Märchen/Sage, Schreibkicks

Schreibkicks – Sanfte Frühlingslüftchen und Eisige Winde

Schreibkicks. Hier wird von Sabrina immer zum 1. des Monats ein neues Thema bekannt gegeben, dass dann am folgenden 1. des kommenden Monats auf seinem Blog gepostet wird.

Dieses Mal:  Sanfte Frühlingslüftchen und Eisige Winde

Teilnehmer:

Veronika
Eva
Corly
Sabi

Das Thema für den 01.05.2018 lautet:Vorfreude auf Sommergenüsse


Sanfte Frühlingslüftchen und Eisige Winde

Da war er – der Frühlingsanfang. Endlich. Tamara stand vor dem Fenster. Ihre kleine Hütte lag versteckt im Wald. Im Winter kam kaum jemand bei ihr vorbei. Durch die Schneefälle war der Weg zugeschneit und die eisigen Winde verscheuchen die Menschen. Sie hatte schon einige Male mit dem Wind geschimpft, wenn sie Stimmen oder die Glöckchen der Pferdeschlitten hörte. Er solle doch wenigstens so wehen, dass die Menschen bei ihr Zuflucht suchen würden. Aber nein. Er trotzte ihr. Immer wieder. Also der Winter war einfach nicht ihre beste Zeit. Aber jetzt – sie konnte es riechen – der Frühling kam. Ein sanftes Frühlingslüftchen vertrieb diese eisigen Winde. Mit den anderen Winden hatte sie nie Probleme. Im Gegenteil. Sie wehten oft die Hoffnung, die Tamara verteilte in die Wälder hinaus und lockte so die Menschen zu ihr.

Ihr Garten war bereit. Ein paar Zaubergriffe und alles war schneefrei und fing an zu blühen. Durch etwas magische Hilfe würde das nicht lange dauern und in voller Blüte stehen. Diese Düfte würde das milde Frühlingslüftchen bis zum nächsten Dorf wehen. Die Menschen würden angelockt davon kommen. Zu ihr und sie könnte endlich wieder ihr Lager auffüllen. Der lange Winter hatte ihre Kammer fast geleert. Es waren aber keine normalen Pflanzendüfte, die die Winde in die Dörfer trieb. Nein, nein. Es waren Düfte nach Schokolade und Lebkuchen.

Ja – Tamara war eine berühmte Hexe. Es wurden schon Geschichten über sie geschrieben. Aber diese hier ist vor dem schicksalshaften Treffe mit zwei Rotzgören, die ihr Ende einläuteten.

Aber jetzt genoss Tamara noch ihr Leben und lockte ahnungslose Menschen – am liebsten  natürlich die saftigen Kinderlein – in ihre Hütte. Sie rieb sich die Hände und ging hinein in ihre Stube. Der Ofen  musste gut angeheizt werden. Sie war sich sicher, dass diese liebliche Frühlingsbrise ihr bald ein paar leckere Happen vor die Tür wehen würde.

Ende

 

Romantik, Schreibkicks

Schreibkicks – Kommerzieller Valentinstag

Schreibkicks. Hier wird von Sabi immer zum 1. des Monats ein neues Thema bekannt gegeben, dass dann am folgenden 1. des kommenden Monats auf seinem Blog gepostet wird.

Dieses Mal: kommerzieller Valentinstag

Teilnehmer:

Veronika
Eva
Corly
Sabi

Das Thema für den 1.4.18 lautet dieses Mal:Sanfte Frühlingslüftchen und Eisige Winde


Da ich grippal angeschlagen bin kurz und knapp.


Marnie liebte Valentinstag – nicht mal weil sie verliebt war – sie war schon lange Single. Aber neben Weihnachten war das die Zeit, in der die Menschen am nettesten zu einander waren. Ihre ganze Wohnung sah immer aus wie ein Geschenkeladen. Sie konnte einfach nicht an der tollen Deko vorbeigehen. Es war wie ein Zwang – ihre Mutter meinte immer – das wäre der innere Drang sich einen Partner zu wünschen. Pah – was für ein Blödsinn.

Währenddessen im Dekoladen um die Ecke. Warren hatte ein besonderes Schaufenster dekoriert – dieses Mal würde er sich trauen Marnie anzusprechen. Eigentlich verabscheute er diesen kommerziellen Valentinstag – aber er war schon seit einiger Zeit in Marnie verliebt und wollte dieses Mal nicht so abwertend sein. Er befürchtete, dass er sie damit die letzten Jahre immer vor den Kopf gestoßen hatte – war auch nicht unbedingt eine gute PR für einen Dekoladen, den er eigentlich auch verabscheute – aber er hatte ihn geerbt – von seiner Mutter. Sie liebt Deko genauso sehr wie Marnie. Da kommt sie – was mache ich – ach ich habe das Schild für die Aushilfe vergessen – ich weiß, dass Marnie einen Job sucht – mein kleines Spinnennetz – direkt neben meiner schönsten Deko platziert – da muss sie einfach zugreifen.

Marnie war auf dem Weg zum Einkaufen – ihr Weg führte sie immer wieder an dem tollen Dekoladen vorbei  – früher war er immer liebevoll Geschmückt – Sie hat oft mit Frau Basser zusammen gesessen und sich unterhalten, wie man was am besten platziert. Marine war sehr traurig gewesen, als sie starb. Und ihr Sohn – der war wirklich unfähig das richtig darzustellen. Bei ihm sah alles nach Kommerz aus. Einfach nicht liebevoll. Nur abgestapelt. Aber trotzdem ging sie immer wieder daran vorbei  – nur nicht mehr so oft hinein. Aber jetzt zum Valentinstag wollte sie sich was Nettes gönnen. Sie blieb stehen und stutze – das Fenster war sogar mal richtig nett dekoriert. Was? Er sucht eine Aushilfe? Eine Aushilfe im Dekoladen – das wäre ein Traum von mir. Aber könnte ich mit ihm arbeiten. Er ist ja ganz schnuckelig – aber immer so abwertend. Ach was soll´s. Der kleine Amor da im Schaufenster, zeigt mir schon den richtigen Weg.

Die Türklingel ging an in dem Moment als sie den Laden betrat. „Warren? Hallo?“ „Ach hallo Marnie – wieder auf Dekojagd?“ Sie biss sich auf die Zunge um ihn nicht was an den Kopf zu werfen. Das war es, was sie meinte – ein Bauer, was Feingefühl anging – so einer konnte doch kein Dekoladen führen. „Äh – ja – Du weißt ja Valentinstag. Diesmal hast du dir ja richtig Mühe gegeben um Kunden anzulocken. Das Fenster ist toll geworden.“ „Oh – Danke. Das war wohl mal ein lichter Moment.“ Marnie räusperte sich. „Ich hab gesehen, du suchst eine Aushilfe? Wie passend – ich suche einen Job.“ „Echt – Na das wäre doch was, oder?“ „Ja eigentlich schon.“ „Dann Willkommen im Dekoteam.“ „Äh – darf ich schalten und walten wie ich will?“ „Ähhhh ich denke schon.“ Antwortete er vorsichtig. „Sehr gut.“ Und schon schob sie ihn beiseite. Sie wirbelte durch den Laden und als sie fertig war, konnte er kaum glauben was er sah. Sein Fenster hatte sie so gelassen – im Inneren war nichts wieder zu erkennen. Es wirkte einladend und liebevoll. Wie bei seiner Mutter.

Ein Jahr später war der Laden aus der Dekoszene kaum noch wegzudenken. Trotzdem sie viel Kunden hatten und auch nicht schlecht verdienten, wirkte es dank Marnie nie Kommerziell. Sie unterstützte Künstler, die ihren Laden als Plattform nutzen, hatte ein gemütliches Kaffee integriert und war schwanger mit ihrem ersten Kind. Man kann es sich denken, es dauerte nicht so lange, bis Marine erkannte, dass Warren wirklich ein super netter und süßer Kerl war. Ein Kerl zwar, der kein Gespür für Deko hatte – aber umso mehr für seine Frau.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie heute noch und dekorieren die ganze Welt mit Liebe.

Fantasy, Schreibkicks

Schreibkicks 02.18 – nächtlicher Wolkenzauber – Kampf der Elemente

Ich spüre zur Zeit eine böse Blockierung in mir und es fällt mir nicht so leicht irgendwie meine Ideen in Worte zu fassen. Es gibt Ideen zu den Themen und heraus kommt was ganz anderes. Nun – aber immerhin kommt noch was.

Hier mein Beitrag zu Sabis Schreibkicks. Ein schöne Thema – Nächtlicher Wolkenzauber.

Wild wirbelnd bewegte sich ein Tornado durch die Nacht. Er nahm dabei keine Rücksicht auf seinen Weg – alles was in die Nähe seines Sogs kam schluckte er erbarmungslos. Seine Armee folgte ihm – einige seiner Soldaten waren auch schon voraus. Dunkel und gefährlich bedeckten sie den Himmel. Sie hingen so tief, dass sie fast die Erde berührten. Ihre Blitze zogen tiefe Furchen durch die Landschaft. Sie waren gefürchtet und legendär in der Welt der Elemente. Es gab nichts und niemand, der sich traute ihnen entgegen zu treten.

Auf seinem Weg voll Zerstörung und Wut kam er an einer kleinen Hütte mitten im Wald vorbei. Er stoppte seinen Zug und die Wolken sammelten sich wütend um ihn. „Herr, was ist los? Warum ziehen wir nicht weiter um unsere Vernichtung fort zu führen?“ Fragte ihn die Anführer Wolke. „Ich komme nicht vorbei hier. Dieses kleine Haus steht mir im Weg.“ „Im Weg? Euch stand doch vorher schon so viel im Weg. Das hat euch noch nicht mal zucken lassen. Ihr habt es einfach eingesaugt und wieder ausgespuckt. Warum also soll euch dieses kleine unscheinbare Haus stoppen?“ „Ich weiß es nicht. Aber es ist eine unsichtbare Barrikade an er ich nicht vorbei komme – nicht drüber hinweg. Es bremst mich und je näher ich komme umso schwächer werde ich. Was kann das sein?“

Die dunklen und gefährlichen Wolken wurden unruhig – sie wollten weiter und die Nacht ausnutzen. Dieser Vollmond der gerade schien, leuchtete sie perfekt aus. Sie wirkten selten so gefährlich wie heute. Ihre Blitze bewirkten imposante Bilder. Das einzige, das sie bedauerten war, dass sie niemand bewunderte. Durch ihre Gefährlichkeit kam kein Mensch oder Tier aus seiner Behausung.

Plötzlich öffnete sich die Tür dieser seltsamen Hütte. Eine kleine Frau mittleren Alters mit langen blonden Haaren trat hervor. Sie stellte sich an den Gartenzaun, vermied es aber bewusst, weiter heraus zu treten. „Was meint ihr hier zu veranstalten?“ Fragte sie und stemme ihre Arme in die Hüften. „Mensch – was erdreistest du dich mir meinen Weg zu versperren? Ist das ein Zauber um dein Grundstück? Warum komme ich nicht an dir vorbei?“ „Ganz recht“, nickte sie. „Das ist ein Zauber der Elemente. Sie haben mich um Hilfe gebeten. Schau, dort hinten warten schon die weißen Wolken – siehst du die kleinen Feuerfiguren, die auf ihnen sitzen und sie in den Kampf führen werden? Das ist das Feuerelement. Es hat keine Lust mehr, dass du mit deinen Blitzen Feuer entfachst. Auch der Wind ist schon bereit die Wolken in den Kampf zu pusten. Das Wasser wird da sein um das schlimmste zu verhindern. Also ergebt euch und beruhigt euch. Du löst dich auf, die Wolken dürfen sich noch mal entleeren und dann zieht ihr ab. Eure Verwüstung ist vorüber.“

Der Tornado blähte sich auf. „Niemals – ich lass mich doch nicht von einem Menschen in meine Schranken weißen. Ich bin ein Tornado – eine Naturgewalt. Ich vernichte dich.“ „Nun – das wird wohl etwas schwierig werden – du kommst hier nicht an mich dran. Aber gut – ich habe dich gewarnt. Möge der nächtliche Wolkenzauber starten. Du wolltest es nicht anders.“ Sie hob die Hand und entfesselte die weißen Wolken mit ihren Feuerreitern. Der Wind blies von hinten und mit voller Wucht prallten sie auf die dunkeln Wolken.

Von unten sah es wie ein Wolkentanz aus. Wenn nicht immer wieder Blitze und Feuersalven durch die Luft sausen würden, wäre das ein wunderbares Erlebnis. Ein Tanz zwischen Gut und Böse. Der Tornado hatte den Wind als Gegner und konnte sich nicht so entfalten wie er wollte. Der Wind wirbelte ständig um ihn herum, so dass er nichts mehr aufsaugen konnte. Er wurde schwächer. Das Wasser löschte sofort all seine Brände die er entfachte. Nicht nur dass, dadurch, dass das Wasser sich ständig zwischen seine Wirbel drückte wurde der Tornado immer brüchiger.

Er wollte auf keinen Fall nachgeben. Er sammelte all seine  Kraft und die Kraft, die ihm von seinen Soldaten gegeben wurde, die sich um ihn herum noch versammelt hatten und versuchte einen heftigen Schlag gegen den Wind zu starten. Der Wind war unaufmerksam und bekam eine heftige Ladung Elektrizität ab, die ihn vom Weg abbrachte. Das war der Moment, als auch die dunklen Wolken wieder die Oberhand gewannen. Die kleine Frau trat vor den Gartenzaun. Der Tornado erblickte sie und wollte sich sofort auf sie stürzen. In dem Moment verwandelte sie ebenfalls in einen Tornado. Allerdings wirkte sie freundlich – in ihren Wirbeln blitzen Blüten, Regenbogenfarben, Glitzer und Sterne auf. Sie wuchs und wuchs. Sie verdrängte den dunklen und bedrohlichen Tornado.

Der böse Tornado schrumpfte. Da tat sich eine Seite des hellen Tornados auf und verschluckte ihn. In dem Moment als er von ihr aufgenommen wurde, verpuffte seine Wut und er fühlte sich wie eine kleine Windhose, die mit den Pflanzen und Bäumen spielte. Sie sanft kitzelte und mit ihnen lachte. Es war wie nach Hause kommen. Als würde er geliebt werden. Die dunklen Wolken waren desorientiert. Die Wut des Tornados, der sie genährt hatte, war plötzlich weg und damit auch ihr antrieb. Die weißen Wolken nutzen diese Situation sofort aus und schluckten die anderen Wolken – sie verschmolzen und die dunklen Wolken verloren einige Tropfen Tränen, die als Regen auf den Boden auftrafen.

Der Kampf war zu Ende. Die Tornado Frau verwandelte sich zurück, klopfte ihre Schürze aus. Ein kleiner Rülpser entwich ihr und sie kicherte. Kurz winkte sie den Elementen und den hübschen weißen Wolken, die frech am Himmel entlang hüpften zu, und trat in ihre Hütte.

Schaute man genauer hin, verblasste diese Hütte und es war, wie ein Trugbild im morgendlichen Nebel.

ENDE

Mit dabei waren dieses Mal

 

Das neue Thema für den 1.3. lautet: kommerzieller Valentinstag

Schreibkicks

Schreibkicks – Januar – Jahresuhr – Erinnerungen

Schreibkicks. Hier wird von Sabine immer zum 1. des Monats ein neues Thema bekannt gegeben, dass dann am folgenden 1. des kommenden Monats auf seinem Blog gepostet wird

Ich hoffe ihr habt alle das Jahr gut gestartet. Gut dass es bei WordPress die Möglichkeit gibt, Beiträge zu planen. Es könnte  noch bisschen Nachwehen vom Feiern geben.

Hier habe ich eine kleine Geschichte einer Jahresuhr. Meine Eltern hatten auch so eine und ich fand die immer toll.

Mit dabei waren dieses mal:

Das neue Thema für den 1.2.18 lautet:

Jahresuhr

Die Jahresuhr stand wie immer – seit nun mehr so vielen Jahren, dass sie nicht mehr wusste wie lange überhaupt, im Schrank. Sie konnte sich noch erinnern, wie sie geboren wurde. Damals wurde alles noch persönlich von einem Uhrmacher zusammengebaut. Sie hatte schon gehört, dass die jüngeren Generationen in Fabriken hergestellt wurden. Das waren doch keine echten Jahresuhren. Das waren nur noch äußerlich welche – aber innen waren sie tot.

Einmal war sie zur Reparatur gewesen, mit der Zeit waren ihre Federn etwas ausgeleiert und ihre Besitzerin hatte sie in die Werkstatt gebracht. Dort standen auch diejenigen, die in Fabriken hergestellt wurden. Da kam kein Lebensfunken herüber. Man merkte, dass  sie nach Schablonen und von verschiedenen Menschen zusammengebaut wurden. Jedes Teil  von einer andere Hand. Es gab sogar die Uhren, die aus Asien kamen. Die erzählten schlimme Dinge. Sie wurden oft von kleinen Kindern zusammengebaut.  Diese Uhren waren oft melancholisch. Die Kinder hatten ihren Schmerz und ihre Trauer in die Uhren fließen lassen. Ach, das war furchtbar.

Sie war damals froh, dass sie wieder abgeholt wurde. Es gab Uhren, die wurden einfach vergessen. Niemand holte sie mehr ab und niemand wollte sie mehr haben. Wie traurig sie waren. Die Zeit der Jahresuhren war vorüber. Zu ihrer Zeit waren sie beliebte Hochzeitsgeschenke. So kam auch sie zu ihrer Familie. Sie wurde ihren Besitzern zur Hochzeit geschenkt.

Lange stand sie auf dem Fernsehen. Das war ein schöner Platz. Da konnte sie immer ihre Familie beobachten. Sie sah wie sich das frisch getraute Paar foppte und wie sie zärtlich miteinander umgingen. Dann kamen die Kinder und sie sah die ersten Schritte, die von ihnen gemacht wurden. Aber heute – jetzt stand sie im Schrank. In der  dunklen Ecke. Der Fernsehen war jetzt so schmal – da konnte sie nicht mehr stehen. Also hat sie die Besitzerin in den Schrank geräumt.

Sie konnte immer noch viel sehen. Aber der perfekte Blick auf die Familie, der war ihr oft verbaut. Sie bekam mit, wie die Kinder Kinder bekamen, aber sie konnte nicht mehr alles sehen. Oft standen andere Dinge vor ihr. Blumen,  Osterhasen, Sterne zu Weihnachten. Ach, sie fühlte sich oft verlassen. Ungeliebt. Sie erinnerte sich noch an die Kinder. Manchmal standen sie gebannt vor ihr und beobachteten ihr Spiel mit dem Drehpendel. Vor allem die Mädchen waren fasziniert von ihrem hübschen Aussehen.

Einmal wäre sie fast dem Jungen zum Opfer gefallen. Er wollte unbedingt wissen wie sie funktionierte. Er war schon mit dem Schraubenzieher bewaffnet und wollte sie öffnen. Da kam zum Glück ihre Besitzerin herein und rettete sie. Puh – das war wirklich knapp.

Sie liebte ihr Leben bei dieser Familie aber sie merkte, dass ihre Zeit abgelaufen war. Sie war schon sehr alt. Ihre Besitzerin war schon alt. Ihr Mann war schon lange gegangen. Und ihre Besitzerin wollte jetzt zu den Kindern ziehen. Es würde wohl  Zeit sich von der Familie zu verabschieden. Sie würde keinen Platz mehr bekommen. Das Zimmer wäre zu klein für sie. Ihr Drehpendel wurde langsamer, die Zeiger neigten sich traurig. Sie spürte den Lauf der Zeit.

Die Kisten standen gepackt im Zimmer – sie selbst war unbeachtet in die Ecke gestellt worden. Ach – solange lebte sie mit ihnen. Ihr Ticken wurde immer leiser und leiser. Schon wollte sie die Pendel stehen lassen, als ein kleines Mädchen in das Zimmer kam. „Omi, Omi“ rief sie. „Hier, du darfst doch die Uhr nicht vergessen. Du hast mir schon so viel erzählt von dieser Uhr – die musst du doch mitnehmen.“ Schluchzte sie. Die besagte Omi kam zurück.“ Ach Lieschen. Wie hätte ich diese Uhr, die  mich mein Leben lang begleitet hat, vergessen können. Schön, dass du sie gesehen hast. Das hätte mir das Herz gebrochen, wenn sie weg gewesen wäre. Sie hat so viel zu erzählen.“

Und die Uhr lauschte, sie freute sich und ihr Pendel drehte und drehte. Noch lange nach dem die Besitzerin sie verlassen hatte, drehte sich das Pendel noch. „Sag mal Schatz. Willst du diese Uhr nicht endlich mal entsorgen? Sie passt so gar nicht in unsere Wohnung.“  „Wag dich sie weg zu werfen. Sie ist von meiner Oma. Ich kenne sie seit ich laufen kann. Sie wird immer einen Platz in meinem Leben haben. Solange ihr Pendel sich noch dreht.“

Damit stellte sie die Uhr in ein hübsches Regal am Fenster. Sie konnte nach draußen schauen. Sie sah die Sonne auf und unter gehen. Die Blumen blühen und verwelken. Schnee und Regen. Die Blätter wie sie mit dem Wind fangen spielten. Und sie war glücklich. Sie war wohl die glücklichste Jahresuhr, die es gab. Ihr war es vergönnt, Jahr für Jahr die richtige Zeit anzuzeigen und die Familie zu beobachten. Es gab nichts Schöneres für sie.

ENDE