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#Writing Friday – Wohin mit der Leiche?

Ich hab es vermisst. Endlich hab ich mal wieder den Kopf frei um bisschen zu schreiben. Dank dem #Writing Friday hab ich auch genau das Richtige für mich entdeckt.

Mein Mann hat sich schon amüsiert. Er fragte mich, was ich denn da alles guckte und suchte. Und ich antwortete ihm – wie man eine Leiche entsorgt. Er war erstaunt. Sowas findet man? Ja – aber ich muss zugeben, dass es doch ein bisschen seltsam ist da nach zu suchen. Was ist, wenn einer meinen Browserverlauf hackt? Gut, dass ich eine Erklärung habe und die findet ihr jetzt im Anschluss.


Du hast gerade einen Mord begangen und musst die Leiche loswerden. Wie gehst du vor?

 

Da stand ich nun. Und er lag direkt vor mir. Ich stippte ihn mit der Fußspitze an. Ja. Tot. Verdammt. Also nicht dass er tot war, das war mir eigentlich egal. Aber dass ich ihn getötet hatte, das war nicht so geplant. Ich war irgendwie nicht bereit, wegen dem Saftsack mein Leben im Knast zu verbringen. Also was tun? Wie wurde ich eine Leiche los? Loraine. Die würde es wissen. Sie war ein Krimi Fan. Ständig las sie einen oder sah im Fernsehen CSI und diese anderen. Und – sie war meine beste Freundin. Wofür hatte man beste Freunde, wenn nicht dafür eine Leiche zu entsorgen. Kaffee konnte ich auch mit beliebigen Arbeitskollegen trinken.

Marvin, das war mein Hund. Eine unbestimmte Promenadenmischung mit einem Goldkelchen, dass die Nachbarn regelmäßig verzückte. Sie riefen immer so Nettigkeiten, wenn er draußen bellte. Marvin schnüffelte von der anderen Seite der Scheunentür. Er wusste was. Ja Blut bedeutet Fresschen. Loraine, ja da war ja was. Ich ging zur Tür. Wollte gerade die Tür öffnen, als mich der Schlag traf. Ich triefte vor Blut. So konnte ich wohl kaum raus. Ich würde mir ja meine Wohnung versauen. Ne, ne. Ich sah mich um und war dankbar, dass ich eine so miese Hausfrau war. Die Wäsche hing ewig, bis ich sie mal wegräumte. Ich schnappte mir eine löchrige Jogginghose und ein passendes T-Shirt und ging zum Haus.

Im Haus war ich etwas orientierungslos. Wie sollte ich Loraine das erklären. Wohl kaum am Telefon. Ich erinnerte mich an den Lauschangriffskandal. Ich musste nur das Falsche sagen, schon würden sie hier einfallen. Hmhm. Ein Mädelsabend. Das wäre das einzig unauffällige. Also gut. Ich ging zum Telefon. Wo war eigentlich mein Handy? Egal. Es tutete. „Bitte sei zu Hause.“ Konnte man eigentlich schon abhören, bevor das Gespräch angenommen wurde? Ich nahm mir vor das mal zu googlen. Hätte ich mein Handy, könnte ich das während der Wartezeit machen. Wie oft hatte es denn jetzt schon getutet? Klack. „Hallo?“ hörte ich verschlafen. Wie spät war es denn? Oh je. Mitternacht. Da würde mir doch keiner einen Mädelsabend abnehmen. In meinem Hirn war das absolute Chaos. Was konnte mich bewegen so spät anzurufen? „Hallo, Maddie?“ „Hallo? Wer ist denn da?“ Lallte ich ins Telefon. „Mir ist so schlecht. Hallo, wer ist da?“ „Maddie? Bist du betrunken?“ „Loraine, warum hast du mich denn angerufen?“ „Du hast mich…ach vergiss es. Was ist denn los. Seit wann trinkst du denn alleine?“ „Ich bin so einsam Lora. Keiner liebt mich und ich werde alleine sterben.“ Ach war ich gut. „Soll ich vorbei kommen?“ „Jaaaaa.“ Schluchzte ich. „Bring Wein mit.“ „Na ich weiß nicht, ich glaube du hattest genug.“ „Neiiin. Bitte bring Wein mit.“ „Na gut. Ich bin gleich da.“ Wir legten auf und ich führte einen kleinen Tanz auf. Da würde doch keiner stutzig werden. Haha. Dann stoppte ich. Wie pietätlos von mir. Ich ging ins Wohnzimmer. Erst wollte ich mich in meinen Lieblingssessel setzen und einkuscheln. Aber ich wollte ihn nicht mich schlechten Erinnerungen verpesten. Ich drehte mich im Raum. Dort. Der Stuhl meiner Großmutter. Den hasste ich schon immer. Der konnte dann entsorgt werden.

Ein Schlüssel drehte sich im Schloss. Natürlich hatte ich meiner besten Freundin einen Schlüssel meines Hauses gegeben. Sie trat ein. „Maddie? Wo bist du? Ich hab Ginger Ale gegen die Übelkeit, Aspirin für die Kopfschmerzen, und für davor Wein und Kräcker. Und natürlich einen Meg Ryan Film.“ Ich huschte ihr entgegen und zog sie rein. Schnell schloss ich die Tür. Dann umarmte ich sie fest und führte sie ins Wohnzimmer. „Na du hast dich aber schnell erholt.“ „Ich musste dich doch irgendwie unauffällig herlocken.“ „Ja, natürlich. Und wieso?“ Ich setzte sie ins Bild und sie setzte sich auf Großmutters Stuhl.

Nach der Flasche Wein und einer weiteren Halben, begaben wir uns in die Scheune. Marvin stand immer noch davor und begrüßte uns schwanzwedelnd. Ein so braver Hund. Jetzt standen wir also vor dem Toten. Loraine hatte die Hände in die Hüfte gestemmt und schaute sich in meiner Scheune um. „So, so. Ein Toter. Also so was. Ich muss zugeben. Liebeskummer wäre mir jetzt doch irgendwie lieber.“ Ich nickte. „Wie ist das noch mal passiert? Wer ist das?“ „Mein Barista.“ „Dein Barista. Ja klar. Warum nicht? Hat dir der Kaffee nicht geschmeckt? Oder, Gott bewahre, wollte er dir echten Kaffee ohne chemische Zusätze anbieten?“ Ich schubste sie und musste lachen. „Nein, er hat mich nach einem Date gefragt und eigentlich ist er ja ganz süß.“ „Aber? Wieso ist er denn dann jetzt tot?“ „Ein Unfall?“ „Fragst du mich das? Wenn es ein Unfall wäre, hättest du ja wohl die Polizei holen können. Und das Brecheisen in seinem Kopf, ich weiß nicht – wie soll er denn da drauf gefallen sein.“ „Ungeschickt nicht wahr?“ Loraine stampfte mit dem Fuß auf und musste gleichzeitig ihre Balance aufrecht halten. „Alscho.“ „Ähm, Also, was ist passiert?“ „Er ist dämlich.“ „Das sind so einige, deswegen laufe ich aber nicht rum und töte sie alle. Würde ich gerne – aber das ist ja doch bisschen anstrengend.“ „Wir haben uns einfach hoch geschaukelt. Jetzt habe ich meinen Barista verloren. Sein Kaffee war wirklich gut.“ „Ja, das sollte dein kleinstes Problem sein. Okay. Ich weiß, dass du Rechthaberisch bist. Das ist natürlich beim ersten Date kontra. Aber töten – das ist doch bisschen überreagiert.“ „Ich hatte einen schlechten Tag im Büro.“ Loraine rollte mit den Augen. Da fiel ihr nichts mehr ein. „Egal wir müssen ihn loswerden Schon einen Plan?“ „Ich – dafür hab ich doch dich geholt. Du bist doch die Krimiexpertin.“

Loraine öffnete die Scheunentür. Marvin kam herein und blickte sich um. Seine Nase erfasste die Situation und Loraine ging ein Stück beiseite um ihm den Blick frei zu machen. „Lora, was machst du, denn?“ „Schätzchen, du hast Recht, ich bin die Expertin und ich kann dir sagen. Die meisten Fehler passieren beim Entsorgen der Leiche. Eine Tonne hast du nicht – also können wir ihn nicht auflösen. Wo sollen wir auch so viel Bleiche her bekommen? Ne, ne. Auffressen – das ist das einzige. Und ein Hund, der frisst alles was geht. Es werden nur noch wenig Knochen übrig bleiben. Und wenn du die in einen Müllsack packst und zur Verwertung fährst – mit Fahrrad bitte. Wird da nie was raus kommen. Es weiß ja keiner von euch, oder“ „Ne, ich wollte erst mal nur schauen, was er so für ein Typ ist.“ Loraine nickte zustimmend.

„Aber Marvin wird ja ewig für ihn brauchen.“ „Wolltest du nicht immer einen zweiten Hund?“ „Ne eigentlich nicht. Aber – im Hundepark hat mich ein netter Mann angesprochen – sehr süßer Kerl. Er will paar Tage mit seinen Freunden wegfahren und hat noch keine Unterkunft für den Hund.“ „Perfekt. Wir können ihn jetzt nicht zerkleinern, das macht zu viel Krach. Morgen werden wir ihn bisschen zersägen, und ihn in die Truhe verfrachten. Marvin hat dann leckeres Essen und du bist deine Leiche los.“ „Du bist genial.“ „Ich weiß.“  Lachend gingen wir ins Haus. Marvin ließen wir schon bisschen knabbern. Der restliche Wein und die Kräcker landeten auf dem Tisch. Der Meg Ryan Film wurde eingelegt und der Abend entspannt ausklingen gelassen. So wurde es doch noch ein netter Mädelsabend.

ENDE

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#Writing Friday – Der Alptraum

Hallo ihr Lieben – heute habe ich einen etwas entspannteren Tag und wollte doch noch einen Beitrag zu den Februarthemen beim Writing Friday bringen. Die letzte Zeit war ich immer zu müde und eingespannt etwas zu schreiben. Es könnte sein, dass ab April wieder bisschen Ruhe einkehrt und ich wieder öfter schreiben kann. Ich hoffe es, denn es fehlt mir.

 

Heute will ich das Thema Alptraum auffassen.

Ich bin zum Glück keine, die oft Alpträume hat. Es kommt allerdings schon mal vor, dass meine Einschlafphasen begleitet werden von gruseligen Dingen und Gänsehaut…wirklich Gänsehaut, wenn ich vermehrt Horrorromane lese. Woher ich das weiss? Seit ich weniger lese, hab ich das nicht mehr….Bzw. Seit ich öfter mal wechsle und nicht ein Horror-Ketten-Lese-Marathon veranstalte.

Ich hatte allerdings einige Jahre immer wieder einen Alptraum, der mich echt beschäftigte, selbst wenn er nicht grausam, oder gruselig war. Aber verstört hat er mich sehr, da es meine Liebsten Vierbeiner betraf.

Seit etwa zehn Jahren wohnen wir jetzt in diesem Haus. Es war Anfangs etwas besonderes. Unser Haus. Gut, das Haus der Bank in dem wir wohnen und dafür zahlen durften. Aber endlich hatten wir was, wo wir in Ruhe mit unseren Schätzchen leben durften. Keiner, der meckern durfte, weil die Hunde am Zaum Patrouille laufen und die Schäferhündin auch noch bellt. Oder der Rüde manchmal über den Zaum sprang. Das Haus sollte Hundesicher sein. Für unsere Hunde. Also legten wir natürlich unser Hauptaugenmerk darauf. So geschehen. Das Grundstück ist von guten Mauern umgeben.

Aber es dauerte nicht lange, und wir bemerkten, dass wir das falsche Nest gekauft hatten. Wir fuhren Nachts auf die Arbeit – etwa eine Woche später war ein Zettel im Briefkasten. Die Hunde würden bellen, sobald wir fuhren. Das ist natürlich morgens um vier nicht zumutbar. Schöner wäre es gewesen, wenn die Nachbarin uns direkt angesprochen hätte – aber na ja….Die Hunde sagten es uns und wir bemerkten es nicht. Sie haben nie vorher gebellt – nie…erst seit wir hier wohnen. Dann merkten wir es auch….wir fühlten uns nicht wohl. Die Hunde fühlten sich nicht wohl. Aber jetzt ist es gekauft.

Immer öfter träumte ich, dass ich die Tür öffnete und das Tor zum Grundstück wäre offen. Die Tiere – Hunde und Katzen würden gehen und ich könnte es nicht verhindern. Manchmal stand auch ein Auto im offenen Tor, das nicht uns gehörte. Manchmal war ich mir nicht sicher, ob es wahr war, oder ich es nur geträumt hatte. Immer wieder verliessen sie uns und ich konnte nichts machen. Dann hatte ich bei einer Challenge mitgemacht und man sollte einen Traum zeichnen…

Seit dem ist der Traum nicht mehr aufgetaucht. Ich bin so froh…es ist ein banaler Alptraum, aber mich hat er immer wieder verstörte und auch ärgerte.

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[#WritingFriday] – Der wundersame Ring

Wie ist das bei euch so? Wisst ihr schon am Anfang wie sich eure Geschichte entwickelt? Ich meistens nicht. Ich fange an zu schreiben, und dann schlüpft jemand in meinen Körper und schreibt weiter…hihi..Nein – ich weiss nie wie sich meine Geschichten entwickeln. Auch hier, war erst was anderes geplant, und dann kamen die Ideen nach und nach.

Schon interessant, wie das so im Gehirn funktioniert. Wie ein Irrgarten. Wenn man den richtigen Weg gefunden hat öffnet sich eine Tür und zeigt einen neuen Abschnitt in der Geschichte.

Hier ist meine heutige zum #writing friday


Luisa erwacht am Neujahrsmorgen und kann sich kaum an Silvester erinnern. Erzähle was geschehen ist!

Etwas Lästiges streifte Luisas Gesicht. Es war fast schmerzhaft. Sie öffnete die Augen. „Au – ach verdammt – wo ist denn der berühmte graue Himmel? Muss gerade heute die Sonne scheinen und mir direkt ins Gesicht? Wo bin ich überhaupt? Und wann ist heute?“ Langsam lichtete sich der Nebel im Gehirn.  Es ist Neujahr – welches Jahr? 2019 konnte sie über der Tür erkennen. 2019? Wie komme ich denn hier her? Ruckartig setzte sie sich auf. „Au.“ Sie griff sich an den Kopf. Es pochte heftig in ihrem Schädel – als wolle etwas aus ihm heraus gelangen. „Ja, vielleicht eine Erklärung wie ich denn hier her komme.“ Sie saß auf einem Bett und blickte sich um. Neben ihr lag jemand. Sie stöhnte innerlich. Wie peinlich. Wie sehr hatte sie sich gehen lassen? Was würden die Freunde sagen. Ihr Ruf wäre hin. Arnold würde sie jetzt nicht mehr heiraten. Sie war ein gefallenes Frauenzimmer. Ihr Kopf landete in ihren Händen und sie schüttelte ihn vorsichtig. Verdammter Alkohol.

Sie konnte ihre Mutter schon vor sich sehen. Die Hände in die Hüfte gestemmt. Mit erhobenen Zeigefinger und Prospekten für die Häuser gefallener Frauen. Sie schnappte entsetzt nach Luft. Was wäre, wenn sie nun Schwanger werden würde. Dann müsste sie in ein Entbindungshaus. Sie stand auf und lief aufgeregt hoch und runter.

Ein Stöhnen kam von dem zugedeckten Körper – eindeutig männlich. Ein zerzauster Kopf lugte unter der Bettdecke hervor. „Wer macht denn hier so einen krach?“ „Ähm, entschuldigen sie. Könnten sie mir kurz erklären, wie ich hier her komme?“ „Ich hab dich stockbesoffen auf der Straße aufgelesen.“ Sie riss die Augen auf. Stockbesoffen? Sie. Das waren doch nur paar schwache Cocktails. Aber sie hatte einen Filmriss. Das würde auf seine Aussage passen. Er richtet seinen nackten – wahrlich ansehnlichen – Oberkörper auf. Dann schlug er die Decke auf und auch der Rest von ihm war nackt. Sie erschrak und drehte sich errötend um. Ach Herr je. Ein nackter Mann. Sie hatte noch nie einen Nackten gesehen.

Sie drehte vorsichtig ihren Kopf um sein spöttisches Grinsen zu sehen. „Na, jetzt so schüchtern? Das war die Nacht aber anders.“ Sie zuckte zusammen. Drogen. Er musste ihr Drogen verabreicht haben. Niemals wäre sie mit einem völlig Fremden gegangen und auch noch ins Bett. Ach Arnold. Ich wäre gerne deine Frau geworden. Hätte paar Kinder bekommen und dein Haus gehütet. Jetzt würde sie wohl arbeiten gehen müssen um ihr Leben zu finanzieren. Eine Familie war nicht mehr vorgesehen. Sie würde wegziehen. Wo sie keiner kannte – das müsste gehen.

„Luisa?“ „Ähm, ja?“ „Du kannst dich umdrehen, ich hab mich angezogen.“ Vorsichtig drehte sie sich um. Ein wirklich sympathischer Mann stand vor ihr. Nett anzusehen und ein spitzbübiges Lächeln lag um seine Lippen. „Ein frohes neues Jahr 2019“ „Was ist das hier – eine Unterhaltungssendung. Wir haben doch kein 2019. Wir haben 1959.“ Er kniff den Mund zu einem Lächeln zusammen. „Nein, Schätzchen. Du bis in 2019.“ „Das kann nicht sein.“ Sie setzte sich aufs Bett. Er verschwand um wenige Minuten später mit einer Tasse gut duftenden Kaffees zu kommen. So schnell? Konnte man in der Zukunft zaubern? „Was mach ich denn? Was mach ich denn?“ „Was ist denn passiert. Hast du Drogen genommen?“ Entsetzt schaute sie in an. „Nur wenn sie mir welche verabreicht haben. Das muss es doch sein. Geben sie es zu. Sie haben mich unter Drogen gesetzt. Verführt und dann eine Scharade inszeniert. Da stecken doch meine Freunde dahinter.“ „Nein, Schätzchen. Du bist definitiv in der Zukunft. Meiner Gegenwart.“

Oh wei. Sie überlegte lange. Er brachte einen weiteren, sehr leckeren Kaffee. Sie schloss die Augen und versuchte sich zu erinnern. Sie hatten sich verabredet. Im Gemeindehaus sollte eine Silvesterparty steigen. Von ihrer besten Freundin erfuhr sie, dass Arnold sie um ihre Hand bitten wollte. Sie schaute auf ihre Hand. Ein Ring zierte ihren Finger. Ein seltsamer Ring. Er schimmerte in verschiedenen Farben und blinkte. Sie schaute zu ihrem Gastgeber. „Wie heißt du?“ „Peter.“ „Mein Verlobter hieß Arnold.“ „Hieß?“ „Ja, der in 1959 lebt. Ich erinnere mich, dass er mir diesen Ring überstreifte. Danach erinnere ich mich an nichts mehr.“ Sie spielte mit dem Ring. Was war nur geschehen. „Zeig mal.“ Sie zeigte ihren Finger. „Darf ich ihn mal haben?“ Misstrauisch beäugte sie ihn. „Keine Angst. Ich will ihn nur mal untersuchen. Er sieht sehr merkwürdig aus. Untypisch für dein Jahr. Heute würde ich so was noch als normal empfinden. Aber damals.“ Normal. Sie blickte sich in dem Zimmer um. Hier standen viele Dinge herum, die ihr unbekannt waren. Überall blinkte und summte es. Viel Elektronik, dachte sie. War das ein Elektronikjahr? Schien so. Sie zog den Ring ab und übergab ihn Peter. Er drehte ihn und ging ans Fenster mit ihm.

„Das, meine Liebe, ist kein normaler Ring.“ Sie stand auf und ging zu ihm. „Wie meinst du das? Kein normaler Ring.“ Automatisch hatte sie das Du übernommen. „Das ist ein Portal, glaube ich. Aber anscheinend nur Einweg. Sonst könntest du ja jeden Moment zurück in deine Zeit reisen.“ Ihre Knie wurden schwach. Sie war eine Zeitreisende. Und anscheinend gestrandet. Was nun? Warum sie. Ach Arnold, wo hast du denn diesen Ring her. Sie wusste, dass Arnold sich mit schrägen Phänomenen beschäftigte. Jetzt wurde ihr klar, dass der Ring wohl eines dieser Phänomene war. Sie war sein Versuchskaninchen gewesen. Aber er würde doch nichts davon haben. Er müsste, sie rechnete kurz nach – um die achtzig sein. „Kannst du eine Adresse ermitteln? Arnold Waldner.“ Er setzte sich an einen Schreibtisch. Vor ihm lag ein schwarzer Koffer, bei dem er den Deckel anhob. Ein Bildschirm und eine Schreibmaschine erschienen. Er drückte auf einen Knopf und der Bildschirm erwachte.  Neugierig beobachtete sie seine Bewegungen. Er tippte den Namen ein und auf dem Bildschirm erschienen die Buchstaben. „Computer.“ Sagte er. Davon hatte sie gelesen. Aber die waren nie für die Bevölkerung gedacht. So was. „Hier, es gibt nur einen, der das richtige Alter hat.“ „Können wir zu ihm?“ „Klar. Komm gehen wir.“ Sie folgte ihm. Als sie auf die Straße traten, blieb sie abrupt stehen. Alles hatte sich verändert. Die Häuser waren so hoch und so viele. Autos standen überall. Sie wollte zurück in ihre Zeit. „Komm steig ein.“ Er fuhr etwa eine halbe Stunde. „So, hier ist die Adresse. Soll ich mitkommen?“ Sie überlegte. „Ja, bitte.“ Vor der Tür wurde sie unsicher. War es ihr Arnold? Hatte er jemand anderen geheiratet? Sie hob die Hand zum Klingeln. Verharrte einen Moment der Unsicherheit und drückte dann. Hinter der Tür hörte sie ein Schlurfen. Ein alter Mann öffnete die Tür. Er blickte hoch und stolperte rückwärts in seinen Flur. Sein Mund öffnete und schloss sich. „Luisa. Luisa. Da bist du. Meine Liebste. Ich habe so lange auf dich gewartet. Was hab ich nur getan. Komm rein. Komm rein. Setz dich. Erzähl.“ „Ich soll erzählen. Ich denke du solltest erzählen. Ich bin heute hier erwacht.“ „Heute? Ich hatte erwartet, dass du schon länger in der Zukunft bist. Aber ja – du hast dich nicht verändert. Komm ich koche erst mal ein Kaffee.“ Er bat beide herein und führte sie ins Wohnzimmer. Dann kam er mit einem Tablett auf dem Kaffee und Plätzchen waren. „Bitte, bedient euch. Ich erzähle was ich weiß. Du weißt ich bin immer hinter irgendwelchen Phänomenen her. Ich war bei einer Zigeunerin, die mir den Ring gab. Sie warnte mich allerdings. Ich solle ihn nur anziehen, wenn ich vorankommen wollte. Das hat sie ziemlich vage ausgedrückt, oder? Ich wollte vorankommen. Und zwar bei dir. Deswegen schenkte ich ihn dir als Verlobungsring. In dem Moment in dem du ihn überstreiftest, warst du weg. Ich wusste nicht wie mir geschah. Du warst einfach weg. Aufgelöst.“ „Und dann?“ „Ich suchte die Zigeunerin. Sie war weiter gezogen. Ich folgte ihr einige Zeit. Jedes Mal verpasste ich sie. Aber irgendwann stellte ich sie. Sie lachte bösartig. Wirklich. Eine sehr böse Frau. Eine verschmähte Frau, die sich an jungen Paaren rächen wollte. Sie hatte gesehen, dass ich dich heiraten wollte. Ich bedrohte sie. Ich würde sie töten, verbrennen. Mir war es egal. Ich hatte nichts zu verlieren. Du warst weg. Sie gab mir einen Gegenzauber. Wenn du zu meinen Lebzeiten auftauchen würdest, und diesen Armreif überstreifen würdest, kämst du zurück in unsere Zeit. Dann wäre alles wieder wie früher.“ Skeptisch betrachtete Luisa den Armreif. „Ist das sicher? Was wenn ich wieder falsch lande. Vielleicht bei den Dinosauriern?“ „Nein, ich bin mir sehr sicher.“ Er klang nicht sicher. Luisa blickte auf Peter. Sie könnte vielleicht hier ein neues Leben, ein freies Leben mit ihm führen. Aber er schüttelte den Kopf, als hätte er ihre Gedanken gehört. „Du gehörst nicht hier her. Du musst zurück. Vielleicht bekommt ihr Kinder, die hier jetzt fehlen. Das ist falsch. Außerdem liebst du ihn doch. Überlege nicht lange. Zieh ihn an.“ Sie griff nach dem Reif. Drehte ihn hin und her. Blickte zu Arnold. „Weil ich dich liebe.“ Sie stülpte ihn über und war verschwunden. Die beiden Männer blickten sich an. Das Zimmer veränderte sich. Bilder tauchten auf dem Kaminsims auf. Sie sahen ein Hochzeitsbild. Babybilder. Kinder, Hunde, weitere Babys. Eine Erinnerung erschien. Arnold stand auf und weinte. „Wir haben geheiratet. Zwei wundervolle Kinder und vier Enkelkinder. Sie ist mein Leben.“ In dem Moment öffnete sich die Tür und eine ältere Dame betrat den Raum. „Peter? Ach,  mein Lieber. Es ist so schön dich wieder zu treffen. Es ist so lange her. Aber eigentlich ja auch nicht. Es war gerade erst, oder?“ Peter sah sie mit offenem Mund an. „Luisa?“ Sie nickte. „Es hat funktioniert. Ich bin dort angekommen, wo ich verschwand. Ich konnte ein tolles Leben führen. Dank dir.“

ENDE

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[#WritingFriday] – Post aus der Vergangenheit

 

Der Alltag hat mich wieder und bremst auch meine Kreativität. Aber ich habe doch noch eine kleine Geschichte für den #writing friday schreiben können.

Heute bekommen wir eine Karte aus der Vergangenheit.

  • Du bist eine zu spät ankommende Weihnachtskarte – berichte über deine Empörung!

„Ach was haben wir denn hier? Schau mal Maria – eine Karte.“ „Na, das wundert mich jetzt nicht – wir haben schliesslich ein altes Posthaus gekauft. Und ich liebe es. Es ist so urig. Da werden wir noch so einige Karten finden können.“

Eine raue Hand griff nach mir. Autsch – ich war schon sehr steif. Wie lange lag ich denn hier schon? Welches Jahr schrieben wir? Ich wusste es nicht. Ich konnte nur sagen – es war eine sehr lange Zeit sehr dunkel und muffig hier um mich herum. Ich erinnerte mich: eine junge Frau an ihrem Sekretär, sie hatte einen ganzen Stapel Karten neben sich liegen. Sie drehte uns hin und her und legte die eine oder andere wieder weg. Dann griff sie nach mir. Sie schaute mich lange an. Strich über meine Oberfläche und nickte. „Ja, du bist genau die richtige Karte für meinen Liebsten. Er ist so weit weg von mir. Soviel Monate sind wir schon getrennt. Ich hoffe, dass er im neuen Jahr endlich zurück kommt. Er wird sich über dich freuen. Du bist wirklich eine hübsche Karte.“ Ich war wirklich eine hübsche Karte.  Mich zierte eine Szene einer Familie. Sie sassen vor einem wunderschön geschmückten Weihnachtsbaum. Die Kinder waren in hübschen Kleidchen gekleidet und hatten Instrumente in der Hand. Die Mutter sass am Klavier und alle sahen so glücklich aus. Im Hintergrund war alles schön weihnachtlich geschmückt. Eine wahre Idylle.

„Zeig mal.“ Maria nahm Josef die Karte aus der Hand. „Oh, die ist wirklich schön. So richtig nostalgisch.“ Sie drehte mich hin und her. „Schau mal, der Stempel 1958.“ „Ach – das ist ja siebzig Jahre her. Lies mal vor.“ „Mein Liebster, so lange sind wir schon voneinander getrennt. Du fehlst mir und ich freue mich so sehr dich im nächsten Jahr wieder in meine Arme schliessen zu können. Unsere Verlobungszeit ist nun lange genug. Komm nach Hause. Ich möchte endlich deine Frau werden und wie in der Front dieser Karte eine tolle Familie mit dir Gründen. Ich liebe und vermisse dich. Deine Valerie“  Maria blickte Josef an. „Oh – meinst du er ist nach Hause gekommen und sie haben geheiratet?“ „Bestimmt. Weißt du was – ich packe die Karte in einen Umschlag und wir schicken sie einfach an die angegebene Adresse. Vielleicht meldet sich ja jemand.“ „Das ist eine schöne Idee. Eine stark verspätete Weihnachtskarte.“

Siebzig Jahre. Wie konnte das denn passieren, wie konnte denn siebzig Jahre an mir vorüber gehen? Was ist denn mit den Postmenschen los. Ist das nicht einfach unerhört. Was, wenn das Paar nicht geheiratet hat, weil ich nie ankam? Oh weh, welch Desaster. Also ich würde mich gerne mal beim Postminister beschweren. Verdammt. Oh entschuldigt, man flucht nicht als Weihnachtskarte. Ach, das ist so eine Tragödie.

Drei Tage später werde ich erneut aufgenommen. Eine sanfte aber schon sehr alte Hand greift nach mir. Ich höre ein Aufstöhnen und ein Schluchzen. „Ach Valerie. Meine liebste Valerie, wie sehr du mir doch fehlst. Diese Erinnerung aus vergangenen Tagen – mein Herz lacht und weint. Du liebe Weihnachtskarte. Du bist mir das liebste, das mir seit langem geschehen ist. Ich habe sie geheiratet und wir hatten soviel schöne Jahre zusammen. Komm mit hinein. Du bekommst einen ganz besonderen Platz“

Uff – das ist ja fast noch mal gut gegangen. Wenigstens werde ich noch freudig angenommen.

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[#WritingFriday] Week 1 – der magische gefrorene See

Neues Jahr neues Glück. Ich freue mich, dass elizzys Writing Friday weiter geht. Ich hoffe, dass ich mir bisschen mehr Zeit nehmen kann, um wieder regelmässiger zu schreiben. Denn es fehlt schon, da es doch so viel Spass macht.

Ich habe mich heute für eine kleine magische Geschichte entschieden.

  • Erzähle eine Geschichte über den gefrorenen See in deiner Kleinstadt.

 

Es gab eine kleine Stadt – ihr Name ist nicht wichtig. Es war eine Stadt, wie es viele gab. Sie hatte einen wunderschönen See. Einen See, wie es in vielen Städten gab.

Im Sommer spendete er Kühle. Man konnte in ihm schwimmen und tauchen. Picknicks wurden an seinen Ufern abgehalten. Und abends, wenn die Sonne untergegangen und die Glühwürmchen sanftes Licht spendeten, kamen die jungen verliebten Menschen um sich ihre Liebe zu gestehen.

Dieser See war so wunderschön. Im Winter fror er immer zu. Und spendete den Menschen weiterhin viel Spaß. Ein magisches Glitzern lag auf der Eisschicht. Wenn man am Rand stand und die Sonne, oder auch der Mond drauf schienen, schimmerte er magisch.

Um Mitternacht  konnte man Schemen erkennen. Als würde eine Tür zu einer anderen Welt geöffnet. Es waren Menschen, nein keine Menschen. Schatten, Geister. Es waren die Verstorbenen dieses kleinen unbekannten Städtchens.

Eines Nachts, ich stand an dem See und wartete. Ich wollte es mit eigenen Augen sehen. Vielleicht konnte ich meine kleine Schwester sehen. Sie war erst kürzlich verstorben und, sie fehlte mir so ungemein. Die Gerüchte besagten, dass alle die hier gestorben waren auftauchten, wenn der See gefroren war. Nur zu dieser Zeit.

Während ich so dastand und auf Mitternacht wartete, versammelten sich immer mehr der Bewohner. Ich blickte mich um. Alle schienen etwas schüchtern zu sein. Nur wenige wirkten selbstbewusst und grüßten die Neuen. Ich war also nicht die Einzige, die ihre geliebten sehen wollte.

Ich hatte eine Thermoskanne mit heißem Kakao dabei. Während ich also wartete, dass die Zeiger sich mühevoll der zwölf näherten, genoss ich meinen heißen Kakao und das magische Schimmern des Sees. Dann war es soweit. Es war Mitternacht. Und wie ein Schleier, der bei Seite geschoben wurde, eröffnete sich eine andere Welt. Auf dem Eis tummelten sich unzählige Gestalten. Sie fuhren auf ihren Schlittschuhen und lachten und tanzten. Sie wirbelten an uns vorbei und winkten uns. Sie luden uns ein mit ihnen zu tanzen.

Schnell zog ich mir meine Schlittschuhe ein. Ich glaubte Musik zu hören. Ein befreiendes Lachen, erklang aus allen Ecken. Schnell schritt ich aufs Eis. Ich fuhr durch die Gruppen. Sie machten mir Platz. Dann sah ich sie. Meine kleine geliebte Schwester. „Lara.“ Rief ich. Sie blickte sich um. Dann kam sie auf mich zu. Sie nahm meine Hände in ihre. Sie waren gar nicht kalt. Dann zog sie mich mit sich und wirbelte mich auf dem Eis umher. In meinem Herzen ging ein Licht auf. Sie war glücklich. Ich war glücklich. Eine Stunde später ließ sie mich los. Sie zog sich winkend zurück. Ich wollte ihr folgen, als mich jemand aufhielt. „Nicht, du kannst nicht mit ins Totenreich gehen. Sie kommen wieder, wenn der See morgen noch gefroren ist. Sie kommen immer wieder, wenn er gefroren ist. Du wirst sie immer sehen können. Im Winter. Deswegen freuen wir uns alle immer, wenn der erste Frost angekündigt wird. Denn dann sehen wir unsere Liebsten und sie freuen sich uns zu sehen. Also komm morgen wieder, Kind. Genieß die Zeit, bis zum Tauwetter.“ Ich blickte die freundliche Dame an und blinzelte die Tränen weg. Ja. Ich würde wieder kommen, jedes Mal wenn der See gefroren war, würde ich meine kleine Schwester sehen können und mein Herz begann zu tanzen

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[#WritingFriday] Week 43 – Blutiger Wechsel

[#WritingFriday]

ist eine wöchentliche Schreibaktion von Elizzy.

Die Oktoberthemen:

Ich bin etwas spät – aber ich habe heute einen Kasten an einem Baum gesehen, der mich animierte diese böse Geschichte zu schreiben.

WARNUNG – es wird blutig. 


Er sah nach hinten und ihm lief ein kalter Schauer über den Rücken, denn ein beängstigendes Geräusch schälte sich aus dem dunklen Wald hervor. Wieso hatte er sich überhaupt überreden lassen dieses Mal die Wildtierkameras auszutauschen. „Die Speicherkarte ist voll. Und Lars hat es vergessen auszutauschen. Benny, bist du so lieb und kannst das für mich übernehmen. Mir sitzt die Erkältung noch so im Nacken. Das wäre soooo lieb von dir. Biiiiitte.“ Benny rollte mit den Augen, das war nicht das erste Mal, dass Lars den Wechsel angeblich, vergessen hatte. Und jedes Mal ließ er sich von Roxanne überreden sie auszutauschen. Sie blickte ihn dann immer mit ihren rehbraunen Augen an und da schmolz er einfach wie Eis in der Sonne.

Jetzt verfluchte er seine Schwärmerei. Es war wirklich gruselig. Eigentlich machte es ihm, als Wildhüter nichts aus, im Dunkeln durch den Wald zu streifen. Heute allerdings war er sehr empfindlich. Schon den Weg vom Auto zur Kamera hatte er ständig das Gefühl beobachtet und verfolgt zu werden. Er betrachtete sich die Spuren am Baum. Die Taschenlampe fing einen seltsamen Abrieb ein. Benny bückte sich und strich über die Rinde. Sie war nicht einfach nur abgerieben, wie es die Wildschweine sonst so machten. Sie war, wahrscheinlich von den Hauern, abgehauen. Wie wenn man mit einem stumpfen Beil auf den Baum eingeschlagen hätte. War das Blut? Er leuchtete genauer. Ja, das war eine rote Flüssigkeit und sie sammelte sich an der Wurzel.

Benny drehte sich um und betrachtete die Schleifspur. Unsicher folgte er ihr. Er wusste, dass dies ein Fehler sein würde, aber es war wie ein innerer Drang. Er musste dieser rot verschmierten Spur einfach folgen. Etwa zwei bis drei Meter entfernt stieß er auf den Verursacher dieser Spur. Ein Hirsch. Ein prächtiger, großer Hirsch. Sein Bauch war aufgerissen. Er ging in die Hocke und betrachtete die Wunde. Sie war nicht nur aufgerissen, sie wirkte wie aufgeschlitzt. Er dachte an Wilderer. Immer wieder trafen sie auf illegal getötetes Wild. Es gab immer so kranke Kerle, die meinten sie müssten hier einen auf Jäger machen. Oder diese kranken Tierquäler.

So ein prachtvolles Tier, sinnlos dahingeschlachtet. Er notierte sich den Fundort und schaute ob er einen Sender, oder eine Markierung finden konnte. Als er fertig mit seinen Notizen war, ging er zurück zum Baum. Er öffnete den Kasten in dem die Wildkamera sicher verstaut war, und wechselte die volle Speicherkarte aus.

Der Nebel kroch langsam aus dem Boden heraus auf ihn zu. Er fluchte. Jetzt würde es auch noch gleich eklig kalt werden. Er sollte Roxanne mal nach einem Date fragen, dass er sich nicht immer so bequatschen lassen würde. Jedenfalls nicht ohne dann dafür wenigstens mal eine kleine Belohnung zu bekommen. Er hielt inne. Da war wieder das Geräusch.  Wildschweine. Das war nichts Ungewöhnliches. Aber dieses Geräusch klang anders, als er es kannte. Eine Gänsehaut breitete sich aus. „Ich sollte mich wohl mal beeilen. Irgendwie ist mir das nicht so geheuer.“ Er schloss wieder alle Kabel an der Kamera an, verschloss den Kasten und verstaute alle seine Dinge.

Als er sich umdrehte stand eine Horde Wildschweine vor ihm. Der Eber, der am Anfang stand, hatte eine rot verschmierte Schnauze und seine Hauer waren ebenfalls rot. Benny leuchtete mit seiner Taschenlampe auf die Horde. Sie blinzelten nicht mal. Er machte einen Schritt auf sie zu um die zum Aufbruch zu animieren. Der Eber trat ihm entgegen. Benny stockte der Atem. In dem Strahl seiner Taschenlampe konnte er sehen, dass die Augen des Ebers hasserfüllt blickten. Konnte ein Tier überhaupt solche Gefühle entwickeln, dass sie ihm aus den Augen heraus schienen? Anscheinend schon. Langsam versuchte er sich zurück zu ziehen. Jeden Schritt, den Benny rückwärts machte, machte der Eber vorwärts. Im Hintergrund konnte er das Klicken der Kamera hören. Bei jeder Bewegung schoss sie ein Bild. Das würde eine Dokumentation werden, dachte er bei sich.

In diesem Moment schoss der Eber auf ihn zu. Benny versuchte zurück zu weichen, stolperte über ein Stück Totholz und fiel schmerzhaft. Er robbte auf dem Hintern von dem Eber weg, aber dieser stand ihm schon Gesicht an Gesicht gegenüber. Speichel tropfte aus seinen Lefzen. Der Speichel war rot eingefärbt. Benny konnte noch blutige Fleischreste in den Hauern hängen sehen. Jetzt wusste er, wer den Hirsch getötet hatte. Sein letzter Gedanke war: „Das wird mir doch nie jemand glauben.“ In diesem Moment spürte er einen unbeschreiblichen Schmerz, der ihn durch die Eingeweide fuhr. Er blickte an sich hinunter und sah wie der Eber seine Hauer in seinen Unterleib bohrte. Seine Schnauze drang direkt dahinter ein und wühlte sich durch seine Organe.

Und im Hintergrund dieser grausamen Szene konnte man immer wieder die Klickgeräusche der Kamera hören.

Ende

 

writing friday

[#WritingFriday] Week 42 – Halloween und das mit dem Kürbis

[#WritingFriday]

ist eine wöchentliche Schreibaktion von Elizzy.

Die Oktoberthemen:

 

Halloween und der Kürbis

Man sagt sich, und das soll ein Gerücht sein, zu Halloween sei der Übergang zwischen dem Reich der Toten und der Lebenden so dünn, dass die Toten ungehindert hindurchkommen können.

Eine alte Legende unter Bauern besagt, dass man an Halloween unter gar keinen Umständen in ein Kürbisfeld gehen sollte. Dieser Feiertag gehört den Kürbissen und seinen Bewohnern. Um hinter dieses Märchen zu kommen müssen wir weit, weit und noch weiter in der Zeitgeschichte zurückgehen. Vor der Zeitrechnung. Nun gut, vielleicht nicht ganz so weit. Aber weit.

Die Menschen waren Arm. Sie wurden vom Adel ausgepresst und unterdrückt. Die jungen Frauen mussten den Lords zur Verfügung stehen, vor allem diejenigen, die geheiratet hatten. Die Hochzeitsnächte gehörten immer ihnen. Damit dann aber kein Bastard von ihnen herum rannte und Forderungen stellen würde, war der frisch angetraute Ehemann immer gezwungen nach der Entehrung das Bett mit seiner frisch angetrauten Frau zu teilen.

Es war nur die Frage der Zeit, dass die hungernde und unzufriedene Bevölkerung sich auflehnen würde. Aber wie sollte man sich gegen ein Heer Söldner zur Wehr setzen?

Eine junge Frau, kurz vor ihrer Hochzeit, meldete sich zu Wort. Die Dorfbewohner ehrten sie und fürchteten sie. Eine Hexe solle sie sein. Aber seit sie in ihrem Dorf wohnte, gab es keine Totgeburten mehr und die Ernten fielen besser aus. Trotzdem waren sich die Dorfbewohner bewusst, man sollte besser nicht ihren Unmut auf sich ziehen. Denn dazu gäbe es auch noch einige Geschichten. Ob sie zutrafen? Wer weiß das schon.

Diese junge Frau – ihr Name wurde in den Schriften nicht übermittelt – hatte einen Vorschlag. Sie erwähnte das ertragreichste Gemüse der Saison, der Kürbis. Sie hatte vor die Geister der Allerheiligen Nacht um Hilfe zu bitten. Dazu waren die Kürbisse gedacht. Sie wies die Frauen an, die Kürbisse, nach der noch heute gültigen Tradition, zu schnitzen. Freundliche Kürbisgesichter sollten zu sehen sein.

In der Halloween Nacht zum ersten November, rief sie die Geister. Sie sperrte sie mit einem Zauber in die Kürbisse und diese wurden in die Burg gebracht. Als Geschenke. Die Kürbisse zur Dekoration und das Fleisch zu Leckereien verarbeitet. Die Lords waren beeindruckt. Natürlich ließen sie sich gerne beschenken, war es doch ein Zeichen der Gunst. Sie wähnten sich geliebt und verehrt.

Die Dorfbewohner verließen die Burg. Angeführt von der jungen Frau, bezogen sie Stellung vor den Toren. Sie selbst durften nicht in der Nähe des Festes sein. Um Mitternacht veränderten sich die Geräusche in der Festhalle. Aus Gelächter wurden Schreie, aus Gesang stöhnen. Um die Burgzinnen herum, waren gar grausige Gestalten – Schemen zu erkennen. Etwa eine oder zwei Stunden später, waren sämtliche Geräusche aus der Burg verstummt.

Die Dorfbewohner betraten den Festsaal. Er war leer. Keine Menschenseele war mehr anzutreffen. Lediglich Kampf- und Fluchtspuren und viel Blut waren zu erkennen. Noch etwas hatte sich verändert. Die freundlichen Kürbisgesichter waren zu hässlichen Fratzen geworden. Und wenn man genau hinschaute, konnte man bei dem ein oder anderen im Mundwinkel eine rötliche Verfärbung erkennen.

Die junge Frau hatte ein Tor geöffnet, dass sich jedes Jahr, an Halloween erneut öffnete. Jeder Kürbis war jetzt das Gefäß eines Geistes. Die meisten waren harmlos. Sie wollten nur gemütlich das Fest feiern. Aber immer wieder schafften es auch paar nicht so nette Gesellen, den Übergang zu passieren. Und Gott stehe euch bei, wenn euer Kürbis auserwählt wurde, einen solchen Geist aufzunehmen.

Ende

writing friday

Writing Friday 41 – Das letzte Blatt

[#WritingFriday]

ist eine wöchentliche Schreibaktion von Elizzy.

Die Oktoberthemen:

  • Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz „Er sah nach hinten und ihm lief ein kalter Schauer über den Rücken, denn…“ beginnt.
  • Casper der Geist kriegt unerwarteten Besuch, berichte davon.
  • Erzähle ein Märchen über einen Kürbis.
  • Erzähle aus der Sicht eines Vampirs an Halloween.
  • Du bist ein Baum, der gerade all seine Blätter verliert, wie fühlst du dich? 

Ich hab jetzt eine zeitlang ausgesetzt, da ich einfach ein Schreibtief hatte – ich denke da knabbere ich noch bisschen dran – aber heute hatte ich Muse und das hab ich gleich ausgenutzt. Hier mein Baum, der sich beschwert.

  • Du bist ein Baum, der gerade all seine Blätter verliert, wie fühlst du dich? 

 

Oh nein, was ist das denn? Ach verdammt es ist schon wieder so weit. „Hei Birki – wie ist das bei dir, geht es bei dir auch schon wieder los?“ „Was meinst du, Ahorni?“ „Na die Blätter. Verdammt. Da hab ich mir das ganze Jahr so viel Mühe gegeben, dass die Dinger schön grün und glänzend sind – trotz der extremen Hitze habe ich das halten können. Es hat mich so viel Mühe gekostet, das Wasser aus der tiefen Erde zu ziehen um mein Gewandt hübsch zu halten und dann kommt der vermaledeite Herbst und sie verabschieden sich. Fehlt nur noch dass sie sich lustig über mein Bemühen machen. Ach Baum“. „Komm, stell dich nicht so an – das ist doch nicht das erste Jahr in dem du das mitmachst. Wie alt bist du. Fünfzig?“ „Man fragt nicht nach dem Alter – vor allem keinen Baum.“ „Oh, ne – jetzt fängt er schon wieder an?“ Fragte die Trauerweide, etwas weiter. „Schau mich doch an – das ganze Jahr hängen mir die Äste voll Blätter – sie sind so schwer, dass ich die gar nicht anheben kann. Immer schleifen sie am Boden. Das ist echt eklig, sag ich dir. Ich bin froh, wenn ich paar Blätter weniger habe, das entlastet mich.“ „Ach du – deine Blätter sind ja auch so klein und unscheinbar. Aber schau dir doch meine an – sie sind so schön gezackt und einzigartig. Ich will nicht jedes Jahr dasselbe durchmachen. Warum können wir unsere Blätter nicht behalten? Ich vermisse sie jetzt schon. Das Geräusch, das sie machen, wenn der Wind durchfährt. Das Rauschen. Und die Nester der Vögel, die sich in meinen Blättern verstecken können. Sie können hier ihre Jungen aufziehen, ohne dass sie gesehen werden. Das bunte Treiben beim Füttern. Die vielen Insekten, die um mich herumschwirren. Jetzt wird es nur wieder trostlos und kalt. Der eisige Wind zerrt mir die Blätter von den Ästen. Das ist schmerzhaft. Aber er ist unerbittlich und zerrt und zerrt.  Das ist nicht nett.“ „Dafür wurde er auch nicht erschaffen, um nett zu sein. Das ist die Frühlingsbrise, die ist nett – sie weckt uns sanft aus dem Schlaf – aber der Herbststurm – der ist unerbittlich und hart.“ „Genau – er tut mir weh. Und meinen Blättern auch. Ich will sie behalten. Ich will nicht den Rest des Jahres so nackig herumstehen. Alle schauen durch mich durch. Und die Blicke sind so mitleiderregend, weil wir so armselig aussehen. Die nackten Äste erinnern die Menschen nur an die Kälte und sie packen den Schal gleich noch fester um ihr Gesicht. Wenn wir unsere Blätter behalten würden, würden wir sie noch bisschen mit unserem hübschen Anblick erfreuen können.“ „Ach Ahorni, du weißt schon, dass du die Blätter zum Überleben brauchst. Wenn uns der Wind die nicht von den Ästen reißen würde, damit sie an unseren Wurzeln landen, würden wir jämmerlich erfrieren. Da hättest du auch nichts vom hübsch aussehen, wenn du tot wärst, oder? „ Ahorni überlegte. Ja – die Natur hatte sich ja schon was dabei gedacht. Er seufzte tief. „Ja, aber wäre es nicht schön…“ „Halt jetzt die Klappe.“ Schnauzte die Tanne – „wenn du das ganze Jahr grün wärst, wärst du nichts Besonderes. Du würdest, wie ich gefällt werden um dann als Weihnachtsbaum in den stickig warmen Häusern zu landen. Dein Leben wäre dann sofort vorbei. Also sei froh, dass du in jedem Frühjahr, die Chance bekommst dein Kleid wieder hübsch aufzupolieren.“ „Ach Baum.“ Seufzte Ahorni „Ihr habt ja Recht, ich will ruhig sein und den Winter über mich ergehen lassen. Da kann ich mich wenigstens auf den Frühling freuen. Solange male ich mir aus, wie wundervoll ich in meiner vollen Pracht aussehen werde.“ Ein vereintes Stöhnen ging durch den Wald als das letzte Blatt den Ast verlies.

ENDE

 

writing friday

[#WritingFriday] Week 25 – Wünsch dir was.

[#WritingFriday]

ist eine wöchentliche Schreibaktion von Elizzy.

Erzähle uns von einem Wunsch, denn du aus Angst noch nie angegangen bist.

Irgendwas in den 1980ern (Die Goldbergs)

Marina liebte es  zu lesen. Ihre Mutter arbeitete eine Zeitlang arbeitete sie in einem Schreibwarenhandel, die auch Bücher verkauften. Da gab es immer mal Fehldrucke oder Mängelexemplare, die sie ihrer Tochter mitbringen durfte. Eines Tages befand sich ein Buch von Berte Bratt dabei. Meine Träume ziehen  nach Süden. Sie vertiefte sich sofort in die Welt von Senta und Sonja. Sie reiste mit ihnen nach Afrika und erlebte eine atemberaubende Tierwelt. Sie hörte die Löwen brüllen und die Elefanten tröten. Sie war verliebt. Verliebt in ein fernes Land, das sie irgendwann bereisen wollte. In dem sie leben wollte.

Sie wuchs heran und der Wunsch Afrika zu besuchen und dort mit Tieren zu arbeiten wuchs ebenfalls. Als sie mit ihrer Ausbildung fertig war, reiste sie viel. Aber nach Afrika hatte sie es nie geschafft. Einige Versuche dort zu arbeiten, scheiterten. Das digitale Zeitalter war noch fern und es gab nicht viele Möglichkeiten dort zu arbeiten. Zu dieser Zeit – etwa in ihren Zwanzigern, begann eine leichte Ängstlichkeit in ein so fernes und fremdes Land auszuwandern. Ein Studium der Biologie war noch mal ein Versuch etwas zu bewegen. Aber sie war nicht wirklich gut darin. Mit steigendem Alter steigerte sich auch etwas die Angst, das gewohnte Umfeld zu verlassen. Die Zeit war verstrichen.

Ein Partner trat ins Leben, ein Haus wurde gekauft und die Angst – Verlustangst übernahm die Führung. Je älter sie wurde umso weniger traute sie sich einen solchen Einschnitt ins Leben zu. Die Eltern wurden älter – sie wollte sie nicht alleine lassen. Ihre Partnerschaft wurde ernst und fest, das wollte sie auch nicht  mehr aufgeben. Aber ganz tief in ihrem Inneren wusste sie, das waren willkommene ausreden um die kleine Angst des neuen dahinter zu verstecken.

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[#WritingFriday] Week 24 – Gwenny´s Abenteuer

Hallo ihr Lieben.

Wir haben wieder #writing friday und ich hätte fast ausgesetzt. Ich habe gestern etwas angefangen zu tippen, aber es hat nicht so ganz gepasst, also dachte ich mir – gut Pause. Heute so kurz vor dem richtigen Wach werden ist mir dann doch noch was eingefallen. Ein bisschen Groschenroman zum Wochenende.

Ich habe heute morgen Max Rhode – Blutschule angefangen – was hat das hier zu suchen? Das Buch nichts, aber das kleine Interview am Start. Da wurde er gefragt, wie er so zu seinen Ideen kommt. Und er antwortete, dass es einfach aus dem Alltag geschieht. Er sieht vielleicht am Badestrand einen Mann liegen und schon fängt er an zu überlegen was passiert sein könnte.

Ist das nicht oft so. Man läuft, sitzt, fährt und auf einmal kommt einem eine Idee? Ich habe oft Einfälle im Dämmerzustand. Meist eigentlich vor dem Einschlafen, aber dieses mal vor dem Wach werden…Hier mein kleiner Mini-Groschenroman.


Gwenny hatte nun endlich begriffen, dass sie weg gehen musste.

Sie saß in der Taverne hinter dem Tresen und beobachtete die Gäste. Es war wie jeden Abend. Ihr üppiges Dekolleté verschaffte ihr immer gutes Trinkgeld, aber auch einige unangenehme Grabscher. Sie hasste es für ihren Onkel zu arbeiten. Es blieb ihr nur nichts übrig. Ihre Eltern waren früh an einer Grippe gestorben und ihr blieb entweder die Taverne ihres Onkels oder eines dieser Furchtbaren Kinderheime. Dort war es bei weitem schlimmer. Viele Kinder kamen dort nicht mehr lebend heraus. Also wählte sie die Taverne. Es war trocken und es gab was zu Essen. Nur – sie war jetzt eine erwachsene Frau und die Übergriffe der Männer wurden ihr mittlerweile wirklich zu heftig. Und die Blicke ihres Onkels zu schmierig. Sie befürchtete, dass er, um das Geschäft anzukurbeln, irgendwann auf die Idee kommen würde sie anzubieten. Ihre Jungfräulichkeit würde er teuer versteigern. Nein, nein – die würde sie ganz bestimmt anders verlieren.

Aber was sollte sie machen, als Frau – unverheiratet. Da sprang die Tür auf. Eine Horde Männer drang laut grölend ein. Sie erkannte sofort, dass es Seemänner waren. Auf See. Frauen würden nie auf See fahren. Eine Frau an Bord brachte Unglück. Aber – musste sie eine Frau bleiben? Sie hatte schon von einigen Frauen gehört, die als Männer durch die Gegend reisten.

Ihr üppiger Busen würde ein Problem werden. Aber sie müsste sich eigentlich nur etwas fülliger auspolstern, da würden sie, wenn sie sie eng wickelte, nicht auffallen.

Endlich schloss die Taverne und Gwenny war hundemüde. Sie stank nach Bier und fühlte sich von den vielen grabschenden Händen beschmutzt. Schnell ging sie auf ihr Zimmer um sich zu säubern. Sie war so ungeduldig. Hatte sie doch mitbekommen, dass Roro – der Pirat, in den frühen Morgenstunden wieder auslaufen wollte. Sie wusch sich und wühlte in ihrer Kleidertruhe nach Leinen, den sie in Streifen riss um sich die Brust abzubinden. Uh, das war unangenehm, aber sie würde sich dran gewöhnen. Alles war besser, als hier zu bleiben. Dann polsterte sie die Lücke unter ihrem Busen etwas auf um es wie einen Bauch aussehen zu lassen. Aus der Wäschetruhe hatte sie sich Kleidung ihres Onkels besorgt. Sie schlüpfte hinein und betrachtete sich vor dem Spiegel. Oh ja. Es sah gut aus. Aber was sollte sie mit ihren langen Haaren machen? Abschneiden? Sie schniefte etwas. Ihre Haare waren mit das schönste an ihr. Egal, sie würden auch nachwachsen. Trotzdem hatte sie noch das Problem ihres Gesichtes. Es wirkte so zart und weiblich. Schmutz. Sie musste ihr Gesicht unkenntlich machen. Seeräuber waren eh immer schmutzig. Sie ging zum Kamin und schmierte sich die Asche ins Gesicht. Schon viel besser. So sah sie wie ein dicklicher Jüngling aus. Sie packte ein kleines Bündel und kletterte in eine neue Zukunft aus dem Fenster.

In der Zwischenzeit wankte die halbe Mannschaft samt Kapitän aus dem naheliegenden Bordell. „Leute.“ Grölte Roro. „Ich liebe alle Weiber. Ob dick, hässlich, alt. Alle Frauen haben was. Sie sind einfach ein Geschenk Gottes und so sollten wir sie auch behandeln. Sie lesen uns die Wünsche ab und wenn man sie gut bezahlt, machen sie auch alles was man sich wünscht. Harharhar. Nur auf dem Schiff,  da kommt mir kein Weibsbild drauf.“ Das werden wir ja mal sehen, dachte sich Gwenny und schloss sich der Gruppe an. Sie würde einfach mit auf das Schiff gehen und sich unterschmuggeln. Wenn sie erstmal auf See waren, würden sie sie schon nicht über die Planken gehen lassen, das hoffte sie wenigstens.  So geschah es. Sie hängte sich an einen betrunkenen Piraten und er zog sie mit in die Unterkunft unter Deck. Dort suchte sie sich eine Ecke und machte es sich bequem. Eine große Herausforderung wartete auf sie. Ein raues Leben auf See mit rauen Burschen, die niemals erfahren durften, dass sie eine Frau ist, sonst würde es ihr ans Leder gehen. Vielleicht würde sie irgendwann einen Hafen ansteuern und sie würde ein neues Zuhause finden. Aber solange freute sie sich auf die Abenteuer mit der Mannschaft des Kapitän Roro.