Horror, Mystery, Telling Pictures

Telling Pictures – Die Maske der Freiheit

 

Bei Caymons Telling Pictures gab es wieder tolle Bilder, die zum Schreiben einluden.

Lange habe ich überlegt und mir Gedanken gemacht…schaut was draus geworden ist….

Ausgewählt habe ich dieses Bild.

 

Telling Pictures – Masken

Es war dunkel und feucht. Kurz vorher hatte es geregnet, dadurch hatte sich die Luftfeuchtigkeit auf gefühlte hundert Prozent erhöht. Amanda hatte ihre schwarzen Haare zu einem Zopf zusammen gebunden. Die wenigen Haarsträhnen, die sich nicht einfangen lassen wollten hatten kleine Locken gebildet und umrahmten ihr schmales, fast hageres Gesicht.

Sie stand im Hintergrund und beobachtete die Menschen, die an ihr vorbei huschten. Sie hatten ihre Kragen gegen die Feuchtigkeit hochgestellt. Keiner achtete auf den anderen. Die Neonbeleuchtungen der Läden warfen unheimliche Schatten auf den Boden.

Amanda löste sich von dem stillen Hin- und Her der Menschen und ging weiter auf ihrem Weg. Sie kam an einer Kirche vorbei. Das Kreuz warf seinen Umriss auf den Boden. Erschrocken wich sie zurück. Das wäre schmerzhaft geworden. Sie lief um das Hindernis herum. Ein kleiner sehnsuchtsvoller Blick zurück, dann ging sie weiter. Das war eine andere Zeit. Eine verlogene Zeit. Sicherheit gab es nicht. Nicht für sie.

Sie straffte sich und trat energischer ihren Weg an. Es musste noch einiges erledigt werden. Die Uhr tickte. Ihr Gesicht zuckte. Sie griff erschrocken an ihre Stirn. Es wurde Zeit. Sie musste sich beeilen. Um Mitternacht musste es erledigt sein. Sonst würde sie ihr Gesicht verlieren. Schnell, sie hatte sich zu sehr von den Menschen ablenken lassen. Sie waren nur ein Nichts – das einzige, das sie von ihnen brauchte, war eine Emotion, gefangen in ihrem Gesicht der letzten Minuten ihres Lebens. Ja, mehr brauchte sie nicht von ihnen.

Sie fing an zu rennen. Sie musste sich beeilen. Der Zeiger der Uhr bewegte sich unermüdlich der finalen Stunde entgegen. Da war es. Ihr Jagdgebiet. Eine heruntergekommene Bar. Wenn, dann würde sie hier Emotionen finden. Sie ging hinein. Keiner beachtete sie. Ihr Gesicht war so unbedeutend, dass kein Blick hängen blieb. Im Gegenteil, sie wurde sofort vergessen. So stand Amanda und beobachtete. Die meisten Emotionen hatte sie schon. Sie brauchte eine besondere – ihre Wand war fast voll. Es fehlte nur noch eine Emotion. Die schwierigste, die zu finden kaum noch möglich war. Unschuld. Wahre Unschuld. War das hier wirklich der richtige Ort? Hier wo jeder nur sein Vergnügen und sein Vergessen suchte?

Die Tür öffnete sich. Ein Mädchen trat ein. Ihre Augen waren Unterteller groß aufgerissen. Sie hatte schreckliche Angst. Was suchte sie hier? Sie zögerte aber trat ein. Unschuld gepaart mit Mut. Amanda wurde unruhig. Das war die perfekte Emotion. Reiner konnte es nicht sein. Bevor sich die Meute auf das hübsche blonde Mädchen stürzen konnte, trat Amanda vor und versperrte den anderen den Blick auf sie. Sie würden sie mit ihren Gelüsten nur beschmutzen. Das sollte nicht passieren.

„Was willst du hier?“

„Ich suche meinen Vater. Meine Mutter hat mich geschickt. Ich soll ihn holen.“ Ihre Mutter. Sie wusste sofort, was diese Mutter vorhatte. Sie wollte ihre kleine unschuldige Seele verkaufen. Das roch sie fast. Sie nahm das Mädchen am Arm und führte sie hinaus. Weg von dem Laster, in ihre Falle.

„Ich bin Amanda, wie heißt du?“

„Viktoria.“ Ach nein. Siegesgöttin. War Viktoria ihr Schicksal? Würde sie ihre Freiheit, oder ihr Untergang bedeuten?

Die beiden Frauen liefen eine Zeit lang schweigend nebeneinander her.

„Was willst du von mir?“ Fragte Viktoria zögerlich.

„Mein Kind, du bist in einer furchtbare Welt geboren. Keiner will je was Gutes von einem. Auch ich nicht.“

Viktoria lief nickend neben ihr her. In ihr Schicksal ergeben. Sie wusste es. Wieder gingen sie an der Kirche vorbei. Der Schatten des Kreuzes hatte sich nicht bewegt. Ein Mahnmal. Amanda umrundete es. Viktoria blieb stehen und bekreuzigte sich. Machte einen Knicks und folgte Amanda weiter. Warum war sie so fügsam. Kein Zetern, kein Jammern.

Sie waren bei Amanda angekommen. Leise öffnete sich die Tür. Es war warm und wider Erwarten einladend.

„Komm mein Kind. Es wird Zeit. Leg dich auf den Tisch. Es wird nicht wehtun. Ich verspreche es dir.“ Ein Blick auf die Uhr zeigte Amanda, dass die letzten Minuten gestartet hatten. Jetzt oder sie wäre verloren.

Viktoria legte sich auf den Tisch. Sie zeigte keinerlei Angst.

„Warum hast du keine Angst?“

„Warum sollte ich? Ich weiß um meine Bestimmung. Das weiß ich schon seit dem Tag meiner Geburt. Ich weiß, dass ich geboren wurde um eine gequälte Seele zu befreien. Um jemanden zu befreien, der eine falsche Abzweigung im Leben genommen hat  und nun endlich befreit werden soll.“ Sie nahm Amandas Hand in die ihre. Ein warmes Gefühl durchströmte sie. Wann war ihr das letzte Mal warm gewesen? Ihr Leben wurde bestimmt von Kälte und Angst.

Sie schüttelte die Hand des Mädchens ab. Ging hinter den Vorhang und kam mit einer Karaffe zurück.

„Hier, trink. Dann wirst du nichts spüren.“ Viktoria führte die Karaffe an ihre Lippen und trank sie aus. Auf ihren perfekten Lippen waren noch vereinzelte Tropfen verblieben. Ein Verlangen sie von ihren Lippen zu lecken überkam Amanda. Von diesen Unschuldigen Lippen.

Viktoria schloss die Augen. Ein stilles Gebet in den Raum entlassend, schlief sie ein.

Amanda stand über ihr. Sie ließ den Daumen über die Lippen gleiten und leckte den verbliebenen Saft ab. Es war berauschend. Sie konnte die Unschuld schmecken. Die schönste der Tugenden. Dann begann sie mit ihrer blutigen Arbeit. Die Büste stand schon bereit. Kaum hatte sie die Unschuld abgetragen und auf die Büste gelegt, bildete sich eine wunderschöne Maske. Ein magisches Schillern umgab sie. Und mit dem Bilden der Maske verließ Viktoria das Leben.

Amanda meinte in der Ecke das Mädchen lächelnd stehen sehen. Sie winkte und verließ den Raum. Schnell ging sie an ihre Wand. Dort hingen schon so viel verschiedene Masken mit verschiedenen Emotionen. Aber die Königin und der Schlüssel zu ihrer Freiheit kam jetzt. Mit dem letzten Glockenschlag war die Frist abgelaufen. Die Maske hing an ihrem Platz und Amanda sank zu Boden.

Sie war frei. Sie hatte endlich Frieden gefunden. Ihre Seele, die sie damals leichtfertig für ein bisschen Wohlstand, verkauft hatte, war endlich erlöst. Ihr Schatten stand vor der Wand. Ein letzter Blick auf die Masken, die vielen Emotionen, die sie gesammelt hatte, dann sie drehte sich um. Der Geist von Amanda verließ ihre persönliche Hölle. Sie trat hinaus und spürte wie sich eine kleine Hand in die ihre schob. Viktoria hatte auf sie gewartet.

„Das ist deine Chance. Du bist frei. Jetzt kannst du Buse tun. Du wirst die Chance haben deine Verfehlungen zu berichtigen. Eine einmalige Chance. Sie wird selten vergeben. Nutze sie weise.“

„Ich danke dir. Ich danke dir von ganzem Herzen.“

Ein Blitz fuhr in den Boden. Eine Frau hatte ein kleines Mädchen mit schwarzen Haaren und einem offenen Blick geboren.

„Wie willst du sie nennen, mein Schatz?“

„Amanda, sie sieht aus wie eine Amanda.“

ENDE

Horror, Mystery, writing friday

[#WritingFriday] Urban Exploring – Unendlich Du wirst nicht entkommen.

#WritingFriday an einem Samstag. Ich habe es diese Woche nicht vorher geschafft. Aber ich wollte unbedingt noch was veröffentlichen. Also hab ich gestern schon anfangen können und es jetzt noch fertig gestellt.

Kennt ihr Lost Places? Heute werdet ihr einen kennen lernen – eine verlassene Villa am Stadtrand.


Quelle

Anna betritt eine alte Villa am Ende der Stadt, sie wird sie jedoch nie wieder verlassen. Erzähle was passiert ist.

 Anna stand vor der alten Villa am Ende der Stadt. Ihrer Stadt. Hier war sie aufgewachsen und ging zur Schule. Ist es nicht manchmal seltsam, dass man immer in die Ferne schweift und das war vor der Tür ist ignoriert? Seit Jahren schon zählte Anna zu einer der bekannten Urban Explorer. Ihre Twitter, Instagram, YouTube Auftritte hatten ihr einen gewissen Ruhm eingebracht. Nun stand sie also vor ihrer ersten Herausforderung. Als Mädchen stand sie manchmal lange Zeit vor dieser Villa und traute sich einfach nicht hinein.

Sie hatte schon öfter die Schwelle zum Vorgarten übertreten, aber es fühlte sich immer an, als wollte irgendwas sie daran hindern weiter zu gehen. Sie traute sich nicht einen Schritt nach dem andern zu setzen. Jetzt aber. Sie war erfahren genug und hatte keine Angst mehr. Soviel verschiedene Lost Places hatte sie schon besucht, da dürfte doch diese alte Villa kein Problem mehr darstellen.

Mark hatte sie allerdings gewarnt. „Geh nicht alleine hinein. Du weißt nicht wie marode das Gebäude ist. Hinterlasse wenigstens eine Nachricht und schalte dein GPS an.“ Anna lachte ihn aus. „Mark, Mark, Mark. Natürlich bin ich online. Meine Fans erwarten einen Livestream von meinem Spuk Haus. Ich hab es groß angekündigt. Das wird die Klicks nach oben schnellen lassen.“ „Du und deine Klicks. Viel wichtiger sollte dir deine Sicherheit sein. Warte noch paar Tage, bis ich aus Kroatien wieder da bin. Das Geisterdorf werde ich schnell abarbeiten und dann gehen wir gemeinsam.“ Mark und sie hatten schon so einige Lost Places gemeinsam besucht.

Manchmal glaubte Anna, Mark hätte mehr als nur ein Freundschaftliches Verhältnis mit ihr haben wollen. Aber sie war nur auf Abenteuer aus. Sie brauchte diesen Kick. Diesen Adrenalinstoss. Deswegen konnte sie auch nicht warten. Sie packte ihre Tasche. Taschenlampe, Stirnlampe, Ersatzbatterien, Wasser, Energieriegel, Taschenmesser, Seil. Actioncam mit Nachtsicht. Handy um den Livestream hoch zu laden. Check, check, check. Alles war bereit. Morgen wollte sie einsteigen.

Jetzt stand sie vor der Villa. Eine leichte Gänsehaut machte sich auf ihren Armen breit. Die Angst des kleinen Mädchens machte sich bemerkbar. Anna schüttelte sich um sie los zu werden. Sie hatte schon viel gruseligere Orte besucht. Sie straffte ihre Schultern und trat durch das schiefe Eingangstor in den Vorgarten. Wieder spürte sie einen Widerstand. Von ihr aus, oder von dem Ort aus. „Blödsinn, Anna. Das ist deine bescheidene Angst. Stell dich nicht so an. Was soll denn hier schon sein?“ Versuchte sie sich selbst zu beruhigen. Sie ging durch den Garten und stieg die große einladende Treppe hinauf. Sie drehte sich um. Es war neblig geworden. Wo kam auf einmal dieser dichte Nebel her? Sie konnte das schiefe Tor nicht mehr erkennen. Selbst die Straße mit ihrer Laterne war nicht mehr zu sehen. Sie zögerte. Vielleicht sollte sie doch auf Mark warten? Quatsch. Nein, das war ihrs. Sie musste diese kindliche Urangst bewältigen.

Sie drückte gegen die Eingangstür. Sie klemmte. Im Laufe der vielen feuchten Jahre hatte sie sich stark verzogen. Anna drückte mit ihrem gesamten Gewicht dagegen. Sie öffnete sich leicht. Noch ein Stück, noch ein kleines Stückchen. Das musste reichen. Sie drückte sich durch den schmalen Spalt und stand in der Vorhalle. Sie knipste ihre Stirnlampe an und schaute sich um. Die Natur hatte sich schon viel zurück erobert. Durch die Fenster waren die Äste der Bäume gedrungen. In den Bodenritzen hatten einige Samen fruchten können und den Boden in eine Art Moosteppich verwandelt. Es sah bezaubernd aus. Die Treppe nach oben erinnerte sie an den Film Vom Winde verweht. Der Teppich könnte auch mal rot gewesen sein und das Fenster im Zwischenstockwerk war leider schon Blind vor Schmutz.

Anna betrat die erste Stufe als sie ein Wispern vernahm. „Anna. “ Hauchte es durch die Halle. Sie drehte sich erschrocken um. Nichts. Kein Schatten, oder eine Person. Sie war alleine. Vermeintlich alleine. Sie wusste, dass solch leer stehende Häuser gerne von Besetzern oder Obdachlosen genutzt wurden. Probleme hatte sie aber nie mit einem von ihnen. Sie posierten eigentlich ganz gerne vor der Kamera und gaben auch mal ihre Geschichten zum Besten. Hier schien sich niemand eingenistet zu haben. Keine Matratzen, Zelte oder dazu passender Unrat. Das Haus war unbeschmutzt. Nur die Natur hatte sich getraut einzudringen.

Ein Schauer lief Anna über den Rücken. Schnell holte sie ihre Kamera aus dem Rucksack und setzte sie auf die Stirn. Das Handy war bereit für den Livestream. Sie wollte schnell wieder raus hier. Ein ungutes Gefühl verfolgte sie. „Hallo Leute. Wie versprochen heute aus meinem Heimatdorf. Diese Villa hat mich als Kind schon fasziniert und geängstigt. Heute sage ich dieser Angst den Kampf an. Es wird Zeit die Dämonen der Kindheit zu vertreiben.“ „Anna.“ Hauchte es wieder. Sie drehte sich schnell um. Wieder nichts. „Habt ihr das auch gehört? Ist das unheimlich, oder was? Ich will euch nichts vormachen. Ich bin froh, wenn ich hier wieder draußen bin. Ich hätte vielleicht auf Mark hören und auf ihn warten sollen. Aber ihr wisst ja wie ungeduldig ich sein kann. Wollen wir mal sehen wie es hier so aussieht. Kommt mit und erkundet diese hübsche Villa mit mir. Sieht sie nicht toll aus. Die Natur hat sich das meiste schon wieder zurückgeholt. Überall Moos, Lianen, Baumschösslinge und wunderhübsche Pflanzen. Schaut, da scheint die Sonne herein. Was für ein Bild.“ Anna drehte sich und streckte die Arme in Richtung eines Oberlichts aus. Dort konnte man sehen wie die Sonne sich durch die Blätter, die auf der Scheibe lagen, kämpfte und geradlinig ihren Weg nach innen fand. Sie verwandelte die Vorhalle in ein Märchenhaftes Bild. Es fehlten nur noch die kleinen tanzenden Feen und kleine Gnome, die mit ihnen versuchten mitzuhalten.

Ein Schatten legte sich über das Bild. Es wurde kalt und Anna begann zu zittern. „Wow, Leute. Jetzt wird es hier aber empfindlich kalt. Könnt ihr meinen Atem sehen?“ Anna pustete hörbar aus und ein weißer Nebel verließ ihre Lippen. Sie fing an zu zittern. „Verdammt. Warum wird das so kalt hier? Also seit mir nicht böse – ich habe meine Angst überwunden und fühle mich hier irgendwie nicht wohl. Ich gehe mal besser. Vielleicht komme ich mit Mark noch mal her – aber mir war eh nur wichtig, einfach mal hier zu sein und das abhaken zu können. Erledigt. Es wird Zeit zu gehen. Ich lasse die Kamera noch bisschen mitlaufen. Denkt dran. Abonniert meinen Kanal und denkt dran auf das Glöckchen zu klicken, dann werdet ihr immer benachrichtigt, wenn es was Neues von mir gibt. Es gibt kein Abenteuer im Leben, das es nicht lohnt zu leben. Bussi.“ Anna stellte den Ton aus. Sie würde später Musik unter die Bilder legen. Eigentlich wollte sie so schnell wie möglich raus, aber etwas zog sie nach oben. Ach was soll´s, ein Blick in die obere Etage wird schon nichts ausmachen.

 Sie rannte nach oben. Im ersten Stock gingen mehrere Türen vom Flur ab. Sie wollte wenigstens in ein paar hineinschauen. Gleich die erste öffnete sie und trat ein. Es war fantastisch. Die Möbel waren alle noch vorhanden und sogar noch recht gut erhalten. Sie ging in den Raum hinein. Die Tür fiel hinter ihr zu. Erschrocken drehte sie sich um. „Puh. Verdammt bin ich erschrocken.“ Sie drehte sich zur Tür um sie zu öffnen. Sie klemmte. Eine leichte Unruhe überfiel sie. Leicht hektisch zog sie an der Tür. Sie öffnete sich so plötzlich, dass sie fast hingefallen wäre. Schnell verließ sie das Zimmer und atmete tief aus. Aber wo war sie? Das war nicht der Flur aus dem sie kam. Es war ein anderes Zimmer. Sie ging zurück und befand sich schon wieder in einem anderen Zimmer. Die Tür schloss sich leise und vor ihr öffnete sich eine andere. Schnell ging sie darauf zu und befand sich wieder in einem anderen Zimmer. Dieser Vorgang wiederholte sich unzählige Male. Sie stellte den Ton des Livestreams wieder an. „Leute. Hier geschieht etwas Seltsames. Ich komme nicht mehr aus dem Haus heraus. Von einem Zimmer komme ich in das nächste und das nächste. Ich finde keinen Ausgang. So langsam bekomme ich doch Panik. Außerdem habe ich das Gefühl, dass mich Schatten verfolgen. Was soll ich nur machen. Wie soll ich hier denn den Ausgang finden? Wo bin ich denn hier gelandet?“ Tränen drückten sich hervor. Aber sie schluckte sie hinunter. Sie wollte nicht vor ihren Followern anfangen zu weinen. Sie war eine taffe Urban Explorerin. So leicht ängstigte sie nichts, oder?

„Ich weiß gar nicht, ob ihr mich überhaupt seht? Seht ihr mich? Schreibt es in den Live Chat. Vielleicht hat jemand einen Tipp für mich, wie ich hier wieder raus komme. Habt ihr so was schon mal erlebt?“ Sie verfolgte den Live Chat. Es kamen, wie schon erwartet, keine hilfreichen Tipps herein. Fake und ähnliches wurde ihr vorgeworfen. Aber es war kein Fake. Sie versuchte Stundenlang eine Tür nach der anderen. Aber keine führte zurück in das Treppenhaus. Verzweifelt setzte sie sich in eine Ecke. Sie blickte an den Wänden entlang. Dort stand was. Schnell stand sie auf. Die Kamera zeichnete weiter auf und die Klicks schnellten in die Höhe. Es war ihr Rekord. Sie blickte an die Wand. Mit ihrer Hand schob sie die einzelnen Blätter davor weg. „Wenn es dunkel wird, kommen sie. Dann verstecke dich. Verstecke dich!“

Entsetzt blickte sie die Schrift an. Es wurde dunkel. Was würde kommen? Wo sollte sie sich verstecken? „Habt ihr das gelesen? Oh Gott. Ich bekomme doch so langsam Angst. Ich schalte ab. Mein Akku wird sonst nicht durchalten. Ich melde mich bei euch, sobald ich wieder draußen bin. Bleibt aufmerksam. Bussi.“

Anna war panisch. Ihr Atem ging schneller und sie drohte ohnmächtig zu werden. Sie setzte sich und steckte ihren Kopf zwischen die Knie – tief ein-, tief ausatmen. Da hörte sie es. Flüstern und raunen. „Anna?“ Panisch blickte sie sich um. Es gab nicht viel sich zu verstecken. Dort. Dort stand ein alter Schrank. Schnell versteckte sie sich darin. Spinnweben strichen über ihre Stirn und sie hoffte, dass die Bewohnerin nicht auf sie fallen würde. Sie atmete ganz flach um bloß keine Geräusche zu machen. Schritte und Schlurfen konnte sie vor dem Schrank hören. Sie hielt die Luft an. Bitte, bitte, öffne nicht diese Tür. Betete sie in Gedanken.

Es schien zu helfen. Die Geräusche entfernten sich. Ausatmen – Einatmen. Sie wusste nicht wie lange sie in diesem Schrank ausharrte. Gefühlte Ewigkeit später öffnete sie vorsichtig die Tür. Es dämmerte, der Morgen brach an. Schnell ging sie hinaus und öffnete die Tür. Wieder ein anderes Zimmer. Tränen rollten ihre Wange hinunter. Es gab keinen Weg mehr hier raus. Sie war gefangen. Sie startete die Kamera und machte eine letzte Aufnahme.

„Hallo Leute. Schön, dass ihr heute wieder einschaltet. Das wird wohl meine letzte Aufnahme werden. Der Akku gibt bald seinen Geist auf und ich glaube nicht, dass ich hier eine Möglichkeit zum Laden bekommen werde. Aber wer weiß, vielleicht hat auch die Hölle Strom. Hahaha. Ähm. Die Nacht war gruselig. Ich hab seltsame Geräusche gehört und einige Gestalten sind um meinen Schrank geschlichen. Ich weiß nicht was mich erwartet, wenn sie mich finden. Ich hoffe es nie zu erfahren. Wenn ich hier nicht herauskomme, wird es wohl doch mal vorkommen. Tja, was soll ich sagen? Urban Explorer leben gefährlich. Das hier ist wohl mein Aus. Mark, wenn du dass siehst. Es tut mir leid. Ich hätte auf dich hören sollen. Ich liebe dich. Vergiss mich nicht. Vergesst mich alle nicht. Und kommt bloß nicht her – das Haus lässt einen nicht mehr raus. Vielleicht findet irgendwann mal ein anderer Explorer meine Gebeine. Lebt euer Leben, aber passt auch auf euch auf. Ich liebe euch alle und danke für eure Treue und die vielen tollen Kommentare. Ich werde euch alle vermissen. Pft.“ Der Akku war leer. Die letzte Aufnahme von Anna wurde hochgeladen.

Niemand hat sie je wieder gesehen. Es gingen viele Gerüchte umher. Es sei Fake und sie hätte sich einfach nur abgesetzt. Oder sie sei gestorben. Manche aber glaubten ihr.

Ende.

 

 

 

 

 

Horror, Humor, Mystery, writing friday

[#WritingFriday] Week 42 – Halloween und das mit dem Kürbis

[#WritingFriday]

ist eine wöchentliche Schreibaktion von Elizzy.

Die Oktoberthemen:

 

Halloween und der Kürbis

Man sagt sich, und das soll ein Gerücht sein, zu Halloween sei der Übergang zwischen dem Reich der Toten und der Lebenden so dünn, dass die Toten ungehindert hindurchkommen können.

Eine alte Legende unter Bauern besagt, dass man an Halloween unter gar keinen Umständen in ein Kürbisfeld gehen sollte. Dieser Feiertag gehört den Kürbissen und seinen Bewohnern. Um hinter dieses Märchen zu kommen müssen wir weit, weit und noch weiter in der Zeitgeschichte zurückgehen. Vor der Zeitrechnung. Nun gut, vielleicht nicht ganz so weit. Aber weit.

Die Menschen waren Arm. Sie wurden vom Adel ausgepresst und unterdrückt. Die jungen Frauen mussten den Lords zur Verfügung stehen, vor allem diejenigen, die geheiratet hatten. Die Hochzeitsnächte gehörten immer ihnen. Damit dann aber kein Bastard von ihnen herum rannte und Forderungen stellen würde, war der frisch angetraute Ehemann immer gezwungen nach der Entehrung das Bett mit seiner frisch angetrauten Frau zu teilen.

Es war nur die Frage der Zeit, dass die hungernde und unzufriedene Bevölkerung sich auflehnen würde. Aber wie sollte man sich gegen ein Heer Söldner zur Wehr setzen?

Eine junge Frau, kurz vor ihrer Hochzeit, meldete sich zu Wort. Die Dorfbewohner ehrten sie und fürchteten sie. Eine Hexe solle sie sein. Aber seit sie in ihrem Dorf wohnte, gab es keine Totgeburten mehr und die Ernten fielen besser aus. Trotzdem waren sich die Dorfbewohner bewusst, man sollte besser nicht ihren Unmut auf sich ziehen. Denn dazu gäbe es auch noch einige Geschichten. Ob sie zutrafen? Wer weiß das schon.

Diese junge Frau – ihr Name wurde in den Schriften nicht übermittelt – hatte einen Vorschlag. Sie erwähnte das ertragreichste Gemüse der Saison, der Kürbis. Sie hatte vor die Geister der Allerheiligen Nacht um Hilfe zu bitten. Dazu waren die Kürbisse gedacht. Sie wies die Frauen an, die Kürbisse, nach der noch heute gültigen Tradition, zu schnitzen. Freundliche Kürbisgesichter sollten zu sehen sein.

In der Halloween Nacht zum ersten November, rief sie die Geister. Sie sperrte sie mit einem Zauber in die Kürbisse und diese wurden in die Burg gebracht. Als Geschenke. Die Kürbisse zur Dekoration und das Fleisch zu Leckereien verarbeitet. Die Lords waren beeindruckt. Natürlich ließen sie sich gerne beschenken, war es doch ein Zeichen der Gunst. Sie wähnten sich geliebt und verehrt.

Die Dorfbewohner verließen die Burg. Angeführt von der jungen Frau, bezogen sie Stellung vor den Toren. Sie selbst durften nicht in der Nähe des Festes sein. Um Mitternacht veränderten sich die Geräusche in der Festhalle. Aus Gelächter wurden Schreie, aus Gesang stöhnen. Um die Burgzinnen herum, waren gar grausige Gestalten – Schemen zu erkennen. Etwa eine oder zwei Stunden später, waren sämtliche Geräusche aus der Burg verstummt.

Die Dorfbewohner betraten den Festsaal. Er war leer. Keine Menschenseele war mehr anzutreffen. Lediglich Kampf- und Fluchtspuren und viel Blut waren zu erkennen. Noch etwas hatte sich verändert. Die freundlichen Kürbisgesichter waren zu hässlichen Fratzen geworden. Und wenn man genau hinschaute, konnte man bei dem ein oder anderen im Mundwinkel eine rötliche Verfärbung erkennen.

Die junge Frau hatte ein Tor geöffnet, dass sich jedes Jahr, an Halloween erneut öffnete. Jeder Kürbis war jetzt das Gefäß eines Geistes. Die meisten waren harmlos. Sie wollten nur gemütlich das Fest feiern. Aber immer wieder schafften es auch paar nicht so nette Gesellen, den Übergang zu passieren. Und Gott stehe euch bei, wenn euer Kürbis auserwählt wurde, einen solchen Geist aufzunehmen.

Ende

Aus Bildern geboren, Horror, Mystery

Aus Bildern geboren 1 – Die Zugfahrt ins Licht

Eine neue Schreibaktion bietet uns Myrade.  Aus Bildern geboren . Ich bin ein Mensch – eine Schreiberin, die oft visuelle Kicks brauch. Wenn ich also eine Aufgabe erhalte, schaue ich oft nach Bildern um mich zu inspirieren, deswegen passt diese Aktion richtig gut zu  mir. Eine Geschichte, Gedicht, ein Roman – alles zeitlich unbegrenzt. Die Aktion wird unregelmässig stattfinden, was den Druck etwas aus der Sache nimmt.

Hier kommt meine erste Geschichte zum ersten Bild.

Eigentlich sollte sie gruselig werden. Es ist ein perfektes Bild für gruselig – aber aus meinem Gehirn wollte nichts kommen. Also präsentiere ich euch, das was mein Gehirn wollte. Eine entspannte Zugfahrt wünsche ich euch. Steigt einfach jederzeit ein.

Foto von Pixabay


Vivien stand am Schalter, der verbeulte Koffer neben ihr. Sie schaute aus dem Fenster. Oh nein, es fing an zu schneien. „Gleis 3 um 18:24 Uhr“ Sie schaute auf die Uhr. Noch 23 Minuten. „Danke schön.“ Sie nahm die Fahrkarte, ihren alten Koffer und setzte sich in die Wartehalle.  Von dort aus konnte sie die Gleise mit ihren ein – und abfahrenden Zügen beobachten. Ein Bahnhof hatte immer etwas Einsames an sich, fand sie. Die vielen Leitungen und Metallgerüste, die Schienen über die immer mal eine Ratte huscht, wenn man genauer hinschaut. Alles wirkte immer einsam.

Die Züge die einfuhren und eine Masse Menschen ausspuckte, die hastig ihren Weg gehen wollten und die, die vom Zug verschluckt wurden. Dazu passend der graue Himmel und die nassen Schneeflocken.

Für die kurze Wartezeit lohnte es sich nicht ihr Buch aus der Tasche zu wühlen. Sie saß einfach da und ließ ihre Gedanken schweifen.

„Gleis 3 – Einfahrt Zug Richtung Nirgendwo. Bitte Vorsicht bei der Einfahrt – zurücktreten.“

Das war Viviens Zug. Sie nahm ihren Koffer und ging zum ausgerufenen Gleis. 18:23 Uhr. Der Zug war pünktlich. Dieser Zug war immer pünktlich. Sie stellte sich ans Gleis und wartete. Der Zug fuhr ein, stoppte und die Türen öffneten sich. Aber keiner stieg aus. Es stieg nie jemand aus. Vivien blickte sich um. Das Gleis war leer. Der Zug kam nur für sie. Die Stufen waren hoch. Sie zog sich hinauf und spürte eine Hand, die sie hinein zog. „Hallo Madame – wir freuen uns sie bei uns willkommen zu heißen und hoffen sie werden eine gute Fahrt haben.“ Der Schaffner lächelte sie freundlich an und öffnete die Tür zum Wagon für sie. „Danke schön.“

Sie betrat den Wagon. Er war nicht gerade gut besucht. Drei Leute waren noch drin, die schon einige Zeit sitzen mussten. Ihre Kleidung war recht altmodisch. Sie fuhren also schon lange die Strecken hoch und runter. Und nun war sie an der Reihe sich dazu zu setzen. Wie lange würde sie fahren müssen? Tage, Woche, Monate – gar Jahre. Aber sie wusste in diesem Zug war die Zeit nicht existent.

Sie würde keinen Kontakt mit den anderen Fahrenden haben. Jeder saß auf seinem Platz – ein Monitor vor ihnen zeigte Bilder, die nur sie sehen konnten. Auch Vivien würde gleich vor solch einem Monitor Platz nehmen. Was würde er ihr dieses Mal zeigen. Wie weit war sie vorangekommen? Was hatte sie für Fehler begangen und wie hoch würde die Strafe dafür sein?

„Strafe? Vivien, du weißt doch, das hier ist keine Strafe – es ist ein Weg nach oben. Zur Vollkommenheit. Und jede Fahrt mit diesem Zug kann dich voran bringen. Du sitzt im richtigen Wagon. Dort hinten, der Wagon – wenn du jemals dort hinein gezogen wirst, dann kannst du dir Gedanken machen. Da sitzen die gefallenen, uneinsichtigen nicht belehrbaren. Aber hier – hier ist die Hoffnung. Dein nächster Halt wird dir einen weiteren Weg zum Licht bringen.“

Sie hörte die Stimme in ihrem Kopf. Sie kannte sie. Oft hatte sie sie schon vernommen und oft würde sie sie noch hören. So oft bis sie all ihre Schuld abgetragen hatte in den kommenden Leben, die sie noch erwarten würde. Eine lange Fahrt würde sie jetzt erwarten, bis ein Mensch geboren werden würde, dessen Seele sie beinhalten würde. Und eine weitere Chance recht zu leben würde sich eröffnen. Sie lächelte und verstaute ihren Koffer im Gepäcknetz über ihr. Beruhigt setzte sie sich auf ihren Platz und ließ ihr Leben vor sich ablaufen. Sie würde erneut leben und erneut ihre Liebe treffen. Sie waren Seelenverwandt. Darauf würde sie sich konzentrieren und sanft schloss sie die Augen um etwas Ruhe zu bekommen. Sie hatte Zeit. Viel Zeit.

Ende

Fantasy, Mystery, writing friday

[#WritingFriday] Week 20 – Die Bestimmung lässt sich nicht immer täuschen

Hallo – es ist bisschen her – ich hatte eine kleine Schreibflaute. Mein letzter Beitrag war der mit den Grosseltern und eher uninteressant und unbesucht.

Also hab ich erstmal bisschen Pause gemacht – aber jetzt hab ich wieder mal Lust gehabt und hab mir eine der Mai-Themen geschnappt.

  • Fasse drei berühmte Bücher in je einem Satz zusammen.
  • Schreibe einen Aufsatz über die Erfindung des Telefons, lüg dabei und lass deine Fantasie spielen!
  • Schreibe das Ende einer Geschichte, ohne zu erzählen wie das ganze begonnen hat.
  • Dein Kühlschrank wird über dein Essverhalten interviewt. Schreibe das Interview auf.
  • Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz „Es begann damit, dass wir alles vertuschen mussten, denn niemand darf erfahren dass…“ beginnt

Hier meine Geschichte des diesigen #writing friday.


Es begann damit, dass wir alles vertuschen mussten, denn niemand darf erfahren, dass…ich die Büchse der Pandora geöffnet hatte und gar nicht war was alle dachten.

Nun gut – vielleicht merkt ihr ja, dass ich zu Übertreibungen neige. Oder doch nicht? Es war nicht die berühmte Büchse – es war nur eine sehr, sehr hübsche Schatulle, die ich auf dem Flohmarkt gekauft hatte. Ich liebe Flohmärkte. Und unser Flohmarkt ist so urig und geheimnisvoll. Er findet einmal im Monat auf einem antiken Marktplatz statt. Da gibt es diese festen Stände. Das wirkt, als wäre die Zeit hier stehen geblieben. Manche Standbetreiber kleiden sich sogar passend. Ein Mix aus Mittelaltermarkt und Hippie-Markt. Was man nicht findet sind diese billigen Stände. Da bin ich auch ganz froh, die hätten das ganze Flair zerstört. Der Markt wird von einer uralten Mauerruine eingegrenzt. Hinter der einen Seite liegt der gruselig alte Friedhof. Dort wird keiner mehr beerdigt. Er steht unter Denkmalschutz. Man gelangt durch ein Tor vom Marktplatz aus direkt hin. Bewacht, oder vielleicht auch willkommen geheißen, wird man am Tor von einer Figur – ich weiß nicht ob es eine Frau ist – sie ist in einen Umhang gewickelt, der auch ihr Gesicht verdeckt. Wie so ein übergroßer Mantel mit Kapuze. Richtig gruselig. Das Tor hängt leicht schief in den Angeln und irgendwie ist es immer neblig dort.

Als Kinder war es immer eine Mutprobe, sich auf den Friedhof zu trauen. Ich habe es nie geschafft. Aber ich mag ihn – aus der Ferne – das Ambiente könnte aus einem Gruselfilm stammen. Nachts sollen seltsame Geräusche von dort herüber schallen. Ich habe es nie ausprobiert. Aber meine beste Freundin Cassie, war mal so mutig und bestätigte die Gerüchte.

Normaler Weise gehen wir immer zusammen zu den Flohmärkten. Aber dieses Mal hat sie ein Date. Tja – sie hat mich versetzt. So wo war ich – ach ja die Schatulle. Also dieser Flohmarkt hat durch diesen mittelalterlichen Touch etwas super mystisches, ich liebe es einfach über ihn zu schlendern. Ich schlenderte und schaute und quatschte. Auf einmal meinte ich meinen Namen zu hören. „Anke, Anke, Ankou“. Hauchte es mir ans Ohr. Ich drehte mich einmal um mich herum, aber da war niemand den ich kannte. Eine kleine Gänsehaut wanderte über meine Arme. In dem Moment schaute ich auf den kommenden Tisch und mir war, als würde diese Schatulle leuchten und hüpfen? Das musste eine Sinnestäuschung durch den leichten Nebel sein. Egal – ich war schon gefangen von der Schönheit in ihrer Schlichtheit. Eine ganz einfach gearbeitete Schatulle mit einigen Schrammen, die ihr den besonderen Charme verlieh. Ich war sofort verliebt in das gute Stück. Ich zückte mein Portemonnaie und wollte bezahlen. An dem Stand war ein Mann – er betrachtete mich eindringlich. „Wie sehr wollen sie diese Schatulle?“ Was für eine Frage – ich würde töten dafür. Was war das denn für ein sonderbarer Gedanke? „Ich habe mich sofort verliebt.“ „Was würdest du dafür geben?“ „Ich weiß nicht, fünfzig Euro.“ War ich verrückt – so viel Geld – aber ich musste sie einfach haben. „Nein –kein Geld, was ist das mindeste das sie dir Wert ist. Was von dir würdest du geben um sie zu besitzen?“ Oh Mann diese Hippies, waren schon schräg, obwohl dieser hier sogar noch sehr interessant aussah. Vielleicht würde er mir seine Nummer geben. „Äh, ich weiß nicht, was gibt man denn so im Durchschnitt? Ich kenn mich mit dieser Methode der Bezahlung nicht aus.“ Er betrachtete mich wieder so seltsam, dass ich leicht erzitterte – aber nicht im positiven Sinn. Ein gruseliger Ausdruck huschte über sein Gesicht.

Verunsichert wühlte ich in meiner Handtasche um etwas Persönliches zu finden. Was hatte ich, das mir viel Wert war? Meine Finger huschten über eine kleine Jadefigur, die ich mal von meiner Großmutter bekam. Ich hatte sie immer bei mir, nein – das würde ich nicht abgeben. „Genau das ist es, das will ich für die Schatulle.“ Ich stutzte – die Figur hatte ich nicht mal herausgeholt, woher wusste er…? Ich zögerte und zog sie heraus. „Nein – ich weiß nicht, das habe ich von meiner Großmutter.“ „Genau, da weiß ich, dass dir diese Schatulle viel bedeutet, und dass du ihr würdig bist.“ „Ist das nicht bisschen überzogen, jetzt? Du machst ja gerade so, als wäre das hier kein Trödel.“ „TRÖDEL!“ Ich hatte das Gefühl er wollte über den Tisch springen und mich so zusammen falten, dass ich in die Schatulle gepasst hätte. Ich zuckte zurück. In dem Moment fing die Schatulle an zu summen. „Was ist denn da drin? Sie summt.“ Er hielt sich zurück. „Sie summt? Das macht sie nur für ausgewählte. Sie hat dich ausgewählt. Sie will dich“ „Wie, sie will mich?“ „Du sollst ihre neue Besitzerin werden. Überlege es dir. Ich gebe sie dir, für die Jadefigur.“ Ich seufzte. War das eine gute Wahl? „Ich werde mich gut um die Figur kümmern, sie wird nie verkauft werden. Das verspreche ich dir.“ Zögerlich streckte ich die Hand aus. Er nahm die Figur und drückte mir die Schatulle in die Hand.

Er drehte sich von mir weg und ich fühlte mich irgendwie verlassen. Irgendwie hatte ich das Gefühl, nicht die richtige Wahl getroffen zu haben. Eher melancholisch über den Verlust, als euphorisch über den neu erworbenen Gegenstand ging ich am Friedhof vorbei. Ich blickte durch das schiefe Tor. Schemenhaft konnte ich Bewegungen erkennen. Ein Mann – in einem Mantel? Was war das nur mit diesen unförmigen Mänteln? Oder war das nur der Nebel?

Ich schlich mich nach Hause um meine Schatulle zu begutachten. Schließlich hatte sie mich einiges gekostet.

Kaum zu Hause angekommen schnappte ich mir ein Glas Rotwein und ein paar Kräcker. Mensch war ich hungrig. Die Schatulle stand vor mir auf dem Tisch. Sollte ich sie öffnen? Ich erschrak ganz fürchterlich, als das Telefon klingelte. Wie lang saß ich schon vor dieser Schatulle? Stunden. Ja –es waren tatsächlich schon Stunden vergangen. Das Display des Telefons zeigte mir Cassies Nummer. „Hey Sweetie, wie war dein Date?“ „Ach frag nicht. Ich glaube ich bleib einfach bei dir. Da hab ich definitiv mehr Spaß.“ „Ach das sagst du doch nur um dich einzuschleimen, weil du mich heute alleine gelassen hast.“ „Stimmt, du kennst mich einfach zu gut. Und was hast du gekauft?“ Ich schwieg. Sie war meine allerbeste Freundin, aber konnte ich ihr das alles erzählen, was ich erlebte? Wenn nicht ihr, wem sonst. Also erzählte ich ihr die Geschichte. “Wow – was für ein Freak. Ist die Schatulle wirklich so spektakulär, dass du diese Figur opfertest?“ „Ach wenn ich das wüsste.“ „Weißt du was, ich bin eh noch angezogen, ich komm vorbei und wir schauen und das Teil gemeinsam an.“ „Oh ja, bitte.“ Keine zehn Minuten später war sie da, und wir kuschelten uns mit dem Wein auf die Couch. Die Schatulle auf dem Tisch. „Also öffne sie.“ Meinte sie. „Ich weiß nicht – ich hab ein bisschen Angst.“ „Warum? Es ist eine einfache Schatulle. Wahrscheinlich ist sie leer – vielleicht paar Spinnenhäute oder paar Milchzähne.“ „Brrr – grausiger Gedanke. Ich hätte sie wohl doch nicht holen sollen – irgendwie finde ich sie jetzt bedrohlich.“ „Ach quatsch – ich öffne sie.“ Bevor ich sie abhalten konnte griff Cassie nach der Schatulle und versuchte sie zu öffnen. Aber sie war verschlossen. „Autsch – ich hab mich irgendwie verletzt an dem Scheissding. Verflixt. Sie geht nicht auf.“ Ich ahnte etwas. Also nahm ich sie und sie sprang sofort auf. Cassie sah mich verwirrt an. „Was, zum Teufel.“ „Sag das nicht so – vielleicht ist sie verhext.“ „Spinnst du jetzt, ich glaub dieser gruselige Kerl hat dich irgendwie kirre gemacht. Verhext.“ „Ja – warum denn nicht? Schließlich hat sie mich gerufen, geleuchtet, gehüpft und gesummt.“ „Hattest du schon vorher Wein getrunken?“ „Ha, ha!“

„Na gut Süße, ich mach mich mal ab. Ich bin müde und so bisschen hab ich mich auch gegruselt. Kann ich dich alleine lassen?“ „Pft, natürlich.“ Ich begleitete sie zur Tür und wir umarmten uns. „Schlaf gut und lass dich nicht von den Bettwanzen beißen.“ Ich lachte und schloss die Tür. Die Schatulle stand offen auf dem Tisch. Ich hatte noch gar nicht hineingeschaut, so sehr hat mich der Umstand abgelenkt, dass sie sich geöffnet hatte.

Ich schlich also wieder zum Tisch, setzte mich und nahm mir die Schatulle. Sie war leer. Ich war erleichtert, oder doch eher enttäuscht. Aber was war das? Etwas war eingeritzt in den Boden. Ich fuhr mit dem Zeigefinger über die Gravur. Ankou? Was ist Ankou? Ein Schleier schien sich zu lichten.

In diesem Moment hörte ich ein seltsames Geräusch. Ein Quietschen. Ich stand auf und blickte aus dem Fenster. Erkennen konnte ich nichts. Es war dunkel und neblig. Ein innerer Drang trieb mich nach draußen. Es war stock dunkel. Das Quietschen wurde immer lauter, fast unerträglich laut. Ein Karren hielt vor mir. Auf dem Bock saß eine vermummte Gestalt. Eine altmodische Lampe hing am Kutschbock. Die Gestalt saß regungslos und wartete. Worauf wartete sie? „Ich warte auf dich Ankou.“ Schon wieder dieses Wort. Was bedeutete das? „Es bedeutet, dass deine Zeit gekommen ist. Es ist Zeit deinen Posten anzutreten, Ankou.“ „Was denn für einen Posten? Ich verstehe gar nichts.“ „Wir haben dir ein Menschenleben gestattet, wie du es gewünscht hast. Aber dieses Leben geht jetzt zu Ende und ich hole dich ab.“ „Was, was geht zu Ende? Ich sterbe?“ „Du hast nie wirklich gelebt. Wir haben dir einen Wunsch erfüllt. Du durftest eine gewisse Zeit unter deinen geliebten Menschen wandeln, aber da dich die Schatulle endlich gefunden hat, ist deine Zeit gekommen. Es hilft nichts, du kannst dich nicht wehren.“

„Verdammt. Ich hätte es wissen sollen, dass ihr mich mit einem Trick aufspüren werdet. Ich will nicht wieder auf diesen öden Friedhof. Ich will hier bleiben mit den Menschen leben und nicht sie um ihr Leben bringen.“ „Nein – das ist nicht deine Bestimmung – also komm die anderen warten schon. Du musst deinen Posten als Wächterin einnehmen. So langsam wird es nämlich brenzlig. Die Geister des Friedhofs werden immer mutiger und versuchen immer öfter auszubüxen und in Körper zu fahren. Das gab schon so einige Missgeschicke. Also komm herauf zu mir und löse die Frau am Eingang endlich ab.“ Erinnert ihr euch an den Anfang? Ja – das war es, was vertuscht werden sollte – also von mir, ich wollte es vertuschen – ich bin ein Ankou – ein Friedhofswächter auf Urlaub – so kann man das ausdrücken. Ich hatte eine Art Burn-Out. Also wurde mir eine Art Urlaub gestattet. Aber ich hatte mich versteckt. Sie konnten mich nicht finden, da ich eine Art Verhüllungszauber hatte – Ja – ihr ahnt es schon – ich bin echt dämlich – die Jadefigur – sie war von einer Großmutter – nicht meiner – aber einer Hexe, die sie mir teuer verkaufte. Sie sollte mich verhüllen – aber das Schattenreich kann das auch – die Schatulle war eine Falle in die ich blind hineintapste. Ich seufzte und stieg auf.

Jetzt würde mein Leben in dieser kleinen Stadt vertuscht werden. Keiner würde sich mehr an mich erinnern – vielleicht in den Träumen.

Hütet euch, wenn ihr einen Karren quietschen hört, könnte ich es sein, die euch zur letzten Reise abholt. Wir sehen uns.

ENDE

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Mystery, Projekt TXT*, Weihnachten

Das zwölfte Wort | 2017- Die Lebkuchenmann-Liebe

Was ist das Projekt *.txt?

Schnell erklärt soll das Projekt *.txt der Inspiration dienen. Einmal pro Monat wird ein Wort verkündet, zu dem die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre Texte schreiben. Es gibt keinen Druck, etwas zu schreiben, kein Datum, bis wann die Texte da sein müssen … es soll also in erster Linie Spaß machen!

Das neue Wort passt doch sehr gut zu Weihnachten. Bei dem vielen Dekorationszeug…

Die Lebkuchenmann-Liebe

Anton parkte seinen SUV in der Garage. Als er ausstieg bemerkte er die große Lücke an der linken Wand. Er schaute einige Sekunden hin und zuckte dann mit den Schultern. Maggie hatte wohl endlich mal ihre Kisten entrümpelt, die sie vor einigen Monaten mitgebracht hatte, als sie bei ihm einzog. Wie sie den Platz in seinem Haus nach und nach eingenommen hatte. Immer mehr von ihrem Kitsch und immer weniger von seinen Sachen fand man. Oft hatte er sich gefragt, ob es wirklich so eine gute Idee gewesen war sie zu bitten bei ihm einzuziehen. Damals erschien es ihm logisch. Keine Minute wollte er ohne sie sein.

Jetzt elf Monate später, zweifelte er immer öfter und kam auch immer öfter später nach Hause. Wieder zuckte er mit den Schultern. Bald war Weihnachten und dann das neue Jahr. Wer weiß was sein neuer Vorsatz werden würde.

Müde und mit hängenden Schultern betrat er das Haus. „Maggie? Ich bin zu Hause. Wo bist du?“ „Ich bin im Wohnzimmer. Sorry, ich hatte keine Zeit zu kochen. Ich schiebe gleich eine Pizza in den Ofen.“ Während sie sprach kam sie um die Ecke in die Küche getanzt. Anton betrachtete sie und stutzte. War das ein Weihnachtspulli? Innerlich stöhnte er auf. Nein, nein, nein, oh nein. Neben ihren komischen Deckchen, Rüschen und Kissen der nächste Kitsch. „Äh, was hast du denn da an?“ Sie blickte an sich hinunter und zog den Pulli straff um das Motiv besser sehen zu können. „Ist es nicht toll? Mein liebster Weihnachtspulli. Den ziehe ich immer an, wenn ich schmücke. Den habe ich schon ewig. Er ist magisch. Sobald ich ihn anziehe, stellt sich alles in mir auf Weihnachten ein. Hier Schatz – heiße Schokolade mit Marshmallows.“ Anton nahm verdutzt die heiße Tasse und verzog das Gesicht. „Ein Kaffee wäre mir lieber gewesen.“

Maggie runzelte leicht die Stirn und fing gleich wieder an zu plappern. „Heute habe ich alles schon weihnachtlich geschmückt. Innen und außen.“ „Ja und morgen kannst du alles wieder abmachen. Ich hasse Weihnachten.“ „Was? Was! Im Leben nicht. Kein Weihnachten? Niemals. Komm mit und lass dich doch verzaubern.“ Maggie bemerkte Antons Abneigung und das entsetzte sie. Wie konnte man Weihnachten nicht mögen? Der Duft, die Lichter, die Musik. Sie könnte immer Weihnachten feiern. Er würde es ihr doch nicht vermiesen? „Maggie, ich sagte ich will diesen Kitsch nicht im Haus haben. Das ist reine Geldmacherei und ich steh einfach nicht drauf.“ „Komm schon – schau doch erst mal.“ „NEIN! Mach den Mist ab, sonst mach ich das, und das willst du  nicht wirklich. Wenn ich morgen von der Arbeit komme, ist alles weg, verstanden?“ Sie blickte ihn trotzig mit Tränen in den Augen an, während sie auf dem Brett über der Anrichte verschiedene Lebkuchenmänner hin und her schob.

Er betrachtete sie einige Zeit. Diese Lebkuchenmänner sahen schon sehr skurril aus. Fast lebendig. Sehr gute Arbeit, musste er schon zugeben. „Aber, aber, “ stotterte sie. „Ich liebe Weihnachten.“ Maggie betrachtete Anton. Sie spürte es schon einige Zeit. Er zog sich immer weiter von ihr zurück, und jetzt das noch. Das war es dann wohl gewesen. Sie würde auf keinen Fall nachgeben. Weihnachten war ihr Leben. Dafür würde sie allesmachen. „Ich gehe schlafen. Genieße deine Arbeit. Morgen ist alles weg.“ Damit drehte es sich um und verließ die Küche. Maggie drehte sich zu ihren Lebkuchenmännern um. „Ach ihr Lieben. Ich glaube, das wird ein Problem werden. Ihr wisst ja wie das so mit mir und all dem tollen Weihnachtskitsch ist. Und was passiert, wenn man es mir verbieten will. Da kann ich sehr ungehalten werden.“

Während sie  mit ihnen sprach, streichelte sie Gedankenverloren über ihre Köpfe. Schob sie zurecht und ließ etwas Platz. Morgen früh würde sie einen neuen Lebkuchenmann dazustellen. Zärtlich drückte sie allen einen Kuss auf die vollen Lippen und löschte das Licht.

Fantasy, Mystery, Projekt TXT*

Das elfte Wort | 2017 – Sagenumwoben – Die Nebelfrauen

Was ist das Projekt *.txt?

Schnell erklärt soll das Projekt *.txt der Inspiration dienen. Einmal pro Monat wird ein Wort verkündet, zu dem die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre Texte schreiben. Es gibt keinen Druck, etwas zu schreiben, kein Datum, bis wann die Texte da sein müssen … es soll also in erster Linie Spaß machen!


 

Evelyn liebte es im winterlichen Wald spazieren zu gehen. Der November war einer ihrer liebsten Monate. Alles wirkte so geheimnisvoll im Nebel. Wenn man morgens durch den Wald streifte, konnte man den Raureif bewundern, der sich bei Sonnenaufgang auf die Wiesen und abgefallenen Blätter legte. Aber am liebsten war ihr der Nebel. Manchmal stand sie im Tal und blickte von weitem auf den Wald. Der Nebel stieg aus den Bäumen hervor – gerade als würde jemand einen großen Topf Suppe kochen und der Dampf stieg nach oben. Evelyn stand am Ortsausgang und betrachtete den Wald. Er war nicht weit von ihr entfernt. Bei diesem tristen und feuchten Wetter traute sich kein Mensch oder Tier aus dem Haus. Die Schornsteine qualmten und sanfte Lichter schienen aus den Fenstern. Sie drehte sich zum Wald hin und in der Morgendämmerung konnte sie wehende Schatten erkennen. Sie bewegten sich im Nebel. Es schein als würden sie tanzen. Sie schaute genauer hin und war sich sicher, es waren Frauen mit wehenden weißen Haaren und durchscheinenden Gewändern, die sich sanft um die gläsernden Körper wandten. Sie wiegten sich im Klang einer Melodie, die Evelyn nicht hören konnte. Sie winkten ihr, dass sie herbei kommen solle um mit ihnen zu tanzen. Diese Frauen hatten Evelyn in ihren Bann gezogen. Als wäre sie eine willenlose Marionette, lies sie sich führen. Immer näher kam sie ihnen. Immer wieder tauchten sie ein in den Nebel, der über dem Moor schwebte. Dunkel blitzte eine Erinnerung auf. Sagenumwobene Nebelfrauen und Nebelgeister, die Menschen vom Weg abbringen und ins Moor lockten. Schon war diese Erinnerung wieder erloschen. Evelyn spürte die Kälte, die sie einsog. Das Moor zog sie tiefer und tiefer – es fühlte sich kalt und glitschig, aber auch behütend an. Als sie untertauchte versuchte sie entsetzt Luft zu holen Aber ihr Mund lief mit Moorwasser voll. Sie bekam kurz Angst, als alles um sie herum dunkel wurde. Aber es war nicht für lange. Etwas zerrte an ihr und zog sie mit einem  kräftig Ruck aus dem Moor heraus. Sie wollte erleichtert tief einatmen – aber sie konnte nicht. Was war nur los? Sie blickte sich um. Um sie herum hatten sich die Nebelfrauen gesammelt. Sie hörte das wispern des Windes – oder war es das Flüstern der Frauen? Sie fühlte sich seltsam – als wäre sie Teil etwas besonderen – Teil einer Gesellschaft. Sie blickte an sich hinunter und konnte durch ihre Füße den Blätterteppich erkennen. Sie verstand – sie war gestoben im Moor und wurde somit Teil der sagenumwobenen Nebelfrauen.

ENDE

Horror, Mystery, Schreibkicks

Schreibkicks – Nebelschwaden – Die Wächterin

Schreibkicks. Hier wird von Sabine immer zum 1. des Monats ein neues Thema bekannt gegeben, dass dann am folgenden 1. des kommenden Monats auf seinem Blog gepostet wird.

Diesen Monat waren dabei:
Veronika

Eva

Sabine

Corly

 

Halloween und Allerheiligen – was bietet sich da mehr an als eine kleine Gruselgeschichte.

Folgt mir auf den Friedhof.


„Nebelschwaden“, flüsterte Mark in die Runde, während er seine Lichtquelle von unten in sein Gesicht scheinen ließ. Er liebte den Ausdruck der Kinder in ihren Gesichtern, wenn er Gruselgeschichten erzählte. Die Kinder in seinem Alter konnte er damit nicht mehr beeindrucken, aber die ganz Kleinen, da klappte es immer. Diese großen Kulleraugen und offen stehenden Münder und die Kuscheltiere, die an die Brust gedrückt wurden – unbezahlbar.

Jedes Jahr zu Halloween versammelten sie sich am Übergangspunkt der Welt der Lebenden und der der Toten. Die Nacht von Halloween zu Allerheiligen – nie war der Übergang leichter, als zu dieser besonderen Zeit.

Dazu trafen sich die Gruppen am alten Friedhof. Niemand wurde hier mehr beerdigt, niemand kam um die Gräber zu pflegen – er war der Vergessenheit übergeben worden. Nur eine Nacht im Jahr, da versammelten sich alle dort. Menschen wie Geister.

Schon mehrere Male hatten die Menschen von seltsamen Begegnungen berichtet. Oder auch  nur von Empfindungen: Angst, Kälte, komische Geräusche und die passende Dekoration der Natur. Nebelschwaden, knorrige Bäume und knarrende Äste, durch die der Wind mit schaurigem Heulen durchfuhr. Schatten und die obligatorischen Rufe der Käuze.

Dieses Jahr sollte es was Besonderes werden. Mark hatte vor die Schwelle zu übertreten und nicht wieder zurück zu gehen. Er wollte einfach mal was anderes. Ihm war langweilig. Das sollte sich dieses Mal ändern. Er wollte einfach sehen, was es auf der anderen Seite so gab. Erwar natürlich schon öfter drüben gewesen – jedes Halloween – aber die Wächterin hatte ihn immer wieder zurückgetrieben.

Dieses Mal nicht! Dieses Mal wollte er sich tarnen. Er hatte Geschichten gehört – wie man sich vor der Wächterin versteckte. Es gab Stätten, die einen besonderen Zauber innehatten. Dort wurden Besucher nicht aufgespürt. Das wollte er testen. Ein sonderbarer Zufall spielte ihm in die Hände – genau hier gab es so eine Stätte. Ein Mausoleum einer angeblichen Voodoo-Priesterin. Da würde die Verschleierung sehr stark sein.

Mark scheuchte die Kinder weg zum Spielen zwischen den Grabsteinen. Die Bewohner hatten sich viel Mühe gegeben, diesen Ort schaurig zu dekorieren – das gefiel Mark.

„Hei, Mark?“ Sein bester Freund, Alvin, kam vorbei geschlendert. „Und? Schon heiß auf den Ausflug nach drüben? Ich kann es kaum abwarten. Ich hab mir ein geniales Outfit einfallen lassen. Die anderen auch – ich hoffe, du auch?“ „Ja, ja.“ Meinte Mark abwesend. „Ich freue mich total. Ich muss mal nach den Kleinen schauen. Wir sehen uns um Mitternacht, okay?“ „Klar – bis später.“

Mark begab sich mit seiner Mini-Gruppe zum Portal – gleich wäre Mitternacht und sie konnten übertreten. Mark war aufs Äußerste gespannt. Da – da passierte es. Das Portal schimmerte und sie konnten hindurch treten. Sofort wurden sie von einer lauten Geräuschkulisse in Empfang genommen. Überall rannten kleine Kinder in Kostümen mit gefüllten Säcken und Körben durch die Gegend. Es roch nach Popcorn und eine Geisterbahn lud zum Gruseln ein.

Nach menschlicher Zeit, hätten sie eine Stunde Zeit bevor die Wächterin sie rufen würde. Die Gruppe mischte sich unter die Bewohner. Sofort hörte man an vielen Ecken kleine spitze und schrille Schreie des Entsetzens.

Mark nahm an, dass seine Freunde ihre besonders gruseligen Outfits präsentierten. Er musste zugeben – sie waren sehr gelungen. Alvin war kopflos und seinen Kopf trug er am Gürtel. Aus seinen Augenhöhlen schlüpften Spinnen und Tausendfüßer. Auch seine anderen Freunde hatten ähnlich gruselige Outfits gewählt.

Die Zeit verrann und die Uhr der Wächterin kündigte das Ende an, in dem sie fünf Mal schlug. Schnell schlüpfte Mark in das auserkorene Mausoleum und wartete. Aus dem Fenster sah er wie siech alle zur Rückkehr ins Geisterreich sammelten. Alle außer ihm. Die Wächterin war abgelenkt und schien nicht zu bemerkten, dass Mark sich nicht der Gruppe angeschlossen hatte. Er atmete tief aus. „Jetzt muss ich nur kurz warten.“

Etwas später schielte Mark aus seinem Versteck – aus seiner Gruppe war keiner mehr zu sehen. Schnell schlüpfte er aus seinem Versteck. Er war frei.

Die Nebelschwaden gaben den Weg frei und er bewegte sich zum Ausgang des Friedhofs. Er wollte gerade seinen Fuß über die Schwelle setzen, als die gerade noch demütig schwindeten Nebelschwaden sich um seinen Fuß wandten. Schnell bewegten sie sich nach oben und umwickelten ihn. Er war gefesselt.

Hinter einem Grabstein in seinem Rücken hörte er es krachen und stöhnen. Langsam drehte er sich in Tippelschritten in diese Richtung. Hinter dem Grabstein verdichteten sich die Schatten und er konnte erkennen wie sich die Wächterin manifestierte. Sie war grösser als sonst und wirkte sehr bedrohlich. Marks Beine fingen an zu zittern. Ihre Augen glühten rot und er meinte auch, Rauch aus ihren Nasenhöhlen treten zu sehen.

„MARK!“ Ihre Stimme dröhnte tief in seinen Eingeweiden. „Du weißt, dass du das Totenreich nicht verlassen darfst! Du bringst damit das Gleichgewicht durcheinander. Das wäre verheerend für uns –„ ihre knochige Hand zeigte in Richtung der Menschen „- und für sie.“ „Aber, aber…“ „Kein Aber! Es gibt keine Ausnahmen. Ich werde diesen Ausflug niemals zulassen. Ich habe es schon einige Male erlebt und das ging nie gut aus – für uns. Die Menschen bekämpfen alles was sie fürchten. Sieh – „ sie ließ ein Bild erscheinen. „- so wirst du in ihren Augen aussehen.“ Er sah sich – verwest und stinkend durch die Straßen schlurfen. „Aber…“ „KEIN ABER! „polterte sie. Die Nebelschwaden wandten sich nervös um Mark. „NIEMALS! Du gehörst in mein Reich. Sehe das als eine Verwarnung an. Aber glaube mir – solltest du das nochmal versuchen, wird die Strafe fürchterlich sein. Da würdest du dir fast die Auslöschung durch die Menschen wünschen. Also komm.“

„Ich kann mich nicht bewegen.“ Die Wächterin drehte sich irritiert um. „Ach ja, stimmt. Auf meine lieben Helferlein. Zeigen wir Mark den Weg nach Hause.“

Die Schwaden wickelten sich fester um Mark und ein gleißendes Licht erschien. Sie zogen ihn  in das Licht. Einen letzten, sehnsuchtsvollen Blick zurück blieb Mark noch, dann verschwand er im Licht.

ENDE

Humor, Mystery, Schreibkicks

Schreibkicks – Strandparty unter Vollmond – Sehnsuchtsvolle Erinnerungen.

Schreibkicks-blau1Schreibkicks. Hier wird von Sabine immer zum 1. des Monats ein neues Thema bekannt gegeben, dass dann am folgenden 1. des kommenden Monats auf seinem Blog gepostet wird.

Für den 01.08.17 ist das Thema: Strandparty unter Vollmond.

Mit dabei sind:

Das Thema für den 1. September lautet: Sommerausklang

Kommt, redet und feiert mit meinen Gästen.


„Ach wisst ihr – heute ist irgendwie alles anders. Ich erinnere mich noch an wilde Partys am Strand unter dem Wolfsmond. Wir waren so ausgelassen und wir konnten aber so was von feiern. Das ist alles irgendwie abhandengekommen. Ich weiss auch nicht. Keiner hat mehr so richtig Lust zu feiern. Wo sind nur die guten alten Zeiten hin?“ D. stand am Strand – direkt neben dem Feuer und hielt sein Glas mit roter Flüssigkeit in der Hand.

„Ach D. wem sagst du das. Früher konnten wir ausgelassen feiern. Es gab ja auch nicht viele Städte in der Nähe – ist ja alles jetzt so zugepflastert. Man hat ja kaum Luft zum Atmen.“ Sagte W.

„Ja – da hast du sowas von Recht. Früher konnte ich von meinem Schloss aus über die Wälder schauen und sah was? Wälder. Jetzt – Häuser. Hochhäuser und so hässlich. Und die Nahrung. Ich weiss nicht. Früher gab es gescheites und nahrhaftes Essen. Nicht regelmässig Fleisch, aber wenn dann alles echt und nicht künstlich erzeugt. Heute – alles Vegan, ohne Gluten, ohne Milch  – Was soll denn da aus dem Blut werden?“ sagte D.

„Nicht nur das Blut – auch das Fleisch ist  nicht mehr, dass was es war. Es stecken mehr Ersatzpolster unter der Haut als Fleisch. Wenn man da mal kräftig in den Po beisst, platzt so ein Kissen und ich kann euch sagen – es schmeckt einfach widerlich. Und nicht, dass die Frauen da richtig ängstlich sind. Nein! Sie sind wahrlich angepisst, weil man eines der teuren Implantate zerfetzt hat. Nein, nein, nein. Das sind schlimme Zeiten für uns.“ L. schüttelte empört den Kopf.

Z. schlurfte zu der Gruppe und stellte sich gemütlich hinzu. „Oh Mann – Z. Du stinkst vielleicht, was hast du denn gegessen?“ „Na das übliche. Gehirnfutter. Aber ich kann euch sagen. Heute schmeckt das irgendwie auch nicht mehr. Früher hat man da reingebissen und es spritzte einem leckerer Saft in den Mund – heute ist das trocken wie eine Reiswaffel. Ich glaube es liegt daran, dass sie nicht mehr denken müssen. Die Medien, die Handys – alles wird vordiktiert. Hier muss doch keiner mehr ans überleben denken. Das lässt das Gehirn vertrocknen. So schmeckt es auch. Bäh. Und nahrhaft ist das auch nicht – wie Luft – ich bin nur hungrig.“

Dä. Begab sich ebenfalls zu der Diskussion. „Hei Leute, was ist das den für eine lahme Strandparty. Ich komme von soweit unten um einmal im Jahr Spass zu haben, da steht ihr alle um das Feuer herum und blast Trübsal. Herrjeh – da hätte ich unten aber mehr Spass gehabt. Was gibt es denn so bedrückendes?“

D antwortete Dä. „Wir schwelgen in Erinnerungen. Das Feiern war doch damals viel besser, oder? Das Essen hat besser geschmeckt und war unverfälscht. Da hatte Angst auch noch die richtige Würze verliehen. Das Blut schmeckte mit einem Schuss Adrenalin noch besonders gut. Und von einer Jungfrau – hmmm. Heute hat doch keiner mehr Angst vor uns. Und Jungfrauen – ha – die sind mittlerweile Legenden. Schaut euch doch die Filme und Romane an. Wir sind doch keine echten Monster mehr. Wir sind – vermenschlicht. Da glitzern wir und sind gefühlvoll. Verliebt und sanft. Ja manche freuen sich sogar, wenn sie uns sehen.“

„Na bei mir haben sie schon noch Angst – wenn ich so durch die Strassen schlurfe – und nach Gehirn rufe – da rennen sie schon noch. Aber ich bin mir nicht immer sicher ob das real ist. Durch diesenZombie Walk in den Innenstädten – Vielleicht überschätze ich mich da?“ grübelte Z.

Dä lachte laut. „Also ich kann mich gar nicht beschweren. Es gibt so viel die ich besuchen kann und da kann ich mich einnisten. Das ist so toll. Die Menschen sind so schwach – ihr Geist so schwach. Keiner glaubt mehr an was. Ich niste mich in ihre Körper und kann wüten. Keiner merkt was. Sie sind alle so verdorben, da falle ich gar nicht auf. Mein Vater T. ist so begeistert. Er hat schon lange nicht mehr so viel Menschen in seinem Heim begrüßen können. „

W. stand auf. „Hei ihr – kommt, lasst uns nicht so dämlich rumhängen. D hat eine grossartige Party auf die Beine gestellt. Die Band ist klasse. Schau, da treten alle unsere Nachkommen auf. Was vermitteln wir denn für einen lahmen Haufen. Die Zeiten waren früher besser. Dracul hatte Jungfrauen mit gut gesättigtem Blut. Lycan konnte in die echten Hintern beissen und sich den Bauch vollschlagen. Ich habe es auch nicht mehr so leicht. Jeder erwartet von uns Hexen, dass wir sexy sind. Da ist ein Buckel, eine Warze auf der Nase und graues Haar echt eine üble Diskriminierung. Jeder der mich sieht, hat automatisch  Mitleid  mit mir und will mir einen Apfel zustecken. Einen Apfel – früher habe ich die vergiftet und hübschen Mädchen zum Essen gegeben. Die Essen heute ja nichts mehr. Pah. Also und jammere ich. Nein. Ich will feiern. Paaarty.“

„Walpurga hat Recht,“ rief Zombie. Scheiss drauf. Lasst uns Spass haben Schliesslich hat Dracul wirklich sein Bestes gegeben. Du wirfst wirklich die besten Partys ever. Auf dem Buffet ist für Jeden was zu finden. Gehirn, Blut, Fleisch, Sogar Seelen für unseren Dämon. Kommt der Teufel auch noch?“

„Er wusste es nicht – er hat eine grosse Fuhre Neuzugänge bekommen und die Logistik ist maßlos überfordert – er wollte es versuchen. Er liebt diese Partys einfach.“

„Na ich würde mich freuen ihn mal wieder zu sehen. Er ist ein begnadeter Tänzer“ schwärmte Walpurga.

Dracul ging auf die Bühne. „Freunde der Nacht. Schaut zum Himmel. Der Vollmond zeigt sich extra für uns heute. Lasst die Party beginnen. Keiner soll diesen Strand ohne genügend Sand in der Unterwäsche verlassen. Auf geht’s. Let´s Rock and Roll. Wuhu.“

ENDE

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Quelle

 

Horror, Mystery, Schreib mit mir

Schreib mit mir Teil 3 – Die Jungfrau

Jette hat auf ihrem Blog Offen Schreiben eine tolle Schreibaktion. Mit Hilfe einiger Eckpunkte können wir Geschichten schreiben.

Heute nehme ich Euch mit auf einen Dachboden – aber ich warne – ist nicht geeignet für zarte Gemüter. Es gibt eine etwas brutale Szene in dieser Geschichte.


Setting:

Dein/e Protagonist/in hat das Haus von seinen/ihren Eltern geerbt und räumt nun erst einmal auf. Er/sie durchsucht den staubigen Dachboden. Einige Dinge wurden von seinen/ihren Eltern zurückgelassen. In einer Kiste in der letzten Ecke findet er/sie ein komisches Gerät und eine Liste mit Namen.

Was ist das für ein Gerät? Was hat es mit den Namen auf sich?

Gegenstände:

Die Liste, das komische Gerät, eine Tasse Kaffee

Wortumfang:

Höchstens 10.000 Worte

 

Vor etwa genau zwei Jahren waren meine Eltern verstorben. Bei einem Autounfall sind sie ums Leben gekommen. Ich dachte damals immer, das ist ein so häufiger Todesfall in den Filmen und Romanen und die Helden sind immer einsam und bleiben verstört zurück. Es ist immer hoch dramatisch und ich fand diese Beschreibungen immer total überzogen. Bis es mir passierte. Zwei Jahre. Ich konnte es nicht glauben. Am Anfang fehlten sie mir schrecklich. Allerdings holte mich der Alltag sehr schnell ein. Ich musste an einen Ausdruck aus Stephen Kings Romanreihe der dunkle Turm denken „Die Welt hat sich weitergedreht“. Schon damals wurde dieser Satz fast ein Mantra. Jedes Mal wenn ich etwas überstanden hatte, das mir unüberwindbar vorkam, dachte ich an diesen Satz. Zwei Jahre Später sass ich auf dem Dachboden meiner Eltern. Nach dem ich endlich ihre Papiere gesichtet hatte, fand ich ihr Testament, in dem sie mir ihr Haus vererbten. Es war eh kein anderer Verwandter mehr übrig – was wohl auch der Grund war, warum nie jemand nach dem Haus fragte. Ich war lange nicht hier gewesen. Schon lange vor ihrem Tod. Ich wuchs zwar hier auf, aber es war mir immer unheimlich. Ich glaube, ich war nie auf dem Dachboden gewesen. Er schien mir immer wie ein dunkles tiefes Loch in eine andere Welt. Mein Zimmer lag direkt darunter und ich hörte es nachts immer knarren. Ich hasste es – diese Angst die das Geräusch auslöste. Jetzt saß ich in meinem Alptraum. Auf dem gefräßigen Dachboden. Fast fühlte ich  mich wie paralysiert. Aber es half nichts – ich musste mich irgendwann ja mal damit beschäftigen.

Ich stand also auf und fing einfach in einer Ecke an. Dort stand schon mal eine Kiste. Gut. Ich ging auf sie zu – sie war groß und schwer. Fast wie ein Überseekoffer. Was sollte ich lange überlegen? Ich öffnete die Schnappverschlüsse und den Deckel.

Im Inneren der Kiste befand sich ein komisches Gerät. Es sah sehr altmodisch aus. Es erinnerte mich an die eiserne Jungfrau aus dem Film das Pendel des Todes. Sofort überkam mich eine Gänsehaut.

Sie war tatsächlich Mannshoch und sah schon irgendwie gefährlich aus. Sollte ich mich hineintrauen. Ich wollte nicht – aber es zog mich einfach magisch an. Ich steckte erst mal nur meinen Kopf in die Kiste und untersuchte sie. Da fand ich eine Liste. Auf dieser Liste standen fünf Namen. Sie waren durchgestrichen. Sehr seltsam.

Meine Gänsehaut wollte nicht mehr verschwinden. Also verschwand ich vom Dachboden. Ich machte noch schnell einige Fotos von dem Gerät und verließ fluchtartig den Dachboden. Als ich die Tür hinter mir schloss, merkte ich erst wie kühl es dort oben gewesen war. Hier war es regelrecht warm. Ich ging erst mal in die Küche um mir einen Kaffee aufzusetzen. Ich war nicht unvorbereitet gekommen. Ich dachte mir schon, dass es eventuell länger dauern könnte und ich zählte mich zu den Kaffeejunkies.

Fast entspannt, setzte ich mich mit der Liste an den Tisch. Die Namen sagten mir gar nichts. Ich zückte mein Smartphone und versuchte genaueres zu finden. Das einzige was ich fand waren Vermisstenanzeigen. Aber schon aus den Dreißiger und Vierziger Jahren. Diese Personen auf der Liste wurden vermisst. Hatten meine Eltern ein dunkles Geheimnis? Aber als die Menschen vermisst wurden, waren sie selbst noch Kleinkinder. Es musste noch mehr dahinter stecken. Auf dem Handy war die Suche ein Desaster, also holte ich aus dem Auto mein Laptop um damit genauer suchen zu können.

Eine weitere Tasse Kaffee wurde aufgesetzt. Ich durchforstete das Internet und fand heraus, dass diese fünf Namen im Zusammenhang mit einem Zirkel vielen, der angeblich satanische Rituale durchführte. Ich holte mir die geschossenen Bilder auf den PC und schaute sie mir genauer an. Es wurde dunkel und keine zehn Pferde hätten mich jetzt auf den Dachboden gebracht. Im Leben nicht. Also studierte ich die Bilder.

Ich hatte nicht Unrecht mit meinem Gedanken. Es schien eine eiserne Jungfrau zu sein. Aber sie hatte nicht nur die Dorne innen sondern auch Rädchen und Federn. Wie wurde dieses Gerät bedient? Im Netz fand ich, dass es eigentlich üblich war, den Deckel einfach zuzuklappen. Die Dornen traten in den Menschen ein und meistens verblutete er grausam.

In dem Moment hatte ich das dringende Bedürfnis das Haus zu verlassen und es abzubrennen. Irgendwas stimmte hier ganz und gar nicht.

Ich beschloss erst mal schlafen zu gehen. Aber bestimmt nicht in mein altes Zimmer. Da graute es mir. Zu nah an den seltsamen Geräuschen vom Dachboden. Ich begab mich in das Schlafzimmer  meiner Eltern. Ein seltsames Gefühl. Aber ich war einfach nur müde.

Ich fiel in einen unruhigen Schlaf. Düstere Träume verfolgten mich. Ich stand in einer Art Keller – Nein es war mehr ein Altarraum. Es gab einen Tisch in der Mitte. An den Seiten waren Riemen angebracht und seltsame Zeichnungen bedeckten sowohl den Tisch, den Boden als auch die Wände. Alles war in Blutrot gehalten. Sehr gruselig. In einer Ecke standen mehrere verhüllte Personen und unterhielten sich. Und da – da stand die eiserne Jungfrau vom Dachboden. Sie sah bedrohlich aus in dieser Kulisse.  Auf einmal drehte sich eine Person zu mir um.

„Hey, da bist du ja endlich. Komm her – wir reden gerade über die Zeremonie von heute. Hast du unsere neue Errungenschaft gesehen.“ Dabei zeigte er auf die Jungfrau. Ich stutze, blickte an mir runter und sah mich in einer gleichen Kutte, wie die anderen gekleidet. Was geschah hier. Ich erkannte die Leute – und ich erinnerte mich ihre Namen gelesen zu haben – auf dem Zettel. Ich verstand gar nichts.

Es wurde unruhig im Raum, bevor es ganz ruhig wurde. Ich stellte mich zu den anderen und beobachtete. Es war eine aufgeladene Stimmung – ich merkte wie ich mit gerissen wurde von dieser Atmosphäre, ich war aufgeregt – freudig aufgeregt. Gleich würde etwas passieren. Ich konnte es noch nicht erfassen, obwohl es ja mehr als offensichtlich war. Ich war bei einem satanischen Ritual dabei. Und ich wusste aus diversen Horrorfilmen was mich zu erwarten hatte.

Womit ich allerdings nicht rechnete war, dass mich auf einmal mehrere Hände packten, in Richtung eiserne Jungfrau zerrten, mir die Kutte vom Leib rissen und mich nackig in diese Jungfrau schubsten. Ich spürte die spitzen Dornen auf meinem Rücken und Hintern. Meine Arme waren schon gefesselt und ich konnte mich nicht befreien. Wenn nicht jetzt, wann sollte Panik aufsteigen. Ich hörte mich flehen.

„Was soll das Freunde. Was habt ihr vor. Das ist kein Scherz. Macht mich los, wir haben uns alle amüsiert. Ich kann da nicht mitlachen.“

„Meine Liebe – das ist kein Scherz und es ist auch nicht zum Lachen. Denkst du wir wissen nicht alles über unsere Mitglieder? Denkst du nicht, wir beobachten euch. Und wir wissen von deinem Verrat. Wir wissen, dass das FBI auf dich zukam und dass du einen Deal mit ihnen hast. Also was bietet sich eher an, als unser neuestes Spielzeug gleich an dir zu testen? Was meinst du was wir machen sollten? Uns stellen? Ach du bist ja so naiv. Der Zirkel besteht seit Jahrhunderten und wird uns alle überdauern. Es gibt keine Möglichkeit uns zu zerschlagen.“

Ich fing an zu zittern und nicht weil mir wegen der fehlenden Bekleidung kalt war. Ich wusste, ich würde diesen Raum, diesen Tag nicht lebend verlassen. Und kaum hatte ich den Gedanken beendet, schloss sich die eiserne Jungfrau. Bevor ich den Schmerz bemerkte wachte ich schweiß gebadet auf. Mein Herz schlug stark, es wollte gerade aus meiner Brust hüpfen. Mir blieb nichts anderes als auf zustehen. Es war noch dunkel. Die Uhr zeigte vier Uhr am Morgen an. Ich betrat das Bad und lies die Dusche an – warmes Wasser würde die Schatten des Traumes hoffentlich den Abfluss hinunter spülen.

Frisch und motiviert ging ich in die Küche und goss mir einen Kaffee auf. Mein Lap Top fuhr hoch, während ich mir schnell einen Müsliriegel aus meiner Tasche zog. Das würde mir hoffentlich den nötigen Kick für das Kommende geben. Nach dem Alptraum war mir klar – ich musste noch etwas weiter forschen. Also tippte ich die Namen ein und schaute auf die Jahreszahl des Verschwindens. Die meisten der fünf verschwanden 1935.

Ich suchte auch nach satanischen Zirkeln in diesem Zeitraum. Da gab es so viel, es war unmöglich heraus zu finden, welche in meinem Traum erschien. Gerade zu dieser Zeit waren Seancen und Okkultismus in der gehobenen Gesellschaft sehr angesehen.

Ich hatte also die Lösung. Die Namen auf meiner gefundenen Liste waren Mitglieder dieses Zirkels und verschwanden auf mysteriöse Weise.

Ich schätzte mal, dass sie sich einfach mit neuer Identität abgesetzt hatten, als der Zirkel aufflog. Das war einfach das plausibelste. Dass es etwas unnatürliches beinhaltete blockte ich ab, bevor sich ein unliebsamer Gedanke festsetzten konnte.

Es wurde Zeit. Mit einer zweiten Tasse Kaffee schaute ich einfach mal nach, ob es Sammler solcher Folterinstrumenten gab. Ich war erstaunt. Es gab einige. Also wollte ich dieses Monster auf dem Dachboden endlich einen neuen Besitzer zuführen. Es musste raus aus diesem Haus. Am besten ich würde dann noch einen Exorzisten holen, der dieses Haus reinigte. Ich erinnerte mich an meine vielen schlaflosen Nächte in meinem Zimmer und den gruseligen Geräuschen auf dem Dachboden. Ob meine Eltern da informiert waren? Wie kamen sie eigentlich an dieses Gerät? Vielleicht haben sie es vom Vorbesitzer des Hauses übernommen. So was kam ja vor. Egal. Das war ein Rätsel, das sich  nie lösen lassen würde. Ich wollte dieses Ding und am besten auch das Haus loswerden. Dafür würde ich dann einen Makler einsetzen. Ich würde noch die Dokumente sichten und dann diesem Haus für immer den Rücken kehren.

Mit Widerwillen betrat ich erneut den Dachboden. Ich wollte einige Fotos von der eisernen Jungfrau schießen und sie dann zum Verkauf anbieten. Mal sehen, was so ein Gerät einbringen würde.

Ich versuchte es etwas besser auszuleuchten. Natürlich wollte ich auch von innen gute Bilder machen, also stellte ich mich mit dem Rücken erst einmal an die innere Wand der Jungfrau. Ich spürte die Dornen an meinem Rücken und meinem Hintern und erinnerte mich an das Gefühl aus meinem Traum. Mich schauderte und bevor ich die Chance hatte zu reagieren und die Jungfrau zu verlassen, ging ein Mechanismus los. Meine Hände waren gefesselt. Jetzt wusste ich um die Bedeutung der Räder und Federn. Mit Entsetzen sah ich wie sich der Deckel schloss. Jetzt spürte ich wie sich die Dornen in meinen Körper bohrten. Ich versuchte mich irgendwie zu befreien. Aber es war zu spät. Ich wusste – ich würde diesen Dachboden und diesen Tag nicht lebend verlassen. Das letzte was ich sah, bevor sich die Dornen in meine Augen bohrten, war eine Gruppe  vermummter Personen, die im Kreis standen und seltsame Worte murmelten. Eigenartig war nur, dass ich durch sie durch sehen konnte. Es waren Schatten. Es waren Geister der Vergangenheit. Und sie erledigten das, was sie schon einmal erledigt hatten. Sie erledigten mich. Das letzte was ich spürte war Angst und undenkbare Schmerzen.

ENDE