Schreibkicks

Schreibkicks – Im Spiegel lauert die Gefahr

Wieder haben wir den 1. und es Schreibkickzeit. Wir besuchen die besondere WG, die ich dank euch gerne beschreiben.

Das Thema für den 1 war dieses Mal – Im Spiegel

Mit dabei waren diesen Monat:

Letztes Mal hat Lissi von ihren Freunden ein besonderes Geschenk bekommen. Sie haben eine Tür geöffnet, durch die Lissi die Welt und die Zeiten bei Nacht durchreisen kann. Dabei geholfen bekommt sie von Littlerock. Ihr Einhorn-Kuschel-Hausschuh. Sie besucht das Jahr 1969 um den Anfang ihres Hauses zu sehen.

Da Lissi dieses Mal von ihren Freunden getrennt ist, wird es etwas dramatischer und auch ein bisschen gruselig.


Oh wow…ich flog mit Littlerock durch die dunkle Welt und er brachte mich zu meinem Haus in 1969. Das musste ungefähr die Zeit gewesen sein, in der Ernestine dieses Haus erstanden hatte und auch nach und nach einrichtete. „So Lissi. Hier kannst du jetzt bleiben solange du willst. Denke dran – das ist die Vergangenheit. Die Dinge sind schon geschehen. Du kannst nicht eingreifen und irgendwas ändern. Du brauchst dir also keine Gedanken um einen Schmetterlingseffekt zu machen. Du kannst nur beobachten. Alles klar?“ Mir war noch bisschen schwindelig, da dieser Zeitsprung schon etwas ungewohnt war. Vergleichbar mit einer Achterbahn im Dunkeln. Abgefahren. „Ah, ja. Da bin ich schon etwas erleichtert. Wer weiß was mich sonst zu Hause erwarten würde. Das Chaos, das jetzt herrscht, reicht mir schon, wer weiß was sonst passieren würde. Beobachten reicht mir schon und vielleicht bisschen lernen.“ „Gut, dann ziehe ich mich mal an deinen Fuß zurück. Wenn du zurück willst, oder wo anders hin musst du nur dran denken.“ Ich nickte und etwas kitzelte mich. Als ich auf meine Füße schaute, waren beide Einhorn-Plüsch-Hausschuhe wieder an ihrem rechtmäßigen Platz. Ich betrachtete das Haus. Es war dunkel, aber ich konnte ganz gut sehen. Ein Rumpeln erklang und ich konnte erkennen, wie ein alter LKW sich die Straße, oder was aussah wie eine zukünftige Straße, zum Haus hochquälte. Im Führerhaus saß eine Frau. Sie war so in den Dreißigern-Vierzigern. Schwer zu schätzen. Ich wusste ja auch gar nicht wie alt Ernestine geworden war.

Ich schaute mich um. Das Haus war in einem schlimmen Zustand, da sah es ja heute noch richtig gut aus. Das Dach war teilweise eingestürzt, die Fenster entweder eingeschmissen, oder stumpf. Die Fassade, da hatte sich nichts geändert, die war immer noch so trist-grau. Der Baumbestand, den würde ich identisch schätzen. Natürlich ohne unseren tollen hauseigenen Weihnachtsbaum, der kam ja erst dieses Weihnachten dazu. Ein alter Reifen, der als Schaukel diente hing an dem Baum direkt vor dem Haus. Also musste es mal Kinder gegeben haben. Der Reifen war heute nicht mehr da. Er bewegte sich. Wild schaukelte er hin und her. Aber es ging kein Wind. Ein Geist! Noch ein Geist? Ich konnte ein Schemen erkennen, aber er zeigte sich nicht deutlich.

Der LKW hielt vor dem Haus, die Frau sprang heraus und ging nach hinten. Sie ließ die Laderampe herunter und aus dem dunklen inneren sprang ein großes Etwas. Frank – oh Frank. Ich wollte zu ihm und ihn begrüßen, als mir einfiel, dass ich ja nur stiller Beobachter war. Leicht enttäuscht beobachtete ich, wie es weiter ging.

„Frank mein lieber, du wirst wohl die meiste Arbeit haben. Die Dinge aus dem LKW müssen erst mal ins Haus, kümmerst du dich drum? Aber bitte, sei vorsichtig. Da sind wirklich wichtige Dinge drin und die dürfen nicht kaputt gehen. Okay?“ „Okay!“ nickte er.

Ernestine ging die Treppe zum Eingang hoch und steckte den Schlüssel, den ich auch heute noch benutzte ins Schloss. Die Tür klemmte. Sie stemmte sich dagegen. Aber nichts tat sich. Frank kam zu ihr und drückte vorsichtig gegen die Tür. Mit einem tiefen Seufzer öffnete sie sich und ein Schwall kalter, muffiger Luft entwich dem Eingang. In diesem Moment hatte der Reifen aufgehört zu schaukeln. Aber es achtete keiner drauf.

Ich hatte mich neben Ernestine gestellt und wir gingen nebeneinander her. Die Eingangshalle war ein wahres Chaos. Durch die kaputten Scheiben war allerlei Blattwerk und Äste hineingeweht worden. Ebenso lagen einige Tierskelette herum. Die Bodenfliessen waren fast schwarz vom Jahre alten Staub und sonstigen Verwitterungen. Ich schlug die Hände vor den Mund. Ach du gute Güte. Wie hatte Ernestine das alles erledigt?

Ernestine trat mit mir wieder an die Luft. „Oh Frank, das wird eine Heidenarbeit werden. Aber ich weiß schon, dass hier bald Unterstützung eintreffen wird. Das wird wunderbar werden. Ich freu mich schon so.“ „Mpf.“ Kam es aus dem LKW. Danach rumpelte eine Kiste heraus. „Frank, pass doch auf. Da sind zerbrechliche Dinge drin.“ „Tschuldige.“ Ernestine zuckte mit den Schultern und lachte. „Schon gut.“

Ich schaute nach oben, da ich eine Bewegung wahrgenommen hatte. Da flog etwas verdammt schnell und akrobatisch über uns weg. „Ah – unsere Unterstützung kommt.“  Ich blickte immer noch nach oben und nahm eine Bewegung am oberen Fenster wahr. Da wo heute mein Zimmer lag. Irgendwas war in dem Haus. Dann wurde ich aber auch schon abgelenkt. Ein starker Windhauch erwischte mich. Oder sagen wir, ich fühlte es in der Erinnerung. Eigentlich spürte ich gar nichts. Trotzdem erschrak ich. Ein kleiner Wirbel landete auf der Eingangsstufe. „Minerva. Meine liebste Freundin. Schön, dass du uns unterstützen willst bei unserem Unterschlupf.“ „Aber nur weil du meine Freundin bist und wir schon so viel erlebt haben. Und, na ja ich brauche auch ein neues Zuhause. Also nicht so uneigennützig.“ Ein tiefes Lachen erklang. Eines das ich schon so gut kannte. Aber nur selten in dessen Genuss kam.

Wieder gingen wir drei hinein. Minerva blickte sich um. „Ist noch jemand bei uns?“ „Nein, nur Frank, bis jetzt.“ „Hm.“ Meinte sie misstrauisch.  Sie schüttelte sich und ging weiter. „Oh wei. Da hast du dir ja eine Bruchbude ans Bein gebunden.“ „Ich hoffte, du wirst das ändern.“ „Das dachte ich mir schon. Nun gut, ich werde aber schon ein bisschen Zeit brauchen. Das ist ganz schön herunter gekommen.“ „Du hast alle Zeit der Welt.“  Die beiden Frauen gingen weiter. Hinter Minerva bemerkte ich schon, dass sich die Bodenfliessen veränderten. Sie erlangten nach und nach ihren heutigen Zustand. Auch die Fenster setzten sich wieder zusammen. Die Sonne schien gerade herein und hinterließ das schöne Muster, das ich so liebte. Das Fenster über der Eingangstür war in einem Mosaik gestaltet. Wenn man es genauer betrachtete konnte es ein Schwanz von einem Pfau sein. Es warf einfach tolle Farben ins Innere.

Ich drehte mich schnell um, da ich schon wieder einen Schatten wahrgenommen hatte. Kaum hatte ich ihn gesehen, zerbarst das Fenster. Ich duckte mich um nicht geschnitten zu werden. Ein Reflex – ich war ja hier unverletzlich. Die Tür schlug zu. Was war das nur? Und dann sah ich es. Nein sie. Amelia. Sie war schon vor allen anderen da? War das ihr Haus? Und warum war sie so wütend?

Ich hatte wohl ein Gespräch mit ihr zu suchen. Da kam Frank in die Aula. Er hatte eine flache, mannshohe Kiste bei sich. Minerva und Ernestine kamen zurück und blickten sich um. „Was ist denn hier passiert? Frank?“ „Nicht ich. Ich draußen.“ Minerva blickte sich um. „Ich glaube wir sind nicht alleine. Ein kleines Problem, darum kümmern wir uns später. Was ist das? Ist es das, was ich befürchte? Wieso hast du es mitgenommen. Wir hätten es zerstören sollen.“ „Ich weiß, aber sie ist doch auch nur eine gequälte Seele. Vielleicht kann irgendwann ihr jemand helfen. Wenn sie drinnen bleibt, kann man sich ganz gut mit ihr unterhalten. Nur wenn irgendein doofer Teenie mal wieder meint sie rufen zu müssen, dann wird sie bisschen, na sagen wir gefährlich?“ „Ein bisschen. Na ich weiß ja nicht. Das ist etwas untertrieben.“

Wovon redeten die beiden nur? Ich folgte Frank auf den Dachboden. Er stellte die Kiste in die hinterste Ecke, in der ich noch nicht war. Es war sehr voll gestellt und schmutzig und dunkel dort. „Frank, stell bitte noch was davor. Man soll es nicht gleich sehen. Ich  muss mir überlegen was wir mit ihr machen. Solange sollte sie erst mal hier bleiben. Ich hoffe, die Schutzmechanismen halten sie dort fest.“ „Sie wird gefunden werden. Du weißt von wem?“ „Ja, wie soll ich sie nur darauf vorbereiten? Minerva?“ „Guck mich nicht an. Das ist deine Aufgabe.“ „Ich werde dann nicht mehr da sein. Ich kann sie nicht schützen. Das müsst ihr dann übernehmen.“ „Ach verdammt. Ich wusste, dass da ein Haken sein würde, wenn ich hier einziehen würde. Du bist hinterlistig.“ „So kannst du das nicht sagen. Nennen wir es, vorbereitet.“ Lachte meine Tante. Ich hätte sie gemocht. Sie war locker und sympathisch. Von wem sprachen sie? Von mir? Was war nur in der Kiste?

Ich hatte genug gesehen. Ich glaube ich sollte langsam wieder nach Hause. Ich könnte ja jederzeit wieder kommen.

Ich dachte an meinen Hausschuh und schon erschien Littlerock vor mir. „Na schon fertig?“ „Ja, ich werde langsam müde und will wieder nach Hause. Es war ein toller Tag, äh tolle Nacht. Aber ich habe noch was zu überprüfen.“ „Gut halte dich fest.“

Minerva und Ernestine standen in der Halle. „Was meinst du, wird sie nach der Kiste suchen?“ „Glaub mir Ernestine, sie wird. Vielleicht ist sie die Richtige der Kleinen zu helfen. Ich werde auf jeden Fall da sein und mein Bestes geben.“ Ernestine klopfte Minerva zuversichtlich auf die Schulter. „Ich weiß meine Liebe, ich weiß.“

**

„Wo bleibt sie denn so lange? „Maulte Amelia. „Will sie denn gar nicht mehr zu uns zurückkommen.“ „Ich würde nicht mehr kommen.“ Brummte Dracula. „Ihr seid so anstrengend, da würde ich lieber unterwegs bleiben.“ Amelia fuhr durch ihn durch. „Hei, lass das. Du bist ja noch kälter als ich.“ „Dann ärgere mich nicht. Sie soll gefälligst wieder kommen. Das sollte doch nur ein kleines Geschenk sein, das sie ab und zu mal entspannen kann. Aber sie muss wieder kommen. Sie muss.“ Amelia stampfte mit ihrem Fuß auf und verschwand im Boden. Kurz darauf tauchte sie dort wieder auf. „Mist, noch nicht mal stampfen kann ich ohne im Boden zu verschwinden. Ihr habt es so gut mit echten Körpern.“

„Du nervst.“ Meinte Richard. „Sie kommt bestimmt wieder. Wir sollten einfach mal nach unten gehen. Ich bekomme Hunger. Frank. Haben wir noch einen kleinen Snack?“ „Ja. „Brummte er. Da hatte sich nichts geändert. Er war heute genauso sprachgewandt und gesprächig wie vor fünfzig Jahren. „Gut, ich hab auch langsam Hunger.“ Meinte Dracula. „Vielleicht gibt es noch ein bisschen Blutpudding für mich.“ „Igitt. Du bist eklig.“ „Was, wieso denn. Ich bin ein Vampir, das ist unsere Nahrung. Sei froh, dass ich Renfield nicht mitgebracht habe. Dann hätten wir wenigstens keine Spinnen und Käfer mehr hier, der hätte sie alle gegessen.“  Amüsiert betrachtete Dracula wie Amelia würgte. „Es reicht – da vergeht einem ja der Appetit.“ Minerva blickte zweifelnd zu Richard. „Das würde dir ganz gut tun. Da zeichnet sich ein kleines Bäuchlein unter deinem Shirt ab. So bisschen Appetitlosigkeit wäre da nicht schlecht.“ „Das sind nur Blähungen.“ „Ja klar.“ Frank stimmte brummend in Minervas Gelächter ein. „Und die kleinen Leckereinen, die Frank backt verschwinden von alleine Nachts. Haben wir vielleicht ja noch einen Bewohner, der sich darüber hermacht. Bestimmt das Orakel.“ Alle lachten und Richard schnaufte empört. „Ihr werdet schon sehen. Das ist kein Bauchansatz.“ Langsam begab sich die Truppe nach unten. Frank setzte einen Topf mit Milch auf und holte die Snacks aus dem Schrank. Dracula verfeinerte seine heiße Schokolade mit einem gehörigen Schuss Blut und löffelte genüsslich seinen roten Pudding. Amelia umkreiste alle und schnüffelte an den leckeren Sachen. Manchmal fuhr sie ihre Zunge aus und leckte dran. „Ahhh.“ „Lass das, das ist eklig.“ „Was denn, ich kann es doch gar nicht berühren, aber es schmeckt so lecker.“ „Wie kannst du was schmecken?“ „Ich kann nichts schmecken, aber ich erinnere mich…hmmmm.“

Ein Plumpsen vom Dachboden ließ die Gruppe verstummen. So schnell, dass man es nicht wahrnahm, verschwand Amelia durch die Decke. „Sie ist wieder da.“ Rief sie immer leiser werdend. Schnell standen die anderen auf und folgten ihr über die Treppe.

Ich stand auf dem Dachboden und Amelia wirbelte um mich herum. „Da bist du ja, da bist du ja wieder. Ich dachte du kommst nicht wieder. Wo warst du?“ „Langsam. Mir wird ja ganz schwindelig.“ Sagte ich und blickte in die Ecke, in der die flache Kiste stand. Hinter den anderen Kisten konnte ich die Ecke erkennen. Die anderen erschienen und ich antwortete. „1969 hier.“ „Uh.“ „Du bleibst schön hier. Ich weiß, dass du hier schon gelebt hast. Ich hab dich gesehen.“ Ich glaube, sie wurde rot. „Darüber will ich bei Gelegenheit mehr erfahren. „Ist nicht so aufregend.“ „Das kann ich ja dann noch entscheiden.“ Aber jetzt will ich erst mal ein kleines Geheimnis meiner Tante lüften. Frank!“ „Hm?“ „Sei doch so lieb und schaff die Kisten, die du damals vor die Flache, dahinten gepackt hast, bei Seite. Ich will doch mal sehen was dahinten drin ist.“ Er schüttelte verneinend den Kopf. „Nö. Soll gefährlich sein.“ „Quatsch.“ „Nö.“ Richard blickt mich fragend an. „Was soll denn da sein?“ „Das weiß ich ja noch nicht. Aber sie haben ein riesiges Geheimnis gemacht. Minerva?“ Minerva drückte sich an den anderen vorbei. „Schätzchen. Willst du das wirklich?“ „Ja, auf jeden Fall.“ „Gut, ich wusste es. Aber höre die Warnung. Sobald der Schutz der Kiste weg ist, wird sie gefährlich, wenn sie jemand anruft. Die letzten fünfzig Jahre war sie nur eine Legende, da sie nicht mehr auftauchte, aber wenn du den Schutz entfernst und kannst ihr nicht helfen, ist sie gefährlich.“ „Wer denn? Wer ist so gefährlich, dass ihr sie hier mitgebracht habt?“ „Mary“. „Mary? Welche Mary?“ „Bloody Mary.“ Mir fiel die Kinnlade herunter. „Die Bloody Mary im Spiegel?“ „Genau die.“ „Verdammt.“ Ein Raunen ging durch die Gruppe. Alle flüsterten vorsichtig ihren Namen. „Bloody Mary.“  Richard meinte dann: „Lass bloß den Schutz dran. Spinnst du, die Kiste öffnen zu wollen?“ Minerva hob ihre Hand. „Es wird nicht anders gehen. Es scheint Lissis Aufgabe zu sein Mary zu helfen.“ Dracula meldete sich. „Bei was helfen?“ „Eine Legende zu bleiben.“

Morphi hatte sich von der Gruppe gelöst und schlurfte langsam in die Richtung der Kiste. Er zog Frank mit sich. „Räum es weg.“ Meinte er und es hörte sich an wie „Räu ee weeg“ Diese Mullbinden. Ich hielt mich zurück – Morphi redete so selten, da musste man ihn einfach mal aufbauen. „Ja, Frank räum es weg. Morphi hat recht.“ Frank blickte zu Minerva. Sie nickte und er verschob die Kisten. Dann standen wir alle vor der unheimlichen Kiste. Richard hatte ein Stemmeisen aufgetrieben und fing schon an die Nägel zu lösen.

Amelia stand vor mir und zitterte leicht. „Bist du dir sicher, dass wir sie im Haus haben wollen. Können wir den Spiegel nicht einfach zerschlagen?“ Minerva antwortete. „Oh nein. Das geht nicht. Im Spiegel ist sie gefangen. Sie kann ihn nur verlassen wenn sie angerufen wird. Also achtet drauf nicht fünf Mal hinter einander ihren Namen zu nennen. Das könnte nicht gut ausgehen für euch.“ „Na toll. Ich bin ja schon tot. Mir kann es ja egal sein, oder?“ „Hm, wer weiß.“ Meinte Minerva, geheimnisvoll. Das war ihre kleine Rache, da Amelia und sie immer mal wieder aneinander gerieten.

Der letzte Nagel fiel. Wir hielten alle die Luft an. Frank hob den Deckel ab. Ein wunder schöner Rahmen erschien. Wunderschöne Verzierungen umgaben das Innere.  Ich trat näher. Richard hielt mich zurück. „Vorsicht.“ Ich nickte. Oben war der Spiegel mit einer Obstschale verziert, die von zwei Löwen gehalten wurden. Die Seiten waren schmucklos und unten waren Efeupflanzen verrankt. Aber der eigentliche Blickfang befand sich im Spiegel.

Eine junge Frau blickte mir entgegen. Sie war farblos. Wirklich farblos. Also Schwarz-Weiß. Und sie blickte mich mit dunklen hasserfüllten Augen an. Ihr Mund war zu einem Schrei verzogen. Ich wollte mir die Hände auf die Ohren drücken. Aber es war nichts zu hören. Ich schaute sie mir an. „Hallo. Mary? Ich bin Lissi.“ Ihre Gesichtszüge entspannten sich. Sie legte ihren Kopf schräg und blickte mich neugierig an. „Und, warum sagst du  mir das? Lass mich raus, dann können wir uns kennen lernen. Sag meinen Namen. Ich war so lange alleine hier drinnen.“ Minerva beobachtete die Szene. Bereit jeder Zeit einzugreifen. „Ach komm. Glaubst du wir kennen die Legenden die um dich Ranken nicht. Ich weiß, dass du heraus kommst um mich zu töten. Aber so spielen wir das nicht. Ich soll dir wohl helfen können. Viellicht lösen wir das Rätsel gemeinsam. Solange solltest du im Spiegel bleiben.“

„Du weißt, dass ich heraus komme wenn mich jemand ruft?“ „Das weiß ich. Aber die Legende hat sich geändert. So leicht bist du nicht mehr heraus zu holen.“ „Sei dir nicht zu sicher, Lissi.“ „Sicher, was ist schon sicher? Du wirst nichts dagegen haben, wenn wir den Deckel darauf machen, dann hast du deine Ruhe. Während wir uns beratschlagen. „Neeein bitte nicht.“ „Das ist zu deinem Besten, glaub mir.“ Frank legte den Deckel wieder auf und Richard befestige ihn mit einem Zugband.

„Was hat sich denn in der Legende geändert?“ Fragte Dracula. „Das erzähle ich euch bei einem leckeren Kakao.“ Schnell verließen wir den Dachboden. Ich war bisschen zittrig. Mary hat mir ganz schön Angst eingeflößt. Aber die anderen sollten das nicht wissen. Ich wollte sie nicht beunruhigen.

„So jetzt erzähle.“ Forderte mich Richard auf. „Ihr wisst ja bestimmt, dass ich ein Horror-Film-Fan bin. Also hab ich auch schon einige Filme über Bloody Mary gesehen. In der wahren Legende heißt es, ihr Name soll fünf Mal gerufen werden. Aber die Filme und Bücher haben mittlerweile verbreitet, dass man sie drei Mal anrufen soll. Also ist das falsch. Deswegen wird sie wohl kaum ausbrechen und Unheil verursachen. Wenn nicht jemand über die Wahrheit stolpert.“ „Das ist aber sehr wackelig.“ „Ich weiß, aber das ist das einzige, das wir haben. Wir sollten also schnellstens herausfinden, wie wir ihr helfen können.“

So saßen wir alle in Gedanken versunken da und nippten an unserem Kakao, während über uns die Gefahr schwebte.

ENDE

Bisher erschienen:

  1. Schreibkicks – die vererbte Zeitkapsel
  2. Schreibkicks – Weihnachstspezial – Die Sache mit dem Rentier
  3. Mach was…mit einer Festtags-Leckerei
  4. Schreibkicks – Märchen der guten Vorsätze
  5. Schreibkicks – Rückkehr der Freunde
  6. Schreibkicks – Die Welt bei Nacht mit einem Hausschuh.
Werbeanzeigen
Schreibkicks

Schreibkicks – Die Welt bei Nacht mit einem Hausschuh.

Hallo ihr Lieben. Es ist der erste und das bedeutet Schreibkicks-Zeit und Zeit meine Freunde zu besuchen.

Mit dabei sind diesen Monat.

Zum Auffrischen, der Erinnerung. Lissie hat von ihrer Urgrosstante ein Haus geerbt und ihre seltsamen Bewohner. Ich nutze die Schreibkicks für Geschichten rund um die Truppe. Solange sie mir noch Ideen bringen, werdet ihr sie einmal im Monat besuchen können.

 

Hier also Die Welt bei Nacht mit unseren neuen Freunden


Es war dunkel…ich hatte Hunger. Das kam eigentlich nicht so oft vor, ich war eigentlich keine Nachtnascherin. Aber seit ich in diesem seltsamen Haus wohnte, das mir meine Urgroßtante Ernestine vererbt hatte, spielte mein Stoffwechsel verrückt. Was natürlich daran liegen könnte, dass die seltsamen Bewohner zu den seltsamsten Zeiten meiner bedürften. Ich liebte die Dunkelheit – eigentlich. Aber dieses Haus im Dunkeln, das war wirklich verdammt unheimlich.

„Flapp, Flapp, Flapp.“ Ich blieb erstarrt stehen? Was war das denn für ein seltsames Geräusch. Ich drückte mich in die Ecke und versuchte den Atem anzuhalten. Was natürlich nicht gelang, ich war ja lebendig, im Gegensatz zu so manchen Bewohner hier. „Flapp, Flapp, Flapp.“ „Pscht, musst du so einen Krach machen? Du weckst Lissie noch auf. Sie brauch doch auch mal schlaf. Und du, als ihr bester Freund solltest das besonders im Auge haben.“ „Ja was soll ich denn machen, sie hat mich doch in diese Form gepresst. Glaubst du es ist angenehm, als Krake hier durch die Nacht zu schlappen? Mit Beinen wäre das ganze viel einfacher.“ „Ja, ja schon gut. Beschwer dich bei Lissie. Sie mochte dich halt so. Ich verstehe zwar auch nicht wieso. Mit einer Krake kann man doch gar nicht knuddeln.“ „Was weißt du denn? Du bist ein Geist.“ „Hei, ich war nicht immer ein Geist.“ Schniefte Amelia. „Ach entschuldige. Aber du nervst. Ständig hängst du an mir wie eine Klette. Ich bin Lissies Nicht-Mehr-Imaginärer-Freund.“ „Ich will auch einen. Ihr seid so cool. Wo ist eigentlich Waldemar?“ „Na bei Richard, wo er hin gehört. Ich sollte auch bei Lissie sein, statt hier mit dir heimlich durch die Dunkelheit zu flappen.“

Ich atmete aus, um im gleichen Moment meine Hand vor den Mund zu schlagen. Hoffentlich hatten sie mich nicht gehört.

„Was war das?“ „Hm? Was denn?“ Meinte Amelia. Sie schwebte tanzend durch die Gegend. Man musste sie einfach mögen. Sie war eine wahre Frohnatur. Aber was hatten sie nur vor? Es konnte nichts Gutes sein. Ich befürchtete einen Zauber, oder, und davon ging ich sogar noch eher aus – etwas um mich zu erschrecken. Das wäre so Amelias Ding. Sie liebte es einfach zu erschrecken. Was sie am liebsten machte, wenn ich aus der Dusche kam.

„Ach nichts.“ Antwortete Leon. Mein Leon, mein bester Freund. Er würde mich doch nicht erschrecken? Sie bewegten sich in Richtung des Dachbodens. Die Aufräumarbeiten im Haus gingen recht gut voran. Nach dem ich mal auf den Tisch gehauen hatte und jedem eine Aufgabe zugeteilt hatte. Sogar Dracula, der ewige Miesepeter, musste sich nützlich machen. Er hatte die Aufgabe, die Fledermäuse unter dem Dachfirst zu bitten, ihre Exkremente doch bitte außerhalb des Hauses zu verteilen. Guano war zwar ein guter Dünger, aber ich brauchte das stinkende Zeug nicht unter dem Dach. Nicht nur, dass es stank – es hatten sich auch so einige Käfer darin heimelig eingerichtet.

Und ich meine wirklich eingerichtet. Denkt dran, dieses Haus ist magisch angehaucht – eingetaucht, wohl eher. Wenn man also die obere Schicht des Guanos abtrug, konnte man kleine Höhlen sehen. Ihr könnt mir glauben, als ich eine Käferdame mit ihrem Käferherren im, sagen wir mal, Ehebett erwischte, vermied ich das. Was die mich beschimpft haben. Was nicht so schlimm war – schlimm war, dass ich sie verstanden habe. Ganz ehrlich – manchmal glaubte ich wirklich ich müsste doch mal auf die Couch.

Gab es eigentlich Psychiater für Hausbesitzer mit besonderen Bewohnern? Das müsste ich mal googlen. Wäre wohl mal eine Marktlücke. An mir könnten sie schon gut verdienen. Und an meinen Bewohnern bestimmt auch. So manch einer hatte echt eine Macke.

Minerva – unsere liebliche Haushexe. Sie hatte manchmal echte Diven-Angewohnheiten. Da war einfach nichts gut genug. Dann sollte man ihrem Zauberstab besser aus dem Weg gehen.

Ihr könnt es also erraten. Minerva war für die Dekoration zuständig.

Morphi unsere Mumie, hatte noch keine so richtige Aufgabe gefunden. Ich war schon glücklich, wenn man nicht ständig Mullbinden und Staub von ihm fand. Er hatte so ein kleines Problem mit Auflösung. Minerva konnte es immer wieder Rückgängig machen, aber es machte Heidenarbeit. Und in die Nähe des Staubsaugers traute er sich nicht. Er hatte Angst irgendwann mal unachtsam zu sein und sich selbst aufzusaugen.

Amelia hatte ja schon ihren Auftritt. Sie war unser Geist. Sie half mir beim Putzen. Sie kam so toll an die Ecken in die ich nicht gelangen konnte. Eigentlich wollte sie die Deko übernehmen und war etwas angesäuert auf mich. Sie hatte auch ein Gespür für Gestaltung. Ich würde einen Kompromiss schließen müssen. Sonst würde es irgendwann mal zu einem kleinen Zickenkrieg kommen.

Frank war unser grandioser Koch. Seit ich hier wohnte, wagte ich mich nicht mehr auf die Waage. Er war ein grober Virtuose in der Küche.

Und Richard – ja er war unser Hausverwalter und wie ich ein Mensch. Wie hatte ihn die Tante genannt. Adrett. Er war die Seele und wirklich adrett. Ich mochte ihn und war so dankbar, dass er mich unterstütze und ich lernte so viel von ihm, er war schon lange hier. Wie lange eigentlich? Ich musste ihn mal fragen.

Unsere neuesten Mitglieder waren Keya – unsere Baumnymphe, Waldemar – Richards imaginärer Freund und Leon – mein imaginärer Freund. Und was hatte besagter nun vor?

„Flapp, Flapp, Flapp.“ Das Geräusch wurde leiser. Die beiden waren jetzt schon auf dem Dachboden. Ich folgte ihnen leise. Zum Glück hatte ich meine Plüschhausschuhe in Einhorn Design – lacht nicht – die sind echt total putzig und fluffig – an. Es war schon ziemlich kalt in diesem Haus. Sie dämpften meine Schritte. So konnte ich ihnen weiterhin folgen.

„Pass doch auf.“ Fluchte Amelia „Fast wärst du auf die Tröte getreten. Lissie muss echt hier mal langsam Ordnung machen. Das ist ja echt so unordentlich hier und schmutzig.“ Ich stemmte meine Hände in die Hüften. Der würde ich was erzählen. Schon wollte ich losstürmen, aber ich war doch zu neugierig, was hier los war. Ich kniete auf der Treppenstufe. Die war verdammt hart. Wo waren die Zeiten in denen mir sowas nichts ausgemacht hatte? Pst….da waren die anderen. Was?

„Da seid ihr ja. Man kann von Glück sagen, dass Lissie so einen festen Schlaf hat. Man kann euch ja durch das ganze Haus hören. Also wirklich. Wie soll man denn hier was Geheimes aufziehen? Hä?“ Fauchte Minerva. Morphi nickte, nicht ohne eine Staubwolke zu hinterlassen. „Wie geht es denn jetzt weiter, mal?“ Blaffte Dracula. „Ich bekomme langsam Hunger und bald wird es hell.“ „Hell, wir haben Mitternacht. Also stell dich nicht so an. Gott bist du ein Brummbär.“ „Das verbiete ich mir. Ich bin viel zu elegant um mit einem Bären verglichen zu werden.“ Amelia schüttelte ihre Locken und fuhr einfach durch ihn hindurch. Er sprang erschrocken zur Seite. Das war ein ekelhaftes Gefühl. Mit mir machte sie das auch immer. Als würde jemand einen Eisbeutel durch einen ziehen und gleichzeitig die Luft aus einem heraus lassen.

„Kommt jetzt. Ich brauche meinen Schlaf. Lasst uns einen Kreis bilden. Die Tür ist verschlossen. Aber nur mit Magie kann man sie öffnen. Dafür brauche ich eure mentalen Kräfte, die muss ich anzapfen.“  „Das gefällt mir echt so gar nicht. Ich will nicht, dass du von mir zapfst. Wenn dann mache ich das. Von zarten Jungfrauen. So einen kleinen Tropfen ihres lieblichen Blutes.“ Ein heftiger Schubser von Frank holte Dracula wieder zurück. „Hei. Ja ist gut, mach endlich.“ Die Luft fing an zu wabern. Es war wie wenn man eine Szene durch einen Wasserfall beobachtete. Man konnte nur noch Schemen erkennen. Minerva war vertieft in ein unverständliches Gemurmel. Die Wände lösten sich auf. Formierten sich neu, lösten sich auf und bauten sich wieder zusammen. Der Dachboden hatte sich verändert. Er war noch unordentlicher. Denn das Umgebaue, hatte die Sachen noch mehr durcheinander geworfen. Na danke. Dann sah ich es. Eine Tür.

„Da – da ist sie. Ich wusste es. Ich hatte sie gespürt. Das ist die Tür.“ Sie lachten alle und Frank sprang hoch. Ein dumpfer Plumpser ließ den Boden erzittern. „Frank! Du bist zu laut.“ Mich hielt jetzt nichts mehr. Ich stieg weiter hoch und stand in der Tür. „Was ist denn hier los?“. Innerlich musste ich lachen. Ich hatte sie so kalt erwischt. Ein einheitliches Zucken ging durch die Gruppe. „Äh. Lissie? Haben wir dich geweckt?“ „Nein.“ Hinter mir kam ein Geräusch. „Aber mich.“ Richard stand ganz nah hinter mir und strahlte die Wärme eines gerade aufgewachten aus. Er roch gut. Ich drehte mich zu ihm. Seine Haare waren total verwurschtelt. Das stand ihm gut.

Er sah mich an. „Lissie?“ „Ich weiß von nichts. Ich wollte nur was essen, da hab ich die Geheimniskrämer erwischt, wie sie den Dachboden umgestalteten und eine Tür herbei zauberten.“ „Die haben wir nicht hergezaubert. Die war magisch versteckt. Ich habe sie nur gespürt und denke ich weiß was sie bedeutet. Es sollte eine Überraschung für dich sein. Ich weiß doch, wie sehr du reisen möchtest. Das ist unser Geschenk für dich. „ „Eine Tür?“ „Ach je, sie ist auch noch schwer von Kapee. Natürlich nicht die Tür, sondern das was du dahinter sehen kannst.“

Ich ging zu ihnen und wollte die Tür öffnen. „Halt.“Minerva´s Hand schloss sich um meine. „Es wird etwas seltsam werden. Diese Tür öffnet sich nur einmal im Monat. Immer zum ersten des Monats. Du kannst immer reisen, wohin du willst. Es gibt nur einen Nachteil. Es wird immer dunkel sein. Die Welt bei Nacht.“ Ich blickte sie verdutzt an. „Die Welt bei Nacht. Okay. Da gibt es Mittel, oder Zauber, die mir die Möglichkeit geben zu sehen, oder?“ „Da gibt man den kleinen Finger und sie reist den ganzen Arm aus.“ Seufzte Minerva. „Ja ich kann da was zaubern. Und noch was. Diese Hausschuhe, die wirst du brauchen.“ Ich blickte auf meine Füße und wackelte mit den Zehen. „Ihr braucht euch nicht lustig zu machen. Sie sind wirklich schön warm und bequem.“ Minerva rollte die Augen. „Ach Kindchen. Nein, das wird dein Transportmittel sein.“ „Meine Hausschuhe?“ „Die Einhörner.“ „Ach, ja klar. Die Einhörner. Warum bin ich denn da nicht selbst drauf gekommen. Netter Versuch,  Leute. Ich hol mir jetzt einen Snack und verkriech mich wieder ins Bett. Lachen werde ich dann morgen.“ Da riss Dracula die Tür auf und schupste mich durch. Und ich fiel. „Aahhhhhhh – Hiiiilfeee“ „Ich konnte ihre Schwerfälligkeit nicht mehr ertragen. Entschuldigen kann ich mich ja, sollte sie zurückkommen.“ Ein Nicken ging durch die Runde. Keiner sorgte sich um mich.

Ich befand mich im freien Fall und würde entweder gleich sehr unsanft aufkommen oder ewig schweben. Ich trudelte und merkte auf einmal ein Zucken an meinen Füssen. Ich wurde unsanft durchgeschüttelt und aufgefangen. Mein Blick wurde schärfer – ich konnte sehen und sah – Ein Einhorn. Ich saß auf einem Einhorn, das tatsächlich aussah wir mein Hausschuh. Dieses Verrückte Haus.

„Hallo Lissie. Schön dich auch mal aus einer anderen Perspektive zu sehen. Ich bin dein Reisebegleiter. Du hast mir keinen Namen gegeben. Wie willst du mich nennen?“ „Öh – Ich weiß nicht – Littlerock.“ „Eigenartiger Name – aber ok. Damit kann ich leben. Also wohin willst du als erstes fliegen?“ Fliegen – ich konnte es nicht glauben. Ich flog durch die dunkle Nacht um die Welt zu erkunden. Ach ich war glücklich. „Kann ich eigentlich auch durch die Zeit reisen?“ „Das geht auch.“ „Ich werde verrückt. Äh – dann will ich heute erst mal einen Zeitsprung in die Vergangenheit machen und hier landen – sagen wir vor fünfzig Jahren. Ich würde gerne die Anfänge dieses verrückten Haufens erleben.“ „Alles klar – halt dich fest. Tische hochklappen und anschnallen – wir reisen in das Jahr 1969. Ankunft: Jetzt.“ Ein Ploppen erklang und es fühlte sich an, als würde ich aus einer Erbsenpistole geschossen. Was würde ich sehen? Ich war so neugierig.

ENDE

 

Bisher erschienen:

  1. Schreibkicks – die vererbte Zeitkapsel
  2. Schreibkicks – Weihnachstspezial – Die Sache mit dem Rentier
  3. Mach was…mit einer Festtags-Leckerei
  4. Schreibkicks – Märchen der guten Vorsätze
  5. Schreibkicks – Rückkehr der Freunde
Schreibkicks

Schreibkicks – Rückkehr der Freunde

Hallo ihr Lieben. Es ist wieder Schreibkickszeit. Ich bin dieses mal etwas spät. Es kam bisschen was dazwischen.

Aber hier habt ihr wieder einen kleinen Auszug aus dem Leben meiner schrägen WG.

Heute ist das Thema imaginärer Freund. Wer hatte keinen? Haben Kinder in der digitalen Welt heute noch einen? Ich hoffe es.

Bisher erschienen:

  1. Schreibkicks – die vererbte Zeitkapsel
  2. Schreibkicks – Weihnachstspezial – Die Sache mit dem Rentier
  3. Mach was…mit einer Festtags-Leckerei
  4. Schreibkicks – Märchen der guten Vorsätze

Mit dabei waren dieses Mal:

Das Thema für den 01. März lautet:

 

 

writing friday

[#WritingFriday] – Der wundersame Ring

Wie ist das bei euch so? Wisst ihr schon am Anfang wie sich eure Geschichte entwickelt? Ich meistens nicht. Ich fange an zu schreiben, und dann schlüpft jemand in meinen Körper und schreibt weiter…hihi..Nein – ich weiss nie wie sich meine Geschichten entwickeln. Auch hier, war erst was anderes geplant, und dann kamen die Ideen nach und nach.

Schon interessant, wie das so im Gehirn funktioniert. Wie ein Irrgarten. Wenn man den richtigen Weg gefunden hat öffnet sich eine Tür und zeigt einen neuen Abschnitt in der Geschichte.

Hier ist meine heutige zum #writing friday


Luisa erwacht am Neujahrsmorgen und kann sich kaum an Silvester erinnern. Erzähle was geschehen ist!

Etwas Lästiges streifte Luisas Gesicht. Es war fast schmerzhaft. Sie öffnete die Augen. „Au – ach verdammt – wo ist denn der berühmte graue Himmel? Muss gerade heute die Sonne scheinen und mir direkt ins Gesicht? Wo bin ich überhaupt? Und wann ist heute?“ Langsam lichtete sich der Nebel im Gehirn.  Es ist Neujahr – welches Jahr? 2019 konnte sie über der Tür erkennen. 2019? Wie komme ich denn hier her? Ruckartig setzte sie sich auf. „Au.“ Sie griff sich an den Kopf. Es pochte heftig in ihrem Schädel – als wolle etwas aus ihm heraus gelangen. „Ja, vielleicht eine Erklärung wie ich denn hier her komme.“ Sie saß auf einem Bett und blickte sich um. Neben ihr lag jemand. Sie stöhnte innerlich. Wie peinlich. Wie sehr hatte sie sich gehen lassen? Was würden die Freunde sagen. Ihr Ruf wäre hin. Arnold würde sie jetzt nicht mehr heiraten. Sie war ein gefallenes Frauenzimmer. Ihr Kopf landete in ihren Händen und sie schüttelte ihn vorsichtig. Verdammter Alkohol.

Sie konnte ihre Mutter schon vor sich sehen. Die Hände in die Hüfte gestemmt. Mit erhobenen Zeigefinger und Prospekten für die Häuser gefallener Frauen. Sie schnappte entsetzt nach Luft. Was wäre, wenn sie nun Schwanger werden würde. Dann müsste sie in ein Entbindungshaus. Sie stand auf und lief aufgeregt hoch und runter.

Ein Stöhnen kam von dem zugedeckten Körper – eindeutig männlich. Ein zerzauster Kopf lugte unter der Bettdecke hervor. „Wer macht denn hier so einen krach?“ „Ähm, entschuldigen sie. Könnten sie mir kurz erklären, wie ich hier her komme?“ „Ich hab dich stockbesoffen auf der Straße aufgelesen.“ Sie riss die Augen auf. Stockbesoffen? Sie. Das waren doch nur paar schwache Cocktails. Aber sie hatte einen Filmriss. Das würde auf seine Aussage passen. Er richtet seinen nackten – wahrlich ansehnlichen – Oberkörper auf. Dann schlug er die Decke auf und auch der Rest von ihm war nackt. Sie erschrak und drehte sich errötend um. Ach Herr je. Ein nackter Mann. Sie hatte noch nie einen Nackten gesehen.

Sie drehte vorsichtig ihren Kopf um sein spöttisches Grinsen zu sehen. „Na, jetzt so schüchtern? Das war die Nacht aber anders.“ Sie zuckte zusammen. Drogen. Er musste ihr Drogen verabreicht haben. Niemals wäre sie mit einem völlig Fremden gegangen und auch noch ins Bett. Ach Arnold. Ich wäre gerne deine Frau geworden. Hätte paar Kinder bekommen und dein Haus gehütet. Jetzt würde sie wohl arbeiten gehen müssen um ihr Leben zu finanzieren. Eine Familie war nicht mehr vorgesehen. Sie würde wegziehen. Wo sie keiner kannte – das müsste gehen.

„Luisa?“ „Ähm, ja?“ „Du kannst dich umdrehen, ich hab mich angezogen.“ Vorsichtig drehte sie sich um. Ein wirklich sympathischer Mann stand vor ihr. Nett anzusehen und ein spitzbübiges Lächeln lag um seine Lippen. „Ein frohes neues Jahr 2019“ „Was ist das hier – eine Unterhaltungssendung. Wir haben doch kein 2019. Wir haben 1959.“ Er kniff den Mund zu einem Lächeln zusammen. „Nein, Schätzchen. Du bis in 2019.“ „Das kann nicht sein.“ Sie setzte sich aufs Bett. Er verschwand um wenige Minuten später mit einer Tasse gut duftenden Kaffees zu kommen. So schnell? Konnte man in der Zukunft zaubern? „Was mach ich denn? Was mach ich denn?“ „Was ist denn passiert. Hast du Drogen genommen?“ Entsetzt schaute sie in an. „Nur wenn sie mir welche verabreicht haben. Das muss es doch sein. Geben sie es zu. Sie haben mich unter Drogen gesetzt. Verführt und dann eine Scharade inszeniert. Da stecken doch meine Freunde dahinter.“ „Nein, Schätzchen. Du bist definitiv in der Zukunft. Meiner Gegenwart.“

Oh wei. Sie überlegte lange. Er brachte einen weiteren, sehr leckeren Kaffee. Sie schloss die Augen und versuchte sich zu erinnern. Sie hatten sich verabredet. Im Gemeindehaus sollte eine Silvesterparty steigen. Von ihrer besten Freundin erfuhr sie, dass Arnold sie um ihre Hand bitten wollte. Sie schaute auf ihre Hand. Ein Ring zierte ihren Finger. Ein seltsamer Ring. Er schimmerte in verschiedenen Farben und blinkte. Sie schaute zu ihrem Gastgeber. „Wie heißt du?“ „Peter.“ „Mein Verlobter hieß Arnold.“ „Hieß?“ „Ja, der in 1959 lebt. Ich erinnere mich, dass er mir diesen Ring überstreifte. Danach erinnere ich mich an nichts mehr.“ Sie spielte mit dem Ring. Was war nur geschehen. „Zeig mal.“ Sie zeigte ihren Finger. „Darf ich ihn mal haben?“ Misstrauisch beäugte sie ihn. „Keine Angst. Ich will ihn nur mal untersuchen. Er sieht sehr merkwürdig aus. Untypisch für dein Jahr. Heute würde ich so was noch als normal empfinden. Aber damals.“ Normal. Sie blickte sich in dem Zimmer um. Hier standen viele Dinge herum, die ihr unbekannt waren. Überall blinkte und summte es. Viel Elektronik, dachte sie. War das ein Elektronikjahr? Schien so. Sie zog den Ring ab und übergab ihn Peter. Er drehte ihn und ging ans Fenster mit ihm.

„Das, meine Liebe, ist kein normaler Ring.“ Sie stand auf und ging zu ihm. „Wie meinst du das? Kein normaler Ring.“ Automatisch hatte sie das Du übernommen. „Das ist ein Portal, glaube ich. Aber anscheinend nur Einweg. Sonst könntest du ja jeden Moment zurück in deine Zeit reisen.“ Ihre Knie wurden schwach. Sie war eine Zeitreisende. Und anscheinend gestrandet. Was nun? Warum sie. Ach Arnold, wo hast du denn diesen Ring her. Sie wusste, dass Arnold sich mit schrägen Phänomenen beschäftigte. Jetzt wurde ihr klar, dass der Ring wohl eines dieser Phänomene war. Sie war sein Versuchskaninchen gewesen. Aber er würde doch nichts davon haben. Er müsste, sie rechnete kurz nach – um die achtzig sein. „Kannst du eine Adresse ermitteln? Arnold Waldner.“ Er setzte sich an einen Schreibtisch. Vor ihm lag ein schwarzer Koffer, bei dem er den Deckel anhob. Ein Bildschirm und eine Schreibmaschine erschienen. Er drückte auf einen Knopf und der Bildschirm erwachte.  Neugierig beobachtete sie seine Bewegungen. Er tippte den Namen ein und auf dem Bildschirm erschienen die Buchstaben. „Computer.“ Sagte er. Davon hatte sie gelesen. Aber die waren nie für die Bevölkerung gedacht. So was. „Hier, es gibt nur einen, der das richtige Alter hat.“ „Können wir zu ihm?“ „Klar. Komm gehen wir.“ Sie folgte ihm. Als sie auf die Straße traten, blieb sie abrupt stehen. Alles hatte sich verändert. Die Häuser waren so hoch und so viele. Autos standen überall. Sie wollte zurück in ihre Zeit. „Komm steig ein.“ Er fuhr etwa eine halbe Stunde. „So, hier ist die Adresse. Soll ich mitkommen?“ Sie überlegte. „Ja, bitte.“ Vor der Tür wurde sie unsicher. War es ihr Arnold? Hatte er jemand anderen geheiratet? Sie hob die Hand zum Klingeln. Verharrte einen Moment der Unsicherheit und drückte dann. Hinter der Tür hörte sie ein Schlurfen. Ein alter Mann öffnete die Tür. Er blickte hoch und stolperte rückwärts in seinen Flur. Sein Mund öffnete und schloss sich. „Luisa. Luisa. Da bist du. Meine Liebste. Ich habe so lange auf dich gewartet. Was hab ich nur getan. Komm rein. Komm rein. Setz dich. Erzähl.“ „Ich soll erzählen. Ich denke du solltest erzählen. Ich bin heute hier erwacht.“ „Heute? Ich hatte erwartet, dass du schon länger in der Zukunft bist. Aber ja – du hast dich nicht verändert. Komm ich koche erst mal ein Kaffee.“ Er bat beide herein und führte sie ins Wohnzimmer. Dann kam er mit einem Tablett auf dem Kaffee und Plätzchen waren. „Bitte, bedient euch. Ich erzähle was ich weiß. Du weißt ich bin immer hinter irgendwelchen Phänomenen her. Ich war bei einer Zigeunerin, die mir den Ring gab. Sie warnte mich allerdings. Ich solle ihn nur anziehen, wenn ich vorankommen wollte. Das hat sie ziemlich vage ausgedrückt, oder? Ich wollte vorankommen. Und zwar bei dir. Deswegen schenkte ich ihn dir als Verlobungsring. In dem Moment in dem du ihn überstreiftest, warst du weg. Ich wusste nicht wie mir geschah. Du warst einfach weg. Aufgelöst.“ „Und dann?“ „Ich suchte die Zigeunerin. Sie war weiter gezogen. Ich folgte ihr einige Zeit. Jedes Mal verpasste ich sie. Aber irgendwann stellte ich sie. Sie lachte bösartig. Wirklich. Eine sehr böse Frau. Eine verschmähte Frau, die sich an jungen Paaren rächen wollte. Sie hatte gesehen, dass ich dich heiraten wollte. Ich bedrohte sie. Ich würde sie töten, verbrennen. Mir war es egal. Ich hatte nichts zu verlieren. Du warst weg. Sie gab mir einen Gegenzauber. Wenn du zu meinen Lebzeiten auftauchen würdest, und diesen Armreif überstreifen würdest, kämst du zurück in unsere Zeit. Dann wäre alles wieder wie früher.“ Skeptisch betrachtete Luisa den Armreif. „Ist das sicher? Was wenn ich wieder falsch lande. Vielleicht bei den Dinosauriern?“ „Nein, ich bin mir sehr sicher.“ Er klang nicht sicher. Luisa blickte auf Peter. Sie könnte vielleicht hier ein neues Leben, ein freies Leben mit ihm führen. Aber er schüttelte den Kopf, als hätte er ihre Gedanken gehört. „Du gehörst nicht hier her. Du musst zurück. Vielleicht bekommt ihr Kinder, die hier jetzt fehlen. Das ist falsch. Außerdem liebst du ihn doch. Überlege nicht lange. Zieh ihn an.“ Sie griff nach dem Reif. Drehte ihn hin und her. Blickte zu Arnold. „Weil ich dich liebe.“ Sie stülpte ihn über und war verschwunden. Die beiden Männer blickten sich an. Das Zimmer veränderte sich. Bilder tauchten auf dem Kaminsims auf. Sie sahen ein Hochzeitsbild. Babybilder. Kinder, Hunde, weitere Babys. Eine Erinnerung erschien. Arnold stand auf und weinte. „Wir haben geheiratet. Zwei wundervolle Kinder und vier Enkelkinder. Sie ist mein Leben.“ In dem Moment öffnete sich die Tür und eine ältere Dame betrat den Raum. „Peter? Ach,  mein Lieber. Es ist so schön dich wieder zu treffen. Es ist so lange her. Aber eigentlich ja auch nicht. Es war gerade erst, oder?“ Peter sah sie mit offenem Mund an. „Luisa?“ Sie nickte. „Es hat funktioniert. Ich bin dort angekommen, wo ich verschwand. Ich konnte ein tolles Leben führen. Dank dir.“

ENDE

Ich erzähl dir eine Geschichte...

Schneewanderung mit Haustier

Bei Annie gibt es ein neues Projekt, das auch wöchentlich stattfinden wird. Hier wird es jede Woche ein neues Thema geben.

Diese Woche:

Es ist ein ruhiger Januarmorgen. Du gehst mit deinem Haustier auf einem schneebedeckten Feld spazieren. Auf einmal nimmt dein Haustier die Fährte auf. Was wirst du finden?


Ich habe lange vor dem weissen Monitor gesessen – mein Haustier hatte ich schnell gefunden. Ich mag diese Tiere.

Aber was sollte dieses Tier denn finden und was wäre so besonders dran. Das ist mir schwer gefallen. Dann habe ich laut gedacht und meinem Mann erzählt, was die Aufgabe ist. Dann hat er gelacht und es als schräg tituliert…Aber so ist das mit der Fantasy.


 

Ich hasste ja die kalten Winter bei uns. Aber auch ich konnte mich dem schönen Schimmern einer unberührten Schneedecke nicht entziehen. Gerade an einem Sonntagmorgen, wenn die Welt noch einem alleine gehört. Da schnappe ich mir mein Haustier, ziehe mich dick an und laufe los. Wenn wir dann vor dem Feld stehen und unsere Spuren hinterlassen – ist es wie wenn wir einen neuen Planeten betreten. Der Schnee knirscht unter den Schuhen und wir laufen los. Ich genieße die Stille.

„Huahuahuahihihihhhhhhuhuhu“ Ich rollte mit den Augen und drehte mich zu Ariana. „Das war jetzt schon irgendwie klar, dass du hier lachen musst, oder?“ Ariana schaute mich treu an und lachte. Was hatte ich mir nur dabei gedacht eine Hyäne aufzunehmen. Ich hörte immer noch Kyle: „Komm schon Vera. Das ist mal was Außergewöhnliches. Einen Hund oder eine Katze hat jeder – aber eine Hyäne. Sie ist ein Welpe und braucht unbedingt Liebe. Ihre Mutter ist von Wilderern getötet worden – sie konnte sich gerade so verstecken. Sie braucht dich.“ Kyle hatte selbst süße Welpenaugen, denen man einfach nicht widerstehen konnte. „Aber sie sind so hässlich – diese nackten Gesichter.“ „Nein – Ariana ist eine wirklich hübsche und nicht so nackt im Gesicht – komm ich zeig sie dir.“ Schwer seufzend folgte ich ihm. Er öffnete die Tür zum Zwinger, und um mich war es geschehen. Vor mir saß eine ganz entzückende Hyäne. Sie saß auf ihren Hinterbeinen. Der Bauch war wie bei Hunden nackt und ein freches Grinsen zierte ihren Mund. Die Ohren standen weit ab und die braunen Augen blickten mich neugierig an. Sie war einfach zum Verlieben. „Komm, lernt euch kennen.“ Ich trat in den Käfig und ging in die Knie. Ariana kam neugierig auf mich zu. Immer noch grinsend. Dann fing sie an zu lachen. Und dieses Lachen war so ansteckend. Ich konnte mich nicht zurück halten und wir lachten gemeinsam. Und genau dieses Lachen brauchte ich oft nach einem anstrengenden Tag.

Aber wenn man so ruhig spazieren ging, war ein solch aufdringliches Lachen, manchmal nervig.

Manchmal ließ ich Ariana auch frei laufen. Gerade bei solch Wetter, war die Gefahr jemanden mit Hund zu treffen gering. So richtig traute kein Hundebesitzer meiner Hyäne – sie haben einfach einen schlechten Ruf – dabei jagen sie doch eher selten. Und wenn sie satt sind schon mal gar nicht.

Ich leinte Ariana ab und schaute ihr zu wie sie durch den Schnee tanzte. Es war so beruhigend sie beim Spielen, Springen und die Schnauze in den Schnee steckend zu sehen. Wer hätte gedacht, dass ein Tier aus Afrika so auf Schnee abfahren würde? Dann auf einmal sprintete sie fort. „Ariana, nicht so weit weg. Warte, warte doch. Ich komme gar nicht hinter her.“ Ich stapfte durch den wadenhohen Schnee – was war das anstrengend. Mein Workout hatte ich also schon hinter mir. Schnaufend und ächzend, nass geschwitzt und einen Blutmond roten Kopf kam ich endlich bei Ariana an. Sie hatte etwas gefunden. „Bitte, lass es keinen ekligen Kadaver sein, bitte lass es keinen Kadaver sein.“ Murmelte ich vor mir her. Ich trat an sie heran und konnte erst mal gar nicht sehen. Da lag etwas im Schnee. „Was hast du denn da gefunden. Lebt es noch? Was ist das?“ Ich bückte mich und das Tier vor mir zuckte. Ich wusste nicht wie, was – WAS….ich plumpste in den Schnee und konnte meinen Augen nicht trauen.

Ariana erhob sich und beschnüffelte das Tier vor ihr. Sie leckte über das kleine Wesen und blickte mich lächelnd an. „Ja, Ariana – ich sehe es – ich kenne es – aber ich wusste nicht, dass es so was gibt.“ Ariana kam zu mir und schubste mich an. Ich krabbelte auf das kleine Geschöpf zu. Es fing an zu zittern. „Keine Angst – ich tue dir nichts. Das ist Ariana, ich bin Vera. Und du bist –„ ich musste noch mal schlucken. „- ein Einhorn. Ich glaube es nicht. Ich hab ein kleines Einhorn gefunden.“ Ariana schubste mich schon wieder. „Ja, du hast es gefunden. Was machen wir denn jetzt mit dir? Bist du verletzt?“ Es blickte mich an – diese süßen Knopfaugen. Ich war sofort verloren .Verliebt in ein Einhorn. Das Horn glitzerte und das Schneeweiße Fell schimmerte wie Kristall. Es erhob sich. Schüttelte sich und stolperte. Fast wäre es wieder gestürzt. Schnell stand ich auf und stützte es. „Hast du dir dein Bein verstaucht?“ Ein nicken und mein Mund stand offen. Es verstand mich? „Komm – ich bring dich zu mir. Ich wohne schön abgelegen. Da kommt kein Mensch hin. Ich hab einen schönen warmen Stall – direkt am Haus. Da kannst du dich erholen und aufwärmen.“ Es blickte mich an und ich verlor mich in seinen Augen. Eine innere Ruhe und Frieden erfasste mich. Eine Zufriedenheit und Glückseligkeit durchströmte mich und die Kälte verschwand. Mir war warm, als würde ich vor einem knisterten Kamin sitzen.

Ariana und ich nahmen das Einhorn zwischen uns – ich blickte mich um, dass wir auch ja noch alleine waren. Dann gingen wir los. Schnell waren wir bei mir angekommen. Ich öffnete die Scheune. Stellte schnell Wasser hin und schaute nach dem Heu. Auf der Plattform in der Scheune lag noch Heu vom Vorbesitzer. Es war gut und roch angenehm. Ich hoffte, dass Einhörner Heu fraßen. Fraßen sie überhaupt was? Regenbögen? Keine Ahnung. Auf jeden Fall holte ich mehrere Decken und machte ein gemütliches Lager. Das wunderbare Geschöpf legte sich hin und schnaufte erleichtert. „Danke schön Vera.“ Ich verschluckte mich und musste furchtbar husten. „Du, du kannst sprechen. Ja klar, du bist ja auch ein Fabelwesen. Träume ich? Schlaf ich vielleicht noch und die Kälte bringt mir so wärmende Träume?“ „Nein, nein – du schläfst nicht. Außerdem musst du was Besonderes sein. Denn Menschen sehen mich meist nicht als Einhorn – meist bin ich ein Pferd für sie.“ „Wie kommst du hier her – gibt es keine Welt für euch?“ „Eigentlich nicht – es gibt sichere Bereiche in Wäldern, die meist durch einen Zauber vor Menschen geschützt sind – aber manche von uns  sind zu neugierig und wollen einfach eure Welt kennen lernen.“ „Also du.“ Ich glaube Einhörner können rot werden. Ich schmunzelte. „Ja – so wie ich.“ „Aber was ist passiert?“ „Die Geräusche – bei euch ist es so laut. Ich bin so erschrocken, da etwas über mich hinweg geflogen ist, dass so viel grösser als eine Elfe war und so laut. Ich bin gerannt und hängen geblieben.“ „Und jetzt – kannst du zurück in deinen geschützten Wald?“ „Ja, aber ich muss erst heilen. Das geht zum Glück schnell bei uns. Eins, zwei Tage, dann kann ich zurück. Willst du mich begleiten? Du bist was Besonderes und ich kann mir vorstellen, dass es dir bei uns gefällt“ „Ich – äh“ Ich schaute zu Ariana, die mich so treu, verliebt anblickte. „Nein – ich kann sie nicht alleine lassen.“ „Das musst du nicht. Ariana ist herzlich willkommen. Tiere sind immer willkommen.“ Ich überlegte. Einen Zauberwald besuchen – dort vielleicht leben. „JA! Ich komme mit.“ „Aber überlege es dir noch genau – wenn du dort bist, kannst du nicht zurück. Es ist ein One-Way-Ticket.“ „Ich schlafe drüber. Ich werde genau überlegen.“ „Gut – ich würde gerne etwas schlafen. Wir sehen uns dann morgen.“ Ich nickte und streichelte schüchtern über seinen Rücken. „Komm Ariana – wir haben einiges zu besprechen.“

Im Schlafzimmer überlegte ich lange. Es hielt mich die halbe Nacht wach. Als ich dann endlich einschlief, träumte ich. Ich sah kleine Wesen um mich herum fliegen. Die Blumen hatten einen so lieblichen Duft, der mich verführte zu tanzen. Die Sonne warf warmes Licht durch die Bäume. Und Feen tanzten auf den Lichtungen. Sie winkten mir zu, dass ich mit ihnen tanzen sollte und ich fühlte mich zu Hause. Meine Entscheidung war gefallen. Ich würde mit dem Einhorn gehen.

ENDE

[abc.etüden]

Schreibeinladung für die Textwoche 01.19 | Extraetüden – unerklärliche Phänomene

Eine ganz besondere Schreibaktion für mich sind die Etüden. Hier kann ich mich so richtig austoben und auch bisschen wirr werden. So wie heute.

Aber erstmal zu den Regeln. Die Etüden werden von Christiane moderiert. Jeden ersten und dritten Sonntag bekommen wir neue Begriffe. In den Monaten mit einem fünften Sonntag wird es wild. Da wird improvisiert.

So wie dieses Mal. Wir haben einen fünften Sonntag, und wir nehmen die Worte von

Elke H. Speidel und dergl:

Winterbaum, nasskalt, nachtrauern
Regenbogen, 
transparent, bluten.

Davon suchen wir uns fünf aus und verpacken sie in maximal 500 Wörter.


Wie ich schon angekündigt habe – ich hab mich total sinnlos ausgelassen und es hat total Spass gemacht – also eine Geschichte ohne Hand und Fuss – aber einer Blutspur.

397 Worte


Angelika lief durch die Straßen. Es war wieder mal eklig, nasskalt. Sie hasste dieses Wetter. Klar sagten immer alle – Kalt ist ok, wenn es trocken kalt ist. Sie schüttelte sich. Ihr blieb nichts, sie konnte dem schönen warmen Sommer nur nachtrauern. Ja, sie wusste, dass es bald Frühling werden würde.

Plötzlich wurde sie gestoppt. Sie war mitten in einen Berg hinein gelaufen. Also in einen Kleiderberg. Vor ihr stand ein Riese. Sie blickte nach oben. Sein Kopf war so weit weg, dass er fast transparent wirkte. Es war einfach nicht zu erkennen wo sein Ende war.

Dann bewegte sich dieser Riese. Er blickte nach unten und betrachtete sie wie ein lästiges Insekt. In diesem Moment hatte sie Angst, er würde sie wie eins zertreten. Und schwor sich, das selbst nie wieder zu tun. Aber er bückte sich. „Angelika?“ Sie meinte ein Donnergrollen zu hören, bevor sie ihren Namen erkannte. „Äh, Ja?“ „Was ein Glück, ich suche dich schon ewig.“ „Warum?“ „Ich komme über den Regenbogen?“ Ich drehte mich um. „Welchen Regenbogen? Hier ist keiner.“ „Na ich bin ja auch schon einige Zeit hier, um dich zu suchen. Der Letzte Regenbogen hat mich hier hergeführt.“ „Tja, das ist schön, aber was hat das mit mir zu tun. Und warum ist denn ein Riese hier. Es gibt keine Riesen.“ „Nun, da scheinst du dich ja wohl zu täuschen, wie du siehst. Sonst würde ich ja wohl nicht hier stehen. Immer diese Skeptiker. Da hab ich irgendwie keine Lust mehr drauf. Gut, ich hab keine Wahl. Du musst mitkommen.“ „Äh, Nö.“ „Äh, doch.“ „Wieso sollte ich.“ „Weil du gleich bluten wirst.“ Ich blickte mehr wie ein Fragezeichen. „Was werde ich?“ „Du bist bisschen langsam, oder? Bluten.“ „Und warum, und was hat das mit Regenbögen und Riesen zu tun?“ „Tja meine Gute, das weiß ich auch nicht. Ich bin nur hier, weil du gleich bluten wirst – einfach so und wir suchen Menschen, die spontan bluten.“ „Du willst mich schon bisschen veralbern, oder?“ „Vielleicht. Aber das ändert nichts an der Tatsache, dass ich dich jetzt mitnehme.“ „Ne, ich will aber nicht. Du kannst mich nicht…“ Schon war es passiert. Der Riese schnappte Angelika und verschwand mit ihr hinter den Wolken – dort wartete ein Regenbogen. Das einzige, das von ihr übrig blieb war eine Blutspur – keiner hatte sie je wieder gesehen und es gab absolut keine Erklärung zu diesem Fall. Ein unerklärliches Phänomen.

writing friday

[#WritingFriday] Week 1 – der magische gefrorene See

Neues Jahr neues Glück. Ich freue mich, dass elizzys Writing Friday weiter geht. Ich hoffe, dass ich mir bisschen mehr Zeit nehmen kann, um wieder regelmässiger zu schreiben. Denn es fehlt schon, da es doch so viel Spass macht.

Ich habe mich heute für eine kleine magische Geschichte entschieden.

  • Erzähle eine Geschichte über den gefrorenen See in deiner Kleinstadt.

 

Es gab eine kleine Stadt – ihr Name ist nicht wichtig. Es war eine Stadt, wie es viele gab. Sie hatte einen wunderschönen See. Einen See, wie es in vielen Städten gab.

Im Sommer spendete er Kühle. Man konnte in ihm schwimmen und tauchen. Picknicks wurden an seinen Ufern abgehalten. Und abends, wenn die Sonne untergegangen und die Glühwürmchen sanftes Licht spendeten, kamen die jungen verliebten Menschen um sich ihre Liebe zu gestehen.

Dieser See war so wunderschön. Im Winter fror er immer zu. Und spendete den Menschen weiterhin viel Spaß. Ein magisches Glitzern lag auf der Eisschicht. Wenn man am Rand stand und die Sonne, oder auch der Mond drauf schienen, schimmerte er magisch.

Um Mitternacht  konnte man Schemen erkennen. Als würde eine Tür zu einer anderen Welt geöffnet. Es waren Menschen, nein keine Menschen. Schatten, Geister. Es waren die Verstorbenen dieses kleinen unbekannten Städtchens.

Eines Nachts, ich stand an dem See und wartete. Ich wollte es mit eigenen Augen sehen. Vielleicht konnte ich meine kleine Schwester sehen. Sie war erst kürzlich verstorben und, sie fehlte mir so ungemein. Die Gerüchte besagten, dass alle die hier gestorben waren auftauchten, wenn der See gefroren war. Nur zu dieser Zeit.

Während ich so dastand und auf Mitternacht wartete, versammelten sich immer mehr der Bewohner. Ich blickte mich um. Alle schienen etwas schüchtern zu sein. Nur wenige wirkten selbstbewusst und grüßten die Neuen. Ich war also nicht die Einzige, die ihre geliebten sehen wollte.

Ich hatte eine Thermoskanne mit heißem Kakao dabei. Während ich also wartete, dass die Zeiger sich mühevoll der zwölf näherten, genoss ich meinen heißen Kakao und das magische Schimmern des Sees. Dann war es soweit. Es war Mitternacht. Und wie ein Schleier, der bei Seite geschoben wurde, eröffnete sich eine andere Welt. Auf dem Eis tummelten sich unzählige Gestalten. Sie fuhren auf ihren Schlittschuhen und lachten und tanzten. Sie wirbelten an uns vorbei und winkten uns. Sie luden uns ein mit ihnen zu tanzen.

Schnell zog ich mir meine Schlittschuhe ein. Ich glaubte Musik zu hören. Ein befreiendes Lachen, erklang aus allen Ecken. Schnell schritt ich aufs Eis. Ich fuhr durch die Gruppen. Sie machten mir Platz. Dann sah ich sie. Meine kleine geliebte Schwester. „Lara.“ Rief ich. Sie blickte sich um. Dann kam sie auf mich zu. Sie nahm meine Hände in ihre. Sie waren gar nicht kalt. Dann zog sie mich mit sich und wirbelte mich auf dem Eis umher. In meinem Herzen ging ein Licht auf. Sie war glücklich. Ich war glücklich. Eine Stunde später ließ sie mich los. Sie zog sich winkend zurück. Ich wollte ihr folgen, als mich jemand aufhielt. „Nicht, du kannst nicht mit ins Totenreich gehen. Sie kommen wieder, wenn der See morgen noch gefroren ist. Sie kommen immer wieder, wenn er gefroren ist. Du wirst sie immer sehen können. Im Winter. Deswegen freuen wir uns alle immer, wenn der erste Frost angekündigt wird. Denn dann sehen wir unsere Liebsten und sie freuen sich uns zu sehen. Also komm morgen wieder, Kind. Genieß die Zeit, bis zum Tauwetter.“ Ich blickte die freundliche Dame an und blinzelte die Tränen weg. Ja. Ich würde wieder kommen, jedes Mal wenn der See gefroren war, würde ich meine kleine Schwester sehen können und mein Herz begann zu tanzen

Schreibkicks

Schreibkicks – Märchen der guten Vorsätze

Ich hoffe ihr habt das Jahr sicher und gut gestartet? Bei uns war es lustig und entspannt. Jetzt muss nur noch die Bowle aus dem Blut verschwinden ;-)

Ich nutze die Schreibkicks wieder für mein neues Team. Aber ich muss noch kurz erwähnen, dass den Schreibkickern ein Teil vielleicht entgangen ist, da ich eine Überleitung zu der heutigen Geschichte brauchte. HIER könnt ihr gerne nachlesen, ist aber nicht wichtig für diesen Teil. Ein ganz kurzer Teil nur.

Mit dabei waren:

Keya, die neue Freundin ist eine Baumnymphe, die den Weihnachtsbaum beschützt. Nur so kurz.

Bisher erschienen:

Schreibkicks – die vererbte Zeitkapsel

Schreibkicks – Weihnachstspezial – Die Sache mit dem Rentier

Mach was…mit einer Festtags-Leckerei


Schreibkicks – Das Märchen der guten Vorsätze

Unser erstes Silvester. Nach einigen kleinen Zwischenfällen ist es richtig gut geworden. Das Feuerwerk war einfach traumhaft. Ich war ja nicht wirklich Fan davon, aber sogar ich konnte mich nicht dieser Schönheit entziehen. Ich – ja wenigstens ich und Richard, waren halt auch nur Menschen.

Amelia, unser guter Hausgeist, war ja bisschen angesäuert, weil wir so leckere Sachen essen konnten. Als Geist wurde ihr dieses Vergnügen ja leider verwehrt. Keiner so wirklich auf ihr Gejammer eingegangen. Keiner achtete wirklich auf sie. Während wir also noch das hübsche Feuerwerk bewunderten, versetzte sie unsere alkoholfreie Bowle, mit allem möglichen alten Flaschen aus dem Weinkeller. Ein dämonisches Lachen entwich ihr.

Schwatzend kamen wir aus der Eiseskälte wieder herein. Da das Haus noch nicht komplett eingerichtet war, holte ich schnell meinen MP3 Player – ja bisschen antiquiert – aber ich hätte auch noch einen mobilen CD-Player – also ist der MP3 Player schon modern. Dort ließ ich meine Play List laufen. Alles Lieder der achtziger. Die Musik machte einfach Laune. Sofort fing ich an zu tanzen. Ich schnappte mir Morphi und wir tanzten. Ich tanzte und Morphi versuchte seine Bandage zusammen zu halten. Denn bei jeder Drehung wickelte sich ein Stück ab. Keya, unsere neue Freundin, ging richtig aus sich heraus. Wo doch Baumnymphen eher zurückhaltend sind. Sie schnappte sich ein aufgewickeltes Ende und wickelte sich immer näher an Morphi. Das gefiel ihm so garn nicht. Er zog und zog, damit wirbelte er sie herum, so dann sie am Ende in Franks Armen landete. Der so perplex war, dass er sie gleich wieder fallen ließ.

Dracula brachte die Bowle – er hatte sich seine mit bisschen Blut angereichert – oder eher umgekehrt.

„Kommt, wir müssen noch unser Tischfeuerwerk entzünden und Bleigießen spielen. Ein Wunder, dass du noch ein Set bekommen hast. Ist doch dieses Jahr verboten worden.“ „Ich hab so meine Quellen.“ „Hört, hört – unser heimlicher Bad Boy?“ Richard errötete leicht. Ich hatte mittlerweile schon so einige Gläser von der Bowle und mir ging es immer besser. Ich konnte kaum aufhören zu lachen. Wir zündeten die Wunderkerzen an und mussten dabei noch Morphi löschen, der es nicht lassen konnte und auch unbedingt eine zünden wollte. Die alten Bandagen brennen recht schnell.

Wir tanzten ausgelassen durch die große Halle. Dann fielen wir alle ermattet und ziemlich betrunken auf den Boden. Von allen, sagen wir Menschen, die meisten anderen waren ja irgendwie tot, hob sich die Brust außer Atem. Und dann kam das Monster. Es klopfte an die Tür, glaube ich. Oder es schallte einfach nur wie ein Todeshauch durch die Halle. Ich übertreibe nicht – so habe ich das in Erinnerung – der Alkohol mag das verstärken, aber es wisperte sehr laut. „Vorsätze, sagt mir eure Vorsätze. Ich brauche eure guten Vorsätze.“ „Pst, flüsterte Minerva, habt ihr das gehört?“ Dracula war stocksteif geworden, Morphi versteckte sich hinter Frank, Keya tarnte sich an dem Weihnachtsbaum. Richard und ich blickten uns verständnislos an. „Was ist denn?“ Meinte Richard. „Vorsätze. Das Monster der Vorsätze sucht die Häuser heim.“ „Na, das ist doch normal, oder. Man macht Vorsätze, um sie dann eh zu brechen, dann fühlt man sich mies. Der Lauf des Silvester/Neujahr Tags.“ Minerva schnaubte: „Menschen, sie wissen es nicht. Es gibt ein altes Märchen, und ihr wisst ja wie das mit Märchen ist. Es steckt immer ein Stück Wahrheit drin.  Hört zu.“

Wir rutschten in die Mitte des Raums, in dem ein Lagerfeuer erschien. Um uns herum entstand ein dichter Wald. Es war einfach fantastisch mit Fabelwesen zu leben, sagte mir mein umnebeltes Gehirn. „Das Monster, der guten Vorsätze. Seit die Menschen rational denken gibt es dieses Monster.  Es schleicht sich zum Jahreswechsel in die Gehirne der Menschen.  Seine Aufgabe ist es, sie zu manipulieren. Du!“ Ich zuckte zurück. „Wie oft hast du dir irgendwas vorgenommen im neuen Jahr?“ „Äh, isch glaub, jedes Jahr.“ Nuschelte ich. „Und wie oft hast du es gebrochen?“ „Isch glaub jedes Jahr.“ Wiederholte ich. Richard stimmte mir nickend hinzu. „Seht ihr. Jedes Jahr, jeder Mensch. Bei uns klappt das nicht – das hat das Monster aber auch schon probiert. Aber schnell aufgegeben, da wir ihm die Energie entzogen haben, die er so mühevoll aufgesammelt hat.

Also.“ Stoppte Minerva geheimnisvoll. „Ihr wisst, die Menschen sind so ziemlich das schlimmste, was es auf der Erde gibt. Keine Rasse hat so viel  Zerstört. Und in den dunklen Zeiten, als der Glaube an die mächtigen Götter noch stark verbreitet waren, beichteten die Menschen zum Neujahr ihre Sünden. Und schworen ihnen ab, da sie die Bestrafung der Götter fürchteten. Aber, da die Menschen sich nie bessern würden, entstand dieses Monster. Es ist quasi ein Abfallprodukt, der Menschlichen Verfehlungen. Es streicht durch die Wohnstätten der Menschen und haucht ihnen den Willen der Vorsätze ein. Dann labt es sich an den Verzweiflungen, wenn sie nicht eingehalten werden. Es ist widerlich. Denn, es raubt dir immer ein ganz kleines Stück deiner Seele. Jedes Jahr ein bisschen. Die Menschen verzweifeln und jammern, dass sie nicht Willensstark genug sind und diese Verzweiflung, ist die Nahrung des Monsters.“ „Aber, wenn keiner gute Vorsätze hätte, würde überhaupt eine Veränderung stattfinden?“ Fragte ich. „Was meinst, du? Würdest du eine Schokotorte essen, wenn du es dir nicht verboten hättest?“ „Bäh, wohl eher nicht?“ „Siehst du. Dein gesunder Menschenverstand, würde dich daran hindern. Ebenso würdest du von dir aus, mit Sport anfangen, oder was du sonst gerne machen würdest. Je mehr Druck du dir machst umso eher ist es zum Scheitern verurteilt und so mieser fühlst du dich. Und das Monster der Vorsätze wächst und wächst.“  Entschlossen stand ich auf. „Gut, mit dem heutigen Tag, werden die guten Vorsätze hier verbannt. Es wird nie wieder gute Vorsätze geben, nur glückliche Menschen.“ In meiner Hand erschien, durch Zauberhand ein Glas Sekt. „Darauf erheben wir die Gläser. Hier wird es nur entspannte Menschen geben.“ Sie blickten mich alle zweifelnd an. „Gut, ich ändere es. Es wird Menschen geben, die aus sich heraus, das Beste machen, nicht weil sie es sich aufdrängen lassen. Das Monster der guten Vorsätze hat hier keinen Zutritt.“ Ich meinte ein tiefes grummeln draußen vor der Tür zu hören. Aber das Glas Sekt, spülte alles hinunter. Und wir feierten entspannt das neue Jahr.

 

Mach was mit...

Mach was…mit einer Festtags-Leckerei

Mach was…mit einer Festtags-Leckerei – Das ist das neue Thema von Die Pö und Herba. 

Das Jahr ist fast rum und ich hab eine neue Lieblingsfamilie ins Leben gerufen. Gestartet haben sie mit der Zeitkapsel und ich bin so vernarrt in die Truppe, dass bestimmt noch einige Geschichten mit ihnen kommen werden.

Bisher erschienen:

Schreibkicks – die vererbte Zeitkapsel

Schreibkicks – Weihnachstspezial – Die Sache mit dem Rentier

Heute schauen wir mal, wie Silvester bei dem Trupp gestaltet wird.


Festtags-Leckerei

Kaum hatten wir die Aktion mit dem Rentier geregelt und es gemütlich Weihnachten verbracht, waren auch die Feiertage schon wieder vorbei. Am zweiten Weihnachtsfeiertag saßen wir alle am Tisch. Ich betrachtete die festliche Tafel. „Also ihr Lieben. Hier sieht es aus als wäre der Weihnachtsmann noch mal mit seinem Schlitten drüber gefahren. Unfassbar.“ Alle saßen gut gefüllt auf ihren Stühlen. Die einzige, die sich nicht fühlte, als wäre sie gemästet worden, war natürlich Amelia. „Das ist ganz schön unfair. Jemand sollte sich mal schlau machen, ob nicht auch Geister sich vollfressen können. Ach“ seufzte sie tief bedrückt. „Es fehlt mir ja als Geist nicht viel – nur das Essen und Trinken. Das fehlt mir wirklich. Hmmmm der Geschmack von leckerem Braten mit Klößen und Rotkraut.“ Ein tiefes gequältes Stöhnen kam von uns andern. Keiner wollte jemals wieder etwas von Essen hören. Der einzige, der noch munter weiter knabberte, war Frank. Ja, das war wohl auch kein Wunder, ein Berg von zwei Metern mit einer unmessbaren Schulterbreite, da eh keiner dran kam, der war natürlich nicht so schnell satt zu bekommen.

Aber der Alltag kam schneller als wir wollten. Weihnachten war vorüber und das Haus immer noch nicht so, wie ich es gerne hätte. Es sollte freundlich und wohnlich werden. Weniger wie ein Gruselhaus. Aber trotzdem nicht so, dass ständig jemand hier klingelte. Vielleicht könnte Minerva da noch einen Schutzzauber wirken. Ja, so stellte ich mir das vor.

Wir hatten also gerade mal das Weihnachtschaos beseitigt – ihr könnt euch nicht vorstellen, was Fabelwesen so unter dem Weihnachtsbaum anstellen, wenn sie Geschenke sehen. Da sind Kleinkinder nichts dagegen. Schade, dass ich sie nicht filmen konnte. Hier gab es eine No-Videokamera-Politik. JA! Wir wissen doch alle wie ungeschickt so manche Fabelwesen mit der Technik sind. Und schwupp-di-wupp landet ein harmloses Video auf YouTube und dann. …rennen sie uns unser hübsches Haus ein. Ne, ne. Deswegen gab es ein Video und Foto Verbot. An das ich mich auch eher ungern hielt. Aber ich war ja auch die Hausherrin – ich durfte das. Verratet es nur nicht den Bewohnern. Die würden mich von der Decke baumeln lassen und als Boxsack verwenden. Ach, nein – eigentlich sind sie ganz lieb. Aber ich habe auch noch keinen verärgert.

Wir alle kennen ja die Geschichten um die Fabelwesen. Macht doch mal eines von Frankensteins Monstern sauer – dann habt ihr einen neuen Durchbruch zur Küche. Ja, Frank war unser Koch. Er war einfach ein Genie in der Küche. Abgesehen von dem zerbrochenen Geschirr, klappte das meist auch recht gut.

Dann gab es noch Morphi – unsere Mumie – noch hatte ich seine Begabung nicht herausfinden können. Außer, dass er wirklich eine Seele von Mumie war und mit seinen Bandagen einen auch schon mal warm halten konnte, wenn es einem nichts ausmachte, dass sie etwas muffig rochen.

Minerva hatte ich schon erwähnt. Sie war die Haushexe. Gut, dass sie nicht wusste, dass ich sie so betitelte – sie war sehr stolz und eigen. Haushexe, wäre eine absolute Degradierung. Äh – eine Oberhexe? Oder Märchenhexe? Aber ich glaube nicht, dass sie vergleichbar mit Cinderellas hübscher Hexe war – eher in Richtung geläuterte Maleficent.

Dann lebte noch Dracula hier – der dunkle Fürst. Er war immer sehr zurückhaltend. Wir hatten einen ausreichenden Vorrat an Blutkonserven. Selbst wenn er immer wieder das Gesicht verzog, wenn eine neue Konserve geöffnet wurde. Er sagte dann immer, das sei wie Champagner aus der Dose zu trinken. Manchmal, denke ich, suchte er einsame Frauen auf um sich mal echten Champagner zu gönnen. Aber da nie etwas Seltsames in den Medien erschien, machten wir uns keine Gedanken. Schließlich war er ja schon seit paar hundert Jahren erwachsen.

Dann gab es noch unsere kleine Perle – unser Sonnenscheinchen – Amelia. Sie war unser Hausgeist und immer gut gelaunt. Nervig gut gelaunt. Selten konnte ihr was die Stimmung verderben. Aber sie war wirklich nervig – und da sie ohne Probleme durch Wände glitschte – hielt sie auch nie viel von Privatsphäre. „Ich bin ein Geist – ich hab schon alles gesehen – stell dich nicht so an. Für dein Alter ist dein Körper echt noch gut in Form.“

Das Orakel – sie war es, die mich meiner Urgrosstante empfohlen hat. Ich wäre die richtige, das Haus zu erben. Nun – wir werden sehen.

Dann der adrette Richard. Ein toller und gar nicht so schlecht aussehender Helfer. Der Hauswart. Unser Held und Helfer in jeglicher Notsituation. Ich mag ihn. Wenigstens ein fast normaler Mensch, der mir unter die Arme griff.

Es gab noch leere Zimmer, die aber im Moment nicht bewohnbar waren. Da musste noch etwas saniert werden. Vielleicht würden noch paar Fabelwesen hier einziehen. Wollte ich das? Sie waren schlimmer als ein Sack Flöhe.

Ruckzuck war die Woche rum und Silvester stand vor der Tür. Der Weihnachtsbaum in der Halle glänzte noch in seiner vollen Pracht. Bis zum Abend hatte er immer wieder die Hälfte der Nadeln verloren und am nächsten Tag hingen sie wieder an seinen Ästen. Ich hatte Amelia im Verdacht. Sie würde Minerva bestimmt so lange nerven, dass sie einen Zauber dafür einsetzte

Richard betrat die große Halle, ich saß auf der Stufe und bewunderte den Baum und die glänzenden Lichter, die ohne Stromquelle leuchteten.  „Hei, alles klar bei dir?“ Ich blickte ihn irritiert an.“ Hä, ja, ja – ist der Baum nicht schön. Ich könnte ihn ewig betrachten. Aber er läutet irgendwie ja auch das Ende des Jahres ein, oder nicht?“ „Hm, hab ich noch nie so gesehen, aber ja, irgendwie schon. Aber ein Ende bedeutet ja auch ein Neuanfang. Das neue Jahr wird bestimmt aufregend. Meinst du nicht.“

Ich zog die Stirn in kraus und blickte ihn zweifelnd an. „Neues auf jeden Fall. Und hundert Prozent aufregend. Da zweifle ich nicht dran. Was hast du da?“ „Silvester steht auf dem Plan. Und ich bin einkaufen gefahren. Jetzt wo wir ein moderner Haushalt werden, sollten wir auch das Jahr gebührend begrüßen.“ Immer noch hefteten meine Augenbrauen unter meinem Haaransatz. Ob meine Stirn sich jemals wieder entspannen würde?

„Was hast du gekauft? Bloß kein Feuerwerk?“ „Um Gottes Willen. Ich gebe für so einen Mist kein Geld aus – ne. Das maximale sind Wunderkerzen und Tischfeuerwerk. Nein – ich hab Girlanden, Konfetti, Ballons und alberne Spitzhüte und Tröten. Dann natürlich Sekt und alles für eine lecker Bowle.“ „Bist du sicher, dass wir Alkohol ausgeben sollten? Meinst du unsere Freunde werden das vertragen?“ „Ne, bestimmt nicht – darauf freue ich mich ja. Besoffene Fabelwesen, wie lustig das wird.“ Er lachte sehr dreckig. Und ich musste einfach einstimmen. „Äh, ja und dann Essen.“ Ich hatte noch nicht gefrühstückt und merkte, dass mein Magen laut grummelte und mir schon das Wasser im Mund zusammen lief. „Das klingt sehr lecker – ich hab jetzt Hunger – komm lass uns  in die Küche gehen.“ Richard trottete mir absolut dämlich grinsend, hinter her. Ich konnte mir schon vorstellen, wie es in seinem Kopf rumorte. Er stellte sich gerade unsere Besoffenen Mitbewohner vor. Ich schüttelte mit dem Kopf und überlegte, ob ich nicht schnell eine Haftpflichtversicherung abschließen sollte.

In der Küche trafen wir natürlich auf die gesamte Meute. Sogar Dracula war da – wir hatten die Fenster mit einer Sonnenschutzfolie versehen – so konnte er sich hier zu jeder Tageszeit, ohne Bedenken aufhalten.

Richard stellte den Karton mit den Einkäufen auf den Tisch. Und sofort wuselten alle darum herum. Schlimmer als ein paar Katzen. „Was ist das alles?“ Fragte Minerva. „Alles für Silvester.“ Sie zog angewidert ein Päckchen Blei heraus. „Was ist das?“ „Na Bleigießen.“ Erläuterte ich und zog es ihr aus Zeigefinger und Daumen. „Bleigießen? Für was soll das sein. Silbergiessen würde ich noch verstehen, wenn ein Werwolf hier leben würde, aber Blei?“ Richard und ich blickten uns an. Ja – hier wurde es Zeit, dass mal die moderne Welt einkehrte. Meine Urgrosstante hatte sie alle zu sehr abgeschottet. Auch Fabelwesen durften mit der Zeit gehen. „Mit Bleigießen sagt man sich die Zukunft voraus.“ „Urg – das wäre mir neu. Mit Glaskugeln, oder aus kochenden Kesseln, von mir aus auch aus dem Kaffeesatz, aber Blei. Das hab ich ja noch nie gehört.“ Flapste sie und lachte uns aus.

„Das ist ein Spiel. Natürlich kann man da nicht die Zukunft herauslesen. Meist sind es eh nur Tropfen, da es keiner so richtig kann.“ Dann zog ich die bunten Knallbonbons heraus. Ich freute mich – es war schon lange her, dass ich Silvester feierte. Aufgeregt holte ich noch die Girlanden, Luftschlangen und alles andere heraus. „Amelia, komm, das ist dein Part – du darfst dekorieren und nimm Minerva mit – sie wird alles dort hin heften, wo du es willst.“ „Ne – das mach ich nicht – ich kümmere mich schon ständig um den Baum – ich werde hier mal richtig ausgenutzt. Das ist echt weit unter meiner Würde.“  Richard trat hervor und umgarnte Minerva. Er konnte wirklich sehr charmant sein. Auch Minerva konnte ihm nicht so ganz widerstehen. „Ach Minerva, komm, sei nicht so griesgrämig, das steht dir überhaupt nicht. Ich weiß, dass du das ganz toll hinbekommst. Wenn ich nur jeden Tag den tollen Baum sehe – ich  möchte nicht wissen, wie du mit dem anderen Kram zauberst.“ „Ich weiß nicht, das ist doch albern. Na gut.“ Und schmollend folgte sie Amelia.

„Frank – deine Aufgabe wird natürlich das Essen sein. Lass dir was einfallen. Unser erstes gemeinsames Silvester. Das muss knallen. „ Manchmal sollte man auf seine Wortwahl achten. Das würde ich noch zu spüren bekommen.

Während ich das Esszimmer vorbereitete und Richard mir half, die ganze Silvester Deko zu verteilen, hörte ich auf einmal ein scheppern aus der Vorhalle. Schnell rannten wir hin.

Ich stand da. Die Hände über dem Kopf zusammen geschlagen. Minerva stand mitten im Wust von Weihnachtskugeln, die um ihren Kopf schwebten und Lametta, das sie fesselte.

„Was ist denn hier los?“ fragte Richard. „ich war´s nicht.“ Antwortete Amelia sofort. Und machte unschuldige Augen und zeigte mit dem Zeigefinger auf Minerva. Ich blickte fragend zur Gezeigten. „Und?“  „Befrei mich erst mal, ohne meine Hände kann ich nicht zaubern.“  „Das ist Blödsinn, natürlich kannst du auch so zaubern, das hab ich schon gesehen.“ Sagte ich. „Nun gut. Ich wollte eigentlich nur den Baum etwas verrücken, damit wir für die Silvesterdeko Platz haben. Da greift SIE mich an.“ „Wer ist SIE?“ „Sie da.“ Minerva zeigte mit dem Kinn auf einen Fleck am Baumstamm. „Was die Tanne?“ Minerva rollte die Augen und blickte hilfesuchend Richard an. „Siehst du sie?“ Richard blickte intensiv in den Baum. Da – da sah er eine Bewegung. „Hei, hallo, wer bist du denn? Komm zeig dich, wir tun dir nichts.“ Da konnte auch ich die Bewegung wahrnehmen. Vom Stamm löste sich eine junge, wunderhübsche Frau. Eine Riesin. Sie war bestimmt etwa zwei Meter groß. Ich verschluckte mich. „Hallo. Was, äh, wer bist du denn?“ Anmutig stieg sie zu uns hinunter. Ich hätte mich sofort verlieben können, so ein wunderhübsches Wesen. Ich konnte in Richards Augen das Selbe Gefühl erkennen. „Ich bin Keya und eine Baumnymphe. Sie da“ dabei zeigte sie auf die immer noch gefesselte und strampelnde Minerva. „Sie wollte meinen Freund entsorgen. Nicht genug, dass er hier gefangen gehalten wird, schiebt sie ihn hin und her wie sie will. Kein Respekt.“ „Er wird doch nicht gefangen gehalten.“ Entgegnete ich. „Ach, nein. Ist das hier seine natürliche Umgebung? Wohl kaum.“ Keya machte ausholende Bewegungen. Ich zog meinen Kopf ein. „Entschuldige, aber wir haben doch Weihnachten nicht ohne Baum feiern können.“ „So ist das immer. Aber gut, dafür bin ich ja da, ich werde ihn schützen.“  „Ich wollte ja auch nichts Böses mit ihm machen. Bin ja keine so fürchterliche Hexe. Die Natur ist mein Steckenpferd, ohne geht bei mir ja nichts. Aber DIE da, “ dabei zeigte sie auf mich. „Will hier Silvester feiern. Solch ein Humbug. Und ich soll mich mit der da, “ sie zeigte mit dem Daumen hinter sich auf Amelia. „die Halle dekorieren.“ Die Nymphe schnippte mit den Fingern und die Girlanden lösten sich von Minerva. „Hör zu. Wir versprechen dir, der Baum wird einen tollen Platz auf unserem Grundstück bekommen. Dort kann er uns dann die nächsten Jahre erfreuen, und hat auch eine tolle Aussicht.“ Die Nymphe schaute uns aus kalten Augen an. „Gut, wenn nicht würdet ihr das eh bereuen.“ Ich blickte zu Richard, er zuckte mit den Schultern. „Wie wäre es. Wir laden dich ein zu unserer Silvesterparty?“ „Silvester. Das ist diese stinkende Angelegenheit, wo dieses furchtbare Geknalle von statten geht. Die armen Tiere im Wald flüchten da immer.“ „Ja, aber wir machen kein Feuerwerk. Nur ein bisschen hier drinnen, harmloses.“

In dem Moment, als ich das letzte Wort ausgesprochen hatte, hörte ich den Knall. Wir zuckten alle zusammen und dann mussten wir in die andere Richtung – Richtung Küche, rennen. Ich ahnte böses. Um zur Küche zu gelangen, mussten wir durch das Esszimmer. Aus der Tür der Küche quellte schon dunkler Qualm. Ich schloss kurz die Augen und dachte noch mal kurz an meine Haftpflichtversicherung. Ich sollte da mal mit dem Notar drüber sprechen. Aus der Tür kamen Morphi mit angesengten Binden und Frank heraus. Frank stoppte abrupt, als er die Nymphe sah. Aus dem rußgeschwärztem Gesicht funkelten dunkle Augen verwirrt und geblendet. Während er sich langsam weiter bewegte, übersah er eine abgewickelte Binde von Morphi und stolperte. Ich sah ihn fallen. In Zeitlupe, sah ich ihn fallen. Er landete genau auf der Ecke des Tisches. Und wie bei einem Katapult, landeten die Teller an der Wand.

Da war mein Knall. Frank lag am Boden, um ihn herum lauter Scherben und aus der Küche drang immer noch dunkler Qualm. Dann flog die Tür auf und Dracula trat heraus. „Ähm – du wolltest doch renovieren, oder? Du solltest in der Küche anfangen.“ Ich lehnte mich an die Wand und rutschte erst mal daran herunter. Da überlegte ich wirklich ob ich lachen oder weinen sollte. Ich entschied mich für Lachen. Ein leicht hysterischer Ton entschlüpfte meinen Lippen. Ich kringelte mich auf den Boden und konnte nicht mehr aufhören zu lachen. Amelia schwebte zu mir. Bückte sich und ich konnte sehen, wie sie eine kreisende Bewegung um ihre Stirn macht. „Ich glaube sie ist gerade durchgedreht.“ Ich setzte mich aufrecht und giggelte noch. Dann stand ich auf und ging zum Telefon.

Ich wählte eine Nummer: „Hallo, Emilio? Wie geht es dir? Gut. Hör zu, kannst du uns ein Festessen für…“ Ich drehte mich um und zählte schnell durch. „für sechs sehr hungrige Personen machen und zu uns liefern lassen? Super, ich danke dir. Ich wünsche dir und deiner Familie einen guten Rutsch. Ach und vielleicht noch ein Gläschen deines super Gewürzes.“

Ich wurde von sieben erstaunten Augenpaaren angestarrt. „Was wird das denn jetzt?“ „Ich will Silvester feiern. Mir egal. Also packt mit an. Geschirr weg, Deko wieder auf den Tisch. Morphi, kannst du für Dracula eine extra Portion Blut aus dem Keller holen? Danke. Frank. Mach dich bisschen sauber und nimm unseren Gast mit in den Garten. Sie soll dir sagen, was sie gerne essen möchte, und du kannst bestimmt was Tolles in den Überresten der Küche zaubern. Amelia, ja wir wissen es. Das Leben als Geist ist ungerecht. Aber du kannst trotzdem deinen Spaß haben.“

Sofort ging das Gewusel los. Alle taten wie ihnen gesagt. Nur Frank zögerte. Die Keya schüchterte ihn ziemlich ein. Eine Frau in seiner Größe und so wunderhübsch. Das konnte ich verstehen. Aber Keya nahm ihn beim Arm und zog ihn hinaus. „Das will ich mir nicht entgehen lassen. Komm, lass und bisschen was für mich sammeln.“ Unter der Rußschicht glaubte ich eine leichte Errötung seiner Wangen zu erblicken. Sehr süß.

Etwa eine Stunde später war alles gerichtet. Die Klingel ging und Richard öffnete. Der Lieferservice brachte unsere Festtags-Leckerein. Italienische Küche. Perfekt. Ich ging mit der Gewürzmischung zu Morphi und schütte sie in Draculas Blut. Er hasste es wenn ich das tat, aber ich konnte ihm immer ansehen, dass er das gewürzte Blut sehr genoss.

Die Tafel sah mit Pappbehältern und Aluschüsseln so festlich aus, wie es in dem Moment möglich war, aber das störte uns nicht. Wir aßen, und quatschen und spielten später paar Gesellschaftsspiele.

Kurz vor Mitternacht versammelten wir uns alle vor der Tür. Es war verdammt kalt. Jeder hatte ein Glas in der Hand und wir zählten die Zeit runter.

Um Mitternacht ging es los. Erst zuckten meine Freunde zusammen, aber es dauerte nicht lange, als die Ahhhs und Ohhhs entwichen. Wir hatten von unserem Hügel einen prächtigen Ausblick auf die Stadt unter uns. Das neue Jahr war eingeläutet und ich überlegte mir schon, welche guten Vorsätze ich mir vornehmen würde.

Guten Rutsch.

Schreibkicks

Schreibkicks – Weihnachstspezial – Die Sache mit dem Rentier

Hallo ihr Lieben – ich hoffe ihr habt einen entspannten Heiligen Abend. Und da es einfach passt, gibt es ein schönes Weihnachtspezial von Sabi.

Die Sache mit dem Rentier.

Mit dabei waren:

Und ich habe tatsächlich eine Fortsetzung zu der Zeitkapsel geschrieben.

Kommt mit und besucht Lissi zum Weihnachtsfest.

Die Sache mit dem Rentier

„Vielen Danke Tante Ernestine.“ Fluchte ich, als ich versuchte das geerbte Haus zu entstauben und zu entmüllen. Es bewahrheitete sich ein Klischee, das sie schon bei ihrer Oma beobachtet hatte: Alte Leute sammelten und horteten alles. Und alles war bei ihrer Tante noch untertrieben. „Lissi?“ rief jemand von unten zu mir in den ersten Stock herauf. Mit Spinnenweben im Haar und staubverschmierter Nase tauchte ich unter dem riesigen Bett auf. Wenn ich mal sauber machte, dann richtig. Und ihr könnt nicht glauben, was so Fabelwesen für einen Dreck machen. Da könnte ich mir auch einen Hund halten. Apropos. Das musst ich vielleicht mit den….äh – ja Bewohnern mal besprechen. Ein Wachhund wäre nicht die schlechteste Idee.

Ach – aber ihr wisst ja nicht um was es geht. Ich hatte ein Haus von meiner Urgrosstante, Ernestine geerbt. Toll, oder? In Gewisser Weise schon. Finanziell hat sie mich abgesichert, da ich nicht mehr zum Arbeiten kommen würde. Nach einigen Wochen dort verstand ich auch warum. Die Bewohner bedürften die volle Aufmerksamkeit. Die Bewohner – Sie waren was Besonderes. Ernestine war eine Weltenbummlerin und Sammlerin. Nicht nur Krimskrams, den ich jetzt nach und nach ausmistete. Auch Artefakte fanden ihren Weg in dieses besondere Haus. Es war eine Art Zufluchtsstätte für Fabelwesen.

Ja – ihr lest richtig. Fabelwesen. Hier wohnten ein Geist, ein Vampir, eine Mumie, eine Hexe, ein Dschinn, und eines von Frankensteins Monstern. Und es musste irgendwo ein Orakel sitzen, das mich als Nachfolgerin auserwählt hatte – aber das hatte ich noch nicht kennen gelernt. Sie soll wohl sehr viel Wert auf ihre Privatsphäre halten.

Von Privatsphäre hatte ich mich, seit ich hier wohnte schon verabschiedet. Schon der Geist machte es unmöglich. Ständig glitschte sie durch die Wände und erschrak mich. Jetzt nicht mehr so schlimm. Außer ich kam aus der Dusche. Das sah schon immer recht witzig aus, wenn sich in dem Duschnebel eine menschliche Figur ohne feste Konturen bewegt.

Amelia, der Geist rief aufgeregt von unten her. „Lissi? Wo bist du denn?“ Ich bin in Morphis Zimmer – Das war die Mumie – jetzt könnt ihr euch vorstellen, warum es da so staubig war.

Ich stapfte also etwas angesäuert hinunter. „Was! “ Vor mir schwebte ein Tablett. “Egg Nogg?” “Dafür rufst du mich runter?„ schnauzte ich Amelia leicht an. Sie manifestierte sich und das erste was ich zu sehen bekam, war ein Schmollmund. „Ich dachte ich überrasche dich mit was Leckerem.“ Schniefte sie. Sie war schon sehr sensibel. „Es ist Weihnachten und du schuftest so viel.“ Kam ein bisschen bockig von ihr. Ich ließ die Schultern hängen. „Entschuldige. Es ist nur so viel Arbeit.“ Amelia lächelte sofort wieder und schwebte mit dem Egg Nogg vor mir her. Ich versuchte ihn zu fangen, bevor sie noch mehr verschüttete. „Hmmm.. der ist lecker.“ „Hat Frank gemacht.“

Im Geiste sah ich die Küche vor mir. Frank war toll, aber durch seine Größe war er etwas ungelenk. So sah es auch dann immer aus, wenn er auftauchte. Und er backte so gerne. Innerlich seufzte ich und trank den Rest. „Apropos Weihnachten.“ Murmelte Amelia. Es ist schon soooo lange her, dass ich Weihnachten feiern durfte, so etwa hundert Jahre. Wir würden so gerne feiern.“

„Äh, Okay, und wie denkt ihr euch das? Wer soll das organisieren.“ Eine leichte Röte legte sich auf ihre durchscheinenden Wangen. „Oh, du musst gar nichts machen. Wir kümmern uns um alles.“ Ich blickte sie zweifelnd an.

In dem Moment kam Minerva, die Hexe die Treppe herunter. „Was ist denn hier schon wieder für ein Trubel. Ach – Amelia, natürlich, wo du bist ist immer irgendwas los.“ „Wir feiern Weihnachten.“ Sang sie und schwebte vom Boden zur Decke und wieder hinunter. „Und du musst zaubern.“ „Was muss ich – ich muss schon mal Garnichts. Weihnachten. So ein Humbug. Das ist doch nur was für Kinder.“ Aus dem Keller stampfte Morphi, die Mumie hoch. „Morphi, glaub nur. Lissi hat ja gesagt zu Weihnachten.“ „Was hab ich?“ Aber sie überhörten mich gerade.

„Was meint denn Richard dazu?“ Amelia hielt still und schien zu überlegen. Würde sie mir eine Lüge auftischen? Es sah ganz so aus. „Der hält sich raus. Er meint, das musst du entscheiden. Ist ja dein Haus.“ Na klar. Der adrette Richard, der mir die letzten Wochen wirklich eine große Hilfe war, hält sich neutral raus. Aus der Küche hörte ich es scheppern. „Was macht Frank?“ „Na kein Weihnachten ohne Plätzchen, oder? Er backt schon die ganze Nacht. Riechst du es nicht.“ „Jetzt wo du es sagst. Tatsächlich, nach dem sich Morphis Staub sich aus meiner Nase verabschiedet hat, rieche ich es. Hmmmm.“ Ich ignorierte das nächste Scheppern.

In dem Moment öffnete sich die Eingangstür und Richard kam herein gestampft. Er stöhnte und schnaufte. Dann trat er sich den Schnee ab. „Oh Mann. Das schneit und schneit.“ Hinter ihm konnte ich einen Schatten erkennen. Der Schatten eines Weihnachtsbaums. Ich stemmte  meine Hände in die Hüften. Dann blickte ich zu Amelia, die gerade dabei war sich aufzulösen. „Moment mal meine Liebe. Wie war das mit dem, wenn ich mein Okay gebe. Wieso hat Richard dann einen Weihnachtsbaum dort hinten versteckt.“ Richard drehte sich und sah, dass er nicht wirklich erfolgreich beim Verstecken war. Er zog entschuldigend die Schultern nach oben.

„Tada.“ Meinte er. Ich runzelte die Stirn. „So nach dem Motto, wenn der Baum schon mal da ist, dann wird sie schon nicht nein sagen?“ „Ja so in der Art.“

„Also wirklich. Ihr seid mir schon welche. Und wann soll ich….“ „Nein nein, du musst nichts machen. Wirklich. Wir kümmern uns um alles.“ Bestätigte Richard, die Aussage von Amelia. Und die schüttelte heftig bejahend ihre blonden Löckchen, mit denen sie schon wie ein Weihnachtsengel aussah.

Ich schnaufte, und hob meine Arme zur Seite. „Nun gut, dann überrascht mich.“ „Yeah.“ Und schon schwebte sie um mich herum. „Hör auf, mir wird ganz schwindelig.“ „Verschwinde jetzt. Leg dich in die Wanne und wenn das Glöckchen läutet ist alles fertig.“ „Und das Putzen?“ „Na, das läuft doch nicht weg, das kannst du doch nach Weihnachten auch noch machen.“ Na danke. „Da könntet ihr auch mal helfen.“ So schnell hatte ich die Truppe noch nie verschwinden sehen. Richard murmelte etwas vom Baum. Minerva davon, die Weihnachtdekoration zu planen und Amelia von Frank in der Küche helfen. Der einzige, der nur verloren herum stand und sich hin und her drehte war Morphi. „Ja, ja schon gut. Mit deinem Zimmer bin ich eh fertig.“ Blinzelnd blickte er mich an und ein staubreiches Danke verließ stöhnend seinen bandagierten Mund. Ich winkte ab und ging nach oben. Dort wollte ich mir Wasser einlassen und mich auf den Weihnachtsabend freuen.

 

Während ich mich in das warme Wasser sinken ließ, ging es in der Küche und im restlichen Haus hoch her. Im Hintergrund ließ ich Weihnachtsmusik laufen und einige Kerzen beleuchteten sanft meine Seifenblasen. Ich war fest bereit alles um mich auszublenden. Das sollten die anderen alles organisieren.

„Frank, Frank. Wie sieht es denn hier aus? Lissi wird ausflippen.“ Er tapste unbeholfen durch die Mehlpampe, die er großflächig in der Küche verteilt hatte. Amelia schwebte aufgeregt um ihn herum und machte es noch schlimmer, da er mit den Armen wedelte und noch mehr herunter holte. Die Milch schwankte gefährlich. In dem Moment als sie fallen wollte, war nur ein Windhauch zu fühlen. Eine Hand schoss hervor und fing sie auf. „Dracula. Was ein Glück bist du da. Wir feiern Weihnachten.“ Flötete Amelia, die heimlich für den stattlichen Fürst schwärmte. „Weihnachten?“ Kam es, in  seiner Grabesstimme, die ihr eine Gänsehaut verursacht hätte, wenn sie noch ein Mensch gewesen wäre. Verliebt blinzelte sie ihn an. „Jaaaa. Weihnachten, ist das nicht toll?“ „Mpf“ kam es nur von ihm.

Richard betrat gerade die Küche. Er stockte. Dann blickte er zu Frank, der unbeholfen zurück blickte. „Tschuldigung.“ Richard seufzte. „Dracula, hier dein Weihnachtsblut.“ „Weihnachtsblut?“ „Ha, ja du wirst lachen. Im Mysteryladen – du weißt schon, in der dunklen Gasse, da verkaufen sie Weihnachtsblut. Angereichert mit Zimt, Nelken und Kardamom. Ist das nicht cool.“ „Was ist das für ein neumodiges Zeug?“ brummte er. „Und dann noch kalt. Das waren noch Zeiten, als ich Transsilvanien unsicher gemacht habe. Die Jungfrauen fürchteten und verehrten mich. Und ihr Blut war so lieblich, es brauchte nicht künstlich angereichert zu werden.“ „Ja, ja. Meinte Minerva, die gerade dazu kam.“ „Ach je Frank!“ Er blickte sie bittend an. Sie seufzte. Schnippte mit den Fingern und die Küche blitzte wieder. „Warum hilfst du eigentlich Lissi nicht beim Putzen?“ Fragte Richard. „Hei, sie muss sich doch nützlich fühlen, oder? Wenn ich alles mit einem Fingerschnipp erledigen würde, wie würde sie sich fühlen? So ohne Nutzen?“ Richard erhob drohend den Zeigefinger. „Verrat mich nicht, sonst verzaubere ich dich. Vielleicht in einen Frosch? Ach, das ist schon so lange her, dass ich das gemacht habe.“. „Schon gut, schon gut. Kommt helft mir bei dem Weihnachtsbaum. Und Frank, die Plätzchen riechen hervorragend. Auch der Braten im Ofen. Du bist einfach ein Meister im Kochen und im Chaos verursachen.“

Sie waren alle gerade in der großen Halle, als es klopfte. „Wer kann das sein?“ „Der Weihnachtsmann.“ Meinte Amelia hoffnungsvoll. Richard blickte sie augenrollend an. „Ja klar.“ Er stapfte zu Tür, während Amelia um den Baum herum schwebte und die Lichterketten anzuhängen. Minerva, stand dabei und beobachtete. Sie plante schon die restliche Deko, die sie ständig hin und her fliegen ließ.

Richard öffnete die Tür. Er stutzte. Drehte sich um und sagte: „Hei Leute. Ich glaube wir müssen den Stall aktivieren.“ Sie blickten alle zur Eingangstür und sahen ein Rentier.

„Rentier.“ Schrie Frank und stampfte aufgeregt zu ihm, mit ausgestreckten Armen. Erschrocken fing die Nase des Rentiers rot an zu blinken. „Rudolph?“ Fragte Richard unsicher?

„Ja, wer denn sonst.“ Schnauzte er unfreundlich. „Hei, warum so grimmig?“

„Lass ihn rein Richard, er bringt den ganzen Schnee und die Kälte ins Haus.“ Blaffte Minerva von der Treppe aus. Richard öffnete die Flügeltür, damit Rudolph mit seinem Geweih durch die Tür kam. „Was machst du hier? Heute ist Weihnachten. Musst du nicht den Schlitten des Weihnachtsmann leiten?“ „Pah, der Weihnachtsmann, der kann mir mal gestohlen bleiben.“ Alle blickten sich ratlos an. „Was ist passiert?“ Fragte Dracula unheilschwanger. „Ihr werdet es nicht glauben. Er nannte mich Fett. Ich sei in den letzten Monaten zu Fett geworden um den Schlitten anzuleiten. Ja was soll ich denn machen. Außerhalb von Weihnachten ist es so tot langweilig am Nordpol und der Bäcker backt und backt und backt. Ich bin halt so ein Süssmaul und jetzt. Schaut euch meine Wampe an.“ Er drehte sich zur Seite und sie konnten einen beachtlichen Bauch bewundern. „Äh, ja. Und was macht der Weihnachtsmann jetzt?“ „Das ist mir doch egal. Soll er sich ein Navi nehmen und zusehen, wie er damit die Kinder findet. Pah.“ Er setzte sich und schlug seine Vorderbeine trotzig übereinander.

„Okay. Und warum kommst du hier her?“ „Ach das weiß doch jeder, dass Ernestine uns aufnimmt, wenn wir in Not sind. Und das ist ja wohl eindeutig eine Notsituation. Ich werde gemoppt. Jawoll.“ „Ernestine ist verstorben. Das Haus gehört ihrer Großnichte Lissi.“ „Oh, meint ihr sie wird mich aufnehmen?“

„Wen soll ich aufnehmen?“ Fragte ich. Der Tumult hatte mich aus der Wanne geholt. Und ich konnte meinen Augen nicht trauen. In meiner Halle saß ein Rentier, dessen Nase aufgeregt rot blinkte. „Äh, wer ist das?“ Sie blickten mich alle zweifelnd an. „Wie meinst du das, wer ist das?“ Fragte Amelia. „Rudolph!! Von ihm wirst du wohl schon gehört haben.“ „Ja schon, aber was….“ „Der Weihnachtsmann moppt ihn, weil er etwas zugenommen hat.“ Unterbrach mich Richard.

„Na klar, Mobbing am Arbeitsplatz macht nirgendwo halt.“ Meinte ich sarkastisch. „Und wo soll er schlafen? Und was ist mit Weihnachten und…“ „Warte – wir haben einen gemütlichen Stall, den kann Minerva schnell herrichten. Oder?“ Richtete er entscheidend seine Frage an sie. „Äh, ja klar. Ich gehe schnell bisschen auskehren und Heu auffüllen.“ Und schon war sie weg. Ich schüttelte meinen Kopf.

Ich blickte von oben über den Haufen zum Treppenende. Wo war ich nur hier herein geraten. Ein halbfertiger Baum stand in der Halle, und ein Rentier saß davor und schmollte.

„Richard, komm doch bitte mal mit mir in die Bibliothek.“ „Äh, ja okay.“ Wir gingen in die Bibliothek. Ich schloss langsam die Tür und dann explodierte ich. „Was, zum Teufel machen wir jetzt. Wir haben das Leitrentier vom Weihnachtsmann in der Halle sitzen. Ein RENTIER!“ „Ja, das war nicht zu übersehen. Diese Sache mit dem Rentier…“ „Die Sache? Die Sache!“

„Beruhig dich, das wird schon alles gut gehen. Ich werde..ja ich werde zum Orakel gehen und sie bitten mir einen Tipp zu geben.“ „Das Orakel. Oh, ja. Da komm ich mit.“ „Äh, nö.“ „Was heißt hier, nö?“ „Man geht nicht zum ersten Mal unaufgefordert zum Orakel. Sie lässt einen holen“ „Wie bitte? Wir haben hier wohl eine besondere Sache, da wird sie bestimmt eine Ausnahme machen.“ „Ich weiß nicht…“ „Schnauze. Auf bring mich zum Orakel.“

Wir betraten einen geheimen Raum, dessen Tür ich nicht mal erahnt hatte. „Äh – Orakel. Wir haben ein Problem.“ „Richard, komm rein. Ach Lissi. Na schön dich endlich mal kennen zu lernen. Wie gefällt es dir denn hier?“ Ich drehte meinen Kopf schief zu Richard und blickte ihn herausfordernd an. Mein Blick sagte nur: „siehst du.“ „Ja gut, danke. Es ist eine interessante Erfahrung, muss ich sagen. Mal was anderes.“ „Ah, sie hat Humor, das ist toll. Was ist das Problem?“ „Wir haben da eine Sache mit einem Rentier.“ Meinte ich. „Ach ja, das hab ich vernommen. Rudolph, nicht wahr? Er ist immer bisschen sensibel. Ich werde den Weihnachtsmann informieren. Der sucht bestimmt schon nach seinem Liebling. In der Zwischenzeit könnt ihr ihn bisschen in Weihnachtstimmung bringen. Lieber, Plätzchen und so..“ „Besser keine Plätzchen, er ist etwas zu pummelig, meint der Weihnachtsmann.“ Das Orakel lachte. „Ja, ja, diese träge Zeit von Weihnachten zu Weihnachten, da ist Rudolph nicht der einzige, der da Probleme bekommt, oder warum meint ihr, ist der Weihnachtsmann so dick? Nicht von den paar Plätzchen von den lieben Kinderlein. So, jetzt lasst mich alleine, ich schaue gerade meine Lieblingsserie, Greys Anatomie, so rührselig.“

Schon standen wir wieder draußen und gingen zurück in die Halle. Wir berichteten was das Orakel und aufgetragen hatte und ließen Weihnachtslieder erklingen. Während des Schmückens sangen wir so falsch wir konnten und Rudolph lockerte langsam auf. Er stand auf und wackelte mit seinem Hintern zu den Liedern und sang kräftig mit.

Dann klopfte es heftig an der Tür. Rudolph versteifte sich. „Das ist er. Ich erkenne sein Klopfen.“ Meinte er trotzig. „Ich will nicht mit ihm reden.“ Ich ging zur Tür. Tatsächlich. Meine Kinnlade viel gerade nach unten. Der Weihnachtsmann stand vor meiner Tür. Er schob mich beiseite und trat ein. „Rudolph, hier steckst du, ich hab mir Sorgen gemacht.“ „Ach ja, klar. Ich bin doch viel zu Fett um übersehen zu werden.“ „Oh Rentier, das war doch nicht so gemeint.“ „Oh doch, du wolltest mich nicht anspannen. Ich würde den Schlitten nicht richtig hochbekommen bei meinem Gewicht. Der Bauch würde dann auf der Erde schleifen.“

Wir zogen geräuschvoll die Luft ein. „Äh – ja das war nicht richtig. Aber ich war gerade nicht so gut drauf, da mir Frau Weihnachtsmann gerade selbst die Leviten gelesen hatte. Sie musste meinen Anzug auslassen. Da bin ich auf dich losgegangen. Verzeih mir mein alter Freund.“ „Ich weiß nicht. Das hat mich ganz schön verletzt.“ Der Weihnachtsmann trat auf das Rentier zu und streichelte es am Kinn. Schon schmiegte er seinen pelzigen Kopf auf dessen Schulter. „Na gut. Und was machen wir mit meinem Bauch jetzt?“

Minerva betrat gerade den Raum. „Vielleicht kann  ich helfen. Es gibt einen Trank gegen fettleibige Rentiere.“ „Das ist nicht dein Ernst, oder?“ Fragte ich. „Klar, denkt ihr das war das erste Mal, dass so was passierte. Ihr seid doch nicht die erste Weihnachtsmann-Rudolph Generation. Also bitte. Wartet hier, ich braue ihn schnell zusammen, dann wird Rudolph schnell seine alte Figur bekommen. Und nein, bevor ihr fragt, das gibt es nur für Rentiere, alle anderen müssen sich anstrengen. Gesetze.“ Lachte sie.

Sie gab Rudolph den Trank und ein glimmern umgab ihn. Da stand er rank und schlank. In voller Pracht. Sein Geschirr lag ihm auch schon an und bei jeder Bewegung klangen die Glocken lieblich. Wir alle hatten offene Münder. Er war einfach so hübsch anzusehen. Der Weihnachtsmann lachte. Dann gab er ein Ho-Ho-Ho von sich und die beiden verließen das Haus. Wir stürmten ans Fenster und konnten gerade noch den Schweif des Schlittens sehen und hörten die anderen Glocken der Rentiere.

„Und allen ein Wohlgefallen.“ Sagte ich. „Jetzt ist das Weihnachtsfest gerettet. Und ich hätte gerne noch ein Glas von dem leckeren Egg Nogg.“

Wir drehten uns zum Baum, der auf zauberhafte Weise fertig dekoriert war. Minerva blickte stolz auf ihr Werk. Der Baum blinkte und blitzte. Die Lichter leuchteten und wurden in den Augen der Truppe gespiegelt. Wie von Geisterhand schwebte vor ihnen ein Tablett mit leckerem Egg Nogg. Und der Schnee legte sich sanft über die Spuren des Schlittens und hüllten das Geheimnis der Weihnacht in eine watteweiche Decke ein.

HoHoHo – euch allen ein frohes Weihnachtsfest.