Geschichtenzauber

Schreib mit mir Teil 4 – Das Königreich im Spiegel #9

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Kapitel 6

Was bisher geschah:

Arlo und Janis haben ein verfluchtes Dorf entdeckt. Sie können es erst verlassen wenn sie helfen den Fluch zu brechen. Werden sie es schaffen, die Bewohner zu befreien?


Die beiden gingen zurück in das Gasthaus. Sie bedienten sich selbst und redeten über die Situation, in der sie sich befanden. „Wo ist denn hier ein Vulkan?“ fragte Arlo. „Ich weiss es nicht. Aber ich denke, das werden wir wohl heute Nacht erfahren.“ „Wie soll er gebannt werden?“ „Ich denke, da wird es wohl ein Ritual geben. Ich habe sowas schon mal gehört. Eine Art Bannzauber. Aber der muss sehr stark sein. Denn der Fluch ist es auf jeden Fall.“

„Was meinst du, sollten wir noch weiter buddeln? Dann könnten wir heute noch alles zu Ende bringen. Es dauert noch Stunden, bis es wieder dunkel wird.“ „Ja. Ja ich denke du hast Recht Arlo. Lass uns noch etwas weiter buddeln und dann ruhen wir uns aus, bevor es dunkel wird.“ Die beiden beendeten ihr Mahl und gingen wieder zurück zu dem Altar. Es schien, als würde der schwarze Rauch stärker werden. „Meinst du er wird stärker um den Fluch aufrecht zu erhalten, oder weil wir ihn bedrängen?“ Janis grübelte. “Das ist gut möglich. Ich denke, dass der Fluch einen eigenen Schutzzauber hat. Wollen wir hoffen, dass und das nicht behindert, oder schlimmeres.“

„Gut, lass uns voran gehen. Graben wir dieses Monstrum aus.“

Die beiden gruben und hackten und der Rauch wurde immer stärker. Bald sahen sie nichts mehr und konnten auch nicht mehr richtig Atmen. Arlo wurde Ohnmächtig und Janis konnte sich auch kaum noch auf den Beinen halten. Aber er nahm seine ganze Kraft um Arlo aus dem Dunstkreis zu ziehen. Als sie etwas entfernt von dem Altar lagen, wurde auch Janis ohnmächtig.

Es war dunkel, als die beiden erwachten und die Dorfbewohner hatten sich um sie gesammelt. „Ihr wart leichtsinnig. Ich hatte wohl vergessen, dass der Stein nicht zu bergen sein wird bei Tageslicht, da er zu dieser Zeit wirkt. Er verliert seine Kraft in der Dunkelheit.“ Janis stöhnte und hielt sich den Kopf. „Ja, diese Information wäre wirklich hilfreich gewesen. Nun – wir haben es trotzdem geschafft noch etwas voran zu kommen. Jetzt machen wir den Rest. Wie läuft das mit dem Bann?“

„Es wird euch nicht erstaunen – wie haben Kontakt zu einer weissen Hexe mittels einem Vogel her bestellt. Sie wird den Bann aufbauen, der uns vor dem schwarzen Rauch schützen soll.. Er wird so lange halten, bis der Stein in den Vulkan geworfen wurde.“

„Das wäre unsere nächste Frage.“ Meldete sich Arlo. „Wo ist denn dieser Vulkan? Wir haben keinen gesehen auf unserem Weg.“ „Gut – ein Vullkan ist vielleicht übertrieben. Es ist mittlerweile nur noch eine Art Feuersee. Es war früher mal ein Vulkan, ist dann aber durch Erosionen abgetragen worden. Aber er ist immer noch aktiv und auch gefährlich. Seine Temperatur ist heiss genug, den Fluch zu zerstören.“ „Alles klar. Die letzte Frage wäre dann, wo bekommen wir einen neuen Stein her?“ „Aus genau diesem Feuersee. Die weisse Hexe wird paar ihrer Formeln auf sagen und der alte Stein, wird in den geheiligten Flammen erneuert. Der Fluch ist aufgehoben, der Stein repariert und wir können endlich wieder Leben.“

„Das klingt wie in einem Märchen. Also gut, lasst uns fertig werden.“ Arlo und Janis fingen an den Stein fertig auszubuddeln. Dann legten sie Seile um ihn und die Männer des Dorfes zogen ihn auf einen Wagen. Sie konnten sich dem Stein immer noch nicht nähern, aber das ziehen, aus der Entfernung ging ohne Hindernisse. In der Zwischenzeit war auch die Hexe eingetroffen. Für sie schien es keine Probleme zu geben, das Dorf zu betreten. Sie wob einige Zaubersprüche zu einem Bann und die Truppe bewegte sich vorwärts in Richtung des Vulkansees.

Dort angekommen wurde es schwierig. Die Männer konnten sich dem Stein nicht nähern. Arlo und Janis aber konnten den Stein nicht alleine bewegen. „Wir müssen leider den Wagen opfern. Der Stein muss samt den Wagen versenkt werden. Ich hoffe das ist kein Problem?“ „Nein, nein absolut nicht, was ist schon ein Wagen für die Freiheit? Schieben sie ihn schnell mit hinein.“

Gesagt, getan. Janis und Arlo schoben. Dabei kamen sie ziemlich ins Schwitzen. Der Wagen war, durch den Stein, sehr unbequem zu bewegen. Dann kam noch die Hitze des Sees dazu. Es forderte ihre gesamten Kraftreserven. Im Hintergrund hörten sie die Hexe murmeln. Dann war es geschafft. Der Wagen rollte mit dem Stein in den feurigen Vulkansee und ging unter. Jetzt hiess es warten. Die beiden jungen Männer sanken zu Boden und atmeten schwer. Es war nur noch eine Frage der Zeit, die hoffentlich nicht zu lange dauern würde, dass sie endlich weiter ziehen konnten.

Es dauerte lange, bis endlich was passierte. Janis befürchtete schon, dass die Morgendämmerung vorher einsetzen würde. Da sahen sie etwas. Aus den Flammen erhob sich der weisse Stein. Er strahlte und glühte. Er erhob sich auf einem Bett aus Luft. Dann schwebte er auf den Ersatzwagen, den die Männer des Dorfes vorrausschauend besorgt hatten. Alle atmeten auf. Jetzt mussten sie sich beeilen. Es würde bald hell werden, und der Stein müsste bis dahin auf seinem alten Platz eingesetzt sein.

Schnell zogen die Männer mit den Pferden das Gefährt zu der Ausgrabungsstelle. Das Einsetzen gestaltete sich etwas schwieriger. Aber mit vereinten Kräften schafften sie es, den Stein auf seinen angestammten Platz einzusetzen. In dem Moment, als der Stein sass ging die Sonne auf. Und je höher sie stieg umso schillernder leuchtete der Stein. Er schimmerte wie Perlmutt  und die Bevölkerung des Dorfes war geblendet von der Schönheit. So sehr, dass sie noch nicht mal merkten, dass sie sich nicht auflösten. Erst nach einigen Minuten fingen die Kinder an zu lachen und zu tanzen. Da bemerkten sie, dass sie noch da waren. Sie schauten an sich hinunter und alle fingen an sich gegenseitig zu umarmen und sie tanzten um den Stein.

Der Fluch war gebrochen. Um den Stein erwachte die Natur. Die schönsten Blumen eroberten die schwarzen Stellen. Arlo und Janis waren gebannt von dem Schauspiel. Der Dorfrat kam auf sie zu und der Älteste umarmte sie. „Ihr habt es geschafft. Wir können endlich ein normales Leben führen. Wie sollen wir euch das jemals vergüten.“ „Das ist nicht nötig. Ich sagte euch schon, versorgt uns nur soweit, dass wir weiter ziehen können. Etwas Geld und Nahrungsmittel. Eure Freiheit ist unser Lohn.“ Sagte Janis und beobachtete das Grinsen seines Freundes.

Sie gingen zurück zum Gasthaus, richteten sich her und sattelten die Pferde. Sie wollten schnell weiter, bevor doch noch etwas unvorhergesehenes passierte. Sie wurden, trotz Protest, fürstlich entlohnt. Als sie das Dorf verliessen rannten ihnen die Kinder lachend und winkend hinter her. Janis schaute nach dem Splitter und führte sein Pferd in die Richtung in die er zeigte.

„Eure Freiheit ist unser Lohn – meine Güte, da hast du aber schwer aufgetischt, mein Freund.“ Lachte Arlo. „Das klang schon gut, oder? Aber es ist ja auch wahr. Etwas geschwollen ausgedrückt, aber gibt es ein besseres Gefühl, als ein ganzes Dorf befreit zu haben?“ Sie lachten befreit und zogen ihres Weges. In Richtung eines neuen Abenteuers.

Fortsetzung folgt. 

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Schreibeinladung für die Textwoche 37.17 | Wortspende von lz.

Und es ist wieder soweit – das Gehirn juckt und das muss gekratzt werden – war da nicht was bei Big Bang letzt mit einem Drahtbügel durchs Ohr? Ich nehme lieber die Etüden von Christiane . Die Wortspende kommt dieses mal von lz., dem Etüdenerfinder ludwigzeidler.de.


Da sass sie nun – die Verwandlung zum Geschprächsthema Nummer 1,  war komplett. Tja was konnte sie schon machen? Da kam so ein süsser Kerl daher und sie verwandelte sich in eine Knutschkugel. Wie ein Kugelfisch mit Schlauchboot Lippen ist sie hinter ihm hergewackelt.

Total peinlich – ihre Aktion.

Wie sollte sie dass denn dem Pfarrer im Beichtstuhl erklären? „Herr Pfarrer, der Kerl war nicht von dieser Welt, das sag ich ihnen. Er kam her und schaute mich mit seinen blauen Augen, tief wie der Ozean an und um mich war es geschehen. Bitte zehn Avemaria und paar gemeinnützige Stunden, sollten mich rehabilitieren,oder?“

Sie zuppelte an ihrem Kleid und ignorierte die Kirchenbesucher, die sich über ihren peinlichen Ausrutscher beim Kirchenball amüsierten – wenigstens hatte sie mal was Interessantes zu beichten.

Geschichtenzauber

Schreib mit mir Teil 4 – Das Königreich im Spiegel #8

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Kapitel 4

Was bisher geschah:

Die friedliche Zeit ist vorbei. Arlo wäre fast der Sklave einer Hexe geworden. Jetzt wird es immer schwieriger voran zu  kommen.


Eine Woche irren sie umher. Sie fanden noch nicht mal ein Dorf in dem sie unterkommen können. Dem Wind und Wetter ausgesetzt wurde es trotz der Jahreszeit seltsamerweise richtig kalt. Es kam sogar ein Schneesturm auf. In dem die beiden gezwungen waren sich einen provisorischen Unterschlupf zu bauen. Mit den Pferden und dicht bei einander sitzend, überstanden sie es. Sie waren schon am Ende ihrer Kräfte und Nerven, als endlich der Splitter wieder erschien. Janis konnte endlich wieder eine Richtung einschlagen, die erfolgsversprechend war. Hungrig, verdreckt, nass und übermüdet erreichten sie ein Dorf.

Sie schauten sich an und sendeten ein stilles Dankesgebet gen Himmel. Endlich ein Dorf. Sie ritten auf der Hauptstrasse und sahen niemanden. Das Dorf war ausgestorben. Aber es wirkte bewohnt. „Das ist seltsam. Was ist das für ein Ort? Es wirkt so bewohnt, aber es ist kein Mensch oder Tier zu sehen. Wo sind sie denn alle?“ Janis hatte ein seltsames Gefühl. Er war immer sehr sensibel bei übernatürlichen und er spürte hier etwas, das ein Zauber sein könnte. „Ich bin mir nicht sicher, Arlo. Aber ich denke hier ist Magie im Spiel. Lass uns nach dem Gasthaus suchen. Ich brauch was zu trinken und zu essen und ein Bad – vor allem ein Bad.“ „Ja – gut, lass uns das machen.“

Sie fanden schnell das Gasthaus und traten ein. Die Pferde hatten sie im angrenzenden Stall einquartiert und schnell selbst versorgt, da auch dort niemand war, der das erledigen würde. Sie sahen sich im Schankraum um. Kein Mensch, kein Tier – aber das Feuer brannte und auf dem Feuer stand eine Suppe. Sie sahen sich fragend an und bedienten sich hungrig. Auch ein Fass Bier fanden sie. Sie setzten sich und aßen in Ruhe. „Was meinst du ist hier los, Janis?“ „Ich weiss es nicht, aber es ist bestimmt ein Zauber. Ich spüre es, als würde meine Haut kribbeln. Aber lass uns erst mal abwarten. Ich brauch auf jeden Fall  ein Bad. Ich stinke wie ein alter Hammel.“ „Allerdings.“ Lachte Arlo. Janis schubste ihn. „Du glaubst nicht, dass du besser riechst, oder. Komm lass uns nach einem Badehaus suchen. Das Geld lege ich auf den Tresen neben die gebrauchte Schüssel. Ehrlich bleiben wir.“

Sie suchten ein Badehaus und fanden es. Auch dies war in Betrieb. Das Feuer heizte das Wasser auf und  ein Wasserrad lies das warme Wasser in das Bassin laufen. Sehr modern. So etwas hatten sie selten gesehen. „Ahhhh – es gibt echt wenig, das besser ist, als ein warmes Bad nach solch Torturen. Vielleicht noch eine hübsche Frau, die einen einseift.“ Zwinkerte Janis. „Ja klar – natürlich. Wie so ein Pascha mit einem Harem.“ „Genau mein Freund, genau.“

Nach dem entspannenden Bad gingen sie wieder zurück zum Gasthaus. Es dämmerte und Janis stoppte. Er hatte was gesehen. Einen Schimmer. Er hielt Arlo zurück und zeigte in die Richtung in der er das Schimmern gesehen hatte. „Was ist das?“ „Ich glaube das sind die Bewohner.“ „Was?“ meinte Arlo. „Es ist wie ich mir dachte – Ein Fluch? Ich weiss es nicht – aber ich denke wir werden es erfahren, denn das Dorf werden wir nicht verlassen können.“ „Wieso? Was meinst du?“ „Schau – der Eingang zum Dorf ist weg. Da wo wir reingeritten sind ist nur noch eine weisse Nebelwand. Da werden wir ganz gewiss nicht mehr hinaus kommen.“ Arlo stöhnte. „Meinst du wir werden jemals unser Ziel erreichen?“ „Ja, ja – das schaffen wir, aber wir wussten auch, dass es nicht leicht werden würde.“ Arlo liess die Schultern sinken und sie gingen zum Gasthaus zurück. Das Zentrum eines Dorfes war immer das Gasthaus. Janis war sich sicher, dass sie dort ihre Informationen bekommen würden. Vorher würden sie wohl kaum weiterreisen können.

Kapitel 5

Als sie an dem Gasthaus ankamen war es dunkel. Und je dunkler es wurde, umso mehr Menschen erschienen. Es war als würden sie aus einer parallelen Welt in diese eintreten. Sie waren erst nur Schemen und wurden dann feste Körper. Das Leben hatte Einzug erhalten in diesem kleinen verwunschenen Dorf.

Arlo und Janis betraten die Gaststube. Dort war es wie ausserhalb des Gebäudes. Menschen, die tranken und aßen. Sie waren fröhlich und feierten. Janis ging an den Tresen um mit dem Gastwirt zu sprechen. „Hallo guter Mann. Mein Freund und ich haben uns bedient, aber das Geld hier liegen lassen. Ich hoffe es war kein Langfinger vorher da?“ „Nein, nein – hier sind alles ehrliche Menschen. Das Geld lag noch hier.  Unser Leben hat andere Probleme als sich gegenseitig zu bestehlen. Wir kümmern uns umeinander. Wie ihr ja wohl schon gemerkt habt, ist hier nicht alles wie es in anderen Orten ist.“ „Allerdings. Ein Zauber oder Fluch liegt auf eurem Dorf?“ „Genau. Unser Dorfrat wartet auch schon auf euch. Kommt in die hintere Stube. Da kann man sich ruhig unterhalten.“

Arlo und Janis folgten dem Wirt. Als sie den Raum betraten sassen dort vier ältere Männer. „Seid Willkommen, ihr edlen Herren.“ Sagte ein ziemlich beleibter Geselle. „Setzt euch, und hört uns zu. Denn eure Anwesenheit spricht dafür, dass ihr die Auserwählten seid, die uns endlich von diesem Fluch befreien können.“ „Gut, dann klärt uns auf.“

„Wir sind der Dorfrat. Vor mehreren hundert Jahren waren wir ein Dorf wie jedes andere. Dann, eines Tages kam eine junge hübsche Frau in unser Dorf. Sie bezauberte sämtliche Männer und die Frauen waren natürlich nicht sehr erbaut darüber. Also wollten sie das junge Ding loswerden. Sie sprachen mit ihr und baten sie höflich, doch ihr Dorf zu verlassen. Aber sie lachte die Frauen des Dorfes nur aus. Also schmiedeten die Frauen einen Plan, sie anderweitig los zu werden. Am Rand des Dorfes gibt es einen Altar. Da wurde damals schon den Göttern gehuldigt. Mit Blut und Menschenopfern. Das Christentum, hatte noch nicht überall Einzug erlangt und man glaubte noch an die alten Riten.

Sie überwältigten die junge Frau und brachten sie zu diesem Altar. Sie bereiteten alles für eine Opfergabe vor. Nur – keiner wusste es – aber man hätte es sich denken können. Diese junge Frau – das war kein gewöhnliches junges Mädchen, sondern damals schon eine mächtige Hexe. Sie verfolgte jeden einzelnen Schritt und als es dann zur Opferungszeremonie kam, kehrte sie einfach alles um. Die Kraft, die daraus resultierte befähigte sie einen bösen Fluch über unser Dorf auszusprechen. Nun ich glaube kaum, dass ich ihn erklären muss?“

„Doch bitte – ich denke wir werden es genau wissen müssen. Da ich davon ausgehe, dass wir da wohl was zu machen haben?“ „Ja, darauf wird es hinaus laufen. Also gut. Sie verfluchte uns zu ewigen Leben bei Nacht und zu einem Schattendasein bei Tag. Man sollte meinen, das wäre nicht so schlimm, aber glaubt  mir, nach mehreren hunderten von Jahren würden wir gerne mal wieder die Sonne sehen, die Ernte eintragen, und die Blumen blühen sehen. Vögel hören wir sind des ewigen Lebens müde. Wir wollen einfach ein normales Leben mit normalen Alltagsproblemen.“

Arlo schauderte:“ Das stell ich mir furchtbar vor. Wie soll dieser Fluch denn zu brechen sein?“ „Eigentlich ist es  nicht so schwer, denn der Hauptteil der Erlösung, ist dass jemand überhaupt den Weg hier her findet. Denn dieses Dorf ist eigentlich nicht sichtbar. Nur einmal im Jahr zur Wintersonnenwende erscheint es. Aber wieviel Glück muss man haben, dass genau da jemand hier vorbei  kommt. Da ihr beide aber dieses Dorf auch so erreicht habt – ja – seid ihr die Erlöser, auf die wir schon so lange warten. Es wird euer Schaden nicht sein. Das Dorf ist reich. Wir können euch fürstlich entlohnen.“

„Des Geldes wegen machen wir es nicht. Wir sind auf einer Rettungsmission. Eine junge Frau wird gefangen gehalten und wir müssen sie befreien. Aber unser Weg ist mit Aufgaben gepflastert. Also machen wir es um einen weiteren Wegweisser zu unserem Ziel zu bekommen.  Das einzige, dass wir dann benötigen ist alles um weiter zu kommen.“ „So sei es.“

Janis und Arlo zogen sich kurz zurück um sich zu beraten. „Ja, mein Freund, wie du schon richtig erkannt hast. Wir kommen eh nicht mehr hier raus. Also was bleibt uns übrig? Lass uns beginnen.“ Sagte Arlo. „Ihr guten Herren, sagt uns, was müssen wir machen um den Fluch zu brechen?“

„Der Altar – er ist der Kern des Fluches. Er muss vernichtet und ersetzt werden.“ „Nun, dann zeigt uns den Altar.“

Sie brachen auf zur Dorfgrenze. Als sie am Altar ankamen, war es schon zu erkennen. Rund um den Altar wuchs nichts – die Erde war verdorrt – fast schwarz. Normal holte sich die Natur alles wieder zurück, wenn sie nicht gebändigt wurde. Aber hier streikte sie. Der Altar war weiss wie Alabaster, aber in der Mitte gesprungen. Es waberte ein dunkler Rauch aus dem Riss. „Was ist das?“ „Das ist die Quelle des Nebels, der das Dorf verschwinden lässt. Und es ist auch der Grund, warum wir bei Sonnenaufgang verschwinden.“ „Sollen wir ihn reparieren?“ „Nein – er muss ausgetausch werden. Dafür muss er gebannt und in einen Vulkan geworfen werden.“

Arlo und Janis schauten sich an, dann die Männer. „Wie bitte? Wir sollen ihn in einen Vulkan werfen? Ihr könnt schon sehen, dass er sehr gross und schwer ist?“ „Ja, ja, natürlich. Unsere Männer werden beim Transport helfen. Wir können uns nur nicht nähern und ihn selbst herausholen. Da ist eine unsichtbare Barriere.“

Janis stöhnte. „Gut – habt ihr Werkzeug um dieses Monstrum zu bergen? Ah da. Na dann Arlo – lass und loslegen und einen Stein ausbuddeln.“

Arlo zeigte wahre Begeisterung. Sie näherten sich dem Stein. Er war stark. Sie spürten das Böse, das um ihn herum war und aus ihm heraus kam, aber da sie nicht von dem Fluch betroffen waren, konnten sie sich nähern. Sie fingen an ihn heraus zu graben. Keine leichte Tätigkeit, aber nach mehreren Stunden schafften sie es. Dann dämmerte es und die Menschen lösten sich langsam auf.

„Ihr lieben. Wir werden uns auflösen. Ruht euch in dem Gasthaus aus. Esst und Trinkt so viel ihr wollt. Wir werden und bei der Abenddämmerung wieder sehen und dann weiter vorgehen.

Fortsetzung folgt.

Geschichtenzauber

Schreib mit mir Teil 5 – Trügerische Freiheit – Das Grauen lauert im Nebel Teil 2 von 2

Den ersten Teil könnt ihr HIER noch mal nachlesen.

Was bisher geschah:

Hank ist nicht zimperlich. Er hat schon eine bewegte Vergangenheit und einige Gefängnisse kennen gelernt. Aber dieses hier – das ist seltsam. Es scheint ein verfluchter Ort mit verfluchten Insassen zu sein. So langsam bekommt er es mit der Angst zu tun.

Kapitel 5

Art führte Hank zur Essensausgabe. „Hier ist unser Restaurant. Barney ist der Küchenchef. Ein netter Brummbär, der immer was zu erzählen hat. Unser Barkeeper nur ohne Alkohol. Da hinten in der Ecke, das sind die, vor denen du mich beschützen sollst. Das sind die, die mich als ihre „Bitch“ wollen.“ Er hob die Finger zu den Gänsefüßen. „Hey – mein Arsch soll Jungfrau bleiben. Echt jetzt.“

„Gut wir werden sehen, wie nützlich du mir noch bist. Wenn sie nützlicher sind, verkaufe ich dich.“ Meinte Hank trocken und genoss Arts entsetzten Blick. „Na danke auch. Da komme ich vom Regen in die Traufe. Nun gut, wir werden sehen.“

Hank knuffte Art. Aber Art hatte die Ernsthaftigkeit schon herausgehört. Hank war nicht hier, weil er ein netter Kerl war. Hier kamen  nur die ganz bösen Kerle her. Verzweifelt fragte er sich erneut, warum er überhaupt hier gelandet war. Ein Rätsel, das er wohl nie lösen würde. Aber jetzt würde er hoffentlich auch mal schlafen können und nicht ständig vor Angst die Tür verbarrikadieren müssen. An Flucht hatte er nur mal gedacht. Er wusste, dass er niemals genug Mut aufbringen würde. Zuviel Schauergeschichten rankten um das Gebiet außerhalb der Gefängnismauern.

Nach dem Frühstück gingen die beiden in den Hof. Dort gab es die üblichen Aufbauten. Fitnessbereich, Basketballkörbe und die „Chill-Ecke“. Hank beobachtete alles ganz genau. Hier schien es keinen Alpha zu geben. Sehr seltsam. Es wirkte fast harmonisch. Die alten Knackis spielten Karten oder Schach, die Jungen machten Sport. Einzig, die vor denen Art Angst hatte schienen auf Krawall aus. Den konnten sie haben. Er wäre bereit. So ab und zu einen Faustkampf würde er brauchen. Ich drehe sonst durch. Da kann ich gleich einem Buchclub oder Häkelverein beitreten. Nichts Aufregendes los hier.

„Hei, Art. Warum bricht hier eigentlich keiner aus? Keine Wachen, keine Hochsicherheit? Erklär mir das!“

„Es lauert etwas im Nebel. Manchmal kört man es oder sie. Genau weiß es keiner. Der einzige, er tatsächlich einen Ausbruch überlebte ist Mick. Der Alte mit dem Buch dahinten. Aber er spricht nicht. Wenn man ihn darauf anspricht starrt er einen nur an. Und glaub mir, das ist super unheimlich. Er ist nämlich blind. Angeblich seit dem Ausbruch. Wenn man in seine Nähe kommt, scheint seine Stille einen zu Boden zu drücken. Ich weiß es nicht, vielleicht ist er besessen? Auf jeden Fall macht er einem Angst. Du kannst dein Glück probieren. Aber er wird nicht antworten. Manche sagen er redet nur, wenn ein neuer Angriff bevorsteht, oder einer ausbricht.

Manchmal greift das Grauen aus dem Nebel tatsächlich an. Der Zaun ist das einzige, das uns schützt. Wir glauben es sind die jungen. Frisch geschlüpft, oder was auch immer. Die sind zu ungeduldig und wollen uns provozieren. Manchmal hört man die Tiere des Waldes schreien. Furchtbare Schreie. Es ist ganz übel, Alter. Da möchte man sich bei seinen Eltern im Bett verkriechen.“

Hank sah Art verständnislos an. Warum sollte man das wollen. Er hätte sich nie bei seinen Eltern verkrochen. Was ein Weichei.

Hinter ihnen manifestierte sich ein Schatten. „Hei, Neuer. Ich bin Walt und ich kenne dich. Du warst mit Freddy damals im Bau. Ich kann mich genau an dich und deine Schläger erinnern. Hier wird es das nicht geben. Wir haben kein schlechtes Leben hier. Wir können machen was wir sollen. Keine Wärter, die uns schikanieren. Genug zu Essen, Ruhe – was will man mehr?“ „Freiheit vielleicht?“ „Glaubst du, du bist er erste harte Hund, der hier her kam und ausbrechen wollte. Geh nur zu Mick und frag den stummen Blinden. Wenn du einen lichten Moment erwischst antwortet er vielleicht. Ich rate dir die Füße still zu halten. Du hättest es schlimmer treffen können. Das Gefängnis beschützt uns. Aber erwartet Loyalität. Du hast bestimmt geträumt? Wir haben alle geträumt. Glaub mir, das scheiss Gefängnis ist verflucht, verhext, was auch immer. Wer hier drin ist bleibt hier. Da draußen, das sind die Soldaten des Gefängnisses. Keiner, außer Mick, hat es gesehen und überlebt. Weißt du wer da draußen lauert? Die gefallenen. Erst die der Kriege und dann die neuen Rekruten – die geflohenen Gefangenen. Kein einziger, der hier aufgenommen wurde, wird je entlassen. Schau dir die Chroniken an. Da liest du es.“

„Wie hat Mick es geschafft zu überleben?“ „Keine Ahnung. Er ist nicht mehr klar im Kopf. Er war auf jeden Fall mehr Tod als Lebendig als er zurückkam. Ist er jetzt ja irgendwie immer noch. Also finde dich damit ab. Die wird nur bleiben und leben oder sterben bei dem Versuch zu flüchten. Was ist dir lieber?“

„Ihr spinnt doch! Ein verhextes Gefängnis und was? Tote Soldaten? Ihr wollt mich verarschen, weil ich der Neue bin. Ich gehe zu Mick.“

Kapitel 6

Hank setzte sich Mick gegenüber. Dieser hielt die Bibel in der Hand. „Hi, ich bin Hank. Mick?“ Keine Reaktion. „Was ist da dran, an der urbanen Legende?“ Mick starte Hank mit seinen blinden Augen an. Sofort stellten sich Hanks Haare an den Armen auf. Art hatte Recht, es war befremdlich und gruselig. Es war als würde Mick direkt in seine Seele blicken.

„Das Grauen wartet im Nebel. Diejenigen Innerhalb sind des Todes. Diejenigen Außerhalb sind des Todes. Die Seelen der Außenseiter sind verdorben  das Futter der unerlösten. Keiner hier hat die Erlösung verdient. Bleib innerhalb der Mauern und werde erleuchtet. Das bedeutet Frieden und Sicherheit für deine Seele  – niemals Freiheit. Setzt einen Fuß nach draußen und bleibe für immer als Wächter und hungriger Wanderer. Niemals wirst Befreit du werden.“

Nach diesen Worten wendete sich Mick von Hank ab. Die Bibel wie ein Schutzschild vor sich erhoben.

Hank stand auf und ging zurück zu Freddy und Art. „Und?“ Freddy sah ihn wissend an. „Hast du deine Antworten?“  „Ich weiß nicht was ich habe, außer Kopfschmerzen. Mick ist echt Gaga.“ Art legte seinen Kopf fragend leicht schräg. „Willst du immer noch flüchten?“  „Nun – es muss doch möglich sein von hier zu entkommen. Wer weiß ob es nicht einer von den Flüchtenden geschafft hat? Weg ist weg und sie werden wohl kaum eine Postkarte von den Malediven schicken.“

Hank stand auf und ließ die beiden zurück. Grübelnd ging er die leeren Gänge, die immer noch gruselig wirkten, entlang. Er suchte die Verwaltung. Es musste doch einen Plan des Gefängnisses geben.

Kapitel 7

Hank fand den Weg in die oberen Stockwerke. Die Büros waren, praktischer Weise, ausgeschildert. Er fand die Tür zur Verwaltung somit sehr schnell. Dort hing auch ein Plan des Gefängnisses. Wer hat denn dieses Gefängnis geplant? Es gibt keine Notausgänge. Nur den Haupteingang. Das gibt es doch nicht. Er setzte sich in den bequemen Chefsessel und drehte gedankenverloren hin und her. Der Stuhl war so bequem, dass er einnickte. Ein Traum schlich sich in seinen Schlaf. Er stand auf dem Wachturm und schaute über die Mauer. Es dämmerte schon, aber die Außenbeleuchtung war hell genug um alles auszuleuchten. Er sah Schatten sich bewegen. Undeutlich aber menschlich. Sie blickten hinauf zu ihm. Ihre Augen leuchteten gelblich. Hank zitterte. Vor ihm erschien ganz plötzlich ein Gesicht – unvorstellbar verzerrt und entstellt. Die Augen angstvoll aufgerissen und gelb leuchtend.  Er erschrak und wich zurück. Je weiter er zurück wich umso genauer konnte er die Geschallt erkennen. Seine Augen weiteten sich vor Schrecken und Erkennen. Vor ihm stand ein Bekannter. Vor ihm stand er selbst und er zeigte mit dem knochigen Finger auf ihn.

Hank schreckte auf und wäre fast vom Stuhl gefallen. War das eine Warnung, so wie Art ihm das erklärt hatte? Schnell stand er auf um den Raum zu verlassen. Sein Ziel war die Chronik. Er wollte sehen was andere berichteten.

Er rannte den Gang entlang, das Licht flackerte und warf grauenhafte Schatten an die Wand. Hank sah Gestalten mit langen knorrigen Fingern, die nach ihm griffen. Er war schweißgebadet, als er endlich im unteren Stockwerk Art in die Arme lief. „Hei, Alter. Du siehst aus als wärst du dem Leibhaftigen persönlich begegnet. Alles klar?“

„Ja  – so in etwa. Ich habe wieder geträumt und Schatten verfolgten mich. Ich glaube wir sind hier in der Vorhölle.“ Hank sah hektisch über seine Schulter zurück. Es folgte ihm niemand. „Bring mich zur Chronik. Ich will bisschen lesen.“ „Gut. Folge mir.“

Sie standen vor der Wand und Hank betrachtete die Sätze. Sie berichteten von Träumen, ähnlich den seinen. Von den Geräuschen und Theorien. Alles was Art ihm schon berichtete. „Komm, lass uns zum Abendessen gehen. Barny macht Steak und Pommes. Ich liebe Pommes.“ Er zog Hank mit sich, der sich widerspruchslos fügte. Nach dem Essen saßen sie vor dem Fernsehen und  ließen sich von einer billigen Telenovela berieseln.

Am nächsten Tag beschloss Hank sich genauer am Tor umzuschauen. Die Nacht hatte wieder grauenhafte Träume hervorgerufen. Er musste raus hier. Das Wetter war schlecht und die wenigsten kamen heraus. Nur ein paar liefen ihre Runden und achteten nicht auf ihn. Er inspizierte das Schloss. Es war niedrigste Sicherheitsstufe. Er konnte es nicht glauben, dass hier so wenig auf die Ausbuchsicherheit geachtet wurde.

In dem Moment öffnete sich das Tor. Er blicke irritiert. Dann sah er den Bus, Frischfleisch. Sie schienen so sicher, dass keiner abhaute, dass null Sicherheitsvorkehrungen getätigt wurden. Ein Fingerzeig des Schicksals, dachte Hank. Und nutzte das sich öffnende Tor um raus zu huschen. Er verbarg sich im Nebel und bückte sich hinter den Büschen. Jetzt musste er nur noch warten. Warten konnte er.

Kapitel 8

Während er wartete, döste er etwas ein. Er erwachte von dem Motoren Geräusch des sich entfernenden Transporters. Jetzt konnte er auch endlich fliehen. In Freiheit. Vielleicht würde er sogar ein neues Leben starten können. Ehrlich werden, eine Familie gründen und ein guter Vater werden. Vielleicht konnte er das.

Der letzte Gedanke war sein neues Leben, das er beginnen wollte. Sein letzter Blick zurück galt den Gemäuern hinter ihm und Gesichter hinter den Fenstern. Mick und neben ihm stand traurig blickend, Art. Eine Hand zum Abschied erhoben lösten sie sich auf. Das Gefängnis zerfiel vor seinen Augen. Nur noch ein Gerippe aus Mauerwerk. Das Letzte was er las, ein Ausschnitt aus der Chronik an der Aussenmauer.

„Die Befreiten Geister sind sicher hinter diesen Mauern. Die verfluchten Geister jagen vor den Mauern der vergangenen Sicherheit hinter her. Auf ewig sind beide Seiten Gefangen, ob ihrer Taten. Du, der du das liest – hast dich für die falsche Seite entschieden.“

Hanks Gestalt begann sich aufzulösen. Er wurde zu einem Schatten mit gelben Augen. Keiner wird jemals seinem Gefängnis entkommen. Ein neuer Eintrag auf der Chronik im Waschraum erzählt von dieser Geschichte. Für Nachfolgende, die vor der Entscheidung stehen – Sicherheit aber Verdammt im Inneren – oder Ewiger Jäger und Verdammt im Äußeren.

ENDE

Die Inspiration stammt von Jette. Vielen Dank

 

Allgemein, Geschichtenzauber

Schreibeinladung für die Textwoche 36.17 | Wortspende von 365tageasatzaday

Die Sommerpause der Etüden bei Christiane, ist vorbei. Endlich können wir wieder 3 Wörter in einer Geschichte mit 10 Sätzen einschreiben.


„Hei – hei – Warte, warte mal – dein Heiligenschein ist verrutscht.“ „Was – ach du gute Güte – wie sieht das denn aus. Ich sehe ja aus wie eine Krähe.“

Erleichtert richtete der kleine Engel seine Erscheinung und war wirklich froh, dass der kleine Hilfsengel ihn vor der Blamage bewahrte. Schliesslich war heute sein erster Soloauftritt auf der Erde. Da musste die Erscheinung und vor allem die Frequenz stimmen.

Schliesslich schaute der grosse Paulus zu, wie er seinen ersten Ausseineinsatz bewältigte.

Wenn er das alles ohne Probleme schaffte, würde er öfter auf der Erde eingesetzt werden und würde die guten Seelen den richtigen Weg weissen. Deswegen war das Erscheinungsbild ja auch wichtig.

Wie würden denn die Menschen reagieren, wenn ein derangierter Engel sie bei der Hand nehmen wollte um sie nach Hause zu bringen – unvorstellbar.

Geschichtenzauber

Schreib mit mir Teil 5 – Trügerische Freiheit – Das Grauen lauert im Nebel Teil 1 von 2

Wieder hat mich ein Szenario von Jette „gefangen“ genommen. Dieses mal eine Geschichte um ein seltsames Gefängnis.

Allerdings konnte ich mich wieder nicht bremsen und muss es aufteilen. Es wird zwei Parts geben.


 

Setting:

Dein/e Protagonist/in ist ein/ Gefangene/r in einem Gefängnis. In diesem Gefängnis gibt es keine Wachen. Dennoch haben die Gefangenen zu viel Angst um zu fliehen.

Warum fliehen sie nicht? Was würde passieren, wenn sie es doch versuchen?

Gegenstände:

ein Schlagstock, eine Pistole, Tränengas, Gefängnisoverall

Charaktere:

Ein absoluter Feigling und jemanden der beunruhigend still ist


Hank war das, was man einen harten Kerl nennt. Sein Vorstrafenregister könnte in jeder Kriminologie-Vorlesung als Paradebeispiel dienen.  Man könnte natürlich anbringen, dass er eine schwierige Kindheit hatte. Ja das stimmt sogar – seine Mutter eine Säuferin und Prostituierte, sein Vater ein Schläger – ein typisches Klischee. Das einzige was nicht passte, war Hank. Er war immer brav, schüchtern, ängstlich und zurückhaltend. Sein Vater verachtete ihn dafür. Er hielt ihn für einen jammernden Schwächling und schlug oft umso härter zu, um einen Mann aus ihm zu machen. Dann wurde er erwachsen – und er erkannte, dass er etwas ändern musste, wenn er nicht immer unter solchen Menschen, wie seinem Vater, leiden wollte. Er schloss sich einer Gang ein und als sein Vater irgendwann mal wieder zuschlagen wollte, kam Hank ihm zuvor. Er schlug mit all seiner Wut und seinem Hass zu. Solange bis sein Vater sich nicht mehr rührte. Als seine Mutter in das Zimmer stürmte und ihrem Mann tot da liegen sah, stürzte sie sich auf Hank und boxte ihn. Eigentlich wollte er sie nicht töten – sie war ja auch ein Opfer des Systems. Dumm nur, dass sie nie für Hank da war. Er griff in seinen Rücken und holte die Pistole aus dem Gürtel – er schoss und es war ruhig. Danach entwickelte sich seine kriminelle Karriere wie aus dem Lehrbuch. So kam es dann auch, dass er mehr Zeit seines Lebens in Gefängnissen als in Freiheit verbrachte. Ja – Hank war ein unangenehmer Zeitgenosse. Besser man ging ihm aus dem Weg.

Wieder einmal saß er vor einem Richter. Er hörte gar nicht richtig zu. Ein schwitzender Junganwalt, der nervös mit den Seiten raschelte und vor dem Richter stotterte – Hank war es egal. Er saß im Gefängnisoverall auf dem Stuhl und wartete auf sein Urteil. Das wäre die letzte Verurteilung. Er würde nie wieder in Freiheit kommen.

Er erinnerte sich an seine Verhaftung. Sie hätten ihn nie überwältigt, wenn sie nicht Tränengas verwendet hätten. Er lächelte bei dem Gedanken an den Grünschnabel, der seine Pistole kaum richtig herum gehalten hatte. Fast hätte  er sie noch fallen lassen. Hank holte gerade mit seinem Schlagstock aus, als das Gas durch die Fenster geworfen wurde.

Er hatte Gerüchte gehört über ein Gefängnis ohne Wärter. Die Verhandlung war vorüber und Hank sollte tatsächlich lebenslänglich in dieses mysteriöse Gefängnis ohne Wärter kommen. Innerlich jubelte er – das wäre doch gelacht, wenn er nicht einfach die Flatter machen könnte. Lächelnd betrat er den Gefangenentransporter, setzte sich und schlief entspannt ein.

Kapitel 2

Der Transport stoppte  „Hei – Gefangener – hast du gut geschlafen? Wach auf. Hei Penner. Wir sind da. Die gemütlichen Stunden sind vorbei. Auf du Lurch. Beweg dich und reih dich ein. Dein neues zu Hause will dich willkommen heißen. Harharhar.“

Hank schlug die Augen auf. Er hatte tatsächlich gut geschlafen. Das Ruckeln des Autos und das Brummen des Motors hatte ihn sanft ein schlummern lassen – wie ein Baby in der Wiege. Er schmunzelte leicht und bekam gleich einen Tritt in den Magen.

„Hei – Wichser – beweg dich, wir haben nicht den ganzen Tag Zeit. Im Dunkeln werden wir hier weg sein. Auf, auf.“

Der Wächter wusste nicht, wie froh er sein konnte, dass Hank gefesselt war. Beruhige dich Brauner – du kannst es eh nicht ändern. Atme tief ein und aus und verlasse das Auto. Es wird schon noch eine Möglichkeit geben sich zu entfernen. Ein Knast ohne Bewachung – wie schwer soll das schon für mich sein.

Hank reihte sich hinter den anderen Gefangenen ein. Insgesamt waren sie vier Männer. Er schaute sich unauffällig um. Ein Sumpfgebiet. Er seufzte tief. Sumpf ist immer gefährlich – aber immerhin an ein Festland gebunden. Eine Insel wäre schwieriger geworden.

Er konnte den Weg erkennen, den das Auto genommen hatte. Er würde als Fluchtweg ausfallen. Hank konnte Solarbetriebene Straßenlaternen erkennen. Wahrscheinlich war auch irgendwo ein Überwachungssystem geschaltet. Nein – er musste anders hier raus kommen.

Aber sein erstes Ziel würde der Boss sein. Es gab immer einen Boss. Und das wollte Hank sein. Er würde auf keinen Fall die Bitch von jemandem sein. Ha. Nicht er. Das würden die da drinnen schon merken.

Kapitel  3

Hank lies das nervige Aufnahmeritual über sich ergehen. Es war ja nicht sein erster Besuch im Gefängnis. Er schlappte stur hinter den anderen her, zog sich aus, als es befohlen wurde und präsentierte alle seine Körperöffnungen. Als Krimineller durfte man halt nicht schüchtern sein.

Nach dem Prozedere bekam er seine Kleidung, Handtuch, Seife, Zahnbürste und Zahnpasta. Er wurde zu seiner Zelle gebracht und alleine gelassen.

„Hei, hei Neuer. Wie heißt du? Willst du mein Freund sein? Mein Beschützer? Du siehst stark und angsteinflößend aus. Ich brauche jemanden, der mich beschützt. Ich habe solch Angst.“

„Wie lange bist du schon hier?“ „Eine Woche, und du glaubst nicht wie beängstigend das hier ist.“

„Erzähl mir was  über den Knast hier.  Komm rüber zu mir und berichte was ich wissen muss.“

Hank schaute in die Richtung, aus der die Stimme kam und ein Bürschchen, der nicht älter als siebzehn oder achtzehn sein konnte drückte sich an der Wand entlang und schlüpfte in die Zelle.

„Hallo, ich bin Art.“ „Hank.“ „Dein Name klingt schon mutig. Ich bin irgendwie falsch hier. Hier sind nur Schwerverbrecher – nicht für ungut, aber dass du kein Waisenknabe bist ist offensichtlich.“

„Warum bist du hier?“ „Ich bin ein bekannter Hacker. Und ich habe das Verteidigungsministerium gehackt und lahm gelegt. Ich bin also ein Staatsfeind. Aber mich in den härtesten Knast zu stecken, finde ich doch etwas übertrieben.“

„Härtester Knast? Du willst mich veralbern, oder? Hier gibt es keine Wachen. Soweit ich das sehe, werden wir noch nicht mal eingeschlossen. Was ist denn da hart?“

„Du hast keine Ahnung. Du Tor. Du bist noch neu – aber du wirst schon erfahren, wie toll es hier ist. Und nicht nur die Insassen. Glaube mir.“

Hank betrachtete Art nachdenklich. Ich werde schon herausfinden, was dieser Feigling meint. Morgen werde ich erst mal das Gebiet erkunden. Mal sehen wer hier das Sagen hat.

„So – Art. War ja echt nett, deine Bekanntschaft zu  machen, aber ich habe eine lange Fahrt hinter mir und ich bin echt geschafft. Ich will mich jetzt nur noch aufs Ohr hauen und solange schlafen, wie ich darf. Wie lange darf man denn hier schlafen?“

„So lange du willst. Gibt ja keine Wärter hier. Wir sind hier im nirgendwo.“

„Na bestens – das ist ja wie Urlaub hier. Vielleicht gefällt es mir ja doch. Wir werden sehen. Und jetzt verpiss dich.“

Kapitel 4

Hank konnte trotz Müdigkeit nicht einschlafen. Er grübelte. Was würde ihn erwarten. Ein Gefängnis ohne Wärter. Warum flüchtet keiner? Das kann doch nicht sein, dass die alle ein Leben in Gefangenschaft vorziehen.

Irgendwann holte der Schlaf ihn doch ein. Er schlief unruhig. Immer wieder stöhnte er und warf sich hin und her. Kurz vor der Dämmerung schreckte er hoch. Ein Geräusch hatte ihn geweckt. War es aus seinem Traum, oder kam es von draußen. Er war nass geschwitzt und fror.

Ihm blieb nichts anderes übrig als aufzustehen. An Schlaf war erst mal nicht mehr zu denken. Die Notbeleuchtung war angeschaltet und er ging auf den Gang hinaus. Kein Mensch war auf den Gängen unterwegs. Er folgte den Pfeilen auf dem Boden, die ihn zu den Ausgängen führten. Die Notbeleuchtung ließ den Gang in einem dämmerigen grünen Licht erscheinen. Hank sah in jeder Ecke Schatten, die sich bewegten. Eine Gänsehaut überzog seine Arme. Es war wirklich gruselig. Am liebsten wäre er sofort umgekehrt in seine Zelle und hätte die Tür freiwillig verschlossen.

Verdammt, reiß dich zusammen, du Memme. Was soll denn hier schon großartig sein. Vielleicht irgendein Gefangener, der wie ich nicht schlafen kann. Vielleicht ist der irgendwo hängen geblieben und hat irgendwas umgeworfen, und das hat das Geräusch gemacht, dass dich geweckt hat. Ja so wird es sein. Ich will jetzt nur mal an die frische Luft. Dann gehe ich zurück in meine Zelle und schlafe weiter.

Hank beruhigte sich wieder. Er ging weiter durch die unheimlichen Gänge. Seine Schritte wurden von den Wänden zurück geworfen. Das irritierte ihn. Er hatte das Gefühl schon ewig gelaufen zu sein. Irgendwo musste doch  mal eine Tür nach außen sein.  Verflixt. Ich glaube ich laufe im Kreis. Was soll der Scheiss. Da! Eine Tür. Endlich. Hank ging etwas schneller. Seine Schritte hinterließen ein Echo. Ein Echo? Er blieb stehen. Die Schritte gingen weiter. Erschrocken drehte er sich um. Ein Schatten an der Wand bewegte sich weiter. Hank hielt den Atem an. Gleich müsste jemand um die Ecke kommen. Der Schatten bewegte sich weiter. Langsam aber ohne zu zögern. Jetzt musste sein Verfolger erscheinen. Aber da war niemand. Er hörte immer noch Schritte. Aber kein Mensch war hervor getreten. Der Schatten an der Wand bewegte sich weiter. Er kam auf Hank zu.

Hank ging langsam rückwärts. Das konnte doch nicht sein. Was konnte einen Schatten an die Wand werfen, wenn es keinen Körper dazu gab? Dann stolperte Hank und musste sich auffangen damit er nicht stürzte. In dem Moment stand der Schatten genau vor ihm. Hank hielt den Atem an. Da spürte er einen kräftigen Stoß. Dieser Stoß beförderte ihn geradewegs auf die gegenüberliegende Wand zu.  Er fiel und blieb mit dem Rücken an der Wand und rutschte herunter – so blieb er sitzen. Der Schatten kam immer näher. Hank hob zum Schutz den Arm. Da spürte er wie er am Arm gezogen wurde. Er wurde nach oben gezogen und ein scharfer Schmerz drang in seinen Arm. Wieder und wieder war es, als würde jemand auf ihn einstechen. Dann war es vorbei. Ganz plötzlich war der Spuk vorüber. Hank betrachtete seinen Arm. Es waren lauter oberflächliche Schnitte zu erkennen. Nicht tief. Nichts Besorgniserregendes. Schnell rannte er in Richtung seiner Zelle. Atemlos trat er ein und verschloss die Zellentür.  Er blickte sich um, ob er etwas fand mit dem er die Zelle verriegeln konnte. Da gab es nichts. Dann legte er sich schnell in sein Bett und zog die Decke über den Kopf wie ein kleiner Junge. Er versuchte ganz leise zu atmen um ja keine Geräusche zu machen. Ein leichtes Zittern fuhr durch seinen Körper. Nicht mehr viel und seine Körperfunktionen würden ihren Dienst einstellen und er würde sich in die Hose pinkeln. Irgendetwas Seltsames ging hier vor. Und es war verdammt gruselig.

Er hörte ein Rauschen. Als würde der Wind Blätter durch den leeren Gang treiben. Noch einige Zeit horchte er und atmete leise. Dann schlief er ein.

Am nächsten Morgen wachte Hank auf. Er spürte, dass er nicht alleine war, und zog vorsichtig die Decke von seinem Gesicht. Und er erschrak. Vor ihm, auf einem Stuhl, saß Art.

„Verdammt, Alter. Spinnst du mich so zu erschrecken. Was soll denn das?“ Schnauzte er Art an.

„Hallo Freund. Wie hast du geschlafen?“

„Beschissen. Was zum Teufel ist hier nachts los? Schau nur – ich habe lauter Schnittverletzungen.“ Er hob seinen Arm und wollte die Schnitte zeigen. Seine Arme waren unverletzt. Hank drehte hektisch seine Arme hin und her. „D-Das versteh ich nicht. Ich hatte gestern die Zelle verlassen und irgendein Schatten hat mich angegriffen und verletzt. Aber hier – es ist nichts auf meinen Armen.

„Ach ja – ich hätte dich vielleicht vorwarnen sollen. Man bekommt hier sonderbare Träume, wenn man neu ist. Hat irgendwas mit der Einstellung zu tun. Als wüsste das Gefängnis etwas über deine Gedanken und schickt dir Träume zur Warnung. So in etwa findest du es in der Chronik.“

„Chronik? Hier gibt es eine Chronik?“

„Na ja Chronik ist vielleicht etwas hochtrabend. Warst du schon im Waschraum? An den Wänden dort und auf dem Klo, findest du die Chronik.“

Hank sah Art zweifelnd an – ein seltsamer Knabe – ein seltsamer Ort.

Fortsetzung folgt

Geschichtenzauber

Das achte Wort | 2017 – Glücksschmied


Was ist das Projekt *.txt?

Schnell erklärt soll das Projekt *.txt der Inspiration dienen. Einmal pro Monat wird ein Wort verkündet, zu dem die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre Texte schreiben. Es gibt keinen Druck, etwas zu schreiben, kein Datum, bis wann die Texte da sein müssen … es soll also in erster Linie Spaß machen!


 

Mir ist einfach nichts zu Glück eingefallen. Als ich auf dem Weg zur Arbeit war kam mir dann  auf einmal die Eingebung. So mitten auf der Autobahn ist mir was eingefallen. So – wie soll man das notieren? Ich habe also versucht an nichts anderes zu denken um diesen zerbrechlichen Gedanken nicht zu verlieren. Sobald ich konnte bin ich rechts ran gefahren und habe es im Handy notiert. Weiter gefahren und die Gedanken sprudelten. Ach herrjeh – wenn das so weiter gehen würde, käme ich zu spät auf die Arbeit. Auf dem Firmenparkplatz noch schnell den rest eingetippt. Puh – geschafft. Einfacher wäre es gewesen, wenn ich den Rekorder auf dem Handy gefunden hätte. Jetzt weiss ich wo der abgelegt ist – für den nächsten kreativen Schub in unmöglichen Situationen. 😉


Glücksschmied

Die Tränen liefen die Wange hinab und tropften auf die Oberlippe.  Ich zog die Nase hoch und konnte mich gerade noch zurück halten um sie nicht am Ärmel abzuwischen. Lieber nahm ich das angebotene Taschentuch.  Gekündigt.  „Sehen sie es doch als Glück an, Frau Wanderer. Diese Arbeit war doch sowie so nicht ihr Ding. Büroangestellte – man hat ihnen das schon von weitem angesehen, dass sie diese Tätigkeit verabscheuen. Jetzt werden sie quasi gezwungen sich umzuorientieren und finden vielleicht was Besseres für sich. Ihr Glück vielleicht.“ Ich sah ihn durch den Tränenschleier an und er konnte wirklich froh sein, dass ich die Kiste mit meinen persönlichen Sachen schon in der Hand hatte. Sonst hätte er, statt der Hand meine Faust bekommen.

Er sah mich unbehaglich an. Es musste in meinen verquollenen Augen erkennbar sein, was ich dachte. Ich gehörte wahrlich nicht zu den Frauen, die niedlich aussehen, wenn sie weinen. Nein – keiner kommt dann und wischt mir die Tränen von der Wange und nimmt mich tröstend in den Arm. Ich bekomme hässliche rote Flecken im Gesicht, meine Augen schwellen zu roten Ringen an und meine Nase wird zu den Niagarafällen. Ich bin wirklich nicht süß, wenn ich weine.

Das förderte meist keinen Mitleid meines Gegenüber sondern eher das Bedürfnis sich schnell umzudrehen um das Elend nicht länger betrachten zu müssen. Aber Herr Paulus war ein Profi – er war der Personaler und hatte schon einige Leute heulen sehen, nach dem er ihnen die Kiste für ihre Habseligkeiten überreichte.

Mit verachtenden Blick und der verrotzten Nase schnaubte ich wie ein Stier und verließ das Büro. Ich konnte den Kollegen ansehen, dass sie aufatmeten. Alle waren froh, dass es nicht sie getroffen hatte. Ja – ich war die Letzte die kam und die Erste die gehen musste. So war das halt. Klar hat mir der Job keinen Spaß gemacht – aber das interessiert weder meinen Vermieter noch die Kreditkartenvermittler. Alle wollten sie Geld und das bekam man halt nur wenn man arbeitet.

Ich ging zum Auto.  Natürlich regnete es.  Das Universum verhöhnte mich.  Soll ich euch noch erzählen, dass ganz klassisch der Schlüssel aus der Tasche auf den Boden fiel? Und die Kiste in der meine Sachen waren so durchweicht war, dass der Inhalt gerade auf dem Boden verteilt wurde? Als ich endlich – Tratsch nass im Auto saß – leuchtete noch die Motorkontrollleuchte auf. Ich sah gen Himmel und musste lachen. Da oben meint es wirklich jemand besonders gut mit mir.

Tropfend stand ich vor der Wohnungstür und versuchte sie aufzuschließen Ich trat in den Flur und ließ die Kiste aus dem Büro einfach fallen.  Ich hörte meine Tasse klirrend.  Das war es wohl dann auch für sie.  Ich schleuderte die unbequem Schuhe von den Füssen und zog meine nassen Klamotten im Laufen aus.  Die ließ ich gerade so liegen und schlüpfte im Bad unter die warme Dusche.  In meinen kuscheligen Bademantel gewickelt setzte ich mich in meinen Lieblingsessel.  Das Telefon blinkte.  Ich hörte es ab.  „Hi Maureen. * Räusper*.  Ich muss dir was sagen“.  Er macht Schluss. Am Telefon – Perfekt. Wenn das kein Tag für Depressionen war, welcher dann.

Ich ging an den Kühlschrank um die Eislade zu öffnen.  Da stand nur noch ein halber Eimer drin auf dem sich schon Kristalle gebildet hatten.  Egal.  Der würde jetzt den friedlichen Eistod  sterben.  Mit verheulten Augen, einer Liebesschnulze im DVD Player und dem Eisbecher saß ich finster auf der Couch.

Ich war ganz alleine. Meine Eltern waren gestorben, als ich gerade 19 war. Ich hatte keine Geschwister und auch sonst keine Angehörigen. Es war also tatsächlich Zeit  das Leben, das ich gerade führte zu überdenken.

Was jetzt.  Jetzt wurde ich das Glück am Schopfe greifen.  Eine neue Zukunft. Ich hätte die Chance endlich was zu finden das mich erfüllen könnte.  Nie wieder einen Job der mich nicht glücklich machen würde.  Für irgendwelche Idioten arbeiten. Vor allem keinen Null-Acht-Fünfzehn Typen nur um nicht alleine zu sein. .  Nein ich war mehr wert.  Das Glück sollte jetzt endlich mal bei mir anklopfen. Ich würde es auf jeden Fall mit offenen Armen empfangen.

Jetzt war ich dran – ich musste meines Glückes Schmied sein.

Entspannt löffelte ich das kristallisierte Eis und lachte über die romantische Komödie. Ein Silberstreif am Horizont hatte sich gezeigt. Ich würde ihm folgen, bis ich am Ziel ankam. Wo und was auch immer es sein würde.

ENDE