[abc.etüden]

Schreibeinladung für die Textwochen 12.13.19 – Hätte sie nur…

Noch ein Text habe ich für Christianes Etüden hervorgebracht.

Eigentlich würde ich bei dem Wort Café auf etwas freundliches hoffen. Aber verdorben und beißen – die reisen es in den Abgrund. Also hier ein weiterer Text aus den Tiefen.


Er hatte es einfach verdorben, dachte Daisy. Hätte er nicht so einen netten Eindruck im Café gemacht, wäre sie nie mit ihm mitgegangen. Sie hörte ihre Mutter in ihren Gedanken. Daisy, gehe nie mit einem Mann beim ersten Treffen zu ihm nach Hause. Er wird dich beschmutzen, oder wenigstens deinen Ruf. Wie oft hatte sie das und ähnliches gehört?

Jetzt stand sie in seiner Küche. Sie hätte niemals eine Chance zu entkommen. Seit vielen Jahren wurde es schon getan. Sie hatten es lange angekündigt. Um Verbrecher besser Dingfest zu machen, wurde seit ihrem Geburtenjahr die DNA gespeichert. Jetzt war sie eine Verbrecherin. Sie blickte an sich herunter. Das Blut tropfte von dem Messer auf den Boden. Wie konnte das passieren? Er wollte sie doch nur sanft in den Hals beißen. Aber dieser Biss hatte sie so erschreckt.

Sie hatte nicht mal bemerkt, dass sie nach dem Messer gegriffen hatte. Ein reiner Reflex. Ein Biss – Ein Stich. Und überall würde ihre DNA verteilt sein. In ihren Gedanken ging sie zurück. Café, Auto, Wohnungstür, Bad, Wohnzimmer, Couch, Küche. Sie musste alles reinigen. Warum auch musste er beißen? Beißen war anstößig.

Daisy erwachte aus ihrer Trance. Wie ferngesteuert ging sie auf den Wandschrank zu. Dort fand sie Bleichmittel und Handschuhe. Ein Eimer und eine Sprühflasche fand sich auch noch. Woher kam die Kraft? Sie zog ihn in die Wanne, kippte Bleiche über ihn und in seinen Mund. Systematisch ging sie rückwärts. Ein Überwachungssystem hatte er nicht. Als sie beim Auto ankam hängte sie ihr T-Shirt in den Tank und zündete es an. Einige Meter am Straßenrand stand ein Auto. Die Tür öffnete sich und ihre Mutter stieg aus. Mit den Armen in den Hüften: „Ich hab dich gewarnt. Steig ein.“ Daisy stieg ein. Sie hätte auf ihre Mutter hören sollen.

297 Worte

Humor, Krimi, writing friday

#Writing Friday – Wohin mit der Leiche?

Ich hab es vermisst. Endlich hab ich mal wieder den Kopf frei um bisschen zu schreiben. Dank dem #Writing Friday hab ich auch genau das Richtige für mich entdeckt.

Mein Mann hat sich schon amüsiert. Er fragte mich, was ich denn da alles guckte und suchte. Und ich antwortete ihm – wie man eine Leiche entsorgt. Er war erstaunt. Sowas findet man? Ja – aber ich muss zugeben, dass es doch ein bisschen seltsam ist da nach zu suchen. Was ist, wenn einer meinen Browserverlauf hackt? Gut, dass ich eine Erklärung habe und die findet ihr jetzt im Anschluss.


Du hast gerade einen Mord begangen und musst die Leiche loswerden. Wie gehst du vor?

 

Da stand ich nun. Und er lag direkt vor mir. Ich stippte ihn mit der Fußspitze an. Ja. Tot. Verdammt. Also nicht dass er tot war, das war mir eigentlich egal. Aber dass ich ihn getötet hatte, das war nicht so geplant. Ich war irgendwie nicht bereit, wegen dem Saftsack mein Leben im Knast zu verbringen. Also was tun? Wie wurde ich eine Leiche los? Loraine. Die würde es wissen. Sie war ein Krimi Fan. Ständig las sie einen oder sah im Fernsehen CSI und diese anderen. Und – sie war meine beste Freundin. Wofür hatte man beste Freunde, wenn nicht dafür eine Leiche zu entsorgen. Kaffee konnte ich auch mit beliebigen Arbeitskollegen trinken.

Marvin, das war mein Hund. Eine unbestimmte Promenadenmischung mit einem Goldkelchen, dass die Nachbarn regelmäßig verzückte. Sie riefen immer so Nettigkeiten, wenn er draußen bellte. Marvin schnüffelte von der anderen Seite der Scheunentür. Er wusste was. Ja Blut bedeutet Fresschen. Loraine, ja da war ja was. Ich ging zur Tür. Wollte gerade die Tür öffnen, als mich der Schlag traf. Ich triefte vor Blut. So konnte ich wohl kaum raus. Ich würde mir ja meine Wohnung versauen. Ne, ne. Ich sah mich um und war dankbar, dass ich eine so miese Hausfrau war. Die Wäsche hing ewig, bis ich sie mal wegräumte. Ich schnappte mir eine löchrige Jogginghose und ein passendes T-Shirt und ging zum Haus.

Im Haus war ich etwas orientierungslos. Wie sollte ich Loraine das erklären. Wohl kaum am Telefon. Ich erinnerte mich an den Lauschangriffskandal. Ich musste nur das Falsche sagen, schon würden sie hier einfallen. Hmhm. Ein Mädelsabend. Das wäre das einzig unauffällige. Also gut. Ich ging zum Telefon. Wo war eigentlich mein Handy? Egal. Es tutete. „Bitte sei zu Hause.“ Konnte man eigentlich schon abhören, bevor das Gespräch angenommen wurde? Ich nahm mir vor das mal zu googlen. Hätte ich mein Handy, könnte ich das während der Wartezeit machen. Wie oft hatte es denn jetzt schon getutet? Klack. „Hallo?“ hörte ich verschlafen. Wie spät war es denn? Oh je. Mitternacht. Da würde mir doch keiner einen Mädelsabend abnehmen. In meinem Hirn war das absolute Chaos. Was konnte mich bewegen so spät anzurufen? „Hallo, Maddie?“ „Hallo? Wer ist denn da?“ Lallte ich ins Telefon. „Mir ist so schlecht. Hallo, wer ist da?“ „Maddie? Bist du betrunken?“ „Loraine, warum hast du mich denn angerufen?“ „Du hast mich…ach vergiss es. Was ist denn los. Seit wann trinkst du denn alleine?“ „Ich bin so einsam Lora. Keiner liebt mich und ich werde alleine sterben.“ Ach war ich gut. „Soll ich vorbei kommen?“ „Jaaaaa.“ Schluchzte ich. „Bring Wein mit.“ „Na ich weiß nicht, ich glaube du hattest genug.“ „Neiiin. Bitte bring Wein mit.“ „Na gut. Ich bin gleich da.“ Wir legten auf und ich führte einen kleinen Tanz auf. Da würde doch keiner stutzig werden. Haha. Dann stoppte ich. Wie pietätlos von mir. Ich ging ins Wohnzimmer. Erst wollte ich mich in meinen Lieblingssessel setzen und einkuscheln. Aber ich wollte ihn nicht mich schlechten Erinnerungen verpesten. Ich drehte mich im Raum. Dort. Der Stuhl meiner Großmutter. Den hasste ich schon immer. Der konnte dann entsorgt werden.

Ein Schlüssel drehte sich im Schloss. Natürlich hatte ich meiner besten Freundin einen Schlüssel meines Hauses gegeben. Sie trat ein. „Maddie? Wo bist du? Ich hab Ginger Ale gegen die Übelkeit, Aspirin für die Kopfschmerzen, und für davor Wein und Kräcker. Und natürlich einen Meg Ryan Film.“ Ich huschte ihr entgegen und zog sie rein. Schnell schloss ich die Tür. Dann umarmte ich sie fest und führte sie ins Wohnzimmer. „Na du hast dich aber schnell erholt.“ „Ich musste dich doch irgendwie unauffällig herlocken.“ „Ja, natürlich. Und wieso?“ Ich setzte sie ins Bild und sie setzte sich auf Großmutters Stuhl.

Nach der Flasche Wein und einer weiteren Halben, begaben wir uns in die Scheune. Marvin stand immer noch davor und begrüßte uns schwanzwedelnd. Ein so braver Hund. Jetzt standen wir also vor dem Toten. Loraine hatte die Hände in die Hüfte gestemmt und schaute sich in meiner Scheune um. „So, so. Ein Toter. Also so was. Ich muss zugeben. Liebeskummer wäre mir jetzt doch irgendwie lieber.“ Ich nickte. „Wie ist das noch mal passiert? Wer ist das?“ „Mein Barista.“ „Dein Barista. Ja klar. Warum nicht? Hat dir der Kaffee nicht geschmeckt? Oder, Gott bewahre, wollte er dir echten Kaffee ohne chemische Zusätze anbieten?“ Ich schubste sie und musste lachen. „Nein, er hat mich nach einem Date gefragt und eigentlich ist er ja ganz süß.“ „Aber? Wieso ist er denn dann jetzt tot?“ „Ein Unfall?“ „Fragst du mich das? Wenn es ein Unfall wäre, hättest du ja wohl die Polizei holen können. Und das Brecheisen in seinem Kopf, ich weiß nicht – wie soll er denn da drauf gefallen sein.“ „Ungeschickt nicht wahr?“ Loraine stampfte mit dem Fuß auf und musste gleichzeitig ihre Balance aufrecht halten. „Alscho.“ „Ähm, Also, was ist passiert?“ „Er ist dämlich.“ „Das sind so einige, deswegen laufe ich aber nicht rum und töte sie alle. Würde ich gerne – aber das ist ja doch bisschen anstrengend.“ „Wir haben uns einfach hoch geschaukelt. Jetzt habe ich meinen Barista verloren. Sein Kaffee war wirklich gut.“ „Ja, das sollte dein kleinstes Problem sein. Okay. Ich weiß, dass du Rechthaberisch bist. Das ist natürlich beim ersten Date kontra. Aber töten – das ist doch bisschen überreagiert.“ „Ich hatte einen schlechten Tag im Büro.“ Loraine rollte mit den Augen. Da fiel ihr nichts mehr ein. „Egal wir müssen ihn loswerden Schon einen Plan?“ „Ich – dafür hab ich doch dich geholt. Du bist doch die Krimiexpertin.“

Loraine öffnete die Scheunentür. Marvin kam herein und blickte sich um. Seine Nase erfasste die Situation und Loraine ging ein Stück beiseite um ihm den Blick frei zu machen. „Lora, was machst du, denn?“ „Schätzchen, du hast Recht, ich bin die Expertin und ich kann dir sagen. Die meisten Fehler passieren beim Entsorgen der Leiche. Eine Tonne hast du nicht – also können wir ihn nicht auflösen. Wo sollen wir auch so viel Bleiche her bekommen? Ne, ne. Auffressen – das ist das einzige. Und ein Hund, der frisst alles was geht. Es werden nur noch wenig Knochen übrig bleiben. Und wenn du die in einen Müllsack packst und zur Verwertung fährst – mit Fahrrad bitte. Wird da nie was raus kommen. Es weiß ja keiner von euch, oder“ „Ne, ich wollte erst mal nur schauen, was er so für ein Typ ist.“ Loraine nickte zustimmend.

„Aber Marvin wird ja ewig für ihn brauchen.“ „Wolltest du nicht immer einen zweiten Hund?“ „Ne eigentlich nicht. Aber – im Hundepark hat mich ein netter Mann angesprochen – sehr süßer Kerl. Er will paar Tage mit seinen Freunden wegfahren und hat noch keine Unterkunft für den Hund.“ „Perfekt. Wir können ihn jetzt nicht zerkleinern, das macht zu viel Krach. Morgen werden wir ihn bisschen zersägen, und ihn in die Truhe verfrachten. Marvin hat dann leckeres Essen und du bist deine Leiche los.“ „Du bist genial.“ „Ich weiß.“  Lachend gingen wir ins Haus. Marvin ließen wir schon bisschen knabbern. Der restliche Wein und die Kräcker landeten auf dem Tisch. Der Meg Ryan Film wurde eingelegt und der Abend entspannt ausklingen gelassen. So wurde es doch noch ein netter Mädelsabend.

ENDE