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Etüden 10/11.19 – Alles hat seinen Preis Part 2

Ich habe es ja schon angekündigt….es wird eine Fortsetzung geben. Ich dachte es dauert länger, aber es hat mich einfach gekribbelt….hier ist schon das Ergebnis…

Bei Christiane  werden 3 Begriffe in einen Text mit maximal 300 Worten verpackt – bis zum 17. März 2019 können wir mit folgenden Worten spielen:

Nieselregen
weich
irren.

Die Wortspende kommt dieses mal von Natalie und ihrem Blog, dem Fundevogelnest.

HIER ist der Einstieg.


Anton hinkte leicht. Das Leben als Zombiekatze hatte ihre Spuren hinterlassen. Aber er war rehabilitiert. Leider hatte seine Herrin ihn gefunden und er blieb. Wo hätte er auch hingehen können. Einmal auf der dunklen Seite, war es schier unmöglich einen Weg heraus zu finden. Und warum auch? Es ging ihm jetzt gut. Der Nieselregen hatte kleine Tropfen auf seinem Fell hinterlassen, die wie Diamanten glitzerten. Eddie, der neueste Gast war eingetroffen. Eddie war ein hohes Tier. Es waren immer hohe Tier, die ihre Seele verkauften und dann jammerten, dass sie den Preis zahlen sollten. Aber Eddie war noch nützlich, deswegen würde er nur eine Einweisung bekommen. Anton schlüpfte durch die Tür und wartete, dass Eddie folgte. Er sprang auf das weiche Bett und kringelte sich zusammen. Die Neuen waren immer froh, wenn Anton bei ihnen blieb und er kassierte einige Streicheleinheiten. Schließlich hatte er einige Zeit darauf verzichten müssen. Warum diese Männer und Frauen in hohen Positionen? Es war Zeit, die Menschheit war reif. Sein Eintreffen würde nicht mehr allzu lange dauern. Er hatte viel Geduld gezeigt. Jahrtausende musste er warten bis die Menschen sich von Gott abwandten. Die moderne Kommunikation erleichterte die ganze Sache. Der Sittenverfall wurde immer weiter getrieben. Sodom und Gomorra auf höchstem Stand. Und das vor aller Nasen. Jetzt wurden immer mehr rekrutiert und in die Regierung gesetzt. Die Politiker als Satans Schergen. Es war die richtige Zeit die Weltherrschaft zu übernehmen. Aber Satan würde sich irren – denn das Jüngste Gericht stand bevor und Anton hoffte, dass wenigstens er es überleben würde. Er war doch nur ein kleiner unschuldiger Kater.

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Schreibkicks

Schreibkicks – Verwunschene Dörfer

Im Moment bin ich wirklich sehr romantisch – gut auch oft gruselig-brutal – aber diese romantische Ader ist etwas erstaunlich. Bin ja eigentlich nicht so die Romantikerin. Hier habe ich wieder eine längere Geschichte. Ich hoffe es ist nicht zu lange.

Das Thema für den 1.11.18 lautete Herbstmomente

Mit dabei waren dieses Mal:


Ich hab mir hier bisschen künstlerische Freiheit gegönnt. Eigentlich wird die Zeit auf den Februar festgelegt – ich finde es passt besser in den Herbst.


Ich bin Parapsychologin. Ein belächelter Studienzweig und auch nicht so einfach einen Platz darin zu bekommen. Die Einschreibeliste ist ellenlang. Also man muss schon wirklich Glück haben. Ich hatte es und mein Mentor – Professor Pan – ja ich weiß wie sich das anhört. Vielleicht ist er es. Mich würde es nicht wundern. Er ist auf jeden Fall eine Koryphäe auf diesem Gebiet. Ungeschlagen –vielleicht sind noch in den USA vergleichbar gute Wissenschaftler da – aber hier in Deutschland – Professor Pan. Ich erforsche also ganz wild übersinnliche Phänomene. Wobei sich herausstellt, dass die meisten Einbildungen oder Humbug sind – oder sogar Betrügereien. Wobei die Betrügereien mittlerweile wirklich abgenommen haben, da die Menschen zu skeptisch diesen Phänomenen gegenüber geworden sind. Keiner glaubt mehr so richtig an das Übersinnliche.

Ich schon – deswegen habe ich ja auch Parapsychologie studiert. Ich stehe jetzt vor meiner Doktorarbeit. Und ich will das Phänomen Brigadoon erkunden. Die Hundert Jahre sind fast vorbei. Es wird also Zeit nach Schottland zu fahren und mehr darüber heraus zu finden.  Parallel dazu will ich die Legende von Germelshausen stellen. Freude gegenüber dem Bösen.

Laut der schottischen Legende ist Brigadoon ein Dorf in den Highlands. Es ist unsichtbar und taucht alle hundert Jahre für einen Tag auf. Das ist ein Tag der Freude und des Festes. Man kann es dann besuchen und wenn man die wahre Liebe findet auch dort verweilen. Nur darf nie einer der Bewohner das Dorf verlassen – ansonsten ist der Zauber gebrochen und das Dorf verschwindet für immer im Nebel. Ach wie romantisch.

Während Germelshausen als Ort des Bösen bekannt wurde. Es soll bei Dillstedt liegen. Auch dieses verwünschte Dorf erscheint einen Tag alle hundert Jahre. Eine Glocke soll den Weg weißen. Wenn man in der Nähe sei, sollen die Glocken einen in seinen Bann ziehen und in das Dorf locken. Betritt man das Dorf wurde man nie wieder gesehen. Böse Mächte sollen hier ihr Unding treiben. Allerdings gibt es eine Sage, dass hier die Liebe einen jungen Mann gerettet hat.

Ich wollte einfach die beiden Phänomene nebeneinander stellen und vergleichen. Brigadoon – das freundliche und friedliche Dorf, das Liebende betreten können und Germelshausen, das Unbedarfte in seine dunklen Fänge lockt. Bei beiden wird getanzt und gesungen und gefeiert.

Ich hatte gelesen, dass Brigadoon eher im Frühling und Germelshausen eher die düsteren Herbstmomente nutzt und da auftaucht. Noch war ich mir nicht bewusst, wie ich das gestalten würde. Aber die Highlands wollte ich schon immer mal sehen.

In wenigen Wochen würde ich also Brigadoon suchen. Ich war sehr aufgeregt.

Endlich war es soweit. Ich stand in den Highlands – hier sollte Brigadoon auftauchen. Ich hatte mich vorbereitet. Ein Zelt und genügend Vorräte sollten mir die Wartezeit verkürzen. Ich ging meine Unterlagen durch und wartete. Eine Woche später merkte ich eine Veränderung. Ich erhob mich und blickte durch die Gegend. Dort hinten – da schimmerte etwas. Ich hielt den Atem an. Eine Brücke erschien im Nebel. Ich konnte es nicht glauben. Musik drang an mein Ohr. Schnell rannte ich auf die Brücke zu. Brigadoon. Es gab es wirklich. Ich sprintete über die Brücke, als ich abrupt zum Stehen kam. Ich war nämlich genau in die Arme eines jungen Mannes gestürmt, der mich auch prompt auffing und einmal herum wirbelte. „Hallo. Das ist aber mal eine stürmische Begegnung. Wohin so schnell?“ „Oh, Entschuldigung. Ich war nur so außer Häuschen, dass Brigadoon auftaucht. Das es Brigadoon überhaupt gibt.“ „Warum soll es uns nicht geben? Es gibt uns schon sehr, sehr, sehr lange.“ „Ja aber ihr erscheint nur alle hundert Jahre.“ „Ach dieses Ammenmärchen. Das haben wir schon öfter gehört, aber wir sind doch immer da.“ „Vielleicht – aber nicht für uns Außenstehenden Sichtbar.“ Er blickte mich verständnislos an. „Ach, egal. Darf ich kommen?“ „Klar, warum nicht. Wir fangen gerade mit unserer Party an. Komm ich bringe dich zu unserem Dorfältesten, unser Oberhaupt.“

Ich war so aufgeregt, dass ich wie ein kleines Mädchen hinter ihm hersprang. Das Dorf war so malerisch. Alles wirkte so alt und hübsch. Auch der Mann, dem ich folgte. Seine Kleidung war so altmodisch. Es war einfach klasse hier. „Wie heißt du?“ Fragte ich ihn. „Arnold.“ Welch ein seltsamer Zufall. Arnold hieß auch der gerettete junge Mann aus Germelshausen. Sollte da eine Verbindung bestehen? Oder war es einfach Zufall. Gab es in der Parapsychologie überhaupt Zufälle? „Wie heißt du?“ fragte er mich. Gertrud – ja – ich weiß Zufälle und so. Vielleicht – vielleicht.

Er blieb vor einem Haus stehen und klopfte. „Herein.“ „Magnus? Wir haben einen Gast.“ Er drehte sich schnell um. „Wir hatten schon lange keinen Gast mehr. Herein, herein. Willkommen.“ „Gertrud.“ „Ah – Deutsche. Schön, dass du da bist. Setz dich.“ Ich drehte mich zu einem Stuhl um und setzte mich. „Was führt sie hier her?“ „Sie wissen doch bestimmt warum ich da bin?“ „Ich kann es mir denken. Welches Jahr haben wir? Ich hab den Überblick verloren.“ „“2018“ „Ach, was ist die Zeit doch vergangen. Ja – sie sind wegen der Legende da. Natürlich. Vor hundert Jahren war das noch ein Zufall, dass wir entdeckt wurden – aber heute kann ich mir vorstellen, dass sich viel modernisiert hat. Wollen sie mir von ihrer Welt erzählen, dann erzähle ich von meiner.“ „Ok.“ Ich fing an ihm zu umreißen was die letzten hundert Jahre so passiert war und modernisiert wurde. Er staunte und gab oft Geräusche des Erstaunens von sich. Arnold sah aus wie ein Fragezeichen. „Das ist erstaunlich. Gut, jetzt bin ich dran. Ich bin etwa 500 Jahre hier.“ Ich staunte. „Sie sind nicht hier geboren?“ „Nein. Ich bin der Liebe wegen geblieben. Meine Frau ist in der Kirche um das Fest vorzubereiten. Wir treffen sie später. Wie sie ja wissen waren wir verflucht und Gott hat uns gerettet – aber mit der Auflage einmal alle 100 Jahre zu erscheinen und unverändert zu bleiben.“ „Ja, so besagt es auch meine Unterlagen, die ich gefunden habe.“ „Immer wieder kommt jemand mal zu uns. Manche bleiben, aber nur aus Liebe – andere Gründe duldet das Dorf nicht – oder sie gehen und tragen diese Legende aus.“ Wir unterhielten uns noch einige Zeit. „Jetzt wird es aber Zeit zum Dorfplatz zu gehen. Sie bleiben doch noch bisschen?“ „Ja natürlich. Ich kann es nicht abwarten den Rest zu sehen.“ Arnold nahm mich bei der Hand. Leichtes kribbeln machte sich breit. Er war wirklich ein gut aussehender Mann. Wir tanzten die ganze Nacht. Und ich verlor mein Herz. Etwa eine halbe Stunde vor Mitternacht kam Magnus zu mir. „Gertrud – es wird Zeit sich zu entscheiden. Gehen oder bleiben?“ Ich schaute nach Arnold. Ich hatte mich verliebt – aber reichte es aus für immer und ewig hier zu bleiben? Meine ganze Zukunft und Forschung über Bord zu werfen? „Wie soll ich mich entscheiden? Ich mag Arnold – aber ich will auch nicht meine Zukunft weg werfen.“ „Du zweifelst – zweifeln darfst du nicht. Komm, ich bringe dich an die Stadtgrenze. Dort wird dir die Entscheidung einfacher fallen. Du musst sie ganz alleine treffen.“ Dann stand ich an der Grenze. Es war nur noch wenige Minuten bis Mitternacht. In der Mitte der Brücke blieb ich stehen. Ich blickte mich um. Arnold stand dort. Ich war hin und her gerissen. Liebe oder Arbeit. Ich blickte mein Notizbuch an und ging langsam rückwärts die Brücke hinunter in meine Welt. Dann schlug die Uhr. Beim letzten Schlag hatte ich mich entschieden und die Brücke verlassen. Mein Arnold blickte traurig und verschwand im Nebel.

In diesem Moment wusste ich, es war die falsche Entscheidung. Mein Herz brach. Ich brach.

Monate später – ich hatte mich in die Arbeit vertieft um mich abzulenken. Der Herbst stand vor der Tür. Ich wollte alles aufgeben – aber ich hatte viel geopfert für diese Arbeit. Also packte ich wieder mein Zelt und machte mich auf den Weg nach Thüringen. Der Wald hatte schon sein herbstliches Gewand angelegt und die Stimmung die das goldene Licht warf, beruhigte mich. Ich kam noch nicht mal dazu mein Zelt aufzubauen, da hörte ich die Glocken. Verstimmt und unmelodisch lockten sie mich in ihren Bann. Ich ging wie aufgezogen. Dann lichtete sich der Wald – Germelshausen. Ich übertrat die Schwelle und wurde sofort eingefangen von einer Gruppe Jugendlicher. „Hallo schöne Maid. Ihr seid hübsch, wenn auch seltsam gekleidet.“ Ich war seltsam gekleidet? Die Trachten, die getragen wurden kannte ich noch nicht mal. So alt mussten sie sein. „Kommt, kommt. Ihr seid heute genau richtig angekommen. Heut wird gefeiert – bis wir wieder bereit dazu sind. Kommt zu unserem Schulzen. Er wird euch empfangen wollen.“ Ich ließ mich von ihnen mitziehen. Mein erster Eindruck von diesem Dorf war ernüchternd. Es wirkte verfallen und düster. Die Scheiben waren Blind und die Häuser verfallen. Die Menschen auf der Straße grüßten nicht und guckten mich noch nicht mal an. Ein dunkler Nebel verschluckte die Straße. Ich betrat das Haus des Schulzes. Er war nicht so erfreut mich zu sehen. Aber er hieß mich willkommen. „Kommt junge Frau. Esst, trinkt und feiert mit uns später. Es gibt eine Feier zu ehren diesen Tages. Bis wir wieder feiern können, dauert es einige Zeit.“ „Ja ich weiß – hundert Jahre.“ Er blickte mich erstaunt an und dann böse. „Ihr wisst über dieses Dorf bescheid?“ „Ja. Aber es gibt nicht viel Überliefertes. Deswegen bin ich hier. Ich will mehr erfahren.“ „Es gibt nichts zu berichten. Meine Tochter wird sich um euch kümmern. Tut uns den Gefallen und feiert mit uns.“ „Gut, das will ich tun.“ Die Tür öffnete sich und ein hübsches Mädchen in grauen Kleidern erschien. „Kommt mit mir, ich will euch vorbereiten.“ Mich vorbereiten? Das klang bedrohlich. Ich hatte schon Geschichten gehört. Menschen, die dieses Dorf betraten, sollen nie wieder gesehen worden sein. Mir wurde etwas mulmig zu mute. Hatte ich mich hier übernommen und würde hier meinem Schicksal begegnen. Ich dachte an Arnold und mein Herz schmerzte. Eine kleine Träne stahl sich aus meinem Augenwinkel. „Warum weint ihr?“ Fragte mich das Mädchen. „Wie ist dein Name?“ „Annalena“ sagte sie schüchtern. Ich berichtete ihr von Brigadoon und Arnold. „Ihr liebt diesen Mann?“ „Ja – ich liebe ihn und habe mich falsch entschieden. Wenn ich nur die Chance hätte – aber ich werde keine hundert Jahre leben und wenn wäre ich eine alte Frau.“ Sie blickte mich traurig an. „Kommt lasst uns feiern gehen.“ Ich folgte ihr. Wir tanzten und tanzten – ich kam mir vor wie in Trance. Und ich wurde trauriger und trauriger. Die Leute hier waren kalt und abweisend. Sie sangen, tanzten, lachten – aber es wirkte aufgesetzt. Dann spürte ich eine kleine Hand, die sich in meine Schob. „Kommt mit mir.“ Sagte Annalena „Aber seid vorsichtig, dass uns keiner sieht.“ Ich folgte ihr unauffällig. Sie brachte mich an die Dorfgrenze. „Geht. Wenn ihr jetzt nicht geht, könnt ihr nie wieder von hier fort. Und hier ist es nicht schön. Eure Seele wird hier gequält und festgehalten. Wo ihr doch einen Ort habt in der ihr Glücklich werden könnt. Geht nach Brigadoon und betet. Betet, betet, betet. Vielleicht erhört euch jemand und ihr werdet eine Überraschung erleben. Lebt wohl, liebe Gertrud, vergesst mich nicht – hier in dem verfluchten Dorf, aus dem nie einer wieder entkommen kann.“ Und schon verdichtete sich der Nebel. Sie war verschwunden. Im Hintergrund konnte ich die letzten Schläge der verstimmten Glocke hören und schon war das Dorf weg.

Schnell rannte ich zurück zum Auto. Ich packte alles hinein und fuhr Richtung Schottland.

Und hier stehe ich jetzt. Meine Notizen habe ich fertig – ich lasse sie im Auto – für euch. Ich stehe an dem Flecken, den ich damals sah. Ich bete und bete und bete. Ich gebe nicht auf. Ich entschuldige mich und warte. Nichts geschieht. Aber ich will nicht aufgeben. Ich bete. Und auf einmal erscheint eine Brücke. Magnus steht drauf. „Gertrud. Komm schnell. Die Zeit ist knapp. Dieses Wunder geschieht nur sehr, sehr selten. Dein Gefühl muss wirklich sehr tief und innig sein. Komm, komm. Sei Willkommen bei uns. Du musst besonders sein.“ Ich rannte und warf mich in seine Arme. „Ach Magnus – ich war so betrübt über meine Entscheidung.“ Dann sah ich ihn. Er stand am anderen Ende der Brücke. Ich löste mich von Magnus und rannte schleunigst in seine Arme. Meinen Seelenverwandten. Auch hier war jetzt Herbst und das goldene Herbstlicht tauchte mich und Arnold in einen heiligen Schimmer. Wir waren vereint. Nie wieder würden wir uns trennen, für alle Ewigkeiten. Das war ein ganz besonderer Herbstmoment, den ich wirklich jedem wünsche.

Ende.

Quellen

(https://www.glenlaurel.com/about-us/blog/the-legend-of-brigadoon)

(http://www.ancientpages.com/2016/11/02/legend-of-brigadoon-mythical-village-where-time-stands-still/)

http://gutenberg.spiegel.de/buch/germelshausen-5680/1

https://de.wikisource.org/wiki/Th%C3%BCringer_Sagenbuch._Erster_Band/Das_verw%C3%BCnschte_Dorf

writing friday

[#WritingFriday] Week 42 – Halloween und das mit dem Kürbis

[#WritingFriday]

ist eine wöchentliche Schreibaktion von Elizzy.

Die Oktoberthemen:

 

Halloween und der Kürbis

Man sagt sich, und das soll ein Gerücht sein, zu Halloween sei der Übergang zwischen dem Reich der Toten und der Lebenden so dünn, dass die Toten ungehindert hindurchkommen können.

Eine alte Legende unter Bauern besagt, dass man an Halloween unter gar keinen Umständen in ein Kürbisfeld gehen sollte. Dieser Feiertag gehört den Kürbissen und seinen Bewohnern. Um hinter dieses Märchen zu kommen müssen wir weit, weit und noch weiter in der Zeitgeschichte zurückgehen. Vor der Zeitrechnung. Nun gut, vielleicht nicht ganz so weit. Aber weit.

Die Menschen waren Arm. Sie wurden vom Adel ausgepresst und unterdrückt. Die jungen Frauen mussten den Lords zur Verfügung stehen, vor allem diejenigen, die geheiratet hatten. Die Hochzeitsnächte gehörten immer ihnen. Damit dann aber kein Bastard von ihnen herum rannte und Forderungen stellen würde, war der frisch angetraute Ehemann immer gezwungen nach der Entehrung das Bett mit seiner frisch angetrauten Frau zu teilen.

Es war nur die Frage der Zeit, dass die hungernde und unzufriedene Bevölkerung sich auflehnen würde. Aber wie sollte man sich gegen ein Heer Söldner zur Wehr setzen?

Eine junge Frau, kurz vor ihrer Hochzeit, meldete sich zu Wort. Die Dorfbewohner ehrten sie und fürchteten sie. Eine Hexe solle sie sein. Aber seit sie in ihrem Dorf wohnte, gab es keine Totgeburten mehr und die Ernten fielen besser aus. Trotzdem waren sich die Dorfbewohner bewusst, man sollte besser nicht ihren Unmut auf sich ziehen. Denn dazu gäbe es auch noch einige Geschichten. Ob sie zutrafen? Wer weiß das schon.

Diese junge Frau – ihr Name wurde in den Schriften nicht übermittelt – hatte einen Vorschlag. Sie erwähnte das ertragreichste Gemüse der Saison, der Kürbis. Sie hatte vor die Geister der Allerheiligen Nacht um Hilfe zu bitten. Dazu waren die Kürbisse gedacht. Sie wies die Frauen an, die Kürbisse, nach der noch heute gültigen Tradition, zu schnitzen. Freundliche Kürbisgesichter sollten zu sehen sein.

In der Halloween Nacht zum ersten November, rief sie die Geister. Sie sperrte sie mit einem Zauber in die Kürbisse und diese wurden in die Burg gebracht. Als Geschenke. Die Kürbisse zur Dekoration und das Fleisch zu Leckereien verarbeitet. Die Lords waren beeindruckt. Natürlich ließen sie sich gerne beschenken, war es doch ein Zeichen der Gunst. Sie wähnten sich geliebt und verehrt.

Die Dorfbewohner verließen die Burg. Angeführt von der jungen Frau, bezogen sie Stellung vor den Toren. Sie selbst durften nicht in der Nähe des Festes sein. Um Mitternacht veränderten sich die Geräusche in der Festhalle. Aus Gelächter wurden Schreie, aus Gesang stöhnen. Um die Burgzinnen herum, waren gar grausige Gestalten – Schemen zu erkennen. Etwa eine oder zwei Stunden später, waren sämtliche Geräusche aus der Burg verstummt.

Die Dorfbewohner betraten den Festsaal. Er war leer. Keine Menschenseele war mehr anzutreffen. Lediglich Kampf- und Fluchtspuren und viel Blut waren zu erkennen. Noch etwas hatte sich verändert. Die freundlichen Kürbisgesichter waren zu hässlichen Fratzen geworden. Und wenn man genau hinschaute, konnte man bei dem ein oder anderen im Mundwinkel eine rötliche Verfärbung erkennen.

Die junge Frau hatte ein Tor geöffnet, dass sich jedes Jahr, an Halloween erneut öffnete. Jeder Kürbis war jetzt das Gefäß eines Geistes. Die meisten waren harmlos. Sie wollten nur gemütlich das Fest feiern. Aber immer wieder schafften es auch paar nicht so nette Gesellen, den Übergang zu passieren. Und Gott stehe euch bei, wenn euer Kürbis auserwählt wurde, einen solchen Geist aufzunehmen.

Ende

Writing Prompts - Freie Geschichten

Writing Prompt – Schreibübung #3 – Party des Jahres

Annie hat für uns Kreativen ein paar nette Schreibübungen zusammengestellt. Das ist schon die 3. Ausgabe.

Die Themen hier für sind:

  1. Schreibe ein Märchen. Fange aber nicht mit „Es war einmal an“. Benutze folgende Wörter (die ich mit einem Zufallswortgenerator genrieren werde):
    Halloween, Alibi, Androgyn, Draht, Antiviral, Taktik, Schmiermittel, Rabe
    Pfff… Wer eine Story mit diesen Wörtern hinbekommt, hat meinen vollsten Respekt xD
  2. Schaue dir die folgenden drei Bilder an. Schreibe etwas über das Bild was dich am meisten inspiriert:
  3. Schreibe einen Brief an dich selbst. Egal ob an dein vergangenes oder zukünftiges Ich.
  4. Setze dich in ein Café oder in den Park und denke dir eine Geschichte über einen Menschen aus, der dir ganz besonders auffällt. Wo will er/sie hin oder wo will er/sie hin? Wie verlief sein/ihr bisheriges Leben?
  5. Greif zu dem Buch das dir am nächsten ist. Schlage Seite 73 auf und nehme ab den 5ten Satz die nächsten vier. Um diesen Block schreibst du jetzt deine eigene Geschichte.

Ich habe mich für den 5. Punkt entschieden.


Blake, Kendare – Anna im blutroten Kleid Position 73 ab 5. Satz die nächsten 4

 

Ein Wasserfall?«

»Die Party findet am Kakabeka-Wasserfall statt. Wir suchen uns jedes Jahr eine andere Stelle, um Ruhe vor den Cops zu haben. Letztes Jahr waren wir am Trowbridge-Wasserfall, aber da sind alle ausgeflippt, als …« Sie unterbricht sich.

 

Sie drehte sich um und schluckte. Es war wie ein übler Trip – die Erinnerung, was letztes Jahr passierte, schnürte ihr die Kehle zu. Ein Schütteln überkam sie, dann drehte sie sich wieder zu ihren Freunden. „Die Party wird so cool. Jeder bringt was mit – und die Jungs aus dem Sportclub bringen das Fass Bier mit. Aber dieses Mal gibt es nur Bier, das das klar ist. Wir wollen nicht wieder so ein …“ Kendra schluckte noch mal. „…Missgeschick wie letztes Jahr. Das ist nicht akzeptabel. Ich werde da dieses Mal ganz streng sein. Ich habe einen Aufpasser engagiert.“ Ein Raunen ging durch die Gruppe. „JA. Es muss sein. Wir haben uns sonst nicht unter Kontrolle. Aber keine Angst – er wird bezahlt und hält die Schnauze. Und wir können entspannt Paaartyyy machen.“ Sang sie und schwang ihre Hüften aufreizend hin und her. Dabei suchte ihr Blick Thomas. Das war ihr Herzensmensch. Sie plante es jeden Falls. Aber Thomas war noch nicht da. Er war was besonders, das spürte sie. Eine dunkle Aura umgab ihn wie ein Umhang. Und wenn sie was anzog, dann die Gefahr. Das war auch der Grund, warum es das Ereignis aus dem letzten Jahr gab. Schuld war, wie so oft, sie gewesen. Sie konnte wirklich provozierend sein. Letztes Jahr war ihr Herzensmensch Anton gewesen. Anton war ein wirklich lieber – zu lieber Kerl. Er betete den Boden an, auf dem sie Schritt. Dann, zu Halloween, war die berühmte Party – sie sollte legendär werden. Die Kulisse hatte sie mit ihren Girls entworfen und aufgebaut. Ein kleiner Irrgarten war der Eingang und danach ein kleines Horrorkabinett. Es war perfekt. Anton war spät, das ärgerte Kendra schon. Er sollte doch ihr Gemahl sein. Und die Gäste auf dem dunklen Thron, neben ihr sitzend begrüßen. Aber er kam zum Schluss. Das konnte sie nicht akzeptieren. Also musste er den ganzen Abend dafür büßen. Sie striezte ihn wo es nur ging. Und er ließ sich alles Wortlos gefallen. Aber, je später, desto betrunkener wurde auch Anton. Und umso gelassener wurde er. Als Kendra ihn wieder mal striezte, wurde es ihm zu viel. Er schnappte sie, schleifte sie an ihren Haaren zum Wasserfallrand und schupste sie. Sie fiel – aber sie hatte nicht gemerkt, dass Anton ein Seil um ihre Hüfte befestigt hatte. Ruckartig wurde ihr Sturz gestoppt. Sie konnte hören wie Anton sie verhöhnte und verfluchte. Die Gäste waren sprachlos. Bis die ersten Mädchen zu schreien begangen. Dann ging es los. Wildes Durcheinander und Geschrei. Die Gäste liefen Kopflos hin und her. In der Zwischenzeit hatte Anton sie schon wieder nach oben geholt. Sie stütze sich hinter einem Felsen auf um tief durchzuatmen. Dann sah sie nur, wie sich eine Gruppe auf Anton stürzte und auf ihn einschlug. Sie schlugen so fest, dass er sich nicht mehr bewegte. Seit dem lag er im Koma. Am Anfang war sie noch regelmäßig hingegangen und ihr schlechtes Gewissen nagte an ihr. Aber mit der Zeit verging das. Das Leben ging weiter. Die Erde drehte sich weiter und sie war Jung und hübsch. Sie war die Halloween Queen. Dieses Mal hatte sie vorgesorgt. Keinen harten Alkohol und ein sicheres Geländer am Wasserfall.

Am Stichtag kamen die Gäste und alle waren gut drauf. Die Musik lief und alle tanzten. Dann kam er – Thomas. Als Vampir verkleidet stellte er sich neben sie. Sie hatte sich für das Kostüm der weißen Frau entschieden. Das gab einen tollen Kontrast. Er ganz in schwarz, sie ganz in weiß. Ein enger, sinnlicher Tanz und sie wurde gefügig. Er roch an ihr und knabberte an ihr herum. Biss sie sanft in den Hals und sie war einfach nur noch Wachs in seinen Armen. Der Abend war ein voller Erflog. Als es Zeit wurde aufzubrechen, war Thomas schon weg. Sie suchte ihn – erfolglos. Müde und enttäuscht ging sie nach Hause. Sie zog sich um – an ihrem Kleid sah sie einen roten Fleck. Dann blickte sie in den Spiegel. An ihrem Hals war eine Wunde. „Verdaaamt. Thomas hat mich gebissen? Der spinnt ja.“ Kendra schlüpfte in ihr Bett. Seltsame Träume von Blut und Leichen verfolgten sie. Wie gerädert erwachte sie – sie ging ans Fenster um die Vorhänge beiseite zu schieben. Da hörte sie eine Stimme hinter sich. Sie erschrak fürchterlich. „Das würde ich nicht machen. Das könnte wirklich schmerzhaft für dich werden.“ Sie drehte sich um und sah Thomas in der Ecke stehen. „Was machst du hier? Wie kommst du hier herein?“ „So viel Fragen am frühen Morgen. Du bist ganz schön fit, nach solch einer Party, die wirklich toll war. Muss ich sagen.“ Sie blickte ihn an. „Du hast nicht geantwortet.“ „Dann mach ich das – geh an den Spiegel.“ Sie runzelte die Stirn, tat aber was er wollte. Sie schaute hinein und sah – nichts. Entsetzt drehte sie sich um. „Was soll das?“ „Tja Schätzchen – gratuliere, du wurdest in den Club der Untoten aufgenommen.“ „Was? Ich verstehe nicht.“ „Herzchen – du bist genau die Richtige für uns. So böse und skrupellos. Du hast Anton letztes Jahr verrückt gemacht und jetzt denkst du nur noch an dich. Perfekter kann es nicht sein. Du, Herzchen, bist jetzt ein Vampir.“ „Was? Du verscheisserst mich doch.“ „Nein!“ Antwortete er knapp. „Du hast es verdient.“ „ich will aber kein Vampir sein.“ „Warum nicht? Schau dir die Vorteile an. Du wirst für immer so hübsch bleiben. Und deine Seele war eh schon nicht mehr zu gebrauchen. Also eine WinWin-Situation.“ „Aber…“ „Kein Aber – es ist eh nicht Rückgängig zu machen. Ich lade dich hiermit herzlich ein, ein Vampir zu sein, für den Rest des Lebens.“ Kendra drehte sich zum Spiegel um. Was nutze ihr, ihre Schönheit, wenn sie sich nicht mehr sehen konnte. Was nutzte ihr das ewige Leben, wenn sie ihre Freunde und Familie verlor. Was nutzte ihr ein ewiges Leben, wenn sie nie wieder die Sonne sehen konnte? Was hatte ihr, ihr egoistisches Leben gebracht? Einsamkeit.

Ende

[abc.etüden]

Schreibeinladung für die Textwochen 39.40.18 – Eine Kreuzfahrt…

Eine ganz tolle Aktion, die von Christiane moderiert wird – die ABC-Etüden. Dieses Mal mein erstes Mal mit 3 Worte in 300 Worten unterbringen. Es war knapp, aber ich habe es punktgenau hinbekommen.

Die Wörter für die Textwochen 39 und 40 des Jahres 2018 stammen aus der Feder von Anna-Lena von Meine literarische Visitenkarte und lauten:

Kreuzfahrt
gemeingefährlich 
stelzen.

„Eine Kreuzfahrt die ist lustig, eine Kreuzfahrt die ist schön….“ Martin tanzte singend durch seine Wohnung. Endlich würde er, mit der hochgepriesenen Aida, auf Kreuzfahrt gehen. Er hat lange gezögert sich den Wunsch zu erfüllen. Heute noch würde er einchecken und dann über das Deck schlendern. Stelzen, hat seine Mutter immer über seine Gangart gehetzt. Aber sie lag bei den Fischen. Na ja noch nicht, aber bald. Bald würde er ihre Asche in das Meer schütten. So weit wie möglich von ihm weg. Sie war wirklich gemeingefährlich. Aber er hatte sich gekümmert. Langsam, langsam hatte er ihr immer mehr von ihrem Herzmedikament untergemischt. Nie würde jemand drauf kommen, da sie noch in der Lage war sich selbst zu medikamentieren.

Als er die Gangway nach oben an Deck ging bemerkte er eine flüchtige Brise. Die Meeresluft liess ihn frösteln. Aber das war ok. Er war für alle Wetterlagen ausgerüstet. Womit er nicht rechnete – aber lasst mich nicht vorgreifen.

Er genoss das Buffet, die Animation und als es dann spät war, ging er in seine Kabine und holte seine Mutter. Er hatte sie aus der Urne in ein Beutelchen geschüttet. Sie würde es ja nicht mehr mitbekommen. Er ging noch für ein paar Drinks an die Bar, und als es dann kurz vor Mitternacht war und die meisten Gäste schon in ihren Kabinen verschwunden waren, ging er an Deck. Er stand an der Reling und genoss die Freiheit. Martin blickte sich noch einmal heimlich um. Keiner war hier. Er öffnete die Tüte und wollte sie gerade ausleeren, als er stolperte. Beim Fallen wunderte er sich, wie konnte er stolpern? Es war nichts an Deck gewesen. Ein Blick nach oben an Deck zeigte ihm über was er gestolpert war. Eine schemenhafte Gestalt stand dort und winkte ihm zum Abschied. „Bis gleich mein Sohn.“