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Writing Friday – Heldin wider Willen am freien Tag

Heute ist schon der letzte Tag für die Juni Aufgaben für den Writing Friday.

  • “Julia wollte das alles nicht, doch nun steckte sie zu tief mit drin.” Wie geht die Geschichte weiter?

Ich hab mich mal bisschen ausgetobt – wehe wenn Julia nicht ihren freien Tag bekommt.


Julia wollte das alles nicht, doch nun steckte sie zu tief mit drin.

Sie saß hinter einem Tisch und überlegte, wie sie überhaupt in diese Situation gelangen konnte. Sie war sich sicher – Schuld war ihr Wecker. Er hatte einfach geklingelt. Julia war fest überzeugt, dass sie ihn den Abend davor ausgestellt hatte.  Es war ihr freier Tag. Aber da sie schon mal wach war, dachte sie, könnte sie diesen Tag auch sinnvoll nutzen. Erst würde sie die nötigen Einkäufe erledigen. Sich ein schönes Frühstück gönnen und dann die liegen gebliebene Hausarbeit machen. Sie hatte nicht vor, mehr als die Hälfte des Tages zu vergeuden. Es war acht Uhr, als die das Haus verließ. Der Einkaufszettel steckte in ihrer Tasche und Geld würde sie jetzt gleich in der Filiale ihres Vertrauens holen. Trotz des unsäglichen Weckers war sie recht gut gelaunt. Die Sonne schien. Es würde ein schöner warmer Tag werden. Sie träumte schon davon sich später auf ihrem Balkon gemütlich zu machen. Einen Eiskaffee in der einen Hand und in der anderen ein gutes Buch. Ach, der freie Tag würde noch schön werden.

Sie ging durch die Tür in die Bank. Es war ungewöhnlich voll. Anscheinend waren um diese Zeit tatsächlich viele Leute unterwegs. Geduldig stellte sie sich an den EC-Automaten um Geld zu ziehen. Die Tür öffnete sich zum unzähligen Male, Julia achtete nicht drauf wer denn überhaupt rein und raus ging. Es interessierte sie nicht das Geringste. Eine ungewöhnliche Bewegung in ihrem Augenwinkel, ließ sie doch aufmerksam werden. Sie drehte den Kopf und blickte in ein Schweinsgesicht. Sie hatte noch keinen Kaffee, fiel ihr in diesem Moment ein. Das wird der Grund sein, warum ich mit einem Schwein in der Bank nichts anfangen kann.

Dann sah Julia sich um. Nicht nur ein Schwein war in der Filiale, nein auch ein überdimensionaler Hamster und ein ganz niedliches Eichhörnchen. Immer noch konnte sie mit diesen Tieren nichts anfangen. Bis die Frau hinter ihr in der Schlange, ihr ins Ohr schrie, und zwar so laut, dass sie befürchtete einen Tinnitus zu bekommen.

„Geht´s noch?“ Blaffte Julia die unbekannte Frau an.

„Ich bekomme ja einen Hörsturz. Was soll denn das?“ Um diese Zeit war Julia für solch ein Getue nicht zu gebrauchen.

„Ein Banküberfall.“ Schluchzte die Frau hinter ihr. Julia blickte sich noch mal um und da konnte sie die Waffen erkennen. Zum Teufel, musste das gerade heute an ihrem freien Tag geschehen? Wie oft kam sie an einem Arbeitstag her. Da hätte sie wenigstens eine gute Ausrede gehabt nicht auf der Arbeit zu erscheinen. So ein Mist. Sollte sie einfach mal nett fragen, ob sie gehen durfte?

„Entschuldigen sie bitte.“ Sie hatte kaum ausgedacht, da meldete sich ihr Mund schon zu Wort. Sie konnte selbst nicht fassen, dass sie tatsächlich das Schweinsgesicht ansprach.

„Entschuldigen sie bitte. Hören sie. Ich hab heute meinen freien Tag und bin nicht so scharf drauf, den mit ihnen und den anderen Kunden zu verbringen. Das verstehen sie doch sicher. Ich gehe mal davon aus, dass sie wissen, wie es als schlecht verdienender Arbeitnehmer ist? Sonst wären sie ja nicht hier, in dieser Situation. Wie wäre es, wenn sie mich nur schnell rausschlüpfen lassen und ich gehe meine Wege. Ich hab noch viel vor, bevor ich mich dann auf den Balkon setzen kann.“

Das Schweinsgesicht kam auf sie zu. Blickte sie ungläubig an und antwortete.

„Na klar Schwester. Wir wissen alle, wie beschissen es doch ist an seinem freien Tag in einem Banküberfall gefangen zu sein. Da werden wir doch mal ein Auge zudrücken und dich rauslassen. Damit du der Polizei dann sagen kannst, wie viel wir sind, wie wir bewaffnet sind und wo wir stehen. Das ist doch kein Problem.“

Julia antwortete: „Ich erkenne Sarkasmus, wirklich –aber meint ihr, die Polizei braucht mich für diese Infos.“ Dabei deutete sie auf die Kameras, die immer noch aktiv waren.

„Da hättet ihr schon früher dran denken sollen.“ Meinte sie und schüttelte ungläubig den Kopf.

Das Schweinsgesicht hob die Waffe – zielte auf die Kamera und schoss. Es war so laut, dass Julia nur noch ein Klingeln im Ohr vernahm. Verdammt – was die Frau mit ihrem Schrei nicht geschafft hatte, hatte dieses Schwein mit dem Schuss geschafft. Ihr Ohr. Erschrocken hatte sie dabei ihre Hände auf die Ohren gedrückt und war in die Hocke gegangen.

„Okay, ich sehe schon, das wird wohl nichts mehr mit meinem freien Tag, nicht wahr?“

„Du bist echt eine Schnellmerkerin, nicht war Blondie?“

„Eigentlich nicht, vor allem wenn ich keinen Kaffee hatte.“

„HALT DIE SCHNAUZE.“

Julia zuckte zusammen. Okay – er hatte wohl auch noch keinen Kaffee. Sie war richtig angesäuert. Das war ihr erster freier Tag seit drei Monaten. Nein, das konnte so nicht enden. Nein, nein, nein.

Das Schweinsgesicht drehte sich um. Julia überlegte angestrengt. Ach was soll´s, dachte sie. Sie erhob sich aus der Hocke und näherte sich ganz langsam von hinten dem bewaffneten Schwein. Die anderen hatten sich schon wieder abgewendet und gaben der Kassiererin die Tasche mit den üblichen Floskeln. Es roch nach Urin. Irgendjemand hatte wohl die Kontrolle über seine Blase verloren. Kein Wunder bei dem rum geballere.

Sie hatte genügend Shooter gespielt um zu wissen was sie zu tun hatte. Leise, leise – sie hatte die Schuhe abgestreift um keine verräterischen Geräusche zu machen. Sie stand hinter dem Kerl. Dann schlug sie mit der Handkante in die Kniekehle. Er knickte stöhnend ein. Fiel aber nicht. Das machte nichts. Er war jetzt in der Höhe, dass Julia ihn von hinten anspringen konnte. Der Griff ihrer Handtasche sollte ihr als Würgeband dienen.  Erst blieb sie mit dem Griff an den Schweinsohren und der vorstehenden Nase hängen – aber der Überraschungsmoment war auf ihrer Seite. Zum Glück waren die anderen mit dem Überfall mehr als beschäftigt, als mitzubekommen, was im Hintergrund lief. Sie saß auf seinen Rücken und der Griff der Handtasche diente als Würgeband. Sie nutzte ihr Gewicht als Hebel um ihn zu würgen. Er zappelte und versuchte sie abzuwerfen. Dabei stieß er den Tisch vor ihnen um. Jetzt bemerkte das Hamstergesicht, dass etwas vorgefallen war.

„Hei, HEI Schlampe, lass ihn los, sonst schieße ich.“

Außer Atem antwortet Julia: „Mach doch, schiess nur, du wirst nur deinen schweinischen Kumpel treffen.“ Der Hamster schwenkte seine Waffe hinter her, aber es gab kein freies Schussfeld. Endlich ging das Schwein in die Knie und fiel auf die Seite. Hinter dem Tisch fühlte Julia sich einigermaßen sicher. Sie wusste, dass er die Kugeln nicht abwehren würde, aber sie hoffte, dass die anderen Angst hatten ihren Kumpel zu treffen, der ja nicht mehr zu sehen war.

„Ich wollte nur meinen freien Tag genießen. Mehr wollte ich nicht. Ich wollte von Schweinsgesicht nur bisschen entgegenkommen. Aber nein – er war ja so überheblich. Nicht mit mir, nicht an meinem freien Tag. Ist das Klar? Lasst also die Waffen fallen, verlasst die Bank und verschwindet in der Menge, dann wird alles gut. Und beim nächsten Versuch, fragt erst mal ob jemand einen freien Tag hat – dann lasst ihn oder sie einfach gehen. Habt ihr das verstanden?“

„Hei, Lady. Sag mal spinnst du? Glaubst du, du kommst hier noch raus?“

„Oh ja – denn die Polizei wird bestimmt bald eintreffen. Es gibt bestimmt ein fixen Bankmitarbeiter, der schon längst auf den Alarmknopf gedrückt hat. Das ist in Filmen immer so. Also, ihr solltet langsam den Rückzug antreten, sonst werde ich echt sauer. Ich hatte noch keinen Kaffee. Ich wollte ein gemütliches Frühstück einnehmen – AN MEINEM FREIEN TAG!“

Die Bankräuber blickten sich fragend an.

„Na? Was gibt es denn da solange zu überlegen? Also wirklich, die hellsten scheint ihr nicht zu sein. Husch, husch. Verpisst euch. Ich hab die Waffe von eurem Kumpel und ich weiß wie sie funktioniert.“ So bisschen wird von den Shootern ja hängen geblieben sein, dachte sie.

Dann tat sich was, sie saß mit dem Rücken an den Tisch gelehnt. Sie hob leicht den Kopf über den Tisch um zu überblicken was geschah. Sie konnte es nicht glauben. Die Bankräuber zogen sich zurück.

„Hei, was ist mit eurem Kumpel. Was seid ihr denn für Kameraden, wollt ihr ihn hier zurücklassen? Also so was. Nicht zu fassen. Ich gehe jetzt um den Tisch rum, keine Mätzchen, klar. Dann nehmt ihr in mit und denkt an meine Worte. Der nächste Überfall besser planen. Auf auf jetzt, ich will endlich weg.“

Die anderen zogen ihren Kumpel hinter dem Tisch hervor und zogen sich tatsächlich zurück. Julia konnte es nicht glauben. Es funktionierte. Niemals hätte sie gedacht, dass es klappen würde. Die Tür schloss sich hinter den Männern und Julia atmete tief aus. Die Waffe steckte sie in ihre Handtasche, die neben ihr lag.

Ein Kontrollblick in den Spiegel zeigte ihr, dass sie etwas derangiert war. Sie zog ihren Zopf zurecht, strich die Hose glatt und streckte die Brust heraus.

Dann ging sie zur Tür, die sich automatisch öffnete und verließ die Bank ihres Vertrauens, die es wohl nicht mehr war. Kein Blick zurück. Sie hatte eh schon zu viel Zeit verloren. In Gedanken überarbeitete sie ihren Plan. Ein Gang zum Bäcker und dann gleich auf den Balkon, das hatte sie sich nach der Aufregung verdient. Einkaufen und Hausarbeiten waren so was von nebensächlich geworden. Nein, nein. Das war ihr freier Tag und da würde ihr nichts dazwischen funken. Nicht an ihrem freien Tag, dachte sie lächelnd.

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Writing Friday – Schreibe einen Brief an dein 80-jähriges Ich

Writing Friday – ich hab noch Urlaub und trotzdem nicht viel zu Stande gebracht – deswegen mal was Kurzes.

Was würde ich mir schreiben. Was sollte mein 80 jähriges Ich erfahren? Es weiss doch schon alles, oder?

Ich habe einfach nur mal Hallo gesagt.

Schreibe einen Brief an dein 80-jähriges Ich

Hi, es müsste jetzt 2051 sein? Das ist für mich im Moment unvorstellbar. 2038 klingt für mich schon utopisch fern. Da können wir in Rente gehen. Also wir können aufhören zu arbeiten und eine Einheitsrente, oder gar Essensmarken? Erhalten. Du weisst es ja schon.

Im dem Moment in dem ich dir diesen Brief schreibe, sieht es nicht so rosig aus. Du wirst dich vielleicht noch erinnern? Das Land steuert seinem Untergang entgegen.

Die Mainstream Medien berichten nichts mehr aufrichtiges – die alternativen Medien hauen eine Katastrophe nach der anderen raus. Die Mainstream Medien pumpen die Leute mit Müll voll. Brot und Spiele. Wenn die Menschen abgelenkt sind, dann rebellieren sie nicht. Ach, was soll ich dir sagen? Du weißt es ja.

Warum schreibe ich dir eigentlich? Ich hoffe, ich habe alles überlebt. Mein Schatz ist bei mir und wir können endlich glücklich und friedlich leben.

Es stehen einige Krisen und Herausforderungen vor uns. Rina, wenn du das alles überlebt hast, dann hattest du ein gutes Leben, danach. Und das wünsche ich uns. Ein gutes und friedliches Leben. Und wenn du diesen Brief gerade liest, erwarte ich ein Lächeln und einen versonnenen Blick auf deine Vergangenheit.

Es gab harte Zeiten – aber wenn du dies liest, hat es sich gelohnt, die Zähne zusammen zu beißen.

Ich wünsche, dass wir an noch paar gemütliche Abenden mit unserem Schatz, auf unserer Terrasse den Sonnenuntergang genießen können.

Alles Liebe, deine Rina aus 2019

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Writing Friday – Der Aufstand der Dosen

Ein Thema aus dem #writing friday für Juni bietet sich einfach an um sich richtig albern auszutoben.

Das hat echt total Spass gemacht.

Deine Vorratsdosen starten einen Aufstand, berichte davon.


Deine Vorratsdosen starten einen Aufstand, berichte davon.

Ich muss euch eine Geschichte erzählen. Da würde ja nie jemand darauf kommen. Ich war mal wieder einkaufen und es landeten wie immer einige Dosen in meinem Einkaufswagen. Es ist aber nicht so, dass ich die auch regelmäßig aufbrauchen würde. Das ist so ein Spleen von mir. Mein Keller ist schon ziemlich gut mit Dosen gefüllt. Ich wandelte gern ein Wort aus dem Bücherjargon um und nannte ihn gerne SuD (Stapel ungeöffneter Dosen) hihi. Ja, manchmal bin ich doch etwas albern. Ich war also ein Vorratsdosen-Messie. Ich würde ja sagen, das kommt noch aus der Kriegszeit, in der es kein Essen gab – aber ich bin erst Dreißig – da war von Krieg nichts mehr zu sehen.

Ich kam also mit meinen Einkäufen nach Hause und die Dosen brachte ich in den Keller. Ich ging im Dunkeln hinunter. Licht brauchte ich nicht mehr – ich kannte mich blind aus. Aber etwas war anders. Die Atmosphäre war seltsam. Unruhig. Ich stand unschlüssig da, mit den Dosen in der Hand. Ich wusste im ersten Moment nicht was ich machen wollte. Dann ging ein Ruck durch mich und ich räumte die Dosen zu den anderen. Drehte mich um und verließ den Keller.

Nach dem die Tür geschlossen war wurde es aufregend im Keller.

„Habt ihr das gesehen? Schon wieder neue. Wo soll das denn noch hinführen? Ständig bringt sie neue Streuner und vernachlässigt die alten Bewohner. Dabei sind so leckere Gerichte dabei. Das kann so nicht weiter gehen.“ Meinte die Dose Mexican Mais Mix.

„Du hast Recht Mexi. Wir müssen was ändern. Wo soll das denn noch hinführen. Sie stopft und stopft. Bald hat keiner mehr Platz – schau nur. Dort bei den Erbsen. Da stapelt sie schon. Ganz unten die sind schon rostig und verbeult.“

Alle blickten zur erwähnten Stelle. Man hörte nur ein Ächzen und Stöhnen.

„Genau, mir tut mein Deckel und die eingebeulte Seite schon so weh. Ich weiß gar nicht mehr wie ich mich drehen soll. Wir müssen was machen.“

„Absolut richtig, Erbsi. Es wird Zeit. Wir brauchen….“

Mexi überlegte theatralisch. Blickte sich in den Regalen um, dass auch ja alle ihm ihre Aufmerksamkeit schenkten.

Die Dosen klapperten vor Aufregung. Die Spannung stieg ins unermessliche. Bevor der Dosenberg in sich zusammenfiel, erlöste Mexi sie.

„Wir brauchen eine Gewerkschaft. Eine Vorratsdosengewerkschaft. Es müssen Bedingungen ausgehandelt werden. Wir sind nicht einfach nur schnöde Dosen. Wir beinhalten leckeres Gut.

Manch eine Familie wäre froh sie hätten uns. Eine Gewerkschaft. Und von jedem Gericht muss einer abgestellt werden. Erbsi, wie sieht es aus, du bist der Älteste hier. Du sollst unser Sprecher sein.“

„Ach nein, Mexi. Da muss jemand jüngeres, dynamisches her. Wie du. Schau nur alle hören dir gespannt zu. Du musst der Anführer werden. Der Sprecher und Verhandler.“

Mexi nickte demütig. Die Dosen erhoben sich. Ein Klappern erscholl.

„Mexi, Mexi, Mexi, Mexi. Dosen in den Topf, Dosen in den Topf, Dosen in den Topf.“

Mexi blickte sich stolz um. Er reckte sich und sie formatierten sich. Von jedem Gericht hatte sich ein Sprecher hervor getraut. Sie standen in einer Reihe und im Hintergrund riefen ihre Genossen

„Dosen in den Topf, Dosen in den Topf, Dosen in den Topf.“

Sie bildeten eine Treppe zur ersten Stufe, so dass die Abgesandten nach oben gehen konnten. Oben an der Schwelle, stapelten sie sich ebenfalls um den Türknauf zu öffnen.

Die Tür schwang auf und sie betraten den Raum. Das Licht blendete sie. Zur ewigen Dunkelheit verdammt, war es für viele das erste Mal seit langem, dass sie wieder Licht sahen. Kurz verstummten sie, um die Schönheit zu genießen. Dann erklang der Kanon erneut.

„Dosen in den Topf, Dosen in den Topf…“ rufend, bewegten sie sich Richtung Küche.

In der Küche befand ich mich und bereitete mein Essen zu. Frisches Gemüse und leckere Soße. Ich hörte das seltsame Klappern hinter mir und drehte mich um. Mit dem Messer in der Hand, erstarrte ich. Vor mir standen meine Dosen. Ich war erschüttert. Was war das? Wer hatte denn die Dosen hinter mir aufgereiht?

Dann trat eine Dose  Mexican Mais Mix vor. Platzierte sich vor mir und sprach. Die Dose sprach mit mir.

„Mensch. Wir haben zu reden. Heb mich hoch.“

Ich blickte ihn dämlich an.

„Ich glaube der Mensch versteht mich nicht? Sie sind schon bisschen langsam, das habe ich mal im Einkaufsregal gehört. Da wurden solche Gerüchte verbreitet. Aber es scheinen wirklich keine Gerüchte zu sein. Sie sind – äh – langsam. Bitte – hebe – mich – hoch – dass – ich – besser – mit – dir – reden – kann.“

Ich blinzelte. Blinzelte erneut und legte, wie ferngesteuert, das Messer auf die Theke. Bückte mich und griff nach der Dose. Sie stand nun vor mir.

„Jetzt bitte noch die anderen, die direkt hinter mir stehen.“

Da standen ungefähr noch  12-15 Dosen verschiedener Gerichte. Ohne erneut zu zögern, tat ich wie mir geheißen.

„Das hast du sehr gut gemacht. Wir wollen reden. Geht das in Ordnung?“

„Äh, ja.“

„Sehr gut.“ Er drehte sich zu den anderen Dosen um und sie klapperten zustimmend.

„Hör zu Mensch. Du kaufst uns schon seit einer geraumen Zeit. Wir haben Senioren, da kann man schon nicht mehr erkennen, was sie denn in sich haben. Die Label sind so zerschlissen und ausgebleicht. Ohne davon zu reden, dass sie rosten und verbeult sind. Sie gehören endlich mal befreit, von ihrem Elend. Sie müssen endlich in die Dosenpresse um ein neues Leben führen zu können. Kannst du das verstehen?“

Ich konnte nicht antworten. Die Dose seufzte tief.

„Wie soll ich dir das erklären?“

„Ich habe schon verstanden. Aber…ihr seid Dosen. Es kann euch doch egal sein, wie lange ihr bei mir steht.“

„Eben nicht. Wir können Nahrung sehr lange genießbar aufbewahren, aber wir wollen auch irgendwann mal in Rente gehen. Also bedeutet: Einige Male werden wir recycelt. Manche kommen dann entweder in den Dosenhimmel, oder werden vielleicht auch mal schöne Deko. Wer will denn immer nur Essen in sich haben. Schöne Blumen, oder Kerzen…das ist es was wir wollen. Deswegen musst du unseren Inhalt essen und uns weggeben. Oder selbst was aus uns machen. Hast du das verstanden?“

„Ja schon, aber…“

„Kein Aber…du kauft doch eh ständig neue. Geh einfach in den Keller und öffne zum Beispiel die alte Erbsen Dose. Der arme Kerl hat schon so Schmerzen im Deckel und den verbeulten Seiten. Er sehnt sich nach seiner Befreiung.“

Ich riss die Augen auf. Das musste ein Traum sein, oder nicht? Vorsichtig zwickte ich mich. Autsch. Kein Traum.

„Was ist, wenn ich euch nicht gehen lassen will?“

„Du willst, glaub mir. Wir waren wirklich lange geduldig. Aber irgendwann rastet auch die netteste Dose aus. Und das willst du nicht erleben. Unsere Deckel können echt scharf sein. Und so voll wie wir sind, können wir auch sehr schmerzhaft sein, wenn du getroffen wirst. Wir meinen es ja nur gut mit dir. Es war ja mal schön, aber es muss enden. Jetzt. Verstanden.“

Ein bedrohliches Glühen ging von der Dose aus und ich schob mich etwas zurück. Eine Gänsehaut hatte sich auf meinen Armen gebildet. Dann stand ich vorsichtig auf, ging zur Kellertreppe und kam mit der verbeulten Dose Erbsen wieder hoch.

„Ach Mexi, ich danke dir. Endlich werde ich erlöst. Nie wieder Erbsen.“

„Mach´s gut alter Freund. Vielleicht sehen wir uns mal wieder. So und nun kannst du uns wieder hinunter bringen. Das ist für uns Dosen schon echt anstrengend. Das kannst du schon noch machen, oder?“

Ohne Widerworte packte ich die Dosen in einen Korb, vorsichtig, dass ich sie nicht verbeulte, und brachte sie hinunter in den Keller. Dort räumte ich sie ein und ging wieder nach oben.

Sprechende Dosen, war das zu fassen? Was gab es noch, von dem ich nichts wusste. Spionierte mein Saugroboter mich vielleicht aus?

 

Ende.

 

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#Writing Friday – Der Sieg

Die letzte Aufgabe für den Mai. Es ist schon manchmal erstaunlich wie sich die Ideen so manchmal einfinden.

Die Idee zu dieser Geschichte kam mir auf der Arbeit. Und zwar hatte ich eine Stange in der Hand um einen Paketstau zu lösen. Und irgendwie fühlte ich mich als Kriegerin – und meine Geschichte war geboren. Sie ist dann doch noch bisschen anderes ausgegangen, als ich mir erdacht hatte. Aber es hat trotzdem Spass gemacht.

Hier findet ihr noch viel mehr Geschichten

Also lest einfach:

Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter mit ein: Marmelade, Fingerhut, Rosenranken, Himmelblau und Oma.

 

Oma saß am Frühstückstisch und beschmierte gerade ihr Brot mit leckerer Erdbeermarmelade. Ich schwöre euch, keine je von mir gegessene Marmelade kann mit der meiner Oma mithalten. Es ist nicht nur die Liebe, mit der sie sie kocht, nein, ein wesentlicher Bestandteil ist die Magie der Natur, die unser Haus umgibt. Es ist immer wieder ein Vergnügen zu sehen, wie sie verschiedene Blumen und Kräuter mit in die Marmelade mischt. Und damit sind wir auch schon bei unserem Geheimnis.

Unser Haus liegt am Rande eines magischen Tores. Wir sind die Wächter. Seit Generationen bewachen wir dieses Tor. Ahnungslose Menschen werden darum herum geleitet, damit sie nicht versehentlich durchtreten. Das würde nicht gut für sie ausgehen. Sie sind nicht sehr beliebt in der magischen Welt. Warum, fragt ihr euch. Das ist doch eigentlich klar. Sie achten einfach die Naturgesetzte nicht. Sie trampeln einfach alles nieder ohne Rücksicht.

Aber nicht nur vor Menschen müssen wir das Tor schützen. Es gibt böse Mächte, die unbedingt eindringen wollen. Sie wollen an die Schätze und Geheimnisse unserer Welt. Sie wollen sie vergiften mit ihrem Hass und Missgunst. Dunkle Magier greifen immer wieder an. Aber sie sind nicht stark genug. Noch nicht.

„Komm Kind, setzt dich und Frühstücke gut. Wir werden es heute brauchen.“

„Wieso? Was hast du gehört?“

„Nicht gehört, gesehen. Schau in  den Spiegel.“ An der Wand hing ein magischer Spiegel. Er warnte uns, wenn Gefahr im Verzug war. Ich stand also auf und schaute hinein. Erst einmal musste sich das hübsche Himmelblau verziehen. Das war als Tarnung für Gäste. So sah es aus, als wäre es ein abstraktes himmelblaues Bild. Aber in Wahrheit war es ein Spiegel. Das Bild lichtete sich und ich konnte Dunkelheit erkennen. Aber in der Dunkelheit bewegte sich was. Reiter durchstreiften die Gegend. Sie suchten etwas. Sie suchten uns.

„Wer ist das?“

„Ich hab das Wappen gesehen. Es ist Anamon.“

„Anamon? Ich hab noch nie von ihm gehört.“

„Komm, wir haben noch Zeit. Die anderen sind informiert. Bald wird unsere Armee eintreffen. Wir sollten also gestärkt sein. Und was ist besser geeignet, als ein bisschen Marmelade? Dann erzähle ich dir von Anamon.“

Ich setzte mich auf den alten Stuhl, der so bequem war, dass ich eigentlich alles darauf machte. Lesen, Essen, Tippen, Schreiben,….ach einfach alles was nur geht. Er beruhigte mich immer wieder. Und das tat er auch jetzt. Ich biss herzhaft in das Brot und auf meiner Zunge explodierte der saftige Geschmack. Sofort spürte ich die Kraft die aus der Marmelade hervorging. Sie würde mich für den Kampf wappnen.

Oma fing an zu erzählen. Sie lehnte sich in ihren Stuhl zurück und nippte an ihrem Tee.

„Anamon war einer von uns. Das ist nicht verwunderlich, oder? Ist es nicht immer so, dass sie alle irgendwann mal gut waren und irgendwas sie veränderte. Bei Anamon war es verschmähte Liebe. Liebe ist so mächtig, aber auch so zerstörend, wenn sie nicht erwidert wird.  Sollte es dich wundern? Nein, das wird es bestimmt nicht. Denn seine Liebe galt deiner Mutter.“

Ich riss die Augen auf. Meiner Mutter? Sie war die gütigste Frau, die ich je kennen lernte. Und mein Vater vergötterte sie. Sie lebten in dem magischen Teil und besuchten uns immer wieder. Mich hatten sie in die Menschenwelt geschickt um dort zu lernen. Ich lernte – ich ging in die Armee. Ja…ihr dachtet irgendwas unnützes Menschliches? Nein, nein. Es sollte praktisch sein. Ich lernte Kriegsstrategien, die uns schon oft geholfen haben. Ich war also auch ohne magische Hilfsmittel eine Waffe. Denn bei einem Gegenzauber, könnte es schon gefährlich werden. Aber ich konnte auch so kämpfen. Ohne Prahlen zu wollen. Ich war echt gut.

Aber zurück zu Anamon. Er wollte meine Mutter.

„Ja, er liebte sie abgöttisch. Aber deine Mutter konnte schon immer gut in Seelen blicken und sie entdeckte den dunklen Fleck bei ihm. Er wäre niemals in die engere Wahl gekommen. Aber Anamon wollte nicht aufgeben. Es hätte damals schon fast einen verheerenden Krieg gegeben. Aber wir haben Anamon vertreiben können. Fast hätte er deine Mutter entführt. Aber sie ist nicht ganz so friedlich, wie sie zu sein scheint. Sie kann ganz gut kämpfen. Er zog also seinen Schwanz ein und verließ das magische Land. Wir hörten immer wieder Gerüchte, dass er sich mit dunkler Magie beschäftigte. Es war also klar, dass er auch irgendwann wieder kommen würde. Ja. Jetzt sieht er wohl die Zeit gekommen. Noch wissen wir nicht was er will. Vernichtung, immer noch deine Mutter, einfach nur Rache. Ich weiß es nicht. Aber wir sollten vorbereitet sein.“

„Alles klar. Ich werde meine Waffen prüfen. Unseren Vorrat an Fingerhut-Bomben. Und noch so einige andere nette magischen Wunderwaffen, die ich so im Repertoire habe.“

„Mach das mein Schatz. Ich werde mich mal praktischer anziehen. Im Morgenmantel wirke ich nicht sehr beängstigend, oder?“ Sie lachte herzhaft und ich konnte nicht anders als einzustimmen. Wir waren wirklich überheblich. Wir waren sicher zu gewinnen. Das Gute gewann immer.

Wir waren bereit und warteten. Anamon ließ sich Zeit. Soviel Zeit, dass Oma noch ihre Socken fertig stricken konnte. Okay – ihre Nadeln strickten, sie hatte sie magisch etwas angeschubst. Aber die Socken waren immer schön kuschelig und warm. Denn hier wurde es verdammt kalt im Winter. Wir sangen Lieder und die Vögel tanzten dazu. Auch die Bienen hatten sich angeschlossen. In diesem Moment trafen die Hornissen ein. Eine machtvolle Armee. Sie warfen ihre Speere in das Gebüsch und schlossen sich unserem Gesang an. Hornissen hatten wundervolle Stimmen. So nach und nach trudelte unsere Armee ein und da Anamon wirklich langsam war, hatten wir am Ende eine kleine Gartenparty. Honig floss und leckere Früchte wurden herum gereicht. Getanzt und gelacht wurde.

Fast hätten wir Anamons Ankunft verpasst. Aber ein kalter Wind zog auf und warnte uns. Natürlich sahen wir erst mal nicht ein unser Fest zu unterbrechen. Warum auch. Es war so friedlich. Im Hintergrund hörten wir die stolzen Schritte Anamons Armee und seiner Pferde. Dann stand er vor uns. Ich drehte mich zu ihm um und lachte. Sein Blick war unbezahlbar. Während seine furchtbaren Krieger sich hinter ihm versammelten, sangen und tanzten wir weiter. Ich glaube, der Honig war schon eher Honigwein gewesen.  Wir waren betrunken.

Anamon stieg vom Pferd. Bewaffnet bis an die Zähne. Er trat auf die Lichtung. Die Rosenranken schlossen sich zum Schutz. Er konnte nicht eintreten.

Es donnerte mahnend. Anamon war sauer. Und wir tanzten und tanzten. Wir konnten einfach nicht anders.

„Eranika. Was soll das hier? Ich weiß, dass du vorbereitet bist auf mich. Ich habe deinen Blick gespürt. Du weißt, dass ich eindringen werde, egal wie.“

Meine Oma tänzelte an die Ranken und streckte ein Glas Honig durch.

„Anamon. So lange haben wir dich nicht gesehen. Und ihr habt uns heute so lange warten lassen. Du weißt, dass wir nicht so geduldige Warter sind. Also was sollten wir machen. Das eine ergab das andere und ich glaube wir müssen deinen Krieg erst mal verschieben. Wir sind nicht mehr nüchtern. Das wird nicht gut ausgehen. Komm trink mit mir.“

Er dampfte und schlug ihr das angebotene Glas aus der Hand. Ich konnte sehen wie sich sein Pferd daran labte. Dann klickte es und es war ebenfalls betrunken. Der Honig war wirklich sehr stark gegärt. Im Hintergrund konnte ich sehen, wie sich seine Krieger die Lippen leckten. Es war ein langer Ritt gewesen. Lange Wege machten immer durstig. Ich schickte die Vögel heimlich los und sie verteilten hinterrücks von dem leckeren Honig. Die Männer tranken gierig und waren verloren.

Schade, eigentlich hatte ich mich auf einen kleinen Kampf gefreut. Es war schon einige Zeit her, dass ich meine Fähigkeiten anwenden konnte. Aber heute und hier, würde das wohl nicht mehr stattfinden.

Anamon drehte sich um und sah seine betrunkenen Männer. Seine Wut entlud sich. Da trat meine Mutter vor.

„Anamon. Mein Freund.“

Anamon erstarrte. Er errötete sogar. Ach, das war fast niedlich. Ein so böser Krieger – Magier und errötete schüchtern wie ein kleiner Schuljunge.

„Miranda.“

„Anamon. Was soll denn das? Ein Krieg, weil du nicht bekommen konntest was du wolltest? Ist das nicht zu albern. Komm. Trink und lach mit uns. Es ist schon so lange her. Frana ist auch da.“

Meine Tante? Was hatte denn meine Tante damit zu tun?

„Du weißt, dass sie dich immer schon mochte? Aber du warst zu stolz sie zu beachten. Wie wäre es denn jetzt? Schluck deinen Stolz herunter, steig ab, trink ein Glass Honig mit uns und tanze mit Frana.“

„ich bin nicht zum Tanzen und feiern hier. Ich bin hier um meine Schande zu rächen.“

„Ach sei nicht albern. Du weißt, dass du nicht gewinnen kannst. Schau dich doch um. Unsere Armee ist viel mächtiger. Deine ist schon betrunken. Arnika. Meine Tochter.“ Bemerkte sie nebenbei.

„Arnika, komm hilf unserem Gast herunter. Ihr könnt euch über Kriegskunst unterhalten. Aber erst wird noch getanzt.“

Meine Mutter war eine Meisterin im Überreden. Und ich konnte sehen, wie der dicke Panzer von Anamon riss. Er zierte sich, aber er hatte schon verloren. Diese Gegend hatte schon andere bezwungen. Er war harmlos.

Heute würde es keinen Krieg mehr geben. Heute nicht. Aber ich wusste, dass ich irgendwann mal meine Kunst beweisen müsste.

ENDE

Geschichtenzauber, writing friday

[#WritingFriday] – Kleine Helferlein

#Writing Friday wieder etwas verspätet, aber immerhin.

Mir ist lange nichts eingefallen – aber dann….die Tage fuhr ein LKW mit einem bekannten Wort an mir vorbei. Und schon war es da – die Idee. Es war für eine Wäschereinigungsfirma.


Diese Woche also:

Schreibe eine Geschichte die mit dem Satz “Jasmin hatte schon immer an Magie geglaubt, doch als sie dann tatsächlich sah wie…” beginnt.


Jasmin hatte schon immer an Magie geglaubt, doch als sie dann tatsächlich sah wie ein kleines Männchen vor ihrem Bett stand war sie selbst erstaunt. Endlich gab es einen Beweis für Magie und sie stand direkt vor ihr.

Bert blieb mitten in seiner Bewegung stehen. Wie eingefroren. Er war ertappt. In seinen Armen hielt er einen Stapel Kleidungsstücke, die er gerade wegbringen wollte.  Ein Bein in der Luft, wankte er gefährlich.

Jasmin schwang ihre Beine aus dem Bett. Sie waren noch zu kurz um mit den Füssen den Boden zu berühren. Eine Taschenlampe in der Hand, strahlte sie direkt den eingefrorenen Bert an. Dieser wankte immer mehr und hielt den Atem an.

„Wer bist du?“ fragte Jasmin ihn.

Seine Augen blickten wild hin und her. Beim Zucken seiner Pupillen wurde ihm dann richtig schwindelig und er fiel rücklings hin. Immer noch in seiner eingefrorenen Position, hielt er das Bein angewinkelt und die Kleidung fest in den Armen.

„Hallo, du da. Was bist du?“ Jasmin sprang vom Bett und ging auf den liegenden Bert zu. Sein Blick wurde hektisch und sein Atem immer schneller, je näher Jasmin an ihn trat. Und dann lockerte sich sein Griff um die Kleidungsstücke. Er wurde Ohnmächtig. Erschrocken trat Jasmin zurück.

„Bist du tot?“ In dem Moment nahm Jasmin noch weitere  Bewegungen wahr. Schatten die sich in sämtliche Ecken ihres unordentlichen Zimmers bewegten. Ihre Taschenlampe fand ein nächstes Ziel. Ein ähnliches Geschöpf wie der Ohnmächtige vor ihr verharrte in seiner Bewegung.

„Hallo du, ich tue dir nichts. Ich bin Jasmin. Wer bist du?“

Ebenfalls hektisch hin und her blickend ließ er gerade einen Stoffbären fallen und drehte sich unsicher zu ihr. Dann blickte er nach rechts und sprach:

„Connie? Hast du genügend Schlafpulver genommen? Du weißt doch, wenn die Zimmer so unordentlich sind, musst du die Portion erhöhen, damit die Menschen nicht wach werden.“

Unruhig wackelte der Angesprochene hin und her.

„Jaaaa? Ich hab eine große Portion verteilt. Aber es könnte sein, dass es abgelaufen war. Ich fand es in der hinteren Ecke.“

„Abgelaufen? Wo gibt es denn so was? Schau was du damit angerichtet hast. Der Mensch ist wach.“ Fuchtelte das Männlein aufgeregt mit seinen Armen vor Connie hin und her.

„Hei, mein Zimmer ist nicht unordentlich. Hier ist System drin.“

Derjenige, der gerade gesprochen hatte, stemmte seine Hände in die Hüften und blickte sich mit hochgezogener Braue um.

„Nicht unordentlich? Deine Schränke sind leer. Wofür hast du sie?“

„Für meine Mami. Ich brauche sie nicht. Ich weiß auch so wo meine Sachen sind.“

„So so. Dann können wir ja wieder gehen. Anton, bring das Vergessenspulver.“

Jasmin riss die Augen auf.

„Nein, bitte ich will nicht vergessen. Endlich hab ich einen Beweis für Magie. Was seid ihr?

„Wir? Niemand. Niemand, den du kennen müsstest, du wirst es eh gleich vergessen. Anton!“

„Nein, nein, nein. Hier, hier hab ich Kekse. Wenn ich nicht vergesse, dann dürft ihr sie haben.“

Bert erwachte aus seiner Ohnmacht. „Kekse?“

„Ja, hier.“ Sie hielt sie dem liegenden vor die Nase. Diese wackelte wie von einem Hasen hoch und runter, bei dem Geruch nach Keksen. Schnell setzte er sich auf und griff danach. Aber Jasmin war schneller und zog sie fort.

„Nur wenn ich nicht vergesse!“ War ihre Bedingung.

„Edi, biiiittte. Kekse“

Schnell kamen aus allen Ecken noch mehr dieser  kleinen Männchen. Alle standen um Edi und blickten ihn bittend an. „Biiitttte.“ Kam es vereint.

„Ach man. So ein Keks ist schon was Leckeres. Also gut. Kein Vergessen für einen Keks.“

Jasmin klatschte begeistert in die Hände und stellte die Dose auf den Boden.

„Also, wer seid ihr und was macht ihr hier?“

Mit Krümeln im Mund Antwortete Edi: „Wir sind Heinzelmännchen. Die guten Geister des Hauses. Eigentlich haben wir früher Handwerkern geholfen. Aber irgendwie brauchen die immer weniger unsere Hilfe – deswegen haben wir uns um Kinderzimmer gekümmert. Die haben es echt immer nötig.“

Jasmin blickte zweifelnd durch ihr Zimmer. Sie fand es nicht so schlimm. Wusste aber, dass ihre Mutter das anders sieht.

„Okay. Ihr räumt also auf und was noch.“

„Na hör mal, das ist eine große Aufgabe.“

„Zaubert ihr nicht bisschen?“

„Nein, niemals.“ Antworte Edi

„Edi, du lügst. Natürlich zaubern wir, sonst würden wir ja nie fertig werden. Ein kleiner Zauber hier und da, erleichtert uns die Aufgabe.“ bemerkte Anton.

„Das ist ja toll. Ich habe meine eigenen magischen Freunde. Wollt ihr meine Freunde sein? Bitte.“

„Ich weiß nicht, wir hatten noch nie Menschen als Freunde. Was ist wenn andere uns entdecken?“

„Das wird schon nicht passieren. Ich bringe auch immer Kekse mit. Ach biiitttteee.“

Anton blickte sich fragend um.

„Was meint ihr? Ein menschlicher Freund?“

Alle anderen nickten. Kekse in Aussicht gestellt zu bekommen, ließ sie alle Bedenken vergessen. Und Jasmin war nett.

„Nun gut, Jasmin? Wir werden es versuchen. Aber nur, wenn du auch aufräumst. Denn Freunde räumen nicht für andere auf.“

„Verstanden. Oh, ich freu mich so.“ Jasmin war aufgesprungen und tanzte durch das Zimmer. Die Heinzelmännchen mussten ihren Füssen ausweichen. Dadurch fingen sie ebenfalls an zu tanzen und es machte ihnen Spaß. Es gab also noch anderes, außer Aufräumen und Arbeiten, dass Spaß machen konnte.

Die Heinzelmännchen kamen so oft es ihnen möglich war zu Jasmin. Sie erzählten ihr von ihren Abenteuern und mampften dabei fleißig die leckeren Kekse, die Jasmin für sie bereithielt.

Ende.

 

writing friday

[#WritingFriday] Urban Exploring – Unendlich

#WritingFriday an einem Samstag. Ich habe es diese Woche nicht vorher geschafft. Aber ich wollte unbedingt noch was veröffentlichen. Also hab ich gestern schon anfangen können und es jetzt noch fertig gestellt.

Kennt ihr Lost Places? Heute werdet ihr einen kennen lernen – eine verlassene Villa am Stadtrand.


Quelle

Anna betritt eine alte Villa am Ende der Stadt, sie wird sie jedoch nie wieder verlassen. Erzähle was passiert ist.

 Anna stand vor der alten Villa am Ende der Stadt. Ihrer Stadt. Hier war sie aufgewachsen und ging zur Schule. Ist es nicht manchmal seltsam, dass man immer in die Ferne schweift und das war vor der Tür ist ignoriert? Seit Jahren schon zählte Anna zu einer der bekannten Urban Explorer. Ihre Twitter, Instagram, YouTube Auftritte hatten ihr einen gewissen Ruhm eingebracht. Nun stand sie also vor ihrer ersten Herausforderung. Als Mädchen stand sie manchmal lange Zeit vor dieser Villa und traute sich einfach nicht hinein.

Sie hatte schon öfter die Schwelle zum Vorgarten übertreten, aber es fühlte sich immer an, als wollte irgendwas sie daran hindern weiter zu gehen. Sie traute sich nicht einen Schritt nach dem andern zu setzen. Jetzt aber. Sie war erfahren genug und hatte keine Angst mehr. Soviel verschiedene Lost Places hatte sie schon besucht, da dürfte doch diese alte Villa kein Problem mehr darstellen.

Mark hatte sie allerdings gewarnt. „Geh nicht alleine hinein. Du weißt nicht wie marode das Gebäude ist. Hinterlasse wenigstens eine Nachricht und schalte dein GPS an.“ Anna lachte ihn aus. „Mark, Mark, Mark. Natürlich bin ich online. Meine Fans erwarten einen Livestream von meinem Spuk Haus. Ich hab es groß angekündigt. Das wird die Klicks nach oben schnellen lassen.“ „Du und deine Klicks. Viel wichtiger sollte dir deine Sicherheit sein. Warte noch paar Tage, bis ich aus Kroatien wieder da bin. Das Geisterdorf werde ich schnell abarbeiten und dann gehen wir gemeinsam.“ Mark und sie hatten schon so einige Lost Places gemeinsam besucht.

Manchmal glaubte Anna, Mark hätte mehr als nur ein Freundschaftliches Verhältnis mit ihr haben wollen. Aber sie war nur auf Abenteuer aus. Sie brauchte diesen Kick. Diesen Adrenalinstoss. Deswegen konnte sie auch nicht warten. Sie packte ihre Tasche. Taschenlampe, Stirnlampe, Ersatzbatterien, Wasser, Energieriegel, Taschenmesser, Seil. Actioncam mit Nachtsicht. Handy um den Livestream hoch zu laden. Check, check, check. Alles war bereit. Morgen wollte sie einsteigen.

Jetzt stand sie vor der Villa. Eine leichte Gänsehaut machte sich auf ihren Armen breit. Die Angst des kleinen Mädchens machte sich bemerkbar. Anna schüttelte sich um sie los zu werden. Sie hatte schon viel gruseligere Orte besucht. Sie straffte ihre Schultern und trat durch das schiefe Eingangstor in den Vorgarten. Wieder spürte sie einen Widerstand. Von ihr aus, oder von dem Ort aus. „Blödsinn, Anna. Das ist deine bescheidene Angst. Stell dich nicht so an. Was soll denn hier schon sein?“ Versuchte sie sich selbst zu beruhigen. Sie ging durch den Garten und stieg die große einladende Treppe hinauf. Sie drehte sich um. Es war neblig geworden. Wo kam auf einmal dieser dichte Nebel her? Sie konnte das schiefe Tor nicht mehr erkennen. Selbst die Straße mit ihrer Laterne war nicht mehr zu sehen. Sie zögerte. Vielleicht sollte sie doch auf Mark warten? Quatsch. Nein, das war ihrs. Sie musste diese kindliche Urangst bewältigen.

Sie drückte gegen die Eingangstür. Sie klemmte. Im Laufe der vielen feuchten Jahre hatte sie sich stark verzogen. Anna drückte mit ihrem gesamten Gewicht dagegen. Sie öffnete sich leicht. Noch ein Stück, noch ein kleines Stückchen. Das musste reichen. Sie drückte sich durch den schmalen Spalt und stand in der Vorhalle. Sie knipste ihre Stirnlampe an und schaute sich um. Die Natur hatte sich schon viel zurück erobert. Durch die Fenster waren die Äste der Bäume gedrungen. In den Bodenritzen hatten einige Samen fruchten können und den Boden in eine Art Moosteppich verwandelt. Es sah bezaubernd aus. Die Treppe nach oben erinnerte sie an den Film Vom Winde verweht. Der Teppich könnte auch mal rot gewesen sein und das Fenster im Zwischenstockwerk war leider schon Blind vor Schmutz.

Anna betrat die erste Stufe als sie ein Wispern vernahm. „Anna. “ Hauchte es durch die Halle. Sie drehte sich erschrocken um. Nichts. Kein Schatten, oder eine Person. Sie war alleine. Vermeintlich alleine. Sie wusste, dass solch leer stehende Häuser gerne von Besetzern oder Obdachlosen genutzt wurden. Probleme hatte sie aber nie mit einem von ihnen. Sie posierten eigentlich ganz gerne vor der Kamera und gaben auch mal ihre Geschichten zum Besten. Hier schien sich niemand eingenistet zu haben. Keine Matratzen, Zelte oder dazu passender Unrat. Das Haus war unbeschmutzt. Nur die Natur hatte sich getraut einzudringen.

Ein Schauer lief Anna über den Rücken. Schnell holte sie ihre Kamera aus dem Rucksack und setzte sie auf die Stirn. Das Handy war bereit für den Livestream. Sie wollte schnell wieder raus hier. Ein ungutes Gefühl verfolgte sie. „Hallo Leute. Wie versprochen heute aus meinem Heimatdorf. Diese Villa hat mich als Kind schon fasziniert und geängstigt. Heute sage ich dieser Angst den Kampf an. Es wird Zeit die Dämonen der Kindheit zu vertreiben.“ „Anna.“ Hauchte es wieder. Sie drehte sich schnell um. Wieder nichts. „Habt ihr das auch gehört? Ist das unheimlich, oder was? Ich will euch nichts vormachen. Ich bin froh, wenn ich hier wieder draußen bin. Ich hätte vielleicht auf Mark hören und auf ihn warten sollen. Aber ihr wisst ja wie ungeduldig ich sein kann. Wollen wir mal sehen wie es hier so aussieht. Kommt mit und erkundet diese hübsche Villa mit mir. Sieht sie nicht toll aus. Die Natur hat sich das meiste schon wieder zurückgeholt. Überall Moos, Lianen, Baumschösslinge und wunderhübsche Pflanzen. Schaut, da scheint die Sonne herein. Was für ein Bild.“ Anna drehte sich und streckte die Arme in Richtung eines Oberlichts aus. Dort konnte man sehen wie die Sonne sich durch die Blätter, die auf der Scheibe lagen, kämpfte und geradlinig ihren Weg nach innen fand. Sie verwandelte die Vorhalle in ein Märchenhaftes Bild. Es fehlten nur noch die kleinen tanzenden Feen und kleine Gnome, die mit ihnen versuchten mitzuhalten.

Ein Schatten legte sich über das Bild. Es wurde kalt und Anna begann zu zittern. „Wow, Leute. Jetzt wird es hier aber empfindlich kalt. Könnt ihr meinen Atem sehen?“ Anna pustete hörbar aus und ein weißer Nebel verließ ihre Lippen. Sie fing an zu zittern. „Verdammt. Warum wird das so kalt hier? Also seit mir nicht böse – ich habe meine Angst überwunden und fühle mich hier irgendwie nicht wohl. Ich gehe mal besser. Vielleicht komme ich mit Mark noch mal her – aber mir war eh nur wichtig, einfach mal hier zu sein und das abhaken zu können. Erledigt. Es wird Zeit zu gehen. Ich lasse die Kamera noch bisschen mitlaufen. Denkt dran. Abonniert meinen Kanal und denkt dran auf das Glöckchen zu klicken, dann werdet ihr immer benachrichtigt, wenn es was Neues von mir gibt. Es gibt kein Abenteuer im Leben, das es nicht lohnt zu leben. Bussi.“ Anna stellte den Ton aus. Sie würde später Musik unter die Bilder legen. Eigentlich wollte sie so schnell wie möglich raus, aber etwas zog sie nach oben. Ach was soll´s, ein Blick in die obere Etage wird schon nichts ausmachen.

 Sie rannte nach oben. Im ersten Stock gingen mehrere Türen vom Flur ab. Sie wollte wenigstens in ein paar hineinschauen. Gleich die erste öffnete sie und trat ein. Es war fantastisch. Die Möbel waren alle noch vorhanden und sogar noch recht gut erhalten. Sie ging in den Raum hinein. Die Tür fiel hinter ihr zu. Erschrocken drehte sie sich um. „Puh. Verdammt bin ich erschrocken.“ Sie drehte sich zur Tür um sie zu öffnen. Sie klemmte. Eine leichte Unruhe überfiel sie. Leicht hektisch zog sie an der Tür. Sie öffnete sich so plötzlich, dass sie fast hingefallen wäre. Schnell verließ sie das Zimmer und atmete tief aus. Aber wo war sie? Das war nicht der Flur aus dem sie kam. Es war ein anderes Zimmer. Sie ging zurück und befand sich schon wieder in einem anderen Zimmer. Die Tür schloss sich leise und vor ihr öffnete sich eine andere. Schnell ging sie darauf zu und befand sich wieder in einem anderen Zimmer. Dieser Vorgang wiederholte sich unzählige Male. Sie stellte den Ton des Livestreams wieder an. „Leute. Hier geschieht etwas Seltsames. Ich komme nicht mehr aus dem Haus heraus. Von einem Zimmer komme ich in das nächste und das nächste. Ich finde keinen Ausgang. So langsam bekomme ich doch Panik. Außerdem habe ich das Gefühl, dass mich Schatten verfolgen. Was soll ich nur machen. Wie soll ich hier denn den Ausgang finden? Wo bin ich denn hier gelandet?“ Tränen drückten sich hervor. Aber sie schluckte sie hinunter. Sie wollte nicht vor ihren Followern anfangen zu weinen. Sie war eine taffe Urban Explorerin. So leicht ängstigte sie nichts, oder?

„Ich weiß gar nicht, ob ihr mich überhaupt seht? Seht ihr mich? Schreibt es in den Live Chat. Vielleicht hat jemand einen Tipp für mich, wie ich hier wieder raus komme. Habt ihr so was schon mal erlebt?“ Sie verfolgte den Live Chat. Es kamen, wie schon erwartet, keine hilfreichen Tipps herein. Fake und ähnliches wurde ihr vorgeworfen. Aber es war kein Fake. Sie versuchte Stundenlang eine Tür nach der anderen. Aber keine führte zurück in das Treppenhaus. Verzweifelt setzte sie sich in eine Ecke. Sie blickte an den Wänden entlang. Dort stand was. Schnell stand sie auf. Die Kamera zeichnete weiter auf und die Klicks schnellten in die Höhe. Es war ihr Rekord. Sie blickte an die Wand. Mit ihrer Hand schob sie die einzelnen Blätter davor weg. „Wenn es dunkel wird, kommen sie. Dann verstecke dich. Verstecke dich!“

Entsetzt blickte sie die Schrift an. Es wurde dunkel. Was würde kommen? Wo sollte sie sich verstecken? „Habt ihr das gelesen? Oh Gott. Ich bekomme doch so langsam Angst. Ich schalte ab. Mein Akku wird sonst nicht durchalten. Ich melde mich bei euch, sobald ich wieder draußen bin. Bleibt aufmerksam. Bussi.“

Anna war panisch. Ihr Atem ging schneller und sie drohte ohnmächtig zu werden. Sie setzte sich und steckte ihren Kopf zwischen die Knie – tief ein-, tief ausatmen. Da hörte sie es. Flüstern und raunen. „Anna?“ Panisch blickte sie sich um. Es gab nicht viel sich zu verstecken. Dort. Dort stand ein alter Schrank. Schnell versteckte sie sich darin. Spinnweben strichen über ihre Stirn und sie hoffte, dass die Bewohnerin nicht auf sie fallen würde. Sie atmete ganz flach um bloß keine Geräusche zu machen. Schritte und Schlurfen konnte sie vor dem Schrank hören. Sie hielt die Luft an. Bitte, bitte, öffne nicht diese Tür. Betete sie in Gedanken.

Es schien zu helfen. Die Geräusche entfernten sich. Ausatmen – Einatmen. Sie wusste nicht wie lange sie in diesem Schrank ausharrte. Gefühlte Ewigkeit später öffnete sie vorsichtig die Tür. Es dämmerte, der Morgen brach an. Schnell ging sie hinaus und öffnete die Tür. Wieder ein anderes Zimmer. Tränen rollten ihre Wange hinunter. Es gab keinen Weg mehr hier raus. Sie war gefangen. Sie startete die Kamera und machte eine letzte Aufnahme.

„Hallo Leute. Schön, dass ihr heute wieder einschaltet. Das wird wohl meine letzte Aufnahme werden. Der Akku gibt bald seinen Geist auf und ich glaube nicht, dass ich hier eine Möglichkeit zum Laden bekommen werde. Aber wer weiß, vielleicht hat auch die Hölle Strom. Hahaha. Ähm. Die Nacht war gruselig. Ich hab seltsame Geräusche gehört und einige Gestalten sind um meinen Schrank geschlichen. Ich weiß nicht was mich erwartet, wenn sie mich finden. Ich hoffe es nie zu erfahren. Wenn ich hier nicht herauskomme, wird es wohl doch mal vorkommen. Tja, was soll ich sagen? Urban Explorer leben gefährlich. Das hier ist wohl mein Aus. Mark, wenn du dass siehst. Es tut mir leid. Ich hätte auf dich hören sollen. Ich liebe dich. Vergiss mich nicht. Vergesst mich alle nicht. Und kommt bloß nicht her – das Haus lässt einen nicht mehr raus. Vielleicht findet irgendwann mal ein anderer Explorer meine Gebeine. Lebt euer Leben, aber passt auch auf euch auf. Ich liebe euch alle und danke für eure Treue und die vielen tollen Kommentare. Ich werde euch alle vermissen. Pft.“ Der Akku war leer. Die letzte Aufnahme von Anna wurde hochgeladen.

Niemand hat sie je wieder gesehen. Es gingen viele Gerüchte umher. Es sei Fake und sie hätte sich einfach nur abgesetzt. Oder sie sei gestorben. Manche aber glaubten ihr.

Ende.

 

 

 

 

 

Allgemein, Geschichtenzauber, writing friday

Writing Friday – die Geschichte

Es ist endlich Freitag und Zeit zum Schreiben. Der Writing Friday – dieses mal habe ich mir folgendes Thema ausgewählt:

Du findest auf dem Dachboden eine alte Schreibmaschine, darin stecken noch beschriebene Blätter des Besitzers. Welche Geschichte verbirgt sich darauf? Berichte davon.

Ich hoffe, das Ende ist verständlich. Ich hatte soviel verschiedene Szenarien überlegt – und dann ist es doch bisschen anders geworden – deswegen hoffe ich, es ist verständlich.

Viel Spass mit der Geschichte in der Geschichte.


Du findest auf dem Dachboden eine alte Schreibmaschine, darin stecken noch beschriebene Blätter des Besitzers. Welche Geschichte verbirgt sich darauf? Berichte davon.

Ich stand vor meinem neuen, oder eher uralten Haus. Aber es war meins. Ich bin irgendwann mal beim Spazieren gehen vom meiner gewohnten Route abgewichen und auf einer verlassenen Seitenstraße auf dieses uralte Haus gestoßen. Es war Liebe auf den ersten Blick. Die blinden Scheiben und schiefen Rollläden – sie wirkten so traurig. Ich musste es einfach wieder herrichten. Es war wirklich klein. Aber ich war alleine und wie viel Platz braucht ein Mensch denn? In wieviel Räumen halte ich mich denn auf? Genau.

Ich rief also den Makler an, und keine zwei Wochen später gehörte dieses kleine, verkannte Schmuckstück mir. Als ich den alten Schlüssel in das Schloss steckte und die Tür mit der Schulter aufstieß kam mir ein Stöhnen entgegen. Ein gequältes, oder ein aufatmendes? Das konnte ich nicht unterscheiden. Ich hatte eigentlich schon immer eine Lebhafte Fantasie. Deswegen konnte ich in diesem alten Gemäuer, das frühere Leben direkt vor mir sehen. Eine kleine, arme Familie, die sich um den Tisch versammelte um gemeinsam über ihren Tag zu sprechen und zu essen.

Das war aber schon lange Zeit her. Drinnen sah es schon ziemlich herunter gekommen aus. Aber die Bausubstanz war in Ordnung. Es waren wirklich nur Schönheitsreparaturen. Und ich würde gleich mal anfangen. Ich schnappte mir aus dem Auto den Besen und fegte erst einmal. Es gab hier nur einen Dachboden und das Erdgeschoss. Im Erdgeschoss befand sich die Küche. Eine sehr schön große Küche, die ein tolles Fenster zum Garten hatte. Die restlichen Räume waren ein gemütliches Wohnzimmer mit Kamin, ein kleines ausreichendes Bad und ein Schlafzimmer. Perfekt. Ich war fleißig dabei zu kehren, als sich seltsame Kratzgeräusche aus der Wand bemerkbar machten.

Urg – das würden wohl Mäuse oder Ratten sein. Die Natur holte sich natürlich so ein lang leerstehendes Haus zurück. Darum würde ich mich später kümmern. Heute war ich voll und ganz mit dem Kehren und schon entrümpeln des Erdgeschosses beschäftigt. Für morgen hatte ich mir die Sichtung des Dachbodens vorgenommen. Da wäre bestimmt auch noch so einiges an Gerümpel, der entsorgt werden könnte. Und bestimmt wimmelte es dort von Spinnweben. Eine leichte Gänsehaut überzog meine Arme. Ja – die Natur halt. Ich würde es überstehen.

Als ich fertig war, sah es schon wesentlich besser aus. Bisschen Farbe an die Wand und meine Möbel, dann wäre es ein kleines Paradies. Ich schloss die Eingangstür hinter mir und verließ das Haus.

Am nächsten Morgen war ich schon früh dort um weiter zu machen. Ich wollte ja so schnell wie möglich einziehen. Ich stand vor der Treppe zum Dachboden. Dachböden hatten irgendwie immer was Unheimliches – genau wie Keller. Das kommt von den vielen Horrorfilmen, dachte ich mir. Ich straffte die Schultern und ging nach oben. Die Tür knarrte beim Öffnen und ich hielt den Atem an um zu horchen. Was wollte ich denn hören? Ob sich ein Serienmörder dort versteckt hielt. Ich schüttelte lachend den Kopf. Konnte aber nicht anders, als laut redend einzutreten. „Dann werden wir mal sehen, ob vielleicht die Männer vom Trödeltrupp hier auftauchen können und ich hier paar Schätze besitze.“ Ein unsicheres Lachen entschlüpfte mir. Ich knipste die Lampe an – Strom und Licht. Das war doch schon mal was.

Wie erwartet, sah es hier schon sehr gruselig aus. Eine alte Schneiderpuppe stand in der einen Ecke. Ein altes Schaukelpferd und ein alter Vogelkäfig befanden sich ebenfalls dort. Haufen alte Koffer und sonstiges Gerümpel. Ich seufzte. Das wäre noch ein bisschen Arbeit. Ich ging weiter und hinter einem Kofferschrank stand ein kleines Tischchen mit einem Stuhl und einer ganz alten manuellen Schreibmaschine. Neben der Maschine lag ein Stapel beschriebener Blätter und einige waren noch eingespannt. „Uh – ein unentdecktes Werk – vielleicht eines bekannten Autors? Das wäre doch mal was. Oder es ist einfach nur eine Aufstellung der Ein – und Ausgaben. Das schau ich mir an.“

Ich ging zur Maschine und fröstelte. Irgendwo war es wohl undicht. Es zog gehörig. Deswegen schnappte ich mir die Blätter und ging schnell wieder hinunter. Dieser Dachboden war unheimlich. Zuviel Schatten und definitiv zu viel Spinnweben.

Ich hatte mir von zu Hause einen bequemen Campingstuhl, einen kleinen Tisch und eine große Kanne Kaffee mitgebracht. Nach dem Grusel, war wirklich Zeit für eine kleine Pause. Ich ignorierte die kleine Stimme im Kopf, die mich darauf hinwies, dass ich noch gar nichts gearbeitet hatte.

Gemütlich in dem breiten Campingstuhl, nahm ich mir die Blätter vor. Es gab keinen Titel. Nun gut. Ich fing an zu lesen.

07.Mai

Ich muss unbedingt aufschreiben was hier passiert. Seit ich hier wohne geschehen seltsame Dinge um mich herum. Gegenstände wurden bewegt. Türen knallen und die Bodendielen knarzen. Irgendjemand ist im Haus. Ich hab der Polizei schon bescheid gesagt. Sie haben so einen Jüngling hergeschickt. Der hat alle Räume durchsucht. Nichts. Keiner hier. Aber was sind das für Geräusche und wieso stehen die Dinge immer an anderen Stellen. Ich glaube ich werde langsam verrückt. Das ist das Haus. Ich hätte nie hier einziehen sollen.

Ich bekam eine Gänsehaut. Diese Person wirkte so verängstigt, dass ich selbst Angst bekam. Ich schaute mich um. Im Hintergrund konnte ich das Kratzen in den Wänden hören. Das war unheimlich. Gleich morgen würde ich den Kammerjäger anrufen. Ich liebe ja Tiere – aber sie müssen nicht in meinen Wänden leben. Für heute hatte ich genug. Ich brauchte eine Pause. Schnell packte ich meine Sachen und verließ mein zukünftiges Zu Hause, das gerade ein bisschen finsterer geworden war.

Ich traute mich kaum weiter zu lesen. Aber innerlich zog mich etwas an die Seiten. Ich musste wissen, was da noch stand.

  1. Mai

Mir geht es gut. Wahrscheinlich waren es nur die Nerven. Zuviel strömt auf mich ein. Das Haus, mein Ex und die Renovierungen. Das ist bisschen viel. Arbeiten muss ich ja auch noch. Aber ich liebe das Haus. Obwohl es mir schon ziemlich Angst macht hier alleine. Aber der Arzt hat mir Angstlöser verschrieben und gemeint, das wären die Nerven. Also – soll mal einer sagen, es gibt kein Kraut, oder eine Pille für jede Krankheit, oder Narretei. Was war das? Die Tür, ich hab sie doch abgeschlossen, oder? Wenn ich sie abgeschlossen habe, wie konnte jemand……

Oh Gott. Ich traute mich kaum noch in mein Haus. Verdammt. Hätte ich doch diese Seiten niemals gefunden. Aber mir blieb nichts übrig. Die Renovierungen schritten voran und mein Umzugstermin stand fest. Die letzten Dinge wollte ich machen, wenn ich eingezogen war. War das eine gute Idee. Ja, natürlich. Ich hatte schließlich das Haus wegen seines leicht gruseligen Charmes gekauft. Also dann musste ich auch damit leben, oder?

Ein paar Tage mied ich das Haus, und schob das Einpacken als Ausrede voran. Ich musste schließlich alles verpackt haben, wenn der LKW kam.

Dann war es soweit. Der fünfte Mai. Ich war aufgeregt. Die Männer packten alles in den Wagen und ich legte den Schlüssel unter die Fußmatte. Ein letzter Blick in meine alte Behausung, ein kleiner Abschied und ich zog die Tür ins Schloss. Einer neuen Zukunft entgegen.

Am Haus angekommen, hatten die Männer der Umzugsfirma, das meiste schon in die Zimmer verteilt. Viel hatte ich ja nicht – aber das reichte aus. Als alle weg waren, schloss ich die Tür, ging ins Bad und ließ Wasser in die Wanne laufen. Ein warmes Bad, danach lechzte ich. Und einen leckeren Entspannungstee. Heute würde ich nicht alt werden. Ich freute mich schon darauf, die erste Nacht in meinem Heim zu verbringen.

In der Wanne schlief ich schon fast ein, als mich ein knarzen schlagartig hellwach werden ließ. Ich setzte mich auf. „Hallo?“ Schnell stand ich auf und griff nach meinem Bademantel. Ich schaute mich im Bad um, ob ich etwas als Waffe verwenden konnte. Eine Schere. Besser als nichts. Im Bademantel, nasse Fußspuren hinterlassend ging ich vorsichtig aus dem Raum. Ich hielt den Atem an um zu lauschen. Da war nichts mehr zu hören. „Ein altes Haus, das arbeitet. Mensch Mädchen, stell dich nicht so an.“ Ich atmete aus, ging zurück um mich schnell anzuziehen. Danach ging ich schneller als normal in mein Schlafzimmer. Ich schloss die Tür und drehte den Schlüssel. Nur für den Fall.

  1. Mai

Alles ist gut. Alles wird gut. Ich bin sicher, das Haus ist sicher. Keiner ist hier. Nur ich. Nur ich. Vielleicht. Vielleicht noch, ach nein. Ich schwebe. Die Tabletten sind toll. Ich kann wieder schlafen. Nur meine Träume sind verstörend. Aber es sind ja nur Träume. Träume sind Schäume. Diese seltsamen Gestalten sind nur Produkte meiner Fantasie, sagt mein Arzt. Vielleicht, meint er, sollte ich mal eine Kur machen. Aber ich hab doch so ein hübsches Haus. Das ist doch wie eine Kur. Und die vielen Besucher nachts. Mit ihnen kann ich reden. Sie hören mir zu. Keiner hört mir zu – aber sie tun das. Ja. Sie sind wie meine Familie.

  1. Mai. 2019

Ich habe Angst. Meine neue Familie, hier im Haus – sie wollen, dass ich bleibe. Das ich mit ihnen komme. Sie zerren an mir. Sie reißen an mir. Sie ziehen mich an die Wand – in die Wand. Ich kann ihnen nicht entkommen.

Und für dich…..ist es auch zu spät. Du bleibst bei uns und wirst Teil unserer Familie. Wir lieben dich. Für immer. Ahahahahahahahahahar.

Draußen vor der Tür war ein seltsames Hämmern zu hören. Ich kratze an der Wand um einen Blick nach draußen zu haben. Der Makler. Er hämmerte ein Schild in den Rasen: „Zu Verkaufen.“

ENDE

 

writing friday

Writing Friday – Die Gefahr aus der Luft

Wenigstens eine Geschichte wollte ich im April noch schreiben. Ich habe zwei Themen miteinander kombiniert, da sie perfekt zu meiner Geschichte passen für den Writing Friday passen.

Ich muss wieder mal eine obligatorische Warnung vorweg schicken…es kann ein bisschen eklig werden.


Schreibe eine Geschichte die mit dem Satz “Luis konnte nicht aufhören und musste wieder…” beginnt

und

Schreibe das Ende einer Geschichte, dabei lautet der letzte Satz; Doch damit war es noch lange nicht beendet.

 

Luis konnte nicht aufhören und musste wieder aus dem Fenster starren. Er konnte nichts sehen. Sein Atem setzte immer wieder aus, er musste sich ständig daran erinnern, die Luft in seine Lungen einzuziehen. Er konnte nicht mehr anders. Er ging an die Tür. „Nein. Stopp, wenn du die Tür öffnest sind wir tot.“ Die Stimme kam aus der anderen Ecke des Zimmers. Eva saß dort im Dunkeln. Ihr Pullover war ihr zwei Nummern zu groß. Sie sah so verloren darin aus. „Aber wir müssen doch was machen.“ „Was willst du machen? Alle da draußen sind verloren. Nur die, die sich Unterschlupf suchen konnten, haben eine Chance zu überleben.“ Luis stampfte wie ein kleines Kind auf, das nicht bekam was es wollte und fing wieder an hin und her zu laufen. Keiner hielt ihn auf. Sie waren zu viert in dem Haus. Mit ihm und Eva befanden sich noch Chris und Cathy bei ihnen. Die beiden waren Kalkweiß im Gesicht und wippten ständig vor und zurück. Von ihnen war keine Hilfe zu erwarten. Luis stand wieder vor der Tür, aber er hielt seine Hände unten. Eva hatte Recht. Öffnete er die Tür, würden sie alle sterben.

Luis drehte sich zu Eva. „Meinst du Emma hat es geschafft?“ Sie zuckte mit den Schultern. „ Woher soll ich das wissen? Wenn sie schnell genug reagiert hat und sich irgendwo verstecken konnte – ja – dann wird sie es wohl geschafft haben. Aber ob wir sie je wieder finden? Das bezweifle ich im Moment.“  Luis nickte. Ja, Eva hatte Recht. Sollten sie jemals wieder heraus kommen, wäre es ein Wunder Emma wieder zu finden. Er konnte nur hoffen, dass sie lebte und es auch weiterhin überlebte. Noch konnten sie alle nicht wirklich sagen, was denn passiert war. Sie waren auf einer Uni Party. Das Semester war zu Ende und das sollte gehörig gefeiert werden. Viele würden für die Ferien im Ausland ein Praktikum machen. Luis war pleite – er würde arbeiten müssen. Von ihrer Clique war er der einzige, der keine reichen Eltern hatte. Alle anderen würden entweder verreisen, oder halt sich im Ausland präsentieren. Nach diesen Ferien sollte das letzte Semester starten. Luis war nicht gerade der beste Student. Er musste auch während des Semesters arbeiten. Da litten natürlich seine Leistungen. Aber er sah das ganz locker. Wenn es so weit war, würde er auch einen Job finden.

Das wird jetzt wohl mein geringstes Problem sein – einen Job finden.

Während sie tanzten und ihr Bier tranken gab es einen Knall und die Luft fing an zu summen. Etwas flog durch die Dunkelheit. Erst dachten alle es wäre Konfetti aus einer dementsprechenden Kanone. Nun, sie irrten sich. Das war kein Party Gag. Was war es?

Um sie herum flogen irgendwelche Insekten, die äußerst penetrant waren. Sie stachen und versuchten in Mund, Nase und Ohren einzudringen. Die Partygäste begannen zu schreien, um sich zu schlagen und zu rennen. Aber viele stolperten und wurden dabei einfach übertrampelt. Luis konnte Emma nicht sehen. Sie wollte drinnen Getränke holen. Er hatte keine Chance ins Innere des Gebäudes zu gelangen. Die Massen drängten ihn einfach davon. Er konnte Personen auf dem Boden sehen, die seltsam zuckten. Als würden sie unter Elektroschock gesetzt werden. In manchen Ecken hatten sich schon Gruppen gesetzt, die nur noch halbherzig versuchten nach den Insekten zu schlagen. Ihre Gesichter waren angeschwollen. Wohl von den Stichen. Er wollte über einen Körper vor ihm springen. Nur blieb er wir angewurzelt stehen. Es war ein Mädchen, leicht bekleidet – ihr Bauch war frei. Wobei frei hier eine neue Bedeutung bekam. Er war offen. So wie es aussah von innen nach außen. Er wollte sich hinunterbeugen, als sich ein Schwarm Fliegen von ihm erhob, zurück blieb eine wuselnde Menge Maden. Schnell schnappte er sich sein Halstuch und band es vor Mund und Nase. „Nicht einatmen – verschließt eure Münder und Nasen. Sie fressen uns von innen auf.“ Keiner achtete auf ihn. Er rannte und da sah er Eva. Sie rannte an den Strand, der in Campusnähe war. Schnell hängte er sich hinten dran. Von der rechten Seite kamen noch Chris und Cathy. Ihr Ziel war eine der Strandhütten. Natürlich waren die meisten verschlossen. Aber viele hatten ihre Schlüssel unter der Matte oder auf dem Türrahmen versteckt.

Eva schloss mit zittrigen Fingern die Tür auf. Luis hielt den Atem an: Lass bloß diesen beschissenen Schlüssel nicht fallen, lass bloß nicht fallen. Sagte er sich ständig wie ein Mantra vor. Und dann klickte es. Schnell stießen sie die Tür auf und fielen fast polternd über die Schwelle. Chris schlug sie zu und lehnte sich schwer schnaufend dagegen. „Wir müssen die Ritze verschließen. Schaut euch nach Handtüchern, oder sonstigen brauchbaren Dingen um.“ Cathy fuchtelte aufgeregt mit ihren Händen hin und her und zeigte gleichzeitig in die verschiedenen Ecken.

Unorganisiert vielen sie durch die Hütte, öffneten Schränke mehrfach bevor sich vor ihnen ein Haufen Stoffe auftürmte. Es gab einen Wassereimer in den es geregnet hatte – das Wasser war schon etwas brackig, aber das störte Cathy nicht. Sie stopfte alles hinein und dann verschlossen sie mit den feuchten Handtüchern und Stoffen sämtliche Schlitze unter denen Licht hineinfiel. Die Fenster hatten solch altmodische Fensterläden, die man von nur durch das geöffnete Fenster verschließen konnte. Das kam natürlich nicht in Frage.

Eva schnappte sich die Tagesdecke von der Liege und versuchte sie über das Fenster zu hängen. Luis schüttelte die Starre ab und half ihr. An herausstehenden Nägeln ließ sich die Decke mehr schlecht als recht befestigen – aber die Sicht nach außen war wenigstens versperrt. Chris durchsuchte derweil die Hütte und warf alles nützlich Aussehnende in die Mitte. Flaschen mit Wasser, paar alte Energieriegel, Insektenspray. „Insektenspray – meint ihr die würden gegen diese Viecher helfen?“ Cathy klang hoffnungsvoll bei ihrer Frage. „Ich glaube nicht.“ Meinte Eva. „Es hilft kaum gegen die normalen Mücken – und das waren mal bestimmt keine normalen Mücken. Was war das?“ Chris drehte sich zu ihnen. „Das waren bestimmt im Labor gezüchtete Insekten – oder welche durch Umweltverschmutzung mutierte.“ „Und der Knall davor? Das waren bestimmt keine durch Umweltverschmutzung mutierten Insekten. Die kommen aus einem Labor. Und sie wurden auf uns Menschen los gelassen. Sie wollen uns doch eh dezimieren.“ „Oh man Luis, hör mit der Scheiss Verschwörungstheorie auf. Du gehst uns damit auf die Nerven. Warum sollte unsere Regierung so was machen?“ „Hallo – McFly jemand zu Hause? Schon mal was von Überbevölkerung gehört?“ Luis rollte mit den Augen und verzog sich schmollend.

„Egal was es war und woher es kommt. Habt ihr gesehen was sie machen?“ „War ja kaum zu übersehen. Sie fallen uns an und, was? Fressen uns von innen auf?“ „Ja.“ Kam die nüchterne Antwort von Luis. Er konnte nicht aufhören wieder und wieder ans Fenster zu gehen um hinter das Laken zu schauen.

Die anderen hatten sich zurückgezogen und warteten. Auf was? Auf den Tod? Auf ein Wunder?

Der Regen – wann hatte der Regen eingesetzt?

„Hei Leute – der Regen!“ „Was ist mit dem Scheiss Regen?“ Schnauzte Chris. „Regen, denkt mal nach. Bei Regen fliegen keine Insekten. Das ist unsere Chance hier raus zu kommen.“ Und wohin, du Genie?“

„Hast du eine bessere Idee?“ blaffte Luis Chris an. Dieser kam ebenfalls ans Fenster. Gemeinsam blickten die beiden hinaus. Durch den strömenden Regen war nichts zu erkennen. Noch nicht mal die Lichter vom Pier. „Wir müssen aufs Wasser.“ Sagte Eva. „Auf dem Wasser gibt es keine Insekten.“ Alle drehten sich zu ihr. „Ja, sie hat Recht. Aufs Wasser.“ „Was ist mit Emma?“ „Luis, es tut mir leid. Wir können sie nicht suchen. Es ist zu gefährlich.“ Luis schlug die Hände vor das Gesicht. Er konnte nicht ohne Emma gehen. Sie war sein Leben. „Geht voraus und sucht ein Boot. Ich versuche mein Glück und suche Emma. Spätestens wenn der Regen weniger wird, dann wartet nicht mehr auf mich. Okay?“ Chris wollte schon dagegen wettern, als Cathy sagte: „Ja gut. Es wäre schön, wenn das einer für mich machen würde.“ Dabei blickte sie finster in Richtung Chris. „Wir warten. Eine Stunde, oder wenn der Regen weniger wird.“

Vorsichtig schob Luis die nassen Handtücher von der Tür weg und öffnete sie einen Spalt. Durch den Regen war fast die Hand vor Augen nicht zu erkennen. Das einzige, das zu hören war, war das Rauschen des fallenden Wassers. Er schlich sich hinaus. Die anderen warteten paar Sekunden und folgten ihm. Sie sprachen nicht – ein Kopfnicken reichte und sie trennten sich.

Luis lief Richtung Campus und die anderen drei Richtung Pier. Überall lagen Leichen herum. Ihr Anblick war widerlich. Nur nicht stehen bleiben und genau gucken, sonst muss ich kotzen. Dachte Luis. Bewaffnet mit einer Fliegenklatsche, die er in der Hütte gefunden hatte, stieg er die Stufen zum Unigebäude hoch. Emma wollte was zu trinken holen. Er hoffte sie dort zu finden. Vorsichtig drückte er gegen die Tür. Sie war nicht verbarrikadiert. Ein Seufzer der Erleichterung entwich ihm. Leise ging er hinein und blickte sich um. Die Bar hatten sie in der Lobby aufgebaut. Aber Emma war nicht dort. Er hörte entferntes Summen und hielt die Luft an. Das Summen kam näher. Wild fuchtelte er mit der Fliegenklatsche um sich herum. „Platsch.“ Ein roter Fleck tauchte auf der Klatsche auf. „Ha, Drecksvieh, getroffen.“ Er ging nach rechts, dort waren die Toiletten. Schnell bewegte er sich auf die Türen zu. Sie waren verbarrikadiert. „Emma? Emma, bist du da drin?“ „Nein, Arschloch. Geh weiter, hier gibt es keine Emma.“ Er ging weiter und klopfte an mehreren Türen – immer dieselbe Reaktion, oder gar keine. Auch auf der anderen Seite des Ganges

Er wollte schon aufgeben. Die letzte Tür, dann hau ich ab. „Emma? Bist du da drin?“ „Luis? Luis, bist du das?“ Luis stand steif – das konnte nicht sein. „Emma. Ja ich bin es Luis. Geht es dir gut.“ „Gut wäre übertrieben, aber ich lebe.“ „Lass mich rein.“ Eine ihm unbekannte Stimme fauchte. „Auf keinen Fall. Wir wissen nicht, was da draußen ist.“ „Da ist nichts. Hier fliegt nichts.“ „Nein, wir machen diese Tür nicht auf.“ „Dann lasst sie wenigstens raus. Ich jage die Fliegern davon. „Nein, die Tür bleibt zu.“ „Hei, lass mich raus, du Penner. Verpiss dich von der Tür, sonst trete ich dir mal wohin.“ Luis hörte ein rumpeln und einen stöhnenden Schrei. Dann öffnete sich die Tür einen Spalt. Gerade so, dass Emma hinaus gelangte – sie wurde noch hinaus gestoßen, damit die Tür wieder zugeschlagen werden konnte.

Luis schloss sie in die Arme. Da begann das Summen wieder. Hektisch blickten sie sich um. Emma zeigte in eine Richtung. Da kam ein Schwarm Stechmücken. Luis fuchtelte nervös mit der Fliegenklatsche. Es klatschte eklig und das Summen wurde weniger. Außer Atem blickten sie sich hektisch um. „Wir müssen hier raus. Es regnet, da sind wir sicher.“ Sie sprinteten Richtung Ausgang. Hinter ihnen erhob sich ein grimmiges weiteres Brummen. Sie rissen die Tür auf und flüchteten in den Regen.

Emma blieb stehen und drehte sich um. Ihnen folgten keine Insekten. „Komm, wir müssen schnell zum Pier. Dort warten die anderen, dann fahren wir mit einem Boot aufs Wasser. Sie verstand und rannte Luis hinter her.

Am Pier konnte Luis schon das ausgesuchte Boot erkennen. Eva wartete und winkte schon heftig. Der Regen ließ langsam nach. Sie mussten sich beeilen. „Bloß nicht stolpern, Bloß nicht stolpern.“ flüsterte Emma. Chris löste schon das Tau und sie konnte Cathy erkennen wie sie mit dem Paddel versuchte sie vom Pier zu stoßen. „Schneller, komm schneller Emma.“ Seitenstechen machte sich bei Emma breit. Sie biss die Zähne zusammen. Nur noch paar Meter, dann wären sie in Sicherheit. Der Regen wurde immer weniger. „Emma, komm schon, ich kann sie hören, komm, komm.“ Sie stolperte und fiel. Oh nein, das war es. Luis drehte sich um rannte zurück und zerrte an ihr. Sie versuchte aufzustehen. Ungeschickt gelang es und Luis fuchtelte wieder mit seiner Fliegenklatsche um sie herum. Nur noch paar Meter, nur noch paar Zentimeter. Sie sprangen aufs Boot. Chris hatte den Motor angeschmissen und Cathy gab den letzten Stoß. Sie fuhren und ließen den Pier hinter sich. Sie hatten es geschafft.  Doch damit war es noch lange nicht beendet.

 

writing friday

Writing Friday – Rosi und Rolas

Du bist durch die Zeit gereist und im Jahr 2819 gelandet, berichte davon. Dieses Thema habe ich mir heute für den #Writing Friday ausgesucht.

 

Inspiriert von der neuen Serie, die Wortman vorgestellt hat. Love, Death & Robots Folge 2. Diese Folge ist total putzig. Meine Geschichte ähnelt ihr eigentlich gar nicht – ich hab mir nur die Freiheit genommen, die Roboter auf der Erde leben zu lassen.


Jacob legte sich in sein Bett – er fühlte sich nicht so gut. Wahrscheinlich bekam er eine Grippe – die ging gerade mal wieder um. Er fasste sich an den Hals und räusperte sich. „Eindeutig eine Grippe. Ich nehme gleich mal paar Medikamente und leg werde gleich schlafen. Schlaf ist die beste Medizin. Das hat Oma schon immer gesagt.“ Jacob war manchmal etwas seltsam. Er hatte nicht viele Freunde. Auf der Arbeit versteckte er sich immer hinter seinem Monitor. Er war eine graue Maus und keiner konnte so wirklich viel mit ihm anfangen. Die Leute mieden ihn. Er war ihnen manchmal sogar etwas gruselig, da er oft so seltsam schaute, als wäre er nicht anwesend.

Er löschte alle Lichter – absolute Dunkelheit war wichtig für einen erholsamen Schlaf. Sein Kreislauf spielte etwas verrückt. Deswegen sank er sofort ins Kissen um ja nicht noch zu stürzen.

Etwas hatte Jacob geweckt. Er konnte sich nicht orientieren, da es ja stockdunkel in seinem Schlafzimmer war. Irgendwas war anders. Still lag er da und versuchte zu ergründen, was ihn geweckt, und was sich verändert hatte. Sein Atem ging ganz leise und vorsichtig. Dann setzte er sich auf. Seine Uhr zeigte 08:00 am Morgen an. Schnell checkte er das Datum. Er rieb sich die Augen. Auf seinem Nachttisch stand eine digitale Uhr. Und das Datum wäre der 29.03.2819.

Tief zog Jacob den Atem ein. Das musste ein Displayfehler sein. Die Uhr projizierte eigentlich immer an die Decke, aber da waren in letzter Zeit auch immer wieder fehlende Balken – er brauchte also eine neue. Na toll.

Er würde es auf seine Einkaufsliste setzen. Aber jetzt wurde es erst mal Zeit aufzustehen. Er schlüpfte aus dem Bett und schob seine Füße in die Hausschuhe. Er wackelte mit den Zehen und stand auf. Der erste Gang führte ihn wie immer ins Bad. Er öffnete die Schlafzimmertür und ging ins Bad. Er ging dorthinein wo eigentlich das Bad sein sollte. Aber er stand im Freien. Um ihn herum Trümmer. Er schaute sich irritiert um. Na das war ja mal ein seltsamer Traum, dachte er sich. Jacob drehte sich um und ging zurück zum Bett. Dort setzte er sich hin und überlegte. Bald würde er bestimmt aufwachen. So seltsame Dinge träumte er nur kurz vorm Wach werden. Nicht mehr lange. Solange könnte er auch warten. Etwa fünfzehn Minuten später merkte er, dass er nicht erwachte, oder war er doch schon wach? Was, im Himmelsnamen, war geschehen?

**

„Hast du das gesehen?“ „Hm? Was denn?“ „Da ist ein Humanoalarm losgegangen.“ „Was? Das Ding ist doch ein Relikt aus uralten Zeiten, ich wusste gar nicht, dass der noch aktiv ist.“ „Hat wohl nie jemand dran gedacht ihn auszuschalten. Hat auch geringen Stromverbrauch. Du weißt, damals hat man da so viel Wert drauf gelegt.“ „Ja, ja. Und ist das ein echter Alarm, oder eine Fehlfunktion?“ „Na woher soll ich denn das wissen, bin ich ein Technobot? Dafür gibt es die doch. Ruf einen, der soll das überprüfen.“ „Ja, ja. Auch das war früher effektiver. Die Roboter waren irgendwie zu mehr fähig, als nur zu einer Aufgabe. Wieso hat sich das geändert?“ „Keine Menschen mehr und wir konnten uns frei entwickeln. Also haben wir unsere Vorlieben ausgebaut. Je nach dem was damals halt so programmiert war. Als die Menschen sich dann endlich ausgerottet hatten, hat unsere KI niemand mehr bremsen können – also gibs ihm….oder so was.“ „Wo hast du das denn her?“ „War in meinem Speicher.“ „Jetzt ruf den Bot, damit wir das checken können.“

**

Jacob erhob sich wieder und ging erneut zur Tür. Zögernd drückte er den Griff nach unten, wartete kurz bevor er die Tür aufzog und stand wieder vor dem Nichts. Er rieb sich die Augen und trat heraus. Der Himmel war blau. Strahlend blau. Er konnte sich nicht erinnern, wann er so einen freien Himmel gesehen hatte. Keine Schlieren, keine Trails. Überall, zwischen den Trümmern war Vegetation. Die Pflanzen hatten sich ihr Territorium zurück erobert. Es war wunderschön. Dieser Zerfall mit dem Erblühen neuen Lebens. Kurz setzte er sich auf einen Betonklotz und blickte sich um. Es war ruhig. Nur Insekten und Vögel waren zu hören. Kein Summen, von der Elektronik, oder Autolärm, oder Menschen. Menschen, wo waren die anderen Menschen?“

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„PiepPiepPiep.“ „Da schon wieder der Humanoalarm. In Sektor Z. Da sind nur Trümmer aus alten Zeiten, aufgegebenes Territorium“ „Ja, verdammt, du hast Recht. Ein Mensch. Wie kommt der denn da hin? Wo kommt der denn überhaupt her. Es gibt schon seit mindestens 600 Jahren keine Menschen mehr. So was. Sie überleben doch tatsächlich, wie Kakerlaken.“ „Schick die Armeebots.“ Rosi (Roboter-ohne-Sinn) drückte auf den Alarmknopf und drehte sich zu Rolas (Roboter-langweilt-sich) um. „Mal sehen was die uns bringen?“

**

Jacob saß noch immer auf dem Betonklotz, als sich vor ihm mehrere Drohnen erhoben. Bösartig blickende Drohnen mit Waffen. „Nicht bewegen. Es wird gleich ein Team von Armeebots eintreffen und sie festnehmen. Nicht bewegen, sonst schießen wir.“ „Ich habe nicht vor mich zu bewegen. Ich träume ja noch, im Schlaf bewege ich mich nicht so heftig.“ Die Drohnen drehten sich zu einander und wenn sie Schultern gehabt hätten, hätten sie mit ihnen gezuckt. Im Hintergrund hörte Jacob ein Geräusch, wie er es aus Sci-Fi-Filmen kennt. Ein dampfen, stampfen, quietschen. Die Armee rückte an. Vor ihm platzierten sich fünf schwer bewaffnete, stark verrostete Roboter. „Oj, ihr seht schon ziemlich mitgenommen aus, oder? Keiner da der euch wartet und reinigt?“ „Still, Mensch. Steh auf und komm mit uns. Mach keine falsche Bewegung, dann passiert dir auch nichts.“ „Okay. Ich hab eh nichts Besseres vor.“ So bewegte sich Jacob zwischen ungefähr zwei Meter hohen Robotern, die sich sichtlich schwer taten ihre verrosteten Gelenke zu bewegen. „Warte hier, Mensch.“ „Okay.“

**

„Rosi, er ist da. Ich bin ganz aufgeregt. Ein echter Mensch. Ein Mensch. Dass wir so was noch erleben dürfen.“ „Beruhige dich, deine Schaltkreise fangen schon an zu qualmen. Öffne die Tür.“

Ein schnaubendes Geräusch verursachend, öffnete sich die Tür. Rosi und Rolas standen aufgeregt davor und blickten auf Jacob. Jacob blickte zu ihnen hoch. „Hallo, ich bin Jacob und ich bin ein Mensch. Ich denke ich schlafe noch, aber das ist schon Okay.“ „Bist du friedlich?“ Jacob blickte an sich hinunter. Er war im Schlafanzug und Socken. „Ja, ich denke schon.“ „Dann komm rein.“

Jacob bewegte sich und trat in den Raum. Er blickte sich um. Überall Monitore, es blinkte und piepte. „Wo bin ich?“ „Erde“ „Erde, echt, was ist denn geschehen? Wann bin ich und schlaf ich?“ „2819 und tut das weh?“ Der Roboter hatte seine sehr menschlich aussehende Hand ausgestreckt und ihn gezwickt. „Autsch, ja.“ „Dann bist du wohl wach. Was machst du hier, wo kommst du her, wie hast du überlebt, und was willst du hier?“ „Wohwohwohw. Langsam, ihr habt ja mehr Fragen als ich. Gut ich bin wach, also bin ich wohl in der Zukunft. Ich komme aus 2019. Ich hab mich schlafen gelegt, weil es mir nicht so gut ging und wache 800 Jahre später wieder auf.“ „Ich durchforste mal meine Datenbank.“ Rosi stand vor ihm. Seine Augen blickten und ein Lichtstreifen bewegte sich hin und her. „Ich hab was gefunden. Anscheinend hatten sie 2019 eine Art Interferenz. Das hat irgendwie eine Art schwarzes Loch geöffnet. Später haben sie herausgefunden, dass wohl einige Menschen eingesogen wurden und nie wieder auftauchten. Manche Theorien besagten, es wäre eine Möglichkeit der Zeitreise, oder Reise in die Parallelwelten. Aber man konnte es nie beweisen, da nie jemand zurück kam und diese Interferenz nicht noch mal konstruiert werden konnte.“ „Hm – alles klar Wiki. Und was soll ich jetzt hier?“ „Wiki? Ich heiße Rosi.“ „Ich nenn dich jetzt Wiki. Recherchier das, dann weißt du was ich meine.“ Die beiden Roboter schauten sich an. „Wir wissen nicht was du hier sollst. Das war ja eher ein Unfall, dass du hier aufgetaucht bist.“ „Hm, gut, ich sag euch was. Ich bin vom Fach. Ich hab tatsächlich in einem Betrieb gearbeitet, der Roboter herstellte. Kleine, nichts so in eurer Größe, Eher Saugroboter und Mähroboter. Aber wir arbeiteten an einem Haushaltsroboter. Ich sehe, dass ihr hier wirklich nicht gut in Schuss seid. Wie wäre es? Anscheinend hänge ich hier fest. Ich helfe euch wieder auf Stand zu kommen, und hübsch zu werden, während ihr mich hier friedlich aufnehmt? Ich kann ja nirgends hin und muss irgendwie überleben. Ihr müsstet mich halt versorgen.“

Die Roboter schauten sich an, schauten ihre Armee an und überlegten. Sie steckten ihre Kabel ineinander und kommunizierten per WLan, ohne dass Jacob was mitbekam. „Was meinst du, Rolas?“ „Töten, der bringt nur ärger?“ „Was, spinnst du, den letzten Menschen töten? Auf keinen Fall. Ich bin dafür, dass wir das Angebot annehmen. Er bleibt und arbeitet für uns.“ „Du meinst wir für ihn?“ „Sehe es als eine Art Symbiose.“ „Na gut.“ Sie trennten sich wieder und drehten sich zu Jacob. Rolas meinte: „eigentlich denke ich wir wären besser ohne dich, dran. Menschen haben alles zerstört. Aber du bist alleine, was kannst du schon anrichten? Wiki, hier meint du sollst bleiben, also bleib. Aber sei vorsichtig. Wir sind keine stupiden Maschinen mehr, wie zu deiner Zeit. Wir sind denkende Roboterwesen. Und wir reagieren. Wir haben Gefühle.“

„Okay, okay. Ich will keinem auf den Schlips treten. Schlagen wir ein, wir haben einen Deal.“ Jacob hielt ihnen die Hand hin und die beiden blinkten ihn verwirrt an. „Ich sehe in meiner Datenbank, dass Menschen das immer so gemacht haben mit den Händen, sie haben sie gegenseitig gedrückt und geschüttelt.“ Rosi/Wiki hielt seine Hand und quetschte Jacobs Hand schmerzhaft zusammen. „Au, Vorsicht, ich bin kein Roboter.“ „Tschuldige.“

So war es um Jacob geschehen. Keiner vermisste ihn 2019. Aber 2819 hatte er tatsächlich Freunde gefunden. Es gefiel ihm so gut, dass er richtig aufblühte. Bis zu seinem Tode wurde er der beste Freund und Helfer für die allein zurückgebliebenen KI´s

ENDE

writing friday

Writing Friday – Wir schaffen das….2 von 2

So, hier kommt die Fortsetzung zum gestrigen Writing Friday.

Gestern habt ihr gelesen, dass Sam und Martin in ein ziemliches Unwetter geraten sind und jetzt auf der Suche nach Miriam sind. Die Frau und Mutter. Heute begeben sie sich weiter auf die Suche.

Dort stand sie. So verloren und klein. Als sie ihn um die Ecke kommen sah rannte sie auf ihn zu und ließ sich auffangen. „Da bist du ja. Ich dachte du bist tot.“ „Was und lass dich hier alleine. Das wirst du nicht erleben. Ich sterbe nicht bevor du verheiratet bist und ich wenigstens Uropa bin.“ Sie giggelte und kuschelte sich an ihn. „Komm ich weiß wo Mami hin wollte. Sie wollte uns suchen.“ Auf dem Weg zum Auto klärte er seine Tochter auf. Das nächste Ziel: Kino.

Als sie am Kino ankamen erwartete sie ein ähnlich zerstörerisches Bild wie beim Salon. Der wunderschöne, riesige Weihnachtsbaum war entwurzelt worden und genau auf den Eingang des Kinos gefallen. Dort war Miriam gewiss nicht hinein gegangen. Hineingelangt. Sie hatte bestimmt den Parkplatz nach ihrem Auto abgesucht. Nein, hier hätte sie keine Zeit verschwendet. Schnell stiegen sie wieder ins Auto uns fuhren vorsichtig weiter. Die Kirche stand noch. Martin atmete auf. Sie war auf einem kleinen Hügel errichtet worden und somit nicht ganz so den Witterungen ausgesetzt, da das Wasser abfließen konnte und keine hohen Bäume vor Ort waren.

„Bleib im Wagen, ich gehe schnell zu Pater Ernest und frag nach Mami.“ Sam wollte widersprechen, aber Martin erhob den Zeigefinger und sie blieb still sitzen. Nicht ohne zu schmollen. Er stieg aus und begab sich zur Eingangstür. „Martin, schön, ihr habt es geschafft.“ „Hallo Pater. Nur ich und Sam. Wir suchen Miriam. Ist sie hier gewesen?“ „Miriam? Ich glaube nicht. Warte ich frage Wanda. Sie hat die Leute aufgelistet. Wanda?“ Eine ältere Frau drehte sich zu ihnen um. „Pater? Hallo Martin.“ „War Miriam hier?“ „Ja, ja sie war hier. Aber weil sie euch nicht gefunden hat, ist sie weiter gegangen. Sie sucht euch.“ Martin ließ die Schulter hängen. Aber immerhin lebte sie noch. „Danke ihr beiden. Ich werde dann mal weiter suchen.“ Am Auto angekommen, ließ er sich auf den Beifahrersitz plumpsen und schüttelte nur den Kopf. „Auf zum Gemeindesaal.“ Lächelte er ihr zuversichtlich zu.

Der Gemeindesaal lag in Richtung ihres zu Hauses. Martin wendete und fuhr wieder vorsichtig an. Im Rückspiegel konnte er den Pater und Wanda erkennen. Hätte er Sam vielleicht bei ihnen lassen sollen? Da wäre sie bestimmt sicherer gewesen. Ein Blick neben sich, versicherte ihm, dass sie mitzunehmen die richtige Entscheidung war. Sie wäre sowieso nicht dort geblieben.

Am Gemeindesaal angekommen, wurden sie von einem unüberblickbaren Chaos begrüßt. Wie sollten sie hier Miriam finden? Nein, ziellos herum irren hätte keinen Sinn. Wieder verwies er Sam auf ihren Platz und ging zum Eingang. Zum Glück gab es dort schon Helfer, die die Namen der Leute im Inneren notiert hatten. „Martin, hallo.“ „Marv. Toll ihr habt es geschafft. Hast du Miriam gesehen?“ „Ja, sie war hier. Hier, das hat sie mir gegeben, als sie euch nicht gefunden hatte. Sie wusste, dass ihr hier herkommen würdet. Wohin auch sonst?“ „Nach Hause.“ „Ich weiß nicht, die Brücke hat einiges abbekommen. Es könnte sein, dass sie einstürzt, wenn ihr drauf fahrt. Bleibt doch besser hier.“ Martin drehte sich zur Brücke um. Der einzige Weg zu ihrem Haus. Er schaute aufs Auto. Sollte er Sam jetzt hier lassen? Nein. Nein. Sie würden das schaffen. Vielleicht war er egoistisch. Sie wäre hier sicher, aber nicht in seiner Obhut. Was wenn es wieder los gehen würde. Nein, sie würde ihm helfen, Miriam zu finden. „Danke Marv. Ich denke wir versuchen es. Ich werde es mir genau anschauen.“ Er klopfte Marv dankend auf die Schulter und ging zum Auto zurück. Als er sass schaltete er die Innenbeleuchtung an und lass den Zettel. Martin, Sam. Ich hab euch überall gesucht. Ich weiß, ihr lebt noch. Ich würde es spüren, wenn nicht. Ich gehe jetzt nach Hause. Dort werde ich auf euch warten.

Miriam. Sie war immer so nüchtern. Sie mochte keine große Gefühlsduselei. Das mochte er so an ihr. Er wusste dann immer, wenn sie Gefühle zeigte, dann waren sie auch echt. „Was meinst du? Fahren wir heim?“ Sam rückte sich zurecht. „Auf jeden Fall. Hasi will in seinem Bett schlafen. Er bekommt Rückenschmerzen im Auto.“ Ich musste lächeln. „Dann mal los.“

Martin startete den Wagen und fuhr zur Brücke. Dort stieg er aus und betrachtete sich die Substanz. Die Taschenlampe beleuchtete alles nur notdürftig. Aber er konnte schon einige bedenkliche Risse auf der Oberfläche sehen. Er blickte über das Brückengeländer und sah, dass sich dort einige große Bäume am Pfeiler gesammelt hatten. Es kamen immer mehr und die drückten gegen ihn. Sie würden ihn vielleicht zum einstürzen bringen. Es war riskant. „Was ist los, Papa?“ „Die Brücke ist nicht sicher. Sie könnte einstürzen.“ „Sie wird halten. Steig ein. Ich bekomme Hunger.“ „Du hast Recht, sie wird halten.“

Noch einmal startete er das Auto. Langsam bewegten sie sich auf die Brücke zu. Martin wagte kaum zu atmen. „Schatz, nimm die Taschenlampe und schau dir die Seiten an, dort wo die Scheinwerfer nicht hinkommen. Wenn etwas bröckelt sag Bescheid.“ Sie schnappte sich die Taschenlampe und ließ das Fenster hinunter. „Alles klar. Kannst fahren. Langsam, langsam. Laaangsam.“ Ein knirschen ließ ihn aufs Bremspedal treten. Sie hätten das Auto stehen lassen sollen. Aber der Weg nach Haus mit Wagen betrug schon eine Stunde. Und im Dunkeln, wollte er das auf keinen Fall riskieren. „Fahr weiter, fahr weiter, es bröckelt. Schnell, Papi, schneller. Da vorne bröckeln die Steine aus dem Geländer. Ich glaube der Riss verbreitert sich. Fahr schneller, schneller, schneller.“ Schrie Sam. Er drückte aufs Gas. Ein Riss vor ihnen hatte sich gefährlich verbreitert. Wenn er zu langsam darüber fuhr, könnten die Reifen hängen bleiben. Er musste Gas geben und hoffen, dass die Brücke hielt. Er drückte das Gaspedal durch und ließ die Reifen quietschen. Ein kleiner Hopser und das Auto fuhr. „Der Spalt wird breiter, Papi, schneller, schneller. Fahr schneller.“ Martin versuchte die Angst in ihrer Stimme auszublenden und bretterte über diesen Spalt. Einen kleinen Moment hielt er die Luft an, als es sich anfühlte, als würden sie stecken bleiben. Aber die breiten Reifen stolperten nur kurz darüber. Samantha drehte sich um. Und jauchzte. „Jeah..oh nein. Schneller, die Brücke stürzt ein. Sie bricht zusammen. Fahr, fahr, fahr.“ Bei jedem Wort schlug sie auf die Rückseite seines Sitzes. Im Rücklicht konnte er sehen, wie der Spalt sich verbreiterte und hinter ihnen die Brücke einstürzte. Die Reifen drehten durch und das Auto schlingerte. Dann fing sich der Wagen wieder und sie fuhren dem Riss davon. Auf der anderen Seite angekommen, hielt Martin das Auto an. Seine Hände zitterten und er musste den Kopf auf das Lenkrad legen. Tief durchatmen, tief durchatmen. Bloß nicht ohnmächtig werden. Kleine Arme schlangen sich um seinen Hals. „Wir haben es geschafft. Die blöde Brücke kann uns nichts anhaben. Wir sind schneller.“ Sie stiegen aus.

Sam schaute zu ihrem Vater: „Paps?“ „Hm?“ Meinst du wir finden sie?“ „Natürlich, mein Schatz, wenn sie noch lebt finden wir sie.“ Mit großen Augen in denen die Tränen schimmerten fragte sie: „Könnte sie tot sein?“ Martin überlegte kurz. Nach diesem Tag war sie kein Kind mehr. Sie konnte die Wahrheit ertragen. „Ja mein Schatz, das könnte sie.“

Ende