch die Motorkontrollleuchte auf. Ich sah gen Himmel und musste lachen. Da oben meint es wirklich jemand besonders gut mit mir.

Tropfend stand ich vor der Wohnungstür und versuchte sie aufzuschließen Ich trat in den Flur und ließ die Kiste aus dem Büro einfach fallen.  Ich hörte meine Tasse klirrend.  Das war es wohl dann auch für sie.  Ich schleuderte die unbequem Schuhe von den Füssen und zog meine nassen Klamotten im Laufen aus.  Die ließ ich gerade so liegen und schlüpfte im Bad unter die warme Dusche.  In meinen kuscheligen Bademantel gewickelt setzte ich mich in meinen Lieblingsessel.  Das Telefon blinkte.  Ich hörte es ab.  „Hi Maureen. * Räusper*.  Ich muss dir was sagen“.  Er macht Schluss. Am Telefon – Perfekt. Wenn das kein Tag für Depressionen war, welcher dann.

Ich ging an den Kühlschrank um die Eislade zu öffnen.  Da stand nur noch ein halber Eimer drin auf dem sich schon Kristalle gebildet hatten.  Egal.  Der würde jetzt den friedlichen Eistod  sterben.  Mit verheulten Augen, einer Liebesschnulze im DVD Player und dem Eisbecher saß ich finster auf der Couch.

Ich war ganz alleine. Meine Eltern waren gestorben, als ich gerade 19 war. Ich hatte keine Geschwister und auch sonst keine Angehörigen. Es war also tatsächlich Zeit  das Leben, das ich gerade führte zu überdenken.

Was jetzt.  Jetzt wurde ich das Glück am Schopfe greifen.  Eine neue Zukunft. Ich hätte die Chance endlich was zu finden das mich erfüllen könnte.  Nie wieder einen Job der mich nicht glücklich machen würde.  Für irgendwelche Idioten arbeiten. Vor allem keinen Null-Acht-Fünfzehn Typen nur um nicht alleine zu sein. .  Nein ich war mehr wert.  Das Glück sollte jetzt endlich mal bei mir anklopfen. Ich würde es auf jeden Fall mit offenen Armen empfangen.

Jetzt war ich dran – ich musste meines Glückes Schmied sein.

Entspannt löffelte ich das kristallisierte Eis und lachte über die romantische Komödie. Ein Silberstreif am Horizont hatte sich gezeigt. Ich würde ihm folgen, bis ich am Ziel ankam. Wo und was auch immer es sein würde.

ENDE

Drama, Schreibkicks

Schreibkicks – September – Sommerausklang

Schreibkicks. Hier wird von Sabine immer zum 1. des Monats ein neues Thema bekannt gegeben, dass dann am folgenden 1. des kommenden Monats auf seinem Blog gepostet wird.

Das Thema für den 01.09.2017 lautet: Sommerausklang

Mit dabei waren diesesmal

Vro

Eva

Sabi

Corly

Das Thema für den 1.10.2017 lautet: Herbstfarben


Anne lag im Gras. Es war noch leicht feucht vom morgendlichen Tau. Sie kaute auf einem Weizenstängel herum und dachte an diesen Sommer zurück. Irgendwie war alles anders. Sie war nicht mehr so unbedarft wie früher. Sie freute sich, wie jedes Jahr auf das Zeltlager. Zwei Wochen ohne Eltern. Die Betreuer waren cool. Selbst ja kaum älter als sie. Da wurden Abenteuer erlebt, Wälder erkundet, Schätze gesucht und durch Matsch gerobbt. Aber dieses Jahr war es ganz anders. Ihre Freundinnen aus den letzten Jahren hatten nur noch Frisuren, Make up, Klamotten und Jungs im Kopf. So sah auch das Innere ihrer Koffer aus. Da war nichts mehr, das schmutzig werden und kaputt gehen durfte. Das ständige Getuschel und Gekicher nervte Anne. Sie hoffte auf die Jungs. Mit denen konnte man immer Spaß haben. Siespielte eh viel lieber mit denen. Da wurde gerauft und geboxt. Fünf Minuten später war dann alles wieder vergessen und man lachte wieder zusammen. Aber selbst die hatten sich verändert. Es schien, dass mit den ersten Härchen im Gesicht auf einmal alle Spiele albern waren. Nicht männlich. Sie waren doch keine kleinen Jungs mehr. Sie waren jetzt Männer. Und diese „Männer“ scharrten sich um die Mädchen, wie die Motten ums Licht. Sie seufzte tief. Das letzte Jahr des Zeltlagers. Anscheinend war dieser Sommerausklang auch der Ausklang der Kindheit.

Anne lag im Gras. Es war feucht vom morgendlichen Tau. Sie erinnerte sich an den Sommerausklang vor so vielen Jahren im Zeltlager. Sie erinnerte sich an das Gefühl des Verlustes einer schönen, arglosen Zeit. Dann drehte sie den Kopf und blickte in die Augen ihres Seelenverwandten. Vor so vielen Jahren trafen sie sich auf demselben Baum. Dann unter demselben Baum. . Sie ritzen ihre Initialen hinein

Aus Kindern wurden Erwachsene. Aber noch immer tobten sie um diesen Baum herum. Sie heirateten unter diesem Baum. Immer wieder kamen sie hier her um sich in das feuchte Gras zu legen und auf den Weizenstengeln zu kauen.

Die Kinder kamen. Und Enkelkinder wurden geboren. Die Tradition sich zum Sommerausklang mit der gesamten Familie zu treffen hielten sie alle ein. Egal wie weit sie weg gezogen waren.

Das Gras war leicht feucht vom morgendlichen Tau. Sie waren alle da. Es war Tradition. Alle hatten einen Weizenstängel in der Hand und erinnerten sich an Anne und ihre Geschichten der vielen Sommer. Dies war ihr letzter. Aber die Familie würde immer in allen Herzen bestehen. Und noch Generationen später rief der Baum zum Sommerausklang.

 

ENDE

Drama, Romantik, Story Samstag

[Story-Samstag] Mutter – Gedanken einer Mutter

Der Story-Samstag hat nur zwei einfache Regeln: Tante Tex gibt ein kleines Thema vor. Und wir haben die Möglichkeit ganz kreativ darauf mit einem geschriebenen Beitrag – egal ob als Gedicht, Abhandlung, Erzählung, Witz oder sonstiger literarischer Art – zu reagieren. Man hat immer zwei Wochen Zeit um seiner Kreativität freien Lauf zu lassen…

storysamstag

Der Muttertag lag endlich hinter uns. Ich liebte meine kleinen Würmer, aber dieser spezielle Tag, der für uns gedacht ist, bedeutete im Endeffekt meist mehr Arbeit als jeder andere. Ich werde mit Frühstück überrascht, in dem noch die Eierschalen in den Eiern schwimmen, der Kaffee mehr Wasser als Kaffee ist und die Pancakes eher auf dem Küchenboden als  auf dem Teller verteilt sind. Meine kleine ist so süss. Sie ist vor dem Muttertag immer so aufgedreht. Da wird Glitzer und Glimmer aus der Bastelkiste geholt und im ganzen Zimmer verteilt um mir eine hübsche Karte zu basteln. Am besten packe ich sie dann aus, denn das meiste davon ist auf ihr und ihren Haaren. Das bleibt dort bis zum nächsten Fasching. Aber sie beim Basteln zu beobachten ist mehr wert, als ihre süsse Karte. Sie sitzt auf dem Boden und die kleine rosa Zungenspitze arbeitet sich einen Weg durch die Lippen. Dies Konzentration – da könnte ich sie einfach schnappen. Ganz anders ihr Bruder. Der Stammhalter. Er ist jetzt schon aus dem Alter um sich bei seiner Mutter Liebkind zu machen. Mütter sind jetzt peinlich. Aber ich bin gerne peinlich. Wie oft schon, hat er mich geärgert und ich habe ihn dann am nächsten Tag im Schlafanzug und Lockenwickler in die Schule gefahren. Nicht  genug mich durchs Fenster zu sehen. Nein, nein. Ich steige natürlich aus um ihn noch einen Kuss auf die Wange zu drücken. Natürlich mit rot geschminkten Lippen. Strafe muss sein. Er ist gerade in der Phase die selbstgemachten Gutscheine zu entwerfen. Ein Kuss, Geschirr weg räumen, Staubsaugen, Aufräumen, ohne Murren schlafen gehen. Er denkt jedes Mal ich würde sie nie nutzen. Ha – und ob ich das mache.  Ich liebe die Zeit vor dem Muttertag am meisten. Denn ich sehe, wie sich meine Familie Gedanken macht um mir einen schönen Tag zu bereiten. Ich liebe das.

Den Muttertag hasse ich. Denn nichts gelingt, und ich muss nett und lieb sein. Ich muss die verunglückten Karten an den Kühlschrank heften und hoch loben, dabei denke ich nur an den im ganzen Haus verteilten Glimmer und Kleber. Die Gutscheine lächelnd entgegen nehmen, obwohl ich weiss, dass  sie halbherzig sind und mir meine Rache dazu schon überlegen. Mein Mann – er gibt sich Mühe, das meiste wieder auszubügeln. Nun – die Mühe zählt. Das ungeniessbare Frühstück muss ich loben und essen. Dann aufstehen, mich zu Recht machen um dann die Küche aufzuräumen. Aber die Freude in den Augen der Kinder, wenn ihre Geschenke  angeblich ankommen. Unbezahlbar. Dafür liebe ich den Muttertag.

Vielen Dank an meine Mutter, all dies ertragen zu haben.

Drama, Projekt TXT*

Das dritte Wort | 2017 – Fernweh – die Reise allein

Es ist wieder soweit! Das dritte Wort für 2017 steht in den Startlöchern und möchte verwendet werden! Wir sehnen uns schon so nach Sonne, nach etwas Wärme, die auf der Haut kitzelt, ferne Länder die entdeckt werden wollen, Geschichten, die das Leben schreibt, Geschichten aus 1001 Nacht, aus dem Morgen- und Abendland. Zauberhafte Geschichten, Geschichten voller Magie, Geschichten, dass einem Hören und Sehen vergeht und einen staunend zurücklässt. Unser neues Wort lautet daher: #Fernweh! Auja! Weg von hier und ab ins (literarische) Abenteuer:

Mehr dazu findet Ihr bei Dominik Leitner und Katharina Peham

fernweh

Fernweh

Es war sonderbar – das hat er sich eigentlich alles bisschen anders vorgestellt. Das Leben geniessen, das war sein Plan. Endlich den Alltag, Alltag sein lassen. Freiheit und Sonne und Meer und Wegfahren. Seine Frau schnappen und endlich dem Fernweh nachgeben. Er war frei, sie war frei. Jetzt sollte es soweit sein. Aber wie soll es anders sein. Warum sollte es jetzt anders sein, als zu der Zeit, als er noch nicht frei war?

Sein Fernweh. Oh weh. Sein Fernweh dem würde er doch nicht nachgeben können. Das Schicksal ist eine Bitch – sagt man das nicht heute so. Ja  – so ist es. Gefangen genommen wurde er. Er konnte sich nicht mehr befreien. Die Fesseln sassen so fest. Wie sollte er denn jetzt mit seiner Frau das Leben geniessen. Sie wollte endlich ohne Hürden und Barrieren mit ihm Leben. Jetzt ist das Leben die Hürde und er die Barriere.

Er ist gefesselt. Gefesselt. Er kann sich nicht befreien. Was ist mit seiner Fernweh? Er will weg. Aber es wird nicht mit ihr sein. Denn sie ist frei. Sie wird es schon schaffen. Sie ist stark. Sie ist mein Anker und mein Augenstern. Aber sie kann mir nicht mehr helfen. Sie kann mich nicht befreien. Wie soll sie mich von mir befreien?

Ich bin gefesselt. Ich kann nicht Atmen. Ich will weg. Die Fernweh plagt mich. Nur wohin ich reise, da reise ich alleine hin.

Es wird warm und friedlich sein. Meine Frau wird willkommen sein, aber noch lange nicht. Ich werde alles vorbereiten für uns. Wenn sie zu mir kommt dann werden wir endlich frei sein. Ich folge meiner Fernweh. Es ist leicht. Ich folge dem Licht. Es ist schön warm dort. Nie wieder werde ich frieren.  Nie wieder Schmerzen haben. Nur Freude und bisschen Sehnsucht nach meiner Liebe. Aber die Fernweh – mein Schatz trennt uns und führt mich weg von dir. Aber nicht für immer.

loving-1207568_640Für meinen Schwiegervater kreuz-4 03.03.17