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Schreib mit mir Teil 4 – Das Königreich im Spiegel #13

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Kapitel 10

Was bisher geschah:

Ihre Reise geht nun zu dritt weiter. Janis entdeckt ungewünschte Gefühle für Kato. Sie treffen auf ein erneutes Hindernis – Eine Hecke versperrt ihnen den weiteren Weg.


Das Feuer war herunter gebrannt, aber die Wand hatte noch nicht mal eine Brandspur. „Gut, also Abfackeln klappt nicht. Irgendwie müssen wir da durch. Ich versuche es mit dem Schwert.“ Meine Janis. Er stand auf und versuchte mit seinem Schwert eine Wunde in die Hecke zu schlagen. Jedes Mal wenn er eine Stelle aufgeschnitten hatte, verwuchsen die Ranken wieder mit einander. „So geht es wohl nicht.“ Meinte Arlo. „Kommt, lasst uns einfach mal versuchen drum herum zu gehen. “Sie packten ihre Sachen und fingen an die Hecke abzulaufen. Kato war sehr konzentriert. Sie vermutete, dass irgendwo eine Öffnung nach innen führen würde. Die Männer waren schon vor gegangen, aber sie liess ihre behandschuhte Hand an der Hecke entlanglaufen. Nach einigen Metern stiess ihre Hand auf eine Lücke.

„Hei ihr Zwei. Ich hab da was gefunden.“

Die Männer drehten sich fragend um und sahen, dass Kato gerade dabei war in der Hecke zu verschwinden. Schnell rannten sie zu ihr um sie wieder heraus zu ziehen. Janis zog stark und sie stolperte gegen ihn, so dass er sie halten musste. Er wurde fast wahnsinnig. Sie roch so gut und fühlte sich so gut in seinen Armen an. Schnell liess er sie los.„Hei, warum zerrst du  mich wie einen Kartoffelsack heraus? Das ist ein Durchgang.“ „Oh – ich dachte du würdest aufgefressen.“ Murmelte er. „Kommt, lasst uns rein gehen. Wir werden hier durch müssen.“ Meinte sie.

Sie nahmen ihre Pferde und traten durch die Öffnung. Als sie auf der anderen Seite standen sahen sie was sie erwartete. Ein Labyrinth. „Ach verflixt,“ meinte Arlo. „Ein Labyrinth. Ich hasse Labyrinthe.“ Vorsichtig bewegten sie sich vorwärts. Es war nicht so schwer zu lösen. Die Wände bewegten sich nicht und es gab wenige Sackgassen. Es war, als wäre es für Kinder gemacht. Sie bewegten sich immer sicherer durch die Gänge. Dann kamen sie in der Mitte an.

„Was ist das? Was riecht hier so gut. Ich habe noch nie so etwas gerochen. Es ist wie, wie ein streicheln über meine Wange. Es hüllt mich in Geborgenheit und Sicherheit. Mein Herz klopft wie verrückt. Dieser Geruch – er fordert mich heraus. Finde mich, sagt er.  Liebe mich, sagt er. Nimm mich an dich, sagt er. Wo ist die Quelle.“ Kato und Arlo waren wie hypnotisiert. Es war als würde etwas an ihrer Nase ziehen. So sahen sie aus, wie sie mit hervorgeschobener Nase durch diese Lichtung wanderten.

Janis wunderte sich. Er roch nichts. Wieso roch er nichts? Aber er sah was. Und zwar wunderschöne Blumen. Aus ihnen floss eine Art Gas. Das musste di e Quelle des Geruchs sein, den er immer noch nicht wahrnahm. Er beobachtete die anderen Beiden, die noch immer auf der Suche nach dem Geruch waren. Sie reagierten  nicht auf seine Rufe. Sie waren weg getreten. Was sollte er machen? Dann sah er was. Eine schemenhafte Gestalt. Sie näherte sich ihm. „Wer bist du?“ Fragte Janis. „Ich bin eine Gefangene. Vor langer Zeit kam ich auch hier her und fand diese Blumen. Ich griff nach ihnen und stach mir in den Finger. Du musst verhindern, dass sie zugreifen. Diese Dornen sind vergiftet. Sie verwandeln einen in einen Geist und binden einen an diesen Ort.“

Er drehte sich zu seinen Freunden um und konnte gerade noch sehen, wie sie zu den Blumen griffen. „NEIN. ARLO, KATO – nicht. Greift nicht nach den Blumen.“ Aber es war zu spät. Sie griffen und wurden gestochen. Sofort brachen sie zusammen. „Geist. Was kann ich machen? Sie werden sterben?“ „Ja das werden sie. Aber du hast noch Zeit. Die Wandlung dauert noch einige Zeit. Erst bei Mondaufgang. Danach kannst du sie nicht mehr retten.“ „Sag mir wie.“ „ Es gibt noch eine weitere Lichtung in diesem Labyrinth. Dort findest du die Blume, die das rückgängig machen kann. Aber es ist nicht leicht sie zu finden.“  „Das schaffe ich. Kannst du mir helfen?“ Das Geisterwesen zuckte zurück und überlegte. „JA, ja, das kann ich. Ich bin sowieso verloren, aber euch kann ich helfen. Folge mir.“

Zum Glück. Dieser Geist hilft mir meine Freunde zu retten. Die Böse Königin hat doch nicht alles so unter Kontrolle wie sie denkt. Wenn ich die erwische.

„Komm schneller, die Zeit läuft uns davon. Beeil dich, trödele nicht so rum.“ „Ja, ich komme ja schon. Ich kann halt nicht fliegen, so wie du. Ich muss rennen und darin bin ich nicht so der beste.“ Entgegnete Janis atemlos.

Endlich erreichten sie die Kammer. Dort war die andere Blume. „Wo ist sie?“ „Warte, sie wird gleich erscheinen. Sie zeigt sich immer, wenn die Sonne einen bestimmten Winkel eingenommen hat. Gleich ist es soweit. Da, da ist sie. Schnell. Sie ist nicht lange zu sehen.“ Janis rannte zu der Blume. Sie war wunderschön. Sie schimmerte wie Perlmut. Es tat ihm leid, dass er sie pflücken musste. „Warte. Hast du Handschuhe. Sie ist nicht ungefährlich für nicht vergiftete.“ Er zog seine Lederhandschuhe hervor und pflückte die Blume. „So, jetzt bring mich schnell wieder zurück, bitte.“ „Ja, schnell folge mir, bevor jemand aufmerksam wird. Denn wenn   deine Freunde gerettet sind, müsst ihr schnell hier raus, denn die anderen Geister, die hier gefangen sind, sind nicht so nett, wie ich. Sie sind sehr böse, weil sie hier nicht raus können. Ihr Ziel wird sein, euch hier drin zu behalten. Also schnell, schnell.“

Endlich waren sie wieder am Ursprung. Kato und Arlo lagen unverändert auf dem Boden. Schnell ging Janis zu ihnen und stach ihnen mit den Dornen in die Finger. Es dauerte nicht lange und sie erwachten. Benommen sahen sie ihn an und Kato verzog das Gesicht. „Was stinkt denn hier so?“ Der Geist antwortete:“ Das ist die Blume. Sie versucht damit die Menschen fern zu halten. Aber da euer Freund irgendwie nichts riecht, konnte er euch retten. Jetzt aber schnell, ihr müsst raus hier. Folgt mir ich bringe euch zum andern Ausgang.“

Als Arlo und Kato waren noch sehr schwach, deswegen setzten sie sich auf ihre Pferde um voran zu kommen. Der Mond war gerade aufgegangen. Janis atmete auf. Das war verdammt knapp gewesen. Mal wieder.

Der Geist geleitet sie sicher zum Ausgang und als sie hinaustraten, bedankte Janis sich noch mal. „Können wir dir irgendwie helfen hier heraus zu kommen?“ „Nein mein Lieber, der einzige Weg diesen Fluch zu brechen und alle Geister zu befreien ist, die Böse Königin zu töten. Wenn euch das gelingt, dann werden alle ihre Flüche brechen und alle sind frei. Das wäre der einzige Weg.“

„Ich werde es versuchen.“

Janis setzte sich auf sein Pferd und schloss zu seinen Freunden auf. Der Splitter zeigte ihnen den Weg. Janis blickte zurück. Aber der Geist war schon verschwunden. Ich werde es versuchen mein guter Geist. Ich werde es versuchen. Bei  meinem Leben. Ich werde die Königin töten.

Fortsetzung folgt

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Schreib mit mir Teil 4 – Das Königreich im Spiegel #12

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Kapitel 9

Was bisher geschah:

Arlo und Janis treffen total erschöpft auf eine verfallene Hütte. Dort finden sie eine Frau, die sich vor ihrem zukünftigen Gatten versteckte. Eine grosse Überraschung und eine Verantwortung für die zwei Männer.


Eine neue Situation hatte sich ergeben. Die beiden Männer waren jetzt nicht mehr alleine unterwegs. Eine unangenehme Stille hatte sich eingestellt. Janis war über seine Gefühle Kato gegenüber, verärgert. Es passte ihn überhaupt nicht, dass er ständig nervös war, wenn sie in seine Nähe kam. Wie konnte das passieren. Er dachte er wäre immun gegen solch ein Gefühl. So ein Mist. Arlo – ja zu ihm passt das – er ist der Träumer und hat sich ja auch gleich, nur durch einen Traum,  in Mary verliebt. Das ist typisch für ihn. Aber für mich. Niemals war eine Beziehnung eine Option für mich.  Janis schnaufte schwer. Arlo schaute ihn an. „Alles klar bei dir?“ „Ja, ja.“ Antwortete Janis Missmutig.

Arlo wunderte sich über die schlechte Laune seines Freundes. Eigentlich war Janis immer ein Lebemann. Selten dass ihm etwas Quer sass, aber seit einigen Tagen, war er wirklich sehr mürrisch. Ein seltsames Verhalten.

Die drei ritten weiter. Jeder in seinen Gedanken versunken. Als es dann plötzlich nicht mehr weiter ging. Vor ihnen hatte sich eine Wand aus Büschen erhoben.

„Arlo?“ Fragte Kato. „Äh, ja. Ich weiss auch nicht. Janis? “„Ja, was glaubt ihr denn, bin ich denn allwissend? “schnaubte er. „Hei, halt dich mal mit deiner miesen Laune zurück. Was auch immer dich gebissen hat. Lass es nicht an uns aus. Vielleicht solltest du mal in den Fluss hier links springen um dich abzukühlen. Ausserdem riechst du auch etwas streng.“ Sagte Kato. Janis drehte seinen Kopf ruckartig in ihre Richtung und wollte schon einen bissigen Kommentar abgeben, über seinen Geruch und was ihn ihre Meinung interessierte. Aber der Blick in diese wütenden, bezaubernden Augen liessen ihn verstummen.

Arlo hatte diese Szene beobachtet und verstand nun, was mit seinem Freund los war. Er fing an zu lachen. „Was lachst du denn jetzt so?“ schnauzte Janis ihn an. „Nichts mein Freund, nichts. Geh Baden. Wir sollten pausieren bevor wir uns mit dieser neuen Hürde beschäftigen. Ich kann auch ein Bad brauchen. Ich rieche bestimmt nicht weniger streng als du. Auf, komm.“

Kato ging etwas weiter weg von den Männern. Wenn sie schon eine Badepause einlegten, wollte sie das natürlich auch gleich nutzen. Sie war nicht prüde. Das hatte sie schon früh abgelegt. Allerdings genierte sie sich etwas vor Janis. Er behandelte sie wie ein ungeliebtes Anhängsel. Das verunsicherte sie. Und dieses Gefühl verunsicherte sie ebenfalls. Sie wollte auf jeden Fall nicht, dass er ihr beim Baden zusah. Das war ihr einfach zu peinlich.

Arlo und Janis legten sich in den Fluss und liessen das Wasser um sich herum fliessen. Es war eine Wonne. Wenn man erst mal den ersten Schock der Kälte überstanden hatte, war es sehr belebend. Arlo zwinkerte in Richtung Janis. „Mein bester Freund – ich glaube nicht was ich da gesehen habe.“ „Was hast du denn gesehen?“ murmelte Janis. „Deine Reaktion Kato gegenüber. Du bist verliebt.“ Janis schnellte aus dem Wasser hoch und blinzelte Arlo wütend an. “Was redest du für einen Schwachsinn. Die Frau interessiert mich überhaupt nicht. Ich traue ihr nicht. Vielleicht ist sie doch ein Spitzel der bösen Königin, die uns bezirzen will. Weisst du es?“ „Nein, natürlich nicht, aber das glaube ich nicht. Ausserdem glaube ich, dass sie sich ihren Gefühlen dir gegenüber auch nicht sicher ist.“

Janis schaute zu Kato rüber. Sie hatte ihr Haar geöffnet und es fiel ihr in sanften Wellen über den Rücken. Ihr kleiner Po blitze bei ihren Bewegungen immer mal hervor. Dann liess sie sich ins Wasser gleiten. Es wirkte bezaubernd auf ihn. Ihre fliessenden Bewegungen. Es war als würde sie im Wasser schweben. Seine Fantasie bekam Flügel. Ihm wurde warm ums Herz und auch etwas tiefer.  Arlo schuppste ihn mit dem Fuss an. „Behalt deine Hose an. Sag ich dir. Sie ist keine Frau für eine Nacht und wir sind auf einer gefährlichen Mission unterwegs.“ „Mann, das weiss ich auch. Ich weiss auch, dass sie keine Frau für eine Nacht ist. Deswegen ist sie auch nichts für mich. Ich werde mich nie binden.“ Sagte er und bewegte sich zum Ufer zurück.

Kato beobachtete die beiden Männer und als Janis aus dem Wasser stieg konnte sie seine Muskeln bewundern. Er war gut gebaut. Sie konnte sich vorstellen, dass er viel mit den Waffen trainierte und deswegen wirkte er so athletisch. Kato, wende deinen Blick ab, du lüsternes Stück Weib. Lass dich nicht von irgendeinem Mann ablenken. Du willst ohne einen Mann leben können. Also pack deine Gedanken wieder ein. Er macht ja auch deutlich, dass er kein Interesse an dir hat. Also verschwende nicht deine Zeit, Gedanken und Energie an ihn. Ich reite mit ihnen und wenn es sich ergibt, werde ich sie verlassen. So einfach.

Sie tauchte ganz unter und stieg dann ihrerseits auch aus dem Fluss. Sie war sich bewusst, dass Janis Blick ihr folgte. Und sie kokettierte unauffällig, dass er sehen konnte, was er nie haben würde. Sie amüsierte sich darüber ihm eine Nase zu zeigen.

Arlo amüsierte sich über die beiden, aber der Ernst der  Lage sollte nicht unterschätzt werden. Eine riesige Wand aus Büschen und Dornen versperrte ihnen das Weiterkommen. Sie setzten sich vor diese Wand und machten ein Feuer. „Vielleicht können wir sie abfackeln?“ Meinte Kato. „Ja – vielleicht.“ Janis stand auf und machte sich eine Fackel. Er entzündete sie am Lagerfeuer und ging auf die Wand zu. Er suchte eine etwas trockene Stelle, aber er fand keine. Probeweise hielt er die Fackel an die Wand – nichts – sie entzündete sich nicht. Er gab Arlo die Fackel und sammelte noch etwas trockenes Holz, das er an der Wand stapelte, dann nahm er die Fackel und entzündete den kleinen Haufen.

Die drei sassen vor dem Lagerfeuer und betrachteten das kleine Feuerchen vor der Wand. Aber nichts geschah.

Währenddessen schaute die böse Hexe in ihr Wasserbecken und beobachtete die Drei. Ihr Rabe sass auf ihrer Schulter und schaute ebenfalls hinein. „Siehst du mein Lieber. Das ist das Ende für die Drei. Hier werden sie scheitern. Dieses Labyrinth ist unbezwingbar. Sollten sie den Eingang finden, werden sie nie den Ausgang finden. Dafür werden die Rosen sorgen.“ „Ja, geliebte Herrin.“ Antwortete der Rabe.

Fortsetzung folgt

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Schreib mit mir Teil 4 – Das Königreich im Spiegel #11

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Kapitel 8

Was bisher geschah:

Beinahe wären Arlo und Janis erfroren. Die Böse Königin hatte einen Eiszauber ausgesprochen, die die beiden Reisenden im Schlaf erwischten. Das hätte böse ausgehen können.


Nachdem sie zwei Tage ausgeruht hatten, reisten sie weiter. Ihre Stimmung war gedrückt. Die Reise wurde immer beschwerlicher und das Ziel noch nicht in Sicht. „Janis, ich bin wirklich total fertig. Ich hoffe, dass das hier bald zum Ende kommt. Ich weiss nicht ob ich das alles aushalte.“  „Ach Arlo. Denk doch an das hübsche Mädchen aus deinem Traum. Sie ist der Preis für diese Mühen.“

Arlo seufzte. „Du hast Recht. Dafür lohnt es sich zu sterben.“ „Was – du Trottel, wenn du stirbst hast du ja wohl nichts davon. Idiot. Natürlich musst du überleben um sie zu retten. Ich glaube wirklich du hast Recht. Du bist total am Ende. Sonst würdest du nicht so ein Blödsinn reden.“ Janis knuffte Arlo in die Seite und lachte. Endlich wieder lachen, das hatte ihm gefehlt. Die Unbeschwertheit, die ihn immer verfolgt hatte, war verschwunden. Seine Sterblichkeit wurde ihm vor Augen geführt.  Er war sich immer noch sicher nicht Lebend aus diesem Abenteuer heraus zu kommen, aber es viel ihm nicht mehr so leicht sich damit abzufinden. Er hatte gemerkt, dass er am Leben hing.

Sie ritten schweigend weiter.  Stunden später, es wurde langsam dunkel, trafen sie auf eine verlassene, leicht verfallene Hütte. „Lass uns hier übernachten Janis, ich kann nicht mehr.“ „Ja, gut – das ist mir Recht. Ich bin auch ziemlich alle und mein Hintern schmerzt auch. Ich könnte gerade vom Pferd direkt ins Heu fallen und mal vierundzwanzig Stunden schlafen.“

Sie gingen um die Hütte herum und fanden etwas wo sie die Pferde versorgen konnten. Sie zweifelten daran, dass sie im Inneren schlafen konnten. Die Hütte wirkte sehr unstabil. Aber da es sehr trüb war, und sie keine Lust hatten nass zu werden, wollten sie wenigstens einen Blick riskieren.

Als sie in den Raum traten, konnten sie nichts erkennen. Das Gegenlicht von Aussen liess den Raum schwarz wirken. Nach einiger Zeit hatten sich die Augen an das düstere gewöhnt und sie konnten einige Schemen erkennen. Rechts neben der Tür hing eine Fackel. Arlo wühlte in seiner Tasche nach einem Feuerstein und erzündete die Fackel. Das Licht erfüllte den Rest des Raumes. Links ging noch eine Tür ab. Dort wollten sie nachschauen. Janis betrat den kleinen, fensterlosen Raum. Er wollte gerade wieder hinausgehen, als er eine Bewegung in der Ecke wahrnahm.

Vorsichtig näherte er sich dieser Ecke. Dort lag anscheinend ein Haufen mit Decken. Er zog sein Schwert und fing an in dem Haufen zu stochern. Er traf auf Wiederstand und dieser Wiederstand quiekte. „Autsch“. „Zeig dich. Komm aus diesem Haufen raus, bevor ich dich absteche.“ Der Haufen bewegte sich und nach und nach rutschten die Decken hinunter. Ein Jüngling schälte sich aus den Decken heraus. Dürr, blass und verängstig schaute er mit riesigen Augen Janis an.

„Komm und zeig dich im Licht. Hast du Waffen?“ Der Junge schüttelte den Kopf, den er gesenkt hielt. Janis schnappte sich das dünne Ärmchen und zog ihn in den grossen Raum zu Arlo. „Schau, hier haben wir ein dürres Bürschen gefunden. Lag unter dem Deckenhaufen und wimmerte vor sich hin. Der stirbt jetzt schon fast vor Angst.“ „Ich habe nicht gewimmert.“ Kam die leise Antwort. „Aber diese stinkenden Decken haben mich in der Nase gekribbelt. Sonst hättet ihr mich gar nicht bemerkt.“ Janis schmunzelte und schaute zu Arlo. „Was meinst du? Ein kleiner Bauernbursche? An ihm ist nichts dran. Nur Haut und Knochen.  Wie ist dein Name, Knabe?“

„Lass ihn doch los Janis. Du brichst ihm ja fast das Ärmchen. Komm lasst uns raus gehen. Ich denke das Wetter wird halten und ich fühle mich gefangen in dieser Hütte. Wir machen ein Feuer und dann werden wir uns kennen lernen. Auf. Kommt“ Widerspenstig kam der Kleine mit. Nicht ohne zu versuchen sich aus dem festen Griff Janis´ zu befreien. Zwecklos. Der Griff war zu fest.

Arlo kümmerte sich um das Feuer und holte aus den Taschen noch etwas zu essen. In der Zwischenzeit betrachtete Janis den Jungen. Irgendwas stimmte mit ihm nicht. Er traute ihm nicht. Das würden sie jetzt klären. „Komm setz dich und iss was. Du bist so dürr, dass man Angst haben muss, dass deine Beine deinen Körper nicht tragen können. Wann hast du das letzte Mal was gegessen?“ Fragte Arlo. „Ich weiss nicht. Vor vier Tagen vielleicht.“ „Wo kommst du her?“ Keine Antwort. „Na, du bist sehr misstrauisch. Das ist gut. Eine böse Welt hier. Aber wir gehören zu den Guten. Lasst uns erst mal essen, dann sehen wir weiter.“

Sie aßen schweigend. Janis beobachtete den Jungen weiterhin. Er hatte ein schmutziges Gesicht, aber sehr feine und junge Züge und einen Hut auf dem Kopf, der das Gesicht auch verdeckte. Er war bestimmt kein Bauernjunge. Die harte Arbeit würde er gar nicht bewältigen. Dann wohl eher ein Knappe oder Hausangestellte einer wohlhabenden Familie. Aber was machte er hier draussen im Nirgendwo? Eindeutig war er auf der Flucht. Wahrscheinlich hatte er gestohlen. Er würde ganz besonders auf ihre Satteltaschen achten. Aber er hatte kein Pferd gesehen. War er zu Fuss hier her gekommen? Das war ein weiter Weg.

„So – jetzt sind wir gesättigt. Jetzt wird geredet. Ich bin Arlo und das ist Janis. Wie ist dein Name?“ „Ich heisse Kato.“ „Kato – ein seltsamer Name. Gut. Was machst du hier? Wo kommst du her?“ Janis meldete sich zu Wort. „Und wie kommst du hier her? Ich habe kein Pferd gesehen.“ „Eigentlich möchte ich nicht über mich reden. Ich bin dankbar, dass ihr euer Essen mit mir geteilt habt. Aber lasst mich morgen einfach hier und reitet weiter.“ Janis strich sich über sein Kinn. Er müsste sich mal wieder rasieren. „Äh – nein. Tut mir leid. Ich traue dir nicht. Irgendwas stimmt nicht mit dir. Hast du gestohlen? Oder bist du ein entflohener Sklave? Ein Mörder? Warum hast du dich hier versteckt? Es gibt einfach zuviel Fragen, die durch dich entstehen. Also klär uns auf.“

Kato erhob sich und wollte sich von den beiden Männern entfernen. Arlo und Janis schauten sich sprachlos an. Stand er wirklich einfach auf und liess sie so einfach stehen? Unfassbar. Janis erhob sich ebenfalls und folgte Kato. „Sag mal. Wir reden mit dir. Du bist ziemlich unhöflich. Beantworte unsere Fragen.“ „Guter Mann. Ich sagte schon, ich bin dankbar für euer Essen, aber ich bin euch keinerlei Rechenschaft schuldig. Ich gehe jetzt zurück in diese Hütte. Morgen früh werdet ihr weiter geritten sein und ich werde meines Weges gehen.“

Janis war perplex. Dieser kleine ungehobelte Bursche. Für was hält er sich. Er folgte Kato in die Hütte und griff nach dem Arm. Zog ihn zu sich her und wollte ihm den Hut vom Kopf ziehen um das Gesicht genauer zu betrachten. Kato zuckte zurück um zu verhindern, das Janis seinen Hut abzog und wandte sich in dem Griff. Janis hatte wirklich Angst Kato den Arm zu brechen. Er war so dünn und wirkte so zerbrechlich. Dann erwischte er den Hut. Zog an ihm und blickte ziemlich dämlich in die Dunkelheit, als sich ein Schwall langer Haare über seine Hand ergoss.

„Du bist ein Mädchen?“

„JA – so nennt man uns meistens.“

„Warum hast du dich wie ein Mann gekleidet. Nein – warum ist mir schon klar. Als Frau wärst du zu gefährdet alleine zu reisen. Aber warum ist diese Verkleidung überhaupt notwendig. Du bist deinem Mann abgehauen.“ „Das geht dich gerade mal gar nichts an. Ich bin einfach eine Frau in Männerkleidung, die eine Reise tätigt.“ Janis zog sie aus der Hütte zum Lagerfeuer. „Arlo – vergiss alles was du dir gedacht hast über unseren lieben Kato. Du wirst gleich deinen Mund nicht mehr zubekommen.“ Dann zerrte er Kato nach vorne und Arlo blickte nach oben. Wenn er nicht schon gesessen hätte, hätte es ihn gerade umgehauen. Ein Mädchen. Das erklärte die zarte Erscheinung.

Arlo stand auf und ging um Kato herum. Sie hatte lange braune Haare. Sie war etwas kleiner als die beiden Männer. Ihr Kinn hatte sie aufmüpfig nach oben gereckt. In ihren Augen blitze die Wut. Sie war keine Schönheit. Aber sie war bezaubernd. Ihre Nase war ganz leicht schief und die Augen standen etwas zu nah bei einander. Aber sie hatten die Größe von Reh Augen. Faszinierend war ihr Mund. Ein Mund der zum Küssen einlud. Arlo blickte zu Janis und er konnte sehen, dass auch Janis an diesem sinnlichen Mund hängen geblieben war.

Arlo nahm Janis beiseite. „Was sollen wir mit ihr machen?“  „Ich weiss es nicht. Wir sollten sie einfach hier lassen.“ „Das können wir nicht machen. Wenn jemand anderes kommt und mitbekommt, dass sie eine Frau ist, dann ist es um sie geschehen.“ Janis nickte. Er war immer noch leicht betäubt. Wie sie so wütend vor ihnen stand und sie beobachtete merkte er, dass sich etwas in seinem Herzen regte. Nicht in seiner Hose – das war er nicht gewohnt. Irgendwas ging von ihr aus, dass er sich verunsichert fühlte. Das war ihm auch noch nie geschehen. Selbst bei seiner ersten Liebeserfahrung war er mutiger, als jetzt. Was war es, was sie so faszinierend machte? Der Mund – er würde sie am liebsten schnappen und seine Lippen auf ihre Drücken und sie schmecken. Er hörte Annet in seinem Kopf. „Das ist Liebe auf den ersten Blick.“  „Schnick Schnack. So was gibt es nicht.“ „Hä? Was meinst du?“ Fragte Arlo verwirrt. „Ach nichts. Lasst uns setzen und erneut reden. Aber dieses mal ehrlich.“

Kato überlegte. Sie sah ein, dass sie hier wohl keine Chance hatte zu entkommen. Sie hatte wahnsinnige Angst. Eine Frau alleine in der Wildnis war verloren, wenn sie auf Männer traf. Es schien, dass Arlo und Janis tatsächlich ehrlich waren. Vielleicht brauchte sie bei ihnen keine Angst zu haben. Heimlich griff sie in den Hosenbund um nach dem Messer zu tasten. Sie würde nicht wehrlos sein.

„Ok. Kato. Ist das wirklich dein Name?“

„Ja – das ist tatsächlich mein Name. Eigentlich Katora.“

„Gut,“ meinte Janis. „Dann weiter. Meine Fragen von vorhin gelten noch. Ich denke du solltest reden. Du weisst, dass du grossen Glück hattest, dass wir dich getroffen haben. Es gibt sehr unangenehmere Begegnungen.“ „Ja – ich denke, das kann ich einschätzen. Ok. Ich will ehrlich sein. Denn ich werde wohl eure Hilfe brauchen. Mein Name ist Katora. Ich komme aus Ontaro. Mein Vater ist der Geistliche. Ich habe noch zwei Brüder und zwei Schwestern. Ihr wisst, dass Mädchen ja nicht viel wert sind. Deswegen sollte ich endlich verheiratet werden, dass ich meinen Eltern nicht mehr auf der Tasche liege. Allerdings ist mein zukünftiger Gatte ein übler Genosse. Er war schon einmal verheiratet. Seine Frau ist durch seltsame Umstände ums Leben gekommen. Man hat sie oft mit blauen Flecken gesehen. Angeblich ist sie gestolpert und sei tolpatschig.“ Kato hatte die beiden Behauptungen in Gänsefüsse gesetzt. Jeder wusste, was es zu bedeuten hatte, wenn Frauen solche Dinge über ihre Verletzungen behaupteten. Ihr Mann hatte sie geschlagen.

„Ich bin geflohen, da mein Vater absolut uneinsichtig ist. Er hätte mich aus dem Haus geworfen. Was hätte ich dann für eine Wahl gehabt? Ihn heiraten? Niemals. Kloster? Auf keinen Fall. Oder Prostitution. Nein, nein. Das kommt überhaupt nicht in Frage. Also dachte ich, ich fliehe und versuche mein Glück in einem anderen Dorf.“

Je länger Janis ihr zuhörte umso ruhiger wurde er. Sie hatte eine so angenehme Stimme. Es fühlte sich an, als würde er nach Hause kommen. Es war ein Gefühl der Geborgenheit und Freiheit. Annet hatte Recht. Er hatte sich verliebt. Wie konnte das passieren. Er. Der Herzensbrecher und Frauenschwarm sollte sich verliebt haben. Nach so kurzer Zeit. Niemals. Ausserdem war sich Janis sicher – er würde nicht überleben. Also bitte, warum trat jetzt dieses himmlische Geschöpf in sein Leben. Und warum dachte er jetzt so geschwollen. Aarg.

Arlo dachte nach. „Also gut. Was sollen wir machen? Was hast du dir gedacht?“ „Ich weiss nicht. Das ist eine Situation mit der ich nicht gerechnet habe. Ich wäre euch dankbar, wenn ihr mich mitnehmen würdet. Egal wohin. Hauptsache weit weg.“ Janis schüttelte den Kopf. „Das wird nicht möglich sein. Wir sind auf einer Mission unterwegs.“ „Was für eine Mission?“ Arlo meldete sich zu Wort. „Eine Rettungsmission. Eine junge Frau ist in Gefahr und auch das Schicksal dieses Landes hängt von ihrer Rettung ab.“ „Das klingt doch gut. Ich bin dabei. Wenn ihr mich mitnehmt?“

Arlo und Janis zogen sich zur Beratung zurück. „Was meinst du, Arlo?“ „Ich weiss nicht. Es ist gefährlich. Wir müssen ihr vertrauen. Können wir ihr vertrauen?“ „Ich denke schon. Sie wirkt ehrlich. Und wir könnten noch jemand zur Unterstützung brauchen.“ „Ja, aber kann sie kämpfen? Oder müsse wir sie ständig beschützen?“ „Ich kann kämpfen.“ Kato hatte sich leise genähert. Wenn sie schon über sie redeten, wollte sie auch mithören um sich zu verteidigen.

Die beiden drehten sich erschrocken um.

Janis wollte eigentlich nicht, dass sie mitkam. Aber er konnte sie nicht alleine zurück lassen. Damit würde er nicht ruhig leben können. „Also gut. Komm mit uns. Aber es wird kein Picknick. Es wird gefährlich werden.“ „Umso besser. Dann wird die Reise wenigstens nicht langweilig.“ Sie drehte sich um und ging zum Feuer zurück. Dort richtete sie sich ihr Lager, und legte sich hin. Nicht lange und sie war eingeschlafen. „Nun – einen guten Schlaf hat sie schon mal.“ Meinte Arlo und lachte. Janis war sich sehr unsicher. Er hoffte, dass er nicht zu sehr von ihr abgelenkt werden würde. Sein Ziel sollte Marys Rettung sein. Das durfte er nicht aus den Augen verlieren.

Fortseztung folgt

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Kapitel 7

 

Was bisher geschah:

Arlo und Janis haben es geschafft. Das Dorf ist von dem Fluch befreit. Das hat sie ganz schön Kraft gekostet. Aber sie fühlen sich gut – sie haben erfolgreich geholfen.

 


Nach einigen Tagen stiessen sie auf ein neues Problem.

Die böse Königin hatte mittlerweile mitbekommen, was Arlo und Janis im Schilde führten. Natürlich hatte sie auch mitbekommen, dass ihr Fluch über das Dorf mittlerweile gebrochen war. Als sie das erfuhr, ging sie zu ihrem Becken und schaute in das magische Wasser. Dort sah sie die beiden, wie sie vergnügt ritten und sich unterhielten. Sie war ausser sich vor Wut. Am liebsten hätte sie mit ihrer Hand durch das Becken gegriffen und die beiden in der Mitte durchgebrochen. Aber so mächtig war sie nicht. Sie würde es werden, wenn ihr Plan aufginge. Aber solange musste sie mit ihren, schon starken Kräften zurechtkommen. Ein Hinderniss musste her.

Arlo und Janis ritten weiter in die Richtung die der Splitter anzeigte. Als sie ihr Nachtlager aufschlugen und sich schlafen legten, wirkte die böse Hexe ihren hinterhältigen Zauber. Sie verwandelte die Gegend in der die beiden schliefen in eine Eiswüste. Da sie schliefen bemerkten sie nichts. Sie froren im Schlaf, aber wachten nicht mehr auf. Sie waren dabei zu erfrieren, ohne dass sie etwas dagegen unternehmen konnten. Die böse Königin schaute in ihr Wasser und sah, wie die beiden langsam blaue Lippen bekamen und zitterten. Sie lachte und wandte sich ab.

Annet wurde wach. Ihr war kalt. Wieso war ihr nur so kalt? Es waren sommerliche Temperaturen in ihrem Land. Janis – es muss ihn und Arlo betreffen. Ich muss schnell in mein Zimmer. Schnell stand sie auf und huschte aus dem gemeinsamen Schlafzimmer. Sie hatte ein kleines Nähzimmer. Und genau dort hatte sie einen kleinen Wandspiegel. Dieser Spiegel war mehr als nur ein Spiegel. Mit ihm konnte sie Dinge sehen. Schnell stellte sie sich davor und rief den Spiegel an. „Mein guter Freund, der Spiegel, zeig mir doch wo Janis sich aufhält und ob es ihm und Arlo gut geht.“ Das Bild des Spiegels verschwand und er zeigte ihr, wie Arlo und Janis in einer eisigen Kälte lagen und dabei waren zu erfrieren. Ach du Güte, ich muss in Janis Traum, ich muss ihn wecken.  Schnell versetzte sich Annet in Trance und liess ihren Geist wandern. Sie drang in Janis Traum ein und versuchte ihn zu wecken. Sie war fast zu spät, die Lebensgeister waren schon nur noch schwach zu spüren. „Janis, Janis, du musst erwachen. Wach auf, mein Schatz. Wach auf, du wirst erfrieren. Wach doch auf. Meine Liebe soll dich wärmen. Du willst Mary finden. Ihre Liebe soll dich wärmen. Unsere Liebe wird dich wärmen.“ Sie flüsterte noch einige Zeit und hoffte innständig er würde endlich wach werden.

Da – Janis stöhnte. Er bemerkte seinen Traum. „Annet – wo bist du? Ich höre dich, aber ich sehe dich nicht. Was ist hier los. Warum ist mir so kalt. Ich muss aufwachen. Wach auf Janis, wach verdammt noch mal auf.“ Janis schlug die Augen auf. Er versuchte es. Eis hatte sich auf seinen Lidern niedergelassen, die Augen waren zugefroren. Er versuchte es weiter und schaffte es. Die Augen waren offen und er konnte sich umschauen. Oh Gott, wir erfrieren. Ich muss mich bewegen. „Arlo, Arlo, wach auf. Verdammt Freund wach doch auf.“ Er rief und rief, aber Arlo rührte sich  nicht. In der Zwischenzeit gelang es ihm sich von der Starre zu befreien. In seinem Inneren spürte er die Wärme, die von Annet ausging. Als er endlich einigermassen aufgetaut war, zog er sich zu Arlo und legte sich auf ihn um ihn zu wärmen.

„Arlo, mein Freund, komm werde wach. Auf werde endlich wach.“

Arlo regte sich und Janis atmete auf. Sie mussten schnell aus der Kälte heraus. Er hielt Ausschau nach den Pferden. Er konnte sie nicht sehen. Sie waren gewiss vor der Kälte geflüchtet. Also versuchte er Arlo halb tragend, halb ziehend aus dieser Eislichtung herauszuholen.

Am Ende seiner Kraft angelangt, konnte er den Eisrand entdecken. Aber er hatte keine Kraft mehr. Nur ganz kurz ausruhen. Vielleicht wird Arlo dann auch noch wach, dann können wir den Rest gemeinsam laufen. Sagte sich Janis. Er lehnte sich und Arlo an einen Felsen und schloss kurz die Augen. Sofort war er eingeschlafen. Es begann sich eine leichte Eisschicht über die beiden Männer zu legen.

Wieder hörte Janis Annet in seinem Traum. „Verdammt noch mal Janis, bist du schon wieder eingeschlafen? Jetzt wach endlich auf. Es wird Zeit. Reiss dich zusammen. Du hast eine Aufgabe und eine Verantwortung, vor der du dich nicht drücken kannst. Also – öffne die Augen und schnapp dir Arlo, dann bewege deinen Hintern aus dieser Eiswüste hinaus. Mary verlässt sich auf dich. Dein Vater und ich verlassen uns auf dich. Du wirst hier lebend wieder heraus kommen. Ist das klar? Hast du das verstanden? WACH AUF!“

„Ich will heute nicht zu Schule – ich fühle mich nicht gut. Lass mich schlafen. Ich bin so müde. Es soll jemand anderes machen. Arlo ist schuld. Er wollte unbedingt. Ich will nicht mehr.“ Murmelte Janis im Halbschlaf. In dem Moment war es, als würde er einen Blitz in seinem Hintern spüren. „Denkst du wirklich du kannst mich einfach ignorieren? Dir zeig ich es. Den Hintern versohle ich dir wenn du nicht augenblicklich aufstehst. Steh jetzt auf!“

Janis öffnete die Augen – eine leichte Eisschicht hatte sich auf seinen Lidern gebildet, die abbröckelte. Er schüttelte den Kopf und blickte sich um. Dann nahm er sein Umfeld wahr und fluchte. „So ein Mist. Ich bin eingeschlafen. Ich muss uns hier herausholen. Arlo? Arlo?“ Er tätschelte Arlos Wange – eine kleine Reaktion. Dann schlug er kräftig zu. „Au. Was zum Teufel – was machst du und warum ist es so kalt? Warum kann ich mich nicht bewegen? Was ..?“ „Du musst dich zusammenreissen. Versuch aufzustehen. Wir müssen uns aus dieser Eislichtung kämpfen. Es ist nicht mehr weit, aber ich habe nicht mehr die Kraft uns beide zu retten. Deswegen musst du dich zusammenreissen und aufstehen. Oder auch kriechen. Das ist mir egal.“

Arlo blickte seinen Freund an. Dann an sich herunter und versuchte aufzustehen. Die leichte Eisschicht knarrte, als sie brach. Dann zog er sich am Felsen hoch. Seine Beine hatten kaum noch Gefühl und er stützte sich auf Janis ab. Gemeinsam schleppten sie sich aus dieser Eislichtung Richtung Sonnenstrahlen am Rande. Es wirkte als wären sie betrunken und würden sich gegenseitig halten.

Endlich machten sie einen Schritt in den Sonnenstrahl. Sie brachen zusammen und lagen in der Mittagssonne und genossen diese Wärme, die ihren Körper auftaute und mit Lebensenergie erfüllte. „Was war denn das?“ Fragte Arlo. „Ich weiss es nicht genau, aber es wird wohl jemand verhindern wollen, dass wir ans Ziel kommen. Da fällt mir natürlich nur eine ein. Sie hat wohl herausgefunden was wir vorhaben. Das bedeutet, dass es wohl noch mehr Hindernisse geben wird.“ Seufzte Janis.

Währenddessen schaute die böse Königin in ihr Wasserbecken und erkannte, dass sie diese Schlacht verloren hatte. „Aber nicht den Krieg, aber nicht den Krieg.“

 

Fortsetzung folgt

 

Schreib mit mir

Schreib mit mir Teil 4 – Das Königreich im Spiegel #9

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Kapitel 6

Was bisher geschah:

Arlo und Janis haben ein verfluchtes Dorf entdeckt. Sie können es erst verlassen wenn sie helfen den Fluch zu brechen. Werden sie es schaffen, die Bewohner zu befreien?


Die beiden gingen zurück in das Gasthaus. Sie bedienten sich selbst und redeten über die Situation, in der sie sich befanden. „Wo ist denn hier ein Vulkan?“ fragte Arlo. „Ich weiss es nicht. Aber ich denke, das werden wir wohl heute Nacht erfahren.“ „Wie soll er gebannt werden?“ „Ich denke, da wird es wohl ein Ritual geben. Ich habe sowas schon mal gehört. Eine Art Bannzauber. Aber der muss sehr stark sein. Denn der Fluch ist es auf jeden Fall.“

„Was meinst du, sollten wir noch weiter buddeln? Dann könnten wir heute noch alles zu Ende bringen. Es dauert noch Stunden, bis es wieder dunkel wird.“ „Ja. Ja ich denke du hast Recht Arlo. Lass uns noch etwas weiter buddeln und dann ruhen wir uns aus, bevor es dunkel wird.“ Die beiden beendeten ihr Mahl und gingen wieder zurück zu dem Altar. Es schien, als würde der schwarze Rauch stärker werden. „Meinst du er wird stärker um den Fluch aufrecht zu erhalten, oder weil wir ihn bedrängen?“ Janis grübelte. “Das ist gut möglich. Ich denke, dass der Fluch einen eigenen Schutzzauber hat. Wollen wir hoffen, dass und das nicht behindert, oder schlimmeres.“

„Gut, lass uns voran gehen. Graben wir dieses Monstrum aus.“

Die beiden gruben und hackten und der Rauch wurde immer stärker. Bald sahen sie nichts mehr und konnten auch nicht mehr richtig Atmen. Arlo wurde Ohnmächtig und Janis konnte sich auch kaum noch auf den Beinen halten. Aber er nahm seine ganze Kraft um Arlo aus dem Dunstkreis zu ziehen. Als sie etwas entfernt von dem Altar lagen, wurde auch Janis ohnmächtig.

Es war dunkel, als die beiden erwachten und die Dorfbewohner hatten sich um sie gesammelt. „Ihr wart leichtsinnig. Ich hatte wohl vergessen, dass der Stein nicht zu bergen sein wird bei Tageslicht, da er zu dieser Zeit wirkt. Er verliert seine Kraft in der Dunkelheit.“ Janis stöhnte und hielt sich den Kopf. „Ja, diese Information wäre wirklich hilfreich gewesen. Nun – wir haben es trotzdem geschafft noch etwas voran zu kommen. Jetzt machen wir den Rest. Wie läuft das mit dem Bann?“

„Es wird euch nicht erstaunen – wie haben Kontakt zu einer weissen Hexe mittels einem Vogel her bestellt. Sie wird den Bann aufbauen, der uns vor dem schwarzen Rauch schützen soll.. Er wird so lange halten, bis der Stein in den Vulkan geworfen wurde.“

„Das wäre unsere nächste Frage.“ Meldete sich Arlo. „Wo ist denn dieser Vulkan? Wir haben keinen gesehen auf unserem Weg.“ „Gut – ein Vullkan ist vielleicht übertrieben. Es ist mittlerweile nur noch eine Art Feuersee. Es war früher mal ein Vulkan, ist dann aber durch Erosionen abgetragen worden. Aber er ist immer noch aktiv und auch gefährlich. Seine Temperatur ist heiss genug, den Fluch zu zerstören.“ „Alles klar. Die letzte Frage wäre dann, wo bekommen wir einen neuen Stein her?“ „Aus genau diesem Feuersee. Die weisse Hexe wird paar ihrer Formeln auf sagen und der alte Stein, wird in den geheiligten Flammen erneuert. Der Fluch ist aufgehoben, der Stein repariert und wir können endlich wieder Leben.“

„Das klingt wie in einem Märchen. Also gut, lasst uns fertig werden.“ Arlo und Janis fingen an den Stein fertig auszubuddeln. Dann legten sie Seile um ihn und die Männer des Dorfes zogen ihn auf einen Wagen. Sie konnten sich dem Stein immer noch nicht nähern, aber das ziehen, aus der Entfernung ging ohne Hindernisse. In der Zwischenzeit war auch die Hexe eingetroffen. Für sie schien es keine Probleme zu geben, das Dorf zu betreten. Sie wob einige Zaubersprüche zu einem Bann und die Truppe bewegte sich vorwärts in Richtung des Vulkansees.

Dort angekommen wurde es schwierig. Die Männer konnten sich dem Stein nicht nähern. Arlo und Janis aber konnten den Stein nicht alleine bewegen. „Wir müssen leider den Wagen opfern. Der Stein muss samt den Wagen versenkt werden. Ich hoffe das ist kein Problem?“ „Nein, nein absolut nicht, was ist schon ein Wagen für die Freiheit? Schieben sie ihn schnell mit hinein.“

Gesagt, getan. Janis und Arlo schoben. Dabei kamen sie ziemlich ins Schwitzen. Der Wagen war, durch den Stein, sehr unbequem zu bewegen. Dann kam noch die Hitze des Sees dazu. Es forderte ihre gesamten Kraftreserven. Im Hintergrund hörten sie die Hexe murmeln. Dann war es geschafft. Der Wagen rollte mit dem Stein in den feurigen Vulkansee und ging unter. Jetzt hiess es warten. Die beiden jungen Männer sanken zu Boden und atmeten schwer. Es war nur noch eine Frage der Zeit, die hoffentlich nicht zu lange dauern würde, dass sie endlich weiter ziehen konnten.

Es dauerte lange, bis endlich was passierte. Janis befürchtete schon, dass die Morgendämmerung vorher einsetzen würde. Da sahen sie etwas. Aus den Flammen erhob sich der weisse Stein. Er strahlte und glühte. Er erhob sich auf einem Bett aus Luft. Dann schwebte er auf den Ersatzwagen, den die Männer des Dorfes vorrausschauend besorgt hatten. Alle atmeten auf. Jetzt mussten sie sich beeilen. Es würde bald hell werden, und der Stein müsste bis dahin auf seinem alten Platz eingesetzt sein.

Schnell zogen die Männer mit den Pferden das Gefährt zu der Ausgrabungsstelle. Das Einsetzen gestaltete sich etwas schwieriger. Aber mit vereinten Kräften schafften sie es, den Stein auf seinen angestammten Platz einzusetzen. In dem Moment, als der Stein sass ging die Sonne auf. Und je höher sie stieg umso schillernder leuchtete der Stein. Er schimmerte wie Perlmutt  und die Bevölkerung des Dorfes war geblendet von der Schönheit. So sehr, dass sie noch nicht mal merkten, dass sie sich nicht auflösten. Erst nach einigen Minuten fingen die Kinder an zu lachen und zu tanzen. Da bemerkten sie, dass sie noch da waren. Sie schauten an sich hinunter und alle fingen an sich gegenseitig zu umarmen und sie tanzten um den Stein.

Der Fluch war gebrochen. Um den Stein erwachte die Natur. Die schönsten Blumen eroberten die schwarzen Stellen. Arlo und Janis waren gebannt von dem Schauspiel. Der Dorfrat kam auf sie zu und der Älteste umarmte sie. „Ihr habt es geschafft. Wir können endlich ein normales Leben führen. Wie sollen wir euch das jemals vergüten.“ „Das ist nicht nötig. Ich sagte euch schon, versorgt uns nur soweit, dass wir weiter ziehen können. Etwas Geld und Nahrungsmittel. Eure Freiheit ist unser Lohn.“ Sagte Janis und beobachtete das Grinsen seines Freundes.

Sie gingen zurück zum Gasthaus, richteten sich her und sattelten die Pferde. Sie wollten schnell weiter, bevor doch noch etwas unvorhergesehenes passierte. Sie wurden, trotz Protest, fürstlich entlohnt. Als sie das Dorf verliessen rannten ihnen die Kinder lachend und winkend hinter her. Janis schaute nach dem Splitter und führte sein Pferd in die Richtung in die er zeigte.

„Eure Freiheit ist unser Lohn – meine Güte, da hast du aber schwer aufgetischt, mein Freund.“ Lachte Arlo. „Das klang schon gut, oder? Aber es ist ja auch wahr. Etwas geschwollen ausgedrückt, aber gibt es ein besseres Gefühl, als ein ganzes Dorf befreit zu haben?“ Sie lachten befreit und zogen ihres Weges. In Richtung eines neuen Abenteuers.

Fortsetzung folgt. 

Schreib mit mir

Schreib mit mir Teil 4 – Das Königreich im Spiegel #8

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Kapitel 4

Was bisher geschah:

Die friedliche Zeit ist vorbei. Arlo wäre fast der Sklave einer Hexe geworden. Jetzt wird es immer schwieriger voran zu  kommen.


Eine Woche irren sie umher. Sie fanden noch nicht mal ein Dorf in dem sie unterkommen können. Dem Wind und Wetter ausgesetzt wurde es trotz der Jahreszeit seltsamerweise richtig kalt. Es kam sogar ein Schneesturm auf. In dem die beiden gezwungen waren sich einen provisorischen Unterschlupf zu bauen. Mit den Pferden und dicht bei einander sitzend, überstanden sie es. Sie waren schon am Ende ihrer Kräfte und Nerven, als endlich der Splitter wieder erschien. Janis konnte endlich wieder eine Richtung einschlagen, die erfolgsversprechend war. Hungrig, verdreckt, nass und übermüdet erreichten sie ein Dorf.

Sie schauten sich an und sendeten ein stilles Dankesgebet gen Himmel. Endlich ein Dorf. Sie ritten auf der Hauptstrasse und sahen niemanden. Das Dorf war ausgestorben. Aber es wirkte bewohnt. „Das ist seltsam. Was ist das für ein Ort? Es wirkt so bewohnt, aber es ist kein Mensch oder Tier zu sehen. Wo sind sie denn alle?“ Janis hatte ein seltsames Gefühl. Er war immer sehr sensibel bei übernatürlichen und er spürte hier etwas, das ein Zauber sein könnte. „Ich bin mir nicht sicher, Arlo. Aber ich denke hier ist Magie im Spiel. Lass uns nach dem Gasthaus suchen. Ich brauch was zu trinken und zu essen und ein Bad – vor allem ein Bad.“ „Ja – gut, lass uns das machen.“

Sie fanden schnell das Gasthaus und traten ein. Die Pferde hatten sie im angrenzenden Stall einquartiert und schnell selbst versorgt, da auch dort niemand war, der das erledigen würde. Sie sahen sich im Schankraum um. Kein Mensch, kein Tier – aber das Feuer brannte und auf dem Feuer stand eine Suppe. Sie sahen sich fragend an und bedienten sich hungrig. Auch ein Fass Bier fanden sie. Sie setzten sich und aßen in Ruhe. „Was meinst du ist hier los, Janis?“ „Ich weiss es nicht, aber es ist bestimmt ein Zauber. Ich spüre es, als würde meine Haut kribbeln. Aber lass uns erst mal abwarten. Ich brauch auf jeden Fall  ein Bad. Ich stinke wie ein alter Hammel.“ „Allerdings.“ Lachte Arlo. Janis schubste ihn. „Du glaubst nicht, dass du besser riechst, oder. Komm lass uns nach einem Badehaus suchen. Das Geld lege ich auf den Tresen neben die gebrauchte Schüssel. Ehrlich bleiben wir.“

Sie suchten ein Badehaus und fanden es. Auch dies war in Betrieb. Das Feuer heizte das Wasser auf und  ein Wasserrad lies das warme Wasser in das Bassin laufen. Sehr modern. So etwas hatten sie selten gesehen. „Ahhhh – es gibt echt wenig, das besser ist, als ein warmes Bad nach solch Torturen. Vielleicht noch eine hübsche Frau, die einen einseift.“ Zwinkerte Janis. „Ja klar – natürlich. Wie so ein Pascha mit einem Harem.“ „Genau mein Freund, genau.“

Nach dem entspannenden Bad gingen sie wieder zurück zum Gasthaus. Es dämmerte und Janis stoppte. Er hatte was gesehen. Einen Schimmer. Er hielt Arlo zurück und zeigte in die Richtung in der er das Schimmern gesehen hatte. „Was ist das?“ „Ich glaube das sind die Bewohner.“ „Was?“ meinte Arlo. „Es ist wie ich mir dachte – Ein Fluch? Ich weiss es nicht – aber ich denke wir werden es erfahren, denn das Dorf werden wir nicht verlassen können.“ „Wieso? Was meinst du?“ „Schau – der Eingang zum Dorf ist weg. Da wo wir reingeritten sind ist nur noch eine weisse Nebelwand. Da werden wir ganz gewiss nicht mehr hinaus kommen.“ Arlo stöhnte. „Meinst du wir werden jemals unser Ziel erreichen?“ „Ja, ja – das schaffen wir, aber wir wussten auch, dass es nicht leicht werden würde.“ Arlo liess die Schultern sinken und sie gingen zum Gasthaus zurück. Das Zentrum eines Dorfes war immer das Gasthaus. Janis war sich sicher, dass sie dort ihre Informationen bekommen würden. Vorher würden sie wohl kaum weiterreisen können.

Kapitel 5

Als sie an dem Gasthaus ankamen war es dunkel. Und je dunkler es wurde, umso mehr Menschen erschienen. Es war als würden sie aus einer parallelen Welt in diese eintreten. Sie waren erst nur Schemen und wurden dann feste Körper. Das Leben hatte Einzug erhalten in diesem kleinen verwunschenen Dorf.

Arlo und Janis betraten die Gaststube. Dort war es wie ausserhalb des Gebäudes. Menschen, die tranken und aßen. Sie waren fröhlich und feierten. Janis ging an den Tresen um mit dem Gastwirt zu sprechen. „Hallo guter Mann. Mein Freund und ich haben uns bedient, aber das Geld hier liegen lassen. Ich hoffe es war kein Langfinger vorher da?“ „Nein, nein – hier sind alles ehrliche Menschen. Das Geld lag noch hier.  Unser Leben hat andere Probleme als sich gegenseitig zu bestehlen. Wir kümmern uns umeinander. Wie ihr ja wohl schon gemerkt habt, ist hier nicht alles wie es in anderen Orten ist.“ „Allerdings. Ein Zauber oder Fluch liegt auf eurem Dorf?“ „Genau. Unser Dorfrat wartet auch schon auf euch. Kommt in die hintere Stube. Da kann man sich ruhig unterhalten.“

Arlo und Janis folgten dem Wirt. Als sie den Raum betraten sassen dort vier ältere Männer. „Seid Willkommen, ihr edlen Herren.“ Sagte ein ziemlich beleibter Geselle. „Setzt euch, und hört uns zu. Denn eure Anwesenheit spricht dafür, dass ihr die Auserwählten seid, die uns endlich von diesem Fluch befreien können.“ „Gut, dann klärt uns auf.“

„Wir sind der Dorfrat. Vor mehreren hundert Jahren waren wir ein Dorf wie jedes andere. Dann, eines Tages kam eine junge hübsche Frau in unser Dorf. Sie bezauberte sämtliche Männer und die Frauen waren natürlich nicht sehr erbaut darüber. Also wollten sie das junge Ding loswerden. Sie sprachen mit ihr und baten sie höflich, doch ihr Dorf zu verlassen. Aber sie lachte die Frauen des Dorfes nur aus. Also schmiedeten die Frauen einen Plan, sie anderweitig los zu werden. Am Rand des Dorfes gibt es einen Altar. Da wurde damals schon den Göttern gehuldigt. Mit Blut und Menschenopfern. Das Christentum, hatte noch nicht überall Einzug erlangt und man glaubte noch an die alten Riten.

Sie überwältigten die junge Frau und brachten sie zu diesem Altar. Sie bereiteten alles für eine Opfergabe vor. Nur – keiner wusste es – aber man hätte es sich denken können. Diese junge Frau – das war kein gewöhnliches junges Mädchen, sondern damals schon eine mächtige Hexe. Sie verfolgte jeden einzelnen Schritt und als es dann zur Opferungszeremonie kam, kehrte sie einfach alles um. Die Kraft, die daraus resultierte befähigte sie einen bösen Fluch über unser Dorf auszusprechen. Nun ich glaube kaum, dass ich ihn erklären muss?“

„Doch bitte – ich denke wir werden es genau wissen müssen. Da ich davon ausgehe, dass wir da wohl was zu machen haben?“ „Ja, darauf wird es hinaus laufen. Also gut. Sie verfluchte uns zu ewigen Leben bei Nacht und zu einem Schattendasein bei Tag. Man sollte meinen, das wäre nicht so schlimm, aber glaubt  mir, nach mehreren hunderten von Jahren würden wir gerne mal wieder die Sonne sehen, die Ernte eintragen, und die Blumen blühen sehen. Vögel hören wir sind des ewigen Lebens müde. Wir wollen einfach ein normales Leben mit normalen Alltagsproblemen.“

Arlo schauderte:“ Das stell ich mir furchtbar vor. Wie soll dieser Fluch denn zu brechen sein?“ „Eigentlich ist es  nicht so schwer, denn der Hauptteil der Erlösung, ist dass jemand überhaupt den Weg hier her findet. Denn dieses Dorf ist eigentlich nicht sichtbar. Nur einmal im Jahr zur Wintersonnenwende erscheint es. Aber wieviel Glück muss man haben, dass genau da jemand hier vorbei  kommt. Da ihr beide aber dieses Dorf auch so erreicht habt – ja – seid ihr die Erlöser, auf die wir schon so lange warten. Es wird euer Schaden nicht sein. Das Dorf ist reich. Wir können euch fürstlich entlohnen.“

„Des Geldes wegen machen wir es nicht. Wir sind auf einer Rettungsmission. Eine junge Frau wird gefangen gehalten und wir müssen sie befreien. Aber unser Weg ist mit Aufgaben gepflastert. Also machen wir es um einen weiteren Wegweisser zu unserem Ziel zu bekommen.  Das einzige, dass wir dann benötigen ist alles um weiter zu kommen.“ „So sei es.“

Janis und Arlo zogen sich kurz zurück um sich zu beraten. „Ja, mein Freund, wie du schon richtig erkannt hast. Wir kommen eh nicht mehr hier raus. Also was bleibt uns übrig? Lass uns beginnen.“ Sagte Arlo. „Ihr guten Herren, sagt uns, was müssen wir machen um den Fluch zu brechen?“

„Der Altar – er ist der Kern des Fluches. Er muss vernichtet und ersetzt werden.“ „Nun, dann zeigt uns den Altar.“

Sie brachen auf zur Dorfgrenze. Als sie am Altar ankamen, war es schon zu erkennen. Rund um den Altar wuchs nichts – die Erde war verdorrt – fast schwarz. Normal holte sich die Natur alles wieder zurück, wenn sie nicht gebändigt wurde. Aber hier streikte sie. Der Altar war weiss wie Alabaster, aber in der Mitte gesprungen. Es waberte ein dunkler Rauch aus dem Riss. „Was ist das?“ „Das ist die Quelle des Nebels, der das Dorf verschwinden lässt. Und es ist auch der Grund, warum wir bei Sonnenaufgang verschwinden.“ „Sollen wir ihn reparieren?“ „Nein – er muss ausgetausch werden. Dafür muss er gebannt und in einen Vulkan geworfen werden.“

Arlo und Janis schauten sich an, dann die Männer. „Wie bitte? Wir sollen ihn in einen Vulkan werfen? Ihr könnt schon sehen, dass er sehr gross und schwer ist?“ „Ja, ja, natürlich. Unsere Männer werden beim Transport helfen. Wir können uns nur nicht nähern und ihn selbst herausholen. Da ist eine unsichtbare Barriere.“

Janis stöhnte. „Gut – habt ihr Werkzeug um dieses Monstrum zu bergen? Ah da. Na dann Arlo – lass und loslegen und einen Stein ausbuddeln.“

Arlo zeigte wahre Begeisterung. Sie näherten sich dem Stein. Er war stark. Sie spürten das Böse, das um ihn herum war und aus ihm heraus kam, aber da sie nicht von dem Fluch betroffen waren, konnten sie sich nähern. Sie fingen an ihn heraus zu graben. Keine leichte Tätigkeit, aber nach mehreren Stunden schafften sie es. Dann dämmerte es und die Menschen lösten sich langsam auf.

„Ihr lieben. Wir werden uns auflösen. Ruht euch in dem Gasthaus aus. Esst und Trinkt so viel ihr wollt. Wir werden und bei der Abenddämmerung wieder sehen und dann weiter vorgehen.

Fortsetzung folgt.

Schreib mit mir

Schreib mit mir Teil 5 – Trügerische Freiheit – Das Grauen lauert im Nebel Teil 2 von 2

Den ersten Teil könnt ihr HIER noch mal nachlesen.

Was bisher geschah:

Hank ist nicht zimperlich. Er hat schon eine bewegte Vergangenheit und einige Gefängnisse kennen gelernt. Aber dieses hier – das ist seltsam. Es scheint ein verfluchter Ort mit verfluchten Insassen zu sein. So langsam bekommt er es mit der Angst zu tun.

Kapitel 5

Art führte Hank zur Essensausgabe. „Hier ist unser Restaurant. Barney ist der Küchenchef. Ein netter Brummbär, der immer was zu erzählen hat. Unser Barkeeper nur ohne Alkohol. Da hinten in der Ecke, das sind die, vor denen du mich beschützen sollst. Das sind die, die mich als ihre „Bitch“ wollen.“ Er hob die Finger zu den Gänsefüßen. „Hey – mein Arsch soll Jungfrau bleiben. Echt jetzt.“

„Gut wir werden sehen, wie nützlich du mir noch bist. Wenn sie nützlicher sind, verkaufe ich dich.“ Meinte Hank trocken und genoss Arts entsetzten Blick. „Na danke auch. Da komme ich vom Regen in die Traufe. Nun gut, wir werden sehen.“

Hank knuffte Art. Aber Art hatte die Ernsthaftigkeit schon herausgehört. Hank war nicht hier, weil er ein netter Kerl war. Hier kamen  nur die ganz bösen Kerle her. Verzweifelt fragte er sich erneut, warum er überhaupt hier gelandet war. Ein Rätsel, das er wohl nie lösen würde. Aber jetzt würde er hoffentlich auch mal schlafen können und nicht ständig vor Angst die Tür verbarrikadieren müssen. An Flucht hatte er nur mal gedacht. Er wusste, dass er niemals genug Mut aufbringen würde. Zuviel Schauergeschichten rankten um das Gebiet außerhalb der Gefängnismauern.

Nach dem Frühstück gingen die beiden in den Hof. Dort gab es die üblichen Aufbauten. Fitnessbereich, Basketballkörbe und die „Chill-Ecke“. Hank beobachtete alles ganz genau. Hier schien es keinen Alpha zu geben. Sehr seltsam. Es wirkte fast harmonisch. Die alten Knackis spielten Karten oder Schach, die Jungen machten Sport. Einzig, die vor denen Art Angst hatte schienen auf Krawall aus. Den konnten sie haben. Er wäre bereit. So ab und zu einen Faustkampf würde er brauchen. Ich drehe sonst durch. Da kann ich gleich einem Buchclub oder Häkelverein beitreten. Nichts Aufregendes los hier.

„Hei, Art. Warum bricht hier eigentlich keiner aus? Keine Wachen, keine Hochsicherheit? Erklär mir das!“

„Es lauert etwas im Nebel. Manchmal kört man es oder sie. Genau weiß es keiner. Der einzige, er tatsächlich einen Ausbruch überlebte ist Mick. Der Alte mit dem Buch dahinten. Aber er spricht nicht. Wenn man ihn darauf anspricht starrt er einen nur an. Und glaub mir, das ist super unheimlich. Er ist nämlich blind. Angeblich seit dem Ausbruch. Wenn man in seine Nähe kommt, scheint seine Stille einen zu Boden zu drücken. Ich weiß es nicht, vielleicht ist er besessen? Auf jeden Fall macht er einem Angst. Du kannst dein Glück probieren. Aber er wird nicht antworten. Manche sagen er redet nur, wenn ein neuer Angriff bevorsteht, oder einer ausbricht.

Manchmal greift das Grauen aus dem Nebel tatsächlich an. Der Zaun ist das einzige, das uns schützt. Wir glauben es sind die jungen. Frisch geschlüpft, oder was auch immer. Die sind zu ungeduldig und wollen uns provozieren. Manchmal hört man die Tiere des Waldes schreien. Furchtbare Schreie. Es ist ganz übel, Alter. Da möchte man sich bei seinen Eltern im Bett verkriechen.“

Hank sah Art verständnislos an. Warum sollte man das wollen. Er hätte sich nie bei seinen Eltern verkrochen. Was ein Weichei.

Hinter ihnen manifestierte sich ein Schatten. „Hei, Neuer. Ich bin Walt und ich kenne dich. Du warst mit Freddy damals im Bau. Ich kann mich genau an dich und deine Schläger erinnern. Hier wird es das nicht geben. Wir haben kein schlechtes Leben hier. Wir können machen was wir sollen. Keine Wärter, die uns schikanieren. Genug zu Essen, Ruhe – was will man mehr?“ „Freiheit vielleicht?“ „Glaubst du, du bist er erste harte Hund, der hier her kam und ausbrechen wollte. Geh nur zu Mick und frag den stummen Blinden. Wenn du einen lichten Moment erwischst antwortet er vielleicht. Ich rate dir die Füße still zu halten. Du hättest es schlimmer treffen können. Das Gefängnis beschützt uns. Aber erwartet Loyalität. Du hast bestimmt geträumt? Wir haben alle geträumt. Glaub mir, das scheiss Gefängnis ist verflucht, verhext, was auch immer. Wer hier drin ist bleibt hier. Da draußen, das sind die Soldaten des Gefängnisses. Keiner, außer Mick, hat es gesehen und überlebt. Weißt du wer da draußen lauert? Die gefallenen. Erst die der Kriege und dann die neuen Rekruten – die geflohenen Gefangenen. Kein einziger, der hier aufgenommen wurde, wird je entlassen. Schau dir die Chroniken an. Da liest du es.“

„Wie hat Mick es geschafft zu überleben?“ „Keine Ahnung. Er ist nicht mehr klar im Kopf. Er war auf jeden Fall mehr Tod als Lebendig als er zurückkam. Ist er jetzt ja irgendwie immer noch. Also finde dich damit ab. Die wird nur bleiben und leben oder sterben bei dem Versuch zu flüchten. Was ist dir lieber?“

„Ihr spinnt doch! Ein verhextes Gefängnis und was? Tote Soldaten? Ihr wollt mich verarschen, weil ich der Neue bin. Ich gehe zu Mick.“

Kapitel 6

Hank setzte sich Mick gegenüber. Dieser hielt die Bibel in der Hand. „Hi, ich bin Hank. Mick?“ Keine Reaktion. „Was ist da dran, an der urbanen Legende?“ Mick starte Hank mit seinen blinden Augen an. Sofort stellten sich Hanks Haare an den Armen auf. Art hatte Recht, es war befremdlich und gruselig. Es war als würde Mick direkt in seine Seele blicken.

„Das Grauen wartet im Nebel. Diejenigen Innerhalb sind des Todes. Diejenigen Außerhalb sind des Todes. Die Seelen der Außenseiter sind verdorben  das Futter der unerlösten. Keiner hier hat die Erlösung verdient. Bleib innerhalb der Mauern und werde erleuchtet. Das bedeutet Frieden und Sicherheit für deine Seele  – niemals Freiheit. Setzt einen Fuß nach draußen und bleibe für immer als Wächter und hungriger Wanderer. Niemals wirst Befreit du werden.“

Nach diesen Worten wendete sich Mick von Hank ab. Die Bibel wie ein Schutzschild vor sich erhoben.

Hank stand auf und ging zurück zu Freddy und Art. „Und?“ Freddy sah ihn wissend an. „Hast du deine Antworten?“  „Ich weiß nicht was ich habe, außer Kopfschmerzen. Mick ist echt Gaga.“ Art legte seinen Kopf fragend leicht schräg. „Willst du immer noch flüchten?“  „Nun – es muss doch möglich sein von hier zu entkommen. Wer weiß ob es nicht einer von den Flüchtenden geschafft hat? Weg ist weg und sie werden wohl kaum eine Postkarte von den Malediven schicken.“

Hank stand auf und ließ die beiden zurück. Grübelnd ging er die leeren Gänge, die immer noch gruselig wirkten, entlang. Er suchte die Verwaltung. Es musste doch einen Plan des Gefängnisses geben.

Kapitel 7

Hank fand den Weg in die oberen Stockwerke. Die Büros waren, praktischer Weise, ausgeschildert. Er fand die Tür zur Verwaltung somit sehr schnell. Dort hing auch ein Plan des Gefängnisses. Wer hat denn dieses Gefängnis geplant? Es gibt keine Notausgänge. Nur den Haupteingang. Das gibt es doch nicht. Er setzte sich in den bequemen Chefsessel und drehte gedankenverloren hin und her. Der Stuhl war so bequem, dass er einnickte. Ein Traum schlich sich in seinen Schlaf. Er stand auf dem Wachturm und schaute über die Mauer. Es dämmerte schon, aber die Außenbeleuchtung war hell genug um alles auszuleuchten. Er sah Schatten sich bewegen. Undeutlich aber menschlich. Sie blickten hinauf zu ihm. Ihre Augen leuchteten gelblich. Hank zitterte. Vor ihm erschien ganz plötzlich ein Gesicht – unvorstellbar verzerrt und entstellt. Die Augen angstvoll aufgerissen und gelb leuchtend.  Er erschrak und wich zurück. Je weiter er zurück wich umso genauer konnte er die Geschallt erkennen. Seine Augen weiteten sich vor Schrecken und Erkennen. Vor ihm stand ein Bekannter. Vor ihm stand er selbst und er zeigte mit dem knochigen Finger auf ihn.

Hank schreckte auf und wäre fast vom Stuhl gefallen. War das eine Warnung, so wie Art ihm das erklärt hatte? Schnell stand er auf um den Raum zu verlassen. Sein Ziel war die Chronik. Er wollte sehen was andere berichteten.

Er rannte den Gang entlang, das Licht flackerte und warf grauenhafte Schatten an die Wand. Hank sah Gestalten mit langen knorrigen Fingern, die nach ihm griffen. Er war schweißgebadet, als er endlich im unteren Stockwerk Art in die Arme lief. „Hei, Alter. Du siehst aus als wärst du dem Leibhaftigen persönlich begegnet. Alles klar?“

„Ja  – so in etwa. Ich habe wieder geträumt und Schatten verfolgten mich. Ich glaube wir sind hier in der Vorhölle.“ Hank sah hektisch über seine Schulter zurück. Es folgte ihm niemand. „Bring mich zur Chronik. Ich will bisschen lesen.“ „Gut. Folge mir.“

Sie standen vor der Wand und Hank betrachtete die Sätze. Sie berichteten von Träumen, ähnlich den seinen. Von den Geräuschen und Theorien. Alles was Art ihm schon berichtete. „Komm, lass uns zum Abendessen gehen. Barny macht Steak und Pommes. Ich liebe Pommes.“ Er zog Hank mit sich, der sich widerspruchslos fügte. Nach dem Essen saßen sie vor dem Fernsehen und  ließen sich von einer billigen Telenovela berieseln.

Am nächsten Tag beschloss Hank sich genauer am Tor umzuschauen. Die Nacht hatte wieder grauenhafte Träume hervorgerufen. Er musste raus hier. Das Wetter war schlecht und die wenigsten kamen heraus. Nur ein paar liefen ihre Runden und achteten nicht auf ihn. Er inspizierte das Schloss. Es war niedrigste Sicherheitsstufe. Er konnte es nicht glauben, dass hier so wenig auf die Ausbuchsicherheit geachtet wurde.

In dem Moment öffnete sich das Tor. Er blicke irritiert. Dann sah er den Bus, Frischfleisch. Sie schienen so sicher, dass keiner abhaute, dass null Sicherheitsvorkehrungen getätigt wurden. Ein Fingerzeig des Schicksals, dachte Hank. Und nutzte das sich öffnende Tor um raus zu huschen. Er verbarg sich im Nebel und bückte sich hinter den Büschen. Jetzt musste er nur noch warten. Warten konnte er.

Kapitel 8

Während er wartete, döste er etwas ein. Er erwachte von dem Motoren Geräusch des sich entfernenden Transporters. Jetzt konnte er auch endlich fliehen. In Freiheit. Vielleicht würde er sogar ein neues Leben starten können. Ehrlich werden, eine Familie gründen und ein guter Vater werden. Vielleicht konnte er das.

Der letzte Gedanke war sein neues Leben, das er beginnen wollte. Sein letzter Blick zurück galt den Gemäuern hinter ihm und Gesichter hinter den Fenstern. Mick und neben ihm stand traurig blickend, Art. Eine Hand zum Abschied erhoben lösten sie sich auf. Das Gefängnis zerfiel vor seinen Augen. Nur noch ein Gerippe aus Mauerwerk. Das Letzte was er las, ein Ausschnitt aus der Chronik an der Aussenmauer.

„Die Befreiten Geister sind sicher hinter diesen Mauern. Die verfluchten Geister jagen vor den Mauern der vergangenen Sicherheit hinter her. Auf ewig sind beide Seiten Gefangen, ob ihrer Taten. Du, der du das liest – hast dich für die falsche Seite entschieden.“

Hanks Gestalt begann sich aufzulösen. Er wurde zu einem Schatten mit gelben Augen. Keiner wird jemals seinem Gefängnis entkommen. Ein neuer Eintrag auf der Chronik im Waschraum erzählt von dieser Geschichte. Für Nachfolgende, die vor der Entscheidung stehen – Sicherheit aber Verdammt im Inneren – oder Ewiger Jäger und Verdammt im Äußeren.

ENDE

Die Inspiration stammt von Jette. Vielen Dank

 

Schreib mit mir

Schreib mit mir Teil 5 – Trügerische Freiheit – Das Grauen lauert im Nebel Teil 1 von 2

Wieder hat mich ein Szenario von Jette „gefangen“ genommen. Dieses mal eine Geschichte um ein seltsames Gefängnis.

Allerdings konnte ich mich wieder nicht bremsen und muss es aufteilen. Es wird zwei Parts geben.


 

Setting:

Dein/e Protagonist/in ist ein/ Gefangene/r in einem Gefängnis. In diesem Gefängnis gibt es keine Wachen. Dennoch haben die Gefangenen zu viel Angst um zu fliehen.

Warum fliehen sie nicht? Was würde passieren, wenn sie es doch versuchen?

Gegenstände:

ein Schlagstock, eine Pistole, Tränengas, Gefängnisoverall

Charaktere:

Ein absoluter Feigling und jemanden der beunruhigend still ist


Hank war das, was man einen harten Kerl nennt. Sein Vorstrafenregister könnte in jeder Kriminologie-Vorlesung als Paradebeispiel dienen.  Man könnte natürlich anbringen, dass er eine schwierige Kindheit hatte. Ja das stimmt sogar – seine Mutter eine Säuferin und Prostituierte, sein Vater ein Schläger – ein typisches Klischee. Das einzige was nicht passte, war Hank. Er war immer brav, schüchtern, ängstlich und zurückhaltend. Sein Vater verachtete ihn dafür. Er hielt ihn für einen jammernden Schwächling und schlug oft umso härter zu, um einen Mann aus ihm zu machen. Dann wurde er erwachsen – und er erkannte, dass er etwas ändern musste, wenn er nicht immer unter solchen Menschen, wie seinem Vater, leiden wollte. Er schloss sich einer Gang ein und als sein Vater irgendwann mal wieder zuschlagen wollte, kam Hank ihm zuvor. Er schlug mit all seiner Wut und seinem Hass zu. Solange bis sein Vater sich nicht mehr rührte. Als seine Mutter in das Zimmer stürmte und ihrem Mann tot da liegen sah, stürzte sie sich auf Hank und boxte ihn. Eigentlich wollte er sie nicht töten – sie war ja auch ein Opfer des Systems. Dumm nur, dass sie nie für Hank da war. Er griff in seinen Rücken und holte die Pistole aus dem Gürtel – er schoss und es war ruhig. Danach entwickelte sich seine kriminelle Karriere wie aus dem Lehrbuch. So kam es dann auch, dass er mehr Zeit seines Lebens in Gefängnissen als in Freiheit verbrachte. Ja – Hank war ein unangenehmer Zeitgenosse. Besser man ging ihm aus dem Weg.

Wieder einmal saß er vor einem Richter. Er hörte gar nicht richtig zu. Ein schwitzender Junganwalt, der nervös mit den Seiten raschelte und vor dem Richter stotterte – Hank war es egal. Er saß im Gefängnisoverall auf dem Stuhl und wartete auf sein Urteil. Das wäre die letzte Verurteilung. Er würde nie wieder in Freiheit kommen.

Er erinnerte sich an seine Verhaftung. Sie hätten ihn nie überwältigt, wenn sie nicht Tränengas verwendet hätten. Er lächelte bei dem Gedanken an den Grünschnabel, der seine Pistole kaum richtig herum gehalten hatte. Fast hätte  er sie noch fallen lassen. Hank holte gerade mit seinem Schlagstock aus, als das Gas durch die Fenster geworfen wurde.

Er hatte Gerüchte gehört über ein Gefängnis ohne Wärter. Die Verhandlung war vorüber und Hank sollte tatsächlich lebenslänglich in dieses mysteriöse Gefängnis ohne Wärter kommen. Innerlich jubelte er – das wäre doch gelacht, wenn er nicht einfach die Flatter machen könnte. Lächelnd betrat er den Gefangenentransporter, setzte sich und schlief entspannt ein.

Kapitel 2

Der Transport stoppte  „Hei – Gefangener – hast du gut geschlafen? Wach auf. Hei Penner. Wir sind da. Die gemütlichen Stunden sind vorbei. Auf du Lurch. Beweg dich und reih dich ein. Dein neues zu Hause will dich willkommen heißen. Harharhar.“

Hank schlug die Augen auf. Er hatte tatsächlich gut geschlafen. Das Ruckeln des Autos und das Brummen des Motors hatte ihn sanft ein schlummern lassen – wie ein Baby in der Wiege. Er schmunzelte leicht und bekam gleich einen Tritt in den Magen.

„Hei – Wichser – beweg dich, wir haben nicht den ganzen Tag Zeit. Im Dunkeln werden wir hier weg sein. Auf, auf.“

Der Wächter wusste nicht, wie froh er sein konnte, dass Hank gefesselt war. Beruhige dich Brauner – du kannst es eh nicht ändern. Atme tief ein und aus und verlasse das Auto. Es wird schon noch eine Möglichkeit geben sich zu entfernen. Ein Knast ohne Bewachung – wie schwer soll das schon für mich sein.

Hank reihte sich hinter den anderen Gefangenen ein. Insgesamt waren sie vier Männer. Er schaute sich unauffällig um. Ein Sumpfgebiet. Er seufzte tief. Sumpf ist immer gefährlich – aber immerhin an ein Festland gebunden. Eine Insel wäre schwieriger geworden.

Er konnte den Weg erkennen, den das Auto genommen hatte. Er würde als Fluchtweg ausfallen. Hank konnte Solarbetriebene Straßenlaternen erkennen. Wahrscheinlich war auch irgendwo ein Überwachungssystem geschaltet. Nein – er musste anders hier raus kommen.

Aber sein erstes Ziel würde der Boss sein. Es gab immer einen Boss. Und das wollte Hank sein. Er würde auf keinen Fall die Bitch von jemandem sein. Ha. Nicht er. Das würden die da drinnen schon merken.

Kapitel  3

Hank lies das nervige Aufnahmeritual über sich ergehen. Es war ja nicht sein erster Besuch im Gefängnis. Er schlappte stur hinter den anderen her, zog sich aus, als es befohlen wurde und präsentierte alle seine Körperöffnungen. Als Krimineller durfte man halt nicht schüchtern sein.

Nach dem Prozedere bekam er seine Kleidung, Handtuch, Seife, Zahnbürste und Zahnpasta. Er wurde zu seiner Zelle gebracht und alleine gelassen.

„Hei, hei Neuer. Wie heißt du? Willst du mein Freund sein? Mein Beschützer? Du siehst stark und angsteinflößend aus. Ich brauche jemanden, der mich beschützt. Ich habe solch Angst.“

„Wie lange bist du schon hier?“ „Eine Woche, und du glaubst nicht wie beängstigend das hier ist.“

„Erzähl mir was  über den Knast hier.  Komm rüber zu mir und berichte was ich wissen muss.“

Hank schaute in die Richtung, aus der die Stimme kam und ein Bürschchen, der nicht älter als siebzehn oder achtzehn sein konnte drückte sich an der Wand entlang und schlüpfte in die Zelle.

„Hallo, ich bin Art.“ „Hank.“ „Dein Name klingt schon mutig. Ich bin irgendwie falsch hier. Hier sind nur Schwerverbrecher – nicht für ungut, aber dass du kein Waisenknabe bist ist offensichtlich.“

„Warum bist du hier?“ „Ich bin ein bekannter Hacker. Und ich habe das Verteidigungsministerium gehackt und lahm gelegt. Ich bin also ein Staatsfeind. Aber mich in den härtesten Knast zu stecken, finde ich doch etwas übertrieben.“

„Härtester Knast? Du willst mich veralbern, oder? Hier gibt es keine Wachen. Soweit ich das sehe, werden wir noch nicht mal eingeschlossen. Was ist denn da hart?“

„Du hast keine Ahnung. Du Tor. Du bist noch neu – aber du wirst schon erfahren, wie toll es hier ist. Und nicht nur die Insassen. Glaube mir.“

Hank betrachtete Art nachdenklich. Ich werde schon herausfinden, was dieser Feigling meint. Morgen werde ich erst mal das Gebiet erkunden. Mal sehen wer hier das Sagen hat.

„So – Art. War ja echt nett, deine Bekanntschaft zu  machen, aber ich habe eine lange Fahrt hinter mir und ich bin echt geschafft. Ich will mich jetzt nur noch aufs Ohr hauen und solange schlafen, wie ich darf. Wie lange darf man denn hier schlafen?“

„So lange du willst. Gibt ja keine Wärter hier. Wir sind hier im nirgendwo.“

„Na bestens – das ist ja wie Urlaub hier. Vielleicht gefällt es mir ja doch. Wir werden sehen. Und jetzt verpiss dich.“

Kapitel 4

Hank konnte trotz Müdigkeit nicht einschlafen. Er grübelte. Was würde ihn erwarten. Ein Gefängnis ohne Wärter. Warum flüchtet keiner? Das kann doch nicht sein, dass die alle ein Leben in Gefangenschaft vorziehen.

Irgendwann holte der Schlaf ihn doch ein. Er schlief unruhig. Immer wieder stöhnte er und warf sich hin und her. Kurz vor der Dämmerung schreckte er hoch. Ein Geräusch hatte ihn geweckt. War es aus seinem Traum, oder kam es von draußen. Er war nass geschwitzt und fror.

Ihm blieb nichts anderes übrig als aufzustehen. An Schlaf war erst mal nicht mehr zu denken. Die Notbeleuchtung war angeschaltet und er ging auf den Gang hinaus. Kein Mensch war auf den Gängen unterwegs. Er folgte den Pfeilen auf dem Boden, die ihn zu den Ausgängen führten. Die Notbeleuchtung ließ den Gang in einem dämmerigen grünen Licht erscheinen. Hank sah in jeder Ecke Schatten, die sich bewegten. Eine Gänsehaut überzog seine Arme. Es war wirklich gruselig. Am liebsten wäre er sofort umgekehrt in seine Zelle und hätte die Tür freiwillig verschlossen.

Verdammt, reiß dich zusammen, du Memme. Was soll denn hier schon großartig sein. Vielleicht irgendein Gefangener, der wie ich nicht schlafen kann. Vielleicht ist der irgendwo hängen geblieben und hat irgendwas umgeworfen, und das hat das Geräusch gemacht, dass dich geweckt hat. Ja so wird es sein. Ich will jetzt nur mal an die frische Luft. Dann gehe ich zurück in meine Zelle und schlafe weiter.

Hank beruhigte sich wieder. Er ging weiter durch die unheimlichen Gänge. Seine Schritte wurden von den Wänden zurück geworfen. Das irritierte ihn. Er hatte das Gefühl schon ewig gelaufen zu sein. Irgendwo musste doch  mal eine Tür nach außen sein.  Verflixt. Ich glaube ich laufe im Kreis. Was soll der Scheiss. Da! Eine Tür. Endlich. Hank ging etwas schneller. Seine Schritte hinterließen ein Echo. Ein Echo? Er blieb stehen. Die Schritte gingen weiter. Erschrocken drehte er sich um. Ein Schatten an der Wand bewegte sich weiter. Hank hielt den Atem an. Gleich müsste jemand um die Ecke kommen. Der Schatten bewegte sich weiter. Langsam aber ohne zu zögern. Jetzt musste sein Verfolger erscheinen. Aber da war niemand. Er hörte immer noch Schritte. Aber kein Mensch war hervor getreten. Der Schatten an der Wand bewegte sich weiter. Er kam auf Hank zu.

Hank ging langsam rückwärts. Das konnte doch nicht sein. Was konnte einen Schatten an die Wand werfen, wenn es keinen Körper dazu gab? Dann stolperte Hank und musste sich auffangen damit er nicht stürzte. In dem Moment stand der Schatten genau vor ihm. Hank hielt den Atem an. Da spürte er einen kräftigen Stoß. Dieser Stoß beförderte ihn geradewegs auf die gegenüberliegende Wand zu.  Er fiel und blieb mit dem Rücken an der Wand und rutschte herunter – so blieb er sitzen. Der Schatten kam immer näher. Hank hob zum Schutz den Arm. Da spürte er wie er am Arm gezogen wurde. Er wurde nach oben gezogen und ein scharfer Schmerz drang in seinen Arm. Wieder und wieder war es, als würde jemand auf ihn einstechen. Dann war es vorbei. Ganz plötzlich war der Spuk vorüber. Hank betrachtete seinen Arm. Es waren lauter oberflächliche Schnitte zu erkennen. Nicht tief. Nichts Besorgniserregendes. Schnell rannte er in Richtung seiner Zelle. Atemlos trat er ein und verschloss die Zellentür.  Er blickte sich um, ob er etwas fand mit dem er die Zelle verriegeln konnte. Da gab es nichts. Dann legte er sich schnell in sein Bett und zog die Decke über den Kopf wie ein kleiner Junge. Er versuchte ganz leise zu atmen um ja keine Geräusche zu machen. Ein leichtes Zittern fuhr durch seinen Körper. Nicht mehr viel und seine Körperfunktionen würden ihren Dienst einstellen und er würde sich in die Hose pinkeln. Irgendetwas Seltsames ging hier vor. Und es war verdammt gruselig.

Er hörte ein Rauschen. Als würde der Wind Blätter durch den leeren Gang treiben. Noch einige Zeit horchte er und atmete leise. Dann schlief er ein.

Am nächsten Morgen wachte Hank auf. Er spürte, dass er nicht alleine war, und zog vorsichtig die Decke von seinem Gesicht. Und er erschrak. Vor ihm, auf einem Stuhl, saß Art.

„Verdammt, Alter. Spinnst du mich so zu erschrecken. Was soll denn das?“ Schnauzte er Art an.

„Hallo Freund. Wie hast du geschlafen?“

„Beschissen. Was zum Teufel ist hier nachts los? Schau nur – ich habe lauter Schnittverletzungen.“ Er hob seinen Arm und wollte die Schnitte zeigen. Seine Arme waren unverletzt. Hank drehte hektisch seine Arme hin und her. „D-Das versteh ich nicht. Ich hatte gestern die Zelle verlassen und irgendein Schatten hat mich angegriffen und verletzt. Aber hier – es ist nichts auf meinen Armen.

„Ach ja – ich hätte dich vielleicht vorwarnen sollen. Man bekommt hier sonderbare Träume, wenn man neu ist. Hat irgendwas mit der Einstellung zu tun. Als wüsste das Gefängnis etwas über deine Gedanken und schickt dir Träume zur Warnung. So in etwa findest du es in der Chronik.“

„Chronik? Hier gibt es eine Chronik?“

„Na ja Chronik ist vielleicht etwas hochtrabend. Warst du schon im Waschraum? An den Wänden dort und auf dem Klo, findest du die Chronik.“

Hank sah Art zweifelnd an – ein seltsamer Knabe – ein seltsamer Ort.

Fortsetzung folgt

Schreib mit mir

Schreib mit mir Teil 4 – Das Königreich im Spiegel #6

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Part 3

Kapitel 1

Was bisher geschah:

Die Abreise wurde vorbereitet – Ratschläge erteilt. Arlo hatte einen wichtigen Traum über Mary – dies ist der Startschuss für die Mission – er hat sich verliebt.


„Weisst du mein Freund“, sagte Janis zu Arlo. „Deine Bitte dir in irgendwas Seltsames zu folgen, hätte nicht passender kommen können. Mir wurde es gerade zu langweilig zu Hause, und bevor ich irgendwelche Dummheiten begehen kann – reite ich doch lieber mit  dir um eine holde Jungfrau zu retten.“

„Machst du dich gerade lustig über mich?“

„Wie könnte ich. Wer hat nicht schon von einer verführerischen Frau geträumt, die ihn in sein Verderben gelockt hat. Also ich ständig. Nun – ich träume nicht nur davon – auch ein Grund, warum es bestens passt mal eine Zeitlang das Dorf zu verlassen. Es könnten einige Ehemänner und Väter sehr ungehalten mir gegenüber sein.“

Es fiel Janis unendlich schwer Arlo nicht aufzuklären. Aber es war Bedingung dieser Rettungsmission, das Arlo da ganz unbelastet dran ging. Er durfte nicht erfahren, dass dies eine Vorhersehung war. Denn Arlo hasste nichts mehr, als manipuliert zu werden. Wie es dann am Ende ausging – da würde Janis sich später Gedanken machen – sollte er da überhaupt noch leben. Er hoffte, dass Mary als liebevoller Puffer für Arlos Zorn gelten wird.

„So, so, hast du wieder die jungen Ehefrauen und Mädchen verführt?“ Das wird noch dein Verderben sein. Du solltest dich langsam mal nach einer Braut umschauen. Deine Eltern wollen doch bestimmt süsse kleine Enkel haben.“

Es versetzte ihm einen Stich ins Herz, dass er das vielleicht nie erleben dürfte. Selbst Mary´s und Arlos Kinder würde er vielleicht nie sehen.

„Pah – ich und sesshaft. Mein Lieber Freund – das wird so schnell bestimmt nicht passieren. Ich kann doch dies hier – „ Dabei zeigte er auf sich. „- nicht nur einer holden Dame geben. Nein, nein. Ich habe Verpflichtungen.“ Lachte er und trieb sein Pferd zu einem schnelleren Trab an.

Arlo folgte ihm lachend und kopfschüttelnd. Sein bester Freund würde irgendwann schon die richtige Frau finden, die ihn bändigen würde. Da war er sich sicher.

Kapitel 2

Sie ritten eine Zeitlang schweigend nebeneinander. Jeder in seine Gedanken versunken. Sie kamen an ein kleines Dorf. Dort wollten sie rast machen. Arlo wusste nichts über den Splitter – anscheinend konnte er ihn auch nicht sehen. Aber Janis sah ihn ständig vor sich. Als hätte er sich in seine Augen geätzt. Wie eine Kompassnadel zeigte er ihm den Weg.

Sie ritten durch das Tor in das Dorf. „Hei, Bursche – wo ist das Gasthaus dieses Dorfes?“ Ein schmutziger kleiner Knabe spielte in einer Pfütze und blickte nach oben. Er öffnete bewundernd seinen Mund und starrte die beeindruckend wirkenden Männer an. Dann hob er seine Hand und zeigte mit dem Zeigefinger in Richtung eines Hauses, das wie eine Taverne aussah. Eine verwanzte Taverne – die beiden einigten sich, dass sie schnell was essen und trinken würden und dann besser bei den Pferden im angrenzenden Stall schlafen würden.

Als sie eintraten kamen ihnen die üblichen Geräusche und Düfte entgegen. Janis kannte sie in- und auswendig. Er konnte schon auf dem ersten Blick erkennen, was hier Sache war. Ein Saufgelage in der hinteren Ecke mit vielen barbusigen Frauen, die hofften, dass die Freier so betrunken sein würden, dass sie ohne sich verkaufen zu müssen, an das Geld kamen.

Janis bugsierte sich und Arlo an einen freien Tisch. Man durfte in solchen Tavernen nicht zimperlich sein. Denn für Sauberkeit waren sie nicht bekannt. Arlo fühlte sich sehr unwohl in seiner Haut. Am liebsten wäre er weiter geritten. Es machte ihn nervös so viel Zeit zu verlieren.

„Lass und das schnell hinter uns bringen.“

„Was meinst du? Essen, Trinken und schlafen? Wir brauchen die Pause. Das weisst du. Wie willst du sonst gegen die Bösen kämpfen – hä, mein Freund? Komm geniess das verwässerte Bier und die verwässerte Suppe. Das Brot wird das Beste an dem ganzen Essen sein. Und die Ladys die uns bedienen.“ Janis lächelte in Richtung Bar. Da stand eine hübsche Frau mit ausladenden Hüften und prallen Brüsten. Genau wie er es mochte. Sie lächelte koket rüber zu ihm. „Was machst du? Die Frau bedeutet bestimmt ärger. Eine wie die ist doch nicht unverheiratet. Die dahinten in der Ecke mit den nackten Brüsten – die kannst du dir nehmen – aber sie – lass die Finger von ihr.“ „Ja, ja.“ Sagte Janis abgelenkt.

„Meine Herren, was darf es denn für euch sein?“ „Holde Maid, wie ist euer Name?“ Fragte Janis die hübsche Bedienung. „Anika“ „Anika – ein Name wie er besser nicht zu so einer hübschen Frau passen könnte. Mein Freund und ich wollen gerne ein Bier und eine Suppe mit einem Laib Brot und ein Küsschen als Nachtisch.“

„Ach du.“ Lachte sie und verschwand schnell in der Küche.

Arlo schüttelte nur den Kopf und machte sich in Gedanken schon eine Liste, was sie alles bräuchten um am nächsten Morgen schnell verschwinden zu können. Denn er ahnte nichts Gutes. Er kannte seinen Freund schon zu lange.

Es kam wie es kommen musste. Arlo zog sich nach seinem Bier und seiner Suppe in den Stall zu den Pferden zurück. Nicht bevor er nicht alles für eine schnelle Flucht vorbereitet hatte, legte er sich zum Schlafen.  Aber er konnte nicht gleich schlafen. Er schaute in den Himmel und folgte den Sternen. In Gedanken war er bei Mary. Wie es ihr wohl geht?

Arlo wurde wach, als die ersten Sonnenstrahlen ihn kitzelten. Schnell sattelte er die Pferde, überprüfte die Taschen und den Proviant, tränkte noch schnell die Pferde und wartete. Er brauchte nicht lange warten, da kam er schon angerannt. Mit offener Hose und Hemd, die Schuhe in der Hand und hinter ihm der dicke Schankwirt. Schnell sprang er auf das Pferd und sie ritten wie vom Teufel verfolgt.

Janis lachte und als sie endlich anhalten konnten, zog er sich an und biss schnell mal in eine Scheibe Brot. „Meine Güte, wer hätte gedacht, dass der Dickwanst so schnell rennen kann. Uff – das war mal wieder echt knapp. Aber es hat sich gelohnt, mein Lieber. Diese Frau war so weich und willig.“

„Ach halt doch die Klappe. Wer war sie? Seine Tochter? Seine Frau? Du bist einfach unverbesserlich.“ Sagte Arlo nicht ganz so böse wie er es gerne täte.

„Seine Frau – und bitte – es war wirklich nötig für sie. Sie vertrocknet bei dem alten Sack. Das hält sie jetzt paar Monate über Wasser – und vielleicht komme ich ja wieder.“ Zwinkerte er. Arlo lachte und schüttelte den Kopf. Einfach unverbesserlich, der Kerl.

„Gut, lass uns endlich weiter reiten.“

Fortsetzung folgt. 

Schreib mit mir

Schreib mit mir Teil 4 – Das Königreich im Spiegel #5

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Kapitel 3

Was bisher geschah:

Abraham begab sich noch einmal zum Orakel. Dort erfuhr er, dass die beiden Freunde alleine ihre Aufgaben meistern müssen. Keine Armee darf sie zum Schutz begleiten.


Abraham betrat seine Stallungen und gab Anweisungen, die Pferde vorzubereiten zu lassen. Dann ging er rasch in sein Haus, in dem Annet und Janis schon ungeduldig warteten.

„Abraham, da bist du ja endlich. Ich war schon in Sorge. Los, erzähl uns was das Orakel erzählt hat.“

„Lass mich erst mal zu Atem kommen und setzen. Es wird eine schwierige Herausforderung für Janis und Arlo werden. Sie dürfen keine unserer Armeen mitnehmen und sind auf Hilfe von Unterwegs angewiesen. Das wichtigste aber ist – und hör genau zu, Janis – ihr müsst die Herausforderungen auch korrekt bewältigen. Wenn ihr sie richtig bewältigt, kommt ihr voran, wenn ihr irgendwo scheitert, oder etwas falsch löst, werdet ihr behindert.“

„Das ist absolut kein Problem für uns Vater. Wir werden das schon schaffen. Ich glaube fest daran. Es gilt Mary zu befreien. Und ob es mir gefällt oder nicht, Arlo zur Frau zu geben. Damit  unser Königreich endlich wieder friedlich und frei ist.“

„Das sind tolle Worte mein Sohn. Aber unterschätze nicht die böse Königin. Sie wird es euch nicht leicht machen. Und noch etwas. Das nur dich betrifft. Das Orakel konnte keine Einzelheiten nennen. Aber irgendwas wird direkt dein Leben betreffen. Eine Entscheidung, oder ein Vorfall, der entscheidet, ob du diese Mission überleben wirst. Ich weiss nicht was es sein könnte, und ich weiss auch nicht wie leicht du es erkennen wirst. Versprich mir nur, dass du für alles offen sein wirst. Für Hilfe, oder wenn du jemanden helfen musst. Egal was, versprich mir, dass du alles daran setzen wirst lebend wieder heim zu kommen.“

„Aber Vater – seit jeher denke ich, ich werde nicht lebend daraus hervor kommen. Meine oberste Priorität gilt Mary. Alles andere ist sekundär. Bitte, bitte nimm mir dieses Versprechen nicht ab. Ich werde mich immer als erstes für Mary entscheiden.“

Annet schluchzte und hielt sich die Hand vor den Mund. Dann kam sie und nahm Janis in den Arm. „Mein Lieber – versuch einfach auf dein Herzen zu hören. Du bist ein guter junger Mann. Du wirst das ganze schon meistern. Ich vertraue auf dich und deine Entscheidungen. Du und Arlo, ihr werdet Mary retten. Ich weiss das ganz sicher.“

Er nahm Annet und seinen Vater fest in die Arme. Einige Minuten blieben sie so stehen, jeder in seinen Gedanken versunken. Janis löste sich und lies seine Eltern stehen. Es tat ihm im Herzen leid. Er würde sie vielleicht nie wieder sehen. Was das Orakel ihm weissagte, nahm er nicht für voll. Er hatte einzig und allein Marys Schicksal vor Augen. Und das Vernichten der bösen Königin, die sie so lange gefangen gehalten hatte. Fern von ihrer Familie.

Tief in seinem Inneren hörte er eine Stimme: „Verliere dich nicht in deinem Hass, folge deiner Bestimmung  – alles andere wird sich aus deinen Taten ergeben.“ Es war für ihn nichts ungewöhnliches, solche Stimmen zu hören – in der Vergangenheit hatte er immer wieder solche Eingebungen. Er war sogar der Meinung, dass sie der Grund waren, warum er überhaupt noch lebte. Er war kein Kind von Traurigkeit. Er war nie einem Zwist oder Kampf aus dem Weg gegangen. Er wusste, irgendwann wird er diese Fähigkeiten brauchen. Er hatte immer das Gefühl, als würde eine Macht ihre Hand über ihn halten um ihn zu beschützen. Darauf hoffte er auch auf ihrer Mission.

Kapitel 4

In der Zwischenzeit hatte Arlo seinen Traum. Er war plötzlich so müde geworden, dass er es gerade so auf sein Lager schaffte. Er fiel um und schlief sofort ein.

Er träumte er wäre unterwegs und ein Lied hätte ihn gelockt.

Er kam an einen Fluss. Dort sass ein Mädchen.

Sie war schlank und durchschnittlich gross. Ihr langes Haar war aschblond.

Ihre Augenfarbe konnte er noch nicht sehen. Er ging näher und verlor sich in ihren grossen braunen Augen, die ihn neugierig aber auch verschreckt ansahen.

„Hallo, bitte erschrecke nicht – ich bin Arlo, wie ist dein Name? Wo kommst du her? Oder, ich sollte besser fragen – Wo bin ich?“

„Hallo Arlo, ich bin Mary. Du träumst. Du bist in deinem Traum. Aber ich weiss nicht warum ich in deinem Traum bin.“

Die Szene veränderte sich. Es wurde dunkel. Wolken zogen auf. Es wurde windig. Marys dünnes Kleid wurde hin und hergerissen. Arlo wollte ihr seine Jacke umlegen, aber sie wurde ihm aus der Hand gerissen. Das Wasser des Flusses wurde hart – silbrig und dunkle Schatten traten hervor. Sie zogen Mary an den Armen von ihm fort. Er wollte folgen, aber eine unsichtbare Wand verhinderte dies.

Arlo schrak auf aus seinem Traum. Er war Schweiß gebadet und orientierungslos. Das einzige was er wahrnahm, war der Gedanke an Mary. Er musste sie retten. Er wusste sie existierte und war in Gefahr. Er musste sie einfach finden, denn sein Herz hatte er bei ihr gelassen.

Fortsetzung folgt