Schreibkicks

Schreibkicks 2 in 1 – Auf dem Dach vom Glück gegrüsst. Part 2 v 2

Hallo ihr Lieben. Da ich zum 01.06 Aufs Dach gestiegen nicht geschafft habe, habe ich das Thema für den 01.07 Grüsse vom Glück kombiniert. HIER findet ihr den 1. Teil.

Mehr zu den Schreibkicks findet ihr HIER.

Teilgenommen am 01.07 haben:

Corly

 

Das Thema für den 01.08. lautet: Hitzefrei

 

Bisher erschienen:

  1. Schreibkicks – die vererbte Zeitkapsel
  2. Schreibkicks – Weihnachstspezial – Die Sache mit dem Rentier
  3. Mach was…mit einer Festtags-Leckerei
  4. Schreibkicks – Märchen der guten Vorsätze
  5. Schreibkicks – Rückkehr der Freunde
  6. Schreibkicks – Die Welt bei Nacht mit einem Hausschuh.
  7. Schreibkicks – Im Spiegel lauert die Gefahr
  8. Schreibkicks – Mai – Lachen heilt alle Wunden

Ich es auf zwei Tage verteilt, da es sonst zuviel zu lesen wäre.


Aufs Dach gestiegen und Grüsse vom Glück.

Amelia hatte sich verdächtig ruhig benommen. Das war so gar nicht ihre Art. Als wir endlich wieder in der Halle waren blühte sie auf.

„Wie lange wird denn der August bei uns bleiben?“

„Ich weiß nicht. Der Deal war solange er will.“

„Das kann ganz schön lange sein, oder?“

„Ja – das ist möglich. Was willst du mir denn sagen?“ So langsam nervte mich nämlich ihr gestammel.

„Ach nichts.“ Winkte sie ab.

„Amelia, sag schon, ich habe keine Nerven, das jetzt alles aus dir heraus zu kitzeln.“

„Haha. Kitzeln. Ein Gefühl, das ich schon lange nicht mehr gespürt habe.“ Ich rollte mit den Augen.

„Schon gut, schon gut. Ich hasse Clowns. Ich fand sie als Kind schon gruselig und heute nicht weniger. Dieses seltsame grinsen und die riesen Füße und das komisch rote Gekräusel auf dem Kopf mit dem viel zu kleinen Hut. Was soll denn diese viele Farbe im Gesicht. Nein, ich hasse Clowns.“

„Tja, meine Liebe, es tut mir wirklich leid, aber da müssen wir alle durch. Clowns sind auch nicht gerade meine Favoriten. Aber wenn er Mary erlöst, soll das gut sein. Wir werden das überstehen. Vielleicht sehen wir ihn ja nicht so oft. Hm.“

„Ja, ja, vielleicht.“ Maulte sie und verblasste.

Als wenn ich es mir aussuchen könnte, mit wem ich lebte. So einfach waren sie auch nicht. Aber das interessierte ja keinen. Tse.

Da an diesem Tag sonst nichts Besonderes war, zog ich mich in mein Zimmer zurück. Endlich konnte ich mal das neu gelegte Internet ausprobieren. Und mal wieder Serien streamen. Das hatte ich schon fast aus meinem Leben gestrichen. Aber heute nicht. Der Tag sollte mir gehören, oder wenigstens der Nachmittag. Aus meinem Versteck hinter der Wandvertäfelung neben dem Kamin, schnappte ich mir eine Tüte Chips und ein kühles Radler – Alte Häuser waren bald besser als ein Kühlschrank. Ich klappte den Laptop auf und startete mein Programm. Ich war so fern von aktuellen Serien, dass ich ewig brauchte um eine auszuwählen. Ich drückte Play und lehnte mich in dem bequemen Sessel zurück. Als es draußen rumpelte. Ich schloss die Augen, seufzte, stellte auf Pause und mein Bier auf den Tisch. Dann erhob ich mich. Widerwillig öffnete ich die Tür, zögernd. Ich war kurz davor sie einfach wieder zu schließen. Ich wollte echt nicht wissen was los war.

Ich zog die Tür auf, wie man ein Pflaster abriss. Schnell und ohne weiteres Zögern. Dann schob ich vorsichtig den Kopf raus um einen Knäul riesiger Schuhe und roter krauseliger Haare zu erblicken. Innerlich zögerte ich und dachte mir, irgendjemand wird kommen. Ja. Wer denn Lissi? Der „Irgendjemand“ bist immer du – schalt ich mich selbst.

Ich rannte los und kniete mich neben das Knäul Arme und Beine.

„August? August? Alles in Ordnung?“

„Ich entschuldige mich für die Unannehmlichkeiten, Fräulein. Aber sieht es so aus, als wäre alles in Ordnung?“ Immer höflich, der gute Kerl.

„Was ist passiert? War das Mary?“

„Oh, Himmel nein. Die Gnädigste würde so was niemals tun. Die Gütigste.“ Gütigste? Er wusste schon, wer sie war?

„Nein, ich bin über diese riesigen Schuhe gestolpert. Diese Dachbodentreppe ist nicht geeignet für solch ein Schuhformat.“

Ich nickte verständnisvoll. Mit meinen Einhornplüschschuhen hatte ich da auch schon diverse Probleme zu bewältigen. Ich sollte sie irgendwie absichern. Irgendwann mal.

„Komm, wir entknäulen dich erst mal und dann schauen wir was es leckeres zu Essen in der Küche gibt.“ Ich warf einen  sehnsüchtigen Blick in mein Zimmer in der die Flasche Bier und die offene Chipstüte neben meinem Laptop auf mich warteten. Ich seufzte und half August wieder auf die Beine.

Unten angekommen trafen wir auf die restlichen Bewohner. Amelia verkroch sich gleich ans andere Ende und beäugte August misstrauisch. Entweder ignorierte er es, oder nahm es gar nicht wahr.

Wir setzten uns an den Tisch. In der Mitte standen schon lauter kleine Häppchen und mir lief sofort das Wasser im Mund zusammen. Ich schaute mich nach der Glocke um. Keine – also kam der Pawlowsche Effekt direkt aus meinem Inneren.

Wir aßen und quatschten. August unterhielt uns mit Anekdoten aus dem Zirkus und zeigte uns auch einige seiner Nummern. Trotzdem sie schon echt alt und abgedroschen waren mussten wir alle herzlich lachen. Und mit allen, meinte ich alle. Sowohl Amelia hatte sich entspannt in die Ecke gesetzt und lachte, als auch ein bekanntes Gesicht aus dem Spiegel neben ihr. Sie lachte und lachte. Ich glaubte sogar etwas Farbe in dem Grauen Bild zu erkennen. Vielleicht hatte die Wahrsagerin Recht. Lachen heilte alle Wunden.

Wir lösten uns langsam auf. Ich begab mich wieder in mein Zimmer. Aber ich konnte nicht schlafen. Im Bad schnappte ich mir einen Handspiegel und begab mich aufs Dach. Wie so oft in alten Villen gab es eine Art Dachterrasse. Ich hatte den Aufstieg beim Besichtigen der oberen Stockwerke entdeckt. Aber den anderen nicht gesagt. Er lag hinter einem Wandteppich versteckt. Noch sollte er mir alleine gehören. Ich stieg also aufs Dach mit dem Spiegel in der Hand. Was ich erwartete wusste ich nicht. Aber ich wollte Mary irgendwie mal kennen lernen. Ich hatte keine Zeit mich mit ihr zu beschäftigen. Und wenn sie vielleicht erlöst werden würde, wäre sie weg.

Eine kleine steinerne Bank war vor Ort. Ich hatte mir schon eine Kissen zurechtgelegt, das ich jetzt aus der dazugehörigen Box holte. Es war ein herrlicher Abend. Schon bisschen warm und die Lichter der Stadt blinkten beruhigend wie Sterne am Boden.

Ich zog den Spiegel aus der Bademanteltasche und blickte hinein.

„Mary? Kannst du mich hören?“

So schnell wie sie erschien, blieb mir fast das Herz stehen.

„Ah Lissi. Wie schön, dass du dir Zeit für mich nimmst. Soll ich mich neben dich setzen und wir genießen den Ausblick gemeinsam. Für eine gewisse Zeit?“

„Netter Versuch. Nein, du kannst ruhig im Spiegel bleiben. Ich dachte wir unterhalten uns etwas.“

„Echt. Das ist doch irgendwie öde, oder?“

„Nein finde ich nicht. Erzähl mir doch ein bisschen von dir. Wie ist das alles geschehen?“

„Was meinst du? Dass ich im Spiegel gelandet bin? Dass ich töten will? Ich weiß es nicht. Es ist schon so lange her. Ich kann mich nicht erinnern. Weißt du. Es betrifft nicht mich direkt. Ich bin schon lange hier drinnen. Aber ich war nicht immer hier. Aber die Legende um Bloody Mary gibt es schon länger als mich.“

„Oh, okay. Das bedeutet, selbst wenn du frei sein könntest. Es wird immer eine Bloody Mary geben?“ „Ich weiß es nicht. Wenn dieser Fluch gebrochen wird, vielleicht nicht. Dann nur die Legende.“

„Hm.“ Ich grübelte. Würde es dann überhaupt Sinn machen sie zu befreien? Ich blickte in ihr trauriges Gesicht. Doch. Ja. Diese Bloody Mary hatte genug gelitten und anderen Leid zu gefügt. Für sie sollte es zu Ende gehen. Und wer weiß. Vielleicht würde mit ihr tatsächlich eine Legende ohne Begleiterscheinungen bestehen bleiben.

Wir unterhielten uns noch etwas und es machte richtig Spaß. Manchmal wurde sie mir zu eklig und brutal. Aber oft erzählte sie von Familien, die sie durch die Spiegel beobachtet hatte und wie sehr ihr das fehlte.

Es war sehr spät, oder fast schon wieder früh, als ich endlich ins Bett sank. Aus meiner Bademanteltasche vermeinte ich ein leichtes Schnarchen zu entnehmen. Mary schlief also auch.

Einige Wochen später hatte sich August sehr gut eingelebt und auch eingebracht. Wenn er nicht gerade Mary bespasste half er hier im Haus fleißig beim Renovieren und Restaurieren. Seine Aufenthalte in maroden Zirkussen hatten ihn einige Tricks lernen lassen.

Wir strichen gerade den oberen Flur, als ich ihn fragte:

„Wie geht es mit Mary voran? Mag sie dich?“

„Ja, ich glaube sie mag mich und meine Witze. Du solltest mal wieder vorbei kommen. Sie hat mir von eurem nächtlichen Aufenthalt erzählt. Sie war sehr einsam, bevor sie hier her kam. Ich glaube es dauert nicht mehr lange. Komm doch vorbei und guck mal zu.“

„Ja, das mache ich.“

Wir strichen schweigend weiter. Jeder in seine Gedanken versunken.

Am Abend ging ich mit nach oben. Richard hatte die Treppe etwas abgesichert mit Teppich und einem Geländer. Sehr viel besser.

Mary erwartete uns schon.

„Lissi. Wie schön, dich wieder zu sehen. Gut siehst du aus.“

„Danke.“ Erwiderte ich und war erstaunt über die Veränderung, die bei Mary vorging. Sie wirkte nicht mehr so grau. Nein, fast fleischfarben. Die Haare wirkten nicht mehr so strähnig und auch ihre Augen glänzten nicht mehr vor Wahnsinn. Sie glänzten freudig. Es war toll zu sehen wie sehr sie sich erholte. Ich glaubte August. Es war bald soweit.

Ich genoss August auftritt und kam jetzt öfter.

Dann war es soweit. Ich konnte es sehen. Mary flackerte. Sie lachte über einen von August Witzen dermaßen, dass sie anfing zu flackern. Ich stand auf und ging zum Spiegel.

Mary schaute mich an. Sie schaute mir tief in die Augen und ich bekam keine Gänsehaut. Es war soweit. Mary würde herauskommen. Der Fluch schien tatsächlich gebrochen. Ihr Fluch.  Ich hoffte, diesen Fluch würde es nie wieder geben.

Mary stieg aus dem Spiegel. Sie sah wunderhübsch aus. Wir waren alle noch etwas zurückhaltend. Als erstes ging August auf sie zu.

„Ach Mary – es ist so schön, dass du endlich frei bist. Du kannst jetzt endlich leben. Was wirst du machen?“

„Ich weiß nicht. Es ist alles so neu für mich. Ich werde wohl erst mal mein Leben genießen, oder? Zum Glück weiß ich durch die vielen verschiedenen Spiegelbesuche wie es jetzt so ist. Ich will, ich will. Ich weiß nicht…ich will frei sein.“

Sie streckte ihre Arme aus und drehte sich im Kreis. Dabei versprühte sie eine Lebensenergie und einen Lebenswillen, das es nur anstecken konnte. Wir alle lachten und tanzten bis in den späten Abend.

Ich ging zu Mary.

„Meine Liebe. Wenn du willst kannst du noch etwas bei uns bleiben, bis du weißt wo du hinwillst.“

„Ach Lissi, das ist so lieb von dir. Aber sei mir nicht böse. Ich war echt lange genug bei euch. Ich werde mit August reisen. Er hat noch bisschen gespart und damit tingeln wir um die Welt. Bis uns das Geld ausgeht und dann werden wir sehen.“ An der Tür klingelte es. Wir hatten chinesisches Essen bestellt.

Schnell trampelten wir hinunter. Frank deckte den Tisch. Richard ging mit dem Portemonnaie an die Tür und wir anderen setzten uns schon. Ein leckeres Essen und jeder hatte einen Glückskeks erhalten.

Wir lachten und knackten sie.

Als Mary dran war, hielten wir den Atem an. Sie knackte ihn und zog den kleinen Zettel heraus.

„Was steht drauf?“ Fragte ich ungeduldig.

„Komm sag schon.“

Mary hielt den Zettel hoch. Minerva schnippte mit den Fingern und er verwandelte sich in ein fliegendes Transparent. Mit glitzernder Schrift stand drauf:

Grüße vom Glück.

 

ENDE

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Schreibkicks 2 in 1 – Auf dem Dach vom Glück gegrüsst. Part 1 v 2

Hallo ihr Lieben. Da ich zum 01.06 Aufs Dach gestiegen nicht geschafft habe, habe ich das Thema für den 01.07 Grüsse vom Glück, kombiniert.

Mehr zu den Schreibkicks findet ihr HIER.

Teilgenommen am 01.06 haben:

Teilgenommen am 01.07 haben:

Das Thema für den 01.08. lautet:

 

Bisher erschienen:

  1. Schreibkicks – die vererbte Zeitkapsel
  2. Schreibkicks – Weihnachstspezial – Die Sache mit dem Rentier
  3. Mach was…mit einer Festtags-Leckerei
  4. Schreibkicks – Märchen der guten Vorsätze
  5. Schreibkicks – Rückkehr der Freunde
  6. Schreibkicks – Die Welt bei Nacht mit einem Hausschuh.
  7. Schreibkicks – Im Spiegel lauert die Gefahr
  8. Schreibkicks – Mai – Lachen heilt alle Wunden

Ich es auf zwei Tage verteilt, da es sonst zuviel zu lesen wäre.


Aufs Dach gestiegen und Grüsse vom Glück.


Nach unserem Besuch bei der Freak Show standen wir alle vor dem Platz im Kreis.

Ich wusste nicht wo mir der Kopf stand. In unserer Mitte stand der dumme August und grinste uns glückselig an.

„Hallo, ich bin der August und Makayla meinte, ihr würdet mich mitnehmen. Für einige Zeit ein Dach über den Kopf anbieten. Dafür muss ich nur bisschen ein Clown sein.“

Richard blickte mich fragend an.

„Makayla?“

„Öhm – ja, wenn ich schon mal in einer Freak-Show bin, muss ich doch auch zu einer Wahrsagerin gehen, oder etwa nicht?“ Fragte ich, mich rechtfertigend.

„Natürlich musste sie dahin gehen. Es ist einfach Schicksal.“ Trällerte Amelia tanzend.

Dracula schnaufte nur und meinte:

„Ich bin gegen einen Clown. Ich mag Clowns nicht. Sie ärgern einen immer. Ich bin strikt gegen lachen.“

„Ja, Dracula, das wissen wir. Du demonstrierst es regelmäßig.“ Flachste ich.

Er drehte sich erbost zu mir und ein Funkeln lag in seinen Augen. Ich straffte meine Schultern und er zuckte mit seinen, als wäre es nicht der Mühe wert sich mit mir anzulegen. Ich atmete leise durch, denn er machte mir manchmal schon bisschen Angst.

„Gut, ähm. Ja August. Du bist uns ein Willkommener Gast. Lass uns nach Hause fahren und nach einem Zimmer für dich schauen. Kommt Leute, es wird Zeit.“

Jetzt mussten wir uns nur noch in den Transporter zwängen, aber das dürfte ja für einen Clown kein Problem sein. Weiß man doch, dass sie zu Haufen aus diesen kleinen Minis krabbeln. Ich gluckste und erntete dafür einen strengen Blick von Richard.

Ich hängte mich bei August ein und wir folgten den anderen. Clowns waren wirklich nicht mehr so gefragt. Diese Slapsticks sind einfach nicht mehr in Mode. Da kann keiner mehr lachen.

„Was ist denn vorgefallen, dass du nicht mehr auftreten darfst?“

„Haben sie das so gesagt? Dass ich nicht mehr auftreten darf? Ich will nicht mehr. Der Weiße Clown ist ein Idiot. Er denkt er könnte eine Solokarriere starten und hat mich hinausgemoppt. Er hat blöde Gerüchte über mich verbreitet und meine Showeinlagen sabotiert. Er hat sogar meine Uhren verstellt, dass ich zu spät kam und irgendwann hat die Geschäftsleitung dann gemeint, es wäre wohl besser unsere Wege würden sich trennen.

In meiner tiefen Verzweiflung bin ich zu Makayla gegangen um mir die Zukunft vorher sagen zu lassen. Und sie hat mir gesagt, dass ihr kommen würdet und meine Hilfe bräuchtet. Ich hätte eine gute Zeit bei euch, nicht ungefährlich, aber ich würde meine Bestimmung finden und auch eine Lösung für mein Problem. Und dann kamt ihr tatsächlich. Und hier bin ich.“

„Ja, hier bist du.“ Ich mochte ihn. Als Kind ging ich gerne in den Zirkus und fand die Clowns immer witzig. Aber dieser Humor verlässt einen wenn man älter wird. Einfache Gags werden dann uninteressant.  In diesem Moment vermisste ich meine Kindheit. Sie war so unbeschwert.

„Minerva wird uns aufs Dach steigen.“ Meinte Dracula.

„Sie hasst Clowns.“ Ergänzte er.

„Warum?“ blickte ich fragend zu ihm.

Frank bewegte sich unwohl hin und her.

„Nicht sagen.“ Schubste er den Vampir an. Ich wunderte mich. Eigentlich war Frank immer zurückhaltend. Ein Gott in der Küche, aber auch ungeschickt wie ein Elefant im Porzellanladen.

„Wieso, Frank? Dracula? Was ist denn vorgefallen?“

„Nein, nein, ich sag nichts. Ich bin doch nicht lebensmüde. Wenn ich was von ihr erzähle, zaubert sie mich in einen Sarg und verbuddelt mich, so dass keiner mich die nächsten hundert Jahre findet. Nein, da musst du sie schon selbst fragen!“

Ich runzelte die Stirn. Was konnte nur vorgefallen sein? Ich wurde sehr neugierig. Minerva war noch auf dem Brocken und würde erst später wieder auftauchen. Vielleicht würde das eine andere Geschichte werden. Jetzt wollten wir uns erst mal mit August beschäftigen und seiner Aufgabe.

Er sollte nämlich, laut Makayla in der Lage sein unseren Problemgast, Bloody Mary, zu helfen.

Es war schon sehr spät, als wir ankamen und ich gähnte herzhaft.

„Ich glaube, ich werde jetzt nicht mehr alt. Lasst uns alles Weitere auf morgen verschieben. Komm August, ich zeige dir dein Zimmer. Wo ist dein Koffer?“

„Ich habe keine Koffer, nur dieses Bündelchen.“ Er zeigte auf ein zusammengebundenes Tuch an einem Stock. Ich stöhnte innerlich auf. Herrjeh, ich lebte in einem Klischee.

„Was meinst du damit, du wirst heute nicht alt? Du willst doch nicht etwa sterben? Oder doch, dann hätte ich eine Geisterfreundin. Es kann schon manchmal sehr langweilig werden, wenn ihr schlaft. Wirklich. Und manche von euch haben einen echt festen Schlaf, da kann ich durch euch durch und keiner wird aus versehen wach. Sehr öde. Es wäre toll noch einen Geist um mich herum zu haben.“

„Bloß nicht, ein Geist reicht wirklich. Du bist schon aufdringlich genug. Glaubst du ich merke nicht, wie du dich immer in meinem Sarg schleichst. Ich bin vielleicht schon tot, aber nicht so tot. Ich kann dich spüren.“ Kam die Antwort von Dracula.

Man könnte meinen ein leichter Rotschimmer verfärbte Amelias Wangen. Aber das konnte täuschen. Ich dachte mir sowieso schon, dass sie so ganz heimlich für Dracula schwärmte. Was ich wirklich nicht nachvollziehen konnte. Er war wirklich ungehobelt. Und das für einen Vampir, der angeblich Gentleman sein soll. Pft. Also nicht meiner hier. Der war immer genervt und patzig. Und beängstigend. Eine leichte Gänsehaut überzog meinen Arm und ich spürte den stechenden Blick des Vampirs. Ich sollte mal lernen meine Gedanken abzuschotten. Minerva würde mir bestimmt helfen können. Es war nicht erbaulich, wenn jemand deine Gedanken lesen konnte.

Müde schleppte ich mich nach oben und verabschiedete mich winkend. August schlappte mit seinen großen Schuhen hinter mir her und trällerte ein kleines Lied. Ich schaute ihn von der Seite an – welch eine Frohnatur. Na das würde ja interessant werden.

„Hier ist dein Zimmer. Bleib solange du willst. Schlaf gut. Es gibt keine festen Frühstückszeiten. Irgendwie schaffen wir es immer gemeinsam aufzutauchen.“ Kaum hatte ich das ausgesprochen regte sich ein Verdacht in mir. Sollte Amelia dafür sorgen, dass wir immer so schön regelmäßig auftauchten? Hm, nicht abwegig.

Einige Zeit wälzte ich mich allerdings doch noch in meinen Laken. Es war zu warm in meinem Zimmer. Ich stand auf und öffnete das Fenster. Die kühle Nachtluft verursachte mir erst mal eine Gänsehaut. Das Dracula in diesem Moment vor meinem offenen Fenster, kopfüber erschien, erschreckte mich kaum.

„Ähm, Gute Nacht Lissi?“

„Fragst du  mich gerade? Bis jetzt ist sie noch nicht so gut. Ich kann nicht schlafen. Du ja wohl auch nicht.“

„Du weißt doch, die Nacht ist meine Zeit, da gehe ich – ähh. Essen.“

„Ähhhhh – so genau will ich es nicht wissen. Jetzt bekomme ich das Bild nicht mehr aus meinem Kopf.“

„Soll ich dir helfen, dabei?“

Ich riss empört die Augen auf.

„Bleib aus meinem Kopf.“ Er zuckte die Schultern und machte sich weiter zum Abstieg.

„Du weißt, dass du auch die Treppe nehmen kannst, nicht?“

Er drehte sich um und lächelte mich verschwörerisch an.

„So ist es viel traditioneller.“

Ja, wenn jemand Wert auf Traditionen legte, dann wohl Dracula.

Ich ging zurück ins Bett und kuschelte mich in meine Decke. Es dauerte keine Minute und ich war eingeschlafen.

Wie gerädert erwachte ich am nächsten Morgen. Ich hatte wirre Träume von fliegenden Hausschuhen, bluttriefenden Jungfrauen und mittendrin einem Clown, der sich ständig auf die Nase drückte die dabei hupende Geräusche von sich gab.

Ich schlurfte hinunter in die Küche. Neben mir erschienen Richard, Morphi, Minerva. Wir trafen uns vor dem Treppenabgang. Das bestätigte irgendwie meinen Verdacht, dass Amalia uns alle zusammentrieb um gemeinsam zu frühstücken. Denn sie erwartete uns fröhlich lächelnd am Fuß der Treppe.

„Hallo, ihr Lieben. Das ist schön, dass ihr schon alle auf seid. Frank hat schon leckeres Frühstück bereitet und der Kaffee dampft schon in euren Tassen. „

Kaffee war das Zauberwort. Wir schlurften in einem gemeinsamen Zombiewalk Richtung Küche.

„Oh, die Dame des Hauses ist ja auch endlich wach.“

„Guten Morgen Dracula – ich kann nicht verstehen, dass du so fit bist – du bist doch Nachtaktiv. Ist mir echt ein Rätsel. Und dann noch gute Laune?“

„Das macht die Ernährung, meine Liebe. Proteinhaltig.“ Sagte er schmunzelnd und nippte an seinem Becher mit verdächtig dickflüssig rotem Inhalt.

Ich musste fast würgen, bei dem Gedanken was der Inhalt war. Wie eklig, am frühen Morgen. Pfui.

Nach einigen Schlucken Kaffee und einem leckeren Hörnchen war ich ansprechbar. Mein Ofen war hochgefahren und ich konnte klar denken.

„Okay Leute, erst mal – sind alle spiegelnden Flächen bedeckt und versteckt?“

Mary hatte mittlerweile herausgefunden, wie sie uns noch mehr nerven konnte – sie erschien nicht mehr nur in Spiegeln, sondern auch in spiegelnden Gegenständen, wie Töpfen oder Besteck. Das war schon extrem gruselig, wenn man sich den Löffel zum Mund führt und darin ein grinsendes Gesicht erschien. Das verdarb einen gehörig den Appetit.

Nachdem wir für Frank alles in unzerstörbares Metall umgewechselt hatten, mussten wir wegen Mary auf Plastikbesteck und Geschirr übergehen. Nicht sehr ökologisch – aber das war mein geringstes Problem.

„Ja, alles sicher verstaut und abgedeckt.“ Antwortete Richard.

„Gut, heißen wir erst mal unseren neuesten Gast willkommen. Hallo August – wir freuen uns dich kennen zu lernen. Du weißt, dass du mit einer wichtigen Aufgabe betraut werden sollst?“

„Hallo Leute, ich bin August und ja, du redest nicht lange um den heißen Brei herum. Ich weiß, dass ich für den Aufenthalt hier arbeiten muss. Und dass es nicht ganz ungefährlich werden wird.“

„Jaaaa – das klingt nicht ganz so nett, aus deinem Mund, aber es entspricht der Tatsache. Dafür kannst du aber auch so lange bleiben wie es dir beliebt. Auch was, oder? Nicht jeder kann von sich behaupten mit dem berühmten Grafen Dracula unter einem Dach zu leben und es überlebt zu haben…Oder von einem der Frankenstein Geschöpfe bekocht zu werden. Also, das macht sich schon ziemlich gut im Lebenslauf für Freakshows, oder?“

„Ach ich glaube Freakshows, da bin ich weg von. Aber klar ich werde euch bei eurem Dämonproblem helfen.“

„Ah, super, das finde ich echt klasse von dir. Ein Hörnchen?“ Ich reichte, widerwillig, eines der leckeren Hörnchen an August weiter. Davor musste Frank auf jeden Fall noch paar für mich machen. Die waren verboten lecker.

„Gut, dann sind wir wohl fertig mit dem Frühstück. Wie wäre es, wenn wir mal zu Mary gehen? Noch hat sie keinen genervt heute – das ist ein bisschen zu ruhig für sie. Hoffentlich hat sie keiner gerufen.“

Im Gänsemarsch begaben wir uns alle zur Dachbodentreppe. Ich machte die Vorhut und Richard die Nachhut, für den Fall eines Rückzugs.

Aber es schien alles friedlich. Durch das einströmende Sonnenlicht konnte man den Staub glitzernd fliegen sehen. Es sah richtig magisch aus. Wir bewegten und in geschlossener Formation Richtung des verhangenen Spiegels. Frank zog das Laken weg und vor uns saß sie – Mary. Sie wirkte bedrückt. Konnte ein Dämon bedrückt sein. War sie ein Dämon? Was war sie eigentlich.

„Ich bin eine geschundene Seele, um deinen Wirrwarr im Kopf mal abzukürzen. Und ich langweile mich. Ihr lasst mich die ganze Zeit alleine und habt ohne mich Spaß. Denkt ihr ich weiß nicht, dass ihr alles worin ich mich zeigen kann, abdeckt. Das ist echt ungastlich. Das gibt in der Bewertung Punktabzug.“

„Hallo Mary. Die Frage, wie es dir heute geht, erübrigt sich dann wohl?“ meinte ich sarkastisch. Sie tat mir schon irgendwie leid, aber ich hatte gehörigen Respekt vor ihr. Schließlich war sie höchst tödlich, wenn sie frei war.

„Ja, so ist das, wenn man gefangen gehalten wird – ich hoffe, das bleibt euch erspart. Nicht einer lädt mich zu sich ein. Ich wäre wirklich ganz brav, zu Freunden.“

„Ja, ja klar.“ Murmelte Minerva. „Und die Erde ist eine Scheibe, oder auch eine Kugel. Je nach dem wem man glaubt.“

Ich blickte fragend zu Minerva, aber sie zuckte nur genervt mit den Schultern.

„Wir haben einen neuen Gast. Den würden wir dir gerne vorstellen. Hast du Lust?“

„Interessiert das überhaupt jemanden, ob ich auf etwas Lust habe? Lässt er mich raus?“

„Vielleicht, später. Wer weiß, was kommen wird. Aber erst mal solltet ihr euch kennen lernen. Ein bisschen quatschen und Spaß haben.“

„Spaß – was ist er, ein Serienkiller? Mit dem könnte ich tatsächlich Spaß haben.“

Entsetzt riss ich die Augen auf und zerrte August vor den Spiegel.

„August, Mary. Mary, August. “

„Hallo gnädigste Maid. Mein Name ist August.“

„August, wer heißt den August. Und warum siehst du so komisch aus?“

August drehte schüchtern seinen kleinen roten Hut in den Händen. Er war im ersten Moment etwas brüskiert über die unhöfliche Entgegnung seines Grußes. Aber er war Profi. Er wusste mit schwierigen Publikum umzugehen.

„Gnädigste“, er deutete eine Verbeugung an.

„Ich bin ein dummer August. Ein Meister meiner Zunft. Ich bin ein Clown. Und mein Bestreben ist es Freude und Lachen zu bringen. Ganz zu ihren Diensten. Gnädigste.“

„Lissi – was ist das denn für einer? Wo hast du den denn aufgegabelt? Und was soll ich mit ihm? Töten?“

Ich hob beschwichtigend die Hände.

„Nein, um Gottes Willen. Nicht töten. Dich mit ihm unterhalten. Er ist gerade Arbeitslos und hat viel Zeit. Also kann er sich deine Geschichten anhören und vielleicht hast du Lust auch seine zu hören?“ Mary schaute misstrauisch.

„Ist das irgendein Trick?“

„Ein Trick mit einem Clown? Vielleicht wenn er ein Endlostaschentuch aus seiner Manteltasche zieht. Dass dann ja.“ Gab ich vorsichtig zu.

Der Blick den Mary mir zuwarf, die Gänsehaut die er verursachte spürte ich noch Stunden danach. Dieses Mädchen war wirklich gruselig. Eigentlich hatte ich gehofft, wir könnten eine Freundschaft aufbauen. Das wäre schon interessant gewesen. Aber Mary war einfach zu hinterlistig und verbittert.

Ich hoffte August würde ihr helfen können.

„Ja, ähm. Wir lassen euch dann einfach mal alleine. Wenn etwas ist, kann Mary ja mal kurz durch einen Spiegel Bescheid sagen. Nicht wahr. Das machst du ja so gerne.“ Sarkasmus, das konnte ich. Eine Art Selbstverteidigung gegen dieses unangenehme Gefühl in ihrer Nähe.

Fortsetzung morgen

Schreibkicks

Schreibkicks – Mai – Lachen heilt alle Wunden

Es ist der 1. Mai und ein sonniger Feiertag. Ach, so könnte ich leben. Ausschlafen, gemütlich Kaffee trinken und meine neuen Geschichten rund um unsere Schreibkicks-WG präsentieren.

Mit dabei waren dieses mal:

Das heutige Thema ist Der Clown 

Das Thema für den 1.6. lautet: Aufs Dach gestiegen

Ein Clown ist das, was unserer Gemeinschaft noch fehlt. Mal sehen wie er sich integriert. Aber erstmal muss er ja auftauchen, das erleben wir heute.

Kommt mit und begrüsst alte Bekannte.

Diesen Ohrwurm am Anfang, hatte ich letzt wirklich gehabt…er passte einfach perfekt in den Anfang.


Schreibkicks – Clown

“Smelly Cat, Smelly Cat,

What are they feeding you?

Smelly Cat, Smelly Cat,

It’s not your fault. Hmmmhhmhmmmmhmmmhmmmm AHHHHH. Amelia – verdammt noch mal, ich hab dir doch gesagt, du sollst das lassen. DU SOLLST NICHT IN MEIN BADEZIMMER GLITSCHEN, vor allem wenn ich gerade dusche.“ „Und komische Lieder singst?“ „Ich hab einen üblen Ohrwurm aus einer der letzten Friends-Serie – das  Lied verfolgt mich jetzt schon paar Tage. So ein Mist. Aber jetzt verschwinde.“ „Ich weiß gar nicht was du hast – wir sind doch Mädchen – ich kenn doch alles, was du so hast – und ich kann dir sagen – das sieht alles sehr gut aus bei dir.“ Ihr anerkennender Blick ließ mich erröten. Ich griff nach meinem Handtuch. „Ähm – ja danke – aber ich mag doch irgendwie meine Privatsphäre.“ Amelia seufzte: „Na gut.“

Ich rollte die Augen. Wusste ich doch, dass sie das immer wieder machen wird. Ich brauch einen Geisterabwehrzauber, oder so was. Da sollte ich mal Minerva fragen. Ich trocknete mich also ab. Der Spiegel war angelaufen. Ich wischte darüber und…“AHHH – ja verdammt – wollt ihr mich hier wirklich alle umbringen?“ „Mir ist langweilig. Komm und besuch mich. Am besten um Mitternacht, mit einer Kerze. Was meinst du? Dann können wir uns wie Freundinnen unterhalten.“ „Mary. Wie schön dich zu sehen. Und so überhaupt nicht gruselig.“ Seit neuestem wusste ich, dass Bloody Mary hier in einem Spiegel hauste. Auf dem Dachboden. Sie kann sich nun in den Spiegeln bewegen. Was wirklich sehr gruselig ist, da sie auch noch gruselig aussieht. Mit diesen langen dunklen Haaren, die immer irgendwie über ihr Gesicht hängen und den dunklen stechenden Augen. Brrrr. „Komm schon, mir ist echt langweilig.“ „Du warst so lange eingesperrt, wie kann dir jetzt langweilig sein?“ „Mir war da auch schon langweilig. Aber ich hatte niemanden dem ich es erzählen konnte. Früher, das waren noch Zeiten, da wurde ich immer mal gerufen. Mutprobe und so. Aber irgendwie – ich scheine wohl nicht mehr in Mode zu sein?“ „Ach naja – Klassiker sterben nie wirklich aus.“

Ich drehte mich um und verlies einfach mal das Badezimmer – vielleicht hatte ich in meinem Zimmer mehr Ruhe und konnte mich auch mal anziehen. So langsam fühlte ich mich bisschen schamhaft. Ich betrat mein Zimmer und war nicht so wirklich überrascht: „Minerva – na warum überrascht mich das nicht?“ „Hm? Ach du meinst diesen Überfall?“ „Du bist nicht die erste heute.“ „Soso. Nun gut. Eigentlich wollte ich dir sagen, dass ich diese Nacht nicht da sein werde. Als musst du bisschen vorsichtig sein.“ „Okay – Aber eigentlich musst du dich nicht bei mir abmelden.“ „Das weiß ich doch. Aber es ist Walpurgisnacht – und – nun, da werde ich bisschen – abgelenkt sein.“

„Walpurgisnacht. Echt. Du machst da mit? Küsst du dem Teufel dann auch den Hintern und heiratest ihn?“ „Ach, das war früher so, heute sind auch wir in der Zukunft angekommen. Natürlich nicht. Der Teufel ist ein Ar….sehr unangenehmer Zeitgenosse – und stinken tut er auch – also seinen Hintern küsse ich bestimmt nicht. Allerdings sind seit paar Jahren auch Hexer zugelassen – und – ja. Ähm ich wollte dir nur sagen. Auf dem Brocken ist so was wie ein Funkloch – ich kann also nichts wahrnehmen – was hier so geschieht.“ „Komm, erzähl schon. Ist da ein bestimmter Hexer, auf den du es abgesehen hast? Ich hab ja gehört die Walpurgisnacht ist eine große Orgie.“ „Lissi! Schäm dich. Ich wusste gar nicht, dass du so ungehörig bist.“ „Waas? Man darf doch bisschen neugierig sein?“

„Das finde ich aber auch.“ Wir blickten beide ertappt hoch. Der Spiegel. „Mary. Schon wieder?“ „Genau das meinte ich. Ich werde nicht da sein um SIE“ dabei zeigte sie ihre Hand im Kreis drehend, auf Mary – „im Zaum zu halten.“ „Du musst mich nicht im Zaum halten – ich weiß mich zu benehmen. Ich will auch bisschen Spaß. Nimm mich mit auf dem Brocken.“ „Nur Hexen, keine Dämonen. Verschwinde.“ Mary tat wie ihr befohlen.

„Also sei Lieb und spiel nicht mit Mary. Sie ist hinterlistig.“  „Okay – vielleicht finde ich ja eine Lösung für ihr Problem.“ „Das glaube ich kaum. Da suchen schon lange andere nach. Also ich mach mich mal auf den Weg. Ich will nicht zu spät kommen.“ „Pass auf und verflieg dich nicht.“ Sie winkte mir koket zu und ich war ein bisschen neidisch. Ich könnte auch mal wieder einen ausgelassenen Abend gebrauchen.

Ich ging hinunter. Eigentlich hatte ich, nach diesem Start nicht so wirklich Lust. Obwohl ich Minerva ja mal einen ausgelassenen Abend gönnte, machte es mich bisschen traurig, dass ich keinen haben würde. In der Küche hörte ich Tumult. „Hei, was ist denn hier los?“ „Ein Zirkus, ein Zirkus ist in der Stadt.“ „Was, heute?“ „Jaaaa. Ein Zirkus.“ Amelia tanzte durch die Küche, was wirklich seltsam aussah, da sie teilweise immer wieder in den Küchenschränken verschwand. „Und was ist so besonderes an diesem Zirkus?“ Fragte ich erstaunt. Richard drehte sich auf dem Stuhl in meine Richtung. „Ein Zirkus.“ „Jaaaa? Das hab ich verstanden. Aber ein Zirkus ist doch nichts Außergewöhnliches.“ „Ach, jetzt sag es ihr schon, Richard.“ Er seufzte und funkelte Dracula an, der mit einem Glas Blut lässig an der Spüle lehnte und in die Dunkelheit hinaus sah. „Nun gut – es ist ein Underground Zirkus.“ „Underground?“ „herrjeh, sie versteht wieder mal gar nichts. Wen hat Ernestine nur hierher geschickt? Komm Kind, setz dich.“ Dracula klopfte auf den Stuhl neben sich, auf dem er mittlerweile Platz genommen hatte. Augenrollend und ein klein bisschen Schmollend, setzte ich mich und schaute ihn wie ein genervter Teenager an. „Also was ist das jetzt?“ Maulte ich. „Ein Underground Zirkus ist das was man als Freak Show kennt.“ Ich riss die Augen auf. „Freak Show. So aus Anfang 1900? Mit Missgeburten und geknechteten Menschen? So was?“ Betreten schaute mich Richard an und Dracula seufzte genervt. „Natürlich ist das, das was vermittelt wurde. Aber ein Underground Zirkus, der ist für uns da. Für die Geschöpfe der Nacht.“ Wie machte er das nur mit diesem dramatischen Echo, das sich manchmal unter seine Stimme mischte. Das verschaffte mir eine Gänsehaut.

„Hm – okay – das bedeutet?“ „Ach jeh. Frank, bitte schenk mir doch noch ein Glas dieses hervorragenden Tropfens ein. Diese Frau bringt mich zum Verzweifeln.“ Frank, ganz galant mit einem weißen Tuch über dem Unterarm geschlungen und einer Flasche roten Inhalts, trat an den Tisch, stolperte und schüttete den Halben Inhalt auf Dracula. Zum Glück nicht auf mich, Igitt….“Grrrr. Frank!“ „Tschuldigung.“ Murmelte dieser betroffen. „Wir gehen in den Zirkus, wir gehen in den Zirkus.“ Trällerte unterdessen Amelia weiter. „Hör zu, Lissi.“ Sprach Richard mich an. „Unsere Freunde haben nicht wirklich viel Auswahl am Ausgehen. Da gibt es Fasching und Halloween. Das war es. Aber so ab und zu kommt solch ein Kuriositäten Laden zu uns. Und da müssen sie einfach hingehen. Glaube mir. Du wirst es mir danken, wenn sie einen guten Abend haben, von dem sie noch ein paar Wochen zehren können. Wirklich, du musst mir glauben.“ Dabei sah er mir flehend, schon fast verzweifelt tief in die Augen. Als wolle er mich hypnotisieren. „Ja, ist okay. Ich hab ja nichts dagegen. Ihr seid ja vor mir auch dahin. Habt ihr geglaubt ich verbiete es?“ Die Gruppe blickte sich fragend an. „Ja.“ „Warum?“ „Weiß nicht, du wirkst so steif.“ „Waaaasss? Ich bin total locker.“ Ein Lachen erhob sich. Und verstummte sofort. „Ja, natürlich, total locker.“ Ich verzog das Gesicht und streckte ihnen die Zunge hinaus. Also bitte. Ich war wirklich locker. Meistens.

„Gut, wann gehen wir?“ Fragte ich. Amelia war aufgeregter als noch die ganze Zeit davor. Sie kam neben mich und drückte mir einen kalten Kuss auf die Wange. Oder sagen wir – sie versank in meiner Wange und dieses Gefühl war wirklich eklig. Sehr kalt und ich konnte ihre Gedanken fühlen. Sehr, sehr schräg. Natürlich war ich jetzt sehr neugierig, was wir denn in dieser Freak Show antreffen würden. „Hei, ich will mit. Ich bin auch ein Freak. Holt mich doch mal einer aus diesem verdammten Spiegel. Dracula? Ach ne – du siehst ja nix im Spiegel. Frank?“ Dieser blickte entsetzt zu mir. Ich beruhigte ihn mit einem sanften streicheln über den Arm. „Nicht, dann Amelia? Süße Amelia? Wir könnten viel Spaß haben. Tanzen, Haare flechten.“ „Oh, das klingt toll. Darf ich?“ „NEIN!“ Riefen Richard und ich. „Ach kommt, ihr seid Spielverderber. Richard – komm lass mich raus. Wir können auch miteinander spielen.“ Wie süß, Richard errötete und zog schnell die Stirn in kraus. „Auf keinen Fall. Bis wir dich entschärft haben, bleibst du im Spiegel. Und das sage ich hier jedem. Lasst sie bloß nicht raus. Verstanden?“ Alle nickten. Richard war selten so bestimmt. Sehr sexy.

„In einer halben Stunde geht es los. Treffen in der Halle.“ Richard ging hinaus und wir  anderen blickten uns an. Dann fuhren wir alle aus den Stühlen hoch und rannten in unsere Zimmer. Ich war mittlerweile so angesteckt von der Euphorie, ich würde doch noch was erleben heute.

Etwa dreißig Minuten später trafen wir uns in der Halle. Es waren alle da. Ich, Richard, Dracula, Morphi – ich glaube er hatte seine Binden entstaubt? Frank und seine angebetete Keya – unsere liebe Baumnymphe. Und unsere imaginären Freunde Leon der Chamäleonkrake und Waldemar der Hund.  „Wo ist Minerva? Ach, ja ich erinnere mich, Walpurgisnacht.“ Wir quetschten uns in den Transporter und Richard fuhr los. Viel rum gekommen war ich in diesem Städtchen noch nicht. Die Arbeiten am Haus hatten mich immer davon abgehalten. Sehr schade, denn es sah wirklich sehr gemütlich aus. Ich muss unbedingt mehr ausgehen, dachte ich.

Wir fuhren etwa eine Stunde und ich würde nie wieder heim finden. „Wann sind wir denn endlich da?“, fing ich an zu nörgeln. „Wenn wir da sind.“ Blaffte Richard zurück. Keine zehn Minuten später stellte er das Auto ab und stieg aus. Wir waren in einem Moor. „Ein Moor? Sehr zuverlässig. Beinhaltet die Freak Show auch paar Moorleichen, oder brauchen sie vielleicht noch welche, weswegen wir hier eingeladen wurden?“ „Haha. Sie kann ja witzig sein.“ Sagte Dracula und schupste mich beim Vorbeigehen an. Ich folgte ihm und die anderen mir. Nicht weit und wir standen vor einem Tor. „Parole?“ Echt eine Parole – waren wir in den Zwanzigern und wir gingen jetzt in einen verbotenen Club. Ich war so aufgeregt, das war so spannend. Dracula flüsterte dem Wächter etwas ins Ohr, dieser blickte uns an und öffnete die Tür. Wir gingen hinein und ich war sprachlos. Hinter dieser Tür befand sich ein Jahrmarkt. Ich befand mich in der Vergangenheit und fühlte mich wie ein Kind. Da war der starke Mann, die dicke Frau mit Bart, die Schlangenfrau, der Feuerschlucker, das Wolfsmädchen, alles was man jemals mit dieser Attraktion in Verbindung gebracht hatte. Und ihr werdet es nicht glauben: Es liefen Vampire, Mumien, Wertiere und viel andere Fabelwesen hier herum.

Dracula eröffnete das Wort: „ich würde sagen, jeder geht einfach mal los. Wir haben ja unterschiedliche Interessen. Treffen wir uns einfach irgendwann am Ausgang. Okay?“ und schon war er weg. Er hatte sich aufgelöst – eine kleine Säule aus Qualm war noch übrig. Ich blickte Richard an: „Das kann er auch….ach was ein Klischee dieser Vampir doch ist.“ „Willst du bei mir bleiben, ähm, oder machst du dich alleine auf den Weg?“ Fragte Richard mich. Ich hatte das Gefühl, er wollte lieber alleine sein. Ein Tête-à-Tête? „Nein, nein, gehe nur. Ich werde schon zurechtkommen.“ Ich winkte ihm und drehte mich schon um. Alles war schön in einem Kreis angeordnet – das war sooo gut. Ich fing einfach mal beim starken Mann an. Er hatte, wie man es aus alten Filmen kennt, sogar ein geringeltes Trikot und einen langen Schnauzbart. So ging ich weiter zur dicken, bärtigen Frau, zur Schlangenfrau und der Feuerschlucker, der sogar ganz niedlich aussah. Es gab sogar diese Frau-Mann Person, die eine Hälfte war eine Frau, wunderhübsch und die andere ein ansehnlicher Mann. Herrlich. Meine Runde endete an dem Zelt der Wahrsagerin.  Ich dachte mir: Ach komm Lissi, eine Wahrsagerin, hast du nicht schon genug an der Backe – eine Wahrsagerin? „Komm rein, hübsches Kind. Hab keine Angst. Es geschieht dir nichts.“ Ich blickte mich erstaunt um und trat ein.

Ein tolles Ambiente erwartete mich. In dunklen Rottönen hingen viele Tücher herunter. Es funkelten überall Sterne und an einem runden Tisch saß eine hübsche Frau mit einer Glaskugel. Sie war etwa in meinem Alter und wirklich rassig. Eine Sinti. Ihre dunklen Augen nahmen mich sofort gefangen. Bis sie den ersten Satz sagte: „Ich sehe, du hast Probleme?“ Okay – schon war der Zauber dahin. „Ja, wer nicht?“ „Stimmt – jeder hat Probleme. Entschuldige bitte Lissi, für diesen blöden Einstand.“ Ich riss die Augen auf und den Mund. „Woher ich deinen Namen weiß? Ich spreche mit Geistern.“ In diesem Moment tauchte Amelia im Hintergrund auf. „Hehe.“ „Na toll. Ihr wollt mich also veralbern. Toll.“ Aber lachen musste ich trotzdem. Die Frau war einfach zu sympathisch. „Aber jetzt mal ernsthaft. Du hast ein Problem. Und zwar mit Bloody Mary.“ „Amelia?“ „Nein, das weiß ich nicht von Amelia.“ Ich hob meine Augenbrauen und legte meinen Kopf gespannt in meine gefalteten Hände. „Weiter.“ Bat ich sie. „Bloody Mary ist gefährlich. Das weißt du. Sie ist eine geschundene Seele und will jeden für ihren Tod büßen lassen. Sie brauch…“ Eine theatralische Pause .“…August.“ „August?“ „Ja August.“ „Was ist ein August?“ „Na sie meint den Sommer, du Dummerchen.“ Zwitscherte Amelia  „Was den Monat? Was hat den der August mit Bloody Mary zu tun? Das versteh ich nicht.“ „Ach Amelia, nicht den Monat – den Dummen August.“ „Einen Clown?“ „Ja – einen Clown.“ „Das versteh ich immer noch nicht. Was soll denn ein Clown mit Bloody Mary zu tun haben?“ „Er wird sie zum Lachen bringen und es gibt nichts besseres, eine geschundene Seele zu heilen, als Lachen.“

„Natürlich – einen dummen August – und wo kann ich einen bestellen? Ich mein, man läuft ja nicht mehr so vielen Clowns über den Weg, seit Pennywise und Twisty haben die Kinder ja eher Angst vor Clowns.“ „Ja – ein seltsames Phänomen“ meinte die Wahrsagerin nachdenklich. „– aber wie der Zufall es will. Wir haben einen dummen August, der ein neues zu Hause sucht. Er hat sich mit dem weißen Clown verstritten und hat keine Lust mehr. Oder sagen wir so – er muss wohl hier weg, ist wohl wirklich hässlich geworden, zwischen den beiden. Also er bräuchte eine neue Unterkunft.“ „Na wie praktisch.“ Meinte ich. „Ja – das ist doch echt Schicksal, oder?“ Lachte die Sinti, deren Name Makayla war. „Ach bitte, Lissi. Ein Clown, das fehlt uns doch noch in unsere Mitte.“ „Meinst du? Als wenn ich nicht schon genug Spaß mit euch hätte.“ Antwortete ich sarkastisch.  „Das kann ich nicht alleine entscheiden, das muss die Gemeinschaft entscheiden. Ich frage sie und sag dir dann bescheid.“

Vor dem Zelt von Makayla nahm ich mir erst mal Amelia zur Brust. „Was soll das? Musst du jedem von uns erzählen?“ sie blickte mich etwas betrübt an. „Ich habe nichts erzählt – wir sind doch bekannt. Jeder weiß von uns und auch von dir. So was spricht sich in unserer Gemeinde einfach schnell rum. Jeder würde gerne bei uns wohnen. Wir sind so nett.“ Ich legte meinen Kopf schief. „So, nett also. Nun, schauen wir mal was das mit dem dummen August werden soll.“ Ich ging zum Treffpunkt. Einige waren schon versammelt. Nur Dracula und Richard fehlten noch. Beide ließen aber nicht lange auf sich warten. Und sie sahen etwas derangiert aus. Ich hob eine Augenbraue, worauf Richard wieder errötete und Dracula geheimnisvoll lächelte. Kurz erläuterte ich die Situation. „Ach ich weiß nicht. Ein Clown. Dann liegt überall Konfetti herum und wir bekommen ständig Wasser ins Gesicht gesprüht.“ Dracula schüttelte sich. Richard antwortete: „Aber anscheinend brauch er unsere Hilfe. Und erinnert euch, warum ihr bei uns seid.“ Betroffene Blicke. Ich schaute jedem ins Gesicht. Mein Kopf drehte sich hin und her – irgendwas passte nicht. Ein Gesicht war mir unbekannt. Ich schrak zurück. Ein rotgeschminktes Gesicht mit dicker Nase grinste mich an. „Hallo, ich bin August.“

ENDE

 

Bisher erschienen:

  1. Schreibkicks – die vererbte Zeitkapsel
  2. Schreibkicks – Weihnachstspezial – Die Sache mit dem Rentier
  3. Mach was…mit einer Festtags-Leckerei
  4. Schreibkicks – Märchen der guten Vorsätze
  5. Schreibkicks – Rückkehr der Freunde
  6. Schreibkicks – Die Welt bei Nacht mit einem Hausschuh.
  7. Schreibkicks – Im Spiegel lauert die Gefahr
Schreibkicks

Schreibkicks – Im Spiegel lauert die Gefahr

Wieder haben wir den 1. und es Schreibkickzeit. Wir besuchen die besondere WG, die ich dank euch gerne beschreiben.

Das Thema für den 1 war dieses Mal – Im Spiegel

Mit dabei waren diesen Monat:

Letztes Mal hat Lissi von ihren Freunden ein besonderes Geschenk bekommen. Sie haben eine Tür geöffnet, durch die Lissi die Welt und die Zeiten bei Nacht durchreisen kann. Dabei geholfen bekommt sie von Littlerock. Ihr Einhorn-Kuschel-Hausschuh. Sie besucht das Jahr 1969 um den Anfang ihres Hauses zu sehen.

Da Lissi dieses Mal von ihren Freunden getrennt ist, wird es etwas dramatischer und auch ein bisschen gruselig.


Oh wow…ich flog mit Littlerock durch die dunkle Welt und er brachte mich zu meinem Haus in 1969. Das musste ungefähr die Zeit gewesen sein, in der Ernestine dieses Haus erstanden hatte und auch nach und nach einrichtete. „So Lissi. Hier kannst du jetzt bleiben solange du willst. Denke dran – das ist die Vergangenheit. Die Dinge sind schon geschehen. Du kannst nicht eingreifen und irgendwas ändern. Du brauchst dir also keine Gedanken um einen Schmetterlingseffekt zu machen. Du kannst nur beobachten. Alles klar?“ Mir war noch bisschen schwindelig, da dieser Zeitsprung schon etwas ungewohnt war. Vergleichbar mit einer Achterbahn im Dunkeln. Abgefahren. „Ah, ja. Da bin ich schon etwas erleichtert. Wer weiß was mich sonst zu Hause erwarten würde. Das Chaos, das jetzt herrscht, reicht mir schon, wer weiß was sonst passieren würde. Beobachten reicht mir schon und vielleicht bisschen lernen.“ „Gut, dann ziehe ich mich mal an deinen Fuß zurück. Wenn du zurück willst, oder wo anders hin musst du nur dran denken.“ Ich nickte und etwas kitzelte mich. Als ich auf meine Füße schaute, waren beide Einhorn-Plüsch-Hausschuhe wieder an ihrem rechtmäßigen Platz. Ich betrachtete das Haus. Es war dunkel, aber ich konnte ganz gut sehen. Ein Rumpeln erklang und ich konnte erkennen, wie ein alter LKW sich die Straße, oder was aussah wie eine zukünftige Straße, zum Haus hochquälte. Im Führerhaus saß eine Frau. Sie war so in den Dreißigern-Vierzigern. Schwer zu schätzen. Ich wusste ja auch gar nicht wie alt Ernestine geworden war.

Ich schaute mich um. Das Haus war in einem schlimmen Zustand, da sah es ja heute noch richtig gut aus. Das Dach war teilweise eingestürzt, die Fenster entweder eingeschmissen, oder stumpf. Die Fassade, da hatte sich nichts geändert, die war immer noch so trist-grau. Der Baumbestand, den würde ich identisch schätzen. Natürlich ohne unseren tollen hauseigenen Weihnachtsbaum, der kam ja erst dieses Weihnachten dazu. Ein alter Reifen, der als Schaukel diente hing an dem Baum direkt vor dem Haus. Also musste es mal Kinder gegeben haben. Der Reifen war heute nicht mehr da. Er bewegte sich. Wild schaukelte er hin und her. Aber es ging kein Wind. Ein Geist! Noch ein Geist? Ich konnte ein Schemen erkennen, aber er zeigte sich nicht deutlich.

Der LKW hielt vor dem Haus, die Frau sprang heraus und ging nach hinten. Sie ließ die Laderampe herunter und aus dem dunklen inneren sprang ein großes Etwas. Frank – oh Frank. Ich wollte zu ihm und ihn begrüßen, als mir einfiel, dass ich ja nur stiller Beobachter war. Leicht enttäuscht beobachtete ich, wie es weiter ging.

„Frank mein lieber, du wirst wohl die meiste Arbeit haben. Die Dinge aus dem LKW müssen erst mal ins Haus, kümmerst du dich drum? Aber bitte, sei vorsichtig. Da sind wirklich wichtige Dinge drin und die dürfen nicht kaputt gehen. Okay?“ „Okay!“ nickte er.

Ernestine ging die Treppe zum Eingang hoch und steckte den Schlüssel, den ich auch heute noch benutzte ins Schloss. Die Tür klemmte. Sie stemmte sich dagegen. Aber nichts tat sich. Frank kam zu ihr und drückte vorsichtig gegen die Tür. Mit einem tiefen Seufzer öffnete sie sich und ein Schwall kalter, muffiger Luft entwich dem Eingang. In diesem Moment hatte der Reifen aufgehört zu schaukeln. Aber es achtete keiner drauf.

Ich hatte mich neben Ernestine gestellt und wir gingen nebeneinander her. Die Eingangshalle war ein wahres Chaos. Durch die kaputten Scheiben war allerlei Blattwerk und Äste hineingeweht worden. Ebenso lagen einige Tierskelette herum. Die Bodenfliessen waren fast schwarz vom Jahre alten Staub und sonstigen Verwitterungen. Ich schlug die Hände vor den Mund. Ach du gute Güte. Wie hatte Ernestine das alles erledigt?

Ernestine trat mit mir wieder an die Luft. „Oh Frank, das wird eine Heidenarbeit werden. Aber ich weiß schon, dass hier bald Unterstützung eintreffen wird. Das wird wunderbar werden. Ich freu mich schon so.“ „Mpf.“ Kam es aus dem LKW. Danach rumpelte eine Kiste heraus. „Frank, pass doch auf. Da sind zerbrechliche Dinge drin.“ „Tschuldige.“ Ernestine zuckte mit den Schultern und lachte. „Schon gut.“

Ich schaute nach oben, da ich eine Bewegung wahrgenommen hatte. Da flog etwas verdammt schnell und akrobatisch über uns weg. „Ah – unsere Unterstützung kommt.“  Ich blickte immer noch nach oben und nahm eine Bewegung am oberen Fenster wahr. Da wo heute mein Zimmer lag. Irgendwas war in dem Haus. Dann wurde ich aber auch schon abgelenkt. Ein starker Windhauch erwischte mich. Oder sagen wir, ich fühlte es in der Erinnerung. Eigentlich spürte ich gar nichts. Trotzdem erschrak ich. Ein kleiner Wirbel landete auf der Eingangsstufe. „Minerva. Meine liebste Freundin. Schön, dass du uns unterstützen willst bei unserem Unterschlupf.“ „Aber nur weil du meine Freundin bist und wir schon so viel erlebt haben. Und, na ja ich brauche auch ein neues Zuhause. Also nicht so uneigennützig.“ Ein tiefes Lachen erklang. Eines das ich schon so gut kannte. Aber nur selten in dessen Genuss kam.

Wieder gingen wir drei hinein. Minerva blickte sich um. „Ist noch jemand bei uns?“ „Nein, nur Frank, bis jetzt.“ „Hm.“ Meinte sie misstrauisch.  Sie schüttelte sich und ging weiter. „Oh wei. Da hast du dir ja eine Bruchbude ans Bein gebunden.“ „Ich hoffte, du wirst das ändern.“ „Das dachte ich mir schon. Nun gut, ich werde aber schon ein bisschen Zeit brauchen. Das ist ganz schön herunter gekommen.“ „Du hast alle Zeit der Welt.“  Die beiden Frauen gingen weiter. Hinter Minerva bemerkte ich schon, dass sich die Bodenfliessen veränderten. Sie erlangten nach und nach ihren heutigen Zustand. Auch die Fenster setzten sich wieder zusammen. Die Sonne schien gerade herein und hinterließ das schöne Muster, das ich so liebte. Das Fenster über der Eingangstür war in einem Mosaik gestaltet. Wenn man es genauer betrachtete konnte es ein Schwanz von einem Pfau sein. Es warf einfach tolle Farben ins Innere.

Ich drehte mich schnell um, da ich schon wieder einen Schatten wahrgenommen hatte. Kaum hatte ich ihn gesehen, zerbarst das Fenster. Ich duckte mich um nicht geschnitten zu werden. Ein Reflex – ich war ja hier unverletzlich. Die Tür schlug zu. Was war das nur? Und dann sah ich es. Nein sie. Amelia. Sie war schon vor allen anderen da? War das ihr Haus? Und warum war sie so wütend?

Ich hatte wohl ein Gespräch mit ihr zu suchen. Da kam Frank in die Aula. Er hatte eine flache, mannshohe Kiste bei sich. Minerva und Ernestine kamen zurück und blickten sich um. „Was ist denn hier passiert? Frank?“ „Nicht ich. Ich draußen.“ Minerva blickte sich um. „Ich glaube wir sind nicht alleine. Ein kleines Problem, darum kümmern wir uns später. Was ist das? Ist es das, was ich befürchte? Wieso hast du es mitgenommen. Wir hätten es zerstören sollen.“ „Ich weiß, aber sie ist doch auch nur eine gequälte Seele. Vielleicht kann irgendwann ihr jemand helfen. Wenn sie drinnen bleibt, kann man sich ganz gut mit ihr unterhalten. Nur wenn irgendein doofer Teenie mal wieder meint sie rufen zu müssen, dann wird sie bisschen, na sagen wir gefährlich?“ „Ein bisschen. Na ich weiß ja nicht. Das ist etwas untertrieben.“

Wovon redeten die beiden nur? Ich folgte Frank auf den Dachboden. Er stellte die Kiste in die hinterste Ecke, in der ich noch nicht war. Es war sehr voll gestellt und schmutzig und dunkel dort. „Frank, stell bitte noch was davor. Man soll es nicht gleich sehen. Ich  muss mir überlegen was wir mit ihr machen. Solange sollte sie erst mal hier bleiben. Ich hoffe, die Schutzmechanismen halten sie dort fest.“ „Sie wird gefunden werden. Du weißt von wem?“ „Ja, wie soll ich sie nur darauf vorbereiten? Minerva?“ „Guck mich nicht an. Das ist deine Aufgabe.“ „Ich werde dann nicht mehr da sein. Ich kann sie nicht schützen. Das müsst ihr dann übernehmen.“ „Ach verdammt. Ich wusste, dass da ein Haken sein würde, wenn ich hier einziehen würde. Du bist hinterlistig.“ „So kannst du das nicht sagen. Nennen wir es, vorbereitet.“ Lachte meine Tante. Ich hätte sie gemocht. Sie war locker und sympathisch. Von wem sprachen sie? Von mir? Was war nur in der Kiste?

Ich hatte genug gesehen. Ich glaube ich sollte langsam wieder nach Hause. Ich könnte ja jederzeit wieder kommen.

Ich dachte an meinen Hausschuh und schon erschien Littlerock vor mir. „Na schon fertig?“ „Ja, ich werde langsam müde und will wieder nach Hause. Es war ein toller Tag, äh tolle Nacht. Aber ich habe noch was zu überprüfen.“ „Gut halte dich fest.“

Minerva und Ernestine standen in der Halle. „Was meinst du, wird sie nach der Kiste suchen?“ „Glaub mir Ernestine, sie wird. Vielleicht ist sie die Richtige der Kleinen zu helfen. Ich werde auf jeden Fall da sein und mein Bestes geben.“ Ernestine klopfte Minerva zuversichtlich auf die Schulter. „Ich weiß meine Liebe, ich weiß.“

**

„Wo bleibt sie denn so lange? „Maulte Amelia. „Will sie denn gar nicht mehr zu uns zurückkommen.“ „Ich würde nicht mehr kommen.“ Brummte Dracula. „Ihr seid so anstrengend, da würde ich lieber unterwegs bleiben.“ Amelia fuhr durch ihn durch. „Hei, lass das. Du bist ja noch kälter als ich.“ „Dann ärgere mich nicht. Sie soll gefälligst wieder kommen. Das sollte doch nur ein kleines Geschenk sein, das sie ab und zu mal entspannen kann. Aber sie muss wieder kommen. Sie muss.“ Amelia stampfte mit ihrem Fuß auf und verschwand im Boden. Kurz darauf tauchte sie dort wieder auf. „Mist, noch nicht mal stampfen kann ich ohne im Boden zu verschwinden. Ihr habt es so gut mit echten Körpern.“

„Du nervst.“ Meinte Richard. „Sie kommt bestimmt wieder. Wir sollten einfach mal nach unten gehen. Ich bekomme Hunger. Frank. Haben wir noch einen kleinen Snack?“ „Ja. „Brummte er. Da hatte sich nichts geändert. Er war heute genauso sprachgewandt und gesprächig wie vor fünfzig Jahren. „Gut, ich hab auch langsam Hunger.“ Meinte Dracula. „Vielleicht gibt es noch ein bisschen Blutpudding für mich.“ „Igitt. Du bist eklig.“ „Was, wieso denn. Ich bin ein Vampir, das ist unsere Nahrung. Sei froh, dass ich Renfield nicht mitgebracht habe. Dann hätten wir wenigstens keine Spinnen und Käfer mehr hier, der hätte sie alle gegessen.“  Amüsiert betrachtete Dracula wie Amelia würgte. „Es reicht – da vergeht einem ja der Appetit.“ Minerva blickte zweifelnd zu Richard. „Das würde dir ganz gut tun. Da zeichnet sich ein kleines Bäuchlein unter deinem Shirt ab. So bisschen Appetitlosigkeit wäre da nicht schlecht.“ „Das sind nur Blähungen.“ „Ja klar.“ Frank stimmte brummend in Minervas Gelächter ein. „Und die kleinen Leckereinen, die Frank backt verschwinden von alleine Nachts. Haben wir vielleicht ja noch einen Bewohner, der sich darüber hermacht. Bestimmt das Orakel.“ Alle lachten und Richard schnaufte empört. „Ihr werdet schon sehen. Das ist kein Bauchansatz.“ Langsam begab sich die Truppe nach unten. Frank setzte einen Topf mit Milch auf und holte die Snacks aus dem Schrank. Dracula verfeinerte seine heiße Schokolade mit einem gehörigen Schuss Blut und löffelte genüsslich seinen roten Pudding. Amelia umkreiste alle und schnüffelte an den leckeren Sachen. Manchmal fuhr sie ihre Zunge aus und leckte dran. „Ahhh.“ „Lass das, das ist eklig.“ „Was denn, ich kann es doch gar nicht berühren, aber es schmeckt so lecker.“ „Wie kannst du was schmecken?“ „Ich kann nichts schmecken, aber ich erinnere mich…hmmmm.“

Ein Plumpsen vom Dachboden ließ die Gruppe verstummen. So schnell, dass man es nicht wahrnahm, verschwand Amelia durch die Decke. „Sie ist wieder da.“ Rief sie immer leiser werdend. Schnell standen die anderen auf und folgten ihr über die Treppe.

Ich stand auf dem Dachboden und Amelia wirbelte um mich herum. „Da bist du ja, da bist du ja wieder. Ich dachte du kommst nicht wieder. Wo warst du?“ „Langsam. Mir wird ja ganz schwindelig.“ Sagte ich und blickte in die Ecke, in der die flache Kiste stand. Hinter den anderen Kisten konnte ich die Ecke erkennen. Die anderen erschienen und ich antwortete. „1969 hier.“ „Uh.“ „Du bleibst schön hier. Ich weiß, dass du hier schon gelebt hast. Ich hab dich gesehen.“ Ich glaube, sie wurde rot. „Darüber will ich bei Gelegenheit mehr erfahren. „Ist nicht so aufregend.“ „Das kann ich ja dann noch entscheiden.“ Aber jetzt will ich erst mal ein kleines Geheimnis meiner Tante lüften. Frank!“ „Hm?“ „Sei doch so lieb und schaff die Kisten, die du damals vor die Flache, dahinten gepackt hast, bei Seite. Ich will doch mal sehen was dahinten drin ist.“ Er schüttelte verneinend den Kopf. „Nö. Soll gefährlich sein.“ „Quatsch.“ „Nö.“ Richard blickt mich fragend an. „Was soll denn da sein?“ „Das weiß ich ja noch nicht. Aber sie haben ein riesiges Geheimnis gemacht. Minerva?“ Minerva drückte sich an den anderen vorbei. „Schätzchen. Willst du das wirklich?“ „Ja, auf jeden Fall.“ „Gut, ich wusste es. Aber höre die Warnung. Sobald der Schutz der Kiste weg ist, wird sie gefährlich, wenn sie jemand anruft. Die letzten fünfzig Jahre war sie nur eine Legende, da sie nicht mehr auftauchte, aber wenn du den Schutz entfernst und kannst ihr nicht helfen, ist sie gefährlich.“ „Wer denn? Wer ist so gefährlich, dass ihr sie hier mitgebracht habt?“ „Mary“. „Mary? Welche Mary?“ „Bloody Mary.“ Mir fiel die Kinnlade herunter. „Die Bloody Mary im Spiegel?“ „Genau die.“ „Verdammt.“ Ein Raunen ging durch die Gruppe. Alle flüsterten vorsichtig ihren Namen. „Bloody Mary.“  Richard meinte dann: „Lass bloß den Schutz dran. Spinnst du, die Kiste öffnen zu wollen?“ Minerva hob ihre Hand. „Es wird nicht anders gehen. Es scheint Lissis Aufgabe zu sein Mary zu helfen.“ Dracula meldete sich. „Bei was helfen?“ „Eine Legende zu bleiben.“

Morphi hatte sich von der Gruppe gelöst und schlurfte langsam in die Richtung der Kiste. Er zog Frank mit sich. „Räum es weg.“ Meinte er und es hörte sich an wie „Räu ee weeg“ Diese Mullbinden. Ich hielt mich zurück – Morphi redete so selten, da musste man ihn einfach mal aufbauen. „Ja, Frank räum es weg. Morphi hat recht.“ Frank blickte zu Minerva. Sie nickte und er verschob die Kisten. Dann standen wir alle vor der unheimlichen Kiste. Richard hatte ein Stemmeisen aufgetrieben und fing schon an die Nägel zu lösen.

Amelia stand vor mir und zitterte leicht. „Bist du dir sicher, dass wir sie im Haus haben wollen. Können wir den Spiegel nicht einfach zerschlagen?“ Minerva antwortete. „Oh nein. Das geht nicht. Im Spiegel ist sie gefangen. Sie kann ihn nur verlassen wenn sie angerufen wird. Also achtet drauf nicht fünf Mal hinter einander ihren Namen zu nennen. Das könnte nicht gut ausgehen für euch.“ „Na toll. Ich bin ja schon tot. Mir kann es ja egal sein, oder?“ „Hm, wer weiß.“ Meinte Minerva, geheimnisvoll. Das war ihre kleine Rache, da Amelia und sie immer mal wieder aneinander gerieten.

Der letzte Nagel fiel. Wir hielten alle die Luft an. Frank hob den Deckel ab. Ein wunder schöner Rahmen erschien. Wunderschöne Verzierungen umgaben das Innere.  Ich trat näher. Richard hielt mich zurück. „Vorsicht.“ Ich nickte. Oben war der Spiegel mit einer Obstschale verziert, die von zwei Löwen gehalten wurden. Die Seiten waren schmucklos und unten waren Efeupflanzen verrankt. Aber der eigentliche Blickfang befand sich im Spiegel.

Eine junge Frau blickte mir entgegen. Sie war farblos. Wirklich farblos. Also Schwarz-Weiß. Und sie blickte mich mit dunklen hasserfüllten Augen an. Ihr Mund war zu einem Schrei verzogen. Ich wollte mir die Hände auf die Ohren drücken. Aber es war nichts zu hören. Ich schaute sie mir an. „Hallo. Mary? Ich bin Lissi.“ Ihre Gesichtszüge entspannten sich. Sie legte ihren Kopf schräg und blickte mich neugierig an. „Und, warum sagst du  mir das? Lass mich raus, dann können wir uns kennen lernen. Sag meinen Namen. Ich war so lange alleine hier drinnen.“ Minerva beobachtete die Szene. Bereit jeder Zeit einzugreifen. „Ach komm. Glaubst du wir kennen die Legenden die um dich Ranken nicht. Ich weiß, dass du heraus kommst um mich zu töten. Aber so spielen wir das nicht. Ich soll dir wohl helfen können. Viellicht lösen wir das Rätsel gemeinsam. Solange solltest du im Spiegel bleiben.“

„Du weißt, dass ich heraus komme wenn mich jemand ruft?“ „Das weiß ich. Aber die Legende hat sich geändert. So leicht bist du nicht mehr heraus zu holen.“ „Sei dir nicht zu sicher, Lissi.“ „Sicher, was ist schon sicher? Du wirst nichts dagegen haben, wenn wir den Deckel darauf machen, dann hast du deine Ruhe. Während wir uns beratschlagen. „Neeein bitte nicht.“ „Das ist zu deinem Besten, glaub mir.“ Frank legte den Deckel wieder auf und Richard befestige ihn mit einem Zugband.

„Was hat sich denn in der Legende geändert?“ Fragte Dracula. „Das erzähle ich euch bei einem leckeren Kakao.“ Schnell verließen wir den Dachboden. Ich war bisschen zittrig. Mary hat mir ganz schön Angst eingeflößt. Aber die anderen sollten das nicht wissen. Ich wollte sie nicht beunruhigen.

„So jetzt erzähle.“ Forderte mich Richard auf. „Ihr wisst ja bestimmt, dass ich ein Horror-Film-Fan bin. Also hab ich auch schon einige Filme über Bloody Mary gesehen. In der wahren Legende heißt es, ihr Name soll fünf Mal gerufen werden. Aber die Filme und Bücher haben mittlerweile verbreitet, dass man sie drei Mal anrufen soll. Also ist das falsch. Deswegen wird sie wohl kaum ausbrechen und Unheil verursachen. Wenn nicht jemand über die Wahrheit stolpert.“ „Das ist aber sehr wackelig.“ „Ich weiß, aber das ist das einzige, das wir haben. Wir sollten also schnellstens herausfinden, wie wir ihr helfen können.“

So saßen wir alle in Gedanken versunken da und nippten an unserem Kakao, während über uns die Gefahr schwebte.

ENDE

Bisher erschienen:

  1. Schreibkicks – die vererbte Zeitkapsel
  2. Schreibkicks – Weihnachstspezial – Die Sache mit dem Rentier
  3. Mach was…mit einer Festtags-Leckerei
  4. Schreibkicks – Märchen der guten Vorsätze
  5. Schreibkicks – Rückkehr der Freunde
  6. Schreibkicks – Die Welt bei Nacht mit einem Hausschuh.
Schreibkicks

Schreibkicks – Die Welt bei Nacht mit einem Hausschuh.

Hallo ihr Lieben. Es ist der erste und das bedeutet Schreibkicks-Zeit und Zeit meine Freunde zu besuchen.

Mit dabei sind diesen Monat.

Zum Auffrischen, der Erinnerung. Lissie hat von ihrer Urgrosstante ein Haus geerbt und ihre seltsamen Bewohner. Ich nutze die Schreibkicks für Geschichten rund um die Truppe. Solange sie mir noch Ideen bringen, werdet ihr sie einmal im Monat besuchen können.

 

Hier also Die Welt bei Nacht mit unseren neuen Freunden


Es war dunkel…ich hatte Hunger. Das kam eigentlich nicht so oft vor, ich war eigentlich keine Nachtnascherin. Aber seit ich in diesem seltsamen Haus wohnte, das mir meine Urgroßtante Ernestine vererbt hatte, spielte mein Stoffwechsel verrückt. Was natürlich daran liegen könnte, dass die seltsamen Bewohner zu den seltsamsten Zeiten meiner bedürften. Ich liebte die Dunkelheit – eigentlich. Aber dieses Haus im Dunkeln, das war wirklich verdammt unheimlich.

„Flapp, Flapp, Flapp.“ Ich blieb erstarrt stehen? Was war das denn für ein seltsames Geräusch. Ich drückte mich in die Ecke und versuchte den Atem anzuhalten. Was natürlich nicht gelang, ich war ja lebendig, im Gegensatz zu so manchen Bewohner hier. „Flapp, Flapp, Flapp.“ „Pscht, musst du so einen Krach machen? Du weckst Lissie noch auf. Sie brauch doch auch mal schlaf. Und du, als ihr bester Freund solltest das besonders im Auge haben.“ „Ja was soll ich denn machen, sie hat mich doch in diese Form gepresst. Glaubst du es ist angenehm, als Krake hier durch die Nacht zu schlappen? Mit Beinen wäre das ganze viel einfacher.“ „Ja, ja schon gut. Beschwer dich bei Lissie. Sie mochte dich halt so. Ich verstehe zwar auch nicht wieso. Mit einer Krake kann man doch gar nicht knuddeln.“ „Was weißt du denn? Du bist ein Geist.“ „Hei, ich war nicht immer ein Geist.“ Schniefte Amelia. „Ach entschuldige. Aber du nervst. Ständig hängst du an mir wie eine Klette. Ich bin Lissies Nicht-Mehr-Imaginärer-Freund.“ „Ich will auch einen. Ihr seid so cool. Wo ist eigentlich Waldemar?“ „Na bei Richard, wo er hin gehört. Ich sollte auch bei Lissie sein, statt hier mit dir heimlich durch die Dunkelheit zu flappen.“

Ich atmete aus, um im gleichen Moment meine Hand vor den Mund zu schlagen. Hoffentlich hatten sie mich nicht gehört.

„Was war das?“ „Hm? Was denn?“ Meinte Amelia. Sie schwebte tanzend durch die Gegend. Man musste sie einfach mögen. Sie war eine wahre Frohnatur. Aber was hatten sie nur vor? Es konnte nichts Gutes sein. Ich befürchtete einen Zauber, oder, und davon ging ich sogar noch eher aus – etwas um mich zu erschrecken. Das wäre so Amelias Ding. Sie liebte es einfach zu erschrecken. Was sie am liebsten machte, wenn ich aus der Dusche kam.

„Ach nichts.“ Antwortete Leon. Mein Leon, mein bester Freund. Er würde mich doch nicht erschrecken? Sie bewegten sich in Richtung des Dachbodens. Die Aufräumarbeiten im Haus gingen recht gut voran. Nach dem ich mal auf den Tisch gehauen hatte und jedem eine Aufgabe zugeteilt hatte. Sogar Dracula, der ewige Miesepeter, musste sich nützlich machen. Er hatte die Aufgabe, die Fledermäuse unter dem Dachfirst zu bitten, ihre Exkremente doch bitte außerhalb des Hauses zu verteilen. Guano war zwar ein guter Dünger, aber ich brauchte das stinkende Zeug nicht unter dem Dach. Nicht nur, dass es stank – es hatten sich auch so einige Käfer darin heimelig eingerichtet.

Und ich meine wirklich eingerichtet. Denkt dran, dieses Haus ist magisch angehaucht – eingetaucht, wohl eher. Wenn man also die obere Schicht des Guanos abtrug, konnte man kleine Höhlen sehen. Ihr könnt mir glauben, als ich eine Käferdame mit ihrem Käferherren im, sagen wir mal, Ehebett erwischte, vermied ich das. Was die mich beschimpft haben. Was nicht so schlimm war – schlimm war, dass ich sie verstanden habe. Ganz ehrlich – manchmal glaubte ich wirklich ich müsste doch mal auf die Couch.

Gab es eigentlich Psychiater für Hausbesitzer mit besonderen Bewohnern? Das müsste ich mal googlen. Wäre wohl mal eine Marktlücke. An mir könnten sie schon gut verdienen. Und an meinen Bewohnern bestimmt auch. So manch einer hatte echt eine Macke.

Minerva – unsere liebliche Haushexe. Sie hatte manchmal echte Diven-Angewohnheiten. Da war einfach nichts gut genug. Dann sollte man ihrem Zauberstab besser aus dem Weg gehen.

Ihr könnt es also erraten. Minerva war für die Dekoration zuständig.

Morphi unsere Mumie, hatte noch keine so richtige Aufgabe gefunden. Ich war schon glücklich, wenn man nicht ständig Mullbinden und Staub von ihm fand. Er hatte so ein kleines Problem mit Auflösung. Minerva konnte es immer wieder Rückgängig machen, aber es machte Heidenarbeit. Und in die Nähe des Staubsaugers traute er sich nicht. Er hatte Angst irgendwann mal unachtsam zu sein und sich selbst aufzusaugen.

Amelia hatte ja schon ihren Auftritt. Sie war unser Geist. Sie half mir beim Putzen. Sie kam so toll an die Ecken in die ich nicht gelangen konnte. Eigentlich wollte sie die Deko übernehmen und war etwas angesäuert auf mich. Sie hatte auch ein Gespür für Gestaltung. Ich würde einen Kompromiss schließen müssen. Sonst würde es irgendwann mal zu einem kleinen Zickenkrieg kommen.

Frank war unser grandioser Koch. Seit ich hier wohnte, wagte ich mich nicht mehr auf die Waage. Er war ein grober Virtuose in der Küche.

Und Richard – ja er war unser Hausverwalter und wie ich ein Mensch. Wie hatte ihn die Tante genannt. Adrett. Er war die Seele und wirklich adrett. Ich mochte ihn und war so dankbar, dass er mich unterstütze und ich lernte so viel von ihm, er war schon lange hier. Wie lange eigentlich? Ich musste ihn mal fragen.

Unsere neuesten Mitglieder waren Keya – unsere Baumnymphe, Waldemar – Richards imaginärer Freund und Leon – mein imaginärer Freund. Und was hatte besagter nun vor?

„Flapp, Flapp, Flapp.“ Das Geräusch wurde leiser. Die beiden waren jetzt schon auf dem Dachboden. Ich folgte ihnen leise. Zum Glück hatte ich meine Plüschhausschuhe in Einhorn Design – lacht nicht – die sind echt total putzig und fluffig – an. Es war schon ziemlich kalt in diesem Haus. Sie dämpften meine Schritte. So konnte ich ihnen weiterhin folgen.

„Pass doch auf.“ Fluchte Amelia „Fast wärst du auf die Tröte getreten. Lissie muss echt hier mal langsam Ordnung machen. Das ist ja echt so unordentlich hier und schmutzig.“ Ich stemmte meine Hände in die Hüften. Der würde ich was erzählen. Schon wollte ich losstürmen, aber ich war doch zu neugierig, was hier los war. Ich kniete auf der Treppenstufe. Die war verdammt hart. Wo waren die Zeiten in denen mir sowas nichts ausgemacht hatte? Pst….da waren die anderen. Was?

„Da seid ihr ja. Man kann von Glück sagen, dass Lissie so einen festen Schlaf hat. Man kann euch ja durch das ganze Haus hören. Also wirklich. Wie soll man denn hier was Geheimes aufziehen? Hä?“ Fauchte Minerva. Morphi nickte, nicht ohne eine Staubwolke zu hinterlassen. „Wie geht es denn jetzt weiter, mal?“ Blaffte Dracula. „Ich bekomme langsam Hunger und bald wird es hell.“ „Hell, wir haben Mitternacht. Also stell dich nicht so an. Gott bist du ein Brummbär.“ „Das verbiete ich mir. Ich bin viel zu elegant um mit einem Bären verglichen zu werden.“ Amelia schüttelte ihre Locken und fuhr einfach durch ihn hindurch. Er sprang erschrocken zur Seite. Das war ein ekelhaftes Gefühl. Mit mir machte sie das auch immer. Als würde jemand einen Eisbeutel durch einen ziehen und gleichzeitig die Luft aus einem heraus lassen.

„Kommt jetzt. Ich brauche meinen Schlaf. Lasst uns einen Kreis bilden. Die Tür ist verschlossen. Aber nur mit Magie kann man sie öffnen. Dafür brauche ich eure mentalen Kräfte, die muss ich anzapfen.“  „Das gefällt mir echt so gar nicht. Ich will nicht, dass du von mir zapfst. Wenn dann mache ich das. Von zarten Jungfrauen. So einen kleinen Tropfen ihres lieblichen Blutes.“ Ein heftiger Schubser von Frank holte Dracula wieder zurück. „Hei. Ja ist gut, mach endlich.“ Die Luft fing an zu wabern. Es war wie wenn man eine Szene durch einen Wasserfall beobachtete. Man konnte nur noch Schemen erkennen. Minerva war vertieft in ein unverständliches Gemurmel. Die Wände lösten sich auf. Formierten sich neu, lösten sich auf und bauten sich wieder zusammen. Der Dachboden hatte sich verändert. Er war noch unordentlicher. Denn das Umgebaue, hatte die Sachen noch mehr durcheinander geworfen. Na danke. Dann sah ich es. Eine Tür.

„Da – da ist sie. Ich wusste es. Ich hatte sie gespürt. Das ist die Tür.“ Sie lachten alle und Frank sprang hoch. Ein dumpfer Plumpser ließ den Boden erzittern. „Frank! Du bist zu laut.“ Mich hielt jetzt nichts mehr. Ich stieg weiter hoch und stand in der Tür. „Was ist denn hier los?“. Innerlich musste ich lachen. Ich hatte sie so kalt erwischt. Ein einheitliches Zucken ging durch die Gruppe. „Äh. Lissie? Haben wir dich geweckt?“ „Nein.“ Hinter mir kam ein Geräusch. „Aber mich.“ Richard stand ganz nah hinter mir und strahlte die Wärme eines gerade aufgewachten aus. Er roch gut. Ich drehte mich zu ihm. Seine Haare waren total verwurschtelt. Das stand ihm gut.

Er sah mich an. „Lissie?“ „Ich weiß von nichts. Ich wollte nur was essen, da hab ich die Geheimniskrämer erwischt, wie sie den Dachboden umgestalteten und eine Tür herbei zauberten.“ „Die haben wir nicht hergezaubert. Die war magisch versteckt. Ich habe sie nur gespürt und denke ich weiß was sie bedeutet. Es sollte eine Überraschung für dich sein. Ich weiß doch, wie sehr du reisen möchtest. Das ist unser Geschenk für dich. „ „Eine Tür?“ „Ach je, sie ist auch noch schwer von Kapee. Natürlich nicht die Tür, sondern das was du dahinter sehen kannst.“

Ich ging zu ihnen und wollte die Tür öffnen. „Halt.“Minerva´s Hand schloss sich um meine. „Es wird etwas seltsam werden. Diese Tür öffnet sich nur einmal im Monat. Immer zum ersten des Monats. Du kannst immer reisen, wohin du willst. Es gibt nur einen Nachteil. Es wird immer dunkel sein. Die Welt bei Nacht.“ Ich blickte sie verdutzt an. „Die Welt bei Nacht. Okay. Da gibt es Mittel, oder Zauber, die mir die Möglichkeit geben zu sehen, oder?“ „Da gibt man den kleinen Finger und sie reist den ganzen Arm aus.“ Seufzte Minerva. „Ja ich kann da was zaubern. Und noch was. Diese Hausschuhe, die wirst du brauchen.“ Ich blickte auf meine Füße und wackelte mit den Zehen. „Ihr braucht euch nicht lustig zu machen. Sie sind wirklich schön warm und bequem.“ Minerva rollte die Augen. „Ach Kindchen. Nein, das wird dein Transportmittel sein.“ „Meine Hausschuhe?“ „Die Einhörner.“ „Ach, ja klar. Die Einhörner. Warum bin ich denn da nicht selbst drauf gekommen. Netter Versuch,  Leute. Ich hol mir jetzt einen Snack und verkriech mich wieder ins Bett. Lachen werde ich dann morgen.“ Da riss Dracula die Tür auf und schupste mich durch. Und ich fiel. „Aahhhhhhh – Hiiiilfeee“ „Ich konnte ihre Schwerfälligkeit nicht mehr ertragen. Entschuldigen kann ich mich ja, sollte sie zurückkommen.“ Ein Nicken ging durch die Runde. Keiner sorgte sich um mich.

Ich befand mich im freien Fall und würde entweder gleich sehr unsanft aufkommen oder ewig schweben. Ich trudelte und merkte auf einmal ein Zucken an meinen Füssen. Ich wurde unsanft durchgeschüttelt und aufgefangen. Mein Blick wurde schärfer – ich konnte sehen und sah – Ein Einhorn. Ich saß auf einem Einhorn, das tatsächlich aussah wir mein Hausschuh. Dieses Verrückte Haus.

„Hallo Lissie. Schön dich auch mal aus einer anderen Perspektive zu sehen. Ich bin dein Reisebegleiter. Du hast mir keinen Namen gegeben. Wie willst du mich nennen?“ „Öh – Ich weiß nicht – Littlerock.“ „Eigenartiger Name – aber ok. Damit kann ich leben. Also wohin willst du als erstes fliegen?“ Fliegen – ich konnte es nicht glauben. Ich flog durch die dunkle Nacht um die Welt zu erkunden. Ach ich war glücklich. „Kann ich eigentlich auch durch die Zeit reisen?“ „Das geht auch.“ „Ich werde verrückt. Äh – dann will ich heute erst mal einen Zeitsprung in die Vergangenheit machen und hier landen – sagen wir vor fünfzig Jahren. Ich würde gerne die Anfänge dieses verrückten Haufens erleben.“ „Alles klar – halt dich fest. Tische hochklappen und anschnallen – wir reisen in das Jahr 1969. Ankunft: Jetzt.“ Ein Ploppen erklang und es fühlte sich an, als würde ich aus einer Erbsenpistole geschossen. Was würde ich sehen? Ich war so neugierig.

ENDE

 

Bisher erschienen:

  1. Schreibkicks – die vererbte Zeitkapsel
  2. Schreibkicks – Weihnachstspezial – Die Sache mit dem Rentier
  3. Mach was…mit einer Festtags-Leckerei
  4. Schreibkicks – Märchen der guten Vorsätze
  5. Schreibkicks – Rückkehr der Freunde
Schreibkicks

Schreibkicks – Rückkehr der Freunde

Hallo ihr Lieben. Es ist wieder Schreibkickszeit. Ich bin dieses mal etwas spät. Es kam bisschen was dazwischen.

Aber hier habt ihr wieder einen kleinen Auszug aus dem Leben meiner schrägen WG.

Heute ist das Thema imaginärer Freund. Wer hatte keinen? Haben Kinder in der digitalen Welt heute noch einen? Ich hoffe es.

Bisher erschienen:

  1. Schreibkicks – die vererbte Zeitkapsel
  2. Schreibkicks – Weihnachstspezial – Die Sache mit dem Rentier
  3. Mach was…mit einer Festtags-Leckerei
  4. Schreibkicks – Märchen der guten Vorsätze

Mit dabei waren dieses Mal:

Das Thema für den 01. März lautet:

 

 

Schreibkicks

Schreibkicks – Märchen der guten Vorsätze

Ich hoffe ihr habt das Jahr sicher und gut gestartet? Bei uns war es lustig und entspannt. Jetzt muss nur noch die Bowle aus dem Blut verschwinden ;-)

Ich nutze die Schreibkicks wieder für mein neues Team. Aber ich muss noch kurz erwähnen, dass den Schreibkickern ein Teil vielleicht entgangen ist, da ich eine Überleitung zu der heutigen Geschichte brauchte. HIER könnt ihr gerne nachlesen, ist aber nicht wichtig für diesen Teil. Ein ganz kurzer Teil nur.

Mit dabei waren:

Keya, die neue Freundin ist eine Baumnymphe, die den Weihnachtsbaum beschützt. Nur so kurz.

Bisher erschienen:

Schreibkicks – die vererbte Zeitkapsel

Schreibkicks – Weihnachstspezial – Die Sache mit dem Rentier

Mach was…mit einer Festtags-Leckerei


Schreibkicks – Das Märchen der guten Vorsätze

Unser erstes Silvester. Nach einigen kleinen Zwischenfällen ist es richtig gut geworden. Das Feuerwerk war einfach traumhaft. Ich war ja nicht wirklich Fan davon, aber sogar ich konnte mich nicht dieser Schönheit entziehen. Ich – ja wenigstens ich und Richard, waren halt auch nur Menschen.

Amelia, unser guter Hausgeist, war ja bisschen angesäuert, weil wir so leckere Sachen essen konnten. Als Geist wurde ihr dieses Vergnügen ja leider verwehrt. Keiner so wirklich auf ihr Gejammer eingegangen. Keiner achtete wirklich auf sie. Während wir also noch das hübsche Feuerwerk bewunderten, versetzte sie unsere alkoholfreie Bowle, mit allem möglichen alten Flaschen aus dem Weinkeller. Ein dämonisches Lachen entwich ihr.

Schwatzend kamen wir aus der Eiseskälte wieder herein. Da das Haus noch nicht komplett eingerichtet war, holte ich schnell meinen MP3 Player – ja bisschen antiquiert – aber ich hätte auch noch einen mobilen CD-Player – also ist der MP3 Player schon modern. Dort ließ ich meine Play List laufen. Alles Lieder der achtziger. Die Musik machte einfach Laune. Sofort fing ich an zu tanzen. Ich schnappte mir Morphi und wir tanzten. Ich tanzte und Morphi versuchte seine Bandage zusammen zu halten. Denn bei jeder Drehung wickelte sich ein Stück ab. Keya, unsere neue Freundin, ging richtig aus sich heraus. Wo doch Baumnymphen eher zurückhaltend sind. Sie schnappte sich ein aufgewickeltes Ende und wickelte sich immer näher an Morphi. Das gefiel ihm so garn nicht. Er zog und zog, damit wirbelte er sie herum, so dann sie am Ende in Franks Armen landete. Der so perplex war, dass er sie gleich wieder fallen ließ.

Dracula brachte die Bowle – er hatte sich seine mit bisschen Blut angereichert – oder eher umgekehrt.

„Kommt, wir müssen noch unser Tischfeuerwerk entzünden und Bleigießen spielen. Ein Wunder, dass du noch ein Set bekommen hast. Ist doch dieses Jahr verboten worden.“ „Ich hab so meine Quellen.“ „Hört, hört – unser heimlicher Bad Boy?“ Richard errötete leicht. Ich hatte mittlerweile schon so einige Gläser von der Bowle und mir ging es immer besser. Ich konnte kaum aufhören zu lachen. Wir zündeten die Wunderkerzen an und mussten dabei noch Morphi löschen, der es nicht lassen konnte und auch unbedingt eine zünden wollte. Die alten Bandagen brennen recht schnell.

Wir tanzten ausgelassen durch die große Halle. Dann fielen wir alle ermattet und ziemlich betrunken auf den Boden. Von allen, sagen wir Menschen, die meisten anderen waren ja irgendwie tot, hob sich die Brust außer Atem. Und dann kam das Monster. Es klopfte an die Tür, glaube ich. Oder es schallte einfach nur wie ein Todeshauch durch die Halle. Ich übertreibe nicht – so habe ich das in Erinnerung – der Alkohol mag das verstärken, aber es wisperte sehr laut. „Vorsätze, sagt mir eure Vorsätze. Ich brauche eure guten Vorsätze.“ „Pst, flüsterte Minerva, habt ihr das gehört?“ Dracula war stocksteif geworden, Morphi versteckte sich hinter Frank, Keya tarnte sich an dem Weihnachtsbaum. Richard und ich blickten uns verständnislos an. „Was ist denn?“ Meinte Richard. „Vorsätze. Das Monster der Vorsätze sucht die Häuser heim.“ „Na, das ist doch normal, oder. Man macht Vorsätze, um sie dann eh zu brechen, dann fühlt man sich mies. Der Lauf des Silvester/Neujahr Tags.“ Minerva schnaubte: „Menschen, sie wissen es nicht. Es gibt ein altes Märchen, und ihr wisst ja wie das mit Märchen ist. Es steckt immer ein Stück Wahrheit drin.  Hört zu.“

Wir rutschten in die Mitte des Raums, in dem ein Lagerfeuer erschien. Um uns herum entstand ein dichter Wald. Es war einfach fantastisch mit Fabelwesen zu leben, sagte mir mein umnebeltes Gehirn. „Das Monster, der guten Vorsätze. Seit die Menschen rational denken gibt es dieses Monster.  Es schleicht sich zum Jahreswechsel in die Gehirne der Menschen.  Seine Aufgabe ist es, sie zu manipulieren. Du!“ Ich zuckte zurück. „Wie oft hast du dir irgendwas vorgenommen im neuen Jahr?“ „Äh, isch glaub, jedes Jahr.“ Nuschelte ich. „Und wie oft hast du es gebrochen?“ „Isch glaub jedes Jahr.“ Wiederholte ich. Richard stimmte mir nickend hinzu. „Seht ihr. Jedes Jahr, jeder Mensch. Bei uns klappt das nicht – das hat das Monster aber auch schon probiert. Aber schnell aufgegeben, da wir ihm die Energie entzogen haben, die er so mühevoll aufgesammelt hat.

Also.“ Stoppte Minerva geheimnisvoll. „Ihr wisst, die Menschen sind so ziemlich das schlimmste, was es auf der Erde gibt. Keine Rasse hat so viel  Zerstört. Und in den dunklen Zeiten, als der Glaube an die mächtigen Götter noch stark verbreitet waren, beichteten die Menschen zum Neujahr ihre Sünden. Und schworen ihnen ab, da sie die Bestrafung der Götter fürchteten. Aber, da die Menschen sich nie bessern würden, entstand dieses Monster. Es ist quasi ein Abfallprodukt, der Menschlichen Verfehlungen. Es streicht durch die Wohnstätten der Menschen und haucht ihnen den Willen der Vorsätze ein. Dann labt es sich an den Verzweiflungen, wenn sie nicht eingehalten werden. Es ist widerlich. Denn, es raubt dir immer ein ganz kleines Stück deiner Seele. Jedes Jahr ein bisschen. Die Menschen verzweifeln und jammern, dass sie nicht Willensstark genug sind und diese Verzweiflung, ist die Nahrung des Monsters.“ „Aber, wenn keiner gute Vorsätze hätte, würde überhaupt eine Veränderung stattfinden?“ Fragte ich. „Was meinst, du? Würdest du eine Schokotorte essen, wenn du es dir nicht verboten hättest?“ „Bäh, wohl eher nicht?“ „Siehst du. Dein gesunder Menschenverstand, würde dich daran hindern. Ebenso würdest du von dir aus, mit Sport anfangen, oder was du sonst gerne machen würdest. Je mehr Druck du dir machst umso eher ist es zum Scheitern verurteilt und so mieser fühlst du dich. Und das Monster der Vorsätze wächst und wächst.“  Entschlossen stand ich auf. „Gut, mit dem heutigen Tag, werden die guten Vorsätze hier verbannt. Es wird nie wieder gute Vorsätze geben, nur glückliche Menschen.“ In meiner Hand erschien, durch Zauberhand ein Glas Sekt. „Darauf erheben wir die Gläser. Hier wird es nur entspannte Menschen geben.“ Sie blickten mich alle zweifelnd an. „Gut, ich ändere es. Es wird Menschen geben, die aus sich heraus, das Beste machen, nicht weil sie es sich aufdrängen lassen. Das Monster der guten Vorsätze hat hier keinen Zutritt.“ Ich meinte ein tiefes grummeln draußen vor der Tür zu hören. Aber das Glas Sekt, spülte alles hinunter. Und wir feierten entspannt das neue Jahr.

 

Schreibkicks

Schreibkicks – Weihnachstspezial – Die Sache mit dem Rentier

Hallo ihr Lieben – ich hoffe ihr habt einen entspannten Heiligen Abend. Und da es einfach passt, gibt es ein schönes Weihnachtspezial von Sabi.

Die Sache mit dem Rentier.

Mit dabei waren:

Und ich habe tatsächlich eine Fortsetzung zu der Zeitkapsel geschrieben.

Kommt mit und besucht Lissi zum Weihnachtsfest.

Die Sache mit dem Rentier

„Vielen Danke Tante Ernestine.“ Fluchte ich, als ich versuchte das geerbte Haus zu entstauben und zu entmüllen. Es bewahrheitete sich ein Klischee, das sie schon bei ihrer Oma beobachtet hatte: Alte Leute sammelten und horteten alles. Und alles war bei ihrer Tante noch untertrieben. „Lissi?“ rief jemand von unten zu mir in den ersten Stock herauf. Mit Spinnenweben im Haar und staubverschmierter Nase tauchte ich unter dem riesigen Bett auf. Wenn ich mal sauber machte, dann richtig. Und ihr könnt nicht glauben, was so Fabelwesen für einen Dreck machen. Da könnte ich mir auch einen Hund halten. Apropos. Das musst ich vielleicht mit den….äh – ja Bewohnern mal besprechen. Ein Wachhund wäre nicht die schlechteste Idee.

Ach – aber ihr wisst ja nicht um was es geht. Ich hatte ein Haus von meiner Urgrosstante, Ernestine geerbt. Toll, oder? In Gewisser Weise schon. Finanziell hat sie mich abgesichert, da ich nicht mehr zum Arbeiten kommen würde. Nach einigen Wochen dort verstand ich auch warum. Die Bewohner bedürften die volle Aufmerksamkeit. Die Bewohner – Sie waren was Besonderes. Ernestine war eine Weltenbummlerin und Sammlerin. Nicht nur Krimskrams, den ich jetzt nach und nach ausmistete. Auch Artefakte fanden ihren Weg in dieses besondere Haus. Es war eine Art Zufluchtsstätte für Fabelwesen.

Ja – ihr lest richtig. Fabelwesen. Hier wohnten ein Geist, ein Vampir, eine Mumie, eine Hexe, ein Dschinn, und eines von Frankensteins Monstern. Und es musste irgendwo ein Orakel sitzen, das mich als Nachfolgerin auserwählt hatte – aber das hatte ich noch nicht kennen gelernt. Sie soll wohl sehr viel Wert auf ihre Privatsphäre halten.

Von Privatsphäre hatte ich mich, seit ich hier wohnte schon verabschiedet. Schon der Geist machte es unmöglich. Ständig glitschte sie durch die Wände und erschrak mich. Jetzt nicht mehr so schlimm. Außer ich kam aus der Dusche. Das sah schon immer recht witzig aus, wenn sich in dem Duschnebel eine menschliche Figur ohne feste Konturen bewegt.

Amelia, der Geist rief aufgeregt von unten her. „Lissi? Wo bist du denn?“ Ich bin in Morphis Zimmer – Das war die Mumie – jetzt könnt ihr euch vorstellen, warum es da so staubig war.

Ich stapfte also etwas angesäuert hinunter. „Was! “ Vor mir schwebte ein Tablett. “Egg Nogg?” “Dafür rufst du mich runter?„ schnauzte ich Amelia leicht an. Sie manifestierte sich und das erste was ich zu sehen bekam, war ein Schmollmund. „Ich dachte ich überrasche dich mit was Leckerem.“ Schniefte sie. Sie war schon sehr sensibel. „Es ist Weihnachten und du schuftest so viel.“ Kam ein bisschen bockig von ihr. Ich ließ die Schultern hängen. „Entschuldige. Es ist nur so viel Arbeit.“ Amelia lächelte sofort wieder und schwebte mit dem Egg Nogg vor mir her. Ich versuchte ihn zu fangen, bevor sie noch mehr verschüttete. „Hmmm.. der ist lecker.“ „Hat Frank gemacht.“

Im Geiste sah ich die Küche vor mir. Frank war toll, aber durch seine Größe war er etwas ungelenk. So sah es auch dann immer aus, wenn er auftauchte. Und er backte so gerne. Innerlich seufzte ich und trank den Rest. „Apropos Weihnachten.“ Murmelte Amelia. Es ist schon soooo lange her, dass ich Weihnachten feiern durfte, so etwa hundert Jahre. Wir würden so gerne feiern.“

„Äh, Okay, und wie denkt ihr euch das? Wer soll das organisieren.“ Eine leichte Röte legte sich auf ihre durchscheinenden Wangen. „Oh, du musst gar nichts machen. Wir kümmern uns um alles.“ Ich blickte sie zweifelnd an.

In dem Moment kam Minerva, die Hexe die Treppe herunter. „Was ist denn hier schon wieder für ein Trubel. Ach – Amelia, natürlich, wo du bist ist immer irgendwas los.“ „Wir feiern Weihnachten.“ Sang sie und schwebte vom Boden zur Decke und wieder hinunter. „Und du musst zaubern.“ „Was muss ich – ich muss schon mal Garnichts. Weihnachten. So ein Humbug. Das ist doch nur was für Kinder.“ Aus dem Keller stampfte Morphi, die Mumie hoch. „Morphi, glaub nur. Lissi hat ja gesagt zu Weihnachten.“ „Was hab ich?“ Aber sie überhörten mich gerade.

„Was meint denn Richard dazu?“ Amelia hielt still und schien zu überlegen. Würde sie mir eine Lüge auftischen? Es sah ganz so aus. „Der hält sich raus. Er meint, das musst du entscheiden. Ist ja dein Haus.“ Na klar. Der adrette Richard, der mir die letzten Wochen wirklich eine große Hilfe war, hält sich neutral raus. Aus der Küche hörte ich es scheppern. „Was macht Frank?“ „Na kein Weihnachten ohne Plätzchen, oder? Er backt schon die ganze Nacht. Riechst du es nicht.“ „Jetzt wo du es sagst. Tatsächlich, nach dem sich Morphis Staub sich aus meiner Nase verabschiedet hat, rieche ich es. Hmmmm.“ Ich ignorierte das nächste Scheppern.

In dem Moment öffnete sich die Eingangstür und Richard kam herein gestampft. Er stöhnte und schnaufte. Dann trat er sich den Schnee ab. „Oh Mann. Das schneit und schneit.“ Hinter ihm konnte ich einen Schatten erkennen. Der Schatten eines Weihnachtsbaums. Ich stemmte  meine Hände in die Hüften. Dann blickte ich zu Amelia, die gerade dabei war sich aufzulösen. „Moment mal meine Liebe. Wie war das mit dem, wenn ich mein Okay gebe. Wieso hat Richard dann einen Weihnachtsbaum dort hinten versteckt.“ Richard drehte sich und sah, dass er nicht wirklich erfolgreich beim Verstecken war. Er zog entschuldigend die Schultern nach oben.

„Tada.“ Meinte er. Ich runzelte die Stirn. „So nach dem Motto, wenn der Baum schon mal da ist, dann wird sie schon nicht nein sagen?“ „Ja so in der Art.“

„Also wirklich. Ihr seid mir schon welche. Und wann soll ich….“ „Nein nein, du musst nichts machen. Wirklich. Wir kümmern uns um alles.“ Bestätigte Richard, die Aussage von Amelia. Und die schüttelte heftig bejahend ihre blonden Löckchen, mit denen sie schon wie ein Weihnachtsengel aussah.

Ich schnaufte, und hob meine Arme zur Seite. „Nun gut, dann überrascht mich.“ „Yeah.“ Und schon schwebte sie um mich herum. „Hör auf, mir wird ganz schwindelig.“ „Verschwinde jetzt. Leg dich in die Wanne und wenn das Glöckchen läutet ist alles fertig.“ „Und das Putzen?“ „Na, das läuft doch nicht weg, das kannst du doch nach Weihnachten auch noch machen.“ Na danke. „Da könntet ihr auch mal helfen.“ So schnell hatte ich die Truppe noch nie verschwinden sehen. Richard murmelte etwas vom Baum. Minerva davon, die Weihnachtdekoration zu planen und Amelia von Frank in der Küche helfen. Der einzige, der nur verloren herum stand und sich hin und her drehte war Morphi. „Ja, ja schon gut. Mit deinem Zimmer bin ich eh fertig.“ Blinzelnd blickte er mich an und ein staubreiches Danke verließ stöhnend seinen bandagierten Mund. Ich winkte ab und ging nach oben. Dort wollte ich mir Wasser einlassen und mich auf den Weihnachtsabend freuen.

 

Während ich mich in das warme Wasser sinken ließ, ging es in der Küche und im restlichen Haus hoch her. Im Hintergrund ließ ich Weihnachtsmusik laufen und einige Kerzen beleuchteten sanft meine Seifenblasen. Ich war fest bereit alles um mich auszublenden. Das sollten die anderen alles organisieren.

„Frank, Frank. Wie sieht es denn hier aus? Lissi wird ausflippen.“ Er tapste unbeholfen durch die Mehlpampe, die er großflächig in der Küche verteilt hatte. Amelia schwebte aufgeregt um ihn herum und machte es noch schlimmer, da er mit den Armen wedelte und noch mehr herunter holte. Die Milch schwankte gefährlich. In dem Moment als sie fallen wollte, war nur ein Windhauch zu fühlen. Eine Hand schoss hervor und fing sie auf. „Dracula. Was ein Glück bist du da. Wir feiern Weihnachten.“ Flötete Amelia, die heimlich für den stattlichen Fürst schwärmte. „Weihnachten?“ Kam es, in  seiner Grabesstimme, die ihr eine Gänsehaut verursacht hätte, wenn sie noch ein Mensch gewesen wäre. Verliebt blinzelte sie ihn an. „Jaaaa. Weihnachten, ist das nicht toll?“ „Mpf“ kam es nur von ihm.

Richard betrat gerade die Küche. Er stockte. Dann blickte er zu Frank, der unbeholfen zurück blickte. „Tschuldigung.“ Richard seufzte. „Dracula, hier dein Weihnachtsblut.“ „Weihnachtsblut?“ „Ha, ja du wirst lachen. Im Mysteryladen – du weißt schon, in der dunklen Gasse, da verkaufen sie Weihnachtsblut. Angereichert mit Zimt, Nelken und Kardamom. Ist das nicht cool.“ „Was ist das für ein neumodiges Zeug?“ brummte er. „Und dann noch kalt. Das waren noch Zeiten, als ich Transsilvanien unsicher gemacht habe. Die Jungfrauen fürchteten und verehrten mich. Und ihr Blut war so lieblich, es brauchte nicht künstlich angereichert zu werden.“ „Ja, ja. Meinte Minerva, die gerade dazu kam.“ „Ach je Frank!“ Er blickte sie bittend an. Sie seufzte. Schnippte mit den Fingern und die Küche blitzte wieder. „Warum hilfst du eigentlich Lissi nicht beim Putzen?“ Fragte Richard. „Hei, sie muss sich doch nützlich fühlen, oder? Wenn ich alles mit einem Fingerschnipp erledigen würde, wie würde sie sich fühlen? So ohne Nutzen?“ Richard erhob drohend den Zeigefinger. „Verrat mich nicht, sonst verzaubere ich dich. Vielleicht in einen Frosch? Ach, das ist schon so lange her, dass ich das gemacht habe.“. „Schon gut, schon gut. Kommt helft mir bei dem Weihnachtsbaum. Und Frank, die Plätzchen riechen hervorragend. Auch der Braten im Ofen. Du bist einfach ein Meister im Kochen und im Chaos verursachen.“

Sie waren alle gerade in der großen Halle, als es klopfte. „Wer kann das sein?“ „Der Weihnachtsmann.“ Meinte Amelia hoffnungsvoll. Richard blickte sie augenrollend an. „Ja klar.“ Er stapfte zu Tür, während Amelia um den Baum herum schwebte und die Lichterketten anzuhängen. Minerva, stand dabei und beobachtete. Sie plante schon die restliche Deko, die sie ständig hin und her fliegen ließ.

Richard öffnete die Tür. Er stutzte. Drehte sich um und sagte: „Hei Leute. Ich glaube wir müssen den Stall aktivieren.“ Sie blickten alle zur Eingangstür und sahen ein Rentier.

„Rentier.“ Schrie Frank und stampfte aufgeregt zu ihm, mit ausgestreckten Armen. Erschrocken fing die Nase des Rentiers rot an zu blinken. „Rudolph?“ Fragte Richard unsicher?

„Ja, wer denn sonst.“ Schnauzte er unfreundlich. „Hei, warum so grimmig?“

„Lass ihn rein Richard, er bringt den ganzen Schnee und die Kälte ins Haus.“ Blaffte Minerva von der Treppe aus. Richard öffnete die Flügeltür, damit Rudolph mit seinem Geweih durch die Tür kam. „Was machst du hier? Heute ist Weihnachten. Musst du nicht den Schlitten des Weihnachtsmann leiten?“ „Pah, der Weihnachtsmann, der kann mir mal gestohlen bleiben.“ Alle blickten sich ratlos an. „Was ist passiert?“ Fragte Dracula unheilschwanger. „Ihr werdet es nicht glauben. Er nannte mich Fett. Ich sei in den letzten Monaten zu Fett geworden um den Schlitten anzuleiten. Ja was soll ich denn machen. Außerhalb von Weihnachten ist es so tot langweilig am Nordpol und der Bäcker backt und backt und backt. Ich bin halt so ein Süssmaul und jetzt. Schaut euch meine Wampe an.“ Er drehte sich zur Seite und sie konnten einen beachtlichen Bauch bewundern. „Äh, ja. Und was macht der Weihnachtsmann jetzt?“ „Das ist mir doch egal. Soll er sich ein Navi nehmen und zusehen, wie er damit die Kinder findet. Pah.“ Er setzte sich und schlug seine Vorderbeine trotzig übereinander.

„Okay. Und warum kommst du hier her?“ „Ach das weiß doch jeder, dass Ernestine uns aufnimmt, wenn wir in Not sind. Und das ist ja wohl eindeutig eine Notsituation. Ich werde gemoppt. Jawoll.“ „Ernestine ist verstorben. Das Haus gehört ihrer Großnichte Lissi.“ „Oh, meint ihr sie wird mich aufnehmen?“

„Wen soll ich aufnehmen?“ Fragte ich. Der Tumult hatte mich aus der Wanne geholt. Und ich konnte meinen Augen nicht trauen. In meiner Halle saß ein Rentier, dessen Nase aufgeregt rot blinkte. „Äh, wer ist das?“ Sie blickten mich alle zweifelnd an. „Wie meinst du das, wer ist das?“ Fragte Amelia. „Rudolph!! Von ihm wirst du wohl schon gehört haben.“ „Ja schon, aber was….“ „Der Weihnachtsmann moppt ihn, weil er etwas zugenommen hat.“ Unterbrach mich Richard.

„Na klar, Mobbing am Arbeitsplatz macht nirgendwo halt.“ Meinte ich sarkastisch. „Und wo soll er schlafen? Und was ist mit Weihnachten und…“ „Warte – wir haben einen gemütlichen Stall, den kann Minerva schnell herrichten. Oder?“ Richtete er entscheidend seine Frage an sie. „Äh, ja klar. Ich gehe schnell bisschen auskehren und Heu auffüllen.“ Und schon war sie weg. Ich schüttelte meinen Kopf.

Ich blickte von oben über den Haufen zum Treppenende. Wo war ich nur hier herein geraten. Ein halbfertiger Baum stand in der Halle, und ein Rentier saß davor und schmollte.

„Richard, komm doch bitte mal mit mir in die Bibliothek.“ „Äh, ja okay.“ Wir gingen in die Bibliothek. Ich schloss langsam die Tür und dann explodierte ich. „Was, zum Teufel machen wir jetzt. Wir haben das Leitrentier vom Weihnachtsmann in der Halle sitzen. Ein RENTIER!“ „Ja, das war nicht zu übersehen. Diese Sache mit dem Rentier…“ „Die Sache? Die Sache!“

„Beruhig dich, das wird schon alles gut gehen. Ich werde..ja ich werde zum Orakel gehen und sie bitten mir einen Tipp zu geben.“ „Das Orakel. Oh, ja. Da komm ich mit.“ „Äh, nö.“ „Was heißt hier, nö?“ „Man geht nicht zum ersten Mal unaufgefordert zum Orakel. Sie lässt einen holen“ „Wie bitte? Wir haben hier wohl eine besondere Sache, da wird sie bestimmt eine Ausnahme machen.“ „Ich weiß nicht…“ „Schnauze. Auf bring mich zum Orakel.“

Wir betraten einen geheimen Raum, dessen Tür ich nicht mal erahnt hatte. „Äh – Orakel. Wir haben ein Problem.“ „Richard, komm rein. Ach Lissi. Na schön dich endlich mal kennen zu lernen. Wie gefällt es dir denn hier?“ Ich drehte meinen Kopf schief zu Richard und blickte ihn herausfordernd an. Mein Blick sagte nur: „siehst du.“ „Ja gut, danke. Es ist eine interessante Erfahrung, muss ich sagen. Mal was anderes.“ „Ah, sie hat Humor, das ist toll. Was ist das Problem?“ „Wir haben da eine Sache mit einem Rentier.“ Meinte ich. „Ach ja, das hab ich vernommen. Rudolph, nicht wahr? Er ist immer bisschen sensibel. Ich werde den Weihnachtsmann informieren. Der sucht bestimmt schon nach seinem Liebling. In der Zwischenzeit könnt ihr ihn bisschen in Weihnachtstimmung bringen. Lieber, Plätzchen und so..“ „Besser keine Plätzchen, er ist etwas zu pummelig, meint der Weihnachtsmann.“ Das Orakel lachte. „Ja, ja, diese träge Zeit von Weihnachten zu Weihnachten, da ist Rudolph nicht der einzige, der da Probleme bekommt, oder warum meint ihr, ist der Weihnachtsmann so dick? Nicht von den paar Plätzchen von den lieben Kinderlein. So, jetzt lasst mich alleine, ich schaue gerade meine Lieblingsserie, Greys Anatomie, so rührselig.“

Schon standen wir wieder draußen und gingen zurück in die Halle. Wir berichteten was das Orakel und aufgetragen hatte und ließen Weihnachtslieder erklingen. Während des Schmückens sangen wir so falsch wir konnten und Rudolph lockerte langsam auf. Er stand auf und wackelte mit seinem Hintern zu den Liedern und sang kräftig mit.

Dann klopfte es heftig an der Tür. Rudolph versteifte sich. „Das ist er. Ich erkenne sein Klopfen.“ Meinte er trotzig. „Ich will nicht mit ihm reden.“ Ich ging zur Tür. Tatsächlich. Meine Kinnlade viel gerade nach unten. Der Weihnachtsmann stand vor meiner Tür. Er schob mich beiseite und trat ein. „Rudolph, hier steckst du, ich hab mir Sorgen gemacht.“ „Ach ja, klar. Ich bin doch viel zu Fett um übersehen zu werden.“ „Oh Rentier, das war doch nicht so gemeint.“ „Oh doch, du wolltest mich nicht anspannen. Ich würde den Schlitten nicht richtig hochbekommen bei meinem Gewicht. Der Bauch würde dann auf der Erde schleifen.“

Wir zogen geräuschvoll die Luft ein. „Äh – ja das war nicht richtig. Aber ich war gerade nicht so gut drauf, da mir Frau Weihnachtsmann gerade selbst die Leviten gelesen hatte. Sie musste meinen Anzug auslassen. Da bin ich auf dich losgegangen. Verzeih mir mein alter Freund.“ „Ich weiß nicht. Das hat mich ganz schön verletzt.“ Der Weihnachtsmann trat auf das Rentier zu und streichelte es am Kinn. Schon schmiegte er seinen pelzigen Kopf auf dessen Schulter. „Na gut. Und was machen wir mit meinem Bauch jetzt?“

Minerva betrat gerade den Raum. „Vielleicht kann  ich helfen. Es gibt einen Trank gegen fettleibige Rentiere.“ „Das ist nicht dein Ernst, oder?“ Fragte ich. „Klar, denkt ihr das war das erste Mal, dass so was passierte. Ihr seid doch nicht die erste Weihnachtsmann-Rudolph Generation. Also bitte. Wartet hier, ich braue ihn schnell zusammen, dann wird Rudolph schnell seine alte Figur bekommen. Und nein, bevor ihr fragt, das gibt es nur für Rentiere, alle anderen müssen sich anstrengen. Gesetze.“ Lachte sie.

Sie gab Rudolph den Trank und ein glimmern umgab ihn. Da stand er rank und schlank. In voller Pracht. Sein Geschirr lag ihm auch schon an und bei jeder Bewegung klangen die Glocken lieblich. Wir alle hatten offene Münder. Er war einfach so hübsch anzusehen. Der Weihnachtsmann lachte. Dann gab er ein Ho-Ho-Ho von sich und die beiden verließen das Haus. Wir stürmten ans Fenster und konnten gerade noch den Schweif des Schlittens sehen und hörten die anderen Glocken der Rentiere.

„Und allen ein Wohlgefallen.“ Sagte ich. „Jetzt ist das Weihnachtsfest gerettet. Und ich hätte gerne noch ein Glas von dem leckeren Egg Nogg.“

Wir drehten uns zum Baum, der auf zauberhafte Weise fertig dekoriert war. Minerva blickte stolz auf ihr Werk. Der Baum blinkte und blitzte. Die Lichter leuchteten und wurden in den Augen der Truppe gespiegelt. Wie von Geisterhand schwebte vor ihnen ein Tablett mit leckerem Egg Nogg. Und der Schnee legte sich sanft über die Spuren des Schlittens und hüllten das Geheimnis der Weihnacht in eine watteweiche Decke ein.

HoHoHo – euch allen ein frohes Weihnachtsfest.

 

Schreibkicks

Schreibkicks – die vererbte Zeitkapsel

Zeitkapsel, das ist das Wort für den 1.12.18 bei Sabis Schreibkicks. Erst fiel mir nichts dazu ein. Ich googlete bisschen und fand einige eingemauerte Zeitkapseln und auch Dachbodenfunde. Und so ist die Idee zu meiner vererbten Zeitkapsel entstanden.

Ich lade euch in Lissis Haus ein.

Das Thema für den 01.01.2019 lautet:

Mit dabei waren dieses Mal:

Es wird ein Weihnachtsspezial geben: Am 24.12.18 Die Sache mit dem Rentier 


Schreibkicks – Zeitkapsel

Ich erbte ein Haus. Eine verschollene Tante – oder eher Urgrosstante, von der keiner so richtig wusste. Sie wusste aber von mir. Wie auch immer. Ich bekam irgendwann Post von einem Notar. Ein Termin zur Testamentseröffnung. Ich fragte meine Eltern und sie erinnerten sich sehr, sehr dunkel an eine Tante. Sie soll verrückt geworden sein. Sie hatte sich zurückgezogen in ein gruseliges Haus tief im Wald.

Das war eigentlich nicht das Problem. Ich mochte gruseliges. Aber warum hatte sie mich ausgewählt, aus dem ganzen Familienclan? Genaueres würde mir vielleicht der Notar mitteilen können.

Endlich war es soweit. Nachdem ich öfter mit meinen Eltern telefonierte, die vor einigen Jahren nach Spanien ausgewandert waren, war keiner zu einer zufriedenstellenden Lösung gekommen. Die einzige, die mir helfen konnte, war meine Großmutter. Sie warnte mich. „Engelchen, ich weiß nicht ob du dieses Erbe annehmen solltest. Ernestine war immer schon eher seltsam gewesen. Irgendwie affin mit der Geisterwelt. Sie veranstaltete Seancen und ist quer durch die Welt zu besonderen Orten, wie Transsilvanien gereist. Wer weiß, was sie in ihrem Haus so alles gebunkert hat. Nicht dass du dir Tetanus, oder die Gelbsucht holst.“ Innerlich musste ich lachen. Oma war immer eher die pessimistische in der Familie. Ich war gespannt. Heute würde ich mehr erfahren.

Ich suchte ewig einen Parkplatz. Ich fuhr nicht oft in die Innenstadt, aber es ließ sich halt nicht vermeiden. Endlich saß ich im Büro des Notars. Ich war alleine. Was für eine Testamentseröffnung war das, ohne den Rest der Familie?

„Frau Anges?“ „Ja, Herr Herold. Ich bin sehr neugierig, was meine Urgrosstante von mir wusste. Ich wusste nichts von ihrem Dasein.“ „Ja, Ernestine war besonders. Sie war eine Einsiedlerin. Eine sehr dominante und einnehmende Persönlichkeit. Setzen sie sich doch. Möchten sie einen Kaffee?“ „Ja, gerne. Ich bin schon bisschen unterwegs gewesen um hier her zu kommen.“ „Frau Schmidt, würden sie uns bitte einen Kaffee und paar Kekse bringen? Danke. Kekse zum Kaffee, das muss sein. So, dann wollen wir mal.

Ihre Urgrosstante hatte sich vor etwa fünfzig Jahren ein altes marodes Haus gekauft und dort eine Art Einsiedler Dasein gefristet. Sie hatte sich von der Familie zurückgezogen. Auch sonst hatte sie wenig soziale Kontakte. Wie gesagt, sie war nicht die angenehmste Persönlichkeit. Vielleicht wissen sie ja, dass sie viel durch die Welt gereist war. Und sie hat so das ein oder andere seltsame Artefakt mitgebracht. Aber sie hat ihnen einen persönlichen Brief hinterlassen. Der ist noch verschlossen und wird ihnen mit den Schlüsseln zum Haus übergeben, sollten sie das Erbe annehmen.“ Ich nippte an meiner Tasse Kaffee und tunkte einen trockenen Keks ein. Es gab nichts besseres, als einen getunkten Keks. Ich nickte verständnisvoll und wartete auf weitere Erläuterungen. „Wo liegt dieses Haus?“ „Im dunklen Schwarzwald.“ Er legte mir paar Bilder hin. Es war riesig und düster. Es hätte locker eine Kulisse in einem Haunted House Horrorfilm spielen können. Eine leichte Gänsehaut überzog meine Arme. Was würde ich da erben? Ein Geisterhaus? Als hätte der Notar meine Gedanken gelesen: „es sieht schon sehr gruselig aus, oder? Auch von innen. Ich hoffe sie sind nicht ängstlich oder abergläubig? Sie werden hier eine Zeitkapsel erben. Das wird einige Arbeit erfordern. Aber keine Angst, mit dem Haus werden sie auch ein beträchtliches Vermögen erben. Ihre Tante wusste, dass dieses Haus ein Fulltimejob sein wird. Da sie sehr sparsam war, hat sie einiges an Geld anhäufen können.“ „Ok. Aber warum ich, und warum fordert keiner seinen Pflichtanteil?“ „Die Familienmitglieder sind alle schon abgefunden worden. Das hat ihre Tante schon im Laufe der letzten Jahre erledigt. Auch ihre Eltern.“ „Warum haben sie nichts erzählt. Versteh ich nicht.“ „Das werden sie wohl mit ihnen klären müssen. Ich verlese jetzt das Testament.“ Ich saß in einem äußerst bequemen Sessel, den ich dem Notar gerade mal abkaufte. Er war etwas überrascht, aber nicht zögerlich. „Nehmen sie das Erbe ihrer Urgrosstante Ernestine Anges an?“ Ich brauchte nicht lange zu überlegen, das klang nach einem Abenteuer. Warum sollte ich nicht? „Ja, ich nehme das Erbe an.“ „Sehr schön, dann übergebe ich ihnen die Schlüssel, die Unterlagen, den Brief und einen Lageplan. Sie können sofort einziehen. Es gibt einen Hausverwalter, der sich seit dem Ablegen gekümmert hat und auch vorher schon einige Reparaturen für ihre Tante erledigt hatte.“ „Sehr schön. Ich bin sehr aufgeregt und bedanke mich erst mal. Wenn ich noch Fragen habe, darf ich mich an sie wenden?“ „Natürlich, so fern ich ihnen helfen kann, bin ich immer da. Wenn sie mögen, würde ich mich auch als ihr Notar anbieten?“ „Ja, gerne.“ Somit verabschiedete ich mich von Herrn Herold.

Am Auto angekommen saß ich erst mal ein paar Minuten und atmete tief durch. Ich war Hausbesitzerin. Ich würde bald  die Reise starten. Da war noch einiges zu erledigen. Keine Minute wollte ich mehr hier bleiben. Ich hatte mich noch nie in der Stadt wohlgefühlt. Ich kündigte meine Wohnung und meine ungeliebte Arbeit. Leierte eine Auflösung meines Hausstandes an und war zwei Wochen später mit meinen wenigen wichtigen Habseligkeiten unterwegs in den Schwarzwald.

Ich fand den Weg sofort. Es war als würde mich ein unsichtbarer Faden dorthin ziehen. Den Brief meiner Tante wollte ich erst im Haus öffnen. Ich hatte irgendwie das Gefühl, dass dies der einzig wahre Ort war, in dem er gelesen werden sollte. Ich hatte im Internet versucht etwas über meine Tante und ihr Haus heraus zu finden. Aber es gab nicht so viel Einträge. Manchmal wurde sie erwähnt, wenn sie im Zoll Probleme mit ihren Artefakten bekam, aber ansonsten gab es nicht viel. Das Haus war schon sehr alt. 1695 wurde es von einem Fabrikanten gebaut. Aber sonst gab es nichts Außergewöhnliches.

Es gab eine kleine Auffahrt und dann stand ich vor meinem Haus. Es war wirklich riesig. Die Fassade war schon sehr mitgenommen. Grau und teilweise sogar schwarz. Aber ich mochte es und würde bestimmt nichts ändern. Das machte den Charme dieses Hauses aus. Was sollte ich mit so einem riesigen Haus anfangen? Ein Hotel? Wir würden sehen. Ich wühlte in meiner Tasche nach dem Schlüssel. Es war noch so ein richtig alter mit einem tollen Bart. Ich steckte den Schlüsseln ins Schloss und drehte ihn um. Das Schloss war geölt, die Scharniere nicht. Die Tür gab einen tiefen ächzenden Ton von sich, als ich es aufdrückte. Eine große Vorhalle empfing mich kalt. Ich hatte den Grundriss studiert und wusste ungefähr wo sich die ganzen Zimmer befanden. Ich suchte als erstes die Küche auf. Dort fand ich auch, wie erwartet, Holzscheite. Sofort entschloss ich mich ein gemütliches Feuer in dem nostalgischen Ofen zu machen. Dann machte ich mich auf den Weg die Bibliothek aufzusuchen. Das würde ganz bestimmt mein Lieblingszimmer werden. Ich öffnete die Tür und stand vor gefüllten Regalen. Bis zur Decke. Ich überflog die Titel. Und ich stutze. Das waren alles Okkulte Bücher. Geister, Mumien, Werwölfe, Vampire. Nun, ich mochte dieses Thema ja auch. Also war ich schon auf einer Wellenlänge mit meiner Tante. Auch hier schürte ich schnell ein Feuer. Dann ging ich weiter. Ich begab mich nach oben um mir ein Zimmer auszusuchen. Ich wandte mich nach links. Da war eine wunderschön verzierte Tür mit zwei Flügeln. Ich drückte sie auf und fühlte mich wie Sissi. Ein wunderschönes Zimmer empfing mich. Ein Himmelbett mit wunderschönen Vorhängen und antike Möbel. Ich war eine Prinzessin. Ich stürmte auf das Bett zu und warf mich hinein. Die Matratze verschluckte mich und ich wollte nie wieder aufstehen. Wiederwillig verließ ich das bequeme Bett und setzte mich an einen Sekretär. Jetzt erst bemerkte ich, dass es hier schon warm war. Ich blickte mich um und sah ein Feuer im Kamin prasseln. Seltsam. Vielleicht war er Verwalter schon hier gewesen und hatte mir ein Feuer gemacht. Aber ich hatte mich gar nicht angekündigt. Egal, das würde schon stimmen. Ich würde jetzt den Brief meiner Tante öffnen und sehen, was sie denn vorhatte.

Liebste Lissi.

Du wirst dich bestimmt wundern, dass du mein Haus geerbt hast. Mittlerweile dürftest du wissen, dass ich als verschroben gelte. Verrückt und eine Einsiedlerin wurde. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Familie mich verschwiegen hat. Vielleicht sogar aus der Familienbibel gestrichen?

Es gab eine Familienbibel? So was.

Ich will dich nicht zu lange aufhalten. Du wirst das Haus erkunden wollen. Es gibt wenig Regel in diesem Haus. Nur! Achte drauf wo du hingehst. Jedes Zimmer ist bewohnt.

Bewohnt? Hä?

Ja, du liest richtig. Dieses Haus ist nicht unbewohnt. Aber ich denke Richard wird dir noch bisschen erklären können. Ein hübscher junger Knabe, der mir hier sehr oft geholfen hat. Dieses Haus ist was besonders. Ich habe viele Artefakte in Laufe meines Lebens gerettet. Und jedes Artefakt hat einen Bewohner. Sie waren alle in Gefahr. Wenn sie in ein Museum, oder einer anderen Privaten Sammlung gelandet wären, hätte das übel enden können. Hier in dem Haus ist alles abgesichert. Die Menschen außerhalb und die Bewohner hier drinnen. Ich empfehle dir dich erst mal einzurichten und auf Richard zu warten. Er wird dir Näheres erklären. Ein wirklich adretter Bursche. Solltest du noch ledig sein….meinen Segen hast du.

Sie war witzig. Ich hätte sie gerne kennen gelernt.

Ach ja, warum habe ich dich erwählt? Ich war es nicht. Die Geister dieses Hauses haben dich gewählt. Das hier ist ein Familienunternehmen. So zu sagen. Ich bin die erste in dieser Reihe und hoffe, dass du dieses Unternehmen ehrenvoll weiterführen wirst.

Unbekannter Weise umarme ich dich und wünsche dir so viel Spaß in diesem Haus wie ich hatte. Und glaub mir. Es wird manchmal spaßig, manchmal gruselig und auch nervig. Aber du wirst es lieben.

Ich verabschiede mich und übergebe dieses Haus vertrauensvoll in deine Hände ,meine Liebe Nichte.

Ernestine Anges.

HÄ? Ich war bisschen überfordert. Ich würde wohl auf diesen adretten Richard warten müssen. Er würde mich durch diese, wie nannte der Notar es? Zeitkapsel führen.

Am nächsten Morgen wachte ich von dem Geruch frisch aufgebrühten Kaffees und Croissants auf. Ein Tablett stand neben meinem Bett. Sogar eine Rose war darauf. Dieser Richard war seltsam. Ich genoss mein Frühstück. Dann stand ich auf, bereit das Haus zu erkunden. Ich würde nicht warten. Wenn Richard auftauchte, gut, wenn nicht auch egal.

Ich startete mit dem Dachboden. Es war ein Aufgang mit richtiger Treppe. Ich öffnete die Tür und erschrak sofort. Vor mir stand eine Mumie. Fast wäre ich rückwärts wieder runter gefallen. Dann musste ich lachen. Ja, jetzt verstand ich den Witz mit der Zeitkapsel. Ich konnte mir vorstellen, dass manche Artefakte die meine Tante mitbrachte nicht ganz so legal hier waren. Ich schob die Mumie beiseite und begann meinen Rundgang. Ein Sarg. Der Sarkophag der Mumie. Eine alte Öllampe wie aus Aladdin. Es fanden sich noch viele andere Dinge, die ich noch nie gesehen hatte. Hinter mir raschelte es. Ich schreckte auf und drehte mich um. Die Mumie stand in meine Richtung. Es sah aus, als würde sie mich beobachten. Ich schüttelte meinen Kopf und ging weiter. Ein Schaukelstuhl stand am Fenster. Ich musste irgendwie dran gekommen sein. Er wackelte. Ich wollte ihn stoppen, da bekam ich einen Schlag auf die Hand. Vor mir verfestigte sich eine Figur. Ich stand mit offenem Mund da und konnte nicht mehr atmen. „Hände weg, das ist meiner. Ich habe ganz schön kämpfen müssen um den zu bekommen. Du bist ein Mensch, du kannst dir einen eigenen besorgen. Was glotzt du denn so. Hat Ernestine dich nicht auf uns vorbereitet? Morphi sie weiß wohl nichts von uns.“ Ich drehte mich um und erschrak. Die Mumie stand direkt neben mir. „Hallo.“ Ein staubiger Ton entwich seinen verbunden Lippen. Und ich fiel in Ohnmacht.

„Hättet ihr nicht bisschen einfühlsamer sein können? Sie muss euch doch erst kennen lernen.“ „Aber sie wollte meinen Schaukelstuhl. Irgendwo sind doch Grenzen. Schließlich hat sie schon ein Frühstück und Feuer von mir bekommen. Aber beim Stuhl hört es echt auf. Warum bist du so spät Richard? Du hättest da sein sollen, bevor sie hier anfängt zu stöbern.“ „Ja ich weiß. Aber ich wurde aufgehalten. So ist das halt in der Menschenwelt.“ „Ja, ja reib es uns nur rein, dass wir hier gefangen sind.“ „Nicht gefangen, sicher. Ihr wisst, dass ihr fast alle schon gefangen wärt wenn Ernestine euch nicht aufgenommen hätte. Und jetzt ist Lissi an der Reihe. Schließlich hat das Orakel sie ausgewählt.“ „DA! Sie ist wieder wach.“ Ich blinzelte und sah in ein nettes bisschen verknautschtes Männergesicht. „Hi, ich bin Richard.“ „Hi, ich bin Lissi und glaube träume.“ „Äh, nein leider nicht. Das hier ist die Realität. Also wenn man es Real nennen kann. Du wirst hier noch einiges Seltsames erleben. Komm ich helfe dir erst mal auf und wir gehen in die Bibliothek. Frank? Kannst du uns einen Kaffee und Kekse besorgen?“ Ich drehte mich zum angesprochenen um und wollte nicht mehr leben. Frank – Frankensteins Monster? Nein. Ich blickte zu Richard und er hob entschuldigend die Schultern. „Komm mit ich erkläre dir einiges.“

In der Bibliothek setzte ich mich in meinen, schon angelieferten Sessel. „Dann leg los, ich bin ganz Ohr.“ „Ich weiß nicht was Ernestine dir schon mitgeteilt hat.“ „Auf keinen Fall Frankensteins Monster.“ „Äh, ja dann wohl auch nicht Dracula und den Geist in der Flasche. Nun. Sie hat diese Figuren alle gerettet. Sie waren vor der Entdeckung und wären dann in Laboren gequält worden. Leider gibt es einige, die sie nicht retten konnte. Aber den meisten konnte sie ein Zuhause bieten. Aber sie brauchen Wächter. Also dich. Und mich als rechte Hand.“ „Okay. Ich hab ja schon was Schräges erwartet, aber so was im Leben nicht. Wie soll das jetzt hier ablaufen?“

„Nichts Besonderes. Wir sind eigentlich nur da um aufzupassen, dass hier kein ungebetener Gast auftaucht. Die Hexe schläft noch, sie hat einen Schutzzauber verhängt, dass keiner rein und auch keiner raus kann. Außer wir. Wir werden hier leben und happy Family spielen.“ Ich sprang auf. „Gut. Ich bin bereit. Das wird toll, oder?“ „Ähm. Ja.“ Und schon hörte ich ein gepolter und Porzellan das zerbrach. Gut. Es würde eine Herausforderung werden. Aber ich fühlte mich dem voll und ganz gewachsen. Ich würde die Hausmutter einiger der berühmtesten Fabelwesen werden. Und der adrette Richard würde mich unterstützen. Ich war wirklich sehr gespannt auf mein neues Leben.

Ende

Schreibkicks

Schreibkicks – Verwunschene Dörfer

Im Moment bin ich wirklich sehr romantisch – gut auch oft gruselig-brutal – aber diese romantische Ader ist etwas erstaunlich. Bin ja eigentlich nicht so die Romantikerin. Hier habe ich wieder eine längere Geschichte. Ich hoffe es ist nicht zu lange.

Das Thema für den 1.11.18 lautete Herbstmomente

Mit dabei waren dieses Mal:


Ich hab mir hier bisschen künstlerische Freiheit gegönnt. Eigentlich wird die Zeit auf den Februar festgelegt – ich finde es passt besser in den Herbst.


Ich bin Parapsychologin. Ein belächelter Studienzweig und auch nicht so einfach einen Platz darin zu bekommen. Die Einschreibeliste ist ellenlang. Also man muss schon wirklich Glück haben. Ich hatte es und mein Mentor – Professor Pan – ja ich weiß wie sich das anhört. Vielleicht ist er es. Mich würde es nicht wundern. Er ist auf jeden Fall eine Koryphäe auf diesem Gebiet. Ungeschlagen –vielleicht sind noch in den USA vergleichbar gute Wissenschaftler da – aber hier in Deutschland – Professor Pan. Ich erforsche also ganz wild übersinnliche Phänomene. Wobei sich herausstellt, dass die meisten Einbildungen oder Humbug sind – oder sogar Betrügereien. Wobei die Betrügereien mittlerweile wirklich abgenommen haben, da die Menschen zu skeptisch diesen Phänomenen gegenüber geworden sind. Keiner glaubt mehr so richtig an das Übersinnliche.

Ich schon – deswegen habe ich ja auch Parapsychologie studiert. Ich stehe jetzt vor meiner Doktorarbeit. Und ich will das Phänomen Brigadoon erkunden. Die Hundert Jahre sind fast vorbei. Es wird also Zeit nach Schottland zu fahren und mehr darüber heraus zu finden.  Parallel dazu will ich die Legende von Germelshausen stellen. Freude gegenüber dem Bösen.

Laut der schottischen Legende ist Brigadoon ein Dorf in den Highlands. Es ist unsichtbar und taucht alle hundert Jahre für einen Tag auf. Das ist ein Tag der Freude und des Festes. Man kann es dann besuchen und wenn man die wahre Liebe findet auch dort verweilen. Nur darf nie einer der Bewohner das Dorf verlassen – ansonsten ist der Zauber gebrochen und das Dorf verschwindet für immer im Nebel. Ach wie romantisch.

Während Germelshausen als Ort des Bösen bekannt wurde. Es soll bei Dillstedt liegen. Auch dieses verwünschte Dorf erscheint einen Tag alle hundert Jahre. Eine Glocke soll den Weg weißen. Wenn man in der Nähe sei, sollen die Glocken einen in seinen Bann ziehen und in das Dorf locken. Betritt man das Dorf wurde man nie wieder gesehen. Böse Mächte sollen hier ihr Unding treiben. Allerdings gibt es eine Sage, dass hier die Liebe einen jungen Mann gerettet hat.

Ich wollte einfach die beiden Phänomene nebeneinander stellen und vergleichen. Brigadoon – das freundliche und friedliche Dorf, das Liebende betreten können und Germelshausen, das Unbedarfte in seine dunklen Fänge lockt. Bei beiden wird getanzt und gesungen und gefeiert.

Ich hatte gelesen, dass Brigadoon eher im Frühling und Germelshausen eher die düsteren Herbstmomente nutzt und da auftaucht. Noch war ich mir nicht bewusst, wie ich das gestalten würde. Aber die Highlands wollte ich schon immer mal sehen.

In wenigen Wochen würde ich also Brigadoon suchen. Ich war sehr aufgeregt.

Endlich war es soweit. Ich stand in den Highlands – hier sollte Brigadoon auftauchen. Ich hatte mich vorbereitet. Ein Zelt und genügend Vorräte sollten mir die Wartezeit verkürzen. Ich ging meine Unterlagen durch und wartete. Eine Woche später merkte ich eine Veränderung. Ich erhob mich und blickte durch die Gegend. Dort hinten – da schimmerte etwas. Ich hielt den Atem an. Eine Brücke erschien im Nebel. Ich konnte es nicht glauben. Musik drang an mein Ohr. Schnell rannte ich auf die Brücke zu. Brigadoon. Es gab es wirklich. Ich sprintete über die Brücke, als ich abrupt zum Stehen kam. Ich war nämlich genau in die Arme eines jungen Mannes gestürmt, der mich auch prompt auffing und einmal herum wirbelte. „Hallo. Das ist aber mal eine stürmische Begegnung. Wohin so schnell?“ „Oh, Entschuldigung. Ich war nur so außer Häuschen, dass Brigadoon auftaucht. Das es Brigadoon überhaupt gibt.“ „Warum soll es uns nicht geben? Es gibt uns schon sehr, sehr, sehr lange.“ „Ja aber ihr erscheint nur alle hundert Jahre.“ „Ach dieses Ammenmärchen. Das haben wir schon öfter gehört, aber wir sind doch immer da.“ „Vielleicht – aber nicht für uns Außenstehenden Sichtbar.“ Er blickte mich verständnislos an. „Ach, egal. Darf ich kommen?“ „Klar, warum nicht. Wir fangen gerade mit unserer Party an. Komm ich bringe dich zu unserem Dorfältesten, unser Oberhaupt.“

Ich war so aufgeregt, dass ich wie ein kleines Mädchen hinter ihm hersprang. Das Dorf war so malerisch. Alles wirkte so alt und hübsch. Auch der Mann, dem ich folgte. Seine Kleidung war so altmodisch. Es war einfach klasse hier. „Wie heißt du?“ Fragte ich ihn. „Arnold.“ Welch ein seltsamer Zufall. Arnold hieß auch der gerettete junge Mann aus Germelshausen. Sollte da eine Verbindung bestehen? Oder war es einfach Zufall. Gab es in der Parapsychologie überhaupt Zufälle? „Wie heißt du?“ fragte er mich. Gertrud – ja – ich weiß Zufälle und so. Vielleicht – vielleicht.

Er blieb vor einem Haus stehen und klopfte. „Herein.“ „Magnus? Wir haben einen Gast.“ Er drehte sich schnell um. „Wir hatten schon lange keinen Gast mehr. Herein, herein. Willkommen.“ „Gertrud.“ „Ah – Deutsche. Schön, dass du da bist. Setz dich.“ Ich drehte mich zu einem Stuhl um und setzte mich. „Was führt sie hier her?“ „Sie wissen doch bestimmt warum ich da bin?“ „Ich kann es mir denken. Welches Jahr haben wir? Ich hab den Überblick verloren.“ „“2018“ „Ach, was ist die Zeit doch vergangen. Ja – sie sind wegen der Legende da. Natürlich. Vor hundert Jahren war das noch ein Zufall, dass wir entdeckt wurden – aber heute kann ich mir vorstellen, dass sich viel modernisiert hat. Wollen sie mir von ihrer Welt erzählen, dann erzähle ich von meiner.“ „Ok.“ Ich fing an ihm zu umreißen was die letzten hundert Jahre so passiert war und modernisiert wurde. Er staunte und gab oft Geräusche des Erstaunens von sich. Arnold sah aus wie ein Fragezeichen. „Das ist erstaunlich. Gut, jetzt bin ich dran. Ich bin etwa 500 Jahre hier.“ Ich staunte. „Sie sind nicht hier geboren?“ „Nein. Ich bin der Liebe wegen geblieben. Meine Frau ist in der Kirche um das Fest vorzubereiten. Wir treffen sie später. Wie sie ja wissen waren wir verflucht und Gott hat uns gerettet – aber mit der Auflage einmal alle 100 Jahre zu erscheinen und unverändert zu bleiben.“ „Ja, so besagt es auch meine Unterlagen, die ich gefunden habe.“ „Immer wieder kommt jemand mal zu uns. Manche bleiben, aber nur aus Liebe – andere Gründe duldet das Dorf nicht – oder sie gehen und tragen diese Legende aus.“ Wir unterhielten uns noch einige Zeit. „Jetzt wird es aber Zeit zum Dorfplatz zu gehen. Sie bleiben doch noch bisschen?“ „Ja natürlich. Ich kann es nicht abwarten den Rest zu sehen.“ Arnold nahm mich bei der Hand. Leichtes kribbeln machte sich breit. Er war wirklich ein gut aussehender Mann. Wir tanzten die ganze Nacht. Und ich verlor mein Herz. Etwa eine halbe Stunde vor Mitternacht kam Magnus zu mir. „Gertrud – es wird Zeit sich zu entscheiden. Gehen oder bleiben?“ Ich schaute nach Arnold. Ich hatte mich verliebt – aber reichte es aus für immer und ewig hier zu bleiben? Meine ganze Zukunft und Forschung über Bord zu werfen? „Wie soll ich mich entscheiden? Ich mag Arnold – aber ich will auch nicht meine Zukunft weg werfen.“ „Du zweifelst – zweifeln darfst du nicht. Komm, ich bringe dich an die Stadtgrenze. Dort wird dir die Entscheidung einfacher fallen. Du musst sie ganz alleine treffen.“ Dann stand ich an der Grenze. Es war nur noch wenige Minuten bis Mitternacht. In der Mitte der Brücke blieb ich stehen. Ich blickte mich um. Arnold stand dort. Ich war hin und her gerissen. Liebe oder Arbeit. Ich blickte mein Notizbuch an und ging langsam rückwärts die Brücke hinunter in meine Welt. Dann schlug die Uhr. Beim letzten Schlag hatte ich mich entschieden und die Brücke verlassen. Mein Arnold blickte traurig und verschwand im Nebel.

In diesem Moment wusste ich, es war die falsche Entscheidung. Mein Herz brach. Ich brach.

Monate später – ich hatte mich in die Arbeit vertieft um mich abzulenken. Der Herbst stand vor der Tür. Ich wollte alles aufgeben – aber ich hatte viel geopfert für diese Arbeit. Also packte ich wieder mein Zelt und machte mich auf den Weg nach Thüringen. Der Wald hatte schon sein herbstliches Gewand angelegt und die Stimmung die das goldene Licht warf, beruhigte mich. Ich kam noch nicht mal dazu mein Zelt aufzubauen, da hörte ich die Glocken. Verstimmt und unmelodisch lockten sie mich in ihren Bann. Ich ging wie aufgezogen. Dann lichtete sich der Wald – Germelshausen. Ich übertrat die Schwelle und wurde sofort eingefangen von einer Gruppe Jugendlicher. „Hallo schöne Maid. Ihr seid hübsch, wenn auch seltsam gekleidet.“ Ich war seltsam gekleidet? Die Trachten, die getragen wurden kannte ich noch nicht mal. So alt mussten sie sein. „Kommt, kommt. Ihr seid heute genau richtig angekommen. Heut wird gefeiert – bis wir wieder bereit dazu sind. Kommt zu unserem Schulzen. Er wird euch empfangen wollen.“ Ich ließ mich von ihnen mitziehen. Mein erster Eindruck von diesem Dorf war ernüchternd. Es wirkte verfallen und düster. Die Scheiben waren Blind und die Häuser verfallen. Die Menschen auf der Straße grüßten nicht und guckten mich noch nicht mal an. Ein dunkler Nebel verschluckte die Straße. Ich betrat das Haus des Schulzes. Er war nicht so erfreut mich zu sehen. Aber er hieß mich willkommen. „Kommt junge Frau. Esst, trinkt und feiert mit uns später. Es gibt eine Feier zu ehren diesen Tages. Bis wir wieder feiern können, dauert es einige Zeit.“ „Ja ich weiß – hundert Jahre.“ Er blickte mich erstaunt an und dann böse. „Ihr wisst über dieses Dorf bescheid?“ „Ja. Aber es gibt nicht viel Überliefertes. Deswegen bin ich hier. Ich will mehr erfahren.“ „Es gibt nichts zu berichten. Meine Tochter wird sich um euch kümmern. Tut uns den Gefallen und feiert mit uns.“ „Gut, das will ich tun.“ Die Tür öffnete sich und ein hübsches Mädchen in grauen Kleidern erschien. „Kommt mit mir, ich will euch vorbereiten.“ Mich vorbereiten? Das klang bedrohlich. Ich hatte schon Geschichten gehört. Menschen, die dieses Dorf betraten, sollen nie wieder gesehen worden sein. Mir wurde etwas mulmig zu mute. Hatte ich mich hier übernommen und würde hier meinem Schicksal begegnen. Ich dachte an Arnold und mein Herz schmerzte. Eine kleine Träne stahl sich aus meinem Augenwinkel. „Warum weint ihr?“ Fragte mich das Mädchen. „Wie ist dein Name?“ „Annalena“ sagte sie schüchtern. Ich berichtete ihr von Brigadoon und Arnold. „Ihr liebt diesen Mann?“ „Ja – ich liebe ihn und habe mich falsch entschieden. Wenn ich nur die Chance hätte – aber ich werde keine hundert Jahre leben und wenn wäre ich eine alte Frau.“ Sie blickte mich traurig an. „Kommt lasst uns feiern gehen.“ Ich folgte ihr. Wir tanzten und tanzten – ich kam mir vor wie in Trance. Und ich wurde trauriger und trauriger. Die Leute hier waren kalt und abweisend. Sie sangen, tanzten, lachten – aber es wirkte aufgesetzt. Dann spürte ich eine kleine Hand, die sich in meine Schob. „Kommt mit mir.“ Sagte Annalena „Aber seid vorsichtig, dass uns keiner sieht.“ Ich folgte ihr unauffällig. Sie brachte mich an die Dorfgrenze. „Geht. Wenn ihr jetzt nicht geht, könnt ihr nie wieder von hier fort. Und hier ist es nicht schön. Eure Seele wird hier gequält und festgehalten. Wo ihr doch einen Ort habt in der ihr Glücklich werden könnt. Geht nach Brigadoon und betet. Betet, betet, betet. Vielleicht erhört euch jemand und ihr werdet eine Überraschung erleben. Lebt wohl, liebe Gertrud, vergesst mich nicht – hier in dem verfluchten Dorf, aus dem nie einer wieder entkommen kann.“ Und schon verdichtete sich der Nebel. Sie war verschwunden. Im Hintergrund konnte ich die letzten Schläge der verstimmten Glocke hören und schon war das Dorf weg.

Schnell rannte ich zurück zum Auto. Ich packte alles hinein und fuhr Richtung Schottland.

Und hier stehe ich jetzt. Meine Notizen habe ich fertig – ich lasse sie im Auto – für euch. Ich stehe an dem Flecken, den ich damals sah. Ich bete und bete und bete. Ich gebe nicht auf. Ich entschuldige mich und warte. Nichts geschieht. Aber ich will nicht aufgeben. Ich bete. Und auf einmal erscheint eine Brücke. Magnus steht drauf. „Gertrud. Komm schnell. Die Zeit ist knapp. Dieses Wunder geschieht nur sehr, sehr selten. Dein Gefühl muss wirklich sehr tief und innig sein. Komm, komm. Sei Willkommen bei uns. Du musst besonders sein.“ Ich rannte und warf mich in seine Arme. „Ach Magnus – ich war so betrübt über meine Entscheidung.“ Dann sah ich ihn. Er stand am anderen Ende der Brücke. Ich löste mich von Magnus und rannte schleunigst in seine Arme. Meinen Seelenverwandten. Auch hier war jetzt Herbst und das goldene Herbstlicht tauchte mich und Arnold in einen heiligen Schimmer. Wir waren vereint. Nie wieder würden wir uns trennen, für alle Ewigkeiten. Das war ein ganz besonderer Herbstmoment, den ich wirklich jedem wünsche.

Ende.

Quellen

(https://www.glenlaurel.com/about-us/blog/the-legend-of-brigadoon)

(http://www.ancientpages.com/2016/11/02/legend-of-brigadoon-mythical-village-where-time-stands-still/)

http://gutenberg.spiegel.de/buch/germelshausen-5680/1

https://de.wikisource.org/wiki/Th%C3%BCringer_Sagenbuch._Erster_Band/Das_verw%C3%BCnschte_Dorf