Horror, writing friday, Zombies

#Writing Friday – Der brennende Regen 2 von 3

Da ich mich ja beim letzten #Writing Friday nicht kurz halten konnte – das ist ein Thema, bei dem schweife ich leider immer wieder gerne aus. Also hier kommt die Fortsetzung. Teil 1 könnt ihr HIER noch mal lesen.

Was bisher geschah.

Bea wird von einem ätzenden Regen überrascht. Die Menschen auf der Strasse suchen Unterschlupf. Bei ihrer Flucht trifft sie auf ein kleines Mädchen mit ihrem Hund. Emily und Emil. Als sie auf der Suche nach ihrer Mutter sind kommt es zu einem Angriff. Die beiden fliehen erneut. Dabei werden sie von dem Hund getrennt.

Wenige Minuten, oder waren es doch Stunden? Bea hatte jegliches Zeitgefühl verloren, wachte sie auf. Etwas hatte sie geweckt. War es das Geräusch, das diese mutierten Menschen verursachten? Nein. Es war die Stille, die sie geweckt hatte. Das Fehlen jeglichen Geräusches in der Stadt war extrem unheimlich. Sie ging leise zum Fenster und schob vorsichtig die Vorhänge beiseite. So leise wie möglich, öffnete sie das Fenster und lehnte sich hinaus. Nichts. Im Dämmerlicht des Morgens war die Straße leer gefegt. Emily schlief noch. Sollte sie die Kleine wecken? Ja, es wäre besser, sie würden zusammen die Lage abklären.

Sanft rüttelte sie Emily wach. „Emily? Komm Süße, aufwachen. Wir müssen mal gucken was da draußen los ist.“ Emily sprang auf wie ein Kastenteufel. „Ja und wir müssen Emil suchen.“ Das Leuchten in den Augen des Mädchens versetzte Bea einen Stich. Hoffentlich fanden sie nicht seine Leiche. Sie streichelte ihr über den Kopf und schickte sie ins Bad. Zwischenzeitlich packte Bea einige Vorräte ein. Im Bad suchte sie nach Erste Hilfe Material. Sie stopfte alles in einen gefundenen Rucksack und Schulterte ihn auf. Dann nickte sie Emily zu. „Auf geht es.“

Sie gingen die Treppe hinab. Vorsichtig. Vielleicht hätte sich etwas im Flur versteckt. Aber es war leer. Vor der Tür stehend, atmete Bea tief ein. Mit einem Ruck zog sie die Tür auf. Sie gingen hinaus. Immer noch waren keine typischen Geräusche zu vernehmen. Selbst die Vögel, die normal den neuen Tag begrüßten, waren still.

Sie gingen zurück zu dem Platz vor dem Gebäude, in dem Emilys Mutter arbeitete. Es war schlimmer als Bea jemals erwartet hätte. Sie drückte Emily an ihre Seite. Leider konnte sie ihr nicht ersparen die ganzen Leichen zu sehen. Sie hatte Angst sie irgendwo zurück zu lassen. Sie wollte vermeiden, dass sie irgendwie getrennt wurden. Die Tür, die der Mann vorher nicht öffnen wollte um die beiden einzulassen, war zerstört. Vorsichtig näherten sie sich um zu sehen, dass die Halle mit Leichen übersät war. „Mami?“ Oh nein. Bitte, lass nicht ihre Mutter dabei sein. Betete Bea still. Bitte nicht. Aber das Schicksal war nicht gnädig. Emily rannte zu einer Frau. Sie war tot. Zum Glück sah sie nicht so verstümmelt aus, wie die Körper die ihnen sonst so unter die Augen gekommen waren.

Leise weinte Emily. Ganz vorsichtig streichelte sie über die leblose Hand ihrer Mutter. Dann blickte sie zu Bea. „Mami. Sie ist tot.“ Bea hatte einen Kloss im Hals. „Ja Emily. Sie ist tot.“ Emily nickte, während ihr die Tränen leise über die Wangen liefen. Sie erhob sich und ging zurück zu Bea. Dann steckte sie ihre kleine Hand in die ihre. „Komm, lass und Emil suchen.“ Sie schniefte noch etwas und wischte sich verärgert die Tränen von der Wange. Ein tapferes Mädchen, dachte Bea.

Von den Kreaturen war nichts zu sehen. Bea bezweifelte, dass sie alle gestorben waren. Sie vermutete, dass sie sich tagsüber versteckt hielten. Das war gut. Sie mussten also immer des Nachts eine sichere Unterkunft finden. Das sollte doch zu schaffen sein. Der Tag brach endgültig durch. Rechts und links erschienen weitere Überlebende. Alle sahen so geschockt aus, wie Bea sich fühlte. Eine kleine Gruppe stand in der Nähe. Eine ältere Frau winkte ihnen zu. „Kommt ihr beiden.“ Bea zögerte nicht. In einer Gruppe war man immer stärker. „Hallo ihr zwei. Kommt hier seid ihr erst mal sicher.“ „Hallo, wir sind Bea und Emily. Schön, dass es noch paar geschafft haben. Was sind das für Kreaturen?“ Ein junger Mann meldete sich zu Wort. „Ich bin Ben. Soweit wir das beobachten konnten ist dieser ätzende Regen verantwortlich. Die, die keinen Schutz finden konnten sind:“ Er machte Gänsefüßchen.“ „Gestorben“. Aber irgendwie nicht richtig. Sagen wir mal ich vermute, dass die Instinkte erhalten blieben, aber das menschliche ist gestorben. So ein bisschen wie Zombies. Wir wissen ja auch nicht, ob die von ihnen getötete vielleicht auch wieder aufstehen. Auf jeden Fall verstecken sie sich bei Tageslicht. Da dieser Regen nicht natürlich ist, kann man vielleicht von einer Biowaffe ausgehen.“ Bea nickte. So etwas hatte sie ja selbst schon vermutet. „was machen wir jetzt?“ Wir müssen aus der Stadt raus. Es gibt zu viel hier. Aber wir können nur Tagsüber gehen. Also müssen wir immer irgendwie in Nähe eines Unterschlupfes sein.“ „Was ist mit Autos?“ „Ja.“ Ben drehte sich zur Gruppe um. „Ist irgendwer mit seinem Auto heute hier?“ Die Gruppe umfasste etwa zwanzig Leute. Aber sie konnte am Rande erkennen, dass immer mehr Menschen sich anschlossen. Überall traten überlebende Heraus und suchten Sicherheit. Aber wie Groß durfte eine Gruppe werden um noch sicher zu sein, fragte sich Bea. Emily stand am Rand und ließ ihren Blick in alle Richtungen schweifen. Aber Emil war nirgends zu sehen. Sie ließ ihre Schultern hängen.

„Wie viel Autos können wir nutzen?“ Fragte Bea Ben. „Soweit ich das sehe, sind etwa fünf Leute mit Autos da. Das ist ziemlich gut. Da können wir schon etwa fünfundzwanzig Leute unterbringen. Aber wir müssen uns aufteilen. Zu große Gruppen sind unübersichtlich.“ Ben wandte sich den Leuten zu. „Hört zu. Wir müssen uns aufteilen. Ich denke Gruppen zu zehn Leuten ist zu bewältigen. Wir müssen aus der Stadt raus bevor es dunkel wird.“

Aufgeregtes Gemurmel erhob sich. Ein etwas älterer Mann erhob sich. „Aber wie entscheiden wir das?“ „Na das wird doch zu machen sein. Hier wird nicht gewählt. Von mir aus stellt euch in eine Reihe und zählt zehn ab. Es geht doch auch nur darum hier sicher raus zu kommen. Später treffen wir uns und schauen wie es weiter gehen soll.“ Es schwoll ein lautes Raunen an. Keiner war so richtig zufrieden mit dieser Lösung. Bea konnte nicht nachvollziehen warum sich die Leute so schwer taten.

„Hört zu. Es wird Zeit. Wir müssen hier raus. Aber wir brauchen auch Vorräte. Also jammert nicht herum sondern fangt an produktiv zu werden. Geht in die Häuser und Büros, nehmt alles was verwertbar ist mit und wir treffen uns dann alle wieder hier, aber denkt daran, wir müssen Schutz haben wenn es dunkel wird. Ist das allen klar?“ rief Bea genervt in die Runde. Alle nickten und die Gruppe löste sich langsam auf.

Emily stand so verloren da und kämpfte mit den Tränen. Bea brach das Herz. Die Kleine hatte ihren Hund und ihre Mutter verloren und der Vater? Daran mochte sie nicht denken. „Komm Emily, lass uns bisschen shoppen gehen, ja?“ Emily zuckte mit den Schultern und die beiden gingen auf Beutezug.

Einige Stunden später sammelten sich die Leute nach und nach am Treffpunkt. Die Zeit war viel zu schnell vergangen. Es wurde schon wieder duster. Ängstlich blickte sich Bea nach Ben um. Dort stand er und unterhielt sich mit der älteren Dame, die sich als Dora vorgestellt hatte.

„…..es ist schon so spät geworden. Wir hätten schon längst unterwegs sein müssen.“ Stellte Ben fest. „Was bedeutet, das? Kommen wir heute nicht raus?“ „Ich bin mir nicht sicher. Einem Angriff werden die Autos nicht standhalten. Vielleicht sollten wir uns in einem Haus verbarrikadieren?“

In diesem Moment hörten sie die Geräusche. Sie waren zu spät dran und die Kreaturen zu früh. Entsetzt griff Bea nach Bens Arm. „Oh nein, sie kommen. Wir sind zu spät. Wir müssen weg. Kommt. Wir hatten gestern einen guten Unterschlupf. Ich hoffe, der ist noch sauber. Schnell, schnell.“ Sagte sie hektisch zu Ben und Dora. „Wo ist Emily? EMILY. EMILY wo bist du? Wo ist sie nur.“ Ben drehte sich um seine Achse. „Dort. DA hinten steht sie.“ Oh nein. Emily. Ganz in der Nähe konnte sie einen Schatten ausmachen. Eine der Kreaturen bewegte sich noch etwas steif auf das Mädchen zu. Aber Emily merkte nichts. Ben und Bea rannten los, aber sie waren zu weit weg. Diese Kreatur würde das Mädchen vor ihnen erreichen. „Emily. Emily lauf.“ Schrie Bea. Emily drehte sich langsam zu ihnen um. Ein Geräusch ließ sie zusammenzucken. Sie drehte ihren Kopf in dessen Richtung und sah die Kreatur auf sie zu kommen. Sie wich zurück, stolperte und konnte sich nicht auffangen. Sie fiel rücklings auf den Boden. Die Kreatur war nur noch eine Handbreit von dem Mädchen entfernt und streckte schon die Arme nach ihr aus. Bea wurden die Knie weich. Sie durfte Emily nicht verlieren. Sie war ihr Anker. Ben versuchte schneller zu rennen, aber immer noch waren sie zu weit weg. Sie würden es nicht schaffen.

Horror, writing friday, Zombies

#Writing Friday – Der brennende Regen 1 von 3

Es ist #Writing Friday Time.

Man merkt wenn ich mich in meinem Wohlfühlgenre bewege – ich finde kein Ende. Deswegen muss ich leider ankündigen: Es wird ein Mehrteiler. Entschuldigt. Aber ich hoffe ich kann es wenigstens spannend für euch machen.

Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz: “Der Regen brannte auf ihrer Haut, weil…” beginnt

Der Regen brannte auf ihrer Haut, weil vom Himmel gelber Regen fiel. Sie und alle anderen auf der Straße blickten nach oben. Bea hielt schützend ihre Hand über die Augen. Zum Glück, denn die Tropfen wurden stärker und schmerzhafter. Sie schaute sich nach einem Unterstand um, nur um fest zu stellen, dass alles in der Nähe schon besetzt war. Die Leute auf offener Straße schrien und rannten wie kopflose Hühner durch die Gegend. Sie behinderten sich selbst bei ihrer Flucht. Bea drückte sich an die Hauswand. Auf ihrer Haut erschienen kleine Blasen.

Dankbar, ihre große Handtasche dabei zu haben, hielt sie diese über ihren Kopf und rannte los. Sie brauchte Schutz. Ein kleines Mädchen mit einem Hund an der Leine stand am Straßenrand. Ganz alleine und die Menschen um sie herum rannten an ihr vorbei, ohne sie zu beachten. Bea überlegte einen Wimperschlag lang und rannte zu den beiden wehrlosen Geschöpfen. Sie schnappte sich die die Kleine mit ihrem Hund und rannte so schnell es mit ihnen möglich war.

Da war ein Fahrradständer – überdacht. Was ein Glück, dachte Bea. Schnell zog sie die beiden mit unter das Dach und versuchte ihren Atem unter Kontrolle zu bringen. Sie blickte zu dem Mädchen, das sich gekniet hatte und ihren Hund fest umarmte. Bea befürchtete schon, dass sie ihn erwürgen würde. Er leckte beruhigend über ihr Gesicht. Seine Nase hatte auch einige der giftigen Tropfen abbekommen. Aber er war tapfer und spendete seiner kleinen Freundin Trost.

„Hallo, ich bin Bea und wie heißt ihr zwei?“

Das Mädchen schaute sie mit riesigen Augen an. „Ich bin Emily und das ist Emil.“

„Emil und Emily – das ist ja schön. Wo kommt ihr zwei her. Wo ist deine Mutter?“ Ein tiefer Schluchzer löste sich und ließ Emily erschaudern. „Ich weiß es nicht. Ich sollte mit Emil warten, da er nicht mit in dieses Gebäude durfte, wo wir standen.“ Das Gebäude war von ihrem Platz aus nicht zu sehen. Bea überlegte. Aber sie hätte keine andere Entscheidung treffen können. „Wir werden deine Mutter finden. Aber erst mal muss der Regen aufhören.“ Aber der Regen wollte nicht aufhören. Bea verzweifelte. Die Schreie, aus der Richtung aus der sie kamen waren immer noch zu hören, wenn auch leiser. Es wurde dunkel. Emily zitterte. Bea zog ihren Pullover aus stülpte ihn über Emilys kleinen Körper. Sie mussten irgendwo nach drinnen kommen.

Geräusche. Was waren das für Geräusche? Der Hund knurrte. Emily hatte sich an ihn geschmiegt und schlief. Der Regen hatte endlich aufgehört. Es war gespenstisch Still – nur diese, ihr unbekannten Geräusche waren zu hören. „Bleib hier bei Emil und seid leise.“ Der Hund schaute mich an, als hätte er wirklich verstanden, wie wichtig es jetzt war ruhig zu sein. Er stellte sich vor seine Freundin und schwellte die Brust an. Wenn die Situation nicht so beängstigend gewesen wäre, wäre diese Geste total putzig gewesen.

Bea schlich den Weg zurück, den sie gekommen waren. Das Geräusch wurde lauter. Sie stand an der Ecke. Die Menschen, die sich vor dem giftigen Regen hatten schützen können, verließen ihn. Auf den Straßen lagen unendlich viel Körper. Der Regen hatte sie getötet. Bea schlug die Hand vor Entsetzen vor den Mund. Was war nur geschehen? Eine Biowaffe? Gab es Krieg? Die Straßenlaternen warfen einen unheimlichen Schatten auf die Leichen.

Was war das? Da, die Leichen lebten. Es waren doch keine toten Körper. Bea atmete auf. Was auch immer da vom Himmel herab geregnet war. Es war nicht giftig. Sie wollte sich gerade umdrehen um wieder zurück zu Emily zu gehen. Es wurde Zeit ihre Mutter zu finden. Aber Emily war ihr schon gefolgt. Sie hatte einfach zu viel Angst im Dunkeln alleine zu sein.

„Bea, können wir meine Mutter suchen?“ Bea erschrak.

„Hast du mich erschreckt.“ Sie sparte sich die Bemerkung, dass sie doch hätte warten sollen. Sie selbst hätte es wahrscheinlich auch nicht getan. „Ja, wir werden jetzt in das Gebäude gehen und nach deiner Mutter schauen.“ Emily lächelte sie dankend an und Emil wedelte mit seinem Schwanz und leckte ihre Beine ab.

Emily steckte ihre kleine Hand in Beas und blickte sie vertrauensvoll an. Dann zog sie sie in die Richtung des Gebäudes, in dem ihre Mutter arbeitete.

Da war es schon wieder das Geräusch. Mittlerweile hatten sich fast alle leblosen Körper erhoben. Sie bewegten sich sehr steif und ungelenk. Das war auch kein Wunder. Ihre Haut war mit Blasen überseht. Das musste furchtbar schmerzen. Dann hatten sie einige Stunden auf dem kalten Boden gelegen. Da wurde man schon steif. Trotzdem versuchte Bea einen großen Bogen um die meisten Körper zu machen. Sie war sich einfach nicht sicher – etwas störte sie. Das Geräusch.

„Schnell, lass uns versuchen hinein zu gehen. Ich finde es etwas zu kalt.“ Sie wollte Emily nicht unnötig ängstigen. Mit kleinen, schnellen Schritten bewegten sie sich zum Eingang vor. Sie schoben die Menschen, die dort Schutz gesucht hatten bei Seite um an die Tür zu kommen. Bea drückte dagegen, verschlossen. Mist, dachte sie. Sie klopfte mit der flachen Hand an die Scheibe. Ein Gesicht erschien. „Öffnen sie bitte. Die Kleine sucht ihre Mutter.“ „Das geht nicht. Anweisung von oben. Keiner darf rein, keiner raus.“ „Was?“ entgegnete Bea scharf. „Das kann nicht ihr ernst sein? Ich sagte, das kleine Mädchen sucht ihre Mutter. Also öffnen sie die Tür. Außerdem ist es echt kalt. Die Menschen hier könnten etwas Wärme vertragen.“ Sagte Bea und zeigte auf die Leute, die mit ihr an dem Eingang standen. Der Mann schüttelte nur den Kopf und ging weg. War das zu fassen. Er ging einfach weg.

Emil knurrte schon wieder. Bea´s Nackenhaare standen zu Berge. Etwas hatte sich verändert. Die Atmosphäre fühlte sich auf einmal geladen und bedrohlich an. Langsam drehte sie sich um. Die verätzten Körper standen und blickten suchend. Was suchten sie wohl? Ihre Freunde und Verwandten?

Kaum hatte Bea ihren Gedanken beendet, ging es los. Die ehemals leblosen Körper zuckten und ruckten eckig. Sie blickten die Schutzsuchenden an und rannten auf sie los. Bea schnappte sich Emily und den Hund und rannte. Sie verließ sich voll und ganz auf ihren Instinkt und der sagte ihr. LAUF!

Und sie lief. Ihre Tasche schlug schwer gegen ihre Hüfte. Die Leine des Hundes wurde stramm und wieder locker. Sie musste schnell einen Unterschlupf finden. Die beiden Kleinen würden das Tempo nicht durchhalten können.

Bea zog die beiden in eine dunkle Seitenstraße. Sie drückte sich an die Wand und ihr Atem ging Stoßweise. Sie schaute sich um. Zu dunkel um etwas zu erkennen. Das Handy – schnell wühlte Bea in ihrer Tasche und fischte nach ihrem Handy. Sie holte es aus dem Stand by Modus heraus und aktivierte die Taschenlampe. Vorsichtig blickte sie zurück. Keiner war ihnen gefolgt. Ein erleichterter Seufzer löste sich. Schnell leuchtete sie die Wände ab. Irgendwo musste es doch einen Eingang geben. Die drei gingen vorsichtig weiter. Bea versuchte die Geräusche, die erneuten Schreie, auszublenden. Dann erfasste der Lichtkegel endlich eine Tür. Sie ging schneller und zog Emily mit sich, die Emil ebenfalls hinter her zog. Dem Hund sträubte sich der Kamm. Bea hielt an und lauschte. Ein eigenartiges Kratzen erschall von den Wänden hinter ihnen. Schnell leuchtete sie und sie erblickte einige der sich erhobenen Menschen. Diese wiederum hielten ihre Nasen in die Luft, als würden sie versuchen sie zu wittern. Dann blickten sie ruckartig in ihre Richtung und sprinteten schreiend auf sie los.

Bea schnappte sich Emily. Emil riss sich von der Leine uns stürmte bellend auf die sich nähernde Gefahr los. Emily brüllte: „Emil, NEIN. Aus, hier her. Komm her. EMIL!“ Sie sträubte sich gegen Bea´s Griff und trat wie wild. Bea hatte Mühe Emily zu halten. Sie drückte gegen die Tür und atmete tief ein. Sie öffnete sich. Schnell trat sie ein und schubste Emily nach drinnen. Einen Spalt offen lassend, blickte sie hinaus.

Der Hund war nicht zu sehen, nur zu hören. Bellend und knurrend schien er sich in der Mitte zu befinden. Bea rief nach ihm, aber er kam nicht. Eine Figur aus der Gruppe hörte den Ruf allerdings. Sie drehte sich ruckartig zu dem Laut um und erblickte Bea. Schon stürmte sie los. Im letzten Moment zog Bea die Tür zu und schob den schweren Riegel davor. Dankbar, dass es ihn gab. Ein hämmern ließ die Tür beben. Sie drückte Emily hinter sich und ging ein Stück in den Flur hinein. „Emil?“ „Schätzchen, Emil weiß wie er überlebt. Er hat sich bestimmt in Sicherheit gebracht. Das war sehr tapfer von ihm dich zu retten. Er ist ein ganz toller Freund.“ Emily weinte leise und schlang ihre Arme um Bea´s Hals. Bea hob sie hoch und blickte die Treppe hinauf. Gegenüber war ebenfalls eine Tür. Sollten sie nach oben gehen, oder hinaus? Sie wusste es nicht.

Nein, hinaus war keine Option. Solange es dunkel war, war es einfach zu gefährlich. Sie stieg die Treppe hoch und blickte die Gänge entlang. Am Ende des zweiten Stockwerks stand eine Tür offen. Vorsichtig ging sie darauf zu. Sie setzte Emily ab um die Hände frei zu haben. Leise klopfte sie an. Keine Reaktion. „Hallo?“ Sie traten ein. Immer noch keine Reaktion. Die Wohnung schien leer zu sein. Schnell zog sie Emily hinein und verschloss die Tür. Sie durchsuchte die Wohnung. Der Besitzer war nicht da. Sie stürmte zu den Fenstern. Leise öffnete sie diese um auf die Straße zu sehen. Vereinzelt torkelten menschliche Körper über die Gassen. Hin und wieder blieb eine stehen und streckte die Nase in ihre Richtung. Bea zog sich schnell zurück und schloß die Vorhänge. Licht würde sie nicht anmachen. Sie setzte Emily, die immer noch weinte, auf die Couch und deckte sie mit der vorhandenen Decke zu. Dann ging sie in die Küche um diese zu inspizieren. Sie war gut gefüllt. Im Notfall könnten sie hier ein paar Tage ausharren.

Als sie zurück ins Zimmer kam, hatte sich Emily in die Ecke der Couch gequetscht und ihren Daumen in den Mund gesteckt. Es schien sie zu beruhigen, denn sie war eingeschlafen. Zärtlich blickte sie auf die Kleine. Der Verlust des Hundes wog schwer auf ihrer Seele. Sie wusste, dass er der Anker der Kleinen war. Sie betete, dass er es geschafft hatte und sie vielleicht finden würde. Hunde konnten so was.

Nach einigen Minuten bemerkte sie, dass auch sie eine bleierne Schwere übermannte. Der abfallende Adrenalinspiegel katapultierte sie in eine Lethargie. Ihre Augen wurden schwer. Sie legte sich ebenfalls auf die Couch und schlief sofort ein.

FORTSETZUNG folgt

Humor, writing friday

#Writing Friday – Die Zimmerpflanze namens Augenweide

#Writing Friday – es ist wieder soweit und mein erster Freitag nach der Schreibpause. Noch stocke ich ein bisschen. Ich dachte meine Ideen würden so überquellen – das ist noch nicht der Fall. Aber ich habe mich mal der Zimmerpflanze angenommen.

Ich hab echt keinen grünen Daumen. Meine Pflanzen wandern oft Richtung Wasserhahn. Alles was viel Pflege braucht – ja wird sterben. Im Moment habe ich gar keine hier stehen, da die Katzen eh alles vernichten. Aber im Hof steht einiges, das sich auch selbst versorgen muss. Gut, Wasser bekommen sie – aber sonst nichts. Deswegen bin ich so stolz auf die, die es schaffen. Also hier meine Zimmerpflanze.


Schreibe aus der Sicht deiner Zimmerpflanze.

Hallo, ich bin eine Zimmerpflanze. Was für eine – das weiß ich doch nicht. Ich kann nicht lesen. Ich weiß nicht was die da auf diese komischen Zettelchen gedruckt haben. Ist mir auch so gar nicht wichtig. Schlimmer ist: Ich bin ganz alleine in diesem seltsamen Haushalt.

Also diese Menschenfrau war ja eigentlich ganz stolz, dass sie mich „Augenweide“ so nennt sie mich, mitgebracht hat.

Warte ich fange noch mal an. Hallo ich bin eine Zimmerpflanze – man nennt mich Augenweide. Ist das besser? Jetzt wisst ihr wenigstens was ich bin. Ach ja. Also ich bin von meinen Freunden und Geschwistern getrennt worden. Nicht so schön. Dann wurde ich – Achtung – einmal fast ertränkt um jetzt fast dem Vertrocknen anheim zu fallen. Diese Menschenfrau ist unfähig mich regelmäßig zu gießen. Echt. Unverantwortlich mich in ihre Hände zu geben. Ich bin doch eine Augenweide und nicht irgendein Unkraut. Kann mal jemand den Pflanzenschutzbund anrufen. Ich kann die Tasten am Telefon nicht bedienen. Und diese Vierbeiner, sind einfach zu dumm um mich zu verstehen.

Dann sind die auch noch echt nervig. Ständig schnuppern sie an mir, beißen mir in die Blätter, buddeln mir die Erde raus und lassen ihr lästiges Fell an mir hängen, das ständig meine Blüten kitzelt. Ach jeh. Ich hoffe meine Geschwister und Freunde haben es besser getroffen. Ich habe herausgefunden wo es Wasser gibt. Sie nennen es Badezimmer. Da gibt es einen Wasserspender, der ständig tropft. Diese Vierbeiner hängen auch ständig da dran. Ob die wohl auch nichts bekommen?

Dann stehe ich auch noch am Fenster – den halben Tag brennt mir die Sonne auf meine hübsche Blüte und meine Blätter. Und das ohne Wasser. Nein, nein. Ich muss wohl mal ernst machen. Ich muss mal auf den Tisch hauen, oder fallen. Ich kann mit den schwachen Blättern niemanden mehr hauen. Ach, wäre ich nur grösser, dann würde ich mal richtig zuhauen. Und dann abhauen. In die Freiheit. Natur und vor allem in eine Wasserpfütze. Ich sag euch, das Leben als Augenweide in einer Wohnung ist echt nicht schön. Oh, schaut mal wer da kommt. Die Menschenfrau mit einer Gießkanne. Endlich mal …prust, hust, gluck, prust. „Warum lässt du denn die Blätter so hängen? Ja, ich hab dich bisschen vernachlässigt, aber ich verspreche dir, das wird jetzt besser werden. Regelmäßig Wasser und Dünger. Du bist doch so eine schöne Pflanze.“

Die Worte tun echt gut. Ich muss mich mal bisschen aufrichten. Gut, fast hätte sie mich schon wieder ertränkt. Aber es tat schon gut. Okay. Das war mal ein Einblick. Vielleicht habe ich ja jetzt Glück und diese Frau kümmert sich um mich. Wenn nicht – bitte helft mir – ruft den Pflanzenschutzbund an. BITTE.

ENDE

Humor, writing friday

Writing Friday – Heldin wider Willen am freien Tag

Heute ist schon der letzte Tag für die Juni Aufgaben für den Writing Friday.

  • “Julia wollte das alles nicht, doch nun steckte sie zu tief mit drin.” Wie geht die Geschichte weiter?

Ich hab mich mal bisschen ausgetobt – wehe wenn Julia nicht ihren freien Tag bekommt.


Julia wollte das alles nicht, doch nun steckte sie zu tief mit drin.

Sie saß hinter einem Tisch und überlegte, wie sie überhaupt in diese Situation gelangen konnte. Sie war sich sicher – Schuld war ihr Wecker. Er hatte einfach geklingelt. Julia war fest überzeugt, dass sie ihn den Abend davor ausgestellt hatte.  Es war ihr freier Tag. Aber da sie schon mal wach war, dachte sie, könnte sie diesen Tag auch sinnvoll nutzen. Erst würde sie die nötigen Einkäufe erledigen. Sich ein schönes Frühstück gönnen und dann die liegen gebliebene Hausarbeit machen. Sie hatte nicht vor, mehr als die Hälfte des Tages zu vergeuden. Es war acht Uhr, als die das Haus verließ. Der Einkaufszettel steckte in ihrer Tasche und Geld würde sie jetzt gleich in der Filiale ihres Vertrauens holen. Trotz des unsäglichen Weckers war sie recht gut gelaunt. Die Sonne schien. Es würde ein schöner warmer Tag werden. Sie träumte schon davon sich später auf ihrem Balkon gemütlich zu machen. Einen Eiskaffee in der einen Hand und in der anderen ein gutes Buch. Ach, der freie Tag würde noch schön werden.

Sie ging durch die Tür in die Bank. Es war ungewöhnlich voll. Anscheinend waren um diese Zeit tatsächlich viele Leute unterwegs. Geduldig stellte sie sich an den EC-Automaten um Geld zu ziehen. Die Tür öffnete sich zum unzähligen Male, Julia achtete nicht drauf wer denn überhaupt rein und raus ging. Es interessierte sie nicht das Geringste. Eine ungewöhnliche Bewegung in ihrem Augenwinkel, ließ sie doch aufmerksam werden. Sie drehte den Kopf und blickte in ein Schweinsgesicht. Sie hatte noch keinen Kaffee, fiel ihr in diesem Moment ein. Das wird der Grund sein, warum ich mit einem Schwein in der Bank nichts anfangen kann.

Dann sah Julia sich um. Nicht nur ein Schwein war in der Filiale, nein auch ein überdimensionaler Hamster und ein ganz niedliches Eichhörnchen. Immer noch konnte sie mit diesen Tieren nichts anfangen. Bis die Frau hinter ihr in der Schlange, ihr ins Ohr schrie, und zwar so laut, dass sie befürchtete einen Tinnitus zu bekommen.

„Geht´s noch?“ Blaffte Julia die unbekannte Frau an.

„Ich bekomme ja einen Hörsturz. Was soll denn das?“ Um diese Zeit war Julia für solch ein Getue nicht zu gebrauchen.

„Ein Banküberfall.“ Schluchzte die Frau hinter ihr. Julia blickte sich noch mal um und da konnte sie die Waffen erkennen. Zum Teufel, musste das gerade heute an ihrem freien Tag geschehen? Wie oft kam sie an einem Arbeitstag her. Da hätte sie wenigstens eine gute Ausrede gehabt nicht auf der Arbeit zu erscheinen. So ein Mist. Sollte sie einfach mal nett fragen, ob sie gehen durfte?

„Entschuldigen sie bitte.“ Sie hatte kaum ausgedacht, da meldete sich ihr Mund schon zu Wort. Sie konnte selbst nicht fassen, dass sie tatsächlich das Schweinsgesicht ansprach.

„Entschuldigen sie bitte. Hören sie. Ich hab heute meinen freien Tag und bin nicht so scharf drauf, den mit ihnen und den anderen Kunden zu verbringen. Das verstehen sie doch sicher. Ich gehe mal davon aus, dass sie wissen, wie es als schlecht verdienender Arbeitnehmer ist? Sonst wären sie ja nicht hier, in dieser Situation. Wie wäre es, wenn sie mich nur schnell rausschlüpfen lassen und ich gehe meine Wege. Ich hab noch viel vor, bevor ich mich dann auf den Balkon setzen kann.“

Das Schweinsgesicht kam auf sie zu. Blickte sie ungläubig an und antwortete.

„Na klar Schwester. Wir wissen alle, wie beschissen es doch ist an seinem freien Tag in einem Banküberfall gefangen zu sein. Da werden wir doch mal ein Auge zudrücken und dich rauslassen. Damit du der Polizei dann sagen kannst, wie viel wir sind, wie wir bewaffnet sind und wo wir stehen. Das ist doch kein Problem.“

Julia antwortete: „Ich erkenne Sarkasmus, wirklich –aber meint ihr, die Polizei braucht mich für diese Infos.“ Dabei deutete sie auf die Kameras, die immer noch aktiv waren.

„Da hättet ihr schon früher dran denken sollen.“ Meinte sie und schüttelte ungläubig den Kopf.

Das Schweinsgesicht hob die Waffe – zielte auf die Kamera und schoss. Es war so laut, dass Julia nur noch ein Klingeln im Ohr vernahm. Verdammt – was die Frau mit ihrem Schrei nicht geschafft hatte, hatte dieses Schwein mit dem Schuss geschafft. Ihr Ohr. Erschrocken hatte sie dabei ihre Hände auf die Ohren gedrückt und war in die Hocke gegangen.

„Okay, ich sehe schon, das wird wohl nichts mehr mit meinem freien Tag, nicht wahr?“

„Du bist echt eine Schnellmerkerin, nicht war Blondie?“

„Eigentlich nicht, vor allem wenn ich keinen Kaffee hatte.“

„HALT DIE SCHNAUZE.“

Julia zuckte zusammen. Okay – er hatte wohl auch noch keinen Kaffee. Sie war richtig angesäuert. Das war ihr erster freier Tag seit drei Monaten. Nein, das konnte so nicht enden. Nein, nein, nein.

Das Schweinsgesicht drehte sich um. Julia überlegte angestrengt. Ach was soll´s, dachte sie. Sie erhob sich aus der Hocke und näherte sich ganz langsam von hinten dem bewaffneten Schwein. Die anderen hatten sich schon wieder abgewendet und gaben der Kassiererin die Tasche mit den üblichen Floskeln. Es roch nach Urin. Irgendjemand hatte wohl die Kontrolle über seine Blase verloren. Kein Wunder bei dem rum geballere.

Sie hatte genügend Shooter gespielt um zu wissen was sie zu tun hatte. Leise, leise – sie hatte die Schuhe abgestreift um keine verräterischen Geräusche zu machen. Sie stand hinter dem Kerl. Dann schlug sie mit der Handkante in die Kniekehle. Er knickte stöhnend ein. Fiel aber nicht. Das machte nichts. Er war jetzt in der Höhe, dass Julia ihn von hinten anspringen konnte. Der Griff ihrer Handtasche sollte ihr als Würgeband dienen.  Erst blieb sie mit dem Griff an den Schweinsohren und der vorstehenden Nase hängen – aber der Überraschungsmoment war auf ihrer Seite. Zum Glück waren die anderen mit dem Überfall mehr als beschäftigt, als mitzubekommen, was im Hintergrund lief. Sie saß auf seinen Rücken und der Griff der Handtasche diente als Würgeband. Sie nutzte ihr Gewicht als Hebel um ihn zu würgen. Er zappelte und versuchte sie abzuwerfen. Dabei stieß er den Tisch vor ihnen um. Jetzt bemerkte das Hamstergesicht, dass etwas vorgefallen war.

„Hei, HEI Schlampe, lass ihn los, sonst schieße ich.“

Außer Atem antwortet Julia: „Mach doch, schiess nur, du wirst nur deinen schweinischen Kumpel treffen.“ Der Hamster schwenkte seine Waffe hinter her, aber es gab kein freies Schussfeld. Endlich ging das Schwein in die Knie und fiel auf die Seite. Hinter dem Tisch fühlte Julia sich einigermaßen sicher. Sie wusste, dass er die Kugeln nicht abwehren würde, aber sie hoffte, dass die anderen Angst hatten ihren Kumpel zu treffen, der ja nicht mehr zu sehen war.

„Ich wollte nur meinen freien Tag genießen. Mehr wollte ich nicht. Ich wollte von Schweinsgesicht nur bisschen entgegenkommen. Aber nein – er war ja so überheblich. Nicht mit mir, nicht an meinem freien Tag. Ist das Klar? Lasst also die Waffen fallen, verlasst die Bank und verschwindet in der Menge, dann wird alles gut. Und beim nächsten Versuch, fragt erst mal ob jemand einen freien Tag hat – dann lasst ihn oder sie einfach gehen. Habt ihr das verstanden?“

„Hei, Lady. Sag mal spinnst du? Glaubst du, du kommst hier noch raus?“

„Oh ja – denn die Polizei wird bestimmt bald eintreffen. Es gibt bestimmt ein fixen Bankmitarbeiter, der schon längst auf den Alarmknopf gedrückt hat. Das ist in Filmen immer so. Also, ihr solltet langsam den Rückzug antreten, sonst werde ich echt sauer. Ich hatte noch keinen Kaffee. Ich wollte ein gemütliches Frühstück einnehmen – AN MEINEM FREIEN TAG!“

Die Bankräuber blickten sich fragend an.

„Na? Was gibt es denn da solange zu überlegen? Also wirklich, die hellsten scheint ihr nicht zu sein. Husch, husch. Verpisst euch. Ich hab die Waffe von eurem Kumpel und ich weiß wie sie funktioniert.“ So bisschen wird von den Shootern ja hängen geblieben sein, dachte sie.

Dann tat sich was, sie saß mit dem Rücken an den Tisch gelehnt. Sie hob leicht den Kopf über den Tisch um zu überblicken was geschah. Sie konnte es nicht glauben. Die Bankräuber zogen sich zurück.

„Hei, was ist mit eurem Kumpel. Was seid ihr denn für Kameraden, wollt ihr ihn hier zurücklassen? Also so was. Nicht zu fassen. Ich gehe jetzt um den Tisch rum, keine Mätzchen, klar. Dann nehmt ihr in mit und denkt an meine Worte. Der nächste Überfall besser planen. Auf auf jetzt, ich will endlich weg.“

Die anderen zogen ihren Kumpel hinter dem Tisch hervor und zogen sich tatsächlich zurück. Julia konnte es nicht glauben. Es funktionierte. Niemals hätte sie gedacht, dass es klappen würde. Die Tür schloss sich hinter den Männern und Julia atmete tief aus. Die Waffe steckte sie in ihre Handtasche, die neben ihr lag.

Ein Kontrollblick in den Spiegel zeigte ihr, dass sie etwas derangiert war. Sie zog ihren Zopf zurecht, strich die Hose glatt und streckte die Brust heraus.

Dann ging sie zur Tür, die sich automatisch öffnete und verließ die Bank ihres Vertrauens, die es wohl nicht mehr war. Kein Blick zurück. Sie hatte eh schon zu viel Zeit verloren. In Gedanken überarbeitete sie ihren Plan. Ein Gang zum Bäcker und dann gleich auf den Balkon, das hatte sie sich nach der Aufregung verdient. Einkaufen und Hausarbeiten waren so was von nebensächlich geworden. Nein, nein. Das war ihr freier Tag und da würde ihr nichts dazwischen funken. Nicht an ihrem freien Tag, dachte sie lächelnd.

Drama, writing friday

Writing Friday – Schreibe einen Brief an dein 80-jähriges Ich

Writing Friday – ich hab noch Urlaub und trotzdem nicht viel zu Stande gebracht – deswegen mal was Kurzes.

Was würde ich mir schreiben. Was sollte mein 80 jähriges Ich erfahren? Es weiss doch schon alles, oder?

Ich habe einfach nur mal Hallo gesagt.

Schreibe einen Brief an dein 80-jähriges Ich

Hi, es müsste jetzt 2051 sein? Das ist für mich im Moment unvorstellbar. 2038 klingt für mich schon utopisch fern. Da können wir in Rente gehen. Also wir können aufhören zu arbeiten und eine Einheitsrente, oder gar Essensmarken? Erhalten. Du weisst es ja schon.

Im dem Moment in dem ich dir diesen Brief schreibe, sieht es nicht so rosig aus. Du wirst dich vielleicht noch erinnern? Das Land steuert seinem Untergang entgegen.

Die Mainstream Medien berichten nichts mehr aufrichtiges – die alternativen Medien hauen eine Katastrophe nach der anderen raus. Die Mainstream Medien pumpen die Leute mit Müll voll. Brot und Spiele. Wenn die Menschen abgelenkt sind, dann rebellieren sie nicht. Ach, was soll ich dir sagen? Du weißt es ja.

Warum schreibe ich dir eigentlich? Ich hoffe, ich habe alles überlebt. Mein Schatz ist bei mir und wir können endlich glücklich und friedlich leben.

Es stehen einige Krisen und Herausforderungen vor uns. Rina, wenn du das alles überlebt hast, dann hattest du ein gutes Leben, danach. Und das wünsche ich uns. Ein gutes und friedliches Leben. Und wenn du diesen Brief gerade liest, erwarte ich ein Lächeln und einen versonnenen Blick auf deine Vergangenheit.

Es gab harte Zeiten – aber wenn du dies liest, hat es sich gelohnt, die Zähne zusammen zu beißen.

Ich wünsche, dass wir an noch paar gemütliche Abenden mit unserem Schatz, auf unserer Terrasse den Sonnenuntergang genießen können.

Alles Liebe, deine Rina aus 2019

Humor, writing friday

Writing Friday – Der Aufstand der Dosen

Ein Thema aus dem #writing friday für Juni bietet sich einfach an um sich richtig albern auszutoben.

Das hat echt total Spass gemacht.

Deine Vorratsdosen starten einen Aufstand, berichte davon.


Deine Vorratsdosen starten einen Aufstand, berichte davon.

Ich muss euch eine Geschichte erzählen. Da würde ja nie jemand darauf kommen. Ich war mal wieder einkaufen und es landeten wie immer einige Dosen in meinem Einkaufswagen. Es ist aber nicht so, dass ich die auch regelmäßig aufbrauchen würde. Das ist so ein Spleen von mir. Mein Keller ist schon ziemlich gut mit Dosen gefüllt. Ich wandelte gern ein Wort aus dem Bücherjargon um und nannte ihn gerne SuD (Stapel ungeöffneter Dosen) hihi. Ja, manchmal bin ich doch etwas albern. Ich war also ein Vorratsdosen-Messie. Ich würde ja sagen, das kommt noch aus der Kriegszeit, in der es kein Essen gab – aber ich bin erst Dreißig – da war von Krieg nichts mehr zu sehen.

Ich kam also mit meinen Einkäufen nach Hause und die Dosen brachte ich in den Keller. Ich ging im Dunkeln hinunter. Licht brauchte ich nicht mehr – ich kannte mich blind aus. Aber etwas war anders. Die Atmosphäre war seltsam. Unruhig. Ich stand unschlüssig da, mit den Dosen in der Hand. Ich wusste im ersten Moment nicht was ich machen wollte. Dann ging ein Ruck durch mich und ich räumte die Dosen zu den anderen. Drehte mich um und verließ den Keller.

Nach dem die Tür geschlossen war wurde es aufregend im Keller.

„Habt ihr das gesehen? Schon wieder neue. Wo soll das denn noch hinführen? Ständig bringt sie neue Streuner und vernachlässigt die alten Bewohner. Dabei sind so leckere Gerichte dabei. Das kann so nicht weiter gehen.“ Meinte die Dose Mexican Mais Mix.

„Du hast Recht Mexi. Wir müssen was ändern. Wo soll das denn noch hinführen. Sie stopft und stopft. Bald hat keiner mehr Platz – schau nur. Dort bei den Erbsen. Da stapelt sie schon. Ganz unten die sind schon rostig und verbeult.“

Alle blickten zur erwähnten Stelle. Man hörte nur ein Ächzen und Stöhnen.

„Genau, mir tut mein Deckel und die eingebeulte Seite schon so weh. Ich weiß gar nicht mehr wie ich mich drehen soll. Wir müssen was machen.“

„Absolut richtig, Erbsi. Es wird Zeit. Wir brauchen….“

Mexi überlegte theatralisch. Blickte sich in den Regalen um, dass auch ja alle ihm ihre Aufmerksamkeit schenkten.

Die Dosen klapperten vor Aufregung. Die Spannung stieg ins unermessliche. Bevor der Dosenberg in sich zusammenfiel, erlöste Mexi sie.

„Wir brauchen eine Gewerkschaft. Eine Vorratsdosengewerkschaft. Es müssen Bedingungen ausgehandelt werden. Wir sind nicht einfach nur schnöde Dosen. Wir beinhalten leckeres Gut.

Manch eine Familie wäre froh sie hätten uns. Eine Gewerkschaft. Und von jedem Gericht muss einer abgestellt werden. Erbsi, wie sieht es aus, du bist der Älteste hier. Du sollst unser Sprecher sein.“

„Ach nein, Mexi. Da muss jemand jüngeres, dynamisches her. Wie du. Schau nur alle hören dir gespannt zu. Du musst der Anführer werden. Der Sprecher und Verhandler.“

Mexi nickte demütig. Die Dosen erhoben sich. Ein Klappern erscholl.

„Mexi, Mexi, Mexi, Mexi. Dosen in den Topf, Dosen in den Topf, Dosen in den Topf.“

Mexi blickte sich stolz um. Er reckte sich und sie formatierten sich. Von jedem Gericht hatte sich ein Sprecher hervor getraut. Sie standen in einer Reihe und im Hintergrund riefen ihre Genossen

„Dosen in den Topf, Dosen in den Topf, Dosen in den Topf.“

Sie bildeten eine Treppe zur ersten Stufe, so dass die Abgesandten nach oben gehen konnten. Oben an der Schwelle, stapelten sie sich ebenfalls um den Türknauf zu öffnen.

Die Tür schwang auf und sie betraten den Raum. Das Licht blendete sie. Zur ewigen Dunkelheit verdammt, war es für viele das erste Mal seit langem, dass sie wieder Licht sahen. Kurz verstummten sie, um die Schönheit zu genießen. Dann erklang der Kanon erneut.

„Dosen in den Topf, Dosen in den Topf…“ rufend, bewegten sie sich Richtung Küche.

In der Küche befand ich mich und bereitete mein Essen zu. Frisches Gemüse und leckere Soße. Ich hörte das seltsame Klappern hinter mir und drehte mich um. Mit dem Messer in der Hand, erstarrte ich. Vor mir standen meine Dosen. Ich war erschüttert. Was war das? Wer hatte denn die Dosen hinter mir aufgereiht?

Dann trat eine Dose  Mexican Mais Mix vor. Platzierte sich vor mir und sprach. Die Dose sprach mit mir.

„Mensch. Wir haben zu reden. Heb mich hoch.“

Ich blickte ihn dämlich an.

„Ich glaube der Mensch versteht mich nicht? Sie sind schon bisschen langsam, das habe ich mal im Einkaufsregal gehört. Da wurden solche Gerüchte verbreitet. Aber es scheinen wirklich keine Gerüchte zu sein. Sie sind – äh – langsam. Bitte – hebe – mich – hoch – dass – ich – besser – mit – dir – reden – kann.“

Ich blinzelte. Blinzelte erneut und legte, wie ferngesteuert, das Messer auf die Theke. Bückte mich und griff nach der Dose. Sie stand nun vor mir.

„Jetzt bitte noch die anderen, die direkt hinter mir stehen.“

Da standen ungefähr noch  12-15 Dosen verschiedener Gerichte. Ohne erneut zu zögern, tat ich wie mir geheißen.

„Das hast du sehr gut gemacht. Wir wollen reden. Geht das in Ordnung?“

„Äh, ja.“

„Sehr gut.“ Er drehte sich zu den anderen Dosen um und sie klapperten zustimmend.

„Hör zu Mensch. Du kaufst uns schon seit einer geraumen Zeit. Wir haben Senioren, da kann man schon nicht mehr erkennen, was sie denn in sich haben. Die Label sind so zerschlissen und ausgebleicht. Ohne davon zu reden, dass sie rosten und verbeult sind. Sie gehören endlich mal befreit, von ihrem Elend. Sie müssen endlich in die Dosenpresse um ein neues Leben führen zu können. Kannst du das verstehen?“

Ich konnte nicht antworten. Die Dose seufzte tief.

„Wie soll ich dir das erklären?“

„Ich habe schon verstanden. Aber…ihr seid Dosen. Es kann euch doch egal sein, wie lange ihr bei mir steht.“

„Eben nicht. Wir können Nahrung sehr lange genießbar aufbewahren, aber wir wollen auch irgendwann mal in Rente gehen. Also bedeutet: Einige Male werden wir recycelt. Manche kommen dann entweder in den Dosenhimmel, oder werden vielleicht auch mal schöne Deko. Wer will denn immer nur Essen in sich haben. Schöne Blumen, oder Kerzen…das ist es was wir wollen. Deswegen musst du unseren Inhalt essen und uns weggeben. Oder selbst was aus uns machen. Hast du das verstanden?“

„Ja schon, aber…“

„Kein Aber…du kauft doch eh ständig neue. Geh einfach in den Keller und öffne zum Beispiel die alte Erbsen Dose. Der arme Kerl hat schon so Schmerzen im Deckel und den verbeulten Seiten. Er sehnt sich nach seiner Befreiung.“

Ich riss die Augen auf. Das musste ein Traum sein, oder nicht? Vorsichtig zwickte ich mich. Autsch. Kein Traum.

„Was ist, wenn ich euch nicht gehen lassen will?“

„Du willst, glaub mir. Wir waren wirklich lange geduldig. Aber irgendwann rastet auch die netteste Dose aus. Und das willst du nicht erleben. Unsere Deckel können echt scharf sein. Und so voll wie wir sind, können wir auch sehr schmerzhaft sein, wenn du getroffen wirst. Wir meinen es ja nur gut mit dir. Es war ja mal schön, aber es muss enden. Jetzt. Verstanden.“

Ein bedrohliches Glühen ging von der Dose aus und ich schob mich etwas zurück. Eine Gänsehaut hatte sich auf meinen Armen gebildet. Dann stand ich vorsichtig auf, ging zur Kellertreppe und kam mit der verbeulten Dose Erbsen wieder hoch.

„Ach Mexi, ich danke dir. Endlich werde ich erlöst. Nie wieder Erbsen.“

„Mach´s gut alter Freund. Vielleicht sehen wir uns mal wieder. So und nun kannst du uns wieder hinunter bringen. Das ist für uns Dosen schon echt anstrengend. Das kannst du schon noch machen, oder?“

Ohne Widerworte packte ich die Dosen in einen Korb, vorsichtig, dass ich sie nicht verbeulte, und brachte sie hinunter in den Keller. Dort räumte ich sie ein und ging wieder nach oben.

Sprechende Dosen, war das zu fassen? Was gab es noch, von dem ich nichts wusste. Spionierte mein Saugroboter mich vielleicht aus?

 

Ende.

 

Action, Fantasy, writing friday

#Writing Friday – Der Sieg

Die letzte Aufgabe für den Mai. Es ist schon manchmal erstaunlich wie sich die Ideen so manchmal einfinden.

Die Idee zu dieser Geschichte kam mir auf der Arbeit. Und zwar hatte ich eine Stange in der Hand um einen Paketstau zu lösen. Und irgendwie fühlte ich mich als Kriegerin – und meine Geschichte war geboren. Sie ist dann doch noch bisschen anderes ausgegangen, als ich mir erdacht hatte. Aber es hat trotzdem Spass gemacht.

Hier findet ihr noch viel mehr Geschichten

Also lest einfach:

Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter mit ein: Marmelade, Fingerhut, Rosenranken, Himmelblau und Oma.

 

Oma saß am Frühstückstisch und beschmierte gerade ihr Brot mit leckerer Erdbeermarmelade. Ich schwöre euch, keine je von mir gegessene Marmelade kann mit der meiner Oma mithalten. Es ist nicht nur die Liebe, mit der sie sie kocht, nein, ein wesentlicher Bestandteil ist die Magie der Natur, die unser Haus umgibt. Es ist immer wieder ein Vergnügen zu sehen, wie sie verschiedene Blumen und Kräuter mit in die Marmelade mischt. Und damit sind wir auch schon bei unserem Geheimnis.

Unser Haus liegt am Rande eines magischen Tores. Wir sind die Wächter. Seit Generationen bewachen wir dieses Tor. Ahnungslose Menschen werden darum herum geleitet, damit sie nicht versehentlich durchtreten. Das würde nicht gut für sie ausgehen. Sie sind nicht sehr beliebt in der magischen Welt. Warum, fragt ihr euch. Das ist doch eigentlich klar. Sie achten einfach die Naturgesetzte nicht. Sie trampeln einfach alles nieder ohne Rücksicht.

Aber nicht nur vor Menschen müssen wir das Tor schützen. Es gibt böse Mächte, die unbedingt eindringen wollen. Sie wollen an die Schätze und Geheimnisse unserer Welt. Sie wollen sie vergiften mit ihrem Hass und Missgunst. Dunkle Magier greifen immer wieder an. Aber sie sind nicht stark genug. Noch nicht.

„Komm Kind, setzt dich und Frühstücke gut. Wir werden es heute brauchen.“

„Wieso? Was hast du gehört?“

„Nicht gehört, gesehen. Schau in  den Spiegel.“ An der Wand hing ein magischer Spiegel. Er warnte uns, wenn Gefahr im Verzug war. Ich stand also auf und schaute hinein. Erst einmal musste sich das hübsche Himmelblau verziehen. Das war als Tarnung für Gäste. So sah es aus, als wäre es ein abstraktes himmelblaues Bild. Aber in Wahrheit war es ein Spiegel. Das Bild lichtete sich und ich konnte Dunkelheit erkennen. Aber in der Dunkelheit bewegte sich was. Reiter durchstreiften die Gegend. Sie suchten etwas. Sie suchten uns.

„Wer ist das?“

„Ich hab das Wappen gesehen. Es ist Anamon.“

„Anamon? Ich hab noch nie von ihm gehört.“

„Komm, wir haben noch Zeit. Die anderen sind informiert. Bald wird unsere Armee eintreffen. Wir sollten also gestärkt sein. Und was ist besser geeignet, als ein bisschen Marmelade? Dann erzähle ich dir von Anamon.“

Ich setzte mich auf den alten Stuhl, der so bequem war, dass ich eigentlich alles darauf machte. Lesen, Essen, Tippen, Schreiben,….ach einfach alles was nur geht. Er beruhigte mich immer wieder. Und das tat er auch jetzt. Ich biss herzhaft in das Brot und auf meiner Zunge explodierte der saftige Geschmack. Sofort spürte ich die Kraft die aus der Marmelade hervorging. Sie würde mich für den Kampf wappnen.

Oma fing an zu erzählen. Sie lehnte sich in ihren Stuhl zurück und nippte an ihrem Tee.

„Anamon war einer von uns. Das ist nicht verwunderlich, oder? Ist es nicht immer so, dass sie alle irgendwann mal gut waren und irgendwas sie veränderte. Bei Anamon war es verschmähte Liebe. Liebe ist so mächtig, aber auch so zerstörend, wenn sie nicht erwidert wird.  Sollte es dich wundern? Nein, das wird es bestimmt nicht. Denn seine Liebe galt deiner Mutter.“

Ich riss die Augen auf. Meiner Mutter? Sie war die gütigste Frau, die ich je kennen lernte. Und mein Vater vergötterte sie. Sie lebten in dem magischen Teil und besuchten uns immer wieder. Mich hatten sie in die Menschenwelt geschickt um dort zu lernen. Ich lernte – ich ging in die Armee. Ja…ihr dachtet irgendwas unnützes Menschliches? Nein, nein. Es sollte praktisch sein. Ich lernte Kriegsstrategien, die uns schon oft geholfen haben. Ich war also auch ohne magische Hilfsmittel eine Waffe. Denn bei einem Gegenzauber, könnte es schon gefährlich werden. Aber ich konnte auch so kämpfen. Ohne Prahlen zu wollen. Ich war echt gut.

Aber zurück zu Anamon. Er wollte meine Mutter.

„Ja, er liebte sie abgöttisch. Aber deine Mutter konnte schon immer gut in Seelen blicken und sie entdeckte den dunklen Fleck bei ihm. Er wäre niemals in die engere Wahl gekommen. Aber Anamon wollte nicht aufgeben. Es hätte damals schon fast einen verheerenden Krieg gegeben. Aber wir haben Anamon vertreiben können. Fast hätte er deine Mutter entführt. Aber sie ist nicht ganz so friedlich, wie sie zu sein scheint. Sie kann ganz gut kämpfen. Er zog also seinen Schwanz ein und verließ das magische Land. Wir hörten immer wieder Gerüchte, dass er sich mit dunkler Magie beschäftigte. Es war also klar, dass er auch irgendwann wieder kommen würde. Ja. Jetzt sieht er wohl die Zeit gekommen. Noch wissen wir nicht was er will. Vernichtung, immer noch deine Mutter, einfach nur Rache. Ich weiß es nicht. Aber wir sollten vorbereitet sein.“

„Alles klar. Ich werde meine Waffen prüfen. Unseren Vorrat an Fingerhut-Bomben. Und noch so einige andere nette magischen Wunderwaffen, die ich so im Repertoire habe.“

„Mach das mein Schatz. Ich werde mich mal praktischer anziehen. Im Morgenmantel wirke ich nicht sehr beängstigend, oder?“ Sie lachte herzhaft und ich konnte nicht anders als einzustimmen. Wir waren wirklich überheblich. Wir waren sicher zu gewinnen. Das Gute gewann immer.

Wir waren bereit und warteten. Anamon ließ sich Zeit. Soviel Zeit, dass Oma noch ihre Socken fertig stricken konnte. Okay – ihre Nadeln strickten, sie hatte sie magisch etwas angeschubst. Aber die Socken waren immer schön kuschelig und warm. Denn hier wurde es verdammt kalt im Winter. Wir sangen Lieder und die Vögel tanzten dazu. Auch die Bienen hatten sich angeschlossen. In diesem Moment trafen die Hornissen ein. Eine machtvolle Armee. Sie warfen ihre Speere in das Gebüsch und schlossen sich unserem Gesang an. Hornissen hatten wundervolle Stimmen. So nach und nach trudelte unsere Armee ein und da Anamon wirklich langsam war, hatten wir am Ende eine kleine Gartenparty. Honig floss und leckere Früchte wurden herum gereicht. Getanzt und gelacht wurde.

Fast hätten wir Anamons Ankunft verpasst. Aber ein kalter Wind zog auf und warnte uns. Natürlich sahen wir erst mal nicht ein unser Fest zu unterbrechen. Warum auch. Es war so friedlich. Im Hintergrund hörten wir die stolzen Schritte Anamons Armee und seiner Pferde. Dann stand er vor uns. Ich drehte mich zu ihm um und lachte. Sein Blick war unbezahlbar. Während seine furchtbaren Krieger sich hinter ihm versammelten, sangen und tanzten wir weiter. Ich glaube, der Honig war schon eher Honigwein gewesen.  Wir waren betrunken.

Anamon stieg vom Pferd. Bewaffnet bis an die Zähne. Er trat auf die Lichtung. Die Rosenranken schlossen sich zum Schutz. Er konnte nicht eintreten.

Es donnerte mahnend. Anamon war sauer. Und wir tanzten und tanzten. Wir konnten einfach nicht anders.

„Eranika. Was soll das hier? Ich weiß, dass du vorbereitet bist auf mich. Ich habe deinen Blick gespürt. Du weißt, dass ich eindringen werde, egal wie.“

Meine Oma tänzelte an die Ranken und streckte ein Glas Honig durch.

„Anamon. So lange haben wir dich nicht gesehen. Und ihr habt uns heute so lange warten lassen. Du weißt, dass wir nicht so geduldige Warter sind. Also was sollten wir machen. Das eine ergab das andere und ich glaube wir müssen deinen Krieg erst mal verschieben. Wir sind nicht mehr nüchtern. Das wird nicht gut ausgehen. Komm trink mit mir.“

Er dampfte und schlug ihr das angebotene Glas aus der Hand. Ich konnte sehen wie sich sein Pferd daran labte. Dann klickte es und es war ebenfalls betrunken. Der Honig war wirklich sehr stark gegärt. Im Hintergrund konnte ich sehen, wie sich seine Krieger die Lippen leckten. Es war ein langer Ritt gewesen. Lange Wege machten immer durstig. Ich schickte die Vögel heimlich los und sie verteilten hinterrücks von dem leckeren Honig. Die Männer tranken gierig und waren verloren.

Schade, eigentlich hatte ich mich auf einen kleinen Kampf gefreut. Es war schon einige Zeit her, dass ich meine Fähigkeiten anwenden konnte. Aber heute und hier, würde das wohl nicht mehr stattfinden.

Anamon drehte sich um und sah seine betrunkenen Männer. Seine Wut entlud sich. Da trat meine Mutter vor.

„Anamon. Mein Freund.“

Anamon erstarrte. Er errötete sogar. Ach, das war fast niedlich. Ein so böser Krieger – Magier und errötete schüchtern wie ein kleiner Schuljunge.

„Miranda.“

„Anamon. Was soll denn das? Ein Krieg, weil du nicht bekommen konntest was du wolltest? Ist das nicht zu albern. Komm. Trink und lach mit uns. Es ist schon so lange her. Frana ist auch da.“

Meine Tante? Was hatte denn meine Tante damit zu tun?

„Du weißt, dass sie dich immer schon mochte? Aber du warst zu stolz sie zu beachten. Wie wäre es denn jetzt? Schluck deinen Stolz herunter, steig ab, trink ein Glass Honig mit uns und tanze mit Frana.“

„ich bin nicht zum Tanzen und feiern hier. Ich bin hier um meine Schande zu rächen.“

„Ach sei nicht albern. Du weißt, dass du nicht gewinnen kannst. Schau dich doch um. Unsere Armee ist viel mächtiger. Deine ist schon betrunken. Arnika. Meine Tochter.“ Bemerkte sie nebenbei.

„Arnika, komm hilf unserem Gast herunter. Ihr könnt euch über Kriegskunst unterhalten. Aber erst wird noch getanzt.“

Meine Mutter war eine Meisterin im Überreden. Und ich konnte sehen, wie der dicke Panzer von Anamon riss. Er zierte sich, aber er hatte schon verloren. Diese Gegend hatte schon andere bezwungen. Er war harmlos.

Heute würde es keinen Krieg mehr geben. Heute nicht. Aber ich wusste, dass ich irgendwann mal meine Kunst beweisen müsste.

ENDE

Geschichtenzauber, Humor, writing friday

[#WritingFriday] – Kleine Helferlein

#Writing Friday wieder etwas verspätet, aber immerhin.

Mir ist lange nichts eingefallen – aber dann….die Tage fuhr ein LKW mit einem bekannten Wort an mir vorbei. Und schon war es da – die Idee. Es war für eine Wäschereinigungsfirma.


Diese Woche also:

Schreibe eine Geschichte die mit dem Satz “Jasmin hatte schon immer an Magie geglaubt, doch als sie dann tatsächlich sah wie…” beginnt.


Jasmin hatte schon immer an Magie geglaubt, doch als sie dann tatsächlich sah wie ein kleines Männchen vor ihrem Bett stand war sie selbst erstaunt. Endlich gab es einen Beweis für Magie und sie stand direkt vor ihr.

Bert blieb mitten in seiner Bewegung stehen. Wie eingefroren. Er war ertappt. In seinen Armen hielt er einen Stapel Kleidungsstücke, die er gerade wegbringen wollte.  Ein Bein in der Luft, wankte er gefährlich.

Jasmin schwang ihre Beine aus dem Bett. Sie waren noch zu kurz um mit den Füssen den Boden zu berühren. Eine Taschenlampe in der Hand, strahlte sie direkt den eingefrorenen Bert an. Dieser wankte immer mehr und hielt den Atem an.

„Wer bist du?“ fragte Jasmin ihn.

Seine Augen blickten wild hin und her. Beim Zucken seiner Pupillen wurde ihm dann richtig schwindelig und er fiel rücklings hin. Immer noch in seiner eingefrorenen Position, hielt er das Bein angewinkelt und die Kleidung fest in den Armen.

„Hallo, du da. Was bist du?“ Jasmin sprang vom Bett und ging auf den liegenden Bert zu. Sein Blick wurde hektisch und sein Atem immer schneller, je näher Jasmin an ihn trat. Und dann lockerte sich sein Griff um die Kleidungsstücke. Er wurde Ohnmächtig. Erschrocken trat Jasmin zurück.

„Bist du tot?“ In dem Moment nahm Jasmin noch weitere  Bewegungen wahr. Schatten die sich in sämtliche Ecken ihres unordentlichen Zimmers bewegten. Ihre Taschenlampe fand ein nächstes Ziel. Ein ähnliches Geschöpf wie der Ohnmächtige vor ihr verharrte in seiner Bewegung.

„Hallo du, ich tue dir nichts. Ich bin Jasmin. Wer bist du?“

Ebenfalls hektisch hin und her blickend ließ er gerade einen Stoffbären fallen und drehte sich unsicher zu ihr. Dann blickte er nach rechts und sprach:

„Connie? Hast du genügend Schlafpulver genommen? Du weißt doch, wenn die Zimmer so unordentlich sind, musst du die Portion erhöhen, damit die Menschen nicht wach werden.“

Unruhig wackelte der Angesprochene hin und her.

„Jaaaa? Ich hab eine große Portion verteilt. Aber es könnte sein, dass es abgelaufen war. Ich fand es in der hinteren Ecke.“

„Abgelaufen? Wo gibt es denn so was? Schau was du damit angerichtet hast. Der Mensch ist wach.“ Fuchtelte das Männlein aufgeregt mit seinen Armen vor Connie hin und her.

„Hei, mein Zimmer ist nicht unordentlich. Hier ist System drin.“

Derjenige, der gerade gesprochen hatte, stemmte seine Hände in die Hüften und blickte sich mit hochgezogener Braue um.

„Nicht unordentlich? Deine Schränke sind leer. Wofür hast du sie?“

„Für meine Mami. Ich brauche sie nicht. Ich weiß auch so wo meine Sachen sind.“

„So so. Dann können wir ja wieder gehen. Anton, bring das Vergessenspulver.“

Jasmin riss die Augen auf.

„Nein, bitte ich will nicht vergessen. Endlich hab ich einen Beweis für Magie. Was seid ihr?

„Wir? Niemand. Niemand, den du kennen müsstest, du wirst es eh gleich vergessen. Anton!“

„Nein, nein, nein. Hier, hier hab ich Kekse. Wenn ich nicht vergesse, dann dürft ihr sie haben.“

Bert erwachte aus seiner Ohnmacht. „Kekse?“

„Ja, hier.“ Sie hielt sie dem liegenden vor die Nase. Diese wackelte wie von einem Hasen hoch und runter, bei dem Geruch nach Keksen. Schnell setzte er sich auf und griff danach. Aber Jasmin war schneller und zog sie fort.

„Nur wenn ich nicht vergesse!“ War ihre Bedingung.

„Edi, biiiittte. Kekse“

Schnell kamen aus allen Ecken noch mehr dieser  kleinen Männchen. Alle standen um Edi und blickten ihn bittend an. „Biiitttte.“ Kam es vereint.

„Ach man. So ein Keks ist schon was Leckeres. Also gut. Kein Vergessen für einen Keks.“

Jasmin klatschte begeistert in die Hände und stellte die Dose auf den Boden.

„Also, wer seid ihr und was macht ihr hier?“

Mit Krümeln im Mund Antwortete Edi: „Wir sind Heinzelmännchen. Die guten Geister des Hauses. Eigentlich haben wir früher Handwerkern geholfen. Aber irgendwie brauchen die immer weniger unsere Hilfe – deswegen haben wir uns um Kinderzimmer gekümmert. Die haben es echt immer nötig.“

Jasmin blickte zweifelnd durch ihr Zimmer. Sie fand es nicht so schlimm. Wusste aber, dass ihre Mutter das anders sieht.

„Okay. Ihr räumt also auf und was noch.“

„Na hör mal, das ist eine große Aufgabe.“

„Zaubert ihr nicht bisschen?“

„Nein, niemals.“ Antworte Edi

„Edi, du lügst. Natürlich zaubern wir, sonst würden wir ja nie fertig werden. Ein kleiner Zauber hier und da, erleichtert uns die Aufgabe.“ bemerkte Anton.

„Das ist ja toll. Ich habe meine eigenen magischen Freunde. Wollt ihr meine Freunde sein? Bitte.“

„Ich weiß nicht, wir hatten noch nie Menschen als Freunde. Was ist wenn andere uns entdecken?“

„Das wird schon nicht passieren. Ich bringe auch immer Kekse mit. Ach biiitttteee.“

Anton blickte sich fragend um.

„Was meint ihr? Ein menschlicher Freund?“

Alle anderen nickten. Kekse in Aussicht gestellt zu bekommen, ließ sie alle Bedenken vergessen. Und Jasmin war nett.

„Nun gut, Jasmin? Wir werden es versuchen. Aber nur, wenn du auch aufräumst. Denn Freunde räumen nicht für andere auf.“

„Verstanden. Oh, ich freu mich so.“ Jasmin war aufgesprungen und tanzte durch das Zimmer. Die Heinzelmännchen mussten ihren Füssen ausweichen. Dadurch fingen sie ebenfalls an zu tanzen und es machte ihnen Spaß. Es gab also noch anderes, außer Aufräumen und Arbeiten, dass Spaß machen konnte.

Die Heinzelmännchen kamen so oft es ihnen möglich war zu Jasmin. Sie erzählten ihr von ihren Abenteuern und mampften dabei fleißig die leckeren Kekse, die Jasmin für sie bereithielt.

Ende.

 

Horror, Mystery, writing friday

[#WritingFriday] Urban Exploring – Unendlich Du wirst nicht entkommen.

#WritingFriday an einem Samstag. Ich habe es diese Woche nicht vorher geschafft. Aber ich wollte unbedingt noch was veröffentlichen. Also hab ich gestern schon anfangen können und es jetzt noch fertig gestellt.

Kennt ihr Lost Places? Heute werdet ihr einen kennen lernen – eine verlassene Villa am Stadtrand.


Quelle

Anna betritt eine alte Villa am Ende der Stadt, sie wird sie jedoch nie wieder verlassen. Erzähle was passiert ist.

 Anna stand vor der alten Villa am Ende der Stadt. Ihrer Stadt. Hier war sie aufgewachsen und ging zur Schule. Ist es nicht manchmal seltsam, dass man immer in die Ferne schweift und das war vor der Tür ist ignoriert? Seit Jahren schon zählte Anna zu einer der bekannten Urban Explorer. Ihre Twitter, Instagram, YouTube Auftritte hatten ihr einen gewissen Ruhm eingebracht. Nun stand sie also vor ihrer ersten Herausforderung. Als Mädchen stand sie manchmal lange Zeit vor dieser Villa und traute sich einfach nicht hinein.

Sie hatte schon öfter die Schwelle zum Vorgarten übertreten, aber es fühlte sich immer an, als wollte irgendwas sie daran hindern weiter zu gehen. Sie traute sich nicht einen Schritt nach dem andern zu setzen. Jetzt aber. Sie war erfahren genug und hatte keine Angst mehr. Soviel verschiedene Lost Places hatte sie schon besucht, da dürfte doch diese alte Villa kein Problem mehr darstellen.

Mark hatte sie allerdings gewarnt. „Geh nicht alleine hinein. Du weißt nicht wie marode das Gebäude ist. Hinterlasse wenigstens eine Nachricht und schalte dein GPS an.“ Anna lachte ihn aus. „Mark, Mark, Mark. Natürlich bin ich online. Meine Fans erwarten einen Livestream von meinem Spuk Haus. Ich hab es groß angekündigt. Das wird die Klicks nach oben schnellen lassen.“ „Du und deine Klicks. Viel wichtiger sollte dir deine Sicherheit sein. Warte noch paar Tage, bis ich aus Kroatien wieder da bin. Das Geisterdorf werde ich schnell abarbeiten und dann gehen wir gemeinsam.“ Mark und sie hatten schon so einige Lost Places gemeinsam besucht.

Manchmal glaubte Anna, Mark hätte mehr als nur ein Freundschaftliches Verhältnis mit ihr haben wollen. Aber sie war nur auf Abenteuer aus. Sie brauchte diesen Kick. Diesen Adrenalinstoss. Deswegen konnte sie auch nicht warten. Sie packte ihre Tasche. Taschenlampe, Stirnlampe, Ersatzbatterien, Wasser, Energieriegel, Taschenmesser, Seil. Actioncam mit Nachtsicht. Handy um den Livestream hoch zu laden. Check, check, check. Alles war bereit. Morgen wollte sie einsteigen.

Jetzt stand sie vor der Villa. Eine leichte Gänsehaut machte sich auf ihren Armen breit. Die Angst des kleinen Mädchens machte sich bemerkbar. Anna schüttelte sich um sie los zu werden. Sie hatte schon viel gruseligere Orte besucht. Sie straffte ihre Schultern und trat durch das schiefe Eingangstor in den Vorgarten. Wieder spürte sie einen Widerstand. Von ihr aus, oder von dem Ort aus. „Blödsinn, Anna. Das ist deine bescheidene Angst. Stell dich nicht so an. Was soll denn hier schon sein?“ Versuchte sie sich selbst zu beruhigen. Sie ging durch den Garten und stieg die große einladende Treppe hinauf. Sie drehte sich um. Es war neblig geworden. Wo kam auf einmal dieser dichte Nebel her? Sie konnte das schiefe Tor nicht mehr erkennen. Selbst die Straße mit ihrer Laterne war nicht mehr zu sehen. Sie zögerte. Vielleicht sollte sie doch auf Mark warten? Quatsch. Nein, das war ihrs. Sie musste diese kindliche Urangst bewältigen.

Sie drückte gegen die Eingangstür. Sie klemmte. Im Laufe der vielen feuchten Jahre hatte sie sich stark verzogen. Anna drückte mit ihrem gesamten Gewicht dagegen. Sie öffnete sich leicht. Noch ein Stück, noch ein kleines Stückchen. Das musste reichen. Sie drückte sich durch den schmalen Spalt und stand in der Vorhalle. Sie knipste ihre Stirnlampe an und schaute sich um. Die Natur hatte sich schon viel zurück erobert. Durch die Fenster waren die Äste der Bäume gedrungen. In den Bodenritzen hatten einige Samen fruchten können und den Boden in eine Art Moosteppich verwandelt. Es sah bezaubernd aus. Die Treppe nach oben erinnerte sie an den Film Vom Winde verweht. Der Teppich könnte auch mal rot gewesen sein und das Fenster im Zwischenstockwerk war leider schon Blind vor Schmutz.

Anna betrat die erste Stufe als sie ein Wispern vernahm. „Anna. “ Hauchte es durch die Halle. Sie drehte sich erschrocken um. Nichts. Kein Schatten, oder eine Person. Sie war alleine. Vermeintlich alleine. Sie wusste, dass solch leer stehende Häuser gerne von Besetzern oder Obdachlosen genutzt wurden. Probleme hatte sie aber nie mit einem von ihnen. Sie posierten eigentlich ganz gerne vor der Kamera und gaben auch mal ihre Geschichten zum Besten. Hier schien sich niemand eingenistet zu haben. Keine Matratzen, Zelte oder dazu passender Unrat. Das Haus war unbeschmutzt. Nur die Natur hatte sich getraut einzudringen.

Ein Schauer lief Anna über den Rücken. Schnell holte sie ihre Kamera aus dem Rucksack und setzte sie auf die Stirn. Das Handy war bereit für den Livestream. Sie wollte schnell wieder raus hier. Ein ungutes Gefühl verfolgte sie. „Hallo Leute. Wie versprochen heute aus meinem Heimatdorf. Diese Villa hat mich als Kind schon fasziniert und geängstigt. Heute sage ich dieser Angst den Kampf an. Es wird Zeit die Dämonen der Kindheit zu vertreiben.“ „Anna.“ Hauchte es wieder. Sie drehte sich schnell um. Wieder nichts. „Habt ihr das auch gehört? Ist das unheimlich, oder was? Ich will euch nichts vormachen. Ich bin froh, wenn ich hier wieder draußen bin. Ich hätte vielleicht auf Mark hören und auf ihn warten sollen. Aber ihr wisst ja wie ungeduldig ich sein kann. Wollen wir mal sehen wie es hier so aussieht. Kommt mit und erkundet diese hübsche Villa mit mir. Sieht sie nicht toll aus. Die Natur hat sich das meiste schon wieder zurückgeholt. Überall Moos, Lianen, Baumschösslinge und wunderhübsche Pflanzen. Schaut, da scheint die Sonne herein. Was für ein Bild.“ Anna drehte sich und streckte die Arme in Richtung eines Oberlichts aus. Dort konnte man sehen wie die Sonne sich durch die Blätter, die auf der Scheibe lagen, kämpfte und geradlinig ihren Weg nach innen fand. Sie verwandelte die Vorhalle in ein Märchenhaftes Bild. Es fehlten nur noch die kleinen tanzenden Feen und kleine Gnome, die mit ihnen versuchten mitzuhalten.

Ein Schatten legte sich über das Bild. Es wurde kalt und Anna begann zu zittern. „Wow, Leute. Jetzt wird es hier aber empfindlich kalt. Könnt ihr meinen Atem sehen?“ Anna pustete hörbar aus und ein weißer Nebel verließ ihre Lippen. Sie fing an zu zittern. „Verdammt. Warum wird das so kalt hier? Also seit mir nicht böse – ich habe meine Angst überwunden und fühle mich hier irgendwie nicht wohl. Ich gehe mal besser. Vielleicht komme ich mit Mark noch mal her – aber mir war eh nur wichtig, einfach mal hier zu sein und das abhaken zu können. Erledigt. Es wird Zeit zu gehen. Ich lasse die Kamera noch bisschen mitlaufen. Denkt dran. Abonniert meinen Kanal und denkt dran auf das Glöckchen zu klicken, dann werdet ihr immer benachrichtigt, wenn es was Neues von mir gibt. Es gibt kein Abenteuer im Leben, das es nicht lohnt zu leben. Bussi.“ Anna stellte den Ton aus. Sie würde später Musik unter die Bilder legen. Eigentlich wollte sie so schnell wie möglich raus, aber etwas zog sie nach oben. Ach was soll´s, ein Blick in die obere Etage wird schon nichts ausmachen.

 Sie rannte nach oben. Im ersten Stock gingen mehrere Türen vom Flur ab. Sie wollte wenigstens in ein paar hineinschauen. Gleich die erste öffnete sie und trat ein. Es war fantastisch. Die Möbel waren alle noch vorhanden und sogar noch recht gut erhalten. Sie ging in den Raum hinein. Die Tür fiel hinter ihr zu. Erschrocken drehte sie sich um. „Puh. Verdammt bin ich erschrocken.“ Sie drehte sich zur Tür um sie zu öffnen. Sie klemmte. Eine leichte Unruhe überfiel sie. Leicht hektisch zog sie an der Tür. Sie öffnete sich so plötzlich, dass sie fast hingefallen wäre. Schnell verließ sie das Zimmer und atmete tief aus. Aber wo war sie? Das war nicht der Flur aus dem sie kam. Es war ein anderes Zimmer. Sie ging zurück und befand sich schon wieder in einem anderen Zimmer. Die Tür schloss sich leise und vor ihr öffnete sich eine andere. Schnell ging sie darauf zu und befand sich wieder in einem anderen Zimmer. Dieser Vorgang wiederholte sich unzählige Male. Sie stellte den Ton des Livestreams wieder an. „Leute. Hier geschieht etwas Seltsames. Ich komme nicht mehr aus dem Haus heraus. Von einem Zimmer komme ich in das nächste und das nächste. Ich finde keinen Ausgang. So langsam bekomme ich doch Panik. Außerdem habe ich das Gefühl, dass mich Schatten verfolgen. Was soll ich nur machen. Wie soll ich hier denn den Ausgang finden? Wo bin ich denn hier gelandet?“ Tränen drückten sich hervor. Aber sie schluckte sie hinunter. Sie wollte nicht vor ihren Followern anfangen zu weinen. Sie war eine taffe Urban Explorerin. So leicht ängstigte sie nichts, oder?

„Ich weiß gar nicht, ob ihr mich überhaupt seht? Seht ihr mich? Schreibt es in den Live Chat. Vielleicht hat jemand einen Tipp für mich, wie ich hier wieder raus komme. Habt ihr so was schon mal erlebt?“ Sie verfolgte den Live Chat. Es kamen, wie schon erwartet, keine hilfreichen Tipps herein. Fake und ähnliches wurde ihr vorgeworfen. Aber es war kein Fake. Sie versuchte Stundenlang eine Tür nach der anderen. Aber keine führte zurück in das Treppenhaus. Verzweifelt setzte sie sich in eine Ecke. Sie blickte an den Wänden entlang. Dort stand was. Schnell stand sie auf. Die Kamera zeichnete weiter auf und die Klicks schnellten in die Höhe. Es war ihr Rekord. Sie blickte an die Wand. Mit ihrer Hand schob sie die einzelnen Blätter davor weg. „Wenn es dunkel wird, kommen sie. Dann verstecke dich. Verstecke dich!“

Entsetzt blickte sie die Schrift an. Es wurde dunkel. Was würde kommen? Wo sollte sie sich verstecken? „Habt ihr das gelesen? Oh Gott. Ich bekomme doch so langsam Angst. Ich schalte ab. Mein Akku wird sonst nicht durchalten. Ich melde mich bei euch, sobald ich wieder draußen bin. Bleibt aufmerksam. Bussi.“

Anna war panisch. Ihr Atem ging schneller und sie drohte ohnmächtig zu werden. Sie setzte sich und steckte ihren Kopf zwischen die Knie – tief ein-, tief ausatmen. Da hörte sie es. Flüstern und raunen. „Anna?“ Panisch blickte sie sich um. Es gab nicht viel sich zu verstecken. Dort. Dort stand ein alter Schrank. Schnell versteckte sie sich darin. Spinnweben strichen über ihre Stirn und sie hoffte, dass die Bewohnerin nicht auf sie fallen würde. Sie atmete ganz flach um bloß keine Geräusche zu machen. Schritte und Schlurfen konnte sie vor dem Schrank hören. Sie hielt die Luft an. Bitte, bitte, öffne nicht diese Tür. Betete sie in Gedanken.

Es schien zu helfen. Die Geräusche entfernten sich. Ausatmen – Einatmen. Sie wusste nicht wie lange sie in diesem Schrank ausharrte. Gefühlte Ewigkeit später öffnete sie vorsichtig die Tür. Es dämmerte, der Morgen brach an. Schnell ging sie hinaus und öffnete die Tür. Wieder ein anderes Zimmer. Tränen rollten ihre Wange hinunter. Es gab keinen Weg mehr hier raus. Sie war gefangen. Sie startete die Kamera und machte eine letzte Aufnahme.

„Hallo Leute. Schön, dass ihr heute wieder einschaltet. Das wird wohl meine letzte Aufnahme werden. Der Akku gibt bald seinen Geist auf und ich glaube nicht, dass ich hier eine Möglichkeit zum Laden bekommen werde. Aber wer weiß, vielleicht hat auch die Hölle Strom. Hahaha. Ähm. Die Nacht war gruselig. Ich hab seltsame Geräusche gehört und einige Gestalten sind um meinen Schrank geschlichen. Ich weiß nicht was mich erwartet, wenn sie mich finden. Ich hoffe es nie zu erfahren. Wenn ich hier nicht herauskomme, wird es wohl doch mal vorkommen. Tja, was soll ich sagen? Urban Explorer leben gefährlich. Das hier ist wohl mein Aus. Mark, wenn du dass siehst. Es tut mir leid. Ich hätte auf dich hören sollen. Ich liebe dich. Vergiss mich nicht. Vergesst mich alle nicht. Und kommt bloß nicht her – das Haus lässt einen nicht mehr raus. Vielleicht findet irgendwann mal ein anderer Explorer meine Gebeine. Lebt euer Leben, aber passt auch auf euch auf. Ich liebe euch alle und danke für eure Treue und die vielen tollen Kommentare. Ich werde euch alle vermissen. Pft.“ Der Akku war leer. Die letzte Aufnahme von Anna wurde hochgeladen.

Niemand hat sie je wieder gesehen. Es gingen viele Gerüchte umher. Es sei Fake und sie hätte sich einfach nur abgesetzt. Oder sie sei gestorben. Manche aber glaubten ihr.

Ende.

 

 

 

 

 

Allgemein, Geschichtenzauber, Horror, writing friday

Writing Friday – Wir werden immer da sein.

Es ist endlich Freitag und Zeit zum Schreiben. Der Writing Friday – dieses mal habe ich mir folgendes Thema ausgewählt:

Du findest auf dem Dachboden eine alte Schreibmaschine, darin stecken noch beschriebene Blätter des Besitzers. Welche Geschichte verbirgt sich darauf? Berichte davon.

Ich hoffe, das Ende ist verständlich. Ich hatte soviel verschiedene Szenarien überlegt – und dann ist es doch bisschen anders geworden – deswegen hoffe ich, es ist verständlich.

Viel Spass mit der Geschichte in der Geschichte.


Du findest auf dem Dachboden eine alte Schreibmaschine, darin stecken noch beschriebene Blätter des Besitzers. Welche Geschichte verbirgt sich darauf? Berichte davon.

Ich stand vor meinem neuen, oder eher uralten Haus. Aber es war meins. Ich bin irgendwann mal beim Spazieren gehen vom meiner gewohnten Route abgewichen und auf einer verlassenen Seitenstraße auf dieses uralte Haus gestoßen. Es war Liebe auf den ersten Blick. Die blinden Scheiben und schiefen Rollläden – sie wirkten so traurig. Ich musste es einfach wieder herrichten. Es war wirklich klein. Aber ich war alleine und wie viel Platz braucht ein Mensch denn? In wieviel Räumen halte ich mich denn auf? Genau.

Ich rief also den Makler an, und keine zwei Wochen später gehörte dieses kleine, verkannte Schmuckstück mir. Als ich den alten Schlüssel in das Schloss steckte und die Tür mit der Schulter aufstieß kam mir ein Stöhnen entgegen. Ein gequältes, oder ein aufatmendes? Das konnte ich nicht unterscheiden. Ich hatte eigentlich schon immer eine Lebhafte Fantasie. Deswegen konnte ich in diesem alten Gemäuer, das frühere Leben direkt vor mir sehen. Eine kleine, arme Familie, die sich um den Tisch versammelte um gemeinsam über ihren Tag zu sprechen und zu essen.

Das war aber schon lange Zeit her. Drinnen sah es schon ziemlich herunter gekommen aus. Aber die Bausubstanz war in Ordnung. Es waren wirklich nur Schönheitsreparaturen. Und ich würde gleich mal anfangen. Ich schnappte mir aus dem Auto den Besen und fegte erst einmal. Es gab hier nur einen Dachboden und das Erdgeschoss. Im Erdgeschoss befand sich die Küche. Eine sehr schön große Küche, die ein tolles Fenster zum Garten hatte. Die restlichen Räume waren ein gemütliches Wohnzimmer mit Kamin, ein kleines ausreichendes Bad und ein Schlafzimmer. Perfekt. Ich war fleißig dabei zu kehren, als sich seltsame Kratzgeräusche aus der Wand bemerkbar machten.

Urg – das würden wohl Mäuse oder Ratten sein. Die Natur holte sich natürlich so ein lang leerstehendes Haus zurück. Darum würde ich mich später kümmern. Heute war ich voll und ganz mit dem Kehren und schon entrümpeln des Erdgeschosses beschäftigt. Für morgen hatte ich mir die Sichtung des Dachbodens vorgenommen. Da wäre bestimmt auch noch so einiges an Gerümpel, der entsorgt werden könnte. Und bestimmt wimmelte es dort von Spinnweben. Eine leichte Gänsehaut überzog meine Arme. Ja – die Natur halt. Ich würde es überstehen.

Als ich fertig war, sah es schon wesentlich besser aus. Bisschen Farbe an die Wand und meine Möbel, dann wäre es ein kleines Paradies. Ich schloss die Eingangstür hinter mir und verließ das Haus.

Am nächsten Morgen war ich schon früh dort um weiter zu machen. Ich wollte ja so schnell wie möglich einziehen. Ich stand vor der Treppe zum Dachboden. Dachböden hatten irgendwie immer was Unheimliches – genau wie Keller. Das kommt von den vielen Horrorfilmen, dachte ich mir. Ich straffte die Schultern und ging nach oben. Die Tür knarrte beim Öffnen und ich hielt den Atem an um zu horchen. Was wollte ich denn hören? Ob sich ein Serienmörder dort versteckt hielt. Ich schüttelte lachend den Kopf. Konnte aber nicht anders, als laut redend einzutreten. „Dann werden wir mal sehen, ob vielleicht die Männer vom Trödeltrupp hier auftauchen können und ich hier paar Schätze besitze.“ Ein unsicheres Lachen entschlüpfte mir. Ich knipste die Lampe an – Strom und Licht. Das war doch schon mal was.

Wie erwartet, sah es hier schon sehr gruselig aus. Eine alte Schneiderpuppe stand in der einen Ecke. Ein altes Schaukelpferd und ein alter Vogelkäfig befanden sich ebenfalls dort. Haufen alte Koffer und sonstiges Gerümpel. Ich seufzte. Das wäre noch ein bisschen Arbeit. Ich ging weiter und hinter einem Kofferschrank stand ein kleines Tischchen mit einem Stuhl und einer ganz alten manuellen Schreibmaschine. Neben der Maschine lag ein Stapel beschriebener Blätter und einige waren noch eingespannt. „Uh – ein unentdecktes Werk – vielleicht eines bekannten Autors? Das wäre doch mal was. Oder es ist einfach nur eine Aufstellung der Ein – und Ausgaben. Das schau ich mir an.“

Ich ging zur Maschine und fröstelte. Irgendwo war es wohl undicht. Es zog gehörig. Deswegen schnappte ich mir die Blätter und ging schnell wieder hinunter. Dieser Dachboden war unheimlich. Zuviel Schatten und definitiv zu viel Spinnweben.

Ich hatte mir von zu Hause einen bequemen Campingstuhl, einen kleinen Tisch und eine große Kanne Kaffee mitgebracht. Nach dem Grusel, war wirklich Zeit für eine kleine Pause. Ich ignorierte die kleine Stimme im Kopf, die mich darauf hinwies, dass ich noch gar nichts gearbeitet hatte.

Gemütlich in dem breiten Campingstuhl, nahm ich mir die Blätter vor. Es gab keinen Titel. Nun gut. Ich fing an zu lesen.

07.Mai

Ich muss unbedingt aufschreiben was hier passiert. Seit ich hier wohne geschehen seltsame Dinge um mich herum. Gegenstände wurden bewegt. Türen knallen und die Bodendielen knarzen. Irgendjemand ist im Haus. Ich hab der Polizei schon bescheid gesagt. Sie haben so einen Jüngling hergeschickt. Der hat alle Räume durchsucht. Nichts. Keiner hier. Aber was sind das für Geräusche und wieso stehen die Dinge immer an anderen Stellen. Ich glaube ich werde langsam verrückt. Das ist das Haus. Ich hätte nie hier einziehen sollen.

Ich bekam eine Gänsehaut. Diese Person wirkte so verängstigt, dass ich selbst Angst bekam. Ich schaute mich um. Im Hintergrund konnte ich das Kratzen in den Wänden hören. Das war unheimlich. Gleich morgen würde ich den Kammerjäger anrufen. Ich liebe ja Tiere – aber sie müssen nicht in meinen Wänden leben. Für heute hatte ich genug. Ich brauchte eine Pause. Schnell packte ich meine Sachen und verließ mein zukünftiges Zu Hause, das gerade ein bisschen finsterer geworden war.

Ich traute mich kaum weiter zu lesen. Aber innerlich zog mich etwas an die Seiten. Ich musste wissen, was da noch stand.

  1. Mai

Mir geht es gut. Wahrscheinlich waren es nur die Nerven. Zuviel strömt auf mich ein. Das Haus, mein Ex und die Renovierungen. Das ist bisschen viel. Arbeiten muss ich ja auch noch. Aber ich liebe das Haus. Obwohl es mir schon ziemlich Angst macht hier alleine. Aber der Arzt hat mir Angstlöser verschrieben und gemeint, das wären die Nerven. Also – soll mal einer sagen, es gibt kein Kraut, oder eine Pille für jede Krankheit, oder Narretei. Was war das? Die Tür, ich hab sie doch abgeschlossen, oder? Wenn ich sie abgeschlossen habe, wie konnte jemand……

Oh Gott. Ich traute mich kaum noch in mein Haus. Verdammt. Hätte ich doch diese Seiten niemals gefunden. Aber mir blieb nichts übrig. Die Renovierungen schritten voran und mein Umzugstermin stand fest. Die letzten Dinge wollte ich machen, wenn ich eingezogen war. War das eine gute Idee. Ja, natürlich. Ich hatte schließlich das Haus wegen seines leicht gruseligen Charmes gekauft. Also dann musste ich auch damit leben, oder?

Ein paar Tage mied ich das Haus, und schob das Einpacken als Ausrede voran. Ich musste schließlich alles verpackt haben, wenn der LKW kam.

Dann war es soweit. Der fünfte Mai. Ich war aufgeregt. Die Männer packten alles in den Wagen und ich legte den Schlüssel unter die Fußmatte. Ein letzter Blick in meine alte Behausung, ein kleiner Abschied und ich zog die Tür ins Schloss. Einer neuen Zukunft entgegen.

Am Haus angekommen, hatten die Männer der Umzugsfirma, das meiste schon in die Zimmer verteilt. Viel hatte ich ja nicht – aber das reichte aus. Als alle weg waren, schloss ich die Tür, ging ins Bad und ließ Wasser in die Wanne laufen. Ein warmes Bad, danach lechzte ich. Und einen leckeren Entspannungstee. Heute würde ich nicht alt werden. Ich freute mich schon darauf, die erste Nacht in meinem Heim zu verbringen.

In der Wanne schlief ich schon fast ein, als mich ein knarzen schlagartig hellwach werden ließ. Ich setzte mich auf. „Hallo?“ Schnell stand ich auf und griff nach meinem Bademantel. Ich schaute mich im Bad um, ob ich etwas als Waffe verwenden konnte. Eine Schere. Besser als nichts. Im Bademantel, nasse Fußspuren hinterlassend ging ich vorsichtig aus dem Raum. Ich hielt den Atem an um zu lauschen. Da war nichts mehr zu hören. „Ein altes Haus, das arbeitet. Mensch Mädchen, stell dich nicht so an.“ Ich atmete aus, ging zurück um mich schnell anzuziehen. Danach ging ich schneller als normal in mein Schlafzimmer. Ich schloss die Tür und drehte den Schlüssel. Nur für den Fall.

  1. Mai

Alles ist gut. Alles wird gut. Ich bin sicher, das Haus ist sicher. Keiner ist hier. Nur ich. Nur ich. Vielleicht. Vielleicht noch, ach nein. Ich schwebe. Die Tabletten sind toll. Ich kann wieder schlafen. Nur meine Träume sind verstörend. Aber es sind ja nur Träume. Träume sind Schäume. Diese seltsamen Gestalten sind nur Produkte meiner Fantasie, sagt mein Arzt. Vielleicht, meint er, sollte ich mal eine Kur machen. Aber ich hab doch so ein hübsches Haus. Das ist doch wie eine Kur. Und die vielen Besucher nachts. Mit ihnen kann ich reden. Sie hören mir zu. Keiner hört mir zu – aber sie tun das. Ja. Sie sind wie meine Familie.

  1. Mai. 2019

Ich habe Angst. Meine neue Familie, hier im Haus – sie wollen, dass ich bleibe. Das ich mit ihnen komme. Sie zerren an mir. Sie reißen an mir. Sie ziehen mich an die Wand – in die Wand. Ich kann ihnen nicht entkommen.

Und für dich…..ist es auch zu spät. Du bleibst bei uns und wirst Teil unserer Familie. Wir lieben dich. Für immer. Ahahahahahahahahahar.

Draußen vor der Tür war ein seltsames Hämmern zu hören. Ich kratze an der Wand um einen Blick nach draußen zu haben. Der Makler. Er hämmerte ein Schild in den Rasen: „Zu Verkaufen.“

ENDE