Schreibkicks

Schreibkick #56 – Kalter Kaffee – Willkommen zur Monstersafari

Dieses Mal habe ich es nicht so pünktlich geschafft zum 1. Das Thema der Schreibkicks war:

„Kalter Kaffee“. 

 

Mit dabei waren diesmal

Nicole
Veronika

Das Thema für den 01.09.2018 ist: warme Limonade

Quelle

Ich war noch nie der gejagte, immer der Jäger. Mein Job – Monsterjäger. Sie glauben nicht an Monster? Wie ist das unter ihrem Bett, oder in ihrem Wandschrank, oder gar im Keller? Glauben sie wirklich, das sind Hirngespinste aus ihrer Kindheit? Neihhn. Als Kind ist man nur empfänglicher für ihre Schwingungen. Als Erwachsener winkt man das einfach ab. Haben sie sich noch nie über die vielen sonderbaren Todes- oder Vermistenfälle gewundert? Monsterfutter!

Aber jeder Monsterjäger braucht einen Insider. Ich habe also mein eigenes Monster. Es ist mir als, ich nenne es mal Monsterwelpe, über den Weg gerollt. Es sieht so fluffig aus, könnte sie aber mit einem Biss töten. Meistens sieht es aus wie ein flauschiger Kugelfisch mit Stummelbeinen. Ich nenne ihn Barney. Wenn ich ihn nicht füttere, oder ihm zum Jagen rauslasse, muss ich Angst um meine Körperteile haben. Als er ein kleines Monster war, bin ich irgendwann mal wach geworden, da ich Schmerzen an der Wade hatte. Ja, da hing Barney an ihr und fing an sich durch die Haut zu nagen.

Er liebt kalten Kaffee. Den trinkt er literweise. Kalter Kaffee – na ja. Jedem das seine. Man sollte meinen, dass ein eigenes Monster zu haben unheimlich nützlich sei. Ja normal ist das auch so, aber nicht bei Barney. Barney ist…ein Eigenbrötler. Er hält sich für einen Musiker. Äh. Was er spielt, geht nicht mal als Jazz durch. Aber es beruhigt ihn, und mich entspannt ein ruhiger Barney. Er kann auch anders.

Wo war ich? Ach ja. Ich bin also ein Monsterjäger. Trotzdem viele ihre Existenz noch immer nicht wahr haben wollen, wurden sie von der Regierung anerkannt. Wir sind also jetzt staatlich anerkannte Monsterjäger, und werden noch schlechter bezahlt, als wenn man Privat unterwegs ist. Deswegen gibt es jetzt Monstersafaris. Finde ich persönlich abartig, aber es ist legal. Ich mache nur mit, um zu verhindern, dass unschuldige Monster von diesen Möchtegern Monsterjägern erschossen werden. Wir Profis haben dafür schon einige Zerstörer gefangen und halten sie in einem ausbruchsicherem, nicht erkennbaren Gehege. Heute war wieder so ein Safaritag. Ich quälte mich aus dem Bett, ging in die Küche, schenkte mir Kaffee ein – Bäh! Kalt – „Barney. Warum ist mein Kaffee kalt? „Ist heiß draußen, hab Eiswürfel rein – sehr lecker.“ Ich stöhnte und trank einfach die kalte Plörre.

Es war zehn Uhr. Keine Uhrzeit für mich. Ich bin eher der Nachtmensch. Aber diese Safaris wollten immer früh starten. Also machte ich mich frisch und verließ mit Barney das Haus. Mein alter Honda Accord hatte schon so einige schleimige Attacken miterlebt. Aber er schnurrte immer noch. Manchmal ruckelte er zwar verdächtig, aber wir beide waren noch nicht bereit für den Ruhestand. Oder, sagen wir es mal so – der Ruhestand konnte noch nicht finanziert werden. Am Ziel angekommen scharrten sich die Schönen und Reichen schon wie eine Horde Lämmer zusammen. Sie bekamen von Rob, dem Chef, schon ihre Sicherheitsunterweisung. Sehr gut, ich hasse es, wenn diese Aufgabe mir zufällt.

Ich betrachte die Gruppe, und vorverurteile die Leute schon. Es gibt immer einen Maulhelden, einen Nerd und mindestens ein zickiges Weibchen. Ich blickte in Robs genervte Augen und grinste. Barney setzt sich mit seiner Thermoskanne in den Schatten und trinkt genüsslich seinen Kaffee, während er das Schmierentheater mit den Safaritouristen beobachtet. Ich konnte erkennen, dass er was ausheckte. Barney liebte es, die Menschen zu erschrecken. Besonders die Frauen hatten es ihm angetan. Sie schmeckten so gut. Ihre Cremes, Seifen Parfums kreierten ein besonderes Aroma – außerdem quiekten sie so herrlich. Es konnte also immer mal vorkommen, dass er eine umrannte und ableckte. Das anknabbern hatte ich ihm strengstens verboten. Das kam nicht immer so gut, bei den Gästen an. Hahaha.

Die Leute meiner Gruppe stiegen in den Safaribus. Wir würden etwa fünfundvierzig Minuten zum Jagdgebiet fahren. Heute waren alles Anfänger, die würden wir in ein leichtes Gehege fahren. Ein munteres Gequatsche, das meine Nerven noch mehr zum Zerreißen anspannten, erhob sich während der Fahrt. Ich hatte mir abgewöhnt zuzuhören, da es meist eh nur die Prahler waren, die irgendwelche haarsträubenden Geschichten erzählten.

„Verehrte Jäger, „ ich hörte ein leises Glucksen aus Barneys Ecke. „Wir sind an unserem heutigen Ziel angekommen. Erinnern sie sich bitte an die Sicherheitsvorschriften. Und gehen sie keine unnötigen Risiken ein. Bleiben sie bitte immer in meiner Sichtweite und stellen sie das Reden ein. Vielen Dank und eine erfolgreiche Jagd.“

Quälend langweilige Stunden verrannen wie Sirup, der von einem Löffel tropfte. Ab und zu zeigte sich immer wieder eines der kleinen Monster, die hier keinerlei Gefahr liefen erschossen zu werden. Diese Truppe war unterirdisch schlecht im Schießen.

Ich sah gerade zu Barney, der sich an eine der top gekleideten Zicken heranschlich. Er sah fluffig aus, wenn er wollte. So bisschen lebensmüde war er ja schon. Ein richtig platzierter Schuss und es wäre aus. So manchen Streifschuss hatte er schon kassiert. Aber heute wäre das wohl ungefährlich. Er verwandelte sich gerade in ein Gremlin, dass nach Mitternacht gefüttert wurde, als er plötzlich innehielt. Auch ich vernahm ein sonderbares Geräusch. Mein Walkie-Talkie knackte: „Mark? Code Red. Wir haben einen Ausbruch aus Sektor eins.“ Sektor eins. Da waren die wirklich bösen Monster verwahrt. Nicht für Safarianfänger geeignet. Da kamen nur Vollprofis und wir hin. Wir trainierten dort den Ernstfall.

„Verdammt!“ Ich schoss in die Luft, um meine Gruppe aufmerksam zu machen. „Leute, schnell ins Auto. Es gab einen Zwischenfall. Gefährliche Monster haben sich auf den Weg hier her gemacht. Denken sie an die Sicherheitsunterweisung und begeben sie sich zum Fahrzeug.“ Ich hätte auch zu blökenden Schafen reden können, die hätten mir eher zugehört. Es kam wie es kommen musste, die Gruppe erwachte, fing an zu grölen und begab sich auf Monsterjagd. Sie ließen mich einfach stehen. Ich glaube, ich brauche nicht zu erwähnen, dass das nicht gut ausgehen konnte. Schon brach aus dem Gebüsch, das erste bösartige Monster aus. Es sah schon recht furchterregend aus. Die Frauen schrien, die Männer grölten. Und das Monster richtete sich nach dem Lärm aus. Ich glaube ich hatte schon erwähnt, dass Barney fluffig, aber tödlich ist? Heute bewies er mir dies, seit langer Zeit, mal wieder. Er stürzte sich auf das heranbrechende Monster, schlug seine Zähne in dessen Kehle, riss und zerrte bis das Monster umfiel. Es war tot. Jetzt sollte man seine Augen abwenden und ich unterlasse auch die genaue Schilderung der weiteren Ereignisse. Nur so viel – Barney war sehr hungrig.

Währenddessen verlor ich meine Gruppe. „Mark an Rob. Ich brauche Unterstützung. Meine Gruppe ist Out of Control.“ „Ich habe schon ein Team geschickt. Schau nur, dass diese Idioten nicht gefressen werden.“ „Das ist leicht gesagt. Die sind schlimmer als ein Sack Flöhe.“

Schon brach das nächste Monster aus dem Dickicht. Oh einer Meiner. Den hatte ich vor etwa zwei Jahren gefangen. Eine tiefe Narbe hatte ich davon behalten und miese Alpträume. „Hallo, alter Kumpel – so sehen wir uns früher als erwartet. Ich dachte ich könnte noch bisschen mit dir üben, bevor ich dich erlöse.“ „Marrrrk.“ Raunte das Monster und seine Augen glühten orange, wie glühende Kohle. „Endlich komme ich zu meiner Rache.“ „Dann lass uns tanzen.“ Kaum hatte ich das ausgesprochen, stürzte das haarige Ungetüm auf mich zu. Ich stürmte ihm mit meiner Machete entgegen und er mir, mit seinen messerscharfen Krallen. Es war ein recht ausgeglichener Kampf. Ich war recht gut in Form und wich aus, parierte, schlitzte. Aber auch mein Gegner war Fit. Bösartige Monster waren immer Fit. Das musste das Böse in ihnen sein.

Im Augenwinkel sah ich Barney, uns zusehend und genüsslich etwas blutiges knabbern. Er hatte ja schon seinen Einsatz, das reichte ihm. Das Monster und ich kugelten durch die Gegend, dann erwischte mich ein Krallenhieb und riss mir meine Schulter auf. Ich glaube ich konnte den abgenutzten Knorpel erkennen. Mir wurde schwarz vor Augen und kurz bevor ich Ohnmächtig wurde, erhob sich Barney, stürzte sich auf meinen Gegner und tötete ihn mit einem Hieb. Warum hatte er mich kämpfen lassen? „Na du musst doch deinen Ruf wahren, aber nicht sterben. Ich habe keine Lust mir ein neues Zuhause zu suchen. Also reiß dich zusammen. Steh auf, schüttle den Staub ab und weiter geht es. Komm ich spucke dir mal auf die Wunde.“ Gesagt, getan und schon hatte er mich angespuckt. Es war echt eklig, aber ihr Speichel hatte einen schmerzstillenden und desinfizierenden Effekt. Es schmerzte höllisch, aber nur kurz, dann war ich wieder einsatzfähig.

Ich rappelte mich noch etwas wackelig auf um nach meiner Gruppe zu schauen. Mensch, hatte ich jetzt noch eine Lust die zu retten. Ich war nicht so gut im Retten. Jagen, ja, Retten, nein. Ich blickte mich also um und sah auch schon das Chaos. Viele Monster, die auf dieser Lichtung Katzenspiele mit meinen Leuten trieben. Die Gruppe sah schon sehr mitgenommen aus. Blutig, zerschrammt und ich glaube auch schon einige tiefe Wunden erkennen zu können. Es wurde Zeit, dass meine Verstärkung eintraf, sonst könnten sie nur noch Leichen bergen. Kaum ausgedacht, viel auch schon der Erste, einem ganz üblen Genossen zu Opfer. Ich zog meine abgesägte Schrotflinte und schoss. Das merkte dieses Monster gar nicht, während er seinen massigen Kiefer über den Kopf des Touristen stülpte und zubiss. „Nein! Verdammt!! Barney, hilf mir.“ „Nö, die interessieren mich nicht. Von denen gibt es doch genug. Das wird noch mehr von ihnen herlocken.“ „Aber…“ „Kein Aber, ich rette nur wenn ich will, und ich will nicht. Also verärgere mich nicht, sonst rette ich dich auch nicht mehr.“ Drehte er sich um und ging auf einen umgestürzten Baum zu. Dort setzte er sich hin und zog, woher auch immer, seine Thermoskanne hervor. Er goss sich gemütlich einen Kaffee ein und schmollte. Man muss sich das überlegen, ER schmollte. So waren Monster halt. Sie empfanden nicht wie wir Menschen. Sie konnten jemanden mögen, vielleicht auch lieben, aber der Rest war ihnen echt egal. Ohne schlechten Gewissen.

Gut – mir blieb also nichts anderes über, als zu retten was, oder wer noch ging. Aber es sah übel aus. Im hinteren rechten Quadranten sah ich einige Frauen zusammen getrieben. Nicht nur Barney mochte sie besonders gerne, auch die anderen Monster mochten das zarte Fleisch mit dem leckeren Aroma. Ich stürzte zu ihnen hin und lud die Flinte nach. Ich schoss und traf. Einige kleinere Monster fielen, die anderen merkten noch nicht mal, dass sie getroffen waren. Es gab Monster, die Feuer entfachen konnten. In dieser Gruppe, waren gleich drei davon und sie feuerten, auf die Frauen. Die Männer hatten sich in trügerische Sicherheit gebracht. Ich sah wie sie sich in der entgegengesetzten Richtung unter einem Felsvorsprung zusammenkauerten. Leider sahen sie nicht, was dieser Felsvorsprung wirklich war. Während ich noch versuchte die Frauen zu retten, bewegte sich dieser Felsen. Erhob sein Bein und setzte es gerade auf die Männergruppe ab. Ich überlasse eurer Fantasie, was mit den Körpern passierte. Die Frauen grillten, die Männer flachten ab. Tja und mein Team kam gerade um die Ecke.

Sie sprangen aus dem Auto, angeführt von Rob. „Mark, wo ist deine Gruppe?“ „Hm – ich glaube du solltest schon mal anfangen eine Erklärung für die Presse zu verfassen und hoffen, dass auch alle ihre Schuldbefreiungserklärung unterschrieben haben. Denn von ihnen ist nichts mehr außer paar Gedärme und Extremitäten übrig.“ „Ach verdammt. Verdammt, verdammt. Das gibt wieder Papierkram. Scheiße. Lasst uns aufräumen. Erstmal müssen wir die verbleibenden Monster erledigen, dann die Leichenteile zusammensammeln und – naja verpacken. Ach dieser Papierkram.“ „Was ist denn passiert, warum konnten sie denn überhaupt ausbrechen?“ „Azubis. Unnützes Pack. Wir sollten keine Azubis mehr annehmen. Sie sollten eigentlich nur Futter verteilen und wieder raus und so ein selten dämlicher Trottel, hat das Tor nicht richtig gesichert. Ja – da muss ich auch noch viel schreiben. Azubis haben wir dieses Jahr nicht mehr. Das wird nicht leicht zu erklären sein. Aber es wird das Publikum anlocken.“ Ich zuckte mit den Schultern. Autsch – wo war Barney – er könnte mich noch mal anspucken. Er saß in der Sonne und genoss seinen eiskalten Kaffee. Blickte zu mir und winkte.

So war das als Monsterjäger und Guide. Unfälle passierten, da aber die Regierung Monster anerkannt hatten, wurden auch Unfälle geduldet. Die Überbevölkerung machte alles möglich. By the Way. Durch den Unfall wurden noch paar Touren geöffnet. Hätten sie nicht Interesse daran an einer Monstersafari teil zu nehmen? Melden sie sich doch kurz auf unserer Homepage Monsterjaeger:at:Lebensmuede.com an. Es gibt noch freie Plätze.

 

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Schreibkicks

Schreibkicks – Monster

Jeden ersten des Monats gibt zuckt es in den Gehirnwendungen und eine Geschichte für Schreibkicks wird ausgespuckt. Jedes Mal wieder erstaunt mich was ich dabei schreibe.

Das Thema für den 1.7.18 ist Monster

Veronika
Eva
Sabi

Das Thema für den 1.8.18 lautet:


Monster

Peggy lag in ihrem Bett.  In ihrem Zimmer war es dunkel. Sie hasste es, wenn es dunkel war. Sie wohnten an einer stark befahrenen Straße. Das war auch der Grund, warum ihre Mutter ihr nie erlaubte draußen zu spielen. „Es ist zu gefährlich. Du brauchst nur zu stolpern und fällst auf die Straße. Dann kommt ein Auto und überfährt dich. Und auf den Ärger habe ich keine Lust.“ Peggy zog sich dann immer mit ihrem Lieblingshasen in ihr Zimmer zurück. Sie hatte keine Freunde. Sie war immer das Bastardkind und keiner wollte mit ihr spielen. Aber es war egal. Sie hatte ihren Hasen.

Vor etwa einer Stunde hatte ihre Mutter die Wohnung verlassen. Und sie hatte vergessen, das Nachtlicht anzumachen. Aber Peggy hatte Angst. Sie wollte nicht aufstehen, um es in die Steckdose zu stecken. Ihre Mutter war oft unaufmerksam. Ihr Vater hatte sie verlassen, als sie noch ein Baby war. Ein Loser sei er, sagte ihre Mutter. Peggy wusste nicht was es bedeutet. Aber ihre Mutter war immer sehr aufgeregt, wenn sie nach ihm fragte. Peggy hatte deswegen aufgehört zu fragen.

Da Peggy keinen Vater hatte, war sie oft alleine zu Hause. Ihre Mutter hatte zwei – manchmal drei Arbeitsstellen. Also sah sie sie nicht so oft. Und wenn, war sie immer müde und genervt. Peggy wusste, dass sie sich dann besser in ihr Zimmer zurückzog. Manchmal, wenn ihre Mutter sehr müde und etwas betrunken war, wurde sie böse. Dann schimpfte sie und schubste Peggy. „Du bist schuld an meiner Situation. Wegen dir konnte ich nie die Uni besuchen und dein verdammter Vater hat sich schön verdrückt und mir dich zurück gelassen. Hätte ich dich doch besser abgetrieben.“ Dabei trank sie immer direkt aus der Weinflasche. Peggy wusste nicht was Abtreibung bedeutete –sie war erst fünf. Aber sie merkte, dass es nichts Gutes bedeutete.

Manchmal kam ihre Mutter mit Freunden nach Hause. Die waren immer laut und sie hatte wirklich Angst vor diesen Männern. Sie wirkten immer bedrohlich. Ihre Mutter schubste sie dann immer unsanft in ihr Zimmer und schloss die Tür ab. Da vergaß sie immer das Nachtlicht. Peggy stürzte sich immer schnell auf ihr Bett, denn sie wusste –unter ihrem Bett lebte ein Monster. Sie hatte es noch nie gesehen, aber oft gespürt. Denn immer wenn es absolut dunkel war, kam es hervor und schnüffelte. Peggy hatte sich immer die Decke über den Kopf gezogen und versuchte nicht zu atmen. Sie konnte natürlich nicht lange die Luft anhalten – dann versuchte sie immer ganz leise zu atmen. Die Lichtkegel der Autos, die an ihrem Haus vorbei fuhren, tauchten das Zimmer immer in eine gruselige Atmosphäre. Alle Gegenstände scheinen sich zu bewegen und zu atmen. Die Puppen hatten glühend rote Augen und teuflisches Grinsen auf den Lippen.

Heute war wieder so eine Nacht. Ihre Mutter war wütend und betrunken aus dem Haus gestürmt und hatte Peggy sich selbst überlassen. Da sie das gewohnt war, war das auch kein Problem. Sie wusste was wichtig war. Sie konnte die Notrufnummer wählen. Den Herd bedienen und den Toaster nutzen. Sie machte richtig gute Käsesandwiches. Wenn sie nachts alleine war, machte sie immer zwei Sandwiches. Sie hoffte mit dem Zweiten, das Monster unter ihrem Bett zu besänftigen.

Heute – zehn Jahre später hatte sich ihre Situation nicht verändert. Sie lebte immer noch bei ihrer Mutter, nur war die Stimmung ihrer Mutter von Jahr zu Jahr, von Falte zu Falte schlimmer geworden. Waren damals die Männer noch gruselig, aber nicht gefährlich, wirkten sie jetzt immer heruntergekommener und lüsterner. Nicht selten musste sie sich schlüpfrige Kommentare von den ekligen Männern anhören. Sie rannte immer schnell in ihr Zimmer und verschloss selbst die Tür. Das Nachtlicht brauchte sie nicht mehr. In den zehn Jahren hatte sie vertrauen in ihr Monster entwickelt. Es war wie ein unsichtbarer Freund. Sie erzählte ihm oft, ohne dass sie es je gesehen hätte, von ihrem Leben, oder was sie erlebt hatte. Von ihren Träumen und Zielen. Ganz besonders schlimme Tage erzählte sie ihm auch – und manchmal meinte sie ein Schluchzen zu hören. Aber nie hatte sie sich getraut im Dunkeln unter ihr Bett zu schauen. Das war fast wie ein geheimer Pakt.

Dann kam der erste Kontakt. Peggy lag in ihrem  Bett. Die Scheinwerfer der Autos zauberten verschiedene Lichter an die Decke. Sie hörte ihre Mutter lachend die Wohnungstür öffnen und Larry im Schlepptau. Larry war schon oft hier gewesen. Er war besonders eklig. Immer meinte er, dass er irgendwann mal Peggy beglücken wollte. Irgendwann. Eine Gänsehaut lief ihren Rücken entlang. Sie drückte ihre Augen zu und flüsterte leise ihrem Freund unter dem Bett zu.

Ihre Tür öffnete sich. Sie hielt die Luft an. Die Tür, sie hatte vergessen sie zu verschließen. Sie zog die Decke über ihren Kopf. So wie sie es als kleines Mädchen schon getan hatte um sich vor dem Monster zu verstecken. Wieder war ein Monster in ihrem Zimmer. Aber dieses Mal nicht unter ihrem Bett. Dieses Monster stank furchtbar nach Schweiß, Zigaretten und Alkohol. Er atmete schwer und sein Atem röchelte. „Peeeeggy! Meine Süße kleiner Kirsche. Es wird Zeit dich zu pflücken. Larry will dir was Schönes zeigen. Komm schon Kleine, zier dich nicht. Du weißt doch um was es geht. Ich will nur bisschen Spaß mit dir haben. Es wird auch nicht wehtun. Naja. Mir jeden Falls nicht. Ich kann natürlich nicht versprechen, dass es dir nicht weh tut.“ Raunte er in den Raum.

Peggy zitterte. Sie hatte es geahnt, irgendwann würde so was passieren. Aber sie hatte gehofft, dass ihre Mutter sie schützen würde. Sie hätte es besser wissen müssen. Die Frau, die sie geboren hatte, die sie immer für ihr verkorkstes Leben verantwortlich gemacht hatte, würde sie nicht schützen. Sie merkte wie Larry seine Hand unter die Decke schob. Er erreichte ihre nackten Beine und schob seine Hand langsam weiter hoch, Richtung Schoss. Peggy versteifte sich und kniff die Augen zu. Seine Hand wanderte weiter. Als er am Ziel ankam, sprang sie aus dem Bett und schrie. Sie schrie so laut, dass ihre Mutter erschien. Sie erfasste die Situation und sagte: „Peggy. Halt die Klappe, die Nachbarn werden sich noch beschweren. Jetzt stell dich nicht so an. Larry ist nicht der schlechteste, den du für dein erstes Mal haben könntest. Außerdem wird er gut dafür bezahlen. Also leg dich hin und lass ihn einfach dran. Es wird Zeit, dass du deine Schulden bei  mir endlich bezahlst. Schließlich bist du selbst schuld an diesem  Zustand. Wärst du nicht, hätte ich ein besseres Leben und du müsstest jetzt nicht dafür zahlen.

Ungläubig schaute sie ihre Mutter an. Natürlich. Für Geld machte ihre Mutter alles. Sogar die Jungfräulichkeit ihrer Tochter verkaufen. „Larry, komm mach schon. Schnapp sie und leg sie aufs Bett. Sie wird schon mitmachen. Sonst hole ich bisschen Wein um sie gefügig zu machen. Dann wird sie auch entspannter sein.“ Larry lachte und Peggy schrie. In dem Moment bebte ihr Zimmer. Sie dachte es wäre ihre Angst, die das Zimmer beben lies. Larry blieb stehen und blickte sich verunsichert zu ihrer Mutter um. „Ein Erdbeben?“  „Was? Hier gibt es kein Erdbeben, das sind der Alkohol und deine Geilheit. Kannst es kaum abwarten eine Jungfrau zu nehmen.“ Schmutzig lachte ihre Mutter. Fast sah es aus, als würden ihre Augen rot leuchten. Jetzt sah Peggy, die wahren Monster in ihrem Leben.

Plötzlich flog ihr Bett auf die Seite. Das erste Mal in ihrem Leben sah sie ihr Monster unter dem Bett. Es war groß und sein Fell war dunkelbraun, fast schwarz. Seine Augen leuchteten und seine Zähne waren spitz und groß. Peggy war gebannt. Sie hatte keine Angst. Sie wusste, dass das Monster nicht ihr was tun würde. Larry robbte zurück und eine Pfütze bildete sich um ihn. Ihre Mutter schrie. Nicht lange.  Das Monster sprang auf sie zu. Es wuchs und  mit einem Happs hatte es ihre Mutter verschluckt. Schlagartig war es ruhig. Langsam drehte es sich um und blickte auf Larry. Dieser wollte gerade anfangen zu schreien, als ihm dasselbe Schicksal ereilte. Schneller als Peggy es erfassen konnte hatte das Monster Larry verschluckt. Es leckte mit der Zunge über die dicken fleischigen Lippen und rülpste herzhaft. Dann stellte er ihr Bett wieder auf seinen Platz und wollte sich gerade wieder drunter verstecken, als Peggy auf ihn zulief um ihn zu umarmen. Das Monster stutze. War er doch nur ein Monster und alle hatten Angst vor ihm. Aber Peggy nicht. Er setzte sich aufs Bett und nahm Peggy auf seinen Schoss. Dann wiegte er sie wie ein kleines Kind bis ihre Tränen versiegten und sie einschlief.

Das Monster unter ihrem Bett hatte sie vor den wahren Monstern gerettet. Seit diesem Tag schlief es nie wieder unter ihrem Bett und Peggy hatte nie wieder  Angst.

Ende

Schreibkicks

Schreibkicks – Dumme Fee bei Licht

Wieder haben wir den ersten – es ist Schreibkicks-Time.

Ein so tolles Thema für den heutigen 1. aber ich hab mich echt schwer getan eine Geschichte zu finden. Ich hatte soviel Ideen – aber ich konnte sie nicht greifen. Trotzdem habe ich eine kleine Geschichte gefunden. Hier meine Dumme Fee bei Licht für die Schreibkicks bei Sabi

Mit dabei waren diesesmal

Das neue Thema für den 1.7.18 lautet:Monster

 


Es war einer der Tage an dem Fee am besten in ihrer Blüte hätte bleiben sollen. Barb war eh keine Morgenfee – eher eine Morgenmuffelfee. Bei dem Gedanken  musste sie schmunzeln. Morgenmuffelfee. Sie saß an ihrem Blütenstempel mit einer frischen Tasse Nektar. Die Sonne würde bald untergehen. Sie liebte den Sonnenuntergang – die Sonne verwandelte den Himmel in eine brennende Fassade. Die Tiere kamen langsam zur Ruhe und es wurde gemütlich. Hier im Feenwald mit der schönen Blumenwiese auf der Lichtung, schien immer die Sonne. Immer – Feenmagie. Gemütlichkeit war Barbs Passion. Sie konnte diese übereifrigen und hektischen Feen nicht verstehen, die immer so aufgezogen wirkten, wie ein Uhrwerk. Nein, nein sie brauchte ihre Zeit um anzuspringen. Und sie war langsam. Schon im Feenuntericht hatte die Lehrerin das immer liebevoll betont. Hier war alles so liebevoll. Manchmal zum kotzen liebevoll. So ein kleines Gewitter oder mal ein Streit zwischen Feen, das wäre mal was. Das bewunderte sie an den Menschen. Die lebten meist ihre Emotionen aus. Allerdings waren da die negativen meist dominant – das war auch nicht schön.

Barb schüttelte ihre Flügel auf und seufzte. Es wurde Zeit die Welt etwas netter zu machen. Sie flog los um ihren Zauber in die Schlafzimmer kleiner Kinder zu bringen. Hübsche Träume verteilte sie mit ihrem Feenstaub und die Wünsche merkte sie sich. Sie würde sie Nikolaus weiterleiten. Sie liebte ihre Arbeit und sie war wirklich froh, die Nachtschicht zu haben. Sie liebte diese Ruhe. Aber es war nicht ungefährlich. Nachts waren die Räuber unterwegs. Aber sie war erfahren und überheblich. Das musste man schon mal sagen. Denn als Barb lustig trällernd losflog und den Feenwald verließ war sie sich so sicher, dass sie wie immer ihr Bestes geben würde. Niemals hätte sie gedacht, dass sie um ihr Leben bangen müsste.

Sie flog also so vor sich hin, absolut sicher fühlend, als ihr Flug ganz plötzlich gestoppt wurde. Sie hing fest. Ihre Flügel hingen in einem Netz. Einem Spinnennetz. Sie erinnerte sich an einige Warnungen ihrer Lehrerin über diese Netze. In ihr sitze meist eine gefräßige Spinne und die Chance lebend herauszukommen stehe bei null. Barb wollte sich die Hand auf die Stirn hauen – aber sie klebte fest. Ja – klar – ich hätte heute einfach wirklich in meiner Blüte bleiben sollen. Jetzt hatte sie ihre weniger liebevolle Situation. Ganz so sicher und großmäulig war sie nun nicht mehr. Was würde jetzt passieren? Die Bewohnerin des Netzes schien nicht da zu sein. Das konnte gut sein. Dann hätte Barb die Möglichkeit sich zu befreien. Sie war immer noch zu überheblich. Sie dachte wirklich aus diesem Dilemma heraus zu kommen. Sie würde es noch merken.

Barb starte ihren Versuch sich zu befreien. Aber wie jedes Insekt, das sich in einem Spinnennetz verfing, verklebte alles noch viel mehr. Es wurde so schlimm, dass sie sich überhaupt nicht mehr bewegen konnte. Sie dachte wehmütig an ihre gemütliche Blüte, die sie wohl nie wieder sehen würde. Sie wurde immer schwächer und verlor so langsam ihren Mut. Der Mond schien. Es war Vollmond und sein Strahl traf sie genau. Es war als würde sie im Rampenlicht stehen. Eine Dumme Fee im Licht. Wenn es nicht so traurig wäre, würde sie über den Gedanken lachen. Aber ihre Situation war wirklich ernst. Bald würde die Spinne kommen und dann wäre ihre Zeit um. Sie überlegte Fieberhaft. Aber es viel ihr immer schwerer einen klaren Gedanken zu fassen.  Die Fäden des Netzes schnitten langsam tief ein. Das würde Narben geben, ihre schöne makellose Haut wäre auf immer verschandelt. Ach weh – als hätte ich nicht andere Probleme – wahrscheinlich brauch ich mir darüber keine Gedanken mehr zu machen. Bald bin ich Spinnenfutter.

Dann war es soweit. Sie spürte wie das Netzt sich bewegte. Die Spinne war zu Hause. „Ah – was ist mir denn da leckeres eingeflogen? Eine Fee. Ich wusste, dass dies eine gute Stelle für ein Netz ist. Perfekt. Ihr sollt hervorragend schmecken.“ Oh – es gab schon unvorsichtige Feen vor ihr. Warum hatte das nie jemand als Warnung erzählt. Sie seufzte. Wahrscheinlich aus dem gleichen Grund aus dem sie es nie jemanden erzählen würde – sie waren alle Tod. Sie versuchte zu zappeln – aber sie konnte sich nicht mehr bewegen. „Ja zapple nur, um so fester schlingen sich die Fäden um dich. Ich muss dann nur noch meinen Stachel in dein zartes Fleisch rammen und dich aussaugen. Das wird ein Fest. Und der Mond bescheint meine Abentafel. Kann es perfekter sein?“ „Ach liebe Spinne, du wirst doch keine Fee essen wollen. Wir bringen doch überall Glückseligkeit hin. Auch zu dir. Ich erfülle dir drei Wünsche wenn du mich frei lässt.“ Die Spinne zögerte. „Was soll ich mir schon wünschen? Ich hab alles. Ich lebe, ich esse gleich und dann kann ich schlafen. Mehr benötige ich nicht. Ich bin kein Mensch, den du  mit materiellen Dingen locken kannst.“ „Nein natürlich nicht. Ich weiß doch. Aber vielleicht wünschst du dir was anderes. Hast einen Traum?“ „Nein. Ich bin eine einfache Spinne. Ich bin zufrieden mit meinem Leben und gleich werde ich auch satt sein.“ Die Spinne kam immer näher. Barb wurde es ganz anders. Bloß nicht ohnmächtig werden. Vielleicht habe ich die Chance mich zu befreien wenn sie die Fäden aufschneidet?

Das Netzt schwang unter dem Gewicht der Spinne auf und ab – Barb wurde ganz übel. Dann auf einmal blickte sie in zwei große Augen. Die Augen eines Menschen. Die Spinne blieb stehen. Stutzte und zog sich schnell zurück. Sie wusste – ein Mensch bedeutete meistens Probleme. Meist zerstörten sie ihr Netz und ihre Mahlzeit konnte entkommen. Sie hoffte in diesem Fall würde dieser Mensch einfach unter dem Netz durchschlüpfen. Aber natürlich war das Schicksal nicht  mit ihr. Sie würde sowohl ihre Beute, als auch ihr Netz verlieren. Sie stampfte wütend mit ihren acht Beinen auf. Eine Fee. Wie wahrscheinlich war es noch mal eine zu erwischen. Das würde nie wieder geschehen. Sie fluchte leise.

Der Mensch – es war ein junger Mann – blickte sich das Netz an. Der Strahl des Mondes beschien Barb immer noch. „Eine kleine dumme Fee, hm? Hast wohl bisschen Pech gehabt? Gut, dass ich gerade vorbei kam, als du der Spinne das Angebot der Wünsche machtest. Die Spinne nimmt sie nicht an – aber ich. Wenn ich dich befreie, dann bekomme ich die Wünsche.“ Barb blickte verdutzt in dieses Gesicht, das eigentlich ganz nett wirkte. Ach Menschen. Wie konnte sie nur Menschen  mögen. Alles was sie an ihnen so mochte zerfiel gerade zu Staub. Sie hatte die Wahl einen Menschen drei Wünsche zu erfüllen oder zu sterben. Was würdet ihr machen?

Barb blickte zum Versteck der Spinne. Sie lauerte und Barb lief eine Gänsehaut über die Arme. Nein, sie war nicht bereit zu sterben. Sie wollte leben. „Gut Mensch, befrei mich und ich erfülle dir deine Wünsche. Aber wähle sie weise. Wünsche können gefährlich werden und ich werde nicht eingreifen.“

Der Mann schnitt sie aus ihrem Gefängnis frei und packte sie in seine Tasche. Aus der dummen Fee bei Mondlicht im Netz wurde eine Dumme Fee, die ehemals an das Gute im Menschen glaubte. Sie würde ihre Pflicht dem Menschen gegenüber erfüllen. Aber er sollte nicht erwarten, dass seine Wünsche gut enden würden. Erzwungene Wünsche wurden immer bestraft. Barb lächelte leise. Er würde sich wünschen, seine Wünsche besser eingesetzt zu haben. Sie würde am Ende als Siegerin heraus gehen und freute sich jetzt schon auf den nächsten Tag in ihrer Blüte mit einer leckeren Tasse Nektar.

ENDE

Schreibkicks

Schreibkicks – Vorfreude auf Sommergenüsse

Schreibkicks. Hier wird von Sabrina immer zum 1. des Monats ein neues Thema bekannt gegeben, dass dann am folgenden 1. des kommenden Monats auf seinem Blog gepostet wird

Das heutige Thema lautet: Vorfreude auf Sommergenüsse

Es ist etwas melancholisch geworden und ich muss zugeben – eine kleine Träne hat sich beim Schreiben in die Augen geschmuggelt.

Teilgenommen haben:

Das neue Thema für den 1.6.18 lautet: Dumme Fee bei Licht


Das Sonnenlicht kitzelte Fee in der Nase. Sie musste herzhaft niesen und lachen. Vorfreude auf Sommergenüsse nannte ihr Großvater es immer, wenn sie eine Eiswaffel in der Hand hielt und sich ein Wettschlecken mit dem schmelzenden Eis lieferte. Sie saß oft schon im Morgengrauen mit ihm am See. Er mit seinem Anglerhut an dem die Köder hingen, sie mit der Box voll Würmer. Dann saßen sie einfach still nebeneinander und genossen den wunderbaren Sonnenaufgang und ihre Nähe. Manchmal tauchte sie ihre Füße ins Wasser und spielte mit den großen Fußzehen an den Steinen. Kleine Fische kamen Neugierig angeschwommen um das von ihr aufgewühlte Wasser nach Nahrung abzusuchen. Dabei passierte es oft, dass sie an ihren Füssen knabberten. Sie jauchzte vor Freude, dass die Fische keine Angst vor ihr hatten. Dieses Glücksgefühl. Die frühen Stunden und Stille, neben ihrem Großvater, dass war es was sie tief und innig vermisste. Je tiefer sie in die Schule eintauchte umso weniger Interesse hatte sie und umso seltener besuchte sie ihren Großvater. Irgendwann nur noch in den Ferien, dann nur noch zu Geburtstagen und Weihnachten. Der Alltag, das Lernen und studieren fraß ihre Zeit und sie selbst. Dass sie unglücklich in diesem Konstrukt war, merkte sie nicht. Es wurde einfach erwartet – sie musste lernen, was aus sich machen, viel Geld verdienen. All das schaffte sie und dabei wurde sie immer unsichtbarer. Keiner sah mehr die Frau, nur noch ihre Leistungen, ihren Namen in der Fachpresse. Sie war eine der besten Neurochirurginnen.

Ein Mal kam ihr Großvater zu Besuch. Seine kleine Anglerin wollte er mal an ihrem Arbeitsplatz besuchen. Sie wirkte so gehetzt – es schmerzte ihn, sie so zu sehen. Sie hatte keine Zeit für ihn und sah nicht die verletzten Blicke, die er ihr zuwarf. Er drückte sie ganz fest. Dann gab er ihr ein Paket, drehte sich um und verließ die Klinik, mit traurigen Schritten ohne sich um zu blicken. Er weinte, er weinte um das kleine Mädchen, das glockenhell lachte wenn Fische an ihren Zehen knabberten.

Er weinte um den Verlust seiner Kleinen und deren Freiheit. Seine kleine Fee. Sie wurde gebrochen und in die passende Schublade gequetscht. Dieser süße, freie Geist war eingesperrt und ging zu Grunde. Er wusste um seine Gesundheit und hoffte, dass sein Tod ihre Wiedergeburt sein würde. Ein Hühnerei Großer Tumor in seinem Gehirn. Ihr Fachgebiet. Aber er war kein Fallbeispiel, er war der Mann, der sie schon immer liebte und immer lieben würde.

Keine drei Monate später bekam sie einen Anruf. Ihre Mutter. Der Kontakt zwischen den beiden Frauen war fast gänzlich eingeschlafen. Ihre Eltern brachte sie immer nur mit Druck, Lernen und weinen in Verbindung. Und wieder brachte sie Fee zum Weinen. Ihr Großvater war gestorben. Sie solle zur Testamentseröffnung kommen. Ihr harter Panzer – schwer angelegt – bekam massive Risse. Sie saß in ihrem Büro. Im Regal lag noch ungeöffnet das Paket, das er mitgebracht hatte. Sie stand auf, holte es, öffnete es und brach weinend zusammen. In dem Paket lag sein Anglerhut. Ihre mühsam aufgebaute und gestylte Fassade konnte nicht mehr aufrecht gehalten werden.

Sie nahm sich unbegrenzt frei. Packte ihre Sachen. Dann fuhr sie mit dem Auto nach Hause. Das Haus ihres Großvaters war immer ihr zu Hause. Das ihrer Eltern nur eine Unterkunft mit Essen. Ihre Familie wieder zu sehen ließ sie kalt. Mit dem Anglerhut in der Hand, den sie nervös knetete und der dabei immer eine leichte Duftnote von ihm entließ, saß sie da. Ihre Familie schnatterte im Hintergrund. Jeder wollte etwas. Als wenn er ein reicher Mann gewesen wäre. Reich im Geiste, aber nicht an Gütern. Er hatte nie viel Reichtum angesammelt. Das war ihm nie wichtig gewesen. Die Natur –das war sein Reichtum. Fee merkte wie etwas in ihr erwachte. Sie hielt sich still und wartete. Sie wusste es: „Meiner Enkelin Fee vermache ich meine kleine Hütte am See. Für ihre Wiedergeburt.“ Ein Raunen ging durch die Anwesenden. Alle atmeten auf – das verfallene muffige Teil wollte keiner haben. Auch Fee atmete auf. Denn sie wollte es unbedingt. Jetzt saß sie im Boot, auf ihrem See mit der Urne vor ihr und dem Hut auf dem Kopf. Neben ihr die Anglerbox. Sie lächelte und war wieder ein Kind. Dann öffnete sie die Urne und entließ ihren Großvater in die Freiheit. Sie lachte. Hier war ihr zu Hause. Hier hatte sie ihre Seele deponiert – in Sicherheit. Jetzt war sie wieder vollkommen. Vollkommen und Frei. Sie trällerte ein Lied, das sie von ihrem Großvater gelernt hatte und erinnerte sich an die Vorfreude auf Sommergenüsse – aus der Vergangenheit und freute sich auf die in der Zukunft.

ENDE

Schreibkicks

Schreibkicks – Sanfte Frühlingslüftchen und Eisige Winde

Schreibkicks. Hier wird von Sabrina immer zum 1. des Monats ein neues Thema bekannt gegeben, dass dann am folgenden 1. des kommenden Monats auf seinem Blog gepostet wird.

Dieses Mal:  Sanfte Frühlingslüftchen und Eisige Winde

Teilnehmer:

Veronika
Eva
Corly
Sabi

Das Thema für den 01.05.2018 lautet:Vorfreude auf Sommergenüsse


Sanfte Frühlingslüftchen und Eisige Winde

Da war er – der Frühlingsanfang. Endlich. Tamara stand vor dem Fenster. Ihre kleine Hütte lag versteckt im Wald. Im Winter kam kaum jemand bei ihr vorbei. Durch die Schneefälle war der Weg zugeschneit und die eisigen Winde verscheuchen die Menschen. Sie hatte schon einige Male mit dem Wind geschimpft, wenn sie Stimmen oder die Glöckchen der Pferdeschlitten hörte. Er solle doch wenigstens so wehen, dass die Menschen bei ihr Zuflucht suchen würden. Aber nein. Er trotzte ihr. Immer wieder. Also der Winter war einfach nicht ihre beste Zeit. Aber jetzt – sie konnte es riechen – der Frühling kam. Ein sanftes Frühlingslüftchen vertrieb diese eisigen Winde. Mit den anderen Winden hatte sie nie Probleme. Im Gegenteil. Sie wehten oft die Hoffnung, die Tamara verteilte in die Wälder hinaus und lockte so die Menschen zu ihr.

Ihr Garten war bereit. Ein paar Zaubergriffe und alles war schneefrei und fing an zu blühen. Durch etwas magische Hilfe würde das nicht lange dauern und in voller Blüte stehen. Diese Düfte würde das milde Frühlingslüftchen bis zum nächsten Dorf wehen. Die Menschen würden angelockt davon kommen. Zu ihr und sie könnte endlich wieder ihr Lager auffüllen. Der lange Winter hatte ihre Kammer fast geleert. Es waren aber keine normalen Pflanzendüfte, die die Winde in die Dörfer trieb. Nein, nein. Es waren Düfte nach Schokolade und Lebkuchen.

Ja – Tamara war eine berühmte Hexe. Es wurden schon Geschichten über sie geschrieben. Aber diese hier ist vor dem schicksalshaften Treffe mit zwei Rotzgören, die ihr Ende einläuteten.

Aber jetzt genoss Tamara noch ihr Leben und lockte ahnungslose Menschen – am liebsten  natürlich die saftigen Kinderlein – in ihre Hütte. Sie rieb sich die Hände und ging hinein in ihre Stube. Der Ofen  musste gut angeheizt werden. Sie war sich sicher, dass diese liebliche Frühlingsbrise ihr bald ein paar leckere Happen vor die Tür wehen würde.

Ende

 

Schreibkicks

Schreibkicks – Kommerzieller Valentinstag

Schreibkicks. Hier wird von Sabi immer zum 1. des Monats ein neues Thema bekannt gegeben, dass dann am folgenden 1. des kommenden Monats auf seinem Blog gepostet wird.

Dieses Mal: kommerzieller Valentinstag

Teilnehmer:

Veronika
Eva
Corly
Sabi

Das Thema für den 1.4.18 lautet dieses Mal:Sanfte Frühlingslüftchen und Eisige Winde


Da ich grippal angeschlagen bin kurz und knapp.


Marnie liebte Valentinstag – nicht mal weil sie verliebt war – sie war schon lange Single. Aber neben Weihnachten war das die Zeit, in der die Menschen am nettesten zu einander waren. Ihre ganze Wohnung sah immer aus wie ein Geschenkeladen. Sie konnte einfach nicht an der tollen Deko vorbeigehen. Es war wie ein Zwang – ihre Mutter meinte immer – das wäre der innere Drang sich einen Partner zu wünschen. Pah – was für ein Blödsinn.

Währenddessen im Dekoladen um die Ecke. Warren hatte ein besonderes Schaufenster dekoriert – dieses Mal würde er sich trauen Marnie anzusprechen. Eigentlich verabscheute er diesen kommerziellen Valentinstag – aber er war schon seit einiger Zeit in Marnie verliebt und wollte dieses Mal nicht so abwertend sein. Er befürchtete, dass er sie damit die letzten Jahre immer vor den Kopf gestoßen hatte – war auch nicht unbedingt eine gute PR für einen Dekoladen, den er eigentlich auch verabscheute – aber er hatte ihn geerbt – von seiner Mutter. Sie liebt Deko genauso sehr wie Marnie. Da kommt sie – was mache ich – ach ich habe das Schild für die Aushilfe vergessen – ich weiß, dass Marnie einen Job sucht – mein kleines Spinnennetz – direkt neben meiner schönsten Deko platziert – da muss sie einfach zugreifen.

Marnie war auf dem Weg zum Einkaufen – ihr Weg führte sie immer wieder an dem tollen Dekoladen vorbei  – früher war er immer liebevoll Geschmückt – Sie hat oft mit Frau Basser zusammen gesessen und sich unterhalten, wie man was am besten platziert. Marine war sehr traurig gewesen, als sie starb. Und ihr Sohn – der war wirklich unfähig das richtig darzustellen. Bei ihm sah alles nach Kommerz aus. Einfach nicht liebevoll. Nur abgestapelt. Aber trotzdem ging sie immer wieder daran vorbei  – nur nicht mehr so oft hinein. Aber jetzt zum Valentinstag wollte sie sich was Nettes gönnen. Sie blieb stehen und stutze – das Fenster war sogar mal richtig nett dekoriert. Was? Er sucht eine Aushilfe? Eine Aushilfe im Dekoladen – das wäre ein Traum von mir. Aber könnte ich mit ihm arbeiten. Er ist ja ganz schnuckelig – aber immer so abwertend. Ach was soll´s. Der kleine Amor da im Schaufenster, zeigt mir schon den richtigen Weg.

Die Türklingel ging an in dem Moment als sie den Laden betrat. „Warren? Hallo?“ „Ach hallo Marnie – wieder auf Dekojagd?“ Sie biss sich auf die Zunge um ihn nicht was an den Kopf zu werfen. Das war es, was sie meinte – ein Bauer, was Feingefühl anging – so einer konnte doch kein Dekoladen führen. „Äh – ja – Du weißt ja Valentinstag. Diesmal hast du dir ja richtig Mühe gegeben um Kunden anzulocken. Das Fenster ist toll geworden.“ „Oh – Danke. Das war wohl mal ein lichter Moment.“ Marnie räusperte sich. „Ich hab gesehen, du suchst eine Aushilfe? Wie passend – ich suche einen Job.“ „Echt – Na das wäre doch was, oder?“ „Ja eigentlich schon.“ „Dann Willkommen im Dekoteam.“ „Äh – darf ich schalten und walten wie ich will?“ „Ähhhh ich denke schon.“ Antwortete er vorsichtig. „Sehr gut.“ Und schon schob sie ihn beiseite. Sie wirbelte durch den Laden und als sie fertig war, konnte er kaum glauben was er sah. Sein Fenster hatte sie so gelassen – im Inneren war nichts wieder zu erkennen. Es wirkte einladend und liebevoll. Wie bei seiner Mutter.

Ein Jahr später war der Laden aus der Dekoszene kaum noch wegzudenken. Trotzdem sie viel Kunden hatten und auch nicht schlecht verdienten, wirkte es dank Marnie nie Kommerziell. Sie unterstützte Künstler, die ihren Laden als Plattform nutzen, hatte ein gemütliches Kaffee integriert und war schwanger mit ihrem ersten Kind. Man kann es sich denken, es dauerte nicht so lange, bis Marine erkannte, dass Warren wirklich ein super netter und süßer Kerl war. Ein Kerl zwar, der kein Gespür für Deko hatte – aber umso mehr für seine Frau.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie heute noch und dekorieren die ganze Welt mit Liebe.

Schreibkicks

Schreibkicks 02.18 – nächtlicher Wolkenzauber – Kampf der Elemente

Ich spüre zur Zeit eine böse Blockierung in mir und es fällt mir nicht so leicht irgendwie meine Ideen in Worte zu fassen. Es gibt Ideen zu den Themen und heraus kommt was ganz anderes. Nun – aber immerhin kommt noch was.

Hier mein Beitrag zu Sabis Schreibkicks. Ein schöne Thema – Nächtlicher Wolkenzauber.

Wild wirbelnd bewegte sich ein Tornado durch die Nacht. Er nahm dabei keine Rücksicht auf seinen Weg – alles was in die Nähe seines Sogs kam schluckte er erbarmungslos. Seine Armee folgte ihm – einige seiner Soldaten waren auch schon voraus. Dunkel und gefährlich bedeckten sie den Himmel. Sie hingen so tief, dass sie fast die Erde berührten. Ihre Blitze zogen tiefe Furchen durch die Landschaft. Sie waren gefürchtet und legendär in der Welt der Elemente. Es gab nichts und niemand, der sich traute ihnen entgegen zu treten.

Auf seinem Weg voll Zerstörung und Wut kam er an einer kleinen Hütte mitten im Wald vorbei. Er stoppte seinen Zug und die Wolken sammelten sich wütend um ihn. „Herr, was ist los? Warum ziehen wir nicht weiter um unsere Vernichtung fort zu führen?“ Fragte ihn die Anführer Wolke. „Ich komme nicht vorbei hier. Dieses kleine Haus steht mir im Weg.“ „Im Weg? Euch stand doch vorher schon so viel im Weg. Das hat euch noch nicht mal zucken lassen. Ihr habt es einfach eingesaugt und wieder ausgespuckt. Warum also soll euch dieses kleine unscheinbare Haus stoppen?“ „Ich weiß es nicht. Aber es ist eine unsichtbare Barrikade an er ich nicht vorbei komme – nicht drüber hinweg. Es bremst mich und je näher ich komme umso schwächer werde ich. Was kann das sein?“

Die dunklen und gefährlichen Wolken wurden unruhig – sie wollten weiter und die Nacht ausnutzen. Dieser Vollmond der gerade schien, leuchtete sie perfekt aus. Sie wirkten selten so gefährlich wie heute. Ihre Blitze bewirkten imposante Bilder. Das einzige, das sie bedauerten war, dass sie niemand bewunderte. Durch ihre Gefährlichkeit kam kein Mensch oder Tier aus seiner Behausung.

Plötzlich öffnete sich die Tür dieser seltsamen Hütte. Eine kleine Frau mittleren Alters mit langen blonden Haaren trat hervor. Sie stellte sich an den Gartenzaun, vermied es aber bewusst, weiter heraus zu treten. „Was meint ihr hier zu veranstalten?“ Fragte sie und stemme ihre Arme in die Hüften. „Mensch – was erdreistest du dich mir meinen Weg zu versperren? Ist das ein Zauber um dein Grundstück? Warum komme ich nicht an dir vorbei?“ „Ganz recht“, nickte sie. „Das ist ein Zauber der Elemente. Sie haben mich um Hilfe gebeten. Schau, dort hinten warten schon die weißen Wolken – siehst du die kleinen Feuerfiguren, die auf ihnen sitzen und sie in den Kampf führen werden? Das ist das Feuerelement. Es hat keine Lust mehr, dass du mit deinen Blitzen Feuer entfachst. Auch der Wind ist schon bereit die Wolken in den Kampf zu pusten. Das Wasser wird da sein um das schlimmste zu verhindern. Also ergebt euch und beruhigt euch. Du löst dich auf, die Wolken dürfen sich noch mal entleeren und dann zieht ihr ab. Eure Verwüstung ist vorüber.“

Der Tornado blähte sich auf. „Niemals – ich lass mich doch nicht von einem Menschen in meine Schranken weißen. Ich bin ein Tornado – eine Naturgewalt. Ich vernichte dich.“ „Nun – das wird wohl etwas schwierig werden – du kommst hier nicht an mich dran. Aber gut – ich habe dich gewarnt. Möge der nächtliche Wolkenzauber starten. Du wolltest es nicht anders.“ Sie hob die Hand und entfesselte die weißen Wolken mit ihren Feuerreitern. Der Wind blies von hinten und mit voller Wucht prallten sie auf die dunkeln Wolken.

Von unten sah es wie ein Wolkentanz aus. Wenn nicht immer wieder Blitze und Feuersalven durch die Luft sausen würden, wäre das ein wunderbares Erlebnis. Ein Tanz zwischen Gut und Böse. Der Tornado hatte den Wind als Gegner und konnte sich nicht so entfalten wie er wollte. Der Wind wirbelte ständig um ihn herum, so dass er nichts mehr aufsaugen konnte. Er wurde schwächer. Das Wasser löschte sofort all seine Brände die er entfachte. Nicht nur dass, dadurch, dass das Wasser sich ständig zwischen seine Wirbel drückte wurde der Tornado immer brüchiger.

Er wollte auf keinen Fall nachgeben. Er sammelte all seine  Kraft und die Kraft, die ihm von seinen Soldaten gegeben wurde, die sich um ihn herum noch versammelt hatten und versuchte einen heftigen Schlag gegen den Wind zu starten. Der Wind war unaufmerksam und bekam eine heftige Ladung Elektrizität ab, die ihn vom Weg abbrachte. Das war der Moment, als auch die dunklen Wolken wieder die Oberhand gewannen. Die kleine Frau trat vor den Gartenzaun. Der Tornado erblickte sie und wollte sich sofort auf sie stürzen. In dem Moment verwandelte sie ebenfalls in einen Tornado. Allerdings wirkte sie freundlich – in ihren Wirbeln blitzen Blüten, Regenbogenfarben, Glitzer und Sterne auf. Sie wuchs und wuchs. Sie verdrängte den dunklen und bedrohlichen Tornado.

Der böse Tornado schrumpfte. Da tat sich eine Seite des hellen Tornados auf und verschluckte ihn. In dem Moment als er von ihr aufgenommen wurde, verpuffte seine Wut und er fühlte sich wie eine kleine Windhose, die mit den Pflanzen und Bäumen spielte. Sie sanft kitzelte und mit ihnen lachte. Es war wie nach Hause kommen. Als würde er geliebt werden. Die dunklen Wolken waren desorientiert. Die Wut des Tornados, der sie genährt hatte, war plötzlich weg und damit auch ihr antrieb. Die weißen Wolken nutzen diese Situation sofort aus und schluckten die anderen Wolken – sie verschmolzen und die dunklen Wolken verloren einige Tropfen Tränen, die als Regen auf den Boden auftrafen.

Der Kampf war zu Ende. Die Tornado Frau verwandelte sich zurück, klopfte ihre Schürze aus. Ein kleiner Rülpser entwich ihr und sie kicherte. Kurz winkte sie den Elementen und den hübschen weißen Wolken, die frech am Himmel entlang hüpften zu, und trat in ihre Hütte.

Schaute man genauer hin, verblasste diese Hütte und es war, wie ein Trugbild im morgendlichen Nebel.

ENDE

Mit dabei waren dieses Mal

 

Das neue Thema für den 1.3. lautet: kommerzieller Valentinstag

Schreibkicks

Schreibkicks – Januar – Jahresuhr – Erinnerungen

Schreibkicks. Hier wird von Sabine immer zum 1. des Monats ein neues Thema bekannt gegeben, dass dann am folgenden 1. des kommenden Monats auf seinem Blog gepostet wird

Ich hoffe ihr habt alle das Jahr gut gestartet. Gut dass es bei WordPress die Möglichkeit gibt, Beiträge zu planen. Es könnte  noch bisschen Nachwehen vom Feiern geben.

Hier habe ich eine kleine Geschichte einer Jahresuhr. Meine Eltern hatten auch so eine und ich fand die immer toll.

Mit dabei waren dieses mal:

Das neue Thema für den 1.2.18 lautet:

Jahresuhr

Die Jahresuhr stand wie immer – seit nun mehr so vielen Jahren, dass sie nicht mehr wusste wie lange überhaupt, im Schrank. Sie konnte sich noch erinnern, wie sie geboren wurde. Damals wurde alles noch persönlich von einem Uhrmacher zusammengebaut. Sie hatte schon gehört, dass die jüngeren Generationen in Fabriken hergestellt wurden. Das waren doch keine echten Jahresuhren. Das waren nur noch äußerlich welche – aber innen waren sie tot.

Einmal war sie zur Reparatur gewesen, mit der Zeit waren ihre Federn etwas ausgeleiert und ihre Besitzerin hatte sie in die Werkstatt gebracht. Dort standen auch diejenigen, die in Fabriken hergestellt wurden. Da kam kein Lebensfunken herüber. Man merkte, dass  sie nach Schablonen und von verschiedenen Menschen zusammengebaut wurden. Jedes Teil  von einer andere Hand. Es gab sogar die Uhren, die aus Asien kamen. Die erzählten schlimme Dinge. Sie wurden oft von kleinen Kindern zusammengebaut.  Diese Uhren waren oft melancholisch. Die Kinder hatten ihren Schmerz und ihre Trauer in die Uhren fließen lassen. Ach, das war furchtbar.

Sie war damals froh, dass sie wieder abgeholt wurde. Es gab Uhren, die wurden einfach vergessen. Niemand holte sie mehr ab und niemand wollte sie mehr haben. Wie traurig sie waren. Die Zeit der Jahresuhren war vorüber. Zu ihrer Zeit waren sie beliebte Hochzeitsgeschenke. So kam auch sie zu ihrer Familie. Sie wurde ihren Besitzern zur Hochzeit geschenkt.

Lange stand sie auf dem Fernsehen. Das war ein schöner Platz. Da konnte sie immer ihre Familie beobachten. Sie sah wie sich das frisch getraute Paar foppte und wie sie zärtlich miteinander umgingen. Dann kamen die Kinder und sie sah die ersten Schritte, die von ihnen gemacht wurden. Aber heute – jetzt stand sie im Schrank. In der  dunklen Ecke. Der Fernsehen war jetzt so schmal – da konnte sie nicht mehr stehen. Also hat sie die Besitzerin in den Schrank geräumt.

Sie konnte immer noch viel sehen. Aber der perfekte Blick auf die Familie, der war ihr oft verbaut. Sie bekam mit, wie die Kinder Kinder bekamen, aber sie konnte nicht mehr alles sehen. Oft standen andere Dinge vor ihr. Blumen,  Osterhasen, Sterne zu Weihnachten. Ach, sie fühlte sich oft verlassen. Ungeliebt. Sie erinnerte sich noch an die Kinder. Manchmal standen sie gebannt vor ihr und beobachteten ihr Spiel mit dem Drehpendel. Vor allem die Mädchen waren fasziniert von ihrem hübschen Aussehen.

Einmal wäre sie fast dem Jungen zum Opfer gefallen. Er wollte unbedingt wissen wie sie funktionierte. Er war schon mit dem Schraubenzieher bewaffnet und wollte sie öffnen. Da kam zum Glück ihre Besitzerin herein und rettete sie. Puh – das war wirklich knapp.

Sie liebte ihr Leben bei dieser Familie aber sie merkte, dass ihre Zeit abgelaufen war. Sie war schon sehr alt. Ihre Besitzerin war schon alt. Ihr Mann war schon lange gegangen. Und ihre Besitzerin wollte jetzt zu den Kindern ziehen. Es würde wohl  Zeit sich von der Familie zu verabschieden. Sie würde keinen Platz mehr bekommen. Das Zimmer wäre zu klein für sie. Ihr Drehpendel wurde langsamer, die Zeiger neigten sich traurig. Sie spürte den Lauf der Zeit.

Die Kisten standen gepackt im Zimmer – sie selbst war unbeachtet in die Ecke gestellt worden. Ach – solange lebte sie mit ihnen. Ihr Ticken wurde immer leiser und leiser. Schon wollte sie die Pendel stehen lassen, als ein kleines Mädchen in das Zimmer kam. „Omi, Omi“ rief sie. „Hier, du darfst doch die Uhr nicht vergessen. Du hast mir schon so viel erzählt von dieser Uhr – die musst du doch mitnehmen.“ Schluchzte sie. Die besagte Omi kam zurück.“ Ach Lieschen. Wie hätte ich diese Uhr, die  mich mein Leben lang begleitet hat, vergessen können. Schön, dass du sie gesehen hast. Das hätte mir das Herz gebrochen, wenn sie weg gewesen wäre. Sie hat so viel zu erzählen.“

Und die Uhr lauschte, sie freute sich und ihr Pendel drehte und drehte. Noch lange nach dem die Besitzerin sie verlassen hatte, drehte sich das Pendel noch. „Sag mal Schatz. Willst du diese Uhr nicht endlich mal entsorgen? Sie passt so gar nicht in unsere Wohnung.“  „Wag dich sie weg zu werfen. Sie ist von meiner Oma. Ich kenne sie seit ich laufen kann. Sie wird immer einen Platz in meinem Leben haben. Solange ihr Pendel sich noch dreht.“

Damit stellte sie die Uhr in ein hübsches Regal am Fenster. Sie konnte nach draußen schauen. Sie sah die Sonne auf und unter gehen. Die Blumen blühen und verwelken. Schnee und Regen. Die Blätter wie sie mit dem Wind fangen spielten. Und sie war glücklich. Sie war wohl die glücklichste Jahresuhr, die es gab. Ihr war es vergönnt, Jahr für Jahr die richtige Zeit anzuzeigen und die Familie zu beobachten. Es gab nichts Schöneres für sie.

ENDE

Schreibkicks

Schreibkicks – Weihnachtsspezial – Unter dem Weihnachtsbaum

 

Bei Sabines Schreibkick gibt es heute ein Weihnachstspezial.

Quelle

Allen ein frohes Weihnachtsfest und eine schöne besinnliche Zeit mit euren Familien und Freunden.

Mit dabei waren:

Das Thema für den 1.1.18 ist: Jahresuhr

Hier meine kleine Geschichte.


Unter dem Weihnachtsbaum

Annacat lief die Mauern entlang – alles war weiß. Sie mochte zwar wie es aussah, aber nicht wie es sich an ihren sanften Pfoten anfühlte. Natürlich blieb es nicht aus, manchmal halt doch in das weiße Nass zu springen. Aber meist konnte sie es vermeiden in dem sie über die Mauern, Fensterbänke und sonstige Vorsprünge lief.

Sie liebte diese Zeit. Alles war ruhig und friedlich – außer man kam in die Innenstadt – da war es einfach nur furchtbar. Die Menschen waren immer schon schlimm, aber zu dieser besonderen Zeit – die Menschen nennen sie Vorweihnachtszeit – waren sie einfach unausstehlich. Da war es schon besser, man ging ihnen aus dem Weg. Sonst konnte es schon mal passieren, dass man auf den Schwanz getreten bekam oder sogar getreten wurde. Annacat, kannte das schon ausführlich. Schon einige Jahre beobachtete sie das Schauspiel. Deswegen mied sie zu dieser Zeit die Innenstadt – meist ging sie abends hin, wenn alle weg wäre, da stöberte sie nach Essensresten, die hier sehr großzügig verteilt auf dem Boden lagen.

So auch heute – sie schlenderte in die Stadt – ihr Fell sah so toll aus. Sie liebte ihr Winterfell – es war immer so schön fluffig und weich und hielt sie so schön warm – einfach eine Pracht. Es war einfach immer was Besonderes an den beleuchteten Schaufenstern vorbei zu laufen – es blinkte und blitze – es waren schöne Gegenstände und Kulissen aufgebaut.

Weihnachten – das war wirklich die schönste Zeit – Die Menschen hatten ihre Häuser geschmückt und alles wirkte einladend. Manchmal wünschte sie sich ein Zu Hause – aber sie war schon so lange auf der Strasse – ob sie es überhaupt bei Menschen aushalten würde. Sie blickte oft durch die Fenster und gerade in den Nächten wenn es wirklich klirrend kalt war und sie die Hauskatzen in ihren Kissen vor den Kaminen liegen sah, oder auf dem Schoss ihrer Menschen und sich den Bauch kraulen ließen – da war sie schon mal neidisch. Aber wer würde schon eine alte Katze aufnehmen?

Sie seufzte tief und ging weiter  – die Lichter blinkten und begleiteten sie zu den Essensresten des Weihnachtsmarktes. Da roch es einfach so herrlich – das war zwar immer eine harte Zeit – aber Essen fand Annacat immer. Während sie weiter suchte lief sie an einer Bank vorbei. Dort saß ein kleiner Kater – er sah etwas struppig und verwahrlost aus.

„Hei – Hei – was ist los mit dir – warum siehst du so mitgenommen aus? Hier gibt es doch so viel zu essen.“

Er blickte verwirrt in ihre Richtung – Er zitterte und seine Augen füllten sich mit Tränen. „Hei – was ist denn mit dir?“ Annacat flitze zu ihm und strich um ihn herum um ihn zu beruhigen. „Ist was passiert?“

Er schluchzte „I-ich h-hab mich verlaufen.“ „Wie verlaufen? Wie kann sich denn eine Katze verlaufen?“

„Ich weiß nicht, wir sind erst hergezogen und ich konnte nicht abwarten und bin durch ein offenes Fenster ausgebüxt. Aber alles riecht hier so fremd und sieht so fremd aus. Ich weiß nicht wo ich hin muss.“

„Ach du Armer. Was machen wir denn jetzt? Oh weh – jetzt komm erst mal und wärm dich auf. Dort hinten ist eine tolle Wärmequelle.“ Sie zog ihn am Ohr und er kam mit hängenden Schultern hinter ihr her.

Vor einem besonders schön geschmückten Schaufenster blieb sie stehen. Er kam neben sie und wunderte sich. „Was ist das alles hier?“ „Das – das ist was der Mensch Weihnachten nennt. Aber leider hat er vergessen um was es wirklich geht an Weihnachten. Ich kannte eine alte Frau, bei der ich immer mal untergekrochen bin – sie erzählte mir oft von dem Weihnachten ihrer Kindheit. Die Menschen trafen sich in der Kirche und hörten den Gottesdienst – danach gingen sie heim, schmückten ihre Bäume mit Nüssen und Plätzchen und Beeren. Die Kinder bekamen in ihre Socken Obst, Nüsse, Plätzchen und das ganz besondere war eine Orange – die waren selten und kostbar. Der Geruch und Geschmack. Einmalig. Nichts für uns – uns beißt es in der Nase – aber für die Menschen ist es ein solcher Wohlgeruch – und eine Geschmacksexplosion.

Sie freute sich das ganze Jahr auf diese eine Orange – das war das schönste Geschenk. Und heute – hast du die Menschen mal beobachten können?“ sie blickte den kleinen Kater an und der zuckte mit den Schultern. „Ich weiß nicht – ich bin ja erst noch so klein – ich kenne gar nichts. Das ist mein erstes Weihnachten.“ „Ach –ja klar – aber heute rennen sie von Laden zu Laden und kommen mit Tüten beladen wieder heraus. Manche haben ihre Welpen dabei die, die ganze Zeit nur rumnölen. Das ist nicht das, was ich mir vorstelle, wenn ich an die Geschichte der alten Frau denke.“

„Ich habe bei einer Frau gewohnt – sie war auch schon älter – sie hat mich auf der Straße gefunden, meine Mutter war weg und meine Geschwister habe ich auch verloren. Ich wäre fast gestorben, als sie mich entdeckte. Seit dem lebe ich bei ihr – aber ich muss immer wieder raus. Sie hat mir gesagt, ich soll mich noch bisschen gedulden – aber ich wurde so kribbelig.“ „Keine Angst Kleiner – wir werden schon eine Lösung finden – jetzt genieß die Wärme, die von hier unten kommt und das schöne Schaufenster. Hier eine kleine Wurst.“

Während der Kleine sich zusammenkauerte und die Wärme genoss schlief er ein. Annacat hatte das Gefühl, dass er schon lange unterwegs sein musste. Er war wirklich erschöpft gewesen. Wie sollte sie ihn wieder nach Hause schaffen? Sie hatte schon Anschläge von Katzen auf Bildern an den Bäumen gesehen und die Menschen belauscht – das waren Vermisstenanzeigen. Vielleicht gab es von ihm auch so was. Da sah sie was – eine Kapsel an seinem Halsband, das von dem dichten Fell verdeckt war. So was hatte sie schon mal gesehen. Da sind meist die Adressen der Katzen enthalten. Aber wie sollte sie das denn aufbekommen – außerdem konnte sie ja nicht lesen. Sie bräuchte Hilfe. Und sie wusste auch genau wo. Es gab eine nette junge Frau, die ihr immer mal wieder ein Schälchen Sahne heraus gestellt hatte. Wenn sie mit dem Kleinen dahin ging und er erbärmlich jammern würde, würde sie ihn bestimmt hochnehmen und die Kapsel entdecken. JA. Das war die Idee. Sanft rüttelte sie den Kater wach. „Ich habe die Lösung – auf komm mit. Ich habe jemanden, die uns helfen wird.“ Noch wackelig vom Schlaf folgte er ihr.

Langsam tapste er hinter ihr her. „Du – Annacat – was ist das eigentlich für ein weißes Zeug, das  meine Pfoten so kalt werden lässt?“ „Hm? Ach das – ja das sieht schön aus, gell. Das nennt man Schnee – Wenn es richtig kalt ist, kommt statt Regen der Schnee – er sieht so viel schöner aus, als Regen. Aber es kann ganz schön  unangenehm werden. Deswegen musst du über Mauern und Fensterbänke laufen – komm ich zeig es dir.“ Und schon sprang sie auf eine Fensterbank – dort blieb sie sitzen und blickte hinein. „Schau – da – die Katze dort – die hat es gut – sie liegt im Warmen und muss sich nie Gedanken um Futter machen. Ich werde alt – sollte es auch einen Weihnachtsmann für Katzen geben wünsche ich mir ein Zuhause.“ Morton – so hieß der kleine Kater – blickte in das Fenster und wurde sofort traurig. „So war das bei  mir auch. Ich hoffe ich finde wieder nach Hause. Außerdem wird sich meine Mitbewohnerin schon sorgen machen.“ „Das wird schon. Warts ab.“

Sie schlüpfte um die Ecke und Morton hechtete hinter ihr her. „Wir sind da – schau Cassie ist da – sie wird uns helfen. Jetzt bist du dran – du musst so erbärmlich wir du nur kannst jammern.“ „Wie so dass denn?“  Annacat klärte Morton auf und er nickte. Cassie sah die beiden und bückte sich. „Hallo Freundin – na hast du deinen Sohn dabei?“ Annacat schüttelte sich – Sohn – nein – Kinder hatte sie nie. „Der Kleine ist aber bisschen struppig – bist du ein Ausreiser?“ Das war Mortons Stichwort. Sofort fing er so herzzerrreisend wie er konnte zu jammern. „Meeoooow.“ „Ach du Armer – komm her – ich tröste dich bisschen. Ha – schau – du hast eine Adresskapsel – dann lass uns doch mal sehen, wer auf dich wartet.“  Sie drehte die Kapsel auf und fand die Adresse darin. „Das ist nicht so weit von hier – warte ich hole meine Jacke – dann bring ich dich da hin – und dich auch meine alte Freundin?“ Annacat schlich um ihre Beine – eigentlich würde sie lieber bei Cassie leben – aber Cassie hatte ihr schon erklärt, warum sie sie nicht aufnehmen kann – sie war nie zu Hause. Ihr Job war sehr Zeitaufwendig und sie wollte kein schlechtes Gewissen haben, dass Annacat so lange alleine wäre. Annacat verstand das – sie wollte ja auch einen Menschen, an den sie sich schmiegen könnte.

Cassie schnappte ihre Jacke und einen Korb in den sie die beiden Katzen setzte. „So ihr zwei – auf geht’s.“  Und sie lief los. Es dauerte etwa Fünfzehn Minuten da waren sie da. Sie klingelte und die Tür öffnete sich. Eine ältere Frau öffnete die Tür und sah Cassie verwundert an. „Ja bitte?“ „Hallo, mein Name ist Cassie – ich habe ihre Katze gefunden.“ „Ach – Was – oh kommen sie doch rein. Ich dachte Morton wäre für immer weg. Er ist schon seit zwei  Wochen verschwunden, der kleine Racker. Ich hatte ihm gesagt, er muss noch bisschen warten, bis er raus kann. Kommen sie, kommen sie.“ Cassie streckte ihr den Korb entgegen und die Frau stutzte. „Zwei Katzen?“ „Ja – sie hier ist eine alte Freundin von mir – sie hat Morton zu mir gebracht, so dass ich die Adresse lesen konnte – sie hat ihren Morton gefunden. Eine tolle Katze. Was meinen sie – könnten sie ihr vielleicht ein Zuhause geben und dürfte ich sie manchmal besuchen? Ich weiß, das ist eine große Bitte – aber es ist bald Weihnachten und vielleicht könnte das ein kleines Weihnachtswunder werden? Was meinen sie?“ „Jetzt kommen sie erst mal rein. Wir trinken einen Kaffee und essen Plätzchen. Dann reden wir.“ „Ja gerne.“

Sie gingen in das Wohnzimmer. Dort stand ein Weihnachtsbaum. Morton war verzückt. Es roch so toll und er sprang schnell auf den Baum. Annacat ging etwas langsamer und blickte sich um. Es wirkte alles sehr gemütlich und liebevoll. Diesmal zog Morton Annacat am Ohr. „komm, komm – hier ist es toll. Ich bin zu Hause  und du bleibst bei mir. Ich weiß es. Schau – hier ist mein Körbchen, das ist groß genug für uns beide. Da unter dem Weihnachtsbaum. Siehst du?“ Annacat war gerührt. Die beiden Frauen kamen mit Tassen und Teller zurück und setzten sich. „Natürlich darf die Katze hier bleiben. Schauen sie. Morton hat sie schon eingeladen. Da kann ich doch  nicht nein sagen. Und ich würde mich sehr freuen, wenn sie mich immer mal besuchen würden. Das wäre wirklich sehr schön.“ Die beiden Frauen unterhielten sich noch etwas und Annacat blendete sie aus. Das einzige dass sie noch sah, war das blinken und leuchten des Weihnachtsbaums. Draußen, vor dem Fenster hörte sie kleine Glocken und sie huschte schnell hin. Sie sah hinauf in den Himmel und sie meinte zu sehen, wie ein Schlitten am Firmament entlang flog und sie glaubte ein tiefes dunkles Lachen zu hören. „HoHoHo – Auch für Katzen. Ein herzliches HoHoHo.“

ENDE

Schreibkicks

Schreibkicks – Dezember – Stille Strasse der Einsamkeit

Schreibkicks. Hier wird von Sabine immer zum 1. des Monats ein neues Thema bekannt gegeben, dass dann am folgenden 1. des kommenden Monats auf seinem Blog gepostet wird.

Für den Monat Dezember  war die Vorgabe: Stille Strasse

Mit dabei sind:

Denkt daran: Es wird ein Weihnachtsspezial geben. Das Thema für den 24.12.2017 lautet: Unter dem Weihnachtsbaum 

Für den 1.1.18 lautet das Thema: Neues Jahr, Jahreslauf ….

Einsamkeit. Wann ist man einsam und wann nur alleine? Wie sagt man doch: „Alleine ist nicht unbedingt einsam.“ Martha lief die stille Straße entlang. Sie genoss diese Ruhe. Es war bereits dunkel. Kein Mensch war mehr unterwegs. Vereinzelt sah sie Hundemenschen auf ihrer letzten Runde. Es achtete keiner auf sie. Sie war unsichtbar. Mit der Dunkelheit verschmolzen.

Diese Einsamkeit und Ruhe vermittelte ihr, dass ihr die ganze Welt gehöre. Als wäre sie der letzte Mensch auf Erden.

Wie es wohl wäre ohne Menschen? Würde diese Einsamkeit sie beunruhigen, beruhigen, in Sicherheit wiegen? Würde sie es genießen, immer noch? Sie hasste diesen Lärm, der von Menschen ausging. Reden, Musik, Fernsehen, Verkehr. Wie wäre es wohl ohne diese Beschallung? Würde man sich denken hören? Würde man langsam verrückt werden? Kann der Mensch ohne andere Menschen existieren?

Langsam wanderte Martha weiter, tief in ihren Gedanken versunken. Es würde ein Morgen geben, mit Menschen, Lärm und Ablenkung – Pflichten und Erwartungen.

Aber die Ruhe und Einsamkeit der Dunkelheit auf den stillen Straßen, die würde sie ersehnen und jedes Mal wieder in sich aufnehmen und genießen.