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Das zwölfte Wort | 2017- Die Lebkuchenmann-Liebe

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Schnell erklärt soll das Projekt *.txt der Inspiration dienen. Einmal pro Monat wird ein Wort verkündet, zu dem die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre Texte schreiben. Es gibt keinen Druck, etwas zu schreiben, kein Datum, bis wann die Texte da sein müssen … es soll also in erster Linie Spaß machen!

Das neue Wort passt doch sehr gut zu Weihnachten. Bei dem vielen Dekorationszeug…

Die Lebkuchenmann-Liebe

Anton parkte seinen SUV in der Garage. Als er ausstieg bemerkte er die große Lücke an der linken Wand. Er schaute einige Sekunden hin und zuckte dann mit den Schultern. Maggie hatte wohl endlich mal ihre Kisten entrümpelt, die sie vor einigen Monaten mitgebracht hatte, als sie bei ihm einzog. Wie sie den Platz in seinem Haus nach und nach eingenommen hatte. Immer mehr von ihrem Kitsch und immer weniger von seinen Sachen fand man. Oft hatte er sich gefragt, ob es wirklich so eine gute Idee gewesen war sie zu bitten bei ihm einzuziehen. Damals erschien es ihm logisch. Keine Minute wollte er ohne sie sein.

Jetzt elf Monate später, zweifelte er immer öfter und kam auch immer öfter später nach Hause. Wieder zuckte er mit den Schultern. Bald war Weihnachten und dann das neue Jahr. Wer weiß was sein neuer Vorsatz werden würde.

Müde und mit hängenden Schultern betrat er das Haus. „Maggie? Ich bin zu Hause. Wo bist du?“ „Ich bin im Wohnzimmer. Sorry, ich hatte keine Zeit zu kochen. Ich schiebe gleich eine Pizza in den Ofen.“ Während sie sprach kam sie um die Ecke in die Küche getanzt. Anton betrachtete sie und stutzte. War das ein Weihnachtspulli? Innerlich stöhnte er auf. Nein, nein, nein, oh nein. Neben ihren komischen Deckchen, Rüschen und Kissen der nächste Kitsch. „Äh, was hast du denn da an?“ Sie blickte an sich hinunter und zog den Pulli straff um das Motiv besser sehen zu können. „Ist es nicht toll? Mein liebster Weihnachtspulli. Den ziehe ich immer an, wenn ich schmücke. Den habe ich schon ewig. Er ist magisch. Sobald ich ihn anziehe, stellt sich alles in mir auf Weihnachten ein. Hier Schatz – heiße Schokolade mit Marshmallows.“ Anton nahm verdutzt die heiße Tasse und verzog das Gesicht. „Ein Kaffee wäre mir lieber gewesen.“

Maggie runzelte leicht die Stirn und fing gleich wieder an zu plappern. „Heute habe ich alles schon weihnachtlich geschmückt. Innen und außen.“ „Ja und morgen kannst du alles wieder abmachen. Ich hasse Weihnachten.“ „Was? Was! Im Leben nicht. Kein Weihnachten? Niemals. Komm mit und lass dich doch verzaubern.“ Maggie bemerkte Antons Abneigung und das entsetzte sie. Wie konnte man Weihnachten nicht mögen? Der Duft, die Lichter, die Musik. Sie könnte immer Weihnachten feiern. Er würde es ihr doch nicht vermiesen? „Maggie, ich sagte ich will diesen Kitsch nicht im Haus haben. Das ist reine Geldmacherei und ich steh einfach nicht drauf.“ „Komm schon – schau doch erst mal.“ „NEIN! Mach den Mist ab, sonst mach ich das, und das willst du  nicht wirklich. Wenn ich morgen von der Arbeit komme, ist alles weg, verstanden?“ Sie blickte ihn trotzig mit Tränen in den Augen an, während sie auf dem Brett über der Anrichte verschiedene Lebkuchenmänner hin und her schob.

Er betrachtete sie einige Zeit. Diese Lebkuchenmänner sahen schon sehr skurril aus. Fast lebendig. Sehr gute Arbeit, musste er schon zugeben. „Aber, aber, “ stotterte sie. „Ich liebe Weihnachten.“ Maggie betrachtete Anton. Sie spürte es schon einige Zeit. Er zog sich immer weiter von ihr zurück, und jetzt das noch. Das war es dann wohl gewesen. Sie würde auf keinen Fall nachgeben. Weihnachten war ihr Leben. Dafür würde sie allesmachen. „Ich gehe schlafen. Genieße deine Arbeit. Morgen ist alles weg.“ Damit drehte es sich um und verließ die Küche. Maggie drehte sich zu ihren Lebkuchenmännern um. „Ach ihr Lieben. Ich glaube, das wird ein Problem werden. Ihr wisst ja wie das so mit mir und all dem tollen Weihnachtskitsch ist. Und was passiert, wenn man es mir verbieten will. Da kann ich sehr ungehalten werden.“

Während sie  mit ihnen sprach, streichelte sie Gedankenverloren über ihre Köpfe. Schob sie zurecht und ließ etwas Platz. Morgen früh würde sie einen neuen Lebkuchenmann dazustellen. Zärtlich drückte sie allen einen Kuss auf die vollen Lippen und löschte das Licht.

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Das zehnte Wort – Tangieren – I Will Survive

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Für das zehnte Wort hatte ich ursprünglich eine andere Geschichte aufgeschrieben, die aber mal wieder so lange wurde, dass ich sie doch separat mal veröffentliche…aber wohl doch eher im neuen Jahr.

Hier also meine Geschichte zum zehnten Wort.


Marga konnte es nicht fassen. Da lag er doch, der faule Sack. Fauler Sack? Vielleicht eher faulender Sack. Ihn tangierte es mal überhaupt nicht, dass sie um ihn herum tanzte – mit Staubsauger und Staubwedel. Er verfaulte wohl wirklich, denn von ihm ging ein wirklich übler Geruch aus.

„Willst du nicht endlich mal aufstehen und der Couch mal die Möglichkeit geben wieder ihre ursprüngliche Form einzunehmen? Bevor dein Körper eine Gussform aus den Kissen formt.

„Brah.“ Kam es nur. Und der Berg bewegte sich. Von ihm fielen lauter Popcorn und Chips Reste und er rollte mit den Augen. Es musste sich was ändern. So habe ich mir mein Leben wirklich nicht vorgestellt. Nein, nein. Ich muss mein Schicksal selbst in die Hände nehmen.

Sie hatte doch mal was über das Darknet gelesen. Dort fand man irgendwie alles was nicht so öffentlich sein sollte. Ich habe ja Zeit. So schnell wird dieser Fleischklops ja eh nicht verschwinden. Noch nicht! Aber sie würde nachhelfen. Marga konnte sehr engagiert sein. Hatte sie sich was vorgenommen, war sie wie ein fest gebissenerer  Pitbull. Also fing sie an zu recherchieren. Natürlich hätte sie ihn einfach verlassen können. Aber alles lief auf seinen Namen. So blöd und blauäugig war sie damals. Wenn sie ging, waren die Jahre verschenkt. Das durfte nicht geschehen. Er musste gehen – dauerhaft und endgültig

Erst mal versuchte sie herauszufinden wie sie ins Darknet kam und in speziellen Foren las sie erst mal ruhig mit. Selbst erledigen oder jemanden beauftragen. Pro und Kontraliste schrieb sie auf. Für selbst erledigen Pro: Nur sie war Zeuge – Kontra: Nur sie war da – keine Hilfe – Pro: spart Geld – Kontra: Nötige Dinge selbst besorgen. So vergingen Tage und Tage und Marga kam keinen Schritt weiter. Bis zu dem Tag als sie auf einen Eintrag stieß. „Suche Frau zum gemeinsamen Recyceln. Austausch von Erfahrungen und tatkräftige Unterstützung.“ War es das was sie dachte?

Der Kontakt war schnell geknüpft. Es gab eine Organisation die Hilfe für ihre geplante Tätigkeit anbot. Sie trafen sich in einem Maniküre Salon. „Hallo. Marga? Ich bin Violett. Eine gute Platzwahl. Da hier alles illegale Einwanderer sind, die kaum ein Wort verstehen, wird hier wohl nie einer etwas ausplaudern, sollten sie doch was verstehen – Tolle Tarnung. Gute Wahl, das muss ich mir merken.“ Nach den üblichen Höflichkeitsfloskeln fing Violett an. „Es gibt drei Optionen, bei denen wir Hilfe anbieten. Selbst machen, einen Profi oder Gefallen.“. „Gefallen?“ „Ja ist recht beliebt. Irgendein Fremder ohne Bezug zu ihnen erledigt das und sie dann für einen anderen. Wie gesagt sehr beliebt und sehr anonym. Es kann aber Komplikationen geben. Man soll es nicht glauben, aber jemand Fremden ohne persönlichen Bezug zu töten, fällt manchen schwer. Also beliebt, aber nicht gerade die einfachste Methode. Am einfachsten aber sehr teuer ist der Profi. Aber nicht so befriedigend. Und es kann mürbe machen, da man nicht weiß wann der Profi zuschlägt. Manche bekommen dann doch noch Skrupel. Wenn die Abneigung dem Partner gegenüber sehr stark ist, empfehle ich selbst Hand anzulegen. Dafür brauche ich Details über das Objekt. Gesundheit, Vorlieben, Stärken, Fitness und, und, und. Ich habe hier einen Katalog, den sie nochmal durchgehen sollten. Natürlich diskret. Verbrennen sie ihn schnellst möglich und kontaktieren sie  mich wie beim ersten Mal.“ Getarnt als Nähzeitschrift nahm sie den Katalog an und blätterten ihn im Auto durch. Was wäre die beste Methode?  Ich muss darüber schlafen.

Als sie nach Hause kam saß er am Küchentisch und las in einem Sportmagazin. Ha – er und Sport. „Wo warst du? Ich habe Hunger und du gehst shoppen. Du vergisst deine Pflichten. Apropos Pflichten. Da ist noch eine andere als Ehefrau, der du mal wieder nachgehen kannst.“ Dabei grinste er anzüglich und stand auf. Schon zog er sie am Arm die Treppe hinauf und forderte ihre angeblichen Pflichten ihm gegenüber ein. Stinkend und grunzend bewegte er sich auf ihr. Sie schloss die Augen und blätterte in Gedanken den Katalog durch. Als er endlich abließ und von ihr runter rollte, hatte sie sichentschieden. Sie stand auf, richtete sich und ging in die Küche um ihn schnell was zu kochen. Sie streute noch ein Schlafmittel unter die Suppe und musste nur noch auf die Wirkung warten.

Als er endlich schlief, loggte sie sich schnell ins Darknet ein und kontaktierte Violett. „Ich habe mich entschieden. Lass uns treffen.“

Danach verbrannte sie ihre Pro und Kontra Liste samt dem Katalog und trank genüsslich ihren Kaffee. Schon am nächsten Tag trafen sich die beiden Frauen im Park. Während sie die Vögel fütterten teilte Marga Violett ihre Entscheidung mit. „Eine gute Wahl. Das dachte ich  mir schon. Hör zu, da du schon fleißig warst und die Details von ihm mitgebracht hast kann ich einen Plan erarbeiten und ich schicke dir die Beste Lösung. Ok? Das Finanzielle regeln wir, wenn alles unter Dach und Fach ist und kein Verdacht mehr auf dich fällt.“ „Hast du keine Angst, dass du dein Geld nicht bekommst?“ „Ach Schätzchen, du vergisst in welcher Branche ich tätig bin. Ich habe mein Geld immer bekommen.“. Violett stand auf und drückte Marga rechts und links einen Luftkuss auf und ging. Wenige Tage später kam ein Päckchen mit einer Flüssigkeit – Nahrungsergänzungsmittel Vitame  D3 und K2. Im Darknet teilte ihr Violett mit um was es sich handelte und was es bewirkte. „Du hast hier Adrenalin. Du musst ihm das alle zwei drei Tage ins Essen mischen. Es bewirkt Bluthochdruck und Herzrassen. Wenn er dadurch öfter zum Arzt muss, wird es nicht auffallen wenn du ihm das Kissen aus Gesicht drückst. Bei seinem Lebenswandel dürfte sich keiner über den Tod im  Schlaf wundern. Sicherheitshalber schicke ich dann einen Arzt der den Herzinfarkt bestätigt. Keine Angst ich erfahre von seinem Ableben.

Ich werde jetzt diesen Verlauf löschen. Diesen Kontakt gab es nie. Für den unwahrscheinlichen Fall, dass jemand neugierig wird. Die Rechnung kommt in einem grossen Abstand. Hebe die nächsten Monate regelmäßig unterschiedliche Beträge ab – dann wird keiner stutzig. Sollte jemand Fragen – du warst Essen oder auf dem Jahrmarkt immer wo viel Leute sind und dich keiner bemerkt. Keine Rechnungen sollten auftauchen und ähnliches, dass irgendeine Beweiskraft hat. Ich wünsche dir ein schönes Leben meine Liebe  mach was draus“. Der Bildschirm ging aus und ihr PC startete im Recovery Modus. Sie setzte den Rechner neu auf, während sie anfing das Lieblingsessen ihres Mannes zu kochen. Jetzt tangierte sie es nicht mehr. Summend rührte sie die Flüssigkeit unter die Suppe und schwang die Hüften zu ihrem Ohrwurm. „I Will Survive.“

Ende

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Das elfte Wort | 2017 – Sagenumwoben – Die Nebelfrauen

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Evelyn liebte es im winterlichen Wald spazieren zu gehen. Der November war einer ihrer liebsten Monate. Alles wirkte so geheimnisvoll im Nebel. Wenn man morgens durch den Wald streifte, konnte man den Raureif bewundern, der sich bei Sonnenaufgang auf die Wiesen und abgefallenen Blätter legte. Aber am liebsten war ihr der Nebel. Manchmal stand sie im Tal und blickte von weitem auf den Wald. Der Nebel stieg aus den Bäumen hervor – gerade als würde jemand einen großen Topf Suppe kochen und der Dampf stieg nach oben. Evelyn stand am Ortsausgang und betrachtete den Wald. Er war nicht weit von ihr entfernt. Bei diesem tristen und feuchten Wetter traute sich kein Mensch oder Tier aus dem Haus. Die Schornsteine qualmten und sanfte Lichter schienen aus den Fenstern. Sie drehte sich zum Wald hin und in der Morgendämmerung konnte sie wehende Schatten erkennen. Sie bewegten sich im Nebel. Es schein als würden sie tanzen. Sie schaute genauer hin und war sich sicher, es waren Frauen mit wehenden weißen Haaren und durchscheinenden Gewändern, die sich sanft um die gläsernden Körper wandten. Sie wiegten sich im Klang einer Melodie, die Evelyn nicht hören konnte. Sie winkten ihr, dass sie herbei kommen solle um mit ihnen zu tanzen. Diese Frauen hatten Evelyn in ihren Bann gezogen. Als wäre sie eine willenlose Marionette, lies sie sich führen. Immer näher kam sie ihnen. Immer wieder tauchten sie ein in den Nebel, der über dem Moor schwebte. Dunkel blitzte eine Erinnerung auf. Sagenumwobene Nebelfrauen und Nebelgeister, die Menschen vom Weg abbringen und ins Moor lockten. Schon war diese Erinnerung wieder erloschen. Evelyn spürte die Kälte, die sie einsog. Das Moor zog sie tiefer und tiefer – es fühlte sich kalt und glitschig, aber auch behütend an. Als sie untertauchte versuchte sie entsetzt Luft zu holen Aber ihr Mund lief mit Moorwasser voll. Sie bekam kurz Angst, als alles um sie herum dunkel wurde. Aber es war nicht für lange. Etwas zerrte an ihr und zog sie mit einem  kräftig Ruck aus dem Moor heraus. Sie wollte erleichtert tief einatmen – aber sie konnte nicht. Was war nur los? Sie blickte sich um. Um sie herum hatten sich die Nebelfrauen gesammelt. Sie hörte das wispern des Windes – oder war es das Flüstern der Frauen? Sie fühlte sich seltsam – als wäre sie Teil etwas besonderen – Teil einer Gesellschaft. Sie blickte an sich hinunter und konnte durch ihre Füße den Blätterteppich erkennen. Sie verstand – sie war gestoben im Moor und wurde somit Teil der sagenumwobenen Nebelfrauen.

ENDE

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Das neunte Wort | 2017 – abgehen – in die Freiheit.

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Sollte ich nicht irgendwo abgehen? Hatte er nicht gesagt Links-Links-Rechts-Links?  Oder? War doch mehr rechts als links dabei? Verdammt. Ich hätte es im Navi eingeben lassen sollen, wo ich doch einen so guten Orientierungssinn habe. Ich verlaufe mich schon im Supermarkt. Na toll. Dabei wollte ich nur schnell weg aus dem Mist. BlaBla, wenn du da lang gehst, dann kannst du gemütlich abgehen und bist auf dem sicheren Weg in die Freiheit. Pah – vielleicht wäre es doch besser gewesen mit meinen Freunden mit zu gehen. Es war eine Party geplant – da hätte ich auch abgehen können. PARTY. Nein, ich wollte nur weg von der Kontrolle. Seit der neuen Regierung wurde es nur schlimmer. Immer mehr Kameras. Nirgends konnte man mehr unbeobachtet sein. Ich befürchte sogar in privaten Bereichen beobachten sie uns. Dann kam die Abschaffung des Bargeldes. Dumm nur, dass ich meine grosse Klappe nicht halten kann. Seit dem sind meine Konten eingefroren und mein Führerschein gesperrt. Zur Familie kann ich nicht, denn wenn die auf einmal, denn wenn auffallen würde, dass sie auf einmal mehr verbrauchen würden. Das kann ich nicht verantworten. Getoppt wird es jetzt noch. Ein paar der Schlafschafe, die sich tatsächlich freiwillig mit RFID-Chips impfen lassen. Tut ja nicht weh und man kann damit nicht nur alle seine Türen öffnen sondern auch noch sicher zahlen. Also wirklich, WIRKLICH? Denkt ihr nur das kann man mit den Chips machen? Wenn du nicht spurst, wirst du einfach abgeschaltet. So einfach ist das.

Nein – nein ich muss weg. Ah – da ist doch der Weg, der abgehen soll. Schnell sprinte ich auf den Weg zu. Er ist zugewachsen. Wo soll ich durch schlüpfen? Da bewegt sich was – ein Mann, er stoppt mich.

„Hei, du bist hier falsch. Die Party ist am anderen Ende der Stadt.“ „Ich will nicht zur Party, ich will nur hier abgehen.“ „Ich sehe, du kennst die Parole. Bist du dir sicher?“ „Absolut. Ich will keine Marionette werden. Ich will frei sein.“

„Das ist aber kein Happening. Es wird viel Einschnitte geben.“ „Nichts kann schlimmer sein, als das was hinter mir liegt. Nicht kann schlimmer sein, als absolute Kontrolle und Beschneidungen der geistigen Freiheit. Niemals. Ich bin bereit für Leben.“ „Gut, Mädchen. Willkommen im Widerstand.“

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Das achte Wort | 2017 – Glücksschmied


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Mir ist einfach nichts zu Glück eingefallen. Als ich auf dem Weg zur Arbeit war kam mir dann  auf einmal die Eingebung. So mitten auf der Autobahn ist mir was eingefallen. So – wie soll man das notieren? Ich habe also versucht an nichts anderes zu denken um diesen zerbrechlichen Gedanken nicht zu verlieren. Sobald ich konnte bin ich rechts ran gefahren und habe es im Handy notiert. Weiter gefahren und die Gedanken sprudelten. Ach herrjeh – wenn das so weiter gehen würde, käme ich zu spät auf die Arbeit. Auf dem Firmenparkplatz noch schnell den rest eingetippt. Puh – geschafft. Einfacher wäre es gewesen, wenn ich den Rekorder auf dem Handy gefunden hätte. Jetzt weiss ich wo der abgelegt ist – für den nächsten kreativen Schub in unmöglichen Situationen. ;-)


Glücksschmied

Die Tränen liefen die Wange hinab und tropften auf die Oberlippe.  Ich zog die Nase hoch und konnte mich gerade noch zurück halten um sie nicht am Ärmel abzuwischen. Lieber nahm ich das angebotene Taschentuch.  Gekündigt.  „Sehen sie es doch als Glück an, Frau Wanderer. Diese Arbeit war doch sowie so nicht ihr Ding. Büroangestellte – man hat ihnen das schon von weitem angesehen, dass sie diese Tätigkeit verabscheuen. Jetzt werden sie quasi gezwungen sich umzuorientieren und finden vielleicht was Besseres für sich. Ihr Glück vielleicht.“ Ich sah ihn durch den Tränenschleier an und er konnte wirklich froh sein, dass ich die Kiste mit meinen persönlichen Sachen schon in der Hand hatte. Sonst hätte er, statt der Hand meine Faust bekommen.

Er sah mich unbehaglich an. Es musste in meinen verquollenen Augen erkennbar sein, was ich dachte. Ich gehörte wahrlich nicht zu den Frauen, die niedlich aussehen, wenn sie weinen. Nein – keiner kommt dann und wischt mir die Tränen von der Wange und nimmt mich tröstend in den Arm. Ich bekomme hässliche rote Flecken im Gesicht, meine Augen schwellen zu roten Ringen an und meine Nase wird zu den Niagarafällen. Ich bin wirklich nicht süß, wenn ich weine.

Das förderte meist keinen Mitleid meines Gegenüber sondern eher das Bedürfnis sich schnell umzudrehen um das Elend nicht länger betrachten zu müssen. Aber Herr Paulus war ein Profi – er war der Personaler und hatte schon einige Leute heulen sehen, nach dem er ihnen die Kiste für ihre Habseligkeiten überreichte.

Mit verachtenden Blick und der verrotzten Nase schnaubte ich wie ein Stier und verließ das Büro. Ich konnte den Kollegen ansehen, dass sie aufatmeten. Alle waren froh, dass es nicht sie getroffen hatte. Ja – ich war die Letzte die kam und die Erste die gehen musste. So war das halt. Klar hat mir der Job keinen Spaß gemacht – aber das interessiert weder meinen Vermieter noch die Kreditkartenvermittler. Alle wollten sie Geld und das bekam man halt nur wenn man arbeitet.

Ich ging zum Auto.  Natürlich regnete es.  Das Universum verhöhnte mich.  Soll ich euch noch erzählen, dass ganz klassisch der Schlüssel aus der Tasche auf den Boden fiel? Und die Kiste in der meine Sachen waren so durchweicht war, dass der Inhalt gerade auf dem Boden verteilt wurde? Als ich endlich – Tratsch nass im Auto saß – leuchtete noch die Motorkontrollleuchte auf. Ich sah gen Himmel und musste lachen. Da oben meint es wirklich jemand besonders gut mit mir.

Tropfend stand ich vor der Wohnungstür und versuchte sie aufzuschließen Ich trat in den Flur und ließ die Kiste aus dem Büro einfach fallen.  Ich hörte meine Tasse klirrend.  Das war es wohl dann auch für sie.  Ich schleuderte die unbequem Schuhe von den Füssen und zog meine nassen Klamotten im Laufen aus.  Die ließ ich gerade so liegen und schlüpfte im Bad unter die warme Dusche.  In meinen kuscheligen Bademantel gewickelt setzte ich mich in meinen Lieblingsessel.  Das Telefon blinkte.  Ich hörte es ab.  „Hi Maureen. * Räusper*.  Ich muss dir was sagen“.  Er macht Schluss. Am Telefon – Perfekt. Wenn das kein Tag für Depressionen war, welcher dann.

Ich ging an den Kühlschrank um die Eislade zu öffnen.  Da stand nur noch ein halber Eimer drin auf dem sich schon Kristalle gebildet hatten.  Egal.  Der würde jetzt den friedlichen Eistod  sterben.  Mit verheulten Augen, einer Liebesschnulze im DVD Player und dem Eisbecher saß ich finster auf der Couch.

Ich war ganz alleine. Meine Eltern waren gestorben, als ich gerade 19 war. Ich hatte keine Geschwister und auch sonst keine Angehörigen. Es war also tatsächlich Zeit  das Leben, das ich gerade führte zu überdenken.

Was jetzt.  Jetzt wurde ich das Glück am Schopfe greifen.  Eine neue Zukunft. Ich hätte die Chance endlich was zu finden das mich erfüllen könnte.  Nie wieder einen Job der mich nicht glücklich machen würde.  Für irgendwelche Idioten arbeiten. Vor allem keinen Null-Acht-Fünfzehn Typen nur um nicht alleine zu sein. .  Nein ich war mehr wert.  Das Glück sollte jetzt endlich mal bei mir anklopfen. Ich würde es auf jeden Fall mit offenen Armen empfangen.

Jetzt war ich dran – ich musste meines Glückes Schmied sein.

Entspannt löffelte ich das kristallisierte Eis und lachte über die romantische Komödie. Ein Silberstreif am Horizont hatte sich gezeigt. Ich würde ihm folgen, bis ich am Ziel ankam. Wo und was auch immer es sein würde.

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Das siebte Wort | 2017 – Wald – Der Ruf des Wolfes

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Der Ruf des Wolfes

Andrea wachte auf. Oh – ich bin ja eingeschlafen – das tat so richtig gut. Es war eine gute Entscheidung sich heute mal frei zu nehmen um einfach im Wald spazieren zu gehen. Abschalten und loslassen. Gibt es was Besseres, als das satte Grün der Blätter, das Rauschen des Windes durch die Kronen und das Geräusch der Waldbewohner? Jetzt war es aber schon recht düster geworden. Andrea fröstelte leicht. So ein Mist, ich habe keine Weste dabei. Eigentlich wollte ich ja auch  nur kurz entspannen und nicht einschlafen. Jetzt ist die Sonne weg und da ist es ja klar, dass es im Wald halt abkühlt. Ich muss jetzt gehen. Zu Hause werde ich mir ein schönes warmes Bad und ein gutes Glas Rotwein gönnen. Das hat meine Batterie wieder aufgeladen. Das sollte ich mir öfter gönnen.

Andrea stand auf, etwas steif vom langen liegen. Sie hatte einen tollen umgestürzten Baum entdeckt. Er war perfekt ausgehöhlt. Sie sammelte Tannenzweige und Blätter als Matratze. Dann hatte sie sich hineingelegt. Die Sonne hatte sie schläfrig gemacht und sie hatte sich fallen lassen.

Jetzt  musste sie aber endlich mal los – es wurde immer dunkler – solange sie noch was sah, sollte sie schon am Ausgang des Waldes sein. Sie lief los und im Augenwinkel bemerkte sie einen Schatten. Erschrocken drehte sie sich in die Richtung in der sie den Schatten wahrgenommen hatte. Da war nichts. Ach der Wald und seine Schatten, lächelte sie.

Widerwillig betrat sie erneut den Pfad um weiter zu gehen. Eigentlich wollte sie noch nicht gehen. Wäre sie wärmer angezogen, hätte sie wahrscheinlich in ihrem Naturbett übernachtet. Es war solange her, dass sie eine Nacht im Freien verbracht hatte. Eine tiefe Sehnsucht machte sich in ihrem Inneren breit. Seufzend lief sie weiter.

Tief in Gedanken versunken, achtete sie nicht so genau wo sie lang lief. Nach etwa einer halben Stunde stutzte sie. Ich bin wohl im Kreis gelaufen. Na so was, da war ich aber schwer in Gedanken.  Schmunzelte sie. Erneut lief sie los. Langsam kroch dicker Nebel aus dem Boden und verwandelte den Wald in eine gruselige Kulisse.

Andrea rieb sich über die Arme. Sie fror jetzt stark und dieser Nebel liess sie auch von innen her frösteln. Sie liebte den Wald und hatte auch schon einige Nächte in einem verbracht – aber das hier fühlte sich seltsam an. Bedrückend und beängstigend. Vorbei war das schöne wohlige Gefühl, das sie den ganzen Tag hatte. Jetzt breitete sich langsam Angst und Unsicherheit in ihr aus. Sie konnte es nicht verstehen.

Ok. Was mache ich denn jetzt? Anscheinend kann ich hier nicht raus. Verflixt.

Andrea drehte sich und erkannte – sie war schon wieder am umgefallenen Baum gelandet. Genervt setzte sie sich auf ihr gemachtes Bett aus Tannenzweigen und Blättern. Um sie herum hörte sie seltsame Geräusche. Ein Wispern. Auch hatte sie das Gefühl, ständig von irgendetwas gestreift zu werden. Sie wagte nicht sich zu bewegen. Etwas war hier im Wald und es schien ihr Angst machen zu wollen. Was ihm auch wirklich gelang.

Sie erschrak – Mist ich brauche einen Unterschlupf. Es ist schon recht düster – ich hoffe ich bekomme noch einen Shelter hin. Schnell sammelte Andrea einige Äste, die sie für den Unterschlupf brauchte. Ob ich mir ein Feuer vor dem Shelter mache? Ach ne – ich bin zu müde. Sie schlüpfte in ihre Behausung und schlief sofort ein.

Sie wurde wach, weil sie furchtbar fror. Hätte ich mir doch die Zeit für ein Feuer genommen. Nun – ich  muss mich bisschen bewegen um das Blut wieder in Gang zu bringen. Andrea robbte aus ihrem Shelter und sprang etwas auf und ab. Da! Da war es wieder. Dieser Schatten und um sie herum erhob sich ein unheimliches Geflüster. Sie drehte sich schnell um sich herum um die Quelle der Geräusche auszumachen. Aber sie konnte nichts finden. Ihre Gänsehaut würde sich hier nicht mehr legen. Sie fing an zu rennen.

Blind stolperte sie durch den dunklen Wald. Sie wurde von etwas verfolgt. Aber was? Sie konnte nichts erkennen. Lauf weiter, Andrea, lauf um dein Leben. Sie hatte keine Zweifel  daran, dass es hier wirklich um ihr Leben ging.

Sie stolperte ständig. Da – das ist der Beweis. Wenn sie in den Horrorfilmen durch den Wald rennen, stolpert keiner. Die rennen da immer wie auf einer Aschebahn. Sie versuchte sich von der Schlinge um ihren Fuss zu befreien.  Wieder hörte sie das Geflüster. Dieses mal kamen aber noch Heulgeräusche dazu. Oh nein – Wölfe – ich habe ja gelesen, dass sie wieder kommen, aber müssen sie gerade dann kommen, wenn ich im Wald strande? So ein Mist. Wie waren die Verhaltensregel? Okay, Okay – Lärm machen – langsam zurückweichen – nur nicht rennen. Gross machen, in die Hände klatschen, was werfen. Also gut  kommt nur – ihr Wölfe. Euch zeig ich´s

Und da kamen sie. Und sie waren riesig. Vor ihr baute sich ein Weibchen auf. Sie war beeindruckend. Ihre Augen wirkten so menschlich. So wissend. Andrea konnte nicht anders – sie war beeindruckt und ihre Angst schwand sofort. Dann knackte es neben ihr. Sie drehte ihren Kopf und sah noch mehr Wölfe. Da war es dann um ihre Bewunderung geschehen. Alle Verhaltensregel vergessend, rannte sie los. Und das war der Startschuss für die Leitwölfin. Sie setzte Andrea nach – der Rest des Rudels blieb im Hintergrund.  Eine Zeitlang liefen die beiden nebeneinander. Andrea hatte eine sehr gute Kondition. Da sie ein Waldkind war, joggte sie regelmässig mehrere Stunden die Woche.

Die Wölfin machte keine Anstalten sie anzugreifen. Andrea hielt an. Sie stützte ihre Arme auf die Oberschenkel um ihren Atem zu kontrollieren.

„Was willst du von mir? Jagen, fressen? Dann mach wofür du hergekommen bist. Ich kann nicht mehr lange mit dir mithalten.“

Die Wölfin legte den Kopf schräg als würde sie überlegen. Dann erhob sie sich. Und Andrea setzte sich auf ihren Hintern. Vor ihr erschien eine Frau. Eine nackte Frau. Sie war als Mensch genauso beindruckend, wie als Wolf und die Nacktheit schien ihr nichts auszumachen. „W-was – ich glaub ich spinne. Ich schlafe doch noch? Was bist du? Ein Werwolf?“

„Ja – so werden wir von euch Menschen genannt. Aber eigentlich stimmt das nicht so ganz. Wertiere sind immer so negativ behaftet – Wir sind Menschen, die ihre innere Stimme haben siegen lassen. Wir alle empfanden eine enorme Anziehung des Waldes. Die Menschenwelt engte uns ein und nahm uns die Luft zum Atmen.“ Andrea schaute sich um und sah noch mehr nackte Menschen aus dem Schatten hervortreten.

„Okay – kann ich mir nicht so vorstellen. Ich kann das nicht so erfassen. Und warum ängstigt ihr mich?“

„Entschuldige, das war nicht unsere Absicht, aber wie sollen wir so was denn umsetzen? Ich denke – egal wie – du hättest Angst bekommen.“

„Ich dachte Geister wären hinter mir her. Dieser Nebel und diese Atmosphäre.“ „Hahaha – Geister – die gibt es nicht.“ „Ja klar – das sagt mir gerade ein Werwolf. Okay, wir kommen vom Thema ab. Was wollt ihr von mir?“

„Wir haben deine Seele rufen gehört?“

„Ihr habt was?“ „Wir haben die Fähigkeiten Seelenverwandte zu erkennen. Ihre Seelen rufen nach Freiheit und Wildnis. Der Wald ruft aus ihnen heraus.“ „Man, das klingt wie aus einem mittelmässigen Roman. Was sagt denn meine Seele?“

„Du bist unglücklich. Dein innerer Wolf will frei gelassen werden. Merkst du denn nicht wie er in deinem Inneren an deiner Wand schabt?“ „Wie soll ich das merken?“ „Deine innere Unruhe, deine Unzufriedenheit. Und vielleicht seltsame Gelüste?“ „Was für Gelüste? Nach Menschenfleisch?“ „Wir sind doch keine Zombies. Ich mache dir ein Angebot. Du leugnest es – aber wir spüren es ganz genau – dein Wolf will raus. Wir können dir helfen. Dann bist du Frei. Kannst durch die Wälder streifen. Rennen und mit uns jagen und tollen. Überlege es dir. Wir führen dich zurück zu deinem Lager. Bei Sonnenaufgang kommen wir um deine Entscheidung zu hören. Du bist nicht in Gefahr. Egal wie du dich entscheidest – wir helfen dir.“

Zurück in ihrem Shelter dachte Andrea intensiv nach. Was war das? Kann es das geben? Ich habe es doch gesehen. Bin ich eine Wölfin? Ich liebe es in der Natur zu sein und vermisse es wahnsinnig. Mein Job fesselt mich und ich bin unzufrieden.  Sie überlegte, bis sie einschlief. Und sie träumte. Sie war ein Wolf und rannte mit den anderen durch den Wald. Die Äste schlugen ihr ins Gesicht und sie liebte dieses Gefühl. Als würde sie von ihnen gestreichelt werden.

Bei Sonnenaufgang wurde sie von einer feuchten Nase an gestupst. Sie erschrak und rieb sich die Augen. Sie trat gegen die Äste ihres Shelters und die gaben sie frei. Das Rudel hatte sich um sie herum versammelt. Es war ein toller Anblick. Solch edlen Geschöpfe und sie wollten sie bei sich aufnehmen. Ihre Entscheidung war gefallen. Sie würde eine Wölfin sein und mit ihrem Rudel durch die Wälder streifen. Sie brauchte nichts zu sagen. Die Leitwölfin nickte und nahm ihre Hand zwischen ihre Zähne. Andrea wurde in die Mitte geführt. Ein kleiner Biss und schon war es vollbracht.

„Wann verwandle ich mich? Bei Vollmond“ Die Leitwölfin wandelte sich wieder in eine Frau. Lachend schüttelte sie ihr Haar. „Ach diese Mythen. Nein. Warte einige Stunden, bis mein Biss, den gesamten Blutkreislauf gewandelt hat. Dann kannst du dich jeder Zeit verwandeln. Genau richtig um noch einige Sachen zu erledigen. Bring dein Leben zum Abschluss und komme zu uns. Wir werden auf dich warten“

„Ok. Viel ist es ja nicht. Keine Familie, unbedeutende Freunde – ich beeil mich – ich kann es nicht abwarten bei euch zu sein.“ Andrea rannte los. Sie war so voller Energie und Lebensfreude.  Sie blickte sich um und sah ihre Familie. Noch schneller rannte sie um ihr altes Leben zu verabschieden und ihr neues zu begrüssen.

ENDE

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Das sechste Wort | 2017 – Splitter – Ein Splitter zur Seeligkeit

Das Projekt*txt wird gegenwärtig von Dominik Leitner und Katharina Peham betreut.

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Ja – eigentlich sind meine Lieblingstiere Wölfe oder auch Löwen. Aber ich habe in letzter Zeit viele Dokus über Bären gesehen und bin so beeindruckt von diesem süssen Aussehen und der Gefährlichkeit, die sich dahinter versteckt. Aber meine Geschichte ist harmlos.

Es war einer der Tage, an denen man wirklich liegen bleiben sollte.

Es fing mit dem Wecker des Handys an. Diesen Ton wollte ich schon immer ändern, denn er schreit mir ins Ohr „Wake up, wake up, wake up“ Ich vermisse die Zeit, als man diese nervigen kreischenden Wecker hatte auf die man drauf haute oder einfach an die Wand warf. Aber bei einem Handy hat man doch etwas Hemmungen. Also quälte ich  mich aus dem Bett. Das Zimmer war Arschkalt. Schnell kuschelte ich mich wieder in die Decke. Vielleicht sollte ich mir doch mal Holz besorgen.

Ich war gerade wieder dabei einzuschlummern, als das Handy mich schon wieder anschrie. Einen kleinen Herztod später stieg ich aus dem Bett aus. Schlotternd rannte ich ins Bad, na ja was man so rennen nennen konnte bei gefühlten -10°C und frisch aus dem Bett heraus geschrien.

Ich stand vor dem Spiegel und schaute mir meine violetten Augenringe an. Ich sah furchtbar aus. Wie eine gerupfte Krähe. Ich drehte die Dusche auf, damit sie schon warm war, wenn ich versuchte mich wach zu duschen. Ach ich hasste es aufzustehen. Ich könnte den ganzen Tag in dem warmen Bett liegen. Den Winter einfach verschlafen. Das wäre doch was. Ich wäre ein Bär und  könnte mich das ganze Jahr über vollstopfen und dann den ganzen kalten Winter verschlafen.

Dieser Gedanke liess mich schmunzeln. Vor allem hätte ich einen schönen wärmenden Pelz. Ich träumte noch etwas vom Winterschlaf, während ich  mich von oben bis unten einseifte. Dann liess ich das heisse Wasser über mich laufen. Ach, was war das angenehm. Allerdings – wegen mangelnden Holzes – musste ich jetzt bald raus in das kalte Bad. Ich seufzte und drehte das Wasser ab. Ich griff nach meinem Bademantel. Der war so schön kuschelig.

Ich trat an den Spiegel,  der von dem Wasserdampf angelaufen war. Ich nutzte den Ärmel, des Bademantels um mir die Sicht frei zu wischen. Da knarzte es. Der Spiegel hatte einen Sprung. Oh – nein. Da war wohl der Temperaturunterschied zu gross für das Spiegelglas. Na toll. Und dann passierte es. Ein riesiger Splitter löste sich aus dem Spiegel und viel in das Waschbecken.

Wie ich mein Glück kenne, nehme ich jetzt diese Scherbe um sie wieder an zu kleben und schneide mich. Ja. Das würde passen. Allerdings kann ich ja gar nicht verbluten, denn es ist so kalt, dass mein Blut sofort gefriert. Ich schaute verzweifelt zu dieser Lücke, die der Splitter hinterlassen hat.

Was war das denn? Da bewegte sich etwas in der Lücke. Ich schaute genauer hin und ich sah tatsächlich Bewegungen. War ich besoffen. Hatte ich gestern was getrunken um es mir warm zu machen? Ich konnte mich nicht erinnern. Meine Neugier war geweckt. Ich öffnete den Spiegelschrank und fand nur die Nagelfeile. Na – mit einer Nagelfeile, kann man schon einiges bewirken.

Ich schob die Spitze, der Feile in die Lücke unter die gesprungenen, noch haftenden Splitter. Diese fielen jetzt nach und nach in das Waschbecken. Verdammt! Was war das? Hinter dem Spiegel war eine bewegte Landschaft. Eine schöne hügelige Panorama Aufnahme mit bewegten Figuren.

Bären? Und kaum hatte ich das fertig gedacht wurde ich eingesogen. Ich wurde in den kaputten Spiegel gesogen. Und ich landete im grünen Feld voll Klee. Jetzt war es zu viel. Ich hatte bestimmt einen Schlaganfall und Halluzinationen. Ich schaute an mir runter und ich setzte mich. Ich hätte mich vielleicht mal rasieren sollen. Aber bei dem Fell, das ich an den Beinen hatte, würde weder  Wachs, Rasierer oder Creme helfen. Und mein Brazilian Waxing war ja wohl sinnlos gewesen. Ich drehte mich um mich selbst und versuchte einen Blick auf meinen Hintern zu erhaschen. Es gestaltete sich etwas schwierig, aber ich schaffte es. Und was ich sah liess ich vom Glauben abfallen. Ich hatte einen Schwanz – einen süssen Puschelschwanz, den ich sogar bewegen konnte. Hä?

Ich schaute mich um und sah eine Pfütze vor mir. Ich trat heran und sah meinen Verdacht bestätigt. Auch im Gesicht hatte ich mittlerweile eine starke Behaarung. Und süsse kleine runde Öhrchen.

ICH BIN EIN BÄR!? ICH BIN EIN BÄR????

Ich viel gerade um. Ich glaube ich wurde Ohnmächtig. Was ist denn hier passiert? Ich musste gestorben sein. Ich verstand gar nichts. Ich erinnerte mich an meinen simplen Wunsch ein Bär mit Winterschlafmöglichkeiten zu sein. Und wieder viel ich in Ohnmacht.

Ich weiss nicht wie lange ich da so lag. Aber als ich wach wurde hing mir irgendwer am Hintern. Ich sprang auf – nun – ich versuchte es. Aber es war gar nicht so einfach als Bär wieder aufzustehen. Ich zappelte etwas herum und schaffte es dann tatsächlich auf meinen Beinen zu stehen. Und da stand ein Bär. Ich wollte schnell flüchten. Ich suchte in meinem Gehirn, was ich über Bären gelernt hatte. Man sollte sie entweder erschrecken – also sich gross machen, oder Tot stellen. Hm. Also Tot stellen, viel ja wohl aus. Denn ich hatte ja schon verraten dass ich lebte. Also Gross machen. Also drehte ich mich um und brüllte. Nun – ich dachte ich brülle. Aber ich hörte mich an wie eine Katze der auf den Schwanz getreten wurde. Ich räusperte mich oder so was ähnliches.

Der andere Bär stand da und beobachtete mich. Dann schien es, als würde er lachen. Können Bären lachen? Ja – also hier stand einer, der lachte über mich.

Ich grunzte. Oh – reden konnte ich nicht – da hatte der aufgeblasene Bär aber Glück. Aber wie verständigen sich Bären? War mir egal. Ich drehte mich um und schupste ihn einfach  mit meinem sehr imposanten Hinterteil. Oh Mann – die ganzen Diäten waren umsonst. Ich hatte vielleicht jetzt einen Hintern anhängen. Ich seufzte. Und da merkte ich was. Ich hatte Hunger. Und nun? Sollte ich jetzt einen Bienenkorb suchen? Oder einen Fisch fangen?

Der andere Bär setzte sich und beobachtete mich. Ich drehte mich zu ihm und deutete auf meinen Bauch und machte mit meiner Pfote – ach herrjeh  Pfote? – ich liess kurz mal den Kopf hängen. Dann zeigte ich mit meiner Pfote auf meinen Mund. Der Bär legte den Kopf schief und starrte mich an. Ja – klar – was soll auch ein Bär mit dieser Geste anfangen. Wieder seufzte ich. Dann schupste er mich. Er zeigte in eine Richtung und ich machte mich lang. Da war ein Fluss.

Ich stinke doch nicht – vor meinem – nennen wir es Transfer – hatte ich ja geduscht. Also was soll ich am Fluss? Ach du dämliche Kuh – nein Bär. Im Fluss – die Fische. Fische fangen. Ich zuckte mit den Schultern und folgte ihm. Blieb mir was anderes übrig? Nein – Ich ging mal davon aus, dass ich mir keine Gedanken machen musste, dass ich an einen Bösewicht gekommen bin. Ich war schliesslich  keine schwache Frau  mehr, sondern eine starke Bärin.

Der Gedanke gefiel mir.  Also trotteten wir gemütlich nebeneinander her zum Wasser. Ich warf immer mal einen heimlichen Blick in seine Richtung. Denn mittlerweile hatte ich mich überzeugen können, dass es ein männlicher Bär war. Er sah gut aus. Aber wie entscheide ich das. Er sieht aus wie jeder andere Bär, den ich in den Dokus schon gesehen hatte. Aber irgendwie fand ich ihn total attraktiv. Sehr seltsames Gefühl.

Da standen wir nun. Er war schon im Fluss und ich – in diesen kalten Fluss. Ich weiss nicht. Ich bin so verfroren. Ich hielt meine Pfote rein und zuckte zurück. Aber eigentlich war es gar nicht kalt. Das war nur eine Erinnerung. Das Wasser sollte kalt sein. Aber ich war kein Mensch mehr. Also traute ich mich mit den Vorderpfoten ins Wasser – Das war ein tolles Gefühl. Ich zog den Rest meines riesigen Körpers hinter her. Ich balancierte zu dem grossen Bär. Die Steine waren glitschig und ich rutschte aus. Ich tauchte unter und wieder auf. Was ein Gefühl. Das Wasser kitzelte mich. Ich fing an zu rennen. Im Wasser rennen. Mach das mal als Mensch – mir unmöglich – aber als Bär – es war so toll. Ich flitzte durch das Wasser – schlitterte auf den Steinplatten und pustete das Wasser aus meinem Mund.

Der grosse Bär beobachtete mich. Dann kam er und ich schuppste ihn. Er fiel und verschwand im Wasser. Aber es dauerte nicht lange und er tauchte wieder auf. Dann kam er auf mich zu. Er sah sehr böse und einschüchternd aus. Ich blickte ihm mit grossen Augen an und sah mich schon mit aufgerissener Kehle den Fluss hinabtreiben. Ich schloss die Augen und spürte einen Schupser. Da fiel ich und prustete ich. Ich sah in an und stürmte auf ihn zu. Er floh und wir jagten uns durch das Wasser. Was für ein Spass.

Aber ich hatte immer noch Hunger. Also machte ich wieder die Geste des Essens. Warum verstand er mich? Das war mir ein Rätsel. Steckte da auch ein Mensch drin? Warum sollte nur mir so etwas passieren?  Er stellte sich auf einen kleinen Vorsprung im Wasser und beobachtete. Da sprang er. Ein Fisch. Und mein neuer Freund fing ihn. Ganz stolz zeigte er mir seinen Fang und warf ihn ans Ufer.

Das musste ich auch probieren. Das sah ganz leicht aus. Also stellte ich mich auch zurecht und wartete. Ja – so viel dazu, es sah ganz leicht aus.  Ich landete mehr im Wasser, als ein Fisch in meinen Krallen. So würde ich definitiv verhungern.

Der Bär kam zu  mir und ich beobachtete ihn genau. Er konzentrierte sich und ich auch. Dann kam der Fisch und ich konnte genau sehen wie er zuschlug. Ich war beeindruckt. Das Balzverhalten hatte gewirkt. Ich war hin und weg. Das hätte mal ein menschlicher Mann machen sollen – da hätte ich wohl eher laut gelacht.

Aber dieser Bär – er war prächtig und mächtig und ich fühlte mich sicher. Er kniff mich mit den Zähnen in die Schulter und zeigte mir, dass ich ihm folgen sollte. Er lud mich zum Essen ein. Ich hatte ein Date mit einem Bären. Na so was. Hier wurde keine Zeit verschwendet. Aber rohen Fisch. Ich war nie der Sushi Fan gewesen. Aber wie sollte ich als Bär ein Feuer entfachen. Habt ihr mal die Krallen bewährte Pfote eines Bären gesehen. Da ist nichts mit Stock auf Stock reiben. Ausserdem haben wir ja schon Angst vor Feuer.

Vorsichtig schnappte ich mir einen Fisch und biss rein. Waaaa. Eine Geschmacksexplosion.  Oh mein Gott – schmeckte das. Ich hatte noch nie so guten Fisch gegessen. Ich versenkte meine Schnauze in den Fisch und frass. Dann  nahm ich mir den nächsten und schlang ihn mit einem Happ hinunter.

Nach dem Fressen war ich etwas verlegen. Was sollte jetzt geschehen. Was machen Bären so den ganzen Tag? Ich folgte meinem Bären und sah, wie er ständig Grass frass. Ich machte es ihm nach und es war gar nicht so seltsam. Wir kamen an eine Höhle und er blieb davor sitzen. Ich setzte mich ebenfalls. Das war wohl seine Höhle? Und nun? Er deutete an, dass ich hinein gehen sollte. Ich war doch etwas unsicher. Aber er blickte mich so treu an. Ich vertraute ihm. Also ging ich mit ihm in seine Höhle.

Es roch etwas ungewohnt streng. Aber es fühlte sich nicht schlecht an für mich. Er klopfte auf eine kleine Erhebung und ich kam zu ihm. Dann legte er sich hin und ich war etwas verunsichert, sollte ich mich zu ihm legen? Aber er beantwortete meine Frage. Er deutete neben sich und ich kuschelte mich an ihn. Niemals in meinem Leben hatte ich  mich so wohl gefühlt. Ich schloss die Augen und vergass mein altes Leben. Das hier war mein Leben. Niemals wieder wollte ich was anderes als ein Bär sein.

ENDE