Schreibkicks, WG

Schreibkicks – Hurrikane

Ich weiss jetzt nicht so genau, ob die Schreibkicks weiter laufen, aber ich möchte mich von meiner WG noch nicht so schnell verabschieden. Deswegen habe ich ein aktuelles Thema gewählt.

Bei uns ist am Sonntag den 18.8 ein kleiner Sturm durchgerauscht, der dem Wald grossen Schaden angetan hat. Hier erfahrt ihr eine kleine Theorie.


Schreibkicks – Hurrikane

Ich war in meinem Zimmer und überlegte ob es vielleicht doch mal eine Klimaanlage sein sollte. So teuer waren die doch nicht mehr, oder? Es war nicht auszuhalten. ich hatte alle viere von mir gestreckt und lag im BH und Boxershorts auf der Decke. Jedes Stück Stoff mehr verbrannte mir, gefühlt die Haut. Und es musste eigentlich so viel erledigt werden. Im Moment vermisste ich meine kleine Wohnung, in der ich ungehemmt nackig herum laufen konnte. Das ging natürlich hier nicht. Das war dann wohl der Nachteil einer WG.

Ein Gedanke schlich sich in mein Gehirn, das war doch nicht meiner? Ich setzte mich auf und verschränkte die Arme vor der Brust. „Verdammt, Dracula, ich hatte dir doch verboten in meine Gedanken einzudringen. Verschwinde aus meinem Kopf.“ „Und ich hatte dir gesagt, du sollst nicht so laut denken. Ich bin auch nur ein Mann und wenn dann jemand so schmutzige Gedanken hier herum schickt. Da kann ich mich nicht erwehren.“ „Das waren keine schmutzigen Gedanken.“ Erläuterte ich. „Oh doch, meine Dame. Ich komme aus einer Zeit, da waren das wirklich schmutzige Gedanken. Und ich muss sagen, sie gefallen mir.“ Ich kappte unsere Mentale Unterhaltung.

Ich erhob mich und zog mir ein luftiges Kleid an und versuchte meine Gedanken verschlossen zu halten, das war wirklich schwer. Verärgert öffnete ich meine Zimmertür. Richard ging gerade vorbei und erschrak. „Hi, Lissi. Alles Okay?“ „Nein, ich werde ihm einen Pflock ins Herz stoßen. Wirklich. Hast du nicht einen Notfall Pflock in deiner Werkstatt? Oder ein zufällig passend abgebrochenes Stuhlbein?“ „Hat Dracula wieder in deinen Gedanken gestöbert?“ Ich schnaufte nur zur Antwort. „Geh zu Minerva – sie kann dir da was zaubern, dass ihn aus deinem Kopf heraushält. Das hättest du schon längst machen sollen. Er ist halt so.“ „Er ist halt so…ihr Männer haltet zusammen, nicht wahr?“ „Hei, greif mich nicht an. Außerdem haltet ihr Frauen doch auch zusammen, also bitte. Geh zu Minerva.“ Ich winkte ab, aber schlug den Weg zu Minervas Zimmer ein.

Leise klopfte ich an ihre Tür. „Komm rein Lissi. Ich hab dich schon erwartet.“ Ich stutzte. Dann öffnete ich seufzend die Tür. „Es wissen wohl schon alle, warum ich komme?“ „Na das war früher oder später doch klar. Du hast ihm viel zu lange Einlass geboten. Das vergiftet das Zusammenleben. Und ich habe tatsächlich einen Notfallpflock. Für den Fall. Man kann ja nie wissen.“ Sie zeigte auf ihr Kopfende am Bett. Dort war sehr dezent ein Pflock eingearbeitet. Ich würde das in Auftrag geben. Ja, auf jeden  Fall. Irgendwann würde ich ihn benutzen. Diesen Gedanken schickte ich ganz provokativ in den Keller. Als Antwort kam nur ein anzügliches Lachen.

„Verbanne ihn aus meinem Kopf. Er macht mich kirre.“ Minerva erhob sich. Sie hatte so fließende Bewegungen an sich, dass mir immer schwindelig wurde, wenn ich ihr zusah. Es war einfach so berauschend. Sie schnippte vor meinen Augen. „Lissi? Bist du da?“ „Äh, ja entschuldige. Also her mit dem Ding, das mich abschottet.“ Sie wühlte in einer sehr hübschen Truhe. So stellte ich mir die Truhen der Damen von damals vor, wenn sie reisten. Und schon war ich wieder weg mit meinen Gedanken – ich sollte mal wieder meinen Plüscheinhornhausschuh nehmen und eine Reise tun.

Wieder schnippte es vor meinen Augen. Ich schüttelte meinen Kopf und wurde leicht rot. „Entschuldige.“ „Das er überhaupt in deinen Kopf will, so oft wie du abwesend bist. Das muss ja ein wahres Chaos da oben sein. Das mag er eigentlich gar nicht.“ „Er nimmt wohl was kommt.“ Schmunzelte ich. Vor mir hielt sie ein Diadem. Ein Diadem? Was sollte ich denn damit? „Ein Diadem? Was soll ich denn damit? Auf einen Ball gehen?“ „Nein, das musst du tragen, das schützt dich vor jeglichem Eindringen in deine Gedanken.“ Etwas verloren hielt ich das Ding in meiner Hand und drehte es hin und her. Dann setzte ich es auf. Es sah ja schon hübsch aus. Aber mich würde ja jeder für eine schrullige Alte halten, wenn ich mit so einem Teil einkaufen gehen würde.“ „Ähm, das ist ja wirklich wunderhübsch. Aber hast du nicht was Dezenteres?“  „Ach ja! Auch noch Ansprüche stellen? Hä. So spät kommen und dann auch noch Forderungen stellen? Du bist nicht alleine mit deinen Wünschen. Wir haben alle wünsche.“ Ich trat einen Schritt zurück. Irgendwie war sie gerade sehr unheimlich geworden.

„Ist alles Okay?“ „Okay? Okay? Als wäre jemals alles Okay.“ Ich blickte nach draußen und der gerade noch strahlend blaue Himmel hatte sich verdunkelt. Als wolle er auf die Erde stürzen, so dick und dunkel wirkten die Wolken. Minerva wütete durch ihr Zimmer und schimpfte vor sich hin. Ihre Hände zuckten dabei hektisch und bei jedem Zucken löste sich ein Blitz. „Was ist denn los?“ „Was los ist? Was soll denn los sein? Nur weil ich eine Hexe bin? Hä? Eine weibliche Hexe? Weil ich nicht wie die anderen bei ihren Schwestern lebe? Hä? Was meinst du denn? Hä?“

„Ich weiß nicht.“ Gab ich kleinlaut von mir. In diesem Moment schlug das Fenster auf und ein Sturm erhob sich. Oh nein. Oh nein. Ein Sturm. Ich würde doch nicht im Lande Oz landen? Ich musste Minerva beruhigen. „Minerva, meine Liebe. Beruhige dich doch, sonst heben wir noch ab und landen bei der Bösen Hexe des Westens.“ Minerva stutzte und blickte mich verwundert an. „Spinnst du? Ist dir die Hitze zu Kopf gestiegen? Oder sitzt das Diadem zu eng und dein Gehirn bekommt kein Blut mehr? Was redest du denn da?“ Ich blickte sie zweifelnd an, hob meine Augenbrauen und schaute mir den dunklen Himmel mit den Blitzen und den kleinen Tornados an.

„Ach shit. War ich das?“ „Sag du es mir.“ „Verdammt. Ich bin wohl etwas unausgeglichen. Ich hab eine Vorladung vom Hexenhammer bekommen.“ „Vom Hexenhammer? Du meinst dieses Hexenbuch bei dem ….“ „Ach nein. Die Ältesten fanden es witzig sich so zu nennen, da die Menschen das damals verwendet haben um uns auszurotten. Es soll uns Hexen bisschen Angst machen.“ Ich nickte „Aha.“ „Ja, die wollen wissen, warum ich in der Menschenwelt lebe und so. Warte, ich muss den Sturm mal bändigen. Ach Mist. Schau was ich angerichtet habe. Die Bäume sind umgeknickt. Oh weh. Da wird Keya aber echt sauer werden.“

Schon erschien Keya vor Minervas Fenster. Sie sah aus wie eine Erscheinung. Und ihr Gesicht war nicht freundlich. „Minerva! Was soll das. Warum hast du meine Freunde verletzt?“ „Ach Keya, das tut mir so leid. Ich hab ein kleines Aggressionsproblem.“ Keya stürmte ihrerseits wie ein kleiner Wirbelwind in Minervas Zimmer. „Was gedenkst du zu tun. Du hast so viel Bäume verletzt.“ „Was kann ich tun?“ „Du musst mit mir kommen, wir müssen sehen, was zu retten ist. Und du wirst kräftig anpacken müssen.“

„Ja, ja natürlich.“ Dann blickte Minerva auf mich. Sie lachte. „Was?“ „Entschuldige. Sie wühlte wieder in ihrer Truhe und holte ein kleines Etui heraus. „Gib mir das Ding auf deinem Kopf. Das war ein Scherz.“ Ich atmete erleichtert aus. „Hier, trag die Kette, sie wird dich abschotten.“ „Danke.“

„Wir werden etwas weg sein, ich hab wohl einiges auszubügeln.“ „Alles klar. Mach dir keine Sorgen. Dein kleiner Hurrikane-Ausbruch bleibt unter uns.“ „Von wegen.“ Herrschte mich Keya an. Alle sollen es wissen. Sie muss sich zusammenreisen.“ Minerva nickte geknickt. „Ja, stimmt schon.“ Und weg waren sie.

Ich verließ den Raum und traf schon wieder auf Richard. „Na hat sie dir was gegeben?“ „Ja“ Ich zeigte ihm die Kette. Er brummte. „Ich hatte eine Krone, die sie mir gegeben hatte. Stell dir vor, wie dich die Leute anschauen würden. Sie kann ganz schön gemein sein.“ „Ja und unberechenbar.“

„Hm?“ „Der Sturm – das war sie.“ „Ach. Mist. Ich wollte gerade schauen, was kaputt gegangen ist.“ „Ich komme mit.“

Wir standen vor unserem Haus. Es war unversehrt. Unsere Bäume um das Haus herum auch. Aber Den Hügel hinab hatte ein kleiner Hurrikane eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Viele Bäume waren abgeknickt. Es sah aus wie nach einem Krieg. Ich schlug die Hände vor den Mund und Tränen liefen mir die Wange hinab. „Ach Minerva.“

ENDE

Bisher erschienen

  1. Schreibkicks – die vererbte Zeitkapsel
  2. Schreibkicks – Weihnachstspezial – Die Sache mit dem Rentier
  3. Mach was…mit einer Festtags-Leckerei
  4. Schreibkicks – Märchen der guten Vorsätze
  5. Schreibkicks – Rückkehr der Freunde
  6. Schreibkicks – Die Welt bei Nacht mit einem Hausschuh.
  7. Schreibkicks – Im Spiegel lauert die Gefahr
  8. Schreibkicks – Mai – Lachen heilt alle Wunden
  9. Schreibkicks 2 in 1 – Auf dem Dach vom Glück gegrüsst. Part 1 v 2
  10. Schreibkicks 2 in 1 – Auf dem Dach vom Glück gegrüsst. Part 2 v 2
  11. Schreibkicks – Hitzefrei.
Schreibkicks, WG

Schreibkicks – Hitzefrei.

Es ist wieder soweit. Meine Schreibpause hat mir gut getan und ich hoffe, dass ich jetzt wieder voller Ideen durchstarten kann.

Gestern wäre eigentlich der Stichtag für Schreibkicks gewesen, aber da war ich noch nicht so weit. Leider verlassen einige diese schöne Aktion. Frau Vro und Nicole haben sich erstmal zurück gezogen. Deswegen kann ich also bisher nur eine Mitschreiberin verlinken.

Diesesmal dabei:

Corly

Das Thema für den 1. 9. wenn es überhaupt noch stattfindet?

Sollte Schreibkicks einschlafen, muss ich mir dann überlegen ob meine WG überlebt und wie ich dann zu neuen Themen komme. Mal sehen.


Hitzefrei.

„Hitzefrei.“ Schallte es durch die Flure. Während wir anderen uns alle in der Küche versammelten schwebte Amelia durch die Gänge und brüllte ständig: „Hitzefrei.“

„Amelia.“ Brüllte ich zurück und hielt mir ein Kühlbeutel an die Stirn. Das Thermometer zeigte vierzig Grad an. Ich blickte mich nach Frank um. Er wollte eigentlich etwas zu essen machen. Vielleicht würden wir grillen. Oh nein – bei der Hitze, würde mich keiner hinausbekommen. Sehnsüchtig blickte ich zur Kellertür. Dracula hatte dort seine Gemächer. Ich kicherte albern. Ja, das waren bestimmt Gemächer, schließlich war er ja auch Uralt. Dort war es bestimmt angenehm kühl. Aber die Tür blieb verschlossen. Nur Frank hatte einen Schlüssel, wegen des Weins und was er sonst noch so da unten zum Essen lagerte. Ob ich ihn überreden sollte mal aufzuschließen. Ich könnte ja vorgeben einen Wein zu suchen. Ach nein, das würde er mir eh nicht abnehmen. Bei den Temperaturen würde ich höchstens einen sauer gespritzten Apfelwein trinken. So, und schon war es passiert, der Wunsch nach einem eiskalten Sauer gespritzten war geboren. Ich erhob mich stöhnend von dem glitschigen Küchenstuhl und wedelte die Beine der Shorts trocken. Naja, trocken natürlich nicht, aber es gab eine kleine Abkühlung.

Ich schlürfte also zum Kühlschrank und hoffte erwünschtes zu finden. Was ich stattdessen fand, war ein kleiner Herzkasper. „Iigg.“ Quietschte ich, als mir Leon aus dem Kühlschrank entgegenblickte.

Leon war mein imaginärer Freund aus Kindheitstagen, der sich hier im Haus manifestierte und blieb. Ein Chamäleon-Krake. Ich weiß nicht warum ich einen Kraken wollte. Vielleicht weil er mich mit so vielen Armen knuddeln konnte? Jetzt erschrak er mich aber. „Huhu Lissie. Ein bisschen Abkühlung gefällig? Schau mal, meine Arme sind ganz blau. Ich könnte dich schnell mal drücken und du hättest eine angenehme Kühlung. Wie wäre es?“

Ich überlegte kurz und zuckte mit den Schultern. „Warum eigentlich nicht?“ Ich streckte die Arme aus und Leon sprang hinein. Er war sooo kalt, dass ich erst mal tief einatmen musste. Aber dann wurde es richtig angenehm. Ich kühlte sofort ab. „Ahhhh. Danke schön.“ Im Hintergrund konnte man immer noch Amelia „Hitzefrei.“ Brüllen hören. „Das ist doch gerne geschehen. Und jetzt nimm dir heraus was du wolltest und schließe die Tür, sonst wird es ja warm hier drinnen.“ Ich griff nach dem Apfelwein, schenkte mir schnell einen Schluck ein und füllte ihn mit eiskaltem Wasser auf. „Tür zu.“ Flötete Leon. Ich winkte zum Abschied.

Etwas erfrischt ging ich durch die Küche zur Hintertür. Dort sah ich Frank. Ich nahm einen Schluck und genoss das glitzernde Spiel meines Getränkes in dem Glas. Das angenehme Nass an der  äußeren Glasseite, wo das kondensierte Wasser abperlte. Ich war kurz in Versuchung diese Perlen abzulecken. Stattdessen nahm ich noch mal einen herzhaften Schluck.

„Hei Frank. Was machst du denn in der Hitze hier draußen?“ Frank drehe sich schwerfällig um und ich konnte seine rot verbrannte Nase bewundern. „Du hast ja einen Sonnenbrand auf der Nase.“ Lachte ich. Er fasste sich an diese und zuckte leicht. „Au.“ „Was machst du?“ „Essen.“ „Grillst du?“ „Nein.“ Er war nicht gerad der gesprächigste aber eine wahre Seele von  – ja ich erwähnte es schon – Menschenteilen. Außerdem sah er heute besonders witzig aus. Ich liebte ihn einfach. Er hatte ein Hawaiihemd an. Eine kurze Hose, Sandalen und griff jetzt nach einem Sonnenhut. Er sah zum Schiessen aus. Fehlte nur noch der Drink mit dem obligatorischen Strohhalm, den ich dann sogar entdeckte. Im Baum saß Keya, die zu uns an Weihnachten stieß. Als Baumnymphe hatte sie versucht den Weihnachtsbaum zu retten, mit Erfolg. Sie und Frank waren, ich denke man kann es so nennen, ein Paar. Ich winkte ihr zu. Sie sah traumhaft aus. Sie trug luftig leichte Kleidung, die mit zarten Blüten bedeckt war. Oder war sie nur in Blüten gekleidet? Einfach nur traumhaft. So zart. Welch ein Paar.

Ich blickte zu Frank. Er hatte auf einer Metallplatte ganz dünne Fleischscheiben und Eier ausgebreitet, die vor sich hingarten, in der Sonne. Die Sonne war so heiß, dass man keine externe Wärmequelle benötigte, außer vielleicht manchmal einen kleinen Anstoß unserer Haushexe, Minerva, die in einem gewagten Bikini auf der Liege im Schatten lag. Ich war also umgeben von hübschen Frauen und traute mich nicht einen Blick in die Fenster der Terrassentür zu werfen. Ich sah eher wie eine gestresste Mutter von drei Kindern aus. Schweiß stand mir auf der Stirn. Nicht nur auf der Stirn. Mein Tank Top war vorne und hinten verdächtig feucht mit verräterischen nassen Flecken. Ich hoffte, dass wenigstens mein Deo nicht versagte und schnüffelte unauffällig. Meine Haare hatte ich mit einem Gummiband nach oben gebändigt. Es sah wie ein Vogelnest aus. So sah ich aus, wenn es heiß war. Und auch sonst immer.

„Hitzefrei.“ Hörte ich Amelia und rollte mit den Augen. Von der Terrasse konnte man direkt in den anliegenden Garten gehen, der dringend mal einen Gärtner gebraucht hätte. Ich schrieb es auf meine virtuelle To-Do-Liste. Gärtnern, oder einen Gärtner. Mal sehen. Frank hatte sich ein kleines Stück abgesteckt in dem er leckeres Gemüse und Obst gepflanzt hatte. Ich schlenderte zu den Erdbeeren und zupfte paar ab. Hmmmm – so süß.

Wo war eigentlich Richard? Der kühlte sich bestimmt irgendwo ab. Im Freibad vielleicht. Ich schlenderte durch den verwilderten Garten und bemerkte, dass ich gar nicht wollte, dass er hergerichtet werden würde. Er war zauberhaft. Nein, er sollte so bleiben. Vielleicht könnte Minerva ihn etwas zurechtrücken. Oder Keya – sie hatte ja die Gabe zu den Pflanzen zu sprechen. Da ließe sich bestimmt was planen. Auf dem Boden sah ich eine verdächtige weiße Binde. Morphi – unsere Mumie. Ich folgte der aufgewickelten Binde und blieb erschrocken stehen. Dort in dem Mini-Tümpel, von dem ich gar nichts wusste, hatte sich Morphi hineingesetzt. Nackt. Eine nackte Mumie. Bitte lasst mich das nicht erklären, das war schon etwas verstörend. „Äh, hallo Morphi.“ Erschrocken blickte er mich an und suchte nach etwas mit dem er seine Blöße bedecken konnte. Ich drehte meinen Kopf und wartete. „Tschuldige.“ Murmelte er. „Ach kein Problem. Bei dieser Hitze muss man sich ja irgendwie abkühlen.“ Antwortete ich verlegen. Er war als lebender bestimmt eine Augenweide gewesen. Unter der mumifizierten Haut konnte man tatsächlich eine Art Sixpack entdecken. Ja, er war gut ausgestattet. Leicht errötend reichte ich ihm seine Mullbinde und verabschiedete mich. „Bis später.“ „Mhm.“

Ja – wenn es so heiß war, bekam man die skurrilsten Dinge zu sehen. Da war Richard. „Hitzefrei.“

„Richard, hier bist du ja. Was machst du?“ „Ich habe einen Pool gekauft. Ist das nicht toll?“ Skeptisch zog ich die Augenbrauen nach oben. „Einen Pool?“ dabei musste ich an Morphi denken. „Ja, da können wir uns alle abkühlen. Ach Lissie, bei den Temperaturen gibt es nichts besseres, oder?“ „Hm, ja wahrscheinlich.“ „Hitzefrei.“ Richard sah mich fragend an. „Frag mich nicht, das macht sie schon den ganzen Tag, ich weiß nicht woher sie das hat und was sie damit verbindet. Ich hab sie noch nicht gesehen.“ Er nickte und fing an aufzubauen. „Brauchst du Hilfe?“ „Ne – ich glaube nicht. Das sieht einfach aus.“ „Okay, dann gehe ich zurück zu den anderen. Ruf wenn du mich brauchst.“ „Okay.“

Auf dem Rückweg nahm ich mir vor, sobald es kühler war, den Garten zu erkunden. Wer weiß, welche Schätze mich da noch erwarteten. Oder Fallen. Auf keinen Fall alleine gehen, notierte ich mir gedanklich. Als ich auf die Terrasse zurückkam blieb ich abrupt stehen. Dracula war zu uns gestoßen. Ich konnte mich nicht beherrschen und musste laut lachen. Er war das schmalere und blassere Abbild von Frank. Der sonst so adrett gekleidete Gentlemen trug ein Hawaiihemd mit Shorts und Sandalen. Eine Sonnenbrille und ein Mexikanischer Sombrero rundeten die Karikatur ab. Er blickte mich böse an. „Diese Hitze macht sogar mir zu schaffen. Obwohl ich immer Kalt bin, ist mir zu heiß. Also unterlasse bitte blöde Kommentare, klar?“ „Klar.“ Lachte ich. „Aber wie kann es sein, dass du überhaupt rauskannst? Es ist hell und die Sonne scheint.“ „Minerva hat mir geholfen. Sie hat irgendein Schutzschild über mich gezaubert.“ Ich blickte zu der kühlen Schönheit auf der Liege. Sie winkte schwach ab. „Das war doch gar nichts.“ Murmelte sie verschlafen.

„Hitzefrei.“ „Amelia, tauch sofort hier auf.“ Rief ich. Und sie erschien. Sie entschlüpfte der Kühltasche. „Leute, wir haben Hitzefrei.“ „Von was hast du denn Hitzefrei? Weißt du denn was das überhaupt bedeutet?“ Fragte ich sie genervt. „Was meinst du? Hitzefrei ist wenn man frei hat, oder verstehe ich das falsch?“ „Nein, das ist schon nah dran, aber von was hast du Hitzefrei. Man muss arbeiten oder lernen um Hitzefrei zu bekommen.“ Sofort zog sie einen Schmollmund. „Glaubst du herumspuken ist keine Arbeit? Hä. Du bist ganz schön arrogant. Also so was.“ Sie verschränkte die Arme vor der Brust. „Entschuldige, natürlich. Das war wirklich überheblich von mir. Was hast du vor wenn du Hitzefrei hast?“ Schon war sie wieder fröhlich. „Ich will in den Pool springen, den Richard aufbaut.“ Sofort änderte sich ihr Outfit. Sie war in einem Bade – wie soll ich es nennen. Badekleid? gekleidet. So wie man das aus der Vergangenheit kennt. Viel Rüschen und wenig Haut. Es sah entzückend aus.

„Dann würde ich doch sagen wir gehen schnell zu Richard und helfen ihm. Dann können wir alle eintauchen. Amelia, hol doch Morphi aus seinem Pool, er soll zu uns kommen. Richard hat bestimmt noch eine Boxershorts für ihn.“ Meinte ich verschmitzt.

Schnell begaben wir uns zu Richard, der leicht verzweifelt wirkte. „Hier ist die Verstärkung. Kommt Leute, schnell, da muss noch Wasser rein, damit wir endlich ins kühle Nass kommen.“

Minerva schob sich nach vorne. „Richard, ich hoffe ich trete deiner Männlichkeit nicht zu nahe, aber soll ich das nicht schnell erledigen?“ Er blickte sich um und stützte seine Hände in die Hüften. Seine Stirn legte sich in Falten und er überlegte scharf. Der ungeduldige, hoffnungsvolle Blick, dem wir ihm zuwarfen reichte wohl um ihn umzustimmen. Er trat bei Seite und machte eine ausholende Handbewegung. „Bitte schön, es wäre mir eine Freude, wenn das Ding schnell stehen würde.“ Ich flüsterte ihm noch schnell zu, dass er doch für Morphi eine Shorts holen sollte. Schnell schlüpfte er ins Innere um kurz danach eine Shorts in Hawaiimotiven in den Händen wieder aufzutauchen. Was soll das mit dem Hawaiimotiv??

Etwa dreißig Minuten später saßen wir alle im Wasser. Amelia war in der Mitte und tauchte immer wieder unter. Ich glaube für sie zählte einfach nur der Spaß, denn fühlen konnte sie das kühle Nass leider nicht. Wir hatten kleine Bootchen in dem unsere Drinks schwammen und genossen den schönen Sonnenuntergang. Es war einfach herrlich mit seinen Freunden einen so tollen Tag zu teilen.

ENDE

Bisher erschienen:

  1. Schreibkicks – die vererbte Zeitkapsel
  2. Schreibkicks – Weihnachstspezial – Die Sache mit dem Rentier
  3. Mach was…mit einer Festtags-Leckerei
  4. Schreibkicks – Märchen der guten Vorsätze
  5. Schreibkicks – Rückkehr der Freunde
  6. Schreibkicks – Die Welt bei Nacht mit einem Hausschuh.
  7. Schreibkicks – Im Spiegel lauert die Gefahr
  8. Schreibkicks – Mai – Lachen heilt alle Wunden
  9. Schreibkicks 2 in 1 – Auf dem Dach vom Glück gegrüsst. Part 1 v 2
  10. Schreibkicks 2 in 1 – Auf dem Dach vom Glück gegrüsst. Part 2 v 2
Schreibkicks, WG

Schreibkicks 2 in 1 – Auf dem Dach vom Glück gegrüsst. Part 2 v 2

Hallo ihr Lieben. Da ich zum 01.06 Aufs Dach gestiegen nicht geschafft habe, habe ich das Thema für den 01.07 Grüsse vom Glück kombiniert. HIER findet ihr den 1. Teil.

Mehr zu den Schreibkicks findet ihr HIER.

Teilgenommen am 01.07 haben:

Corly

 

Das Thema für den 01.08. lautet: Hitzefrei

 

Bisher erschienen:

  1. Schreibkicks – die vererbte Zeitkapsel
  2. Schreibkicks – Weihnachstspezial – Die Sache mit dem Rentier
  3. Mach was…mit einer Festtags-Leckerei
  4. Schreibkicks – Märchen der guten Vorsätze
  5. Schreibkicks – Rückkehr der Freunde
  6. Schreibkicks – Die Welt bei Nacht mit einem Hausschuh.
  7. Schreibkicks – Im Spiegel lauert die Gefahr
  8. Schreibkicks – Mai – Lachen heilt alle Wunden

Ich es auf zwei Tage verteilt, da es sonst zuviel zu lesen wäre.


Aufs Dach gestiegen und Grüsse vom Glück.

Amelia hatte sich verdächtig ruhig benommen. Das war so gar nicht ihre Art. Als wir endlich wieder in der Halle waren blühte sie auf.

„Wie lange wird denn der August bei uns bleiben?“

„Ich weiß nicht. Der Deal war solange er will.“

„Das kann ganz schön lange sein, oder?“

„Ja – das ist möglich. Was willst du mir denn sagen?“ So langsam nervte mich nämlich ihr gestammel.

„Ach nichts.“ Winkte sie ab.

„Amelia, sag schon, ich habe keine Nerven, das jetzt alles aus dir heraus zu kitzeln.“

„Haha. Kitzeln. Ein Gefühl, das ich schon lange nicht mehr gespürt habe.“ Ich rollte mit den Augen.

„Schon gut, schon gut. Ich hasse Clowns. Ich fand sie als Kind schon gruselig und heute nicht weniger. Dieses seltsame grinsen und die riesen Füße und das komisch rote Gekräusel auf dem Kopf mit dem viel zu kleinen Hut. Was soll denn diese viele Farbe im Gesicht. Nein, ich hasse Clowns.“

„Tja, meine Liebe, es tut mir wirklich leid, aber da müssen wir alle durch. Clowns sind auch nicht gerade meine Favoriten. Aber wenn er Mary erlöst, soll das gut sein. Wir werden das überstehen. Vielleicht sehen wir ihn ja nicht so oft. Hm.“

„Ja, ja, vielleicht.“ Maulte sie und verblasste.

Als wenn ich es mir aussuchen könnte, mit wem ich lebte. So einfach waren sie auch nicht. Aber das interessierte ja keinen. Tse.

Da an diesem Tag sonst nichts Besonderes war, zog ich mich in mein Zimmer zurück. Endlich konnte ich mal das neu gelegte Internet ausprobieren. Und mal wieder Serien streamen. Das hatte ich schon fast aus meinem Leben gestrichen. Aber heute nicht. Der Tag sollte mir gehören, oder wenigstens der Nachmittag. Aus meinem Versteck hinter der Wandvertäfelung neben dem Kamin, schnappte ich mir eine Tüte Chips und ein kühles Radler – Alte Häuser waren bald besser als ein Kühlschrank. Ich klappte den Laptop auf und startete mein Programm. Ich war so fern von aktuellen Serien, dass ich ewig brauchte um eine auszuwählen. Ich drückte Play und lehnte mich in dem bequemen Sessel zurück. Als es draußen rumpelte. Ich schloss die Augen, seufzte, stellte auf Pause und mein Bier auf den Tisch. Dann erhob ich mich. Widerwillig öffnete ich die Tür, zögernd. Ich war kurz davor sie einfach wieder zu schließen. Ich wollte echt nicht wissen was los war.

Ich zog die Tür auf, wie man ein Pflaster abriss. Schnell und ohne weiteres Zögern. Dann schob ich vorsichtig den Kopf raus um einen Knäul riesiger Schuhe und roter krauseliger Haare zu erblicken. Innerlich zögerte ich und dachte mir, irgendjemand wird kommen. Ja. Wer denn Lissi? Der „Irgendjemand“ bist immer du – schalt ich mich selbst.

Ich rannte los und kniete mich neben das Knäul Arme und Beine.

„August? August? Alles in Ordnung?“

„Ich entschuldige mich für die Unannehmlichkeiten, Fräulein. Aber sieht es so aus, als wäre alles in Ordnung?“ Immer höflich, der gute Kerl.

„Was ist passiert? War das Mary?“

„Oh, Himmel nein. Die Gnädigste würde so was niemals tun. Die Gütigste.“ Gütigste? Er wusste schon, wer sie war?

„Nein, ich bin über diese riesigen Schuhe gestolpert. Diese Dachbodentreppe ist nicht geeignet für solch ein Schuhformat.“

Ich nickte verständnisvoll. Mit meinen Einhornplüschschuhen hatte ich da auch schon diverse Probleme zu bewältigen. Ich sollte sie irgendwie absichern. Irgendwann mal.

„Komm, wir entknäulen dich erst mal und dann schauen wir was es leckeres zu Essen in der Küche gibt.“ Ich warf einen  sehnsüchtigen Blick in mein Zimmer in der die Flasche Bier und die offene Chipstüte neben meinem Laptop auf mich warteten. Ich seufzte und half August wieder auf die Beine.

Unten angekommen trafen wir auf die restlichen Bewohner. Amelia verkroch sich gleich ans andere Ende und beäugte August misstrauisch. Entweder ignorierte er es, oder nahm es gar nicht wahr.

Wir setzten uns an den Tisch. In der Mitte standen schon lauter kleine Häppchen und mir lief sofort das Wasser im Mund zusammen. Ich schaute mich nach der Glocke um. Keine – also kam der Pawlowsche Effekt direkt aus meinem Inneren.

Wir aßen und quatschten. August unterhielt uns mit Anekdoten aus dem Zirkus und zeigte uns auch einige seiner Nummern. Trotzdem sie schon echt alt und abgedroschen waren mussten wir alle herzlich lachen. Und mit allen, meinte ich alle. Sowohl Amelia hatte sich entspannt in die Ecke gesetzt und lachte, als auch ein bekanntes Gesicht aus dem Spiegel neben ihr. Sie lachte und lachte. Ich glaubte sogar etwas Farbe in dem Grauen Bild zu erkennen. Vielleicht hatte die Wahrsagerin Recht. Lachen heilte alle Wunden.

Wir lösten uns langsam auf. Ich begab mich wieder in mein Zimmer. Aber ich konnte nicht schlafen. Im Bad schnappte ich mir einen Handspiegel und begab mich aufs Dach. Wie so oft in alten Villen gab es eine Art Dachterrasse. Ich hatte den Aufstieg beim Besichtigen der oberen Stockwerke entdeckt. Aber den anderen nicht gesagt. Er lag hinter einem Wandteppich versteckt. Noch sollte er mir alleine gehören. Ich stieg also aufs Dach mit dem Spiegel in der Hand. Was ich erwartete wusste ich nicht. Aber ich wollte Mary irgendwie mal kennen lernen. Ich hatte keine Zeit mich mit ihr zu beschäftigen. Und wenn sie vielleicht erlöst werden würde, wäre sie weg.

Eine kleine steinerne Bank war vor Ort. Ich hatte mir schon eine Kissen zurechtgelegt, das ich jetzt aus der dazugehörigen Box holte. Es war ein herrlicher Abend. Schon bisschen warm und die Lichter der Stadt blinkten beruhigend wie Sterne am Boden.

Ich zog den Spiegel aus der Bademanteltasche und blickte hinein.

„Mary? Kannst du mich hören?“

So schnell wie sie erschien, blieb mir fast das Herz stehen.

„Ah Lissi. Wie schön, dass du dir Zeit für mich nimmst. Soll ich mich neben dich setzen und wir genießen den Ausblick gemeinsam. Für eine gewisse Zeit?“

„Netter Versuch. Nein, du kannst ruhig im Spiegel bleiben. Ich dachte wir unterhalten uns etwas.“

„Echt. Das ist doch irgendwie öde, oder?“

„Nein finde ich nicht. Erzähl mir doch ein bisschen von dir. Wie ist das alles geschehen?“

„Was meinst du? Dass ich im Spiegel gelandet bin? Dass ich töten will? Ich weiß es nicht. Es ist schon so lange her. Ich kann mich nicht erinnern. Weißt du. Es betrifft nicht mich direkt. Ich bin schon lange hier drinnen. Aber ich war nicht immer hier. Aber die Legende um Bloody Mary gibt es schon länger als mich.“

„Oh, okay. Das bedeutet, selbst wenn du frei sein könntest. Es wird immer eine Bloody Mary geben?“ „Ich weiß es nicht. Wenn dieser Fluch gebrochen wird, vielleicht nicht. Dann nur die Legende.“

„Hm.“ Ich grübelte. Würde es dann überhaupt Sinn machen sie zu befreien? Ich blickte in ihr trauriges Gesicht. Doch. Ja. Diese Bloody Mary hatte genug gelitten und anderen Leid zu gefügt. Für sie sollte es zu Ende gehen. Und wer weiß. Vielleicht würde mit ihr tatsächlich eine Legende ohne Begleiterscheinungen bestehen bleiben.

Wir unterhielten uns noch etwas und es machte richtig Spaß. Manchmal wurde sie mir zu eklig und brutal. Aber oft erzählte sie von Familien, die sie durch die Spiegel beobachtet hatte und wie sehr ihr das fehlte.

Es war sehr spät, oder fast schon wieder früh, als ich endlich ins Bett sank. Aus meiner Bademanteltasche vermeinte ich ein leichtes Schnarchen zu entnehmen. Mary schlief also auch.

Einige Wochen später hatte sich August sehr gut eingelebt und auch eingebracht. Wenn er nicht gerade Mary bespasste half er hier im Haus fleißig beim Renovieren und Restaurieren. Seine Aufenthalte in maroden Zirkussen hatten ihn einige Tricks lernen lassen.

Wir strichen gerade den oberen Flur, als ich ihn fragte:

„Wie geht es mit Mary voran? Mag sie dich?“

„Ja, ich glaube sie mag mich und meine Witze. Du solltest mal wieder vorbei kommen. Sie hat mir von eurem nächtlichen Aufenthalt erzählt. Sie war sehr einsam, bevor sie hier her kam. Ich glaube es dauert nicht mehr lange. Komm doch vorbei und guck mal zu.“

„Ja, das mache ich.“

Wir strichen schweigend weiter. Jeder in seine Gedanken versunken.

Am Abend ging ich mit nach oben. Richard hatte die Treppe etwas abgesichert mit Teppich und einem Geländer. Sehr viel besser.

Mary erwartete uns schon.

„Lissi. Wie schön, dich wieder zu sehen. Gut siehst du aus.“

„Danke.“ Erwiderte ich und war erstaunt über die Veränderung, die bei Mary vorging. Sie wirkte nicht mehr so grau. Nein, fast fleischfarben. Die Haare wirkten nicht mehr so strähnig und auch ihre Augen glänzten nicht mehr vor Wahnsinn. Sie glänzten freudig. Es war toll zu sehen wie sehr sie sich erholte. Ich glaubte August. Es war bald soweit.

Ich genoss August auftritt und kam jetzt öfter.

Dann war es soweit. Ich konnte es sehen. Mary flackerte. Sie lachte über einen von August Witzen dermaßen, dass sie anfing zu flackern. Ich stand auf und ging zum Spiegel.

Mary schaute mich an. Sie schaute mir tief in die Augen und ich bekam keine Gänsehaut. Es war soweit. Mary würde herauskommen. Der Fluch schien tatsächlich gebrochen. Ihr Fluch.  Ich hoffte, diesen Fluch würde es nie wieder geben.

Mary stieg aus dem Spiegel. Sie sah wunderhübsch aus. Wir waren alle noch etwas zurückhaltend. Als erstes ging August auf sie zu.

„Ach Mary – es ist so schön, dass du endlich frei bist. Du kannst jetzt endlich leben. Was wirst du machen?“

„Ich weiß nicht. Es ist alles so neu für mich. Ich werde wohl erst mal mein Leben genießen, oder? Zum Glück weiß ich durch die vielen verschiedenen Spiegelbesuche wie es jetzt so ist. Ich will, ich will. Ich weiß nicht…ich will frei sein.“

Sie streckte ihre Arme aus und drehte sich im Kreis. Dabei versprühte sie eine Lebensenergie und einen Lebenswillen, das es nur anstecken konnte. Wir alle lachten und tanzten bis in den späten Abend.

Ich ging zu Mary.

„Meine Liebe. Wenn du willst kannst du noch etwas bei uns bleiben, bis du weißt wo du hinwillst.“

„Ach Lissi, das ist so lieb von dir. Aber sei mir nicht böse. Ich war echt lange genug bei euch. Ich werde mit August reisen. Er hat noch bisschen gespart und damit tingeln wir um die Welt. Bis uns das Geld ausgeht und dann werden wir sehen.“ An der Tür klingelte es. Wir hatten chinesisches Essen bestellt.

Schnell trampelten wir hinunter. Frank deckte den Tisch. Richard ging mit dem Portemonnaie an die Tür und wir anderen setzten uns schon. Ein leckeres Essen und jeder hatte einen Glückskeks erhalten.

Wir lachten und knackten sie.

Als Mary dran war, hielten wir den Atem an. Sie knackte ihn und zog den kleinen Zettel heraus.

„Was steht drauf?“ Fragte ich ungeduldig.

„Komm sag schon.“

Mary hielt den Zettel hoch. Minerva schnippte mit den Fingern und er verwandelte sich in ein fliegendes Transparent. Mit glitzernder Schrift stand drauf:

Grüße vom Glück.

 

ENDE

Allgemein, Schreibkicks, WG

Schreibkicks 2 in 1 – Auf dem Dach vom Glück gegrüsst. Part 1 v 2

Hallo ihr Lieben. Da ich zum 01.06 Aufs Dach gestiegen nicht geschafft habe, habe ich das Thema für den 01.07 Grüsse vom Glück, kombiniert.

Mehr zu den Schreibkicks findet ihr HIER.

Teilgenommen am 01.06 haben:

Teilgenommen am 01.07 haben:

Das Thema für den 01.08. lautet:

 

Bisher erschienen:

  1. Schreibkicks – die vererbte Zeitkapsel
  2. Schreibkicks – Weihnachstspezial – Die Sache mit dem Rentier
  3. Mach was…mit einer Festtags-Leckerei
  4. Schreibkicks – Märchen der guten Vorsätze
  5. Schreibkicks – Rückkehr der Freunde
  6. Schreibkicks – Die Welt bei Nacht mit einem Hausschuh.
  7. Schreibkicks – Im Spiegel lauert die Gefahr
  8. Schreibkicks – Mai – Lachen heilt alle Wunden

Ich es auf zwei Tage verteilt, da es sonst zuviel zu lesen wäre.


Aufs Dach gestiegen und Grüsse vom Glück.


Nach unserem Besuch bei der Freak Show standen wir alle vor dem Platz im Kreis.

Ich wusste nicht wo mir der Kopf stand. In unserer Mitte stand der dumme August und grinste uns glückselig an.

„Hallo, ich bin der August und Makayla meinte, ihr würdet mich mitnehmen. Für einige Zeit ein Dach über den Kopf anbieten. Dafür muss ich nur bisschen ein Clown sein.“

Richard blickte mich fragend an.

„Makayla?“

„Öhm – ja, wenn ich schon mal in einer Freak-Show bin, muss ich doch auch zu einer Wahrsagerin gehen, oder etwa nicht?“ Fragte ich, mich rechtfertigend.

„Natürlich musste sie dahin gehen. Es ist einfach Schicksal.“ Trällerte Amelia tanzend.

Dracula schnaufte nur und meinte:

„Ich bin gegen einen Clown. Ich mag Clowns nicht. Sie ärgern einen immer. Ich bin strikt gegen lachen.“

„Ja, Dracula, das wissen wir. Du demonstrierst es regelmäßig.“ Flachste ich.

Er drehte sich erbost zu mir und ein Funkeln lag in seinen Augen. Ich straffte meine Schultern und er zuckte mit seinen, als wäre es nicht der Mühe wert sich mit mir anzulegen. Ich atmete leise durch, denn er machte mir manchmal schon bisschen Angst.

„Gut, ähm. Ja August. Du bist uns ein Willkommener Gast. Lass uns nach Hause fahren und nach einem Zimmer für dich schauen. Kommt Leute, es wird Zeit.“

Jetzt mussten wir uns nur noch in den Transporter zwängen, aber das dürfte ja für einen Clown kein Problem sein. Weiß man doch, dass sie zu Haufen aus diesen kleinen Minis krabbeln. Ich gluckste und erntete dafür einen strengen Blick von Richard.

Ich hängte mich bei August ein und wir folgten den anderen. Clowns waren wirklich nicht mehr so gefragt. Diese Slapsticks sind einfach nicht mehr in Mode. Da kann keiner mehr lachen.

„Was ist denn vorgefallen, dass du nicht mehr auftreten darfst?“

„Haben sie das so gesagt? Dass ich nicht mehr auftreten darf? Ich will nicht mehr. Der Weiße Clown ist ein Idiot. Er denkt er könnte eine Solokarriere starten und hat mich hinausgemoppt. Er hat blöde Gerüchte über mich verbreitet und meine Showeinlagen sabotiert. Er hat sogar meine Uhren verstellt, dass ich zu spät kam und irgendwann hat die Geschäftsleitung dann gemeint, es wäre wohl besser unsere Wege würden sich trennen.

In meiner tiefen Verzweiflung bin ich zu Makayla gegangen um mir die Zukunft vorher sagen zu lassen. Und sie hat mir gesagt, dass ihr kommen würdet und meine Hilfe bräuchtet. Ich hätte eine gute Zeit bei euch, nicht ungefährlich, aber ich würde meine Bestimmung finden und auch eine Lösung für mein Problem. Und dann kamt ihr tatsächlich. Und hier bin ich.“

„Ja, hier bist du.“ Ich mochte ihn. Als Kind ging ich gerne in den Zirkus und fand die Clowns immer witzig. Aber dieser Humor verlässt einen wenn man älter wird. Einfache Gags werden dann uninteressant.  In diesem Moment vermisste ich meine Kindheit. Sie war so unbeschwert.

„Minerva wird uns aufs Dach steigen.“ Meinte Dracula.

„Sie hasst Clowns.“ Ergänzte er.

„Warum?“ blickte ich fragend zu ihm.

Frank bewegte sich unwohl hin und her.

„Nicht sagen.“ Schubste er den Vampir an. Ich wunderte mich. Eigentlich war Frank immer zurückhaltend. Ein Gott in der Küche, aber auch ungeschickt wie ein Elefant im Porzellanladen.

„Wieso, Frank? Dracula? Was ist denn vorgefallen?“

„Nein, nein, ich sag nichts. Ich bin doch nicht lebensmüde. Wenn ich was von ihr erzähle, zaubert sie mich in einen Sarg und verbuddelt mich, so dass keiner mich die nächsten hundert Jahre findet. Nein, da musst du sie schon selbst fragen!“

Ich runzelte die Stirn. Was konnte nur vorgefallen sein? Ich wurde sehr neugierig. Minerva war noch auf dem Brocken und würde erst später wieder auftauchen. Vielleicht würde das eine andere Geschichte werden. Jetzt wollten wir uns erst mal mit August beschäftigen und seiner Aufgabe.

Er sollte nämlich, laut Makayla in der Lage sein unseren Problemgast, Bloody Mary, zu helfen.

Es war schon sehr spät, als wir ankamen und ich gähnte herzhaft.

„Ich glaube, ich werde jetzt nicht mehr alt. Lasst uns alles Weitere auf morgen verschieben. Komm August, ich zeige dir dein Zimmer. Wo ist dein Koffer?“

„Ich habe keine Koffer, nur dieses Bündelchen.“ Er zeigte auf ein zusammengebundenes Tuch an einem Stock. Ich stöhnte innerlich auf. Herrjeh, ich lebte in einem Klischee.

„Was meinst du damit, du wirst heute nicht alt? Du willst doch nicht etwa sterben? Oder doch, dann hätte ich eine Geisterfreundin. Es kann schon manchmal sehr langweilig werden, wenn ihr schlaft. Wirklich. Und manche von euch haben einen echt festen Schlaf, da kann ich durch euch durch und keiner wird aus versehen wach. Sehr öde. Es wäre toll noch einen Geist um mich herum zu haben.“

„Bloß nicht, ein Geist reicht wirklich. Du bist schon aufdringlich genug. Glaubst du ich merke nicht, wie du dich immer in meinem Sarg schleichst. Ich bin vielleicht schon tot, aber nicht so tot. Ich kann dich spüren.“ Kam die Antwort von Dracula.

Man könnte meinen ein leichter Rotschimmer verfärbte Amelias Wangen. Aber das konnte täuschen. Ich dachte mir sowieso schon, dass sie so ganz heimlich für Dracula schwärmte. Was ich wirklich nicht nachvollziehen konnte. Er war wirklich ungehobelt. Und das für einen Vampir, der angeblich Gentleman sein soll. Pft. Also nicht meiner hier. Der war immer genervt und patzig. Und beängstigend. Eine leichte Gänsehaut überzog meinen Arm und ich spürte den stechenden Blick des Vampirs. Ich sollte mal lernen meine Gedanken abzuschotten. Minerva würde mir bestimmt helfen können. Es war nicht erbaulich, wenn jemand deine Gedanken lesen konnte.

Müde schleppte ich mich nach oben und verabschiedete mich winkend. August schlappte mit seinen großen Schuhen hinter mir her und trällerte ein kleines Lied. Ich schaute ihn von der Seite an – welch eine Frohnatur. Na das würde ja interessant werden.

„Hier ist dein Zimmer. Bleib solange du willst. Schlaf gut. Es gibt keine festen Frühstückszeiten. Irgendwie schaffen wir es immer gemeinsam aufzutauchen.“ Kaum hatte ich das ausgesprochen regte sich ein Verdacht in mir. Sollte Amelia dafür sorgen, dass wir immer so schön regelmäßig auftauchten? Hm, nicht abwegig.

Einige Zeit wälzte ich mich allerdings doch noch in meinen Laken. Es war zu warm in meinem Zimmer. Ich stand auf und öffnete das Fenster. Die kühle Nachtluft verursachte mir erst mal eine Gänsehaut. Das Dracula in diesem Moment vor meinem offenen Fenster, kopfüber erschien, erschreckte mich kaum.

„Ähm, Gute Nacht Lissi?“

„Fragst du  mich gerade? Bis jetzt ist sie noch nicht so gut. Ich kann nicht schlafen. Du ja wohl auch nicht.“

„Du weißt doch, die Nacht ist meine Zeit, da gehe ich – ähh. Essen.“

„Ähhhhh – so genau will ich es nicht wissen. Jetzt bekomme ich das Bild nicht mehr aus meinem Kopf.“

„Soll ich dir helfen, dabei?“

Ich riss empört die Augen auf.

„Bleib aus meinem Kopf.“ Er zuckte die Schultern und machte sich weiter zum Abstieg.

„Du weißt, dass du auch die Treppe nehmen kannst, nicht?“

Er drehte sich um und lächelte mich verschwörerisch an.

„So ist es viel traditioneller.“

Ja, wenn jemand Wert auf Traditionen legte, dann wohl Dracula.

Ich ging zurück ins Bett und kuschelte mich in meine Decke. Es dauerte keine Minute und ich war eingeschlafen.

Wie gerädert erwachte ich am nächsten Morgen. Ich hatte wirre Träume von fliegenden Hausschuhen, bluttriefenden Jungfrauen und mittendrin einem Clown, der sich ständig auf die Nase drückte die dabei hupende Geräusche von sich gab.

Ich schlurfte hinunter in die Küche. Neben mir erschienen Richard, Morphi, Minerva. Wir trafen uns vor dem Treppenabgang. Das bestätigte irgendwie meinen Verdacht, dass Amalia uns alle zusammentrieb um gemeinsam zu frühstücken. Denn sie erwartete uns fröhlich lächelnd am Fuß der Treppe.

„Hallo, ihr Lieben. Das ist schön, dass ihr schon alle auf seid. Frank hat schon leckeres Frühstück bereitet und der Kaffee dampft schon in euren Tassen. „

Kaffee war das Zauberwort. Wir schlurften in einem gemeinsamen Zombiewalk Richtung Küche.

„Oh, die Dame des Hauses ist ja auch endlich wach.“

„Guten Morgen Dracula – ich kann nicht verstehen, dass du so fit bist – du bist doch Nachtaktiv. Ist mir echt ein Rätsel. Und dann noch gute Laune?“

„Das macht die Ernährung, meine Liebe. Proteinhaltig.“ Sagte er schmunzelnd und nippte an seinem Becher mit verdächtig dickflüssig rotem Inhalt.

Ich musste fast würgen, bei dem Gedanken was der Inhalt war. Wie eklig, am frühen Morgen. Pfui.

Nach einigen Schlucken Kaffee und einem leckeren Hörnchen war ich ansprechbar. Mein Ofen war hochgefahren und ich konnte klar denken.

„Okay Leute, erst mal – sind alle spiegelnden Flächen bedeckt und versteckt?“

Mary hatte mittlerweile herausgefunden, wie sie uns noch mehr nerven konnte – sie erschien nicht mehr nur in Spiegeln, sondern auch in spiegelnden Gegenständen, wie Töpfen oder Besteck. Das war schon extrem gruselig, wenn man sich den Löffel zum Mund führt und darin ein grinsendes Gesicht erschien. Das verdarb einen gehörig den Appetit.

Nachdem wir für Frank alles in unzerstörbares Metall umgewechselt hatten, mussten wir wegen Mary auf Plastikbesteck und Geschirr übergehen. Nicht sehr ökologisch – aber das war mein geringstes Problem.

„Ja, alles sicher verstaut und abgedeckt.“ Antwortete Richard.

„Gut, heißen wir erst mal unseren neuesten Gast willkommen. Hallo August – wir freuen uns dich kennen zu lernen. Du weißt, dass du mit einer wichtigen Aufgabe betraut werden sollst?“

„Hallo Leute, ich bin August und ja, du redest nicht lange um den heißen Brei herum. Ich weiß, dass ich für den Aufenthalt hier arbeiten muss. Und dass es nicht ganz ungefährlich werden wird.“

„Jaaaa – das klingt nicht ganz so nett, aus deinem Mund, aber es entspricht der Tatsache. Dafür kannst du aber auch so lange bleiben wie es dir beliebt. Auch was, oder? Nicht jeder kann von sich behaupten mit dem berühmten Grafen Dracula unter einem Dach zu leben und es überlebt zu haben…Oder von einem der Frankenstein Geschöpfe bekocht zu werden. Also, das macht sich schon ziemlich gut im Lebenslauf für Freakshows, oder?“

„Ach ich glaube Freakshows, da bin ich weg von. Aber klar ich werde euch bei eurem Dämonproblem helfen.“

„Ah, super, das finde ich echt klasse von dir. Ein Hörnchen?“ Ich reichte, widerwillig, eines der leckeren Hörnchen an August weiter. Davor musste Frank auf jeden Fall noch paar für mich machen. Die waren verboten lecker.

„Gut, dann sind wir wohl fertig mit dem Frühstück. Wie wäre es, wenn wir mal zu Mary gehen? Noch hat sie keinen genervt heute – das ist ein bisschen zu ruhig für sie. Hoffentlich hat sie keiner gerufen.“

Im Gänsemarsch begaben wir uns alle zur Dachbodentreppe. Ich machte die Vorhut und Richard die Nachhut, für den Fall eines Rückzugs.

Aber es schien alles friedlich. Durch das einströmende Sonnenlicht konnte man den Staub glitzernd fliegen sehen. Es sah richtig magisch aus. Wir bewegten und in geschlossener Formation Richtung des verhangenen Spiegels. Frank zog das Laken weg und vor uns saß sie – Mary. Sie wirkte bedrückt. Konnte ein Dämon bedrückt sein. War sie ein Dämon? Was war sie eigentlich.

„Ich bin eine geschundene Seele, um deinen Wirrwarr im Kopf mal abzukürzen. Und ich langweile mich. Ihr lasst mich die ganze Zeit alleine und habt ohne mich Spaß. Denkt ihr ich weiß nicht, dass ihr alles worin ich mich zeigen kann, abdeckt. Das ist echt ungastlich. Das gibt in der Bewertung Punktabzug.“

„Hallo Mary. Die Frage, wie es dir heute geht, erübrigt sich dann wohl?“ meinte ich sarkastisch. Sie tat mir schon irgendwie leid, aber ich hatte gehörigen Respekt vor ihr. Schließlich war sie höchst tödlich, wenn sie frei war.

„Ja, so ist das, wenn man gefangen gehalten wird – ich hoffe, das bleibt euch erspart. Nicht einer lädt mich zu sich ein. Ich wäre wirklich ganz brav, zu Freunden.“

„Ja, ja klar.“ Murmelte Minerva. „Und die Erde ist eine Scheibe, oder auch eine Kugel. Je nach dem wem man glaubt.“

Ich blickte fragend zu Minerva, aber sie zuckte nur genervt mit den Schultern.

„Wir haben einen neuen Gast. Den würden wir dir gerne vorstellen. Hast du Lust?“

„Interessiert das überhaupt jemanden, ob ich auf etwas Lust habe? Lässt er mich raus?“

„Vielleicht, später. Wer weiß, was kommen wird. Aber erst mal solltet ihr euch kennen lernen. Ein bisschen quatschen und Spaß haben.“

„Spaß – was ist er, ein Serienkiller? Mit dem könnte ich tatsächlich Spaß haben.“

Entsetzt riss ich die Augen auf und zerrte August vor den Spiegel.

„August, Mary. Mary, August. “

„Hallo gnädigste Maid. Mein Name ist August.“

„August, wer heißt den August. Und warum siehst du so komisch aus?“

August drehte schüchtern seinen kleinen roten Hut in den Händen. Er war im ersten Moment etwas brüskiert über die unhöfliche Entgegnung seines Grußes. Aber er war Profi. Er wusste mit schwierigen Publikum umzugehen.

„Gnädigste“, er deutete eine Verbeugung an.

„Ich bin ein dummer August. Ein Meister meiner Zunft. Ich bin ein Clown. Und mein Bestreben ist es Freude und Lachen zu bringen. Ganz zu ihren Diensten. Gnädigste.“

„Lissi – was ist das denn für einer? Wo hast du den denn aufgegabelt? Und was soll ich mit ihm? Töten?“

Ich hob beschwichtigend die Hände.

„Nein, um Gottes Willen. Nicht töten. Dich mit ihm unterhalten. Er ist gerade Arbeitslos und hat viel Zeit. Also kann er sich deine Geschichten anhören und vielleicht hast du Lust auch seine zu hören?“ Mary schaute misstrauisch.

„Ist das irgendein Trick?“

„Ein Trick mit einem Clown? Vielleicht wenn er ein Endlostaschentuch aus seiner Manteltasche zieht. Dass dann ja.“ Gab ich vorsichtig zu.

Der Blick den Mary mir zuwarf, die Gänsehaut die er verursachte spürte ich noch Stunden danach. Dieses Mädchen war wirklich gruselig. Eigentlich hatte ich gehofft, wir könnten eine Freundschaft aufbauen. Das wäre schon interessant gewesen. Aber Mary war einfach zu hinterlistig und verbittert.

Ich hoffte August würde ihr helfen können.

„Ja, ähm. Wir lassen euch dann einfach mal alleine. Wenn etwas ist, kann Mary ja mal kurz durch einen Spiegel Bescheid sagen. Nicht wahr. Das machst du ja so gerne.“ Sarkasmus, das konnte ich. Eine Art Selbstverteidigung gegen dieses unangenehme Gefühl in ihrer Nähe.

Fortsetzung morgen

Schreibkicks, WG

Schreibkicks – Mai – Lachen heilt alle Wunden

Es ist der 1. Mai und ein sonniger Feiertag. Ach, so könnte ich leben. Ausschlafen, gemütlich Kaffee trinken und meine neuen Geschichten rund um unsere Schreibkicks-WG präsentieren.

Mit dabei waren dieses mal:

Das heutige Thema ist Der Clown 

Das Thema für den 1.6. lautet: Aufs Dach gestiegen

Ein Clown ist das, was unserer Gemeinschaft noch fehlt. Mal sehen wie er sich integriert. Aber erstmal muss er ja auftauchen, das erleben wir heute.

Kommt mit und begrüsst alte Bekannte.

Diesen Ohrwurm am Anfang, hatte ich letzt wirklich gehabt…er passte einfach perfekt in den Anfang.


Schreibkicks – Clown

“Smelly Cat, Smelly Cat,

What are they feeding you?

Smelly Cat, Smelly Cat,

It’s not your fault. Hmmmhhmhmmmmhmmmhmmmm AHHHHH. Amelia – verdammt noch mal, ich hab dir doch gesagt, du sollst das lassen. DU SOLLST NICHT IN MEIN BADEZIMMER GLITSCHEN, vor allem wenn ich gerade dusche.“ „Und komische Lieder singst?“ „Ich hab einen üblen Ohrwurm aus einer der letzten Friends-Serie – das  Lied verfolgt mich jetzt schon paar Tage. So ein Mist. Aber jetzt verschwinde.“ „Ich weiß gar nicht was du hast – wir sind doch Mädchen – ich kenn doch alles, was du so hast – und ich kann dir sagen – das sieht alles sehr gut aus bei dir.“ Ihr anerkennender Blick ließ mich erröten. Ich griff nach meinem Handtuch. „Ähm – ja danke – aber ich mag doch irgendwie meine Privatsphäre.“ Amelia seufzte: „Na gut.“

Ich rollte die Augen. Wusste ich doch, dass sie das immer wieder machen wird. Ich brauch einen Geisterabwehrzauber, oder so was. Da sollte ich mal Minerva fragen. Ich trocknete mich also ab. Der Spiegel war angelaufen. Ich wischte darüber und…“AHHH – ja verdammt – wollt ihr mich hier wirklich alle umbringen?“ „Mir ist langweilig. Komm und besuch mich. Am besten um Mitternacht, mit einer Kerze. Was meinst du? Dann können wir uns wie Freundinnen unterhalten.“ „Mary. Wie schön dich zu sehen. Und so überhaupt nicht gruselig.“ Seit neuestem wusste ich, dass Bloody Mary hier in einem Spiegel hauste. Auf dem Dachboden. Sie kann sich nun in den Spiegeln bewegen. Was wirklich sehr gruselig ist, da sie auch noch gruselig aussieht. Mit diesen langen dunklen Haaren, die immer irgendwie über ihr Gesicht hängen und den dunklen stechenden Augen. Brrrr. „Komm schon, mir ist echt langweilig.“ „Du warst so lange eingesperrt, wie kann dir jetzt langweilig sein?“ „Mir war da auch schon langweilig. Aber ich hatte niemanden dem ich es erzählen konnte. Früher, das waren noch Zeiten, da wurde ich immer mal gerufen. Mutprobe und so. Aber irgendwie – ich scheine wohl nicht mehr in Mode zu sein?“ „Ach naja – Klassiker sterben nie wirklich aus.“

Ich drehte mich um und verlies einfach mal das Badezimmer – vielleicht hatte ich in meinem Zimmer mehr Ruhe und konnte mich auch mal anziehen. So langsam fühlte ich mich bisschen schamhaft. Ich betrat mein Zimmer und war nicht so wirklich überrascht: „Minerva – na warum überrascht mich das nicht?“ „Hm? Ach du meinst diesen Überfall?“ „Du bist nicht die erste heute.“ „Soso. Nun gut. Eigentlich wollte ich dir sagen, dass ich diese Nacht nicht da sein werde. Als musst du bisschen vorsichtig sein.“ „Okay – Aber eigentlich musst du dich nicht bei mir abmelden.“ „Das weiß ich doch. Aber es ist Walpurgisnacht – und – nun, da werde ich bisschen – abgelenkt sein.“

„Walpurgisnacht. Echt. Du machst da mit? Küsst du dem Teufel dann auch den Hintern und heiratest ihn?“ „Ach, das war früher so, heute sind auch wir in der Zukunft angekommen. Natürlich nicht. Der Teufel ist ein Ar….sehr unangenehmer Zeitgenosse – und stinken tut er auch – also seinen Hintern küsse ich bestimmt nicht. Allerdings sind seit paar Jahren auch Hexer zugelassen – und – ja. Ähm ich wollte dir nur sagen. Auf dem Brocken ist so was wie ein Funkloch – ich kann also nichts wahrnehmen – was hier so geschieht.“ „Komm, erzähl schon. Ist da ein bestimmter Hexer, auf den du es abgesehen hast? Ich hab ja gehört die Walpurgisnacht ist eine große Orgie.“ „Lissi! Schäm dich. Ich wusste gar nicht, dass du so ungehörig bist.“ „Waas? Man darf doch bisschen neugierig sein?“

„Das finde ich aber auch.“ Wir blickten beide ertappt hoch. Der Spiegel. „Mary. Schon wieder?“ „Genau das meinte ich. Ich werde nicht da sein um SIE“ dabei zeigte sie ihre Hand im Kreis drehend, auf Mary – „im Zaum zu halten.“ „Du musst mich nicht im Zaum halten – ich weiß mich zu benehmen. Ich will auch bisschen Spaß. Nimm mich mit auf dem Brocken.“ „Nur Hexen, keine Dämonen. Verschwinde.“ Mary tat wie ihr befohlen.

„Also sei Lieb und spiel nicht mit Mary. Sie ist hinterlistig.“  „Okay – vielleicht finde ich ja eine Lösung für ihr Problem.“ „Das glaube ich kaum. Da suchen schon lange andere nach. Also ich mach mich mal auf den Weg. Ich will nicht zu spät kommen.“ „Pass auf und verflieg dich nicht.“ Sie winkte mir koket zu und ich war ein bisschen neidisch. Ich könnte auch mal wieder einen ausgelassenen Abend gebrauchen.

Ich ging hinunter. Eigentlich hatte ich, nach diesem Start nicht so wirklich Lust. Obwohl ich Minerva ja mal einen ausgelassenen Abend gönnte, machte es mich bisschen traurig, dass ich keinen haben würde. In der Küche hörte ich Tumult. „Hei, was ist denn hier los?“ „Ein Zirkus, ein Zirkus ist in der Stadt.“ „Was, heute?“ „Jaaaa. Ein Zirkus.“ Amelia tanzte durch die Küche, was wirklich seltsam aussah, da sie teilweise immer wieder in den Küchenschränken verschwand. „Und was ist so besonderes an diesem Zirkus?“ Fragte ich erstaunt. Richard drehte sich auf dem Stuhl in meine Richtung. „Ein Zirkus.“ „Jaaaa? Das hab ich verstanden. Aber ein Zirkus ist doch nichts Außergewöhnliches.“ „Ach, jetzt sag es ihr schon, Richard.“ Er seufzte und funkelte Dracula an, der mit einem Glas Blut lässig an der Spüle lehnte und in die Dunkelheit hinaus sah. „Nun gut – es ist ein Underground Zirkus.“ „Underground?“ „herrjeh, sie versteht wieder mal gar nichts. Wen hat Ernestine nur hierher geschickt? Komm Kind, setz dich.“ Dracula klopfte auf den Stuhl neben sich, auf dem er mittlerweile Platz genommen hatte. Augenrollend und ein klein bisschen Schmollend, setzte ich mich und schaute ihn wie ein genervter Teenager an. „Also was ist das jetzt?“ Maulte ich. „Ein Underground Zirkus ist das was man als Freak Show kennt.“ Ich riss die Augen auf. „Freak Show. So aus Anfang 1900? Mit Missgeburten und geknechteten Menschen? So was?“ Betreten schaute mich Richard an und Dracula seufzte genervt. „Natürlich ist das, das was vermittelt wurde. Aber ein Underground Zirkus, der ist für uns da. Für die Geschöpfe der Nacht.“ Wie machte er das nur mit diesem dramatischen Echo, das sich manchmal unter seine Stimme mischte. Das verschaffte mir eine Gänsehaut.

„Hm – okay – das bedeutet?“ „Ach jeh. Frank, bitte schenk mir doch noch ein Glas dieses hervorragenden Tropfens ein. Diese Frau bringt mich zum Verzweifeln.“ Frank, ganz galant mit einem weißen Tuch über dem Unterarm geschlungen und einer Flasche roten Inhalts, trat an den Tisch, stolperte und schüttete den Halben Inhalt auf Dracula. Zum Glück nicht auf mich, Igitt….“Grrrr. Frank!“ „Tschuldigung.“ Murmelte dieser betroffen. „Wir gehen in den Zirkus, wir gehen in den Zirkus.“ Trällerte unterdessen Amelia weiter. „Hör zu, Lissi.“ Sprach Richard mich an. „Unsere Freunde haben nicht wirklich viel Auswahl am Ausgehen. Da gibt es Fasching und Halloween. Das war es. Aber so ab und zu kommt solch ein Kuriositäten Laden zu uns. Und da müssen sie einfach hingehen. Glaube mir. Du wirst es mir danken, wenn sie einen guten Abend haben, von dem sie noch ein paar Wochen zehren können. Wirklich, du musst mir glauben.“ Dabei sah er mir flehend, schon fast verzweifelt tief in die Augen. Als wolle er mich hypnotisieren. „Ja, ist okay. Ich hab ja nichts dagegen. Ihr seid ja vor mir auch dahin. Habt ihr geglaubt ich verbiete es?“ Die Gruppe blickte sich fragend an. „Ja.“ „Warum?“ „Weiß nicht, du wirkst so steif.“ „Waaaasss? Ich bin total locker.“ Ein Lachen erhob sich. Und verstummte sofort. „Ja, natürlich, total locker.“ Ich verzog das Gesicht und streckte ihnen die Zunge hinaus. Also bitte. Ich war wirklich locker. Meistens.

„Gut, wann gehen wir?“ Fragte ich. Amelia war aufgeregter als noch die ganze Zeit davor. Sie kam neben mich und drückte mir einen kalten Kuss auf die Wange. Oder sagen wir – sie versank in meiner Wange und dieses Gefühl war wirklich eklig. Sehr kalt und ich konnte ihre Gedanken fühlen. Sehr, sehr schräg. Natürlich war ich jetzt sehr neugierig, was wir denn in dieser Freak Show antreffen würden. „Hei, ich will mit. Ich bin auch ein Freak. Holt mich doch mal einer aus diesem verdammten Spiegel. Dracula? Ach ne – du siehst ja nix im Spiegel. Frank?“ Dieser blickte entsetzt zu mir. Ich beruhigte ihn mit einem sanften streicheln über den Arm. „Nicht, dann Amelia? Süße Amelia? Wir könnten viel Spaß haben. Tanzen, Haare flechten.“ „Oh, das klingt toll. Darf ich?“ „NEIN!“ Riefen Richard und ich. „Ach kommt, ihr seid Spielverderber. Richard – komm lass mich raus. Wir können auch miteinander spielen.“ Wie süß, Richard errötete und zog schnell die Stirn in kraus. „Auf keinen Fall. Bis wir dich entschärft haben, bleibst du im Spiegel. Und das sage ich hier jedem. Lasst sie bloß nicht raus. Verstanden?“ Alle nickten. Richard war selten so bestimmt. Sehr sexy.

„In einer halben Stunde geht es los. Treffen in der Halle.“ Richard ging hinaus und wir  anderen blickten uns an. Dann fuhren wir alle aus den Stühlen hoch und rannten in unsere Zimmer. Ich war mittlerweile so angesteckt von der Euphorie, ich würde doch noch was erleben heute.

Etwa dreißig Minuten später trafen wir uns in der Halle. Es waren alle da. Ich, Richard, Dracula, Morphi – ich glaube er hatte seine Binden entstaubt? Frank und seine angebetete Keya – unsere liebe Baumnymphe. Und unsere imaginären Freunde Leon der Chamäleonkrake und Waldemar der Hund.  „Wo ist Minerva? Ach, ja ich erinnere mich, Walpurgisnacht.“ Wir quetschten uns in den Transporter und Richard fuhr los. Viel rum gekommen war ich in diesem Städtchen noch nicht. Die Arbeiten am Haus hatten mich immer davon abgehalten. Sehr schade, denn es sah wirklich sehr gemütlich aus. Ich muss unbedingt mehr ausgehen, dachte ich.

Wir fuhren etwa eine Stunde und ich würde nie wieder heim finden. „Wann sind wir denn endlich da?“, fing ich an zu nörgeln. „Wenn wir da sind.“ Blaffte Richard zurück. Keine zehn Minuten später stellte er das Auto ab und stieg aus. Wir waren in einem Moor. „Ein Moor? Sehr zuverlässig. Beinhaltet die Freak Show auch paar Moorleichen, oder brauchen sie vielleicht noch welche, weswegen wir hier eingeladen wurden?“ „Haha. Sie kann ja witzig sein.“ Sagte Dracula und schupste mich beim Vorbeigehen an. Ich folgte ihm und die anderen mir. Nicht weit und wir standen vor einem Tor. „Parole?“ Echt eine Parole – waren wir in den Zwanzigern und wir gingen jetzt in einen verbotenen Club. Ich war so aufgeregt, das war so spannend. Dracula flüsterte dem Wächter etwas ins Ohr, dieser blickte uns an und öffnete die Tür. Wir gingen hinein und ich war sprachlos. Hinter dieser Tür befand sich ein Jahrmarkt. Ich befand mich in der Vergangenheit und fühlte mich wie ein Kind. Da war der starke Mann, die dicke Frau mit Bart, die Schlangenfrau, der Feuerschlucker, das Wolfsmädchen, alles was man jemals mit dieser Attraktion in Verbindung gebracht hatte. Und ihr werdet es nicht glauben: Es liefen Vampire, Mumien, Wertiere und viel andere Fabelwesen hier herum.

Dracula eröffnete das Wort: „ich würde sagen, jeder geht einfach mal los. Wir haben ja unterschiedliche Interessen. Treffen wir uns einfach irgendwann am Ausgang. Okay?“ und schon war er weg. Er hatte sich aufgelöst – eine kleine Säule aus Qualm war noch übrig. Ich blickte Richard an: „Das kann er auch….ach was ein Klischee dieser Vampir doch ist.“ „Willst du bei mir bleiben, ähm, oder machst du dich alleine auf den Weg?“ Fragte Richard mich. Ich hatte das Gefühl, er wollte lieber alleine sein. Ein Tête-à-Tête? „Nein, nein, gehe nur. Ich werde schon zurechtkommen.“ Ich winkte ihm und drehte mich schon um. Alles war schön in einem Kreis angeordnet – das war sooo gut. Ich fing einfach mal beim starken Mann an. Er hatte, wie man es aus alten Filmen kennt, sogar ein geringeltes Trikot und einen langen Schnauzbart. So ging ich weiter zur dicken, bärtigen Frau, zur Schlangenfrau und der Feuerschlucker, der sogar ganz niedlich aussah. Es gab sogar diese Frau-Mann Person, die eine Hälfte war eine Frau, wunderhübsch und die andere ein ansehnlicher Mann. Herrlich. Meine Runde endete an dem Zelt der Wahrsagerin.  Ich dachte mir: Ach komm Lissi, eine Wahrsagerin, hast du nicht schon genug an der Backe – eine Wahrsagerin? „Komm rein, hübsches Kind. Hab keine Angst. Es geschieht dir nichts.“ Ich blickte mich erstaunt um und trat ein.

Ein tolles Ambiente erwartete mich. In dunklen Rottönen hingen viele Tücher herunter. Es funkelten überall Sterne und an einem runden Tisch saß eine hübsche Frau mit einer Glaskugel. Sie war etwa in meinem Alter und wirklich rassig. Eine Sinti. Ihre dunklen Augen nahmen mich sofort gefangen. Bis sie den ersten Satz sagte: „Ich sehe, du hast Probleme?“ Okay – schon war der Zauber dahin. „Ja, wer nicht?“ „Stimmt – jeder hat Probleme. Entschuldige bitte Lissi, für diesen blöden Einstand.“ Ich riss die Augen auf und den Mund. „Woher ich deinen Namen weiß? Ich spreche mit Geistern.“ In diesem Moment tauchte Amelia im Hintergrund auf. „Hehe.“ „Na toll. Ihr wollt mich also veralbern. Toll.“ Aber lachen musste ich trotzdem. Die Frau war einfach zu sympathisch. „Aber jetzt mal ernsthaft. Du hast ein Problem. Und zwar mit Bloody Mary.“ „Amelia?“ „Nein, das weiß ich nicht von Amelia.“ Ich hob meine Augenbrauen und legte meinen Kopf gespannt in meine gefalteten Hände. „Weiter.“ Bat ich sie. „Bloody Mary ist gefährlich. Das weißt du. Sie ist eine geschundene Seele und will jeden für ihren Tod büßen lassen. Sie brauch…“ Eine theatralische Pause .“…August.“ „August?“ „Ja August.“ „Was ist ein August?“ „Na sie meint den Sommer, du Dummerchen.“ Zwitscherte Amelia  „Was den Monat? Was hat den der August mit Bloody Mary zu tun? Das versteh ich nicht.“ „Ach Amelia, nicht den Monat – den Dummen August.“ „Einen Clown?“ „Ja – einen Clown.“ „Das versteh ich immer noch nicht. Was soll denn ein Clown mit Bloody Mary zu tun haben?“ „Er wird sie zum Lachen bringen und es gibt nichts besseres, eine geschundene Seele zu heilen, als Lachen.“

„Natürlich – einen dummen August – und wo kann ich einen bestellen? Ich mein, man läuft ja nicht mehr so vielen Clowns über den Weg, seit Pennywise und Twisty haben die Kinder ja eher Angst vor Clowns.“ „Ja – ein seltsames Phänomen“ meinte die Wahrsagerin nachdenklich. „– aber wie der Zufall es will. Wir haben einen dummen August, der ein neues zu Hause sucht. Er hat sich mit dem weißen Clown verstritten und hat keine Lust mehr. Oder sagen wir so – er muss wohl hier weg, ist wohl wirklich hässlich geworden, zwischen den beiden. Also er bräuchte eine neue Unterkunft.“ „Na wie praktisch.“ Meinte ich. „Ja – das ist doch echt Schicksal, oder?“ Lachte die Sinti, deren Name Makayla war. „Ach bitte, Lissi. Ein Clown, das fehlt uns doch noch in unsere Mitte.“ „Meinst du? Als wenn ich nicht schon genug Spaß mit euch hätte.“ Antwortete ich sarkastisch.  „Das kann ich nicht alleine entscheiden, das muss die Gemeinschaft entscheiden. Ich frage sie und sag dir dann bescheid.“

Vor dem Zelt von Makayla nahm ich mir erst mal Amelia zur Brust. „Was soll das? Musst du jedem von uns erzählen?“ sie blickte mich etwas betrübt an. „Ich habe nichts erzählt – wir sind doch bekannt. Jeder weiß von uns und auch von dir. So was spricht sich in unserer Gemeinde einfach schnell rum. Jeder würde gerne bei uns wohnen. Wir sind so nett.“ Ich legte meinen Kopf schief. „So, nett also. Nun, schauen wir mal was das mit dem dummen August werden soll.“ Ich ging zum Treffpunkt. Einige waren schon versammelt. Nur Dracula und Richard fehlten noch. Beide ließen aber nicht lange auf sich warten. Und sie sahen etwas derangiert aus. Ich hob eine Augenbraue, worauf Richard wieder errötete und Dracula geheimnisvoll lächelte. Kurz erläuterte ich die Situation. „Ach ich weiß nicht. Ein Clown. Dann liegt überall Konfetti herum und wir bekommen ständig Wasser ins Gesicht gesprüht.“ Dracula schüttelte sich. Richard antwortete: „Aber anscheinend brauch er unsere Hilfe. Und erinnert euch, warum ihr bei uns seid.“ Betroffene Blicke. Ich schaute jedem ins Gesicht. Mein Kopf drehte sich hin und her – irgendwas passte nicht. Ein Gesicht war mir unbekannt. Ich schrak zurück. Ein rotgeschminktes Gesicht mit dicker Nase grinste mich an. „Hallo, ich bin August.“

ENDE

 

Bisher erschienen:

  1. Schreibkicks – die vererbte Zeitkapsel
  2. Schreibkicks – Weihnachstspezial – Die Sache mit dem Rentier
  3. Mach was…mit einer Festtags-Leckerei
  4. Schreibkicks – Märchen der guten Vorsätze
  5. Schreibkicks – Rückkehr der Freunde
  6. Schreibkicks – Die Welt bei Nacht mit einem Hausschuh.
  7. Schreibkicks – Im Spiegel lauert die Gefahr
Schreibkicks, WG

Schreibkicks – Im Spiegel lauert die Gefahr

Wieder haben wir den 1. und es Schreibkickzeit. Wir besuchen die besondere WG, die ich dank euch gerne beschreiben.

Das Thema für den 1 war dieses Mal – Im Spiegel

Mit dabei waren diesen Monat:

Letztes Mal hat Lissi von ihren Freunden ein besonderes Geschenk bekommen. Sie haben eine Tür geöffnet, durch die Lissi die Welt und die Zeiten bei Nacht durchreisen kann. Dabei geholfen bekommt sie von Littlerock. Ihr Einhorn-Kuschel-Hausschuh. Sie besucht das Jahr 1969 um den Anfang ihres Hauses zu sehen.

Da Lissi dieses Mal von ihren Freunden getrennt ist, wird es etwas dramatischer und auch ein bisschen gruselig.


Oh wow…ich flog mit Littlerock durch die dunkle Welt und er brachte mich zu meinem Haus in 1969. Das musste ungefähr die Zeit gewesen sein, in der Ernestine dieses Haus erstanden hatte und auch nach und nach einrichtete. „So Lissi. Hier kannst du jetzt bleiben solange du willst. Denke dran – das ist die Vergangenheit. Die Dinge sind schon geschehen. Du kannst nicht eingreifen und irgendwas ändern. Du brauchst dir also keine Gedanken um einen Schmetterlingseffekt zu machen. Du kannst nur beobachten. Alles klar?“ Mir war noch bisschen schwindelig, da dieser Zeitsprung schon etwas ungewohnt war. Vergleichbar mit einer Achterbahn im Dunkeln. Abgefahren. „Ah, ja. Da bin ich schon etwas erleichtert. Wer weiß was mich sonst zu Hause erwarten würde. Das Chaos, das jetzt herrscht, reicht mir schon, wer weiß was sonst passieren würde. Beobachten reicht mir schon und vielleicht bisschen lernen.“ „Gut, dann ziehe ich mich mal an deinen Fuß zurück. Wenn du zurück willst, oder wo anders hin musst du nur dran denken.“ Ich nickte und etwas kitzelte mich. Als ich auf meine Füße schaute, waren beide Einhorn-Plüsch-Hausschuhe wieder an ihrem rechtmäßigen Platz. Ich betrachtete das Haus. Es war dunkel, aber ich konnte ganz gut sehen. Ein Rumpeln erklang und ich konnte erkennen, wie ein alter LKW sich die Straße, oder was aussah wie eine zukünftige Straße, zum Haus hochquälte. Im Führerhaus saß eine Frau. Sie war so in den Dreißigern-Vierzigern. Schwer zu schätzen. Ich wusste ja auch gar nicht wie alt Ernestine geworden war.

Ich schaute mich um. Das Haus war in einem schlimmen Zustand, da sah es ja heute noch richtig gut aus. Das Dach war teilweise eingestürzt, die Fenster entweder eingeschmissen, oder stumpf. Die Fassade, da hatte sich nichts geändert, die war immer noch so trist-grau. Der Baumbestand, den würde ich identisch schätzen. Natürlich ohne unseren tollen hauseigenen Weihnachtsbaum, der kam ja erst dieses Weihnachten dazu. Ein alter Reifen, der als Schaukel diente hing an dem Baum direkt vor dem Haus. Also musste es mal Kinder gegeben haben. Der Reifen war heute nicht mehr da. Er bewegte sich. Wild schaukelte er hin und her. Aber es ging kein Wind. Ein Geist! Noch ein Geist? Ich konnte ein Schemen erkennen, aber er zeigte sich nicht deutlich.

Der LKW hielt vor dem Haus, die Frau sprang heraus und ging nach hinten. Sie ließ die Laderampe herunter und aus dem dunklen inneren sprang ein großes Etwas. Frank – oh Frank. Ich wollte zu ihm und ihn begrüßen, als mir einfiel, dass ich ja nur stiller Beobachter war. Leicht enttäuscht beobachtete ich, wie es weiter ging.

„Frank mein lieber, du wirst wohl die meiste Arbeit haben. Die Dinge aus dem LKW müssen erst mal ins Haus, kümmerst du dich drum? Aber bitte, sei vorsichtig. Da sind wirklich wichtige Dinge drin und die dürfen nicht kaputt gehen. Okay?“ „Okay!“ nickte er.

Ernestine ging die Treppe zum Eingang hoch und steckte den Schlüssel, den ich auch heute noch benutzte ins Schloss. Die Tür klemmte. Sie stemmte sich dagegen. Aber nichts tat sich. Frank kam zu ihr und drückte vorsichtig gegen die Tür. Mit einem tiefen Seufzer öffnete sie sich und ein Schwall kalter, muffiger Luft entwich dem Eingang. In diesem Moment hatte der Reifen aufgehört zu schaukeln. Aber es achtete keiner drauf.

Ich hatte mich neben Ernestine gestellt und wir gingen nebeneinander her. Die Eingangshalle war ein wahres Chaos. Durch die kaputten Scheiben war allerlei Blattwerk und Äste hineingeweht worden. Ebenso lagen einige Tierskelette herum. Die Bodenfliessen waren fast schwarz vom Jahre alten Staub und sonstigen Verwitterungen. Ich schlug die Hände vor den Mund. Ach du gute Güte. Wie hatte Ernestine das alles erledigt?

Ernestine trat mit mir wieder an die Luft. „Oh Frank, das wird eine Heidenarbeit werden. Aber ich weiß schon, dass hier bald Unterstützung eintreffen wird. Das wird wunderbar werden. Ich freu mich schon so.“ „Mpf.“ Kam es aus dem LKW. Danach rumpelte eine Kiste heraus. „Frank, pass doch auf. Da sind zerbrechliche Dinge drin.“ „Tschuldige.“ Ernestine zuckte mit den Schultern und lachte. „Schon gut.“

Ich schaute nach oben, da ich eine Bewegung wahrgenommen hatte. Da flog etwas verdammt schnell und akrobatisch über uns weg. „Ah – unsere Unterstützung kommt.“  Ich blickte immer noch nach oben und nahm eine Bewegung am oberen Fenster wahr. Da wo heute mein Zimmer lag. Irgendwas war in dem Haus. Dann wurde ich aber auch schon abgelenkt. Ein starker Windhauch erwischte mich. Oder sagen wir, ich fühlte es in der Erinnerung. Eigentlich spürte ich gar nichts. Trotzdem erschrak ich. Ein kleiner Wirbel landete auf der Eingangsstufe. „Minerva. Meine liebste Freundin. Schön, dass du uns unterstützen willst bei unserem Unterschlupf.“ „Aber nur weil du meine Freundin bist und wir schon so viel erlebt haben. Und, na ja ich brauche auch ein neues Zuhause. Also nicht so uneigennützig.“ Ein tiefes Lachen erklang. Eines das ich schon so gut kannte. Aber nur selten in dessen Genuss kam.

Wieder gingen wir drei hinein. Minerva blickte sich um. „Ist noch jemand bei uns?“ „Nein, nur Frank, bis jetzt.“ „Hm.“ Meinte sie misstrauisch.  Sie schüttelte sich und ging weiter. „Oh wei. Da hast du dir ja eine Bruchbude ans Bein gebunden.“ „Ich hoffte, du wirst das ändern.“ „Das dachte ich mir schon. Nun gut, ich werde aber schon ein bisschen Zeit brauchen. Das ist ganz schön herunter gekommen.“ „Du hast alle Zeit der Welt.“  Die beiden Frauen gingen weiter. Hinter Minerva bemerkte ich schon, dass sich die Bodenfliessen veränderten. Sie erlangten nach und nach ihren heutigen Zustand. Auch die Fenster setzten sich wieder zusammen. Die Sonne schien gerade herein und hinterließ das schöne Muster, das ich so liebte. Das Fenster über der Eingangstür war in einem Mosaik gestaltet. Wenn man es genauer betrachtete konnte es ein Schwanz von einem Pfau sein. Es warf einfach tolle Farben ins Innere.

Ich drehte mich schnell um, da ich schon wieder einen Schatten wahrgenommen hatte. Kaum hatte ich ihn gesehen, zerbarst das Fenster. Ich duckte mich um nicht geschnitten zu werden. Ein Reflex – ich war ja hier unverletzlich. Die Tür schlug zu. Was war das nur? Und dann sah ich es. Nein sie. Amelia. Sie war schon vor allen anderen da? War das ihr Haus? Und warum war sie so wütend?

Ich hatte wohl ein Gespräch mit ihr zu suchen. Da kam Frank in die Aula. Er hatte eine flache, mannshohe Kiste bei sich. Minerva und Ernestine kamen zurück und blickten sich um. „Was ist denn hier passiert? Frank?“ „Nicht ich. Ich draußen.“ Minerva blickte sich um. „Ich glaube wir sind nicht alleine. Ein kleines Problem, darum kümmern wir uns später. Was ist das? Ist es das, was ich befürchte? Wieso hast du es mitgenommen. Wir hätten es zerstören sollen.“ „Ich weiß, aber sie ist doch auch nur eine gequälte Seele. Vielleicht kann irgendwann ihr jemand helfen. Wenn sie drinnen bleibt, kann man sich ganz gut mit ihr unterhalten. Nur wenn irgendein doofer Teenie mal wieder meint sie rufen zu müssen, dann wird sie bisschen, na sagen wir gefährlich?“ „Ein bisschen. Na ich weiß ja nicht. Das ist etwas untertrieben.“

Wovon redeten die beiden nur? Ich folgte Frank auf den Dachboden. Er stellte die Kiste in die hinterste Ecke, in der ich noch nicht war. Es war sehr voll gestellt und schmutzig und dunkel dort. „Frank, stell bitte noch was davor. Man soll es nicht gleich sehen. Ich  muss mir überlegen was wir mit ihr machen. Solange sollte sie erst mal hier bleiben. Ich hoffe, die Schutzmechanismen halten sie dort fest.“ „Sie wird gefunden werden. Du weißt von wem?“ „Ja, wie soll ich sie nur darauf vorbereiten? Minerva?“ „Guck mich nicht an. Das ist deine Aufgabe.“ „Ich werde dann nicht mehr da sein. Ich kann sie nicht schützen. Das müsst ihr dann übernehmen.“ „Ach verdammt. Ich wusste, dass da ein Haken sein würde, wenn ich hier einziehen würde. Du bist hinterlistig.“ „So kannst du das nicht sagen. Nennen wir es, vorbereitet.“ Lachte meine Tante. Ich hätte sie gemocht. Sie war locker und sympathisch. Von wem sprachen sie? Von mir? Was war nur in der Kiste?

Ich hatte genug gesehen. Ich glaube ich sollte langsam wieder nach Hause. Ich könnte ja jederzeit wieder kommen.

Ich dachte an meinen Hausschuh und schon erschien Littlerock vor mir. „Na schon fertig?“ „Ja, ich werde langsam müde und will wieder nach Hause. Es war ein toller Tag, äh tolle Nacht. Aber ich habe noch was zu überprüfen.“ „Gut halte dich fest.“

Minerva und Ernestine standen in der Halle. „Was meinst du, wird sie nach der Kiste suchen?“ „Glaub mir Ernestine, sie wird. Vielleicht ist sie die Richtige der Kleinen zu helfen. Ich werde auf jeden Fall da sein und mein Bestes geben.“ Ernestine klopfte Minerva zuversichtlich auf die Schulter. „Ich weiß meine Liebe, ich weiß.“

**

„Wo bleibt sie denn so lange? „Maulte Amelia. „Will sie denn gar nicht mehr zu uns zurückkommen.“ „Ich würde nicht mehr kommen.“ Brummte Dracula. „Ihr seid so anstrengend, da würde ich lieber unterwegs bleiben.“ Amelia fuhr durch ihn durch. „Hei, lass das. Du bist ja noch kälter als ich.“ „Dann ärgere mich nicht. Sie soll gefälligst wieder kommen. Das sollte doch nur ein kleines Geschenk sein, das sie ab und zu mal entspannen kann. Aber sie muss wieder kommen. Sie muss.“ Amelia stampfte mit ihrem Fuß auf und verschwand im Boden. Kurz darauf tauchte sie dort wieder auf. „Mist, noch nicht mal stampfen kann ich ohne im Boden zu verschwinden. Ihr habt es so gut mit echten Körpern.“

„Du nervst.“ Meinte Richard. „Sie kommt bestimmt wieder. Wir sollten einfach mal nach unten gehen. Ich bekomme Hunger. Frank. Haben wir noch einen kleinen Snack?“ „Ja. „Brummte er. Da hatte sich nichts geändert. Er war heute genauso sprachgewandt und gesprächig wie vor fünfzig Jahren. „Gut, ich hab auch langsam Hunger.“ Meinte Dracula. „Vielleicht gibt es noch ein bisschen Blutpudding für mich.“ „Igitt. Du bist eklig.“ „Was, wieso denn. Ich bin ein Vampir, das ist unsere Nahrung. Sei froh, dass ich Renfield nicht mitgebracht habe. Dann hätten wir wenigstens keine Spinnen und Käfer mehr hier, der hätte sie alle gegessen.“  Amüsiert betrachtete Dracula wie Amelia würgte. „Es reicht – da vergeht einem ja der Appetit.“ Minerva blickte zweifelnd zu Richard. „Das würde dir ganz gut tun. Da zeichnet sich ein kleines Bäuchlein unter deinem Shirt ab. So bisschen Appetitlosigkeit wäre da nicht schlecht.“ „Das sind nur Blähungen.“ „Ja klar.“ Frank stimmte brummend in Minervas Gelächter ein. „Und die kleinen Leckereinen, die Frank backt verschwinden von alleine Nachts. Haben wir vielleicht ja noch einen Bewohner, der sich darüber hermacht. Bestimmt das Orakel.“ Alle lachten und Richard schnaufte empört. „Ihr werdet schon sehen. Das ist kein Bauchansatz.“ Langsam begab sich die Truppe nach unten. Frank setzte einen Topf mit Milch auf und holte die Snacks aus dem Schrank. Dracula verfeinerte seine heiße Schokolade mit einem gehörigen Schuss Blut und löffelte genüsslich seinen roten Pudding. Amelia umkreiste alle und schnüffelte an den leckeren Sachen. Manchmal fuhr sie ihre Zunge aus und leckte dran. „Ahhh.“ „Lass das, das ist eklig.“ „Was denn, ich kann es doch gar nicht berühren, aber es schmeckt so lecker.“ „Wie kannst du was schmecken?“ „Ich kann nichts schmecken, aber ich erinnere mich…hmmmm.“

Ein Plumpsen vom Dachboden ließ die Gruppe verstummen. So schnell, dass man es nicht wahrnahm, verschwand Amelia durch die Decke. „Sie ist wieder da.“ Rief sie immer leiser werdend. Schnell standen die anderen auf und folgten ihr über die Treppe.

Ich stand auf dem Dachboden und Amelia wirbelte um mich herum. „Da bist du ja, da bist du ja wieder. Ich dachte du kommst nicht wieder. Wo warst du?“ „Langsam. Mir wird ja ganz schwindelig.“ Sagte ich und blickte in die Ecke, in der die flache Kiste stand. Hinter den anderen Kisten konnte ich die Ecke erkennen. Die anderen erschienen und ich antwortete. „1969 hier.“ „Uh.“ „Du bleibst schön hier. Ich weiß, dass du hier schon gelebt hast. Ich hab dich gesehen.“ Ich glaube, sie wurde rot. „Darüber will ich bei Gelegenheit mehr erfahren. „Ist nicht so aufregend.“ „Das kann ich ja dann noch entscheiden.“ Aber jetzt will ich erst mal ein kleines Geheimnis meiner Tante lüften. Frank!“ „Hm?“ „Sei doch so lieb und schaff die Kisten, die du damals vor die Flache, dahinten gepackt hast, bei Seite. Ich will doch mal sehen was dahinten drin ist.“ Er schüttelte verneinend den Kopf. „Nö. Soll gefährlich sein.“ „Quatsch.“ „Nö.“ Richard blickt mich fragend an. „Was soll denn da sein?“ „Das weiß ich ja noch nicht. Aber sie haben ein riesiges Geheimnis gemacht. Minerva?“ Minerva drückte sich an den anderen vorbei. „Schätzchen. Willst du das wirklich?“ „Ja, auf jeden Fall.“ „Gut, ich wusste es. Aber höre die Warnung. Sobald der Schutz der Kiste weg ist, wird sie gefährlich, wenn sie jemand anruft. Die letzten fünfzig Jahre war sie nur eine Legende, da sie nicht mehr auftauchte, aber wenn du den Schutz entfernst und kannst ihr nicht helfen, ist sie gefährlich.“ „Wer denn? Wer ist so gefährlich, dass ihr sie hier mitgebracht habt?“ „Mary“. „Mary? Welche Mary?“ „Bloody Mary.“ Mir fiel die Kinnlade herunter. „Die Bloody Mary im Spiegel?“ „Genau die.“ „Verdammt.“ Ein Raunen ging durch die Gruppe. Alle flüsterten vorsichtig ihren Namen. „Bloody Mary.“  Richard meinte dann: „Lass bloß den Schutz dran. Spinnst du, die Kiste öffnen zu wollen?“ Minerva hob ihre Hand. „Es wird nicht anders gehen. Es scheint Lissis Aufgabe zu sein Mary zu helfen.“ Dracula meldete sich. „Bei was helfen?“ „Eine Legende zu bleiben.“

Morphi hatte sich von der Gruppe gelöst und schlurfte langsam in die Richtung der Kiste. Er zog Frank mit sich. „Räum es weg.“ Meinte er und es hörte sich an wie „Räu ee weeg“ Diese Mullbinden. Ich hielt mich zurück – Morphi redete so selten, da musste man ihn einfach mal aufbauen. „Ja, Frank räum es weg. Morphi hat recht.“ Frank blickte zu Minerva. Sie nickte und er verschob die Kisten. Dann standen wir alle vor der unheimlichen Kiste. Richard hatte ein Stemmeisen aufgetrieben und fing schon an die Nägel zu lösen.

Amelia stand vor mir und zitterte leicht. „Bist du dir sicher, dass wir sie im Haus haben wollen. Können wir den Spiegel nicht einfach zerschlagen?“ Minerva antwortete. „Oh nein. Das geht nicht. Im Spiegel ist sie gefangen. Sie kann ihn nur verlassen wenn sie angerufen wird. Also achtet drauf nicht fünf Mal hinter einander ihren Namen zu nennen. Das könnte nicht gut ausgehen für euch.“ „Na toll. Ich bin ja schon tot. Mir kann es ja egal sein, oder?“ „Hm, wer weiß.“ Meinte Minerva, geheimnisvoll. Das war ihre kleine Rache, da Amelia und sie immer mal wieder aneinander gerieten.

Der letzte Nagel fiel. Wir hielten alle die Luft an. Frank hob den Deckel ab. Ein wunder schöner Rahmen erschien. Wunderschöne Verzierungen umgaben das Innere.  Ich trat näher. Richard hielt mich zurück. „Vorsicht.“ Ich nickte. Oben war der Spiegel mit einer Obstschale verziert, die von zwei Löwen gehalten wurden. Die Seiten waren schmucklos und unten waren Efeupflanzen verrankt. Aber der eigentliche Blickfang befand sich im Spiegel.

Eine junge Frau blickte mir entgegen. Sie war farblos. Wirklich farblos. Also Schwarz-Weiß. Und sie blickte mich mit dunklen hasserfüllten Augen an. Ihr Mund war zu einem Schrei verzogen. Ich wollte mir die Hände auf die Ohren drücken. Aber es war nichts zu hören. Ich schaute sie mir an. „Hallo. Mary? Ich bin Lissi.“ Ihre Gesichtszüge entspannten sich. Sie legte ihren Kopf schräg und blickte mich neugierig an. „Und, warum sagst du  mir das? Lass mich raus, dann können wir uns kennen lernen. Sag meinen Namen. Ich war so lange alleine hier drinnen.“ Minerva beobachtete die Szene. Bereit jeder Zeit einzugreifen. „Ach komm. Glaubst du wir kennen die Legenden die um dich Ranken nicht. Ich weiß, dass du heraus kommst um mich zu töten. Aber so spielen wir das nicht. Ich soll dir wohl helfen können. Viellicht lösen wir das Rätsel gemeinsam. Solange solltest du im Spiegel bleiben.“

„Du weißt, dass ich heraus komme wenn mich jemand ruft?“ „Das weiß ich. Aber die Legende hat sich geändert. So leicht bist du nicht mehr heraus zu holen.“ „Sei dir nicht zu sicher, Lissi.“ „Sicher, was ist schon sicher? Du wirst nichts dagegen haben, wenn wir den Deckel darauf machen, dann hast du deine Ruhe. Während wir uns beratschlagen. „Neeein bitte nicht.“ „Das ist zu deinem Besten, glaub mir.“ Frank legte den Deckel wieder auf und Richard befestige ihn mit einem Zugband.

„Was hat sich denn in der Legende geändert?“ Fragte Dracula. „Das erzähle ich euch bei einem leckeren Kakao.“ Schnell verließen wir den Dachboden. Ich war bisschen zittrig. Mary hat mir ganz schön Angst eingeflößt. Aber die anderen sollten das nicht wissen. Ich wollte sie nicht beunruhigen.

„So jetzt erzähle.“ Forderte mich Richard auf. „Ihr wisst ja bestimmt, dass ich ein Horror-Film-Fan bin. Also hab ich auch schon einige Filme über Bloody Mary gesehen. In der wahren Legende heißt es, ihr Name soll fünf Mal gerufen werden. Aber die Filme und Bücher haben mittlerweile verbreitet, dass man sie drei Mal anrufen soll. Also ist das falsch. Deswegen wird sie wohl kaum ausbrechen und Unheil verursachen. Wenn nicht jemand über die Wahrheit stolpert.“ „Das ist aber sehr wackelig.“ „Ich weiß, aber das ist das einzige, das wir haben. Wir sollten also schnellstens herausfinden, wie wir ihr helfen können.“

So saßen wir alle in Gedanken versunken da und nippten an unserem Kakao, während über uns die Gefahr schwebte.

ENDE

Bisher erschienen:

  1. Schreibkicks – die vererbte Zeitkapsel
  2. Schreibkicks – Weihnachstspezial – Die Sache mit dem Rentier
  3. Mach was…mit einer Festtags-Leckerei
  4. Schreibkicks – Märchen der guten Vorsätze
  5. Schreibkicks – Rückkehr der Freunde
  6. Schreibkicks – Die Welt bei Nacht mit einem Hausschuh.
Schreibkicks, WG

Schreibkicks – Die Welt bei Nacht mit einem Hausschuh.

Hallo ihr Lieben. Es ist der erste und das bedeutet Schreibkicks-Zeit und Zeit meine Freunde zu besuchen.

Mit dabei sind diesen Monat.

Zum Auffrischen, der Erinnerung. Lissie hat von ihrer Urgrosstante ein Haus geerbt und ihre seltsamen Bewohner. Ich nutze die Schreibkicks für Geschichten rund um die Truppe. Solange sie mir noch Ideen bringen, werdet ihr sie einmal im Monat besuchen können.

 

Hier also Die Welt bei Nacht mit unseren neuen Freunden


Es war dunkel…ich hatte Hunger. Das kam eigentlich nicht so oft vor, ich war eigentlich keine Nachtnascherin. Aber seit ich in diesem seltsamen Haus wohnte, das mir meine Urgroßtante Ernestine vererbt hatte, spielte mein Stoffwechsel verrückt. Was natürlich daran liegen könnte, dass die seltsamen Bewohner zu den seltsamsten Zeiten meiner bedürften. Ich liebte die Dunkelheit – eigentlich. Aber dieses Haus im Dunkeln, das war wirklich verdammt unheimlich.

„Flapp, Flapp, Flapp.“ Ich blieb erstarrt stehen? Was war das denn für ein seltsames Geräusch. Ich drückte mich in die Ecke und versuchte den Atem anzuhalten. Was natürlich nicht gelang, ich war ja lebendig, im Gegensatz zu so manchen Bewohner hier. „Flapp, Flapp, Flapp.“ „Pscht, musst du so einen Krach machen? Du weckst Lissie noch auf. Sie brauch doch auch mal schlaf. Und du, als ihr bester Freund solltest das besonders im Auge haben.“ „Ja was soll ich denn machen, sie hat mich doch in diese Form gepresst. Glaubst du es ist angenehm, als Krake hier durch die Nacht zu schlappen? Mit Beinen wäre das ganze viel einfacher.“ „Ja, ja schon gut. Beschwer dich bei Lissie. Sie mochte dich halt so. Ich verstehe zwar auch nicht wieso. Mit einer Krake kann man doch gar nicht knuddeln.“ „Was weißt du denn? Du bist ein Geist.“ „Hei, ich war nicht immer ein Geist.“ Schniefte Amelia. „Ach entschuldige. Aber du nervst. Ständig hängst du an mir wie eine Klette. Ich bin Lissies Nicht-Mehr-Imaginärer-Freund.“ „Ich will auch einen. Ihr seid so cool. Wo ist eigentlich Waldemar?“ „Na bei Richard, wo er hin gehört. Ich sollte auch bei Lissie sein, statt hier mit dir heimlich durch die Dunkelheit zu flappen.“

Ich atmete aus, um im gleichen Moment meine Hand vor den Mund zu schlagen. Hoffentlich hatten sie mich nicht gehört.

„Was war das?“ „Hm? Was denn?“ Meinte Amelia. Sie schwebte tanzend durch die Gegend. Man musste sie einfach mögen. Sie war eine wahre Frohnatur. Aber was hatten sie nur vor? Es konnte nichts Gutes sein. Ich befürchtete einen Zauber, oder, und davon ging ich sogar noch eher aus – etwas um mich zu erschrecken. Das wäre so Amelias Ding. Sie liebte es einfach zu erschrecken. Was sie am liebsten machte, wenn ich aus der Dusche kam.

„Ach nichts.“ Antwortete Leon. Mein Leon, mein bester Freund. Er würde mich doch nicht erschrecken? Sie bewegten sich in Richtung des Dachbodens. Die Aufräumarbeiten im Haus gingen recht gut voran. Nach dem ich mal auf den Tisch gehauen hatte und jedem eine Aufgabe zugeteilt hatte. Sogar Dracula, der ewige Miesepeter, musste sich nützlich machen. Er hatte die Aufgabe, die Fledermäuse unter dem Dachfirst zu bitten, ihre Exkremente doch bitte außerhalb des Hauses zu verteilen. Guano war zwar ein guter Dünger, aber ich brauchte das stinkende Zeug nicht unter dem Dach. Nicht nur, dass es stank – es hatten sich auch so einige Käfer darin heimelig eingerichtet.

Und ich meine wirklich eingerichtet. Denkt dran, dieses Haus ist magisch angehaucht – eingetaucht, wohl eher. Wenn man also die obere Schicht des Guanos abtrug, konnte man kleine Höhlen sehen. Ihr könnt mir glauben, als ich eine Käferdame mit ihrem Käferherren im, sagen wir mal, Ehebett erwischte, vermied ich das. Was die mich beschimpft haben. Was nicht so schlimm war – schlimm war, dass ich sie verstanden habe. Ganz ehrlich – manchmal glaubte ich wirklich ich müsste doch mal auf die Couch.

Gab es eigentlich Psychiater für Hausbesitzer mit besonderen Bewohnern? Das müsste ich mal googlen. Wäre wohl mal eine Marktlücke. An mir könnten sie schon gut verdienen. Und an meinen Bewohnern bestimmt auch. So manch einer hatte echt eine Macke.

Minerva – unsere liebliche Haushexe. Sie hatte manchmal echte Diven-Angewohnheiten. Da war einfach nichts gut genug. Dann sollte man ihrem Zauberstab besser aus dem Weg gehen.

Ihr könnt es also erraten. Minerva war für die Dekoration zuständig.

Morphi unsere Mumie, hatte noch keine so richtige Aufgabe gefunden. Ich war schon glücklich, wenn man nicht ständig Mullbinden und Staub von ihm fand. Er hatte so ein kleines Problem mit Auflösung. Minerva konnte es immer wieder Rückgängig machen, aber es machte Heidenarbeit. Und in die Nähe des Staubsaugers traute er sich nicht. Er hatte Angst irgendwann mal unachtsam zu sein und sich selbst aufzusaugen.

Amelia hatte ja schon ihren Auftritt. Sie war unser Geist. Sie half mir beim Putzen. Sie kam so toll an die Ecken in die ich nicht gelangen konnte. Eigentlich wollte sie die Deko übernehmen und war etwas angesäuert auf mich. Sie hatte auch ein Gespür für Gestaltung. Ich würde einen Kompromiss schließen müssen. Sonst würde es irgendwann mal zu einem kleinen Zickenkrieg kommen.

Frank war unser grandioser Koch. Seit ich hier wohnte, wagte ich mich nicht mehr auf die Waage. Er war ein grober Virtuose in der Küche.

Und Richard – ja er war unser Hausverwalter und wie ich ein Mensch. Wie hatte ihn die Tante genannt. Adrett. Er war die Seele und wirklich adrett. Ich mochte ihn und war so dankbar, dass er mich unterstütze und ich lernte so viel von ihm, er war schon lange hier. Wie lange eigentlich? Ich musste ihn mal fragen.

Unsere neuesten Mitglieder waren Keya – unsere Baumnymphe, Waldemar – Richards imaginärer Freund und Leon – mein imaginärer Freund. Und was hatte besagter nun vor?

„Flapp, Flapp, Flapp.“ Das Geräusch wurde leiser. Die beiden waren jetzt schon auf dem Dachboden. Ich folgte ihnen leise. Zum Glück hatte ich meine Plüschhausschuhe in Einhorn Design – lacht nicht – die sind echt total putzig und fluffig – an. Es war schon ziemlich kalt in diesem Haus. Sie dämpften meine Schritte. So konnte ich ihnen weiterhin folgen.

„Pass doch auf.“ Fluchte Amelia „Fast wärst du auf die Tröte getreten. Lissie muss echt hier mal langsam Ordnung machen. Das ist ja echt so unordentlich hier und schmutzig.“ Ich stemmte meine Hände in die Hüften. Der würde ich was erzählen. Schon wollte ich losstürmen, aber ich war doch zu neugierig, was hier los war. Ich kniete auf der Treppenstufe. Die war verdammt hart. Wo waren die Zeiten in denen mir sowas nichts ausgemacht hatte? Pst….da waren die anderen. Was?

„Da seid ihr ja. Man kann von Glück sagen, dass Lissie so einen festen Schlaf hat. Man kann euch ja durch das ganze Haus hören. Also wirklich. Wie soll man denn hier was Geheimes aufziehen? Hä?“ Fauchte Minerva. Morphi nickte, nicht ohne eine Staubwolke zu hinterlassen. „Wie geht es denn jetzt weiter, mal?“ Blaffte Dracula. „Ich bekomme langsam Hunger und bald wird es hell.“ „Hell, wir haben Mitternacht. Also stell dich nicht so an. Gott bist du ein Brummbär.“ „Das verbiete ich mir. Ich bin viel zu elegant um mit einem Bären verglichen zu werden.“ Amelia schüttelte ihre Locken und fuhr einfach durch ihn hindurch. Er sprang erschrocken zur Seite. Das war ein ekelhaftes Gefühl. Mit mir machte sie das auch immer. Als würde jemand einen Eisbeutel durch einen ziehen und gleichzeitig die Luft aus einem heraus lassen.

„Kommt jetzt. Ich brauche meinen Schlaf. Lasst uns einen Kreis bilden. Die Tür ist verschlossen. Aber nur mit Magie kann man sie öffnen. Dafür brauche ich eure mentalen Kräfte, die muss ich anzapfen.“  „Das gefällt mir echt so gar nicht. Ich will nicht, dass du von mir zapfst. Wenn dann mache ich das. Von zarten Jungfrauen. So einen kleinen Tropfen ihres lieblichen Blutes.“ Ein heftiger Schubser von Frank holte Dracula wieder zurück. „Hei. Ja ist gut, mach endlich.“ Die Luft fing an zu wabern. Es war wie wenn man eine Szene durch einen Wasserfall beobachtete. Man konnte nur noch Schemen erkennen. Minerva war vertieft in ein unverständliches Gemurmel. Die Wände lösten sich auf. Formierten sich neu, lösten sich auf und bauten sich wieder zusammen. Der Dachboden hatte sich verändert. Er war noch unordentlicher. Denn das Umgebaue, hatte die Sachen noch mehr durcheinander geworfen. Na danke. Dann sah ich es. Eine Tür.

„Da – da ist sie. Ich wusste es. Ich hatte sie gespürt. Das ist die Tür.“ Sie lachten alle und Frank sprang hoch. Ein dumpfer Plumpser ließ den Boden erzittern. „Frank! Du bist zu laut.“ Mich hielt jetzt nichts mehr. Ich stieg weiter hoch und stand in der Tür. „Was ist denn hier los?“. Innerlich musste ich lachen. Ich hatte sie so kalt erwischt. Ein einheitliches Zucken ging durch die Gruppe. „Äh. Lissie? Haben wir dich geweckt?“ „Nein.“ Hinter mir kam ein Geräusch. „Aber mich.“ Richard stand ganz nah hinter mir und strahlte die Wärme eines gerade aufgewachten aus. Er roch gut. Ich drehte mich zu ihm. Seine Haare waren total verwurschtelt. Das stand ihm gut.

Er sah mich an. „Lissie?“ „Ich weiß von nichts. Ich wollte nur was essen, da hab ich die Geheimniskrämer erwischt, wie sie den Dachboden umgestalteten und eine Tür herbei zauberten.“ „Die haben wir nicht hergezaubert. Die war magisch versteckt. Ich habe sie nur gespürt und denke ich weiß was sie bedeutet. Es sollte eine Überraschung für dich sein. Ich weiß doch, wie sehr du reisen möchtest. Das ist unser Geschenk für dich. „ „Eine Tür?“ „Ach je, sie ist auch noch schwer von Kapee. Natürlich nicht die Tür, sondern das was du dahinter sehen kannst.“

Ich ging zu ihnen und wollte die Tür öffnen. „Halt.“Minerva´s Hand schloss sich um meine. „Es wird etwas seltsam werden. Diese Tür öffnet sich nur einmal im Monat. Immer zum ersten des Monats. Du kannst immer reisen, wohin du willst. Es gibt nur einen Nachteil. Es wird immer dunkel sein. Die Welt bei Nacht.“ Ich blickte sie verdutzt an. „Die Welt bei Nacht. Okay. Da gibt es Mittel, oder Zauber, die mir die Möglichkeit geben zu sehen, oder?“ „Da gibt man den kleinen Finger und sie reist den ganzen Arm aus.“ Seufzte Minerva. „Ja ich kann da was zaubern. Und noch was. Diese Hausschuhe, die wirst du brauchen.“ Ich blickte auf meine Füße und wackelte mit den Zehen. „Ihr braucht euch nicht lustig zu machen. Sie sind wirklich schön warm und bequem.“ Minerva rollte die Augen. „Ach Kindchen. Nein, das wird dein Transportmittel sein.“ „Meine Hausschuhe?“ „Die Einhörner.“ „Ach, ja klar. Die Einhörner. Warum bin ich denn da nicht selbst drauf gekommen. Netter Versuch,  Leute. Ich hol mir jetzt einen Snack und verkriech mich wieder ins Bett. Lachen werde ich dann morgen.“ Da riss Dracula die Tür auf und schupste mich durch. Und ich fiel. „Aahhhhhhh – Hiiiilfeee“ „Ich konnte ihre Schwerfälligkeit nicht mehr ertragen. Entschuldigen kann ich mich ja, sollte sie zurückkommen.“ Ein Nicken ging durch die Runde. Keiner sorgte sich um mich.

Ich befand mich im freien Fall und würde entweder gleich sehr unsanft aufkommen oder ewig schweben. Ich trudelte und merkte auf einmal ein Zucken an meinen Füssen. Ich wurde unsanft durchgeschüttelt und aufgefangen. Mein Blick wurde schärfer – ich konnte sehen und sah – Ein Einhorn. Ich saß auf einem Einhorn, das tatsächlich aussah wir mein Hausschuh. Dieses Verrückte Haus.

„Hallo Lissie. Schön dich auch mal aus einer anderen Perspektive zu sehen. Ich bin dein Reisebegleiter. Du hast mir keinen Namen gegeben. Wie willst du mich nennen?“ „Öh – Ich weiß nicht – Littlerock.“ „Eigenartiger Name – aber ok. Damit kann ich leben. Also wohin willst du als erstes fliegen?“ Fliegen – ich konnte es nicht glauben. Ich flog durch die dunkle Nacht um die Welt zu erkunden. Ach ich war glücklich. „Kann ich eigentlich auch durch die Zeit reisen?“ „Das geht auch.“ „Ich werde verrückt. Äh – dann will ich heute erst mal einen Zeitsprung in die Vergangenheit machen und hier landen – sagen wir vor fünfzig Jahren. Ich würde gerne die Anfänge dieses verrückten Haufens erleben.“ „Alles klar – halt dich fest. Tische hochklappen und anschnallen – wir reisen in das Jahr 1969. Ankunft: Jetzt.“ Ein Ploppen erklang und es fühlte sich an, als würde ich aus einer Erbsenpistole geschossen. Was würde ich sehen? Ich war so neugierig.

ENDE

 

Bisher erschienen:

  1. Schreibkicks – die vererbte Zeitkapsel
  2. Schreibkicks – Weihnachstspezial – Die Sache mit dem Rentier
  3. Mach was…mit einer Festtags-Leckerei
  4. Schreibkicks – Märchen der guten Vorsätze
  5. Schreibkicks – Rückkehr der Freunde
Schreibkicks, WG

Schreibkicks – Rückkehr der Freunde

Hallo ihr Lieben. Es ist wieder Schreibkickszeit. Ich bin dieses mal etwas spät. Es kam bisschen was dazwischen.

Aber hier habt ihr wieder einen kleinen Auszug aus dem Leben meiner schrägen WG.

Heute ist das Thema imaginärer Freund. Wer hatte keinen? Haben Kinder in der digitalen Welt heute noch einen? Ich hoffe es.

Bisher erschienen:

  1. Schreibkicks – die vererbte Zeitkapsel
  2. Schreibkicks – Weihnachstspezial – Die Sache mit dem Rentier
  3. Mach was…mit einer Festtags-Leckerei
  4. Schreibkicks – Märchen der guten Vorsätze

Mit dabei waren dieses Mal:

Das Thema für den 01. März lautet:

 

 

Schreibkicks, WG

Schreibkicks – Märchen der guten Vorsätze

Ich hoffe ihr habt das Jahr sicher und gut gestartet? Bei uns war es lustig und entspannt. Jetzt muss nur noch die Bowle aus dem Blut verschwinden ;-)

Ich nutze die Schreibkicks wieder für mein neues Team. Aber ich muss noch kurz erwähnen, dass den Schreibkickern ein Teil vielleicht entgangen ist, da ich eine Überleitung zu der heutigen Geschichte brauchte. HIER könnt ihr gerne nachlesen, ist aber nicht wichtig für diesen Teil. Ein ganz kurzer Teil nur.

Mit dabei waren:

Keya, die neue Freundin ist eine Baumnymphe, die den Weihnachtsbaum beschützt. Nur so kurz.

Bisher erschienen:

Schreibkicks – die vererbte Zeitkapsel

Schreibkicks – Weihnachstspezial – Die Sache mit dem Rentier

Mach was…mit einer Festtags-Leckerei


Schreibkicks – Das Märchen der guten Vorsätze

Unser erstes Silvester. Nach einigen kleinen Zwischenfällen ist es richtig gut geworden. Das Feuerwerk war einfach traumhaft. Ich war ja nicht wirklich Fan davon, aber sogar ich konnte mich nicht dieser Schönheit entziehen. Ich – ja wenigstens ich und Richard, waren halt auch nur Menschen.

Amelia, unser guter Hausgeist, war ja bisschen angesäuert, weil wir so leckere Sachen essen konnten. Als Geist wurde ihr dieses Vergnügen ja leider verwehrt. Keiner so wirklich auf ihr Gejammer eingegangen. Keiner achtete wirklich auf sie. Während wir also noch das hübsche Feuerwerk bewunderten, versetzte sie unsere alkoholfreie Bowle, mit allem möglichen alten Flaschen aus dem Weinkeller. Ein dämonisches Lachen entwich ihr.

Schwatzend kamen wir aus der Eiseskälte wieder herein. Da das Haus noch nicht komplett eingerichtet war, holte ich schnell meinen MP3 Player – ja bisschen antiquiert – aber ich hätte auch noch einen mobilen CD-Player – also ist der MP3 Player schon modern. Dort ließ ich meine Play List laufen. Alles Lieder der achtziger. Die Musik machte einfach Laune. Sofort fing ich an zu tanzen. Ich schnappte mir Morphi und wir tanzten. Ich tanzte und Morphi versuchte seine Bandage zusammen zu halten. Denn bei jeder Drehung wickelte sich ein Stück ab. Keya, unsere neue Freundin, ging richtig aus sich heraus. Wo doch Baumnymphen eher zurückhaltend sind. Sie schnappte sich ein aufgewickeltes Ende und wickelte sich immer näher an Morphi. Das gefiel ihm so garn nicht. Er zog und zog, damit wirbelte er sie herum, so dann sie am Ende in Franks Armen landete. Der so perplex war, dass er sie gleich wieder fallen ließ.

Dracula brachte die Bowle – er hatte sich seine mit bisschen Blut angereichert – oder eher umgekehrt.

„Kommt, wir müssen noch unser Tischfeuerwerk entzünden und Bleigießen spielen. Ein Wunder, dass du noch ein Set bekommen hast. Ist doch dieses Jahr verboten worden.“ „Ich hab so meine Quellen.“ „Hört, hört – unser heimlicher Bad Boy?“ Richard errötete leicht. Ich hatte mittlerweile schon so einige Gläser von der Bowle und mir ging es immer besser. Ich konnte kaum aufhören zu lachen. Wir zündeten die Wunderkerzen an und mussten dabei noch Morphi löschen, der es nicht lassen konnte und auch unbedingt eine zünden wollte. Die alten Bandagen brennen recht schnell.

Wir tanzten ausgelassen durch die große Halle. Dann fielen wir alle ermattet und ziemlich betrunken auf den Boden. Von allen, sagen wir Menschen, die meisten anderen waren ja irgendwie tot, hob sich die Brust außer Atem. Und dann kam das Monster. Es klopfte an die Tür, glaube ich. Oder es schallte einfach nur wie ein Todeshauch durch die Halle. Ich übertreibe nicht – so habe ich das in Erinnerung – der Alkohol mag das verstärken, aber es wisperte sehr laut. „Vorsätze, sagt mir eure Vorsätze. Ich brauche eure guten Vorsätze.“ „Pst, flüsterte Minerva, habt ihr das gehört?“ Dracula war stocksteif geworden, Morphi versteckte sich hinter Frank, Keya tarnte sich an dem Weihnachtsbaum. Richard und ich blickten uns verständnislos an. „Was ist denn?“ Meinte Richard. „Vorsätze. Das Monster der Vorsätze sucht die Häuser heim.“ „Na, das ist doch normal, oder. Man macht Vorsätze, um sie dann eh zu brechen, dann fühlt man sich mies. Der Lauf des Silvester/Neujahr Tags.“ Minerva schnaubte: „Menschen, sie wissen es nicht. Es gibt ein altes Märchen, und ihr wisst ja wie das mit Märchen ist. Es steckt immer ein Stück Wahrheit drin.  Hört zu.“

Wir rutschten in die Mitte des Raums, in dem ein Lagerfeuer erschien. Um uns herum entstand ein dichter Wald. Es war einfach fantastisch mit Fabelwesen zu leben, sagte mir mein umnebeltes Gehirn. „Das Monster, der guten Vorsätze. Seit die Menschen rational denken gibt es dieses Monster.  Es schleicht sich zum Jahreswechsel in die Gehirne der Menschen.  Seine Aufgabe ist es, sie zu manipulieren. Du!“ Ich zuckte zurück. „Wie oft hast du dir irgendwas vorgenommen im neuen Jahr?“ „Äh, isch glaub, jedes Jahr.“ Nuschelte ich. „Und wie oft hast du es gebrochen?“ „Isch glaub jedes Jahr.“ Wiederholte ich. Richard stimmte mir nickend hinzu. „Seht ihr. Jedes Jahr, jeder Mensch. Bei uns klappt das nicht – das hat das Monster aber auch schon probiert. Aber schnell aufgegeben, da wir ihm die Energie entzogen haben, die er so mühevoll aufgesammelt hat.

Also.“ Stoppte Minerva geheimnisvoll. „Ihr wisst, die Menschen sind so ziemlich das schlimmste, was es auf der Erde gibt. Keine Rasse hat so viel  Zerstört. Und in den dunklen Zeiten, als der Glaube an die mächtigen Götter noch stark verbreitet waren, beichteten die Menschen zum Neujahr ihre Sünden. Und schworen ihnen ab, da sie die Bestrafung der Götter fürchteten. Aber, da die Menschen sich nie bessern würden, entstand dieses Monster. Es ist quasi ein Abfallprodukt, der Menschlichen Verfehlungen. Es streicht durch die Wohnstätten der Menschen und haucht ihnen den Willen der Vorsätze ein. Dann labt es sich an den Verzweiflungen, wenn sie nicht eingehalten werden. Es ist widerlich. Denn, es raubt dir immer ein ganz kleines Stück deiner Seele. Jedes Jahr ein bisschen. Die Menschen verzweifeln und jammern, dass sie nicht Willensstark genug sind und diese Verzweiflung, ist die Nahrung des Monsters.“ „Aber, wenn keiner gute Vorsätze hätte, würde überhaupt eine Veränderung stattfinden?“ Fragte ich. „Was meinst, du? Würdest du eine Schokotorte essen, wenn du es dir nicht verboten hättest?“ „Bäh, wohl eher nicht?“ „Siehst du. Dein gesunder Menschenverstand, würde dich daran hindern. Ebenso würdest du von dir aus, mit Sport anfangen, oder was du sonst gerne machen würdest. Je mehr Druck du dir machst umso eher ist es zum Scheitern verurteilt und so mieser fühlst du dich. Und das Monster der Vorsätze wächst und wächst.“  Entschlossen stand ich auf. „Gut, mit dem heutigen Tag, werden die guten Vorsätze hier verbannt. Es wird nie wieder gute Vorsätze geben, nur glückliche Menschen.“ In meiner Hand erschien, durch Zauberhand ein Glas Sekt. „Darauf erheben wir die Gläser. Hier wird es nur entspannte Menschen geben.“ Sie blickten mich alle zweifelnd an. „Gut, ich ändere es. Es wird Menschen geben, die aus sich heraus, das Beste machen, nicht weil sie es sich aufdrängen lassen. Das Monster der guten Vorsätze hat hier keinen Zutritt.“ Ich meinte ein tiefes grummeln draußen vor der Tür zu hören. Aber das Glas Sekt, spülte alles hinunter. Und wir feierten entspannt das neue Jahr.