writing friday

[#WritingFriday] – Post aus der Vergangenheit

 

Der Alltag hat mich wieder und bremst auch meine Kreativität. Aber ich habe doch noch eine kleine Geschichte für den #writing friday schreiben können.

Heute bekommen wir eine Karte aus der Vergangenheit.

  • Du bist eine zu spät ankommende Weihnachtskarte – berichte über deine Empörung!

„Ach was haben wir denn hier? Schau mal Maria – eine Karte.“ „Na, das wundert mich jetzt nicht – wir haben schliesslich ein altes Posthaus gekauft. Und ich liebe es. Es ist so urig. Da werden wir noch so einige Karten finden können.“

Eine raue Hand griff nach mir. Autsch – ich war schon sehr steif. Wie lange lag ich denn hier schon? Welches Jahr schrieben wir? Ich wusste es nicht. Ich konnte nur sagen – es war eine sehr lange Zeit sehr dunkel und muffig hier um mich herum. Ich erinnerte mich: eine junge Frau an ihrem Sekretär, sie hatte einen ganzen Stapel Karten neben sich liegen. Sie drehte uns hin und her und legte die eine oder andere wieder weg. Dann griff sie nach mir. Sie schaute mich lange an. Strich über meine Oberfläche und nickte. „Ja, du bist genau die richtige Karte für meinen Liebsten. Er ist so weit weg von mir. Soviel Monate sind wir schon getrennt. Ich hoffe, dass er im neuen Jahr endlich zurück kommt. Er wird sich über dich freuen. Du bist wirklich eine hübsche Karte.“ Ich war wirklich eine hübsche Karte.  Mich zierte eine Szene einer Familie. Sie sassen vor einem wunderschön geschmückten Weihnachtsbaum. Die Kinder waren in hübschen Kleidchen gekleidet und hatten Instrumente in der Hand. Die Mutter sass am Klavier und alle sahen so glücklich aus. Im Hintergrund war alles schön weihnachtlich geschmückt. Eine wahre Idylle.

„Zeig mal.“ Maria nahm Josef die Karte aus der Hand. „Oh, die ist wirklich schön. So richtig nostalgisch.“ Sie drehte mich hin und her. „Schau mal, der Stempel 1958.“ „Ach – das ist ja siebzig Jahre her. Lies mal vor.“ „Mein Liebster, so lange sind wir schon voneinander getrennt. Du fehlst mir und ich freue mich so sehr dich im nächsten Jahr wieder in meine Arme schliessen zu können. Unsere Verlobungszeit ist nun lange genug. Komm nach Hause. Ich möchte endlich deine Frau werden und wie in der Front dieser Karte eine tolle Familie mit dir Gründen. Ich liebe und vermisse dich. Deine Valerie“  Maria blickte Josef an. „Oh – meinst du er ist nach Hause gekommen und sie haben geheiratet?“ „Bestimmt. Weißt du was – ich packe die Karte in einen Umschlag und wir schicken sie einfach an die angegebene Adresse. Vielleicht meldet sich ja jemand.“ „Das ist eine schöne Idee. Eine stark verspätete Weihnachtskarte.“

Siebzig Jahre. Wie konnte das denn passieren, wie konnte denn siebzig Jahre an mir vorüber gehen? Was ist denn mit den Postmenschen los. Ist das nicht einfach unerhört. Was, wenn das Paar nicht geheiratet hat, weil ich nie ankam? Oh weh, welch Desaster. Also ich würde mich gerne mal beim Postminister beschweren. Verdammt. Oh entschuldigt, man flucht nicht als Weihnachtskarte. Ach, das ist so eine Tragödie.

Drei Tage später werde ich erneut aufgenommen. Eine sanfte aber schon sehr alte Hand greift nach mir. Ich höre ein Aufstöhnen und ein Schluchzen. „Ach Valerie. Meine liebste Valerie, wie sehr du mir doch fehlst. Diese Erinnerung aus vergangenen Tagen – mein Herz lacht und weint. Du liebe Weihnachtskarte. Du bist mir das liebste, das mir seit langem geschehen ist. Ich habe sie geheiratet und wir hatten soviel schöne Jahre zusammen. Komm mit hinein. Du bekommst einen ganz besonderen Platz“

Uff – das ist ja fast noch mal gut gegangen. Wenigstens werde ich noch freudig angenommen.

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Projekt TXT*

Das sechste Wort | 2018 – Selten

Ein Vorfall auf der Arbeit erschütterte mich. Nein, eigentlich nicht – es machte mich eher traurig, wie dunkel mancher Menschen Seele doch ist. Hier mein Aufarbeiten zu dem sechsten Wort von Projekt.TXT

 

Es war einmal….fangen nicht gerne Märchen damit an? Und enden sie nicht für gewöhnlich …und wenn sie nicht gestorben sind…?

Es war einmal.

Eine junge Maid, mit viel Energie startete sie regelmäßig ihren Tag. Behütet war sie aufgewachsen. Selten machte sie ärger. Ihre Eltern waren stolz auf sie und erhofften sich viel. War sie doch schlau und ehrgeizig. Ein braves und hübsches Mädchen. Sie war immer sehr schüchtern und zurückhaltend. Aber als sie in die Blüte kam, wurden auch die jungen Männer auf sie aufmerksam.

Trotzdem war sie immer besonnen. Natürlich hatte sie auch viele tränenreiche Nächte, weil wieder mal ihr kleines Herzchen einen Riss bekam. Aber gebrochen war es nie – dafür war sie zu realistisch. Sie ging ihren Weg und wusste früh, was sie wollte und was nicht. Selten hat sie sich ablenken lassen. Gefühle waren gestattet, durften sie aber nicht hindern. Je älter sie wurde umso gefestigter wurde sie in ihrem Dasein.

Sie hatte großes vor. Aber irgendwo auf dem Weg zu dem großen Abenteuer verlor sie sich. Sie übernahm sich. Der Druck wurde zu groß und sie kam zu der Gewissheit, dass sie zwar schlau, aber nicht schlau genug war, für den eingeschlagenen Weg.

Aber, war sie auf ihrem Weg doch immer erfolgreich. Ihre Arbeit, in der war sie gut und nicht lange, da wurde sie gefördert. Sie war beliebt. Ein netter Mann trat in ihr Leben, der sie nahm wie sie sich anbot. Sie hatten Vorstellungen und er keine Hindernisse. Die Allianz wurde beschlossen. Sie hatten kein leichtes, aber ein gutes Leben.

Dann kam ein dunkler Fürst. Er brachte ihre Welt und Ziele zum Einsturz. Falsches Zeugnis legte er ab und brachte das glückliche Paar zu Fall. Sie erhoben sich, kämpften und siegten. Aber die Gilde, der der dunkel Fürst angehörte war mächtig. Das Paar durfte dort weiter arbeiten, aber nur noch niedere und schwere Tätigkeiten ausführen. Selten gab es noch gute Tage. Schulden drückten, schmerzen plagten und die Menschen mit denen sie sich umgeben mussten, waren Falsch.

Sie wussten es, mussten sich aber mit ihnen umgeben. Sie brauchten Essen und ein Dach über dem Kopf – ihnen blieb nicht viel anderes übrig.

Sie überlebten, sie lebten. Die Tage wurden qualvoll aber ihre Liebe war ein Strahl, dem sie immer folgten. Sie würden das überstehen.

Die Frau arbeitete mit anderen Frauen. Man weiß, dass Frauen nicht miteinander können. Es gibt immer Falschheit und Neid. Die Frau war genügsam. Sie tat, was ihr aufgetragen wurde. Selten wehrte sie sich.

Manchmal vergaß sie die Falschheit derer, die sie umgaben. Sie wurde dorthin und dahin geschickt um die schweren Tätigkeiten zu leisten. Während die jungen Frauen und Männer die erst neu in der Gilde erschienen, mit leichten Tätigkeiten belohnt wurden, für Leistungen, die sie niemals tätigen würden. Ihr Kreuz wurde ihr lahm. Ihre Füße wollten sie nicht mehr tragen. Und die Falschheit umschlang sie, zog sie in die Tiefe. Ein Schätzchen hier und ein Schätzchen dort – sobald sie sich umgedreht hatte, zeigten sie die Fratzen. Die Monster, die in ihnen steckten, blickten hinter der Fassade hervor. Selten, aber intensiv bemerkte die Frau dies.

Der Mann und die Frau dachten viel nach und erkannten das Muster. Die Frau hatte erkannt, dass ihre Gildenführerin sie verraten und verkauft hatte. Ihr aber immer wieder versicherte, dass das Oberhaupt der Gilde dafür verantwortlich sei. Wie oft? Fragten sich die Frau und der Mann. Wie oft hat diese Führerin falsches Zeugnis abgelegt und die Schuld ihrer Taten den anderen zugeschoben.

Nicht selten – das Böse Blut, das sie vergossen hat, zog sich zäh und dunkel durch das Denken und Fühlen der Frau. Es kam in Wallung, mit der Erkenntnis, dass sie niemanden außer ihren Mann, hatte, dem sie trauen konnte. Und was eine Last war, wurde zu einer Leichtigkeit. Endlich erkannte sie, das falsche Antlitz der Führerin. Und sie schwor sich, dass sie nur noch selten den Kontakt zu der Gildenführerin suchen durfte. Noch musste sie den Schein wahren. Noch war die Rebellion nicht ausgereift. Aber im Kessel schmorte es schon. Es würde überquellen und die Gildenführer würden endlich zur Rechenschaft gezogen werden. Solange würden die Frau und der Mann in einander Kraft finden. Und wenn sie nicht gestorben sind – würden sie irgendwann endlich in Freiheit und Liebe leben können.

Ende

 

writing friday

Writing Friday 41 – Das letzte Blatt

[#WritingFriday]

ist eine wöchentliche Schreibaktion von Elizzy.

Die Oktoberthemen:

  • Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz „Er sah nach hinten und ihm lief ein kalter Schauer über den Rücken, denn…“ beginnt.
  • Casper der Geist kriegt unerwarteten Besuch, berichte davon.
  • Erzähle ein Märchen über einen Kürbis.
  • Erzähle aus der Sicht eines Vampirs an Halloween.
  • Du bist ein Baum, der gerade all seine Blätter verliert, wie fühlst du dich? 

Ich hab jetzt eine zeitlang ausgesetzt, da ich einfach ein Schreibtief hatte – ich denke da knabbere ich noch bisschen dran – aber heute hatte ich Muse und das hab ich gleich ausgenutzt. Hier mein Baum, der sich beschwert.

  • Du bist ein Baum, der gerade all seine Blätter verliert, wie fühlst du dich? 

 

Oh nein, was ist das denn? Ach verdammt es ist schon wieder so weit. „Hei Birki – wie ist das bei dir, geht es bei dir auch schon wieder los?“ „Was meinst du, Ahorni?“ „Na die Blätter. Verdammt. Da hab ich mir das ganze Jahr so viel Mühe gegeben, dass die Dinger schön grün und glänzend sind – trotz der extremen Hitze habe ich das halten können. Es hat mich so viel Mühe gekostet, das Wasser aus der tiefen Erde zu ziehen um mein Gewandt hübsch zu halten und dann kommt der vermaledeite Herbst und sie verabschieden sich. Fehlt nur noch dass sie sich lustig über mein Bemühen machen. Ach Baum“. „Komm, stell dich nicht so an – das ist doch nicht das erste Jahr in dem du das mitmachst. Wie alt bist du. Fünfzig?“ „Man fragt nicht nach dem Alter – vor allem keinen Baum.“ „Oh, ne – jetzt fängt er schon wieder an?“ Fragte die Trauerweide, etwas weiter. „Schau mich doch an – das ganze Jahr hängen mir die Äste voll Blätter – sie sind so schwer, dass ich die gar nicht anheben kann. Immer schleifen sie am Boden. Das ist echt eklig, sag ich dir. Ich bin froh, wenn ich paar Blätter weniger habe, das entlastet mich.“ „Ach du – deine Blätter sind ja auch so klein und unscheinbar. Aber schau dir doch meine an – sie sind so schön gezackt und einzigartig. Ich will nicht jedes Jahr dasselbe durchmachen. Warum können wir unsere Blätter nicht behalten? Ich vermisse sie jetzt schon. Das Geräusch, das sie machen, wenn der Wind durchfährt. Das Rauschen. Und die Nester der Vögel, die sich in meinen Blättern verstecken können. Sie können hier ihre Jungen aufziehen, ohne dass sie gesehen werden. Das bunte Treiben beim Füttern. Die vielen Insekten, die um mich herumschwirren. Jetzt wird es nur wieder trostlos und kalt. Der eisige Wind zerrt mir die Blätter von den Ästen. Das ist schmerzhaft. Aber er ist unerbittlich und zerrt und zerrt.  Das ist nicht nett.“ „Dafür wurde er auch nicht erschaffen, um nett zu sein. Das ist die Frühlingsbrise, die ist nett – sie weckt uns sanft aus dem Schlaf – aber der Herbststurm – der ist unerbittlich und hart.“ „Genau – er tut mir weh. Und meinen Blättern auch. Ich will sie behalten. Ich will nicht den Rest des Jahres so nackig herumstehen. Alle schauen durch mich durch. Und die Blicke sind so mitleiderregend, weil wir so armselig aussehen. Die nackten Äste erinnern die Menschen nur an die Kälte und sie packen den Schal gleich noch fester um ihr Gesicht. Wenn wir unsere Blätter behalten würden, würden wir sie noch bisschen mit unserem hübschen Anblick erfreuen können.“ „Ach Ahorni, du weißt schon, dass du die Blätter zum Überleben brauchst. Wenn uns der Wind die nicht von den Ästen reißen würde, damit sie an unseren Wurzeln landen, würden wir jämmerlich erfrieren. Da hättest du auch nichts vom hübsch aussehen, wenn du tot wärst, oder? „ Ahorni überlegte. Ja – die Natur hatte sich ja schon was dabei gedacht. Er seufzte tief. „Ja, aber wäre es nicht schön…“ „Halt jetzt die Klappe.“ Schnauzte die Tanne – „wenn du das ganze Jahr grün wärst, wärst du nichts Besonderes. Du würdest, wie ich gefällt werden um dann als Weihnachtsbaum in den stickig warmen Häusern zu landen. Dein Leben wäre dann sofort vorbei. Also sei froh, dass du in jedem Frühjahr, die Chance bekommst dein Kleid wieder hübsch aufzupolieren.“ „Ach Baum.“ Seufzte Ahorni „Ihr habt ja Recht, ich will ruhig sein und den Winter über mich ergehen lassen. Da kann ich mich wenigstens auf den Frühling freuen. Solange male ich mir aus, wie wundervoll ich in meiner vollen Pracht aussehen werde.“ Ein vereintes Stöhnen ging durch den Wald als das letzte Blatt den Ast verlies.

ENDE