writing friday

[#WritingFriday] Week 25 – Wünsch dir was.

[#WritingFriday]

ist eine wöchentliche Schreibaktion von Elizzy.

Erzähle uns von einem Wunsch, denn du aus Angst noch nie angegangen bist.

Irgendwas in den 1980ern (Die Goldbergs)

Marina liebte es  zu lesen. Ihre Mutter arbeitete eine Zeitlang arbeitete sie in einem Schreibwarenhandel, die auch Bücher verkauften. Da gab es immer mal Fehldrucke oder Mängelexemplare, die sie ihrer Tochter mitbringen durfte. Eines Tages befand sich ein Buch von Berte Bratt dabei. Meine Träume ziehen  nach Süden. Sie vertiefte sich sofort in die Welt von Senta und Sonja. Sie reiste mit ihnen nach Afrika und erlebte eine atemberaubende Tierwelt. Sie hörte die Löwen brüllen und die Elefanten tröten. Sie war verliebt. Verliebt in ein fernes Land, das sie irgendwann bereisen wollte. In dem sie leben wollte.

Sie wuchs heran und der Wunsch Afrika zu besuchen und dort mit Tieren zu arbeiten wuchs ebenfalls. Als sie mit ihrer Ausbildung fertig war, reiste sie viel. Aber nach Afrika hatte sie es nie geschafft. Einige Versuche dort zu arbeiten, scheiterten. Das digitale Zeitalter war noch fern und es gab nicht viele Möglichkeiten dort zu arbeiten. Zu dieser Zeit – etwa in ihren Zwanzigern, begann eine leichte Ängstlichkeit in ein so fernes und fremdes Land auszuwandern. Ein Studium der Biologie war noch mal ein Versuch etwas zu bewegen. Aber sie war nicht wirklich gut darin. Mit steigendem Alter steigerte sich auch etwas die Angst, das gewohnte Umfeld zu verlassen. Die Zeit war verstrichen.

Ein Partner trat ins Leben, ein Haus wurde gekauft und die Angst – Verlustangst übernahm die Führung. Je älter sie wurde umso weniger traute sie sich einen solchen Einschnitt ins Leben zu. Die Eltern wurden älter – sie wollte sie nicht alleine lassen. Ihre Partnerschaft wurde ernst und fest, das wollte sie auch nicht  mehr aufgeben. Aber ganz tief in ihrem Inneren wusste sie, das waren willkommene ausreden um die kleine Angst des neuen dahinter zu verstecken.

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[#WritingFriday] Week 24 – Gwenny´s Abenteuer

Hallo ihr Lieben.

Wir haben wieder #writing friday und ich hätte fast ausgesetzt. Ich habe gestern etwas angefangen zu tippen, aber es hat nicht so ganz gepasst, also dachte ich mir – gut Pause. Heute so kurz vor dem richtigen Wach werden ist mir dann doch noch was eingefallen. Ein bisschen Groschenroman zum Wochenende.

Ich habe heute morgen Max Rhode – Blutschule angefangen – was hat das hier zu suchen? Das Buch nichts, aber das kleine Interview am Start. Da wurde er gefragt, wie er so zu seinen Ideen kommt. Und er antwortete, dass es einfach aus dem Alltag geschieht. Er sieht vielleicht am Badestrand einen Mann liegen und schon fängt er an zu überlegen was passiert sein könnte.

Ist das nicht oft so. Man läuft, sitzt, fährt und auf einmal kommt einem eine Idee? Ich habe oft Einfälle im Dämmerzustand. Meist eigentlich vor dem Einschlafen, aber dieses mal vor dem Wach werden…Hier mein kleiner Mini-Groschenroman.


Gwenny hatte nun endlich begriffen, dass sie weg gehen musste.

Sie saß in der Taverne hinter dem Tresen und beobachtete die Gäste. Es war wie jeden Abend. Ihr üppiges Dekolleté verschaffte ihr immer gutes Trinkgeld, aber auch einige unangenehme Grabscher. Sie hasste es für ihren Onkel zu arbeiten. Es blieb ihr nur nichts übrig. Ihre Eltern waren früh an einer Grippe gestorben und ihr blieb entweder die Taverne ihres Onkels oder eines dieser Furchtbaren Kinderheime. Dort war es bei weitem schlimmer. Viele Kinder kamen dort nicht mehr lebend heraus. Also wählte sie die Taverne. Es war trocken und es gab was zu Essen. Nur – sie war jetzt eine erwachsene Frau und die Übergriffe der Männer wurden ihr mittlerweile wirklich zu heftig. Und die Blicke ihres Onkels zu schmierig. Sie befürchtete, dass er, um das Geschäft anzukurbeln, irgendwann auf die Idee kommen würde sie anzubieten. Ihre Jungfräulichkeit würde er teuer versteigern. Nein, nein – die würde sie ganz bestimmt anders verlieren.

Aber was sollte sie machen, als Frau – unverheiratet. Da sprang die Tür auf. Eine Horde Männer drang laut grölend ein. Sie erkannte sofort, dass es Seemänner waren. Auf See. Frauen würden nie auf See fahren. Eine Frau an Bord brachte Unglück. Aber – musste sie eine Frau bleiben? Sie hatte schon von einigen Frauen gehört, die als Männer durch die Gegend reisten.

Ihr üppiger Busen würde ein Problem werden. Aber sie müsste sich eigentlich nur etwas fülliger auspolstern, da würden sie, wenn sie sie eng wickelte, nicht auffallen.

Endlich schloss die Taverne und Gwenny war hundemüde. Sie stank nach Bier und fühlte sich von den vielen grabschenden Händen beschmutzt. Schnell ging sie auf ihr Zimmer um sich zu säubern. Sie war so ungeduldig. Hatte sie doch mitbekommen, dass Roro – der Pirat, in den frühen Morgenstunden wieder auslaufen wollte. Sie wusch sich und wühlte in ihrer Kleidertruhe nach Leinen, den sie in Streifen riss um sich die Brust abzubinden. Uh, das war unangenehm, aber sie würde sich dran gewöhnen. Alles war besser, als hier zu bleiben. Dann polsterte sie die Lücke unter ihrem Busen etwas auf um es wie einen Bauch aussehen zu lassen. Aus der Wäschetruhe hatte sie sich Kleidung ihres Onkels besorgt. Sie schlüpfte hinein und betrachtete sich vor dem Spiegel. Oh ja. Es sah gut aus. Aber was sollte sie mit ihren langen Haaren machen? Abschneiden? Sie schniefte etwas. Ihre Haare waren mit das schönste an ihr. Egal, sie würden auch nachwachsen. Trotzdem hatte sie noch das Problem ihres Gesichtes. Es wirkte so zart und weiblich. Schmutz. Sie musste ihr Gesicht unkenntlich machen. Seeräuber waren eh immer schmutzig. Sie ging zum Kamin und schmierte sich die Asche ins Gesicht. Schon viel besser. So sah sie wie ein dicklicher Jüngling aus. Sie packte ein kleines Bündel und kletterte in eine neue Zukunft aus dem Fenster.

In der Zwischenzeit wankte die halbe Mannschaft samt Kapitän aus dem naheliegenden Bordell. „Leute.“ Grölte Roro. „Ich liebe alle Weiber. Ob dick, hässlich, alt. Alle Frauen haben was. Sie sind einfach ein Geschenk Gottes und so sollten wir sie auch behandeln. Sie lesen uns die Wünsche ab und wenn man sie gut bezahlt, machen sie auch alles was man sich wünscht. Harharhar. Nur auf dem Schiff,  da kommt mir kein Weibsbild drauf.“ Das werden wir ja mal sehen, dachte sich Gwenny und schloss sich der Gruppe an. Sie würde einfach mit auf das Schiff gehen und sich unterschmuggeln. Wenn sie erstmal auf See waren, würden sie sie schon nicht über die Planken gehen lassen, das hoffte sie wenigstens.  So geschah es. Sie hängte sich an einen betrunkenen Piraten und er zog sie mit in die Unterkunft unter Deck. Dort suchte sie sich eine Ecke und machte es sich bequem. Eine große Herausforderung wartete auf sie. Ein raues Leben auf See mit rauen Burschen, die niemals erfahren durften, dass sie eine Frau ist, sonst würde es ihr ans Leder gehen. Vielleicht würde sie irgendwann einen Hafen ansteuern und sie würde ein neues Zuhause finden. Aber solange freute sie sich auf die Abenteuer mit der Mannschaft des Kapitän Roro.

 

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[#WritingFriday] Week 23 – ein Tag offline

Freitag – oh der beliebteste Tag der Woche. Der Heimattag des writing friday. (By the Way – ich hatte mal einen wirklich witzigen Writing Prompt – Wenn der Wochentag eine Person wäre. Wer mag kann mal reinschnuppern und vielleicht sogar mal mitmachen. HIER)

Diese Woche:

 

Ein freier Tag ohne Smartphone, Internet und Co, schreibe auf wie dieser bei dir aussehen würde.

Es ist eine leicht autobiographische Geschichte. Nur angelehnt. Manches stimmt, manches ist frei interpretiert.

Viel Spass bei einem fiktiven, oder nicht ganz so fiktiven Tag offline. Ich kann aber schon ganz gut klar kommen ohne die elektronischen Lieblinge. Wie ist das bei euch?


 

Ich kam nach einem anstrengenden Tag nach Hause. Meine Schuhe wollte ich mir nur noch von den Füssen kicken – aber meine Füße waren so geschwollen, dass ich kurz überlegte die Schuhe entweder anzulassen, oder einfach von den Füssen zu schneiden. Kurz überlegte ich – aber da mein Budget für neue Schuhe ausgeschöpft war, zog ich einfach kräftig dran und wäre dabei, nach dem Plop den sie machten, fast vom Stuhl gefallen. Da lagen sie, die Folterwerkzeuge. Harmlos vor sich hinstinkend. Ich missachtete sie und ging in die Küche. Kaffee musste her. Ich bereitete alles vor und drückte die Maschine an. Währenddessen checkte ich mein Smartphone. Kein Empfang? Hm. War die Rechnung bezahlt? Ich musste wirklich überlegen, da beim Rechnungsbingo manche nach hinten rutschten. Aber Handy und Internet achtete ich immer drauf, dass sie bezahlt waren, da dies zu den wenigen Dinge gehörte, die ich mir noch leisten konnte. Ausgehen war kaum noch drin. Und wenn, sehr schmerzhaft im Geldbeutel.

Ich gähnte herzhaft. Die Kaffeemaschine gluckerte glücklich und ich grummelte. Gut – dann mal ins Internet. Ich klappte den Laptop auf und drückte den Powerknopf. In der Zeit in der der PC hochfuhr ging ich zurück in die Küche und stand hungrig und nicht hungrig vorm Kühlschrank. Ich verhungere – aber ich habe keine Lust auf das was ich habe. Hm. Und ich griff nach einem kalten Stück Pizza. „Brauch ich nicht warm machen – schmeckt auch so.“ Einen Teller gönnte ich mir dennoch. Bisschen Etikette musste sein. Die Kaffeemaschine spuckte ihren letzten Tropfen Kaffee aus und blinkte mich glücklich an. Ich lobte sie und ich glaube sie blinkte ein bisschen schneller.

Bevor ich an den PC ging zog ich mir noch schnell was Bequemes an. Es waren mehr Löcher in der Jogginghose als Stoff – Egal – Hauptsache angezogen. Auf der Startseite meines Browsers hatte ich meine Favoriten eingerichtet. 404 – Page not found. WasS? Oh Mann. Ich sitze doch jetzt. Na gut. Ich ging an den Router – nichts leuchtete. Was war jetzt los? Das mit der Rechnung hatten wir schon. Ich zog den Stromstecker und ging nochmal in die Küche. Ich wollte meine Kaffeemaschine noch mal glücklich machen. Denn der erste Kaffee würde nicht lange in der Tasse verweilen. Sie zischte mich an – ich war zu früh. Eigentlich mochte sie es, erst etwas abzukühlen. Ich streichelte sie um sie zu beruhigen und sie gluckerte glücklich.

Zurück am Router fummelte ich den Stecker wieder in dieses winzige Loch an der Rückseite. Nicht ohne zu fluchen und ihm zu drohen ihn durchzuschneiden. Danach flutschte es. Er steckte und es tat sich nichts. „h Mann. Kein Smartphone, kein Internet. Was mach ich denn jetzt?“

Ich drehte mich um. Die Pizza lag brav auf dem Teller, mein Kaffee dampfte verführerisch in seiner hübschen Tasse. Ich würde nie eine hässliche Tasse für meinen Kaffee verwenden. Auch ein Kaffee will hübsch verpackt sein.

Ich ließ mich auf den Stuhl fallen und fuhr den PC runter und wieder hoch. Nichts. Kein Internet. Ich blickte mich wieder um. In der Küche stapelte sich ungespültes Geschirr. Das könnte ich mal erledigen. Vielleicht ging es ja danach. Gut. Ich streichelte meinen Kaffee und tröstete ihn. „Ich komm gleich wieder.“ Und biss herzhaft in die kalte Pizza. Mein Magen reagierte sofort mit leisem schnurren.  er hatte mir schon mit lautem Knurren  gedroht,  mich von innen heraus aufzufuttern, wenn ich nicht gleich was einschiebe.  Erstmal beruhigt. Geschirr war gespült. Ich ging zurück zum Router – immer noch leuchtete nichts. Ich konnte noch nicht mal die Störungsstelle anrufen. Ging ja auch kein Telefon oder Handy. Sollte ich bei den Nachbarn fragen? Aber dann würde ich wieder den Kontakt suchen. Ich war froh, dass er auf das übliche nicken und winken reduziert war. Nein. Das musste nicht sein. Ich ging unruhig durch die Wohnung. Was habe ich denn früher gemacht, vor PC und Handy? „Du bist bummeln, ohne kaufen gegangen, in die Leihbücherei, auf der Bank zum Beobachten gesessen. Und deine Wohnung war ordentlicher.“ Ja  – ein Argument. Ich könnte  mal aufräumen. Könnte ich – oder ich könnte mich schlafen legen. Der Tag war echt anstrengend. Ein Buch. „Ja – ich  könnte mein Buch beenden. Ach was, ich gehe einfach spazieren. Örg. Dann muss ich  mich wieder anziehen. Neee. Kein Bock. Ich nehme mein Buch, mein Kaffee, meine Pizza und setze mich auf dem Balkon in die Sonne. Jep.“

Ich packte einen kleinen Beutel und ging auf meinen Balkon. Ich erwischte mich dabei einen sehnsuchtsvollen Blick auf den Router zu werfen – tot. Seufzend setzte ich  mich und schlug  das Buch auf. Der Kaffee war abgekühlt – egal ich trinke ihn auch kalt. Ich knabberte an der Pizza und konnte mich einfach nicht konzentrieren. Ständig wanderte mein Blick aufs Handy  und den Router. „Nein, das wird nichts.“ Ich packte meine Sachen und ging wieder hinein. Tigerte wieder durch die Wohnung und richtete einige Dinge gerade. Schlafen? Schlafen wir es doch einfach aus. Während ich das dachte, ging ich – von mir wirklich unbewusst – an den Kleiderschrank, zog eine Jeans und ein T-Shirt heraus. Schlüpfte in die Schuhe. Dann ging ich in den Flur und schnappte meine Tasche, meinen Schlüssel und zog die Tür hinter mir zu. Irritiert stand ich vor meiner Wohnung. Ich drehte mich um und überlegte den Schlüssel wieder ins Schloss zu stecken. „Nein. Ich bin jetzt draußen und jetzt gehe ich weg.“

Ich ging. Es war befremdlich einfach so herum zu laufen. Ohne Ziel und Eile. Ich erwischte mich, in meiner Tasche nach dem Handy zu wühlen. Ich hatte es nicht mitgenommen. Leicht entblößt fühlte ich mich dabei. Etwas ungeschützt. Ich musste die Menschen anschauen. Sonst vergrub man sich in sein Display und hoffte nirgendwo dagegen zu laufen. Es war, als würde ich die Welt neu entdecken. Dieses Graffiti, das war neu. Hübsch. Oh ein Bäcker – ich hatte Lust auf ein Stückchen. „Mein Kaffee wird hoffentlich nicht sauer, wenn ich einen fremden trinke?“ Ich wühlte im Portemonnaie –ja dafür reichte mein Geld noch. Mit einem leckeren Puddingteilchen und einem Coffee-to-go zog es mich in den nahgelegenen Park. Oh war der schön hergerichtet. Soviel Pflanzen blühten und die Hunde spielten mit den Kindern. Ich setzte mich an den Rand und beobachtete. Aß mein Stückchen und trank meinen Kaffee. Ich genoss die Sonne auf meinem Gesicht. Die vorherige Unruhe, weil ich kein Netz hatte, legte sich langsam. Ich atmete tief ein und hörte den Vögeln zu. Ein wunderbarer Tag. Ich genoss ihn in vollen Zügen. Ich sog jeden Moment auf um daraus zu zehren. Denn ich wusste, wenn ich wieder online war, würde ich wieder in den alten Trott verfallen. Aber vielleicht – vielleicht würde ich paar Mal meine Rechnung nicht pünktlich zahlen um gezwungen zu sein mich offline zu setzen.

ENDE

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[#WritingFriday] Week 22 – Das sprechende Buch

Es ist Freitag – viele haben vielleicht heute einen Brückentag, oder wie ich diese Woche Urlaub? Aber egal – für uns alle ist Freitag – #Writing Friday.

Die neuen Themen sind draussen

  • Ein freier Tag ohne Smartphone, Internet und Co, schreibe auf wie dieser bei dir aussehen würde.
  • Erzähle uns von einem Wunsch, denn du aus Angst noch nie angegangen bist.
  • Der Sommer beginnt, erzähle aus der Sicht eines Bikinis.
  • Du findest auf der Strasse ein Buch, welches sehr mitgenommen aussieht, plötzlich fängt es an mit dir zu sprechen. Schreibe das Gespräch auf.
  • Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz „Gwenny hatte nun endlich begriffen, dass sie weg gehen musste.“ beginnt.

Ich nehme heute das sprechende Buch. Wobei ich nicht so richtig sicher bin, das es so ist wie es erwartet wird. Zu lange sowieso. Sorry


Simone war tief in Gedanken versunken – der Tag war nicht so gut gelaufen. Es fing mit dem Wecker an. Er klingelte – das war schon ein großes Problem. Sie hasste es mit Wecker aufzustehen. Aber so war es – sie musste arbeiten um ihre Rechnungen zu bezahlen und dafür benötigte sie einen Wecker. Aber sie vermutete manchmal ihr Wecker hätte ein Eigenleben. Er bewegte sich, da war sie sich sehr, sehr sicher. Jedes Mal wenn sie auf den Snoozeknopf hauen wollte, traf sie daneben. Könnte Zufall sein – aber sie glaube nicht wirklich an Zufall und irgendwann würde sie ihn erwischen, wie er sich bewegte und sein Uhrwerk als Zunge herausstreckte. Aber damit nicht genug – sie musste mit dem Bus fahren – ihre Mitfahrgelegenheit hatte Urlaub. Natürlich hatte sie es vergessen und stand vor dem leeren Parkplatz um sich an die Stirn zu hauen. Schnell zur Bushaltestelle, bei der sie feststellen musste, dass sie natürlich den Bus verpasst hatte. Zehn Minuten warten – zu spät war sie eh schon. Nur dass sie auch noch nass werden würde, das war nicht nett. Sie hatte nie einen Schirm dabei. Das rächte sich jetzt. Begossen wie ein Pudel und bestimmt auch nicht besser riechend traf sie endlich in der Firma ein. Der Aufzug war defekt und sie durfte in den vierten Stock laufen um dann eine leere Kaffeekanne vorzufinden.  Seufzend begab sie sich auf ihren Platz in dem Großraumbüro achtete eh keiner auf den anderen – wenigstens hatte sie da ihre Ruhe. Von Wegen – sie saß kaum, da klingelte das Telefon – ihre Chefin. Waaarummm? Gerade heute.  Sie rappelte sich auf. Versuchte sich einigermaßen herzurichten – was halt möglich war. Simone schlich in das Büro ihrer Chefin, die wirklich keine nette Frau war – halt eine die über Leichen und Sklaven kletterte um nach oben zu kommen und sie war so eine Sklavin auf deren Rücken die Chefin des Öfteren Tanzte. „Simone, schön, dass du auch noch gekommen bist. Ist ja ein übles Wetter, da kann man schon mal das Bedürfnis haben zu Hause zu bleiben. Aber du hast dich ja aufraffen können, wie schön.“ Schon malte sich Simone fürchterliche Mordmethoden aus um Anja – ihre Chefin – zu töten, eine grausamer als die andere.  Sie hatte natürlich den arroganten Ergüssen von Anja nicht zugehört und nur genickt. „Na da sind wir uns ja einig. Du weißt ja wie sehr ich beschäftigt bin und du kannst doch gut formulieren – also schreibst du diese Abhandlung für mich und ich verschicke sie dann – da hast du einen freien Nachmittag gut – Deal.“ Von wegen Deal – Simone sah sich schon den Brieföffner erheben und zuzustechen. „Ja – das klingt fair, ich danke dir Anja.“ Einen sehnsüchtigen Blick auf den Brieföffner werfen verliest Anja das Büro mit der Akte um sich an diese Abhandlung zu machen.

Fassen wir die Fakten zusammen. Es war ein Arschlochtag – definitiv.

Es war spät. Alle anderen hatten das Büro schon verlassen. Nur an Simones Tisch brannte noch die Lampe. Sie blickte auf, schloss den Aktendeckel und legte ihn in Anjas Büro. Morgen würde sie sich krank melden. Sie fühlte nämlich schon wie sich der Hals anraute und die Nase den Weg nach Hause laufen wollte.  Sie zog ihren, immer noch leicht feuchten  Mantel an und ging zum Ausgang. In der Halle verabschiedete sie sich von Jerome, dem Wachmann und schlurfte mit rot geräderten Augen langsam Richtung Bushaltestelle um festzustellen, dass sie den letzten Bus verpasst hatte. Taxi oder Laufen? Taxi ist zu teuer, dachte sie sich, also laufen. Klar, was sonst. So wie sie heute aussah würde sie niemand überfallen. Sollen sie doch – sie würde ihnen eine dicke Erkältung anhängen. Pah.

Also sie so über den Bürgersteig schwankte sah sie vor sich etwas liegen. Sie konnte es nicht gleich erkennen. Ein Buch? Wer warf denn ein Buch einfach so auf die Straße? Es sah ziemlich mitgenommen aus. Er hatte wohl schon so einige Leser gehabt und der Umstand auf der Straße zu liegen bekam ihm auch nicht gut. So stand sie und betrachtete es. Im Fieberwahn meinte sie zu sehen, wie das Buch den Deckel hob. „Willst du mich nur so dumm angaffen, oder nimmst du  mich hoch und zu dir mit nach Hause.“ Simone hüpfte zurück, glaubte sie wenigstens, in Wirklichkeit war sie erstarrt, bückte sich und stopfte das Buch in ihre Tasche. Halluzinationen, dachte sie – aber ein Buch würde sie eh nie so einfach liegen lassen. „Hei, Mann – quetsch mich doch  nicht so unsanft in deine überfüllte Tasche.  Herrjeh, als hätte ich nicht schon genug mitgemacht. Wie unsanft. Pft.“ Hörte Simone die Blätter erbost rascheln? Können Blätter das?

Vor der Wohnungstür musste natürlich noch der Schlüssel in die Matschpfütze fallen. War klar. Mühsam bückte sie sich und schloss dann auf. Schleuderte die Schuhe von den Füssen, knallte die Tasche auf die Kommode. „Autsch.“ missachtete sie. Sie ließ den Mantel einfach von den Schultern gleiten, den Rock von den Hüften und der Pullover folgte. Sie schnappte sich ihren kuscheligen Bademantel, setzte die Milch für heißen Kakao auf und ging zurück zur Tasche um das sonderbare Buch zu holen.

Mit ihrer heißen Schokolade und in weichen Pantoffeln kuschelte sie sich auf die Couch. Sie schlug das Buch auf: „Oh Mann – du bist vielleicht ein Grobian. Geh doch bisschen behutsamer mit mir um. Ich bin echt alt.“ „Okay. Ich bin also jetzt zu Hause und halluziniere immer noch. Die Erkältung setzt mir jetzt schon zu. Na klasse. Oder redest du wirklich mit mir?“ „Ja natürlich rede ich mit dir. Wir Bücher reden immer mit euch. Aber die wenigsten verstehen es. Beziehungsweise, wir reden nicht immer laut – meist in euren Köpfen – wir zaubern diese tollen Bilder in euren Kopf. Dazu wärt ihr gar nicht in der Lage, wenn wir euch das nicht heimlich einflüstern würden. Nur Lesen reicht da nicht aus. Oder habt ihr schöne Bilder bei amtlichen Briefen? Also – siehst du?“ „Okay – ich glaube das jetzt alles Mal so. Warum lagst du auf der Straße?“ „Wie erkläre ich das für einen Menschen? Ich bin eine Art Tage/Ratgeberbuch. Ich werde von Menschen angezogen, die – wie hast du das betitelt – einen Arschlochtag haben. Natürlich ziehen wir Lose – es gibt zu viele davon für zu viel Menschen und du hast dieses Mal gewonnen. Also kannst du anfangen zu lesen. Egal was – die Geschichte die du in mir findest wird dir sowohl die Laune heben als auch eine Lösung für dein Problem liefern.“ „Warum erzählst du  mir das nicht einfach?“  „Was? Nein, nein – so funktioniert da s nicht. Die Geschichte in mir entwickelt sich quasi mit deinen Gedanken. Du lenkst die Geschichte und die Lösung. Da habe ich keinen Einfluss drauf.“ „Hm. Das klingt seltsam. Aber auch spannend.“ „Du wirst dich auf jeden Fall besser fühlen, wenn du mich beendet hast. Und dann kannst du mich wieder frei lassen, dass ich dem nächsten helfen kann.“

Simone war skeptisch. War sie wirklich schon bereit eine Änderung in ihrem Leben zu finden. Es war doch so viel einfacher in diesem tristen Dasein. „Einfach ist es natürlich – aber macht es dich glücklich? Glücklich sein ist doch das wichtigste im Leben. Nimm es an und lese mich. Dein Leben wird sich so viel besser gestalten.“ „Gut.“ Sie schlug die erste Seite auf und versank in eine wundervolle Geschichte, die ihr ein Leben präsentierte mit Abenteuer, Liebe, Familie, Intrigen und einem traumhaften Happy End.

Wer weiß, vielleicht, wenn du mal so einen richtigen Arschlochtag hast – schau auf den Boden, vielleicht wurde dein Name aus der Lostrommel gezogen und ein sprechendes Buch bietet dir eine wundervolle Geschichte mit Happy End.

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[#WritingFriday] Week 21 – Der unheimliche Garten

Hallo ihr Lieben – der letzte Freitag im Mai und bald gibt es neue Themen für den #writing friday.

Diese Woche habe ich mir das unheimliche Ende ausgesucht.

Allerdings finde ich es gar nicht so leicht ein Ende ohne vorigen Polt zu schreiben. Es klingt immer wie eine kleine Mini Geschichte, die kein Anfang benötigt. ;-)


Schreibe das Ende einer Geschichte, ohne zu erzählen wie das ganze begonnen hat.

 

Sie befreite sich aus dem Netz, in das sie gerade hineingelaufen war. Ihgitt. Wie eklig. Dann rannte und rannte und rannte sie um ihr Leben.

Martha sah sich um. Sie saß in ihrer Hollywoodschaukel in ihrem Garten. Eine ihrer besten Investitionen. Sie war so gemütlich und man konnte den Stress einfach wegschaukeln. Ihre Blumen, auf die sie so stolz war, blühten in ihrer vollen Pracht. Der ganze Garten summte, brummte, lebte. Ein Schmetterling setzte sich rechts neben sie. Alles war etwas milchig – wie in einem Traum. Der Schmetterling kam auf sie zu, setzte sich auf ihre Hand und schaute sie an.

Sie stutzte. Ihr Garten veränderte sich. Es wurde dunkel und feucht. Es roch nach Fäkalien und Moder. Sie blickte auf ihre Hand. Kein Schmetterling saß dort und  kitzelte sie. Das was dort saß hatte sie die gesamte Zeit schon verfolgt und nun erwischt. Das Trugbild des Gartens in das sie sich geflüchtet hatte zerplatzte. Ein letzter Schrei sollte sich aus ihrem Mund lösen. Dann verschwand der restliche Garten aus ihren Gedanken um unendlichem Schmerz Platz zu  machen.

 

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[#WritingFriday] Week 20 – Die Bestimmung lässt sich nicht immer täuschen

Hallo – es ist bisschen her – ich hatte eine kleine Schreibflaute. Mein letzter Beitrag war der mit den Grosseltern und eher uninteressant und unbesucht.

Also hab ich erstmal bisschen Pause gemacht – aber jetzt hab ich wieder mal Lust gehabt und hab mir eine der Mai-Themen geschnappt.

  • Fasse drei berühmte Bücher in je einem Satz zusammen.
  • Schreibe einen Aufsatz über die Erfindung des Telefons, lüg dabei und lass deine Fantasie spielen!
  • Schreibe das Ende einer Geschichte, ohne zu erzählen wie das ganze begonnen hat.
  • Dein Kühlschrank wird über dein Essverhalten interviewt. Schreibe das Interview auf.
  • Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz „Es begann damit, dass wir alles vertuschen mussten, denn niemand darf erfahren dass…“ beginnt

Hier meine Geschichte des diesigen #writing friday.


Es begann damit, dass wir alles vertuschen mussten, denn niemand darf erfahren, dass…ich die Büchse der Pandora geöffnet hatte und gar nicht war was alle dachten.

Nun gut – vielleicht merkt ihr ja, dass ich zu Übertreibungen neige. Oder doch nicht? Es war nicht die berühmte Büchse – es war nur eine sehr, sehr hübsche Schatulle, die ich auf dem Flohmarkt gekauft hatte. Ich liebe Flohmärkte. Und unser Flohmarkt ist so urig und geheimnisvoll. Er findet einmal im Monat auf einem antiken Marktplatz statt. Da gibt es diese festen Stände. Das wirkt, als wäre die Zeit hier stehen geblieben. Manche Standbetreiber kleiden sich sogar passend. Ein Mix aus Mittelaltermarkt und Hippie-Markt. Was man nicht findet sind diese billigen Stände. Da bin ich auch ganz froh, die hätten das ganze Flair zerstört. Der Markt wird von einer uralten Mauerruine eingegrenzt. Hinter der einen Seite liegt der gruselig alte Friedhof. Dort wird keiner mehr beerdigt. Er steht unter Denkmalschutz. Man gelangt durch ein Tor vom Marktplatz aus direkt hin. Bewacht, oder vielleicht auch willkommen geheißen, wird man am Tor von einer Figur – ich weiß nicht ob es eine Frau ist – sie ist in einen Umhang gewickelt, der auch ihr Gesicht verdeckt. Wie so ein übergroßer Mantel mit Kapuze. Richtig gruselig. Das Tor hängt leicht schief in den Angeln und irgendwie ist es immer neblig dort.

Als Kinder war es immer eine Mutprobe, sich auf den Friedhof zu trauen. Ich habe es nie geschafft. Aber ich mag ihn – aus der Ferne – das Ambiente könnte aus einem Gruselfilm stammen. Nachts sollen seltsame Geräusche von dort herüber schallen. Ich habe es nie ausprobiert. Aber meine beste Freundin Cassie, war mal so mutig und bestätigte die Gerüchte.

Normaler Weise gehen wir immer zusammen zu den Flohmärkten. Aber dieses Mal hat sie ein Date. Tja – sie hat mich versetzt. So wo war ich – ach ja die Schatulle. Also dieser Flohmarkt hat durch diesen mittelalterlichen Touch etwas super mystisches, ich liebe es einfach über ihn zu schlendern. Ich schlenderte und schaute und quatschte. Auf einmal meinte ich meinen Namen zu hören. „Anke, Anke, Ankou“. Hauchte es mir ans Ohr. Ich drehte mich einmal um mich herum, aber da war niemand den ich kannte. Eine kleine Gänsehaut wanderte über meine Arme. In dem Moment schaute ich auf den kommenden Tisch und mir war, als würde diese Schatulle leuchten und hüpfen? Das musste eine Sinnestäuschung durch den leichten Nebel sein. Egal – ich war schon gefangen von der Schönheit in ihrer Schlichtheit. Eine ganz einfach gearbeitete Schatulle mit einigen Schrammen, die ihr den besonderen Charme verlieh. Ich war sofort verliebt in das gute Stück. Ich zückte mein Portemonnaie und wollte bezahlen. An dem Stand war ein Mann – er betrachtete mich eindringlich. „Wie sehr wollen sie diese Schatulle?“ Was für eine Frage – ich würde töten dafür. Was war das denn für ein sonderbarer Gedanke? „Ich habe mich sofort verliebt.“ „Was würdest du dafür geben?“ „Ich weiß nicht, fünfzig Euro.“ War ich verrückt – so viel Geld – aber ich musste sie einfach haben. „Nein –kein Geld, was ist das mindeste das sie dir Wert ist. Was von dir würdest du geben um sie zu besitzen?“ Oh Mann diese Hippies, waren schon schräg, obwohl dieser hier sogar noch sehr interessant aussah. Vielleicht würde er mir seine Nummer geben. „Äh, ich weiß nicht, was gibt man denn so im Durchschnitt? Ich kenn mich mit dieser Methode der Bezahlung nicht aus.“ Er betrachtete mich wieder so seltsam, dass ich leicht erzitterte – aber nicht im positiven Sinn. Ein gruseliger Ausdruck huschte über sein Gesicht.

Verunsichert wühlte ich in meiner Handtasche um etwas Persönliches zu finden. Was hatte ich, das mir viel Wert war? Meine Finger huschten über eine kleine Jadefigur, die ich mal von meiner Großmutter bekam. Ich hatte sie immer bei mir, nein – das würde ich nicht abgeben. „Genau das ist es, das will ich für die Schatulle.“ Ich stutzte – die Figur hatte ich nicht mal herausgeholt, woher wusste er…? Ich zögerte und zog sie heraus. „Nein – ich weiß nicht, das habe ich von meiner Großmutter.“ „Genau, da weiß ich, dass dir diese Schatulle viel bedeutet, und dass du ihr würdig bist.“ „Ist das nicht bisschen überzogen, jetzt? Du machst ja gerade so, als wäre das hier kein Trödel.“ „TRÖDEL!“ Ich hatte das Gefühl er wollte über den Tisch springen und mich so zusammen falten, dass ich in die Schatulle gepasst hätte. Ich zuckte zurück. In dem Moment fing die Schatulle an zu summen. „Was ist denn da drin? Sie summt.“ Er hielt sich zurück. „Sie summt? Das macht sie nur für ausgewählte. Sie hat dich ausgewählt. Sie will dich“ „Wie, sie will mich?“ „Du sollst ihre neue Besitzerin werden. Überlege es dir. Ich gebe sie dir, für die Jadefigur.“ Ich seufzte. War das eine gute Wahl? „Ich werde mich gut um die Figur kümmern, sie wird nie verkauft werden. Das verspreche ich dir.“ Zögerlich streckte ich die Hand aus. Er nahm die Figur und drückte mir die Schatulle in die Hand.

Er drehte sich von mir weg und ich fühlte mich irgendwie verlassen. Irgendwie hatte ich das Gefühl, nicht die richtige Wahl getroffen zu haben. Eher melancholisch über den Verlust, als euphorisch über den neu erworbenen Gegenstand ging ich am Friedhof vorbei. Ich blickte durch das schiefe Tor. Schemenhaft konnte ich Bewegungen erkennen. Ein Mann – in einem Mantel? Was war das nur mit diesen unförmigen Mänteln? Oder war das nur der Nebel?

Ich schlich mich nach Hause um meine Schatulle zu begutachten. Schließlich hatte sie mich einiges gekostet.

Kaum zu Hause angekommen schnappte ich mir ein Glas Rotwein und ein paar Kräcker. Mensch war ich hungrig. Die Schatulle stand vor mir auf dem Tisch. Sollte ich sie öffnen? Ich erschrak ganz fürchterlich, als das Telefon klingelte. Wie lang saß ich schon vor dieser Schatulle? Stunden. Ja –es waren tatsächlich schon Stunden vergangen. Das Display des Telefons zeigte mir Cassies Nummer. „Hey Sweetie, wie war dein Date?“ „Ach frag nicht. Ich glaube ich bleib einfach bei dir. Da hab ich definitiv mehr Spaß.“ „Ach das sagst du doch nur um dich einzuschleimen, weil du mich heute alleine gelassen hast.“ „Stimmt, du kennst mich einfach zu gut. Und was hast du gekauft?“ Ich schwieg. Sie war meine allerbeste Freundin, aber konnte ich ihr das alles erzählen, was ich erlebte? Wenn nicht ihr, wem sonst. Also erzählte ich ihr die Geschichte. “Wow – was für ein Freak. Ist die Schatulle wirklich so spektakulär, dass du diese Figur opfertest?“ „Ach wenn ich das wüsste.“ „Weißt du was, ich bin eh noch angezogen, ich komm vorbei und wir schauen und das Teil gemeinsam an.“ „Oh ja, bitte.“ Keine zehn Minuten später war sie da, und wir kuschelten uns mit dem Wein auf die Couch. Die Schatulle auf dem Tisch. „Also öffne sie.“ Meinte sie. „Ich weiß nicht – ich hab ein bisschen Angst.“ „Warum? Es ist eine einfache Schatulle. Wahrscheinlich ist sie leer – vielleicht paar Spinnenhäute oder paar Milchzähne.“ „Brrr – grausiger Gedanke. Ich hätte sie wohl doch nicht holen sollen – irgendwie finde ich sie jetzt bedrohlich.“ „Ach quatsch – ich öffne sie.“ Bevor ich sie abhalten konnte griff Cassie nach der Schatulle und versuchte sie zu öffnen. Aber sie war verschlossen. „Autsch – ich hab mich irgendwie verletzt an dem Scheissding. Verflixt. Sie geht nicht auf.“ Ich ahnte etwas. Also nahm ich sie und sie sprang sofort auf. Cassie sah mich verwirrt an. „Was, zum Teufel.“ „Sag das nicht so – vielleicht ist sie verhext.“ „Spinnst du jetzt, ich glaub dieser gruselige Kerl hat dich irgendwie kirre gemacht. Verhext.“ „Ja – warum denn nicht? Schließlich hat sie mich gerufen, geleuchtet, gehüpft und gesummt.“ „Hattest du schon vorher Wein getrunken?“ „Ha, ha!“

„Na gut Süße, ich mach mich mal ab. Ich bin müde und so bisschen hab ich mich auch gegruselt. Kann ich dich alleine lassen?“ „Pft, natürlich.“ Ich begleitete sie zur Tür und wir umarmten uns. „Schlaf gut und lass dich nicht von den Bettwanzen beißen.“ Ich lachte und schloss die Tür. Die Schatulle stand offen auf dem Tisch. Ich hatte noch gar nicht hineingeschaut, so sehr hat mich der Umstand abgelenkt, dass sie sich geöffnet hatte.

Ich schlich also wieder zum Tisch, setzte mich und nahm mir die Schatulle. Sie war leer. Ich war erleichtert, oder doch eher enttäuscht. Aber was war das? Etwas war eingeritzt in den Boden. Ich fuhr mit dem Zeigefinger über die Gravur. Ankou? Was ist Ankou? Ein Schleier schien sich zu lichten.

In diesem Moment hörte ich ein seltsames Geräusch. Ein Quietschen. Ich stand auf und blickte aus dem Fenster. Erkennen konnte ich nichts. Es war dunkel und neblig. Ein innerer Drang trieb mich nach draußen. Es war stock dunkel. Das Quietschen wurde immer lauter, fast unerträglich laut. Ein Karren hielt vor mir. Auf dem Bock saß eine vermummte Gestalt. Eine altmodische Lampe hing am Kutschbock. Die Gestalt saß regungslos und wartete. Worauf wartete sie? „Ich warte auf dich Ankou.“ Schon wieder dieses Wort. Was bedeutete das? „Es bedeutet, dass deine Zeit gekommen ist. Es ist Zeit deinen Posten anzutreten, Ankou.“ „Was denn für einen Posten? Ich verstehe gar nichts.“ „Wir haben dir ein Menschenleben gestattet, wie du es gewünscht hast. Aber dieses Leben geht jetzt zu Ende und ich hole dich ab.“ „Was, was geht zu Ende? Ich sterbe?“ „Du hast nie wirklich gelebt. Wir haben dir einen Wunsch erfüllt. Du durftest eine gewisse Zeit unter deinen geliebten Menschen wandeln, aber da dich die Schatulle endlich gefunden hat, ist deine Zeit gekommen. Es hilft nichts, du kannst dich nicht wehren.“

„Verdammt. Ich hätte es wissen sollen, dass ihr mich mit einem Trick aufspüren werdet. Ich will nicht wieder auf diesen öden Friedhof. Ich will hier bleiben mit den Menschen leben und nicht sie um ihr Leben bringen.“ „Nein – das ist nicht deine Bestimmung – also komm die anderen warten schon. Du musst deinen Posten als Wächterin einnehmen. So langsam wird es nämlich brenzlig. Die Geister des Friedhofs werden immer mutiger und versuchen immer öfter auszubüxen und in Körper zu fahren. Das gab schon so einige Missgeschicke. Also komm herauf zu mir und löse die Frau am Eingang endlich ab.“ Erinnert ihr euch an den Anfang? Ja – das war es, was vertuscht werden sollte – also von mir, ich wollte es vertuschen – ich bin ein Ankou – ein Friedhofswächter auf Urlaub – so kann man das ausdrücken. Ich hatte eine Art Burn-Out. Also wurde mir eine Art Urlaub gestattet. Aber ich hatte mich versteckt. Sie konnten mich nicht finden, da ich eine Art Verhüllungszauber hatte – Ja – ihr ahnt es schon – ich bin echt dämlich – die Jadefigur – sie war von einer Großmutter – nicht meiner – aber einer Hexe, die sie mir teuer verkaufte. Sie sollte mich verhüllen – aber das Schattenreich kann das auch – die Schatulle war eine Falle in die ich blind hineintapste. Ich seufzte und stieg auf.

Jetzt würde mein Leben in dieser kleinen Stadt vertuscht werden. Keiner würde sich mehr an mich erinnern – vielleicht in den Träumen.

Hütet euch, wenn ihr einen Karren quietschen hört, könnte ich es sein, die euch zur letzten Reise abholt. Wir sehen uns.

ENDE

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[#WritingFriday] Week 16 – eine Bombe zum 50. Jubiläum

Es ist wieder #Writing Friday – und ich habe mir ziemlich Gedanken gemacht wie ich folgendes Thema umsetze – nicht einfach – aber auf der Fahrt zur Arbeit ist mir eine Idee gekommen. Kommt folgt mir:


Hallo ihr Lieben!!

Wie war euer Wochenende? Letzte Woche hatte ich wenig Zeit zum bloggen. Dafür lohnt es sich heute umso mehr mal wieder was zu schreiben. Ihr werdet es nicht glauben. Was ich erlebt habe – Tse. Okay paar langweilige Details: Am Wochenende war ein großes Familienfest. 50 Jähriges Jubiläum meiner Großeltern. 50 Jahre – könnt ihr euch das vorstellen? Ich schaffe keine zwei. Aber egal. Vielleicht kommt mein Seelenverwandter noch. Bestimmt. Er sitzt schon irgendwo und wartet nur, dass ich an ihm vorbei schlendere. Geträumt habe ich schon von ihm. Aber Stopp. Ich weiche schon wieder einmal ab.

Meine Großeltern. Wenn  man zurückrechnet macht das ganze sogar Sinn. 1968 haben sie geheiratet.  Flower Power und freie Liebe. Könnt ihr euch schon denken was passiert ist? Neihen? Niemals hätte ich das gedacht. Und meine Muttererst – Schnappatmung ist nichts im Vergleich. Hahahaha. Sie hat dieses Flower Power Leben ihrer Eltern nie leiden können. Geschämt hat sie sich – dementsprechend spießig ist sie heute. Furchtbar. Hei – und dann meine Großeltern – ich wird nicht mehr – da lassen die ein Ding explodieren – ein Kastenteufel springt aus ihren Mündern –meine Mutter hätte nicht entsetzter sein können wenn eine Stripperin aus der Torte gesprungen wäre. Meine Großeltern praktizieren freie Liebe in einer offenen Beziehung. WAAAAASSSS. Und das schon seit JAHREN!!!

Und auch noch in einem Swinger Club. Ahahahaha. Ich lach mich schlapp. Genial. Da müsst ihr mir zustimmen –das ist mal ein Blogbeitrag. Besser als öde Buchrezis. Die Party war also gelaufen, dachte ich. Meine Mutter stürmte raus, mein Vater, dem das wohl irgendwie gefiel, hinter her. Wer weiß – vielleicht höre ich beim 50. Jubiläum meiner Eltern jetzt auch so ein Geständnis.

Für mich wäre es ja nichts – aber 50 Jahre Ehe, zeigt mir – es geht. Also in diesem Sinne

Sex, Drugs and Rock and Roll Baby

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[#WritingFriday] Week 15 – Die tödliche Dosis für das Volk Part 1

Hallo ihr Lieben. Es ist wieder Freitag und ich habe in die Tasten gehauen. Es ist #writing friday. Dieses Mal habe ich mich auch kurz gehalten. Ich hatte diese Idee schon seit paar Tagen im Kopf, aber konnte sie nicht so zu „Papier“ bringen wie ich wollte. Aber den Auslöser für diese Story wollte ich euch zeigen. Letzten Samstag gab es einen wunderschönen Sonnenaufgang. 

Schön oder? Aber erkennt ihr was? Schaut euch den Himmel an und lest meine Geschichte.

  • Du hast gerade deinen ersten Arbeitstag als Assistenzarzt im Krankenhaus. Beschreibe einer Freundin ein besonders verstörendes Erlebnis.

 

„Bastian? Ist deine Schicht schon um? Wie war der erste Tag. Was musstest du machen. Bist du schon auf dem Heimweg – nein warte  – das ist die Nummer des Krankenhauses. Ist was geschehen? Musst du länger bleiben? Ja – klar die Assistenzärzte werden natürlich gleich  mal ausgenutzt.“ Schnaufte Petra erbost. „Nein – beziehungsweise ja.“ „Hä?“ „Lass mich kurz durchatmen – der erste Tag war wirklich sonderbar. Es ist was passiert, dass ich in diesem Masse nicht erwartet hätte.“

„Okay? Was ist denn so dramatisches passiert? Beruhige dich.“ „Hier kam ein Mann rein. Er klagte über Erbrechen, Übelkeit und Durchfall. Er war schon stark dehydriert. Er meinte, dass es schon paar Stunden ginge. Jetzt würde er leichte Lähmungserscheinungen in den Füssen und Beinen spüren. Es dauerte auch nicht lange, dass er zusammenbrach und nicht mehr laufen konnte. Er war gelähmt, Petra. Gerade war er noch hereingelaufen und dann ging nichts mehr. Er fing auch an zu lallen und wusste nicht mehr wo er sich befand. Aus seinem Mund kam blutiger Schleim und sämtliche Schleimhäute waren stark gerötet. Ich hab sowas noch nicht gesehen. Keiner wusste um was es sich handelte.“

„Was meinst du – ein Terrorangriff? Anthrax? Ebola? “ „Nein – ich denke er  wurde vergiftet. Ich habe so was mal gelesen. Du weißt ja, dass ich viel alternative Medien im Internet lese. Da bin ich auf einen alten Bericht gestossen. Da hat eine Frau ihren Mann und den Stiefsohn mit Barium vergiftet. Die Symptome passen.“ „Hast  du der Polizei schon deinen Verdacht geschildert?“ „Nein – hier wird keine Polizei gerufen – keiner denkt an eine Vergiftung. Ich war mit ihm alleine und habe ihn gefragt, ob er etwas bemerkt hat, dass ihm jemand was zu essen gegeben hat, oder trinken. Aber er konnte kaum noch was sagen. Was ich aber erfahren habe – er war auf Geschäftsreise, schon seit zwei Wochen – also wurde er nicht vergiftet. Aber das ist nicht das einzige – er wurde auf Intensiv gelegt – ich schlug vor ihn an die Dialyse zu hängen – aber wer hört schon auf einen Assistenzarzt? Keiner.“ „Ach Scheisse. Und wie sehen die Prognosen aus?“ „Er wird sterben – da keiner auf mich hört. Aber das war nicht das schlimmste. Als ich zurück in die Notaufnahme kam war der Raum voll mit ähnlichen Fällen.“ „Waaas!“ „Weisst du was das bedeutet, Petra? Es ist so weit. Der Showdown. Sie haben die Schleussen geöffnet. Es dauert ihnen zu lange uns langsam zu vergiften. Sie müssen die Dosis letal erhöht haben. Aluminium um den Geist zu verwirren und Barium um uns schnell zu töten. Warst du heute schon draussen?“ „Äh – nein. War noch nicht nötig.“ „Gut, gut. Dann musst du schnell handeln. Geh auf den Dachboden, hol unsere Rucksäcke und die Gasmasken – dann mach dich auf den Weg und hol mich ab. Es geht los. Sie haben die Chemtrails jetzt zu unserem schnellen Tod eingesetzt. Wir müssen weg. Beeil dich. Nutz Nebenstrassen und vergiss dein Handy nicht, dass du  mich bei Problemen anrufen kannst. Und setz die Maske auf, bitte. Vergiss die Waffen nicht und in der Garage, die Notrationen. Pass auf dich auf mein Schatz. Ich warte. Beeil dich, aber sei vorsichtig.“. „Ich beeil mich. Schau, dass du bereit bist. Uns vergiften sie nicht weiter.“


Da hat sich doch was getan – es ist doch noch eine Fortsetzung dabei heraus gekommen – war echt nicht geplant – wer mag kann schnell hier mal lesen. Ist aber kein Muss – die Geschichte kann auch hier enden. 

 

Es gibt unzählige Berichte im Internet und Videos auf YouTube, die man nicht ignorieren kann. Man beobachtet soviel Symptome an sich selbst und wundert sich – oder nicht, wenn man sich durch die Berichte klickt. Es ist erschreckend, dass unsere Regierung uns dies zumutet. Die Pharmaindustrie frohlockt – sie verdienen und verdienen. Wir leiden.

Ganz besonders interessant fand ich diesen Klipp von Alexa

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[#WritingFriday] Week 14 – eine tödliche Lüge Part 5 Finale

Diese Fortsetzung gehört zu einer Geschichte, die ihren Anfang beim #Writing Friday hatte.

Komplett habe ich es noch mal auf Wattpad veröffentlicht – aber ich habe null Plan wie diese Hompage funktioniert. Vielleicht kommt ihr ja zurecht?

 

HIER kommt ihr zum Anfang der Geschichte

HIER zum Teil davor

Was bisher geschah.

 Eva und Vanessa wurden gefangen genommen. So trafen sie das erste Mal direkt auf Jens. Ihre Flucht aus dem Schuppen in dem sie gefangen gehalten wurden, scheiterte. Kevin – der Begleiter von Annette vereitelte sie. Sein Lohn war ein Kampf mit zwei Frauen, den er verlor.

 Nach einem weniger erholsamen Schlaf wachten wir wie gerädert auf.  Ich konnte keinen Muskel bewegen.  „Bin ich tot?“ fragte ich Eva. „Ich weiß nicht vielleicht sind wir beide tot.“  Wir ächzten wie zwei achtzig jährige.

Ich würde keinen mehr überwältigen können.  Doch ich musste.  Ich rollte mich auf den Bauch um mich hochzudrücken.  Heute war weder Megafon noch Tröte angegangen.  Sie mussten wohl ihre eigenen Wunden lecken und ihre Strategie neu ordnen.  Sie hatten jetzt nur noch einen Bauern.  Maja. Evas Mann gehörte zu den Inneren.  Der wurde dann als Turm geschickt, bevor der König dran kam.  Sie würden also Maja schicken.

Wir zogen uns irgendwie aneinander hoch. „was jetzt.  Meinst du Maja kommt uns nach oder ist sie Türsteher?“ ich überlegte was ich machen würde. „Ich denke sie ist Türsteher und Lockvogel. Wir werden zurück müssen. Aber erst wenn es dämmert.  Im dunklen werden wir zuschlagen.  Kannst du eine Schleuder bauen?“ ich nickte so schwer war das nicht. Der BH war eh ruiniert da konnte ich einen Träger verwenden. „Wir müssen unsere Wunden reinigen. Komm“. Sie hielt mir ihre Hand hin. Wir schleppten uns zum Fluss. Immer in Deckung – wir waren uns ja nicht sicher was sie planten. Nur keine Überraschungen mehr. Als wir am Fluss waren legte ich mich hinein und ließ mich von dem kalten Wasser umfließen – den Schmutz, das Blut und etwas vom Schmerz riss der Fluss mit sich. Es war eisig – aber auch belebend. Mein Kopf wurde klarer. „Heute müssen wir es beenden. Ich will die Geschichte abschließen.

Wir leckten noch bisschen die Wunden. Bis zur Dämmerung übten wir bisschen mit der Schleuder. Ich war gar nicht schlecht. Von zehn Versuchen traf ich sieben. Ein guter Schnitt dafür, dass ich es noch nie gemacht hatte. Dann war es so weit. Wie schlichen im Schatten zurück. Aufkommender Nebel unterstützte uns, da wir durch unsere Verletzungen nicht ganz so geschmeidig waren.

Wir kamen am Startpunkt an.  Es war ruhig.  Unsere Sicht war durch den Nebel in der Dämmerung eingeschränkt.  Allerdings rechnete ich mir keinen Vorteil aus.  Da wir bestimmt erwartet wurden, hatte ich keine große Hoffnung mehr auf den Überraschungseffekt.  Wir legten uns ins feuchte Dickicht und blickten uns erstmal um. „Kannst du irgendeinen Hinterhalt entdecken?“ fragte mich Eva. Als wenn ich wüsste wie ein Hinterhalt aussieht.  „Nein ich würde wohl eher direkt reinlaufen.  Da!  Maja – sie ist alleine wie erwartet.“

Es war Maja. Eva hatte ich total ausgeblendet. Ich war nur noch auf Maja fokussiert. Sie wollte mich töten. Meinen Mann zu einem Witwer und meinen Sohn zu einer Halbwaise machen. Bereuen würde ich  meine Taten vielleicht später. Jetzt musste Auge um Auge und Zahn um Zahn gelten. Sie stand an einer Holzwand, einer Hütte, die wohl das Hauptquartier darstellte. Ich legte an und hoffte zu treffen. Ich spannte die Schleuder und ließ den eingelegten Stein schnippen. Und er traf. Ich hatte getroffen, denn ich hörte Maja fluchen. „Vanessa? Bist du das? Schön, dass du den Weg zu uns zurück gefunden hast. Komm zu mir. Ich kann vielleicht mit Jens reden und du  könntest mit deiner Familie bei uns mitmachen, oder auch alleine, wenn dir das lieber ist. Mittlerweile müsstest du ja das berauschende Gefühl kennen zu töten.“ Ich war sprachlos. Berauschendes Gefühl? Ein kleines böses ich in mir zuckte. Es war tatsächlich ein machtvolles Gefühl jemanden das Leben zu nehmen. Es wäre nur nie was für mich um es auszuleben. Die Liebe meiner Familie berauschte mehr. „Na komm schon. Wir könnten wieder Freundinnen sein. Wie früher. Es würde sich nichts ändern außer, dass unsere Freizeitgestaltung etwas kreativer wäre.“ Ich wollte gerade antworten, als ich Eva hinter mir spürte, die mir den Mund zuhielt. „Das ist wieder ein Trick. Sie will nur rausfinden wo du bist um zu schießen. Sie hat bestimmt ein Nachtzielfernrohr.“ Eva hat Recht. Eine Falle – ich war immer noch zu naiv und wäre fast wieder drauf reingefallen. Wir zogen uns zurück. Wir mussten uns von der Seite nähern.

Maja war sehr angespannt und aufmerksam. Wie sollte ich sie überwältigen? Ich musste sie erstmal etwas weglocken. Eva hatte sich zwischenzeitlich abgesetzt um ihren eigenen Dämon zu finden. Ich legte erneut die Schleuder an zielte und traf wieder. „Verdammt – Vanessa – was sollen diese Kindereien?“ Ich versteckte mich hinter einem dicken Baum und schleuderte einen Stein etwas entfernt von mir. Maja reagierte wie erwartet – zu arrogant – einen direkten Angriff würde sie nie erwarten. Sie lief langsam in die Richtung des Steines als ich direkt vor ihr aus meinem Versteck kam. Sie stutzte. Bevor sie die Waffe anlegen konnte hatte ich sie mit einem Ast k. O. geschlagen. Ich schnappte mir ihre Beine und zog sie wie eine Schubkarre hinter mir her.

Eva schaute sich unterdessen in der Gegend um. Kein Widerstand, keine zusätzlichen Wachen. Wir hatten wohl alle erwischt. Aber mit Fallen rechnete sie und fast wäre sie in eine Bärenfalle getreten. Vorsichtig schaute sie sich um und sah noch mehr dieser großen Fallen. Ein dunkles Lächeln umspielte ihre Lippen.

Ich hatte Maja bis auf die Unterwäsche ausgezogen. Es musste ja schon gerecht zu gehen, oder? Sie erwachte langsam. Ich hatte sie mit ihren Klamotten gefesselt – aber nicht wirklich fest – es würde ausreichen. Während sie langsam erwachte spielte ich mit meiner Schleuder. Ich schoss kleine Steinchen auf sie. „Au – Hör doch auf mit diesem Scheiß.“ „Kannst du dich  noch an die Kindheit erinnern, als wir durch Strohhalme diese Spuke getränkten Papierkügelchen verschossen? Das mit der Schleuder macht noch viel mehr Spaß.“ Lachte ich und schoss weiter. „Verdammt – hör auf damit.“ „Sonst was? Willst du mich töten? Ach, das wolltest du doch sowieso – also warum soll nicht ich mal meinen Spaß haben?“ „Was hast du mit mir vor?“ Gute Frage. Ich war keine eiskalte Killerin. In Notwehr, klar – aber einfach so – das konnte ich nicht – also überlegte ich – Ein Zweikampf. Das wäre doch genau das richtige. Mit Messern – um es spannend zu  machen. „Ein Zweikampf auf Leben und Tod.“ Antwortete ich ihr und sah wie sie blas wurde. Sie würde doch nicht zweifeln? Fragte ich mich gehässig.

Eva hatte ein Auto entdeckt – schnell hatte sie die Verteilerkappe abmontiert und versteckt – vielleicht brauchten sie es zur Flucht – da wäre Reifen platt stechen unpraktisch. Ihren Mann hatte sie auch gefunden. Aber er hatte sie schon vorher gesehen. Er verschwand aus ihrem Blickfeld und erschien schneller als sie es erwartet hatte, neben ihr. Ein Schlag in die Nieren setzte sie erstmal außer Gefecht. „Hallo Schatz. Schön dass du da bist. Ich hatte gar nicht mit deinem Überleben gerechnet.“ „Hallo Mark.“ ächzte sie. „welch eine Überraschung du mir doch bereitet hast. So sehr hast du dich die Jahre davor nicht angestrengt. Ich fühle mich ja richtig geehrt.“ Er verzog sein Gesicht und trat ihr noch mal in die Nieren. „Schatz – schlagfertig wie immer – aber jetzt teile ich mal Schläge aus. Du kleine Schlampe – endlich kann ich dich loswerden.“ „Dumm – gell – eine Scheidung wäre für dich echt teuer geworden. Bei deiner nächsten Ehe, solltest du auf einen Ehevertrag pochen. Ach warte – du wirst ja keine neue Ehe eingehen, da du das hier nicht überleben wirst.“ Er lachte. „Du bist dir ja sehr sicher.“ Eva grinste ihn breit an. So schnell konnte er gar nicht reagieren, wie sie ihn von den Beinen holte. Jahrelang hatte sie sämtliche Sport und Folterkurse besucht um für ihn attraktiv zu bleiben – für etwas musste das doch gut sein. Sie rollte sich auf den Bauch und stand auf und stürzte sich auf ihn – aber er war stärker und überwältigte sie. Er hatte nur nicht mit ihren starken Schenkeln gerechnet. Sie nahm ihn in Schwitzkasten und presste ihre Schenkel so fest sie konnte zusammen. Sie presste seine Mitte zusammen, dass ihm schwindlig wurde. Er glaubte seine Rippen brechen zu hören. Dann ließ sie von ihm ab. Sprang wieder auf und flüchtete. Er musste erstmal tief einatmen und setzte ihr dann nach. Weit kam er nicht. Sie stoppte, drehte sich um und winkte ihn zu sich. Er war blind vor Wut und trat in sein Verderben. Ein unermesslicher Schmerz fraß sich vom Knöchel sein Bein hoch. Ein schriller Schrei, der aus seinem Mund kam erfolgte. Er schaute nach unten und sah eine Bärenfalle. Sie hatte die Fallen also entdeckt und strategisch gut ausgelegt. Jeder Schritt würde ihn in die nächste Falle treten lassen. „Du Miststück.“ Stöhnte er. Sie lachte und kam langsam auf ihn zu. Geschmeidig um ging sie die Fallen. „Tja mein Schatz. Jetzt kann ich tatsächlich neu anfangen. Ist das nicht eine tolle Nachricht für mich?  Hahahaha.“ „Damit wirst du nicht durchkommen.“ Er wurde hektisch. Schweiß trat auf seine Stirn. Er beobachtete wie Eva hinter ihn trat. Ein Stock in der Hand. „Ach – glaub nur – mir wird schon was einfallen. Keine Angst – ich bin schon immer sehr kreativ in Geschichten erfinden gewesen. Vielleicht treffen wir uns im nächsten Leben nochmal. Was meinst du?“ Er wurde bleich als er sah, dass sie mit dem Stock ausholte und in seine Kniekehle schlug. Er knickte ein und das letzte was er sah, waren die Zähne der Bärenfalle, die auf ihn zukam. Eva ging in die Hocke. Legte den Kopf schräg und meinte: „Na ja – du sahst wirklich schon besser aus. Aber so ist das Leben halt.“ Sie hielt sich zurück – am liebsten hätte sie ihn angespuckt – aber sie wollte keine zusätzlich verräterische DNA auf ihm hinterlassen – es war schon genug, das sich irgendwie erklären ließ – aber Speichel – nein, nein – das wäre zu offensichtlich.

Jetzt war nur noch Jens da. Vanessa würde sich um Maja kümmern. Nur eine kleine Pause bevor ich Vanessa suche – oder Jens.

 Ich löste die Fesseln und drückte Maja ein Messer in die Hand. „Jetzt mal Frau gegen Frau – ohne diese Feigheit, die du hier schon die ganze Zeit vorlegst. Wir werden hier und jetzt einen Schlussstrich unter unsere Freundschaft ziehen. Nur eine von uns wird das hier überleben.“ Maja schluckte. Sie hatte Angst – das war deutlich an ihren Augen zu erkennen – aber auch Entschlossenheit konnte ich sehen. Das würde ein harter Kampf werden.

Maja startete den Kampf in dem sie sich auf mich stürzte. So schnell hatte ich nicht mit dem Angriff gerechnet und ging zu Boden. Einen Stich spürte ich an der Schulter. Sie hatte mich schon erwischt – ich glaube ich hatte mich etwas überschätzt. Ich schüttelte sie ab und flüchtete – ich musste einen besseren Platz finden – Zuviel Büsche und Äste als Stolperfalle – der  Fluss war nicht so weit – da war es recht aufgeräumt. Maja hechtete hinter mir her und fast hätte sie sich auf meinen Rücken gestürzt. Ich wich aus und wunderte mich, dass ich trotz den vielen Verletzungen überhaupt noch was bewegen konnte. Das musste das Adrenalin sein. Am Fluss angekommen drehte ich  mich  und lief voll auf Maja zu, die noch rannte – wir prallten voller Wucht aufeinander. Da war mein Gewicht tatsächlich ein Segen – da ich schwerer als Maja war, konnte ich sie umstoßen. Ich lag auf ihr und versuchte meine Hände um ihren Hals zu legen. Das war nicht leicht, da sie so zappelte – aber ich schaffte es und drückte zu. Es war gar nicht so leicht jemanden zu erdrosseln. Maja spannte die Halsmuskeln an und ich kam nicht wirklich dazu sie zu erdrosseln. Sie hatte die Beine um mich geschlungen und trat mir ständig in den Rücken mit der Hacke. Ich ließ von ihr ab und rollte mich runter – das nutzte sie um sich auf mich zu stürzen. Ein Fausthieb traf mein Auge – ich sah Sternchen und es wurde leicht schummerig um mich herum. Maja saß auf  mir und ich sah wie sie mit dem Messer ausholte um auf mich einzustechen. Ich schmiss sie von mir und trat nach ihr. Schnell krabbelte ich von ihr fort. Aber sie war schnell und stand schon wieder. Sie stach zu und traf meine Wade. Ich schrie auf und trat reflexartig zu. Dabei traf ich ihr Knie. Es knackte laut und sie schrie ebenfalls. Ich ließ sie liegen und rutschte rückwärts von ihr weg. Ich sah mein Blut aus meiner Wade quellen. Das wirkte so unwirklich. Das war nicht ich hier – Es kam mir vor, als hätte ich meinen Körper verlassen und beobachtete das Ganze von außerhalb. Ich schlug mich gar nicht so schlecht. Aber meine Kraft lies nach. „Vanessa – wer hätte gedacht dass eine Kämpferin in diesem Hausmütterchen steckt. Ich dachte du wärst eine der ersten, die erwischt wird. Aber ich muss mich bedanken. Durch den Kampf mit dir, werde ich schneller aufsteigen. Denn wenn ich dich so erschossen hätte, wäre das nur mein Eintritt gewesen – aber dieser direkte Kampf zählt viel mehr. Da werde ich schon ein paar Stufen schneller aufsteigen. Wie soll ich dir da nur danken?“ Ich spukte Blut und stand auf. „Komm, ich zeig dir wie du dich bedanken kannst – komm nur näher. Dein Tod wird Dank genug sein.“ Ich winkte sie zu mir. Sie nahm die Herausforderung an und stürzte sich auf mich. Ein schritt beiseite und sie viel in den Fluss. Der Fluss war nicht tief hier – und die Strömung schwach. Ich nutze die Situation und stürzte mich hinter ihr her auf ihren Rücken und drückte ihren Kopf unter Wasser. Ich war erstaunt über die Kraft die ich aufbrachte. Wut und Hass quoll aus mir heraus wie ein Lavastrom. Sie griff nach hinten und versuchte meine Hände abzuwehren. Aber sie kam nicht richtig dran. Dann erschlaffte sie. Ich hatte es geschafft. Dachte ich. Aber kaum hatte ich sie los gelassen, drehte sie sich leicht und holte dabei  mit dem Ellenbogen aus und traf meine Wange. Wieder sah ich Sterne – ich fing an Sterne zu hassen. Das Knockte mich erstmal für paar Sekunden aus. Maja zog sich derweil aus dem Fluss und musste paar kräftige Atemzüge machen. Als ich wieder klar sehen konnte saßen wir uns gegenüber. Keine wollte den nächsten Schritt machen – aber es musste geschehen. Jede wollte siegen. Ich musste siegen. Ich rappelte mich langsam auf. Stark schwankend ging ich auf sie zu. Sie erhob sich ebenfalls wackelig. In ihrer Hand hatte sie einen Stein. Sie strauchelte auf mich zu und versuchte den Stein auf meinen Kopf zu schlagen. Aber so weit kam sie nicht – mein Messer steckte schon in ihrem Bauch. Wir blickten beide hinab. Beide ungläubig. Ich hatte wieder einmal  nicht gemerkt, dass ich das Messer in der Hand hatte und noch weniger bemerkte ich dass ich zum Stich angesetzt hatte. Automatismus, dachte ich  mir. Maja sank auf die Knie und umfasste den Messergriff. Sie versuchte ihn heraus zu ziehen – aber er saß – so leicht bekam sie ihn nicht heraus. Sie schaute mich an – ich glaubte bedauern zu sehen. „Verdammt – das war irgendwie anders geplant.“ Sagte sie und brach zusammen. Ich fiel neben sie und wurde bewusstlos.

Eva war tief befriedigt. Endlich – erst wenn man einen Ballast los war merkte man überhaupt wie sehr er einen runter gezogen hatte – sie fühlte sich jetzt schon viel beflügelter. Jetzt war Jens dran. Sie hatte kaum fertig gedacht, da schlug ein Schuss neben ihr ein. Erde wurde aufgeschleudert – sie blieb stehen und blickte nach oben. Auf dem Dach stand Jens und zielte auf sie. Sie lächelte, hob ihre Hand und zeigte mit dem Finger auf ihn – dann führte sie den Finger zum Hals und machte die Schnittbewegung zum Kehle aufschlitzen. Jens nahm kurz die Waffe runter und schaute sie irritiert an. Dann legte er für einen tödlichen Schuss an. Als er den Abzug zog, war Eva schon weg – sie war fast unmenschlich schnell. Eine leichte Welle von Furcht durchfuhr ihn. Immerhin hatte diese Gruppe alle seine Leute eliminiert. Er machte eine Runde auf dem Dach um zu sehen wo Eva war – aber sie war nicht zu sehen. Zu spät bemerkte er, dass sie hinter ihm stand, wie war sie herauf gekommen? „Hallo Jens, ich sehe du wunderst dich, ich kann fast verstehen, warum ihr diese Jagden veranstaltet. Adrenalin ist eine wunderbare Droge –sie schafft es, dass man übermenschliche Fähigkeiten bekommt. Schau nur ich – ich stehe vor dir und du fragst dich wie ich denn hier hoch kam. Geklettert. Ist das nicht wunderbar. Danach kann man echt süchtig werden.“ Er hob seine Waffe, aber Eva kam ihm zuvor. Sie holte mit ihrem Bein aus und trat dagegen und er ließ die Waffe fallen. Schnell rannte sie vor und kickte sie vom Dach. „So – jetzt sind wir fast ebenbürtig. Fast. Was hast du zu verlieren? Ach ja, dein Leben.“  Dann sprintete sie auf ihn zu.

Ich wurde langsam wieder wach. Es dauerte etwas durch den Nebel der Schmerzen durch zu kommen. Am liebsten wäre ich einfach liegen geblieben. Irgendwer würde mich schon finden, oder? Jetzt viel mir wieder alles ein. Schnell blickte ich zu Maja. Sie lag immer noch da, in ihrem Blut. Die Erde hatte sich den wertvollen Saft schon einverleibt. Sie war tot. Ich horchte in  mich um ein Gefühl zu erkennen. Aber da war nichts. Diese Frau war niemand mehr. Mühsam richtete ich  mich auf. Leicht schwankend bewegte ich mich in Richtung der Hütte wo ich Eva verloren hatte. Ich wollte sehen ob sie es geschafft hatte. Weit war es nicht und als ich ankam sah ich erstaunliches. Eva und Jens standen auf dem Dach. Eva sah furchtbar aus. Matsch und Blut trug sie wie eine zweite Haut. Sie redete mit Jens, ich konnte aber nichts verstehen. Ich sah nur wie sie ihn zu verhöhnen schien und Jens schwankte zwischen Wut und Verzweiflung. Ich sah einen Kick, der seine Waffe aus seiner Hand katapultiere und wie sie die Waffe vom Dach stieß. Schnell rannte ich zu der Stelle wo ich die Waffe vermutete. Ich fand sie. Wie war sie nur da rauf gekommen? Ich konnte nichts finden. Aber Blutspuren zeigten mir wo sie sich hochgekämpft hatte. Sie musste sich die Fingernägel fast abgerissen haben um das zu schaffen. Stolz und Ehrfurcht erfasste mich. Schnell ging ich wieder zurück um sehen zu können was sich auf dem Dach abspielte. Eva hatte den direkten Angriff gestartet und  war ihn angesprungen. Sie saß auf ihm und verpasste ihm einige Fausthiebe. Er hielt seine Hände schützend über seinem Kopf verschränkt, bis er endlich mal eine Lücke fand und zurück schlug. Der Schlag saß. Eva rollte von ihm herunter – aber sie wartete nicht, dass er wieder angriff. Sie sprang auf und rannte wieder auf ihn zu. Sie prallte voller Wucht mit ihm zusammen, dass sie vom Dach stürzten. Jens hatte dummerweise die schlechtere Position. Eva landete ungebremst auf ihm. Sie stöhnte laut – aber nicht so laut wie Jens. Das war mein Einsatz. Schnell rannte ich auf die beiden zu und hielt die Waffe auf Jens gerichtet. Eva lag neben Jens und atmete schwer. „Wo warst du so lange?“ „Entschuldige, Maja war nicht so leicht außer Gefecht zu setzen.“ „Ist sie tot?“ ich nickte. Eva nickte anerkennend und hob den Daumen. „Was meinst du, sollen wir das jetzt endlich beenden.“ Fragte sie mich. „Auf jeden Fall. Ich habe keinen Spaß mehr daran. Wie sieht es bei dir aus, Jens. Noch Spaß an der Jagd? Komm steh auf.“ Er stöhnte. „Ich kann nicht – ich glaube ich habe mir irgendwas gebrochen.“ Eva rappelte sich mühevoll auf und trat ihn in die Seite. Er schrie.“ Na da fühlst du noch was – also ist auch nichts Wichtiges gebrochen. Höchstens dein Ego. Auf Wichser. Steh auf. Es wird Zeit die Jagd zu beenden. Meine Freundin und ich haben keine Lust mehr und wollen ein warmes Bad.“ Ich blickte sie an. Ja wir waren Freundinnen. Was schweißte einen mehr zusammen als einen Kampf um sein Leben. Auf sie konnte ich mich verlassen.

Jens stand auf. Er hatte sich wohl den Knöchel gebrochen. Nicht schlimm. Weit würde er eh nicht mehr gehen. Ich war keine kaltblütige Killerin. Nur aus Notwehr. Und Jens konnte froh sein, dass er es so einfach gemacht bekam. Sein restliches Team hatte es schwerer gehabt. Ich richtete die Waffe auf ihn. Er straffte sich in Erwartung des Schusses. Und ich ließ ihn nicht warten. Verurteilt mich nicht. Aber ich   musste es tun. Soviel Leid und Tod hatte er verursacht. Das konnte nicht ungestraft bleiben.

„Was jetzt?“ Fragte ich Eva. „Wir lassen einfach alles so wie es ist. Vielleicht findet sie jemand – vielleicht tun uns die Tiere den Gefallen sie so abzunagen, dass nichts mehr übrig bleibt. Unsere DNA ist nirgends gespeichert. Es gibt kein Hinweis auf uns. Die Waffe zerlegen wir und verteilen sie überall auf unserem Weg. Ein Teil ich ein Teil du. Hinter der Hütte ist ein Wagen. Die Verteilerkappe habe ich versteckt. Es gibt keine Verbindung zwischen uns. Also selbst wenn sie die hier alle entdecken und identifizieren, werden sie wohl nie wissen, was genau geschehen ist. Ich weiß nicht was du deinem Mann erzählen willst. Das überlasse ich dir. Aber wir sollten auf keinen Fall Kontakt aufnehmen. Du bist die beste Freundin die ich je hatte. Vielleicht irgendwann mal können wir uns treffen. Nimm du das Auto und fahr heim zu deiner Familie. Denk dran – unauffällig. Das Auto musst du entsorgen – Fingerabdrücke abwischen – kein Zusammenhang zu diesem Ort schaffen. Aber du wirst das schon machen. Ich vertraue dir da.“ „Warum kommst du nicht mit? Ich kann dich auf der Straße rauslassen. Oder wir entsorgen das Auto gemeinsam und trennen uns dann.“ „Das geht nicht. Ich habe noch was zu erledigen, dass wir auch wirklich unbehelligt bleiben. Eine Aufgabe steht noch an, das erledige ich. Geh nach Hause und versuche, das hier zu vergessen. Umarme deinen Mann und küsse deinen Sohn. Das Leben geht weiter, die Erde dreht sich weiter.“

Wir umarmten uns. Tränen fanden ihren staubigen Weg auf unseren Wangen und ich ging zum Auto. Ich drehte mich nicht um. Ich wusste welche Aufgabe sie meinte. Wenn, dann würde sie es erledigen können. Ich würde mich  nicht mehr umdrehen und nicht mehr zurück denken.

Damit hatte Lukas nicht gerechnet, als er sah wie

Eva auf ihn zukam. „Hallo Lukas. Hast du mich vermisst? Sag, hast du Yvonne geliebt? Nein. Du wirst nicht lieben können. Aber fürchten, das kannst du dich, oder?“ Lukas riss die Augen auf als er sah was Eva in der Hand hatte, das war das letzte was seine Augen jemals sehen würden.

ENDE

 

Vielen Dank an euch alle, die bis zum Ende durchgehalten haben und mit Eva und Vanessa den Sieg errungen haben. Vielen Dank für die Geduld. Ich weiss, so lange Geschichten können manchmal nerven.

 

 

 

 

 

 

 

 

writing friday

[#WritingFriday] Week 14 – eine tödliche Lüge Part 4

Diese Fortsetzung gehört zu einer Geschichte, die ihren Anfang beim #Writing Friday hatte.

HIER kommt ihr zum Anfang der Geschichte

Hier den Teil davor

Was bisher geschah

 Eva, Annette und Vanessa hatten jetzt Waffen. Während sie ihre Strategie planten taucht ein Rekrut auf. Lukas. Sie überwältigen ihn aber töten ihn nicht. Annette kann schiessen  und erledigt von einem Hochsitz aus vier der Gegner, bevor sie selbst erschossen wird. Vanessa ist total aufgelöst. Aber sie müssen weiter kämpfen. Die nächsten zwei Gegnerinnen tauchen auf. Eine davon ist Evas Freundin, die sie zu diesem Tripp mit gebracht hatte. Ein Kampf auf Leben und Tod für Eva und Vanessa.

Es wurde dunkel. Wir waren schon einige Zeit schweigend nebeneinander gelaufen. „Ähm. Willst du darüber reden?“ sprach ich sie an. „Was gibt es da zu reden. Du kennst das doch, wenn man immer alles in sich hinein frisst, platzt man irgendwann und das kommt immer zum falschen Zeitpunkt. Nur dieses Mal war der Zeitpunkt wirklich perfekt. Meinst du ich habe etwas überreagiert als ich ihr die Kehle auf schlitzte? Vielleicht hätte ich…ach nein – ich glaube, das war unter den gegebenen Umständen doch das humanste. Schnell und fast schmerzlos. Wie lief es bei dir. Du bist verletzt.“ Ich berichtete kurz von meinem Kampf. Sie nickte und wirkte etwas abwesend. „Wir sollten uns für die Nacht einen Unterschlupf suchen.  Hier – das habe ich bei Lukas gefunden.“ Sie hielt mir einen Riegel hin. Ich riss ihn an mich und riss die Verpackung auf. „Iss nur – er hatte zwei. Wie für uns bestimmt.“ Sie lächelte. Jetzt erst merkte ich, dass ich wirklich hungrig war.

Ich zeigte auf eine Stelle. „Schau – da ist vielleicht ein guter Platz – ich sehe einen kleinen Bach und ein Laubwald. Das bedeutet er ist im Moment dicht und es gibt viele Blätter.“ „Ja klingt gut. Hier – das habe ich auch von Lukas.“ Sie hielt mir ein T-Shirt hin. Sich selbst hatte sie ein Hemd angezogen. Wie toll sich das anfühlte – warm und kuschelig – fühlte ich  mich sicher und nicht mehr so nackig wie vorher. Das gab mir noch mehr Mut um das hier zu überstehen.

Wir fanden einen tollen Platz. Am Wasser stillten wir unseren Durst. Ich hoffte, dass es nicht zu verunreinigt war und wir Durchfall bekämen – aber das war mir im Moment egal. Etwas abseits lag ein umgestürzter Baum unter dem sich eine perfekte Kuhle für uns befand. Schnell sammelten wir etwas Blätter um und ein gemütliches Lagern zu machen – soweit man von gemütlich sprechen konnte. Wir krabbelten hinein und verhielten uns erst mal still um zu lauschen. Aber es war still. „Was meinst du, wie viele es noch sind.“ Fragte ich Eva. „Das ist schwer zu sagen. Deine Maja – mein Mark und der Boss. Wieviel haben wir erledigt. Den Kerl am Anfang – der gehörte bestimmt zu Jens. Lukas zu der Kleinen. Du hattest die von der Älteren. Ich meine Freundin. Annette – sie muss auch noch eine Begleitung haben. Also wenigstens vier sind es noch.“ Noch vier. Ich war schon jetzt total am Ende. Und meist konnte man davon ausgehen, dass die verbleibenden, die besten sind. Ich erzählte Eva von meiner Befürchtung. „Maja, kann ich  mir nicht vorstellen. Sie wird einfach sein. Mark – eigentlich ist er ein Weichei. Aber ich  kenne ihn ja nicht wirklich. Zu Hause hat er nichts gemacht. Zwei linke Hände. Ich weiß aber nicht wie gut er im Schießen ist. Wir sollten versuchen – wie Annette – sie von fern zu erwischen. Obwohl ich Mark selbst erledigen will. Ich habe bisher noch nicht geschossen. Aber ich habe oft darüber gelesen und Videos gesehen. Ich kann die Waffe bedienen, aber ob ich auch treffe, dass bezweifle ich.“ „Einen Versuch ist es wert. Ich kann so eine Waffe noch  nicht mal bedienen. Wir müssen auf jeden Fall noch zwei von weiten ausschalten. Gegen vier kommen wir nicht an.“ „Ja – das stimmt wohl. Wir versuchen es einfach. Learning by doing. Wenn ich sie verfehle – müssen wir uns was anderes überlegen – wenn wir da noch leben.“ Ich nickte und legte mich hin. Ich war so müde und erschöpft. Sollte ich das überleben, würde ich mindestens eine Woche nicht mehr aus der Wanne herauskommen. Jeder Muskel schmerzte und die Wunde pochte. Ich hoffte sie würde sich nicht entzünden. Ich hatte kaum fertig gedacht, schlief ich ein.

Es dämmerte und ich war tatsächlich vor Eva wach. Es beruhigte mich etwas, dass sie geschlafen hatte und nicht wieder herum gewandert war. Sie rieb sich etwas desorientiert die Augen. Sofort war sie hellwach. Ihr war wohl eingefallen wo sie sich befand und was vorgefallen war. Schnell wollte sie aus unserem Versteck. Ich hielt sie zurück. „Warte – lass uns erstmal richtig wach werden und überlegen wie wir weiter vorgehen.“ „Ok. Wir sollten beim ursprünglichen Plan bleiben. Wir sollten uns auf sie zu bewegen. Sie werden zwar dieses Mal vorbereitet sein – aber alles andere macht keinen Sinn. Ich muss nur näher dran. Ich kann nicht aus der Entfernung wie Annette schießen. Das ist mir zu weit.“ „Gut, lass uns die Dämmerung nutzen. Vielleicht schlafen sie noch, oder haben nur eine Wache.“ Sie sammelten sich. „Warte – das T-Shirt ist zu auffällig.“ Ich blickte mich um. Am Bach war genug aufgewühlter Schlamm. Schnell huschte ich hin und wälzte das T-Shirt darin. Gut, dass ich es nicht waschen musste. Schmunzelte ich.

Wir bewegten uns so schnell wie in dem Licht möglich, in die Richtung der Basis. Dort angekommen, kauerten wir uns in die umliegenden Büsche und versuchten unsere Blicke scharf zu stellen. Das war nicht so einfach. „Ich sehe nur einen. Das ist bestimmt Annettes „Anwärter““, meinte ich. „Wenn ich mich von rechts anschleiche, kann ich ihn vielleicht außer Gefecht setzen.“ Überlegte ich. Eva runzelte die Stirn. Meinst du, du schaffst den alleine?“ „Muss ich – du musst mir Rückendeckung geben mit dem Gewehr. Ich versuche ihn etwas weg zu locken. Er wirkt nicht gerade helle – außerdem ist er müde. Ich versuche es. Halte dich in der Nähe um eventuell zu schießen, oder mir mit dem Messer zu helfen. Du wirst das schon richtig einschätzen.“ Sie nickte einmal zur Bestätigung und ich ging nach rechts. Ich hielt nach einem Stein oder Ast Ausschau, den ich werfen wollte um ihn weg zu locken. Aber als ich an meinem Ziel ankam, überlegte ich es mir anders. Ich gab ein Geräusch von mir, als wäre ich gestolpert und warf dann schnell einen Stein  hinter her. Meine Taktik funktionierte. Ich hatte ihn richtig eingeschätzt. Ohne Unterstützung zu holen lief er in die von  mir gewünschte Richtung. Ich duckte mich in einem Busch – wie ein Kastenteufel, bereit aufzuspringen wenn der Deckel aufging. Mein Deckel würde dieser Misthaufen sein, der gleich an mir vorbei ging. Vorsichtig ging er an mir vorbei. Ich hatte einen längeren Ast in der Hand. Der Mann war etwa so groß wie ich. Als er an mir vorbei ging sprang ich auf und schlug zu. Ich traf ihn nicht genau, aber es reichte aus um ihn zum Stolpern zu bringen. Dabei fiel er auf die Knie. Ich holte noch mal aus, aber das sah er kommen und fing den Schlag mit dem Gewehrlauf ab. Dabei ließ er es zwar fallen, aber stürzte sich schnell auf mich. Ich lag unter ihm und musste  mir sein dreckiges Lachen anhören.

„Hallo, Vanessa, nicht wahr? Schön dass du vorbei gekommen bist. Mir wurde schon langweilig. So kann ich mich etwas mit dir vergnügen bevor ich dich dann absteche wie ein Schweinchen. Kannst du quieken wie ein Schwein?“ Fragte er mich, als er sich an meiner Unterhose zu schaffen machte. Ich versuchte aus seinem Griff zu entkommen – aber er war zu stark. Was jetzt – ich hoffte Eva würde kommen und mich befreien. Warum kam sie nicht? Hinter dem Klotz, der grob an mir rumfummelte erschien plötzlich ein Schatten – ich atmete auf. Eva – aber es war nicht Eva – es war Maja. „Kevin – du Idiot – du sollst doch deine dreckigen Finger von ihnen lassen. Du perverser Sack. Lass meine Freundin los. Fessle sie. Jens wartet schon.“ „Mensch – du gönnst mir aber auch gar nichts – sie ist schon lecker.“ „Hör auf, du machst ihr Angst. Mach deine Arbeit und bring sie zu Jens – die andere ist schon da.“ Oh nein – sie hatten Eva.

„Hallo Vanessa, so kommen wir doch noch mal zusammen. Es tut mir leid. Vor allem für deinen Mann und deinen kleinen Sohn. Ich werde ihnen schon eine traurige Geschichte von einem Autounfall mit Brand erzählen. Traurig, traurig. Aber du verstehst das bestimmt. Ich muss ja dein Ableben irgendwie erklären. Aber jetzt lernst du Jens kennen und wirst mich verstehen. Er ist ein Gott.“ „Ein Gott? Ich glaube nur an einen Gott und der wird mir hier auch raushelfen. Gott hilft denen, die sich selbst helfen. Du kennst mich – ich habe schon einiges erlebt. Ich werde auch das hier überleben.“ „Das habe ich schon immer an dir geschätzt. Dein Optimismus. So groß und unbeirrbar, dass ich manchmal kotzen wollte.“ „Ich verstehe nicht, wenn ich dich so ankotzte, warum warst du meine Freundin?“ „Ich war neidisch auf dich. Ich wollte dein Leben oder wenigstens so nah daran teilhaben wie es ging. Dein Mann ist übrigens toll. So treu und er liebt dich. Er war total immun gegen Annäherungen meinerseits. Hat er dir je davon erzählt? Ach wie blöd, dann wärst du ja nicht hier. Wie schusselig von mir. Aber du kennst mich ja.“

„Anscheinend nicht gut genug.“ Murmelte ich.

Sie stießen mich vor sich her in einen Schuppen. Da stand schon Eva und schrie einen Mann an – wohl ihren Mann. Daneben stand ein weiterer Mann. Etwa 1,80 Meter, schlank durchtrainiert. Graumelierte volle Haare. Recht ansehnlich. „Vanessa, schön, dass du zu uns gestoßen bist. Jetzt werden wir auch eine Lösung finden. Aber erstmal heiße ich euch willkommen in eurem Unterschlupf.“ Er öffnete eine Tür zu einem Schuppen und wir wurden hinein gestoßen. „Wir haben noch was zu erledigen. Aber sobald wir geklärt haben wie wir weiter machen, wird euch Kevin dann holen. Solange macht es euch einfach gemütlich hier.“ Damit schloss er die Tür hinter uns.

„Was ist passiert?“ Fragte ich Eva. „Sie haben uns wohl doch erwartet. Ich hatte mich gerade platziert um einen guten Blick auf dich zu haben, als ich nieder geschlagen wurde. Es tut mir leid, ich habe es versaut.“ „Ach quatsch – ich war ja auch nicht wirklich erfolgreich. Dieser Kevin hätte mich fast vergewaltigt. Dieser Widerling.“ Mich schüttelte es an den Gedanken, wo seine widerlichen Hände überall waren. „Was machen wir jetzt?“ Von der starken Frau, die aus dem Schlamm entstieg, war im Moment nicht viel übrig. Aber ich fühlte mich auch nicht gerade stark und mutig. Wenn wir keine Lösung fanden, würden wir sterben. Ich dachte an meinen Sohn und Mann. Würde ich sie wiedersehen? Im Moment kam mein Optimismus etwas ins Wanken. Mühsam stand ich auf. Ich blickte mich in dem Schuppen um. Er war alt und klapprig. Ein kräftiger Windstoß oder ein pustender Wolf, würde ihn umwehen. Ich ging die Wände entlang und tastete sie mit meinen am Rücken zusammen gebundenen Händen ab. Vielleicht fand ich einen Nagel oder scharfe Kante, die die Fesseln durchscheuern könnten. Stark in der Bewegung eingeschränkt, viel es mir schwer mich hoch und runter zu bewegen, aber man sollte nicht glauben, wie beweglich man in einer tödlichen Situation wurde. Hier war er – der Notnagel. Ich setzte mich davor und versuchte die Fessel damit auszufransen. Ich stach, rubbelte und schabte. Es war anstrengend und schmerzhaft. Ich traf mehr die Haut neben den Fesseln als die Fesseln selbst. Ich wollte gerade aufgeben, als ich einen kleinen Ruck in den Fesseln spürte. Ich hatte es geschafft. Sie waren fast durch. Ich konnte es kaum glauben. Dann rissen sie. Oh – wie gut, dass sie keine besseren Materialien für Fesseln hatten. Schnell entledigte ich mich meiner und rutschte zu Eva. Sie wirkte im Moment eher als hätte sie aufgegeben. Schnell löste ich ihre Fesseln und drehte sie zu mir. „Hör zu, wir schaffen das und die werden bezahlen. Wir müssen erstmal hier raus. Hilf mir aus diesem maroden Schuppen eine Waffe zu machen. Schau nach losen Brettern oder sonst was, mit dem wir schlagen können, wenn dieser eklige Kevin kommt, wird er Platt gemacht. Der fingert keine  mehr an. Igitt.“ Gemeinsam klopften wir jedes Brett und jede Diele ab. Ich fand eine lose Bodendiele. Meine Finger passten gerade so in den Spalt. Aber dieses Brett heraus zu ziehen, erwies sich als äußerst schwer. Meine Fingernägel rissen bis zum Fleisch ein. Eva kam neben mich – gemeinsam versuchten wir dieses verdammte Brett herauszureißen. Endlich krachte es. Ich fiel auf meinen Hosenboden und Eva konnte sich gerade noch so auffangen. Wir lachten. Ein Hoffnungsschimmer. Der war wichtig – sonst hätte ich Eva noch verloren. „Schnell – hier ist es hohl drunter. Wenn wir noch paar Bretter raus bekommen, können wir vielleicht untern drunter durch.“ Meinte ich. Ich sag euch – ich werde nie wieder einem Film glauben. Das sieht immer so leicht aus. Selbst jetzt wo schon ein Brett draußen war, gestaltete sich das Ganze als unfassbar schwierig. Aber wir schafften noch vier weitere Bretter. Für mehr hatten wir keine Kraft mehr. Jetzt wünschte ich mir Annette her. Sie war wesentlich schmaler als wir. „Ich passe da bestimmt nicht durch.“ Meinte Eva. Ich blickte sie an. Sie hatte wirklich breitere Schultern und Becken als ich. Ich dafür Bauch – aber der gab ja nach. „Okay – ich versuche wie weit ich komme. Behalte die Tür im Auge.“  Ich krabbelte in dieses flache Loch und schob mich Millimeter für Millimeter voran. Das war eng – im Sarg hatte man mehr Platz. Bloß nicht in Panik verfallen, du hast keine Angst vor engen Räumen und du bleibst nicht stecken. Sagte ich mir. Ich kam tatsächlich ganz gut voran, bis ich an einen Widerstand gelangte. Hier war der Schuppen wohl zu ende. Jetzt musste ich versuchen mich frei zu graben. Mit meinen eingerissenen Fingernägeln fing ich an zu buddeln. Ich musste drauf achten leicht nach oben zu graben. Langsam wurde es wirklich warm hier – mir ging die Luft aus. Daran hatte ich ja gar nicht gedacht. Klar – hier kam ja kein frischer Sauerstoff hin. Langsam wurde mir schummrig. Oh weh, wenn ich  nicht gleich durchbrach würde ich hier ohnmächtig werden. Eva würde denken ich hätte sie alleine gelassen und ich würde hier elend ersticken. Die Panik kam und sie kam heftig. Und ich nutzte sie um noch schneller zu graben. Und endlich – ich stiess mit der Hand ins Freie. Sauerstoff – ich schnappte nach Luft, wie eine ertrinkende. Oh süßer Sauerstoff. Ich wollte mich gerade weiter voran graben als ein Ruck durch meinen Körper ging. Jemand zog an meinen Beinen. Ich wurde grob zurück in den Schuppen gezogen. Kevin. Krampfhaft versuchte ich mich festzuhalten. Aber ich konnte nur Erde zu fassen bekommen. Als ich wieder im Schuppen war, sah ich, dass Kevin noch  mehr Dielen herausgerissen hatte. Anscheinend hatte ich durch den Sauerstoffmangel dies nicht gehört. Ich lag auf dem Schuppenboden und blickte nach oben an die Decke. Was jetzt. In dem Moment durchfuhr mich ein stumpfer Schmerz an der Seite. Kevin trat auf mich ein. „Du kleine Schlampe. Was hast du gedacht, dass du dich da rausgraben kannst. Bist du dämlich. Das hätte ewig gedauert. Hahahaha. Ihr Weiber seid doch echt dumm. Nur gut um gefickt zu werden.“ Ich krümmte mich am Boden und versuchte durch meinen Schmerz Eva zu finden. Sie lag ebenfalls gekrümmt in der Ecke. Unsere Flucht war erstmal vorüber. Erstmal.

Während Kevin auf mich einschlug und trat versuchte ich mich von ihm weg zu bewegen, was sich immer schwerer gestaltete. Während ich auf dem Boden voran robbte, stieß ich mit den Fingern an einen Gegenstand. Automatisch griff ich danach. Es war ein Nagel. Er musste herausgesprungen sein, als die Dielen herausgerissen wurden. Er war lang. Durch Schmerzen war mein Denken eingeschränkt, aber mein Instinkt funktionierte. Ich wurde schlaff und ließ ihn denken, ich sei bewusstlos. Ich konnte mir denken, dass er diese Situation in ekligster Weise ausnutzen würde. Er drehte mich auf den Rücken und fing an mir rumzufingern. Ich ekelte mich wahnsinnig. Wie furchtbar so unfreiwillig begrabscht zu werden. Der Nagel lag in meiner Hand. Ich legte ihn mir zwischen Zeige und Ringfinger. Wie bei dem Bügel des BHs, hatte ich vor ihn irgendwo rein zu rammen. Was auch immer ich treffen würde. Langsam schob er sich über mich drüber. Er fummelte an seiner Hose um sie zu öffnen. Es war unerträglich. Als sein Gesicht etwa in der Höhe meines Gesichtes war, holte ich aus und stieß zu. Der Nagel drang tief in sein Ohr ein. Er schrie fürchterlich. Ich stieß ihn von mir runter. Zu schwach um ihn wirklich noch stärker zu verletzen. Der Nagel ragte aus seinem Ohr und ich haute immer weiter drauf – er schrie und schrie. Meinen Slip, den er mir ausgezogen hatte lag in greifbarer Nähe. Ich schnappte ihn mir und stopfte ihn in seinen offenen Mund um den Schrei zu ersticken. „Hier du stehst doch auf meinen Geruch und Geschmack. Friss das. In dem Moment erfasste Eva die Situation und stand unter Schmerzen auf. Während ich weiter auf den Nagel und seine Nase einschlug, kam sie gekrümmt auf uns zu. Ich sah eines der herausgerissenen Bretter in der Hand. Sie holte aus und ich rollte mich von Kevin herunter. Dann krachte das Brett auf sein Gesicht. Der Slip dämpfte den Schrei. Er fing an zu gurgeln. Sein Gürtel. Ich schnappte mir seinen Gürtel und legte ihn um seinen Hals. Ich zog dran, war aber nicht stark genug. „Eva, hilf mir. Ich schaffe es nicht alleine.“ Gemeinsam zogen wir an dem Gürtel. Wir saßen hinter ihm und stemmten unsere Füße gegen seine Schultern – wir zogen, zogen, zogen bis es leicht knackte. Seine Gegenwehr hörte auf. Er war tot. „Schnell, wir müssen weg. Ich zog meinen Slip aus seinem Mund – er war feucht. Ich ekelte mich – aber besser so, also ohne was. Ich schlüpfte in den feuchten Slip und schnappte mir sein Messer, das an seinem Gürtel hing. Sonst hatte er keine Waffen bei sich. Eva stütze mich und wir humpelten aus diesem Schuppen. Es war dunkel – ein Glück für uns, dass keiner mit einer Flucht von uns rechnete. Wir humpelten in Richtung Wald und ließen uns in das Dickicht fallen. „Nur ganz kurz.“ Meinte Eva. „Wir können nicht lange hier bleiben. Sie werden bestimmt bald nach Kevin schauen. Bis dahin müssen wir so weit wie möglich weg sein. Einen Unterschlupf finden.“ Ich dachte ich würde sterben. Mein gesamter Körper war nur noch ein Schmerz. Am liebsten hätte ich mich wirklich zum Sterben hier hingelegt. Egal. Ich war am Ende. Bilder blitzen vor meinen geschlossenen Augen auf. Mein kleiner Engel mit seinem Vater, der mir immer treu war und mich bedingungslos liebte. Für sie musste ich überleben. Ich richtete mich auf. „Gut, lass uns gehen. Es wird Zeit das Ganze zu beenden. Ich will endlich heim.“ „Sehr gut. Dann lass uns den Finalen Schlag einleiten.“ Große Worte – aber wir wussten  noch gar nicht was wir machen sollten. Übrig waren jetzt nur noch Jens, Maja und Evas Mann, aber wir waren angeschlagen. Also mussten wir eine Taktik entwickeln.

 

Finale  HIER