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Das fünfte Wort – Grenzenlos – Grenzenlose Freiheit.

Was ist das Projekt *.txt?

Schnell erklärt soll das Projekt *.txt der Inspiration dienen. Einmal pro Monat wird ein Wort verkündet, zu dem die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre Texte schreiben. Es gibt keinen Druck, etwas zu schreiben, kein Datum, bis wann die Texte da sein müssen … es soll also in erster Linie Spaß machen!


Meine Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit. Diese kleine Amsel hatte sich in einer Ecke vor unserem Tor gekauert. Ich habe ihn bemerkt, als wir auf den Weg zur Arbeit waren. Es war noch dunkel – erst liess ich ihn draussen – aber ich hatte schon einen Mader auf dem Weg gesehen und wir sind dann noch mal zurück gefahren um ihn in den Hof zu lassen.

Die Geschichte aus der Sicht der kleinen Amsel.


Es ist dunkel, ich bin so alleine und die Angst begleitet mich bei jedem Geräusch. Zu früh war ich.  Zu neugierig, aber noch nicht stark genug, alleine los zu ziehen. Die Angst umgibt mich wie ein Mantel und drückt mich in die Ecke. Würden meine Eltern mich finden? Warum bin ich im Dunkeln los gezogen? Mein erster Ausflug hätte in der Dämmerung sein sollen, aber ich war zu ungeduldig. Hilflos rufend sitze ich in der Ecke – ich bin immer noch alleine. Viele Gefahren lauern hier unten auf mich. Ein kläglicher Ruf nach meinen Eltern. Aber sie kommen nicht. Ruhe. Ich muss ruhig sein, da kommt was. Hier in der Ecke wird mich keiner sehen. Ein Tor öffnet sich. Gerade das Tor in dessen Ecke ich mich kauere. Ein lautes Geräusch. Der Boden vibriert. Ich zittere vor Angst. Ein Monster schiebt sich an mir vorbei. Meine Mutter hat es Auto genannt. Es sieht mich nicht. Ich bin sicher. Nein, da trampelt noch was. Ein Mensch, so nannte mein Vater es immer, mit einer Warnung behafteten Stimme. Menschen sind gefährlich. Ich bleibe ruhig. Es ist ein Weibchen. Sie sieht mich. Bleibt stehen, bückt sich. Schließt die Tür, öffnet die Tür. Sie stellt mir eine mit Wasser gefüllte Schüssel hin. Sie geht zum Auto und die Maschine bewegt sich. Ich atme auf. Ich konnte nicht ruhig bleiben als die Menschenfrau kam. Ich flatterte – aber war zu schwach. Das Auto kommt zurück. Sie steigt aus, öffnet die Tür und schiebt mich weiter. Stellt das Wasser neben mich. Sie gibt Laute von sich, die ich nicht verstehe. „Hier im Hof bist du sicher vor Mader und Katze. Hier können deine Eltern dich finden und dir helfen. Erhol dich ein bisschen.“ Dann ist sie wieder weg. Ich sitze in einem kleinen Beet und rufe meine Eltern. Hoffentlich kommen sie und helfen mir. Wenn ich doch nur gewartet hätte mit dem Fliegen. Eins, zwei Tage noch.

Mein Vater hat mich tatsächlich gefunden. Es wird hell, aber ich habe noch immer nicht genug Kraft hoch genug zu fliegen. Der Boden vibriert wieder. Dieses Auto kommt zurück und zwei Menschen sind dabei. Auch dieses Weibchen, das mir geholfen hat, glaube ich. Sie schaut, aber sieht mich nicht. Dann kann ich wieder nicht ruhig bleiben. Ich will fort. Ich flattere hilflos an ihnen vorbei und bin in ihrem Nest. Sie sind aufgeregt, weil ich da drin bin. Ich will ja nichts Böses, dann weiß ich warum sie so aufgeregt sind. Katzen. Oh je. Aber die beiden Menschen reagieren schnell und ich bin wieder draußen. Ich flüchte unter dieses Auto. Wenige Minuten schaut sie nach mir – sieht mich aber wieder nicht. Aber mein Vater sieht sie – er bläht sich auf und will sie angreifen. Sie zieht sich zurück. Aber dann kommen Hunde. Sie sind zu aufgeregt um mich zu bemerken. Ständig rennen sie um die Menschen herum. Einer findet mich – ich flüchte, und die Frau ruft nach dem Hund. Er lässt mich in Ruhe. Die beiden werden weg geschickt und sie treibt mich wieder in das Beet. Da ist es besser. Ich finde eine Lücke, wo meine Eltern mich sehen, aber keiner an mich heran kommt. Es wird dunkel. Diese Frau kommt schon wieder – ich höre Wasser laufen – die Hunde finden mich – so auch die Frau. Aber ich bin sicher – keiner kommt an mich heran. Dann werde ich nass – es regnet? Igitt. Aber ich habe schon Durst. Weg ist der Regen – ich höre immer noch Wasser – die Frau lässt es regnen. Sie wirft mit Körnern nach mir. Wie unverschämt. Dann ist Ruhe. Die Nacht legt sich auf mich und ich bin so müde. Nur noch wenige Tage, vielleicht morgen schon, dann bin ich stark genug um zu Fliegen. Dann erhebe ich mich stolz in die Lüfte und fliege mit meinen Eltern und Geschwistern in den Himmel. Fern und Frei, dann habe ich das hier alles schnell vergessen. Und am Horizont öffnet sich eine kleine Regenbogenbrücke um den kleinen Vogel zu rufen. Er kann fliegen und fliegt der grenzenlosen Freiheit entgegen.

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Das vierte Wort – Pilz der Apokalypse

Was ist das Projekt *.txt?

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Das vierte Wort lautet:

Ich habe lange an dieser kleinen Apokalypse geschrieben. Es gab viel Pausen dazwischen und am Ende war es ein totales Durcheinander. Aber eine gute Übung einen Text zu überarbeiten. Das könnte aber auch der Grund sein, dass es vielleicht manchmal etwas holprig wirkt. Der Text ist etwas länger geworden.

Warnung: Es kommen blutige Szenen vor. 

Marvin hatte Biologie studiert – Mikrobiologie. Er hatte gerade mit seiner Doktorarbeit begonnen. Er fühlte sich jetzt schon wahnsinnig genervt. Die Diplomarbeit hatte ihm schon nicht zugesagt, aber da er nicht unbedingt der fleißigste Student war, hat er halt angenommen, was ihm sein Professor. angeboten hatte.

Er sollte einen bestimmten Wirkstoff aus einem psychoaktiven Pilz extrahieren und aufschlüsseln. Eine langweilige Aufgabe. Er sollte diesen Wirkstoff dann an verschiedenen Versuchstieren testen und dessen Auswirkungen dann erfassen. Dieser Pilz war eine neue Gattung, die ein Biologe bei seinen Exkursionen im Himalaya Gebirge entdeckt hatte. Noch absolut unerforscht. Aber die Wirkung solle sehr heftig sein. Selbst die Einheimischen hatten vor diesem Pilz gewarnt. Sie meinten da stecke der Teufel drin.

Marvin kitzelte es in den Fingern, selbst mal einen kleinen Versuch zu starten. Schließlich würden auch irgendwann Menschenversuche stattfinden müssen. Noch hatte er sich nicht getraut. Aber ihm schwante schon ein Opfer vor. Einer der IT-Boys die sich so aufspielen und ihn immer wieder ärgerten, sollte sein Versuchsopfer werden. Aber solange saß er am Photonenmikroskop und untersuchte die einzelnen Pilzkomponenten. Was bei einem Pilz ja nicht wirklich viel ist. Da diese Aufgabe natürlich auch wirklich sehr, sehr langweilig war, passierte es, dass Marvin einschlief. Während er gerade versuchte die DNS zu entschlüsseln. Dumm nur, dass der Laser an war. Man brauchte kein Wissenschaftler zu sein um sich zu denken, dass das nicht gut ausging.

Im ersten Moment geschah natürlich nichts. Nach dem Marvin seinen Kopf von dem voll gesabberten Tisch hob, erschrak er. Schnell schaltete er den Laser aus und schaute sich die Werte am PC an. Auf den ersten Blick war nichts zu erkennen. Beruhigt verließ er das Labor und ging zur Pause.

Vollgegessen und träge schleppte sich Marvin wieder an seinen Platz. Den Vorfall  mit dem Laser hatte er schon längst vergessen. Der extrahierte und unbeabsichtigt bestrahlte Wirkstoff, wollte er dann in eine Ratte spritzen. Damit fing seine eigentliche Doktorarbeit an. Überwachen und notieren. Einige Stunden später hatte er Kopfschmerzen und tränende Augen. Nichts passierte. Was sollte auch passieren? Er machte Schluss für diesen Tag. Der nächste würde vielleicht mehr bringen.

Gähnend schloss er am nächsten Tag sein Labor auf – er war, wie immer, der erste. Kaffee kochen, Tasse hinstellen und setzen. Das waren die ersten Dinge, die er tag täglich machte. Ein Blick auf seine Ratte ließ ihn aufspringen. Was war geschehen? Ein Monster saß im Käfig und blickte ihn mit rot unterlaufenen Augen an. „Wow – ich glaube nicht, dass das passieren sollte?“ Er wusste nicht ober er seinen Doktorvater kontaktieren sollte? Ihm fiel schließlich doch noch ein, dass der Wirkstoff vielleicht denaturiert war.

Das Beste wäre die Ratte zu eliminieren, den Wirkstoff zu eliminieren und das Ganze zu vertuschen. Das wäre das einfachste gewesen. Aber was ist schon einfach. Wenn etwas schief geht, dann gewaltig. So auch hier. Marvin beobachtete, dass eine Stechmücke versuchte aus dem Käfig zu entkommen. Prinzipiell ja nichts schlimmes, wenn diese Ratte nicht so entartet wäre. Marvin wollte sie verjagen – aber sobald er  in die Nähe des Käfigs kam, rastete die Ratte aus. „Oh – wow.“ Marvin sprang zurück. So also, die musste weg. Er nahm den Käfig – sehr vorsichtig und ging zum Tierkreamtorium, dort landeten alle misslungenen Versuche. Er schob den Käfig in die Gaskammer und öffnete das Ventil. Gas strömte in den Käfig. Das dauerte – die Ratte war hartnäckig. Aber dann fiel sie doch noch um. Er öffnete den Verbrennungsofen und lies die Rattenleiche hineingleiten. Schnell drückte er auf den Startknopf und seine Verfehlung war Asche. Die Probe des Wirkstoffs landete im toxischen Abfall zur Sonderentsorgung. „Uff.“ Zurück in seinem Labor, trat Lea ein. Er stand auf Lea – hatte sich aber noch nie getraut sie um ein Date zu bitten. Jetzt fühlte er sich aber mutig. Er hatte eine Monsterratte vernichtet. Er war ein Held. „Hi Lea, wir geht es?“ „Hi Marvin – gut danke. Hier. Professor Brent  sucht die Unterlagen zu diesem extrahierten Wirkstoff aus dem Pilz. Die müssten bei dir sein.“ „Äh – ja hier. Du sag mal hast du vielleicht mal Lust mit mir auszugehen?“ Lea stutze. „Ja klar, warum nicht.  Weißt du was? Heute passt perfekt. Lass uns von hier aus zum Essen gehen. So in einer Stunde?“ „Echt – ja super. Ich warte auf dich.“ „Okay – bis in einer Stunde. Autsch. Verdammtes Vieh. Mich hat so eine miese Stechmücke erwischt. Ich hasse dieses Vogelfutter. Also bis später.“

Lea lief zu Professor Brent um ihm die Unterlagen zu bringen. Sie fühlte sich beschwingt und freute sich, dass Marvin endlich gefragt hatte. Sie schmachtete ihn schon eine ganze Weile an. An der Tür zum Labor wurde ihr etwas schwummrig. „Das ist bestimmt die Vorfreude.“ Sie trat ein und wurde schon erwartet. „Hier die Unterlagen von Marvin.“ „Ah – danke Lea. Geht es ihnen gut? Sie haben rote Placken im Gesicht.“ Erschrocken führte sie die Hände in ihr Gesicht und ging zum Spiegel. „Oh nein. Wie sehe ich denn aus? Oh Mann. So kann ich mich ja nicht zeigen.“ Sie griff in ihre Handtasche um sich etwas Make-up zu greifen und fing an diese Flecken zu überschminken. Gerade heute musste sie so einen hässlichen Ausschlag bekommen. Verdammt.

Zur Verabredeten Zeit ging es Lea richtig schlecht. Aber sie hatte solange gewartet, dass Marvin aus seinem Schneckenhäuschen kam, dass sie auf keinen Fall absagen wollte. Sie begab sich zu Marvins Labor und klopfte. Er musste schon hinter der Tür gestanden haben, so schnell öffnete er. „Hallo. Schön, ich hatte schon Angst, dass ich es geträumt habe.“ Er schloss die Tür und nahm sie am Arm. „Wie wäre es mit Buckys gegenüber?“ Lea hustete und räusperte sich. „Ja – da gehe ich gerne hin. Eine gute Wahl.“

Im Buckys entschuldigte sich Lea und ging auf Toilette. Ihr ging es richtig schlecht. Schnell ging sie in eine Kabine um sich zu übergeben. Hatte sie sich einen Magen-Darm-Virus eingefangen? Dieses Schicksal. Es machte ihr schon wieder einen Strich durch die Rechnung. Sie wusch sich schnell und ging zurück. Wie sie den Abend überstehen würde, wusste sie noch nicht. Aber sie würde.

Sie biss die Zähne zusammen und bestellte sich einen Burger englisch Style. Im Moment hatte sie einen Heißhunger auf Rohes. Bekam sie ihre Periode? Aber da hatte sie eher Heißhunger auf Schokolade. Nach dem Burger ging es ihr tatsächlich besser. Unerwartet, aber erfreulich. Sie taute auf und hatte einen wirklich witzigen Abend mit Marvin. Er begleitete sie nach Hause und vor ihrer Tür stammelte er leicht beschämt: „Äh – d-das war ein w-wirklich netter  Abend. Das können wir mal wiederholen, oder?“ Lea ging es schon wieder etwas schlechter und sie unterdrückte einen Rülpser. „Ja, auf jeden Fall. Ich hatte viel Spaß.“ Sie reckte sich etwas nach vorne und Marvin beugte seinen Kopf in ihre Richtung. Er küsste sie. Allerdings schmeckte sie sehr seltsam. Wie verdorbenes Essen. Er unterdrückte seinen Ekel. Das lag vielleicht an dem fast rohen Burger. Schnell verabschiedete er sich. Er war leicht verstört. „Das war echt eklig. Das nächste Mal gehen wir vegetarisch Essen.“

Lea stürzte zur Toilette und übergab sich. „Uff – mich hat es ganz schön erwischt, das war bestimmt das Tunfischsandwich zum Frühstück – sowas vertrag ich dann wohl doch nicht mehr.“ Schmunzelte sie, da sie sich anhörte wie ihre Mutter. Wacklig stand sie auf und machte sich frisch.  „Am besten gehe ich gleich schlafen, damit ich morgen wieder fit bin. Vielleicht kann ich mit Marvin zu Mittag essen, das wäre schön.“

Marvin schwebte nach Hause. Der Abschied war zwar etwas eklig, aber  seine Schmetterlinge im Bauch hinderte das nicht ihn im Magen zu kitzeln. Er war definitiv verliebt. Schon freute er sich auf morgen. „Ich werde ihr nachher noch eine Nachricht schicken, ob sie mit mir zum Mittag essen will.“ Er unterdrückte ein hüpfendes Laufen.

Am nächsten Morgen erwachte Lea nicht mehr. Oder? Doch sie stand auf. Aber es war nicht mehr Lea.

Marvin holte sich einen Coffee-to-go auf dem Weg zur Arbeit. Beschwingt öffnete er die Tür zum Labor und schaute auf sein Handy. Lea hatte noch nicht geantwortet. Starke Enttäuschung machte sich bereit. Vielleicht fand sie es nicht so gut wie er? Er wollte nicht warten und rief sie an. Es klingelte. Lange. Dann nahm jemand ab. „Lea? Wo bist du, ich wollte mit dir zu Mittag essen. Hast du meine Nachricht nicht bekommen?“  „Wrrrgggg“ „Lea? Alles in Ordnung – ich habe kein Wort verstanden.“ „Arrrggg, wrrrrgggg.“ „Geht es dir nicht gut? Soll ich vorbei kommen?“ „Jaarrrrrggg“. Hm – ihr ging es gestern schon nicht so gut, das hat man ihr angesehen. „Ich komme vorbei. Warte auf mich.“ Schnell packte Marvin seine Sachen zusammen und meldete sich früher ab. Etwas Persönliches. Dann rief er ein Taxi. Vor ihrer Tür angekommen, klingelte er. Aber keiner öffnete. Er wolle gerade bei einem Nachbarn klingeln, als die Tür sich öffnete und ein junger Mann mit Kopfhörern, seinen Blick auf  sein Handy gerichtet, heraus kam. Schnell schlüpfte er hinein und stieg zu Leas Wohnung hinauf. Er klopfte – keiner öffnete. Aber sie war da. Er konnte sie stöhnen hören und es polterte, als würde sie die Einrichtung auseinander nehmen. Zögerlich klopfte er. „Lea?“

Es wurde ruhig. Er hörte ein Schlurfen. Etwas stimmte hier ganz und gar nicht. Er wurde unruhig. Sein Instinkt riet ihm zu fliehen. Ein Schatten lugte unter dem Türspalt am Boden heraus. Etwas – er war sich ziemlich sicher, dass es ein Etwas war – drehte den Türknopf.  Aber es geschah sehr unbeholfen und die Tür öffnete sich nicht. Dann klappte es. Das Schloss klackte. Die Tür öffnete sich. Marvin war bereit zu fliehen, als die Tür aufgezogen wurde. Rot leuchtende Augen blickten ihn aus dem offenen Spalt entgegen. Lea. Sie war kaum wieder zu erkennen. Marvin sprang zurück. Lea wollte die Tür aufreißen, aber sie hatte die Kette vorgelegt. Was sollte Marvin jetzt machen? Die Polizei rufen? Seinen Professor rufen. Er ahnte, dass diese Verwandlung etwas mit ihren Versuchen zu tun hatte. Das spürte er. Er zog die Tür zu und kramte nach seinem Handy. „Professor Brent.“ „Professor? Hier ist Marvin. Hören sie mir zu. Ich bin gerade bei Lea – irgendwas stimmt mit ihr nicht. Sie – sie ist mutiert, oder sowas.“  Lea rüttelte an der Tür. Sie war ziemlich stark. „Marvin, wovon reden sie?“ „Ganz ehrlich? Ich stehe gerade vor Leas Wohnung und sie sieht aus wie ein Statist aus The Walking Dead. Sie sollten ihre Tasche packen und sofort herkommen. Mischen sie etwas zusammen, das das hier rückgängig macht, oder wenigstens verhindert. Beeilen sie sich, ich weiss nicht wie lange ich diese Tür zu halten kann.“ Ohne auf eine Antwort zu warten legte Marvin auf.

Professor Brent hielt sein Handy vor sich und schnaufte. Es wirkte. Es wirkte. Es konnte nur der Wirkstoff sein, den Marvin extrahiert hatte. In den Unterlagen konnte er nachlesen, wie weit Marvin schon war. Es konnte nur der Wirkstoff sein. Alles andere müsste er noch klären. Er könnte es ans Militär verkaufen. Könnte er? Wollte er? Ja. Nein. Während er hin und her überlegte mischte er schnell etwas zusammen, das ein Gegenmittel sein könnte. Er hoffte es wenigstens. Allerdings würde es den Wirkstoff nur unterdrücken. Lea würde immer eine Zeitbombe bleiben. Eine Gänsehaut lief ihm über die Arme. ER hatte es tatsächlich geschafft. Eine perfekte biologische Waffe. Aber erst musste er Lea betrachten und untersuchen. Dann erst konnte er das Verteidigungsministerium kontakten. Erst musste alles hieb und stichfest sein.

Er erreichte Leas Adresse in Rekordzeit. Schnell klingelte er bei mehreren Nachbarn. Einer öffnete immer. So war es auch und er rannte die Treppen hoch. Marvin kämpfte verbissen dagegen an, dass Lea die Tür öffnete. „Ah – Professor. Was machen wir jetzt?“ „Das ist mein erster Fall. Ich weiß selbst noch nicht wie ich vorgehen muss. Irgendwie müssen wir Lea ins Labor schaffen. Wir müssen sie irgendwie ruhig stellen mit diesem Mittelchen hier.“ Er wühlte in seiner Tasche und zog eine Spritze und einen zusammen geschobenen Stab mit einer Schlinge am Ende hervor. Sowas verwendeten Tierfänger, dachte Marvin. „Sie öffnen die Tür und ich versuche das hier über ihren Kopf zu stülpen. Dann bugsieren wir sie erstmal rein, warten bis es dunkel wird und schaffen sie zum Auto.“ „Haben sie einen Impfstoff zusammen mischen können?“ „Öh –ja – hier. Das müssen wir spritzen. Es wird sie beruhigen. Marvin, wir müssen sie untersuchen und studieren. Das ist so wichtig für die Zukunft. Glauben sie mir, ich werde ihr helfen, aber erst muss ich sie untersuchen.“ „Spinnen sie? Sie ist ein Mensch, keine Laborratte.“ „Ich kann ihr nur im Labor helfen.“ Marvin war skeptisch. Er kannte seinen Professor und wusste, wie gerne er einen Auftrag des Militärs hätte. Aber es gab keine andere Möglichkeit.

Als es dunkel war, schafften sie Lea ins Auto. Sie hatten sie gefesselt und einen Sack über den Kopf gestülpt.  Sich ständig umschauend, schafften sie sie ins Auto. Im Labor angekommen war es nicht schwierig Lea hinein zu bringen. Aus Kosten Ersparnis gab es keinen Wachmann mehr, so konnten sie im Dunkeln ungesehen ins Labor schlüpfen. Sie gingen einen Gang lang, den Marvin nicht kannte. „Wo sind wir hier?“ „Äh – das ist der geheime Trakt für geheime Forschungen.“ „Geheime Forschungen, ohne Wachmann?“ „Äh – ja meine geheimen Forschungen. Der Trakt ist eigentlich stillgelegt. Ich habe mir die Freiheit genommen, einen Raum für meine Zwecke einzurichten. Das ist doch ideal. Mit Lea könnten wir nicht oben bei den anderen forschen. Um Gottes Willen, was meinen sie, was hier los wäre?“  Marvin blieb skeptisch, aber es war natürlich logisch. So konnten sie in Ruhe an einer Heilung für Lea arbeiten.

In dem Raum stand ein mannshoher Käfig. Marvin stutzte? In der hinteren Ecke entdeckte er noch einen. „Professor? Diese Käfige? Hatten sie etwas geahnt?“ „Öhm. Befürchtet und auch bisschen erhofft.“ „Erhofft?“ „Ja, verurteilen sie mich nicht. Die Wissenschaft ist so. Skrupellos. Geld regiert auch hier die Welt. Das werden sie  vielleicht auch noch irgendwann mal erfahren.“ Marvin schwor sich, dass er das nie erfahren wollte. Er würde sich nie kaufen lassen.

Lea war eingesperrt – sicher weg gesperrt. Marvin hasste sich dafür, aber er sah die Notwendigkeit diese Erkrankung zu erforschen. Vor allem den Ursprung. Dass es irgendwas  mit seiner Doktorarbeit zu tun hatte, dessen war er sich sicher. In seinem Gedächtnis erwachte die Erinnerung an den Laserstrahl, der den Wirkstoff eventuell denaturiert hatte. Niemals würde er das dem Professor sagen – nicht auszudenken, wenn er tatsächlich eine Waffe daraus entwickeln würde. Aber wie wurde sie infiziert. Sie hatte keinen Kontakt mit dem Erreger gehabt. Die Ratte war schon entsorgt und Lea war ihr nicht zu nah gekommen.

Wenige Stunden später gab er auf. „Professor, ich bin einfach ratlos. Ich werde mir die Aufnahmen aus meinem Labor beschaffen. Vielleicht war sie noch mal da und wurde verletzt. An ihr ist nichts zu erkennen, ihr Körper ist einfach zu entstellt.“

„Oh ja – das ist eine gute Idee.“ Marvin ging zur Security und besorgte sich die Aufnahmen. Er wählte den Tag ihres ersten Dates. Es dauerte nicht lange, da sah er ihre Bewegung. Sie versuchte eine Mücke zu erwischen, und schlug sich dabei auf den Arm. Er lehnte sich im Stuhl zurück und schlug die Hände vor dem Gesicht zusammen. Er hatte vergessen, dass er eine Stechmücke im Käfig der Ratte gesehen hatte. Eine Mücke. Eine kleine Mücke hatte Lea infiziert. Es war schlimmer als er angenommen hatte. Wie aggressiv war dieser Wirkstoff? Traurig schaute er Lea an, die ihn ruhig aber hungrig beobachtete. Sein Professor betrat den Raum. Marvin berichtete ihm von seiner Entdeckung. „Haben sie ein Gegenmittel gefunden?“ „Äh – Marvin. Ich habe Leas Blut getestet. Ihr ist nicht mehr zu helfen. Sie lebt nicht mehr.“ „Was soll das denn bedeuten, sie steht doch lebend hier vor uns.“ „Ich weiß nicht genau was passiert ist, aber ihre Zellen sind tot. Da teilt sich nichts mehr. Warum sie dennoch hier steht, das kann ich nicht erklären.“ „Soll das heißen sie ist eine Art Zombie?“ „Ja – grob geschätzt, kann man das so nennen.“ Nickte der Professor hektisch mit dem Kopf.

In diesem Moment hätte er am liebsten den Professor gegen Leas Käfig gedrängt und seine Medizin kosten lassen. „Was soll denn das?“ Fragte Marvin. Seine Stimme überschlug sich vor Zorn. „Sie spielen mit dem Leben der Menschen? Wie kann man denn so was Furchtbares entwickeln wollen?“ „Junge, beruhigen sie sich. Waffen, in jeglicher Form, sind immer furchtbar. Aber Krieg ist Krieg und der nächste steht schon vor der Tür. Und Krieg bedeutet Geld. Das ist schon immer so gewesen. Oder warum meinen sie, dass die Amerikaner ständig krieg führen? Deren Kassen sind immer leer und aufgefüllt werden sie durch Krieg. Warum soll ich da nicht auch mitmischen?“ „Sie sind ein Schwein. Ein egoistisches Schwein. Schauen sie sich Lea an. Sie ist unschuldig – genau wie viele andere, die sie skrupellos ihrer Geldgier opfern würden. Aber damit lass ich sie nicht durchkommen. Es gibt nämlich etwas, das sie nicht wissen. Etwas was passiert ist, während der Extraktion des Wirkstoffes aus dem Pilz.“ Marvin lachte bösartig. „Sie werden niemals diesen Wirkstoff entwickeln. Niemals.“ „Marvin – machen sie sich doch nicht lächerlich. Sagen sie mir, was sie gemacht haben und ich werde mich großzügig zeigen. Es soll nicht ihr Schaden sein. „Niemals, niemals. Werde ich so etwas unterstützen. Ich bin nicht käuflich. Ich habe noch Ehre und bin nicht so abgestumpft.“ In diesem Moment sprang der Professor auf Marvin zu. Diese Geschwindigkeit hätte er ihm gar nicht mehr zugetraut. Marvin stolperte und taumelte gegen den Käfig. Lea ließ diese Chance nicht ungenutzt und griff nach Marvins Haaren. Und sie biss zu. In seinen Kopf. Marvin konnte sich losreisen, indem er einige seiner Haare in ihrer Hand beließ. Er hielt sich den Kopf und blickte auf seine blutige Hand. Entgeistert streckte er sie dem Professor entgegen. „Professor? Professor, ich – sie hat mich gebissen.“ „Marvin, sagen sie mir was sie gemacht haben, dann kann ich ein Gegenmittel entwickeln und sie retten.“ Marvin schüttelte ungläubig seinen schmerzenden Kopf. „Nein, nein, nein. Ich – mir wird übel.“ Und schon erbrach er sich. Er blickte auf den Professor. „Sie – sie sind schuld an dem Ganzen. SIE.“ Schrie er, als er sich auf den Professor stürzte. Ein Brieföffner war in seiner Hand gelandet. Darüber machte er sich keine Gedanken mehr. Er konnte fast nicht mehr klar und deutlich sehen. Er sah im wahrsten Sinne rot. Er stolperte dem Professor entgegen, der sich an die Tür gewandt hat. Aber Marvin war schneller. Er drückte mit seiner Hand gegen die Tür, so dass der Professor nicht mehr hinauskam. Dann stach er zu. Mitten in den Hals – die Schlagader. Das Blut spritze Marvin ins Gesicht. Er leckte sich über die Lippen. Hmmmm. Welch ein Genuss. Dann rutschte er an der Wand hinunter und blickte auf Lea. Lea rüttelte am Käfig. Sie war wild, sie war hungrig. Ihr Mund war Blutverschmiert, sie sah nie besser aus. Marvin erhob sich mit seinem letzten klaren Gedanken und öffnete ihren Käfig. Sie griff ihn nicht an – er war schon der ihre. Sie begaben sich zur Tür und öffneten sie. Gemeinsam leiteten sie die Apokalypse ein.

ENDE

 

 

 

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Das Dritte Wort – Die tödliche Dosis für das Volk Part 2 – Lichtblick

Mir ist einfach nichts eingefallen – also habe ich bei Google etwas Inspiration gesucht als ich Lichtblick eingab. Und sie kam mit diesem Bild

Und da die Geschichte so gut passt – ich habe einfach eine Fortsetzung geschrieben – HIER findet ihr den ersten Teil.

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War es vorbei? Bastian und Petra waren schon so lange unterwegs. Nach dem Anruf von Bastian aus dem Krankenhaus hatte Petra so schnell sie konnte die Sachen, die Bastian schon seit langem vorbereitet hatte, vom Dachboden geholt. Das war ein Survivalrucksack, Schwerter, Schlagstock, Schlafsack, Plash Palatka, Gasmaske – die war extrem wichtig um überhaupt durch die versuchte Gegend kommen zu können ohne gleich der Vergiftung anheim zu fallen. Sie musste zurückdenken, an das Gespräch vor wenigen  Minuten. Lähmungen, Blut, Tot. Wie gut waren sie vorbereitet. Was machen mit den Tieren? Die Hunde waren kein Problem – aber die Katzen? Sie mussten mit. Lange hatten sie überlegt, ob sie die beiden frei lassen. Sie konnten überleben. Aber nicht mit dieser Verseuchung. Den Hunden hatte Petra die Gasmasken schon umgeschnallt. Das war nichts außergewöhnliches –nichts anderes als ein Maulkorb. Aber die Katzen – das war schon viel Training, bis die beiden endlich mal bereit waren diese Masken zu tragen. Sie hatten viel gelacht, als sie ihr Glück versuchten. Die beiden waren einfach zum Kullern. Aber jetzt waren sie bereit. Das wäre ein Foto wert gewesen. Petra, Bastian mit Hund und Katze in voller Schutzmontur. Petra hatte die Katzen im Korb, die Hunde an der Leine, die Rucksäcke lagen bereit. Schnell packte sie das Auto. Die Zeit lief. Tick-Tack, Tick-Tack. Bastian hatte ihr klar gemacht, dass es brennt. Wahrlich brennt. Die Dosis der Chemtrails wurde auf eine letale Dosis erhöht.

Sie saß im Auto und raste die Straße zum Krankenhaus. Noch schien keiner wirklich mitbekommen zu haben was los war. Sie kam recht gut durch. Mied Hauptstraßen. Keine Fünfzehn Minuten später war sie angekommen. Schnell schickte sie Bastian eine Nachricht. Aber sie sah ihn schon an der Tür stehen. Sie schnappte seine Maske, rannte zur Tür und warf sie ihm zu. Er zog sie über und bevor jemand registrierte was neben ihnen geschah waren beide im Auto. Bastian trat das Gaspedal durch und lies die Reifen durchdrehen.

„Gut gemacht Schatz. Besser hätten wir es gar nicht proben können. Ich bin stolz auf dich.“ Dann drehte er sich schnell zu den Tieren um.  „Auf euch natürlich auch.“ Die Hunde wedelten mit dem Schwanz, als hätten sie genau verstanden um was es geht und die Katzen maunzten laut.

Natürlich hatte Bastian nicht nur zu Hause vorgesorgt. Eine abgelegene Hütte im Wald sollte ihnen erstmal Schutz bieten. Fenster und Türen waren mit Folie abgesichert – soweit möglich. Vorräte waren schon vor Monaten in der Nähe vergraben worden.

Das war jetzt schon sechs Monate her. Die Vorräte wurden langsam knapp. Sie mussten jetzt reagieren. Sie waren schon öfter man vor die Tür gegangen – mussten sie ja – die Hunde und Katzen brauchten das. Aber in der Stadt waren sie seitdem nicht mehr. Sie wussten ungefähr was sie erwarten würde. Man hatte nur in YouTube Videos schauen müssen, die zeigen was bei Stromausfällen passiert – da konnte man sich hochrechen, was bei so einem Fallout mit den Überlebenden zu erleben war. Petra sträubte sich innerlich – sie wollte nicht in die Stadt. „Basti – lass uns einfach weg gehen. Wir haben doch alles geplant – ich muss nicht sehen was in der Stadt los ist. Es ist doch eh alles geplündert. Wir haben noch genug um paar Wochen zu schaffen. Für die Tiere können wir Nager fangen. Komm Schatz – ich will das nicht.“ „Was ist mit unseren Eltern? Wir müssen nach ihnen schauen.“ „Schatz – wir haben das mit ihnen kommuniziert. Sie wissen was zu tun ist. Sie sollten sich sofort auf den Weg zu unserem Haus im Ausland machen. Mein Vater hat sich bestimmt um alles gekümmert. Du kennst ihn. Er wird deine Mutter und meine Mutter geschnappt haben und sie sind schon unterwegs.“ „Ich weiß nicht. Was wenn nicht?“ „Was meinst du?“ „Vielleicht hat die Regierung sie festgenommen?“ „Und dann? Dann sind sie auch erstmal sicher. Sie werden einen RFID Chip bekommen. Das ist übel – aber nicht unmöglich zu bewältigen. Auch dafür haben wir schon trainiert. Sie werden einen Weg finden. Mach dir keine Sorgen – sie sind sicher und sie kommen.“ Er nickte. „Du hast Recht. Es wird Zeit – lass uns dieses verseuchte Land verlassen.“  Sie packten langsam und tief in Gedanken versunken ihre Sachen. Das Auto hatten sie schon vor langer Zeit abgestoßen um keine Aufmerksamkeit zu erringen. Sie hatten einen langen Weg vor sich. Er führte sie an den Stadtrand und als sie oben auf dem Berg standen und auf ihre alte Wohnstätte blickten kullerte Petra eine Träne die Wange herunter. Sie drehten sich um – ein Sonnenstrahl traf auf eine Blume die sich durch die Erde gearbeitet hatte – ein Lichtblick – es würde alles gut werden.

ENDE – denke ich :-)

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Das zweite Wort | 2018 – Unendlich

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Warum hat das so lange gedauert? Das vierte Wort steht schon bald in den Startlöchern und jetzt erst kommt mein zweites. Ich hatte eine kleine Schreibflaute und nur die Sachen mit Termin gemacht. Aber im Moment habe ich einen Lauf und habe das gleich ausgenutzt. Wer weiss wie lange das andauert, dann habe ich wieder Wochenlang nichts. Dann hatte ich eine andere Geschichte gestartet – die hat sich dann aber festgehängt. Ich würde sie gerne weiter verfolgen. Mal sehen. Aber jetzt zu meinem zweiten Wort.


Unendliche Rache

Langsam ritt er über die unendliche Prärie. Sein Pferd war müde – ebenso wie er. Die untergehende Sonne stand in seinem Rücken. Für jeden der ihm jetzt entgegenkommen würde, wäre er nur eine schwarze, bedrohliche Silhouette. Aber auch für diejenigen, die ihm näher kommen würden – sie würden ebenfalls nur eine schwarze, bedrohliche Silhouette sehen, denn mehr waren er und sein treues Pferd nicht. Sie waren nur noch dunkle Schatten, auf der ewigen Reise. Er wünschte sich eine Farm und seine Ruhe. Aber dieses Schicksal war nicht für ihn bestimmt – nicht mehr.

Er lebte, nein existierte nur noch für die Rache. Sein Deal war – die Rache gegen seine Seele. Aber wie es so ist: der Teufel ist kein ehrlicher Geschäftspartner. Andere wünschten sich Ruhm und Reichtum. Sie glaubten dem Teufel, dass sie dafür nur ihre Seele geben mussten. Höllenqualen und Verdammnis, das existierte für sie nicht. Sie alle ließen sich täuschen von dem Gehörnten. Und immer mehr verfielen ihm. Seine Macht wuchs und wuchs. Aber James wollte nur seine Rache. Rache für die Ermordung seiner Familie. Er wusste um den Preis. Er wusste, dass er leiden würde. Aber er litt seit dem Tod seiner Familie. Schlimmer könnte es nicht werden.

Seine Seele war schon vorher schwarz gewesen. Er war ein Revolverheld. Viele hatte er getötet, viele hatten ihn herausgefordert. Ein Revolverheld zu sein brachte Verantwortung mit sich. Es war wie ein Wolf zu sein – irgendwann würde ein Jungtier kommen um ihn von der Spitze zu vertreiben. Und es kamen viele, denen er vorzeitig das Leben nahm. Dafür würde er in der Hölle schmoren. Aber er war jung und ohne Perspektive. Sein Gesicht auf den Fahndungsbildern und die ständig steigende Belohnung – das verschaffte ihm einen Rausch. Bis er Rachel traf. Süße Rachel. Sie würde ihn retten. Sein Engel.

Er war so aufgeregt als er um ihre Hand anhielt. Und überglücklich, als sie ihm ein Ja gab. Die Hochzeit war wunderschön – sie war wunderschön. Nicht lange und ihr Sohn wurde geboren. Danach kam noch ein kleines hübsches Mädchen. Sie war so hübsch wie ihre  Mutter und ebenso ein Engel.

Drei Jahre hatte er das glücklichste Leben. Er liebte seine Familie und er hoffte aus den Fängen der Hölle zu entkommen. Bis zu dem schicksalshaften Tag. Er war in der Stadt um Vorräte zu kaufen. Hier kannten sie ihn alle nur als James. Keiner wusste von seinem Vorleben. Als er nach Hause kam, saßen mehrere fremde Männer auf seiner Terrasse. Sein kleiner Engel saß auf dem Schoss eines zahnlosen Säufers. Er spielte Hoppe Hoppe Reiter mit ihr und ihr Lachen klang wie ein Glockenspiel. James Jr. stand neben der Tür und sah ihn ängstlich an. Wo war Rachel? Er trug schon lange keine Waffe mehr. Noch nie hatte er sich so hilflos gefühlt. Fremde, gefährliche Männer bei seiner Familie. Langsam ging er auf die Terrasse. Nahm Marie vom Schoss des fremden Mannes und James Jr. „Geh mit deiner Schwester spielen, James.“ Der kleine war sichtlich erleichtert und zog seine Schwester hinter sich her. Sein Herz ging auf und er merkte wie verletzlich er geworden war.

Aber als Revolverheld konnte man nicht einfach abdanken. Wer würde dann den Ruhm ernten? Daran hätte er denken müssen, bevor er sich der Hoffnung hingab Glücklich zu werden. Er hatte sich von der Hölle nur eine kurze Zeit frei kaufen können. Jetzt musste er die Rechnung begleichen. Die Männer vor seinem Haus verhielten sich ruhig. Er trat auf die Tür ins Innere zu und öffnete sie. Rachel saß am Tisch. Ihr Kleid war zerrissen und sie hatte Blutergüsse im Gesicht und am Hals. Noch nie hatte er das Fehlen seiner Waffe so schmerzlich gespürt. Sie hing neben dem Küchenschrank – hoch genug, dass die Kinder nicht drankamen. Er würde nie drankommen.

„Hallo James. Da bist du ja endlich. Weißt du eigentlich wie lange ich schon nach dir gesucht habe? Wie alt sind deine Kinder zwei und drei? Ja – dann weißt du es ja. Einfach so von der Bildfläche verschwinden. Tse, tse, tse. Das geht doch nicht. Jemand muss doch deinen Platz einnehmen. Ehrenhaft. Siehst du wozu das geführt hat? Das hier ist alles deine Schuld.“ Rachel weinte leise – sie kannte seine Geschichte und hatte ihn trotzdem geliebt. Ihm vertraut. Und jetzt. James wand sich innerlich. Er sah im Blick seines Gegners was geschehen würde. Eine Träne löste sich und fand ihren Weg die Wange hinunter. „Rachel – es tut mir so leid.“

„Ach wie süß.“ Und ein Schuss löste sich. James Herz blieb in dem Moment stehen, als Rachel vom Stuhl fiel. Draußen hörte er zwei weitere Schüsse. In dem Moment starb er. Sein Körper reagierte nur noch. Er rannte los um zu seiner Waffe zu gelangen aber sein Gegner war schneller und schoss auf ihn. „Verdammt James – so wollte ich das nicht – ich wollte einen fairen Kampf Mann gegen Mann. Aber du hast dich mich entzogen. Was sollte ich denn machen? Hä? Aber du weißt ja – der Sieger schreibt die Geschichte. Leb wohl mein Freund.“ Und er schoss noch mal.

Aber der Teufel hatte andere Pläne mit ihm. Er verhinderte, dass James starb. Denn er wollte seine Seele. Durch die Heirat mit Rachel wäre sie ihm fast entschlüpft. Es war ein solches Vergnügen diesen Bengel Kirk, mit seinen Höhenflügen zu stecken, wo er James finden würde. Jetzt konnte er ihn sich wieder holen, James gehörte ihm.

James erwachte voll Schmerz. Aber schlimmer war – er fühlte nichts im Inneren. Er hatte erwartet dass ihn der Schmerz über den Verlust zerreißen würde. Aber es war nichts. Es war nur noch seine Hülle, die hier auf dem Bett mit Verbänden lag. Wenige Tage später verließ er das Lazarett. Er wusste, was von ihm erwartet wurde. Er spürte ihn schon. Den gefallenen Engel. Er klopfte schon laut an. Und James öffnete. Der Teufel bekam seine schwarze und tote Seele, dafür hatte James den Schuss überlebt um seine Rache auszuüben. Das war alles was er wollte.

Er war jetzt schon einige Jahre unterwegs auf der Suche. Kirk, so hieß der feige Mörder seiner Familie. Er reiste quer durchs Land und bot überall seine Dienste als Revolverheld an. Er war jetzt an der Spitze. Jeder glaubte ihm, dass er James in einem ehrlichen Kampf besiegt hatte. Er war jung und schnell. Warum sollte er es nötig haben zu lügen.

Jetzt war er aber ganz dicht. Er hatte die Information bekommen, dass er sich in dem nächsten Ort aufhalten sollte. Dort würde er ihn endlich stellen und damit auch endlich hinab in die Hölle fahren können. Er würde für seine Sünden büßen und dass er seine Seele verkauft hatte.

Es war dunkel, als er in die Stadt ritt. Die Leute konnten ihn nicht richtig erkennen. Nur seine dunkle Silhouette. Wenn er bei ihnen vorbeiritt wurde ihnen kalt und eine unerklärliche Wut stieg auf. Sobald er an ihnen vorbei war, hatten sie ihn auch schon wieder vergessen und alles war wieder wie sie es gewohnt waren.

Der Saloon war seine erste Anlaufstelle. Dort waren sie zu neunzig Prozent immer anzutreffen. Entweder unten in der Bar oder oben bei den Huren. Kirk war oben. Er schwebte als Schatten die Treppen hoch. Für alle nicht wirklich wahrnehmbar. Vor der besagten Tür hielt er an und klopfte laut.

„Verschwinde. Ich habe bezahlt und die Zeit ist noch nicht rum. Also verpiss dich.“ Von innen war Lachen zu hören. Wieder klopfte er an. Stärker und bedrohlicher. Kirk riss die Tür auf und erstarrte. Vor ihm stand eine dunkle und hasserfüllte Gestalt. Instinktiv wusste er um wen es sich handelte. Da er aber nackt war, hatte er keine Waffe bei sich. „Hallo Kirk. Ähnliche Situation. Du hast keine Waffe. Es wäre so einfach dich jetzt zu töten. So einfach.“ James lachte. Ein dumpfes böses Lachen, das Kirk eine Gänsehaut verschaffte. „Aber ich bin ein Ehrenmann. Zieh dich an und komm nach unten. Wir treffen uns draußen und klären das wie Männer. Das war doch dein Wunsch damals.“ „James? Du solltest Tod sein.“ „Ja? Tatsächlich. Du hast ja so mutig die Waffe auf mich gerichtet, als ich am Boden lag. Ach und nicht zu vergessen wie du Rachel erschossen hast und meine zwei kleinen Kinder. Das sind wahre Heldentaten. Der Teufel wartet schon auf dich. Soll ich dir ausrichten. Jetzt weißt du wieso ich hier vor dir stehe. Also lass uns das endlich beenden, dass ich verschwinden kann.“

Kirk wurde blass. Es war klar, dass er das nicht überleben würde. Denn James war immer noch der beste Revolverheld. Langsam ging er in das Zimmer zurück und zog sich an. Seine Waffe hing über dem Bettpfosten. Als er sie nahm, zog er sich schnell aus dem Holster und schoss auf James. Das entlockte James nur ein herzloses Lachen. „Kirk, ich bin schon tot. Das hier ist nur noch meine Hülle. Das einzige, das mich Leben lässt ist der Wunsch nach Rache. Also komm. Stell dich mir wie ein Mann.“

Sie trafen sich vor der Tür. James stand und wartete. Kirk schlich wie ein geprügelter Hund auf seine Position. James spielte mit seinem Holster. Kirk war nervös. Plötzlich wurde es gleißend hell hinter Kirk. Es schien aber keiner zu bemerken. Nur James konnte es sehen. Und was er da sah, ließ ihn fast noch mal sterben. Rachel und die Kinder standen dort. Sie kamen näher. „James, mein Liebster. Was tust du. Deine Rache hat dich hier her geführt. Aber bitte, lass davon ab. Komm mit uns.“ „Rachel? Rachel! Mein Herz, mein Engel. Schatz ich kann nicht mit euch kommen. Ich habe meine Seele verkauft. Ich gehöre dem Teufel.“ „Nein. Du hast den Vertrag noch nicht erfüllt. Erst wenn du deine Rache hast, aber wenn du von der Rache ablässt und Kirk verzeihst, dann kann ich dich mitnehmen. Wir können zusammen sein. Als Familie. Schau  nur. Marie und James Jr. Sie warten auf dich. Ich warte auf dich.“ Sie lächelte ihn gütig an. Im Inneren spürte er wie sich etwas löste. Eine Fessel um sein Herz schien zu brechen. Seine Familie stand vor ihm und wartete auf ihn. Er fühlte wärme in sich und Liebe. „Rachel, ich komme. Wartet auf mich.“

Kirk wartete und wunderte sich über das Verhalten des älteren. „James, was ist los. Bekommst du Muffensausen?“ James erwachte aus der Trance. Rachel war weg. Aber in der Ferne am Horizont, konnte er ein helles kleines Licht erkennen. Er ging auf Kirk zu. Kirk wich zurück. Was sollte das denn jetzt? James ließ seine Waffe fallen, schloss Kirk in seine Arme und flüsterte ihn ins Ohr. „Ich vergebe dir.“ Kirk stieß James von sich. Er blickte ihm in das Gesicht. James hatte wieder ein Gesicht. Und in seinen Augen standen Tränen. Kirk schritt einige Schritte zurück. „Zieh deine Waffe, alter Mann. Es wird Zeit endlich einen Schlussstrich unter deine Geschichte zu ziehen.“ James blieb stehen. Er wartete auf Rachel. Aber sie kam nicht. Der Teufel erschien. „James, was machst du, wir haben einen Vertrag. Ich habe dich am Leben gelassen für deine Rache. Ohne mich wärst du schon längst Würmerfutter. Jetzt bring es zu Ende. Ihr gehört beide mir.“ „Nein, ich breche meinen Vertrag. Ich werde diese Sache nicht für dich erledigen.“  „Waaaaas. Das kannst du nicht machen.“ „Doch, das habe ich schon. Ich vergebe Kirk, den Mord an meiner Familie. Ich befreie mich von den Fesseln des Hasses und warte auf  meine Liebe.“ „Aaaaarrrrrhhhhhg. Ich habe meine Zeit verschwendet.“ Er zog ein Stück Papier aus der Luft. James erkannte seine Unterschrift. Der Teufel wollte ihm gerade den Vertrag unter die Nase halten, als dieser sich entzündete und verbrannte. Der Teufel war sprachlos und in diesem Moment brach James leblos zusammen. Durch den vernichteten Vertrag war sein Deal hinfällig und sein Leben, das nur durch den  Vertrag bestand, war es ebenfalls.

James rannte in die Richtung in der das kleine helle Licht auf ihn wartete. Wo seine Familie auf ihn wartete. Er nahm Rachel in die Arme und küsste sie. Seine Kinder kuschelten sich an ihn. Er war endlich wieder glücklich. Jetzt konnte er unendlich viel Zeit mit seiner Familie verbringen. Sie drehten sich von den Szenen im Hintergrund weg und gingen ihren Weg zusammen. Für immer zusammen.

 

Ende

Projekt TXT*

Das erste Wort | 2018 – Am Anfang war das Feuer…

Neues Jahr neue Worte – Projekt TXT.

Was ist das Projekt *.txt?

Schnell erklärt soll das Projekt *.txt der Inspiration dienen. Einmal pro Monat wird ein Wort verkündet, zu dem die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre Texte schreiben. Es gibt keinen Druck, etwas zu schreiben, kein Datum, bis wann die Texte da sein müssen … es soll also in erster Linie Spaß machen!

Ich begebe mich hier auf ganz neues Terrain. Mein Beitrag enthält dieses Mal schwach erotische Elemente. Ich habe schon bisschen überlegt, ob ich es überhaupt veröffentlichen soll. Aber es ist ja hier anonym und ihr habt ja nicht gesehen, dass ich rot geworden bin beim Schreiben und auch beim Veröffentlichen. Es schreibt sich wirklich sehr komisch und fühlt sich holprig an. Aber es war schon mal interessant.


Am Anfang war das Feuer….

Sie hasste diesen Film. Einmal hatte sie ihn freiwillig gesehen und dann noch einmal in der Schule und noch einmal während des Studiums. Jetzt saß sie da und sollte eine Interpretation von diesem miesen Film schreiben. Das schlimmste war – sie müsste ihn dafür noch mal schauen. Denn sie hatte natürlich nicht gewusst, dass dies eine Aufgabe werden würde – das war die Rache der Professorin. Diese Frau war einfach furchtbar. Arrogant und so selbstverliebt. Sind Professoren in diesem Bereich so. Dabei hatte Anthropologie sie so gereizt. Nun hatte sie bisher nur alte Knochen gewaschen und einem selbstverliebten Professor zugehört, was er denn alles so gefunden und publiziert hatte. Sie seufzte tief und drückte Play auf dem DVD Player.  Schon als sie die Szene sah als die Männer auf dem Baum kauerten kam ihr die Galle hoch. Da drückte sie das erste Mal von unzähligen Malen auf den Pause Knopf. „Das halte ich nicht aus ohne ein Bier und Chips“ Schnell sprang sie auf und ging in die Küche und suchte gewünschtes heraus. Voll beladen setzte sie sich wieder auf den Boden. „Ok. Ich brauch viel Bier dann wird der Film bestimmt nicht so schlimm.“ Und so war die erste Flasche schnell geleert. „So ist das schon besser.“ Sagte sie sich, während sie dem Trupp auf dem Bildschirm folgte als die mit ihrem Feuer durch die Gegen zogen und gegen Säbelzahntiger kämpften. Sie machte sich fleißig Notizen und als dann endlich die Frau auftauchte, die gewisse Unruhe in die Truppe brachte war die zweite Flasche geleert. Und die Stimmung kippte. „Ahhhh. Ich hasse diesen Film….“ Ein Griff in die Chipstüte und eine Handvoll der leckeren gelben Suchtbomben landete in ihrem Mund. Ein weiter Griff und etwas stach ihr in den Finger. „Autsch – verdammt – was – zum Teufel“ Sie zog den Finger aus der Tüte und sah den kleinen Blutstropfen. Sie steckte den Finger in den Mund und saugte daran. Danach wurde es dunkel. Sie kippte langsam zur Seite und die dritte Flasche Bier viel aus der Hand – der Inhalt ergoss sich langsam auf dem hellen Teppich und sickerte in die Fasern wie in einem vertrocknetem Blumentopf.

Sie öffnete die Augen und setzte sich auf. Ihr Kopf dröhnte, es war dunkel und sie fror. Was war passiert? „Ah – das Bier – ich bin wohl müde geworden. Kein Wunder, das Bier und der lahme Film – da musste ich ja einschlafen.“ Sie versuchte aufzustehen. Etwas wackelig auf den Beinen stolperte sie über einen Gegenstand vor ihr und stoß sich empfindlich die Zehen. Fluchend hüpfte sie auf dem anderen Bein und stoß sich den Kopf. „Was – was hängt denn da – „ sie fuchtelte mit den Händen über sich und stieß sich die Hände – Die Decke? Sie hatte doch nicht so niedrige Decken. Sie drehte sich verwirrt um sich selbst. Ihre Augen gewöhnten sich langsam an die Dunkelheit und sie konnte schemenhaft die Einrichtung erkennen – oder eher nicht erkennen. Das waren doch nicht ihre Möbel. Das waren gar keine Möbel. Das waren Steine. Und in der Mitte erkannte sie eine runde Anhäufung von Steinen wie eine Feuerstelle. „Ich träume – ich bin gar nicht wach geworden. Das Bier hat ganz schön reingehauen. Ich laufe dann mal in meinem Traum in die Richtung in der ich die Öffnung schimmern sehe. Mal sehen was für einen Traum mir dieser Film beschert.“ Amüsierte sie sich – noch.

Geduckt verließ sie die Höhle – es war tatsächlich eine Höhle. Draußen war es hell und sie blickte an sich herunter – sie war nackt. „Uh – nackt – uh.“ Schnell verdeckte sie ihre Scham mit ihrer Hand und mit dem anderen Arm verdeckte sie ihre Brüste. Sie sprang in das Gebüsch neben ihr und blickte sich um. So langsam beschlich sie der Verdacht, dass es sich mehr als um einen Traum handeln musste. Es fühlte sich alles so real an. Die Steine, die in ihre nackten Füße piksten, der Wind, der über ihre nackte Haut strich. „ich verstehe nicht was hier passiert ist.“ Da merkte sie einen kleinen dumpfen Schmerz am Finger – sie schaute hin und konnte noch den Stich sehen und einen kleinen vertrockneten Tropfen Blut. War der Stich schuld? Und wie sollte ein Stich so etwas verursachen? Aber sie hatte keine Chance mehr sich Gedanken zu machen. Denn jemand kam zur Höhle. Ein Mann. Er war ebenfalls nackt. Nach dem was sie im Kurs gelernt hatte befand sie sich wohl in der Steinzeit. „Ich bin in der Steinzeit.“ Sie raufte sich die Haare. Der Mann entdeckte sie und runzelte die Stirn. Er winkte sie zu sich. Auf keinen Fall würde sie ihm nackt gegenüber treten. Auf keinen Fall.

Als sie sich nicht bewegte runzelte er wieder die Stirn. Er blickte sie irritier an  und dann sauer. Wieder winkte er sie zu sich aber dieses Mal entschiedener. Sie schüttelte den Kopf. Würde sie sich mit ihm unterhalten können?  Es gab noch keine hoch entwickelte Sprache. So sagte man. Die Funde würden belegen, dass die ersten Hominoidea noch  nicht in der Lagen waren richtige Worte zu formen. Gleich würde sie es wissen. Sie öffnete den Mund und antwortete. „NEIN!“ Sie konnte schon  mal sprechen. Und er? Er legte den Kopf schräg und blickte sie verwundert an. „So – er wohl nicht.“ Er stampfte auf und stampfte weiter auf sie zu. Dann zog er sie aus dem Busch – an den Haaren. „Hei spinnst du, du Neandertaler?“ Erschrocken ließ er sie los. Dann schupste er sie und sie viel auf ihren nackten Hintern. „Autsch – Mensch, das tut weh ohne Klamotten. Du Idiot.“ Sie rappelte sich auf und wollte ihm eine runter hauen – aber seine Reflexe waren super ausgebildet – ihre Hand traf nur die leere Luft. Dann schnappte er sie und zog sie an eine Feuerstelle – er zeigte auf das Holz, auf die Stelle und das was daneben lag – ein Hase. Sie blickte ihn irritier an. „Ich? Ich werde bestimmt keinen Hasen häuten und ausnehmen. Das kannst schön du machen. Pah.“ Sie drehte sich um und wollte gehen. Aber wohin. Sie konnte es nicht fassen – sie war eine Zeitreisende. Sie liebte ja diese Geschichten. Aber nur wenn sie schön eingekuschelt in ihrem Sessel saß und darüber las – selbst erleben wollte sie das bestimmt nicht – unabhängig davon, dass sie eh  nie daran geglaubt hätte.

„Ähm –ich gehe davon aus, dass du nicht sprechen kannst?“ Fragte sie den Mann – der bei näherer Betrachtung ganz annehmbar war. Schmutzig aber kein schlechter Anblick. Ihr Blick wanderte von oben nach unten und ihr wurde Bewusst, dass auch er nackt war und sofort schoss ihr die Röte in die Wangen und ihr wurde bewusst – Ich bin auch nackt. Oh – wie schlecht für mein Selbstbewusstsein. Während sie noch in Gedanken an ihren Körper versunken war und sich schämen wollte, setzte er sich an die Feuerstelle und entfachte ein Feuer. Dann nahm er einen Stein, den er wohl zu einem scharfen Schneidewerkzeug bearbeitet hatte und fing an den Hasen aufzuschneiden. Sie musste sich umdrehen sonst hätte sie sich übergeben. Es war doch ein himmelweiter Unterschied sich das eingepackte Fleisch aus der Theke zu nehmen oder zu sehen wie es dazu wurde. Sie wusste das ja schon – und wusste auch, dass sie es zwar gerne essen, aber nie erlegen würde wollen. Sie blickte wieder zu ihm und sah, wie er sie fragend beobachtete. Der Hase steckte schon an einem Stock und hing über dem Feuer. Der Geruch, ließ ihren Magen knurren.

Er blickte sie an, räusperte sich und sprach. Sie wäre fast nach hinten umgekippt. Er sprach. Und seine Stimme klang rau. Er hatte sie schon lange nicht mehr benutzt – so dachte sie. „Komm, setz dich und iss.“ Ihr Mund stand offen und sie fing mit Schnappatmung an. „Du sprichst?“ „Ja natürlich spreche ich.“ Sie ging langsam und misstrauisch zum Feuer und setzte sich. „Warum hast du nicht gleich gesprochen – das hätte einiges vereinfacht – und wo oder wann bin ich?“ „Was meinst du mit wann? Du bis jetzt hier. Und wo? Das ist meine Höhle. Da bist du.“ Ja klar – es gab weder Ort noch Zeitempfinden für die Steinzeitler. Sie lebten wie die Tiere – nicht hausten – lebten. Im Jetzt. Für sie gab es keine Vergangenheit und keine Zukunft.  „Okay.“ Er hielt ihr eine Hasenkeule hin und sie schnappte danach. Herzhaft biss sie zu und konnte gerade noch ein Schmatzen verhindern.

Sie beobachtete ihn – das Fett lief ihm am Kinn entlang, aber es störte ihn nicht – er verwischte es einfach. „Äh – gibt es hier Wasser?“ „Wasser – da ist ein Krug“ „Nein ich meine ein Fluss oder See“ „Wofür, da ist es gefährlich – da kommen die Tiere und die sind auch hungrig.“ „Ich will mich waschen.“ „Waschen? Wofür das denn?“ „Hygiene – selbst in der Steinzeit kann man wohl auf Hygiene achten, oder?“ „Hä? Versteh ich nicht – aber gut – komm ich zeige es dir.“ Sie liefen zum See und sie tauchte ein. Ach was für eine Wohltat. Das Wasser umfloss sie sanft und sie spürte wie der Schmutz von ihr abgewaschen wurde. Sie schwamm ein bisschen und schaute zum Ufer. Der Mann stand am Rand und beobachtete sie. „Komm – es ist herrlich. Das wird dir gefallen.“ Und vor allem mir – er muffelt nämlich furchtbar. Sie schwamm ans Ufer zurück und winkte ihm. Er schaute sie unsicher an und ging langsam ins Wasser. „Komm – es ist einfach herrlich.“ „Wasser ist zum trinken nicht um hinein zu gehen. Außer man will Fische fangen.“ Brummelte er. Aber es schien ihm doch zu gefallen, denn er kam immer tiefer. „Kannst du schwimmen?“ „Was?“ „Schau“ sie machte einige Schwimmbewegungen Brustschwimmen und Rückenschwimmen. „Nein.“ „Egal – du musst nicht so tief kommen.“ Und ich werde es dir beibringen. Denn ich befürchte hier gefangen zu sein. Er ließ sich ins Wasser gleiten und sie musste sich zurückhalten nicht über seinen Bauch zu fahren um dem Wasser tiefer zu folgen. Schon wieder errötete sie.  Was waren das denn für Gedanken. Das musste an dieser wilden Gegend liegen. Da wurden wohl die Instinkte intensiver. Puh – das würde ja noch interessant werden.

Sich ihrer Nacktheit wieder bewusst, verließ sie das Wasser und versuchte irgendwas zu entdecken was sie verhüllen würde. Aber es gab nichts. Sie seufzte und versuchte sich damit abzufinden. Schließlich hatte nur sie das Problem. Für ihn ist es normal. Also reiss dich zusammen und entspanne dich. Sie gingen zurück zur Höhle. Langsam wurde es dunkel und kühl.

„Wir müssen jetzt rein gehen – wenn es dunkel wird kommen die gefährlichen Tiere.“ Okay. Aber was macht man denn so ohne Fernsehen, Internet, Smartphone, Buch? Das konnte ja ein langer Abend werden, dachte sie sich.  Und ihr fiel etwas viel schlimmeres ein. Sie war eine Frau und er ein Mann und irgendwie musste sie an „Am Anfang war das Feuer“ denken und an die Szene mit der Frau. Sie zitterte. Was sollte sie tun, wenn er über sie herfiel? Sie hatte einen Selbstverteidigungskurs gemacht – aber würde ihr das helfen? Oder sollte sie so reagieren wie die Frau – ihn leiten. Wollte sie das – sie kannte ihn ja nicht – aber was zählte das hier. Es gab keine Etikette. Das hier ist Leben – da gab es keine ersten Dates und man wartet mindestens bis zum dritten Date bevor man zusammen ins Bett ging. Oh weh.

Er stand am Höhleneingang, tippte ungeduldig mit dem Stock auf dem Boden und schaute sich hektisch um. Sie verstand. Schließlich kannte sie ja aus dem verhassten Film, dass es zu dieser Zeit noch Säbelzahntiger und andere gefährliche Raubtiere herumstreunten. Pest oder Cholera, das waren doch die Worte, die ständig vielen, bei den Präsidentenwahlen. Jetzt stand sie auch vor ihrer Pest oder Cholera – was war gefährlicher? Der Mann vor ihr, oder die wilden Tiere hinter ihr. Sie entschied sich für den Mann – den denn konnte sie eventuell noch ausknocken.

„Hier – da schlafen wir.“ Vor ihr lag ein Stapel Felle. Sie rümpfte die Nase – sie rochen nicht nach Perwoll. Nun – das war halt so. Es sah aber kuschelig und vor allem warm aus. Aber „wir“ das hatte sie befürchtet. Aber so einfach wollte sie es ihm auch nicht machen. „Wir? Wieso wir. Ich nehme mir paar Felle und lege mich lieber dort hin.“ Sie zeigte in die entgegengesetzte Ecke. „Wieso? Es wird kalt heute im Dunkeln. Da schläft man nicht alleine wenn man einen Körper hat, der einen wärmt.“ Er wirkte so unbelastet und ohne Niedertracht. Nicht bedrohlich oder berechnend. Vielleicht überkompensierte sie. Es war bestimmt nicht so schlimm. Sie räusperte sich. „Das ist bei mir nicht üblich. Ich kenne dich doch nicht. Was wenn du  mir böses willst.“ „ich will gar nichts außer schlafen. Und deine Wärme, wenn du schon mal da bist. Auf komm. Es wird Zeit.“ Unbehaglich und sich ihrer Nacktheit wieder bewusst, legte sie sich auf den Fellhaufen und versuchte sofort reinzukriechen. Es sollte so viel Masse zwischen ihnen sein wie möglich. Bloß kein Körperkontakt. Sie wollte ihn auf keinen Fall animieren. Mit trockenem Mund lag sie steif wie ein Brett, als er sich neben sie legte. Sie wagte kaum zu atmen. Die Arme hatte sie steif neben sich gelegt und hoffte, dass er schnell einschlafen würde. „Was ist los? Warum bist du so angespannt? Warst du noch nie bei einem Mann?“ Hä? Was fragte er sie. „Ja – doch, aber es ist schon etwas her und es war schon eine andere Situation.“ „Was meinst du mit anderer Situation. Frau, Mann – da gibt es nur diese Situation.“ Kaum hatte er es ausgesprochen, rückte er näher. Zu nah. Ihr wurde ganz anders. Was sollte sie denn jetzt machen. Schnell drehte sie ihm den Rücken zu. Er rutschte immer näher und sie spürte seine Freude.

Oh Mann, was mache ich jetzt nur. Das war es, was ich befürchtet habe. Hier ist das nichts mit Abstand und Abstinenz. Ich kann noch froh sein, dass er nicht gleich über mich herfällt. Was mach ich nur? Sie spürte den Druck den er auf ihren Hintern ausübte und sie spürte auch ein Kribbeln in den Eingeweiden. Der weibliche Instinkt schien ihr einen Strich durch ihre anerzogene Zurückhaltung zu machen. Ihr Körper reagierte auf die Stimulation. Und er stimulierte sie weiter. Für einen Steinzeitmann war er tatsächlich sehr vorsichtig und zurückhaltend. Damit hätte sie niemals gerechnet. Er streichelte sanft ihren Rücken und rieb sich an ihrem Hintern. Dann versuchte er sie zu drehen. Er wollte sie auf dem Bauch. Das wollte sie auf keinen Fall. Sie war kein Vieh. Das musste sie verhindern. Wieder erinnerte sie sich an den Film und da ihr verräterischer Körper bereit war, warum sollte sie es denn nicht sein? Sie würde die Führung übernehmen. Also drehte sie sich um und blickte ihn an. Der Schein des Feuers, das er entfacht hatte, zauberte seltsame Schatten auf sein Gesicht. Er blickte sie verdutzt an und wollte sie wieder drehen. Aber sie wehrte sich. Langsam wurde er ungeduldig. Aber sie zeigte ihm was sie wollte.

Sie drückte ihn auf den Rücken uns setzte sich so schnell auf ihn, dass er nicht wusste wie ihm geschah. Von oben betrachtete sie ihn und fuhr sein markantes Kinn entlang. Jetzt würde sie ihm zeigen, wie es wirklich ging. Sie neigte ihren Kopf hinunter und berührte mit ihrer Zunge seine Lippen. Er zuckte mit seinem Kopf zurück, aber sagte nichts. Er ließ sie machen. Wieder näherte sie sich seinem Mund. Dieses Mal versuchte sie mit ihrer Zunge seine Lippen sanft zu öffnen. Da er nicht reagierte, ließ sie ihre Zunge fordernder zustoßen. Er öffnete seinen Mund und sie fing an ihre Zunge spielen zu lassen. Sie fuhr mit ihren Händen seinen Oberkörper entlang. Die Natur hatte ihn geformt. Die Jagd und das Leben hatten einen strammen Körperbau zur Folge. Sie fuhr seine Brustwarzen entlang. Er wand sich unter ihren Berührungen. Er schien sich nicht sicher zu sein, ob aus Unwohlsein oder Wonne. Er stöhnte zwischen ihren Lippen und sie spielte weiter mit ihm. Sie löste ihren Mund von seinem und fuhr nun zu seinen Ohrläppchen und knabberte leicht dran, bevor sie ihre Lippen weiter wandern ließ. Ihre Zungenspitze fuhr seinen Hals entlang zu seinen Brustwarzen. Diese umrundete sie, saugte dran und biss leicht hinein. Er stöhnte laut. Mittlerweile war auch sie aufs äußerste Erregt. Sie setzte sich auf seinen Schoss und übernahm die Führung. Sie genoss diese kleine Macht, die sie über ihn ausübte. Sie bewegte sich sehr langsam und er wurde fast wahnsinnig. Er ergriff ihren Hintern und zog sie noch dichter an sich heran. Er hob sie hoch und senkte sie langsam wieder hinab. Jetzt übernahm er die Führung. Schnell löste er sich von ihr und dieses Mal ließ sie es zu, dass er sich hinter sie kniete. Kräftig drang er ein und führte sie zum Höhepunkt. Erschöpft sanken sie auf die Felle und schwer atmend ließen sie den Schweiß auf ihren Körpern trocknen.

Sie kuschelte sich in die Felle, als ihr kühl wurde. Er stütze sich auf seinen Arm und betrachtete sie. „Was hast du da gemacht. Das war Zauberei. Bist du eine Hexe?“ Sie lachte. „Hexe? Nein. Das ist ein Liebesspiel gewesen. Es geht nicht nur um Vereinigung. Es geht darum auch Spaß und Gefallen daran zu haben. Du hast gesehen, was es ausmacht. Oder hat es dir nicht gefallen?“ „Ich weiß nicht. Ich konnte mich nicht wehren. Du hast mich verzaubert. Du musst eine Hexe sein. Ich konnte mich nicht bewegen. Deine Kraft ist mächtig.“ „Das ist keine Zauberei. Das ist – wie erkläre ich dir das? Fliegen. Man verschmilzt für eine kurze Zeit. Man verliert einfach mal die Kontrolle. Lässt alles einfach mal los. Ein bisschen Freiheit.“ „Ich weiß nicht ob mir das gefällt. Ich habe immer die Kontrolle über alles.“ „Nun. Du kannst mich verbannen, wenn es dir unangenehm ist, oder …“ und sie suchte mit ihren Händen sein Zentrum. Sanft ließ sie ihre Hände hoch und runter fahren. „…oder, wir genießen das hier beide.“  Er warf die Decken von sich und schnappte sie. Sie erschrak. Erst wollte sie fliehen, weil sie dachte er wär wütend, aber er hielt sie und zog sie auf seinen Schoss um zu überprüfen, ob es ihm nicht doch gefallen würde, die Kontrolle abzugeben. Ein neuer Anfang eröffnete sich für sie und er missfiel ihr nicht gerade.

ENDE

 

Ich selbst mag es in Romanen nur bedingt, dass Erotik enthalten ist. Ich habe nichts dagegen, wenn es erwähnt wird und auch beschrieben wird. Aber es sollte schon realistisch sein. Ich kann mit Begriffen wie pulsierender Lustschwengel oder sonstigen Zeug nichts anfangen, das ist für mich nicht erotisch. Aber ich wollte es einfach auch mal probieren. :-)

 

 

Projekt TXT*

Das zwölfte Wort | 2017- Die Lebkuchenmann-Liebe

Was ist das Projekt *.txt?

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Das neue Wort passt doch sehr gut zu Weihnachten. Bei dem vielen Dekorationszeug…

Die Lebkuchenmann-Liebe

Anton parkte seinen SUV in der Garage. Als er ausstieg bemerkte er die große Lücke an der linken Wand. Er schaute einige Sekunden hin und zuckte dann mit den Schultern. Maggie hatte wohl endlich mal ihre Kisten entrümpelt, die sie vor einigen Monaten mitgebracht hatte, als sie bei ihm einzog. Wie sie den Platz in seinem Haus nach und nach eingenommen hatte. Immer mehr von ihrem Kitsch und immer weniger von seinen Sachen fand man. Oft hatte er sich gefragt, ob es wirklich so eine gute Idee gewesen war sie zu bitten bei ihm einzuziehen. Damals erschien es ihm logisch. Keine Minute wollte er ohne sie sein.

Jetzt elf Monate später, zweifelte er immer öfter und kam auch immer öfter später nach Hause. Wieder zuckte er mit den Schultern. Bald war Weihnachten und dann das neue Jahr. Wer weiß was sein neuer Vorsatz werden würde.

Müde und mit hängenden Schultern betrat er das Haus. „Maggie? Ich bin zu Hause. Wo bist du?“ „Ich bin im Wohnzimmer. Sorry, ich hatte keine Zeit zu kochen. Ich schiebe gleich eine Pizza in den Ofen.“ Während sie sprach kam sie um die Ecke in die Küche getanzt. Anton betrachtete sie und stutzte. War das ein Weihnachtspulli? Innerlich stöhnte er auf. Nein, nein, nein, oh nein. Neben ihren komischen Deckchen, Rüschen und Kissen der nächste Kitsch. „Äh, was hast du denn da an?“ Sie blickte an sich hinunter und zog den Pulli straff um das Motiv besser sehen zu können. „Ist es nicht toll? Mein liebster Weihnachtspulli. Den ziehe ich immer an, wenn ich schmücke. Den habe ich schon ewig. Er ist magisch. Sobald ich ihn anziehe, stellt sich alles in mir auf Weihnachten ein. Hier Schatz – heiße Schokolade mit Marshmallows.“ Anton nahm verdutzt die heiße Tasse und verzog das Gesicht. „Ein Kaffee wäre mir lieber gewesen.“

Maggie runzelte leicht die Stirn und fing gleich wieder an zu plappern. „Heute habe ich alles schon weihnachtlich geschmückt. Innen und außen.“ „Ja und morgen kannst du alles wieder abmachen. Ich hasse Weihnachten.“ „Was? Was! Im Leben nicht. Kein Weihnachten? Niemals. Komm mit und lass dich doch verzaubern.“ Maggie bemerkte Antons Abneigung und das entsetzte sie. Wie konnte man Weihnachten nicht mögen? Der Duft, die Lichter, die Musik. Sie könnte immer Weihnachten feiern. Er würde es ihr doch nicht vermiesen? „Maggie, ich sagte ich will diesen Kitsch nicht im Haus haben. Das ist reine Geldmacherei und ich steh einfach nicht drauf.“ „Komm schon – schau doch erst mal.“ „NEIN! Mach den Mist ab, sonst mach ich das, und das willst du  nicht wirklich. Wenn ich morgen von der Arbeit komme, ist alles weg, verstanden?“ Sie blickte ihn trotzig mit Tränen in den Augen an, während sie auf dem Brett über der Anrichte verschiedene Lebkuchenmänner hin und her schob.

Er betrachtete sie einige Zeit. Diese Lebkuchenmänner sahen schon sehr skurril aus. Fast lebendig. Sehr gute Arbeit, musste er schon zugeben. „Aber, aber, “ stotterte sie. „Ich liebe Weihnachten.“ Maggie betrachtete Anton. Sie spürte es schon einige Zeit. Er zog sich immer weiter von ihr zurück, und jetzt das noch. Das war es dann wohl gewesen. Sie würde auf keinen Fall nachgeben. Weihnachten war ihr Leben. Dafür würde sie allesmachen. „Ich gehe schlafen. Genieße deine Arbeit. Morgen ist alles weg.“ Damit drehte es sich um und verließ die Küche. Maggie drehte sich zu ihren Lebkuchenmännern um. „Ach ihr Lieben. Ich glaube, das wird ein Problem werden. Ihr wisst ja wie das so mit mir und all dem tollen Weihnachtskitsch ist. Und was passiert, wenn man es mir verbieten will. Da kann ich sehr ungehalten werden.“

Während sie  mit ihnen sprach, streichelte sie Gedankenverloren über ihre Köpfe. Schob sie zurecht und ließ etwas Platz. Morgen früh würde sie einen neuen Lebkuchenmann dazustellen. Zärtlich drückte sie allen einen Kuss auf die vollen Lippen und löschte das Licht.

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Das zehnte Wort – Tangieren – I Will Survive

Was ist das Projekt *.txt?

Schnell erklärt soll das Projekt *.txt der Inspiration dienen. Einmal pro Monat wird ein Wort verkündet, zu dem die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre Texte schreiben. Es gibt keinen Druck, etwas zu schreiben, kein Datum, bis wann die Texte da sein müssen … es soll also in erster Linie Spaß machen!


Für das zehnte Wort hatte ich ursprünglich eine andere Geschichte aufgeschrieben, die aber mal wieder so lange wurde, dass ich sie doch separat mal veröffentliche…aber wohl doch eher im neuen Jahr.

Hier also meine Geschichte zum zehnten Wort.


Marga konnte es nicht fassen. Da lag er doch, der faule Sack. Fauler Sack? Vielleicht eher faulender Sack. Ihn tangierte es mal überhaupt nicht, dass sie um ihn herum tanzte – mit Staubsauger und Staubwedel. Er verfaulte wohl wirklich, denn von ihm ging ein wirklich übler Geruch aus.

„Willst du nicht endlich mal aufstehen und der Couch mal die Möglichkeit geben wieder ihre ursprüngliche Form einzunehmen? Bevor dein Körper eine Gussform aus den Kissen formt.

„Brah.“ Kam es nur. Und der Berg bewegte sich. Von ihm fielen lauter Popcorn und Chips Reste und er rollte mit den Augen. Es musste sich was ändern. So habe ich mir mein Leben wirklich nicht vorgestellt. Nein, nein. Ich muss mein Schicksal selbst in die Hände nehmen.

Sie hatte doch mal was über das Darknet gelesen. Dort fand man irgendwie alles was nicht so öffentlich sein sollte. Ich habe ja Zeit. So schnell wird dieser Fleischklops ja eh nicht verschwinden. Noch nicht! Aber sie würde nachhelfen. Marga konnte sehr engagiert sein. Hatte sie sich was vorgenommen, war sie wie ein fest gebissenerer  Pitbull. Also fing sie an zu recherchieren. Natürlich hätte sie ihn einfach verlassen können. Aber alles lief auf seinen Namen. So blöd und blauäugig war sie damals. Wenn sie ging, waren die Jahre verschenkt. Das durfte nicht geschehen. Er musste gehen – dauerhaft und endgültig

Erst mal versuchte sie herauszufinden wie sie ins Darknet kam und in speziellen Foren las sie erst mal ruhig mit. Selbst erledigen oder jemanden beauftragen. Pro und Kontraliste schrieb sie auf. Für selbst erledigen Pro: Nur sie war Zeuge – Kontra: Nur sie war da – keine Hilfe – Pro: spart Geld – Kontra: Nötige Dinge selbst besorgen. So vergingen Tage und Tage und Marga kam keinen Schritt weiter. Bis zu dem Tag als sie auf einen Eintrag stieß. „Suche Frau zum gemeinsamen Recyceln. Austausch von Erfahrungen und tatkräftige Unterstützung.“ War es das was sie dachte?

Der Kontakt war schnell geknüpft. Es gab eine Organisation die Hilfe für ihre geplante Tätigkeit anbot. Sie trafen sich in einem Maniküre Salon. „Hallo. Marga? Ich bin Violett. Eine gute Platzwahl. Da hier alles illegale Einwanderer sind, die kaum ein Wort verstehen, wird hier wohl nie einer etwas ausplaudern, sollten sie doch was verstehen – Tolle Tarnung. Gute Wahl, das muss ich mir merken.“ Nach den üblichen Höflichkeitsfloskeln fing Violett an. „Es gibt drei Optionen, bei denen wir Hilfe anbieten. Selbst machen, einen Profi oder Gefallen.“. „Gefallen?“ „Ja ist recht beliebt. Irgendein Fremder ohne Bezug zu ihnen erledigt das und sie dann für einen anderen. Wie gesagt sehr beliebt und sehr anonym. Es kann aber Komplikationen geben. Man soll es nicht glauben, aber jemand Fremden ohne persönlichen Bezug zu töten, fällt manchen schwer. Also beliebt, aber nicht gerade die einfachste Methode. Am einfachsten aber sehr teuer ist der Profi. Aber nicht so befriedigend. Und es kann mürbe machen, da man nicht weiß wann der Profi zuschlägt. Manche bekommen dann doch noch Skrupel. Wenn die Abneigung dem Partner gegenüber sehr stark ist, empfehle ich selbst Hand anzulegen. Dafür brauche ich Details über das Objekt. Gesundheit, Vorlieben, Stärken, Fitness und, und, und. Ich habe hier einen Katalog, den sie nochmal durchgehen sollten. Natürlich diskret. Verbrennen sie ihn schnellst möglich und kontaktieren sie  mich wie beim ersten Mal.“ Getarnt als Nähzeitschrift nahm sie den Katalog an und blätterten ihn im Auto durch. Was wäre die beste Methode?  Ich muss darüber schlafen.

Als sie nach Hause kam saß er am Küchentisch und las in einem Sportmagazin. Ha – er und Sport. „Wo warst du? Ich habe Hunger und du gehst shoppen. Du vergisst deine Pflichten. Apropos Pflichten. Da ist noch eine andere als Ehefrau, der du mal wieder nachgehen kannst.“ Dabei grinste er anzüglich und stand auf. Schon zog er sie am Arm die Treppe hinauf und forderte ihre angeblichen Pflichten ihm gegenüber ein. Stinkend und grunzend bewegte er sich auf ihr. Sie schloss die Augen und blätterte in Gedanken den Katalog durch. Als er endlich abließ und von ihr runter rollte, hatte sie sichentschieden. Sie stand auf, richtete sich und ging in die Küche um ihn schnell was zu kochen. Sie streute noch ein Schlafmittel unter die Suppe und musste nur noch auf die Wirkung warten.

Als er endlich schlief, loggte sie sich schnell ins Darknet ein und kontaktierte Violett. „Ich habe mich entschieden. Lass uns treffen.“

Danach verbrannte sie ihre Pro und Kontra Liste samt dem Katalog und trank genüsslich ihren Kaffee. Schon am nächsten Tag trafen sich die beiden Frauen im Park. Während sie die Vögel fütterten teilte Marga Violett ihre Entscheidung mit. „Eine gute Wahl. Das dachte ich  mir schon. Hör zu, da du schon fleißig warst und die Details von ihm mitgebracht hast kann ich einen Plan erarbeiten und ich schicke dir die Beste Lösung. Ok? Das Finanzielle regeln wir, wenn alles unter Dach und Fach ist und kein Verdacht mehr auf dich fällt.“ „Hast du keine Angst, dass du dein Geld nicht bekommst?“ „Ach Schätzchen, du vergisst in welcher Branche ich tätig bin. Ich habe mein Geld immer bekommen.“. Violett stand auf und drückte Marga rechts und links einen Luftkuss auf und ging. Wenige Tage später kam ein Päckchen mit einer Flüssigkeit – Nahrungsergänzungsmittel Vitame  D3 und K2. Im Darknet teilte ihr Violett mit um was es sich handelte und was es bewirkte. „Du hast hier Adrenalin. Du musst ihm das alle zwei drei Tage ins Essen mischen. Es bewirkt Bluthochdruck und Herzrassen. Wenn er dadurch öfter zum Arzt muss, wird es nicht auffallen wenn du ihm das Kissen aus Gesicht drückst. Bei seinem Lebenswandel dürfte sich keiner über den Tod im  Schlaf wundern. Sicherheitshalber schicke ich dann einen Arzt der den Herzinfarkt bestätigt. Keine Angst ich erfahre von seinem Ableben.

Ich werde jetzt diesen Verlauf löschen. Diesen Kontakt gab es nie. Für den unwahrscheinlichen Fall, dass jemand neugierig wird. Die Rechnung kommt in einem grossen Abstand. Hebe die nächsten Monate regelmäßig unterschiedliche Beträge ab – dann wird keiner stutzig. Sollte jemand Fragen – du warst Essen oder auf dem Jahrmarkt immer wo viel Leute sind und dich keiner bemerkt. Keine Rechnungen sollten auftauchen und ähnliches, dass irgendeine Beweiskraft hat. Ich wünsche dir ein schönes Leben meine Liebe  mach was draus“. Der Bildschirm ging aus und ihr PC startete im Recovery Modus. Sie setzte den Rechner neu auf, während sie anfing das Lieblingsessen ihres Mannes zu kochen. Jetzt tangierte sie es nicht mehr. Summend rührte sie die Flüssigkeit unter die Suppe und schwang die Hüften zu ihrem Ohrwurm. „I Will Survive.“

Ende

Projekt TXT*

Das elfte Wort | 2017 – Sagenumwoben – Die Nebelfrauen

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Evelyn liebte es im winterlichen Wald spazieren zu gehen. Der November war einer ihrer liebsten Monate. Alles wirkte so geheimnisvoll im Nebel. Wenn man morgens durch den Wald streifte, konnte man den Raureif bewundern, der sich bei Sonnenaufgang auf die Wiesen und abgefallenen Blätter legte. Aber am liebsten war ihr der Nebel. Manchmal stand sie im Tal und blickte von weitem auf den Wald. Der Nebel stieg aus den Bäumen hervor – gerade als würde jemand einen großen Topf Suppe kochen und der Dampf stieg nach oben. Evelyn stand am Ortsausgang und betrachtete den Wald. Er war nicht weit von ihr entfernt. Bei diesem tristen und feuchten Wetter traute sich kein Mensch oder Tier aus dem Haus. Die Schornsteine qualmten und sanfte Lichter schienen aus den Fenstern. Sie drehte sich zum Wald hin und in der Morgendämmerung konnte sie wehende Schatten erkennen. Sie bewegten sich im Nebel. Es schein als würden sie tanzen. Sie schaute genauer hin und war sich sicher, es waren Frauen mit wehenden weißen Haaren und durchscheinenden Gewändern, die sich sanft um die gläsernden Körper wandten. Sie wiegten sich im Klang einer Melodie, die Evelyn nicht hören konnte. Sie winkten ihr, dass sie herbei kommen solle um mit ihnen zu tanzen. Diese Frauen hatten Evelyn in ihren Bann gezogen. Als wäre sie eine willenlose Marionette, lies sie sich führen. Immer näher kam sie ihnen. Immer wieder tauchten sie ein in den Nebel, der über dem Moor schwebte. Dunkel blitzte eine Erinnerung auf. Sagenumwobene Nebelfrauen und Nebelgeister, die Menschen vom Weg abbringen und ins Moor lockten. Schon war diese Erinnerung wieder erloschen. Evelyn spürte die Kälte, die sie einsog. Das Moor zog sie tiefer und tiefer – es fühlte sich kalt und glitschig, aber auch behütend an. Als sie untertauchte versuchte sie entsetzt Luft zu holen Aber ihr Mund lief mit Moorwasser voll. Sie bekam kurz Angst, als alles um sie herum dunkel wurde. Aber es war nicht für lange. Etwas zerrte an ihr und zog sie mit einem  kräftig Ruck aus dem Moor heraus. Sie wollte erleichtert tief einatmen – aber sie konnte nicht. Was war nur los? Sie blickte sich um. Um sie herum hatten sich die Nebelfrauen gesammelt. Sie hörte das wispern des Windes – oder war es das Flüstern der Frauen? Sie fühlte sich seltsam – als wäre sie Teil etwas besonderen – Teil einer Gesellschaft. Sie blickte an sich hinunter und konnte durch ihre Füße den Blätterteppich erkennen. Sie verstand – sie war gestoben im Moor und wurde somit Teil der sagenumwobenen Nebelfrauen.

ENDE

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Das neunte Wort | 2017 – abgehen – in die Freiheit.

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Sollte ich nicht irgendwo abgehen? Hatte er nicht gesagt Links-Links-Rechts-Links?  Oder? War doch mehr rechts als links dabei? Verdammt. Ich hätte es im Navi eingeben lassen sollen, wo ich doch einen so guten Orientierungssinn habe. Ich verlaufe mich schon im Supermarkt. Na toll. Dabei wollte ich nur schnell weg aus dem Mist. BlaBla, wenn du da lang gehst, dann kannst du gemütlich abgehen und bist auf dem sicheren Weg in die Freiheit. Pah – vielleicht wäre es doch besser gewesen mit meinen Freunden mit zu gehen. Es war eine Party geplant – da hätte ich auch abgehen können. PARTY. Nein, ich wollte nur weg von der Kontrolle. Seit der neuen Regierung wurde es nur schlimmer. Immer mehr Kameras. Nirgends konnte man mehr unbeobachtet sein. Ich befürchte sogar in privaten Bereichen beobachten sie uns. Dann kam die Abschaffung des Bargeldes. Dumm nur, dass ich meine grosse Klappe nicht halten kann. Seit dem sind meine Konten eingefroren und mein Führerschein gesperrt. Zur Familie kann ich nicht, denn wenn die auf einmal, denn wenn auffallen würde, dass sie auf einmal mehr verbrauchen würden. Das kann ich nicht verantworten. Getoppt wird es jetzt noch. Ein paar der Schlafschafe, die sich tatsächlich freiwillig mit RFID-Chips impfen lassen. Tut ja nicht weh und man kann damit nicht nur alle seine Türen öffnen sondern auch noch sicher zahlen. Also wirklich, WIRKLICH? Denkt ihr nur das kann man mit den Chips machen? Wenn du nicht spurst, wirst du einfach abgeschaltet. So einfach ist das.

Nein – nein ich muss weg. Ah – da ist doch der Weg, der abgehen soll. Schnell sprinte ich auf den Weg zu. Er ist zugewachsen. Wo soll ich durch schlüpfen? Da bewegt sich was – ein Mann, er stoppt mich.

„Hei, du bist hier falsch. Die Party ist am anderen Ende der Stadt.“ „Ich will nicht zur Party, ich will nur hier abgehen.“ „Ich sehe, du kennst die Parole. Bist du dir sicher?“ „Absolut. Ich will keine Marionette werden. Ich will frei sein.“

„Das ist aber kein Happening. Es wird viel Einschnitte geben.“ „Nichts kann schlimmer sein, als das was hinter mir liegt. Nicht kann schlimmer sein, als absolute Kontrolle und Beschneidungen der geistigen Freiheit. Niemals. Ich bin bereit für Leben.“ „Gut, Mädchen. Willkommen im Widerstand.“

ENDE

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Das achte Wort | 2017 – Glücksschmied


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Mir ist einfach nichts zu Glück eingefallen. Als ich auf dem Weg zur Arbeit war kam mir dann  auf einmal die Eingebung. So mitten auf der Autobahn ist mir was eingefallen. So – wie soll man das notieren? Ich habe also versucht an nichts anderes zu denken um diesen zerbrechlichen Gedanken nicht zu verlieren. Sobald ich konnte bin ich rechts ran gefahren und habe es im Handy notiert. Weiter gefahren und die Gedanken sprudelten. Ach herrjeh – wenn das so weiter gehen würde, käme ich zu spät auf die Arbeit. Auf dem Firmenparkplatz noch schnell den rest eingetippt. Puh – geschafft. Einfacher wäre es gewesen, wenn ich den Rekorder auf dem Handy gefunden hätte. Jetzt weiss ich wo der abgelegt ist – für den nächsten kreativen Schub in unmöglichen Situationen. ;-)


Glücksschmied

Die Tränen liefen die Wange hinab und tropften auf die Oberlippe.  Ich zog die Nase hoch und konnte mich gerade noch zurück halten um sie nicht am Ärmel abzuwischen. Lieber nahm ich das angebotene Taschentuch.  Gekündigt.  „Sehen sie es doch als Glück an, Frau Wanderer. Diese Arbeit war doch sowie so nicht ihr Ding. Büroangestellte – man hat ihnen das schon von weitem angesehen, dass sie diese Tätigkeit verabscheuen. Jetzt werden sie quasi gezwungen sich umzuorientieren und finden vielleicht was Besseres für sich. Ihr Glück vielleicht.“ Ich sah ihn durch den Tränenschleier an und er konnte wirklich froh sein, dass ich die Kiste mit meinen persönlichen Sachen schon in der Hand hatte. Sonst hätte er, statt der Hand meine Faust bekommen.

Er sah mich unbehaglich an. Es musste in meinen verquollenen Augen erkennbar sein, was ich dachte. Ich gehörte wahrlich nicht zu den Frauen, die niedlich aussehen, wenn sie weinen. Nein – keiner kommt dann und wischt mir die Tränen von der Wange und nimmt mich tröstend in den Arm. Ich bekomme hässliche rote Flecken im Gesicht, meine Augen schwellen zu roten Ringen an und meine Nase wird zu den Niagarafällen. Ich bin wirklich nicht süß, wenn ich weine.

Das förderte meist keinen Mitleid meines Gegenüber sondern eher das Bedürfnis sich schnell umzudrehen um das Elend nicht länger betrachten zu müssen. Aber Herr Paulus war ein Profi – er war der Personaler und hatte schon einige Leute heulen sehen, nach dem er ihnen die Kiste für ihre Habseligkeiten überreichte.

Mit verachtenden Blick und der verrotzten Nase schnaubte ich wie ein Stier und verließ das Büro. Ich konnte den Kollegen ansehen, dass sie aufatmeten. Alle waren froh, dass es nicht sie getroffen hatte. Ja – ich war die Letzte die kam und die Erste die gehen musste. So war das halt. Klar hat mir der Job keinen Spaß gemacht – aber das interessiert weder meinen Vermieter noch die Kreditkartenvermittler. Alle wollten sie Geld und das bekam man halt nur wenn man arbeitet.

Ich ging zum Auto.  Natürlich regnete es.  Das Universum verhöhnte mich.  Soll ich euch noch erzählen, dass ganz klassisch der Schlüssel aus der Tasche auf den Boden fiel? Und die Kiste in der meine Sachen waren so durchweicht war, dass der Inhalt gerade auf dem Boden verteilt wurde? Als ich endlich – Tratsch nass im Auto saß – leuchtete noch die Motorkontrollleuchte auf. Ich sah gen Himmel und musste lachen. Da oben meint es wirklich jemand besonders gut mit mir.

Tropfend stand ich vor der Wohnungstür und versuchte sie aufzuschließen Ich trat in den Flur und ließ die Kiste aus dem Büro einfach fallen.  Ich hörte meine Tasse klirrend.  Das war es wohl dann auch für sie.  Ich schleuderte die unbequem Schuhe von den Füssen und zog meine nassen Klamotten im Laufen aus.  Die ließ ich gerade so liegen und schlüpfte im Bad unter die warme Dusche.  In meinen kuscheligen Bademantel gewickelt setzte ich mich in meinen Lieblingsessel.  Das Telefon blinkte.  Ich hörte es ab.  „Hi Maureen. * Räusper*.  Ich muss dir was sagen“.  Er macht Schluss. Am Telefon – Perfekt. Wenn das kein Tag für Depressionen war, welcher dann.

Ich ging an den Kühlschrank um die Eislade zu öffnen.  Da stand nur noch ein halber Eimer drin auf dem sich schon Kristalle gebildet hatten.  Egal.  Der würde jetzt den friedlichen Eistod  sterben.  Mit verheulten Augen, einer Liebesschnulze im DVD Player und dem Eisbecher saß ich finster auf der Couch.

Ich war ganz alleine. Meine Eltern waren gestorben, als ich gerade 19 war. Ich hatte keine Geschwister und auch sonst keine Angehörigen. Es war also tatsächlich Zeit  das Leben, das ich gerade führte zu überdenken.

Was jetzt.  Jetzt wurde ich das Glück am Schopfe greifen.  Eine neue Zukunft. Ich hätte die Chance endlich was zu finden das mich erfüllen könnte.  Nie wieder einen Job der mich nicht glücklich machen würde.  Für irgendwelche Idioten arbeiten. Vor allem keinen Null-Acht-Fünfzehn Typen nur um nicht alleine zu sein. .  Nein ich war mehr wert.  Das Glück sollte jetzt endlich mal bei mir anklopfen. Ich würde es auf jeden Fall mit offenen Armen empfangen.

Jetzt war ich dran – ich musste meines Glückes Schmied sein.

Entspannt löffelte ich das kristallisierte Eis und lachte über die romantische Komödie. Ein Silberstreif am Horizont hatte sich gezeigt. Ich würde ihm folgen, bis ich am Ziel ankam. Wo und was auch immer es sein würde.

ENDE