[abc.etüden]

Schreibeinladung für die Textwochen 12.13.19 | – Vielleicht

Nach dem Dauerregen von gestern und heute, scheint gerade die Sonne durch unser Fenster. Da wurde es doch mal Zeit einen kleinen Text für die Etüden zu schreiben. Vor allem weil es dieses mal meine eigenen Worte sind, die ich gespendet habe. Ich bin sehr gespannt auf die Texte sie eingehen und freue mich, sie dann durchzuklicken, sobald Christiane ihre tolle Zusammenfassung bereit hat.

Allerdings passt mein Text gar nicht so zu dem schönen Sonnenschein.

Hier also meine Worte für die kommenden zwei Wochen bis zum 7. April 2019. Zum 31.3 wird es noch mal Extraetüden geben.

Café (Duden)
verdorben
beißen.


Ich lag in einem versifften Bett in einem versifften Motel. Die Welt hatte sich verändert. Meine Welt hatte sich verändert. Gegenüber blinkte ein schiefhängendes Neonreklameschild eines Café. Ich setzte mich auf. Das Licht verursachte mir Kopfschmerzen. Vielleicht sollte ich rüber gehen und sehen, was es für Spezialitäten auf der Karte gab.

Ich blickte aus dem Fenster. Die Straßen waren wie leergefegt. Keine Menschenseele unterwegs. Nur hin und wieder war eine Ratte zu sehen. Sie waren riesig. Die Auswahl ihres Speiseplans hatte sich stark verändert. Sie hatten keine Angst mehr vor uns. Warum auch? Die meisten von uns waren jetzt ihre Nahrung. Ich ging zur Tür. Sollte ich dieses versiffte, aber sichere Zimmer verlassen? Noch war es nicht zu dunkel. Das bedeutete, es war noch nicht gefährlich. Gefährlich wurde es nur im Dunkeln. Dann kamen sie aus ihren Verstecken.

Ihre Seelen waren verdorben, wie das Essen in dem Café gegenüber. Ich konnte den Gestank durch die Ritzen des undichten Fensters riechen. Es war ekelerregend. Etwas huschte an dem Schaufenster, des kleinen Modelädchens vorbei. Es war schon zu spät. Ich musste bleiben. Wie lange würde ich bleiben müssen? Solange wie ich es ertrug? Oder länger? Wenn ich jetzt hinausgehen würde, würde ich sterben?

Würden sie mich beißen und ich würde wie sie werden? Ja, so war es immer. Die Welt hatte sich verändert – meine Welt. Aber sie drehte sich weiter. Egal was geschah, sie drehte sich weiter. Ich ging zurück zum Bett. Morgen wäre auch noch ein Tag. Morgen könnte ich zum Café gehen. Morgen könnte ich auch schauen, ob noch jemand außer mir lebte. Ich würde die Stadt verlassen. Vielleicht war nur diese hier durch den Fallout betroffen. Vielleicht töteten sich nur hier die Menschen gegenseitig und infizierten sich mit einem unbekannten Virus. Vielleicht. Vielleicht könnte sie leben.

297 Worte

 

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writing friday

[#WritingFriday] Week 43 – Blutiger Wechsel

[#WritingFriday]

ist eine wöchentliche Schreibaktion von Elizzy.

Die Oktoberthemen:

Ich bin etwas spät – aber ich habe heute einen Kasten an einem Baum gesehen, der mich animierte diese böse Geschichte zu schreiben.

WARNUNG – es wird blutig. 


Er sah nach hinten und ihm lief ein kalter Schauer über den Rücken, denn ein beängstigendes Geräusch schälte sich aus dem dunklen Wald hervor. Wieso hatte er sich überhaupt überreden lassen dieses Mal die Wildtierkameras auszutauschen. „Die Speicherkarte ist voll. Und Lars hat es vergessen auszutauschen. Benny, bist du so lieb und kannst das für mich übernehmen. Mir sitzt die Erkältung noch so im Nacken. Das wäre soooo lieb von dir. Biiiiitte.“ Benny rollte mit den Augen, das war nicht das erste Mal, dass Lars den Wechsel angeblich, vergessen hatte. Und jedes Mal ließ er sich von Roxanne überreden sie auszutauschen. Sie blickte ihn dann immer mit ihren rehbraunen Augen an und da schmolz er einfach wie Eis in der Sonne.

Jetzt verfluchte er seine Schwärmerei. Es war wirklich gruselig. Eigentlich machte es ihm, als Wildhüter nichts aus, im Dunkeln durch den Wald zu streifen. Heute allerdings war er sehr empfindlich. Schon den Weg vom Auto zur Kamera hatte er ständig das Gefühl beobachtet und verfolgt zu werden. Er betrachtete sich die Spuren am Baum. Die Taschenlampe fing einen seltsamen Abrieb ein. Benny bückte sich und strich über die Rinde. Sie war nicht einfach nur abgerieben, wie es die Wildschweine sonst so machten. Sie war, wahrscheinlich von den Hauern, abgehauen. Wie wenn man mit einem stumpfen Beil auf den Baum eingeschlagen hätte. War das Blut? Er leuchtete genauer. Ja, das war eine rote Flüssigkeit und sie sammelte sich an der Wurzel.

Benny drehte sich um und betrachtete die Schleifspur. Unsicher folgte er ihr. Er wusste, dass dies ein Fehler sein würde, aber es war wie ein innerer Drang. Er musste dieser rot verschmierten Spur einfach folgen. Etwa zwei bis drei Meter entfernt stieß er auf den Verursacher dieser Spur. Ein Hirsch. Ein prächtiger, großer Hirsch. Sein Bauch war aufgerissen. Er ging in die Hocke und betrachtete die Wunde. Sie war nicht nur aufgerissen, sie wirkte wie aufgeschlitzt. Er dachte an Wilderer. Immer wieder trafen sie auf illegal getötetes Wild. Es gab immer so kranke Kerle, die meinten sie müssten hier einen auf Jäger machen. Oder diese kranken Tierquäler.

So ein prachtvolles Tier, sinnlos dahingeschlachtet. Er notierte sich den Fundort und schaute ob er einen Sender, oder eine Markierung finden konnte. Als er fertig mit seinen Notizen war, ging er zurück zum Baum. Er öffnete den Kasten in dem die Wildkamera sicher verstaut war, und wechselte die volle Speicherkarte aus.

Der Nebel kroch langsam aus dem Boden heraus auf ihn zu. Er fluchte. Jetzt würde es auch noch gleich eklig kalt werden. Er sollte Roxanne mal nach einem Date fragen, dass er sich nicht immer so bequatschen lassen würde. Jedenfalls nicht ohne dann dafür wenigstens mal eine kleine Belohnung zu bekommen. Er hielt inne. Da war wieder das Geräusch.  Wildschweine. Das war nichts Ungewöhnliches. Aber dieses Geräusch klang anders, als er es kannte. Eine Gänsehaut breitete sich aus. „Ich sollte mich wohl mal beeilen. Irgendwie ist mir das nicht so geheuer.“ Er schloss wieder alle Kabel an der Kamera an, verschloss den Kasten und verstaute alle seine Dinge.

Als er sich umdrehte stand eine Horde Wildschweine vor ihm. Der Eber, der am Anfang stand, hatte eine rot verschmierte Schnauze und seine Hauer waren ebenfalls rot. Benny leuchtete mit seiner Taschenlampe auf die Horde. Sie blinzelten nicht mal. Er machte einen Schritt auf sie zu um die zum Aufbruch zu animieren. Der Eber trat ihm entgegen. Benny stockte der Atem. In dem Strahl seiner Taschenlampe konnte er sehen, dass die Augen des Ebers hasserfüllt blickten. Konnte ein Tier überhaupt solche Gefühle entwickeln, dass sie ihm aus den Augen heraus schienen? Anscheinend schon. Langsam versuchte er sich zurück zu ziehen. Jeden Schritt, den Benny rückwärts machte, machte der Eber vorwärts. Im Hintergrund konnte er das Klicken der Kamera hören. Bei jeder Bewegung schoss sie ein Bild. Das würde eine Dokumentation werden, dachte er bei sich.

In diesem Moment schoss der Eber auf ihn zu. Benny versuchte zurück zu weichen, stolperte über ein Stück Totholz und fiel schmerzhaft. Er robbte auf dem Hintern von dem Eber weg, aber dieser stand ihm schon Gesicht an Gesicht gegenüber. Speichel tropfte aus seinen Lefzen. Der Speichel war rot eingefärbt. Benny konnte noch blutige Fleischreste in den Hauern hängen sehen. Jetzt wusste er, wer den Hirsch getötet hatte. Sein letzter Gedanke war: „Das wird mir doch nie jemand glauben.“ In diesem Moment spürte er einen unbeschreiblichen Schmerz, der ihn durch die Eingeweide fuhr. Er blickte an sich hinunter und sah wie der Eber seine Hauer in seinen Unterleib bohrte. Seine Schnauze drang direkt dahinter ein und wühlte sich durch seine Organe.

Und im Hintergrund dieser grausamen Szene konnte man immer wieder die Klickgeräusche der Kamera hören.

Ende