[abc.etüden]

Schreibeinladung für die Textwoche 49.50.18 Winterbaum

Ach – ist die Zeit gerast. Es gibt schon die neue Wortspende – aber ich mogle mich noch schnell unter die Spende von Elke H. Speidel von Transworte auf Litera-Tour. Sie lauten:

Winterbaum
nasskalt
nachtrauern.

3 Begriffe in maximal 300 Worten: Mehr findet ihr bei Christiane.

Etwas romantisches. Romantik passt einfach zu Weihnachten.

299 Worte


Jenna hatte ihre Schultern bis zu den Ohren hochgezogen. Es war noch dunkel, aber nichts konnte sie mehr in ihrer schönen, kuschelig, warmen Wohnung halten. Es regnete, nein schneeregnete und war eklig nasskalt. Immer hatte sie die Worte ihrer Oma in den Ohren: „Kindchen, dieses nasskalte Wetter geht deiner Oma an die Knochen. Komm setz dich neben mich und bring eine Decke mit. Wir kuscheln uns darunter, trinken heisse Schokolade und ich les dir ein Weihnachtsmärchen vor.“ Jenna vermisste sie. Sie wusste, dass sie ihr eigentlich nicht nachtrauern sollte. Wie gebannt hatte sie immer neben ihr gesessen oder zu ihren Füssen und hatte ihren schönen Märchen gelauscht. Heute wusste sie, dass es immer Geschichten aus ihrem Leben waren. Aus dem Krieg, oder auch danach.

Jenna hatte den alten Weihnachtsschmuck ihrer Oma geerbt und ihren Geist, in jedem einzigen Stück. Heute aber trieb sie die Unruhe aus dem Haus. Im Traum war ihr ihre Oma erschienen. Sie hatte sie bei der Hand genommen, und sie fühlte sich so vertraut und warm an. Ohne zu zögern war sie ihr gefolgt. Sie musste dem Gefühl einfach folgen. Sie betrat eine Lichtung. Ein wunderschön warmes Licht erfüllte den Platz. Überall lag Schnee. Jenna blickte zurück. Dort waren nur nasse Strassen zu sehen. Der Schnee lag nur auf diesem Platz. Sie trat näher. In der Mitte stand ein wunderschöner Winterbaum. Seine Äste waren gefroren. Auf ihnen hatte sich Schnee gesammelt. Und davor stand ein Mann. Er schaute sie an und sie wusste – Oma hatte ihren Seelenverwandten gefunden. Das Gefühl war einfach echt. Die Einsamkeit die sich in ihrem Herzen bereit gemacht hatte, verschwand und ein warmes wohliges Gefühl machte sich dort breit. Ein kleiner Kuss auf ihrer Wange, der sich so bekannt anfühlte. Sie lächelte und schaute nach oben. War das ein Schatten?

 

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Schreibkicks

Schreibkicks – die vererbte Zeitkapsel

Zeitkapsel, das ist das Wort für den 1.12.18 bei Sabis Schreibkicks. Erst fiel mir nichts dazu ein. Ich googlete bisschen und fand einige eingemauerte Zeitkapseln und auch Dachbodenfunde. Und so ist die Idee zu meiner vererbten Zeitkapsel entstanden.

Ich lade euch in Lissis Haus ein.

Das Thema für den 01.01.2019 lautet:

Mit dabei waren dieses Mal:

Es wird ein Weihnachtsspezial geben: Am 24.12.18 Die Sache mit dem Rentier 


Schreibkicks – Zeitkapsel

Ich erbte ein Haus. Eine verschollene Tante – oder eher Urgrosstante, von der keiner so richtig wusste. Sie wusste aber von mir. Wie auch immer. Ich bekam irgendwann Post von einem Notar. Ein Termin zur Testamentseröffnung. Ich fragte meine Eltern und sie erinnerten sich sehr, sehr dunkel an eine Tante. Sie soll verrückt geworden sein. Sie hatte sich zurückgezogen in ein gruseliges Haus tief im Wald.

Das war eigentlich nicht das Problem. Ich mochte gruseliges. Aber warum hatte sie mich ausgewählt, aus dem ganzen Familienclan? Genaueres würde mir vielleicht der Notar mitteilen können.

Endlich war es soweit. Nachdem ich öfter mit meinen Eltern telefonierte, die vor einigen Jahren nach Spanien ausgewandert waren, war keiner zu einer zufriedenstellenden Lösung gekommen. Die einzige, die mir helfen konnte, war meine Großmutter. Sie warnte mich. „Engelchen, ich weiß nicht ob du dieses Erbe annehmen solltest. Ernestine war immer schon eher seltsam gewesen. Irgendwie affin mit der Geisterwelt. Sie veranstaltete Seancen und ist quer durch die Welt zu besonderen Orten, wie Transsilvanien gereist. Wer weiß, was sie in ihrem Haus so alles gebunkert hat. Nicht dass du dir Tetanus, oder die Gelbsucht holst.“ Innerlich musste ich lachen. Oma war immer eher die pessimistische in der Familie. Ich war gespannt. Heute würde ich mehr erfahren.

Ich suchte ewig einen Parkplatz. Ich fuhr nicht oft in die Innenstadt, aber es ließ sich halt nicht vermeiden. Endlich saß ich im Büro des Notars. Ich war alleine. Was für eine Testamentseröffnung war das, ohne den Rest der Familie?

„Frau Anges?“ „Ja, Herr Herold. Ich bin sehr neugierig, was meine Urgrosstante von mir wusste. Ich wusste nichts von ihrem Dasein.“ „Ja, Ernestine war besonders. Sie war eine Einsiedlerin. Eine sehr dominante und einnehmende Persönlichkeit. Setzen sie sich doch. Möchten sie einen Kaffee?“ „Ja, gerne. Ich bin schon bisschen unterwegs gewesen um hier her zu kommen.“ „Frau Schmidt, würden sie uns bitte einen Kaffee und paar Kekse bringen? Danke. Kekse zum Kaffee, das muss sein. So, dann wollen wir mal.

Ihre Urgrosstante hatte sich vor etwa fünfzig Jahren ein altes marodes Haus gekauft und dort eine Art Einsiedler Dasein gefristet. Sie hatte sich von der Familie zurückgezogen. Auch sonst hatte sie wenig soziale Kontakte. Wie gesagt, sie war nicht die angenehmste Persönlichkeit. Vielleicht wissen sie ja, dass sie viel durch die Welt gereist war. Und sie hat so das ein oder andere seltsame Artefakt mitgebracht. Aber sie hat ihnen einen persönlichen Brief hinterlassen. Der ist noch verschlossen und wird ihnen mit den Schlüsseln zum Haus übergeben, sollten sie das Erbe annehmen.“ Ich nippte an meiner Tasse Kaffee und tunkte einen trockenen Keks ein. Es gab nichts besseres, als einen getunkten Keks. Ich nickte verständnisvoll und wartete auf weitere Erläuterungen. „Wo liegt dieses Haus?“ „Im dunklen Schwarzwald.“ Er legte mir paar Bilder hin. Es war riesig und düster. Es hätte locker eine Kulisse in einem Haunted House Horrorfilm spielen können. Eine leichte Gänsehaut überzog meine Arme. Was würde ich da erben? Ein Geisterhaus? Als hätte der Notar meine Gedanken gelesen: „es sieht schon sehr gruselig aus, oder? Auch von innen. Ich hoffe sie sind nicht ängstlich oder abergläubig? Sie werden hier eine Zeitkapsel erben. Das wird einige Arbeit erfordern. Aber keine Angst, mit dem Haus werden sie auch ein beträchtliches Vermögen erben. Ihre Tante wusste, dass dieses Haus ein Fulltimejob sein wird. Da sie sehr sparsam war, hat sie einiges an Geld anhäufen können.“ „Ok. Aber warum ich, und warum fordert keiner seinen Pflichtanteil?“ „Die Familienmitglieder sind alle schon abgefunden worden. Das hat ihre Tante schon im Laufe der letzten Jahre erledigt. Auch ihre Eltern.“ „Warum haben sie nichts erzählt. Versteh ich nicht.“ „Das werden sie wohl mit ihnen klären müssen. Ich verlese jetzt das Testament.“ Ich saß in einem äußerst bequemen Sessel, den ich dem Notar gerade mal abkaufte. Er war etwas überrascht, aber nicht zögerlich. „Nehmen sie das Erbe ihrer Urgrosstante Ernestine Anges an?“ Ich brauchte nicht lange zu überlegen, das klang nach einem Abenteuer. Warum sollte ich nicht? „Ja, ich nehme das Erbe an.“ „Sehr schön, dann übergebe ich ihnen die Schlüssel, die Unterlagen, den Brief und einen Lageplan. Sie können sofort einziehen. Es gibt einen Hausverwalter, der sich seit dem Ablegen gekümmert hat und auch vorher schon einige Reparaturen für ihre Tante erledigt hatte.“ „Sehr schön. Ich bin sehr aufgeregt und bedanke mich erst mal. Wenn ich noch Fragen habe, darf ich mich an sie wenden?“ „Natürlich, so fern ich ihnen helfen kann, bin ich immer da. Wenn sie mögen, würde ich mich auch als ihr Notar anbieten?“ „Ja, gerne.“ Somit verabschiedete ich mich von Herrn Herold.

Am Auto angekommen saß ich erst mal ein paar Minuten und atmete tief durch. Ich war Hausbesitzerin. Ich würde bald  die Reise starten. Da war noch einiges zu erledigen. Keine Minute wollte ich mehr hier bleiben. Ich hatte mich noch nie in der Stadt wohlgefühlt. Ich kündigte meine Wohnung und meine ungeliebte Arbeit. Leierte eine Auflösung meines Hausstandes an und war zwei Wochen später mit meinen wenigen wichtigen Habseligkeiten unterwegs in den Schwarzwald.

Ich fand den Weg sofort. Es war als würde mich ein unsichtbarer Faden dorthin ziehen. Den Brief meiner Tante wollte ich erst im Haus öffnen. Ich hatte irgendwie das Gefühl, dass dies der einzig wahre Ort war, in dem er gelesen werden sollte. Ich hatte im Internet versucht etwas über meine Tante und ihr Haus heraus zu finden. Aber es gab nicht so viel Einträge. Manchmal wurde sie erwähnt, wenn sie im Zoll Probleme mit ihren Artefakten bekam, aber ansonsten gab es nicht viel. Das Haus war schon sehr alt. 1695 wurde es von einem Fabrikanten gebaut. Aber sonst gab es nichts Außergewöhnliches.

Es gab eine kleine Auffahrt und dann stand ich vor meinem Haus. Es war wirklich riesig. Die Fassade war schon sehr mitgenommen. Grau und teilweise sogar schwarz. Aber ich mochte es und würde bestimmt nichts ändern. Das machte den Charme dieses Hauses aus. Was sollte ich mit so einem riesigen Haus anfangen? Ein Hotel? Wir würden sehen. Ich wühlte in meiner Tasche nach dem Schlüssel. Es war noch so ein richtig alter mit einem tollen Bart. Ich steckte den Schlüsseln ins Schloss und drehte ihn um. Das Schloss war geölt, die Scharniere nicht. Die Tür gab einen tiefen ächzenden Ton von sich, als ich es aufdrückte. Eine große Vorhalle empfing mich kalt. Ich hatte den Grundriss studiert und wusste ungefähr wo sich die ganzen Zimmer befanden. Ich suchte als erstes die Küche auf. Dort fand ich auch, wie erwartet, Holzscheite. Sofort entschloss ich mich ein gemütliches Feuer in dem nostalgischen Ofen zu machen. Dann machte ich mich auf den Weg die Bibliothek aufzusuchen. Das würde ganz bestimmt mein Lieblingszimmer werden. Ich öffnete die Tür und stand vor gefüllten Regalen. Bis zur Decke. Ich überflog die Titel. Und ich stutze. Das waren alles Okkulte Bücher. Geister, Mumien, Werwölfe, Vampire. Nun, ich mochte dieses Thema ja auch. Also war ich schon auf einer Wellenlänge mit meiner Tante. Auch hier schürte ich schnell ein Feuer. Dann ging ich weiter. Ich begab mich nach oben um mir ein Zimmer auszusuchen. Ich wandte mich nach links. Da war eine wunderschön verzierte Tür mit zwei Flügeln. Ich drückte sie auf und fühlte mich wie Sissi. Ein wunderschönes Zimmer empfing mich. Ein Himmelbett mit wunderschönen Vorhängen und antike Möbel. Ich war eine Prinzessin. Ich stürmte auf das Bett zu und warf mich hinein. Die Matratze verschluckte mich und ich wollte nie wieder aufstehen. Wiederwillig verließ ich das bequeme Bett und setzte mich an einen Sekretär. Jetzt erst bemerkte ich, dass es hier schon warm war. Ich blickte mich um und sah ein Feuer im Kamin prasseln. Seltsam. Vielleicht war er Verwalter schon hier gewesen und hatte mir ein Feuer gemacht. Aber ich hatte mich gar nicht angekündigt. Egal, das würde schon stimmen. Ich würde jetzt den Brief meiner Tante öffnen und sehen, was sie denn vorhatte.

Liebste Lissi.

Du wirst dich bestimmt wundern, dass du mein Haus geerbt hast. Mittlerweile dürftest du wissen, dass ich als verschroben gelte. Verrückt und eine Einsiedlerin wurde. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Familie mich verschwiegen hat. Vielleicht sogar aus der Familienbibel gestrichen?

Es gab eine Familienbibel? So was.

Ich will dich nicht zu lange aufhalten. Du wirst das Haus erkunden wollen. Es gibt wenig Regel in diesem Haus. Nur! Achte drauf wo du hingehst. Jedes Zimmer ist bewohnt.

Bewohnt? Hä?

Ja, du liest richtig. Dieses Haus ist nicht unbewohnt. Aber ich denke Richard wird dir noch bisschen erklären können. Ein hübscher junger Knabe, der mir hier sehr oft geholfen hat. Dieses Haus ist was besonders. Ich habe viele Artefakte in Laufe meines Lebens gerettet. Und jedes Artefakt hat einen Bewohner. Sie waren alle in Gefahr. Wenn sie in ein Museum, oder einer anderen Privaten Sammlung gelandet wären, hätte das übel enden können. Hier in dem Haus ist alles abgesichert. Die Menschen außerhalb und die Bewohner hier drinnen. Ich empfehle dir dich erst mal einzurichten und auf Richard zu warten. Er wird dir Näheres erklären. Ein wirklich adretter Bursche. Solltest du noch ledig sein….meinen Segen hast du.

Sie war witzig. Ich hätte sie gerne kennen gelernt.

Ach ja, warum habe ich dich erwählt? Ich war es nicht. Die Geister dieses Hauses haben dich gewählt. Das hier ist ein Familienunternehmen. So zu sagen. Ich bin die erste in dieser Reihe und hoffe, dass du dieses Unternehmen ehrenvoll weiterführen wirst.

Unbekannter Weise umarme ich dich und wünsche dir so viel Spaß in diesem Haus wie ich hatte. Und glaub mir. Es wird manchmal spaßig, manchmal gruselig und auch nervig. Aber du wirst es lieben.

Ich verabschiede mich und übergebe dieses Haus vertrauensvoll in deine Hände ,meine Liebe Nichte.

Ernestine Anges.

HÄ? Ich war bisschen überfordert. Ich würde wohl auf diesen adretten Richard warten müssen. Er würde mich durch diese, wie nannte der Notar es? Zeitkapsel führen.

Am nächsten Morgen wachte ich von dem Geruch frisch aufgebrühten Kaffees und Croissants auf. Ein Tablett stand neben meinem Bett. Sogar eine Rose war darauf. Dieser Richard war seltsam. Ich genoss mein Frühstück. Dann stand ich auf, bereit das Haus zu erkunden. Ich würde nicht warten. Wenn Richard auftauchte, gut, wenn nicht auch egal.

Ich startete mit dem Dachboden. Es war ein Aufgang mit richtiger Treppe. Ich öffnete die Tür und erschrak sofort. Vor mir stand eine Mumie. Fast wäre ich rückwärts wieder runter gefallen. Dann musste ich lachen. Ja, jetzt verstand ich den Witz mit der Zeitkapsel. Ich konnte mir vorstellen, dass manche Artefakte die meine Tante mitbrachte nicht ganz so legal hier waren. Ich schob die Mumie beiseite und begann meinen Rundgang. Ein Sarg. Der Sarkophag der Mumie. Eine alte Öllampe wie aus Aladdin. Es fanden sich noch viele andere Dinge, die ich noch nie gesehen hatte. Hinter mir raschelte es. Ich schreckte auf und drehte mich um. Die Mumie stand in meine Richtung. Es sah aus, als würde sie mich beobachten. Ich schüttelte meinen Kopf und ging weiter. Ein Schaukelstuhl stand am Fenster. Ich musste irgendwie dran gekommen sein. Er wackelte. Ich wollte ihn stoppen, da bekam ich einen Schlag auf die Hand. Vor mir verfestigte sich eine Figur. Ich stand mit offenem Mund da und konnte nicht mehr atmen. „Hände weg, das ist meiner. Ich habe ganz schön kämpfen müssen um den zu bekommen. Du bist ein Mensch, du kannst dir einen eigenen besorgen. Was glotzt du denn so. Hat Ernestine dich nicht auf uns vorbereitet? Morphi sie weiß wohl nichts von uns.“ Ich drehte mich um und erschrak. Die Mumie stand direkt neben mir. „Hallo.“ Ein staubiger Ton entwich seinen verbunden Lippen. Und ich fiel in Ohnmacht.

„Hättet ihr nicht bisschen einfühlsamer sein können? Sie muss euch doch erst kennen lernen.“ „Aber sie wollte meinen Schaukelstuhl. Irgendwo sind doch Grenzen. Schließlich hat sie schon ein Frühstück und Feuer von mir bekommen. Aber beim Stuhl hört es echt auf. Warum bist du so spät Richard? Du hättest da sein sollen, bevor sie hier anfängt zu stöbern.“ „Ja ich weiß. Aber ich wurde aufgehalten. So ist das halt in der Menschenwelt.“ „Ja, ja reib es uns nur rein, dass wir hier gefangen sind.“ „Nicht gefangen, sicher. Ihr wisst, dass ihr fast alle schon gefangen wärt wenn Ernestine euch nicht aufgenommen hätte. Und jetzt ist Lissi an der Reihe. Schließlich hat das Orakel sie ausgewählt.“ „DA! Sie ist wieder wach.“ Ich blinzelte und sah in ein nettes bisschen verknautschtes Männergesicht. „Hi, ich bin Richard.“ „Hi, ich bin Lissi und glaube träume.“ „Äh, nein leider nicht. Das hier ist die Realität. Also wenn man es Real nennen kann. Du wirst hier noch einiges Seltsames erleben. Komm ich helfe dir erst mal auf und wir gehen in die Bibliothek. Frank? Kannst du uns einen Kaffee und Kekse besorgen?“ Ich drehte mich zum angesprochenen um und wollte nicht mehr leben. Frank – Frankensteins Monster? Nein. Ich blickte zu Richard und er hob entschuldigend die Schultern. „Komm mit ich erkläre dir einiges.“

In der Bibliothek setzte ich mich in meinen, schon angelieferten Sessel. „Dann leg los, ich bin ganz Ohr.“ „Ich weiß nicht was Ernestine dir schon mitgeteilt hat.“ „Auf keinen Fall Frankensteins Monster.“ „Äh, ja dann wohl auch nicht Dracula und den Geist in der Flasche. Nun. Sie hat diese Figuren alle gerettet. Sie waren vor der Entdeckung und wären dann in Laboren gequält worden. Leider gibt es einige, die sie nicht retten konnte. Aber den meisten konnte sie ein Zuhause bieten. Aber sie brauchen Wächter. Also dich. Und mich als rechte Hand.“ „Okay. Ich hab ja schon was Schräges erwartet, aber so was im Leben nicht. Wie soll das jetzt hier ablaufen?“

„Nichts Besonderes. Wir sind eigentlich nur da um aufzupassen, dass hier kein ungebetener Gast auftaucht. Die Hexe schläft noch, sie hat einen Schutzzauber verhängt, dass keiner rein und auch keiner raus kann. Außer wir. Wir werden hier leben und happy Family spielen.“ Ich sprang auf. „Gut. Ich bin bereit. Das wird toll, oder?“ „Ähm. Ja.“ Und schon hörte ich ein gepolter und Porzellan das zerbrach. Gut. Es würde eine Herausforderung werden. Aber ich fühlte mich dem voll und ganz gewachsen. Ich würde die Hausmutter einiger der berühmtesten Fabelwesen werden. Und der adrette Richard würde mich unterstützen. Ich war wirklich sehr gespannt auf mein neues Leben.

Ende

Writing Prompts - Freie Geschichten

Writing Prompt – Schreibübung #3 – Der goldene Hirsch

Annie hat für uns Kreativen ein paar nette Schreibübungen zusammengestellt. Das ist schon die 3. Ausgabe.

Dieses mal habe ich mich für eine Geschichte zu einem Bild entschieden. Eine kleine Liebesgeschichte

Aufgrund des Hutes, bin ich von Vietnam ausgegangen – ich muss sagen: Vietnam ist wirklich sehr geheimnisvoll. Ich habe gar nicht so viel Sagen und Fabelwesen gefunden.

Meine Quellen für die Namen war HIER und für die Hochzeitstraditionen HIER. Und ganz viel dichterische Freiheiten :-)

 

„Thuong? Wo bist du?“ Hörte sie ihre Mutter rufen. „Thuong? Komm wir müssen aufs Feld.“ Thuong – ihr Name bedeutete zärtliche Liebe – schaute sich zu ihrer Mutter um. „Ich komme gleich Mutter.“ Sie griff nach ihrem Hut und schlüpfte in die Schuhe als sie ihre kleine Hütte verlies. Unten im Tal konnte sie den Nebel erkennen. Sie liebte diese Zeit. Schnell rannte sie nach unten und ging ins Wasser. Der Nebel machte ihr Platz, so dass sie ungehindert eintauchen konnte. Sobald sie  untertauchte, schloss der Nebel sich um sie und verbarg sie vor neugierigen Blicken. „Dieses Mädchen, ständig ist sie im Wasser. Sie hätte eine Wassernymphe werden sollen. Außerdem ist sie jetzt im heiratsfähigen Alter. Ich glaube wir sollten sie langsam mal präsentieren. Was meinst du, Ehemann?“ Ihr Mann kaute auf seiner Pfeife und grunzte. „Wenn du meinst, Frau. Dann mach alles bereit. Bevor sie zu alt wird und keiner sie mehr will.“ Zufrieden nickte die Mutter mit dem Kopf. Sie hatte schon einige Bewerber an der Hand und wollte bald den Wahrsager aufsuchen, damit er die richtige Verbindung voraussagt.

Thuong war ein liebevolles Mädchen und hatte immer nur das Beste im Sinn. Weder Mensch noch Tier konnte sie etwas Übles. Und sie sah auch in allem nur das Gute. Sie war sehr behütet aufgewachsen. Tief im Wald, hatte sie nur zu den traditionellen Festtagen Kontakt mit anderen Bürgern gehabt. Ans Heiraten dachte sie nicht. Sie fühlte sich noch nicht reif. Wobei ihre Aussteuertruhe schon seit Jahren gut gefüllt war. Ihre Eltern hatten schon kurz nach ihrer Geburt damit angefangen sie zu befüllen und Thuong hatte das weitergeführt, als sie alt genug war. Es befanden sich heilige Gegenstände, Schmuckstücke und gute Stoffe darin. Geld hatte die Familie nicht viel. Sie waren arme Reisbauern und konnten nicht viel beiseitelegen. Deswegen hofften die Eltern darauf, dass ein Mann sie wegen ihres Aussehens nehmen würde und nicht wegen ihrer Aussteuer.

Thuong ließ sich vom Wasser tragen. Der Nebel umfloss sie wie ein Schleier. Sie bemerkte nicht, dass sie beobachtet wurde. Ein prächtiger Hirsch stand am Wasserrand und betrachtete das liebliche Geschöpf. Sein Fell glänzte golden und sein Geweih war prächtig anzusehen. Er hatte das Menschenmädchen schon oft beobachtet. Und er war verzaubert von ihrer Lieblichkeit. Sie wäre die perfekte Braut. Sie war zu allen Lebewesen freundlich und ihre Ausstrahlung lag wie ein perlmutfarbender Ring um sie herum. Sie wäre die perfekte Königin für sein Reich. Er musst nur noch die Eltern überzeugen.

Leise zog er sich zurück und verschwand wieder im Wald. „Thuong – jetzt komm endlich. Wir wollen den Reis bearbeiten.“ Seufzend richtete sich Thuong auf und verlies widerstrebend das Wasser. Sie sah in der Ferne ein goldenes Flimmern und blieb kurz stehen um ihre Augen darauf zu richten. Aber sie konnte nichts Genaues erkennen. Wahrscheinlich war es nur die Sonne, die sich gegen den Nebel auflehnen wollte. Springend gelangte sie zu ihren Eltern. Ihre Mutter schüttelte den Kopf. „Mädchen, benimm dich, du bist kein kleines Kind mehr. Du bist fast eine Frau. Wie soll sich denn ein Mann für dich interessieren, wenn du so ungesittet herumhüpfst?“ „Aber Mutter – hier ist doch weit und breit keiner, der uns sehen kann.“ „Das ist egal – es gehört sich nicht. Sei froh, dass ich dir nicht mit dem Rohrstock komme.“ Thuong runzelte leicht die Stirn und drückte ihre Mutter einen Kuss auf die Wange um dann gleich wieder vorweg zu hüpfen. Die Mutter schüttelte den Kopf. „Es wird dringend Zeit, dass sie heiratet. Gleich morgen werde ich zum Wahrsager gehen.“ Der Vater grunzte erneut und schlurfte hinter den Frauen her. Er liebte sein kleines Mädchen. Ihm würde es schwer fallen sie gehen zu lassen. Aber er wusste, es musste sein. Die Kette durfte nicht unterbrochen werden. Sein Mädchen musste Mutter werden um den Kreislauf in Gang zu halten. Aber heute kam ihm der Weg zum Feld noch mühsamer vor.

Währenddessen hatte der prächtige Hirsch dem Gespräch gelauscht. Er wusste was zu tun war. Am nächsten Tag würde er sich den Eltern vorstellen. Als zukünftiger Bräutigam. Er wusste, dass die Familie arm war und sein Angebot würde hoffentlich alle anderen überbieten. Er war sich bewusst, dass es nicht leicht sein würde Thuong zu bekommen, da sie ein so hübscher Anblick war, würden viele Männer sie auch ohne Geld ehelichen. Nur der Wahrsager wäre ein Problem. Wenn er die Verbindung nicht segnen würde, gäbe es keine Chance.

Am nächsten Tag gingen Thuong und ihre Mutter ins Dorf. Sie suchten den örtlichen Wahrsager auf und vereinbarten die Optionen. Es waren schon einige Bewerber für Thuong aufgetaucht. Die Mutter nannte dem Wahrsager die Namen und er würde sich mit ihnen in Verbindung setzen um persönliche Gegenstände zu erhalten. Dann würde er in Trance gehen und den besten Kandidaten und den besten Termin für die Hochzeit erhalten.

Hung – der goldene Hirsch, nahm seine menschliche Gestalt an und trat Thuongs Mutter in den Weg. „Gute Frau, ich habe gehört, dass ihr einen Ehemann für eure Tochter sucht. Ich wäre gerne bereit mich dafür zu bewähren. Ich werde euch viel Geld geben um die Hochzeit prunkvoll ausrichten zu können und auch dass ihr in eurem Alter gut versorgt wärt, wenn ich eure Tochter mit zu mir nehme.“ Die Mutter betrachtete den Mann vor sich. Er machte einen stattlichen Eindruck, warum sollte er nicht auch sein Glück versuchen. Sie wäre schon froh, wenn ein Bauer ihre Tochter heiraten würde. Hauptsache sie wäre eine Ehefrau.

Thuong sah Hung an und sofort spürte sie etwas Besonderes von ihm ausgehend. Er hatte eine ganz besondere Ausstrahlung, die hervorragend zu seinem Namen passte. Heroisch. Er machte wirklich den Eindruck eines Helden. Sie fühlte sich sofort zu ihm hingezogen. Ihr Herz klopfte laut und ihr Mund wurde ganz trocken. Sollte das ihr Gatte werden. Sie hoffte es sehr. Sie senkte ihren Kopf vor Demut und Höflichkeit. Die Verhandlungen überließ sie der Mutter. Sie hatte nichts zu sagen. Sie wusste nur, dass sein Angebot so verführerisch war, dass auch der Wahrsager da das ein oder andere Auge fester zu drücken würde. Denn seine Bezahlung würde von dem Gatten getätigt.

Während die Mutter dem Wahrsager noch schnell einen persönlichen Gegenstand des neuen Bewerbers übergab und wahrscheinlich noch einen extra Bonus versprach, wenn seine Geister dem neuen Mann wohlgesonnen wären, standen die beiden jungen Leute sich verlegen gegenüber. Thuong hob ihren Kopf und blickte ihm in die Augen. Ihre Pupillen weiteten sich, als sie in seine sah. Sie sah Gütigkeit. Seine Haut schimmerte leicht golden. Sie schob das auf eine optische Täuschung der Sonne. Sie hatte das Gefühl, ihr Herz würde mit seinem im Einklang schlagen. Sein Aroma glich dem des Waldes. Die Muskeln unter seinem Hemd deuteten auf viel Bewegung hin. Sie war wie betäubt. Hung lächelte sie an. „Thuong. Ich beobachte dich schon einige Zeit und ich konnte nicht anders als mich als deinen Gatten zu fühlen.“ Sie betrachtete ihn erschrocken. Er hatte sie beobachtet? Wo? Aber bevor sie ihn fragen konnte, kam ihre Mutter zurück und verabschiedete sich von ihm. Sie zog Thuong mit sich, während diese sich noch mal umdrehte. „Thuong, das ist unhöflich. Man blickt einem Mann nicht hinterher. Wo sind denn deine Manieren. Muss ich dich erst übers Knie legen? Sei froh, dass dein Vater das nicht sieht. Der hätte dich sofort bestraft, für diese unzüchtige Geste.“ Schimpfte ihre Mutter.

Die nächsten Tage erschienen Thuong wie in Zeitlupe zu vergehen. „Mutter, wie lange wird der Wahrsager denn brauchen, bis der den richtigen Ehemann für mich gefunden hat?“ „Das liegt an den Geistern, wie geschwätzig sie sind. Es sind nicht wenig Bewerber. Du bist ein hübsches Mädchen. Da muss er schon ein paar Tage ansetzen.“ Thuong seufzte tief. Sei t ihrem Zusammentreffen mit Hung verfolgten seltsame Träume sie. Sie träumte von einem goldenen Hirsch, mit dem sie durch den Wald rannte. Aber sie war kein Mensch. Sie selbst war eine perlmutfarbene Hirschkuh. Und sie tobten gemeinsam wie auf Wolken durch den nebelverhangenen Wald. Sie fühlte sich frei und geborgen. Sie war eingehüllt in wahrer Liebe und Freude. Aber je länger sie auf die Offenbarung des Wahrsagers wartete umso verzweifelter wurde sie. Umso mehr befürchtete sie, dass nicht Hung ihr Seelengefährte werden würde, sondern irgendeiner der anderen Bewerber.

Diese Angst hatte ihr Herz fest umklammert. Si e konnte sich an nichts mehr erfreuen. Selbst das Bad im See, das sie so liebte, erfreute sie nicht. Eines Tages, als sie am Ufer lag und ihr Haar richtete fühlte sie sich beobachtet. Sie blickte sich erschrocken um, und im Gebüsch konnte sie einen goldenen Schimmer erkennen. Sie stand auf und ging in die Richtung. Aus dem Gebüsch trat ein prachtvoller goldfarbener Hirsch. Ihr Herz blieb für kurze Zeit stehen um dann in doppelter Geschwindigkeit zu schlagen. Sie umrundete den Hirsch. Er blieb ruhig stehen. Als sie ihm in die Augen blickte, meinte sie sie zu erkennen. „Hung?“ fragte sie schüchtern. In diesem Moment wirbelten die Blätter zu ihren Füssen auf und der Hirsch verwandelte sich.

Tatsächlich stand Hung vor ihr. Sie war sprachlos. „Träume ich? Bin ich eingeschlafen. Mutter wird sehr böse, wenn ich die Zeit verschlafe.“ „Nein. Ich bin es wirklich. Thuong. Ich habe dich schon so oft beobachtet. Aber bevor der Wahrsager sein Urteil bekannt gibt, musste ich mich offenbaren. Denn wenn wir füreinander bestimmt sein sollten, musst du wissen worauf du dich einlässt. Wärst du bereit meine Königin zu werden?“ Sie überlegte nicht lange. Am liebsten wäre sie ihm um den Hals gefallen. Aber sie hielt sich sittsam zurück. Noch waren sie nicht Mann und Frau – sie würde sich nicht in eine unmögliche Situation begeben, die es ihr unmöglich machen würde seine ehrbare Frau zu werden. „Ja.“ Flüsterte sie. „Ich spüre es tief in meinem Inneren. Ein Sehnen und Ziehen. Das ist meine Bestimmung. Der Wahrsager kann einfach nichts anderes vorhersagen. Das können die Götter nicht zulassen.“ Zufrieden nickte Hung, drehte sich um und ließ Thuong stehen.

„Thuong? Mädchen, wo bist du schon wieder. Der Wahrsager verlangt nach uns. Komm schnell.“ Thuong rannte zu ihrer Mutter und drängelte sie zu gehen. „Langsam, langsam ich bin eine alte Frau. Das Ergebnis wird sich nicht ändern, nur weil wir uns die Beine brechen, weil wir zu schnell durch die Berge hasten.“ Ihre Mutter lächelte und blickte ihre Tochter liebevoll an. Jetzt war es soweit. Sie würden sie bald einem Mann übergeben und Thuong würde ihre eigene Familie gründen. Es wurde ihr etwas schwer ums Herz. Aber das war der Lauf der Zeit.

Im Dorf angekommen, betraten sie die Hütte des Wahrsagers. „So guter Mann, wie lautet deine Empfehlung?“ Fragte die Mutter gerade heraus. „ Das war gar nicht so einfach, gute Frau. Eure Tochter ist ein seltsames Geschöpf. Ihre Aura war nicht leicht zu lesen. Ich habe einige Bewerber, die gut mit ihr harmonieren würden.“ Thuong riss erschrocken die Augen auf. Einige Bewerber? Sie war fest überzeugt, dass nur Hung in Frage kommen würde. „Da wäre Liem (Aufrichtig) – er ist der Sohn des örtlichen Apothekers. Er ist sehr gut geeignet für eure Tochter. Oder Minh (Clever/Klug) – er ist der Geldverleiher. Er wird eurer Tochter ein gutes Leben bieten können. Thang(Triumph). Er wird es weit bringen. Er hat Verbindungen in den Adel. Die drei passen sehr gut zu eurer Tochter. Hier könnt ihr euch die Portraits anschauen.“ Thuong wurde ganz schwarz vor Augen. Was war mit Hung, warum tauchte er nicht auf? Schüchtern fragte sie: „Sind das alle passenden Bewerber? Ist da nicht noch einer?“ Der Wahrsager blickte hektisch hin und her. Er räusperte sich. „Ja einer wäre noch da. Aber ich bin mir mit seiner Aura nicht sicher. Ich konnte seine Güte und sein warmen Schein erkennen. Auch war es, als würden eure persönlichen Gegenstände in Einklang schwingen – aber ich konnte nicht erkennen was seine Zukunft bringen würde und somit auch nicht die deinige. Aber die Geister bestätigen, er wäre der perfekte Kandidat.“ „Wer ist es?“ flüsterte sie. „Hung.“ Ihr Herz wollte aus ihrer Brust hüpfen. Auch ihre Mutter schien zufrieden. Sie wusste, dass ihre Tochter ihr Herz schon verloren hatte, und da Hung auch sehr großzügig bezahlen würde, hätte sie nichts gegen eine Verbindung einzuwenden.

So sei es. Thuong schwebte nach Hause. Es würde alles gut werden und sie würde ihren Seelenverwandten heiraten. Sie öffnete ihre Truhe und holte ihren roten Ao Dai hervor. An diesem Kleidungsstück für ihre Hochzeit hatte sie lange genäht und gestickt und im nächsten Monat würde sie darin ihrem Ehemann übergeben werden.

In dieser Nacht schlief sie selig und zufrieden. Auf einer Lichtung traf sie Hung. Endlich konnte sie ihn in die Arme nehmen und sie konnten in ihrer wahren Gestalt ihrem neuen Leben entgegen gehen.

ENDE

writing friday

Writing Friday 41 – Das letzte Blatt

[#WritingFriday]

ist eine wöchentliche Schreibaktion von Elizzy.

Die Oktoberthemen:

  • Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz „Er sah nach hinten und ihm lief ein kalter Schauer über den Rücken, denn…“ beginnt.
  • Casper der Geist kriegt unerwarteten Besuch, berichte davon.
  • Erzähle ein Märchen über einen Kürbis.
  • Erzähle aus der Sicht eines Vampirs an Halloween.
  • Du bist ein Baum, der gerade all seine Blätter verliert, wie fühlst du dich? 

Ich hab jetzt eine zeitlang ausgesetzt, da ich einfach ein Schreibtief hatte – ich denke da knabbere ich noch bisschen dran – aber heute hatte ich Muse und das hab ich gleich ausgenutzt. Hier mein Baum, der sich beschwert.

  • Du bist ein Baum, der gerade all seine Blätter verliert, wie fühlst du dich? 

 

Oh nein, was ist das denn? Ach verdammt es ist schon wieder so weit. „Hei Birki – wie ist das bei dir, geht es bei dir auch schon wieder los?“ „Was meinst du, Ahorni?“ „Na die Blätter. Verdammt. Da hab ich mir das ganze Jahr so viel Mühe gegeben, dass die Dinger schön grün und glänzend sind – trotz der extremen Hitze habe ich das halten können. Es hat mich so viel Mühe gekostet, das Wasser aus der tiefen Erde zu ziehen um mein Gewandt hübsch zu halten und dann kommt der vermaledeite Herbst und sie verabschieden sich. Fehlt nur noch dass sie sich lustig über mein Bemühen machen. Ach Baum“. „Komm, stell dich nicht so an – das ist doch nicht das erste Jahr in dem du das mitmachst. Wie alt bist du. Fünfzig?“ „Man fragt nicht nach dem Alter – vor allem keinen Baum.“ „Oh, ne – jetzt fängt er schon wieder an?“ Fragte die Trauerweide, etwas weiter. „Schau mich doch an – das ganze Jahr hängen mir die Äste voll Blätter – sie sind so schwer, dass ich die gar nicht anheben kann. Immer schleifen sie am Boden. Das ist echt eklig, sag ich dir. Ich bin froh, wenn ich paar Blätter weniger habe, das entlastet mich.“ „Ach du – deine Blätter sind ja auch so klein und unscheinbar. Aber schau dir doch meine an – sie sind so schön gezackt und einzigartig. Ich will nicht jedes Jahr dasselbe durchmachen. Warum können wir unsere Blätter nicht behalten? Ich vermisse sie jetzt schon. Das Geräusch, das sie machen, wenn der Wind durchfährt. Das Rauschen. Und die Nester der Vögel, die sich in meinen Blättern verstecken können. Sie können hier ihre Jungen aufziehen, ohne dass sie gesehen werden. Das bunte Treiben beim Füttern. Die vielen Insekten, die um mich herumschwirren. Jetzt wird es nur wieder trostlos und kalt. Der eisige Wind zerrt mir die Blätter von den Ästen. Das ist schmerzhaft. Aber er ist unerbittlich und zerrt und zerrt.  Das ist nicht nett.“ „Dafür wurde er auch nicht erschaffen, um nett zu sein. Das ist die Frühlingsbrise, die ist nett – sie weckt uns sanft aus dem Schlaf – aber der Herbststurm – der ist unerbittlich und hart.“ „Genau – er tut mir weh. Und meinen Blättern auch. Ich will sie behalten. Ich will nicht den Rest des Jahres so nackig herumstehen. Alle schauen durch mich durch. Und die Blicke sind so mitleiderregend, weil wir so armselig aussehen. Die nackten Äste erinnern die Menschen nur an die Kälte und sie packen den Schal gleich noch fester um ihr Gesicht. Wenn wir unsere Blätter behalten würden, würden wir sie noch bisschen mit unserem hübschen Anblick erfreuen können.“ „Ach Ahorni, du weißt schon, dass du die Blätter zum Überleben brauchst. Wenn uns der Wind die nicht von den Ästen reißen würde, damit sie an unseren Wurzeln landen, würden wir jämmerlich erfrieren. Da hättest du auch nichts vom hübsch aussehen, wenn du tot wärst, oder? „ Ahorni überlegte. Ja – die Natur hatte sich ja schon was dabei gedacht. Er seufzte tief. „Ja, aber wäre es nicht schön…“ „Halt jetzt die Klappe.“ Schnauzte die Tanne – „wenn du das ganze Jahr grün wärst, wärst du nichts Besonderes. Du würdest, wie ich gefällt werden um dann als Weihnachtsbaum in den stickig warmen Häusern zu landen. Dein Leben wäre dann sofort vorbei. Also sei froh, dass du in jedem Frühjahr, die Chance bekommst dein Kleid wieder hübsch aufzupolieren.“ „Ach Baum.“ Seufzte Ahorni „Ihr habt ja Recht, ich will ruhig sein und den Winter über mich ergehen lassen. Da kann ich mich wenigstens auf den Frühling freuen. Solange male ich mir aus, wie wundervoll ich in meiner vollen Pracht aussehen werde.“ Ein vereintes Stöhnen ging durch den Wald als das letzte Blatt den Ast verlies.

ENDE