Aus Bildern geboren, Erlebnis

Aus Bildern geboren – 2 – Schatten

Aus Bildern geboren, ist eine Schreibaktion, die unsere visuelle Kreativität anregt. Was erzählt einem ein Bild. Dieses mal ist es ein richtig schwieriges Bild und ich habe lange gebraucht. Jetzt ist beruflich eine unangenehme Situation eingetreten, da passt es wirklich gut um mich bisschen abzuregen.

Quelle

Schatten – sie verfolgen mich. Die Vergangenheit lässt mich nicht los. Wie ein dunkler Schatten, dem ich nicht entkommen kann. Ein ständiger Dorn in deren Augen, in deren Fleisch. Der Hass schwabbt  über – das Unvermögen diese Situation zu begradigen. Der Triumph – unser Triumph. War es wirklich ein Triumph? Oder haben wir uns in ein Gefängnis drängen lassen? Ja ein Gefängnis – ein seelisches Gefängnis. Ein Fass, in dem die Tropfen sich zu einem See sammeln. Jetzt – der letzte Tropfen ist gefallen. Das Fass läuft über – wie es seine Bestimmung ist. Und jetzt. Welche Konsequenzen werden die Schatten austüfteln?

Schatten auf ihren Seelen. Angekettet an die Dinge, die sie getan haben. Karma, das sie sich aufgebürdet haben und immer noch bürden. Sie werden dafür zahlen. Aber werden sie auch wissen wofür? Die Schatten, die meinen Schlaf stören, meine Gedanken vergiften. Sie schleichen sich in jede Faser meines Denkens. Mein Gehirn ist vergiftet – mein Denken vergiftet. Meine Gefühle wabern unruhig durch meinen Magen, durch mein Herz. Die Schatten lassen  mich nicht zur Ruhe kommen. Der Situation kann man  nicht ausweichen. Das Leben – unser Leben hält uns an die Schatten gefesselt. Aber nur Dienst nach Pflicht – mehr bekommen sie nicht. Im Ton vergriffen – Schatten den Stinkefinger gezeigt. Mal sehen, ob er ihn mir zurückstreckt.

Wir werden sehen, ob ich nicht doch die Schatten abstreifen kann und wieder triumphiere.

Aus Bildern geboren, Horror, Mystery

Aus Bildern geboren 1 – Die Zugfahrt ins Licht

Eine neue Schreibaktion bietet uns Myrade.  Aus Bildern geboren . Ich bin ein Mensch – eine Schreiberin, die oft visuelle Kicks brauch. Wenn ich also eine Aufgabe erhalte, schaue ich oft nach Bildern um mich zu inspirieren, deswegen passt diese Aktion richtig gut zu  mir. Eine Geschichte, Gedicht, ein Roman – alles zeitlich unbegrenzt. Die Aktion wird unregelmässig stattfinden, was den Druck etwas aus der Sache nimmt.

Hier kommt meine erste Geschichte zum ersten Bild.

Eigentlich sollte sie gruselig werden. Es ist ein perfektes Bild für gruselig – aber aus meinem Gehirn wollte nichts kommen. Also präsentiere ich euch, das was mein Gehirn wollte. Eine entspannte Zugfahrt wünsche ich euch. Steigt einfach jederzeit ein.

Foto von Pixabay


Vivien stand am Schalter, der verbeulte Koffer neben ihr. Sie schaute aus dem Fenster. Oh nein, es fing an zu schneien. „Gleis 3 um 18:24 Uhr“ Sie schaute auf die Uhr. Noch 23 Minuten. „Danke schön.“ Sie nahm die Fahrkarte, ihren alten Koffer und setzte sich in die Wartehalle.  Von dort aus konnte sie die Gleise mit ihren ein – und abfahrenden Zügen beobachten. Ein Bahnhof hatte immer etwas Einsames an sich, fand sie. Die vielen Leitungen und Metallgerüste, die Schienen über die immer mal eine Ratte huscht, wenn man genauer hinschaut. Alles wirkte immer einsam.

Die Züge die einfuhren und eine Masse Menschen ausspuckte, die hastig ihren Weg gehen wollten und die, die vom Zug verschluckt wurden. Dazu passend der graue Himmel und die nassen Schneeflocken.

Für die kurze Wartezeit lohnte es sich nicht ihr Buch aus der Tasche zu wühlen. Sie saß einfach da und ließ ihre Gedanken schweifen.

„Gleis 3 – Einfahrt Zug Richtung Nirgendwo. Bitte Vorsicht bei der Einfahrt – zurücktreten.“

Das war Viviens Zug. Sie nahm ihren Koffer und ging zum ausgerufenen Gleis. 18:23 Uhr. Der Zug war pünktlich. Dieser Zug war immer pünktlich. Sie stellte sich ans Gleis und wartete. Der Zug fuhr ein, stoppte und die Türen öffneten sich. Aber keiner stieg aus. Es stieg nie jemand aus. Vivien blickte sich um. Das Gleis war leer. Der Zug kam nur für sie. Die Stufen waren hoch. Sie zog sich hinauf und spürte eine Hand, die sie hinein zog. „Hallo Madame – wir freuen uns sie bei uns willkommen zu heißen und hoffen sie werden eine gute Fahrt haben.“ Der Schaffner lächelte sie freundlich an und öffnete die Tür zum Wagon für sie. „Danke schön.“

Sie betrat den Wagon. Er war nicht gerade gut besucht. Drei Leute waren noch drin, die schon einige Zeit sitzen mussten. Ihre Kleidung war recht altmodisch. Sie fuhren also schon lange die Strecken hoch und runter. Und nun war sie an der Reihe sich dazu zu setzen. Wie lange würde sie fahren müssen? Tage, Woche, Monate – gar Jahre. Aber sie wusste in diesem Zug war die Zeit nicht existent.

Sie würde keinen Kontakt mit den anderen Fahrenden haben. Jeder saß auf seinem Platz – ein Monitor vor ihnen zeigte Bilder, die nur sie sehen konnten. Auch Vivien würde gleich vor solch einem Monitor Platz nehmen. Was würde er ihr dieses Mal zeigen. Wie weit war sie vorangekommen? Was hatte sie für Fehler begangen und wie hoch würde die Strafe dafür sein?

„Strafe? Vivien, du weißt doch, das hier ist keine Strafe – es ist ein Weg nach oben. Zur Vollkommenheit. Und jede Fahrt mit diesem Zug kann dich voran bringen. Du sitzt im richtigen Wagon. Dort hinten, der Wagon – wenn du jemals dort hinein gezogen wirst, dann kannst du dir Gedanken machen. Da sitzen die gefallenen, uneinsichtigen nicht belehrbaren. Aber hier – hier ist die Hoffnung. Dein nächster Halt wird dir einen weiteren Weg zum Licht bringen.“

Sie hörte die Stimme in ihrem Kopf. Sie kannte sie. Oft hatte sie sie schon vernommen und oft würde sie sie noch hören. So oft bis sie all ihre Schuld abgetragen hatte in den kommenden Leben, die sie noch erwarten würde. Eine lange Fahrt würde sie jetzt erwarten, bis ein Mensch geboren werden würde, dessen Seele sie beinhalten würde. Und eine weitere Chance recht zu leben würde sich eröffnen. Sie lächelte und verstaute ihren Koffer im Gepäcknetz über ihr. Beruhigt setzte sie sich auf ihren Platz und ließ ihr Leben vor sich ablaufen. Sie würde erneut leben und erneut ihre Liebe treffen. Sie waren Seelenverwandt. Darauf würde sie sich konzentrieren und sanft schloss sie die Augen um etwas Ruhe zu bekommen. Sie hatte Zeit. Viel Zeit.

Ende